Länderprofil ZAR

Zentralafrikanische Republik

31
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Zentralafrikanische Republik
Hauptreligion
Christlicher Glaube
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
35
Karte ZAR
Christen
3,78
Bevölkerung
5.02
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 9.000
Familienleben: 8.600
Gesellschaftliches Leben: 13.600
Leben im Staat: 9.600
Kirchliches Leben: 11.400
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 31 / 68 Punkte (WVI 2021: Platz 35 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Zentralafrikanische Republik (ZAR) wird seit 2013 von Konflikten erschüttert. So ist der größte Teil des Landes von bewaffneten Milizen besetzt, die für eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Christliche Leiter, die sich öffentlich gegen die Gewalt ausgesprochen haben, wurden bedroht, Kirchengebäude wurden geplündert und niedergebrannt. Durch den Konflikt wurden tausende Christen vertrieben, die in Lagern leben müssen, weil sie ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage verloren haben. Außerdem werden die Rechte christlicher Konvertiten von ihren direkten Familienangehörigen verletzt, sie werden von ihrem sozialen Umfeld oftmals ausgestoßen und es wird versucht, sie mit Gewalt zum Widerruf des christlichen Glaubens zu zwingen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Seit die Zentralafrikanische Republik im Jahr 1960 ihre Unabhängigkeit erlangte, ist das Land von Gewalt gezeichnet – angetrieben von übergreifenden Spannungen zwischen bewaffneten Gruppierungen, religiösen und ethnischen Gruppen sowie Hirten und Bauern. Die mehrheitlich muslimische Gruppe „Séléka“ zettelte 2013 einen Putsch an, der einen tödlichen Konflikt zwischen religiösen und ethnischen Gruppen auslöste. Der 2016 gewählte Präsident Faustin Archange Touadéra hat die Versöhnung zur Chefsache gemacht; und so konnte 2019 ein politisches Friedensabkommen unterzeichnet werden. Dennoch kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der Séléka und den zur Selbstverteidigung eingesetzten Gruppen, den sogenannten „Anti-Balaka“. Obwohl die Anti-Balaka häufig als Christen bezeichnet werden, handelt es sich bei ihnen meist um Animisten, und die Kirchen haben sich von ihnen nachdrücklich distanziert.

Die Verfassung von 2016 gewährt Religionsfreiheit, die in der Praxis im Allgemeinen respektiert wird. Das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen sieht oberflächlich betrachtet gut aus, es gibt jedoch einige Spannungen. Vor allem christliche Konvertiten, die vom Islam zum christlichen Glauben übergetreten sind, sehen sich mit Übergriffen konfrontiert. Christen, die in muslimisch dominierten Gebieten leben, haben von Diskriminierung und Angriffen auf Kirchen durch ehemalige Séléka-Gruppen berichtet. Auch die Anti-Balaka-Rebellen greifen jene Kirchen und Christen an, die sich ihren Aktivitäten widersetzen. Ende 2020 wurde die Lage noch komplizierter, als sich mehrere Gruppen zur „Koalition der Patrioten für den Wandel“ (CPC) unter dem ehemaligen Machthaber François Bozizé zusammenschlossen. Nachdem das Verfassungsgericht die CPC von der Teilnahme an den Wahlen ausgeschlossen hatte, versuchte diese, die Wahlen zu behindern. Die CPC und deren Ursprungsgruppen halten die Bevölkerung weiterhin mit Gewalt und Erpressung unter ihrer Kontrolle.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

3.780.000

75,3

Muslime

664.000

13,2

Anhänger ethnischer Religionen

527.000

10,5

Bahai

12.900

0,3

Atheisten

700

0,0

Agnostiker

37.900

0,8

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Am stärksten werden die Rechte von Christen in den nördlichen und östlichen Teilen des Landes verletzt, wo die muslimische Bevölkerung dominiert und in denen Séléka-Splittergruppen aktiv sind. Auch im östlichen Teil des Landes, an der Grenze zum Sudan, ist die Lage für Christen schwierig.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Gewalt gegen Christen wird vor allem von Ablegern der Séléka-Miliz verübt, zum Beispiel von der „Volksfront für die Wiedererstehung der Zentralafrikanischen Republik“ (FPRC) und der „Union für den Frieden in der Zentralafrikanischen Republik“ (UPC). Die islamische Unterdrückung zeigt sich auch in den Übergriffen, denen Christen in überwiegend muslimischen Teilen des Landes ausgesetzt sind. Islamische Anführer verlangen von christlichen Geschäftsleuten eine hohe Steuer. Oftmals plündern sie die Geschäfte der Christen aus, um sie in die Armut zu treiben. Christen muslimischer Herkunft werden im nördlichen Teil des Landes und in den Gebieten entlang der Grenze zum Sudan häufig durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld unter Druck gesetzt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Diese Triebkraft der Verfolgung zeigt sich besonders dort, wo militante Anti-Balaka-Kämpfer Kirchen und Christen angreifen, insbesondere jene, die sich ihren gewalttätigen Machenschaften widersetzen. Die Gruppe behauptet zwar, sie wolle Christen schützen, doch hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass diese Behauptung falsch ist – vielmehr greift sie Muslime und Christen gleichermaßen an. Angesichts der herrschenden Gesetzlosigkeit ist die Gesellschaft kaum vor den Handlungen krimineller Gruppen geschützt.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Diese Art der Unterdrückung geht von Anhängern animistischer beziehungsweise traditioneller afrikanischer Religionen sowie Stammesgruppen aus. In der Zentralafrikanischen Republik sind ethnische und religiöse Motive häufig miteinander verwoben. Einige ethnische Minderheiten sind besonders betroffen, so werden beispielsweise Baaka-Pygmäen zur Arbeit zwangsrekrutiert. Anti-Balaka-Gruppen zwingen manchmal Christen dazu, sich ihnen anzuschließen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Römisch-Katholische Kirche ist die stärkste Konfession im Land, die über den größten Verbund von Kirchen, Kliniken und Schulen verfügt. Während und nach dem Putsch durch die Séléka wurden viele der katholischen Kirchen geplündert. Die Römisch-Katholische Kirche hat mit Nachdruck zum Frieden und zur Versöhnung aufgerufen und hat Zivilisten, sowohl Muslimen als auch Christen, die vor Angriffen geflohen waren, Zuflucht gewährt. Aus diesem Grund werden katholische Gemeinden häufig Ziel von Anschlägen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund werden von ihren Familienangehörigen unter Druck gesetzt, dem christlichen Glauben abzuschwören, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Aus Angst vor Angriffen muslimischer Aufwiegler, vor allem in den muslimisch geprägten Gebieten im Norden des Landes, nehmen die meisten nicht an öffentlichen Gottesdiensten teil.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinden wurden von ehemaligen Séléka-Kämpfern angegriffen. Die Zahl der Menschen, die sich diesen christlichen Gemeinden anschließen, hat in letzter Zeit stark zugenommen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9
Familienleben 8.6
Gesellschaftliches Leben 13.6
Leben im Staat 9.6
Kirchliches Leben 11.4
Auftreten von Gewalt 15.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft erleben vonseiten der Familienmitglieder heftige Verletzungen ihrer Rechte, wenn ihre Bekehrung bekannt wird. Ihnen kann die finanzielle Unterstützung entzogen werden. Im muslimisch dominierten Norden, wo Séléka-Splittergruppen aktiv sind, riskieren christliche Konvertiten ihr Leben, wenn sie im Besitz christlicher Schriften sind. Es ist vorgekommen, dass ehemalige Séléka-Kämpfer in ein Haus gekommen sind, dort jemanden beim Bibellesen vorfanden und diesen dann sofort töteten.

Familienleben

Wenn ein Ehepartner den christlichen Glauben angenommen hat, setzen die Großfamilien und das soziale Umfeld den nichtchristlichen Partner häufig unter Druck, sich scheiden zu lassen. Außerdem verlieren die christlichen Konvertiten fast automatisch ihr Erbrecht. Wenn in von Rebellengruppen kontrollierten Gebieten Eltern getötet wurden oder fliehen mussten, sind die zurückgelassenen Kinder den Angreifern schutzlos ausgeliefert. Einige wurden brutal getötet.

Gesellschaftliches Leben

Die Regierung hat faktisch die Kontrolle über viele Gebiete verloren. In muslimisch geprägten Gebieten werden Christen häufig diskriminiert, insbesondere dort, wo die Scharia mehr oder weniger offiziell angewendet wird. Die Überwachung durch einige Rebellengruppen und deren Unterstützer ist weit verbreitet. In einigen Fällen wird diese Überwachung auch von Bürgerwehren übernommen, die nach Dschihadisten Ausschau halten. Im Rahmen des anhaltenden Konflikts werden Christen (insbesondere junge Mädchen) angegriffen und entführt. Insbesondere im abgelegenen Norden des Landes wollen muslimische Bürger in der Regel die gemeinschaftlich genutzten Ressourcen (wie etwa die Gesundheitsversorgung) nicht mit Christen muslimischer Herkunft teilen.

Leben im Staat

In Gebieten, die von Ex-Séléka-Kämpfern kontrolliert werden, stehen alle Verkehrsmittel unter muslimischer Kontrolle, was die Fortbewegung der Christen erschwert. Wenn es zu Gewaltausbrüchen kommt, sind Pastoren, die für ihren Dienst von Kirche zu Kirche reisen, besonders gefährdet. In Regionen, die von Rebellengruppen beherrscht werden, werden Christen diskriminiert und manchmal angegriffen, was sie dazu zwingt, aus ihrer Heimat und ihrem Land zu fliehen.

Kirchliches Leben

Auch wenn es keine offizielle Überwachung durch die Regierung gibt, werden Zivilisten von verschiedenen Rebellengruppen beobachtet, um mögliche Verbindungen zu anderen Gruppen aufzudecken. Es wurden viele Angriffe gemeldet, bei denen Gottesdienste gestört und Kirchen niedergebrannt wurden.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Januar 2021 wurde berichtet, dass Kirchen als Zufluchtsorte für Menschen dienten, die auf der Flucht vor Angriffen waren, und diese Kirchen dadurch wiederum zu Angriffszielen wurden.
  • Im Juni 2021 wurde ein Konvoi mit christlichen Missionaren, die sich auf dem Rückweg von einer Kirchenveranstaltung befanden, auf der Strecke zwischen Alindao und Bambari von einer bewaffneten Gruppe angegriffen. Die Angreifer setzten alle sieben Fahrzeuge in Brand.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

31

67,67

2021

35

65,69

2020

25

67,92

2019

21

69,71

2018

35

60,93

Der Anstieg um zwei Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2022 ist auf die Verschärfung des Konflikts im Land zurückzuführen, der die Christen in allen Lebensbereichen betrifft. Viele dschihadistische Gruppen haben sich mit anderen bewaffneten Gruppen zusammengeschlossen und mit ihnen Allianzen gebildet. Einige Gruppen bestehen aus ausländischen Kämpfern, die für die Errichtung eines Scharia-Staates kämpfen, während andere Dschihadisten ausschließlich aus Machtgier handeln. Der Wert für Gewalt beträgt ein extremes Maß (15,6 Punkte), was sich auf den Druck in allen Lebensbereichen auswirkt.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Aufgrund der seit Jahren anhaltenden Gewalt und politischen Instabilität sind christliche Frauen und Mädchen besonders schutzlos gegenüber Vergewaltigung, Vertreibung, Entführung und Zwangsheirat als Formen der religiösen Verfolgung. Sexueller Missbrauch hat Scham, Trauma und oft auch eine Schwangerschaft zur Folge; die hohen Zahlen sexueller Gewalt halten Eltern in Hochrisikogebieten davon ab, ihre Töchter zur Schule zu schicken. Die Abhängigkeit von der Familie bedeutet, dass Frauen stärker betroffen sind, wenn sie von ihrer Familie verfolgt werden, wobei auch die finanzielle Abhängigkeit ein wichtiger Faktor ist. In muslimisch dominierten Gebieten werden Frauen unter Druck gesetzt, einer islamischen Kleiderordnung zu folgen, und christliche Konvertitinnen müssen mit Hausarrest und Zwangsheirat mit einem älteren Muslim rechnen.

Männer: Männer werden wegen ihres Glaubens getötet oder von extremistischen Milizen gefangengenommen. Pastoren geraten besonders ins Visier, sie werden zu Unrecht beschuldigt und sogar im Gottesdienst angegriffen. Männer erfahren Diskriminierung auch bei der Arbeit, da die islamischen Anführer alle Marktplätze besetzen, den Handel kontrollieren, christlichen Geschäftsleuten hohe Steuern auferlegen und sogar die Geschäfte von Christen plündern, um sie in Armut zu halten. Christen werden zwangsweise für militante Rebellengruppen rekrutiert, beim Militärdienst diskriminiert und zur Zielscheibe von Folter und Übergriffen. Wenn Männer entführt, ermordet, bedroht oder gezielt arm gemacht werden, sind auch deren Familien davon stark betroffen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2020 wurden muslimische Zivilisten in den südlichen Teilen des Landes (wo sie eine Minderheit darstellen) mitunter von den überwiegend animistischen Anti-Balaka-Gruppen ins Visier genommen und angegriffen. Derzeit sind vor dem Internationalen Strafgerichtshof zwei Kriegsverbrecher angeklagt, beides sind Anführer von Anti-Balaka-Kräften. Im Rahmen des anhaltenden Konflikts bilden die religiösen Minderheiten nicht das Hauptziel. Angehörige kleiner religiöser Minderheiten stehen jedoch in ihrem jeweiligen Lebensumfeld vor Problemen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Zentralafrikanische Republik:

  • Dass Gott der Zentralafrikanischen Republik Frieden und Stabilität bringt.
  • Für den Schutz der Christen, die als Zeugnis für Jesus Christus leben, insbesondere Pastoren und deren Familien, die oft größter Gefahr ausgesetzt sind.
  • Dass Jesus die lokalen Partner von Open Doors beschützt, die daran arbeiten, die Gemeinde geistlich aufzubauen, sie zu ermutigen und zu unterstützen – wobei sie oft große Risiken eingehen müssen.