Länderprofil ZAR

Zentralafrikanische Republik

35
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Zentralafrikanische Republik
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
25
Karte ZAR
Christen
3,69
Bevölkerung
4.92
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Privatleben: 9.000
Familienleben: 8.600
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 9.600
Kirchliches Leben: 9.900
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 35 / 66 Punkte (WVI 2020: Platz 25 / 68 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die Zentralafrikanische Republik ist seit 2013 in Konflikte verwickelt, und der größte Teil des Landes ist von bewaffneten Milizen besetzt, die für eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Christliche Leiter, die die Gewalt öffentlich angeprangert haben, wurden bedroht. Kirchengebäude wurden verbrannt und geplündert. Der Konflikt hat zur Vertreibung von Tausenden von Christen geführt, die ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage verloren haben und nun gezwungen sind, in Lagern zu leben. Neben der Unsicherheit und der Gewalt, unter der alle Christen leiden, sehen sich Christen muslimischer Herkunft zusätzlich der Verfolgung durch ihre unmittelbaren Familienmitglieder ausgesetzt; und auch das soziale Umfeld grenzt sie häufig aus und versucht, unter Umständen mit Gewalt, sie dazu zu zwingen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

66

35

2020

68

25

2019

70

21

2018

61

35

2017

58

34

Der Rückgang in der Wertung um zwei Punkte gegenüber dem Vorjahr ist hautpsächlich darauf zurückzuführen, dass der Konflikt im Land sich immer wieder wandelt. In einigen Fällen haben die Verfolger der Christen angefangen, sich gegenseitig zu bekämpfen (es gibt mehr als fünfzehn Gruppierungen, die gegen die Regierung und gegeneinander kämpfen). Noch wichtiger ist aber, dass einige dschihadistische Gruppen damit begonnen haben, sich aus Gebieten zurückzuziehen, in den Christen leben. Diese komplexen Umstände haben jedoch auch die Beobachtung von Verfolgung erschwert. Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist extrem hoch geblieben (bei 15,6 Punkten); diese Gewalt hat sich auf den Druck in allen Lebensbereichen ausgewirkt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen hat sich polarisiert

Der Konflikt der letzten Jahre hat das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen im Lande grundlegend verändert. Es besteht sogar die ernste Gefahr, dass sich die Polarisierung zwischen Muslimen und Christen weiter fortsetzt und den religiösen Konflikt weiter verschärft, wenn es nicht gelingt, den Versöhnungsprozess voranzutreiben und den Kreislauf der Straflosigkeit in der Zentralafrikanischen Republik zu beenden. Viele hatten sich von den Wahlen 2015 und 2016 eine neue Chance auf Versöhnung erhofft. Doch Ex-Séléka-Kämpfer scheinen nicht bereit zu sein, ihre Waffen niederzulegen, und es besteht nach wie vor das große Risiko eines Rückfalls in einen gewaltsamen, religiös gefärbten Konflikt. Kirchenführer und Gemeindeleiter der wichtigsten Denominationen haben die Gewalt verurteilt, die von den Anti-Balaka verübt wurde. Obwohl Präsident Faustin Archange Touadéra seit seinem Amtsantritt 2016 Frieden und Versöhnung zu seiner Priorität gemacht hat, sind verschiedene militante Gruppen weiterhin aktiv.

2) Das Aufkommen krimineller Splittergruppen hat das Leben für Christen unsicher gemacht

Die Instabilität im Land hält an, doch die Situation wird immer komplexer, da mehrere kriminelle Splittergruppen aus den Gruppen der Séléka und Anti-Balaka hervorgegangen sind – und sich mancherorts sogar zusammengeschlossen haben. Diese Gruppen greifen Christen an, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die Folge davon ist ein enormer Druck auf Christen in allen Lebensbereichen. Morde und die Zerstörung von Eigentum und Kirchen sind alltäglich geworden. Wenn die Situation sich nicht grundlegend verbessert, gibt es keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern. Im Februar 2019 unterzeichneten die Regierung und vierzehn bewaffnete Gruppen einen Friedensvertrag, doch dessen Auswirkungen sind noch nicht erkennbar, da die Kämpfe bisher weitergehen. In einem UN-Bericht vom Juli 2020 hieß es, der Zustrom ausländischer Kämpfer habe zu einer „Reihe von Zusammenstößen“ geführt und sei „durch die Ankunft hauptsächlich aus dem Sudan kommender Kämpfer und Waffen genährt worden.“

3. Religiöse Situation im Land

Die Zentralafrikanische Republik ist ein überwiegend christlich geprägtes Land. Obwohl die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen in den vergangenen Jahren unproblematisch erschienen, wuchsen unter der Oberfläche Spannungen. Vor allem Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben waren schon immer mit Verfolgung konfrontiert. Christen, die in muslimisch dominierten Gebieten in den nördlichen, östlichen und westlichen Regionen leben, berichteten von Diskriminierung und anderen Formen des sozialen Drucks. Viele Christen (und Muslime) vermischen ihren Glauben mit verschiedenen ethnisch-religiösen Praktiken, einschließlich Zauberei und Hexerei.

Nach Schätzungen der „World Christian Database“ für das Jahr 2020 machen Christen 75,0 Prozent und Muslime 13,2 Prozent der Bevölkerung aus. Der islamische Bevölkerungsanteil hat in den letzten zehn Jahren ein deutliches Wachstum verzeichnet (von 5 Prozent auf weit über 13 Prozent) und hat sich durch Gruppen, die sich aus dem Tschad und dem Sudan ansiedelten, erhöht. Eine der Hauptursachen für den Putsch im März 2013 war die Unzufriedenheit der Muslime im Norden, die sich an den Rand gedrängt fühlten. Es folgte ein tödlicher Kampf entlang religiöser und ethnischer Konfliktlinien. Die Christen sind sehr besorgt über das Erstarken des Islam in das Land; Kirchenführer und Gemeindeleiter haben wiederholt darauf hingewiesen, dass der Rebellion, die zum Putsch führte, eine religiöse Agenda zugrunde lag.

Das normale kirchliche Leben gestaltet sich sehr schwierig, da Versammlungen von Christen vielerorts unter der Gefahr möglicher Angriffe stattfinden. Ex-Séléka-Gruppen greifen Kirchen in den muslimisch dominierten Gebieten des Landes an. Sie haben es besonders auf Gemeinden abgesehen, die sich dafür einsetzen, dass christliche Konvertiten in ihren Gemeinden öffentlich aufgenommen werden können. Auch Rebellengruppen der Anti-Balaka greifen Kirchen und alle Christen an, die sich ihren Aktivitäten widersetzen. Beide Gruppierungen sind in kriminelle Aktivitäten verwickelt. Auch in den Großstädten werden Christen häufig belästigt, vor allem in Bangui und in Städten der nordöstlichen Gebiete.

Im „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit“, der vom US-Außenministerium erstellt wird, steht für 2019:

„In den zentralen und südlichen Regionen des Landes sind das katholische und das protestantische Christentum die dominierenden Religionen, während im Nordosten der Islam vorherrscht. In Bangui ist die Mehrheit der Bewohner in den Stadtteilen PK5 und PK3 muslimisch, während andere Stadtteile in der Hauptstadt überwiegend christlich geprägt sind.“

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Neben der Gewalt gegen Christen, die vor allem durch die Ableger der Séléka-Miliz verübt wird, zeigt sich die islamische Unterdrückung auch in der Verfolgung von Christen durch die allgemeine Bevölkerung in den überwiegend muslimischen Landesteilen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Diese Triebkraft der Verfolgung zeigt sich besonders dort, wo Anti-Balaka-Kämpfer Kirchen und Christen angreifen. Obwohl die Anti-Balaka als ein Zusammenschluss von Bürgerwehren begannen, sind daraus im Laufe der Zeit kriminelle Banden geworden. In ihr Visier geraten besonders in Bangui diejenigen Christen und Kirchenführer, die nicht ihren Vorstellungen folgen oder sich ihren gewalttätigen Aktivitäten widersetzen. Während die Anti-Balaka behaupten, Christen zu beschützen, hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass dies nicht stimmt, da sie Muslime und Christen gleichermaßen angreifen.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Diese Triebkraft hat in der Zentralafrikanischen Republik zwei Dimensionen: Zum einen den Animismus beziehungsweise die traditionellen afrikanischen Religionen (religiös und/oder kulturell) und zum anderen die Stammeskämpfe. Ein Experte für das Land schreibt dazu: „Beide Dimensionen sind in der Zentralafrikanischen Republik weit verbreitet, wobei ethnische und religiöse Motive häufig Hand in Hand gehen. Es wird Druck ausgeübt, an kulturellen religiösen Praktiken teilzunehmen, wie etwa an Initiationsriten sowie an Riten und Bräuchen zu Geburt, Heirat und Tod, aber auch zum Schutzzauber (wofür Anti-Balaka bekannt sind). Einige ethnische Minderheiten werden besonders ins Visier genommen, etwa die Baka-Pygmäen, die zur Zwangsarbeit rekrutiert werden. Die Anti-Balaka bestehen zum Großteil aus Animisten; sie greifen Muslime an, häufig aber auch Christen. Manchmal zwingen sie Christen dazu, sich ihnen anzuschließen.“

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Muslimische Milizen und paramilitärische Gruppen (die man auch als Ex-Séléka-Gruppen bezeichnen könnte) sind wesentliche Verfolger. Zwei von ihnen sind die „Volksfront für die Renaissance der Zentralafrikanischen Republik“ (FPRC) und die „Union für den Frieden in der Zentralafrikanischen Republik“ (UPC). Obwohl viele dieser Gruppen als gewalttätige religiöse Gruppen kategorisiert werden können, ist es auch möglich, sie als politische Parteien und paramilitärische Organisationen zu betrachten. Diese Rebellengruppen haben zahlreiche Angriffe auf christliche Kirchen und christliches Privateigentum verübt.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Einige Fraktionen der oben genannten militanten Gruppen agieren als organisierte kriminelle Banden, die häufig Plünderungen durchführen und vielfach Kirchen und zur Kirche gehörende Einrichtungen ins Visier nehmen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Islamische Anführer belegen und kontrollieren alle Marktplätze sowie den Handel und verlangen hohe Steuern von christlichen Geschäften. Darüber hinaus haben nationale Persönlichkeiten die Verfolgung von Christen angeführt, zum Beispiel Ex-Präsident Michel Djotodia, Noureddine Adam, Vizepräsident unter Michel Djotodia, und Ali Darassa, ein muslimischer Führer der UPC aus dem Volk der Fulanis und Ex-Séléka-Führer.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In den überwiegend muslimischen Teilen des Landes spielen auch Stammesälteste oder Anführer ethnischer Gruppen bei der Verfolgung von Christen eine Rolle, da sie den Druck auf Christen muslimischer Herkunft verstärken.
  • Familienmitglieder: Im nördlichen Teil des Landes und in den Grenzgebieten zum Sudan werden Christen muslimischer Herkunft von ihren Familienangehörigen verfolgt.
  • Gewöhnliche Bürger: Im nördlichen Teil des Landes und in den Grenzgebieten zum Sudan werden Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt geworden ist, von ihrem muslimischen Umfeld verfolgt.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Einige Fraktionen der oben genannten militanten Gruppen agieren als organisierte kriminelle Banden, die häufig Plünderungen durchführen und vielfach Kirchen und zur Kirche gehörende Einrichtungen ins Visier nehmen. Neben ehemaligen Séléka-Kämpfern sind auch Anti-Balaka-Kämpfer an solchen Aktionen beteiligt. Die herrschende Gesetzlosigkeit und die Unfähigkeit des Staates, Recht und Ordnung durchzusetzen, bedeuten, dass die Christen und die allgemeine Bevölkerung vor den kriminellen Handlungen dieser Gruppen kaum geschützt sind.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Diese Gruppen betreiben auch kriminelle Organisationen und Syndikate zur Finanzierung ihrer Aktivitäten.
  • Paramilitärische Gruppen: Im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik werden Christen auch von paramilitärischen Gruppen wie den Anti-Balaka verfolgt.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Hauptverfolger in diesem Bereich sind Anführer ethnischer Gruppen und einige Vorsteher und Mitglieder der örtlichen Gemeinschaften. Im Stammeskontext existiert vor allem deshalb Druck auf Christen, weil muslimische Führer aus bestimmten Stämmen kommen, die Christen gezielt verfolgen – so zum Beispiel dem Stamm der Fulbe bzw. Fulani. Bei dieser Triebkraft der Verfolgung gibt es also eine Überschneidung  zwischen Anführern ethnischer Gruppen und nichtchristlichen religiösen Leitern. Manche islamische Leiter werden auch als Anführer ethnischer Gruppen angesehen und können eine Atmosphäre von Hass und Gewalt schaffen.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Am stärksten werden die Rechte von Christen in den nördlichen und östlichen Teilen des Landes verletzt, wo die muslimische Bevölkerung dominiert und in denen Séléka-Splittergruppen operieren. Besondere Schwierigkeiten haben Christen auch im östlichen Teil des Landes, der an den Sudan grenzt.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe umfasst Christen aus der Römisch-Katholischen Kirche und aus älteren protestantischen Kirchen. Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte Denomination des Landes mit dem größten Netzwerk von Kirchen, Kliniken und Schulen. Während der Herrschaft der Séléka-Kämpfer wurden Autos, Computer und andere Wertgegenstände aus Kirchen und anderen kirchlichen Gebäuden geplündert. Die Katholische Kirche und ihre Leitung in der Zentralafrikanischen Republik bilden zusammen mit anderen religiösen Leitern eine starke Stimme, die zu Frieden und Versöhnung aufruft; außerdem stellen sie auch Zufluchtsorte für Zivilisten zur Verfügung, sowohl für Muslime als auch Christen, die vor Angriffen geflohen sind. Infolgedessen werden katholische Kirchen häufig zum Ziel von Angriffen.

Christen anderer religiöser Herkunft

Wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, erleben Christen mit muslimischem Hintergrund Widerstand und Druck vonseiten ihrer Familienmitglieder, dem christlichen Glauben wieder abzuschwören. Sie haben außerdem nur sehr begrenzte Möglichkeiten, mit anderen Christen Gemeinschaft zu pflegen und Gottesdienst zu feiern. Tatsächlich beten die meisten Christen muslimischer Herkunft überhaupt nicht in der Öffentlichkeit, aus Angst vor Angriffen muslimischer Aufrührer. Dies ist besonders in den nördlichen, muslimisch dominierten Gebieten des Landes der Fall.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten sowie evangelikale und pfingstkirchliche Christen sind den Angriffen von Ex-Séléka-Kämpfern ausgesetzt, in gleicher Weise wie auch Christen, aus den traditionellen Kirchen. In letzter Zeit haben diese christlichen Gemeinden starken Zuwachs erlebt.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9
Familienleben 8.6
Gesellschaftliches Leben 13.1
Leben im Staat 9.6
Kirchliches Leben 9.9
Auftreten von Gewalt 15.6

Grafik: Verfolgungsmuster Zentralafrikanische Republik

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in der Zentralafrikanischen Republik ist mit 10 Punkten als „hoch“ einzustufen; diese Punktzahl bedeutet eine Verringerung gegenüber dem Wert von 10,5 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2020.
  • Der Bereich des gesellschaftlichen Lebens erreichte mit 13,1 Punkten den höchsten Wert; dagegen war der Druck in anderen Lebensbereichen deutlich geringer und rangierte zwischen 8,6 und 9,9 Punkten.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist mit 15,6 Punkten weiterhin als „extrem hoch“ einzustufen und bleibt auf dem Niveau des Weltverfolgungsindex 2020.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Christen muslimischer Herkunft erleben von allen Christen die stärkste Verfolgung. Wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, müssen sie mit heftigen Konsequenzen vonseiten ihrer Familienmitglieder rechnen. Die muslimischen Angehörigen stellen in der Regel jede finanzielle Unterstützung ein. Es gibt viele Familien, in denen die Frau Christin ist und der Mann nicht; und für gewöhnlich hindert dieser Frau und Kinder daran, an kirchlichen Aktivitäten teilzunehmen.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Im nördlichen Teil des Landes, wo die muslimische Bevölkerung dominiert und Séléka-Splittergruppen operieren, riskieren Christen muslimischer Herkunft wahrscheinlich ihr Leben, wenn sie christliche Materialien besitzen. Wenn Ex-Séléka-Kämpfer in ein Haus kommen und dort jemand finden, der in der Bibel liest, töten sie ihn bekanntermaßen sofort.

War es riskant für Christen, auf christliche Radiostationen, TV-Sender oder christliches Material im Internet zuzugreifen?

In den von Séléka-Kräften kontrollierten Gebieten betrifft dies sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch alle anderen oben genannten Gruppen von Christen. Ein Experte für das Land stellt fest: „Christen muslimischer Herkunft werden nichts tun, was sie als Christen erkennbar machen könnte; sie hören nicht einmal christliche Radiosender. In den Familien agieren Familienmitglieder als Spione; manchmal spionieren die Kinder ihre Eltern aus, um herauszufinden, ob diese konvertiert sind. Dadurch ist schon der Zugriff auf christliche Medien für Christen mit einem Risiko verbunden, sollten sie dabei beobachtet werden.“

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Das Land ist gespalten, und die Trennlinien verlaufen zwischen den Religionen. So kann ein christlicher Gastgeber in Schwierigkeiten geraten, wenn er mit einem muslimischen Gast über den christlichen Glauben spricht.

Familienleben

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Da die Situation im Land bei weitem nicht sicher ist, ist es für Christen (insbesondere muslimischer Herkunft) in den nordöstlichen Provinzen sehr schwierig, Geburten, Hochzeiten oder Todesfälle amtlich eintragen zu lassen; all dies würde unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wurden christliche Taufen behindert?

In einem Land, in dem sich Gruppen aufgrund der Religion gegenseitig angreifen, ist es auch problematisch, Christen in der Öffentlichkeit zu taufen.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

In von Rebellengruppen kontrollierten Gebieten sind Kinder, deren Eltern getötet oder zur Flucht gezwungen wurden, den Angreifern ausgeliefert. Einige wurden brutal getötet. Außerdem ist bekannt, dass aufgrund der Uneinigkeit zwischen einigen Kirchen Kinder wegen der konfessionellen Orientierung ihrer Eltern schikaniert wurden.

Wurden Ehepartner von Konvertiten von Dritten unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (gleichgültig ob erfolgreich oder nicht)?

Dies geschieht häufig, nachdem sich ein Ehepartner dem christlichen Glauben zugewandt hat. Die Großfamilien und die örtliche Gemeinschaft üben in solchen Fällen oft Druck auf die muslimischen Ehepartner aus, sich scheiden zu lassen. Außerdem verlieren konvertierte Christen fast zwangsläufig ihr Erbrecht.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Die Zentralafrikanische Republik wird von Kriegsparteien dominiert. Die Regierung hat effektiv die Kontrolle über viele Landesteile verloren. Christen werden oft direkt oder indirekt (d. h. als vermeintlich den Anti-Balaka zugehörig) ins Visier genommen. In muslimisch dominierten Gebieten werden Christen oft diskriminiert, insbesondere dort, wo die Scharia mehr oder weniger offiziell angewandt wird.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Die Überwachung durch einige Rebellengruppen und ihre Unterstützer ist weit verbreitet. In einigen Fällen geschieht diese Überwachung auch durch Bürgerwehren, die nach Dschihadisten Ausschau halten.

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt leiden Christen unter Übergriffen und Entführungen. Beispielsweise wurden junge Mädchen bei Angriffen der Ex-Séléka auf Dörfer oftmals entführt. Christen mit muslimischem Hintergrund leiden am meisten unter solchen Übergriffen.

Wurden Christen wegen ihres Glaubens daran gehindert, öffentliche Ressourcen zu nutzen (z.B. sauberes Trinkwasser)?

Muslimische Bürger wollen in der Regel die gemeinschaftlich genutzten Ressourcen (wie z. B. die Gesundheitsversorgung) nicht mit Christen muslimischer Herkunft teilen, insbesondere im abgelegenen Norden des Landes.

Leben im Staat

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

In Gebieten, die von Ex-Séléka-Kämpfern kontrolliert werden, stehen alle Verkehrsmittel unter muslimischer Kontrolle, was die Fortbewegung der Christen erschwert. Pastoren sind besonders gefährdet, wenn Gewalt aufflammt, während sie für ihren Dienst zwischen den Gemeinden hin und her reisen.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Das Zugehörigkeitsgefühl wird durch die Religionen bestimmt, und das Land ist dementsprechend gespalten. Christen sind mit diesem Problem vor allem in Gebieten konfrontiert, in denen die muslimische Bevölkerung die Mehrheit bildet oder in denen Ex-Séléka-Kämpfer die Kontrolle haben. Besonders schwierig ist es dort, wo Christen als Unterstützer der Anti-Balaka angesehen werden.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Weder Friedensverhandlungen noch Versöhnungsinitiativen helfen dem Land derzeit bei der Rückkehr zur Stabilität. Christen im muslimisch geprägten Norden des Landes haben weder das Recht noch die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Würden sie dies dennoch tun, sähe man sie als Unterstützer der Anti-Balaka-Truppen an, und sie würden vermutlich von Ex-Séléka-Kämpfern getötet.

Wurden christliche Unternehmer wegen ihres Glaubens durch Einmischung von außen in ihrem Geschäftsleben beeinträchtigt (z.B. Personalpolitik, Kundenauswahl)?

Es gibt keine effektive Kontrolle mehr durch die Regierung, und in mehreren Landesteilen üben Rebellengruppen die Macht aus. Diese Gruppen diskriminieren häufig Christen und greifen sie manchmal an, was die Christen zur Flucht aus ihren Häusern und aus dem Land zwingt.

Kirchliches Leben

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Die Durchführung religiöser Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden ist sehr riskant, da dies unnötige Aufmerksamkeit erregen kann. Ein Experte für das Land stellt fest: „Vor allem in Gebieten mit muslimischer Mehrheit, die von Rebellengruppen kontrolliert werden, neigen die Kirchen dazu, sich in Zurückhaltung zu üben. Selbst in Gebieten, in denen es keine direkte Krise gibt, werden Kirchen manchmal behindert, zum Beispiel in Regionen, in denen es viele Muslime oder Animisten gibt.“

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Zwar gibt es keine behördliche Überwachung durch staatliche Sicherheitsbeamte, doch werden Zivilisten von verschiedenen Rebellengruppen beobachtet, um mögliche Sympathien für andere Gruppen oder Verbindungen zu diesen aufzudecken. Es wurden viele Angriffe gemeldet, bei denen Gottesdienste gestört und Kirchen niedergebrannt wurden.

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Die Lage im Land ist instabil, und dort, wo Kirchen schwer beschädigt wurden und wiederaufgebaut oder renoviert werden müssten, stoßen die christlichen Gemeinden auf Schwierigkeiten – vor allem dort, wo muslimische Rebellen das Sagen haben.

Wurden die Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten in ihrem Gotteshaus zu organisieren?

Die Religions-, Bewegungs- und Meinungsfreiheit und sogar das Recht auf Leben wird in der Zentralafrikanische Republik häufig grundlegend in Frage gestellt. Was die Behinderung kirchlicher Veranstaltungen innerhalb eines Kirchengeländes angeht, stellt ein Experte für das Land fest: „Dies geschieht in von Rebellen kontrollierten Gebieten auf indirekte Weise: Es herrscht große Angst und die Unsicherheit, was passieren könnte, würde die Veranstaltung gestört oder zerschlagen. An Orten wie Ndele sind Gebetsabende verboten mit der Begründung, sie würden Lärm machen. Auf dem Höhepunkt der Krise besetzten Séléka-Kämpfer sogar Kirchen, sodass dort keine Aktivitäten stattfinden konnten.“

Auftreten von Gewalt

Seit Beginn des Bürgerkriegs sind die Christen mit einem extremen Maß an Gewalt konfrontiert. Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Mindestens 35 Christen wurden getötet. Zum Beispiel wurden im November 2019 in Dekoa (Norrh-Ost) 3 Christen von Anti-Balaka-Kämpfern getötet. In den Dörfern kam es zu Tötungen. Einige von ihnen fanden bei Angriffen auf Kirchen statt.
  • Verhaftungen von Christen: Keine.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens 56 Kirchen wurden entweder vollständig zerstört oder durch Angriffe beschädigt. Zum Beispiel wurden am 8. November 2019 zwei Gebäude, die der Katholischen Kirche gehören, niedergebrannt.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Über 512 christliche Häuser/Läden wurden angegriffen oder vollständig zerstört. 20 Häuser wurden im März 2020 im Stadtteil Togbo durch UPC-Kämpfer niedergebrannt. Im Gbagra-Viertel wurden im März 2020 15 Häuser durch UPC-Kämpfer niedergebrannt.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2019 verlautet:

Muslimische Zivilisten in den südlichen Teilen des Landes (wo sie eine Minderheit sind) wurden von den überwiegend animistischen Anti-Balaka-Gruppen ins Visier genommen und angegriffen. Diese Milizen haben Gräueltaten begangen, welche die internationale Gemeinschaft erschüttert haben. Der Internationale Strafgerichtshof stellt derzeit zwei Kriegsverbrecher vor Gericht, beide Anführer der Anti-Balaka-Truppen.

Im Kontext des anhaltenden Konflikts sind religiöse Minderheiten nicht die Hauptzielgruppe. Die Anhänger kleiner religiöser Minderheiten stehen jedoch in den Regionen, in denen sie leben, vor Herausforderungen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Zentralafrikanische Republik:

  • Christen in der Zentralafrikanischen Republik müssen Gewalt und Konflikte ertragen, die anscheinend nie enden. Beten Sie dafür, dass sie den Mut haben, in ihrem Glauben fest zu bleiben und sich dafür einzusetzen, Licht und Frieden in ihrem sozialen Umfeld zu sein.
  • Nachfolger Jesu stehen im Visier verschiedener bewaffneter Gruppen stehen. Beten Sie um Schutz.
  • Beten Sie um Frieden in der ZAR und dass Gott die Herzen der Anführer aller Gruppen berührt.
  • Beten Sie für die Christen mit muslimischem Hintergrund, dass sie vor Unterdrückung durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld geschützt werden. Beten Sie, dass sie Christen finden, die ihnen helfen, im Glauben zu wachsen und zu reifen.