Länderprofil ZAR

Zentralafrikanische Republik

25
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Zentralafrikanische Republik
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
21
ISO
CF
Karte ZAR
Christen
3,60
Bevölkerung
4.83
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 10.100
Familienleben: 9.100
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 9.800
Kirchliches Leben: 10.200
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 25 / 68 Punkte (WVI 2019: Platz 21 / 70 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die Zentralafrikanische Republik ist seit 2013 in Konflikte verwickelt und der größte Teil des Landes ist von bewaffneten Milizen besetzt, die für eine Reihe von Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Christliche Leiter, die die Gewalt öffentlich angeprangert haben, wurden bedroht, und Kirchengebäude wurden verbrannt und geplündert. Der Konflikt hat zur Vertreibung von Tausenden von Christen geführt, die dadurch ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage verloren haben und nun gezwungen sind, in Lagern zu leben.

Neben der Unsicherheit und der Gewalt, unter der alle Christen leiden, sehen sich Christen muslimischer Herkunft auch der Verfolgung durch ihre unmittelbaren Familienmitglieder ausgesetzt. Auch das soziale Umfeld grenzt sie oftmals aus und versucht zum Teil, sie mit Gewalt dazu zu zwingen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 15. November 2018 griff eine Miliz die katholische Kathedrale in Alindao und ein benachbartes Lager für Binnenflüchtlinge an, das vollständig zerstört wurde. Die Milizen setzten die Kathedrale in Brand; zwei katholische Geistliche, Bischof Blaise Mada und Pater Celestin Ngoumbango, wurden zusammen mit mehr als 40 Zivilisten getötet. Solche Angriffe gab es auch schon im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2019; sie sind somit eine Fortsetzung eines Musters.
  • Wie schon seit Jahren werden Kinder entführt und gezwungen, für Rebellengruppen zu kämpfen. Wer sich weigert, wird getötet.
  • Vergewaltigung, Plünderung und die Zerstörung von christlichen Häusern und Geschäften sind an der Tagesordnung.

Meldungen und Beiträge zur Zentralafrikanischen Republik

Persönliche Berichte
Zentralafrikanische Republik: Keine Angst vor Geistern

Zentralafrikanische Republik: Keine Angst vor Geistern

06:46 Minuten
Zentralafrikanische Republik

Als Pierre, der Sohn eines Stammespriesters in der Zentralafrikanischen Republik, sich zum christlichen Glauben bekennt, verbrennt er die Götzenfigur des Dorfes. Das erregt den Zorn der Dorfgemeinschaft, doch Pierre hält an Jesus fest.

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Weltverfolgungsindex
WVI Riser 2019

Christenverfolgung nimmt zu – in diesen Ländern am deutlichsten

03:48 Minuten
Zentralafrikanische Republik
Algerien

Zentralafrikanische Republik, Algerien und China – drei Länder, in denen die Christenverfolgung im Besonderen zugenommen hat. Sehen Sie, wie sich dies für die Christen vor Ort auswirkt und wer die Verfolger sind.

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Nachrichten
Flüchtlingslager Zentralafrikanische Republik
Zentralafrikanische Republik
In der Zentralafrikanischen Republik ist es am 15. November zu einem weiteren tödlichen Überfall auf ein Flüchtlingslager und eine Kirche gekommen. Unter den mehreren Dutzend Opfern sind auch zwei katholische Priester. Vor Ort stationierte Blauhelmsoldaten griffen Augenzeugen zufolge nicht ein.
Persönliche Berichte
Flüchtlingslager im Osten der Zentralafrikanischen Republik
Zentralafrikanische Republik
Am Abend des 6. September wurden im Nordosten des Landes 14 Christen getötet. Die meisten der Opfer sind Frauen und Kinder aus einem Flüchtlingslager bei Bria. Die Christen dort leben in Angst.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 68 Punkten liegt die Zentralafrikanische Republik auf Platz 25 des Weltverfolgungsindex 2020.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2019 lag das Land mit 70 Punkten auf Platz 21, wobei der Rückgang um zwei Punkte mehr oder weniger darauf zurückzuführen ist, dass der Konflikt im Land viele Wendungen nimmt. Unter bestimmten Gegebenheiten haben diejenigen, die Christen verfolgten, angefangen, sich gegenseitig zu bekämpfen. Es gibt mehr als 15 Gruppierungen, die gegen die Regierung und gegeneinander kämpfen. Diese komplexen Umstände haben auch die Beobachtung von Verfolgung erschwert. Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist extrem hoch geblieben, was sich auf den Druck in allen Lebensbereichen ausgewirkt hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Neben der Gewalt gegen Christen, die vor allem durch die Ableger der Séléka-Miliz verübt wird, zeigt sich die Islamische Unterdrückung auch in der Verfolgung von Christen durch die allgemeine Bevölkerung in den überwiegend muslimischen Landesteilen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Diese Triebkraft zeigt sich besonders dort, wo Anti-Balaka-Kämpfer Kirchen und Christen angreifen. Obwohl die Anti-Balaka als ein Zusammenschluss von Bürgerwehren begannen, sind daraus im Laufe der Zeit kriminelle Banden geworden.

Vor allem in Bangui geraten oft die Christen und Kirchenführer ins Visier, vor allem diejenigen, die nicht den Vorstellungen jener Gruppen folgen oder sich deren gewalttätigen Aktivitäten widersetzen. Während die Anti-Balaka behaupten, Christen zu beschützen, hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass dies nicht stimmt, da sie Muslime und Christen gleichermaßen angreifen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft hat in der Zentralafrikanischen Republik zwei Dimensionen: Animismus bzw. traditionelle afrikanische Religionen (religiös und/oder kulturell) und Stammeskämpfe. Ein Experte für das Land schreibt dazu: „Beides ist in der Zentralafrikanischen Republik verbreitet, wobei ethnische und religiöse Motive häufig miteinander Hand in Hand gehen. Es wird Druck ausgeübt, an kulturellen religiösen Praktiken teilzunehmen, wie etwa Initiationsriten, Riten und Bräuchen bei Meilensteinen wie Geburt, Heirat und Tod, aber auch zum Schutz (wofür Anti-Balaka bekannt sind). Einige ethnische Minderheiten werden besonders ins Visier genommen, etwa die Baka-Pygmäen, die zur Zwangsarbeit rekrutiert werden. Die Anti-Balaka bestehen zum Großteil aus Animisten; sie greifen Muslime an, häufig aber auch Christen. Manchmal zwingen sie Christen dazu, sich ihnen anzuschließen.“

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Muslimische Milizen und paramilitärische Gruppen (die man auch als Ex-Séléka-Gruppen bezeichnen könnte) sind wesentliche Verfolger. Zwei von ihnen sind die „Volksfront für die Renaissance der Zentralafrikanischen Republik“ (FPRC) und die „Union für den Frieden in der Zentralafrikanischen Republik“ (UPC). Obwohl viele dieser Gruppen als gewalttätige religiöse Gruppen kategorisiert werden können, ist es auch möglich, sie als politische Parteien und paramilitärische Organisationen zu betrachten. Diese Rebellengruppen haben zahlreiche Angriffe auf christliche Kirchen und christliches Privateigentum verübt.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Einige Fraktionen der oben genannten militanten Gruppen agieren als organisierte kriminelle Banden, plündern oft und nehmen häufig Kirchen und zur Kirche gehörende Einrichtungen ins Visier.
  • Nicht-christliche religiöse Leiter: Islamische Anführer besetzen alle Plätze für Marktstände, kontrollieren den Handel und belegen christliche Geschäfte mit hohen Steuern. Oft plündern sie die Läden der Christen, um sie in die Armut zu treiben. Darüber hinaus haben auf nationaler Ebene Persönlichkeiten wie Michel Djotodia, der Präsident des Landes war, Noureddine Adam, der unter Michel Djotodia der stellvertretende Befehlshaber war, und Ali Darassa, ein muslimischer Führer der UPC aus dem Volk der Fulanis und Ex-Séléka-Führer, die Verfolgung der Christen angeführt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In den überwiegend muslimischen Teilen des Landes spielen auch Stammesälteste oder Anführer ethnischer Gruppen in dieser Hinsicht eine Rolle, da sie den Druck auf Christen muslimischer Herkunft verstärken.
  • Familienmitglieder: Im nördlichen Teil des Landes und in den Grenzgebieten zum Sudan werden Christen muslimischer Herkunft von muslimischen Familienangehörigen verfolgt.
  • Gewöhnliche Bürger: Im nördlichen Teil des Landes und in den Grenzgebieten zum Sudan werden Christen muslimischer Herkunft, deren Glaube bekannt ist, von dem muslimischen Umfeld verfolgt.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Einige Fraktionen der oben genannten militanten Gruppen agieren als organisierte kriminelle Banden, plündern oft und nehmen häufig Kirchen und zur Kirche gehörende Einrichtungen ins Visier. Neben Kämpfern, die früher zur Séléka gehörten, sind auch Anti-Balaka-Kämpfer an solchen Aktionen beteiligt. Der Zustand der Gesetzlosigkeit und die Unfähigkeit des Staates, Recht und Ordnung durchzusetzen, bedeuten, dass die Christen und die allgemeine Bevölkerung vor den kriminellen Handlungen dieser Gruppen kaum geschützt sind.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Die gewalttätigen religiösen Gruppen betreiben auch kriminelle Organisationen und Syndikate zur Finanzierung ihrer Aktivitäten.
  • Paramilitärische Gruppen: Im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik werden Christen auch von paramilitärischen Gruppen wie den Anti-Balaka verfolgt.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Hauptverfolger in diesem Bereich sind Anführer ethnischer Gruppen und einige Autoritäten und Mitglieder der lokalen Gemeinschaft. Im Kontext dieser Triebkraft der Verfolgung gibt es eine Überschneidung zwischen Anführern ethnischer Gruppen und nichtchristlichen religiösen Leitern. Einige islamische Leiter werden ebenfalls als Anführer ethnischer Gruppen angesehen und können eine Atmosphäre von Hass und Gewalt schaffen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Am stärksten ist die Verfolgung in den nördlichen und östlichen Teilen des Landes, die von der muslimischen Bevölkerung dominiert werden und in denen Séléka-Splittergruppen operieren. Besondere Schwierigkeiten haben auch Christen im östlichen Teil des Landes, der an den Sudan grenzt.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie umfasst die Römisch-Katholische Kirche und ältere protestantische Kirchen. Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte Konfession des Landes mit dem größten Netzwerk von Kirchen, Kliniken und Schulen. Als die Séléka-Kämpfer im Aufstieg begriffen waren, wurden Autos, Computer und andere wertvolle Gegenstände aus Kirchengebäuden und anderen kirchlichen Besitztümern geplündert. Die Katholische Kirche und ihre Leitung in der Zentralafrikanischen Republik waren neben anderen religiösen Leitern eine starke Stimme, die zu Frieden und Versöhnung aufrief und auch Zufluchtsorte für Zivilisten, sowohl Muslime als auch Christen, die vor Angriffen flohen, zur Verfügung stellte. Infolgedessen wurden katholische Kirchen häufig zum Ziel von Angriffen.

Christen muslimischer Herkunft

Wenn ihre Bekehrung bekannt wird, erleben Christen mit muslimischem Hintergrund Widerstand und Druck von Familienmitgliedern, dem christlichen Glauben abzuschwören. Sie haben auch nur sehr begrenzte Möglichkeiten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben und gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Die meisten Christen muslimischer Herkunft feiern aus Angst vor Angriffen muslimischer Aufrührer nicht in der Öffentlichkeit Gottesdienst. Dies ist besonders in den nördlichen, muslimisch dominierten Gebieten des Landes der Fall.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Christen aus Baptisten-, evangelikalen und Pfingstgemeinden waren (wie auch diejenigen, die den traditionellen Kirchen angehören) Angriffen von Ex-Séléka-Kämpfern ausgesetzt. In letzter Zeit hat die Zahl der Menschen, die diesen christlichen Gemeinden beitreten, stark zugenommen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 10.1
Familienleben 9.1
Gesellschaftliches Leben 13.1
Leben im Staat 9.8
Kirchliches Leben 10.2
Auftreten von Gewalt 15.6

Grafik: Verfolgungsmuster Zentralafrikanische Republik

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in der Zentralafrikanischen Republik ist an der Grenze zwischen hoch und sehr hoch mit einer Wertung von 10,5 Punkten; das bedeutet eine Verringerung gegenüber dem Wert von 10,7 beim Weltverfolgungsindex 2019.
  • Außer in den Lebensbereichen „Familienleben“ und „Leben im Staat“ wird der Druck durchgängig mit über 10,0 Punkten bewertet und ist im „Gesellschaftlichen Leben“ mit 13,1 Punkten mit Abstand am höchsten.
  • Die Punktzahl für das „Auftreten von Gewalt“ bleibt mit 15,6 Punkten extrem hoch, auch wenn sie 0,5 Punkte weniger beträgt als beim Weltverfolgungsindex 2019.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

Da die Zentralafrikanische Republik ein mehrheitlich christliches Land ist, genießen Katholiken und Christen aller protestantischen Kirchen relative Freiheit im Privatleben, insbesondere in den Landesteilen mit christlicher Bevölkerungsmehrheit.

  • Der Konversion zum christlichen Glauben wird Widerstand entgegengebracht: Christen muslimischer Herkunft erleben Intervention vonseiten ihrer Familienmitglieder, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Diese Gruppe von Christen ist die am meisten verfolgte von allen. Die Gegenreaktion der muslimischen Familien ist hart und die Familienangehörigen werden wahrscheinlich jede finanzielle Hilfe einstellen. Es gibt viele Familien, in denen die Frau Christin ist und der Mann nicht. Der Ehemann hindert gewöhnlich Frau und Kinder daran, an kirchlichen Aktivitäten teilzunehmen.
  • Es kann für Christen riskant sein, mit anderen über ihren Glauben zu sprechen: Das Land ist entlang der Glaubensgrenzen geteilt. Wenn ein christlicher Gastgeber mit einem muslimischen Gast über den christlichen Glauben spricht, kann er in Schwierigkeiten geraten.
  • Es kann gefährlich sein, christliche Materialien privat zu besitzen oder aufzubewahren: Im nördlichen Teil des Landes (der von der muslimischen Bevölkerung dominiert wird und in dem Séléka-Splittergruppen agieren) riskieren Christen muslimischer Herkunft wahrscheinlich ihr Leben, wenn sie christliche Materialien besitzen. Wenn Ex-Séléka-Kämpfer in ein Haus kommen und jemanden finden, der in der Bibel liest, töten sie ihn möglicherweise sofort.
  • Es ist für Christen teilweise riskant, christliche Radio- oder Fernsehsendungen zu hören bzw. zu sehen oder auf christliche Inhalte im Internet zuzugreifen: Dies betrifft Christen muslimischer Herkunft und nicht konvertierte Christen gleichermaßen in den von Séléka-Kräften kontrollierten Gebieten. Ein Experte für das Land stellt fest: „Christen muslimischer Herkunft werden nichts tun, was sie als Christen erkennbar machen könnte, sie hören nicht einmal christliche Radiosender. In den Familien agieren Familienmitglieder als Spione; manchmal spionieren die Kinder ihre Eltern aus, um herauszufinden, ob diese konvertiert sind, sodass es für die Christen riskant ist, beim Zugriff auf christliche Medien gesehen zu werden.“

Familienleben

  • Christen haben Schwierigkeiten, eine christliche Hochzeit zu feiern: Da die Situation im Land bei weitem nicht sicher ist, ist es für die Christen (insbesondere Christen muslimischer Herkunft) in den nordöstlichen Provinzen sehr schwierig, Geburten, Hochzeiten oder Todesfälle amtlich eintragen zu lassen, zumal dies unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde.
  • Christliche Taufen werden verhindert: In einem Land, in dem sich Gruppen aufgrund der Religion gegenseitig angreifen, ist es auch schwierig, neue Christen offen zu taufen.
  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden von anderen (mit oder ohne Erfolg) unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen: Dies geschieht häufig, nachdem sich ein Ehepartner zu Jesus Christus bekehrt hat. Die Großfamilien und die örtliche Gemeinschaft üben dann oft Druck auf die muslimischen Ehepartner aus, sich scheiden zu lassen. Außerdem verlieren die Christen fast automatisch das Familienerbe.
  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: In von Rebellengruppen kontrollierten Gebieten sind Kinder, deren Eltern getötet oder zur Flucht gezwungen wurden, den Angreifern ausgeliefert. Einige wurden brutal getötet.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden wegen ihres Glaubens in ihrem täglichen Leben schikaniert, bedroht oder behindert: Die Zentralafrikanische Republik wird von Kriegsparteien dominiert und die Regierung hat die effektive Kontrolle über viele Gebiete verloren. Christen werden oft direkt oder indirekt (d. h. als vermeintlich den Anti-Balaka zugehörig) ins Visier genommen. In muslimisch dominierten Gebieten werden Christen oft diskriminiert, insbesondere dort, wo die Scharia mehr oder weniger offiziell umgesetzt wird.
  • Christen werden überwacht: Die Überwachung durch einige Rebellengruppen und ihre Unterstützer ist üblich.
  • Christen stehen unter der Bedrohung von Entführung: Im Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt leiden Christen unter Übergriffen und Entführungen. So werden beispielsweise in Dörfern, die von den ehemaligen Séléka angegriffen werden, oft junge Mädchen entführt. Christen mit muslimischem Hintergrund leiden am meisten unter solchen Übergriffen.
  • Christen wird aufgrund ihres Glaubens der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verwehrt: Muslimische Bürger wollen in der Regel die gemeinschaftlich genutzten Ressourcen (wie z. B. die Gesundheitsversorgung) nicht mit Christen muslimischer Herkunft teilen, insbesondere im abgelegenen Norden des Landes.

Leben im Staat

  • Christen werden aus Glaubensgründen am Reisen gehindert: In Gebieten, die von Ex-Séléka-Kämpfern kontrolliert werden, stehen alle Verkehrsmittel unter muslimischer Kontrolle, was die Mobilität der Christen erschwert. Wenn Gewalt aufflammt, sind Pastoren besonders gefährdet, wenn sie für ihren Dienst zwischen den Gemeinden hin und her reisen.
  • Christen werden im Kontakt mit Behörden (Kommunalverwaltung, Regierung, Armee etc.) aus Glaubensgründen diskriminiert: Christen sind mit diesem Problem vor allem in Gebieten konfrontiert, in denen die muslimische Bevölkerung die Mehrheit bildet oder in denen Ex-Séléka-Kämpfer die Kontrolle haben. Besonders schwierig ist es dort, wo Christen als Unterstützer der Anti-Balaka angesehen werden.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern: Keine Friedensverhandlungen oder Versöhnungsinitiativen helfen dem Land derzeit bei der Rückkehr zur Stabilität. Die Christen im muslimisch geprägten Norden des Landes haben weder das Recht noch die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Würden sie doch sprechen, sähe man sie als Unterstützer der Anti-Balaka-Truppen an und sie würden vermutlich von Ex-Séléka-Kämpfern getötet.
  • Christen werden aus Glaubensgründen daran gehindert, ihr eigenes Unternehmen ohne Einmischung zu betreiben: Es gibt keine effektive Kontrolle mehr durch die Regierung und in mehreren Regionen üben Rebellengruppen die Macht aus. Diese Gruppen diskriminieren häufig Christen und greifen sie manchmal an, was die Christen zur Flucht aus ihrem Zuhause und dem Land zwingt.

Kirchliches Leben

  • Die Aktivitäten der Kirchen werden überwacht, gestört, be- oder verhindert: Obwohl es keine obrigkeitliche Überwachung durch staatliche Sicherheitsbeamte gibt, werden Zivilisten von verschiedenen Rebellengruppen beobachtet, um mögliche Sympathien für andere Gruppen oder Verbindungen zu diesen aufzudecken. Es wurden viele Angriffe gemeldet, bei denen Gottesdienste unterbrochen und Kirchen niedergebrannt wurden.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren: Die Lage im Land ist instabil, und dort, wo Kirchen schwer beschädigt wurden und wiederaufgebaut oder renoviert werden müssten, stoßen die christlichen Gemeinden auf Schwierigkeiten – vor allem dort, wo muslimische Rebellen das Sagen haben.
  • Die Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren: Die Durchführung religiöser Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden ist sehr riskant, da dies unnötige Aufmerksamkeit erregen kann. Ein Experte für das Land stellt fest: „Vor allem in Gebieten mit muslimischer Mehrheit, die von Rebellengruppen kontrolliert werden, neigen die Kirchen dazu, sich zurückzuhalten. Selbst in Gebieten, in denen es keine direkte Krise gibt, werden Kirchen manchmal behindert, zum Beispiel in Regionen, in denen es viele Muslime oder Animisten gibt.“
  • Die Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten in ihren Räumlichkeiten zu organisieren: Die Religions-, Bewegungs- und Meinungsfreiheit und sogar das Recht auf Leben wird häufig grundlegend angefochten. Was die Behinderung kirchlicher Veranstaltungen innerhalb eines Kirchengeländes angeht, stellt ein Experte für das Land fest: „Indirekt geschieht dies in von Rebellen kontrollierten Gebieten durch die Angst und Unsicherheit, was passieren könnte, wenn die Veranstaltung gestört wird. Dort, an Orten wie Ndele, sind Gebetsabende verboten mit der Begründung, sie würden Lärm machen. Auf dem Höhepunkt der Krise besetzten Séléka-Kämpfer sogar Kirchen, sodass dort keine Aktivitäten stattfinden konnten.“

Auftreten von Gewalt

  • Über die Tötung von Christen im Land wird oft nicht ausreichend berichtet. Bei einem Anschlag im November 2018 wurden zwei Priester und über 40 weitere Menschen getötet. Ein Experte für das Land berichtet: „Am 21. Mai 2019 wurden in der Präfektur Ouham-Pendé die Dörfer Koundili, Lemouna und Boyong von der bewaffneten Gruppe 3R heimgesucht, die gezielt Angriffe auf Christen durchführte. Die Angriffe haben mindestens 42 Todesopfer gefordert.“ Und er fügt hinzu: „Im Mai 2019 wurden in Sibut (Kemo) drei Christen von den ‚Mbororo‘-Fulanis nach einem bewaffneten Konflikt zwischen Bauern und Hirten getötet.“
  • Neben den Angriffen auf Dörfer gab es in der Zentralafrikanischen Republik auch Fälle von Entführung, Zwangsverheiratung und anderen Misshandlungen. Die Situation wird noch dadurch verschlimmert, dass sich militante Gruppen an Christen für von den Anti-Balaka verübte Taten rächen. Einem Länderexperten zufolge wurden viele Christen angegriffen und starben infolgedessen. So starben zum Beispiel in Mboumou sieben Christen infolge eines Vergeltungsaktes nach einem Aufeinandertreffen mit Anti-Balaka.
  • Zahlreiche Kirchen wurden in der Zentralafrikanischen Republik angegriffen, geplündert und zerstört. In einem der verheerendsten Angriffe, der im November 2018 stattfand, wurde die Herz-Jesu-Kathedrale in Alindao vollständig zerstört. Zudem war festzustellen, dass viele Kirchen, die als Flüchtlingslager dienten, gezielt angegriffen wurden. Ein Bericht der Katholischen Nachrichtenagentur vom 16. November 2018 besagt: „Viele katholische Kirchen im Land bieten Muslimen und Christen, die vor Gewalt fliehen, gleichermaßen Zuflucht, darunter auch Kirchen in der Diözese Bangassou, etwa 140 Meilen östlich von Alindao, wo mehrere katholische Einrichtungen vertriebene Muslime aufgenommen haben, die von der Gewalt durch die Anti-Balaka bedroht sind.“

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikanierung durch Geldstrafen
  • Erzwungene Einhaltung von Kleidungsvorschriften
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Verführung mit dem Ziel der Zwangskonversion
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

In der Zentralafrikanischen Republik sind christliche Frauen und Mädchen in besonderem Maße von Vergewaltigung, Vertreibung, Entführung und Zwangsheirat als Formen der religiösen Verfolgung betroffen. Eltern werden manchmal gelockt, ihre christlichen Töchter im Tausch gegen beträchtliche Geschenke zu verheiraten. In anderen Fällen stellen christliche Mädchen, die dachten, sie könnten ihren Glauben frei ausleben, wenn sie einmal mit einem Muslim verheiratet sind, fest, dass sie stattdessen zur Konversion gezwungen werden. Schülerinnen sind auf dem Hinweg zu und dem Rückweg von der Schule dem Risiko von Entführung und sexueller Gewalt ausgesetzt. Dies hält Eltern, die in Risikogebieten leben, davon ab, ihre Töchter zur Schule zu schicken. Mädchen, die missbraucht wurden und infolgedessen schwanger sind, brechen mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schule ab.

Zudem nimmt die Taktik zur Islamisierung der Bevölkerung heute subtilere Formen an als in den vergangenen Jahren. In einigen Gegenden des Landes wird den Christen unter dem Deckmantel der Bekämpfung der sexuellen Freizügigkeit oder der Geburtenregistrierung keine andere Wahl gelassen, als sich von einem Imam verheiraten zu lassen, oder es wird ihnen die Registrierung einer Geburt verweigert, wenn kein Christ im Amt ist, um dies zu tun. Im Norden des Landes werden arme christliche Familien dazu gedrängt, ihre jungen Töchter als Hausmädchen in einer wohlhabenden nichtchristlichen Familie arbeiten zu lassen, was nur dazu führt, dass die Mädchen monatelang ohne Bezahlung in Knechtschaft leben. Es gibt auch Berichte über langfristige Strategien zum zahlenmäßigen Wachstum der islamischen Bevölkerung. Eine dieser Strategien besteht darin, christliche Frauen zu schwängern, sie im Stich zu lassen und dann zurückzukehren, wenn die Kinder bekannter muslimischer Väter groß geworden sind, um sie zurückzuholen.

In der Zentralafrikanischen Republik sind Frauen im Allgemeinen stärker von ihren Familien abhängig als Männer, sodass sie von der Verfolgung durch die Familie stärker betroffen sind. Da die Zentralafrikanische Republik eines der ärmsten Länder Afrikas ist und bei fast allen Kriterien am unteren Ende der Skala rangiert, kann die finanzielle Not christliche Frauen mit vielen Kindern dazu bewegen, zum Islam zu konvertieren, um zu überleben. Es gibt Berichte, dass manchmal eine christliche Mutter unter der Bedingung, dass ihre Kinder in die Moschee geschickt werden, Mitglied der Kirche bleiben darf.

Außerdem wurden in einem Bezirk von Bangui christliche Frauen mit einer Geldstrafe belegt, weil sie ihren Kopf nicht gemäß der Kleiderordnung bedeckt hatten.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Falsche Anklagen
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt

Wenn christliche Familien von extremistischen Milizen angegriffen werden, werden christliche Frauen in der Zentralafrikanischen Republik in der Regel sexuell missbraucht und am Leben gelassen, während Männer wegen ihres Glaubens getötet oder von den Milizen gefangen genommen werden. In den letzten Monaten gab es Dutzende von Todesfällen in vielen verschiedenen Städten und Dörfern. Besonders die Pastoren werden ins Visier genommen und manchmal werden falsche Anschuldigungen, die sich um bestimmte Güter drehen, als Vorwand benutzt.

Jungen und Männer werden zeitweise gewaltsam von den militanten Rebellengruppen rekrutiert und sie werden auch zur Zielscheibe von Folter und Übergriffen. Entführung, Drohungen und gezielte Verarmung von Männern trifft christliche Familien sehr stark, zusammen mit der damit verbundenen Trennung oder dem Leben in Lagern.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Muslimische Zivilisten in den südlichen Teilen des Landes (wo sie eine Minderheit sind) wurden von den überwiegend animistischen Anti-Balaka-Gruppen ins Visier genommen und angegriffen. Diese Milizen haben Gräueltaten begangen, welche die internationale Gemeinschaft erschüttert haben. Der Internationale Strafgerichtshof stellt derzeit zwei Kriegsverbrecher vor Gericht, die beide Anführer der Anti-Balaka-Truppen sind.

Im Kontext des anhaltenden Konflikts sind religiöse Minderheiten nicht die Hauptzielgruppe. Die Anhänger kleiner religiöser Minderheiten stehen jedoch in den Regionen, in denen sie leben, vor Herausforderungen.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Es gibt Berichte, die darauf hindeuten, dass auch ausländische islamische Kämpfer im Land sind, die die Ex-Séléka-Gruppen unterstützen. Solange die Ex-Séléka-Milizen bewaffnet sind und im Land operieren, wird die gewaltsame Unterdrückung weitergehen und die Chancen auf Frieden in der Zentralafrikanischen Republik sind nur gering. Was die durchschnittliche muslimische Bevölkerung des Landes betrifft (d. h. mit Ausnahme der dschihadistischen Gruppen), ist das Ausmaß der Islamischen Unterdrückung nur dort ein Problem, wo die Familie und das soziale Umfeld Druck auf Konvertiten zum christlichen Glauben ausüben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Das Ausmaß von Korruption und Kriminalität im Land geht Hand in Hand mit dem Zusammenbruch von Recht und Ordnung. Daher hängt die Zukunft im Hinblick auf diese Triebkraft der Verfolgung davon ab, wie das Land seine Gesetze durchsetzen kann, wie es kriminelle Netzwerke und Regierungsbeamte, die ebenfalls Teil dieser Netzwerke sind, strafrechtlich verfolgt. Es ist wichtig zu beachten, dass kriminelle Netzwerke eng mit verschiedenen militanten Gruppen zusammenarbeiten.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Auch hinsichtlich dieser Triebkraft der Verfolgung hängt die zukünftige Entwicklung davon ab, wie das Land aus der aktuellen Krise herauskommt. Wenn es dem Land gelingt, durch Initiativen für Wahrheit, Versöhnung und Gerechtigkeit wirklichen Frieden zu schaffen, wird der Einfluss dieser Triebkraft der Verfolgung abnehmen. Es ist auch wichtig zu erwähnen, dass es – bis zu einem gewissen Grad – eine Verbindung zwischen Religion und ethnischer Zugehörigkeit im Land gibt; daher wird die Entwicklung der Islamischen Unterdrückung auch die Entwicklung Ethnisch oder traditionell begründeter Anfeindungen prägen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Zentralafrikanische Republik:

  • Die Zahl der gemeldeten Gewalttaten ist leicht zurückgegangen, dennoch ist die Unsicherheit in weiten Teilen des Landes noch sehr groß. Es mag in der Hauptstadt Bangui friedlich sein, aber an vielen Orten im Norden und Osten, z. B. in Bria, ist der Frieden noch nicht zurückgekehrt. Beten Sie um Frieden für das ganze Land und um Freiheit für die Christen, ihren Glauben zu leben und zu bezeugen.
  • Beten Sie für die vielen tausend Menschen (mehrheitlich Christen), die in Lagern für Binnenflüchtlinge ausharren, weil die Sicherheit noch nicht wiederhergestellt wurde. Beten Sie, dass Jesus Christus sie tröstet, stärkt und versorgt.
  • Die Gemeindeleiter im Norden und Osten sind sehr geschwächt. Sie haben alle ihre Dokumente und Studienmaterialien verloren und finden es schwer, sich auf Predigten vorzubereiten. Beten Sie, dass sie ausreichend mit Büchern ausgestattet werden, aber dass sie auch im Geist aufgebaut werden und in der Lage sind, andere zu trösten, weil sie selbst Trost von Jesus empfangen haben.

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