Länderprofil ZAR

Zentralafrikanische Republik

21
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Zentralafrikanische Republik
Hauptreligion
Christentum
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
35
ISO
CF
Karte ZAR
Christen
3,46
Bevölkerung
4.74
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 10.200
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 10.600
Kirchliches Leben: 11.100
Auftreten von Gewalt: 16.100

Länderprofil Zentralafrikanische Republik

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 21 / 70 Punkte (WVI 2018: Platz 35 / 61 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Die aus verschiedenen Gruppen bestehende bewaffnete Séléka-Koalition erhält die meiste Unterstützung durch muslimische Stämme aus dem Norden des Landes, wo die Bevölkerung beeinflusst wurde, sich gegen Christen zu stellen. Die Séléka-Miliz hat sich in mehrere Fraktionen gespalten. Die meisten der Kämpfer sind Muslime und greifen regelmäßig Kirchen und Häuser von Christen an. Während die Séléka behauptet, aufgrund der unfairen Behandlung von Muslimen durch die Regierung zu kämpfen, halten animistische und christliche Stämme aus dem Süden dagegen, dass die Séléka die muslimische Vorrangstellung stärken und eine Regierung unter dem „Haus des Islam“ errichten wolle. Zudem besteht die Gefahr von Angriffen anderer militanter islamistischer Gruppen aus der Region.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Anti-Balaka-Gruppen wurden zunächst als Bürgerwehren gegründet, die Zivilisten vor der Gewalt der Séléka beschützen sollten. Zuerst behaupteten sie, Christen zu beschützen, doch die Kirche distanzierte sich vehement von ihnen. Als Folge gibt es inzwischen viele Berichte von Angriffen auf Kirchen durch Anti-Balaka-Milizen. Mittlerweile haben sich die Milizen zu kriminellen Gangs entwickelt, besonders in Bangui. Die fehlende Stabilität im Land hat sich zusammen mit den geografischen Gegebenheiten (dichte Wälder, die ein ideales Versteck bieten) als hervorragend für kriminelle Vorhaben geeignet erwiesen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Christen werden sowohl von Séléka-Kämpfern als auch von Anti-Balaka-Milizen angegriffen und bedroht. Während die Séléka Christen angreift, um Einfluss und Unterstützung in der muslimischen Gemeinschaft zu gewinnen und die Bevölkerung durch Gewalt zu islamisieren, nehmen die Anti-Balaka-Gruppen Kirchen ins Visier, die sich weigern, sie zu unterstützen. Kirchen und Pastoren sind Hauptziele der Übergriffe. In einem Vorfall vom November 2018 (außerhalb des Berichtszeitraums für den WVI 2019) führte der Angriff einer ehemals mit der Séléka verbündeten Gruppe namens „Unité pour la Paix en Centrafrique“ (UPC) zum Tod von 40 Christen. Zudem erleben Christen muslimischer Herkunft Druck von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Christliche Leiter, die sich öffentlich gegen die Gewalt ausgesprochen haben, wurden bedroht, Kirchen demoliert und geplündert. Infolge des Konflikts sind tausende Christen von ihrem Grund und Boden vertrieben worden, haben ihr Zuhause und ihre Lebensgrundlage verloren und wurden gezwungen, in Lagern zu leben. Zusätzlich zu der herrschenden Unsicherheit und Gewalt, unter der alle Christen leiden, werden christliche Konvertiten auch von ihren Angehörigen verfolgt. Auch das soziale Umfeld grenzt sie oftmals aus und versucht sie zum Teil mit Gewalt dazu zu zwingen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 29. Juni 2018 wurde ein römisch-katholischer Priester in der Stadt Bambari von Unbekannten getötet, die auf das Grundstück der Kirche eindrangen und anscheinend versuchten, die Kirche auszurauben.
  • Am 1. Mai 2018 führte eine bewaffnete Gruppe einen Angriff auf die Kirche „Notre-Dame de Fatima“ in Bangui durch, tötete 15 Christen und verletzte 99 weitere.
  • Am 4. Januar 2018 wurde ein bekannter katholischer Priester bei einem offensichtlichen Mordanschlag in Tokoyo von unbekannten Angreifern niedergestochen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 70 Punkten belegt die Zentralafrikanische Republik den 21. Platz auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Der Anstieg um neun Punkte im Vergleich zum Vorjahr liegt hauptsächlich im immer stärker werdenden Konflikt zwischen den Séléka-Gruppen und den Anti-Balaka-Milizen begründet. Vor allem zahlreiche Splittergruppen der Séléka sind für Morde an Christen verantwortlich. Die Punktzahl für „Auftreten von Gewalt“ blieb extrem hoch, was sich nun auch auf den Druck in allen Lebensbereichen ausgewirkt hat. Der durchschnittliche Druck auf Christen stieg im Vergleich zum WVI 2018 um 1,7 Punkte.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Séléka-Miliz bleibt auch nach ihrer Aufspaltung in mehrere Gruppen einer der Hauptakteure in dem Bürgerkrieg, der die Zentralafrikanische Republik überzieht. Die Kämpfer stammen aus dem überwiegend muslimischen Norden des Landes. Die aus der Séléka hervorgegangenen Gruppen sind von ähnlicher Zusammensetzung und bestehen größtenteils aus Muslimen. Zusätzlich zu der Gewalt, die von militanten Gruppen wie der „Union demokratischer Kräfte für die Einheit“, der „Konferenz der Patrioten für Gerechtigkeit und Frieden“, der „Patriotischen Konferenz für die Rettung Kodros“, der „Union republikanischer Kräfte“ und der „Allianz für Neugeburt und Wiederaufbau“ verübt wird (die alle Ableger der Séléka sind), zeigt sich „Islamische Unterdrückung“ auch dort als Triebkraft der Verfolgung, wo gewöhnliche Bürger Christen in überwiegend muslimischen Landesteilen verfolgen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

„Organisiertes Verbrechen und Korruption“ ist eine weitere bedeutsame Triebkraft der Christenverfolgung in der Zentralafrikanischen Republik. Sie zeigt sich insbesondere dort, wo Anti-Balaka-Milizen Christen und Kirchen angreifen. Diese Gruppen begannen als lokale Bürgerwehren, wurden später einer der Hauptakteure im Bürgerkrieg und haben sich mittlerweile zu kriminellen Gangs entwickelt. Ihre kriminellen Aktivitäten führen zur Verfolgung von Christen in Bangui, da sie – zusätzlich zu ihren brutalen Anschlägen auf Muslime – häufig Kirchen und geistliche Leiter angreifen.

Ethnisch begründete Anfeindungen

„Ethnisch begründete Anfeindungen" in der Zentralafrikanischen Republik sind ein komplexes Thema mit zwei Dimensionen: Animismus bzw. traditionelle afrikanische Religionen (religiös und kulturell) und Stammeskonflikte. Ein Experte für das Land schreibt dazu: „Beides ist in der Zentralafrikanischen Republik verbreitet, wobei ethnische und religiöse Motive häufig miteinander Hand in Hand gehen. Es wird Druck ausgeübt, an kulturellen religiösen Praktiken teilzunehmen, wie etwa Initiationsriten, Riten und Bräuchen bei Meilensteinen wie Geburt, Heirat und Tod, aber auch zum Schutz im Kampf. (wofür Anti-Balaka bekannt sind). Einige ethnische Minderheiten werden besonders ins Visier genommen, etwa die Baka-Pygmäen, die zur Zwangsarbeit missbraucht werden. Die Anti-Balaka bestehen zum Großteil aus Animisten und greifen vor allem Muslime an, häufig aber auch Christen. Manchmal zwingen sie Christen dazu, sich ihnen anzuschließen.“

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die wichtigsten Verfolger von Christen in der Zentralafrikanischen Republik sind muslimische militante und paramilitärische Gruppen, die als Ex-Séléka-Gruppen angesehen werden können. Zwei von ihnen sind die „Volksfront für die Renaissance der Zentralafrikanischen Republik“ (FPRC) und die „Union für Frieden in der Zentralafrikanischen Republik“ (UPC). Diese Gruppen können als gewalttätige religiöse Gruppierungen bezeichnet werden. Sie können allerdings gleichzeitig als politische Parteien und paramilitärische Organisationen charakterisiert werden. Diese Rebellengruppen haben zahlreiche Angriffe auf Kirchen und Privateigentum von Christen verübt. In den überwiegend muslimischen Landesteilen zählen auch gewöhnliche Bürger zu den Verfolgern, die von den Lehren extremistischer und intoleranter Imame beeinflusst sind. Stammesführer oder ethnische Leiter spielen ebenfalls eine Rolle in diesem Prozess, da sie den Druck auf Konvertiten zum christlichen Glauben verstärken.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Einige Splittergruppen der oben genannten militanten Zusammenschlüsse treten als organisierte kriminelle Gangs auf, plündern viel und greifen häufig Kirchen und kirchliche Einrichtungen an. Zusätzlich zu den Kämpfern aus den Reihen der ehemaligen Séléka verüben auch Anti-Balaka-Kämpfer derartige Angriffe. Das herrschende Ausmaß an Gesetzlosigkeit und die Unfähigkeit des Staates, für Recht und Ordnung zu sorgen, bedeuten, dass sowohl die Christen als auch die Gesellschaft insgesamt kaum Schutz vor den kriminellen Machenschaften dieser Gruppierungen erhalten.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Die Verfolger in diesem Bereich sind Anführer ethnischer Gruppen und lokaler Gemeinschaften und ihre Mitglieder. Ein Experte für das Land sagt dazu: „Ethnisch begründete Anfeindungen in Form von durch den Stamm ausgeübten Druck sind vor allem deshalb im Land präsent, weil muslimische Leiter aus bestimmten Stämmen (wie den Fulani) stammen, die Christen verfolgen.“

4. Hintergrund

Seit ihrer Unabhängigkeit von Frankreich im Jahr 1960 hat die Zentralafrikanische Republik zahlreiche Konflikte und fünf Staatsstreiche erlebt. Die Instabilität und Schwäche der aufeinanderfolgenden Regierungen (zusammen mit ihrer mangelnden Legitimation) haben dazu geführt, dass Frankreich als ehemalige Kolonialmacht weiterhin eine entscheidende Rolle spielt. Es gab schon eine ganze Reihe direkter französischer Militärinterventionen zur Unterstützung der jeweiligen Regierung und manchmal auch zum Schutz französischer Staatsbürger und anderer in der Zentralafrikanischen Republik lebender Ausländer. Das Land ist mehrheitlich von Christen bewohnt und die Unzufriedenheit unter den im Norden des Landes lebenden Muslimen war eine der Hauptursachen für den Putsch im März 2013.

Der bereits im Dezember 2012 ausgebrochene Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik hat tausende Menschenleben gekostet, Hunderttausende vertrieben und massive Zerstörungen von Besitztümern zur Folge gehabt. Im September 2014 ordnete die Chefanklägerin am Internationalen Strafgerichtshof eine zweite Untersuchung an. Experten betonen, dass die Formierung der (hauptsächlich aus Muslimen bestehenden) Séléka-Truppen unter anderem auf die Unfähigkeit der Regierung zurückzuführen ist, soziale Probleme zu lösen und den Staat verantwortungsvoll zu führen. Die gezielten Angriffe der Séléka-Milizen auf Christen haben dem Konflikt jedoch eine religiöse Komponente hinzugefügt. Die größtenteils animistisch geprägten Anti-Balaka-Truppen griffen in den südlichen Landesteilen gezielt Muslime an und verübten Gräueltaten, wodurch der Konflikt weiter verschärft wurde. Vor diesem Hintergrund weiterhin bedeutsam ist die Bangui-Deklaration, die mehrere christliche Organisationen im Februar 2014 verfassten. Darin betonten sie: „Die Auseinandersetzung zwischen Séléka und Anti-Balaka hat einen Kreislauf der Vergeltung in Gang gesetzt, der die Zivilbevölkerung zum Opfer gefallen ist. Wir verurteilen diese Gewalt, gleichgültig welchen Ursprungs. Darüber hinaus weisen wir die irreführende Bezeichnung der Anti-Balaka als ‚christliche‘ Miliz zurück.“

Obwohl die Séléka mittlerweile aus vielen Landesteilen vertrieben wurde, bleiben große Herausforderungen. In Bangui steht das Stadtviertel „PK5” weiterhin unter der Kontrolle einer wachsenden Gruppe extremistischer Muslime, die dort eine Herrschaft des Terrors führen. Im Nordosten des Landes, wo hauptsächlich Muslime leben, werden viele Christen aus ihren Dörfern vertrieben und können ihre Felder nicht bewirtschaften. Große Gruppen von Christen leben unter äußerst prekären Bedingungen in Flüchtlingslagern. Obwohl die 2016 durchgeführten Wahlen Anlass zu einigem Optimismus bezüglich der Chancen auf Frieden in der Zentralafrikanischen Republik gaben, kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen verschiedenen militanten Gruppierungen, bei denen Anfang 2017 innerhalb von drei Monaten 45 Zivilisten starben und mindestens 11.000 Menschen vertrieben wurden. Dieses erneute Aufflammen von Gewalt in den zentralen Landesteilen der Zentralafrikanischen Republik stellt ein großes Risiko sowohl für Christen als auch für Muslime und Animisten im Land dar. Falls die UN-Friedenstruppen im Land nicht entschlossen gegen derartige Zusammenstöße vorgehen und sie unterbinden, besteht die Gefahr, dass die Zentralafrikanische Republik wieder in den Zustand von Instabilität und Kämpfen abgleitet, der das Land in den vergangenen Jahren bereits geplagt hat. Die UN-Friedensmission war bisher nicht in der Lage, Frieden und Stabilität im Land herzustellen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden in der Analyse und Wertung für den WVI 2019 nicht berücksichtigt, da sie nicht unfreiwillig isoliert sind.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie besteht aus römisch-katholischen und traditionellen protestantischen Kirchen. Die Römisch-Katholische Kirche ist die größte Konfession des Landes und verfügt über ein weit verzweigtes Netzwerk von Kirchen, Krankenhäusern und Schulen. Während des Aufstiegs der Séléka wurden Autos, Computer und andere Wertgegenstände aus Kirchengebäuden und anderen kirchlichen Einrichtungen geraubt. Die Katholische Kirche und ihre Leitung in der Zentralafrikanischen Republik haben sich gemeinsam mit anderen religiösen Führern als starke Fürsprecher für Frieden und Versöhnung eingesetzt. Darüber hinaus haben sie sowohl muslimischen als auch christlichen Zivilisten Zuflucht geboten, die von Milizen angegriffen wurden. Infolgedessen werden katholische Kirchen immer wieder zum Ziel von Übergriffen.

Christen muslimischer Herkunft

Wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, erleben Christen muslimischer Herkunft Widerstand von Familienmitgliedern und werden von ihnen unter Druck gesetzt, sich von ihrem christlichen Glauben loszusagen. Ihre Möglichkeiten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben und gemeinsam Gottesdienst zu feiern, sind sehr begrenzt. Die meisten Christen muslimischer Herkunft leben ihren Glauben nicht in der Öffentlichkeit, da sie Angst vor Angriffen muslimischer Aufrührer haben. Das gilt besonders in den mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gebieten im Norden des Landes.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Christen aus baptistischen, evangelikalen und Pfingstgemeinden werden, ähnlich wie Christen aus traditionellen Kirchen, immer wieder von Kämpfern der ehemaligen Séléka angegriffen. In letzter Zeit ist die Anzahl der Menschen, die sich diesen Gemeinden anschließen, sehr stark gewachsen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 10.2
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 11.9
Leben im Staat 10.6
Kirchliches Leben 11.1
Auftreten von Gewalt 16.1

Grafik: Verfolgungsmuster Zentralafrikanische Republik

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in der Zentralafrikanischen Republik ist an der Grenze zwischen hoch und sehr hoch. Die Wertung ist von 9,0 Punkten auf 10,7 Punkte gestiegen.
  • Außer im Bereich „Familienleben“ liegt die Punktzahl für den Druck in den jeweiligen Lebensbereichen bei durchgehend über 10 Punkten. Am stärksten ist der Druck im „Gesellschaftlichen Leben“ (11,9 Punkte).
  • Die Punktzahl für „Auftreten von Gewalt“ bleibt extrem hoch (16,1 Punkte wie im vergangenen Jahr).

Privatleben

Da die Zentralafrikanische Republik ein mehrheitlich christliches Land ist, genießen Katholiken wie auch alle Protestanten ein relativ hohes Maß an Freiheit im Privatleben, besonders in den Landesteilen mit christlicher Bevölkerungsmehrheit. Christen muslimischer Herkunft erleben jedoch Einmischung vonseiten ihrer Familienangehörigen, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Diese Gruppe von Christen wird von allen am stärksten verfolgt. Die größte Herausforderung in der Zentralafrikanischen Republik ist die Spaltung der Landesbevölkerung anhand von Glaubensüberzeugungen. Deshalb ist es für einen christlichen Gastgeber sehr riskant, seinen Glauben an einen muslimischen Gast weiterzugeben. Im nördlichen Teil des Landes (wo hauptsächlich Muslime leben und Séléka-Splittergruppen aktiv sind) riskiert ein Christ muslimischer Herkunft sein Leben, wenn er christliche Materialien besitzt. Wenn ehemalige Séléka-Kämpfer in ein Haus kommen und jemanden beim Lesen der Bibel antreffen, töten sie ihn oder sie häufig auf der Stelle.

Familienleben

Angesichts der weiterhin sehr unsicheren Lage im Land ist es sehr schwierig für Christen (insbesondere Christen muslimischer Herkunft) in den nordöstlichen Provinzen, Geburten, Hochzeiten oder Todesfälle registrieren zu lassen, vor allem da dies ungewollte Aufmerksamkeit erregen würde. In einem Land, in dem sich verschiedene Gruppen aus religiösen Motiven gegenseitig ins Visier nehmen, ist es auch schwer, Taufen durchzuführen. Christliche Konvertiten verlieren nahezu automatisch ihre Erbansprüche.

Gesellschaftliches Leben

Aus Dörfern, die von ehemaligen Séléka-Kämpfern angegriffen wurden, sind oftmals junge Mädchen entführt worden. Christen haben häufig Zuflucht in Städten wie Kaga-Bandoro, Bambari und Bria gesucht, nachdem sie gezwungen wurden, aus ihren Dörfern zu fliehen. Verjagt wurden sie in vielen Fällen durch muslimische Fulani-Hirten, die den Christen das Ackerland weggenommen haben, um darauf ihr Vieh weiden zu lassen. Christen muslimischer Herkunft leiden bei solchen Angriffen von Muslimen am stärksten. In den Dörfern wollen Muslime gemeinschaftlich genutzte Ressourcen (wie die Gesundheitsversorgung) in der Regel nicht mit christlichen Konvertiten teilen, besonders in den abgelegenen nördlichen Teilen des Landes.

Leben im Staat

Die Verfassung und die Gesetze des Landes erklären die Zentralafrikanische Republik klar als säkularen Staat. Dennoch erleben Christen Diskriminierung durch Regierungsbeamte, die mit den Séléka-Rebellengruppen oder anderen islamistischen Gruppierungen sympathisieren. An einigen Orten sind christliche Mitarbeiter von lokalen Behörden entlassen und durch Muslime ersetzt worden. Dies trifft hauptsächlich auf nordöstliche Provinzen zu, in denen die lokalen Behörden von ehemaligen Séléka-Milizen dominiert werden.

Kirchliches Leben

Das kirchliche Leben ist durch den anhaltenden Konflikt bedroht. Séléka-Gruppen greifen Kirchen in den mehrheitlich muslimischen Teilen des Landes an und konzentrieren sich dabei vor allem auf Kirchen, die offen Christen muslimischer Herkunft integrieren. Auch Anti-Balaka-Gruppen greifen Kirchen und Christen an, die sich ihrem Tun entgegenstellen. Beide Rebellengruppen sind in kriminelle Aktivitäten verwickelt. Ein reguläres Gemeindeleben ist kaum möglich, da bei Zusammenkünften von Christen jederzeit mit Angriffen zu rechnen ist. Dies gilt besonders in Bangui in der Nähe des Stadtviertels PK5 und in den nordöstlichen Landesteilen, wo Christen in den großen Städten bedrängt und zur Flucht gezwungen werden.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum für den WVI 2019 blieb das Ausmaß der Gewalt extrem hoch. Gezielte Morde, Verletzungen und die Zerstörung von Kirchen sind alltäglich. Beispiele für das „Auftreten von Gewal“t gegen Christen finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen und Mädchen sind in der Zentralafrikanischen Republik vielfach Vergewaltigung und anderer sexueller Gewalt ausgesetzt, besonders wenn Milizen zivile Siedlungen angreifen. Häufig werden sie unter Gewaltandrohung zur Eheschließung gezwungen. Polygamie scheint eine akzeptierte Praxis zu sein. Demzufolge sind Frauen und Mädchen oftmals von sexuell übertragbaren Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften betroffen. Junge Mädchen, die infolge sexuellen Missbrauchs schwanger geworden sind, müssen mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Schulausbildung abbrechen.

Männer

Jungen und Männer werden gelegentlich dazu gezwungen, sich militanten islamischen Gruppierungen anzuschließen, werden aber auch Opfer von Folter und anderen Übergriffen. Darüber hinaus werden viele als Zwangsarbeiter in der Bergbauindustrie ausgebeutet.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Muslimische Zivilisten sind in den südlichen Teilen des Landes, wo sie eine Minderheit darstellen, von Angriffen durch die überwiegend animistischen Anti-Balaka-Milizen betroffen.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Der Konflikt der letzten Jahre hat die Beziehung zwischen Christen und Muslimen nachhaltig verändert. Sollten die Bemühungen um Versöhnung sowie die Einrichtung einer funktionierenden Strafverfolgung in der Zentralafrikanischen Republik fehlschlagen, besteht die große Gefahr, dass sich die Polarisierung zwischen Muslimen und Christen fortsetzt und den religiösen Konflikt weiter verschärft. Trotz der Wahlen in den Jahren 2015 und 2016 (die viele mit der Hoffnung auf Versöhnung verbunden haben) scheinen die aus der Séléka hervorgegangenen Milizen nicht bereit, ihre Waffen niederzulegen. Es besteht weiterhin die Gefahr eines Rückfalls in einen gewaltsamen Konflikt mit religiösem Beiklang. Kirchenleiter der größten Konfessionen haben die Gewalt der Anti-Balaka verurteilt. Obwohl Präsident Touadéra Frieden und Versöhnung seit seinem Amtsantritt 2016 an die Spitze seiner Agenda stellt, sind weiterhin militante Gruppen im Land aktiv, und die UN hat einen Bericht herausgegeben, in dem das steigende Risiko eines tödlichen Bürgerkrieges bis hin zum Völkermord skizziert wird. In der weiterhin instabilen Situation wird die Lage zunehmend komplexer, da mehrere kriminelle Splittergruppen aus den Séléka- und Anti-Balaka-Milizen hervorgegangen sind und sich teilweise sogar zusammengeschlossen haben. Diese Situation wird von der „International Crisis Group“ folgendermaßen zusammengefasst: „Die Zentralafrikanische Republik befindet sich seit einer gewaltsamen Machtergreifung 2013 in Aufruhr. Als Folge breitete sich Gewalt im Land aus, da sich bewaffnete Milizen gegenseitig bekämpften und Rache an der Bevölkerung übten. Die Wahl von Präsident Faustin Archange Touadéra im März 2016 brachte eine anfängliche Ruhe mit sich; darauf folgten jedoch Ende 2016 und Anfang 2017 mehr Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen einschließlich ehemaliger Séléka-Fraktionen und Anti-Balaka-Milizen, die beide große Gebiete des Landes kontrollieren. Anhaltender Frieden liegt noch immer in weiter Ferne, da weder die neue Regierung noch die zahlreichen UN-Truppen über die Mittel verfügen, die bewaffneten Gruppen zu Verhandlungen und zur Entwaffnung zu zwingen.“

Der Ausblick für Christen

Die Situation für Christen in der Zentralafrikanischen Republik wird immer komplexer. Der Konflikt zwischen zwei miteinander rivalisierenden bewaffneten Streitkräften (Séléka und Anti-Balaka) ist zu einem Konflikt zwischen verschiedenen militanten Ablegern geworden. Sie alle greifen Christen an, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Dies hat zu enormem Druck auf Christen in allen Bereichen des Lebens geführt. Morde und Zerstörungen von Besitz und Kirchen sind zum Alltag geworden. Ändert sich die Situation nicht grundlegend, werden Christen weiterhin unter Verfolgung leiden.

Schlussfolgerung

Die vergangenen fünf Jahre sind sowohl für die Bevölkerung als auch für die Regierung der Zentralafrikanischen Republik eine der herausforderndsten Zeiten gewesen. Die Hoffnungen, dass die Wahlen von 2016 Lösungen für viele der wichtigsten Probleme bringen würden, wurden nicht erfüllt. Weigern sich die Parteien des Konflikts weiterhin, sich zu einem Waffenstillstand zu verpflichten und abzurüsten,

  • könnte sich das Land bald in einem ausgewachsenen Bürgerkrieg wiederfinden.
  • würden sich auch benachbarte Länder wahrscheinlich in die Bewaffnung und Ausbildung von Gruppen einmischen, basierend auf ihren nationalen Interessen.
  • werden Christen wahrscheinlich weiterhin durch ehemalige Séléka und andere Milizen Verfolgung erleiden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Zentralafrikanische Republik:

  • Die Gewalt gegen Christen hat besonders im Nordosten durch Ableger der Séléka zugenommen, von denen viele als gewalttätige religiöse Gruppen bezeichnet werden können. Bitten Sie um Gottes Gnade für alle, die von dieser Gewalt betroffen sind, durch den Verlust von geliebten Menschen oder als Überlebende von Gewalttaten. Beten Sie um Heilung und Trost.
  • Islamische Unterdrückung durch gewöhnliche Bürger in mehrheitlich muslimischen Teilen des Landes ist eine Realität für Christen, vor allem für Konvertiten. Beten Sie um Gnade für die Christen, dass sie im Sinne Jesu auf diese Unterdrückung reagieren und ihr Vertrauen auf Jesus setzen können. Beten Sie, dass der Herr ihr Zeugnis nutzt, um vielen Menschen ein tieferes Verständnis von ihm zu geben.
  • Die Regierung und UN-Truppen waren nicht erfolgreich darin, die Stabilität wiederherzustellen, und Gewalt ist weiterhin im Land präsent. Beten Sie, dass der Einfluss der Regierung wächst, damit sie (unter Mithilfe der internationalen Gemeinschaft) in der Lage ist, Frieden und Ordnung wiederherzustellen. Beten Sie, dass Gottes Gnade über dieses Land ausgegossen wird, das so viele Konflikte und Krisen erleiden musste.
  • Beten Sie für die Arbeit von Open Doors, durch welche die Kirche durch Vorbereitung auf Verfolgung, wirtschaftliche Unterstützung, Leiterschaftskurse und Traumaseelsorge für die vielen Opfer der Gewalt, gestärkt werden soll. Beten Sie, dass Gott den Mitarbeitern Kraft gibt, die in einer sehr instabilen Situation arbeiten.

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