Länderprofil Myanmar

Myanmar

19
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Buddhismus
Platz Vorjahr
18
ISO
MM
Karte Myanmar
Christen
4,32
Bevölkerung
54.34
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Kommunistische Unterdrückung
Privatleben: 11.800
Familienleben: 11.900
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 12.500
Kirchliches Leben: 12.200
Auftreten von Gewalt: 10.700

Länderprofil Myanmar

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 19 / 73 Punkte (WVI 2019: Platz 18 / 71 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

In überwiegend von Christen bewohnten Staaten wie Kachin, Karen oder im Norden des Shan-Staats werden selbst etablierte, traditionelle Kirchen angegriffen. Mehr als 100.000 Christen leben in Flüchtlingslagern im Land und haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Die Kämpfe weiteten sich 2018 noch aus, sodass weitere tausende Menschen in die Lager kamen. Sie waren bis jetzt nicht in der Lage, nach Hause zurückzukehren. In einigen Fällen drangen buddhistische Mönche in Grundstücke von Kirchen ein und bauten buddhistische Schreine auf dem Anwesen der Kirche. Christliche Konvertiten erfahren Verfolgung von ihrer buddhistischen, muslimischen oder in traditionellen Stammesreligionen verwurzelten Familie, weil sie ihren Glauben verlassen und sich damit vermeintlich selbst aus dem gemeinschaftlichen Leben ausgeschlossen haben. Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen, machen das Leben für christliche Familien unmöglich, indem sie ihnen nicht erlauben, die Wasserquellen der Gemeinschaft zu nutzen. Protestantische Freikirchen erleben ebenfalls Gegenwind, besonders, wenn sie sich in ländlichen Gebieten befinden und/oder dafür bekannt sind, das Evangelium aktiv zu verbreiten. Die Regierung versucht, gegen extremistische buddhistische Mönche vorzugehen, sendet aber gemischte Signale, da im Berichtszeitraum Weltverfolgungsindex 2020 noch deutlicher wurde, dass extremistische Mönche die Unterstützung der Armee genießen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im März 2019 veröffentlichte Human Rights Watch einen Bericht darüber, wie überwiegend christliche Kachin-Mädchen und -Frauen gehandelt und als Bräute nach China verkauft werden („Gebt uns ein Baby und wir lassen euch gehen“).
  • Im Januar und Februar 2019 verschwanden im Staat Rakhine ein Pastor und ein Kirchenältester, die angeblich von der aufständischen Arakan-Armee entführt und dann getötet wurden. Die Leiche des Ältesten wurde gefunden, aber der Verbleib des Pastors ist weiterhin ungeklärt.
  • In den meisten Schulen sind alle Schüler dazu verpflichtet, vor dem Unterricht buddhistische Lehren oder Gebete aufzusagen, auch wenn sie keine Buddhisten sind.
  • Christliche Konvertiten werden auf verschiedene Arten und Weisen diskriminiert. In einem Fall verweigerte ein Lehrer einer christlichen Schülerin eine Liste mit Fragen, die er den anderen Schülern ausgehändigt hatte, um sich auf eine Klassenarbeit vorzubereiten. In einem anderen Fall verteilte eine Familie das verdiente Geld von dem Verkauf eines Grundstücks an alle Geschwister bis auf denjenigen, der Christ geworden war.

Meldungen und Beiträge zu Myanmar

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Myanmar
Die paramilitärische Organisation United Wa State Army hat in den vergangenen Wochen Pastoren gefangen genommen, Bibelschüler dazu gezwungen, in die Dienste der Armee zu treten, Kirchen geschlossen und Priester verhört und vertrieben.
Hintergrundinformationen
Buddhismus und Christenverfolgung

Buddhismus und Christenverfolgung

03:47 Minuten
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Warum werden Christen in manchen buddhistischen Ländern verfolgt? Gilt der Buddhismus nicht als Religion des Friedens und der Toleranz? Eine illustrierte...

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Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 73 Punkten belegt Myanmar Platz 19 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Dies stellt einen Anstieg von 2 Punkten im Vergleich zu den 71 Punkten aus dem Weltverfolgungsindex 2019 dar, in dem es auf Platz 18 stand. Der Druck auf Christen ist langsam weiter gestiegen und Christen mit buddhistischem, muslimischem oder Stammeshintergrund erleben weiterhin starken Druck vonseiten ihrer Familie und ihres Umfelds; die Situation in der Wa-Region hat sich bemerkenswert stark verschlechtert und viele Kirchen wurden geschlossen (trotz der Tatsache, dass die myanmarischen Behörden keinen Einfluss in diesem Teil des Landes haben). Dies beeinflusste den Bereich des kirchlichen Lebens, dessen Punktzahl weiter ansteigt.

Es muss zudem bedacht werden, dass es schwierig ist, Berichte aus den vom Krieg zerrissenen Gebieten der christlichen Minderheit zu erhalten. Dies wird auch von anderen internationalen Organisationen bestätigt und zeigt sich in der Verhaftung und Verurteilung von Reportern.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Der Buddhismus ist eng mit der nationalen Identität Myanmars verknüpft und es gibt buddhistische Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen. Diese Haltung wird üblicherweise von extremistischen Buddhisten betont und von der Regierung toleriert – und in gewissem Maß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60 %) ist ethnisch gesehen birmanisch, auch „bamar“ genannt. Bamar zu sein, heißt buddhistisch zu sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als Außenseiter der Gemeinschaft und potenziell gefährlich eingestuft. Druck auf Christen kommt von zwei Seiten: Zum einen von der Gesellschaft, einschließlich der als „Ma Ba Tha“ bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche. Das Verbot der Bewegung im Jahr 2017 und ein zweites im Jahr 2018 hatte keine wirklichen Konsequenzen. Im Juli 2018 kündigte das Ministerium für religiöse Angelegenheiten an, dass es die Regulierung extremistischer buddhistischer Gruppen von der buddhistischen Führung (der „Sangha“) übernehmen werde. Es ist jedoch zweifelhaft, wie wirksam diese Ankündigung und die Kontrolle sein werden. Der andere Faktor für den Druck auf Christen ist die Regierung, die versucht, ein Friedensabkommen mit einer Vielzahl von ethnischen Gruppen abzuschließen, von denen viele Christen sind. Die Einführung der „Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion“ sind ein Zeichen für den weiterhin starken Einfluss extremistisch-buddhistischer Gruppierungen.

Diktatorische Paranoia

Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Während die 2015 gewählte Regierung nicht als paranoid bezeichnet werden kann, ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht die Regierung „Diktatorische Paranoia“ ausübt, sondern das Militär fast diktatorische Macht hat. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der burmesischen Armee 2008 geschrieben wurde, werden ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt. Zudem besetzt die Armee die wichtigsten Regierungsstellen, einschließlich des Verteidigungsministeriums, des Innenministeriums und des Ministeriums für Grenzangelegenheiten. Trotz aller Hoffnungen auf Demokratie hat die Armee ihren Kampf gegen aufständische Gruppen und ethnische Minderheiten, zu denen auch Christen gehören, intensiviert. Die Tatsache, dass der Krieg trotz aller Tagungen der Friedenskonferenz nicht nur weitergegangen ist, sondern sich 2018 sogar verschlimmert hat, zeigt, wo die wahre Macht in Myanmar liegt.

Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, und sich dabei – falls notwendig – auch auf den buddhistischen Nationalismus oder das ethnische Erbe berufen. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte „Na-Ta-La-Schulen“ (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da sie keine Gebühren erheben. Diese Schulen werden genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, etwa indem Jugendliche aus diesen Minderheiten drogenabhängig gemacht werden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Regionen in Vietnam, Laos und Thailand). Teile des Landes sind weitgehend in der Hand der Armee Myanmars. Da viele Rohstoffe wie Erz, Jade und Edelholz in den hauptsächlich von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort großen Druck vonseiten des Militärs – nicht nur aus ökonomischen Interessen. Sie werden schikaniert, attackiert und als Träger missbraucht. Unternehmen werden oftmals vom Militär oder von hochrangigen Politikern geleitet; die Vetternwirtschaft boomt. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen.

Kommunistische Unterdrückung

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 und auch im aktuellen Berichtszeitraum wurde die größte Rebellengruppe, die „United Wa State Army“ (UWSA), gewaltsam gegen Christen aktiv. Hunderte von Kirchen bleiben geschlossen, mehrere Christen sind immer noch entführt oder wurden vertrieben. Vermutlich von China unterstützt, richtete die Gruppe sich gegen christliche Gruppen, die als „Missionare“ wahrgenommen wurden – meist baptistische Gruppen wie die Baptistenversammlung von Lahu oder die Kachin Baptist Convention. Diese Bekämpfung durch eine kommunistische Gruppe ähnelt dem harten Durchgreifen der chinesischen Behörden, die derzeit gegen den christlichen Glauben in China vorgehen. Da die Behörden Myanmars in der de-facto semi-autonomen Wa-Region mit etwa 450.000 Einwohnern im Shan-Staat keine Macht ausüben, fällt diese Art der Verfolgung nicht unter „Religiös motivierten Nationalismus“.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In einigen der Staaten, in denen die meisten Christen leben, wie Kachin oder dem Shan-Staat, gibt es auch die wertvollsten Rohstoffe Myanmars, wie etwa Jade und Edelholz. Laut einem im August 2019 veröffentlichten UN-Bericht bringen dieses und andere Geschäfte, an denen die Armee beteiligt sind, enorme Summen ein – ein Einkommen, das manchmal mit ethnischen Aufstandsgruppen im Austausch gegen Waffenstillstände oder andere Vereinbarungen geteilt wird. Zudem ist diese Region Teil des bekannten „Goldenen Dreiecks“, eines der weltweit größten Anbaugebiete für Opium. Regierungsbeamte, die Armee und Rebellengruppen werden beschuldigt, von Drogenproduktion und -handel zu profitieren. Jeder, der dagegen vorgeht oder den Händlern, Ausbeutern und Dealern im Weg steht, ist in ernsthafter Gefahr. Dies gilt auch für die Christen in diesen Regionen.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiösem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Buddhistische Mönche wiegeln die Dorfgemeinschaften in mehrheitlich buddhistischen Gemeinschaften auf, Christen zu verfolgen. Die extremistische buddhistische Bewegung Ma Ba Tha versucht weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Dieses Ziel ist zudem mit dem Schutz der ethnischen „burmesischen Rasse“ verknüpft. Die beiden Verbote der Ma Ba Tha ändern nichts, da die Gruppe andere Wege findet, ihren Einfluss geltend zu machen.
  • Regierungsbeamte: Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Die Armee kämpft weiterhin gegen christliche Aufständische und Minderheiten.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Besonders unter den ethnischen Minderheiten wird jede Hinwendung zu einem anderen Glauben als Schwächung der Gruppe und als Bedrohung des Kampfes gesehen, in dem sich viele ethnische Gruppen befinden. Die Führer werden daher starken Druck gegen den Glaubenswechsel und auf die Konvertiten ausüben.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gruppen wie die bereits erwähnte Ma Ba Tha rufen nicht nur dazu auf, die buddhistische Dominanz zu schützen und zu erhalten, sie zetteln auch Gewalt an. Während die muslimische Minderheit das Hauptziel darstellt, sind auch Christen von ihrem „Aufruf zum Handeln“ betroffen. Aufständische werden ebenfalls manchmal zu Verfolgern, wenn sie der Meinung sind, dass Kirchen sie nicht genug unterstützen, oder wenn Pastoren jungen Menschen raten, nicht an den Kämpfen teilzunehmen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder im animistischen Stammesdenken verankert sind, verfolgen aktiv Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat gesehen wird.
  • Gewöhnliche Bürger: Wenn jemand in einem Dorf zum christlichen Glauben kommt, wird dies als Störung der Harmonie angesehen und stark abgelehnt. Die Gemeinschaften üben Druck auf die Konvertiten aus, damit sie ihren christlichen Glauben aufgeben.
  • Politische Parteien: Alle politischen Parteien, die nicht die Minderheiten vertreten, stehen auf die eine oder andere Weise für die buddhistische Vorherrschaft ein. Die oppositionelle USDP ist eng mit der myanmarischen Armee verbunden und hat das Gesetz zum Schutz von Rasse und Religion von 2015 erlassen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die Armee ist die Hauptkraft hinter dieser Triebkraft der Verfolgung. Besonders im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 genoss sie die öffentliche und starke Unterstützung der buddhistischen Religionsführer, die „Schutz“ für die Verfassung und das Land fordern.
  • Regierungsbeamte: Die Armee wird weiterhin die privilegierte Position verteidigen, die ihr die Verfassung zugesteht, die sie selbst im Jahr 2008 entworfen hatte, bevor Teile der Macht an eine zivile Regierung abgegeben wurden. Trotz des internationalen Aufschreis aufgrund der Gräueltaten gegenüber der Minderheit der Rohingya klammert sich die Regierung um Aung San Suu Kyi an die Macht und zeigt in der Nichtbeachtung jeglicher Kritik Zeichen von Diktatorischer Paranoia.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gruppen wie Ma Ba Tha stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, den verfassungsmäßigen Status der Armee und die Vorherrschaft der Burmesen zu unterstützen. Sie wollen dieses Gleichgewicht um jeden Preis erhalten.
  • Politische Parteien: Was oben über den Religiös motivierten Nationalismus gesagt wurde, gilt auch hier.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Wo sie an der Macht sind, neigen die Führer von ethnischen Minderheiten und Aufständischen dazu, alles zu tun, um an der Macht zu bleiben. Wer als Bedrohung dieser Macht angesehen wird, wird bekämpft, auch wenn es ein Mitchrist ist.

Kommunistische Unterdrückung

  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Revolutionäre und paramilitärische Gruppen wurden 2018 zu sehr sichtbaren Verfolgern, als die UWSA (mit etwa 40.000 Kämpfern die größte Rebellengruppe des Landes) in einer Razzia gegen „neue Kirchen“ dutzende Kirchen schließen und fast einhundert Christen festnehmen ließ.
  • Internationale Organisationen und Botschaften: Der Shan-Staat grenzt an China, das vermutlich die UWSA unterstützt. Das Vorgehen gegen Christen im Jahr 2018 wurde offenbar von den chinesischen Bemühungen inspiriert, den christlichen Glauben einzudämmen.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Berichten zufolge profitiert auch die UWSA stark vom Drogenhandel. Ihr Durchgreifen könnte also gemischte Motive gehabt haben.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Die meisten Ressourcen Myanmars kommen in Staaten vor, die eine überwiegend christliche Bevölkerung haben oder in denen Christen zumindest eine große Minderheit darstellen. Die Armee arbeitet mit lokalen Machthabern, Politikern und Aufständischen zusammen, um von diesem Reichtum zu profitieren. Dies geschieht auf Kosten der Bevölkerung. Auch die Kämpfe gehen weiter und wenn Christen oder andere in den Weg geraten, werden sie einfach vertrieben. Wagen sie es, ihre Stimme gegen die vorherrschende Ungerechtigkeit zu erheben oder zu versuchen, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben, werden sie aktiv ins Visier genommen, besonders von denen, die vom illegalen Drogenhandel profitieren.
  • Regierungsbeamte: Wie bereits erwähnt, sind bestimmte Zweige der Armee in verschiedene Formen des illegalen Handels involviert; dieser wird manchmal von Strohleuten wie den Grenzschutztruppen durchgeführt. Wenn christliche Siedlungen im Weg sind oder sie sich gegen Drogen und illegalen Handel aussprechen, werden sie vertrieben und zu Binnenflüchtlingen gemacht.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Der illegale Handel wird oft von gut vernetzten lokalen Machthabern organisiert, die auch zu Verfolgern werden können, wenn sie ihren Profit bedroht sehen.
  • Politische Parteien: Einige politische Führer sind ebenfalls in den illegalen Handel verwickelt, insbesondere auf lokaler Ebene.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Myanmar ist wohl die Nation, die unter dem längsten Bürgerkrieg der Welt leidet. Wenn es um die Verfolgung von Christen geht, muss der Kachin-Staat im Norden des Landes genannt werden. Die Kämpfe dort gehen weiter. Mehr als 100.000 Menschen – meist Christen – leben in Flüchtlingslagern, die meisten von ihnen seit Jahren. Der Zugang für humanitäre Hilfe ist blockiert. Auch im benachbarten Shan-Staat, in dem es vor allem im Norden eine große Minderheit von Christen gibt, gehen die Kämpfe weiter. Auch der Shan-Staat ist 2018 in den Vordergrund gerückt, als in der Wa-Region die aufständische UWSA begann, gegen Christen zu vorzugehen. Obwohl der Konflikt mit den Karen und Karenni nicht im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit steht, schwelt er noch immer und viele sind zu Binnenflüchtlingen oder Flüchtlingen in Thailand geworden. Über die Chin, die ebenfalls überwiegend christlich sind, ließe sich eine ähnliche Geschichte erzählen, nur dass ihre Zuflucht der Wahl Indien ist.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, aber auch traditionelle Kirchen unter den christlichen Minderheiten wie die Kachin Baptist Church. Diese Christen erleben Verfolgung in Form täglichen Drucks, gelegentlich aber auch gewalttätige Angriffe, sei es vom Militär oder von extremistischen buddhistischen Mönchen. Diese errichten in manchen Gegenden Tempel auf Grundstücken von Kirchen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen buddhistischer, muslimischer oder animistischer Herkunft erfahren die stärkste Verfolgung, sowohl vonseiten der Behörden als auch von Familie, Freunden und Nachbarn. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Mitglieder des Bamar-Volkes nicht akzeptabel. Obwohl viel über die Rohingya und ihre Vertreibung nach Bangladesch berichtet wurde, ist weithin unbekannt, dass es eine kleine Gruppe Christen mit muslimischem Hintergrund unter den Rohingya gibt. Auch sie waren von der plötzlich aufflammenden Gewalt betroffen und mussten fliehen. Diese Christen sind nicht nur wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit Verfolgung ausgesetzt, sondern auch, weil ihre muslimischen Familien und ihr Umfeld sie unter enormen Druck setzen, zum Islam zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Viele evangelikale und Pfingstgemeinden werden vor allem in ländlichen Gebieten von dem sozialen Umfeld, in dem sie leben, verfolgt. Sie werden überwacht und es kommt manchmal vor, dass Zusammenkünfte oder das Abhalten der Sonntagsschule verhindert werden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.8
Familienleben 11.9
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 12.5
Kirchliches Leben 12.2
Auftreten von Gewalt 10.7

Grafik: Verfolgungsmuster Myanmar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Druck auf Christen in Myanmar ist im Berichtszeitraum weiter gestiegen. Der durchschnittliche Wert stieg von 12,1 Punkten auf 12,4 Punkte an.
  • Besonders christliche Konvertiten sind durch den sehr hohen Druck in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“, „Familienleben“ und „Privatleben“ beeinträchtigt. Alle Christen sind sehr hohem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ausgesetzt.
  • Der Druck geht einerseits von einer Betonung des Buddhismus aus, der alle Minderheiten des Landes ausgrenzt. Dazu kommt auf der anderen Seite der anhaltende Krieg gegen Aufständische, der unter anderem die christlich geprägten Staaten Kachin, Shan und Karen betrifft. Dieser Krieg wird von der Weltöffentlichkeit unter anderem aufgrund der prekären Lage der Rohingya und dem damit verbundenen Medieninteresse kaum wahrgenommen. Die Handlungen der kommunistischen United Wa State Army gegen Kirchen im nördlichen Shan-Staat trugen ebenfalls zu einem weiter hohen Ausmaß der Gewalt bei.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen fiel von 11,1 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 auf 10,7 im Weltverfolgungsindex 2020. Aufgrund von anhaltenden Kämpfen, insbesondere in den Staaten Kachin und Shan, ist es sehr schwer geworden, genaue Berichte von Angriffen auf Christen wegen ihres Glaubens und auf Kirchen in diesen vom Krieg zerrissenen Gebieten zu erhalten.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Sobald der Verdacht besteht, dass das Gespräch auf eine Evangelisation hinausläuft, ist dies riskant. Dies gilt für Angehörige der christlichen Minderheiten, die mit Angehörigen der buddhistischen Mehrheit Glaubensfragen diskutieren, aber auch für Christen muslimischer Herkunft. Sie müssen besonders vorsichtig sein.
  • Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt, verboten oder bestraft: Myanmars derzeitige Gesetze machen es dem Einzelnen schwer, seinen Glauben zu wechseln. Das Gesetz zur religiösen Bekehrung, Teil des „Gesetzes zum Schutz von Rasse und Religion“, verlangt, dass Bürger Myanmars, die ihre Religion wechseln wollen, die Genehmigung eines neu eingerichteten Registrierungsgremiums für den Glaubenswechsel einholen müssen, das in allen Townships eingerichtet wird. Der potenzielle Konvertit muss sich außerdem einem Verhör unterziehen und sich für einen Zeitraum von höchstens 90 Tagen ab dem Datum der Antragstellung, der auf Wunsch des Antragstellers auf 180 Tage verlängert werden kann, mit religiösen Studien beschäftigen. Wenn der Antragsteller nach diesem Zeitraum immer noch konvertieren möchte, stellt der Registrierungsausschuss eine Bescheinigung über den Glaubenswechsel aus. Während dieser Zeit wird der Antrag auf einem Schwarzen Brett veröffentlicht und die Konvertierten werden höchstwahrscheinlich von allen um sie herum stark unter Druck gesetzt, ihren Antrag zurückzuziehen. Aus diesem Grund erfolgt der Glaubenswechsel in der Regel im Geheimen ohne das Antragsverfahren. Konvertiten sind außerdem der Verfolgung durch ihre Familie und Gemeinschaft ausgesetzt und werden manchmal verstoßen und aus dem Haus der Familie vertrieben.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Je nachdem, wo ein Christ lebt und – für Konvertiten – je nach der Familie, in der er oder sie lebt, kann es riskant sein, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen. Während dies natürlich nicht für die überwiegend christlichen Staaten wie Kachin gilt, ist es für einen Konvertiten an anderen Orten gefährlich, entdeckt zu werden. Deshalb haben sie selten christliche Bilder zu Hause oder tragen selten Schmuck, der zum Beispiel ein Kreuz zeigt.
  • Es ist für Christen riskant, Gottesdienste durchzuführen: In einigen buddhistischen Dörfern, besonders im Rakhine-Staat und im zentralen Teil Myanmars, ist es Christen nicht erlaubt, Teil der Gemeinschaft zu sein. An solchen Orten müssen christliche Konvertiten sehr vorsichtig sein, um nicht entdeckt zu werden, besonders wenn sie die einzigen Christen in der Familie sind. Wenn sie entdeckt werden, sind sie gezwungen, das Dorf zu verlassen. Aber selbst an anderen Orten ziehen es Konvertiten vor, vorsichtig zu sein, da der Glaubenswechsel zum christlichen Glauben als schändlich angesehen wird und jeder sichtbare Akt der christlichen Anbetung auf harten Widerstand von Familien und sozialem Umfeld stoßen würde.

Treffen mit anderen Christen sind in der Regel nicht gefährlich, doch für christliche Konvertiten können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Wenn sie nicht aus ihrer Familie vertrieben werden, werden bekannte Konvertiten genau beobachtet, geächtet und unter Umständen mit Hausarrest belegt, um sie an der Gemeinschaft mit anderen Christen zu hindern. In stark buddhistischen Dörfern sind Pastoren oft besondere Ziele.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: In den meisten Schulen müssen die Schüler vor Unterrichtsbeginn einen Teil der Lehren Buddhas aufsagen. Dhama-Schulen werden von buddhistischen Mönchen geleitet, die den Kindern buddhistische Prinzipien beibringen. Diese Schulen breiten sich immer mehr im Land aus. Von Kindern wird erwartet, dass sie an den buddhistischen Festen des Wassers und des Lichts teilnehmen und auch finanziell dazu beitragen. In Na-Ta-La-Schulen werden Kindern buddhistische Gebete beigebracht, ihr Kopf wird geschoren und sie müssen jeden Morgen um Essen betteln.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Wegen der Anti-Konversions-Gesetze kann es gefährlich sein, Taufen öffentlich durchzuführen. Daher führen Kirchen die Taufe in der Regel diskret durch. Für Christen mit buddhistischem oder muslimischem Hintergrund gibt es keine andere Wahl, es muss heimlich geschehen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Christliche Kinder werden in der Schule regelmäßig von buddhistischen Kindern gemobbt. Gerade in Dorfschulen ist es normal, dass christlichen Kindern für alles die Schuld gegeben wird. Kinder von Christen erhalten in der Schule zudem weniger Möglichkeiten und werden weder für höhere Schulen noch besondere Ehrungen ausgewählt.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, weil sie sich dem Druck des buddhistischen Umfelds in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt sehen. Den Eltern wird ständig gesagt, dass ihr Kind, wenn es am Christsein festhält, eine härtere Zukunft hat; durch die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit werden ihnen weniger Möglichkeiten geboten.

Es ist nicht zwangsläufig so, dass Christen mit anderem religiösen Hintergrund der Verlust des Sorgerechts oder des Erbrechts droht; insbesondere Frauen droht jedoch häufig die Scheidung, falls sie verheiratet sind. Das Kittima-Adoptionsgesetz von 1941 schränkt die Möglichkeit der Adoption auf Buddhisten ein. Alle anderen Formen der Adoption sind nicht offiziell und damit nicht rechtlich bindend. Auch Christen muslimischer Herkunft sind dem Problem der weiteren muslimischen Minderheit ausgesetzt, dass ihnen die Staatsbürgerschaft verweigert wird. Muslimische Rohingya, und damit auch die Christen muslimischer Herkunft unter ihnen, werden als Bengalen angesehen und nicht registriert. Die meisten von ihnen leben inzwischen in Flüchtlingslagern im Nachbarland Bangladesch.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Dieser Druck beinhaltet tägliche Gebete, Beiträge zu und Teilnahme an buddhistischen Zeremonien und das Reinigen buddhistischer Altäre. Diesem Druck kann man sich nur schwer entziehen, da er tief in der Kultur verwurzelt ist und in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Regierung allgegenwärtig ist. Wenn Christen aufhören, buddhistischen Mönchen Almosen zu geben, sich weigern, zur Renovierung oder zum Bau buddhistischer Tempel beizutragen, oder von der Teilnahme an buddhistischen Festen absehen, werden sie Schikane erfahren, zu Spenden gezwungen und mit der Vertreibung aus dem Dorf bedroht.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Konvertiten stehen in diesem Aspekt am stärksten unter Druck. Aus Angst vor Verfolgung machen sie ihren Glaubenswechsel normalerweise nicht bekannt. Werden Konvertiten entdeckt, beginnt der Druck meist subtil, beispielsweise werden andere Dorfbewohner daran gehindert, ihnen zu helfen. Letztendlich können Konvertiten aus dem Dorf vertrieben werden. Es gibt jedoch sogar auch Druck auf Christen, die nicht konvertiert sind, zum Buddhismus zu konvertieren. In dem Versuch, den Buddhismus zu verbreiten, werden Gemeinschaftsressourcen zum Bau von Pagoden in christlichen Gebieten verwendet und buddhistische Mönche in christliche Dörfer geschickt. Der Unterricht – der von buddhistischen Mönchen geleitet wird – wird manchmal kostenlos für Familien religiöser Minderheiten angeboten.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Christen haben weniger Chancen, von Firmen angestellt zu werden, wenn es buddhistische Bewerber gibt. Christen werden auch regelmäßig bei Beförderungen übergangen. In der parlamentarischen Arena gab es eine Verbesserung, da unter der derzeitigen Regierung einer der Vizepräsidenten ein ethnischer Chin-Christ und der Sprecher des Unterhauses ein Christ ist. Christen sind in der Regierung, im öffentlichen Dienst und in der Armee jedoch selten anzutreffen und werden in der Regel nicht über ein bestimmtes Niveau befördert.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens belästigt, bedroht oder im Alltagsleben gestört: Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet, von kommunalen Entscheidungen und Ressourcen ausgeschlossen und unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleugnen. Dies wirkt sich auch auf das tägliche Leben aus, wenn ihnen etwa Hilfe beim Sammeln von Bambus für die Reparatur ihres Hauses verweigert wird oder ihnen der Zugang zu Wasser untersagt wird.

Gebiete, in denen viele Christen leben, werden bewusst durch eine schwache Infrastruktur und Gesundheitsfürsorge benachteiligt. Die Regierung baut hier bevorzugt Na-Ta-La-Schulen, die vom Staat geführt werden, statt normale Schulen. In Konfliktgebieten ist humanitäre Hilfe für Christen nicht oder nur in geringen Maßen erlaubt, und die internationale Überwachung (oder gar der Zugang) wird blockiert. Kinder von Konvertiten werden von Lehrern und Schülern in der Schule diskriminiert, beispielsweise dürfen sie sich nicht wie der Rest der Klasse auf eine Prüfung vorbereiten und werden im Extremfall sogar aus dem Unterricht ausgeschlossen. Ein weiteres Problem, mit dem Christen konfrontiert sind, sind die lokalen mündlichen Gesetze („Gamma-Gesetze“), die in mehreren Gemeinden und Dörfern von buddhistischen Mönchen und Beamten verkündet werden, um Christen einzuschränken. Eine bevorzugte Behandlung von Unternehmen/Firmen im Besitz von Buddhisten bei der Vergabe von Darlehen und staatlichen Subventionen ist üblich und für christliche und muslimische Geschäftsinhaber wird die Registrierung ihrer Unternehmen kompliziert. Manchmal rufen Mönche zum Boykott von Geschäften/Einrichtungen auf, die Christen und Muslimen gehören.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt, dass „die Union anerkennt, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“. In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht.             
    Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der Mehrheit der Bamar zu erlangen, hat die frühere Regierung im August 2015 vier Gesetzesentwürfe gegen Glaubenswechsel verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch die Einschränkung von Glaubenswechseln und interreligiösen Ehen, einem Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut der Gesetze müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis ihrer Eltern und der Behörden vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; der nichtbuddhistische Mann muss zunächst zum Buddhismus konvertieren. Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der „Konversions-Registrierungs-Behörde“ die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungs- sowie einem Verwaltungsbeamten, der Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Ausbildung. So weiß die Gemeinschaft, wenn eine Person konvertieren will und gibt ihr drei bis sechs Monate „Bedenkzeit“, um sie davon zu überzeugen, den offiziellen Antrag wieder zurückzuziehen.              
    Das Gesetz zielt in erster Linie auf die muslimische Minderheit ab, aber auch alle anderen Minderheiten sind davon betroffen. Es soll sowohl Bürger davon abbringen, einen Glaubenswechsel in Betracht zu ziehen, als auch Konvertiten daran hindern, ihren neuen Glauben zu bekennen. Einige Stämme besitzen zusätzliche traditionelle Gesetze, die von einigen Gemeinschaften dazu genutzt werden, Christen aus ihren Dörfern zu vertreiben.
  • Personen, die Christen Schaden zufügen, werden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: Die Armee und die buddhistisch-nationalistische Bewegung sind völlig ungestraft geblieben und operieren in einer Kultur der Straflosigkeit. Das deutlichste Beispiel dafür ist die strikte Ablehnung aller Völkermordanschuldigungen im Zusammenhang mit den Rohingya und die christliche Minderheit Kachin (wo es auch um die Frage von Verbrechen gegen die Menschlichkeit geht). Es zeigt auch, dass Christen weder eine faire Behandlung vor Gericht noch eine internationale Überwachung ihrer schlimmen Situation erwarten können.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens beim Kontakt mit Behörden (lokale Verwaltungen, Regierung, Armee, etc.) diskriminiert: Die myanmarische Armee und pro-militärische Regierungsbeamte sind sehr von buddhistisch-nationalistischen Einstellungen beeinflusst und betrachten Christen oft als Bürger zweiter Klasse. Christen sehen sich bei der Bewerbung um staatliche Dienste härteren Anforderungen gegenüber. So müssen sie beispielsweise zusätzliche Unterlagen einreichen, oder ihr Antrag wird sich – manchmal auf unbestimmte Zeit – verzögern. Beschwerden, die von Christen an die Polizei herangetragen werden, werden in den meisten Fällen ignoriert. Christen haben außerdem einen schlechteren Zugang zu Krediten oder Zuschüssen als nichtchristliche Geschäftspartner oder Kunden.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens von öffentlichen Ämtern weitgehend ausgeschlossen – wenngleich ein öffentliches Amt ihnen nicht grundsätzlich verwehrt bleibt, gibt es doch eine „gläserne Decke“, die begrenzt, wie weit Christen aufsteigen können. So wird die Beförderung von Christen behindert: Christen werden normalerweise nur dann von Firmen eingestellt, wenn keine Buddhisten zur Verfügung stehen. Wenn sie eingestellt werden, werden sie häufig bei einer Beförderung übergangen. Es gibt ein paar christliche Politiker, sogar in recht hohen Positionen, wie oben erwähnt; dies ist jedoch eine Ausnahme von der Regel und hat Christen bei ihren Bewerbungen anderswo nicht geholfen.

Junge Männer, die in die Armee Myanmars eingezogen werden oder sich dem Druck entgegenstellen, sich einer ethnischen Rebellengruppe anzuschließen, sehen sich vielen Schikanen und Ächtung ausgesetzt, die sich auf ihre Familien erstrecken können, die wiederum Druck auf sie ausüben, gegen ihr Gewissen zu handeln und in die Gruppen einzutreten. Die Medienberichterstattung über Christen ist oft verzerrt. Buddhistische Nationalisten und Hardliner verbreiten ein negatives Bild über Christen, indem sie sie so darstellen, als würden sie Menschen durch Täuschung zur Bekehrung zwingen und Konvertiten dazu benutzen, sich zu bereichern. Konvertiten werden oft als Verräter bezeichnet, weil sie den Buddhismus verlassen haben.

Kirchliches Leben

  • Es ist für Kirchen und christliche Organisationen riskant, sich gegen Verfolger zu stellen: Dissens, insbesondere jede Kritik an der Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten, wird hart angegangen. Eine Beschwerde ist vergeblich und kann zu einer Anklage führen, wie in den folgenden beiden Fällen sichtbar: 1) Zwei Christen wurden im Oktober 2017 ins Gefängnis gesteckt, weil sie Journalisten geholfen hatten, Informationen über die Zerstörung einer Kirche im Kachin-Staat zu sammeln. 2) Zwei Reuters-Journalisten, die über Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Rohingya-Muslime berichteten, erhielten im September 2018 Gefängnisstrafen. Wenn die Armee involviert ist, ist es ein noch größeres Risiko, sich zu äußern.
  • Christen werden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden behindert: Genehmigungen für den Bau oder die Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten, ist sehr schwierig und wird oft unmöglich gemacht. Obwohl es in verschiedenen Teilen Myanmars Kirchengebäude gibt, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Es gibt bis zu acht verschiedene Genehmigungen, die eingeholt werden müssen, um eine Kirche legal bauen zu dürfen. Die Anträge müssen verschiedene vom Militär geführte Abteilungen durchlaufen und von regionalen und lokalen Behörden genehmigt werden, die häufig von ehemaligen Armeeoffizieren geleitet werden. Die Folge ist, dass die Genehmigung für den Landbesitz der Kirchen fast nie zustande kommt und die Anträge von den zuständigen Beamten nicht bearbeitet werden. Manchmal wird von den Christen Schmiergeld verlangt, um den Prozess zu beschleunigen, ohne Garantie, dass am Ende eine Genehmigung erteilt wird. In christlichen Mehrheitsgebieten wie Kachin, Chin und Naga sind die notwendigen Dokumente noch schwieriger zu beschaffen und eine Nichterteilung wird als gutes Mittel zur Schwächung der christlichen Minderheiten angesehen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Kirchen brauchen eine Genehmigung der Dorfältesten, wann immer sie eine Aktion außerhalb ihres Gebäudes durchführen wollen. Da Christen dafür bekannt sind, evangelistisch aktiv zu sein, selbst wenn ihnen dies verboten wurde, wird alles, was sie tun, mit Argwohn beobachtet.
  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Lokale Gemeinschaften und Behörden überwachen regelmäßig die kirchlichen Aktivitäten und greifen ein und behindern sie, wenn sie als zu gewagt angesehen werden. In den Grenzgebieten werden die Kirchen von der Regierung und der Armee besonders streng überwacht. Auch buddhistische Mönche, die mit Ma Ba Tha verbunden sind, überwachen christliche Aktivitäten.

Landraub ist ein weiteres Problem, dem Christen sich gegenübersehen. Deshalb nutzen viele Christen Firmengebäude beziehungsweise Büros oder treffen sich in Hauskirchen, um an Sonntagen einen Ort für den gemeinsamen Gottesdienst zu haben. Kirchenleiter und Pastoren werden häufig von extremistischen Buddhisten ins Visier genommen, da dies als wirksames Mittel zur Lähmung der Kirche angesehen wird. Ein Pastor sagte kürzlich, dass er ständig das Gefühl habe, dass alle darauf warteten, dass er einen Fehler mache. Alle religiösen Publikationen im Land werden vom Ministerium für Religion überprüft und zensiert. Einige Kirchengemeinden haben angefangen, eigene Materialien zu drucken, jedoch wird ihnen der Besitz von Druckmaschinen schwer gemacht. Veröffentlichungen in Sprachen der ethnischen Minderheiten kommen außerdem nicht infrage und auch für andere Publikationen gelten strenge Zensurregeln. Christliches Material zu importieren, ist sehr schwer und Bücher in Sprachen der ethnischen Minderheiten ins Land einzuführen sogar unmöglich. Die meisten Kirchen dürfen keine Ausländer für religiöse Zwecke einladen.

In Gegenden, in denen vorrangig ethnische Minderheiten leben, haben die Gemeinden noch größere Schwierigkeiten. Kirchen werden häufig als Orte für regierungsfeindliche Treffen oder als Treffpunkte für Aufständische aus ethnischen Minderheiten angesehen. In Gebieten, die vom Bürgerkrieg betroffen sind, wie den Staaten Kachin und Shan, werden Kirchen oft angegriffen, da die Menschen dort Zuflucht vor den Kämpfen suchen. Im Gebiet der Wa wurden christliche Leiter nur freigelassen, nachdem sie ein Dokument unterzeichnet hatten, in dem sie versprachen, ihre christlichen Aktivitäten streng auf Treffen in Häusern zu beschränken. Kirchengebäude wurden angegriffen und alle christlichen Materialien konfisziert.

In den Staaten Chin, Naga und Kachin müssen christliche Leiter für große Gottesdienstversammlungen zuerst die Erlaubnis der Generalverwaltung (GAD) einholen. Dasselbe gilt für Konferenzen und andere christliche Aktivitäten. Es hat Fälle gegeben, in denen Pastoren von den Behörden die Anweisung erhalten haben, für jede Art von religiöser Aktivität zehn Tage im Voraus eine Genehmigung einzuholen. In anderen Teilen des Landes treffen sich die Christen diskret, um dort, wo die lokalen Behörden bekanntermaßen von extremistischen buddhistischen Gruppen beeinflusst werden, nicht aufzufallen. Im Shan-Staat gab es Vorfälle, bei denen es Pastoren verboten wurde, Kirchen in ihren Häusern zu versammeln.

Auftreten von Gewalt

  • Drei Christen wurden im Berichtszeitraum getötet. Im Januar und Februar 2019 wurden ein Pastor und ein Ältester im Staat Rakhine getötet. Ein weiterer Christ wurde im März 2019 im Bundesstaat Kachin getötet.
  • Es gab Dutzende von Christen, die wegen ihres Glaubens angegriffen wurden, in vielen Fällen Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft. Dies kann durch Familien, aber auch durch ethnische Aufständische geschehen. Die myanmarische Armee kämpft ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung in einigen überwiegend christlichen Staaten.
  • Immer wieder werden Christen von der Armee Myanmars oder von ethnischen Aufständischengruppen wie der UWSA verhaftet. Letztere hat 2018 mehr als hundert Menschen entführt, von denen einige noch immer nicht aufgefunden werden konnten.
  • Die meisten Kirchen sind geschlossen geblieben, nachdem die UWSA im September 2018 mehr als 200 Kirchen geschlossen und etwa hundert christliche Leiter und Bibelschüler in einem offensichtlichen Versuch, den christlichen Glauben zu bremsen, festgenommen hat. Den meisten Kirchen der Lahu- und Kachin-Baptisten wurde Berichten zufolge im September 2019 erlaubt, wieder zu eröffnen. Mehr als 50 Kirchen- und Schulgebäude bleiben in dem von der UWSA kontrollierten Gebiet im Bundesstaat Shan geschlossen, darunter alle katholischen Kirchen und Schulen.
  • In einem Dorf wurde das Haus eines christlichen Leiters von einem buddhistischen Mob angegriffen, während eine Versammlung abgehalten wurde. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Angaben dazu gemacht werden.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Verführung mit dem Ziel der Zwangskonversion
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christen fühlen sich in ganz Myanmar als „Bürger zweiter Klasse“, ohne den gleichen rechtlichen Schutz und die gleichen Rechte wie die buddhistische Mehrheit zu haben. Gemäß dem oben genannten und 2015 eingeführten Gesetz muss ein nichtbuddhistischer Ehemann den buddhistischen Glauben seiner Frau respektieren. Ein solcher Schutz gilt jedoch nicht für Christen. Folglich werden christliche Frauen, die mit nichtchristlichen Männern verheiratet sind, dazu gedrängt, der Religion des Ehemannes zu folgen. Dies behindert das Wachstum der Kirche in Myanmar.

Das Gesetz, das sich vor allem an die muslimische Minderheit richtet, wirkt auch als Hindernis für Christinnen buddhistischer Herkunft (insbesondere, wenn sie ihren Glauben heimlich leben), da sie immer noch als Buddhistinnen gelten und als solche behandelt werden. Wenn sich die Tochter in einer interreligiösen Ehe entscheidet, Christin zu werden, arrangiert der nichtchristliche Vater oft die Heirat mit einem Buddhisten. Die Mutter hat keine Macht, dies zu verhindern, ebenso wenig wie die Tochter. Jugendliche und weibliche Konvertiten sind anfällig für Hausarrest, da sie als diejenigen mit der geringsten Macht im familiären Kontext angesehen werden. Dies schränkt ihren Zugang zur sozialen Gemeinschaft, einschließlich christlicher Gemeinschaft, ein.

Beschämt durch den neu gefundenen Glauben der Konvertiten, ist die Enterbung ein zusätzliches Mittel, um Druck auf Frauen auszuüben, zum Buddhismus zurückzukehren.

Frauen, insbesondere wenn sie ethnischen oder religiösen Minderheiten angehören, sind Militärpersonal schutzlos ausgeliefert und anfällig für Vergewaltigungen und körperliche Übergriffe. Unbestätigten Berichten zufolge werden Militärs ermutigt, christliche Frauen zu heiraten und sie zum Buddhismus zu bekehren, was durch das Versprechen von Geld oder eine Beförderung im Rang gefördert wird. Viele Frauen sollen sich mit diesem Schicksal abgefunden haben und sehen den Eintritt in solche Ehen als einen Weg, der schrecklichen Armut und Unsicherheit zu entkommen.

Berichte weisen auch darauf hin, dass christliche Frauen im Kachin-Staat nach China verschleppt werden, um dort zu „Bräuten“ zu werden, wo sie mit dem Ziel vergewaltigt werden, geschwängert zu werden. „Rund 130.000 Kachin, von denen mehr als 90 Prozent Christen sind, wurden in der zweiten Hälfte des Jahres 2018 innerhalb ihres Staates vertrieben“, berichtete das „Wall Street Journal“ im Dezember 2018. Kachin-Christen sind diesen Gräueltaten seit vielen Jahren ausgesetzt – sie werden sogar innerhalb der Flüchtlingslager angegriffen, wo die Armee weitere Folterungen verübt. In einem Fall im Jahr 2015 wurden zwei freiwillige Lehrerinnen vergewaltigt und getötet; ihre verstümmelten Körper wurden nur 100 Meter von einem provisorischen Armeelager entfernt gefunden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst oder durch Milizen
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

In Myanmar werden Männer kulturell ermutigt, als Hauptverdiener der Familien Arbeit zu finden. Wenn sie ihre Arbeit verlieren oder aus ihrem Dorf oder ihrer Stadt vertrieben werden, weil sie Christen sind, leidet die ganze Familie. Eine solche Verfolgung ist für männliche Konvertiten real und greifbar.

Besonders in der Armee werden manche männliche Christen so intensiv verfolgt, dass viele ihren Glauben verlieren. Die Armee ist auch dafür bekannt, dass sie Christen Zwangsarbeit auferlegt, um sie daran zu hindern, den Sonntagsgottesdienst zu besuchen und Zugang zur christlichen Gemeinschaft zu erhalten. Männer werden auch für die Rekrutierung in Milizen ins Visier genommen. Wer sich weigert, wird geschlagen und bedroht.

Einige männliche Christen zahlen den höchsten Preis für ihren Glauben. Exakte Statistiken sind schwer zu ermitteln, aber Christen werden entführt und getötet, angeblich auch von der Arakan-Armee.

Na-Ta-La-Schulen haben das Ziel, christliche Kinder zu konvertieren – ein effektiver Weg, um den christlichen Glauben an der Ausbreitung auf die nächste Generation zu hindern. Die Jungen an diesen Schulen werden zu buddhistischen Mönchen erzogen. Wenn sie in den Na-Ta-La-Schulen anfangen, werden ihre Köpfe rasiert, sie erhalten Mönchskleidung und sie gehen in der örtlichen Gemeinde um Essen betteln.

Kirchenleiter sind besonders im Visier, da dies ein Mittel darstellt, um der ganzen Gemeinde Schaden zuzufügen. Ähnlich wie Familien ohne ihren Ehemann oder ihre Vaterfigur fühlen sich Gemeinden ohne ihre Leiter hilflos und verletzlich. Die Behörden üben manchmal Druck auf Pastoren aus, mit der konkreten Absicht, eine Kirche zu schließen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auf die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya wurde in diesem Länderprofil bereits mehrfach eingegangen. Im Dezember 2019 scheint es nicht sehr wahrscheinlich, dass sie aus Bangladesch, wohin sie geflohen sind, um ihr Leben zu retten, freiwillig nach Myanmar zurückkehren werden. Diese Politik passt zu dem – von der Armee und religiösen Leitern geförderten und von vielen Einwohnern unterstützten – zunehmenden Religiös motivierten Nationalismus. Nicht-Rohingya-Muslime in anderen Teilen des Landes sind ebenfalls mit Verfolgung und Diskriminierung konfrontiert. Abgesehen davon sind keine anderen religiösen Gruppen bekannt, die verfolgt werden. Die Bemühungen, die Situation der Rohingya vor internationale (Straf-)Gerichte zu bringen, werden die Krise stärker ins Rampenlicht rücken, aber es ist unwahrscheinlich, dass sich vor Ort etwas ändert. Es besteht auch die Gefahr, dass die Situation anderer religiöser und ethnischer Minderheiten übersehen wird.

9. Der Ausblick für Christen

Religiös motivierten Nationalismus

Im Schatten der Rohingya-Krise verbirgt sich die Notlage der christlichen Minderheiten, gegen die die Armee Myanmars ihre Angriffe verstärkt und Tausende von Menschen vertreibt. Es gibt weit über 100.000 Binnenflüchtlinge, die in den vergangenen Monaten und Jahren durch den Konflikt vertrieben wurden. Währenddessen fährt die Regierung mit ihrer Strategie des „Teilen und Herrschens“ fort. Thein Swe, Gewerkschaftsminister des Ministeriums für Arbeit, Einwanderung und Bevölkerung, sagte, die Regierung sei nicht in der Lage, die Ergebnisse der Volkszählung 2014 zu veröffentlichen, da es Verwirrung darüber gebe, wer zu welcher ethnischen Gruppe gehöre:

Im Fall der Kachin sagte er, dass es zwischen sechs und zwölf Sub-Ethnien geben könnte, „je nachdem, auf wen man hört. Andere bestreiten, dass die Chin 53 Sub-Ethnien haben.“

Die Tatsache, dass die Armee den Fortschritt einschränkte, indem sie Gespräche über Rechte ethnischer Minderheiten bei der Panglong-Konferenz im Juli 2018 verweigerte, ist nicht überraschend. Sie hat kein Interesse an Frieden, Versöhnung und einem föderalen Myanmar, wie auch immer dies aussehen könnte. Die jüngste Ankündigung, ein Kriegsgericht einzurichten, steht weder in Zusammenhang mit den Völkermordvorwürfen, noch kann sie als versöhnlicher Schritt angesehen werden, wie die anhaltenden und sogar verstärkten Kämpfe zeigen.

Extremistische buddhistische Gruppen wie Ma Ba Tha werden von anderen buddhistischen Gruppen und Politikern genau beobachtet, doch ihr Einfluss und ihre Rhetorik gegenüber nichtbuddhistischen Minderheiten bleiben ungebrochen. Laut einem Bericht der Zeitung „The Irrawaddy“ vom 23. Juli 2018 reagierte die Gruppe auf ihr erneutes Verbot, indem sie Formulare an ihre Untergruppierungen im Land verschickte und sie fragte, ob die Vereinigung mit der Kampagne zum „Schutz der Rasse und Religion“ fortfahren solle. Mit den Formularen sollte außerdem herausgefunden werden, ob die Mitglieder dem Verbot Folge leisten wollten. Das geschah, da die Vereinigung konsensbasiert arbeitet.

Ihre extremistische Haltung wird wohl am besten durch einen Bericht gezeigt, der Ashin Wirathu zitiert, einen der unverblümtesten und extremistischsten buddhistischen Mönche: „Ich warne die Menschen nur vor Muslimen. Wenn du einen Hund hast, der Fremde anbellt, die in dein Haus kommen, tut er das, um dich zu warnen. Ich bin wie dieser Hund. Ich belle.“ Religiös motivierter Nationalismus wird ungebrochen weitergehen und könnte sich gegenüber Christen sogar verstärken, da die meisten Muslime aus dem Land vertrieben wurden.

Diktatorische Paranoia und Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die Rolle der Armee wird wahrscheinlich sowohl in der Politik als auch im Kampf gegen Aufständische weiter an Bedeutung gewinnen. Ein weiterer Anreiz, die starke Position zu behalten, liegt darin, dass die Armee in großem Maße in legalen und illegalen Handel verwickelt ist. Letzterer betrifft insbesondere die größtenteils von Christen bewohnten Gebiete wie den Kachin-Staat. Die Gewalt ist trotz aller Fortschritte hinsichtlich der Demokratisierung des Landes und Vereinbarungen zur Waffenruhe gestiegen. Es gibt viele Probleme, die friedliche Lösungen erschweren: Armeeangehörige und einige der Aufständischen aus den ethnischen Minderheiten sind in Drogenhandel und den Abbau von Rohstoffen wie Jade und Edelholz involviert. Der Aufbau von Vertrauen wird unmöglich sein, solange die Armee weiterhin die große christliche Minderheit in Kachin angreift und auch die Kämpfe in Karen andauern. Der Versöhnungsprozess ist sehr langsam und es wird befürchtet, dass er zu einem Stillstand kommt, insbesondere da alle Ressourcen der Regierung und des Militärs auf die Minderheit der Rohingya und die Arakan-Armee konzentriert sind. Die Aussichten für die Vision eines demokratischen und föderalen Staates sind nicht sehr vielversprechend. Es sollte nicht vergessen werden, dass Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi nicht die Kontrolle über das ganze Land hat, und die Armee vollkommen selbstständig handeln kann.

Kommunistische Unterdrückung

Ende 2018 blieb es schwierig, abzuschätzen, inwiefern diese Triebkraft weiterhin eine dominante Rolle in der Wa-Region spielen wird. Es wurde durch die Schließung dutzender Kirchen und Bibelschulen und die Verhaftung und Vertreibung christlicher Leiter und Studenten jedoch bereits viel Schaden angerichtet. Soviel scheint sicher: Die Wa-Region wird mit Blick auf Religion nie wieder so aussehen wie zuvor.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Beten Sie für die verfolgte christliche Minderheit, dass sie den ebenfalls verfolgten Rohingya-Muslimen in Liebe dienen, besonders denen, die sich dazu entschließen, aus dem Exil in Bangladesch zurückzukehren. Beten Sie dafür, dass sich viele Herzen für die Wahrheit von Jesus Christus öffnen.
  • Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Nachbarn, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Durch die kürzlich eingeführten Gesetze ist ein Glaubenswechsel sehr schwierig, auch wenn er nicht direkt verboten ist. Beten Sie, dass diese Christen Mut und Ausdauer im Angesicht der Verfolgung haben. Beten Sie für mehr Religionsfreiheit.