Länderprofil Myanmar

Myanmar

18
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Buddhismus
Platz Vorjahr
19
Karte Myanmar
Christen
4,36
Bevölkerung
54.81
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 11.900
Familienleben: 12.000
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 12.900
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 11.900

Länderprofil Myanmar

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 18 / 74 Punkte (WVI 2020: Platz 19 / 73 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

In überwiegend von Christen bewohnten Staaten wie Kachin, Karen (bzw. Kayin) oder im Norden des Shan-Staats werden selbst etablierte, traditionelle Kirchen angegriffen. Mehr als 100.000 Christen leben in Lagern für Binnenflüchtlinge im Land und haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Die Kämpfe weiteten sich 2018 noch aus, sodass weitere Tausende Menschen in die Lager kamen; sie waren bis jetzt nicht in der Lage nach Hause zurückzukehren. Im Jahr 2020 eskalierten die Kämpfe mit der buddhistischen Aufstandsbewegung „Arakan Army“. Tausende von überwiegend christlichen Bürgern in den Staaten Rakhine und im Süden von Chin waren betroffen. In einigen Fällen drangen buddhistische Mönche in Grundstücke von Kirchen ein und bauten buddhistische Schreine auf dem Anwesen der Kirche. Christliche Konvertiten erfahren Verfolgung von ihrer buddhistischen, muslimischen oder in traditionellen Stammesreligionen verwurzelten Familie, weil sie ihren Glauben verlassen und sich damit vermeintlich selbst aus dem gemeinschaftlichen Leben ausgeschlossen haben. Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen, machen das Leben für christliche Familien unmöglich, indem sie ihnen nicht erlauben, die gemeinschaftlichen Wasserquellen zu nutzen. Protestantische Freikirchen erleben ebenfalls Gegenwind, besonders, wenn sie sich in ländlichen Gebieten befinden und/oder dafür bekannt sind, das Evangelium aktiv zu verbreiten. Die Regierung versucht, gegen extremistische buddhistische Mönche vorzugehen, sendet aber gemischte Signale, da im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 noch deutlicher wurde, dass radikale Mönche die Unterstützung der Armee genießen. Sie beeinflussten weiterhin die lokalen Behörden und verbreiteten ihre Ideologie, dass man nur Burmese sein kann, wenn man auch Buddhist ist.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

74

18

2020

73

19

2019

71

18

2018

65

24

2017

62

28

Der Anstieg von 1,4 Punkten im Weltverfolgungsindex 2021 hängt fast ausschließlich mit einem Anstieg der Gewalt zusammen. Der Druck auf Christen in allen Lebensbereichen hat entweder weiter langsam zugenommen (wie im Privatleben, Familienleben und Leben im Staat) oder er hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Und Christen mit buddhistischer oder muslimischer Herkunft oder Hintergrund in einer traditionellen Stammesreligion erleben weiterhin starken Druck vonseiten ihrer Familie und ihres Umfelds. Die Situation im Wa-Staat ist weiterhin angespannt und viele Kirchen sind noch immer geschlossen (trotz der Tatsache, dass die myanmarischen Behörden keinen Einfluss in diesem Teil des Landes haben).

Es muss zudem bedacht werden, dass es schwierig ist, Berichte aus den vom Krieg zerrissenen Gebieten der christlichen Minderheit zu erhalten. Dies wird auch von anderen internationalen Organisationen bestätigt und zeigt sich in der Verhaftung und Verurteilung von Reportern.

2. Trends und Entwicklungen

1) Das internationale Interesse ist auf die Rohingya-Krise fixiert

Das internationale Interesse hat sich ganz auf die Situation der Rohingya konzentriert, insbesondere auf die Flüchtlinge im benachbarten Bangladesch. Das Ansehen des Land ist ins Negative gedreht, insbesondere nachdem der damalige Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte im September 2017 von einem „Lehrbuchbeispiel für ethnische Säuberung“ in Bezug auf die Rohingya sprach. Laut Myanmars nationalem Sicherheitsberater ist sein Land bereit, alle 700.000 Rohingya-Flüchtlinge aufzunehmen, sofern sie freiwillig zurückkehren. Dies ist jedoch unwahrscheinlich, solange es keine Sicherheitsgarantien gibt. Bisher wurde kein Flüchtling zurückgeführt und Myanmar scheint nicht gewillt zu sein, die notwendigen Bedingungen für eine Rückkehr zu schaffen. Die Priorität Myanmars besteht zunächst darin, die Innenpolitik nach den Parlamentswahlen zu regeln. Die Regierung nutzt die Covid-19-Krise auch, um Gespräche mit dem benachbarten Bangladesch hinauszuzögern.

Die Notlage der Rohingya wurde zusätzlich ins Rampenlicht gerückt, nachdem der Staat Gambia in Westafrika Myanmar vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) brachte, der am 23. Januar 2020 überraschend anordnete, Myanmar solle vorläufige Sofortmaßnahmen zum Schutz der Rohingya-Minderheit ergreifen und alle sechs Monate regelmäßige Updates über die ergriffenen Maßnahmen liefern. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass dies zu Veränderungen vor Ort führen wird, wurde die Situation in Myanmar offenkundig. Aung San Suu Kyis internationalem Image als Trägerin des Friedensnobelpreises wurde ein weiterer Schlag versetzt. Obwohl daraufhin eine Welle nationalistischer Leidenschaft über Myanmar schwappte (was auch zu ihrer überraschend deutlichen Wiederwahl beigetragen haben mag), beschloss das Land, zu kooperieren, und legte dem Internationalen Gerichtshof pünktlich im Mai 2020 seinen ersten Bericht über vorläufige Schutzmaßnahmen vor.

Es ist höchste Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ihren Blick über die verheerende Situation der Rohingya hinaus weitet und Wege findet, mit der Regierung und anderen politischen Akteuren, die in der Hauptstadt Naypyidaw Einfluss ausüben, zu sprechen. Die Tatsache, dass sich die Regierung mehr in Richtung China wendet, verheißt nichts Gutes für Myanmars christliche Minderheit, die ebenfalls stark von dem sich ausweitenden Bürgerkrieg betroffen ist, denn China kümmert sich selten um Menschenrechtsfragen.

2) Die Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten, die nicht zu den Rohingya gehören (einschließlich der Christen), wird weiterhin ignoriert

Es gibt kaum positive Nachrichten über Myanmar im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021. Obwohl das Coronavirus die internationalen Schlagzeilen dominiert, sind die muslimischen Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch ein deutliches Zeugnis dessen, was in Myanmar geschieht. In der Zwischenzeit werden die intensiven und sogar zunehmenden Kämpfe in überwiegend christlichen Gebieten wie im Kachin-Staat und dem nördlichen Shan-Staat, sowie neuerdings auch im Chin-Staat übergangen, da diese Gebiete schwerer zugänglich sind (ein Grund dafür ist das von der Regierung über den nördlichen Teil vom Rakhine-Staat und über einige Gemeinden im Chin-Staat verhängte Internet-Blackout). Christen werden getötet, verhaftet und gezwungen zu fliehen, sodass sie mit Zehntausenden anderen Binnenflüchtlingen in Lagern unter katastrophalen Umständen leben müssen. Die Hilfe der internationalen Gemeinschaft erreicht oft nur wenige Menschen, da Regierung und Armee den Zugang dazu streng kontrollieren. Im Mai 2019 wurden von einem Beobachter vier mögliche Zukunftsszenarien für Myanmar aufgestellt: Sezession, Konföderation, Föderalismus und Dezentralisierung. Nationalisten und der Armee gefällt keines dieser Szenarien. Dies wurde einmal mehr deutlich, als das Militär gegen politisch wichtige Änderungen der Verfassung stimmte, die dazu dienen sollen, die Verfassung in Einklang mit demokratischen Prinzipien zu bringen. Im Mai 2020 lehnte das von der Partei „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) geführte Parlament zum ersten Mal einen Antrag des Militärs auf zusätzliche Mittel ab. Außerdem scheint es eine wachsende politische Einheit zwischen den ethnischen Minderheiten zu geben, obwohl sie nicht regieren können.

Ein detaillierter Bericht der Nichtregierungsorganisation International Crisis Group zeigt die schwache Basis, auf der Ethnien im Laufe der Geschichte bestimmt und unterschieden wurden, und dass der gesamte Friedensprozess falsche Anreize setzt. So müssen etwa ethnische Gruppen über mächtige bewaffnete Gruppen verfügen, bevor sie mit am Verhandlungstisch sitzen. Vor diesem Hintergrund kann es nur als kleiner Schritt angesehen werden, dass die Armee Myanmars zum Ende der jüngsten Runde der „Panglong“-Friedensgespräche zum ersten Mal das Prinzip des Föderalismus akzeptierte. Der jüngste überwältigende Sieg der von Aung San Suu Kyi geführten Partei NLD mit mehr als 80 % der Wählerstimmen schwächt die Hoffnungen auf eine mitbestimmbare Demokratie und hat das Potenzial, das Land zu zerreißen. Daher können und sollten Christen keine Hoffnung auf die Politik setzen.

3. Religiöse Situation im Land

Nach Schätzungen der World Christian Database 2020 machen Christen 8 % der Bevölkerung aus, Buddhisten 76,2 % und Muslime 3,6 %. Die staatliche Volkszählung, die im Jahr 2014 durchgeführt und im August 2016 veröffentlicht wurde, gibt den Anteil der Christen mit 6,2 % an. Christen in Myanmar halten diese Zahl für zu niedrig, da die Zählung nicht im vom Krieg betroffenen, mehrheitlich christlichen Kachin-Staat durchgeführt wurde. Die meisten Christen gehören zu den ethnischen Minderheiten des Landes und nicht zu der Mehrheit der Bamar (auch „Birmanen“ genannt). Laut der umstrittenen Volkszählung der Regierung machen Buddhisten 87,9 % und Muslime 4,3 % der Bevölkerung Myanmars aus (etwa eine Million Rohingya wurden nicht gezählt. Schätzungen zufolge leben noch rund 400.000 Rohingya im Rakhine-Staat).

Die Einführung der „Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion“ im August 2015 wurden von buddhistisch-extremistischen Gruppierungen wie der „Ma Ba Tha“ landesweit gefeiert. Während sich diese Gesetze vor allem gegen die muslimische Minderheit im Rakhine-Staat richten, sind auch Christen von diesen Gesetzen betroffen: Glaubenswechsel müssen einem administrativen Prozess folgen, der eine Meldung bei verschiedenen Behörden beinhaltet. Mischehen erfordern einen Übertritt zum Buddhismus, um buddhistische Frauen vor muslimischen Männern zu schützen. Allerdings gibt es nur wenige solcher Fälle.

Myanmar ist überwiegend buddhistisch. Buddhisten spielten eine Rolle im Widerstand gegen das Militärregime im Jahr 2007. Davor waren radikale buddhistische Gruppen nicht politisch, doch als sich die sogenannte „969-Bewegung“ (später Ma Ba Tha genannt) bildete, änderte sich das. Diese Gruppe hat eine nationalistische Agenda und ruft Mitglieder der eigenen Religion dazu auf, das Land gegen jede Bedrohung zu verteidigen. Im August 2015, kurz vor den ersten freien und fairen Wahlen, gelang es Ma Ba Tha, die Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion einzuführen. Diese richten sich in erster Linie gegen die muslimische Minderheit, insbesondere gegen die Rohingya im Rakhine-Staat, die im Grenzgebiet zu Bangladesch leben. Die Gruppierung Ma Ba Tha wurde verboten, bildete sich unter anderem Namen neu und wurde 2018 erneut verboten. Sie ist jedoch noch immer aktiv. Einige örtliche Untergruppen ignorieren nicht nur das Verbot, sondern verwenden auch noch den alten Namen.

Die meisten Angehörigen der muslimischen Minderheit haben keine Staatsbürgerschaft und der größte Teil von ihnen hat Myanmar aufgrund der anhaltenden Verfolgung verlassen. Ein tödlicher Angriff auf einen Grenzposten im Oktober 2016, bei dem neun Wachleute starben und zu dem sich eine islamisch-extremistische Gruppe bekannte, führte dazu, dass die Behörden noch aktiver gegen Muslime vorgingen und im August 2017 schätzungsweise 700.000 Muslime über die Grenze nach Bangladesch vertrieben, wo sie nun in Flüchtlingslagern leben.

Extremistische Buddhisten haben es mehr auf Muslime als auf Christen abgesehen, doch Berichten zufolge versuchen buddhistische Mönche weiterhin Kinder der christlichen Minderheiten zum Buddhismus zu bekehren, indem sie sie in Tempel locken. Stärkerer Druck und sogar Gewalt kommen jedoch von der Armee – es wird von Morden an Christen berichtet. Bisher hat die Verfolgung durch Mönche und extremistische buddhistische Gruppen nicht zugenommen – aber seitdem die meisten Muslime das Land verlassen haben oder ausreichend eingeschüchtert sind, könnten extremistische Buddhisten beginnen, andere Minderheiten intensiver ins Visier zu nehmen.

Die burmesische Armee hatte ein Gerichtsverfahren gegen den Präsidenten der Kachin Baptist Convention, Dr. Hkalam Samson, eingeleitet, da er bei einem Treffen mit US-Präsident Trump über den Mangel an Religionsfreiheit in Myanmar gesprochen hatte. Die gerichtliche Vorladung wurde im September 2019 zurückgezogen; Dr. Samson traf sich mit dem Leiter des Militärs und erinnerte in einem Interview daran, dass echter Frieden immer Opfer bedeute. Solange alle Konfliktparteien von den Kämpfen profitierten, würden Lösungen, die Opfer erfordern, allerdings schwer zu finden sein. In einem eher pessimistischen Kommentar sagte ein Beobachter des Landes, dass unter dem wachsenden chinesischen Einfluss in Myanmar der Friedensprozess ins Leere laufen werde.

Die anhaltenden Kämpfe mit der Arakan-Army in den Staaten Rakhine und Chin erinnern daran, dass der Nationalismus des Landes nicht rein religiös motiviert ist, sondern auch starke ethnische Untertöne hat. Die Kämpfer der Arakan-Army sind Buddhisten, wehren sich aber gegen das, was sie als die Dominanz der Bamar ansehen. Auch die Christen im Chin-Staat sind von diesem Konflikt stark betroffen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus – Buddhismus, vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Der Buddhismus ist eng mit der nationalen Identität Myanmars verknüpft. Diese Haltung wird üblicherweise von extremistischen Buddhisten betont und von der Regierung und der Armee toleriert – und in gewissem Maß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60 %) gehört der Ethnie der Bamar an. Bamar zu sein, heißt buddhistisch zu sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als Außenseiter der Gemeinschaft und potenziell gefährlich eingestuft. Es gibt buddhistische Ortschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen. Druck auf Christen kommt von zwei Seiten: Zum einen von der Gesellschaft, einschließlich der als Ma Ba Tha bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche. Das Verbot der Bewegung im Jahr 2017 und ein zweites im Jahr 2018 hatte keine wirklichen Konsequenzen. Im Juli 2019 kündigte das Ministerium für religiöse Angelegenheiten an, dass es die Regulierung buddhistisch-extremistischer Gruppen von der buddhistischen Führung („Sangha“) übernehmen werde. Obwohl es um Ma Ba Tha im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 ruhiger geworden ist, scheint die Kontrolle der Regierung nicht besonders streng zu sein. Zum anderen kommt der Druck auf Christen von der Regierung, die versucht, ein Friedensabkommen mit einer Vielzahl von ethnischen Gruppen abzuschließen, von denen viele Christen sind. Die Einführung der Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion sind ein Zeichen für den weiterhin starken Einfluss buddhistisch-extremistischer Gruppierungen.

Diktatorische Paranoia

Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Während die 2015 gewählte Regierungen nicht als paranoid bezeichnet werden konnte (ebenso wenig die aktuelle Regierung), ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht die Regierung diktatorisch ist, sondern das Militär fast diktatorische Macht hat. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der burmesischen Armee 2008 geschrieben wurde, werden ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt. Zudem besetzt die Armee die wichtigsten Regierungsstellen, einschließlich des Verteidigungsministeriums, des Innenministeriums und des Ministeriums für Grenzangelegenheiten. Trotz aller Hoffnungen auf Demokratie hat die Armee ihren Kampf gegen aufständische Gruppen und ethnische Minderheiten, zu denen auch Christen gehören, intensiviert. Die Tatsache, dass der Krieg trotz aller Tagungen der Panglong-Friedensgespräche nicht nur weitergegangen ist, sondern sich 2018 sogar verschlimmert hat, zeigt, wo die wahre Macht in Myanmar liegt.

Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, und sich dabei – falls notwendig – auch auf den buddhistischen Nationalismus oder das ethnische Erbe berufen. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte „Na-Ta-La“-Schulen (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da es Internate sind, die keine Gebühren erheben. Diese Schulen werden genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem Jugendliche aus diesen Minderheiten drogenabhängig gemacht werden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Teile des Landes sind weitgehend in der Hand der Armee Myanmars. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen. Daher wird die diktatorische Paranoia nicht zurückgehen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In einigen der Staaten, in denen die meisten Christen leben, wie Kachin oder dem Shan-Staat, gibt es auch die wertvollsten Rohstoffe Myanmars, wie etwa Jade und Edelholz. Laut einem im August 2019 veröffentlichten UN-Bericht bringen dieses und andere Geschäfte, an denen die Armee beteiligt sind, enorme Summen ein – ein Einkommen, das manchmal mit ethnischen Aufstandsgruppen im Austausch gegen Waffenstillstände oder andere Vereinbarungen geteilt wird. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Regionen in Vietnam, Laos und Thailand), dem bekannten „Goldenen Dreieck“. Regierungsbeamte, die Armee und Rebellengruppen werden beschuldigt, von Drogenproduktion und -handel zu profitieren. Jeder, der dagegen vorgeht oder den Händlern, Ausbeutern und Dealern im Weg steht, ist in ernsthafter Gefahr. Dies gilt auch für die Christen in diesen Regionen. Da viele Rohstoffe wie Erz, Jade und Edelholz in den hauptsächlich von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort großen Druck vonseiten des Militärs – nicht nur aus ökonomischen Interessen. Sie werden schikaniert, attackiert und als Lastenträger oder Guides missbraucht.

Kommunistische Unterdrückung

Seit Ende des Jahres 2018 wurde die größte Rebellengruppe, die kommunistische „United Wa State Army“ (UWSA), gewaltsam gegen Christen aktiv. Hunderte von Kirchen wurden geschlossen, Hunderte Christen wurden entführt oder vertrieben. Vermutlich von China unterstützt, richtete die Gruppe sich gegen christliche Gruppen, die als „Missionare“ wahrgenommen wurden – meist baptistische Gruppen wie die Lahu Baptist Convention oder die Kachin Baptist Convention. Obwohl der Druck gegen Christen anhält und Berichten zufolge nur etwa die Hälfte der geschlossenen Kirchengebäude wieder geöffnet werden durften, wird diese Triebkraft der Verfolgung hier dennoch erwähnt, da es hilft, die komplexe Situation zu verstehen, in der sich Christen vor Ort befinden. Diese Bekämpfung durch eine kommunistische Gruppe ähnelt dem harten Durchgreifen der chinesischen Behörden, die seit Jahren gegen den christlichen Glauben in China vorgehen. Da die Behörden Myanmars im de facto semi-autonomen Wa-Staat mit etwa 450.000 Einwohnern keine Macht ausüben, fällt diese Art der Verfolgung nicht unter den religiös motivierten Nationalismus.

5. Verfolger

Ausgehend von religiös motiviertem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Buddhistische Mönche wiegeln die Dorfgemeinschaften in mehrheitlich buddhistischen Gemeinschaften auf, gegen Christen vorzugehen. Die buddhistisch-extremistische Bewegung Ma Ba Tha versucht weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Dieses Ziel ist zudem mit dem Schutz der ethnischen „Rasse der Bamar“ verknüpft. Die beiden Verbote der Ma Ba Tha ändern nichts, da die Gruppe andere Wege findet, ihren Einfluss geltend zu machen.
  • Regierungsbeamte: Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Die Armee kämpft weiterhin gegen christliche Aufständische und Minderheiten.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Anführer ethnischer Gruppen können Dorfgemeinschaften aufhetzen, um Christen daran zu hindern, Ressourcen und Hilfsmittel zu nutzen, die für alle Bewohner der Gemeinde gedacht sind. Besonders unter den ethnischen Minderheiten wird jede Hinwendung zu einem anderen Glauben als Schwächung der Gruppe und als Bedrohung des Kampfes gesehen, in dem sich viele ethnische Gruppen befinden. Die Anführer üben daher starken Druck gegen einen Glaubenswechsel und auf christliche Konvertiten aus.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gruppen wie die bereits erwähnte Ma Ba Tha rufen nicht nur dazu auf, die buddhistische Dominanz zu schützen und zu erhalten, sie zetteln auch Gewalt an. Während die muslimische Minderheit das Hauptziel darstellt, sind auch Christen von ihrem „Aufruf zum Handeln“ betroffen. Aufständische werden ebenfalls manchmal zu Verfolgern, wenn sie der Meinung sind, dass Kirchen sie nicht genug unterstützen, oder wenn Pastoren jungen Menschen raten, nicht an den Kämpfen teilzunehmen. Kämpferische Gruppen wie die muslimische „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA) gehen gewaltsam gegen alle Konvertiten unter der muslimischen Minderheit vor.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder in animistischen Stammesreligionen verankert sind, verfolgen aktiv Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat gesehen wird.
  • Gewöhnliche Bürger: Wenn jemand in einem Dorf den christlichen Glauben annimmt, wird dies als Störung der Harmonie angesehen und stark abgelehnt. Die Gemeinschaften üben Druck auf die Konvertiten aus, damit diese ihren christlichen Glauben aufgeben. Mobs lassen sich leicht aufhetzen und die Dorfbewohner schließen Christen häufig von staatlicher Unterstützung oder jeglicher Hilfe aus.
  • Politische Parteien: Alle politischen Parteien, die keine Minderheiten sind, stehen auf die eine oder andere Weise für die buddhistische Vorherrschaft ein. Die aktuell regierende NLD hat sich als Enttäuschung für die christliche Minderheit erwiesen. Die oppositionelle Partei „Union Solidarity and Development Party“ (USDP) ist eng mit der Armee Myanmars verbunden und hat das Gesetz zum Schutz von Rasse und Religion von 2015 erlassen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die Armee ist die Hauptkraft hinter dieser Triebkraft der Verfolgung. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 hat die Armee noch mehr Kämpfe geführt und genoss die öffentliche und starke Unterstützung der buddhistischen Religionsführer, die „Schutz“ für die Verfassung und das Land fordern.
  • Regierungsbeamte: Die Armee wird weiterhin die privilegierte Position verteidigen, die ihr die Verfassung zugesteht, die sie selbst im Jahr 2008 entworfen hatte, bevor Teile der Macht an eine zivile Regierung abgegeben wurden. Trotz des internationalen Aufschreis aufgrund der Gräueltaten an der Minderheit der Rohingya klammert sich die Regierung um Aung San Suu Kyi an die Macht und zeigt in der Nichtbeachtung jeglicher Kritik Zeichen von diktatorischer Paranoia.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gruppen wie Ma Ba Tha stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, den verfassungsmäßigen Status der Armee und die Vorherrschaft der Bumar zu unterstützen. Sie wollen dieses Gleichgewicht um jeden Preis erhalten.
  • Politische Parteien: Was oben über den religiösen Nationalismus gesagt wurde, gilt auch hier.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Wo sie an der Macht sind, neigen die Führer von ethnischen Minderheiten und Aufständischen dazu, alles zu tun, um an der Macht zu bleiben. Wer als Bedrohung dieser Macht angesehen wird, wird bekämpft, auch wenn es ein Mitchrist ist.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Die meisten natürlichen Ressourcen Myanmars kommen in Staaten vor, die eine überwiegend christliche Bevölkerung haben oder in denen Christen zumindest eine große Minderheit darstellen. Die Armee arbeitet mit lokalen Machthabern und Politikern und Aufständischen zusammen, um von diesem Reichtum zu profitieren. Dies geschieht auf Kosten der Bevölkerung. Auch die Kämpfe gehen weiter und wenn Christen oder andere in den Weg geraten, werden sie einfach vertrieben. Wagen sie es, ihre Stimme gegen die vorherrschende Ungerechtigkeit zu erheben oder zu versuchen, jungen Menschen eine Zukunftsperspektive zu geben, werden sie aktiv ins Visier genommen, besonders von denen, die vom illegalen Drogenhandel profitieren.
  • Regierungsbeamte: Wie bereits erwähnt, sind bestimmte Zweige der Armee in verschiedene Formen des illegalen Handels involviert; dieser wird manchmal von Strohmännern wie den Grenzschutztruppen durchgeführt. Wenn christliche Siedlungen im Weg sind oder sie sich gegen Drogen und illegalen Handel aussprechen, werden sie vertrieben und zu Binnenflüchtlingen gemacht. Dort, wo die Armee die Kontrolle hat, wird mehr Gewalt angewendet.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Der illegale Handel wird oft von gut vernetzten lokalen Machthabern organisiert, die auch zu Verfolgern werden können, wenn sie ihren Profit bedroht sehen.
  • Politische Parteien: Einige politische Führer sind ebenfalls in den illegalen Handel verwickelt, insbesondere auf lokaler Ebene.

Ausgehend von kommunistischer Unterdrückung

  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Revolutionäre und paramilitärische Gruppen wurden 2018 zu sehr sichtbaren Verfolgern, als die UWSA (mit etwa 40.000 Kämpfern die größte Rebellengruppe des Landes) in einer Razzia gegen „neue Kirchen“ Dutzende Kirchen schließen und fast einhundert Christen festnehmen ließ.
  • Internationale Organisationen: Der Shan-Staat grenzt an China, das angeblich die UWSA unterstützt. Das Vorgehen gegen Christen im Jahr 2018 wurde offenbar von den chinesischen Bemühungen inspiriert, den christlichen Glauben einzudämmen.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Berichten zufolge profitiert auch die UWSA stark vom Drogenhandel. Ihr Durchgreifen gegen Christen 2018 könnte also gemischte Motive gehabt haben.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Myanmar ist wohl die Nation, die unter dem längsten Bürgerkrieg der Welt leidet, der unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahr 1948 begann. Der Kern des Konflikts besteht darin, dass die Zentralregierung versuchte, ihre Kontrolle über Regionen durchzusetzen, denen ein gewisses Maß an Autonomie versprochen worden war. Wenn es um Schwierigkeiten für Christen geht, muss der Kachin-Staat im Norden des Landes genannt werden. Die Kämpfe dort gehen weiter. Mehr als 100.000 Menschen – meist Christen – leben in Lagern für Binnenflüchtlinge, die meisten von ihnen seit Jahren. Der Zugang für humanitäre Hilfe ist blockiert. Auch im benachbarten Shan-Staat, in dem es vor allem im Norden eine große Minderheit von Christen gibt, gehen die Kämpfe weiter. Ebenso sind Christen im Chin-Staat von den Kämpfen zwischen der Armee Myanmars und der Arakan Army betroffen. Obwohl der Konflikt mit den ethnischen Gruppen der Karen und Karenni nicht im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit steht, schwelt er noch immer und viele sind zu Binnenflüchtlingen oder Flüchtlingen in Thailand geworden. Über die Chin, die überwiegend christlich sind, ließe sich eine ähnliche Geschichte erzählen, nur dass ihr Zufluchtsort der Wahl Indien ist.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, aber auch traditionelle Kirchen unter den christlichen Minderheiten wie die Kachin Baptist Church. Diese Christen erleben Verfolgung in Form täglichen Drucks, gelegentlich aber auch gewalttätige Angriffe, sei es vom Militär, extremistischen buddhistischen Mönchen oder aufständischen Gruppen. Extremistische buddhistische Mönche errichten in manchen Gegenden Tempel auf Grundstücken von Kirchen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft oder mit Hintergrund in einer animistischen Stammesreligion erfahren die stärkste Verfolgung, sowohl vonseiten der Behörden als auch von Familie, Freunden und Nachbarn. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Mitglieder der Bamar nicht akzeptabel. Obwohl viel über die Rohingya und ihre Vertreibung nach Bangladesch berichtet wurde, ist weithin unbekannt, dass es eine kleine Gruppe von Christen mit muslimischem Hintergrund unter den Rohingya gibt. Was diesen Christen dort geschieht, die nach Bangladesch geflohen sind, wird auch nur für Bangladesch gewertet Sie sind nicht nur wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit Verfolgung ausgesetzt, sondern auch, weil ihre muslimischen Familien und ihr Umfeld sie unter enormen Druck setzen, zum Islam zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Viele evangelikale und Pfingstgemeinden werden vor allem in ländlichen Gebieten von dem sozialen Umfeld, in dem sie leben, verfolgt. Sie werden überwacht und es kommt manchmal vor, dass Zusammenkünfte oder das Abhalten der Sonntagsschule verhindert werden. Aufgrund der vorherrschenden Auffassung, dass ein Bamar auch ein Buddhist sein muss, ist es eine besondere Herausforderung, die Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.9
Familienleben 12
Gesellschaftliches Leben 13.1
Leben im Staat 12.9
Kirchliches Leben 12.3
Auftreten von Gewalt 11.9

 Grafik: Verfolgungsmuster Myanmar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen hat weiterhin das gleiche sehr hohe Ausmaß wie im Weltverfolgungsindex 2020 (12,4 Punkte).
  • Besonders christliche Konvertiten sind durch den sehr hohen Druck im gesellschaftlichen Leben, Familienleben und Privatleben beeinträchtigt. Alle Christen sind sehr hohem Druck im kirchlichen Leben und Leben im Staat ausgesetzt. Der Druck geht einerseits von einer Betonung des Buddhismus aus, der alle Minderheiten des Landes ausgrenzt. Dazu kommt auf der anderen Seite der anhaltende Krieg gegen Aufständische, der unter anderem die christlich geprägten Staaten Kachin, Chin, Shan und Karen betrifft. Dieser Krieg wird von der Weltöffentlichkeit unter anderem aufgrund der prekären Lage der Rohingya und dem damit verbundenen Medieninteresse kaum wahrgenommen.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen stieg an (von 10,7 Punkten im Vorjahr auf 11,9 im Weltverfolgungsindex 2021) und wird nun als „extrem“ eingestuft. Es wurden vermehrt Vorfälle gemeldet, bei denen es zu Verhaftungen, Angriffen auf Häuser, in denen Christen leben, und zu Vergewaltigungen oder sexuellen Übergriffen kam. Aufgrund von anhaltenden Kämpfen, insbesondere in den Staaten Kachin, Chin und Shan, ist es sehr schwer geworden, genaue Berichte von Angriffen auf Christen wegen ihres Glaubens und auf Kirchen in diesen vom Krieg zerrissenen Gebieten zu erhalten, auch wenn die Kämpfe im Staat Kachin im Jahr 2020 zurückgegangen sind. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Myanmars derzeitige Gesetze machen es dem Einzelnen schwer, seinen Glauben zu wechseln. Das Konversionsgesetz, Teil der Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion, verlangt, dass Bürger Myanmars, die ihre Religion wechseln wollen, die Genehmigung einer neu gegründeten Registrierungsbehörde für Konversionen einholen müssen, die in allen Kommunen eingerichtet wird. Der potenzielle Konvertit muss sich außerdem einem Verhör unterziehen und sich für einen Zeitraum von höchstens 90 Tagen ab dem Datum der Antragstellung (auf Wunsch des Antragstellers auf 180 Tage verlängerbar) mit religiösen Studien beschäftigen. Wenn der Antragsteller nach diesem Zeitraum immer noch konvertieren möchte, stellt der Registrierungsausschuss eine Bescheinigung über den Glaubenswechsel aus. Während dieser Zeit wird der Antrag auf einem Schwarzen Brett veröffentlicht und die Konvertiten werden höchstwahrscheinlich von allen um sie herum stark unter Druck gesetzt, ihren Antrag zurückzuziehen. Aus diesem Grund erfolgt der Glaubenswechsel in der Regel im Geheimen ohne das Antragsverfahren. Konvertiten sind außerdem der Verfolgung durch ihre Familie und Gemeinschaft ausgesetzt und werden manchmal verstoßen und aus dem Haus der Familie vertrieben.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Sobald der Verdacht besteht, dass ein Christ in einem Gespräch das Evangelium weitergeben möchte, ist es riskant. Dies gilt für Angehörige der christlichen Minderheiten, die mit Angehörigen der buddhistischen Mehrheit Glaubensfragen diskutieren. Sie riskieren auch, an buddhistische extremistische Gruppen und/oder (lokale) Behörden gemeldet zu werden. Dies gilt auch für Christen muslimischer Herkunft, die in ihrem sozialen Umfeld von ihrem neuen Glauben erzählen wollen. Sie müssen besonders vorsichtig sein.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Je nachdem, wo ein Christ lebt, und – für Konvertiten – je nach der Familie, in der er oder sie lebt, kann es riskant sein, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen. Während dies natürlich nicht für die überwiegend christlichen Staaten wie z. B. Kachin gilt, ist es für einen Konvertiten an anderen Orten gefährlich, entdeckt zu werden. Deshalb haben sie selten christliche Bilder zu Hause oder tragen selten Schmuck, der zum Beispiel ein Kreuz zeigt. Letzteres könnte auch als Verhöhnung buddhistischer Symbole aufgefasst werden, weshalb Christen in der Regel davon absehen.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z.B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

In einigen buddhistischen Dörfern, besonders im Rakhine-Staat und im zentralen Teil Myanmars, ist es Christen nicht erlaubt, Teil der Dorfgemeinschaft zu sein. An solchen Orten müssen christliche Konvertiten sehr vorsichtig sein, um nicht entdeckt zu werden, besonders wenn sie die einzigen Christen in der Familie sind. Wenn sie entdeckt werden, sind sie gezwungen, das Dorf zu verlassen. Aber selbst an anderen Orten ziehen es Konvertiten vor, vorsichtig zu sein, da der Glaubenswechsel zum christlichen Glauben als schändlich angesehen wird und jeder sichtbare Akt der christlichen Anbetung auf harten Widerstand von Familien und sozialem Umfeld stoßen würde.

Familienleben

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In den meisten Schulen müssen die Schüler vor Unterrichtsbeginn einen Teil der Lehren Buddhas aufsagen. „Dhama“-Schulen werden von buddhistischen Mönchen geleitet, die den Kindern buddhistische Prinzipien beibringen. Diese Schulen breiten sich immer mehr im Land aus. Von Kindern wird erwartet, dass sie an den buddhistischen Festen des Wassers und des Lichts teilnehmen und auch finanziell dazu beitragen. In Na-Ta-La-Schulen werden Kindern buddhistische Gebete beigebracht, ihr Kopf wird geschoren und sie müssen jeden Morgen in ihren Dörfern um Essen betteln. In diesen Schulen sind alle Mitarbeiter, vom Lehrpersonal über die Verwaltung bis hin zu den Straßenkehrern, Buddhisten.

Wurden christliche Taufen behindert?

Wegen der Konversionsgesetze kann es gefährlich sein, Taufen öffentlich durchzuführen. Daher führen die Kirchen die Taufe in der Regel diskret durch. Für Christen mit buddhistischem oder muslimischem Hintergrund gibt es keine andere Wahl, es muss heimlich geschehen. Taufscheine können nicht ausgestellt werden und nur wenige Mitchristen können und dürfen den Taufen beiwohnen. In Regionen, in denen Christen die Mehrheit bilden, ist die Taufe weniger problematisch, allerdings gilt dies nur für Nichtbuddhisten.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Christliche Kinder werden in der Schule regelmäßig von buddhistischen Kindern schikaniert. Gerade in Dorfschulen ist es normal, dass christlichen Kindern für alles die Schuld gegeben wird. Kinder von Christen erhalten in der Schule zudem weniger Möglichkeiten und werden weder für höhere Schulen noch besondere Ehrungen ausgewählt. Auch wird ihnen oft nicht die Möglichkeit gegeben, reine Verwaltungsfehler zu korrigieren, wie die falsche Schreibweise eines Namens oder – wie im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 geschehen – ein falsches Geburtsdatum. Infolgedessen wurden sie für die Teilnahme an Prüfungen gesperrt.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, weil sie sich dem Druck des buddhistischen Umfelds in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt sehen. Den Eltern wird ständig gesagt, dass ihr Kind, wenn es am christlichen Glauben festhalte, eine härtere Zukunft habe; durch die Zugehörigkeit zu einer religiösen Minderheit werden ihnen weniger Möglichkeiten geboten. In Familien, deren Mitglieder buddhistischer oder muslimischer Herkunft sind, sind es oft die Großeltern, die einen großen Einfluss ausüben und dafür sorgen, dass die Enkelkinder in ihrer ursprünglichen Religion erzogen werden.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet, von kommunalen Entscheidungen und Ressourcen ausgeschlossen und unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Dies wirkt sich auch auf das tägliche Leben aus, wenn ihnen etwa Hilfe beim Sammeln von Bambus für die Reparatur ihres Hauses verweigert oder ihnen der Zugang zu Wasserquellen untersagt wird. Konvertiten werden oft so sehr ausgegrenzt, dass die Dorfbewohner es sogar unterlassen, mit ihnen zu sprechen. Es gab Fälle, in denen buddhistische Mönche Dörfer zu diesem Verhalten aufgerufen haben.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Es ist sehr üblich, dass Christen unter diese Art von Druck gesetzt werden, da der Sinn vieler Regierungs- und Gemeindeveranstaltungen darin besteht, die buddhistische Vorherrschaft zu zeigen. Dieser Druck beinhaltet tägliche Gebete, Beiträge zu und Teilnahme an buddhistischen Zeremonien und das Reinigen buddhistischer Altäre. Diesem Druck kann man sich nur schwer entziehen, da er tief in der Kultur verwurzelt und in der Schule, am Arbeitsplatz und in der Regierung allgegenwärtig ist. Wenn Christen aufhören, buddhistischen Mönchen Almosen zu geben, sich weigern, zur Renovierung oder zum Bau buddhistischer Tempel beizutragen, oder von der Teilnahme an buddhistischen Festen absehen, erfahren sie Schikane, werden zu Spenden gezwungen und mit der Vertreibung aus dem Dorf bedroht.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Christen haben weniger Chancen, von Firmen angestellt zu werden, wenn es buddhistische Bewerber gibt. Christen werden auch regelmäßig bei Beförderungen übergangen, besonders im öffentlichen Dienst. An Sonntagen wird den Christen kein Urlaub gewährt, um einen Gottesdienst zu besuchen. Im parlamentarischen Bereich gab es eine Verbesserung, da unter der noch amtierenden Regierung einer der Vizepräsidenten ein ethnischer Chin-Christ und der Sprecher des Unterhauses ein Christ ist. Christen sind in der Regierung, im öffentlichen Dienst und in der Armee jedoch selten anzutreffen und werden in der Regel nicht über ein bestimmtes Niveau hinaus befördert.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Christliche Konvertiten stehen in diesem Aspekt am stärksten unter Druck. Aus Angst vor Verfolgung machen sie ihren Glaubenswechsel normalerweise nicht bekannt. Werden christliche Konvertiten entdeckt, beginnt der Druck meist subtil, andere Dorfbewohner werden z. B. an Hilfeleistungen gehindert. Doch es wurden auch Fälle berichtet, in denen christliche Konvertiten zusätzliche Hilfe geleistet wurde, um sie wieder zu ihrem alten Glauben zu locken. Letztendlich können christliche Konvertiten aus dem Dorf vertrieben werden, wenn solche Bemühungen erfolglos bleiben. Es gibt sogar Druck auf andere Christen (Nichtkonvertiten), zum Buddhismus zu konvertieren. In dem Versuch, den Buddhismus zu verbreiten, werden Gemeinschaftsressourcen zum Bau von Pagoden in christlichen Gebieten verwendet und buddhistische Mönche in christliche Dörfer geschickt. Der Unterricht – der von buddhistischen Mönchen geleitet wird – wird manchmal kostenlos für Familien religiöser Minderheiten angeboten.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt: „Die Union erkennt an, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt.“ In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der ethnischen Mehrheit der Bamar zu erlangen, hat die frühere Regierung im August 2015 vier Konversionsgesetze verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch die Einschränkung von Glaubenswechseln und interreligiösen Ehen, einem Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut der Gesetze müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis ihrer Eltern und der Behörden vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; der nichtbuddhistische Mann muss zunächst zum Buddhismus konvertieren.

Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der lokalen Registrierungsbehörde für Konversionen die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungs- sowie einem Verwaltungsbeamten, der Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Bildung. So weiß die Gemeinschaft, wenn eine Person konvertieren will und gibt ihr drei bis sechs Monate „Bedenkzeit“, um sie davon zu überzeugen, den offiziellen Antrag wieder zurückzuziehen. Das Gesetz zielt in erster Linie auf die muslimische Minderheit ab, aber auch alle anderen Minderheiten sind davon betroffen. Es soll sowohl Bürger davon abbringen, einen Glaubenswechsel in Betracht zu ziehen, als auch Konvertiten daran hindern, ihren neuen Glauben zu bekennen. Einige Stämme besitzen zusätzliche traditionelle Gesetze, die von einigen Gemeinschaften dazu genutzt werden, Christen aus ihren Dörfern zu vertreiben.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Die Armee und die buddhistisch-nationalistische Bewegung sind völlig ungestraft geblieben und operieren in einer Kultur der Straflosigkeit. Das deutlichste Beispiel dafür ist die strikte Ablehnung aller Völkermordanschuldigungen im Zusammenhang mit den Rohingya und der christlichen Minderheit der Kachin (wo die Situation auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit hinauslaufen könnte). Es zeigt auch, dass Christen weder eine faire Behandlung vor Gericht noch eine internationale Überwachung ihrer schlimmen Situation erwarten können. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 gab es einen Fall, in dem Dorfbewohner ein Haus, in dem sich Christen versammelt hatten, mit Steinen beworfen haben. Die Behörden brachten die Täter vor ein Gericht, aber der Fall wurde so oft vertagt, dass es sich die Christen schließlich nicht mehr leisten konnten, allen Gerichtsvorladungen Folge zu leisten. Infolgedessen wurden die Dorfbewohner ungestraft gelassen.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Die Armee Myanmars und pro-militärische Regierungsbeamte sind sehr von buddhistisch-nationalistischen Einstellungen beeinflusst und betrachten Christen oft als Bürger zweiter Klasse. Christen sehen sich bei der Bewerbung um staatliche Dienste härteren Anforderungen gegenüber. So müssen sie beispielsweise zusätzliche Unterlagen einreichen, oder ihr Antrag wird sich – manchmal auf unbestimmte Zeit – verzögern. Beschwerden, die von Christen an die Polizei herangetragen werden, werden in den meisten Fällen ignoriert. Christen haben außerdem einen schlechteren Zugang zu Krediten oder Zuschüssen als nichtchristliche Geschäftspartner oder Kunden. Selbst in Regionen mit christlicher Mehrheit sind die Behördenvertreter häufig Buddhisten.

Wurden Christen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, oder wurde ihre Beförderung aus religiösen Gründen behindert?

Christen werden normalerweise nur dann von Firmen eingestellt, wenn keine Buddhisten zur Verfügung stehen. Wenn sie eingestellt werden, werden sie häufig bei einer Beförderung übergangen. Es gibt einige wenige Christen im öffentlichen Dienst, aber sie werden selten in leitende Positionen befördert. Es gibt ein paar christliche Politiker, sogar in recht hohen Positionen, wie oben erwähnt; dies ist jedoch eine Ausnahme von der Regel und hat Christen bei ihren Bewerbungen anderswo nicht geholfen.

Kirchliches Leben

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Dissens, insbesondere jede Kritik an der Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten, wird hart angegangen. Eine Beschwerde ist vergeblich und kann zu einer Anklage führen, wie in den folgenden beiden Fällen sichtbar: 1) Zwei Christen wurden im Oktober 2017 ins Gefängnis gesteckt, weil sie Journalisten geholfen hatten, Informationen über die Zerstörung einer Kirche im Kachin-Staat zu sammeln. 2) Zwei Reuters-Journalisten, die über Verbrechen gegen die Menschlichkeit gegen Rohingya-Muslime berichteten, erhielten im September 2018 Gefängnisstrafen. Sie wurden später begnadigt. Wenn die Armee involviert ist, ist es ein noch größeres Risiko, sich zu äußern. Das gilt auch, wenn es um Aktionen buddhistisch-extremistischer Gruppen geht.

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Lokale Gemeinschaften und Behörden überwachen regelmäßig kirchliche Aktivitäten und greifen ein und behindern sie, wenn sie sie als zu gewagt ansehen. In den Grenzgebieten werden Kirchen von der Regierung und der Armee besonders streng überwacht. Auch buddhistische Mönche, die mit Ma Ba Tha verbunden sind, überwachen christliche Aktivitäten. Für Christen buddhistischer Herkunft ist dieser Druck noch höher, da eine Entdeckung schwerwiegendere Folgen haben kann, nicht nur vonseiten des sozialen Umfelds, sondern auch von der eigenen Familie.

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Genehmigungen für den Bau oder die Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten, ist sehr schwierig und wird oft unmöglich gemacht. Obwohl es in verschiedenen Teilen Myanmars Kirchengebäude gibt, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Es gibt bis zu acht verschiedene Genehmigungen, die eingeholt werden müssen, um eine Kirche legal bauen zu dürfen. Die Anträge müssen verschiedene vom Militär geführte Abteilungen durchlaufen und von Behörden auf Bezirks- oder Kommunalebene genehmigt werden, die häufig von ehemaligen Armeeoffizieren geleitet werden. Die Folge ist, dass Genehmigungen für den Landbesitz von Kirchen fast nie erteilt werden. Anträge werden von den zuständigen Beamten nicht bearbeitet. Manchmal wird von den Christen Schmiergeld verlangt, um den Prozess zu beschleunigen, ohne Garantie, dass am Ende eine Genehmigung erteilt wird. In christlichen Mehrheitsgebieten wie Kachin, Chin und im Gebiet der Nagain der Sagaing-Region sind die notwendigen Dokumente noch schwieriger zu beschaffen und eine Nichterteilung wird als gutes Mittel zur Schwächung der christlichen Minderheiten angesehen, da es sie entmutigt, neue Kirchengebäude zu errichten. Folglich treffen sich im ganzen Land viele Christen entweder in Privathäusern oder in angemieteten Büros oder Geschäften. Dies passiert hauptsächlich in den Städten.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Kirchen brauchen eine Genehmigung der Dorfältesten, wann immer sie eine Aktion außerhalb ihres Gebäudes durchführen wollen. Da Christen dafür bekannt sind, das Evangelium weiterzugeben, selbst wenn ihnen dies verboten wurde, wird alles, was sie tun, mit Argwohn beobachtet. Meistens wird die Genehmigung mit der Begründung verweigert, dass solche Aktivitäten gegen das Konversionsgesetz verstoßen könnten. Zumindest in den Großstädten ist es jedoch kein Problem, eine Halle oder ein Hotel zu mieten, um Schulungen durchzuführen.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Drei Christen wurden von ihren Familien getötet, weil diese ihren Glaubenswechsel nicht akzeptierten. Aus Sicherheitsgründen kann keine weitere Auskunft dazu gegeben werden. Im März und April 2020 fanden über der Kommune Paletwa Luftangriffe der Arakan-Army statt, bei denen Berichten zufolge 25 Menschen getötet wurden, darunter 23 Christen. Da es jedoch keine Klarheit darüber gibt, dass diese 23 Christen absichtlich wegen ihres Glaubens angegriffen wurden, wurden diese Toten bei der Analyse für den Weltverfolgungsindex 2021 nicht berücksichtigt.
  • Angriffe auf Christen: Es gab Dutzende von Christen, die wegen ihres Glaubens angegriffen wurden, in vielen Fällen Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft. Diese Angriffe geschahen durch Familienmitglieder, aber auch durch ethnische aufständische Gruppen. Die Armee Myanmars kämpft ohne Rücksicht in einigen überwiegend christlichen Staaten.
  • Verhaftungen von Christen: Immer wieder werden Christen von der Armee Myanmars oder von ethnischen aufständischen Gruppen wie der UWSA festgenommen. Im Februar 2020 wurden zwei Pastoren aus Kachin freigelassen, die angeklagt worden waren, einer nicht genehmigten Vereinigung anzugehören.
  • Angriffe auf Kirchen: Mehr als 50 Kirchen- und Schulgebäude bleiben in dem von der UWSA kontrollierten Gebiet im Shan-Staat geschlossen, darunter alle katholischen Kirchen und Schulen. Da diese aber bereits im Berichtszeitraum der Weltverfolgungsindex 2020 gewertet wurden, sind sie nicht in die Wertung des aktuellen Berichtszeitraums eingeflossen. Es gibt jedoch Berichte über Angriffe auf neun weitere Kirchen im ganzen Land. Aus Sicherheitsgründen kann keine weitere Auskunft dazu gegeben werden.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Es gab mehrere Berichte über Angriffe, bei denen Häuser und Geschäfte zerstört wurden. Auch Solarmodule, Batterien und Fahrräder sind bei diesen Angriffen zerstört worden. Die Angreifer waren Dorfbewohner, die einen Mob bildeten und von einem buddhistischen Mönch angestiftet wurden. Aus Sicherheitsgründen kann keine weitere Auskunft dazu gegeben werden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums verlautet für das Jahr 2019 für Myanmar:

„Untersuchungen der ethnischen Säuberungen im nördlichen Rakhine-Staat, die im Laufe des Jahres veröffentlicht wurden, einschließlich der detaillierten Ergebnisse der UN-Untersuchungsmission, die am 16. September veröffentlicht wurden, bestätigten frühere Berichte über systematische Misshandlungen und eine Kampagne gegen Rohingya-Zivilisten, die außergerichtliche Tötungen, Vergewaltigungen und Folter beinhaltete. Die vom UN-Menschenrechtsrat 2017 eingerichtete UN-Untersuchungsmission, deren Mandat im September ausläuft, stellte in ihrem Bericht fest, dass ‚die Situation der Rohingya im Rakhine-Staat seit dem letzten Jahr weitgehend unverändert geblieben ist‘ und ‚die Gesetze, Programme und Praktiken, die die Grundlage für die Verfolgung der Rohingya durch die Regierung bildeten, beibehalten wurden‘. Der Bericht beschrieb Gräueltaten, die vom Militär in den Staaten Rakhine, Kachin, Chin und Shan sowie in anderen Gebieten begangen wurden, und stellte fest, dass weitere Untersuchungen den Befund erhärtet hätten, dass die Umstände und der Kontext der ‚Säuberungsaktionen‘ gegen die Rohingya, die am 25. August 2017 begannen, den Schluss auf eine Völkermord-Absicht zuließen, diese Angriffe im Voraus geplant waren und eine gut entwickelte und vom Staat unterstützte Politik widerspiegelten, die auf die Rohingya abzielte. Die Regierung verweigerte der Untersuchungsmission die Erlaubnis, das Land zu betreten und dementierte den Bericht öffentlich. Der Bericht stellte ebenso fest, dass die Militäraktionen in den Staaten Kachin (der überwiegend christlich ist) und Shan (der überwiegend buddhistisch ist) seit 2011 Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit umfasst.“

Auf die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya wurde in diesem Länderprofil bereits mehrfach eingegangen. Ihre Notlage wird nun vor internationalem Publikum im Gericht in Den Haag diskutiert. Dies wird weder den in Flüchtlingslagern in Bangladesch festsitzenden Flüchtlingen noch der in Myanmar, hauptsächlich im Rakhine-Staat, zurückgelassenen muslimischen Minderheit sofortige Erleichterung bringen. Zum Zeitpunkt der Fertigstellung dieses Länderprofils scheint es sehr unwahrscheinlich, dass sie freiwillig aus Bangladesch, wohin sie geflohen sind, um ihr Leben zu retten, nach Myanmar zurückkehren werden. Diese Politik passt zu dem zunehmenden religiös motivierten Nationalismus, der von der Armee und religiösen Leitern geförderten und von vielen Einwohnern unterstützt wird. Nicht-Rohingya-Muslime in anderen Teilen des Landes sind ebenfalls mit Verfolgung und Diskriminierung konfrontiert. Abgesehen davon sind keine anderen religiösen Gruppen bekannt, die verfolgt werden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Beten Sie für diejenigen, die den Buddhismus verlassen haben, um Jesus zu folgen, dass Gott sie stärkt, ermutigt und schützt.
  • Bitten Sie darum, dass alle Gläubigen in Myanmar Gemeinschaft mit anderen Christen erleben und genießen können.
  • Beten Sie um eine friedliche Lösung für den anhaltenden Bürgerkrieg.