Länderprofil Myanmar

Myanmar

12
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Buddhismus
Offizielle Staatsform
Parlamentarische Republik
Platz Vorjahr
18
Karte Myanmar
Christen
4,41
Bevölkerung
55.27
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 12.400
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 13.800
Leben im Staat: 13.400
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 14.800

Länderprofil Myanmar

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 12 / 79 Punkte (WVI 2021: Platz 18 / 74 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

2021 war ein folgenreiches Jahr für Myanmar und auch für die Situation der Christen. Nach dem Militärputsch vom 1. Februar 2021 dauern die Kämpfe weiter an. Selbst etablierte Kirchen, die zur Gruppe der traditionellen Kirchen und Gemeinden gehören, werden angegriffen – und zwar in Staaten Myanmars, in denen Christen die Mehrheit ausmachen, wie dem Chin-Staat oder Kayah-Staat und auch in Staaten mit einer starken christlichen Minderheit wie dem Kachin-Staat, Karen-Staat oder dem nördlichen Teil des Shan-Staates. Schätzungen zufolge sind in diesem Jahr mindestens 250.000 Menschen vertrieben worden. Mehr Christen als je zuvor sind gezwungen, in Lagern für Binnengeflüchtete zu leben, wo sie oft keinen Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung haben.

Christen haben sich an der sich rasch entwickelnden „Bewegung zivilen Ungehorsams“ (CDM) beteiligt, um gegen den Militärputsch zu protestieren. Parallel zu diesem weitgehend friedlichen Widerstand haben die Kämpfe im ganzen Land zugenommen. Daran beteiligt sind einige, wenn auch nicht alle bewaffnete ethnische Gruppen, die schon seit Jahrzehnten um Autonomie kämpfen – darunter einige christliche Gruppen, auch solche, die schon seit längerer Zeit nicht mehr im Rampenlicht standen, wie die ethnische Minderheit der Karen. Die myanmarische Armee hat christliche Dörfer und Kirchen angegriffen, sie hat christliche Helfer und Pastoren getötet, während sie buddhistische Klöster unangetastet ließ.

Christliche Konvertiten, die in Gebieten mit mehrheitlich muslimischer oder buddhistischer Bevölkerung leben, werden von ihrer Familie und Gemeinschaft verstoßen; sogar der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen wie Wasser wird ihnen verwehrt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

In den Jahren nach der Unabhängigkeit versuchten verschiedene ethnische Gruppen, sich abzuspalten und unabhängige Staaten zu bilden. Das Militär wollte die Integrität des Staates aufrechterhalten sowie die Kontrolle durch die Ethnie der Bamar behaupten und ergriff die Macht. Es folgten fünf Jahrzehnte der Militärherrschaft. Eine Reihe von Protesten unter der Führung von Aung San Suu Kyi erhöhte den öffentlichen Druck auf die Regierung. Dies mündete in die Wahlen im Jahr 2015, die Aung San Suu Kyi mit einem erdrutschartigen Sieg gewann. 

Bei den Wahlen im November 2020 gewann dann die Partei von Aung San Suu Kyi, die „Nationale Liga für Demokratie“, 82 Prozent aller verfügbaren Sitze. Weithin wurden diese Wahlen als frei und fair anerkannt, doch das Militär sprach von einem Wahlbetrug. Es inszenierte einen Putsch, durch den Suu Kyi im Februar 2021 gewaltsam abgesetzt wurde. Seitdem wird Myanmar wieder direkt durch das Militär regiert, was zu erheblichen Unruhen im ganzen Land geführt hat. Die Staaten Myanmars, in denen Christen eine Minderheit darstellen, sind besonders betroffen. Hier bekämpfen die Streitkräfte Myanmars, auch „Tatmadaw“ genannt, den Aufstand mit aller Macht.

Die meisten Christen gehören zu den ethnischen Minderheiten des Landes und nicht zur Ethnie der Bamar, die in Myanmar die Mehrheit darstellt. Die Einführung der „Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion“ im August 2015 wurden von extremistisch-buddhistischen Gruppierungen wie der „Ma Ba Tha“ landesweit gefeiert. Während sich diese Gesetze vor allem gegen die muslimische Minderheit im Rakhaine-Staat richten, sind davon auch Christen betroffen: Glaubenswechsel müssen einem administrativen Prozess folgen, der eine Meldung bei verschiedenen Behörden beinhaltet. Ma Ba Tha wurde mehrmals verboten, taucht aber immer wieder unter verschiedenen Namen auf.

Buddhistisch-extremistische Gruppen haben eher Muslime als Christen ins Visier genommen, was zur Vertreibung der Rohingya nach Bangladesch führte. Doch erfahren Christen Druck und Gewalt vonseiten der Armee. Es wird von Morden an Christen berichtet.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

4.409.000

8,0

Muslime

1.989.000

3,6

Hindus

908.000

1,6

Buddhisten

42.182.000

76,3

Anhänger ethnischer Religionen

4.492.000

8,1

Juden

30

0,0

Bahai

86.000

0,2

Atheisten

21.200

0,0

Agnostiker

252.000

0,5

Andere

928.900

1,7

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Myanmar leidet unter dem längsten Bürgerkrieg der Welt, der unmittelbar nach der Unabhängigkeit des Landes von Großbritannien im Jahr 1948 begann. Der Kern des Konflikts besteht darin, dass die Zentralregierung versuchte, ihre Kontrolle über Regionen durchzusetzen, denen ein gewisses Maß an Autonomie versprochen worden war.

Was die Schwierigkeiten von Christen im aktuellen Berichtszeitraum angeht, so muss der Chin-Staat hervorgehoben werden. Die Tatmadaw griffen dort wahllos christliche Dörfer und Kirchengebäude an, in denen manchmal Lager für Flüchtende oder Binnenvertriebene untergebracht waren; sie töteten christliche Helfer und Gemeindeleiter. Weitere Brennpunkte sind der Kachin-Staat und der Kayah-Staat im Südosten. Dort gehen die Kämpfe weiter, und immer mehr Menschen, darunter viele Christen, leben in Binnenvertriebenenlagern – die meisten von ihnen schon seit Jahren, ohne Zugang zu humanitärer Hilfe. Auch im benachbarten Shan-Staat, in dem es eine große christliche Minderheit gibt, gehen die Kämpfe weiter, insbesondere im Norden. Obwohl der Konflikt mit dem Volk der Karen und der Untergruppe der Karenni nicht im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit steht, schwelt er weiter. Viele dieser Volksgruppen sind nach Thailand geflohen oder zu Binnengeflüchteten geworden. Ähnlich verhält es sich mit dem Volk der Chin, die überwiegend christlich sind und in Indien Zuflucht gesucht haben.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus – Buddhismus vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60 Prozent) gehört der Ethnie der Bamar an. Bamar zu sein, heißt buddhistisch zu sein. Wer etwas anderes ist, wird als fremd und als Bedrohung für den Staat und die nationale Einheit angesehen. Die Politik der Regierung hat buddhistisch-extremistische Gruppen wie die Ma Ba Tha sogar unterstützt, die mit politischen Mitteln versuchen, Nichtbuddhisten in Myanmar auszurotten und zu eliminieren.

Diktatorische Paranoia

Myanmar hat eine lange Geschichte der militärischen Vorherrschaft der Armee. Es ist eines der wenigen Länder, in denen die Armee fast die gesamte Macht innehat, wie der Militärputsch vom 1. Februar 2021 verdeutlicht. Gemäß der alten Verfassung des Landes, die im Jahr 2008 von der Armee Myanmars geschrieben worden war, waren ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt. Zudem besetzte die Armee die wichtigsten Regierungsstellen, einschließlich des Verteidigungsministeriums, des Innenministeriums und des Ministeriums für Grenzangelegenheiten. Das Entstehen von Widerstandsbewegungen, ob nun der CDM oder der „People’s Defence Force“ (PDF), haben zur Paranoia der Armee beigetragen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Viele der wertvollsten natürlichen Ressourcen Myanmars, wie Jade, Erze und Holz, finden sich in Staaten mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Außerdem ist Myanmar Teil des sogenannten „Goldenen Dreiecks“, einer der Regionen Asiens mit der größten Opiumproduktion. Um die Einnahmen aus diesen lukrativen Geschäften konkurrieren häufig das Militär und aufständische Gruppen. Diejenigen, die sich ihnen widersetzen, wie zum Beispiel Christen, riskieren Gewalt sowohl vonseiten der Aufständischen als auch durch das Militär selbst.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Traditionelle Kirchen sind seit Jahrzehnten dem Druck und der Gewalt der Tatmadaw ausgesetzt und sind so stark von Verfolgung betroffen. Häufig stehen sie zwischen den Fronten in den Konflikten zwischen Militär und extremistischen Aufständischen. Da es sich bei diesen Konflikten in der Regel um Separatismuskonflikte handelt, ist die Atmosphäre vielfach von einem Gefühl des Nationalismus beherrscht – Christen, die als „fremd“ angesehen werden, gehören so zu den ersten möglichen Opfern von Angriffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten zum christlichen Glauben haben meist einen buddhistischen oder muslimischen Hintergrund. Sie sehen sich extremen Verletzungen ihrer Rechte durch Behörden, Familien und dem sozialen Umfeld ausgesetzt. Obwohl es sich bei den Rohingya um eine vorwiegend muslimische Volksgruppe handelt, gibt es unter ihnen auch christliche Konvertiten. Aufgrund des gewaltsamen Vorgehens des Militärs gegen die Rohingya waren viele gezwungen, nach Bangladesch zu fliehen. Die christlichen Rohingya werden sowohl wegen ihrer ethnischen als auch ihrer religiösen Zugehörigkeit verfolgt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Viele evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinden werden vor allem in ländlichen Gebieten durch ihr soziales Umfeld in ihren Rechten verletzt. In der Vergangenheit waren Evangelisationsversuche sowie die Einfuhr von christlichem Material illegal. In jüngster Zeit versucht die Regierungspolitik, den Interessen des Buddhismus auf Kosten anderer religiöser Minderheiten Vorrang einzuräumen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.4
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 13.8
Leben im Staat 13.4
Kirchliches Leben 13.1
Auftreten von Gewalt 14.8

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Myanmars derzeitige Gesetze machen es dem Einzelnen schwer, seinen Glauben zu wechseln. Das Gesetz zur religiösen Bekehrung (Teil des „Gesetzes zum Schutz von Rasse und Religion“) verlangt, dass die Bürger, die ihre Religion wechseln wollen, die Genehmigung eines neu eingerichteten Registrierungsgremiums für Glaubenswechsel brauchen. Dazu müssen sie sich einer Befragung unterziehen und sind eine Zeit lang zum Betreiben religiöser Studien verpflichtet. Während dieser Zeit wird ihr Antrag öffentlich ausgehängt, um sie unter starken Druck des sozialen Umfelds zu setzen, ihren Antrag zurückzuziehen. Aus diesem Grund erfolgt der Glaubenswechsel in der Regel im Geheimen. Konvertiten sind auch dem Druck ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft ausgesetzt; sie werden nicht selten verleugnet und aus dem Haus der Familie vertrieben.

Familienleben

Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte „Na-Ta-La“-Schulen – das sind Schulen in den Grenzgebieten Myanmars zur Förderung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen. Diese Schulen sind für die Minderheiten attraktiv, da es Internate sind, die keine Gebühren erheben; dabei werden diese Schulen genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem sie Jugendliche aus diesen Minderheiten in die Drogenabhängigkeit führen. Diese Praxis betrifft auch die Christen im Kachin-Staat.

Gesellschaftliches Leben

Die Christen in Myanmar werden vom sozialen Umfeld stark unter Druck gesetzt. Sie sind in der Regel wirtschaftlich, sozial und politisch ausgegrenzt, was zu Armut und Schikanen führt und sie kriminellen Machenschaften ausliefert. Christen, insbesondere diejenigen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden von kommunalen und staatlichen Behörden überwacht und unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Sie sind von kommunalen Entscheidungen und gemeinschaftlich genutzten Ressourcen ausgeschlossen.; die Verweigerung von Baumaterialien und des Zugangs zu Trinkwasser kann Christen gefährlichen Situationen aussetzen.

Angesichts des sich ausbreitenden Bürgerkrieges und der schnell wachsenden Zahl von Binnenvertriebenen und Vertriebenenlagern ist eine medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe für Christen entweder nicht möglich, nicht erlaubt oder wird nur in minimalen Mengen geleistet. Die internationale Beobachtung (und manchmal sogar der Zugang zu den Lagern) wird ebenso blockiert wie die Verteilung von Covid-19-Hilfsgütern.

Leben im Staat

Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt: „Die Union erkennt an, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“. In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des Christentums, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Die frühere Regierung versuchte, die Unterstützung der Buddhisten zu gewinnen, indem sie den Übertritt zu anderen Religionen kontrollierte, interreligiöse Ehen verbot und Geburtenkontrollen einführte. Für den Glaubenswechsel muss eine offizielle Genehmigung eingeholt werden.

Christen werden normalerweise nur dann von Unternehmen eingestellt, wenn keine Buddhisten zur Verfügung stehen, und sie werden regelmäßig bei Beförderungen übergangen.

Im sich entwickelnden Bürgerkrieg werden christliche Helfer und Pastoren zunehmend beschuldigt, Anführer der CDM oder sogar der PDF zu sein. Sie stehen in der Gefahr, von der Armee angegriffen zu werden.

Kirchliches Leben

Jeder Dissens wird hart angegangen, insbesondere jede Kritik an der Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten. Sich zu beschweren, ist aussichtslos; und seine Meinung zur Armee zu äußern, birgt noch größere Risiken. Nach dem Militärputsch ist die Armee praktisch in jegliche Aktivitäten involviert. In einem Klima, in dem christliche Leiter beschuldigt werden, sich dem Widerstand angeschlossen zu haben oder ihn sogar anzuführen (sei es bei der CDM oder der PDF), ist es nicht nur riskant, sondern auch nutzlos, seine Stimme zu erheben. Das Gleiche gilt, wenn es um Aktionen buddhistisch-extremistischer Gruppen geht – eine Tatsache, die aufgrund der veränderten Situation in Myanmar durch andere Herausforderungen in den Hintergrund gedrängt wurde.

Da die Kirchen im Verdacht stehen, Zentren der Opposition zu sein, werden ihre Aktivitäten vom jeweils lokalen Umfeld, den Behörden und insbesondere dem Militär überwacht. In einer zunehmenden Zahl von Fällen führte diese Überwachung zu Angriffen auf Kirchengebäude und Gemeindemitarbeiter sowie Pastoren, sogar bis hin zu Mord.

Auch buddhistische Mönche, die mit Ma Ba Tha verbunden sind, überwachen christliche Aktivitäten. Für Konvertiten buddhistischer Herkunft wirkt sich diese Art des Drucks noch gravierender aus. Denn ihre Entdeckung kann schwerwiegendere Folgen für sie haben – nicht nur vonseiten des sozialen Umfelds, sondern auch von der eigenen Familie.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Am 14. September 2021 wurde eine Baptistenkirche in dem Ort Thantlang im Chin-Staat von der myanmarischen Armee mit Artillerie beschossen. Als der Pastor dabei half, neunzehn von dem Beschuss in Brand gesetzte Häuser zu löschen, wurde er von Soldaten getötet; sie schnitten ihm außerdem den Finger ab, um seinen Ehering zu stehlen.
  • Viele katholische Priester und Seelsorger wurden von der Armee festgenommen, da sie in den Verdacht gerieten, den Oppositionskräften zu helfen, sie zu unterstützen oder sogar anzuführen.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

12

79,01

2021

18

74,07

2020

19

72,65

2019

18

71,42

2018

24

65,03

Der Anstieg der Punktzahl um 4,9 Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2022 ist hauptsächlich auf einen starken Anstieg der gemeldeten Gewalt zurückzuführen. Der Druck auf die Christen hat in allen Lebensbereichen weiter stetig zugenommen, er ist aber im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben stärker ausgeprägt. Bezüglich des gesellschaftlichen Lebens ist der Anstieg darauf zurückzuführen, dass von Diskriminierung beim Zugang zu Gesundheitsleistungen im Zusammenhang mit Covid-19 berichtet wurde; bezüglich des kirchlichen Lebens spiegelt die Zunahme des Drucks die Tatsache wider, dass die Armee die Kirchen vermehrt als Zentren des Widerstands versteht. Christliche Konvertiten sind nach wie vor starkem Druck ausgesetzt, vor allem vonseiten ihrer Familien und ihrem sozialen Umfeld.

Es ist anzumerken, dass es immer schwieriger wird, Berichte aus den vom Krieg zerrütteten Gebieten der christlichen Minderheiten zu erhalten – dies wird auch von anderen internationalen Organisationen bestätigt. Belege für diese Entwicklung sind die Verhaftung und Verurteilung von Reportern sowie die Internet- und Kommunikationssperren, zum Beispiel im Chin-Staat.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Berichten zufolge entführen extremistische Rohingya-Gruppen christliche Rohingya-Frauen, verheiraten sie zwangsweise mit muslimischen Männern und versuchen, sie zum Islam zu bekehren. Auch die Streitkräfte stellen eine Bedrohung für christliche Frauen dar, insbesondere für solche, die ethnischen Minderheiten angehören; sie sind den Streitkräften oft schutzlos ausgeliefert und werden womöglich von ihnen tätlich angegriffen oder vergewaltigt. Im überwiegend christlichen Kachin-Staat werden Frauen weiterhin als „Bräute“ nach China verschleppt, wo sie männliche Erben zeugen sollen. Außerdem sind Konvertitinnen von Hausarrest, Ausschluss aus dem Elternhaus, Scheidung und Verlust des Sorgerechts bedroht.

Männer: Wegen ihres Glaubens verlieren christliche Männer gegebenenfalls ihren Arbeitsplatz, werden aus ihrem Dorf oder ihrer Stadt vertrieben oder geraten in Zwangsarbeit. Besonders schwierig ist es für christliche Männer, als Teil der Streitkräfte ihren Glauben zu praktizieren oder, wenn sie von Milizen zwangsrekrutiert werden. Jungen von christlichen Eltern werden in den Na-Ta-La-Schulen zu buddhistischen Mönchen erzogen – so soll verhindert werden, dass sich der christliche Glaube in der nächsten Generation ausbreitet. Männliche Konvertiten werden bedroht, verspottet und körperlich geschlagen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Verfolgung der muslimischen Rohingya-Minderheit wird vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag diskutiert. Eine baldige Rückkehr aus Bangladesch scheint für sie unmöglich, insbesondere nach dem Putsch im Februar. Auch Muslime, die nicht zu den Rohingya gehören, werden in anderen Teilen des Landes verfolgt und diskriminiert.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Beten Sie für diejenigen, die den Buddhismus verlassen haben, um Jesus zu folgen, dass Gott sie stärkt, ermutigt und schützt.
  • Beten Sie um eine friedliche Lösung für den anhaltenden Bürgerkrieg.
  • Beten Sie für die Kirche in Myanmar, dass sie inmitten von Krieg und Chaos durch ihr Gebet und ihr Zeugnis Licht ist und so Menschen Hoffnung in Jesus finden. Beten Sie dafür, dass Jesus die Christen im Glauben stärkt.
  • Beten Sie um Schutz und neue Perspektiven für die zahlreichen Christen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten und jetzt in Lagern für Binnenflüchtlinge leben oder sich anderswo versteckt halten.