Weltverfolgungsindex 2026

Myanmar

Christenverfolgung in Myanmar

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Mit dem Jahr 2026 geht Myanmar in das sechste Jahr eines immer gewaltsameren Konfliktes. Nach dem Putsch der Armee im Februar 2021 gehen die Kämpfe in vielen Teilen des Landes weiter und haben sich sogar intensiviert. Dabei ist die christliche Minderheit unter denen, die die Hauptlast der Angriffe tragen. Selbst etablierte Kirchen, die zur Gruppe der traditionellen Kirchen und Gemeinden gehören, werden angegriffen – und zwar in Staaten Myanmars, in denen Christen die Mehrheit ausmachen, wie dem Chin-Staat und dem Kayah-Staat, und auch in Staaten mit einer starken christlichen Minderheit wie dem Kachin-, dem Karen- oder dem Shan-Staat. Mehr Christen als je zuvor wurden vertrieben und leben in Lagern für Binnenflüchtlinge, suchen Zuflucht in Kirchen oder fliehen sogar in den Dschungel, wo sie oft keinen Zugang zu Nahrung oder medizinischer Versorgung haben. Laut Angaben der UN wurden seit Beginn des Bürgerkrieges bis Ende 2024 schätzungsweise 3,5 Millionen Bürger Myanmars zu Binnenvertriebenen. Ein Erdbeben der Stärke 7,7 im März 2025 verschärfte die humanitäre Not; 3.745 Menschen kamen ums Leben, mehr als 500.000 waren von den Folgen des Bebens betroffen. Die Christen sind Teil der im Allgemeinen friedlichen Widerstandsbewegung, aber einige sind auch in die Kämpfe verwickelt.

Im Oktober 2023 wurde von drei mächtigen bewaffneten ethnischen Gruppen im nördlichen Shan-Staat die Offensive „Operation 1027“ gestartet. Sie drängte die Militärjunta in die Defensive und zwang sie, sich stärker auf das birmanische Kernland zu konzentrieren. Hinzu kamen mehr oder weniger erfolgreiche Offensiven anderer bewaffneter ethnischer Gruppen, die dazu führten, dass diese Gruppen etwa die Hälfte des Territoriums von Myanmar hielten. Aufgrund chinesischen Drucks gewinnt das Regime wieder mehr die Oberhand, ist aber immer noch weit davon entfernt, das Land vollständig zu kontrollieren.

Konvertiten zum christlichen Glauben werden zusätzlich von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld verfolgt, da die Abwendung vom Buddhismus bzw. dem Islam oder ihrer Stammesreligion als Verrat angesehen wird. Gemeinschaften, die darauf bedacht sind, „rein buddhistisch“ zu bleiben, machen christlichen Familien das Überleben unmöglich, indem sie ihnen beispielsweise die Nutzung der gemeinschaftlichen Wasserressourcen verbieten. Sowohl traditionelle als auch neuere kirchliche Gemeinschaften stoßen auf Widerstand, vor allem in den ländlichen Gebieten Myanmars und/oder wenn bekannt wird, dass sie das Evangelium weitergeben.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Nach der Unabhängigkeit Myanmars im Jahr 1948 versuchten verschiedene ethnische Gruppen, sich abzuspalten und unabhängige Staaten zu bilden. Das Militär wollte die Integrität des Staates aufrechterhalten sowie die Kontrolle durch die Ethnie der Bamar sichern und ergriff die Macht. Es folgten fünf Jahrzehnte der Militärherrschaft. Eine Reihe von Protesten unter der Führung von Aung San Suu Kyi erhöhte den öffentlichen Druck auf die Regierung. Dies mündete in die Wahlen im Jahr 2015, die Aung San Suu Kyi mit einem erdrutschartigen Sieg gewann. Bei den Wahlen im November 2020 gewann die Partei von Aung San Suu Kyi 82 Prozent aller verfügbaren Sitze. Weithin wurden diese Wahlen als frei und fair anerkannt, doch das Militär sprach von Wahlbetrug. Es inszenierte einen Putsch, durch den Suu Kyi im Februar 2021 gewaltsam abgesetzt wurde. Seitdem herrscht wieder das Militär, was zu erheblichen Unruhen, Gewalt und Vertreibung im ganzen Land geführt hat. Die Staaten und Gebiete Myanmars, in denen Christen eine signifikante Minderheit darstellen, sind besonders davon betroffen. Die meisten Christen gehören ethnischen Minderheiten des Landes an (wie den Chin, Karen, Lisu, Kachin, Nagah, Kayah und Lahu) und nicht der Ethnie der Bamar, die in Myanmar die Bevölkerungsmehrheit ausmacht.

Das Leben für Christen war schon vor dem Putsch hart. So wurden beispielsweise im August 2015 die „Gesetze zum Schutz von Ethnie und Religion“ verabschiedet. Diese zielten darauf ab, die buddhistische Identität und die ethnische Mehrheitsgruppe der Bamar zu schützen, indem sie den Glaubenswechsel, die interreligiöse Heirat, die Bevölkerungskontrolle und die Monogamie regelten. Sie wurden landesweit von nationalistischen buddhistischen Gruppen wie der „Patriotic Association of Myanmar“ („Patriotische Gesellschaft Myanmar“, Ma Ba Tha) gefeiert. Diese Gesetze richten sich zwar in erster Linie gegen die muslimische Minderheit im Bundesstaat Rakhine, doch sind auch Christen betroffen, da Glaubenswechsel ein Verwaltungsverfahren durchlaufen müssen, das auch die Meldung an verschiedene Behörden umfasst. Ma Ba Tha wurde mehrmals verboten, taucht aber immer wieder unter verschiedenen anderen Namen erneut auf.

Extremistische buddhistische Gruppen nehmen eher Muslime als Christen ins Visier, was zur Vertreibung des größtenteils muslimischen Volkes der Rohingya nach Bangladesch geführt hat. Im März 2022 erklärte die US-Regierung die Gräueltaten an den Rohingya als Völkermord, und der Weltgerichtshof hat bestätigt, dass er in dem Fall, in dem Myanmar wegen Völkermordes angeklagt wird, zuständig ist. Konvertiten zum christlichen Glauben, z. B. solche mit buddhistischem Hintergrund, werden weiterhin von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld verfolgt. Die Ma Ba Tha und die nationalistische Miliz „Pyu Saw Htee“ sind maßgeblich und aktiv an der Überwachung der Aktivitäten von Christen beteiligt, einschließlich derer mit buddhistischem Hintergrund.

Christen erfahren Druck und Gewalt vonseiten der Armee. Es wird von Morden an Christen berichtet. Die Vereinten Nationen haben festgestellt, dass sich die Opiumproduktion in Myanmar seit dem Militärputsch vom Februar 2021 fast verdoppelt hat; dieses lukrative organisierte Verbrechen und die gesetzlosen Zonen sind laut einem Bericht des United States Institute of Peace der US-amerikanischen Regierung Brennpunkte für den Menschenhandel. Diese Zonen befinden sich hauptsächlich in den abgelegenen und grenznahen Regionen Myanmars, in denen viele christliche Minderheiten leben. China hat Maßnahmen wie Razzien gegen gesetzlose Zonen erzwungen, da chinesische Staatsbürger zu den Hauptzielen des organisierten Verbrechens dort gehören.

Protestanten machen etwa zwei Drittel aller Christen aus. Die Myanmar Baptist Convention schätzt ihre Mitgliederzahl auf etwa 1,8 Millionen Christen, von denen viele zum Volk der Karen, Kachin und Chin gehören. Die Zahl der Katholiken wird auf bis zu eine Million geschätzt. Es gibt jedoch keinen starken überkonfessionellen Verband unter den Christen; in kontroversen Fragen und in Bezug auf die (Verfolgungs-)Situation im Land sind ihre Reaktionen nicht einheitlich.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

4.632.000

8,4

Muslime

2.123.000

3,8

Hindus

963.000

1,7

Buddhisten

41.143.000

74,3

Anhänger ethnischer Religionen

5.119.000

9,3

Juden

34

< 0,1

Bahai

96.500

0,2

Atheisten

21.900

< 0,1

Agnostiker

251.000

0,5

Andere

988.040

1,8

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2026 haben sich die Kämpfe in Myanmar noch einmal verschärft. Unter den davon betroffenen Zivilisten waren viele Christen. Die Tatmadaw (Streitkräfte Myanmars) greifen wahllos christliche Dörfer und Kirchengebäude an, in denen manchmal Lager für Flüchtlinge oder Binnenvertriebene untergebracht sind, und töten Christen. So kam es im aktuellen Berichtszeitraum im Staat Chin (85-92 Prozent christlich) weiterhin zu Luftoffensiven und Angriffen auf Kirchen. Im Staat Shan gab es 300 Prozent mehr Gefechte zwischen den Kriegsparteien als im Vorjahr. Die Kämpfe im Staat Rakhaing breiteten sich von dort auch in die Stadt Paletwa im benachbarten Chin-Staat aus. Im Staat Kachin (zu einem Drittel christlich) kam es zu schweren Gefechten zwischen den Tatmadaw und der „Kachin Independence Army“ („Unabhängige Armee Kachin“, KIA), wodurch Teile der Bevölkerung in die Flucht getrieben wurden. In der Region Sagaing wurden christliche Siedlungen in Shwebo und Ye U angegriffen; zusätzlich war die Region von dem schweren Erdbeben im März 2025 betroffen. In mehreren der vom Konflikt betroffenen Regionen sind Christen also einem steigenden Maß an Gewalt, Vertreibung und gezielten Angriffen ausgesetzt. Viele von ihnen leben in Vertriebenenlagern. Die meisten befinden sich schon seit Jahren dort. Der Zugang für humanitäre Hilfe ist blockiert. Die gesetzlosen Zonen an der Grenze zu Laos und Thailand, in denen das organisierte Verbrechen blüht, befinden sich in Minderheitengebieten, in denen auch viele Christen leben.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus, gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Etwa 60 Prozent der Bevölkerung Myanmars sind Birmanen (Bamar). Bamar zu sein, wird damit gleichgesetzt, buddhistisch zu sein. Wer eine andere Religion hat, wird als fremd und als Bedrohung für den Staat und die nationale Einheit angesehen. Die Regierungspolitik unterstützt sogar extremistische Buddhisten wie die Ma Ba Tha. Ein Experte für das Land berichtet, dass das Militärregime Ma-Ba-Tha-Mitglieder in der lokalen Verwaltung einsetzt.

Diktatorische Paranoia

Myanmar hat eine lange Geschichte der Herrschaft durch die Armee. Während man weder die 2015 noch die 2020 gewählte Regierung als paranoid bezeichnen kann, ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen die Armee fast die gesamte Macht innehat, wie der Militärputsch vom Februar 2021 verdeutlicht. Ein Viertel der Parlamentssitze ist für Militärpersonal reserviert, und die Armee hat die wichtigsten Regierungsämter inne. Dies war auch während der kurzen demokratischen Phase der Fall. Ein Experte für das Land erklärt: „Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem ‚Recht auf Herrschaft‘ einer birmanischen Regierung (vergleichbar mit dem chinesischen ‚Mandat des Himmels‘) und ihrer Fähigkeit, eine buddhistische Ökumene zu schaffen, zu erhalten und zu erweitern. Daher ist es für die derzeitige Junta von entscheidender Bedeutung, gegen die ethnischen Minderheiten zu gewinnen, um den Buddhismus auf die Gebiete auszudehnen beziehungsweise dort durchzusetzen, die traditionell NIE den Birmanen gehörten oder von ihnen regiert wurden.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Viele der wertvollsten natürlichen Ressourcen Myanmars wie Jade, Erze und Holz finden sich in Staaten mit einem hohen christlichen Bevölkerungsanteil. Außerdem ist Myanmar Teil des sogenannten „Goldenen Dreiecks“, einer der Regionen Asiens mit der größten Opiumproduktion. Um die Einnahmen aus diesen lukrativen Geschäften konkurrieren häufig das Militär und aufständische Gruppen. Diejenigen, die sich der Korruption widersetzen, wie zum Beispiel Christen, riskieren Gewalt sowohl vonseiten der Aufständischen als auch durch das Militär selbst. Die gesetzlosen Zonen, die in Staaten ethnischer Minderheiten wie dem Shan-Staat und anderen an Laos und Thailand angrenzenden Staaten entstehen, sind ein weiteres Beispiel dafür, wie der Bürgerkrieg dem organisierten Verbrechen zugute kommt.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Traditionelle Kirchen sind seit Jahrzehnten dem Druck und der Gewalt der Tatmadaw ausgesetzt, die aktiv christliche Leiter und Gebäude ins Visier nehmen. Häufig geraten Christen in den Sog der Konflikte zwischen Militär und extremistischen Aufständischen, wie der KIA, die den Kampf der Opposition unterstützt. Da es sich bei diesen Konflikten in der Regel um Separatismuskonflikte handelt, ist die Atmosphäre vielfach von einem Gefühl des Nationalismus beherrscht – Christen, die als „fremd“ angesehen werden, gehören so zu den ersten möglichen Opfern von Angriffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten zum christlichen Glauben haben meist einen buddhistischen oder muslimischen Hintergrund. Sie sehen sich extremen Verletzungen ihrer Rechte durch Behörden, Familien und das soziale Umfeld ausgesetzt. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Angehörige der Bamar-Ethnie nicht akzeptabel, und für bekannte Konvertiten ist es sehr wahrscheinlich, aus ihren Dörfern vertrieben zu werden. Extremistische buddhistische Gruppen wie Ma Ba Tha und Pyu Saw Htee sind maßgeblich und aktiv an der Überwachung der Aktivitäten von Christen beteiligt, einschließlich derer mit buddhistischem Hintergrund. Obwohl es sich bei den Rohingya um eine vorwiegend muslimische Volksgruppe handelt, gibt es unter ihnen auch christliche Konvertiten. Aufgrund des gewaltsamen Vorgehens des Militärs gegen die Rohingya waren viele gezwungen, nach Bangladesch zu fliehen. Die christlichen Rohingya werden sowohl wegen ihrer ethnischen als auch ihrer religiösen Zugehörigkeit verfolgt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Die Rechte vieler evangelikaler und pfingstkirchlicher Gemeinden werden vor allem in ländlichen Gebieten durch ihr soziales Umfeld verletzt. In der Vergangenheit waren Evangelisationsversuche sowie die Einfuhr von christlichem Material illegal. In jüngster Zeit versucht die Politik der Regierung, den Interessen des Buddhismus auf Kosten der religiösen Minderheiten Vorrang einzuräumen.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 12.7
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 13.2
Leben im Staat 14.3
Kirchliches Leben 13
Auftreten von Gewalt 16.3

Privatleben

Myanmars derzeitige Gesetze machen es Einzelnen schwer, ihren Glauben zu wechseln. Das Gesetz zum Religionswechsel (Teil des „Gesetzes zum Schutz von Ethnie und Religion“) verlangt von Bürgern, die ihre Religion wechseln wollen, die Genehmigung durch ein neu eingerichtetes Registrierungsgremium für Glaubenswechsel. Dazu müssen sie sich einer Befragung unterziehen und sind verpflichtet, eine Zeit lang religiöse Studien zu betreiben. Während dieser Zeit wird ihr Antrag öffentlich ausgehängt. So soll erreicht werden, dass sie unter dem starken Druck des sozialen Umfelds ihren Antrag wieder zurückziehen. Aus diesem Grund erfolgt der Glaubenswechsel in der Regel im Geheimen. Konvertiten sind auch dem Druck ihrer Familie und ihrer Gemeinschaft ausgesetzt; sie werden nicht selten verstoßen und aus dem Haus der Familie vertrieben.

Familienleben

Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte „Na-Ta-La“-Schulen – das sind Schulen in den Grenzgebieten Myanmars zur Förderung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen. Diese Schulen sind für Minderheiten attraktiv, da es Internate sind, die keine Gebühren erheben; dabei werden diese Schulen genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Sie sind vom Krieg betroffen, aber es ist nicht klar, in welchem Ausmaß. Gleichzeitig setzt das Militär seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem es Jugendliche aus diesen Minderheiten in die Drogenabhängigkeit führt. Diese Praxis betrifft auch die Christen im Kachin-Staat.

Gesellschaftliches Leben

Die Christen in Myanmar werden vom sozialen Umfeld stark unter Druck gesetzt. Sie werden oftmals wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch ausgegrenzt, was zu Armut und Schikanen führt und sie kriminellen Machenschaften ausliefert. Insbesondere die Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden von kommunalen und staatlichen Behörden überwacht und unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Sie werden von kommunalen Entscheidungen und gemeinschaftlich genutzten Ressourcen ausgeschlossen. Durch die Verweigerung von Baumaterialien und der Blockade des Zugangs zu Trinkwasser können Christen in unsichere oder gefährliche Situationen geraten.

Angesichts des sich ausbreitenden Bürgerkrieges und der schnell wachsenden Zahl von Binnenvertriebenen und Lagern für Binnenvertriebene ist eine medizinische Versorgung und humanitäre Hilfe für Christen entweder nicht möglich, nicht erlaubt oder wird nur in minimalen Mengen geleistet. Die internationale Beobachtung (und manchmal sogar der Zugang zu den Lagern) wird blockiert. Ein Experte für das Land schreibt: „Seit dem Militärputsch im Februar 2021 hat die Regierung Überwachungstechnologien wie Gesichtserkennung, das Abhören von Telefonen, Internetzensur und Überwachung sozialer Medien eingesetzt, um Christen zu verfolgen und zu identifizieren, insbesondere diejenigen, die an Protesten teilnehmen. Einige Christen werden vom Militär oder von bewaffneten Gruppen beschattet, belästigt oder bedroht, insbesondere in Konfliktgebieten mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung.“

Leben im Staat

Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt: „Die Union erkennt an, dass der Buddhismus eine besondere Stellung innehat als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird.“ In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Präsenz des Christentums, des Islam, des Hinduismus und des Animismus anerkannt. Diese „besondere Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Die frühere Regierung versuchte, die Unterstützung der Buddhisten zu gewinnen, indem sie den Übertritt zu anderen Religionen kontrollierte, interreligiöse Ehen verbot und Geburtenkontrollen einführte. Für den Glaubenswechsel muss (wie im Abschnitt „Privatleben“ beschrieben) eine offizielle Genehmigung eingeholt werden.

Christen werden normalerweise nur dann von Unternehmen eingestellt, wenn keine Buddhisten zur Verfügung stehen, und sie werden regelmäßig bei Beförderungen übergangen.

Im Bürgerkrieg werden christliche Entwicklungshelfer und Pastoren zunehmend beschuldigt, Anführer von Widerstandsgruppen zu sein. Sie stehen in der Gefahr, von der Armee angegriffen zu werden. Ein Experte für das Land erklärt: „Christen dürfen nicht gegen die ‚Kultur und Religion‘ des Landes predigen. Dies lässt einen unglaublich weiten Interpretationsspielraum zu, so dass ein Christ aus sehr fadenscheinigen Gründen von buddhistischen Geschäftsleuten oder Politikern verfolgt werden kann.“

Kirchliches Leben

Jeder Widerspruch wird vom Militär hart angegangen, insbesondere jede Kritik an der Situation der ethnischen und religiösen Minderheiten. Christliche Leiter werden häufig beschuldigt, sich dem Widerstand anzuschließen oder ihn sogar anzuführen. Trotzdem gibt es weiterhin mutige Christen, die ihre Stimme erheben. So berichtete die „Union of Catholic Asian News“ (UCA News) im Januar 2022 von Schwester Ann Rose Nu Tawng, die mehrmals verhaftet wurde, nachdem sie friedlich gegen die Militärjunta protestiert hatte.

Da die Kirchen im Verdacht stehen, Zentren der Opposition zu sein, werden ihre Aktivitäten vom jeweiligen lokalen Umfeld, den Behörden und insbesondere dem Militär überwacht. In einer zunehmenden Zahl von Fällen führte diese Überwachung zu Angriffen auf Kirchengebäude und Gemeindemitarbeiter sowie Pastoren, sogar bis hin zu Mord.

Auch buddhistische Mönche, die mit der extremistisch-buddhistischen Gruppierung Ma Ba Tha verbunden sind, überwachen christliche Aktivitäten. Für christliche Konvertiten ist diese Art des Drucks noch schwerwiegender. Denn ihre Entdeckung kann sehr ernsthafte Folgen für sie haben – nicht nur vonseiten des sozialen Umfelds und der Behörden, sondern auch von der eigenen Familie.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

14. Februar 2025: Zehn bewaffnete Männer stürmten eine Pfarrgemeinde in Kangyi Taw und verlangten von Pfarrer Donald Martin (44), vor ihnen auf die Knie zu gehen. Als er erwiderte, dass er dies nur Gott gegenüber tun würde, wurde er getötet. Seine Beisetzung fand am 16. Februar statt.

14. August 2025: In der Region Sagaing wurden 40 christliche Jugendliche auf ihrem Weg zur Kirche vom Militär gefangen genommen. Bisher ist unklar, wohin sie gebracht wurden.

Oktober 2024 bis August 2025: Fünf Pastoren wurden festgenommen, weil sie angeblich den bewaffneten Kampf gegen das Militär unterstützten. Christen stehen häufig unter dem Generalverdacht, gegen das Militärregime zu sein und sich für die Demokratiebewegung und den Kampf gegen das Militär einzusetzen.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

14

81

2025

13

81

2024

17

79

2023

14

80

2022

12

79

Die Gesamtpunktzahl ist gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben, auch wenn die Wertung für Gewalt minimal gesunken ist (von 16,5 auf 16,3 Punkte). Zwar wurden mehr Christen als im Vorjahr getötet oder festgenommen, aber es wurden etwas weniger Kirchen angegriffen oder Christen zu Haftstrafen verurteilt. Im Gegensatz zur Wertung für Gewalt ist der Druck in den Lebensbereichen (mit Ausnahme des gesellschaftlichen Lebens) leicht gestiegen. In mehrheitlich christlichen Staaten wie Chin, Kachin und Kayah, aber auch in Staaten mit einer vergleichsweise großen christlichen Minderheit (Karen, Rakhaing, der nördliche Teil von Shan) wurden Kirchen angegriffen. Die Kämpfe haben sich intensiviert, da das Militär versuchte, Gebiete zurückzuerobern und so den für Dezember 2025 geplanten Wahlen einen Anstrich von Legitimität zu geben. (Die Wahlen wurden von einem Großteil der Bevölkerung und vielen internationalen Beobachtern als unzulässig zurückgewiesen.) Tausende Christen wurden aufgrund der Kämpfe zu Binnenvertriebenen. Für Konvertiten aus dem Buddhismus, Islam oder von einer Stammesreligion kommt hinzu, dass sie von ihrem sozialen Umfeld und ihren Familien verfolgt werden.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Der Militärputsch vom Februar 2021 hat die Gefahr für Christinnen verstärkt, denn die Armee verübt geschlechtsspezifische und sexuelle Gewalt gegen Frauen aus ethnischen Minderheiten. Kulturbedingte Stigmatisierung führt dazu, dass Opfer sexueller Gewalt die Vorfälle nicht öffentlich machen und dadurch schutzlos bleiben. Viele vertriebene Frauen und Jugendliche sind von Sklaverei, Menschenhandel und Missbrauch bedroht. Christinnen unter den Rohingya werden auch weiterhin von extremistischen Gruppen ins Visier genommen, die Berichten zufolge Frauen entführen und sie zwingen, muslimische Männer zu heiraten. Im überwiegend von Christen bewohnten Kachin-Staat werden Frauen weiterhin als „Bräute“ nach China verschleppt, wo sie männliche Erben zeugen sollen. Konvertitinnen sind außerdem von Hausarrest, Zwangsheirat, Vertreibung aus dem Elternhaus und Scheidung bedroht.

Männer

Wegen ihres Glaubens können christliche Männer ihren Arbeitsplatz verlieren, aus ihrem Dorf oder ihrer Stadt vertrieben werden oder in Zwangsarbeit geraten. Besonders schwierig ist es für christliche Männer, als Teil der Streitkräfte ihren Glauben zu praktizieren oder wenn sie von Milizen wie der KIA zwangsrekrutiert werden. Söhne christlicher Eltern werden in den Na-Ta-La-Schulen zu buddhistischen Mönchen erzogen – so soll verhindert werden, dass sich der christliche Glaube in der nächsten Generation ausbreitet. Männliche Konvertiten werden zudem bedroht, verspottet und körperlich misshandelt. In der gegenwärtigen Bürgerkriegssituation laufen christliche Männer – insbesondere Jugendliche – Gefahr, automatisch als Mitglieder der Opposition und/oder der zahlreichen Milizen gegen die Junta angesehen zu werden. Die Wehrpflicht stellt auch eine Bedrohung für die Sicherheit der Männer und ihrer Existenz dar. Im Jahr 2024 führte das Militärregime eine Wehrpflicht ein; junge Männer und Frauen müssen dienen. Für christliche Männer verstärkt sich dadurch die Gefahr der Zwangsrekrutierung, so werden sie in Konfliktgebieten manchmal aIs lokale Guides eingesetzt. In den vergangenen Monaten tauchten zahlreiche Berichte auf, dass selbst Kinder zwangseingezogen werden. Manche Milizen aus ethnischen Gruppen haben ebenfalls Formen der Zwangsrekrutierung eingeführt, verlangen beispielsweise ein männliches Mitglied pro Haushalt. Bereits vulnerable Bevölkerungsgruppen wie Christen werden dadurch zusätzlich bedroht und in die Flucht getrieben.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Verfolgung der mehrheitlich muslimischen Rohingya-Minderheit wird vor dem Weltgerichtshof in Den Haag verhandelt, doch das gesamte Gerichtsverfahren verläuft schleppend, und die Verfolgung geht unterdessen weiter. Menschen aus dem Volk der Rohingya werden weiterhin getötet, zum Militärdienst rekrutiert oder zwangsweise rückgeführt. Die internationalen Haftbefehle gegen myanmarische Beamte, darunter auch gegen De-facto-Machthaber General Min Aung Hlaing, die 2024 und 2025 ausgestellt wurden, tun dem keinen Abbruch. Mehr als 1 Million Rohingya leben als Geflüchtete in Bangladesch unter immer schwierigeren Bedingungen. Eine Rückkehr nach Myanmar ist unwahrscheinlich, solange die Unsicherheit und der Konflikt andauern.

Auch Muslime, die nicht zu den Rohingya gehören, werden in anderen Teilen des Landes verfolgt und diskriminiert, zum Beispiel in staatlichen Stellen oder beim Militär. Manchmal weigern sich Menschen, Eigentum an Muslime zu verkaufen. Der Bau von Moscheen ist verboten. Es kommt auch zu Vorfällen, bei denen sich Hindus durch die buddhistische Vorherrschaft eingeschränkt und unter Druck gesetzt fühlen, allerdings in weitaus geringerem Maße als andere religiöse Minderheiten.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Beten Sie für diejenigen, die den Buddhismus verlassen haben, um Jesus nachzufolgen, dass Jesus sie stärkt, ermutigt und schützt. Beten Sie für Pastoren und Leiter, die diese jungen Christen im Glauben unterweisen.
  • Beten Sie um eine schnelle, friedliche Lösung für den anhaltenden Bürgerkrieg.
  • Beten Sie für die Kirche in Myanmar, dass sie inmitten von Krieg und Chaos durch ihr Gebet, ihre Taten und Worte auf Jesus Christus hinweisen kann und so Menschen Hoffnung in ihm finden. Beten Sie dafür, dass Jesus die Christen im Glauben stärkt.
  • Beten Sie um Schutz und neue Perspektiven für die zahlreichen Christen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen mussten und jetzt in Lagern für Binnenflüchtlinge leben oder sich anderswo versteckt halten.

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