Länderprofil Myanmar

Myanmar

18
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Myanmar
Hauptreligion
Buddhismus
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
24
ISO
MM
Karte Myanmar
Christen
4,34
Bevölkerung
53.86
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Privatleben: 11.400
Familienleben: 11.800
Gesellschaftliches Leben: 13.300
Leben im Staat: 12.100
Kirchliches Leben: 11.800
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil Myanmar

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 18 / 71 Punkte (WVI 2018: Platz 24 / 65 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Religiös motivierter Nationalismus: Extremistische Buddhisten werden von der Regierung zumeist toleriert, auch wenn die Gruppierung Ma Ba Tha im Mai 2017 und 2018 erneut verboten wurde. Jeder, der sich vom buddhistischen Erbe des Landes abwendet, wird als Außenseiter und potenzielle Bedrohung betrachtet.

Diktatorische Paranoia: Die Armee ist sehr mächtig und hat ihren Kampf gegen aufständische Gruppen sowie ethnische Minderheiten, zu denen Christen gehören, intensiviert.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Buddhistische Leiter (Mönche) bringen die Dorfgemeinschaften in mehrheitlich buddhistischen Gemeinschaften dazu, Christen zu verfolgen. Die extremistische buddhistische Bewegung Ma Ba Tha versucht weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Das jüngste Verbot der Ma Ba Tha ändert daran nichts, da die Gruppe andere Wege findet, ihren Einfluss geltend zu machen. Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder in animistischem Stammesdenken verankert sind, verfolgen aktiv Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat gesehen wird. Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Diese Christen leiden zudem unter dem brutalen und fast vergessenen langjährigen Krieg, den die burmesische Armee im Norden des Landes gegen aufständische Gruppen führt. Im aktuellen Berichtszeitraum kam mit dem gewalttätigen Vorgehen gegen Christen durch die kommunistische United Wa State Army, der größten aufständischen Gruppe, ein weiterer Verfolger hinzu.

Wie äußert sich die Verfolgung?

In überwiegend von Christen bewohnten Staaten wie Kachin, Karen oder im Norden des Shan-Staates werden selbst etablierte, traditionelle Kirchen angegriffen. Mehr als 100.000 Christen leben in Flüchtlingslagern im Land und haben keinen Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung. Die Kämpfe weiteten sich 2018 noch aus, sodass weitere tausende Menschen in die Lager kamen. In einigen Fällen drangen buddhistische Mönche in Grundstücke von Kirchen ein und bauten buddhistische Schreine auf dem Anwesen der Kirche. Christliche Konvertiten erfahren Verfolgung von ihrer buddhistischen, muslimischen oder in traditionellen Stammesreligionen verwurzelten Familie und Gemeinschaft, weil sie ihren Glauben verlassen und sich damit vermeintlich selbst aus dem gemeinschaftlichen Leben ausgeschlossen haben. Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen, machen das Leben für christliche Familien unmöglich, indem sie ihnen nicht erlauben, die Wasserquellen der Gemeinschaft zu nutzen. Protestantische Freikirchen erleben ebenfalls Gegenwind, besonders, wenn sie sich in ländlichen Gebieten befinden und/oder dafür bekannt sind, das Evangelium aktiv zu verbreiten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im September 2018 befahl die kommunistische Rebellengruppe United Wa State Army (UWSA), die Teile des östlichen Shan-Staates kontrolliert, die Schließung aller Kirchen, die nach 1992 gebaut wurden. Zudem verhaftete sie mehr als 100 Pastoren, Gemeindeleiter und Bibelschüler.
  • Laut einem Bericht vom Juli 2018 zerstörte die burmesische Armee mehr als 60 Kirchen innerhalb von 18 Monaten. Unter ihnen waren katholische und protestantische Kirchen und sogar von ihnen geführte Schulen.
  • Am 31. Januar 2018 verschwanden zwei Christen in dem Ort Mansi im Kachin-Staat. Zuletzt wurden sie in Gewahrsam der Armee gesehen. Ihre Leichen wurden im März gefunden – es kann als sicher angenommen werden, dass sie von der Armee gefoltert und getötet wurden, selbst wenn die Menschenrechtskommission des Landes zu dem Schluss kam, dass sie Aufständische waren. Angriffe der Armee gegen Christen in Kachin oder Shan sind alltäglich.
  • In den meisten Schulen sind alle Schüler dazu verpflichtet, vor dem Unterricht buddhistische Lehren oder Gebete aufzusagen, auch wenn sie keine Buddhisten sind.
  • Christliche Konvertiten werden auf verschiedene Arten und Weisen diskriminiert. In einem Fall, der Open Doors 2017 berichtet wurde, verweigerte ein Lehrer einer christlichen Schülerin eine Liste mit Fragen, die er den anderen Schülern ausgehändigt hatte, um sich auf eine Klassenarbeit vorzubereiten. In einem anderen Fall verteilte eine Familie das verdiente Geld von dem Verkauf eines Grundstücks an alle Geschwister bis auf denjenigen, der Christ geworden war.

Meldungen und Beiträge zu Myanmar

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Die paramilitärische Organisation United Wa State Army hat in den vergangenen Wochen Pastoren gefangen genommen, Bibelschüler dazu gezwungen, in die Dienste der Armee zu treten, Kirchen geschlossen und Priester verhört und vertrieben.
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Warum werden Christen in manchen buddhistischen Ländern verfolgt? Gilt der Buddhismus nicht als...

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Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Myanmar erreicht auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019 71 Punkte – 6 Punkte mehr als im vergangenen Jahr – und steigt damit auf Platz 18. Während der Druck auf Christen im Allgemeinen weiter gestiegen ist und christliche Konvertiten mit buddhistischem, muslimischem oder Stammeshintergrund weiterhin starken Druck vonseiten ihrer Familie und ihres Umfelds erleben, hat sich die Situation in der Wa-Region schnell und unerwartet stark verschlechtert, sodass der Wert für „Gewalt“ um über drei Punkte gestiegen ist. Der Wert im Bereich „Kirchliches Leben“ ist um fast einen Punkt gestiegen. Es muss zudem bedacht werden, wie schwierig es ist, Berichte aus den vom Krieg zerrissenen Gebieten der christlichen Minderheit zu erhalten, wie auch andere internationale Organisationen bestätigen und sich durch die Verhaftungen und Verurteilungen von Journalisten zeigt (siehe Abschnitt „Hintergrund“).

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Der Buddhismus ist eng mit der nationalen Identität Myanmars verknüpft, und es gibt buddhistische Gemeinschaften, die rein buddhistisch bleiben wollen. Diese Haltung wird üblicherweise von extremistischen Buddhisten betont und von der Regierung toleriert – und in gewissem Maß sogar unterstützt. Die Bevölkerungsmehrheit in Myanmar (ca. 60 %) ist ethnisch gesehen birmanisch, auch „bama“ genannt. Bama zu sein, heißt buddhistisch zu sein. Jeder, der von diesem Erbe abweicht, wird als Außenseiter der Gemeinschaft und potentiell gefährlich eingestuft. Druck auf Christen kommt von zwei Seiten: Zum einen von der Gesellschaft, einschließlich der vormals als „969“, jetzt als „Ma Ba Tha“, bezeichneten Bewegung extremistischer buddhistischer Mönche. Das Verbot der Bewegung vom Mai 2017 hatte ebenso wenig Einfluss auf die Realität wie das zweite Verbot aus dem Jahr 2018 (siehe dazu auch Abschnitt „Hintergrund“). Zum anderen von der Regierung, die versucht, Friedensabkommen mit einer Vielzahl von ethnischen Gruppen abzuschließen, von denen viele auch Christen sind. Die Einführung der „Gesetze zum Schutz von Rasse und Religion“ sind ein Zeichen für den weiterhin starken Einfluss extremistisch-buddhistischer Gruppierungen (siehe Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt“). Das jüngste Aufkommen der „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA) und ihre gewalttätigen Angriffe im August 2017 sowie die internationalen Reaktionen auf die Vertreibung der Rohingya werden den „Religiös motivierten Nationalismus“ weiter anheizen (siehe auch Abschnitt „Hintergrund“).

Diktatorische Paranoia

Myanmar blickt auf eine lange Geschichte von Militärregierungen zurück. Während die 2015 gewählte Regierung nicht als paranoid bezeichnet werden kann, ist Myanmar eines der wenigen Länder, in denen nicht die Regierung „Diktatorische Paranoia“ ausübt, sondern das Militär fast diktatorische Macht hat. Gemäß der Verfassung des Landes, die von der „Tatmadaw“, der burmesischen Armee, 2008 geschrieben wurde, werden ein Viertel der Sitze im Parlament von Armeeangehörigen besetzt. Zudem besetzt die Armee die wichtigsten Regierungsstellen, einschließlich des Verteidigungsministeriums, des Innenministeriums und des Ministeriums für Grenzangelegenheiten. Trotz aller Hoffnungen auf Demokratie hat die Armee ihren Kampf gegen aufständische Gruppen und ethnische Minderheiten, zu denen auch Christen gehören, intensiviert. Die Tatsache, dass der Krieg trotz aller Tagungen der Friedenskonferenz nicht nur weitergegangen ist, sondern sich 2018 sogar verschlimmert hat, zeigt, wo die wahre Macht in Myanmar liegt.

Das Militär wird alles tun, um die Macht zu behalten, und sich dabei – falls notwendig – auch auf den buddhistischen Nationalismus oder das ethnische Erbe berufen. Die Regierung unterhält weiterhin sogenannte Na-Ta-La-Schulen (Schulen in Grenzgebieten zur Entwicklung Jugendlicher aus einheimischen Volksgruppen), die für Minderheiten der Bevölkerung attraktiv sind, da sie keine Gebühren erheben. Diese Schulen werden genutzt, um junge Menschen zu beeinflussen und sie in den Buddhismus einzuführen. Das Militär setzt seine Taktik der Schwächung aufständischer ethnischer Minderheiten fort, indem Jugendliche aus diesen Minderheiten drogenabhängig gemacht werden. Diese Praxis betrifft auch die Christen in Kachin. Weite Teile der Region Kachin gehören zu einem der zwei größten Anbaugebiete für Opium in Asien (zusammen mit Regionen in Vietnam, Laos und Thailand). Teile des Landes sind weitgehend in der Hand der Tatmadaw. Da viele Rohstoffe wie Erz, Jade und Edelholz in den hauptsächlich von Christen bewohnten Territorien wie im Shan-Staat oder bei den Chin und Kachin vorkommen, erleben die Christen dort einen großen Druck vonseiten des Militärs – nicht nur aus ökonomischen Interessen. Sie werden schikaniert, attackiert und als Träger missbraucht. Unternehmen werden oftmals vom Militär oder von hochrangigen Politikern geleitet; die Vetternwirtschaft boomt. Es gibt kein Interesse daran, die Reichtümer des Landes mit der Bevölkerung zu teilen. Der gerade begonnene Aufstand der muslimischen Minderheit und die Rohingya-Krise haben das Militär noch kühner werden lassen.

Kommunistische Unterdrückung

Im Berichtszeitraum ging die größte Rebellengruppe des Landes, die kommunistische „United Wa State Army" (UWSA) gewaltsam gegen Christen vor. Die Gruppe, die mutmaßlich von China unterstützt wird, nahm christliche Gruppen ins Visier, die sie als „missionarisch“ einstufte. Dies waren zumeist Baptisten wie die Lahu Baptist Convention oder die Kachin Baptist Convention. Diese Bekämpfung durch eine kommunistische Gruppe ähnelt dem harten Durchgreifen der chinesischen Behörden, die derzeit gegen den christlichen Glauben in China vorgehen. Da die Behörden Myanmars in der de-facto semi-autonomen Wa-Region mit etwa 450.000 Einwohnern im Shan-Staat keine Macht ausüben, fällt diese Art der Verfolgung nicht unter „Religiös motivierten Nationalismus“.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: In einigen der Staaten, in denen die meisten Christen leben, wie Kachin oder dem Shan-Staat, gibt es auch die wertvollsten Rohstoffe Myanmars, wie etwa Jade und Edelholz. Zudem ist diese Region Teil des bekannten „Goldenen Dreiecks“, eines der weltweit größten Anbaugebiete für Opium. Regierungsbeamte, die Armee und Rebellengruppen werden beschuldigt, von Drogenproduktion und -handel zu profitieren. Jeder, der dagegen vorgeht oder den Händlern, Ausbeutern und Dealern im Weg steht, ist in ernsthafter Gefahr. Dies gilt auch für die Christen in diesen Regionen.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

Buddhistische Mönche wiegeln die Dorfgemeinschaften in mehrheitlich buddhistischen Gemeinschaften auf, Christen zu verfolgen. Die extremistische buddhistische Bewegung Ma Ba Tha versucht weiterhin, den Buddhismus als nationale Religion Myanmars zu „schützen“. Dieses Ziel ist zudem mit dem Schutz der ethnischen „burmesischen Rasse“ verknüpft. Die beiden Verbote der Ma Ba Tha ändern nichts, da die Gruppe andere Wege findet, ihren Einfluss geltend zu machen. Familien, die stark im Buddhismus, Islam oder im animistischen Stammesdenken verankert sind, verfolgen aktiv Familienmitglieder, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, da eine Abkehr von der traditionellen Religion als Verrat gesehen wird. Lokale Regierungsbeamte sind oftmals parteiisch und auf der Seite buddhistischer Geistlicher, besonders in ländlichen Gebieten. Minderheiten wie Christen, die häufig sowohl zu einer religiösen als auch ethnischen Minderheit gehören, werden so benachteiligt und haben keine Möglichkeit, Gerechtigkeit zu bekommen. Die Armee kämpft weiterhin gegen christliche Aufständische und Minderheiten. Aufständische werden ebenfalls manchmal zu Verfolgern, wenn sie der Meinung sind, dass Kirchen sie nicht genug unterstützen, oder wenn Pastoren jungen Menschen raten, nicht an den Kämpfen teilzunehmen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Armee wird weiterhin den privilegierten Platz verteidigen, den ihr die Verfassung zugesteht, die sie selbst entworfen hatte, bevor Teile der Macht an eine zivile Regierung abgegeben wurden. Trotz des internationalen Aufschreis aufgrund der Gräueltaten gegenüber der Minderheit der Rohingya klammert sich die Regierung um Aung San Suu Kyi an die Macht und zeigt in der Nichtbeachtung jeglicher Kritik Zeichen von Diktatorischer Paranoia. Diese Vertreibung wurde von nichtchristlichen religiösen Leitern und gewalttätigen religiösen Gruppen unterstützt, die oben unter „Verfolgern ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus“ aufgeführt sind.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Die meisten Ressourcen Myanmars kommen in Staaten vor, die eine überwiegend christliche Bevölkerung haben oder in denen Christen zumindest eine große Minderheit darstellen. Die Armee arbeitet mit lokalen Machthabern und Politikern und sogar Aufständischen zusammen, um von diesem Reichtum zu profitieren. Dies geschieht auf Kosten der Bevölkerung. Auch die Kämpfe gehen weiter, und wenn Christen oder andere in den Weg geraten, werden sie einfach vertrieben. Wagen sie es, ihre Stimme gegen die vorherrschende Ungerechtigkeit zu erheben oder jungen Menschen eine Perspektive zu geben, werden sie sogar aktiv ins Visier genommen. Dies gilt umso mehr für alle Akteure, die vom Drogenhandel profitieren.

Kommunistische Unterdrückung

Revolutionäre und paramilitärische Gruppen wurden zu sehr sichtbaren Verfolgern, als die UWSA, mit etwa 40.000 Kämpfern die größte Rebellengruppe des Landes, dutzende Kirchen schließen und fast einhundert Christen festnehmen ließ. Angeblich wird die UWSA von China unterstützt, und es ist möglich, dass das Vorgehen vom chinesischen Durchgreifen gegen den christlichen Glauben in China inspiriert war, da der Shan-Staat an China angrenzt. Berichten zufolge profitiert auch die UWSA stark vom Drogenhandel. Ihre Taten könnten also gemischte Motive haben.

4. Hintergrund

Im November 2015 weckte der überwältigende Sieg für die Oppositionspartei „National League for Democracy“ (NLD) unter Friedensnobelpreisträgerin und Freiheitsikone Aung San Suu Kyi vielleicht zu große Hoffnung im Land und weltweit. Die NLD ernannte einen baptistischen Christen, der der Volksgruppe der Chin angehört, zum Vizepräsidenten. Auch das Oberhaus des Parlaments führt ein Christ an – zwei Positionen ohne echte Macht. Auch wenn Aung San Suu Kyi eine Vielzahl an Positionen angenommen hat, da die Verfassung es ihr versagt, als Präsidentin zu agieren, zeigten ihr anhaltendes Schweigen zur Vertreibung von Hunderttausenden Mitgliedern der muslimischen Minderheit der Rohingya, wie klein ihr Spielraum wirklich ist, und eventuell auch, wie wenig Interesse sie an Angelegenheiten der Minderheiten hat.

2018 zeigte erneut, dass das Militär weiterhin die stärkste Position im Land behält. Dies basiert auf dem in der Verfassung verankerten Recht der Armee auf drei der wichtigsten Ministerien und 25 Prozent aller Sitze im Parlament. Ohne die Zustimmung der Armee können keine wichtigen Entwicklungen im Land stattfinden, insbesondere in Fragen des Krieges und von Versöhnung. Das Militär führt seine Angriffe gegen ethnische Minderheiten in den Staaten Kachin und Shan unvermindert fort und hat sie sogar ausgeweitet. Christen sind stark betroffen und das Level an Gewalt ist hoch. Aung San Suu Kyi ist in dieser Hinsicht quasi machtlos.

Das Aufkommen eines muslimischen Aufstands mit der organisierten Gruppe ARSA (siehe Abschnitt „Triebkräfte der Verfolgung“) und die Angriffe auf Grenzposten im Oktober 2016 und August 2017 führten zu beispiellosen Angriffen auf die muslimische Minderheit der Rohingya, bei denen dutzende Dörfer zerstört, hunderte Menschen getötet und mehr als 770.000 Rohingya über die Grenze nach Bangladesch vertrieben wurden. Das brachte den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte dazu, von einem „Musterbeispiel für ethnische Säuberung“ zu sprechen.

Ma Ba Tha beschäftigte die Regierung weiterhin, indem sich die Gruppe nach einem zweiten Verbot einfach neu formierte und sich unter einem anderen Namen ein neues Image gab. Das Verbot und jede Bestrafung müssen vom Innenministerium umgesetzt werden. Da dieses jedoch von der Armee kontrolliert wird, die extremistischen buddhistischen Gruppen wie Ma Ba Tha nahesteht, hat es keine ernsthaften Anstrengungen gegeben. Die umformierte Organisation wurde vom leitenden buddhistischen Konzil im Juli 2018 erneut verboten, aber es ist anzunehmen, dass auch dieses Verbot keinen Einfluss haben wird und Ma Ba Tha weiterhin aktiv gegen Minderheiten vorgehen kann – unter welchem Namen auch immer.

Aung San Suu Kyis oberste Priorität ist weiterhin der Versöhnungsprozess mit ethnischen Minderheiten im ganzen Land. Viele der ethnischen Minderheiten wie die Kachin, Chin und Karen sind mehrheitlich Christen. Allerdings ist es allen bisherigen Friedenskonferenzen („21st Century Panglong Conferences“), die alle sechs Monate stattfinden sollen, nicht gelungen, Frieden zu schaffen oder auch nur Schritte zur Vertrauensbildung und Versöhnung zu unternehmen. Im Berichtszeitraum ist es Aung San Suu Kyi gelungen, zwei weitere militante Gruppen dazu zu bewegen, einem Waffenstillstandsabkommen beizutreten: der New Mon State Party und der Lahu Democratic Union. Diese beiden sind jedoch leider eher kleinere Gruppen mit begrenzter Macht. Eine Vielzahl von Fragen sind noch zu klären, darunter die Rückkehr von Binnenvertriebenen und Flüchtlingen, die in China und Thailand Zuflucht gesucht haben (viele von ihnen aus christlichen ethnischen Minderheiten). Noch notwendiger ist jedoch der sofortige Beginn eines Prozesses der Vertrauensbildung, etwa durch die Umsetzung eines sofortigen landesweiten Waffenstillstands. Bislang hat sich nur das Gegenteil ereignet: Die Kämpfe im Shan-Staat und im Kachin-Staat haben zugenommen, die kontinuierlichen Zusammenstöße haben Tausende neuer Binnenvertriebener hervorgebracht. Internationale Organisationen werden daran gehindert, in die Konfliktgebiete zu gelangen, um humanitäre Hilfe in die Flüchtlingslager zu bringen, und selbst dem Präsidenten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) wurde im Mai 2017 der Zugang zu einigen Gebieten ethnischer Minderheiten verweigert. Hochrangige Offiziere der Armee, ehemalige Politiker und Beamte aufständischer Gruppen arbeiten zusammen, um im Kachin-Staat große Gewinne zu erzielen. Sie übernehmen große Gebiete landwirtschaftlicher Nutzflächen, die von ihren Eigentümern verlassen wurden – vor allem Christen, die nun gezwungen sind, als Binnenvertriebene in Lagern fernab der Konfliktzonen zu überleben. Währenddessen beginnen Parteien ethnischer Minderheiten, besonders innerhalb der Kachin, Karen, Chin und Mon, ihre politischen und persönlichen Unterschiede hinter sich zu lassen und sich für die 2020 anstehenden nationalen Wahlen zusammenzuschließen.

Bis zum Zeitpunkt des Berichts im Dezember 2018 brachte die jüngste Panglong-Konferenz im Juli 2018 außer einer Erklärung des chinesischen Sonderbeauftragten in Myanmar keine konkreten Ergebnisse. Dieser sagte, dass China „keine eigenen Interessen“ im Friedensprozess des benachbarten Myanmar habe. Dies ist schwer zu glauben, da China verständlicherweise barsch reagierte, als bewaffnete Zusammenstöße sich im Mai 2018 über die Grenze ausweiteten und drei chinesische Bürger töteten. Zudem hat die Regierung Myanmars die Öffnung von drei „Neuen Ökonomischen Zonen“ an der chinesischen Grenze angekündigt. Sie befinden sich in den vom Krieg zerrissenen Staaten Kachin und Shan, die wichtig für China sind, da sie den Zugang zu der chinesischen Binnenprovinz Yunnan bilden. So hat China doch ein konkretes Interesse an der Situation in Myanmar und wird auch beschuldigt, einige aufständische Gruppen in der Grenzregion zu unterstützen, insbesondere die Wa, von denen zwei Drittel in Myanmar und ein Drittel in China leben. Die Wa haben eine bedeutende christliche Minderheit. Wie oben beschrieben ist die United Wa State Army im September 2018 hart gegen „neue Kirchen“ vorgegangen und hat dutzende Kirchen geschlossen und mindestens 100 Christen verhaftet.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Sie sind nicht gezwungen, ihren Glauben isoliert zu leben. Daher wird diese Kategorie nicht in die Analyse des Weltverfolgungsindex aufgenommen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören beispielsweise die Römisch-Katholische Kirche, aber auch traditionelle Kirchen unter den christlichen Minderheiten wie die Kachin Baptist Church. Diese Christen erleben Verfolgung in Form täglichen Drucks, gelegentlich aber auch gewalttätige Angriffe, sei es vom Militär oder von extremistischen buddhistischen Mönchen. Diese errichten in manchen Gegenden Tempel auf Grundstücken von Kirchen.

Christen mit anderem religiösen Hintergrund

Christen mit buddhistischem, muslimischem oder animistischem Hintergrund erfahren die stärkste Verfolgung, sowohl vonseiten der Behörden als auch von Familie, Freunden und Nachbarn. Den Buddhismus zu verlassen, ist für Mitglieder des Bama-Volkes nicht akzeptabel. Obwohl viel über die Rohingya und ihre Vertreibung nach Bangladesch berichtet wurde, ist weithin unbekannt, dass es eine kleine Gruppe Christen mit muslimischem Hintergrund unter den Rohingya gibt. Auch sie waren von der plötzlich aufflammenden Gewalt betroffen und mussten fliehen. Diese Christen sind nicht nur wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit Verfolgung ausgesetzt, sondern auch, weil ihre muslimischen Familien und ihr Umfeld sie unter enormen Druck setzen, zum Islam zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden sehen sich Verfolgung durch die Gesellschaft, in der sie leben, ausgesetzt, insbesondere in ländlichen Gebieten. Sie werden überwacht und es kommt manchmal vor, dass Zusammenkünfte oder das Abhalten der Sonntagsschule verhindert werden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.4
Familienleben 11.8
Gesellschaftliches Leben 13.3
Leben im Staat 12.1
Kirchliches Leben 11.8
Auftreten von Gewalt 11.1

Grafik: Verfolgungsmuster Myanmar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt

  • Der Druck auf Christen in Myanmar ist im Berichtszeitraum weiter gestiegen. Der durchschnittliche Wert stieg von 11,4 Punkten auf 12,1 Punkte an.
  • Besonders christliche Konvertiten sind durch den sehr hohen Druck in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“, „Familienleben“ und „Privatleben“ beeinträchtigt. Alle Christen sind sehr hohem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ausgesetzt. Der Druck geht einerseits von einer Betonung des Buddhismus aus, der alle Minderheiten des Landes ausgrenzt. Dazu kommt auf der anderen Seite der anhaltende Krieg gegen Aufständische, der unter anderem die christlich geprägten Staaten Kachin, Shan und Karen betrifft. Dieser Krieg wird von der Weltöffentlichkeit unter anderem aufgrund der prekären Lage der Rohingya und dem damit verbundenen Medieninteresse kaum wahrgenommen. Die Handlungen der kommunistischen United Wa State Army gegen Kirchen im nördlichen Shan-Staat trugen ebenfalls zu einer Anstieg der Wertung in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Auftreten von Gewalt“ bei.
  • Der Wert für „Gewalt“ gegen Christen stieg von 7,8 Punkten auf 11,1 Punkte. Aufgrund von anhaltenden Kämpfen, insbesondere in den Staaten Kachin und Shan, ist es sehr schwer geworden, genaue Berichte von Angriffen auf Christen wegen ihres Glaubens und auf Kirchen in diesen vom Krieg zerrissenen Gebieten zu erhalten.

Privatleben

Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird insbesondere von der Familie und dem Umfeld abgelehnt. Christen buddhistischer Herkunft müssen immer sehr vorsichtig bei der Ausübung ihres Glaubens sein, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrem familiären Umfeld sind und daher nach allgemeiner Ansicht ihrer Familie Schande bringen. Treffen mit anderen Christen sind in der Regel nicht gefährlich, doch für christliche Konvertiten können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Christen mit nichtchristlichem Glaubenshintergrund, deren Glaube bekannt geworden ist, werden streng überwacht, geächtet und es kann passieren, dass sie unter Hausarrest gestellt werden. Damit soll verhindert werden, dass sie andere Christen treffen. In streng buddhistischen Dörfern sind Pastoren oft besonders bevorzugte Angriffsziele. Christen mit muslimischem Hintergrund betrifft die Verfolgung noch stärker, da sie nicht nur die oben genannten Schwierigkeiten erleben, sondern zudem zu einer verachteten Minderheit gehören. Es gab Berichte von christlichen Konvertiten, die wegen ihres Glaubens geächtet und bei Mahlzeiten verspottet wurden.

Familienleben

Es ist nicht zwangsläufig so, dass Christen mit anderem religiösen Hintergrund der Verlust des Sorgerechts oder des Erbrechts droht; insbesondere Frauen droht jedoch häufig die Scheidung, falls sie verheiratet sind. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder Beerdigung zu organisieren, ist oft nur schwer möglich. Christen mit buddhistischem oder muslimischem Hintergrund müssen dies im Geheimen tun. Der muslimischen Minderheit wird außerdem die Staatsbürgerschaft verweigert – davon sind auch Christen mit muslimischem Hintergrund betroffen. Muslimische Rohingya, und damit auch die Christen muslimischer Herkunft, werden als Bengalen angesehen und nicht registriert. Die meisten von ihnen leben inzwischen in Flüchtlingslagern im Nachbarland Bangladesch. Christliche Eltern erleben es als Herausforderung, ihren Kindern christliche Werte beizubringen, weil sie sich dem Druck des buddhistischen Umfelds in ihrer Nachbarschaft ausgesetzt sehen. In den meisten Schulen müssen die Schüler vor Unterrichtsbeginn einen Teil der Lehren Buddhas aufsagen. Dhama-Schulen werden von buddhistischen Mönchen geleitet, die den Kindern buddhistische Prinzipien beibringen. Diese Schulen breiten sich immer mehr im Land aus. Von Kindern wird erwartet, dass sie an buddhistischen Festen teilnehmen und auch finanziell dazu beitragen. In Na-Ta-La-Schulen werden Kindern buddhistische Gebete beigebracht, ihr Kopf wird geschoren, und sie müssen jeden Morgen um Essen betteln. Christliche Kinder werden in der Schule regelmäßig von buddhistischen Kindern gemobbt. Gerade in Dorfschulen ist es normal, dass christlichen Kindern für alles die Schuld gegeben wird. Kinder von Christen erhalten in der Schule zudem weniger Möglichkeiten und werden weder für höhere Schulen noch besondere Ehrungen ausgewählt.

Gesellschaftliches Leben

Es gibt Gemeinschaften, die keine Christen in ihren Dörfern dulden. Entscheidet sich eine Person in einem solchen Dorf für den christlichen Glauben, ist sie starken Schikanen ausgesetzt, bis sie das Dorf verlässt. Doch auch in anderen Dörfern werden Christen schikaniert, zu Spenden für buddhistische Tempel gezwungen und ihnen wird mit Ausschluss aus der Dorfgemeinschaft gedroht, wenn sie aufhören, buddhistischen Mönchen Almosen zu geben, sich nicht finanziell an der Renovierung oder dem Bau von buddhistischen Tempeln beteiligen und nicht an buddhistischen Festen teilnehmen. Besonders Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, werden beobachtet, von kommunalen Entscheidungen und Ressourcen ausgeschlossen und unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu verleugnen. Dies wirkt sich auch auf das tägliche Leben aus, wenn ihnen etwa Hilfe beim Sammeln von Bambus für die Reparatur ihres Hauses verweigert wird oder ihnen der Zugang zu Wasser untersagt wird. Gebiete, in denen viele Christen leben, werden bewusst durch eine schwache Infrastruktur und Gesundheitsfürsorge benachteiligt. Die Regierung baut hier bevorzugt Na-Ta-La-Schulen, die vom Staat geführt werden, statt normale Schulen. In Konfliktgebieten ist humanitäre Hilfe für Christen nicht oder nur in geringen Maßen erlaubt, und die internationale Überwachung (oder gar der Zugang) wird blockiert.

Kinder von christlichen Konvertiten werden von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. In einem Fall wurde ein Mädchen wegen ihres Glaubens aus der Klasse geworfen, ein anderes Mädchen durfte sich nicht wie der Rest der Klasse auf einen Test vorbereiten. Kinder von allen Christen (nicht nur Konvertiten) müssen nichtchristlichen Unterricht besuchen und können gezwungen werden, an buddhistischen Gebeten oder Zeremonien teilzunehmen. Besonders, wenn die Familien arm sind und einer ethnischen Minderheit angehören, werden die Kinder auf die bereits erwähnten Na-Ta-La-Schulen geschickt. Diskriminierung bei der Benotung, Schikane und Spott gegen christliche Kinder finden häufig statt. Ein weiteres Problem für Christen sind Gesetze, die in diversen Gemeinschaften und Dörfern mündlich von lokalen buddhistischen Mönchen und Polizisten erlassen werden, mit dem Ziel, Christen einzuschränken („Gamma laws“).

Leben im Staat

Abschnitt 361 der Verfassung aus dem Jahr 2008 besagt, dass „die Union anerkennt, dass der Buddhismus als der Glaube, der von der großen Mehrheit der Bürger der Union praktiziert wird, eine spezielle Stellung einnimmt“. In Abschnitt 362 wird jedoch auch die Existenz des christlichen Glaubens, des Islam, des Hinduismus und Animismus anerkannt. Diese „spezielle Stellung des Buddhismus“ wird von extremistischen Buddhisten missbraucht. Um zusätzliche Unterstützung von diesen Gruppen und der Mehrheit der Bama zu erlangen, hat die frühere Regierung im August 2015 vier Gesetzesentwürfe gegen Konversionen verabschiedet. Diese Gesetze zielen darauf ab, den Buddhismus durch die Einschränkung von Bekehrungen und interreligiösen Ehen, einem Verbot der Polygamie und die Einführung einer Geburtenkontrolle zu schützen. Laut ihnen müssen buddhistische Frauen eine Erlaubnis ihrer Eltern und der Behörden vorweisen, wenn sie einen Mann mit einer anderen Religionszugehörigkeit heiraten wollen; der nichtbuddhistische Mann muss zunächst zum Buddhismus konvertieren.

Das Gesetz besagt auch, dass jeder, der die Religion wechseln will, von der „Konversions-Registrierungs-Behörde“ die Erlaubnis dazu einholen muss. Diese Behörde besteht aus örtlichen Religions- und Einwanderungs- sowie einem Verwaltungsbeamten, der Vorsitzenden für Frauenangelegenheiten und einem örtlichen Verantwortlichen für Ausbildung. So weiß die Gemeinschaft, wenn eine Person konvertieren will und gibt ihr drei bis sechs Monate „Bedenkzeit“, um sie davon zu überzeugen, den offiziellen Antrag wieder zurückzuziehen. In erster Linie richtet sich das Gesetz gegen die muslimische Minderheit, andere religiöse Minderheiten sind jedoch genauso betroffen. Die Auswirkungen betreffen nicht nur die Überlegungen, offiziell einen neuen Glauben anzunehmen, sondern auch, diesen vor anderen zu bekennen. Einige Stämme besitzen zusätzliche traditionelle Gesetze, die von einigen Gemeinschaften dazu genutzt werden, Christen aus ihren Dörfern zu vertreiben. Christen haben außerdem einen schlechteren Zugang zu Krediten oder Zuschüssen als nichtchristliche Geschäftspartner oder Kunden.

Die strikte Weigerung, den Vorwürfen des Völkermords an den Rohingya und der christlichen Minderheit der Kachin nachzugehen, in einer Situation, in welcher Beobachter von möglichen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ sprechen, zeigt, dass Christen weder eine gerechte Behandlung vor Gericht noch eine internationale Überwachung ihrer Situation erwarten können.

Kirchliches Leben

Obwohl es in verschiedenen Teilen Myanmars Kirchengebäude gibt, bleibt es schwer, eine Genehmigung zum Bau einer neuen Kirche zu erhalten, da es viele Einschränkungen gibt. Es gibt bis zu acht verschiedene Genehmigungen, die eingeholt werden müssen, um eine Kirche legal bauen zu dürfen. Die Anträge müssen verschiedene vom Militär geführte Abteilungen durchlaufen und von regionalen und lokalen Behörden genehmigt werden, die häufig von ehemaligen Armeeoffizieren geleitet werden. So kommt es, dass Anträgen zum Bau von Kirchengebäuden fast nie stattgegeben wird. Das US-Außenministerium hält in seinem Länderbericht 2017 fest: „Christliche Gemeinschaften in Chin und Kachin berichten, dass Anträge zur Registrierung von Grundstücken und zum Bau oder der Renovierung von Kirchen von lokalen Behörden zwar nicht offiziell abgelehnt wurden, die Anträge aber Verzögerungen erlebten, die teilweise mehrere Jahre dauerten oder verloren gingen. Dazu gehören auch Berichte, dass lokale Regierungsbeamte nur mit Verzögerung die Erlaubnis gaben, zuvor zerstörte Kreuze wiederherzustellen und Kirchen im Chin-Staat zu renovieren oder zu bauen. Behörden in Chin schoben auch die Anträge von christlichen Gemeinschaften und Kirchen auf, Land im Namen ihrer Organisation zu kaufen. Die Gemeinschaften gaben an, diese Schikanen umgangen zu haben, indem ein Mitglied das Land privat für die Gruppe kaufte. Diese Praxis wurde von der Regierung toleriert.“

Landraub ist ein weiteres Problem, dem Christen sich gegenübersehen. Deshalb nutzen viele Christen Firmengebäude bzw. Büros oder treffen sich in Hauskirchen, um an Sonntagen einen Ort für den gemeinsamen Gottesdienst zu haben. Besonders in stark buddhistischen Gegenden stehen die Kirchen unter Beobachtung. Kirchenleiter und Pastoren werden von extremistischen Buddhisten besonders ins Visier genommen, da dies eine Methode ist, die Kirche zu lähmen. Ein Pastor berichtete, dass es sich ständig anfühle, als würde nur darauf gewartet werden, dass er einen Fehler begehe. Alle religiösen Publikationen im Land werden vom Ministerium für Religion überprüft und zensiert. Einige Kirchengemeinden haben angefangen, eigene Materialien zu drucken, jedoch wird ihnen der Besitz von Druckmaschinen schwergemacht. Veröffentlichungen in Sprachen der ethnischen Minderheiten kommen außerdem nicht infrage und auch für andere Publikationen gelten strenge Zensurregeln. Christliches Material zu importieren ist sehr schwer und Bücher in Sprachen der ethnischen Minderheiten ins Land einzuführen sogar unmöglich. Die meisten Kirchen dürfen keine Ausländer für religiöse Zwecke einladen. In Gegenden, in denen vorrangig ethnische Minderheiten leben, haben die Gemeinden noch größere Schwierigkeiten. Die Kirchen werden häufig als Orte für regierungsfeindliche Treffen oder als Treffpunkte für Aufständische aus ethnischen Minderheiten angesehen. In Gebieten, die vom Bürgerkrieg betroffen sind, wie den Staaten Kachin und Shan, werden Kirchen oft angegriffen, da die Menschen dort Zuflucht vor den Kämpfen suchen. Im Gebiet der Wa wurden christliche Leiter nur freigelassen, nachdem sie ein Dokument unterzeichnet hatten, in dem sie versprachen, ihre christlichen Aktivitäten streng auf Treffen in Häusern zu beschränken. Kirchengebäude wurden angegriffen und alle christlichen Materialien konfisziert.

Auftreten von Gewalt

Gewalt gegen Christen hat in Myanmar ein sehr hohes Ausmaß. Die United Wa State Army schloss im September 2018 mindestens 62 Kirchen und nahm etwa 100 christliche Leiter und Bibelschüler fest, um das Christentum in der Region zu schwächen. Laut einem Bericht vom Juli 2018 zerstörte die burmesische Armee mehr als 60 Kirchen innerhalb von 18 Monaten. Unter ihnen waren katholische und protestantische Kirchen und sogar Schulen.

Beispiele dazu im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Allgemein ist die Verfolgung in Myanmar nicht geschlechterspezifisch. Dennoch deuten unbestätigte Berichte darauf hin, dass Regierungsbeamte wie Polizisten oder hochrangige Armeeangehörige belohnt werden, wenn sie eine christliche Frau heiraten. Die Belohnung besteht entweder aus Geld oder einer Beförderung. Christinnen lassen sich auf eine solche Heirat oft ein, da sie sie als Ausweg aus einem Leben in Armut und Unsicherheit sehen. Aufgrund der patriarchalischen Kultur Myanmars wird von Frauen erwartet, der Religion ihres Ehemanns zu folgen. Heiratet also eine christliche Frau einen nichtchristlichen Mann, wird sie dazu gedrängt, die Religion ihres Mannes anzunehmen. Diese Politik ist darauf ausgelegt, Aufständische zu schwächen, von denen einige von Mitgliedern christlicher Minderheiten angeführt werden.

Männer

Christliche Konvertiten können außerdem gezwungen werden, buddhistische Mönche oder Nonnen zu werden. Die Regierung hat keine Regelung zum Umgang mit christlichen Scheidungen, da die Kirche Scheidungen nicht anerkennt. Christen können im Fall einer Scheidung keinen Anspruch auf irgendetwas stellen. Dies betrifft jedoch sowohl Männer als auch Frauen. Da Männer üblicherweise die Versorger der Familie sind, ist die ganze Familie betroffen, wenn der Mann aufgrund von Verfolgung sein Einkommen verliert. Das Anti-Konversions-Gesetz gibt buddhistischen Frauen in einer Ehe mit einem Mann anderer Religion mehr Rechte und Privilegien. Es ist möglich, dass ein christlicher Mann im Fall einer Scheidung nichts bekommt, da es kein Gesetz gibt, dass seine Rechte schützt.

Na-Ta-La-Schulen konvertieren christliche Kinder – ein effektiver Weg, um den christlichen Glauben an der Ausbreitung auf die nächste Generation zu hindern. Jungen werden zu Mönchen erzogen; wenn sie eine Na-Ta-La-Schule beginnen, wird ihr Kopf geschoren, ihnen wird Kleidung für Mönche gegeben, und sie müssen im Dorf um Essen betteln. Männer und Jungen der Kachin werden häufig verdächtigt, Aufständische zu sein oder sie zumindest zu unterstützen. Üblicherweise entscheidet nur die Armee, was mit solchen Verdächtigen zu tun ist.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auf die Verfolgung der muslimischen Minderheit der Rohingya wurde in diesem Länderprofil bereits mehrfach eingegangen. Es sieht nicht danach aus, als würde Myanmar die nach Bangladesch geflüchteten Rohingya wieder aufnehmen (Stand Dezember 2018). Diese Politik passt zu dem – von der Armee und religiösen Leitern geförderten und von vielen Einwohnern unterstützten – zunehmenden Religiös motivierten Nationalismus. Muslime in anderen Teilen des Landes, die keine Rohingya sind, sind dennoch ebenso starker Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Ansonsten ist nicht bekannt, dass weitere religiöse Gruppen verfolgt werden würden.

9. Ausblick

Politischer Ausblick

Der internationale Blick auf Myanmar war im Berichtszeitraum vollkommen auf die Situation der Rohingya fokussiert, besonders als Flüchtlinge im Nachbarland Bangladesch. Das Land wurde in internationalen Schlagzeilen sehr negativ dargestellt, insbesondere, nachdem der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte mit Blick auf die Rohingya im September 2017 von einem „Lehrbuchbeispiel für ethnische Säuberung“ gesprochen hatte. Laut dem Nationalen Sicherheitsberater Myanmars ist sein Land bereit, alle 700.000 Rohingya-Flüchtlinge wieder aufzunehmen, sollten sie freiwillig zurückkehren wollen. Das scheint jedoch unwahrscheinlich, solange es keine Sicherheitsgarantien gibt. Die Situation der Rohingya, die häufig als „am schlimmsten verfolgte Minderheit der Welt“ bezeichnet werden, könnte ein Weckruf für extremistische Muslime in der Region sein und zu einem bereits steigenden Extremismus beitragen – vor allem wenn man betrachtet, dass hunderte Menschen getötet und etwa 770.000 weitere vertrieben wurden. Bis jetzt haben internationale islamisch-extremistische Gruppen kein Kapital aus der Situation geschlagen. Das könnte sich mit der Ankündigung Bangladeschs vom November 2018 ändern, das Rückführungsprogramm bis nach den Wahlen zu verschieben, sodass es erst 2019 beginnen kann. Doch selbst wenn das Programm 150 Rohingya pro Tag zurückführen sollte (worauf sich eigentlich beide Seiten geeinigt hatten), würde es bei diesem Tempo 13 Jahre dauern, bis alle im Jahr 2017 Geflüchteten zurück in Myanmar wären. Dies schließt noch nicht die Flüchtlinge ein, die bereits vorher nach Bangladesch gekommen waren.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Religiös motivierten Nationalismus: Im Schatten der Rohingya-Krise steht die Notlage der christlichen Minderheiten. Die Armee hat ihre Angriffe auf sie ausgeweitet und Tausende vertrieben. Im Berichtszeitraum kamen mindestens 7.000 Binnenflüchtlinge zu den bereits mehr als 100.000 Vertriebenen der vergangenen Monate und Jahre. Währenddessen fährt die Regierung mit ihrer Strategie des „Teilen und Herrrschens“ fort. Thein Swe, Minister für Arbeit, Immigration und Bevölkerung, sagte, es sei der Regierung nicht möglich, die Ergebnisse der Volkszählung von 2014 zu veröffentlichen, da es anhaltende Diskussionen gebe, wer zu welcher ethnischen Gruppe gehöre: „Im Fall der Kachin gibt es etwa zwischen sechs und zwölf Unterethnien, je nachdem, mit wem man redet. Andere behaupten, die Chin hätten 53 verschiedene Unterethnien.“ Es war keine Überraschung, dass die Armee den Fortschritt einschränkte, indem sie Gespräche über Rechte ethnischer Minderheiten bei der Panglong-Konferenz im Juli 2018 verweigerte. Sie hat kein Interesse an Frieden, Versöhnung und einem föderalen Myanmar. Extremistische buddhistische Gruppen wie Ma Ba Tha werden von anderen buddhistischen Gruppen und Politikern genau beobachtet, doch ihr Einfluss und ihre Rhetorik gegenüber nichtbuddhistischen Minderheiten bleiben ungebrochen. Laut einem Bericht der Zeitung „The Irrawaddy“ vom 23. Juli 2018 reagierte die Gruppe auf ihr erneutes Verbot, indem sie Formulare an ihre Untergruppierungen im Land verschickte und sie fragte, ob die Vereinigung mit der Kampagne zum „Schutz der Rasse und Religion“ fortfahren solle. Mit den Formularen sollte außerdem herausgefunden werden, ob die Mitglieder dem Verbot Folge leisten wollten. Das geschah, da die Vereinigung konsensbasiert arbeitet. Ihre extremistische Haltung wird wohl am besten durch einen Bericht gezeigt, der Ashin Wirathu zitiert, einen der unverblümtesten und extremistischsten buddhistischen Mönche: „Ich warne die Menschen nur vor Muslimen. Wenn du einen Hund hast, der Fremde anbellt, die in dein Haus kommen, tut er das, um dich zu warnen. Ich bin dieser Hund. Ich belle.“ Religiös motivierter Nationalismus wird ungebrochen weitergehen und könnte sich gegenüber Christen sogar verstärken, da die meisten Muslime aus dem Land vertrieben wurden.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia und Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die Rolle der Armee wird wahrscheinlich sowohl in der Politik als auch im Kampf gegen Aufständische an Bedeutung gewinnen. Ein weiterer Anreiz, die starke Position zu behalten, liegt darin, dass die Armee in großem Maße in legalen und illegalen Handel verwickelt ist. Letzterer betrifft insbesondere die größtenteils von Christen bewohnten Gebiete wie den Kachin-Staat. Die Gewalt ist trotz aller Fortschritte hinsichtlich der Demokratisierung des Landes und Vereinbarungen zur Waffenruhe gestiegen. Es gibt viele Probleme, die friedliche Lösungen erschweren: Armeeangehörige und einige der Aufständischen aus den ethnischen Minderheiten sind in Drogenhandel und den Abbau von Rohstoffen wie Jade und Edelholz involviert. Der Aufbau von Vertrauen wird unmöglich sein, solange die Armee weiterhin die große christliche Minderheit in Kachin angreift und auch die Kämpfe in Karen andauern. Der Versöhnungsprozess ist sehr langsam und es wird befürchtet, dass er zu einem Stillstand kommt, insbesondere da alle Ressourcen der Regierung und des Militärs auf die Minderheit der Rohingya und die ARSA konzentriert sind. Die Aussichten für die Vision eines demokratischen und föderalen Staates sind nicht sehr vielversprechend. Es sollte nicht vergessen werden, dass Aung San Suu Kyi nicht die Kontrolle über das ganze Land hat, und die Armee vollkommen selbstständig handeln kann.

Mit Hinblick auf Kommunistische Unterdrückung: Ende 2018 bleibt es schwierig, abzuschätzen, inwiefern diese Triebkraft weiterhin eine dominante Rolle in der Wa-Region spielen wird. Es wurde durch die Schließung dutzender Kirchen und Bibelschulen und die Verhaftung und Vertreibung christlicher Leiter und Studenten jedoch bereits viel Schaden angerichtet. Soviel scheint sicher: die Wa-Region wird mit Blick auf Religion nie wieder so aussehen wie zuvor.

Zusammenfassung

Es ist an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft ihren Blick über die furchtbare Situation der Rohingya hinaus weitet und Wege findet, mit der Regierung und anderen politisch einflussreichen Akteuren zu reden. Die Regierung zieht sich immer mehr in die Arme Chinas zurück und das verheißt nichts Gutes für die christliche Minderheit Myanmars. Das gilt besonders, wenn sich die Berichte als wahr bestätigen sollten, dass die Kommunistische Partei Chinas hinter dem Vorgehen gegen Christen in Wa steckt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Myanmar:

  • Beten Sie für die verfolgte christliche Minderheit, dass sie den ebenfalls verfolgten Rohingya-Muslimen in Liebe dienen, besonders denen, die sich dazu entschließen, aus dem Exil in Bangladesch zurückzukehren. Beten Sie dafür, dass sich viele Herzen für die Wahrheit von Jesus Christus öffnen.
  • Christen buddhistischer oder muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Familie, ihren Freunden und ihren Nachbarn, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Durch die kürzlich eingeführten Gesetze ist ein Glaubenswechsel sehr schwierig, auch wenn er nicht direkt verboten ist. Beten Sie, dass diese Christen Mut und Ausdauer im Angesicht der Verfolgung haben. Beten Sie für größere Religionsfreiheit.

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