Länderprofil China

China

23
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge China
Hauptreligion
Atheistische Staatsideologie
Platz Vorjahr
27
ISO
CN
Karte China
Christen
97,20
Bevölkerung
1420.06
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 11.600
Familienleben: 8.400
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 12.800
Kirchliches Leben: 15.100
Auftreten von Gewalt: 10.200

Länderprofil China

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 23 / 70 Punkte (WVI 2019: Platz 27 / 65 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

In Bezug auf die Kirchen wird die „Sinisierung“ (gezielte Förderung chinesischer Traditionen bei gleichzeitiger Schwächung anderer kultureller Einflüsse) landesweit durchgesetzt. Die Kommunistische Partei baut stark auf die kulturelle Identität Chinas, um an der Macht zu bleiben beziehungsweise um alles zu begrenzen, was ihren Machterhalt gefährden könnte. Die neuen Begrenzungen in Bezug auf das Internet, soziale Medien und Nichtregierungsorganisationen, sowie die neuen Religionsvorschriften von 2018 bedeuten ernstzunehmende Beschränkungen der Freiheit. Früher galt, dass nur gegen Kirchen nur vorgegangen wird, wenn sie als zu groß oder als zu politisch wahrgenommen werden oder wenn sie ausländische Gäste einladen. Dieser Grundsatz kann heute nur noch als Richtwert dienen. Auch viele andere Kirchen werden überwacht oder geschlossen, unabhängig davon, ob sie eigenständig sind oder zu der offiziell anerkannten Drei-Selbst-Bewegung gehören. Es werden jedoch nicht nur neue Gesetze verabschiedet, es lässt sich auch feststellen, dass bereits bestehende Gesetze strenger angewandt werden. Ein Beispiel dafür ist das Verbot des Online-Handels von Bibeln im Internet, das im März 2018 Schlagzeilen machte.

Wenn in muslimischen oder buddhistisch geprägten Teilen Chinas bekannt wird, dass jemand von der Mehrheitsreligion zum christlichen Glauben gewechselt ist, wird dieser Christ in der Regel bedroht oder körperlich angegriffen. All dies soll dazu führen, dass er zu seinem ursprünglichen Glauben zurückkehrt. Es kommt vor, dass Ehepartner zur Scheidung gezwungen werden oder dass Nachbarn und das soziale Umfeld christliche Tätigkeiten bei den lokalen Behörden melden, damit sie Maßnahmen ergreifen, um solche Aktivitäten zu unterbinden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 wurden keine Ermordungen von Christen wegen ihres Glaubens gemeldet. Staatliche Maßnahmen gingen einher mit Verhören und manchmal Verhaftungen christlicher Leiter und mit der Bedrohung von Gemeindemitgliedern. Auch solche Kirchen wurden zerstört oder geschlossen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Derartige Vorfälle gab es in mehreren Provinzen, besonders aber in Henan, einer bevölkerungsreichen Provinz, in der es eine beachtliche christliche Minderheit gibt. Auch aus der Provinz Jiangxi gab es verstärkt Berichte über Vorfälle. Gottesdienste wurden zumeist durch Mitglieder der Sicherheitsdienste oder der Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei gestört. Manchmal werden vor Ort auch Mobs angeheuert.
  • Es gab zahlreiche Vorfälle, in denen Kreuze an Kirchengebäuden zerstört wurden, sowohl von Hauskirchen als auch von Kirchen der offiziell anerkannten Drei-Selbst-Bewegung. Die Häufigkeit erinnerte an die Kampagne gegen Kreuze in Zhejiang von 2014 bis 2016. Es kam zudem häufig vor, dass Vermieter von den Behörden dazu gedrängt wurden, Mietverträge mit Kirchen aufzulösen. Zwei Fälle, die für großes Aufsehen sorgten, betrafen das Netzwerk „Hauskirche Zion“ in Peking und die Kirche „Goldener Leuchter“ in Shanxi. Beide wurden belästigt und geschlossen. Welches Ausmaß diese Kampagne einnimmt, kann auch an der ungewöhnlichen Reaktion der nicht registrierten Hauskirchen in Peking ermessen werden, die eine gemeinsame Erklärung verfassten, in der sie die Behörden dazu aufriefen, die Religionsfreiheit zu respektieren, wie sie die chinesische Verfassung gewährt. Die Erklärung wurde im Juli 2018 veröffentlicht und von mehr als 600 Pastoren von Hauskirchen aus ganz China unterzeichnet.

Meldungen und Beiträge zu China

Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
Junge chinesische Christen beim Bibelstudium
China
Obwohl die kommunistische Regierung systematisch daran arbeitet, junge Menschen in China vom christlichen Glauben fernzuhalten, wird trotz Druck und Bedrängnis der Glaube vieler jungen Christen nicht ausgelöscht, sondern gestärkt.
Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
Gebet in China
China
Auf den stark zunehmenden Druck durch die neuen Religionsgesetze reagieren Christen in China mit Entschlossenheit, das Evangelium weiterhin zu verbreiten. So übernehmen auch mehr Männer und Frauen Leitungsaufgaben in Minihauskreisen.
Weltverfolgungsindex
WVI Riser 2019

Christenverfolgung nimmt zu – in diesen Ländern am deutlichsten

03:48 Minuten
Zentralafrikanische Republik
Algerien

Zentralafrikanische Republik, Algerien und China – drei Länder, in denen die Christenverfolgung im Besonderen zugenommen hat. Sehen Sie, wie sich dies für die Christen vor Ort auswirkt und wer die Verfolger sind.

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Nachrichten Nachrichten
Gefängnis in China
China
Am 9. Dezember 2018 wurde im westchinesischen Chengdu Pastor Wang Yi zusammen mit seiner Frau Jiang Rong und 10 Kirchenmitarbeitern verhaftetet. Während seine Frau inzwischen wieder auf freiem Fuß ist, drohen ihm bis zu 5 Jahre Haft.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Chinesische Schülerinnen
China
In China tritt die zunehmende Einschränkung der Glaubensfreiheit immer deutlicher zutage. In der vergangenen Woche wurden Vorfälle bekannt, die sich kürzlich an zwei öffentlichen Schulen in der Provinz Zhejiang ereigneten.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 70 Punkten ist China auf dem Weltverfolgungsindex 2020 auf Platz 23 gesprungen. Im Jahr 2019 belegte das Land mit 65 Punkten noch Platz 27.

Die Wertung für Gewalt bleibt unverändert, da China bereits den Höchstwert bei zerstörten oder konfiszierten Kirchengebäuden erreicht. Allerdings weitet sich die Kampagne in ihrer geografischen Reichweite und Stärke aus. In den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ ist die Punktzahl angestiegen. In diesem Anstieg zeigt sich, dass die kommunistische Ideologie noch stärker betont und Bürger benutzt werden, um Informationen über Christen und andere Minderheiten preiszugeben. Die Betonung der Ideologie und das übergreifende Ziel, den Machterhalt der Kommunistischen Partei zu sichern, sorgt für einen anhaltenden Punkteanstieg in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“. Darin spiegelt sich außerdem die strikte Anwendung der Religionsverordnung wider, die seit dem 1. Februar 2018 in immer mehr Provinzen in Kraft getreten ist. Christen berichten zunehmend von Schwierigkeiten mit den Behörden, insbesondere im Bereich des kirchlichen Lebens. In Bezug auf die Situation der Christen im gesamten Land muss man die enorme flächenmäßige Ausdehnung Chinas berücksichtigen; dadurch ist die Lage der Christen in verschiedenen Teilen des Landes sehr unterschiedlich. Es kann jedoch ohne Zweifel festgehalten werden, dass sich die Situation für Christen im gesamten Land verschlechtert hat, wie Berichte aus vielen verschiedenen Provinzen zeigen, und selbst Kirchen der Drei-Selbst-Bewegung stehen vor immer größeren Schwierigkeiten.

Nach einem Anstieg von sieben Punkten in diesem Bereich auf dem Weltverfolgungsindex 2019 stieg der Wert nun noch einmal um fast fünf Punkte. Daran verdeutlicht sich die anhaltende Verschlechterung der Situation und der enorme Druck, den landesweit die Kirchen zu spüren bekommen, ganz gleich, ob sie der Regierung nahestehen oder nicht. Die Kirche in China zeigt sich weiterhin widerstandskräftig gegenüber dem Druck der Kommunistischen Partei, beispielsweise beim Unterrichten von Kindern und Jugendlichen. Es wird jedoch immer schwieriger zu vermeiden, sich der offiziellen Ideologie zu fügen. Viele Kirchen sind nicht einfach verschwunden, nachdem sie Razzien und Schließung erlebten. Vielmehr organisierten sie sich neu und teilten sich bewusst in kleinere Gruppen auf, wenngleich auch diese Taktik sie nicht vor anhaltendem Druck schützt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Das übergeordnete Ziel der Kommunistischen Partei ist der Machterhalt, den sie durch nationale Einheit und die Minimierung ausländischer Einflüsse zu sichern versucht. Die Regierenden werden alles aus ihrer Sicht Nötige tun, um in diesem Bestreben Erfolg zu haben. In den vergangenen Jahren berief sich China zunehmend auf seine ideologischen Wurzeln und betonte die kommunistische Herrschaft. Präsident Xi Jinping ist wohl der stärkste kommunistische Führer seit Mao Zedong. Der neunzehnte Parteikongress zeigte, wie sehr sich die Partei wieder stark auf die kommunistische Ideologie fokussiert. Dabei wurde unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Partei diese Fokussierung auch von sämtlichen Regierungsvertretern und zivilgesellschaftlichen Akteuren erwartet. Gemäß den weiterentwickelten Regeln der Kommunistischen Partei werden alle Mitglieder, die sich selbst nach „verstärkter Ausbildung der Gedanken“ weiterhin an religiöse Überzeugungen klammern, „aufgefordert, die Partei zu verlassen“. Interessanterweise hält sich der Parteikongress zurück, einen designierten Nachfolger für die Regierungsführung zu nominieren.

Um seine eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen, da diese eine starke soziale Triebkraft darstellen. Von der Kontrolle betroffen ist auch die wachsende christliche Minderheit. Dies gilt vor allem für die instabilen Minderheitsregionen, das buddhistische Tibet und das muslimische Xinjiang. Die Regierung hat die Kontrolle in diesen Gebieten verstärkt, was nicht nur ethnische Gruppen zu spüren bekommen, die um die Unabhängigkeit kämpfen, sondern auch die jeweiligen Gruppen von christlichen Konvertiten und stärker noch die Han-Christen. In vielen Regionen Chinas werden christliche Aktivitäten immer stärker behindert. Auch wenn Hauskirchen in der Ausübung ihrer Aktivitäten am stärksten eingeschränkt sind, besonders im Bereich der Arbeit unter Kindern und Jugendlichen, müssen auch die der Regierung nahestehenden Kirchen restriktiver Kontrolle ins Auge sehen.

Diktatorische Paranoia

Präsident Xi Jinping hat seine Macht in einer Weise gefestigt, wie man es seit Mao Zedong nicht mehr erlebt hat. Unter seiner Führung wirkt die kommunistische Partei schon fast militant hinsichtlich ihrer Bemühungen, jegliche vermeintliche Bedrohung, welche die Autorität der Partei anzweifeln könnte, anzugreifen. Das Hauptziel der Partei ist der Machterhalt. In gewisser Hinsicht stellt die Ideologie ein Werkzeug dar, das eher als Mittel zum Zweck dient, statt das eigentliche Ziel zu sein. So wird zum Beispiel der christliche Glaube nicht unbedingt aufgrund seiner theologischen Inhalte als mögliche Bedrohung gesehen, sondern weil sich Menschen im Namen einer Sache versammeln und organisieren, die außerhalb der Kontrolle der Partei liegt.

Islamische Unterdrückung / Religiös motivierter Nationalismus

Die Provinzen Xinjiang und Tibet sind spärlich besiedelt; zusammen machen sie nur etwa zwei Prozent der chinesischen Bevölkerung aus. Deswegen sind die Triebkräfte „Islamische Unterdrückung“ und „Religiöser Nationalismus“ mit Sicht auf ganz China nicht stark ausgeprägt. Für die christlichen Konvertiten in den beiden Provinzen verschlechtert sie die Situation jedoch sehr deutlich.

Der nordwestliche Staat Xinjiang, in dem die muslimische Minderheit der Uiguren lebt, ist im Berichtszeitraum noch stärker kontrolliert worden. Beobachter sprechen bereits von einem Polizeistaat, vor allem, seitdem dort Umerziehungslager geschaffen wurden. Das Leben der wenigen Christen muslimischer Herkunft – höchstwahrscheinlich einige Tausend – ist extrem schwierig. Sie erleben den bereits beschriebenen allgemein erhöhten Druck vonseiten der Regierung und müssen zusätzlich mit Verfolgung durch die eigene Familie, Nachbarn und Freunde rechnen. Jedes Abweichen von der islamischen Glaubenstradition wird als Schande und sogar Verrat angesehen, da nach gängigem Verständnis jeder Uigure Muslim sein sollte. Auch wenn es schwierig ist, Berichte über die Situation von Christen muslimischer Herkunft zu erhalten, so weisen doch alle vorliegenden Informationen auf eine Verschlechterung hin. Gelegentlich kommt es sogar zu körperlicher Gewalt durch Familienangehörige.

Ähnliche Entwicklungen wie im Einflussbereich der „Islamischen Unterdrückung“ betreffen auch die noch kleinere Gruppe tibetischer Christen buddhistischer Herkunft in der chinesischen Region Tibet (Westchina). Druck und Gewalt nehmen zu, und die Behörden tun alles in ihrer Macht Stehende, um die tibetischen Unabhängigkeitsbestrebungen zu unterbinden. Tibetische Christen sind starkem Widerstand vonseiten ihrer Familie, Freunde und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. In dieser Region einen „abweichenden“ Glauben zu haben, kostet einen hohen Preis, da ein christlicher Konvertit quasi von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Lokale Regierungsbeamte können korrupt sein. Unter den im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 bekannt gewordenen Verfolgungsfällen waren Streitigkeiten um Grundstücke, bei denen Christen betroffen waren. Allerdings hat die Kommunistische Partei eine große Anti-Korruptions-Kampagne ins Leben gerufen, sodass es möglich ist, dass diese Triebkraft der Verfolgung künftig in den Hintergrund tritt. Örtliche Behörden engagieren häufig Schlägertrupps, um unbeliebte oder illegale Maßnahmen durchzusetzen. Das betrifft auch religiöse Gruppen und insbesondere Hausgemeinden.

3. Verfolger

Kommunistische Unterdrückung

  • Politische Parteien: In ihrem Bestreben, religiöse Einrichtungen zu kontrollieren, sind die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden die stärksten Verfolger von Christen in China. In stark kommunistisch geprägten Familien können auch Familienmitglieder zu Verfolgern werden, da niemand, der Mitglied der Partei werden möchte oder eine Karriere im öffentlichen Dienst anstrebt, religiös sein darf. Die Kommunistische Partei schränkt Christen immer stärker ein, indem sie sie kontrolliert und gegen sie vorgeht. Das liegt vor allem daran, dass Christen die größte gemeinschaftliche Organisation in China sind, die nicht vom Staat kontrolliert wird.
  • Regierungsbeamte: Wer Regierungsbeamter höheren Rangs werden will, muss zwingend der Kommunistischen Partei angehören und ihrer Ideologie und ihren Direktiven folgen. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, dem bleibt eine Karriere als Regierungsbeamter verwehrt. Ob Beamte auf allen Ebenen von der Überlegenheit des Kommunismus völlig überzeugt sind, ist eine andere Frage. Doch um sich als ideologisch vertrauenswürdig zu erweisen, müssen auch sie die Religionsvorschriften durchsetzen, vor allem jetzt, da die Kommunistische Partei über deren Einhaltung wacht.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische und tibetische Leiter können von der Kommunistischen Partei in verantwortungsvolle Positionen berufen und eingebunden werden, um sie dadurch auf die offizielle Parteilinie zu bringen. Sofern sie dann als Parteifunktionäre agieren, werden sie meist zu Verfolgern.

Diktatorische Paranoia

  • Politische Parteien: In ihrem Bestreben, an der Macht zu bleiben, haben die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden genau untersucht, was in anderen Ländern zum Niedergang des Kommunismus geführt hat. Ein Faktor dabei ist die Kontrolle gesellschaftlicher Gruppen wie Christen, die immer noch als ausländischer Einfluss gesehen werden, der mit ausländischen und vorwiegend westlichen Kräften in Kontakt steht.
  • Regierungsbeamte: Ihre Position und Stellung beruht auf dem Machterhalt der Kommunistischen Partei. Daher werden die meisten Regierungsbeamten alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Stellung zu sichern – unabhängig davon, ob sie persönlich von der kommunistischen Ideologie überzeugt sind oder nicht. Die Durchsetzung des nationalen politischen Kurses ist allein schon aufgrund der Größe des Landes herausfordernd. Doch die Kommunistische Partei übt hohen Druck auf ihre Beamten aus, und auch finanzielle Anreize werden angeboten, zumal es zu den höchsten Prioritäten der Partei zählt, mit religiösen Gruppierungen klarzukommen.

Islamische Unterdrückung und Religiös motivierter Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter und Anführer ethnischer Gruppen: Die kleine Gruppe von Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft erfährt starke Verfolgung durch muslimische oder buddhistische religiöse Leiter. Diese sind nach wie vor in Xinjiang und Tibet äußerst einflussreich und haben dort in vielen Fällen auch offizielle Ämter inne. Manche von ihnen üben ihren Einfluss aus, indem sie Riten wie Hochzeiten oder Beerdigungen für die Einheimischen durchführen. Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft stoßen in all diesen Fällen auf Schwierigkeiten, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft erfahren durch ihr soziales Umfeld und ihre eigenen Eltern oder ihre Familie zusätzlich hohen Druck, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Ein Glaubenswechsel ist mehr als nur ein Wechsel der Religion; er wird als Verrat an der Familie und dem näheren sozialen Umfeld angesehen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

  • Politische Parteien und Regierungsbeamte: Lokale Beamte und Parteikader heuern manchmal Mobs und Gangs an, um eine Kirche zu schließen, setzen Vermieter unter Druck oder vertreiben christliche Gemeinden von einem Stück Land. Wo Landraub von Regierungsbeamten durchgeführt wird, kann die Forderung im Hintergrund letztendlich auch von Firmen stammen, die Grundstücke erschließen wollen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die zu einer ethnischen Minderheit gehören, erfahren in China wohl die stärkste Verfolgung, da diese auch vonseiten ihrer Familien und ihres sozialen Umfelds ausgeht. Geographisch gesehen ist die Verfolgung in Xinjiang, Tibet und Südwestchina am stärksten. Auch die Provinzen Henan und Zhejiang können als regionale Brennpunkte der Verfolgung gelten, da dort viele protestantische Christen leben, genauso Hebei, wo es eine große Anzahl katholischer Christen gibt. Gleichwohl sehen sich Christen und christliche Kirchen überall im Land mit Restriktionen und Überwachung konfrontiert. Aus allen Provinzen wird davon berichtet.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Im Vergleich zu den unten genannten, von Verfolgung betroffenen Christen genießt diese Gruppe der ausländischen Christen mehr Freiheiten. Allerdings werden sie überwacht und unterliegen Einschränkungen bei ihren Kontakten zu lokalen chinesischen Kirchen. Chinesische Behörden versuchen jedoch ausländische christliche Missionare ausfindig zu machen, insbesondere aus Südkorea. Bis Dezember 2018 war eine beachtliche Anzahl ausländischer Missionare gezwungen worden, das Land aufgrund von nachgewiesener oder mutmaßlicher missionarischer Aktivitäten zu verlassen. Anderen wurden einfach eine Erneuerung ihres Visums ohne Erklärung verweigert.

Christen aus traditionellen Kirchen und von der Regierung kontrollierte Kirchen

Diese Kategorie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Besonderheit der chinesischen Christenheit. Es gibt einerseits registrierte und von der Regierung anerkannte Kirchen – die protestantische Drei-Selbst-Bewegung und die Katholisch-Patriotische Vereinigung – und andererseits nicht registrierte, unabhängige Kirchen.

Auf katholischer Seite sind dies die vatikantreuen Gemeinden. Kirchen der protestantischen Drei-Selbst-Bewegung und der Katholisch-Patriotischen Vereinigung werden von der Regierung kontrolliert. Obwohl es keine unmittelbare Zensur gibt, sind sie mit ihren Äußerungen sehr vorsichtig. Die Wahl der Kirchenleitung wird vom Staat beeinflusst. Die Kirchen haben jeweils einen 5-Jahres-Plan zur „Sinisierung“ veröffentlicht, d.h. wie sie sich der Kultur Chinas anpassen können. Dazu verfassen sie Diskussionspapiere, etwa zur Sinisierung im katholischen Kontext. In einer unerwarteten Entwicklung hat der Heilige Stuhl in Rom im September 2018 als kleinster souveräner Staat der Welt und offizielle Administration der Römisch-Katholischen Kirche eine „provisorische Vereinbarung“ mit China über die Ernennung Römisch-Katholischer Bischöfe geschlossen. Details wurden jedoch nicht veröffentlicht. Bezüglich des Drucks auf katholische Christen brachte diese Entwicklung keine spürbare Entspannung.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten haben entweder eine muslimische oder buddhistische (tibetische) Herkunft. Da sie in Regionen ethnischer Minderheiten leben, die aufgrund von Unabhängigkeitsbestrebungen immer instabiler werden, erleben christliche Konvertiten Druck aus zwei Richtungen: von der Regierung und der Familie bzw. dem sozialen Umfeld. Während die Regierung jegliche vermeintlich politischen oder gefährlichen Aktivitäten oder Versammlungen unterbindet, setzen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn diese Christen unter Druck, zum „wahren Glauben“ zurückzukehren, denn bei den fraglichen ethnischen Gruppen stellt die Religion einen wichtigen vereinenden Faktor dar.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe von Christen zählen evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden sowie eine Vielzahl von Gemeinden mit verschiedensten Namen. Auf der protestantischen Seite sind hier die sogenannten Hauskirchen zu nennen. Dieser Begriff ist jedoch missverständlich, denn einige dieser Gemeinden haben mehrere tausend Mitglieder und in manchen Provinzen treffen sie sich nicht heimlich, sondern offen in Geschäftsgebäuden. Diese Christen sind stark von der intensivierten Kontrolle der letzten Monate betroffen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.6
Familienleben 8.4
Gesellschaftliches Leben 11.6
Leben im Staat 12.8
Kirchliches Leben 15.1
Auftreten von Gewalt 10.2

Grafik: Verfolgungsmuster China

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Wert für Druck auf Christen in China ist im Berichtszeitraum von 11,0 Punkten auf 11,9 Punkte gestiegen. Der Druck verstärkte sich in allen Lebensbereichen. Damit zeigt sich, dass das neue Religionsgesetz nun in allen Provinzen durchgesetzt wird, ganz nach dem Willen der Kommunistischen Partei, welche nun die Umsetzung vorantreibt und nicht mehr nur die Regierung. Die gesetzlichen und behördlichen Bedingungen wurden schwieriger für Christen, nicht nur für die sogenannten Hauskirchen, sondern auch für Kirchen, die zu der Drei-Selbst-Bewegung gehören. Der Druck, sich der vorherrschenden Ideologie des Lobs der Errungenschaften der Kommunistischen Partei anzuschließen, ist deutlich gestiegen und stellt langfristig die größte Gefahr für Christen dar.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“ mit Werten von 15,1 und 12,8 Punkten, was einem Anstieg von 0,5 bzw. einem Punkt entspricht. Druck in diesen Bereichen ist typisch für Länder, in denen „Kommunistische Unterdrückung“ eine Triebkraft der Verfolgung ist. Der starke Druck im Bereich „Privatleben“ (11,6 Punkte) deutet auf die Probleme hin, die Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund haben. Druck durch „Islamische Unterdrückung“ und „Religiös motivierten Nationalismus“ ist nicht nur im Privatleben, sondern auch in den Bereichen „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ zu beobachten. Der Druck, der von der Kommunistischen Unterdrückung ausgeht, kann in diesen Lebensbereichen gespürt werden, etwa wenn es um Bildung oder Arbeitsplätze für Lehrer oder medizinisches Personal geht. Der Anstieg im Bereich „Leben im Staat“ (12,8 Punkte) beruht auf aufsteigendem Druck, hervorgerufen dadurch, dass die Ideologie der Kommunistischen Partei gelehrt wird und man ihr folgt.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen ist nahezu gleichgeblieben und steigt von 10,0 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 10,2 im Weltverfolgungsindex 2020. Überall im Land wurden noch mehr Kirchen geschlossen, darunter einige mit hohem Bekanntheitsgrad. Damit hat China erneut die Schwelle zur Höchstpunktzahl für die Schließung von Kirchen überschritten. Dies ist bereits seit vielen Jahren der Fall. Es gab keine Berichte über Morde an Christen, aber eine steigende Anzahl von Christen wurde verhaftet, zum Teil, um „umerzogen“ zu werden. Die Behörden, insbesondere die Kommunistische Partei, scheinen sich nicht allzu sehr um negative internationale Schlagzeilen zu kümmern, wie deutlich an der Situation in Xinjiang abzulesen ist. Im Gegenteil, die Partei versucht, ihre eigenen Berichte über die Umerziehungslager oder „Berufsbildungszentren“, wie sie offiziell genannt werden, zu verbreiten.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist für Christen gefährlich, auf christliches Radio, Fernsehen oder christliches Material im Internet zuzugreifen: Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, christliche Inhalte im Internet abzurufen und über soziale Medien zu kommunizieren, geschieht dies unter genauster Beobachtung der Regierung. Außerdem blockiert die Regierung zunehmend Inhalte von Webseiten. Christliches Radio und Fernsehen sind verboten. Für Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft in Xinjiang und Tibet ist es mit besonderen Risiken behaftet, auf christliche Inhalte zuzugreifen, auch wenn sie nur wenige Tausend sind.
  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Für christliche Konvertiten muslimischer und buddhistischer Herkunft, die zu einer ethnischen Minderheit gehören, ist es praktisch unmöglich, mit anderen über ihren Glauben zu sprechen. Falls ein Konvertit es dennoch wagt und den Behörden gemeldet wird, so wird er oder sie verwarnt und – je nach Lage des Falls – eventuell sogar für einige Tage in Haft genommen. Christen unter den Parteimitgliedern und dem Militärpersonal, selbst Christen unter den Regierungsbeamten oder Lehrern, die nicht der Kommunistischen Partei angehören, betreiben Selbstzensur, da es mit Risiken behaftet ist, als religiös angesehen zu werden.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Für Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die einer ethnischen Minderheit angehören, ist es unmöglich, durch christliche Symbole wie etwa ein Kreuz oder zu Hause aufgehängte Bibelverse ihren Glauben zu offenbaren. Aber es gibt auch Berichte anderer Christen in bestimmten Gebieten, deren Häuser von den Behörden durchsucht und christliche Gemälde oder Bibelverse zerstört wurden. Auch für Christen, die Mitglieder der Partei oder des Militärs sind, würden solche Symbole ein Risiko darstellen, da sie keiner Religion angehören, geschweige denn eine Zugehörigkeit offen zeigen sollten.
  • Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt, verboten oder bestraft: Dies gilt für drei Gruppen von Christen, die Widerstand auf verschiedene Weise erfahren: 1) Angehörige ethnischer Minderheiten, vor allem der muslimischen und tibetischen, erfahren den stärksten Druck aufgrund eines Glaubenswechsels. 2) Mitglieder der Kommunistischen Partei und des Militärs erleben ebenfalls Druck, vor allem um ihren Glaubenswechsel geheim zu halten. Je nach Familie können sie jedoch zumindest zu Hause ihren Glaubenswechsel offenlegen. 3) Schließlich sehen sich junge Menschen (unter 18 Jahren) mit Ablehnung angesichts ihres Glaubenswechsels konfrontiert. Sie dürfen eigentlich keinerlei religiösen Versammlung beiwohnen. Mit dieser Regelung wird versucht, junge Menschen davon abzubringen, sich einer Religion zuzuwenden, einschließlich des christlichen Glaubens.

Christen uigurisch-muslimischer oder tibetisch-buddhistischer Herkunft müssen ihren Glauben sehr vorsichtig praktizieren. Besonders davon betroffen sind diejenigen, die in ihrer Familie die einzigen Christen sind. Sie müssen Bibeln und andere christliche Literatur sorgfältig verstecken und können darin nur mit großer Vorsicht lesen, da strenggläubige muslimische oder buddhistische Familien dies nicht akzeptieren. Sich mit anderen Christen zu treffen, stellt unter diesen Umständen eine besondere Herausforderung dar: Es ist nicht nur für die Konvertiten selbst gefährlich, sondern kann auch ganze christliche Versammlungen in Gefahr bringen. Christliche Konvertiten, deren Glaubenswechsel bekannt wurde, werden genauestens überwacht, bedroht und erleben in einigen Fällen auch körperlichen oder psychischen Missbrauch.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Alle Kinder von Christen werden gezwungen, der Bibel widersprechende Inhalte zu lernen. Das atheistische Bildungssystem richtet sich gegen Glaubensinhalte (diese Kampagne wurde während im Jahr 2018 neu gestartet). In verschiedenen Teilen des Landes wurden Kinder von Christen von Behörden dazu gezwungen, Erklärungen zu unterschreiben, dass sie „nicht religiös“ seien. Zudem wurden sie unter Druck gesetzt, den Glauben ihrer Eltern aufzudecken.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Wie bereits erwähnt, werden in einigen Landesteilen die Kinder unter Druck gesetzt, den Lehrern und Behörden mitzuteilen, wenn ihre Eltern religiös sind. Die Kommunistische Partei unternimmt größte Anstrengungen, um eine anti-religiöse Denkweise bei Kindern zu fördern. Sie warnt, religiöse Aktivitäten seien als kriminelles Verhalten zu erachten. Das führt dazu, dass viele Kinder angesichts des Glaubens ihrer Eltern verwirrt oder sogar wütend sind. Und Eltern kommen so in die schwierige Lage, sich fast ständig verteidigen zu müssen. Die Familie von Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft wird versuchen, sich in die Erziehung und Bildung der Kinder einzumischen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Falls Kinder in ihrem Glauben standhaft bleiben, obgleich ihnen ständig das Gegenteil beigebracht wird, werden Lehrer und gleichaltrige Schüler sie abzuhalten versuchen, an christlichen Aktivitäten teilzunehmen. Ihnen wird damit gedroht, sie würden ansonsten Widerstand von älteren Schülern erfahren, in einigen Regionen auch damit, ihnen würde verwehrt bleiben, die Schule abzuschließen oder weiterführende Schulen zu besuchen. Das gilt in besonderem Maße für Kinder von Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt geworden ist.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Konvertiten können nicht öffentlich getauft werden. Selbst Taufen, die geheim stattfinden, um den Glaubenswechsel eines Konvertiten zu verbergen, stellen ein gewisses Risiko dar. Desgleichen sind Taufen von Christen unter 18 Jahren nicht gestattet.

In Tibet und Xinjiang ist die Situation sehr angespannt. Je mehr Druck die Regierung auf die Gesellschaft in diesen Provinzen ausübt, desto stärker wird jeder Glaubenswechsel als Schande für die Familie und Verrat an dem eng verbundenen Gemeinschaftsleben angesehen. Daher sind Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft sehr darauf bedacht, ihren neu gewonnenen Glauben geheim zu halten. Wird jemand als Christ entdeckt, drohen Scheidung und der Verlust des Erbrechts. Christliche Trauungen oder Beerdigungen zu organisieren, erweist sich als äußerst schwierig. Von christlichen Konvertiten wird erwartet, dass sie traditionelle Hochzeitsriten befolgen. Deshalb kann eine christliche Trauung, wenn überhaupt, nur im Geheimen stattfinden. Der Wert im Bereich „Familienleben“ ist niedriger als der in anderen Lebensbereichen, da etwa die Geburtenregistrierung kein Problem darstellt.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die einer ethnischen Minderheit angehören, werden durch ihre Familie, Freunde und Nachbarn unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Ihre Kinder werden in der Schule diskriminiert und sind mit Vorurteilen von muslimischen oder buddhistischen Lehrern und Mitschülern konfrontiert. Überwachungsmaßnahmen (z. B. durch Schulbehörden und Nachbarschaftskomitees) sind im ganzen Land verbreitet; Christen sind davon ebenso betroffen wie alle anderen Bürger. Dennoch stehen Christen mit höherem Bekanntheitsgrad häufig unter besonderer Beobachtung.
  • Christen wird der Zugang zu kommunalen Institutionen aufgrund ihres Glaubens verwehrt: Christen haben Schwierigkeiten, an Bürgerforen teilzunehmen, weil diese wie die meisten kommunalen Organisationsformen auch eine politische Komponente haben. In den ländlichen Gebieten Tibets haben Lamas (buddhistische Lehrer) einen großen Einfluss auf das alltägliche Leben der Menschen, da viele von ihnen Mitarbeiter lokaler Regierungsbehörden sind. In ihren Händen liegt die Verwaltung der Grundversorgung, einschließlich der Verteilung staatlicher Hilfsgüter an einzelne Familien. Dabei werden christliche Konvertiten häufig diskriminiert oder sogar ganz von der Versorgung ausgeschlossen.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Im öffentlichen Sektor ist Diskriminierung eher an der Tagesordnung als im privaten Sektor. Gleichwohl gab es Fälle, in denen die Regierung auch hier in die Beschäftigungsverhältnisse eingriff und private Arbeitgeber dazu drängte, Verträge mit religiösen Beschäftigten zu beenden. Private Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, eine aktive Parteizelle zu haben. Religiöse Beschäftigte sind von allen öffentlichen Positionen, die eine Parteimitgliedschaft voraussetzen, ausgeschlossen.
  • Christen wurden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Zwar sind Verhöre in Xinjiang und Tibet an der Tagesordnung, doch Christen geraten diesbezüglich besonders in den Fokus, da sie als „Störenfriede“ betrachtet werden. Dies gilt zudem für Han-Chinesen, die in diesen Regionen eine Gemeinde leiten. Aber auch in ganz China werden Kirchenleiter und -mitglieder zunehmend zu Verhören in Polizeistationen und Büros der Religionsbehörde vorgeladen.

Gelegentliche Einladungen von den Behörden, „gemeinsam eine Tasse Tee zu trinken“, wie es früher der Fall war, wurden durch unverschleierte Überwachung und zeitweise unmittelbare Verhöre abgelöst. Die Behörden vor Ort scheuen nicht davor zurück, ihre Arbeitsweise vom reinen Beobachten auf hartes Durchgreifen umzustellen, um die neue Politik der Partei im Umgang mit Religionen umzusetzen. Das kann damit zu tun haben, dass sich nicht weiter die Regierung, sondern die Kommunistische Partei um alle religiösen Angelegenheiten kümmert. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurde Senioren und Eltern angedroht, ihre Staatszuschüsse würden gekürzt, sollten sie weiterhin religiös aktiv sein. Damit wird begünstigt, dass betagte Christen von ihrem sozialen Umfeld schikaniert und belästigt werden – denn man nimmt an, wer von den Behörden wie Kriminelle behandelt wird, muss irgendwie „schlecht“ sein.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Während China Religionsfreiheit in seiner Verfassung anerkennt, gibt es bei der Umsetzung dieser Freiheit große Defizite. Die Regierung propagiert weiterhin ihre kommunistische und atheistische Ideologie. Auf Ersuchen der chinesischen Behörden entschloss sich die Cambridge University Press (CUP) im August 2017 dazu, Hunderte akademische Papiere, die zur Veröffentlichung in China vorbereitet worden waren, zu zensieren, da viele dieser Dokumente als politisch brisant angesehen wurden.             
    Obwohl die CUP nach einem internationalen Aufschrei diese Entscheidung wieder zurücknahm, zeigt dieser Vorfall, dass es im Bereich „Leben im Staat“ eine Schlüsselrolle spielt, was gesagt und worüber berichtet wird – sei es in der akademischen Welt oder auf anderen Gebieten. Die Medien werden vom Staat gesteuert und sind allen Religionen gegenüber voreingenommen, was sich auch auf die Berichterstattung über Christen auswirkt. Der Zugang zu nicht vom Staat kontrollierten Nachrichten wird zunehmend unerreichbar.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden behindert oder verboten. Die Gesetze für einheimische oder ausländische Nichtregierungsorganisationen verbieten es ihnen, an religiösen Aktivitäten teilzunehmen. Der Spielraum, den christliche Nichtregierungsorganisationen haben, schrumpft damit. China erlaubt keine politischen Parteien mit Ausnahme der Kommunistischen Partei. Man nimmt sich Christen, die sich politisch organisieren, rasch an.
  • Wenn Christen sich vor Gericht verantworten mussten, wird eine internationale Beobachtung behindert. Eine solche internationale Beobachtung von Gerichtsverhandlungen wird als Beispiel einer „Einmischung von außen“ erachtet und damit untersagt.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Die Kommunistische Partei beschränkt und kontrolliert strengstens jeden öffentlichen Diskurs, einschließlich auf Online-Plattformen. Wie alle anderen Bürger sind auch Christen von diesen Einschränkungen betroffen. Wer wagt, seine Stimme zu erheben, wird rasch mundtot gemacht. Ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit ist Pastor Wang Yi, der erstmals im Dezember 2018 verhaftet und im Dezember 2019 zu 9 Jahren Haft verurteilt wurde.

Das Verbot von Religion im öffentlichen Leben in China hat sich auf Schulen und medizinisches Personal ausgeweitet. In einigen Teilen der ostchinesischen Provinz Zhejiang fordern die Behörden von Lehrern weiterführender Schulen eine schriftliche Erklärung, dass sie keine religiösen Überzeugungen haben. Laut Berichten aus anderen Regionen wurden Schulkinder, Studenten und medizinisches Personal in Krankenhäusern aufgefordert, ähnliche Erklärungen zu unterschreiben.

In den Provinzen Xinjiang und Tibet ist das öffentliche Zeigen religiöser Symbole für Christen problematisch. Ein im März 2018 veröffentlichtes Papier stellt klar: „Religionen aktiv zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft anzuleiten“ bedeute nicht nur, „gläubige Menschen anzuleiten, ihr Land und seine Patrioten zu lieben und die nationale Einheit und den ethnischen Zusammenhalt zu bewahren“. Ebenso werde von allen religiösen Gruppierungen erwartet, sich „unterzuordnen und den übergeordneten nationalen Interessen und dem chinesischen Volk zu dienen. Weiterhin sollen sie die führenden Parteimitglieder und das sozialistische System unterstützen; dem sozialistischen Pfad und dessen chinesischen Charakteristika folgen; Religionen auf chinesische Weise gestalten; die sozialistischen Kernwerte hochhalten; Chinas ausgezeichnete Traditionen fortführen; die chinesische Kultur in ihre religiösen Lehren und Grundsätze integrieren; der Rechtsstaatlichkeit gehorchen und die Landesverwaltung und deren Gesetze akzeptieren.“

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Die Regierung ist daran interessiert, eine „harmonische Gesellschaft“ aufrechtzuerhalten. In Bezug auf Religion bedeutet dies nicht mehr nur, Kirchen zu „verwalten“, sondern sie aktiv zu „leiten“. Die nie veröffentlichten und dennoch allseits wohlbekannten Regeln für christliche Kirchen sind: 1. Regelmäßige Berichterstattung an die Behörden über jüngste Aktivitäten, 2. Keine Teilhabe von ausländischen Christen, keine Finanzierung durch ausländische Geldmittel, 3. Keine öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten, 4. Nur „reguläre“ christliche Aktivitäten während heikler Phasen. Die Einhaltung dieser Regeln gibt jedoch keine Garantie dafür, dass Kirchen von den Behörden in Frieden gelassen werden. Es gibt Hinweise darauf, dass Behörden zur Steigerung ihrer finanziellen Mittel dem Vermögen von aufgelösten Kirchen nachstellen.
  • Es ist schwierig, als Kirche eine Registrierung oder einen Rechtsstatus zu bekommen: Die Religionsvorschriften werden in sehr strikter Weise durchgesetzt, was dazu geführt hat, dass Kirchen streng kontrolliert und überwacht werden. Nicht-registrierte Kirchen werden noch immer von den örtlichen Behörden dazu gedrängt, sich staatlich registrierten Kirchen anzuschließen. Eine wachsende Anzahl von Hauskirchen hat zudem Schwierigkeiten, ihre Mietverträge zu verlängern, weil die Vermieter den Druck der Behörden zu spüren bekommen, vor allen Dingen nach der Veröffentlichung der Neufassung religiöser Verordnungen. Nicht registrierte Kirchen, aber auch einige Drei-Selbst-Kirchen, die schikaniert wurden und schließen mussten, finden sich in den Provinzen Anhui, Peking, Fujian, Gansu, Guangdong, Guizhou, Hebei, Henan, Hunan, Heilongjiang, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Innere Mongolei, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanghai, Shanxi, Sichuan, Xinjiang, Yunnan, und Zhejiang (in alphabetischer Reihenfolge). Die Behörden haben ihr besonderes Augenmerk auf die Provinz Henan, da es dort eine relativ hohe Anzahl von Christen gibt und drei große Netzwerke von Hauskirchen dort ihren Ursprung haben.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Christliche Aktivitäten sind außerhalb speziell für religiöse Zwecke bestimmter Zonen nicht erlaubt. Auch religiöse Prozessionen, die auf eine lange Tradition zurückblicken, werden genau beobachtet und räumlich, zeitlich und in Bezug auf die Anzahl der Teilnehmer beschränkt.
  • Die Arbeit mit Jugendlichen wurde eingeschränkt: Es ist Kindern unter 18 Jahren streng verboten, zur Kirche zu gehen. Dieses Verbot wird landesweit durchgesetzt, besonders streng aber in den Provinzen Henan und Gansu.

Die chinesischen Behörden haben im September 2018 Entwürfe für neue Richtlinien erstellt, um „chaotische“ Informationen im Internet zu Religionen einzudämmen. Online verfügbare Materialien waren immer eine der größten Quellen der Ermutigungen und der Lehre für Christen in ganz China, besonders in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Der Onlineaustausch von Materialien ist nun seit September 2018 nur noch erlaubt, wenn die lokale Behörde für religiöse Angelegenheiten eine Lizenz dafür ausstellt. Einige Medien wie die Liveübertragung von Predigten sind gänzlich verboten. Berichten zufolge müssen Pfarrer und Priester eine Ideologie-Prüfung bestehen. Darin zeigt sich das Bestreben, sowohl katholische Kirchen als auch die der Drei-Selbst-Bewegung effektiver zu kontrollieren.

Es sollte erwähnt werden, dass die Umsetzung der neuen Verordnung hauptsächlich Sache der lokalen Behörden ist. Da nun die Kommunistische Partei die Verantwortung für religiöse Angelegenheiten hat, wird ein einheitlicherer und rigoroserer Ansatz verfolgt. Christen in China erleben zwar weiterhin Unterschiede in Bezug auf die gewährten Freiheiten in verschiedenen Landesteilen, doch die Mehrzahl der Beobachter stimmt darin überein, dass diese Freiheiten rapide abnehmen. Kirchen werden überwacht und geschlossen, wenn es als nötig angesehen wird – und dies gilt nicht mehr nur für große, einflussreiche Gemeinden, die häufig als politisch aktiv wahrgenommen werden.

Es schwebt ein Damoklesschwert über allen nichtregistrierten Kirchen Chinas, und der Faden, der dieses Schwert hält, wird immer dünner. Wenn Peking es fordert, wird man sie zur Registrierung unter dem Dach der Drei-Selbst-Bewegung auffordern und verlangen, dass sie entsprechend den oben genannten Richtlinien handeln; andernfalls müssen sie die Konsequenzen tragen. Sogar die Kirchen der Drei-Selbst-Bewegung stehen unter großem Druck, vor allem ihre Pastoren, wie der Selbstmord von Pastor Song Yongsheng in Shangqiu in der Provinz Henan zeigt.

Auftreten von Gewalt

  • Die Verhaftungen christlicher Leiter, die dabei oft geschlagen wurden, gingen meist einher mit Angriffen auf Kirchen. Solche Vorfälle gab es in mehreren Provinzen, besonders jedoch in Henan, einer bevölkerungsreichen Provinz mit beachtlicher christlicher Minderheit, und beispielsweise in Jiangxi. Die Angriffe wurden zumeist durch Mitglieder des Sicherheitsdienstes oder der Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront durchgeführt. Manchmal wurden auch Mobs lokal angeheuert.
  • Wie bereits erwähnt, werden Kirchenleiter oft im Kontext weitreichender Maßnahmen gegen Kirchen verhaftet. Der Arrest kann sich nur über wenige Stunden, aber auch über Jahre erstrecken. Viele Pastoren werden immer wieder verhaftet.
  • Angriffe auf Kirchen zu verifizieren, erweist sich als schwierig, da die Behörden große Anstrengungen unternehmen, Berichte darüber zu unterbinden. Das bedeutet, dass viele Vorfälle erst Monate später und die meisten vielleicht überhaupt nicht publik werden. Einer Schätzung zufolge könnten es 30.000 Kirchen sein, die im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 angegriffen wurden (15.000 allein in der Provinz Henan), doch diese Zahl lässt sich unmöglich überprüfen. Basierend auf den Berichten, die für den Weltverfolgungsindex 2020 gesammelt wurden, kann die Zahl bei zurückhaltender Berechnung auf 5576 festgelegt werden. Viele dieser Berichte verwiesen zudem auf weitere Fälle, entweder in anderen Regionen oder in Bezug auf andere betroffene Kirchen, nannten jedoch oftmals keine genauen Zahlen, sondern sprachen von „mehreren“ oder „dutzenden“ Vorfällen. Solche Verweise wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. In vielen Fällen wurden Kreuze von Kirchen zerstört. Dies geschah sowohl bei Hauskirchen als auch bei Kirchen der Drei-Selbst-Bewegung. Diese Fälle erinnerten an eine Kampagne, die in der Provinz Zhejiang von 2014 bis 2016 gefahren wurde. Tausende Kirchen wurden geschlossen. Es kam zudem häufig vor, dass Vermieter von den Behörden dazu gedrängt wurden, Mietverträge mit Kirchen aufzulösen.
  • Vor allem, wo Razzien in Hauskirchen durchgeführt wurden, waren auch Wohnungen von Christen von den Durchsuchungen mitbetroffen. In anderen Fällen wurden direkt die Häuser von Christen durchsucht, christliche Bilder zerstört, die Elektrizität abgestellt und Mobiliar beschädigt.
  • Außerdem wurden südkoreanische Christen ausgewiesen, die in der Grenzregion nahe Nordkorea lebten.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Sexuelle Gewalt

Christliche Leiter werden zur Zielscheibe in China. Da viele Kirchen, vor allem Hauskirchen, von Frauen geleitet werden, sind Frauen ähnlich massiv von Verfolgung betroffen wie Männer. Doch im Gegensatz zu Männern werden manche Frauen während ihrer Haft vergewaltigt. Darüber hinaus berichten Quellen, dass es Frauen gibt, die sich allein ins Ausland retten konnten, aber gezwungen waren, ihre Kinder in China zurückzulassen. Sie tun das, weil sie wissen, dass sie inhaftiert und auf diese Weise genauso von ihren Kindern getrennt würden, wenn sie in China blieben. Eine Ausnahme der sozialistischen Regel der Gleichbehandlung in Bezug auf Verfolgung ist die Situation von Christinnen muslimischer oder tibetischer Herkunft. Diese Frauen sind nach ihrem Glaubenswechsel verletzlicher, da sie das Sorgerecht für ihre Kinder und das Erbrecht leichter verlieren können. Auch kann durch Androhung von Scheidung wegen ihres neuen Glaubens zusätzlicher Druck auf sie ausgeübt werden. Alle Bemühungen der Sinisierung haben bisher nur geringen Einfluss auf solche Traditionen gezeigt.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt

Ähnlich der Situation von Christinnen, sind es besonders die christlichen Leiter unter den Männern, die ins Fadenkreuz geraten. Jedoch sind es vor allem die Jungen und Männer, die körperliche Gewalt erleiden, etwa indem sie von Polizeibeamten geschlagen werden. Außerdem sind Männer weiterhin meist die Hauptverdiener der Familie. Wenn sie festgenommen werden oder ihnen angedroht wird, sie würden ihre Arbeit verlieren, belastet das die finanzielle Situation der ganzen Familie. In vielen Fällen hinterlassen die Untersuchungshaft von mehreren Wochen oder Monaten und die harsche Behandlung körperliche Verletzungen. In manchen Fällen ist eine Rückkehr zur Arbeit für die Männer unmöglich. In extremen Fällen brauchen diese Personen spezielle medizinische Behandlung. Dies trifft sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen werden auch Muslime in Xinjiang, tibetische Buddhisten und Anhänger des Falun Gong von der Regierung unterdrückt. Details dazu können im Spezialbericht „The Battle for China's Spirit“ (Der Kampf um Chinas Seele) der Nichtregierungsorganisation Freedom House vom Februar 2017 eingesehen werden. China verteidigt unterdessen öffentlich seine Politik der Festsetzung von bis zu einer Million muslimischer Uiguren und ethnischer Kasachen in Gefangenenlagern in Xinjiang mit dem Vorwand, der Kampf gegen den extremistischen Islam mache diese Maßnahmen nötig. Durchgesickerte Dokumente der Kommunistischen Partei, die im November 2019 veröffentlicht wurden, offenbaren, wie systematisch und strikt das Durchgreifen gegen die Uiguren ist und dass die Lager alles andere als „Berufsbildungszentren“, wie sie offiziell genannt werden, sind. Die Dokumente tragen den passenden Titel „Absolut keine Gnade“, einer Zeile aus einer durchgesickerten geheimen Ansprache von Präsident Xi. Ebenfalls im Fadenkreuz der Verfolgung durch die Regierung ist die „Kirche des Allmächtigen Gottes“, eine in den 1990er-Jahren in China gegründete Religionsgemeinschaft. Diese auch als „Östlicher Blitz“ bekannte Gruppierung, welche lehrt, dass Jesus Christus in Gestalt einer chinesischen Frau wiedergekommen sei, ist eine von mehreren in China verbreiteten Sekten, welche teilweise christliche Wurzeln haben mögen, aufgrund ihrer Sonderlehren jedoch stark vom christlichen Glauben abweichen. Von der chinesischen Regierung wird diese Religionsgemeinschaft als gefährlich betrachtet und verfolgt.

Es gibt Berichte, wonach Mitglieder religiöser Minderheiten wie etwa Uiguren oder Mitglieder der „Kirche des Allmächtigen Gottes“ in Arbeitslagern gefangen gehalten und getötet und schließlich ihre Organe entnommen werden. Um diese Behauptungen zu untersuchen, wurde ein privates internationales Tribunal einberufen. In seinem Bericht, der im Juni 2019 veröffentlicht wurde, befindet es diese Behauptungen für glaubwürdig. Es erwähnt außerdem die Möglichkeit, dass schon in früheren Jahren auch Christen, die Hauskirchen angehört hatten, Organe entnommen worden waren.

9. Der Ausblick für Christen

Kommunistische Unterdrückung

Dass die Religionsgesetze nicht durch die Regierung, sondern von der Partei selbst umgesetzt werden, bekommen Mitglieder aller Religionen zu spüren, insbesondere Christen. Die Partei zeigt größere Unerbittlichkeit bei der Umsetzung ihrer Ziele und der Bewahrung der nationalen Ideologie und wird alles tun, was sie dazu für notwendig erachtet. Es gibt Gründe anzunehmen, dass die Betonung der Ideologie Präsident Xis und ein wachsender Kult um seine Person die Kirche in der nahen Zukunft weiter unter Druck der Sinisierung setzen wird. Die Restriktionen nehmen immer offenere und direktere Formen an, wie an den Kirchenschließungen und dem Druck zu sehen ist, den kirchlichen Dienst in Predigt und Lehre entsprechend anzupassen. Zunehmend spielt auch Gewalt bei Kirchenschließungen eine Rolle. Auch die Beschränkungen des Zugangs zu Internet und Nachrichten weisen in dieselbe Richtung.

Diktatorische Paranoia

Es gibt Pläne zur Einführung eines chinesischen Sozialkredit-Systems („Social Credit System, SCS“). Die Behörden planen, jeden Bürger bis zum Jahr 2020 mit diesem System zu bewerten, wenngleich sich dieser Zeitplan als zu ambitioniert erwiesen hat. Während diese Entwicklung für ein Land, das Online- und Mobil-Bezahlsysteme entwickelt, logisch erscheinen mag, hat ein solches Bewertungssystem sehr ernsthafte Konsequenzen. Es ergeben sich nicht nur Fragen hinsichtlich möglichen Betrugs oder dem Erkaufen einer besseren Bewertung. Was geschieht, wenn Bürger ein gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten an den Tag legen, wie etwa das Ausüben einer Religion – zum Beispiel des christlichen Glaubens? Wie werden die Konsequenzen aussehen?

Islamische Unterdrückung / Religiöser Nationalismus

Diese Triebkräfte der Verfolgung werden hauptsächlich ausgeübt durch Familie, Gesellschaft und religiöse Leiter. Sie beschränken sich auf die wenigen tausend Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft. Der Druck auf diese christlichen Konvertiten wird weiterhin hoch bleiben und möglicherweise sogar ansteigen, da diese Minderheiten eine neue Dringlichkeit der inneren Einheit sehen, da auch sie immer stärker durch die Regierung unter Druck geraten.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für China:

  • Beten Sie für das geistliche Wachstum der Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die Bevölkerungsminderheiten angehören. Diese Christen erleben in ihren kleinen Gemeinschaften Druck von Familie, Freunden und dem gesellschaftlichen Umfeld, sowie starke staatliche Kontrolle in Regionen wie Xinjiang und Tibet.
  • Bitten Sie Gott darum, dass die chinesischen Christen bei den sich verschärfenden religiösen Einschränkungen standfest bleiben und dass sie sich bei der multikulturellen Missionsarbeit effektiv beteiligen können. Beten Sie dafür, dass Jugendliche und junge Christen inmitten ihrer materialistisch geprägten Umwelt eine tiefere Beziehung zu Jesus bekommen.
  • Beten Sie, dass Jesus Christus sich den Regierungsbeamten persönlich zeigt, die versuchen, die Gemeinde unter Kontrolle zu halten.

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