Länderprofil China

China

17
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge China
Hauptreligion
Atheistische Staatsideologie
Platz Vorjahr
23
Karte China
Christen
96,70
Bevölkerung
1424.55
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 12.600
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 12.000
Leben im Staat: 13.200
Kirchliches Leben: 15.400
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil China

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 17 / 74 Punkte (WVI 2020: Platz 23 / 70 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

In Bezug auf die Kirchen wird die „Sinisierung“ (gezielte Förderung chinesischer Traditionen bei gleichzeitiger Schwächung anderer kultureller Einflüsse) landesweit durchgesetzt. Die Kommunistische Partei Chinas baut stark auf die kulturelle Identität Chinas, um an der Macht zu bleiben beziehungsweise um alles zu begrenzen, was ihren Machterhalt gefährden könnte. Die neuen Begrenzungen in Bezug auf das Internet, Social Media und Nichtregierungsorganisationen sowie die Religionsvorschriften von 2018 werden streng umgesetzt und bedeuten eine ernstzunehmende Beschränkung der Freiheit. Früher galt, Kirchen werden nur angegangen, wenn sie als zu groß oder als zu politisch wahrgenommen werden oder wenn sie ausländische Gäste einladen. Dies gilt heute so nicht mehr. Auch andere Kirchen werden überwacht oder geschlossen, unabhängig davon, ob sie eigenständig sind oder zu der offiziell anerkannten Drei-Selbst-Bewegung gehören. Es werden jedoch nicht nur neue Gesetze verabschiedet, auch die Umsetzung bereits bestehender Gesetze wird strenger. Ein Beispiel dafür ist das Verbot des Online-Handels von Bibeln im Internet, das im März 2018 Schlagzeilen machte.

Wenn in muslimisch oder buddhistisch geprägten Teilen Chinas bekannt wird, dass sich jemand von der Mehrheitsreligion abgewandt und den christlichen Glauben angenommen hat, wird dieser Christ in der Regel bedroht oder körperlich angegriffen. All dies soll dazu führen, dass er zu seinem ursprünglichen Glauben zurückkehrt. Es kommt vor, dass Ehepartner zur Scheidung gezwungen werden oder dass Nachbarn und das soziale Umfeld christliche Aktivitäten bei den lokalen Behörden oder den Dorfvorstehern melden, die Maßnahmen ergreifen, um solche Aktivitäten zu unterbinden.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

74

17

2020

70

23

2019

65

27

2018

57

43

2017

57

39

Der Anstieg um mehr als vier Punkte, nach einem Anstieg um fünf Punkte im Weltverfolgungsindex 2020 und acht Punkte im Weltverfolgungsindex 2019, zeigt eine weitere erhebliche Verschlechterung der Situation. Und dieser Anstieg spiegelt wider, dass der starke Druck auf die Kirchen, unabhängig davon, ob sie regierungsnah sind oder nicht, landesweit zu spüren ist. Die Kirche in China zeigt sich weiterhin dem Druck der Kommunistischen Partei gewachsen, beispielsweise beim Unterrichten von Kindern und Jugendlichen. Es wird jedoch immer schwieriger zu vermeiden, sich der offiziellen kommunistischen Ideologie zu fügen. Das Maß der Gewalt ist gestiegen, wobei China bereits den Höchstwert bei zerstörten oder beschlagnahmten beziehungsweise geschlossenen Kirchengebäuden erreicht. Dieses Vorgehen hat sich in nahezu jede Region des Landes verbreitet. Viele Kirchen, die durchsucht und/oder geschlossen wurden, konnten sich neu organisieren und haben sich bewusst in kleinere Gruppen aufgeteilt. Die Punktzahl für den Druck auf Christen stieg in allen fünf Lebensbereichen, was eine immer stärkere Betonung der kommunistischen Ideologie widerspiegelt; es zeigt sich darin aber auch die Tatsache, dass Bürger für die Weitergabe von Informationen über Christen und andere Minderheiten, insbesondere über kultische Aktivitäten und als kriminell angesehene Aktivitäten, benutzt (und bezahlt) werden.

Die Betonung der kommunistischen Ideologie und das übergreifende Ziel, die Herrschaft der Kommunistischen Partei zu erhalten, spiegelt sich in einem kontinuierlichen Anstieg der Punktzahlen im Leben im Staat und kirchlichem Leben wider. Dies zeigt die sehr strikte Umsetzung der Religionsvorschriften, die ursprünglich am 1. Februar 2018 eingeführt worden waren. Am 1. Februar 2020 wurde eine Reihe zusätzlicher Regeln eingeführt und in immer mehr Provinzen angewandt. Diese verschärfen die Vorschriften von 2018 zusätzlich. Der Punktwert für den Druck im Bereich Familienleben wies den größten Zuwachs an Punkten auf, was (neben anderen Entwicklungen) auf stärkere Einschränkungen bei der Durchführung von Beerdigungen mit religiösen Riten zurückzuführen ist.

2. Trends und Entwicklungen

1) China wird jede innere Bedrohung bekämpfen

Die Worte von Xi Jinping, die er 2019 aussprach, wurden prophetischer, als er es selbst wahrscheinlich erwartet hatte: „Wir müssen bei ‚Schwarzer Schwan‘-Vorfällen (d. h. unvorhergesehenen Vorfällen) in höchster Alarmbereitschaft bleiben und Maßnahmen ergreifen, um ‚Graues Nashorn‘-Vorfälle (d. h. bekannte Risiken, die ignoriert werden) zu verhindern.“ Die Covid-19-Pandemie kann als ein typisches Beispiel für einen Vorfall der Kategorie „schwarzer Schwan“ angesehen werden (obwohl es seit Jahren allgemeine Warnungen vor einer globalen Pandemie gibt). Niemand hätte erwartet, dass dies das schwächelnde, aber immer noch beeindruckende Wirtschaftswachstum, das China in den letzten Jahrzehnten genossen hat, entgleisen lassen könnte. Auch wenn sich die Wirtschaft schnell erholen dürfte, werden die Auswirkungen noch jahrelang zu spüren sein. Dies gilt auch auf sozialer Ebene, da Millionen von Menschen von Arbeitslosigkeit bedroht sind und Gefahr laufen, in die Armut zurückzufallen. Und selbst wenn es gut ist, dass die Beseitigung der „absoluten Armut“ bis zum Jahr 2020 als Ziel erklärt wurde, werden Hunderte von Millionen jedoch weiterhin darum kämpfen, über die Runden zu kommen. Um die brodelnde Unzufriedenheit unter Kontrolle zu halten, werden zweifellos zunehmend Überwachungsinstrumente und ähnliche IT-Anwendungen eingesetzt – vor allem, da das Jahr 2021 näher rückt, das Jahr, in dem die Kommunistische Partei ihr 100-jähriges Bestehen feiert.

Die Macht von Präsident Xi ist gefestigt und unangefochten, und alle Elemente innerhalb der Partei, die ihm gegenüber als nicht (ausreichend) loyal empfunden wurden, wurden entfernt oder ins Abseits gedrängt. Der Einfluss der Kommunistischen Partei Chinas erstreckt sich auf alle Bereiche der Gesellschaft, einschließlich der Wirtschaft, der Medien und der Nichtregierungsorganisationen. Einem kürzlich erschienenen Bericht zufolge hat es seit Xi Jinpings Übernahme des Postens des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei 260 Selbstmorde und Unfälle von Politikern und Führungspersonen in der Wirtschaft gegeben. Seine Herrschaft hat zu einer (in jüngster Zeit beispiellosen) Einschränkung der Freiheit in allen Bereichen der Gesellschaft geführt. Die bevorzugte Denkrichtung wurde dadurch unterstrichen, dass Präsident Xi Jinpings eigener politischer Denkansatz auf dem neunzehnten Parteikongress Eingang in die Parteistatuten fand. Einem noch lebenden Präsidenten ist dies nunmehr, seit Mao Zedong, das erste Mal gelungen. Dieser Schwerpunkt wurde auch dadurch verdeutlicht, dass Präsident Xi Jinping einen neuen Titel erhielt, der ihn als „Kern der Parteiführung“ bezeichnet – ein Titel, den man in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr gehört hat. Die Grundbotschaft ist, dass jeder, der die kommunistische Ideologie nicht annimmt und verinnerlicht (wie es bei den meisten Kirchen der Fall ist), mit Repressionen auf verschiedenen Ebenen zu rechnen hat. Das Vierte Plenum der 19. Sitzung des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, welche Ende Oktober 2019 stattfand, bestätigte die Rolle des „Kerns“ und verlieh ihm sogar noch mehr Befugnisse. Die nächste (d. h. die 20.) Runde von Treffen mit neuen Ernennungen in das Politbüro – und möglicherweise eine beispiellose dritte Amtszeit von Präsident Xi – ist für 2022 geplant und wirft bereits ihre Schatten voraus.

Die religiöse Sphäre ist ein Segment der Gesellschaft, das gemäß der Sichtweise der Kommunistischen Partei Chinas einer strengen Kontrolle bedarf. Aus diesem Grund wurde das „Staatliche Amt für religiöse Angelegenheiten“ der Regierung entzogen und zu einer Untereinheit der „Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront“ (United Front Work Department – UFWD) der Kommunistischen Partei gemacht. Diese Neustrukturierung der Verantwortlichkeiten wird von der Führung als sehr wichtig erachtet. Internationale Beobachter haben ihre Aufmerksamkeit in der Regel auf Regierungsstellen gerichtet und neigten in der Vergangenheit dazu, die Bedeutung der Einheiten der Kommunistischen Partei zu unterschätzen. Allerdings wurde der UFWD ein größeres Budget zugeteilt als vielen Regierungsministerien.

In der Fülle der Herausforderungen, der die Regierung gegenübersteht, versucht Chinas Führung, alles unter Kontrolle zu halten. Die Partei hat die Revolutionen, die kommunistische Regierungen beseitigt und arabischen Nationen herausgefordert haben, sorgfältig studiert. Es scheint, dass Christen nur dann als eine positive und förderliche Kraft für die Errichtung einer „harmonischen Gesellschaft“ angesehen werden, wenn sie sich sinisieren und voll und ganz dem kommunistischen und sozialistischen Denken unterwerfen. In dieser Hinsicht geraten selbst regierungsnahe Kirchen zunehmend unter Druck. Die Kirchen werden anscheinend von der Regierung als eine erhebliche Bedrohung angesehen, wenn man nach der fortgesetzten Umsetzung der neuen Religionsvorschriften geht, die durch die ab dem 1. Februar 2020 eingeführten zusätzlichen Vorschriften noch verschärft werden. Was derzeit geschieht, kann nur als eiserner Griff der Kommunistischen Partei bezeichnet werden. Ein Beobachter drückte es so aus: „Die Ausrottung des Virus der Religion ist zu einer der wichtigsten Aufgaben der Kommunistischen Partei Chinas geworden.“

2) China ist bereit, sich externen Bedrohungen zu stellen

Nach allem, was im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2021 geschehen ist, ist es schwer zu bestimmen, was die derzeit größte externe Bedrohung für die Kommunistische Partei ist. Ein gemeinsamer Nenner der Vielzahl von Herausforderungen ist jedoch der eskalierende Streit mit den USA und die zunehmend gewalttätigen und konfrontativen Aktionen und Reaktionen Chinas, für die Beobachter den Begriff „Wolfskrieger-Diplomatie“ geprägt haben. Man kann mit Fug und Recht sagen, dass die amerikanisch-chinesischen Beziehungen auf einem historischen Tiefstand sind, seit die Länder 1979 volle diplomatische Beziehungen aufgenommen haben. Was als ein – aus heutiger Sicht – eher begrenzter Handelskrieg begann, ist im Juli 2020 mit der Schließung der diplomatischen Vertretungen in Houston und Chengdu und einem Prozess der (wirtschaftlichen) „Entkoppelung“ eskaliert.

In einer zunehmend unsicheren Welt hat die Kommunistische Partei nicht nur ihren ideologischen Antrieb verstärkt, sondern auch viele Nachbarländer herausgefordert. Chinas Ideologie wird immer konservativer und verfolgt – trotz des Anspruchs auf Freihandel – einen entschieden nationalistischen Weg. Viele chinesische Bürger betrachten den Handelskrieg mit den USA als einen Versuch, Chinas wachsende Wirtschaftskraft einzudämmen. Dieser Weg ist jedoch mit vielen Herausforderungen verbunden, da nationalistische Gefühle zwar leicht beschworen, aber nur schwer im Zaum gehalten werden können. Die Kommunistische Partei scheint sich dieses Problems sehr wohl bewusst zu sein, wie ihre Schließung des US-Konsulats in Chengdu als Reaktion auf die Schließung ihrer diplomatischen Vertretung in Houston durch die USA zeigt. Sie hätte leicht nationalistischen Forderungen nach einer scharfen Reaktion nachgeben können, sei es durch Einschränkungen der Funktionsfähigkeit der US-Botschaft oder durch die Schließung eines größeren und wohl wichtigeren Konsulats, z. B. des Konsulats in Shanghai oder sogar in Hongkong. Die Kommunistische Partei verzichtete jedoch darauf, indem sie ein mit dem geschlossenen Konsulat in Houston in Größe und Bedeutung vergleichbares Konsulat wählte.

Der Knackpunkt liegt jedoch wohl in Hongkong. Der Gegner ist hier nicht nur die USA. In einem beispiellosen Schritt haben fast 50 unabhängige UN-Rechtsexperten und Mandatsträger gemeinsam gefordert, dass China seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommen muss, bevor das „Nationale Sicherheitsgesetz“ in Kraft trat. Die gesamte Einrichtung des Nationalen Sicherheitsgesetzes mit neuen Institutionen und Führungskräften zeigt, dass die Behörden es mit der Umsetzung ernst meinen. Beispielsweise wurde Xia Baolong zum Leiter des Büros für Hongkong-Angelegenheiten ernannt. Er verfügt über frühere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Präsident Xi und war Chef der Kommunistischen Partei in Zhejiang, als die Behörden tausende Kreuze auf Kirchen in dieser Provinz zerstörten. Daher befinden sich, wie es ein Beobachter formulierte, die Menschen in Hong Kong wie in China in einem eisenharten Griff. Die Entwicklungen sind wechselhaft und weitreichend – auch über Hongkong hinaus. Und Taiwan ist ein wahrscheinlicher zweiter Brennpunkt und könnte sogar zum Auslöser eines größeren Konflikts werden.

3) Was dies für Christen bedeutet

Da Christen oft als Unterstützer ausländischer Kräfte und als für China fremd angesehen werden, empfindet man sie und ihre Kirchen natürlich als Bedrohung. Deshalb wird sich der Druck auf sie wahrscheinlich noch verstärken, auch auf die Kirchen in Hongkong, die oft hin- und hergerissen sind zwischen der Unterstützung der Behörden Hongkongs und der Unterstützung der Protestbewegung.

Christen sind und werden auch weiterhin am stärksten von der Triebkraft der kommunistischen Unterdrückung betroffen sein; die Kommunistische Partei hinter der Regierung in Peking hat ein negatives Klima für alle Formen der Religion geschaffen und übt Druck auf sie aus. Was ein chinesischer Blogger vor einigen Jahren sagte, klingt wahrer denn je: „Egal, an welche Religion Sie glauben, es gibt nur eine Regel: Sie müssen den Befehlen der Partei folgen und anerkennen, dass die Kommunistische Partei über alle Kirchen gestellt ist. Wenn Sie Christ sind, ist die Kommunistische Partei der Gott Ihres Gottes; wenn Sie Buddhist sind, ist die Kommunistische Partei der Buddha Ihres Buddhas; für Muslime ist die Kommunistische Partei der Allah Ihres Allahs. Was den lebenden Buddha angeht, so kann nur die Kommunistische Partei bestimmen, wer der nächste Buddha sein wird. Die Partei will, dass Sie sagen, was die Partei von Ihnen hören möchte; die Partei will, dass Sie tun, was die Partei wünscht. Gläubige verschiedener Religionen müssen ihren Glauben so ausüben, dass der Wille der Partei erfüllt wird. Wenn Sie dies nicht tun, werden Sie durch die Diktatur unterdrückt.“ Mit der Einführung des Sozialkredit-Systems (selbst wenn es flächendeckend erst später eingeführt wird als geplant), werden die Behörden Wege finden und die nötigen technischen Mittel haben, ihre Pläne zu verwirklichen. In absehbarer Zukunft stehen Christen und Gemeinden in China schwere Zeiten bevor.

Ein Beobachter fasste die Vorschriften zur Religion, einschließlich derer, die im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 am 1. Februar 2020 in Kraft traten, wie folgt zusammen: „Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der politische Kontext, in dem die neuen Regelungen und Gesetze zustande gekommen sind, das Wiederaufleben des militanten Atheismus als zentraler Bestandteil der marxistisch-leninistisch-maoistischen Ideologie der Kommunistischen Partei Chinas ist. Angetrieben von dieser Ideologie hat der Parteistaat versucht, religiöse Organisationen durch die politische Kampagne ‚Zhongguohua‘ zu unterwerfen, eine Kampagne, die eine Form der kulturellen Anpassung an ethnische Han-Mehrheitstraditionen und der politischen Unterwerfung unter die Kommunistische Partei Chinas darstellt. Die jüngsten Verordnungen und Gesetze dienen der Umsetzung dieser Religionspolitik. Die institutionelle Religionsfreiheit in der Volksrepublik China hat unter der Herrschaft von Xi Jinping einen neuen Tiefpunkt erreicht.“

Allgemeiner ausgedrückt: Die Einsicht, dass der Kommunismus ein Glaube ist und deshalb Konkurrenten entgegentritt, ist nicht neu, aber sie dürfte weitreichende Folgen für die Zukunft haben. Derselbe Gedanke wurde aus christlicher Sicht ausgedrückt, als ein katholischer Berichterstatter sagte, die Kommunistische Partei verlange, dass „was Gott übergeben werden muss, auch Cäsar übergeben werden sollte“. All dies veranschaulicht die ideologische Herausforderung, der Christen und andere Religionen im heutigen China gegenüberstehen und die in einem offenen Brief an China anlässlich seines 70. Jahrestages am 1. Oktober 2019 dargestellt wurde.

3. Religiöse Situation im Land

Als kommunistisches Land ist China – zumindest in der Theorie – gegen alle Religionen, da die marxistische Lehre besagt, dass „Religion das Opium des Volkes ist“. Gemäß seiner Verfassung ist China atheistisch. Aber wie in allen kommunistischen Ländern stellt die Regierung fest, dass die Menschen dazu neigen, religiös zu sein, und so versucht sie, traditionelle Religionen und Ethik als Mittel zur Kontrolle und Steuerung der Gesellschaft einzusetzen. Daher wird die traditionelle chinesische Kultur im Allgemeinen und der Konfuzianismus im Besonderen als wahrhaft chinesisch gepriesen. Die Botschaft ist folgende: „Wenn jemand einen Glauben braucht, dann sollte er konfuzianisch sein“, ein Schritt, der rund 40 Prozent der Bevölkerung auf die Seite der Regierung bringt. Und da der Konfuzianismus mehr eine Philosophie als eine Religion ist, ist er recht flexibel und kann sich mit allen Arten von Herrschern abfinden, auch mit kommunistischen. Der Konfuzianismus kann somit sowohl als ethische Grundlage für die Staatsverfassung als auch als Quelle für die soziale Ordnung dienen. Wie ein Länderbeobachter es ausdrückte: Das Ziel der Partei ist die Vereinnahmung der Religion für die kommunistische Gesellschaft.

Gleichzeitig führt die chinesische Regierung in ausgewählten Regionen ein Pilotprojekt durch, um die Bürger durch Belohnungen zur Meldung von Verbrechen (einschließlich illegaler christlicher Aktivitäten) zu mobilisieren. Die starken Warnungen vor religiösen Gruppen tragen Früchte: Die Bürger beginnen, religiöse Gruppen als gefährlich zu betrachten und wollen sie nicht mehr in ihrer Nachbarschaft haben. Wie immer in China ist diese Stimmung nicht im ganzen Land zu spüren. Während Premierminister Li Keqiang betonte, dass die Sinisierung der Religion in China aufrechterhalten werden müsse, behauptete Xu Xiaohong, Leiter des Nationalkomitees der Drei-Selbst-Bewegung der protestantischen Kirchen in China, im März 2019, der Westen benutze das Christentum, um die chinesische Gesellschaft zu beeinflussen und die Macht zu untergraben. Die oberste Priorität der Kommunistischen Partei ist die Aufrechterhaltung der Stabilität; Religion, einschließlich des Christentums, wird als eine Destabilisierung des Systems angesehen. Es mag jedoch zutreffender sein, den Begriff „Chinafizierung“ anstelle von „Sinifizierung“ zu verwenden, da das eigentliche Ziel nicht darin besteht, kulturelle Einheitlichkeit zu erlangen, sondern politische Konformität und Gehorsam gegenüber der chinesischen Regierung zu gewährleisten.

Der tibetische Buddhismus und der Islam (insbesondere in der Provinz Xinjiang) sehen sich besonders harten Einschränkungen ausgesetzt, da ihre Aktivitäten weithin als politische Aktivitäten angesehen werden, weil es in beiden Regionen Unabhängigkeitsbewegungen gab oder noch gibt, die teilweise gewaltsam gegen die Behörden vorgehen. Viele Beobachter bezeichnen Xinjiang als Polizeistaat: Als die Existenz von Umerziehungslagern für hunderttausende Bürger nicht länger verheimlicht werden konnte, erklärten die Behörden einfach, dass diese Lager beruflichen und anderen Ausbildungszwecken dienten, und versuchten, die internationale Meinung durch sorgfältig organisierte Lagerführungen zu ihren Gunsten zu prägen. Einheimischen Quellen zufolge haben auch Christen anderer religiöser Herkunft diese Programme durchlaufen. Die kleine Zahl der christlichen Konvertiten innerhalb der Minderheitsreligionen kämpft ums Überleben, da sie sowohl von der Regierung als auch von der sie umgebenden Kultur unter Druck gesetzt werden; aber selbst Han-Christen haben unter diesen Umständen Mühe, ihren Glauben zu praktizieren und ihre christlichen Versammlungen verborgen zu halten. Es gibt noch andere ethnische Minderheitenreligionen, aber sie stehen nicht im Mittelpunkt der staatlichen Unterdrückung.

Die „Sinisierung“ (oder „Chinafizierung“) der Kirchen geht weiter. Seit dem 1. Februar 2020 gelten neue Regeln für die Organisation der Religion, ihre Riten, die Auswahl ihrer Leiter und die Einstellung von Personal. Aufgrund der neuen Religionsvorschriften und ihrer verschärften Umsetzung (sowohl in der Tiefe als auch in der Breite) tauchen zahlreiche Berichte über Razzien und Schließungen von Kirchen auf – sowohl bei Drei-Selbst-Kirchen als auch bei Hauskirchen im ganzen Land. Dabei werden Eigentum und christliche Materialien (einschließlich Bibeln) beschlagnahmt, Razzien durchgeführt, Geldstrafen verhängt und Kirchenleiter verhaftet.

Alle Aspekte des kirchlichen Lebens stehen nun unter der Aufsicht des Amtes für religiöse Angelegenheiten und der Kommunistischen Partei. Die kommunistischen Bildungsbehörden verändern Werke der internationalen Literatur, in denen es Hinweise auf den christlichen Glauben oder Gott gibt. Die Entscheidung, diese berühmten Geschichten für ältere und jüngere Kinder zu verändern und sie für die kommunistische Weltanschauung akzeptabler zu machen, schließt Klassiker von Hans Christian Andersen und Daniel Defoe ein, und zeigt, wie weit die Behörden bereit sind zu gehen, um die Bürger zu beeinflussen. In einer Rede, die ein hochrangiges Mitglied der Kommunistischen Partei im November 2019 hielt, wurde das „Komitee für ethnische Gruppen und Religion der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ gebeten, heilige Schriften (wie die Bibel), gemäß den sozialistischen Grundwerten neu zu interpretieren und zu übersetzen. Das Ziel scheint die Förderung und Ausbildung von Bibelforschern zu sein, die an einem Bibel- Kommentar beziehungsweise einer Exegese auf der Grundlage der sozialistischen Grundwerte arbeiten.

Ein weiteres Beispiel für die Auferlegung dieser „Aufsicht“ des Amtes für religiöse Angelegenheiten kann man in der Provinz Shandong (und zunehmend auch anderswo) sehen. Dort werden die Kirchen gezwungen, von der Regierung erstellte Plakate mit Bibelversen auszuhängen, die die zwölf Grundprinzipien des Sozialismus illustrieren, nämlich: Wohlstand, Demokratie, Höflichkeit, Harmonie, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit, Patriotismus, Hingabe, Integrität und Freundschaft. Dieselben Prinzipien werden in Ausbildungskurse für Kirchenleiter und Prediger aufgenommen. Ein weiteres Beispiel aus dem Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 ist ein Ethiklehrbuch, das für berufsbildende Sekundarschulen veröffentlicht wurde. Dort wurde das Ende des biblischen Berichts über Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde (zu finden im Neuen Testament, Johannes-Evangelium in Kapitel 8), abgeändert. In der kommunistischen Version der Geschichte beschützt Jesus die Ehebrecherin nicht und vergibt ihr nicht, sondern er wartet, bis die Pharisäer gehen, und steinigt sie dann selbst. Dabei sagt er: „Auch ich bin ein Sünder. Aber wenn das Gesetz nur von Männern ohne Makel ausgeführt werden könnte, wäre das Gesetz tot.“ Da Schulbücher vor ihrer Veröffentlichung einen strengen Prüfungsprozess durchlaufen müssen (und da der Verlag die staatlich geführte „University of Electronic Science and Technology Press“ ist), müssen die chinesischen Behörden diese Version gesehen und genehmigt haben.

In China gibt es viele unterschiedliche Arten von Sekten, von denen einige zwar christliche Wurzeln haben mögen, aber deutlich von der christlichen Lehre abweichen. Eine der bekanntesten ist die „Eastern Lightning“ oder „Church of the Almighty God” (CAG), die glaubt, dass Jesus Christus in der Gestalt einer chinesischen Frau wiedergeboren wurde. Der starke missionarische Eifer der CAG hat die Behörden veranlasst, hart gegen solche Gruppen vorzugehen, die als „xie jiao“ bezeichnet werden (wörtlich übersetzt heißt das „heterodoxe Kulte“, ein Begriff, der bereits im alten, feudalen China verwendet wurde). Die Behörden auf lokaler Ebene sind jedoch oft nicht in der Lage, zwischen einer Sekte und einer echten christlichen Gruppe zu unterscheiden, sodass echte christliche (Haus-)Kirchen manchmal auch unter die Sektenkategorie der Behörden fallen.

Aufgrund der raschen Urbanisierung entwickelt sich die chinesische Kirche von einer im Grunde ländlichen Kirche zu einer Stadtkirche mit vielen Mitgliedern und allen damit verbundenen Chancen und Problemen. Abgesehen von den langen Arbeitszeiten, die in der modernen Industrie erwartet werden (was die traditionellen Formen der Zusammenkunft in Frage stellt), bereiten auch steigende Preise Schwierigkeiten. Da die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren erheblich gestiegen sind, müssen Kirchen Pastoren und ihre Familien finanziell unterstützen. Laut der Studie „China Religion Survey 2015“ liegt das Durchschnittseinkommen eines Geistlichen bei umgerechnet 70 US-Dollar, wobei 41 Prozent keine Rente haben. Trotz aller Herausforderungen gibt es unter Chinas Kirchen eine wachsende Bewegung, die sich auf die Mission in Übersee konzentriert.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Das übergeordnete Ziel der Kommunistischen Partei ist der Machterhalt, den sie durch nationale Einheit und die Minimierung ausländischer Einflüsse zu sichern versucht. Die Regierenden tun alles aus ihrer Sicht Nötige, um in diesem Bestreben Erfolg zu haben. In den vergangenen Jahren berief sich China zunehmend auf seine ideologischen Wurzeln und betonte die kommunistische Herrschaft. Präsident Xi Jinping ist wohl der stärkste kommunistische Führer seit Mao Zedong und der „Kern der Partei“. Der neunzehnte Parteikongress zeigte, wie sehr sich die Partei wieder auf die kommunistische Ideologie fokussiert. Dabei wurde unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Partei diese Fokussierung auch von sämtlichen Regierungsvertretern und zivilgesellschaftlichen Beteiligten erwartet. Gemäß den aktualisierten Regeln der Kommunistischen Partei werden alle Mitglieder, die sich selbst nach „verstärkter Ausbildung der Gedanken“ weiterhin an religiöse Überzeugungen klammern, „aufgefordert, die Partei zu verlassen“. Interessanterweise hält sich der Parteikongress zurück, einen „mutmaßlichen Nachfolger“ für die Regierungsführung zu nominieren, hat aber die Limitierung der Amtszeit des Präsidenten beseitigt. Präsident Xi schrieb sich selbst in die „Vorschriften über die Arbeit des Zentralkomitees“ ein und machte seine Machtposition unangreifbar.

Um seine eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen, da diese einen großen Einfluss in der Gesellschaft haben. Von der Kontrolle betroffen ist auch die wachsende christliche Minderheit, doch gilt dies umso mehr für die instabilen Regionen, das buddhistische Tibet und das muslimische Xinjiang. Die Regierung hat die Kontrolle in diesen Gebieten verstärkt, was nicht nur ethnische Gruppen zu spüren bekommen, die um die Unabhängigkeit kämpfen, sondern auch die jeweiligen Gruppen von christlichen Konvertiten und stärker noch die Han-Christen. Die Region Innere Mongolei ist zu einer weiteren ethnischen Minderheitsregion geworden, die unter zunehmendem Druck zur Sinisierung steht. In vielen Regionen Chinas werden christliche Aktivitäten immer stärker behindert. Auch wenn Hauskirchen in der Ausübung ihrer Aktivitäten am stärksten eingeschränkt sind, besonders im Bereich der Arbeit unter Kindern und Jugendlichen, erfahren auch die der Regierung nahestehenden Kirchen restriktive Kontrolle. Ein ähnliches Muster lässt sich auch für die katholische Kirche erkennen.

Diktatorische Paranoia

Präsident Xi Jinping hat seine Macht in einer Weise gefestigt, wie man es seit Mao Zedong nicht mehr erlebt hat. Unter seiner Führung wirkt die kommunistische Partei schon fast militant hinsichtlich ihrer Bemühungen, jegliche Bedrohung, die die Autorität der Partei in Frage zu stellen scheint, anzugreifen. Das Hauptziel der Kommunistischen Partei Chinas ist der Machterhalt; zunehmend scheint dies zu bedeuten, Präsident Xi an der Macht zu halten. Mit den jüngsten Entscheidungen bei den Sitzungen des Zentralkomitees im Oktober 2020 ebnete Präsident Xi sich den Weg, um bis 2035 an der Macht bleiben zu können. Dann wäre er 82 Jahre alt. In gewisser Hinsicht stellt Ideologie ein Werkzeug dar, um dieses Ziel des Machterhalts zu erreichen – eher ein Mittel zum Zweck und nicht das eigentliche Ziel. So wird zum Beispiel der christliche Glaube nicht unbedingt aufgrund seiner theologischen Inhalte als mögliche Bedrohung gesehen, sondern weil sich Menschen im Namen einer Sache versammeln und organisieren, die außerhalb der Kontrolle der Partei liegt.

Islamische Unterdrückung / Religiöser Nationalismus – Buddhismus

Vorbemerkung: Auch wenn im Folgenden die Intensität der Triebkraft der islamischen Unterdrückung und die des religiös motivierten Nationalismus als schwach beschrieben wird (im Gegensatz zu einer mittleren Intensität dieser Triebkräfte auf dem Weltverfolgungsindex in den vergangenen Jahren), so bedeutet dies nicht, dass sich die Situation vor Ort verbessert hätte. Vielmehr ist diese Neueinordnung ausschließlich der Analysemethodik des Weltverfolgungsindex geschuldet, bei der nicht nur Landesteile, sondern Länder als Ganzes bewertet werden. Eine Anpassung war nötig, weil die Provinzen Xinjiang und Tibet äußerst spärlich besiedelt sind und zusammen nur etwa zwei Prozent der chinesischen Bevölkerung ausmachen. Tatsächlich verschlechterte sich die Situation für alle Bürger dieser Regionen, einschließlich Christen, da die Behörden den Druck erhöhten.

Der nordwestliche Staat Xinjiang, in dem die muslimische Minderheit der Uiguren lebt, ist im Berichtszeitraum noch stärker kontrolliert worden. Beobachter sprechen bereits von einem Polizeistaat, vor allem, seitdem dort Umerziehungslager geschaffen wurden. Das Leben der wenigen Christen muslimischer Herkunft – höchstwahrscheinlich einige Tausend – ist extrem schwierig. Sie erleben den bereits beschriebenen allgemein erhöhten Druck vonseiten der Regierung und müssen zusätzlich mit Problemen durch die eigene Familie, Nachbarn und Freunde rechnen. Jedes Abweichen von der islamischen Glaubenstradition wird als Schande und sogar Verrat angesehen, da nach gängigem Verständnis jeder Uigure Muslim sein sollte. Auch wenn es schwierig ist, Berichte über die Situation von Christen muslimischer Herkunft zu erhalten, so weisen doch alle vorliegenden Informationen auf eine Verschlechterung hin. Gelegentlich kommt es sogar zu physischer Gewalt durch Familienangehörige. Andererseits hängt die Schwierigkeit, Berichte zu erhalten, auch mit dem starken Druck zusammen, den die Behörden auf die islamische Gemeinschaft ausübt, sodass Familien und Gemeinschaften oft auseinandergerissen werden und Konvertiten nicht unter Druck setzen können.

Ähnliche Entwicklungen betreffen auch die noch kleinere Gruppe von Christen buddhistischer Herkunft in der chinesischen Region Tibet (Westchina). Druck und Gewalt nehmen zu und die Behörden tun alles in ihrer Macht Stehende, um die tibetischen Unabhängigkeitsbestrebungen zu unterbinden. Am 1. Mai 2020 trat ein sogenanntes „Gesetz zur ethnischen Einheit“ in Kraft, das die tibetische Identität noch weiter untergräbt. Tibetische Christen sind starkem Widerstand vonseiten ihrer Familie, Freunde und ihres Umfelds ausgesetzt. In dieser Region einen „abweichenden“ Glauben zu haben, kann einen hohen Preis kosten, da ein christlicher Konvertit von der Gemeinschaft quasi ausgeschlossen wird.

5. Verfolger

Ausgehend von kommunistischer Unterdrückung

  • Politische Parteien: In ihrem Bestreben, religiöse Einrichtungen zu kontrollieren, sind die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden die stärksten Verfolger von Christen in China. Die Kommunistische Partei schränkt Christen immer stärker ein, indem sie sie kontrolliert und gegen sie vorgeht. Das liegt vor allem daran, dass Christen die größte gesellschaftliche Körperschaft in China bilden, die nicht vom Staat kontrolliert wird. In stark kommunistisch geprägten Familien können auch Familienmitglieder zu Verfolgern werden, da niemand, der Mitglied der Partei werden möchte oder eine Karriere im öffentlichen Dienst anstrebt, religiös sein darf. Muslimische und tibetische Leiter können von der Kommunistischen Partei vereinnahmt werden, um sie auf die offizielle Parteilinie zu bringen. Sofern sie als Parteifunktionäre agieren, werden sie oft ebenfalls zu Verfolgern.
  • Regierungsbeamte: Wer Regierungsbeamter höheren Rangs werden will, muss zwingend der Kommunistischen Partei angehören und ihrer Ideologie und ihren Direktiven folgen. Wer diese Voraussetzung nicht erfüllt, dem bleibt eine Karriere als Regierungsbeamter verwehrt. Ob Beamte auf allen Ebenen von der Überlegenheit des Kommunismus völlig überzeugt sind, ist eine andere Frage. Doch um sich als ideologisch vertrauenswürdig zu erweisen, müssen auch sie die Religionsvorschriften durchsetzen, vor allem jetzt, da die Kommunistische Partei über deren Einhaltung wacht. Der Grad der Umsetzung von Vorschriften variiert je nach Region, Stadt und sogar Dorf, aber insgesamt ist das Ausmaß sehr hoch.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Politische Parteien: In ihrem Bestreben, an der Macht zu bleiben, haben die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden genau untersucht, was in anderen Ländern zum Niedergang des Kommunismus geführt hat. Ein Faktor dabei ist die Kontrolle gesellschaftlicher Gruppen wie Christen, die immer noch als fremder Einfluss gesehen werden, der mit ausländischen (vorwiegend westlichen) Kräften in Kontakt steht und das Potential hat, einen signifikanten Anteil der Bevölkerung unabhängig von der kommunistischen Partei zu organisieren.
  • Regierungsbeamte: Die Position und Stellung eines Beamten beruht auf dem Machterhalt der Kommunistischen Partei und darauf, wie sehr seine Vorgesetzten mit seiner Arbeit zufrieden sind. Daher werden die meisten Regierungsbeamten alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Stellung zu sichern oder um Karriere zu machen – unabhängig davon, ob sie persönlich von der kommunistischen Ideologie überzeugt sind oder nicht. Die Durchsetzung des nationalen politischen Kurses ist allein schon aufgrund der Größe des Landes herausfordernd. Doch die Kommunistische Partei übt hohen Druck auf ihre Beamte aus, die Vorschriften umzusetzen; auch zusätzliche Anreize werden gegeben, besonders, da es zu den höchsten Prioritäten der Partei zählt, religiöse Gruppierungen im Zaum zu halten.

Ausgehend von islamischer Unterdrückung und religiös motiviertem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter und Anführer ethnischer Gruppen: Die kleine Gruppe von Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft steht vor großen Problemen, ausgelöst durch muslimische oder buddhistische religiöse Leiter. Diese sind nach wie vor in Xinjiang und Tibet äußerst einflussreich und haben dort in vielen Fällen auch offizielle Ämter inne oder gehören der Kommunistischen Partei an. Manche von ihnen üben ihren Einfluss aus, indem sie Riten wie Hochzeiten oder Beerdigungen für die Einheimischen durchführen. Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft stoßen in all diesen Fällen auf Schwierigkeiten, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Während auf Landesebene der Einfluss dieser Leiter auf den Druck auf Christen schwach ist (und damit hier auch als „schwach“ benannt ist), ist ihr Einfluss auf regionaler und lokaler Ebene sehr stark.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft erfahren durch ihr soziales Umfeld und ihre eigenen Eltern oder ihre Familie zusätzlich hohen Druck, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Ein Glaubenswechsel ist mehr als nur ein Wechsel der Religion; er wird als Verrat an der Familie und dem näheren sozialen Umfeld angesehen. Während auf Landesebene deren Einfluss auf den Druck auf Christen schwach ist (und damit hier auch als „schwach“ benannt ist), ist ihr Einfluss auf regionaler und lokaler Ebene sehr stark.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die zu einer ethnischen Minderheit gehören, erfahren in China wohl die stärkste Verfolgung, da diese auch vonseiten ihrer Familien und ihres sozialen Umfelds ausgeht. Regionale Brennpunkte der Verfolgung sind daher Xinjiang, Tibet und Südwestchina mit den Provinzen Guizhou, Sichuan und Yunnan. Viele Tibeter leben im Westen von Sichuan, und auch in Guizhou und Yunnan gibt es viele ethnische Minderheiten. In Yunnan zum Beispiel lebt auch die Minderheit der Hui-Muslime.

Auch die Provinzen Henan, Zhejiang, Anhui und Jiangxi können als regionale Brennpunkte der Verfolgung gelten, da dort viele protestantische Christen leben, genauso Hebei, wo es eine große Anzahl katholischer Christen gibt. Gleichwohl sehen sich Christen und christliche Kirchen überall im Land mit Restriktionen und Überwachung konfrontiert. Aus allen Provinzen wird davon berichtet. So wurde beispielsweise im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2021 darüber berichtet, dass hunderte Kreuze von Kirchen und kircheneigenen Gebäuden in den Provinzen Anhui, Fujian, Jiangsu und Jiangxi demontiert wurden.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Im Vergleich zu den unten genannten Kategorien von Verfolgung betroffener Christen genießt diese Gruppe der ausländischen Christen mehr Freiheiten. Allerdings werden sie überwacht und unterliegen Einschränkungen bei ihren Kontakten zu lokalen chinesischen Kirchen. Chinesische Behörden versuchen jedoch, ausländische christliche Missionare ausfindig zu machen, insbesondere jene aus Südkorea, aber auch aus den USA, Taiwan und Christen aus Hongkong. Bis Dezember 2018 war eine beachtliche Anzahl ausländischer Missionare gezwungen worden, das Land aufgrund von nachgewiesener oder mutmaßlicher missionarischer Aktivität zu verlassen. Anderen wurden einfach ohne Erklärung eine Erneuerung ihres Visums verweigert. Dieses Vorgehen setzte sich im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 fort, jedoch natürlich in geringerem Maß, da viele ausländische Christen bereits abgereist waren und die Angst vor dem Coronavirus den Exodus noch verstärkt hatte.

Christen aus traditionellen Kirchen und von der Regierung kontrollierten Kirchen

Diese Kategorie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Besonderheit der christlichen Gesamtgemeinde in China. Es gibt einerseits registrierte und von der Regierung anerkannte Kirchen – die protestantische Drei-Selbst-Bewegung und die Katholisch-Patriotische Vereinigung – und andererseits nichtregistrierte, unabhängige Kirchen, wovon auf katholischer Seite es sich um vatikantreue Gemeinden handelt. Kirchen der protestantischen Drei-Selbst-Bewegung und der Katholisch-Patriotischen Vereinigung werden von der Regierung kontrolliert. Obwohl es keine unmittelbare Zensur gibt, sind sie mit ihren Äußerungen sehr vorsichtig. Die Wahl der Kirchenleitung wird vom Staat beeinflusst.

Die Kirchen haben jeweils einen 5-Jahres-Plan zur „Sinisierung“ veröffentlicht, also dazu, wie sie sich der Kultur Chinas anpassen. Dazu verfassen sie Diskussionspapiere, etwa zur Sinisierung im katholischen Kontext.

Seit September 2018 ist der Heilige Stuhl in Rom (der kleinste souveräne Staat der Welt und die Zentralverwaltung der Römisch-Katholischen Kirche) Vertragspartei eines „Provisorischen Abkommens“ mit China über die Ernennung Römisch-Katholischer Bischöfe. Das Abkommen wurde 2020 um zwei Jahre verlängert. Details wurden jedoch nicht veröffentlicht. Dies hat zu keiner spürbaren Entspannung für katholische Christen geführt; es wird sogar behauptet, dass es zu zusätzlichem Druck geführt hat. Vor der Verlängerung des Abkommens im Oktober 2020 wurde berichtet, dass Computer des Vatikans und der römisch-katholischen Diözese Hongkong gehackt worden seien, höchstwahrscheinlich von den chinesischen Behörden. Dass der Papst das Leiden der Uiguren in Xinjiang in einem am 1. Dezember 2020 veröffentlichten Buch zum ersten Mal öffentlich erwähnte, führte zu einer scharfen Replik des chinesischen Außenministeriums.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten haben entweder eine muslimische oder buddhistische (tibetische) Herkunft. Da sie in Regionen ethnischer Minderheiten leben, die aufgrund von Unabhängigkeitsbestrebungen immer instabiler werden, erleben christliche Konvertiten Druck aus zwei Richtungen: aus der Richtung der Regierung und aus der der Familie bzw. des sozialen Umfelds. Während die Regierung alle vermeintlich politischen oder ihr gefährlich werdenden Aktivitäten oder Versammlungen unterbindet, setzen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn diese Christen unter Druck, zum „wahren Glauben“ zurückzukehren; denn bei den fraglichen ethnischen Gruppen stellt die Religion einen wichtigen vereinenden Faktor dar – insbesondere, da die kommunistischen Behörden das Gesetz zur ethnischen Einheit durchsetzen wollen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe von Christen zählen evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden sowie eine Vielzahl anderer Gemeinden. Auf der protestantischen Seite sind hier die sogenannten „Hauskirchen“ zu nennen. Dieser Begriff ist jedoch missverständlich, denn einige dieser Gemeinden haben mehrere tausend Mitglieder und in manchen Provinzen treffen sie sich nicht heimlich, sondern offen in Geschäftsgebäuden. Diese Christen sind stark von der intensivierten Kontrolle und der „Sinisierung“ betroffen, zudem leiden sie unter der verzögerten oder verweigerten Wiedereröffnung von Kirchen nach der Krise im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.6
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 12
Leben im Staat 13.2
Kirchliches Leben 15.4
Auftreten von Gewalt 11.1

Grafik: Verfolgungsmuster China

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Wert für Druck auf Christen in China ist im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 von 11,9 Punkten auf 12,6 Punkte gestiegen. Die Werte für den Druck stiegen in allen Lebensbereichen, was zeigt, dass die Umsetzung der neuen Religionsvorschriften von 2018 und 2020 auf alle Provinzen ausgeweitet und nach dem Willen der Kommunistischen Partei umgesetzt wurde. Wie oben bereits erwähnt, erfolgte die Umsetzung direkt durch die UFWD der Kommunistischen Partei, nicht durch die Regierung. Die gesetzlichen und behördlichen Bedingungen für Christen wurden schwieriger, nicht nur für die sogenannten Hauskirchen, sondern auch für Kirchen, die zu der Drei-Selbst-Bewegung gehören. Der Druck sich der vorherrschenden Ideologie des Lobs der Errungenschaften der Kommunistischen Partei anzuschließen, ist deutlich gestiegen und stellt langfristig die größte Gefahr für Christen dar.
  • Am stärksten ist der Druck im kirchlichen Leben und Leben im Staat (mit Werten von 15,3 beziehungsweise 13,2 Punkten). Während der Druck in diesen Bereichen typisch für Länder ist, in denen es kommunistische Unterdrückung gibt, weist der Druck im Privatleben (12,3) auf die Probleme hin, mit denen Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft konfrontiert sind. Dies vermischt sich aber zunehmend mit dem Druck auf einzelne Gläubige und nicht nur auf ganze Gemeinden, an kommunistischen Überzeugungen festzuhalten. Letzteres gilt auch für den Bereich des Familienlebens, der mit 1,2 Punkten den höchsten Anstieg verzeichnete, was unter anderem eine strengere Handhabung von Beerdigungen in mehreren Regionen Chinas widerspiegelt.
  • Druck durch islamische Unterdrückung und religiös motivierten Nationalismus ist nicht nur im Privatleben, sondern auch in den Bereichen Familienleben und gesellschaftliches Leben zu beobachten. Aber auch der Druck, der von der kommunistischen Unterdrückung ausgeht, ist in diesen Lebensbereichen spürbar, etwa wenn es um Bildung oder Arbeitsplätze geht – wenn Christen zum Beispiel als Lehrer oder medizinisches Personal arbeiten beziehungsweise wenn sie Mitglieder der kommunistischen Partei sind. Der Anstieg im Bereich Leben im Staat (auf 13,2 Punkte) beruht auf steigendem Druck, hervorgerufen dadurch, dass die Ideologie der Kommunistischen Partei gelehrt wird und man ihr folgen muss.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen stieg an (von 10,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 11,1 im Weltverfolgungsindex 2021). Tausende Kirchen wurden im ganzen Land geschlossen, darunter einige sehr bekannte Kirchen. China hat damit erneut die Schwelle zur Höchstpunktzahl für Kirchenschließungen überschritten. Dies ist schon seit vielen Jahren der Fall. Es gab zwar keine Berichte über Morde an Christen, aber eine steigende Anzahl von Christen wurde verhaftet, zum Teil, um „umerzogen“ zu werden. Die Behörden – und insbesondere die Kommunistische Partei – scheinen sich nicht viel aus schlechten internationalen Schlagzeilen zu machen; das kann man deutlich an ihrem Umgang mit der Situation in Xinjiang sehen, selbst nachdem mehrere Dokumente durchgesickert und von internationalen Medien veröffentlicht worden waren. Im Gegenteil: Die Kommunistische Partei Chinas versucht, ihr eigenes Narrativ über „Berufsausbildungslager“ zu fördern, wobei Präsident Xi behauptet, seine Xinjiang-Politik sei „völlig richtig“ gewesen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Dies gilt für drei Gruppen von Christen, die Widerstand auf verschiedene Weise erfahren: 1.) Angehörige ethnischer Minderheiten, vor allem der muslimischen und tibetischen, erfahren den stärksten Druck gegen einen Glaubenswechsel. 2.) Partei- und Militärangehörige und Bewerber um diese Positionen (mehr als 110 Millionen Menschen) sind ebenfalls Druck ausgesetzt und müssen ihren Glaubenswechsel geheim halten. Je nach Familie können sie jedoch zumindest zu Hause ihren Glaubenswechsel offenlegen. 3.) Junge Menschen (unter 18 Jahren) stoßen auf Widerstand, denn sie dürfen keinerlei religiösen Versammlung beiwohnen. Mit dieser Regelung wird versucht, junge Menschen davon abzubringen, sich einer Religion zuzuwenden, einschließlich dem christlichen Glauben.

War es riskant für Christen, auf christliche Radiostationen, TV-Sender oder christliches Material im Internet zuzugreifen?

Auch wenn es grundsätzlich möglich ist, christliche Inhalte im Internet abzurufen und über Social Media zu kommunizieren, geschieht dies unter genauster Beobachtung der Regierung. Die Regierung blockiert zunehmend Website-Inhalte, vor allem dann, wenn sie als gegen die Regierung gerichtet angesehen werden (zum Beispiel, wenn sich jemand dafür einsetzt, dass geschlossene Kirchen wiedereröffnet werden). Christliches Radio und Fernsehen sind verboten. Für chinesische Christen ist es zwar üblich, virtuelle private Netzwerke (VPNs) zu nutzen, um Informationen aus dem Internet zu erhalten. Doch häufige Nutzer von VPNs ziehen die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Die größte christliche Video-Website in China wurde im Berichtszeitraum 2021 blockiert und musste unter einem anderen Namen neu online gehen. Andere Inhalte wurden ebenfalls blockiert. Die Behörden gehen auch schnell gegen das vor, was sie als „illegale Aktivitäten“ im Internet betrachten, einschließlich religiöser Aktivitäten. Mehrere Personen, die mit christlichen Websites in Kontakt stehen, wurden besucht und verhört. Für die einige tausend Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft in Xinjiang und Tibet ist es mit besonderen Risiken behaftet, auf christliche Inhalte im Internet zuzugreifen.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Für Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die einer ethnischen Minderheit angehören, ist es unmöglich, durch christliche Symbole wie etwa einem Kreuz oder zu Hause aufgehängten Bibelversen ihren Glauben zu zeigen. Auch Jugendliche unter 18 Jahren dürfen keine christlichen Symbole tragen. Darüber hinaus gibt es Berichte anderer Christen (in den Gebieten Anhui, Chongqing, Fujian, Heilongjiang, Henan, Hunan, Jiangxi, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Tianjin, Yunnan und Zhejiang), deren Häuser von den Behörden betreten, christliche Gemälde zerstört und Bibelverse heruntergerissen wurden. Auch für Christen, die Mitglieder der Partei oder des Militärs sind, würden solche Symbole ein Risiko darstellen, da sie keiner Religion angehören, geschweige denn eine Zugehörigkeit zu einem Glauben offen zeigen dürfen.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Für Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die zu einer ethnischen Minderheit gehören, ist es praktisch unmöglich, mit anderen über ihren Glauben zu sprechen. Falls ein Konvertit es dennoch wagt und den Behörden gemeldet wird, so wird er oder sie verwarnt und – je nach

Fall – eventuell sogar für einige Tage in Haft genommen. Christen unter den Parteimitgliedern und dem Militärpersonal, selbst Christen unter den Regierungsbeamten oder Lehrern, die nicht der Kommunistischen Partei angehören, betreiben Selbstzensur, da es mit Risiken behaftet ist, als religiös angesehen zu werden. Aber auch im Allgemeinen führt der zunehmende generelle Druck auf Christen und Kirchen zu mehr Selbstzensur.

Familienleben

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Alle Kinder von Christen werden gezwungen, der Bibel widersprechende Inhalte zu lernen. Das atheistische Bildungssystem richtet sich gegen Glaubensinhalte, und die Anstrengungen in diese Richtung wurden erst 2018 erneuert und verstärkt. Kinder von Christen werden unter Druck gesetzt, die Religion ihrer Eltern zu offenbaren, was nicht unbedingt etwas über die eigenen Einstellungen der Lehrer aussagt, sondern vielmehr über den Druck Aufschluss gibt, den die Vorgesetzten der Lehrer und die Kommunistische Partei ausüben. Ein aufschlussreiches Beispiel aus dem Berichtszeitraum 2021 ist ein Ethiklehrbuch für berufsbildende Sekundarschulen. Darin wurde das Ende des biblischen Berichts über Jesus und die Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde (zu finden im Neuen Testament, Johannes-Evangelium in Kapitel 8), geändert. In der kommunistischen Version der Geschichte beschützt Jesus die Ehebrecherin nicht und vergibt ihr nicht, sondern er wartet, bis die Pharisäer gehen, und steinigt sie dann selbst. Dabei sagt er: „Auch ich bin ein Sünder. Aber wenn das Gesetz nur von Männern ohne Makel ausgeführt werden könnte, wäre das Gesetz tot.“ Da Schulbücher vor ihrer Veröffentlichung einen strengen Prüfungsprozess durchlaufen müssen (und da der Verlag die staatlich geführte „University of Electronic Science and Technology Press“ ist), müssen die chinesischen Behörden diese Version gesehen und genehmigt haben. Obwohl dieser Einzelfall nicht überbewertet werden sollte, dient das Beispiel zur Veranschaulichung der Art von Zielen, auf die das Bildungssystem hinarbeitet.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Wie oben erwähnt, wurden Kinder in einigen Teilen Chinas unter Druck gesetzt, den Lehrern (die wiederum von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt werden) und den örtlichen Behörden mitzuteilen, ob ihre Eltern religiös sind. Die Kommunistische Partei unternimmt größte Anstrengungen, um eine religionsfeindliche Denkweise bei Kindern zu fördern. Sie warnt, religiöse Aktivitäten seien als kriminelles Verhalten zu betrachten. Das führt dazu, dass viele Kinder angesichts des christlichen Glaubens ihrer Eltern verwirrt oder sogar wütend sind. Und Eltern kommen so in die schwierige Lage, sich fast ständig rechtfertigen zu müssen. Dies bleibt nicht auf schulbezogene Vorfälle beschränkt. Doch zeigt die Tatsache, dass die Behörden Schulbücher aus dem Ausland verboten und eine Überprüfung der Lehrpläne angeordnet haben, um sie mit der nationalen kommunistischen Ideologie in Einklang zu bringen, dass die Kommunistische Partei versucht, Kinder von klein auf in hohem Maße zu beeinflussen. Familien von Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft versuchen, in die Erziehung und Bildung der Kinder der Christen einzugreifen.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Falls Kinder an ihrem Glauben festhalten, obgleich ihnen ständig das Gegenteil beigebracht wird, versuchen Lehrer (um dem Druck ihrer Vorgesetzten zu entgehen) und gleichaltrige Schüler, sie daran zu hindern, an christlichen Aktivitäten teilzunehmen. Laut Gesetz sind alle Kinder verpflichtet, eine staatliche Schule nach dem neunjährigen kostenlosen Bildungsprogramm zu besuchen. Diese Vorschrift wird von den Behörden sehr streng umgesetzt. In einigen Gebieten wurde jungen Menschen damit gedroht, keinen Abschluss machen zu dürfen oder von keiner Universität angenommen zu werden. Das gilt in besonderem Maße für Kinder von Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt geworden ist.

Wurden christliche Taufen behindert?

Taufen von Christen muslimischer oder buddhistischer Herkunft können nicht in der Öffentlichkeit abgehalten werden. Selbst die Taufe „unauffällig“ durchzuführen, um nicht entdeckt zu werden, birgt ein Risiko. Zwar würde ein Pastor, der Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft aus ethnischen Minderheitengruppen tauft, von den Behörden eingesperrt, diese würden ihn jedoch in den meisten Fällen nach einigen Monaten mit einer strengen Verwarnung wieder freilassen. Es ist nicht erlaubt, Christen unter 18 Jahren zu taufen, eine Einschränkung, die die Drei-Selbst-Kirchen in besonderem Maße betrifft, da sie bei den Behörden sichtbarer und viel besser bekannt sind als Hauskirchen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die einer ethnischen Minderheit angehören, werden durch ihre Familie, Freunde und Nachbarn unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Ihre Kinder werden in der Schule diskriminiert und sind mit Vorurteilen von muslimischen oder buddhistischen Lehrern und Mitschülern konfrontiert. Überwachungsmaßnahmen (z. B. durch Schulbehörden und Nachbarschaftskomitees) sind im ganzen Land verbreitet. Christen sind davon ebenso betroffen wie alle anderen Bürger. Dennoch stehen bekanntere Christen häufig unter besonderer Beobachtung. Die Kommunistische Partei unterhält ein Belohnungssystem, um das Sicherheitspersonal einer Kommune zu ermutigen, Unregelmäßigkeiten zu melden. Dieses „städtische Netzmanagement“ wird für verschiedene Zwecke eingesetzt.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Sitzungen, die regelmäßig von Gruppen der Kommunistischen Partei organisiert werden (am häufigsten am Arbeitsplatz), können als quasi-religiös betrachtet werden. Dabei wird der kommunistische Geist beschworen und jeder Gesellschaftsteil auf die kommunistische Ideologie ausgerichtet. Beamte und Mitarbeiter anderer öffentlicher Einrichtungen und der meisten Berufe sind verpflichtet, an Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen, die von den örtlichen kommunistischen Behörden organisiert werden. In vielen Fällen beinhalten diese Veranstaltungen das Singen kommunistischer Hymnen und das Rufen von Parolen.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Im öffentlichen Sektor ist Diskriminierung von Christen eher an der Tagesordnung als im privaten Sektor. Gleichwohl gab es Fälle, in denen die Regierung auch hier in die Beschäftigungsverhältnisse eingriff und private Arbeitgeber dazu drängte, Verträge mit religiösen Beschäftigten zu beenden. Private Arbeitgeber sind dazu verpflichtet, eine aktive Parteizelle zu haben, während religiöse Beschäftigte von allen Positionen ausgeschlossen sind, die eine Parteimitgliedschaft voraussetzen. Ein Beispiel dafür, auch wenn es nicht direkt mit dieser Art von Diskriminierung verbunden ist, ist der jüngste Vorstoß für eine stärkere Präsenz der Partei, indem der UFWD die Aufsicht über Privatunternehmen übertragen wurde.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Zwar sind Verhöre in Xinjiang und Tibet an der Tagesordnung, doch Christen geraten diesbezüglich besonders in den Fokus, da sie als mögliche „Störenfriede“ betrachtet werden. Dies gilt ebenfalls für Han-Chinesen, die in diesen Regionen eine Gemeinde leiten. Aber auch in ganz China werden (wichtige) Kirchenleiter und -mitglieder zunehmend zu Verhören in Polizeistationen und Büros der Religionsbehörde vorgeladen. Gelegentliche Einladungen von den Behörden, „gemeinsam eine Tasse Tee zu trinken“, wie es früher der Fall war, wurden durch unverschleierte Überwachung und direkte Verhöre abgelöst. Ein in der Öffentlichkeit weit bekannter Fall ist die „Early Rain Covenant Church“ in Chengdu, bei der es zu Ostern 2020 erneut eine Razzia gab und deren Gemeindemitglieder verhört wurden. Es gibt zahlreiche Berichte über Fälle, die auch weniger bekannte Kirchen betreffen (z. B. aus den Provinzen Fujian, Guangdong, Heilongjiang, Hebei, Henan, Jiangsu, Jiangxi, Liaoning, Shandong, Sichuan und Zhejiang), und es ist ohnehin mehr als wahrscheinlich, dass die meisten Fälle nicht gemeldet werden.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Während China Religionsfreiheit in seiner Verfassung pro forma anerkennt, gibt es bei der Umsetzung dieser Freiheit so große Defizite, dass dieser Anerkennung von Religionsfreiheit keine wirkliche Bedeutung beizumessen ist. Die Verfassung macht Religionsfreiheit von den Prioritäten des Staates abhängig, und der Staat hat die Befugnis, zu definieren, was eine „normale“ religiöse Aktivität darstellt. Das Recht auf Religionsfreiheit wird durch fünf in Artikel 36 der Verfassung beschriebene Einschränkungen relativiert: 1.) Der Atheismus ist die offizielle Staatsideologie; 2.) die Religionsfreiheit ist nur ein gesetzliches Recht, kein Grundrecht; 3.) die Verfassung enthält Bürgerpflichten, die die Religionsfreiheit einschränken; 4.) Artikel 36 schützt nur die innere Freiheit, eine Religion zu haben, aber nicht die, danach zu leben; und 5.) Artikel 36 spricht von „normaler“ religiöser Aktivität.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Die Gesetze für einheimische oder ausländische Nichtregierungsorganisationen verbieten es diesen, in religiösen Aktivitäten involviert zu sein. Der Spielraum, den christliche Nichtregierungsorganisationen haben, schrumpft damit. China erlaubt keine von der Kommunistischen Partei unabhängigen politischen Parteien. Christen, die sich politisch organisieren, werden rasch abgefertigt.

Wurde angeklagten Christen die Gleichbehandlung vor Gericht verwehrt?

Die Gerichte in China sind nicht unparteiisch und haben keine Geschworenen. Dies hat zur Folge, dass in den vor Gericht verhandelten Fällen, in denen der Angeklagte ein Christ und der Kläger der Staat ist, das Urteil bereits von der Partei gefällt wurde und die Staatsanwälte und Gerichte entsprechend entscheiden werden. Die vielleicht beste Illustration dafür im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 war die Verurteilung von Pastor Wang Yi von der Early Rain Covenant Church in Chengdu, Sichuan. Dieser erhielt neun Jahre Gefängnis, natürlich nicht offiziell wegen seines christlichen Glaubens oder weil er Pastor ist, sondern wegen „religiöser Aktivitäten gegen die Regierung oder im Zusammenhang mit politischen Fragen“.

Wurde internationalen Prozessbeobachtern der Zugang zu Verhandlungen gegen Christen erschwert oder verweigert?

Eine internationale Beobachtung von Gerichtsverhandlungen wird als Beispiel einer „Einmischung von außen“ erachtet und deshalb untersagt. Die starke Reaktion auf die Veröffentlichung der „China-Leaks“ (die an die Öffentlichkeit gelangten Dokumente) und das, was sie über die Situation in Xinjiang enthüllten, zeigt beispielhaft, wie sehr sich die Kommunistische Partei einer internationalen Prüfung und Überwachung entziehen will. Jeder Versuch einer internationalen Überwachung würde als „politisch“ empfunden, was die Chancen dafür in Zukunft nur noch weiter mindern würde.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Die üblichen Versuche der Behörden, christliche Aktivitäten einzuschränken, sind etwa die Verweigerung von Genehmigungen, die unangemessene administrative Belastung von Organisationen und Einzelpersonen (insbesondere christlicher Leiter), die Durchführung von Untersuchungen von Privat- oder Firmenfinanzen (mit dem Ziel, ausländische Verbindungen, insbesondere bei der Fremdfinanzierung kirchlicher Aktivitäten, aufzudecken) und die Schließung von Kirchen wegen angeblicher Verstöße gegen das Bau- oder Brandschutzgesetz. Doch dazu ist in den letzten Jahren eine weitere Methode der Diskriminierung gekommen: Seit neuestem werden Christen, die auf staatliche Subventionen und Unterstützung angewiesen sind – vor allem ältere und isolierte Menschen – von örtlichen Parteifunktionären unter Druck gesetzt und manchmal sogar vor die Wahl gestellt, zwischen ihrem Glauben an Jesus Christus und den von der Partei bereitgestellten Subventionen zu wählen. Dies wurde aus verschiedenen Provinzen berichtet.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Wie bereits erwähnt, liegt das Interesse der Regierung darin, eine „harmonische Gesellschaft“ aufrechtzuerhalten und nur „normale religiöse Aktivitäten“ zu schützen. In Bezug auf Religion bedeutet dies nicht mehr nur, Kirchen zu „verwalten“, sondern sie aktiv zu „leiten“. Die nie veröffentlichten und dennoch allseits wohlbekannten Regeln für christliche Kirchen sind: 1.) Regelmäßige Berichterstattung an die Behörden über jüngste Aktivitäten; 2.) keine Mitwirkung von oder Unterstützung durch ausländische Christen, auch nicht in Form von Geldmittel; 3.) keine hochgradig öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten; 4.) nur „reguläre“ christliche Aktivitäten während sensibler Zeiten. Die Einhaltung dieser Regeln gibt jedoch keine Garantie dafür, dass Kirchen von den Behörden in Frieden gelassen werden. Kirchen, die offiziell für immer geschlossen werden, verlieren alles, auch kirchliches Eigentum und Vermögen; dies ist vor allem in ländlichen Gebieten zu beobachten. Während einige Hauskirchen auf den Druck reagierten, indem sie sich in kleinere Gruppen aufteilten beziehungsweise ihre Treffen an andere Orte verlegten, war dies während der aktuellen Covid-19-Pandemie keine Option. Kirchen mussten für Gottesdienste geschlossen werden, aber viele Hauskirchen wechselten zu (begrenzten) Online-Treffen. (Dies war den Drei-Selbst-Kirchen offiziell nicht erlaubt, wurde aber in vielen Fällen nicht behindert.) Im Allgemeinen werden viele kirchliche Aktivitäten nicht nur durch Spitzel überwacht, sondern auch durch Überwachungskameras, die die Kanzel, die Gemeinde und das umliegende Kirchengelände beobachten.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Die Religionsvorschriften (Februar 2018 und Februar 2020) werden sehr streng umgesetzt, was zu einer stärkeren Kontrolle der Kirchen und einer verstärkten Überwachung geführt hat. Nichtregistrierte Kirchen werden noch immer von den örtlichen Behörden dazu gedrängt, sich staatlich registrierten Kirchen anzuschließen. Eine wachsende Anzahl von Hauskirchen hat zudem Schwierigkeiten, ihre Mietverträge zu verlängern, weil die Vermieter den Druck der Behörden zu spüren bekommen, besonders nach der Veröffentlichung der Neufassung der religiösen Verordnungen. Nichtregistrierte Kirchen, aber auch immer mehr Drei-Selbst-Kirchen, die schikaniert wurden und schließen mussten, finden sich in den Provinzen Anhui, Peking, Fujian, Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan, Hebei, Henan, Hubei, Hunan, Heilongjiang, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Innere Mongolei, Shaanxi, Shandong, Shanghai, Shanxi, Sichuan, Yunnan und Zhejiang. Die Behörden haben ihr besonderes Augenmerk auf die Provinz Henan gelegt, da es dort eine relativ hohe Anzahl von Christen gibt und dort drei große Hauskirchennetzwerke ihren Ursprung haben. Ein weiterer Handlungsschwerpunkt waren die Provinzen Anhui, Fujian und Jiangsu.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Christliche Aktivitäten sind außerhalb spezieller, für religiöse Zwecke bestimmter Zonen nicht erlaubt. Auch religiöse Prozessionen, die bei katholischen Christen eine lange Tradition haben, werden genau beobachtet und räumlich, zeitlich und in Bezug auf die Anzahl der Teilnehmer beschränkt. Aufgrund der Covid-19-Maßnahmen war die Zahl der Gruppenaktivitäten im Freien im Allgemeinen sehr begrenzt.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Der Kirchenbesuch ist für Kinder unter 18 Jahren verboten, und dieses Verbot wurde landesweit umgesetzt, besonders streng in den Provinzen Henan und Gansu. Am Eingang der meisten Drei-Selbst-Kirchen verweigert ein Beamter Kindern unter 18 Jahren den Zutritt zum Gebäude. Ein Beispiel aus dem Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 ist die chinesische Diözese Zhending in der Provinz Hebei, wo der katholische Bischof gebeten wurde, ein Dokument zu unterzeichnen, das Kindern unter 18 Jahren den Gottesdienstbesuch verbietet. Dies geschah, als die Behörden nach der Covid-19-Pandemie über eine Wiedereröffnung der Kirchen verhandelten.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Unter den stark kontrollierten politischen Bedingungen, die China unter der Kommunistischen Partei prägen, werden ausländische Organisationen oder Einzelpersonen, die die Regierungspolitik kritisieren, meist zensiert beziehungsweise ausgewiesen. Christliche Bürger, die sich öffentlich äußern, werden in der Regel verhaftet und der Störung der sozialen Ordnung, der Verbreitung von Gerüchten oder der Gefährdung der nationalen Sicherheit beschuldigt. Seit der Verurteilung von Pastor Wang Yi von der Early Rain Covenant Church in Chengdu, Sichuan, im Dezember 2019 haben viele Pastoren beschlossen, es zu vermeiden, sich gegen die Behörden auszusprechen, da sie sagen, dass es das Risiko nicht wert sei.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Angriffe auf Christen: Die Verhaftung und das Verprügeln von christlichen Leitern gingen meist einher mit Angriffen auf Kirchen. Solche Vorfälle gab es in mehreren Provinzen, besonders jedoch in Henan, einer bevölkerungsreichen Provinz mit beachtlicher christlicher Minderheit, und beispielsweise in Jiangsu und Anhui. Bei den Tätern handelte es sich häufig um Angehörige der Sicherheitskräfte oder der UFWD, meist aus Lokalbüros. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher als unsere Schätzungen liegen.
  • Verhaftungen von Christen: Wie bereits erwähnt, werden Kirchenleiter oft im Kontext weiterer Maßnahmen gegen Kirchen verhaftet. Manchmal wird ein Pastor nur für ein paar Stunden festgehalten, manchmal für Monate und manchmal kommt er Jahre hinter Gitter. Der prominenteste Fall im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 war der Fall von Pastor Wang Yi von der Early Rain Covenant Church in Chengdu, Sichuan, der im Dezember 2019 verhaftet und zu neun Jahren Gefängnis verurteilt wurde.
  • Angriffe auf Kirchen: Alle Vorfälle zu verifizieren erweist sich als unmöglich, da die Behörden große Anstrengungen unternehmen, Berichte darüber zu unterbinden. Das bedeutet, dass viele Vorfälle erst Monate später und die meisten vielleicht überhaupt nicht festgehalten werden. Eine Quelle schätzt, dass 15.000 Kirchen im Berichtszeitraum 2021 Ziel von Angriffen irgendeiner Art waren, aber solche Zahlen sind unmöglich zu überprüfen. Basierend auf den Berichten, die für den Weltverfolgungsindex 2021 gesammelt wurden, kann die Zahl bei zurückhaltender Berechnung auf 3.088 festgelegt werden. 44 Prozent dieser Berichte verwiesen zudem auf weitere Fälle, entweder in anderen Regionen oder in Bezug auf andere betroffene Kirchen, nannten jedoch oftmals keine genauen Zahlen, sondern sprachen von „mehreren“ oder „Dutzenden“ oder „Hunderten“ Vorfällen. Solche Verweise wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Dennoch sind in vielen Fällen (fast eine Wiederholung dessen, was in Zhejiang von 2014 bis 2016 beobachtet wurde) Kreuze von Kirchen zerstört worden, sowohl von Drei-Selbst-Kirchen als auch von Hausgemeinden, insbesondere in den Provinzen Anhui und Jiangsu, aber auch anderswo.
    Während alle Orte, die für religiöse Versammlungen genutzt wurden, als Reaktion auf die Covid-19-Pandemie geschlossen werden mussten, scheinen die kommunistischen Behörden diese Gelegenheit genutzt zu haben, um viele von ihnen für immer zu schließen oder unüberwindbare Hürden für eine Wiedereröffnung zu errichten. Solche Fälle sind schwer nachzuverfolgen, da viele Gemeinden einfach verschwinden, weil sich deren Mitglieder aufgeteilt haben und sich nun in kleineren Gruppen und an anderen Orten treffen. Dieses Phänomen ist ein weiterer Grund dafür, dass die Zahlen sicherlich viel höher sind als unsere vorsichtige Berechnung. Es kam zudem häufig vor, dass Vermieter von den Behörden dazu gedrängt wurden, Mietverträge mit Kirchen aufzulösen.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Vor allem wo Razzien in Hauskirchen durchgeführt wurden, waren auch Wohnungen von Christen von den Durchsuchungen mitbetroffen, da diese als Versammlungsort der Gemeinde genutzt wurden. In einigen Fällen wurden die Häuser von Christen durchsucht, christliche Bilder zerstört, die Elektrizität abgestellt und Mobiliar beschädigt.
  • Andere: Südkoreanische Missionare, die in der Grenzregion nahe Nordkorea, insbesondere in der Provinz Jilin, gelebt hatten, wurden des Landes verwiesen. Ihre Zahl ist geschrumpft, da diese Landesverweise bereits seit einigen Jahren durchgeführt werden. Kirchen mit Auslandsbeziehungen wurden einer besonderen Prüfung unterzogen oder geschlossen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit“ des US-Außenministeriums für 2019 stellt die Situation in China folgendermaßen dar:

Beamte im ganzen Land schlossen religiöse Einrichtungen, darunter auch einige, die den autorisierten patriotischen religiösen Vereinigungen angehörten. Außerdem stellten sie Überwachungskameras in Gotteshäusern auf, als Voraussetzung dafür, dass diese Einrichtungen weiter betrieben werden können. Es gab zahlreiche Berichte darüber, dass die Behörden islamische, christliche, buddhistische, taoistische, jüdische und andere Gotteshäuser schlossen oder zerstörten und öffentliche Zurschaustellungen religiöser Symbole im ganzen Land zerstörten, darunter die letzten verbliebenen Kreuze im Bezirk Xiayi in der Provinz Henan und alle jüdischen Symbole, die den Standort der ehemaligen Kaifeng-Synagoge, ebenfalls in der Provinz Henan, kennzeichneten.

Christen, Muslime, tibetische Buddhisten und Anhänger von Falun Gong berichteten von schwerer gesellschaftlicher Diskriminierung bei Beschäftigung, Wohnungsvergabe und Geschäftsmöglichkeiten. In Xinjiang setzten sich die Spannungen zwischen uigurischen Muslimen und Han-Chinesen fort – parallel zur Unterdrückung der uigurischen Sprache, Kultur und Religion durch die Behörden und die Förderung der Han-Mehrheit im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben. Islamfeindliche Äußerungen auf Social Media bleiben weit verbreitet. Neben Christen sind Muslime in Xinjiang und tibetische Buddhisten einem starken Druck der Regierung ausgesetzt, ebenso wie Anhänger von Falun Gong. Einzelheiten finden sich im immer noch aktuellen Sonderbericht „Der Kampf um den Geist Chinas“ (englischer Titel: „The Battle for China’s Spirit“), den die Nichtregierungsorganisation „Freedom House“ im Februar 2017 veröffentlicht hat.

In der Zwischenzeit sind mehrere interne Dokumente über die Behandlung der muslimischen Minderheit der Uiguren in Xinjiang an die Öffentlichkeit gelangt. Diese offenbaren nicht nur die strikt politischen und ideologischen Motive der Politik der Kommunistischen Partei Chinas, sondern auch das industrielle Ausmaß der Inhaftierung und „Umerziehung“. Unter diesen Berichten waren die sogenannten „China Leaks“ besonders aufschlussreich, Dokumente, die von einem internationalen Konsortium mit der „New York Times“ am 16. November 2019 veröffentlicht worden waren. Weitere Berichte von Adrian Zenz und dem „Internationalen Netzwerk investigativer Journalisten“

haben unser Wissen über die Geschehnisse in Xinjiang erweitert. Eine weitere Serie von Berichten von „Buzzfeednews“ vom August 2020 nutzte Satellitenbilder, um einen Überblick über das Ausmaß der Inhaftierung zu geben. China verteidigt öffentlich seine Politik der Inhaftierung von bis zu einer Million muslimischer Uiguren und ethnischer Kasachen in Gefangenenlagern in Xinjiang mit dem Vorwand, der Kampf gegen den extremistischen Islam mache diese Maßnahmen nötig. Typischerweise sind die Vereinten Nationen das Hauptforum für Auseinandersetzungen zu diesem Thema: Im Oktober 2020 forderte eine Koalition von 39 Mitgliedsstaaten eine internationale Untersuchung; China gelang es jedoch, eine Koalition von 45 Ländern zusammenzubringen, die sich einem solchen Schritt widersetzte und China für seine Minderheitenpolitik lobte.

Es gibt Berichte, wonach Mitglieder religiöser Minderheiten wie etwa Uiguren oder Mitglieder der „Church of the Almighty God“ in Arbeitslagern gefangen gehalten und getötet wurden und denen schließlich ihre Organe entnommen wurden. Um diese Behauptungen zu untersuchen, wurde ein privater internationaler Untersuchungsausschuss einberufen. In seinem im Juni 2019 veröffentlichten Bericht befand dieser Ausschuss (unter dem Vorsitz von Sir Geoffrey Nice QC) diese Behauptungen in einem gewissen Maß für glaubwürdig und erwähnt die Möglichkeit, dass in früheren Jahren auch Organe von Christen, die Hauskirchen besuchten, entnommen worden sein könnten.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für China:

  • Bitten Sie Jesus um Weisheit und seine Leitung für die Gemeindeleiter angesichts zunehmender Einschränkungen und Überwachungen.
  • Bringen Sie diejenigen im Gebet vor Gott, die ihre frühere Religion verlassen haben, um Jesus zu folgen. Beten Sie, dass sie bewahrt, in ihrem Glauben gestärkt und in ihrem Zeugnis befähigt werden.
  • Bitten Sie den Herrn, dass er den Verantwortlichen die Augen für die unvergleichliche Kraft und Schönheit des Evangeliums öffnet.