Länderprofil China

China

27
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge China
Hauptreligion
Atheistische Staatsideologie
Offizielle Staatsform
Volksrepublik
Platz Vorjahr
43
ISO
CN
Karte China
Christen
97,20
Bevölkerung
1415.05
Kommunistische Unterdrückung
Islamische Unterdrückung
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 10.400
Familienleben: 8.000
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 11.800
Kirchliches Leben: 14.500
Auftreten von Gewalt: 10.000

Länderprofil China

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 27 / 65 Punkte (WVI 2018: Platz 43 / 57 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Kommunistische Unterdrückung: Die Kommunistische Partei versucht, ihre Macht zu erhalten, indem sie äußere Einflüsse einschränkt und alle Formen der Religion kontrolliert, einschließlich des weiterhin wachsenden Christentums.

Islamische Unterdrückung: Christen muslimischer Herkunft aus der Minderheit der Uiguren in Xinjiang leiden unter dem verstärkten Druck durch die Regierung und sehen sich Verfolgung durch Familie und ihr soziales Umfeld gegenüber.

Religiös motivierter Nationalismus: Tibetische Christen mit buddhistischer Herkunft sehen sich mit starkem Widerstand vonseiten ihrer Familie, Freunde, Nachbarn und ihres sozialen Umfelds konfrontiert.

Diktatorische Paranoia: Präsident Xi Jinping stärkt seine persönliche Machtposition und Christen werden als mögliche Gefahr gesehen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die kleinen Minderheiten von Christen mit muslimischer oder buddhistischer Herkunft sind starker Verfolgung ausgesetzt. Verantwortlich dafür sind nichtchristliche religiöse Leiter, das soziale Umfeld und die eigene Familie. Der Glaubenswechsel wird als Verrat angesehen. Die kommunistischen Behörden sind für die Einschränkung der Freiheit in ganz China verantwortlich, da sie große Anstrengungen unternehmen, die Gesellschaft zu kontrollieren und die eigene Macht zu erhalten. Seit die kommunistische Partei auch die Regulierung der Religion übernahm, hat sich die Behandlung von religiösen Gruppen und besonders Christen im gesamten Land stark verschlechtert. Christen sind die größte gesellschaftliche Kraft in China, die nicht vom Staat kontrolliert wird. Deswegen stehen sie besonders im Blickpunkt der Partei.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Wenn in muslimischen oder buddhistisch geprägten Teilen Chinas bekannt wird, dass jemand von der Mehrheitsreligion zum christlichen Glauben gewechselt ist, wird dieser Christ in der Regel von Mitgliedern der Gesellschaft oder der eigenen Familie bedroht, körperlich angegriffen und den lokalen Behörden gemeldet. All dies soll dazu führen, dass er zu seinem ursprünglichen Glauben zurückkehrt. Es kommt vor, dass Ehepartner zur Scheidung gezwungen werden oder Kinder ihren christlichen Eltern weggenommen werden. Alle Kirchen werden als Bedrohung wahrgenommen, sobald sie zu groß oder zu politisch werden oder ausländische Gäste einladen. In Bezug auf die Kirchen gewinnt die „Sinisierung“ (gezielte Förderung chinesischer Traditionen bei gleichzeitiger Schwächung anderer kultureller Einflüsse) zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig baut die kommunistische Partei stark auf die kulturelle Identität Chinas, um an der Macht zu bleiben. Die neuen Begrenzungen in Bezug auf das Internet und soziale Medien, das neue Gesetz zur Regulierung von Nichtregierungsorganisationen und die neue Religionsverordnung bedeuten ernstzunehmende Beschränkungen der Freiheit. Es werden jedoch nicht nur neue Gesetze verabschiedet, auch die Umsetzung bereits bestehender Gesetze wird strenger. Ein Beispiel dafür ist das Verbot des Online-Handels von Bibeln im Internet, das im März 2018 Schlagzeilen machte.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • In den ländlichen Gebieten Tibets haben Lamas einen großen Einfluss auf das alltägliche Leben der Menschen (beispielsweise durch die Kontrolle des Gesundheitswesens), weil viele von ihnen gleichzeitig Mitarbeiter lokaler Regierungsbehörden sind. In ihren Händen liegt die Verwaltung der Grundversorgung, einschließlich der Verteilung staatlicher Hilfsgüter an einzelne Familien. Dabei werden christliche Konvertiten von der Versorgung ausgeschlossen.
  • Wenig überraschend lässt die kommunistische Partei keine anderen Parteien zu. Einige Parteien existieren zwar offiziell weiter – jedoch nur ihrem Namen nach (wie etwa die Kuomintang-Partei). Zivilgesellschaftliche Organisationen sind zwar erlaubt. Allerdings werden in diesem Bereich keine christlichen Organisationen genehmigt, es sei denn, sie arbeiten unter der Schirmherrschaft registrierter Kirchen. Damit ist der größte Teil der chinesischen Christen davon ausgeschlossen, sich in organisierter Form sozial engagieren zu können.
  • Im Berichtszeitraum für den WVI 2019 wurden keine Ermordungen von Christen wegen ihres Glaubens gemeldet. Viele Angriffe auf Kirchen gingen jedoch Hand in Hand mit der Verhaftung von christlichen Leitern und körperlichen Angriffen auf Christen. Solche Vorfälle gab es in mehreren Provinzen, besonders stark jedoch in Henan, einer bevölkerungsreichen Provinz, in der es eine beachtliche christliche Minderheit gibt. Die Angriffe wurden zumeist durch Mitglieder der Sicherheitsdienste oder der Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront der Kommunistischen Partei durchgeführt. Manchmal wurden vor Ort auch Mobs angeheuert.
  • Es gab viele Fälle, in denen Kreuze außerhalb von Kirchengebäuden zerstört wurden, sowohl von Hauskirchen als auch von der offiziell anerkannten Drei-Selbst-Bewegung. Die Häufigkeit erinnerte an die Kampagne gegen Kreuze in Zhejiang von 2014 bis 2016. Es kam zudem häufig vor, dass Vermieter von den Behörden dazu gedrängt wurden, Mietverträge mit Kirchen aufzulösen. Zwei Fälle, die für großes Aufsehen sorgten, waren die Störung und Schließung des Zion-Hauskirchennetzwerks in Peking und die Zerstörung der Golden Lampstand Church in Shanxi. Das Ausmaß und die Tiefe der Kampagne kann auch an der ungewöhnlichen Reaktion der nicht registrierten Hauskirchen in Peking gemessen werden, die eine gemeinsame Erklärung verfassten, in der sie die Behörden dazu aufriefen, die Religionsfreiheit zu respektieren, wie sie die chinesische Verfassung gewährt. Die Erklärung wurde im Juli 2018 veröffentlicht und zum Zeitpunkt dieses Berichts im November 2018 bereits von mehr als 600 Pastoren von Hauskirchen aus ganz China unterzeichnet.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 65 Punkten ist China im Weltverfolgungsindex (WVI) 2019 auf Platz 27 gesprungen. Im Vorjahr belegte China mit 57 Punkten Platz 43. Der Anstieg der Wertung für „Auftreten von Gewalt“ sorgte nur zu einem kleinen Teil für den Anstieg der Gesamtwertung. Die Wertungen in den Lebensbereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ stiegen an, was auf die deutlich stärkere Betonung der kommunistischen Ideologie hinweist. Noch stärker stiegen sie jedoch in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Das spiegelt die strenge Durchsetzung der Religionsverordnung wider, die am 1. Februar 2018 in Kraft getreten ist. Diese wird nicht durch die Regierung durchgesetzt, sondern durch die Kommunistische Partei, die viel stärker ideologisch denkt. Christen haben nun noch mehr Herausforderungen durch die Behörden, und dieser Druck macht sich besonders im Bereich des kirchlichen Lebens bemerkbar. In Bezug auf die Situation der Christen im gesamten Land muss man die enorme flächenmäßige Ausdehnung Chinas berücksichtigen; dadurch ist die Lage der Christen in verschiedenen Teilen des Landes sehr unterschiedlich. Es kann jedoch ohne Zweifel festgehalten werden, dass sich die Situation für Christen im gesamten Land verschlechtert hat, wie Berichte aus vielen verschiedenen Provinzen zeigen.

Chinas Punktzahl ist um acht gestiegen – das ist einer der größten Anstiege, die das Land auf dem WVI je gemacht hat. Die große Zahl an Vorfällen und den stark steigenden Druck, den alle Kirchen empfinden (egal ob sie der Regierung nahestehen oder nicht), belegen diesen Anstieg jedoch. Einige Beobachter werden sich wundern, warum die Punktzahl nicht sogar noch weiter angestiegen ist. Dies hat einerseits mit der großen Fläche des Landes und der Größe der Kirche in China zu tun. Es gibt tatsächlich weiterhin viele Kirchen, die bisher nicht von der Kampagne der Kommunistischen Partei betroffen sind. Bedeutsamer ist jedoch vermutlich die überraschende Widerstandskraft der chinesischen Gemeinde. Viele Kirchen sind nicht einfach verschwunden, nachdem sie Razzien und Schließung erlebten. Sie organisierten sich neu und teilten sich bewusst in kleinere Gruppen auf.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Das alles überspannende Ziel der Kommunistischen Partei ist der Machterhalt, den sie durch nationale Einheit und die Minimierung ausländischer Einflüsse zu sichern versucht. Die Regierenden werden alles aus ihrer Sicht Nötige tun, um in diesem Bestreben Erfolg zu haben. In den vergangenen Jahren berief sich China zunehmend auf seine ideologischen Wurzeln und betonte die kommunistische Herrschaft. Auf dem 19. Parteikongress im Oktober 2017 wurden Präsident Xis Name und sein Gedankengut unter dem Titel „Xi Jinpings Gedanken über den Sozialismus chinesischer Prägung für eine neue Ära“ offiziell in die Statuten der Kommunistischen Partei übernommen. Der Konfuzianismus wird als chinesisch gepriesen; wenn jemand unbedingt religiös sein müsse, dann solle er dem Konfuzianismus folgen. Präsident Xi Jinping ist wohl der stärkste Parteiführer seit Mao Zedong. Unterdessen gewinnen Parteiorgane wie die Zentralkommission zur Kontrolle der Disziplin an Macht. So ermittelten sie gegen hochrangige Parteimitglieder, denen man auf dem 19. Parteikongress eine Beförderung auf die Ebene der nationalen Führung zutraute. Der Parteikongress selbst zeigte, wie sehr sich die Partei wieder stark auf die kommunistische Ideologie fokussiert. Dabei wurde unmissverständlich deutlich gemacht, dass die Partei diese Fokussierung auch von sämtlichen Regierungsvertretern und zivilgesellschaftlichen Beteiligten erwartet. In weiterem Bestreben, alle Parteimitglieder wieder zurück zu den Grundlagen der kommunistischen und marxistischen Lehre zu bringen, ordnete Präsident Xi Jinping im April 2018 Unterrichtseinheiten zum kommunistischen Manifest an. Gemäß den weiterentwickelten Regeln der Kommunistischen Partei werden alle Mitglieder, die sich selbst nach „verstärkter Erziehung der Gedanken“ weiterhin an religiöse Überzeugungen klammern, „aufgefordert, die Partei zu verlassen“. Interessanterweise hält sich der Parteikongress zurück, einen designierten Nachfolger für den Regierungsführung zu nominieren.

Um seine eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen, darunter auch die wachsende christliche Minderheit. Dies gilt vor allem für die instabilen Minderheitsregionen Tibet und das muslimische Xinjiang. Die Regierung hat die Kontrolle in diesen Gebieten verstärkt, was nicht nur ethnische Gruppen zu spüren bekommen, die um die Unabhängigkeit kämpfen, sondern auch die jeweiligen Gruppen von christlichen Konvertiten und sogar Han-Christen. In vielen Regionen Chinas werden christliche Aktivitäten immer mehr kontrolliert statt nur beobachtet. Hauskirchen sind in der Ausübung ihrer Aktivitäten am stärksten eingeschränkt, besonders im Bereich der Arbeit unter Kindern und Jugendlichen, doch auch die der Regierung nahestehenden Kirchen wurden kontrolliert und eingeschränkt. In Bezug auf von Han-Chinesen besuchte Kirchen sprechen Beobachter von drei Arten von Kirchen: den illegalen und vom Staat bekämpften „schwarzen“ Kirchen (wie beispielsweise dem Vatikan gegenüber loyale Katholiken), den staatlich anerkannten und kontrollierten „roten“ Kirchen, und den „grauen“, die trotz fehlender Genehmigung toleriert werden und der die Mehrheit der chinesischen Christen angehört. Da der Druck auf alle Kirchen wächst, wird die Unterscheidung jedoch immer unschärfer. Die Art und die Prioritäten der Verfolgung verschieben sich dabei, wie im Abschnitt „Kirchliches Leben“ beschrieben wird.

Islamische Unterdrückung

Die Provinzen Xinjiang und Tibet sind spärlich besiedelt; zusammen machen sie nur etwa zwei Prozent der chinesischen Bevölkerung aus. Deswegen sind die Triebkräfte „Islamische Unterdrückung“ und „Religiöser Nationalismus“ mit Sicht auf ganz China nicht stark ausgeprägt. Für die christlichen Konvertiten in den beiden Provinzen verschlechtert sie die Situation jedoch sehr deutlich.

Der nordwestliche Staat Xinjiang, in dem die muslimische Minderheit der Uiguren lebt, ist im Berichtszeitraum noch stärker kontrolliert worden. Beobachter sprechen bereits von einem Polizeistaat, vor allem, seitdem Umerziehungslager für mehrere tausend Menschen geschaffen wurden. Ausländische militante Islamisten drangen in die Provinz ein. Bei der Belagerung der philippinischen Stadt Marawi im Mai 2017 kämpften Berichten zufolge islamistische Kämpfer aus Xinjiang. All das hat dazu geführt, dass die Regierung ihr Vorgehen gegen die Kämpfer wie auch die Kontrolle der Religionen in Xinjiang weiter intensiviert.

Die Lage der wenigen Christen muslimischer Herkunft – höchstwahrscheinlich einige Tausend – ist extrem schwierig. Sie erleben den bereits beschriebenen allgemein erhöhten Druck vonseiten der Regierung und müssen zusätzlich mit Verfolgung durch die eigene Familie, Nachbarn und Freunde rechnen. Jede Abweichung von muslimischen Bekenntnissen und Traditionen wird als Schande und sogar Verrat gesehen, da von jedem Uiguren erwartet wird, dass er Muslim ist. Auch wenn es schwierig ist, Berichte über die Situation von Christen muslimischer Herkunft zu erhalten, so weisen doch alle vorliegenden Informationen auf eine Verschlechterung hin. Gelegentlich kommt es sogar zu physischer Gewalt durch Familienangehörige.

Religiös motivierter Nationalismus

Ähnliche Entwicklungen wie im Einflussbereich der „Islamischen Unterdrückung“ betreffen auch die noch kleinere Gruppe tibetischer Christen buddhistischer Herkunft in der chinesischen Region Tibet (Westchina). Druck und Gewalt nehmen zu, und die Behörden tun alles in ihrer Macht Stehende, um die tibetischen Unabhängigkeitsbestrebungen zu unterbinden. Tibetische Christen sind starkem Widerstand vonseiten ihrer Familie, Freunde und ihres Umfelds ausgesetzt. In dieser Region einen „abweichenden“ Glauben zu haben, kann einen hohen Preis kosten, da ein christlicher Konvertit quasi von der Gemeinschaft ausgeschlossen wird.

Säkulare Intoleranz

Die Bemühungen, Religionen aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, haben sich verstärkt. Das wurde beispielsweise deutlich durch Einschränkungen im Bereich religiöser Veranstaltungen auf dem Gelände von Universitäten und im Blick auf Veröffentlichungen religiöser Schriften. Über das Verbot vom März 2018, Bibeln im Internet zu handeln, wurde in internationalen Medien ausführlich berichtet. Dieses Verbot besteht bereits seit vielen Jahren, es wurde bisher jedoch nicht durchgesetzt. In manchen Regionen wird von einer Intensivierung atheistischer Unterweisung berichtet. Der Kommunismus ist seinem Wesen nach atheistisch und lehnt alle Religionen ab.

Diktatorische Paranoia

Präsident Xi Jinping hat seine Macht in einer Weise gefestigt, wie man es seit Mao Zedong nicht mehr erlebt hat. Unter seiner Führung wirkt die kommunistische Partei schon fast militant hinsichtlich ihrer Bemühungen, jegliche vermeintliche Bedrohung, welche die Autorität der Partei anzweifeln könnte, anzugreifen. Das Hauptziel der Partei ist der Machterhalt. In gewisser Hinsicht stellt die Ideologie ein Werkzeug dar, das eher als Mittel zum Zweck dient, statt das eigentliche Ziel zu sein. So wird zum Beispiel der christliche Glaube nicht unbedingt aufgrund seiner theologischen Inhalte als mögliche Bedrohung gesehen, sondern weil sich Menschen im Namen einer Sache versammeln und organisieren, die außerhalb der Kontrolle der Partei liegt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Lokale Regierungsbeamte können sehr korrupt sein. Streitigkeiten um Grundstücke, bei denen Christen betroffen sind, führten im vergangenen Jahr zu einer beachtlichen Anzahl von Verfolgungsfällen. Allerdings hat die kommunistische Partei eine große Anti-Korruptions-Kampagne ins Leben gerufen, sodass es möglich ist, dass diese Triebkraft der Verfolgung künftig in den Hintergrund tritt. Örtliche Behörden engagieren häufig Schlägertrupps, um unbeliebte Maßnahmen durchzusetzen oder illegales Handeln zu erzwingen. Das betrifft auch religiöse Gruppen und insbesondere Hausgemeinden.

3. Verfolger

Ausgehend von Kommunistischer Unterdrückung

In ihrem Bestreben, alle Religionen zu kontrollieren, sind die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden die stärksten Verfolger von Christen in China. In stark kommunistisch geprägten Familien können auch Familienmitglieder zu Verfolgern werden, da niemand, der Mitglied der Partei werden möchte oder eine Karriere im öffentlichen Dienst oder einem Arbeitszweig, der dem Staat nahesteht, anstrebt, religiös sein darf. Die Kommunistische Partei schränkt Christen immer stärker ein, indem sie sie kontrolliert und gegen sie vorgeht. Das liegt vor allem daran, dass Christen die größte gesellschaftliche Kraft in China sind, die (noch) nicht vom Staat kontrolliert wird.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

In ihrem Bestreben, an der Macht zu bleiben, haben die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden genau untersucht, was in anderen Ländern zum Niedergang des Kommunismus geführt hat. Ein Faktor ist deshalb die Kontrolle gesellschaftlicher Gruppen wie Christen, besonders, da sie als ausländischer Einfluss gesehen werden, der mit ausländischen Kräften in Kontakt steht.

Ausgehend von Säkularer Intoleranz

Laut der kommunistischen Ideologie, die seit der Machtergreifung von Präsident Xi Jinping eine viel stärkere Betonung gefunden hat, ist Religion das Opium des Volkes. Deswegen sind die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden gegen alle Formen von Religion. Einheimische Religionen und moralisch-philosophische Systeme wie der Konfuzianismus werden jedoch eher akzeptiert als „fremde“ Religionen wie der christliche Glaube.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung und religiös motiviertem Nationalismus

Die kleinen Minderheiten von Christen mit muslimischer oder buddhistischer Herkunft sind starker Verfolgung ausgesetzt. Verantwortlich dafür sind nichtchristliche religiöse Leiter (die in Xinjiang und Tibet weiterhin großen Einfluss haben), das soziale Umfeld und die eigene Familie. Ein Glaubenswechsel ist mehr als nur ein Wechsel der Religion; er wird als Schande für die Familie und als Verrat an der Gesellschaft angesehen. Auch die kommunistischen Behörden fördern die Verfolgung, denn sie sind verantwortlich für die Einschränkung der Freiheiten in den oben genannten Provinzen.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Lokale Beamte und Parteikader heuern manchmal Mobs und Gangs an, um eine Kirche zu schließen, setzen Vermieter unter Druck oder vertreiben christliche Gemeinschaften von einem Stück Land. In Fällen von Landraub kann die Forderung auch von Firmen kommen, die Grundstücke erschließen wollen.

4. Hintergrund

China bleibt eines der kompliziertesten Länder auf dem WVI, da die Verfolgung von Christen so facettenreich und vielfältig ist. Die Kampagne, Kreuze in der Provinz Zhejiang zu zerstören, endete 2016; 2018 begannen jedoch neue, noch aggressivere Maßnahmen. Tausende Kreuze wurden seitdem von Behörden entfernt und hunderte Kirchen wurden geschlossen – die meisten in den Provinzen Zhejiang und Henan. Auch in Peking, Shanxi und Chengdu mussten 2018 große, einflussreiche Kirchen schließen. Aus vielen Provinzen gab es Berichte, nach denen Gemeindeversammlungen gestört oder unterbunden wurden. Christen wurden mit Strafen belegt, verhaftet und inhaftiert. Kirchengemeinden wurde nachdrücklich davon abgeraten oder sie wurden daran gehindert, Jugendfreizeiten abzuhalten. Kirchen werden besonders ins Visier genommen und in ihren Aktivitäten beeinträchtigt, wenn die Behörden dies aus einem oder mehreren der folgenden Gründe für nötig halten: 1. Teilnahme von Ausländern an Zusammenkünften, 2. Die Beteiligung ausländischer Medien, 3. Eine als zu groß empfundene Teilnehmerzahl oder 4. Die Aussendung von Missionaren ins Ausland. Es gibt jedoch keine Garantie mehr, dass Kirchen in Ruhe gelassen werden, wenn sie sich an diese Regeln halten.

Die Kommunistische Partei setzt ihre Kampagne gegen Korruption unverändert fort, um ihre Macht durch nationale Einheit und die Begrenzung ausländischer Einflüsse zu sichern. Aber es gibt noch eine Vielzahl anderer Themen, die die Führung des Landes stark beschäftigen. Eines ist die Wirtschaft – die Gesellschaft hat sich an einen stetigen Anstieg des Wohlstandes gewöhnt. Ein weiterer Punkt betrifft die Wahrung der allgemeinen Sicherheit – hier konzentriert sich das Regime derzeit darauf, extremistische Kämpfer auf die Provinzen Xinjiang und Tibet zu begrenzen. Eine weitere große Herausforderung sind die schlechten Qualitätskontrollen der im Land vertriebenen Waren. Dies wurde im Juli 2018 im Skandal um 250.000 Dosen mangelhafter Impfstoffe besonders deutlich. Auf lange Sicht könnten sich solche Skandale negativer für die Stabilität der Kommunistischen Partei auswirken als eine sich verlangsamende Wirtschaft. Die bisherigen Antworten der Regierung waren von Vorsicht geprägt und streng ideologisch. Die Lockerung der Ein-Kind-Politik hat noch nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt. Zudem ist sie ein zweischneidiges Schwert: Einerseits kann diese Maßnahme zur Lösung einiger sozialer Probleme der alternden Bevölkerung beitragen, andererseits setzt sie notwendigerweise ein höheres Wirtschaftswachstum voraus.

Um seine eigene Macht zu sichern, kontrolliert das Regime alle Religionen. Die Frage des kirchlichen Wachstums und seiner Regulierung gewinnt zunehmend an Gewicht. Die Ausführung der neuen Religionsgesetze begann am 1. Februar 2018. Diese Regulierungen sind strenger als vorherige Entwürfe: Die ersten Monate ihrer Realisierung zeigen eine deutlich stärkere Kontrolle von Christen und Kirchen durch die Behörden. Die Regierung schaffte das staatliche Amt für religiöse Angelegenheiten (SARA) ab. Die Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront wird sich nun direkt mit allen religiösen Organisationen befassen. Dieser Behördenwechsel bedeutet, dass sich nicht länger die Regierung mit religiösen Gruppen befasst, sondern die Kommunistische Partei. Dementsprechend kann mit weniger Pragmatismus und mehr Ideologie beim Umgang mit Gemeinden gerechnet werden. Die Rolle der Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront besteht darin, die kommunistische Ideologie durchzusetzen und die absolute Position der Kommunistischen Partei zu sichern. Ein Bericht beschreibt es so: „Die Zentralabteilung der Kommunistischen Partei muss im Hintergrund dafür sorgen, dass religiöse Chinesen die Partei als höchste Instanz betrachten.“ Dies beinhaltet, dass der christliche Anspruch, Gott stehe über allem, hinterfragt und angefochten wird.

Auf dem 19. Parteikongress im Oktober 2017 sind Präsident Xis Name und sein Gedankengut unter dem Titel „Xi Jinpings Gedanken über den Sozialismus chinesischer Prägung für eine neue Ära“ offiziell in die Statuten der Kommunistischen Partei übernommen worden. Obwohl erst die Zeit zeigen wird, wie sich dies in der Praxis auswirken wird, gibt es dennoch drei wichtige Punkte, die man aus diesem Parteikongress lernen kann: 1) Seit Mao Zedong ist Präsident Xi Jinping der erste Parteiführer, dessen Gedanken zu seinen Lebzeiten in die Statuten der Partei aufgenommen werden. Das verdeutlicht, wie stark seine Position wirklich ist. 2) Im Gegensatz zu vorherigen Kongressen deutete die Parteiführung keinen designierten Nachfolger an, der das Amt von Präsident Xi beim nächsten Parteikongress im Jahr 2022 übernehmen könnte. Ob das bedeutet, dass er eine dritte Amtsperiode in Erwägung zieht oder ob er lediglich Einfluss hinter den Kulissen ausüben will, bleibt abzuwarten. 3) In Präsident Xis mehr als dreistündiger Rede spielte das Thema Religion eine prominente Rolle. Er betonte die Notwendigkeit, Religionen staatlich zu kontrollieren und gleichzeitig die „Sinisierung“ (gezielte Förderung chinesischer Traditionen bei gleichzeitiger Schwächung anderer kultureller Einflüsse) voranzutreiben.

In diesem Zusammenhang steht auch ein weiteres brisantes Thema: das Wachstum der Kirche. Offizielle Schätzungen zur Anzahl der Christen in China fallen niedrig aus. Andere gehen davon aus, dass ihre Zahl – einschließlich der registrierten Drei-Selbst-Bewegung, des protestantischen Hauskirchennetzwerks, der Katholisch-Patriotischen Vereinigung und der dem Vatikan verbundenen Römisch-Katholischen Kirche – die Anzahl der Mitglieder der kommunistischen Partei zahlenmäßig übertrifft. Diese beläuft sich auf rund 88 Millionen. Einige Schätzungen gehen sogar von etwa 130 Millionen Christen oder mehr aus. Allein die Diskussion und die große Bandbreite der Schätzungen zeigen, dass die Gesamtsituation in China komplex ist. Sie verdeutlichen außerdem, dass sich Verfolgung und ein starkes Wachstum der christlichen Gemeinde nicht gegenseitig ausschließen, sondern möglicherweise sogar miteinander verflochten sind. Vor allem aber erklären sie, warum die Kommunistische Partei so nervös über das Wachstum des christlichen Glaubens ist und alles tut, um es zu schmälern. In seinem richtungsweisendem Buch „The Souls of China“ („Die Seelen Chinas“) beschreibt Ian Johnson, dass es für die Partei auch noch einen anderen Grund zur Sorge gibt: Obwohl China es geschafft hat, Millionen von Bürgern aus der Armut zu befreien, sind die Menschen immer noch unglücklich und suchen nach Sinn und Bedeutung in ihrem Leben. Somit ist Religion ein sehr wichtiger Faktor in der chinesischen Gesellschaft, mit dem gerechnet werden muss. Der christliche Glaube ist die größte gesellschaftliche Kraft, die nicht von der Kommunistischen Partei kontrolliert wird.

Offiziell wird die Anzahl der Christen in China von den Behörden deutlich niedriger eingestuft. Am 3. April 2018 veröffentlichte das chinesische Gremium für Informationen ein zehnseitiges Dokument mit dem Titel „Die Strategien und Praktiken Chinas zur Verteidigung der Religions- und Glaubensfreiheit“. Darin wird erklärt, in China gäbe es 200 Millionen Gläubige, von denen 36 Millionen Christen wären. Obwohl diese Zahl doppelt so hoch ist wie im vorangegangenen Bericht aus dem Jahr 1997 und eine offizielle Bestätigung des bedeutenden Anstiegs von Christen darstellt, werden dennoch nicht die Millionen Christen einberechnet, die Mitglieder nichtregistrierter katholischer und protestantischer Kirchen sind. Chen Zongrong, der den Bericht vorstellte und ehemaliger Mitarbeiter der SARA ist, beharrte darauf, dass Religion nur in registrierten und genehmigten Einrichtungen praktiziert werden kann.

Die Christen in China verlieren immer mehr Freiheit und werden zunehmend verfolgt, auch die Mehrheit der Han-Chinesen. Dazu gibt es Bemühungen der Partei, ein enges Sicherheitsnetz über das ganze Land zu spannen, um normale Bürger zu überwachen. Das geplante Sozialkreditsystem (mehr dazu im Abschnitt „Ausblick“) kann außerdem ausländische Unternehmen beeinflussen. Ein Regierungsprogramm für 2019 sieht vor, alle Fahrzeuge mit RFID-Chips zu verfolgen. In einem weiteren Versuch, mehr Kontrolle und Überwachung über alle Bürger zu erlangen, haben in fast jeder chinesischen Provinz Polizeistationen Geräte, mit denen sie Smartphones überwachen und Daten entnehmen können, wie ein Bericht vom August 2018 nahelegt. Das wird für den Staat immer wichtiger, da 2018 die Schwelle von 800 Millionen Chinesen überschritten wurde, die Internetzugang haben.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Im Vergleich zu den weiter unten genannten Kategorien von Christen genießt diese Gruppe mehr Freiheiten. Allerdings wird sie überwacht und unterliegt Einschränkungen bei ihren Kontakten zu lokalen chinesischen Kirchen. Chinesische Behörden versuchen jedoch, ausländische christliche Missionare ausfindig zu machen, insbesondere jene aus Südkorea. Stand Dezember 2018 wurde eine beachtliche Anzahl ausländischer Missionare gezwungen, das Land aufgrund von nachgewiesener oder mutmaßlicher missionarischer Aktivität zu verlassen. Anderen wurden einfach die Erneuerung ihres jährlichen Visums ohne Erklärung verweigert. Die Regierung hat offenbar viel Arbeit aufgewendet, um Missionare zu identifizieren, die der gleichen Sendeorganisation angehören, indem sie sie aufspürt und aus dem Land ausweist, selbst wenn sie in unterschiedlichen Provinzen des Landes wohnen.

Christen aus traditionellen Kirchen und von der Regierung kontrollierten Kirchen

Diese Kategorie lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Besonderheit der chinesischen Christenheit. Es gibt registrierte und von der Regierung anerkannte Kirchen – die protestantische Drei-Selbst-Bewegung und die Katholisch-Patriotische Vereinigung – und nicht registrierte, unabhängige Kirchen. Auf katholischer Seite sind dies die vatikantreuen Gemeinden. Kirchen der protestantischen Drei-Selbst-Bewegung und der Katholisch-Patriotischen Vereinigung werden von der Regierung kontrolliert. Obwohl es keine unmittelbare Zensur gibt, sind sie mit ihren Äußerungen sehr vorsichtig. Die Wahl der Leiter wird vom Staat beeinflusst. Die Kirchen haben jeweils einen 5-Jahres-Plan zur Sinisierung veröffentlicht, d.h. wie sie sich der Kultur Chinas anpassen können. In einer unerwarteten Entwicklung hat der Heilige Stuhl in Rom im September 2018 als kleinster souveräner Staat der Welt und offizielle Administration der Römisch-Katholischen Kirche eine „provisorische Vereinbarung“ mit China über die Ernennung Römisch-Katholischer Bischöfe geschlossen. Da der Inhalt der Vereinbarung nicht öffentlich bekannt gemacht wurde, bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen das Abkommen hat. Erste Berichte sind nicht positiv.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten haben entweder eine muslimische oder buddhistische (tibetische) Herkunft. Während Christen in China im Vergleich zu den 1980er-Jahren grundsätzlich mehr Freiheiten haben (auch wenn diese wieder abnehmen), gilt dies nicht für die kleinen Gemeinschaften von Christen mit anderem religiösen Hintergrund. Da sie in Regionen ethnischer Minderheiten leben, die aufgrund von Unabhängigkeitsbestrebungen immer instabiler werden, erleben christliche Konvertiten Druck aus zwei Richtungen: einerseits vonseiten der Regierung, die jegliche vermeintlich politischen oder gefährlichen Aktivitäten unterbindet. Andererseits setzen Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn diese Christen unter Druck, zum „wahren Glauben“ zurückzukehren, denn bei den fraglichen ethnischen Gruppen stellt die Religion einen wichtigen Faktor dar.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe von Christen zählen evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden sowie eine Vielzahl von Gemeinden mit verschiedensten Namen. Auf der protestantischen Seite sind hier die sogenannten Hauskirchen gemeint, auch wenn dieser Begriff missverständlich ist. Einige dieser Gemeinden haben mehrere tausend Mitglieder und treffen sich nicht heimlich, sondern offen in Geschäftsgebäuden. Wie bereits im Bereich „Triebkräfte der Verfolgung“ beschrieben, ist das Hauptziel der Regierung, die Kontrolle über die Gesellschaft zu behalten. Dadurch sind alle Christen in unterschiedlichem Maß betroffen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 10.4
Familienleben 8
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 11.8
Kirchliches Leben 14.5
Auftreten von Gewalt 10

Grafik: Verfolgungsmuster China

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Wert für Druck auf Christen in China ist im Berichtszeitraum von 9,7 Punkten auf 11,0 Punkte gestiegen. Der Druck verstärkte sich in allen Lebensbereichen, was zeigt, dass die Einführung des Religionsgesetzes streng durchgesetzt wurde und dass dies nicht durch die Regierung, sondern die Kommunistische Partei geschieht. Die gesetzliche und administrative Umgebung wurde schwieriger für Christen, nicht nur für die sogenannten Hauskirchen, sondern auch für Kirchen, die zu der Drei-Selbst-Bewegung gehören.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“ mit Werten von 14,5 und 11,8 Punkten. Beide Bereiche sind dabei im Berichtszeitraum um mehr als einen Punkt angestiegen. Druck in diesen Bereichen ist typisch für Länder, in denen „Kommunistische Unterdrückung“ eine Triebkraft der Verfolgung ist. Der starke Druck im Bereich „Privatleben“ (10,4 Punkte) deutet auf die Probleme hin, die Christen mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund haben. Druck durch „Islamische Unterdrückung“ und „Religiös motivierten Nationalismus“ ist auch in den Bereichen „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ zu beobachten. Doch auch der Druck, der von der Kommunistischen Unterdrückung ausgeht, kann in diesen Lebensbereichen gespürt werden, etwa wenn es um Bildung oder Arbeitsplätze für Lehrer oder medizinisches Personal geht. Der Anstieg im Bereich „Leben im Staat“ auf einem ohnehin hohen Niveau ist auch dadurch begründet, dass unter anderem älteren Christen damit gedroht wurde, ihre Sozial- und Rentenleistungen zu kürzen.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen ist von 9,1 Punkten im vergangenen WVI auf 10,0 Punkte gestiegen. Das ist auf die höhere Anzahl an Kirchengemeinden zurückzuführen, die im gesamten Land geschlossen wurden. Es gab keine Berichte über Morde an Christen, aber eine steigende Anzahl von Christen wurde verhaftet, zum Teil, um „umerzogen“ zu werden. Die Behörden, insbesondere die Kommunistische Partei, scheinen sich nicht stark um negative internationale Schlagzeilen zu kümmern, wie deutlich an der Situation in Xinjiang abzulesen ist.

Privatleben

Christen uigurisch-muslimischer oder tibetisch-buddhistischer Herkunft müssen ihren Glauben sehr vorsichtig praktizieren. Besonders davon betroffen sind diejenigen, die in ihrer Familie die einzigen Christen sind. Sie müssen Bibeln und andere christliche Literatur sorgfältig verstecken und können darin nur mit großer Vorsicht lesen, da strenggläubige muslimische oder buddhistische Familien dies nicht akzeptieren. Sich mit anderen Christen zu treffen, stellt unter diesen Umständen eine besondere Herausforderung dar: Es ist nicht nur für die Konvertiten selbst gefährlich, sondern kann auch ganze christliche Versammlungen in Gefahr bringen. Es ist praktisch unmöglich, den neuen Glauben anderen Menschen mitzuteilen. Falls ein Christ es dennoch wagt und den Behörden gemeldet wird, so wird er verwarnt und – je nach Lage des Falls – eventuell sogar für einige Tage in Haft genommen. Bekannte christliche Konvertiten werden genauestens überwacht, bedroht und erleben in einigen Fällen auch körperlichen oder psychischen Missbrauch. Auch in streng kommunistischen Familien leiden Christen unter Einschränkungen.

Familienleben

In Tibet und Xinjiang ist die Situation sehr angespannt. Je mehr Druck die Regierung auf die Gesellschaft in diesen Provinzen ausübt, desto stärker wird jeder Glaubenswechsel als Schande für die Familie und Verrat an der Gesellschaft angesehen. Daher sind Christen mit muslimischer oder buddhistischer Herkunft sehr darauf bedacht, ihren neu gewonnenen Glauben geheim zu halten. Wird jemand als Christ entdeckt, drohen Scheidung und der Verlust des Erbrechts. Taufen, christliche Trauungen oder Beerdigungen zu organisieren, erweist sich als äußerst schwierig. Von christlichen Konvertiten wird erwartet, dass sie traditionelle Hochzeitsriten befolgen. Deshalb kann eine christliche Trauung, wenn überhaupt, nur im Geheimen stattfinden. Werden sie in Xinjiang oder Tibet bei der Planung einer Taufe entdeckt, können christliche Konvertiten von den Behörden für mehrere Monate inhaftiert werden. Alle Kinder von Christen werden gezwungen, der Bibel widersprechende Inhalte zu lernen. Das atheistische Bildungssystem richtet sich gegen Glaubensinhalte (diese Kampagne wurde während des Berichtszeitraums neu gestartet). Christliche Konvertiten werden von ihren Familien unter Druck gesetzt, ihre Kinder im Sinne der traditionellen Werte und Religion ihrer Vorfahren zu erziehen. In verschiedenen Teilen des Landes wurden Kinder von Christen von Behörden dazu gezwungen, Erklärungen zu unterschreiben, dass sie „nicht religiös“ seien. Zudem wurden sie unter Druck gesetzt, den Glauben ihrer Eltern aufzudecken.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft werden durch ihre Familie, Freunde und Nachbarn unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Ihre Kinder werden in der Schule diskriminiert und sind mit Vorurteilen von muslimischen oder buddhistischen Lehrern und Mitschülern konfrontiert. Überwachungsmaßnahmen (z. B. durch Schulbehörden und Nachbarschaftskomitees) sind im ganzen Land verbreitet; Christen sind davon ebenso betroffen wie alle anderen Bürger. Dennoch stehen bekanntere Christen häufig unter besonderer Beobachtung. Für Christen ist es eine Herausforderung, sich gesellschaftlich zu engagieren, da die meisten Organisationen auch politische Elemente beinhalten. In den ländlichen Gebieten Tibets haben Lamas (buddhistische Lehrer) einen großen Einfluss auf das alltägliche Leben der Menschen (beispielsweise durch die Kontrolle des Gesundheitswesens), weil viele von ihnen Mitarbeiter lokaler Regierungsbehörden sind. In ihren Händen liegt die Verwaltung der Grundversorgung, einschließlich der Verteilung staatlicher Hilfsgüter an einzelne Familien. Dabei werden christliche Konvertiten häufig diskriminiert oder sogar ganz von der Versorgung ausgeschlossen. Alle Anhänger von Religionen sind von Regierungsposten ausgeschlossen, die eine Parteimitgliedschaft voraussetzt. Zwar werden Christen nicht offen von der Polizei überwacht und erleben keine brutalen Razzien, sie erhalten jedoch Einladungen von den Behörden „gemeinsam eine Tasse Tee zu trinken“, wann immer jene es für nötig halten. Die Behörden vor Ort scheuen nicht davor zurück, ihre Arbeitsweise vom reinen Beobachten auf hartes Durchgreifen umzustellen, um die neue Politik der Partei im Umgang mit Religionen umzusetzen. Das kann damit zu tun haben, dass sich nicht weiter die Regierung, sondern die Kommunistische Partei um alle religiösen Angelegenheiten kümmert.

Leben im Staat

Während China Religionsfreiheit in seiner Verfassung anerkennt, gibt es bei der Umsetzung dieser Freiheit große Defizite. Die Regierung propagiert weiterhin ihre kommunistische und atheistische Ideologie. Auf Ersuchen der chinesischen Behörden entschloss sich die Cambridge University Press (CUP) im August 2017 dazu, Hunderte akademische Papiere, die zur Veröffentlichung in China vorbereitet worden waren, zu zensieren, da viele dieser Dokumente als politisch brisant angesehen wurden. Obwohl die CUP nach einem internationalen Aufschrei diese Entscheidung wieder zurücknahm, zeigt dieser Vorfall, dass es im Bereich „Leben im Staat“ eine Schlüsselrolle spielt, was gesagt und worüber berichtet wird – sei es in der akademischen Welt oder auf anderen Gebieten. Da die Medien vom Staat gesteuert werden und der Zugang zu nicht vom Staat kontrollierten Nachrichten immer schwieriger wird, sind sie allen Religionen gegenüber voreingenommen, was sich auch auf die Berichterstattung über Christen auswirkt.

Das Verbot von Religion im öffentlichen Leben in China hat sich auf Schulen und medizinisches Personal ausgeweitet. In einigen Schulen der ostchinesischen Provinz Zhejiang forderten die Behörden, dass Lehrer von weiterführenden Schulen eine Erklärung unterschreiben müssten, dass sie keine religiösen Überzeugungen haben. Laut Berichten aus anderen Regionen wurden Schulkinder, Studenten und medizinisches Personal in Krankenhäusern aufgefordert, ähnliche Erklärungen zu unterschreiben.

In den Provinzen Xinjiang und Tibet ist das öffentliche Zeigen religiöser Symbole für alle Christen problematisch. Ein im März 2018 veröffentlichtes Papier stellt klar: „Religionen aktiv zur Einarbeitung der sozialistischen Gesellschaft anzuleiten“ bedeutet nicht nur „gläubige Menschen anzuleiten, ihr Land und seine Patrioten zu lieben und die nationale Einheit und den ethnischen Zusammenhalt zu bewahren“. Es erwartet ebenso von allen religiösen Gruppierungen, sich „unterzuordnen und den übergeordneten nationalen Interessen und dem chinesischen Volk zu dienen. Weiterhin sollen sie die führenden Parteimitglieder und das sozialistische System unterstützen; dem sozialistischen Pfad und dessen chinesischen Charakteristika folgen; Religionen auf chinesische Weise gestalten; die sozialistischen Kernwerte hochhalten; Chinas ausgezeichnete Traditionen fortführen; die chinesische Kultur in ihre religiösen Lehren und Grundsätze integrieren; der Rechtsstaatlichkeit gehorchen und die Landesverwaltung und deren Gesetze akzeptieren.“

Zudem haben Behörden in mehreren Provinzen älteren Christen damit gedroht, ihre Zuschüsse zur Altersversorgung zu kürzen, sollten sie ihren christlichen Glauben nicht widerrufen. Diese Drohung wurde auch gegenüber Kindern und Enkelkindern ausgesprochen. Es gibt in China kaum ein Sozialversicherungssystem. Viele alte oder mittellose Menschen sind auf die Gelder der Regierung angewiesen. Laut einem im November 2017 veröffentlichten Bericht rissen Mitarbeiter der Behörden in einem mehrheitlich von Christen bewohnten Dorf in der Provinz Jiangxi Jesus-Bilder sowie Poster mit Bibelversen von Wänden herunter und sagten den Bewohnern, dass die Kommunistische Partei sie versorge. Sie sollten an Xi Jinping glauben anstatt an Jesus Christus. Ähnliche Vorfälle ereigneten sich laut Berichten auch in anderen Teilen des Landes.

Kirchliches Leben

Die Regierung ist daran interessiert, eine „harmonische Gesellschaft“ aufrechtzuerhalten. In Bezug auf Religion bedeutet dies nicht mehr nur, Kirchen zu „verwalten“, ob sie nun registriert oder nicht registriert und „schwarz“, „rot“ oder „grau“ sind, sondern sie aktiv zu „leiten“. Die nie veröffentlichten und dennoch allseits wohlbekannten Regeln für christliche Kirchen sind: 1. Regelmäßige Berichterstattung an die Behörden über jüngste Aktivitäten, 2. Keine Mitwirkung von oder Unterstützung durch ausländische Christen, auch nicht in Form von Geldmitteln, 3. Keine hochgradig öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten, 4. Nur „reguläre“ christliche Aktivitäten während sensibler Phasen. Die Befolgung dieser Regeln bedeutet jedoch keine Garantie, dass Kirchen in Ruhe gelassen werden. Im aktuellen Berichtszeitraum gab es zwei Trends, die für den Anstieg der Wertung in den Bereichen des „Lebens im Staat“ und des „kirchlichen Lebens“ verantwortlich sind: Zunächst hat die Kommunistische Partei versucht, alle Hauskirchen (die als „grau“ angesehen werden) in die von der Regierung kontrollierten Drei-Selbst-Kirchen zu integrieren, entweder durch das Versprechen von Vorteilen oder durch gewaltsame Mittel. Viele Hauskirchen in ganz China wurden geschlossen, insbesondere jedoch in Henan, einer der Provinzen des Landes, in der besonders viele Christen angesiedelt sind. Die andere Entwicklung ist das offensichtliche Ziel der Partei, die Verbreitung der Drei-Selbst-Kirchen zu begrenzen, was erklärt, warum eine so unerwartet hohe Anzahl dieser Kirchen ins Visier genommen wurde. Es gibt Anstrengungen, die Anzahl der Drei-Selbst-Kirchen in einer bestimmten Region auf einem gewissen Level zu halten, in der Regel zwischen 2 und 5 Gemeinden in einem abgegrenzten Gebiet. In einigen Städten oder Distrikten gibt es jedoch mehr als einhundert Drei-Selbst-Kirchen und Treffpunkte, was für die Partei viel zu viele darstellt.

Die Religionsverordnung wird sehr streng durchgesetzt und bedeutet für Kirchen verstärkte Überwachung, Kontrolle und Maßnahmen gegen ihre Aktivitäten. Es ist nicht überraschend, dass dies die stärksten Auswirkungen auf den Bereich des kirchlichen Lebens hat. Hinweise, nach denen die Behörden den tausenden Hauskirchen des Landes eine Art von Registrierung anbieten könnte, haben sich bisher nicht bestätigt. Es gibt keine Sicherheit, wie solch ein Angebot tatsächlich aussehen könnte und welche Bedingungen daran geknüpft wären. Dieser Prozess würde zudem nicht schnell vonstattengehen. Nichtregistrierte Kirchen werden noch immer von den örtlichen Behörden dazu gedrängt, sich staatlich registrierten Kirchen anzuschließen. Eine wachsende Anzahl von Hauskirchen hat zudem Schwierigkeiten, ihre Mietverträge zu verlängern, weil die Vermieter den Druck der Behörden zu spüren bekommen, vor allen Dingen nach der Veröffentlichung der Neufassung religiöser Verordnungen. Nicht registrierte Kirchen (aber auch einige Drei-Selbst-Kirchen) mussten in den Provinzen Anhui, Peking, Fujian, Gansu, Guangdong, Guizhou, Hebei, Henan, Hunan, Heilongjiang, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Innere Mongolei, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanghai, Shanxi, Sichuan, Xinjiang, Yunnan, und Zhejiang (in alphabetischer Reihenfolge) schließen. Die Provinz Henan beobachtet die Regierung dabei mit am stärksten, da es dort eine relativ hohe Anzahl von Christen gibt und drei große Netzwerke von Hauskirchen dort ihren Ursprung haben. Es ist Kindern unter 18 Jahren streng verboten, zur Kirche zu gehen, und dieses Verbot wurde in Henan und auch anderen Orten wie der Provinz Gansu eingeführt. Laut Berichten gibt es Kontrolllisten, mit denen gemessen werden soll, wie effektiv die Kommunistische Partei und Regierungseinrichtungen im Umgang mit Religion sind. In einem Beispiel aus Hebei nennt eine Kontrollliste 65 mögliche Vorgehensweisen, um religiöse Aktivitäten zu bekämpfen. Am wichtigsten sind dabei Handlungen gegen Kirchen, die sich gegen eine Führung durch den Staat wehren und unabhängig bleiben wollen sowie gegen Kirchen, die Verbindungen ins Ausland haben.

Die chinesischen Behörden haben im September 2018 Entwürfe für neue Richtlinien erstellt, um „chaotische“ Informationen im Internet zu Religionen einzudämmen. Online verfügbare Materialien waren immer eine große Quelle der Ermutigungen und der Lehre für Christen in ganz China, besonders in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Der Onlineaustausch von Materialien wird nun nur noch erlaubt sein, wenn die lokale Behörde für religiöse Angelegenheiten eine Lizenz dafür ausstellt. Einige Medien wie die Liveübertragung von Predigten werden gar nicht mehr erlaubt sein.

Es ist zudem zu bedenken, dass die Umsetzung der neuen Verordnung hauptsächlich Sache der lokalen Behörden ist, was zu einer Verstärkung von Vorurteilen und Kontrollen vor Ort führen könnte. Da nun die Partei die Verantwortung für religiöse Angelegenheiten hat, ist jedoch ein stärker einheitlicher und rigoroser Ansatz zu erwarten. Christen erleben in China zwar noch immer verschiedene Grade an Freiheit, doch die meisten Beobachter sind sich einig, dass diese Freiheiten schnell schrumpfen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die christlichen Gemeinden Angst vor der Zukunft haben. Ein chinesischer Pastor sagt hierzu: „Unserer Erfahrung nach führt stärkere Verfolgung zu Erweckung und Wachstum in der Kirche. Schon früher haben wir harte Verfolgung überstanden, wir werden auch überstehen, was jetzt auf uns zukommt.“ Andere christliche Leiter erwarten sogar, dass die Gemeinden profitieren werden, wenn sie sich wieder als kleinere, „familienartige“ Gruppen formieren müssen. Kirchen werden überwacht und geschlossen, wenn es als nötig angesehen wird. Dies gilt nicht nur für große, einflussreiche Gemeinden, die häufig als politisch aktiv wahrgenommen werden. Dennoch schwebt ein Damoklesschwert über allen nichtregistrierten Kirchen Chinas, und der Faden, der dieses Schwert hält, wird immer dünner. Wenn Peking es fordert, wird man sie zur Registrierung unter dem Dach der Drei-Selbst-Bewegung auffordern und verlangen, dass sie entsprechend den oben genannten Richtlinien handeln; andernfalls müssen sie die Konsequenzen tragen.

Trotz allem gibt es für die Kirchen auch großartige Chancen. Im Februar 2018 veröffentlichte das Staatliche Amt für Statistik eine alarmierende Statistik über die alternde Bevölkerung Chinas. In mehreren Provinzen helfen Christen dabei, Pflegeheime für ältere Menschen zu gründen und beteiligen sich an der sozialen Betreuung, die von den wenigen staatlich geleiteten Pflegeheimen angeboten wird.

Auftreten von Gewalt

Viele Angriffe auf Kirchen gingen Hand in Hand mit der Verhaftung von christlichen Leitern und körperlichen Angriffen auf Christen. Solche Vorfälle gab es in mehreren Provinzen, besonders stark jedoch in Henan, einer bevölkerungsreichen Provinz, in der es eine beachtliche christliche Minderheit gibt. Die Angriffe wurden zumeist durch Mitglieder des Sicherheitsdienstes oder der Zentralabteilung Vereinigte Arbeitsfront durchgeführt. Manchmal wurden auch Mobs lokal angeheuert.

In vielen Fällen wurden Kreuze von Kirchen zerstört. Dies geschah sowohl bei Hauskirchen als auch bei Kirchen der Drei-Selbst-Bewegung. Diese Fälle erinnerten an eine Kampagne, die in der Provinz Zhejiang von 2014 bis 2016 gefahren wurde. Hunderte Kirchen wurden geschlossen. Einige Berichte sprechen von etwa 7.000 zerstörten Kreuzen. Es kam zudem häufig vor, dass Vermieter von den Behörden dazu gedrängt wurden, Mietverträge mit Kirchen aufzulösen. Zwei Fälle, die für großes Aufsehen sorgten, waren die Störung und Schließung des Zion-Hauskirchennetzwerks in Peking und die Zerstörung der Golden Lampstand Church in Shanxi. Das Ausmaß und die Tiefe der Kampagne kann auch an der ungewöhnlichen Reaktion der nicht registrierten Hauskirchen in Peking gemessen werden, die eine gemeinsame Erklärung verfassten, in der sie die Behörden dazu aufriefen, die Religionsfreiheit zu respektieren, wie es die chinesische Verfassung verlangt. Die Erklärung wurde im Juli 2018 veröffentlicht und zum Zeitpunkt dieses Berichts im November 2018 bereits von mehr als 600 Pastoren von Hauskirchen aus ganz China unterzeichnet. Außerdem wurden weitere südkoreanische Christen ausgewiesen, die in der Grenzregion nahe Nordkorea lebten.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Es gibt keine Informationen über geschlechterspezifische Verfolgung von Christen in China. Viele Gemeinden in China, insbesondere Hauskirchen, werden jedoch von Frauen geführt. Allgemein sind Kirchenleiter das Hauptziel, und Frauen sind daher ebenso stark wie Männer von Verfolgung betroffen. Letztere sind jedoch für gewöhnlich die Hauptversorger der Familie. Wenn diese dann festgenommen oder bedroht werden, ihre Arbeit zu verlieren, belastet das die finanzielle Situation der ganzen Familie. In vielen Fällen hinterlassen die Untersuchungshaft von mehreren Wochen oder Monaten und die harsche Behandlung körperliche und seelische Verletzungen. Die Arbeitsfähigkeit ist in manchen Fällen nicht mehr vorhanden. In extremen Fällen muss die Person selbst im Anschluss gepflegt werden. Dies trifft sowohl auf Frauen als auch auf Männer zu. Eine Ausnahme dieser Regel der Gleichbehandlung in der Verfolgung ist die Situation von Christen muslimischer oder tibetischer Herkunft. Frauen sind nach ihrem Glaubenswechsel verletzlicher, da sie das Sorgerecht für ihre Kinder und das Erbrecht leichter verlieren können. Auch kann durch Androhung von Scheidung wegen ihres neuen Glaubens zusätzlicher Druck auf sie ausgeübt werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen werden auch Muslime in Xinjiang, tibetische Buddhisten und Anhänger des Falun Gong von der Regierung unterdrückt. China verteidigt währenddessen öffentlich seine Politik der Festsetzung von bis zu einer Million muslimischer Uiguren und ethnischer Kasachen in Gefangenenlagern in Xinjiang mit dem Vorwand, der Kampf gegen den extremistischen Islam mache diese Maßnahmen nötig.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

In der ersten Amtsperiode der Regierung von Präsident Xi Jinping kam es in allen Bereichen der Gesellschaft zu (in jüngster Zeit beispiellosen) Freiheitseinschränkungen. Die bevorzugte Denkrichtung wurde dadurch unterstrichen, dass Präsident Xi Jinpings eigener politischer Denkansatz auf dem 19. Parteikongress Eingang in die Parteistatuten fand. Einem noch lebenden Präsidenten ist dies nunmehr das erste Mal seit Mao Zedong gelungen. Dieser Schwerpunkt wurde auch dadurch verdeutlicht, dass Präsident Xi Jinping einen neuen Titel erhielt, der ihn als „Kern der Parteiführung“ bezeichnet – ein Titel, den man in den vergangenen 15 Jahren nicht mehr gehört hatte. Auch wenn die chinesischen Medien Xi Jinpings Ideologie in einer komplexen Struktur mit 30 verschiedenen Elementen mit jeweils eigenen Unterkategorien erklären, ist sie in Wahrheit viel einfacher: Wer nicht eng der Linie der Partei folgt, geht ein großes Risiko ein, ersetzt zu werden. Welche Gruppe zudem nicht die kommunistische Ideologie annimmt (so wie die meisten Kirchen), riskiert es, unterschiedlich schwer verfolgt zu werden.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Kommunistische Unterdrückung: Dass die Religionsgesetze nicht durch die Regierung, sondern durch die Partei selbst umgesetzt werden, lässt nichts Gutes für Christen ahnen. Die Partei setzt ihre Ziele rücksichtsloser um und wird alles in ihrer Macht Stehende tun, um die nationale Ideologie zu bewahren. Es gibt Gründe anzunehmen, dass die Betonung der Ideologie Präsident Xis und ein wachsender Persönlichkeitskult um seine Person die Kirche in der nahen Zukunft weiter unter Druck der Sinisierung setzen wird, denn bereits jetzt scheinen die lokalen Behörden restriktiver zu handeln. Dies geschieht noch immer auf indirekte Weise, zum Beispiel durch die Rückbesinnung auf kommunistische Ideologie und Rhetorik und durch eine Einschränkung des Bewegungsspielraums für Kirchen. Dadurch werden sie unter Druck gesetzt, ihren kirchlichen Dienst entsprechend anzupassen. Doch zunehmend werden auch offen Einschränkungen und Gewalt genutzt. In die gleiche Richtung weisen Einschränkungen des Internetzugangs und des Nachrichtenangebots durch das Verbot von VPN-Dienstleistungen. Diese ermöglichen einen Zugang zu Informationen, die andernfalls durch „Chinas Große Schutzmauer“ („Great Firewall“) blockiert werden. Dies ist ein umfassendes Kontrollsystem zur Überwachung des Internets und dessen Inhalte, das Menschen in China daran hindert, bestimmte Webseiten aufzurufen, einschließlich Google, Facebook und Twitter. In China gibt es mit etwa 802 Millionen Nutzern die höchste Anzahl an Internetnutzern weltweit. Die meisten greifen über mobile Endgeräte auf das Internet zu. Es scheint, als ob „aktive Richtlinien“ das neue Schlüsselwort wird. Wie der Langzeit-Beobachter „China Source“ sagt, ist das für Christen das „neue Normal“ (The „new normal“).

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Es gibt Pläne zur Einführung eines chinesischen Sozialkredit-Systems („Social Credit System, SCS“). Die Behörden planen, jeden Bürger bis zum Jahr 2020 mit diesem System zu bewerten. Während diese Entwicklung für ein Land, das Online- und Mobil-Bezahlsysteme entwickelt, logisch erscheinen mag, hat ein solches Bewertungssystem sehr ernsthafte Konsequenzen. Es ergeben sich nicht nur Fragen hinsichtlich möglichen Betrugs oder dem Erkaufen einer besseren Bewertung. Was geschieht, wenn Bürger ein gesellschaftlich unerwünschtes Verhalten an den Tag legen, wie etwa das Ausüben einer Religion – zum Beispiel des christlichen Glaubens? Wie werden die Konsequenzen aussehen?

Mit Hinblick auf Säkulare Intoleranz: Im gleichen Atemzug wie die Betonung der kommunistischen Ideologie steigt die säkulare Intoleranz. Die sozialistische Theorie, dass Religion Opium für das Volk ist, die seit vielen Jahren nicht in der Praxis umgesetzt wurde, hat im aktuellen Berichtszeitraum einen starken Aufschwung erlebt. Die Kommunistische Partei verdammt nicht unbedingt jede Glaubensrichtung, jedoch jeden Glauben, den sie nicht kontrollieren oder mit kommunistischem Gedankengut durchdringen kann. Zeichen dafür sind Berichte, dass Schulkinder, Lehrer und medizinisches Personal gezwungen wurden, Dokumente zu unterschreiben, in denen sie bestätigen, dass sie „nicht religiös“ sind, und Berichte über alte Christen, denen damit gedroht wurde, sie von Sozialleistungen auszuschließen, und denen gesagt wurde, sie sollten die Kommunistische Partei oder sogar den Vorsitzenden verehren anstatt eines Gottes.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung und Religiös motivierten Nationalismus: Verfolger dieser Triebkräfte sind hauptsächlich Familie, Gesellschaft und religiöse Leiter. Sie beschränken sich auf die wenigen tausend Christen muslimischer bzw. buddhistischer Herkunft. Der Druck auf diese christlichen Konvertiten wird weiterhin hoch bleiben und möglicherweise sogar ansteigen, da diese Minderheiten eine neue Dringlichkeit der inneren Einheit sehen, da auch sie immer stärker durch die Regierung unter Druck geraten.

Schlussfolgerung

Auch Chinas Ansprüche auf das Südchinesische Meer sorgen international für Unruhe. Erst im August 2018 gab der Außenminister Chinas die „durch äußere Umstände erzwungene“ Militarisierung dieser Gewässer zu. China schaffte es zudem, das widerspenstige Nachbarland Nordkorea zu beeinflussen, sodass Kim Jong Un Peking und Dandong mindestens drei Mal vor und nach dem historischen Treffen mit US-Präsident Trump im Juni 2018 besuchte. Die militärische Pattsituation mit dem Nachbarland Indien bei der wegen ihrer Form auch „Hühnerhals“ genannten Landbrücke in der Nähe von Bhutan scheint sich ebenfalls beruhigt zu haben. Während hier für beide Seiten eine gesichtswahrende Lösung gefunden werden konnte, diente dieser Vorfall als Mahnung dafür, dass es in der Region Potential zu weitreichenden Konflikten gibt. Die gegenwärtig größte Herausforderung der Regierung ist die einseitige Steuer, die die USA auf viele Exportgüter erhebt. Dieser „Handelskrieg“ lässt China in der unbequemen und unerwarteten Lage, den Freihandel voranzubringen, der für das Wirtschaftswachstum des Landes lebenswichtig ist. Natürlich wird all das keine unmittelbaren Konsequenzen für chinesische Christen haben, aber in einer immer unsicherer werdenden Welt wird die chinesische Regierung ihre ideologischen Anstrengungen verstärken, noch konservativer werden und – trotz Freihandel – stärker einen nationalistischen Weg beschreiten. Während Berichte vom August 2018 übertrieben scheinen, die Macht von Präsident Xi hätte seinen Zenit überschritten, scheint China in seinen Beziehungen zum Ausland für den Moment etwas bescheidener aufzutreten. Die Politik der „aktiven Führung“ für Christen wird davon jedoch nicht beeinflusst werden. Hier ist eher eine Verschärfung zu erwarten.

In dieser Fülle an Herausforderungen versucht Chinas Regierung, alles unter Kontrolle zu halten. Um die eigene Macht und die gesellschaftliche Harmonie zu bewahren, kontrolliert sie alle Religionen, so auch die stark wachsende christliche Minderheit. Die entscheidende Frage für die Zukunft der Christen in China wird sein, ob die Regierungsbehörden beginnen, sie als eine positive Kraft für die Gesellschaft wahrzunehmen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob die lokalen Gemeinden als ein Gewinn wahrgenommen und geschätzt oder als Bedrohung abgelehnt werden. Die wachsenden Einschränkungen und der zunehmende Personenkult um Präsident Xi während des Berichtszeitraums deuten stark auf Letzteres hin, sodass Christen vermutlich weiterhin von Kommunistischer Unterdrückung betroffen sein werden. Dennoch gibt es Spielraum für eine Entwicklung in beide Richtungen, da einige Kirchen noch immer einen gewissen Freiraum genießen. Der Handlungsspielraum für Kirchen wird jedoch immer kleiner. Ein chinesischer Blogger sagt dazu: „Egal, an welche Religion Sie glauben, es gibt nur eine Regel: Sie müssen den Befehlen der Partei folgen und anerkennen, dass die Kommunistische Partei über alle Kirchen gestellt ist. Wenn Sie Christ sind, ist die Kommunistische Partei der Gott Ihres Gottes; wenn Sie an den Buddhismus glauben, ist die Kommunistische Partei der Buddha Ihres Buddha; für Muslime ist die Kommunistische Partei der Allah Ihres Allah; für den lebenden Buddha kann nur die Kommunistische Partei bestätigen, wer der lebende Buddha sein wird. Die Partei will, dass Sie sagen, was die Partei von Ihnen hören möchte; die Partei will, dass Sie tun, was die Partei wünscht. Gläubige verschiedener Religionen sollten ihren Glauben aufrechterhalten, um dem Willen der Partei zu folgen. Wenn Sie dies nicht tun, werden Sie durch die Diktatur unterdrückt.“ Mit der Einführung des Sozialkredit-Systems, das oben beschrieben wurde, haben die Behörden die nötigen Mittel, ihre Pläne zu verwirklichen. Christen und Gemeinden in China sehen unabsehbaren schweren Zeiten entgegen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für China:

  • Beten Sie für das geistliche Wachstum der Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die Bevölkerungsminderheiten angehören. Diese Christen erleben in ihren kleinen Gemeinschaften Druck von Familie, Freunden und dem gesellschaftlichen Umfeld sowie starke staatliche Kontrolle in Regionen wie Xinjiang und Tibet.
  • Bitten Sie Gott darum, dass die chinesischen Christen bei den sich verschärfenden religiösen Einschränkungen standfest bleiben, und dass sie sich bei der kulturübergreifenden Missionsarbeit effektiv beteiligen können. Beten Sie dafür, dass Jugendliche und junge Christen inmitten ihrer materialistisch geprägten Umwelt eine tiefere Beziehung zu Jesus bekommen.
  • Beten Sie dafür, dass es von den Behörden geschlossenen Gemeinden gelingt, sich dennoch weiterhin zu treffen, wenn auch vielleicht in kleinerer Zahl. Beten Sie darum, dass die chinesischen Christen auch unter schwierigeren Umständen weiterhin Salz und Licht sind.
  • Beten Sie, dass Jesus Christus sich den Regierungsbeamten persönlich zeigt, die versuchen, die Gemeinde unter Kontrolle zu halten.

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