Länderprofil China

China

17
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge China
Hauptreligion
Atheistische Staatsideologie
Offizielle Staatsform
Sozialistische Republik mit Einparteiensystem
Platz Vorjahr
17
Karte China
Christen
96,70
Bevölkerung
1428.48
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.600
Familienleben: 9.800
Gesellschaftliches Leben: 12.200
Leben im Staat: 14.400
Kirchliches Leben: 15.500
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil China

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 17 / 76 Punkte (WVI 2021: Platz 17 / 74 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Wie Religionen im Allgemeinen wird auch die christliche Minderheit von der Kommunistischen Partei als Bedrohung angesehen. Die Partei verfolgt eine Politik der „Sinisierung“ der Kirchen, dies bedeutet eine immer stärkere Kontrolle durch die Kommunistische Partei verbunden mit einer Angleichung an ihre Werte und Ziele. In früheren Berichtszeiträumen wurden vor allem große Kirchen, die politisch aktiv waren oder ausländische Gäste einluden, überwacht und geschlossen; jetzt kann dies jede Kirche treffen, ob unabhängig oder staatlich anerkannt. Anstatt jedoch eine Kirche (bzw. ihr Gebäude) öffentlich zu schließen, verweigerten die Behörden einfach die Wiedereröffnung, nachdem die Beschränkungen aufgrund der COVID-19-Pandemie aufgehoben worden waren. Infolgedessen sind einige Kirchen und Gottesdienstorte einfach verschwunden (was in der Regel bedeutet, dass die Gemeinden sich in kleine Gruppen aufteilen, die sich oft online treffen). Neben den Regelungen zur Religion (neu hinzugekommen sind im Berichtszeitraum Regelungen zu religiösen Amtspersonen und religiösen Einrichtungen) gibt es strenge Beschränkungen für das Internet, soziale Medien und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Bibel-Apps wurden aus den Appstores verbannt, aber andere religiöse Inhalte sind weiterhin verfügbar. Wird ein christlicher Konvertit aus dem Islam oder dem tibetischen Buddhismus von seiner Gemeinschaft oder Familie entdeckt, so sind häufig Drohungen, tätliche Angriffe oder eine Anzeige bei der Polizei die Folge. Es kommt vor, dass Ehepartner zur Scheidung gezwungen werden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) hat ihre Kontrolle der Gesellschaft (einschließlich aller religiösen Aktivitäten) verschärft und bedient sich zunehmend maoistischer Rhetorik und Ideologie, um die Bürger auf Linie zu halten. Die Hauptmethode der KPCh zur Erreichung des übergeordneten Ziels, alle Dinge zu kontrollieren, ist die Betonung der kommunistischen Ideologie. Kaum eine öffentliche Erklärung oder Sitzung findet statt ohne einen Hinweis darauf, wie wichtig die Beachtung kommunistischer Werte ist. Dies war schon zu Beginn der Amtszeit von Präsident Xi im Jahr 2012 ein Schwerpunkt; seine umfassende Bedeutung erhielt es aber erst im Oktober 2017, als sein Name und seine Gedanken („Xi Jinpings Gedanken zum Sozialismus chinesischer Prägung in einer neuen Ära“) offiziell in die Verfassung der KPCh aufgenommen wurden. Mehrere Universitäten haben Fakultäten eröffnet, um dieses Gedankengut zu lehren; die KPCh hat mittlerweile eine App veröffentlicht, um ihre Mitglieder darin zu testen. Es werden große Anstrengungen unternommen, um den Bürgern Xis Denken über die Medien, im Rahmen der Hochschulbildung und sogar schon im Kindergarten zu vermitteln. Diejenigen, die innerhalb der Partei als nicht loyal genug erachtet werden, werden entfernt oder ausgegrenzt; der christliche Glaube muss aufgegeben werden, um eine Karriere im öffentlichen Dienst zu machen.

Die chinesischen Kirchen, ob staatlich anerkannt oder nicht, sind in zunehmendem Maße von dem neuen Ansatz der KPCh betroffen, sich aktiv in die Angelegenheiten der Kirchen einzumischen. Die Kirchen werden streng überwacht und stehen unter Druck, die kommunistische Ideologie zu vermitteln. Die 2020 eingeführten Verordnungen zu Religion (Verwaltungsmaßnahmen für religiöse Gruppen) bieten den Behörden eine Rechtsgrundlage für ihr Eingreifen. Diese Regeln gelten sogar für die Auswahl von kirchlichen Leitern. Es gab Razzien und Kirchen wurden geschlossen, Leiter wurden verhaftet und christliches Material beschlagnahmt. Diese Vorschriften wurden durch Anordnungen für Geistliche aktualisiert und erweitert.

Gemäß seiner Verfassung ist China atheistisch. Rund 40 % der Bürger stimmen mit den Werten des Konfuzianismus überein, der von der Regierung als wahrhaft chinesisch gepriesen wird. Da es sich hierbei eher um eine Philosophie handelt, kann sie kommunistische Machthaber integrieren. Die Regierung warnt die Bürger vor religiösen Gruppen und gibt ihnen Anreize, illegale religiöse Aktivitäten zu melden. Kirchen in der Provinz Shandong (und zunehmend auch anderswo) wurden gezwungen, von der Regierung vorbereitete Plakate mit Bibelversen zur Veranschaulichung der 12 sozialistischen Grundsätze aufzuhängen. Die staatlich genehmigten und kontrollierten Kirchenverbände sind: Die Patriotische-Drei-Selbst-Bewegung (TSPM – protestantisch) und die Patriotische Katholische Vereinigung (CPA). Protestantische Kirchen, die nicht der TSPM angehören, gelten als illegal und werden als Haus- oder Untergrundkirchen bezeichnet, obwohl sie Hunderte von Mitgliedern haben können.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

96.700.000

6,8

Buddhisten

242.409.024

17,0

Agnostiker

451.872.224

31,6

Andere

455.872.095

31,9

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Christen muslimischer und buddhistischer Herkunft, die zu einer ethnischen Minderheit gehören, erfahren in China wohl die stärksten Einschränkungen religiöser Freiheit, da diese auch von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld ausgehen. Brennpunkte dafür sind Xinjiang, Tibet und Westchina, sowie die Provinzen Sichuan und Yunnan, Qinghai und Ningxia. Auch die Provinzen Henan, Zhejiang, Anhui und Jiangxi können als regionale Brennpunkte der Verfolgung gelten, da dort viele protestantische Christen leben; genauso Hebei, wo eine große Anzahl katholischer Christen lebt. Gleichwohl sehen sich Christen und christliche Kirchen überall im Land mit Restriktionen und Überwachung konfrontiert. Aus allen Provinzen wird davon berichtet. Die Kommunistische Partei unternimmt große Anstrengungen, Berichte darüber einzuschränken, und das mit zunehmendem Erfolg im Berichtszeitraum.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Kommunistische Unterdrückung

Das übergeordnete Ziel der Kommunistischen Partei ist der Machterhalt, den sie durch nationale Einheit und die Minimierung von möglichen Bedrohungen wie religiösen Gruppen und Gruppierungen ethnischer Minderheiten zu sichern versucht. Christen gelten als gefährlich, da sie die größte gesellschaftliche Organisation in China darstellen, die nicht vollständig vom Staat kontrolliert wird. Gemäß den aktualisierten Regeln der Kommunistischen Partei werden alle Mitglieder, die selbst nach einer „Weiterbildung zur gedanklichen Festigung“ an religiösen Überzeugungen festhalten, „aufgefordert, die Partei zu verlassen“. Die meisten Beamten sind zu allem bereit, um ihre Position zu sichern, unabhängig davon, ob sie persönlich von der kommunistischen Ideologie überzeugt sind. In vielen Regionen Chinas wurden christliche Aktivitäten behindert. Obwohl Hauskirchen nach wie vor am stärksten betroffen sind (vor allem, wenn sie Angebote für Jugendliche machen), sind auch die von der Regierung kontrollierten Kirchen mit Einschränkungen konfrontiert. Katholiken, die dem Vatikan treu ergeben sind, werden massiv unterdrückt. Muslimische und tibetische Führer werden manchmal von der Kommunistischen Partei in die Pflicht genommen, um als Parteifunktionäre zu fungieren und christliche Aktivitäten einzuschränken.

Diktatorische Paranoia

Präsident Xi Jinping hat seine Macht in einer Weise gefestigt, wie es seit Mao Zedong nicht mehr der Fall war, und kürzlich angedeutet, dass er bis 2035 im Amt bleiben will. Ob Xi Jinping bleibt, wird höchstwahrscheinlich auf dem 20. Parteikongress im Oktober 2022 entschieden werden. In ihrem Bestreben, an der Macht zu bleiben, haben die Kommunistische Partei und die Regierungsbehörden genau untersucht, was in anderen Ländern zum Niedergang des Kommunismus geführt hat. Ein Faktor dabei ist die Kontrolle gesellschaftlicher Gruppen wie der Christen. Sie gelten immer noch als fremdartiger Einfluss, der mit ausländischen und vorwiegend westlichen Kräften in Verbindung steht. Die Partei übt großen Druck auf die Beamten aus, damit sie ihre Politik umsetzen, und bietet ihnen im Gegenzug Anreize.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Gemeinschaften ausländischer Christen genießen im Vergleich zu anderen christlichen Gruppen mehr Freiheit, werden aber bei ihren Kontakten mit den lokalen chinesischen Kirchen überwacht und eingeschränkt. Chinesische Behörden im ganzen Land versuchen jedoch, ausländische christliche Missionare ausfindig zu machen und einzugrenzen. Das gilt insbesondere für jene aus Südkorea, aber auch aus den USA und Taiwan. Die chinesischen Behörden haben einen Entwurf neuer Vorschriften für Ausländer und deren Beteiligung an religiösen Aktivitäten in China veröffentlicht. Diese Vorschriften sind Teil einer Reihe von Gesetzesverschärfungen im Bereich der Religion. Die neuen Vorschriften schränken den Kontakt einheimischer Bürger mit Ausländern ein, die eine Religion aktiv praktizieren. Die Gesamtzahl der ausländischen Christen ist stark rückläufig. Das liegt zum einen an den oben genannten Maßnahmen, aber auch an den Einschränkungen infolge der Pandemie.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie hebt eine Besonderheit der chinesischen christlichen Gemeinschaft hervor: Es gibt einerseits registrierte und staatlich anerkannte Kirchen, die protestantische „Patriotische-Drei-Selbst-Bewegung“ (TSPM) und die „Katholische Patriotische Vereinigung“ (CPA), und auf der anderen Seite die nicht registrierten, unabhängigen Kirchen. Unter den letztgenannten sind dies im katholischen Bereich Christen, die dem Vatikan treu ergeben sind. Kirchen der protestantischen Drei-Selbst-Bewegung und der Katholisch-Patriotischen Vereinigung werden von der Regierung kontrolliert. Obwohl es keine unmittelbare Zensur gibt, sind sie mit ihren Äußerungen sehr vorsichtig. Die Wahl der Leiter wird vom Staat beeinflusst. Die beiden Kirchen haben jeweils einen 5-Jahres-Plan über Maßnahmen zur „Sinisierung“ ihrer Gemeinschaft veröffentlicht, also darüber, wie sie sich der Kultur Chinas anpassen wollen. Dazu verfassen die Kirchenleitungen fortlaufend Diskussionspapiere, etwa zur Sinisierung im katholischen Kontext. Diese Kategorie christlicher Gemeinschaften ist von der Intensivierung der Kontrolle und der Sinisierung (auch: „Sinifizierung“) sowie von der verzögerten oder verweigerten Wiedereröffnung von Kirchen nach der Covid-19-Pandemie stark betroffen.

Seit September 2018 ist der Heilige Stuhl in Rom Vertragspartei eines „Provisorischen Abkommens“ mit China über die Ernennung römisch-katholischer Bischöfe, das 2020 um zwei Jahre verlängert wurde. Details hierzu wurden jedoch nicht veröffentlicht. Dies hat zu keiner spürbaren Entlastung der katholischen Christen geführt. Vor der Verlängerung des Abkommens wurde berichtet, dass Computer des Vatikans gehackt worden seien, höchstwahrscheinlich von den chinesischen Behörden.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten haben entweder eine muslimische oder buddhistische (tibetische) Herkunft. Sie leben in Regionen mit ethnischen Minderheiten, die aufgrund von Unabhängigkeitsbestrebungen immer instabiler werden. Deshalb erleben christliche Konvertiten Druck aus zwei Richtungen: sowohl von der Regierung als auch von der Familie bzw. dem sozialen Umfeld. Die Regierung schränkt jede Versammlung oder Aktion ein, die sie für politisch oder gefährlich hält. Währenddessen setzen Familie, Freunde und Gemeinschaft die Konvertiten unter Druck, zum „wahren Glauben“ zurückzukehren, da dieser ein wichtiger verbindender Faktor für die ethnischen Gruppen ist – gerade angesichts des zuletzt von den kommunistischen Behörden erlassenen „Gesetzes zur ethnischen Einheit“.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe von Christen zählen evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden sowie eine Vielzahl von Gemeinden mit verschiedensten Namen. Auf der protestantischen Seite sind hier die sogenannten Hauskirchen oder Untergrundkirchen zu nennen. Anders als noch vor einigen Jahren, als Gemeinden aus Hunderten von Mitgliedern bestanden und sich in einigen Provinzen offen in Bürogebäuden trafen, sind die meisten Hauskirchen (schätzungsweise 80 %) jetzt zu Treffen in Privathäusern zurückgekehrt. Infolge der Pandemie und der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der KPCh haben viele Kirchen ihre persönlichen Treffen eingestellt und ihre Gottesdienste ins Internet verlegt. Es gab Fälle, in denen Online-Gottesdienste über Zoom usw. gestoppt wurden. Infolgedessen spalten sich viele Hauskirchen in kleine Versammlungen auf.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.6
Familienleben 9.8
Gesellschaftliches Leben 12.2
Leben im Staat 14.4
Kirchliches Leben 15.5
Auftreten von Gewalt 11.1

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Der Zugang zu christlichen Online-Inhalten ist möglich (sofern nicht blockiert), wird aber von der Regierung streng überwacht. Die Christen bereiten sich bereits auf weitere Einschränkungen vor, und es wird ein beträchtliches Maß an Selbstzensur praktiziert. Die Regierung blockiert zunehmend Website-Inhalte und schränkt die verfügbaren Inhalte ein, z. B. durch die Sperrung von Bibel-Apps. Es liegen mehrere Berichte aus Gebieten vor, in denen Behördenvertreter in die Häuser von Christen eingedrungen sind. Christliche Konvertiten mit muslimischem oder buddhistischem Hintergrund halten ihren Glauben meist geheim, da sie mit Drohungen vonseiten örtlicher Behörden oder sogar ihrer Verhaftung rechnen müssen. Partei- und Militärangehörige, die zum christlichen Glauben konvertieren, tendieren ebenfalls dazu, ihren Glauben geheim zu halten. Kinder und Jugendliche sollen nicht der Religion ausgesetzt werden.

Familienleben

Kindern unter 18 Jahren ist die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen untersagt; christliche Schüler werden gezwungen, im atheistischen Schulsystem anti-biblische Inhalte zu lernen. Kinder von Christen wurden von den Behörden in mehreren Teilen des Landes gezwungen, Erklärungen zu unterschreiben, in denen sie bestätigen, dass sie „nicht religiös“ sind. Zudem werden Kinder unter Druck gesetzt, die Religion ihrer Eltern preiszugeben. Die Partei warnt davor, dass religiöse Aktivitäten als illegales Verhalten angesehen werden, was viele Kinder verwirrt und manchmal wütend auf ihre christlichen Eltern macht. Die Einführung des Plans „Kinder sprechen im Einklang“ veranlasste einen Beobachter zu der Feststellung, dass die Bildungsreformen darauf abzielen, „von der Vorschule an Musterbürger zu formen“. In einigen Gegenden wird christlichen Kindern damit gedroht, dass sie ihren Abschluss nicht machen dürfen oder nicht zum weiteren Studium zugelassen werden; betroffen sind insbesondere solche mit konvertierten Eltern.

Gesellschaftliches Leben

Die Überwachung (z. B. durch Kameras, Nachbarschaftsausschüsse und Sicherheitskräfte) ist weit verbreitet; prominente Christen stehen unter besonderer Beobachtung. Die Kommunistische Partei unterhält ein Belohnungssystem, um lokale Sicherheitskräfte zu ermutigen, Unregelmäßigkeiten zu melden. Dieses Kontrollsystem ist engmaschig und wird unter anderem zur Überwachung von Nachbarschaften eingesetzt. Kirchenleiter werden häufig zu Verhören auf örtliche Polizeistationen vorgeladen, so auch im Fall der Early Rain Covenant Church in Chengdu. Diskriminierung im Erwerbsleben ist gerade im öffentlichen Sektor häufig anzutreffen (z. B. werden alle religiösen Gläubigen von Behördenpositionen ausgeschlossen, die eine Parteimitgliedschaft erfordern). In seltenen Fällen drängt die Regierung private Arbeitgeber dazu, Verträge mit Gläubigen zu kündigen. Christliche Konvertiten muslimischer oder buddhistischer Herkunft werden von der Familie und der Gemeinschaft unter Druck gesetzt, zu ihrem ursprünglichen Glauben zurückzukehren; oftmals werden sie so lange diskriminiert, bis sie es tun.

Leben im Staat

Die chinesische Verfassung gewährt Religionsfreiheit, überlässt es jedoch dem Staat, „normale“ religiöse Aktivitäten zu definieren. Das beste Beispiel dafür im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 ist die Verurteilung von vier Christen zu Haftstrafen zwischen 15 Monaten und sechs Jahren; ihr „Verbrechen“ bestand darin, dass sie Audiobibelgeräte verkauft hatten. Auf verschiedene Weise werden religiöse Minderheiten diskriminiert: Verweigerung von Genehmigungen, Durchführung von Finanzermittlungen zur Aufdeckung ausländischer Verbindungen und Schließung von Kirchen wegen angeblicher Verstöße gegen Bau- oder Brandschutzvorschriften. Christen, die von staatlichen Subventionen abhängig sind (z. B. ältere Menschen), werden von lokalen Parteifunktionären unter Druck gesetzt, sich zwischen ihrem Glauben und der staatlichen Unterstützung zu entscheiden. Der Text mit dem Titel „Stellungnahmen zur Bereitstellung von Justizdiensten und Schutz zur Beschleunigung der Modernisierung der Landwirtschaft und des ländlichen Raums“ enthält unter Punkt 9 Leitlinien für die Umsetzung des allgemeinen nationalen Sicherheitskonzepts und zur Förderung von Harmonie und Stabilität in ländlichen Regionen. Religiöse Aktivitäten werden darin zusammen mit verschiedenen anderen gefährlichen Elementen in der Gesellschaft aufgeführt.

Kirchliches Leben

Alle christlichen Gemeinschaften werden überwacht. Die Aktivitäten der Kirche werden nicht nur durch anwesende Agenten überwacht, sondern auch durch Überwachungskameras, die die Kanzel, die Gemeinde und das umliegende Kirchengelände unter Beobachtung halten. Predigten im Sonntagsgottesdienst müssen vorab genehmigt werden, die Situation ist in diesem Bereich jedoch unterschiedlich. Die Überwachung nicht registrierter Kirchen hat im aktuellen Berichtszeitraum zugenommen. Immer mehr Hauskirchen sehen sich Schikanen und Behinderungen ausgesetzt, sobald ihre Aktivitäten entdeckt werden. Die meisten Hauskirchen waren gezwungen, kleine Gruppen zu bilden und sich an verschiedenen Orten zu versammeln, um ihrer Entdeckung zu entgehen. Ein Experte für das Land fasste die Entwicklung so zusammen: „Vor COVID-19 hatte die Regierung damit begonnen, große nicht-registrierte Gemeinden zu schließen. Während des Lockdowns waren keine öffentlichen Treffen erlaubt, so dass sich die Christen online trafen. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass nicht-registrierte Gruppen versuchen werden, wieder zu großen Präsenz-Versammlungen zurückzukehren. Die Zukunft der Kleingruppentreffen, die derzeit von vielen praktiziert werden, ist ungewiss.“ Viele Hauskirchen sind zu (begrenzten) Online-Treffen übergegangen. Kirchen, die offiziell dauerhaft geschlossen werden, verlieren alles – einschließlich Eigentum und Vermögen. Dies ist eher in ländlichen Gebieten der Fall. Im Mai 2021 wurden neue Vorschriften für religiöse Einrichtungen bekannt gegeben. Auch wenn diese Regelungen verschiedenen Zielen dienen, sind Artikel 4, Artikel 9 und Artikel 39 aufschlussreich. Sie betonen das Heranziehen einer Reserve eines patriotischen religiösen Nachwuchs. Die Verordnungen schreiben auch vor, dass Lehrveranstaltungen eine Reihe von Kursen über ideologische und politische Theorie umfassen müssen. Das Erlernen von Xi Jinpings Gedankengut soll als Ziel der Einrichtungen aufgenommen werden. Mit dieser Sinisierungskampagne werden die Pastoren in den registrierten Kirchen zunehmend unter Druck gesetzt, die Lehre der Partei in den Kirchen zu vermitteln. Die Kommunistische Partei führte auch eine neue Regelung für Geistliche ein; in Artikel 3 wird hervorgehoben, dass Geistliche das Vaterland lieben, die Führung der Kommunistischen Partei Chinas unterstützen und sich an die Vorgaben zur Sinisierung der Religion in China halten sollten. Wenn diese Vorschriften strikt durchgesetzt werden, wird die Freiheit der Kirchen erheblich eingeschränkt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Ein katholischer „Untergrund“-Bischof, Joseph Zhang Weizhu aus Xinxiang in der Provinz Henan, wurde zusammen mit 10 Priestern und einer unbekannten Zahl von Theologiestudenten verhaftet. Die 10 Priester und die Theologiestudenten wurden nach zwei Monaten freigelassen, aber Bischof Joseph Zhang ist immer noch nicht aufgetaucht.
  • Beamte führten eine Razzia bei einem von der Shenzhen Trinity Gospel Harvest Church organisierten Online-Gottesdienst durch und zwangen den Pastor und den Ältesten, die Predigt einzustellen.
  • Kirchen mit Verbindungen ins Ausland wurden einer besonderen Überprüfung unterzogen oder geschlossen. Die Shenzhen Holy Reformed Church mit 60 Mitgliedern floh auf die Insel Jeju in Südkorea und beantragte Asyl, doch ihr Antrag wurde abgelehnt. Das Verfahren ist immer noch anhängig.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

17

75,66

2021

17

74,08

2020

23

69,65

2019

27

65,03

2018

43

57,48

Der Anstieg um 1,7 Punkte im Weltverfolgungsindex 2022 zeigt eine deutlich verschlechterte Situation und spiegelt wider, dass der starke Druck auf die Kirchen landesweit zu spüren ist. Das schließt auch solche ein, die mit der Regierung in Verbindung stehen. Der Wert für Gewalt ist auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr verblieben, während der Druck in den fünf Lebensbereichen leicht angestiegen ist. Dies deutet auf eine immer stärkere Betonung der kommunistischen Ideologie hin. Die Bürger werden dazu benutzt, Informationen über Christen und andere Minderheiten zu erlangen. Ein deutlicher Anstieg der Punktzahl im Bereich „Leben im Staat“ zeigt, dass die Vorschriften zur Religion sehr streng umgesetzt werden.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Frauen leiten viele Kirchen, insbesondere Hauskirchen, und sind daher dem gleichen Risiko der Inhaftierung ausgesetzt wie Männer. Im Allgemeinen sind christliche Konvertitinnen mit muslimischem und buddhistischem Hintergrund dem größten Druck ausgesetzt. Ihre Ehemänner werden in einigen Fällen unter Druck gesetzt, sich von ihnen scheiden zu lassen, weil sie als Verräter an ihrer ethnischen Gruppe angesehen werden.

Chinas Ein-Kind-Politik ist berüchtigt dafür, dass sie ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern bewirkt. Diese Politik führte zu einer Wechselwirkung mit der Verwundbarkeit der christlichen Gemeinschaften in den Nachbarländern: Christinnen aus Pakistan und Myanmar stehen dadurch in erhöhter Gefahr, als Bräute nach China verschleppt zu werden.

Männer: Männliche christliche Leiter werden gezielt von der Regierung überwacht. Katholische Priester und Hauskirchenleiter wurden entführt. „Sie werden einfach mitgenommen“, erklärt ein Länderexperte, „um dann Monate später in einer Art Hausarrest in einem Hotel zu erscheinen, wo sie umerzogen werden.“ In diesen Fällen werden die Männer unter Umständen körperlich misshandelt und sogar von Polizeibeamten geschlagen. Viele Männer werden während der Haft traumatisiert. Diejenigen, die längere Zeit inhaftiert sind, sind nicht in der Lage, ihre Familien finanziell zu versorgen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Ebenso wie Kirchen wurden auch muslimische, buddhistische, taoistische, jüdische und andere Gotteshäuser geschlossen oder zerstört. Religiöse Minderheiten wie Muslime, Buddhisten und Anhänger von Falun Gong berichten über schwere gesellschaftliche Diskriminierung in den Bereichen Beschäftigung, Wohnen und Wirtschaft. Die Muslime in Xinjiang leiden unter schweren Menschenrechtsverletzungen. Bis zu einer Million von ihnen werden in Umerziehungslagern festgehalten, die von der Regierung als „notwendig im Kampf gegen den radikalen Islam“ bezeichnet werden. Einige wurden bereits freigelassen. Einzelheiten über diese Lager wurden in Berichten wie den China Leaks enthüllt, und Satellitenbilder zeigen das Ausmaß der Lager. Tibetische Buddhisten werden von der Regierung stark unter Druck gesetzt, insbesondere durch das neue Gesetz zur ethnischen Einheit.  Es gab auch Berichte, dass Angehörige religiöser Minderheiten, die in Arbeitslagern inhaftiert sind (wie Uiguren und Mitglieder der „Kirche des Allmächtigen Gottes“) getötet wurden.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für China:

  • Beten Sie, dass die Gemeinden in China trotz intensiver Überwachung gedeihen und noch mehr Menschen zu Jesus finden.
  • Bitten Sie dafür, dass die örtlichen Partner von Open Doors bedürftige Christen erreichen können, um ihnen christliche Literatur zu bringen sowie Schulung und Gemeinschaft zu ermöglichen.
  • Bitten Sie dafür, dass die Behörden in China die Wichtigkeit der Religionsfreiheit anerkennen und es den Christen erlauben, sich ohne Einschränkungen zu versammeln und Gottesdienst zu feiern.

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