Länderprofil Jemen

Jemen

7
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Jemen
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
8
ISO
YE
Karte Jemen
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
30.25
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.600
Familienleben: 16.600
Gesellschaftliches Leben: 16.500
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 3.900

Länderprofil Jemen

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 7 / 87 Punkte (WVI 2020: Platz 8 / 85 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die christliche Gemeinde im Jemen besteht überwiegend aus jemenitischen Christen mit muslimischem Hintergrund und ihren Kindern. Sie müssen ihren Glauben im Verborgenen leben. Sie erleben Verfolgung durch die Behörden (einschließlich Verhaftungen und Verhören), die Familie und islamisch-extremistische Gruppen, die „Abtrünnigen“ mit dem Tod drohen, wenn diese nicht zum Islam zurückkehren. Niemand darf seinen Stamm verlassen – man gehört von Geburt an zu einem Stamm und hat seinen internen Normen zu folgen. Die Abkehr vom Islam kann vom Stamm mit Tod oder Vertreibung bestraft werden. Sowohl männliche als auch weibliche Christen muslimischer Herkunft, die mit Muslimen verheiratet sind, riskieren die Scheidung und den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Die Christen leiden unter der allgemeinen humanitären Krise im Land. Jemenitische Christen sind jedoch zusätzlich gefährdet, da die Nothilfe hauptsächlich über lokale Muslime und Moscheen verteilt wird, die dem Vernehmen nach alle diskriminieren, die nicht als gläubige Muslime gelten.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

87

7

2020

85

8

2019

86

8

2018

85

9

2017

85

9

Die Punktzahl des Jemen ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 um 2 Punkte gestiegen. Dies ist zum Teil auf eine etwas höhere Zahl gemeldeter Gewalttaten gegen Christen zurückzuführen und zum Teil auf die Tatsache, dass aufgrund neuer Informationen einige Bewertungsanpassungen vorgenommen wurden.

Die meisten ausländischen und eingewanderten Christen haben das Land verlassen und eine christliche Gemeinde zurückgelassen, die heute hauptsächlich aus einheimischen Christen muslimischer Herkunft besteht. Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft ist in allen Lebensbereichen extrem. Christen im Jemen erleben körperliche und psychische Misshandlung, sexuelle Belästigung und Vergewaltigung sowie Zwangsheirat und werden gezwungen, das Land aus Glaubensgründen zu verlassen. Wie andere Zivilisten leiden Christen stark unter dem Krieg und dem großen Einfluss islamistischer Kämpfer, was die ohnehin schon schwache Position der einheimischen Christen noch verstärkt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Friedensverhandlungen sind in einem ständigen Wechsel von Stocken und Neustart gefangen

Im fünften Jahr des Bürgerkriegs ist der Jemen ein Land, das am Rande des Zusammenbruchs steht. Der Ende 2018 gestartete Stockholmer Friedensprozess weckte die Hoffnung, dass der Krieg durch internationale Vermittlungen beendet werden könnte. Eine politische Lösung blieb jedoch unerreichbar. Die Tatsache, dass der Prozess im August 2019 mit dem Zusammenbruch der Anti-Huthi-Koalition zum Stillstand gekommen ist, hat die Situation noch komplizierter gemacht. Die ehemaligen Verbündeten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien, gehen getrennte Wege – ebenso die verschiedenen Milizen, die von ihnen unterstützt wurden. Ein positiver Schritt zur Beendigung des Konflikts – wenn auch erfolglos – war die Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen dem Southern Transitional Council (STC) und der von der UNO anerkannten Regierung im November 2019.

2) Der Krieg im Jemen hat zu einem hohen Maß an Gewalt und Gesetzlosigkeit geführt

Ein hohes Maß an Gesetzlosigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit für die Unterdrückung von Minderheiten, einschließlich Christen. In ihrem Länderprofil für den Jemen betont die Economist Intelligence Unit (EIU) die Tatsache, dass selbst wenn ein Friedensabkommen zustande kommt, „die anhaltende Präsenz von Al Kaida und die zunehmenden Forderungen nach Sezession des Süd-Jemen dazu führen werden, dass der Konflikt weitergeht“.

3) Der Jemen ist in einer großen humanitären Krise

Das ärmste Land des Nahen Ostens befindet sich mitten in einer verheerenden humanitären Katastrophe. Die humanitäre und wirtschaftliche Lage des Landes ist so ernst, dass es Jahre dauern wird, bis sich das Land erholt. Laut dem Länderrisikobericht für Jemen der BMI Research Group, ist der Jemen in hohem Maße abhängig von ausländischer Hilfe und daher sehr anfällig für externe Wirtschaftsfaktoren wie einen Rückgang der Ölpreise, der die finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau durch die Golfverbündeten beeinträchtigen würde.

4) Es ist zu erwarten, dass militante islamische Gruppen in den nächsten Jahren eine Bedrohung bleiben werden

Islamisch-extremistische Gruppen sind ein bedeutender Verfolger unter der größten Triebkraft der Verfolgung, der islamischen Unterdrückung. Das verheißt nichts Gutes für die Religionsfreiheit der religiösen Minderheiten im Jemen, insbesondere der Christen. Die Situation ist besonders heikel, da der Großteil der christlichen Gemeinde aus einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund besteht. Auf der anderen Seite wird berichtet, dass inmitten der Unsicherheit des Krieges die Zahl derjenigen, die sich zum christlichen Glauben hinwenden, langsam steigt.

3. Religiöse Situation im Land

Aus Sicherheitsgründen kann keine Verteilung der Religionszugehörigkeiten der World Christian Database veröffentlicht werden. Open Doors schätzt, dass die Zahl der Christen im Jemen bei „einigen Tausend“ liegt. Die Zahl der Christen war viel höher, als es noch eine beträchtliche Anzahl christlicher Migranten gab. Nachdem die meisten von ihnen das Land infolge des Krieges verlassen hatten, hat die Toleranz gegenüber Andersdenkenden weiter abgenommen. Laut der Statistik der World Christian Database sind über 99 % der Bevölkerung Muslime. Es gibt auch eine bedeutende hinduistische Minderheit mit über 200.000 Anhängern. Gegenwärtig stellen Christen eine sehr kleine Minderheit dar, von denen die meisten einen muslimischen Hintergrund haben. Das Evangelium an Muslime weiterzugeben oder seinen Glauben zu wechseln, gilt offiziell als illegal. Wenn jemand, der den christlichen Glauben angenommen hat, entdeckt wird, wird er von seinem lokalen muslimischen Umfeld gezwungen, seinen Glaubenswechsel den Behörden zu melden, damit einen diese bestrafen können. Dies hält diejenigen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind, natürlich davon ab, ihren Glauben in irgendeiner Weise öffentlich bekannt zu machen.

Muslimische Bürger haben mehr Rechte als die Anhänger anderer Religionen. Das Land hält sich an die strengsten Auslegungen des Islam. Es ist sowohl nach islamischem als auch nach staatlichem Recht verboten, den Islam zu verlassen, um zu einer anderen Religion überzutreten. Wer dies tut, kann die Todesstrafe erhalten, wenn sein neuer Glaube entdeckt wird. Dies geschieht üblicherweise nicht durch die Regierung, sondern durch extremistische Muslime, wovor die Regierung die Augen verschließt. Obwohl Regierungsbeamte den größten Teil ihrer Aufmerksamkeit auf politische Ereignisse richten, schüchtern sie Christen selbst inmitten der chaotischen Kriegssituation weiterhin ein. Am stärksten geht die Unterdrückung jedoch vonseiten der islamisch-extremistischen Kämpfer aus, die über eine beträchtliche Handlungsfreiheit verfügen.

Die Nachrichtenagentur Middle East Concern berichtet: „Der anhaltende Konflikt, die politische Instabilität und die humanitäre Krise haben tiefgreifende Auswirkungen auf alle Menschen im Jemen. Zusätzlicher Druck auf Christen geht angesichts der schwachen Durchsetzung des Rechtsstaats in vielen Teil des Landes hauptsächlich von nichtstaatlichen Akteuren aus. Diejenigen, die sich vom Islam abwenden, sind meist starkem familiären und gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, der in extremen Fällen gewalttätige Reaktionen von Familienmitgliedern beinhalten kann. Obwohl Abtrünnigen vom Islam nach dem Strafgesetzbuch die Todesstrafe droht, gab es in den letzten Jahren keine bekannten Fälle von durch Gerichte angeordneten Hinrichtungen aufgrund von Apostasie. Gelegentlich gibt es jedoch verifizierte Berichte über außergerichtliche Morde durch gesellschaftliche oder extremistische Gruppen infolge von Apostasie. Die Bedrohung von gewalttätigen islamistischen Kämpfern ist in den Teilen des Jemen, in denen Gruppen wie ‚Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel‘ (AQAP) und der ‚Islamische Staat‘ (IS) stark sind, erheblich, insbesondere für Staatsangehörige, die den Islam verlassen haben.“

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und die Scharia zur Quelle jeder Gesetzgebung. Die Weitergabe ihres Glaubens durch andere Glaubensrichtungen als den Islam ist verboten und Muslime dürfen nicht zu einer anderen Religion übertreten. Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Der anhaltende Konflikt, die politische Instabilität und die mangelhafte Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien in vielen Teilen des Landes bedeuten, dass der Druck auf Christen im Jemen hauptsächlich von nichtstaatlichen Akteuren ausgeht – einschließlich vonseiten der Familie oder des Stammes, aber auch von islamisch-extremistischen Gruppen. In beiden Fällen ist die Durchsetzung islamischer Werte ein Hauptmotiv – der Islam ist ein zentraler Bestandteil der Identität jemenitischer Stämme, während militante Organisationen wie AQAP und der IS versuchen, eine puritanische Form des Islam durchzusetzen. Ausgehend von islamischer Unterdrückung sind Letztere die Hauptverfolger, die gezielt Christen angreifen und töten.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Die jemenitische Gesellschaft ist stark stammesbezogen und die Regierungsgewalt ist oft zweitrangig gegenüber der traditionellen Stammesführung. Der Islam ist mit der ethnischen Identität verflochten. Es gibt viele Gebiete im Jemen, in denen Stammesälteste Recht und Gerechtigkeit gemäß ihren auf dem Islam basierenden Traditionen durchsetzen, unabhängig davon, was die nationale Verfassung oder die Regierung sagen. Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass die Regierung in Konflikte zwischen den Stämmen eingreift, selbst wenn Menschen dabei körperlich angegriffen oder inhaftiert werden.

Da die Regierung derzeit die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren hat, hat ihr Einfluss auf die Stämme weiter abgenommen. Stammesgesetze und -bräuche verbieten es Mitgliedern des Stammes, diesen zu verlassen; Frauen dürfen keine Männer heiraten, die nicht zum Stamm gehören, vor allem keine Christen. Ungehorsam kann mit Tod oder Vertreibung bestraft werden. Einige Stammesanführer haben ihre eigene Armee, deren Kämpfer extremistisch und antichristlich eingestellt sind. Ein politischer Analyst fasst die Situation wie folgt zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen, und es ist der Stamm, der oft vergeltende ‚Gerechtigkeit‘ an denen vollzieht, die versuchen, den Islam zu verlassen.“

Diktatorische Paranoia

Während der vergangenen 37 Jahre wurde der Jemen meist von einer Diktatur beherrscht. Obwohl der Jemen nicht so viele Gräueltaten durch die Hand von Diktatoren erlebt hat wie andere Länder, herrscht sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich viel Gewalt, um die Macht zu behaupten. Im Kontext des Krieges ist der Überlebenstrieb der kriegsführenden Parteien unweigerlich stark. Berichte aus dem Jahr 2018 weisen darauf hin, dass die Huthi-Regierung in von Huthi kontrollierten Gebieten immer härtere Maßnahmen gegen Einzelpersonen oder Vereinigungen ergriffen hat, die von der herrschenden Autorität als Bedrohung angesehen werden. Dies hat sich fortgesetzt und betrifft auch Mitglieder religiöser Minderheiten, einschließlich Christen muslimischer Herkunft.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die Rechtsstaatlichkeit war im Jemen zwar noch nie besonders hoch, doch Christen sind angesichts des Kontextes des Konflikts und der damit einhergehenden Gesetzlosigkeit in weiten Teilen des Landes besonders gefährdet, Opfer von Verbrechen zu werden. Ein wichtiger Faktor hierbei ist, dass Christen häufig mit dem Westen assoziiert werden und viele daher glauben, dass sie Zugang zu Finanzquellen hätten. Sie sind verletzlicher, da das Fehlen eines Rechtsstaates für diejenigen, die Verbrechen gegen sie begehen, eine große Straffreiheit mit sich bringt. Diese Triebkraft der Verfolgung hat in letzter Zeit zugenommen.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Imame und Scheichs, die Dorfgemeinschaften leiten, nutzen oft die Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der Dorfbewohner Analphabeten sind und leicht beeinflusst werden können, um gegen ein Mitglied der Dorfgemeinschaft vorzugehen. Wenn sich herausstellt, dass ein Dorfbewohner Christ ist, kann dies dazu führen, dass die ganze Gemeinschaft sich gegen ihn stellt und dies zur Verbannung oder zumindest zum Druck führt, die Gemeinschaft zu verlassen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: In einigen Gebieten des Jemen operieren militante Gruppen wie AQAP und der IS ungestraft oder sogar in stillschweigender Zusammenarbeit mit den Behörden, insbesondere in Gebieten, die von der Hadi-Regierung beherrscht werden. Einheimische Christen sind besonders gefährdet durch islamisch-extremistische Gruppen, ebenso wie alle anderen, die von diesen Gruppen als „Abtrünnige“ wahrgenommen werden.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Feindseligkeit durch soziales Umfeld und Familie (oder die Angst davor) ist ein Hauptfaktor des Drucks auf jemenitische Christen. Unter den weithin geltenden Werten von Gemeinschaft und Familie muss hart gegen jedes Mitglied, das der Gemeinschaft oder Familie Schande bereitet (etwa durch Verlassen des Islam), vorgegangen werden, um die Ehre der Gemeinschaft/Familie wiederherzustellen.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbehörden inhaftieren jemenitische Christen wegen ihres Glaubens und geben dabei öffentlich oft andere Gründe an (da sie behaupten, gegenüber anderen Religionen tolerant zu sein).
  • Revolutionäre: Huthi-Rebellengruppen (und andere) haben Christen und Bahai festgenommen, um sie wegen ihrer Abkehr vom Islam zu verhören. Allerdings sind diese Gruppen derzeit vor allem damit beschäftigt, ihre Macht zu sichern.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Anführer ethnischer Gruppen und islamische Leiter: Stammesgesetze und -bräuche sind gegen den christlichen Glauben und Ungehorsam kann mit Tod oder Verbannung bestraft werden. Das Gleiche gilt für jedes Stammesmitglied, das den Islam verlässt, da religiöse und ethnische Identität miteinander verflochten sind. Einige Stammesführer haben ihre eigenen Kampftruppen.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Hier gelten die gleichen Mechanismen wie bei der islamischen Unterdrückung: Gemeinschafts- und Familienehre werden höher als alles andere bewertet. Es gab Vorfälle, in denen Bürger ihre Töchter, die den christlichen Glauben angenommen hatten, zur Heirat mit Muslimen gezwungen haben. In einer solchen Ehe sind Frauen oft Missbrauch ausgesetzt und haben nur wenig Freiheit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Außerdem gibt es im Jemen ein Kastensystem, in dem diejenigen, die tiefer in einem Stamm verwurzelt sind, auf jene herabblicken und sie ausgrenzen, die überwiegend ostafrikanische Wurzeln und eine dunklere Hautfarbe haben (zum Beispiel die Muhammaschun, auch Achdam genannt). Wenn ein Mitglied dieser Randgruppe zudem Christ ist, wird er/sie geächtet und völlig aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Dies beinhaltet den Ausschluss von Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Gewalttätige religiöse Gruppen und Revolutionäre: Im Kontext des Bürgerkriegs tun Huthi-Rebellen, Al-Kaida- und IS-Mitglieder alles, um ihre territoriale Macht zu stärken. In den von Huthi kontrollierten Gebieten werden von der Huthi-Regierung harte Maßnahmen gegen jede Person oder Vereinigung ergriffen, die von der herrschenden Autorität als Bedrohung angesehen wird. Dazu gehört auch die Verhaftung von Angehörigen religiöser Minderheiten, darunter Christen muslimischer Herkunft und Bahai sowie bestimmte schiitische Splittergruppen, die sie als ihrer Ideologie gegenüber feindlich gesinnt ansehen.
  • Regierungsbeamte: Die jemenitischen Behörden wenden zur Machterhaltung starke Gewalt an. Obwohl die staatlichen Institutionen schwach sind, gibt es immer noch Berichte über von staatlicher Stelle verübtes Unrecht gegen Christen. Zudem hat der Staat Gewalt gegen Christen zugelassen, was zu einer Situation der Straflosigkeit geführt hat.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Christen werden gewöhnlich mit dem Westen assoziiert und es wird daher erwartet, dass sie Zugang zu Geldmitteln haben. Aus diesem Grund haben Gefängniswärter Christen in manchen Fällen länger festgehalten, um sie dann im Austausch gegen Geld freizulassen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen und Revolutionäre: Aus dem oben genannten Grund haben gewalttätige religiöse und revolutionäre Gruppen Christen entführt und Geldforderungen gestellt.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Situation ist für Christen im Jemen allgemein gefährlich. Einige Gebiete sind besonders schwierig, wie beispielsweise der Süden, in dem Al Kaida stark aufgestellt ist. Christen muslimischer Herkunft haben ebenfalls darauf hingewiesen, dass es in den von schiitischen Huthi kontrollierten Gebieten im Westen mehr Druck gebe als in Gebieten unter der Kontrolle der sunnitischen Hadi-Regierung. Die von den Huthi kontrollierten Gebiete – die etwa ein Drittel des jemenitischen Territoriums ausmachen – sind stark überwacht. Jede abweichende Meinung wird rigoros unterdrückt und führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu Verhaftung, Folter und möglicherweise Schlimmerem.

Der offiziell anerkannte Staat hat wenig Einfluss auf die von ihm kontrollierten Gebiete und beherrscht weniger als ein Viertel der Bevölkerung. Aufgrund der fehlenden Staatsgewalt im Süden gibt es dort auch weniger Schutz durch die Polizei. Laut Quellen aus der Region haben eingewanderte Christen, die zu traditionellen christlichen Gemeinden gehören, in den von den Huthi kontrollierten Gebieten keine Probleme und werden sogar geschützt. Der Fokus des Fragenkatalogs des Weltverfolgungsindex und dieses Länderprofils liegt daher auf Christen muslimischer Herkunft.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2015 waren die meisten Christen im Jemen ausländische oder eingewanderte Arbeiter (aus Nordafrika, dem Westen, Süd- und Ostasien sowie aus arabischen Ländern) und Flüchtlinge (hauptsächlich aus Äthiopien). Die Mehrheit war römisch-katholisch oder anglikanisch (dazu kamen einige Orthodoxe im Falle äthiopischer Flüchtlinge). Praktisch alle westlichen Arbeitskräfte haben das Land infolge des verheerenden Krieges aus Sicherheitsgründen verlassen.

Einige christliche Migranten, vor allem aus Afrika und auch aus Asien, bleiben im Land, aber ihre Zahl ist sehr gering; die meisten von ihnen haben den Jemen ebenfalls verlassen. Christliche Migranten werden – höchstwahrscheinlich in einer Mischung von Rassendiskriminierung und Verletzungen der Religionsfreiheit – von der Gesellschaft auf kommunaler und nationaler Ebene schikaniert und diskriminiert, bis hin zu direkter Gewalt durch islamisch-extremistische Bewegungen. Da die Zahl der christlichen Migranten jedoch stark zurückgegangen ist und die Kirche nun hauptsächlich aus einheimischen Christen besteht, wird die Kategorie der ausländischen Christen in der Analyse des Weltverfolgungsindex derzeit nicht bewertet.

Christen anderer religiöser Herkunft

Mindestens 95 % der jemenitischen Kirche bestehen aus Christen muslimischer Herkunft. Obwohl es nur ein paar Tausend jemenitische Christen gibt, ist die Zahl der Christen gestiegen, was bedeutet, dass für neue Christen vor Ort mehr Beratung und Unterstützung zur Verfügung stehen als früher. Christen muslimischer Herkunft sind im ganzen Land nach wie vor stark gefährdet. Dies ist zurückzuführen auf eine Kombination aus traditionellen Familien-, Gemeinschafts- und Stammeseinstellungen, der Straffreiheit, mit der islamisch-extremistische Gruppen operieren können, und der Weigerung staatlicher (oder de-facto-staatlicher) Behörden, jegliche Form von Abweichung zu tolerieren, aus Angst, dass dies zu einer größeren Destabilisierung führen könnte.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 16.6
Familienleben 16.6
Gesellschaftliches Leben 16.5
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 3.9

 

Grafik: Verfolgungsmuster Jemen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Jemen ist nach wie vor extrem hoch (16,6 Punkte). Der extreme Druck erklärt sich durch den Krieg und den Druck auf die einheimische Kirche, die größtenteils aus Christen muslimischer Herkunft besteht.
  • Das Ausmaß des Drucks ist in allen Lebensbereichen extrem. Sowohl im Bereich Leben im Staat als auch im Bereich des kirchlichen Lebens wurde die höchstmögliche Punktzahl (16,7) erreicht, direkt gefolgt von der Wertung in den Bereichen Privatleben und Familienleben mit je 16,6 Punkten. Dies ist typisch für eine Situation, in der die meisten Christen einen muslimischen Hintergrund haben und islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist, die keinen Raum für offene kirchliche Aktivitäten oder die private Ausübung des Glaubens lässt.
  • Die Wertung für Gewalt gegen Christen stieg von 2,6 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2020 auf 3,9 Punkte beim Weltverfolgungsindex 2021. Das Ausmaß der Gewalt zu erforschen, ist sehr schwer, da infolge des Krieges der Zugang zu genauen und verifizierten Informationen fehlt. Es ist wahrscheinlich, dass die Zahlen tatsächlich höher sind.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Alle Jemeniten gelten als Muslime. Es bringt Schande über eine muslimische Familie, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, körperlicher Gewalt oder sogar einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen, wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z. B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen ausüben. Wenn Menschen in ihrem Umfeld den Eindruck bekommen, dass sie Christen sein könnten, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Die private Ausübung ihres Glaubens ist für Christen in Gebieten, die von extremistischen Muslimen kontrolliert werden, oder in Gebieten, die von sunnitischen Streitkräften „befreit“ wurden, besonders riskant geworden. AQAP und der IS kontrollieren große Teile des Landes.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Die Entdeckung von christlichen Materialien durch Familienmitglieder kann zu Ehrenmorden führen. Familien können ihre Söhne und Töchter ohne jegliche rechtlichen Folgen töten, da die Tötung als Wiederherstellung der Familienehre angesehen wird.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Für einheimische Christen ist es sehr riskant, sich zu treffen, und es ist große Sorgfalt geboten, um keinen Verdacht zu erregen, keine feindseligen Reaktionen hervorzurufen und nicht möglicherweise die Sicherheit anderer Christen muslimischer Herkunft zu gefährden.

Familienleben

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Christen muslimischer Herkunft können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen.

Wurden christliche Taufen behindert?

Alle christlichen Aktivitäten oder Feiern müssen geheim gehalten werden. Weil die Taufe jedoch als endgültige Besiegelung der Hinwendung zum christlichen Glauben gilt, wird sie von der Familie und dem Umfeld als besonders schwerwiegend angesehen. Aus diesem Grund wird gegen Taufen noch härter vorgegangen als gegen andere christliche Feiern; eine Taufe kann schlimme Konsequenzen haben.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Jemenitische Christen muslimischer Herkunft, die Kinder haben, stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Verwandtschaft und der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass die Kinder nach islamischen Normen erzogen werden. Falls der neue Glaube der Eltern entdeckt wird, besteht ein großes Risiko, dass ihnen die Kinder weggenommen werden.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Kinder jemenitischer Christen muslimischer Herkunft haben keinen Zugang zu christlicher Bildung innerhalb des staatlichen Schulsystems, sondern müssen am Islamunterricht teilnehmen. Es gab Fälle, in denen muslimische kommunale Leiter christliche Kinder gezwungen haben, zum Islamunterricht in die Moschee zu kommen. Dies ist eher in Dörfern der Fall, in denen die Häuser nahe beieinander liegen und die religiösen Leiter einen stärkeren Einfluss in den Familien ausüben.

Gesellschaftliches Leben

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Eine gängige Art, mit der missbilligende Familien versuchen, die religiösen Ansichten eines jungen Christen muslimischer Herkunft zu „korrigieren“, ist eine arrangierte Ehe mit einem konservativen muslimischen Ehepartner. Dies betrifft vor allem Christinnen, insbesondere in ländlichen Gebieten.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Ein Christ, dessen Glaube Familienmitgliedern oder seinem sozialen Umfeld bekannt geworden ist, wird sehr wahrscheinlich unter Druck gesetzt, den christlichen Glauben zu widerrufen. Eine Weigerung kann zur Tötung oder im besten Fall zu Gefangenschaft führen.

Hatten Christen aufgrund ihres Glaubens schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung?

Der fehlende Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung ist für viele Jemeniten ein großes Problem. In der gegenwärtigen humanitären Krise sind Christen muslimischer Herkunft in ihren Gemeinschaften zusätzlich gefährdet, da die Nothilfe hauptsächlich über muslimische Mitarbeiter säkularer Organisationen und lokale Moscheen verteilt wird, die dem Vernehmen nach alle diskriminieren, die nicht als gläubige Muslime gelten. Außerdem ist die Vetternwirtschaft stark ausgeprägt. Dies ist eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben von Christen und anderen Nichtmuslimen.

Haben Christen auf irgendeiner Ebene im Bereich ihrer Bildung aus religiösen Gründen Nachteile erlitten (z. B. Einschränkungen des Zugangs zur Bildung)?

Der fehlende Zugang zu einer adäquaten Schulbildung ist für viele Jemeniten eine große Herausforderung. Christen muslimischer Herkunft sind zusätzlich gefährdet, wenn ihr Glaube bekannt ist. Unterricht im Islam und in der islamischen Kultur ist Teil der Lehrpläne in der Grund- und Sekundarstufe sowie an Hochschulen. Diese Kurse verringern automatisch die Wahrscheinlichkeit, dass Christen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können.

Leben im Staat

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, den Glaubenswechsel einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Nach dem jemenitischen Strafgesetzbuch ist der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion ein Glaubensabfall, der ein Kapitalverbrechen darstellt. Wenn jemenitische Christen versuchen würden, ihre Religion in offiziellen Dokumenten ändern zu lassen, würde sie dies den Behörden preisgeben und wäre daher äußerst gefährlich.

Wurden Christen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, oder wurde ihre Beförderung aus religiösen Gründen behindert?

Laut Verfassung ist es Nichtmuslimen offiziell verboten, Präsident zu werden. Allerdings müssen einheimische Christen ihren Glauben ohnehin im Verborgenen leben und würden nicht versuchen, einen solchen Posten zu erreichen. Eine Beförderung ist für Christen sehr schwierig, da in der jemenitischen Gesellschaft zählt, welche Beziehungen man hat. Wenn Führungskräfte den Verdacht haben, dass ein Mitarbeiter Christ ist, dann ist es für ihn praktisch unmöglich, befördert zu werden.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Bei Verbrechen gegen Christen, einschließlich sogenannter „Ehrenverbrechen“, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Täter angesichts des schwachen Rechtsstaats in weiten Teilen des Jemen ungestraft davonkommen. Die weitverbreitete Stammesrechtssprechung geht davon aus, dass das Familienoberhaupt die Bestrafung ausführt. In offiziellerem Kontext ist es sehr wahrscheinlich, dass islamische Prinzipien angewendet werden, die Christen muslimischer Herkunft stark benachteiligen. Selbst gegen diejenigen, die 2016 in Aden vier Nonnen und zwölf Mitarbeiter eines christlichen Altersheimes ermordet hatten, wurde nicht ermittelt.

Wurde angeklagten Christen die Gleichbehandlung vor Gericht verwehrt?

In den von AQAP und dem IS kontrollierten Gebieten ist die Zeugenaussage von Christen weniger wert als die von Muslimen. In den Huthi-Gebieten gibt es keine freien und fairen Gerichtsverhandlungen; dies ist allerdings nicht unbedingt auf Christen beschränkt, sondern trifft jeden, der als Bedrohung für das Regime wahrgenommen wird.

Kirchliches Leben

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Die drei offiziellen Kirchengebäude (alle in Aden), die ausländischen Christen oder Flüchtlingen (hauptsächlich Äthiopiern) dienten, wurden durch den Krieg (und durch gezielte Angriffe) beschädigt und sind geschlossen. Der Bau von Kirchen (oder anderen Gebäuden) im Jemen bedarf der Genehmigung durch die offizielle Regierung. Da Kirchen keinen Rechtsstatus erhalten, ist es nicht möglich, die Genehmigung zum Bau eines Gotteshauses zu bekommen. Die offizielle Regierung hat nur wenig Kontrolle über das ganze Land, in der Vergangenheit wurden aber selbst persönliche Gesuche des Papstes um Kirchengenehmigungen von der Regierung ignoriert. Christen muslimischer Herkunft können aufgrund ihrer prekären Rechtssituation keinerlei Genehmigungen einholen.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Es gibt keine Kirchengebäude mehr, die noch in Betrieb sind. Der gesellschaftliche und „staatliche“ Druck hindert Christen daran, Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren. Da Christen muslimischer Herkunft keine eigenen Versammlungen haben dürfen, treffen sie sich nur an geheimen Orten. Wenn sie sich offen treffen würden, würden sie sich einer erheblichen Gefahr aussetzen.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliches Material aus dem Ausland zu importieren?

In Anbetracht der Tatsache, dass die Verteilung nichtislamischer religiöser Materialien gesetzlich verboten ist und hart bestraft wird, ist es für Christen praktisch unmöglich, christliche Materialien einzuführen – sowohl aus logistischen Gründen als auch aufgrund des Drucks durch Islamisten und die Behörden, welche die Regionen kontrollieren, in denen Christen leben. Importierte Waren werden strengen Kontrollen unterzogen und christliches Material (insbesondere in größeren Mengen) würde blockiert, beschlagnahmt und vernichtet werden.

Wurden Kirchen bei der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Leitung von Schulen oder karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Verbänden behindert?

Obwohl jemenitische und ausländische Christen in einer Reihe von humanitären, Bildungs-, Entwicklungs- und anderen Wohltätigkeitsprojekten tätig sind, kann dies normalerweise nicht offen unter christlichem Banner geschehen, da es höchstwahrscheinlich als versuchte Missionierung angesehen würde. Wenn Kirchen gemeinnützige Organisationen gründen und gemeinnützige Arbeit anbieten, laufen sie Gefahr, angegriffen zu werden, wie es das Altenpflegeheim in Aden 2016 erlebte.

Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine spezifischen Details veröffentlicht werden. Es wurde jedoch berichtet, dass mehrere Christen während des Berichtszeitraums des Weltverfolgungsindex 2021 inhaftiert wurden. Den Quellen zufolge haben solche Fälle oft sowohl religiöse als auch nicht-religiöse Gründe. Es kann als sicher gelten, dass Dutzende Christen muslimischer Herkunft körperliche Gewalt, seelische Misshandlung oder sexuelle Belästigung, Zwangsverheiratung oder Entführung erlitten haben, während Dutzende anderer Christen an andere Orte im Land ziehen mussten – manchmal kehrten sie später zurück – und einige Christen das Land verlassen haben. Die Motivation für die Flucht kann von Angst vor Ermordung (wegen ihres Glaubens) bis zu kriegsbedingten Gründen variieren und ist oft eine Kombination verschiedener Gründe. Die meisten Familien sind so wütend und beschämt, wenn sie entdecken, dass ein Familienmitglied den Islam verlassen hat, dass sie bereit sind zu töten, möglicherweise durch einen radikalisierten Verwandten oder eine lokale militante Gruppe.

Die Situation im Jemen ist aufgrund des Bürgerkriegs sehr chaotisch, so dass über gewalttätige Vorfälle gegen Christen nur sehr wenig berichtet wird und diese schwer zu erfassen sind. Das derzeitige Ausmaß der Kämpfe im Land (und das allgemeine Misstrauen gegenüber Personen, die Informationen sammeln) hat die Sammlung und Überprüfung von Daten stark beeinträchtigt.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Jemen ist im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums nicht enthalten.

Andere religiöse Minderheiten, die im Jemen mit Rechtsverletzungen konfrontiert sind, sind Bahai und Juden. Auch ismailitische Muslime klagen über Verfolgung. Extremistische Muslime betrachten Bahai als Ungläubige, andere diskriminieren sie, weil man ihnen unterstellt, dass sie Verbindungen zu Iran haben, wo die Religion im 19. Jahrhundert entstand. Anhänger der Bahai im Jemen werden gelegentlich inhaftiert, misshandelt und gefoltert, meist von Huthi-Behörden. Sie werden auch unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Am 30. Juli 2020 wurden sechs Bahai nach vier Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Einer von ihnen war wegen Apostasie und angeblicher Verbindungen zu Israel, wo sich das Bahai World Center befindet, zum Tode verurteilt worden. Nach ihrer Freilassung wurden sie sofort aus dem Jemen ins Exil ausgeflogen.

Die winzige jüdische Gemeinde ist eine weitere einheimische nichtmuslimische religiöse Minderheit. Die meisten von ihnen leben in der Hauptstadt Sanaa, die von den Huthi-Rebellen beherrscht wird. Gemäß dem jemenitischen Informationsminister Moammer al-Iryani betrachten die Huthi-Rebellen die kleine verbliebene jüdische Gemeinde als einen Feind und „betreiben eine ethnische Säuberung mit dem Ziel, dass im Jemen keine Juden mehr leben“. Der Minister sagte, dass die jemenitische Regierung keine Kenntnis vom Ergehen der verbliebenen Juden des Landes hat. Sektiererische Botschaften und antisemitische Aussagen werden weiterhin gedruckt, auch in Schulbüchern, die von den Huthi-Behörden herausgegeben werden (in denen auch extremistisch-islamische Lehren verbreitet wurden). In einem Koran-Kulturbuch für Drittklässler sind die Wörter „Amerika“ und „Israel“ von den Worten umgeben: „unser Feind, das Oberhaupt des Bösen und der größte Satan“. Schließlich enthält der Slogan auf der Huthi-Flagge einen Fluch auf Juden. Im August 2020 wurde berichtet, dass die verbleibenden ca. 100 Juden in die Vereinigten Arabischen Emiraten überführt werden, nachdem dieser Golfstaat ein Friedensabkommen mit Israel unterzeichnet hat.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jemen:

  • Beten Sie, dass nach einem weiteren Jahr, in dem der Krieg im Jemen andauerte, begleitet von Überschwemmungen, Heuschreckenplagen und COVID-19, endlich Frieden in das Land einkehrt und die Menschen beginnen können, sich wieder ein Leben aufzubauen.
  • Beten Sie für die heimlichen Christen und die verborgenen Hausgemeinden, dass sie Weisheit und Urteilsvermögen erhalten, um andere Christen zu unterstützen.
  • Einige Christen nehmen große Risiken auf sich, um Suchende und neue Christen zu unterstützen. Beten Sie um Schutz, wenn sie durch Konfliktgebiete reisen, und um neue und befähigte Leiter in jedem Teil des Landes.