Länderprofil Jemen

Jemen

8
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Jemen
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
8
ISO
YE
Karte Jemen
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
29.58
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.600
Familienleben: 16.400
Gesellschaftliches Leben: 16.400
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 2.600

Länderprofil Jemen

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 8 / 85 Punkte (WVI 2019: Platz 8 / 86 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die christliche Gemeinde im Jemen besteht überwiegend aus jemenitischen Christen mit muslimischem Hintergrund, die ihren Glauben im Verborgenen leben müssen. Sie erleben Verfolgung von den Behörden (einschließlich Verhaftung und Verhör), der Familie und von extremistisch-islamischen Gruppen, die „Abtrünnigen“ mit dem Tod drohen, wenn diese nicht zum Islam zurückkehren. Stammesgesetze verbieten Stammesangehörigen, den Stamm zu verlassen, und die Abkehr vom Islam kann mit Tod oder Vertreibung bestraft werden. Sowohl männliche als auch weibliche Christen muslimischer Herkunft, die mit Muslimen verheiratet sind, riskieren die Scheidung und den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder.

Die Christen leiden unter der allgemeinen humanitären Krise im Land, aber einheimische Christen sind zusätzlich gefährdet, da die Nothilfe hauptsächlich über islamische Organisationen und lokale Moscheen verteilt wird, die dem Vernehmen nach alle diskriminieren, die nicht als gläubige Muslime gelten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Mehrere Christen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 aus Gründen festgenommen, die mit ihrem Glauben in Verbindung stehen. Quellen zufolge sind in diesen Fällen oft sowohl religiöse als auch nichtreligiöse Faktoren beteiligt.
  • Mindestens ein Dutzend Christen wurden aufgrund ihres Glaubens und der Kriegssituation psychisch oder körperlich misshandelt. Die Bedrohung ging meist von Familien und dem weiteren sozialen Lebensumfeld aus.
  • Mehrere Christen mussten aus Angst vor Ermordung wegen ihres Glaubens oder aus kriegsbedingten Gründen ihre Häuser verlassen und innerhalb des Landes umziehen.

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Wie geht es den Christen im Jemen?

Wie geht es den Christen im Jemen?

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Ein verheerender, komplexer Krieg erschüttert seit 3 Jahren den Jemen. Die herrschende Gesetzlosigkeit ermöglicht Al Qaida und dem Islamischen Staat sich...

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(Open Doors, Kelkheim) – Vor mehr als zwei Jahren schalteten sich der Iran und Saudi-Arabien aus machtpolitischen Erwägungen in den Krieg im Jemen ein, um die jeweils schiitischen bzw. sunnitischen Muslime im Kampf um die Vorherrschaft im Land zu unterstützen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 85 Punkten belegt der Jemen auf dem Weltverfolgungsindex 2020 Platz 8, die gleiche Position wie auf dem Weltverfolgungsindex 2019.

Die Wertung verringerte sich um einen Punkt, da im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 eine geringfügig niedrigere Anzahl von Gewalttaten gegen Christen gemeldet wurde. Wie andere Zivilisten leiden auch Christen stark unter dem Krieg und dem zunehmenden Einfluss islamischer Extremisten, was die Lage der ohnehin gefährdeten einheimischen Christen noch verschlimmert. Die meisten ausländischen und eingewanderten Christen haben das Land verlassen und eine christliche Gemeinde zurückgelassen, die heute hauptsächlich aus einheimischen Christen mit muslimischer Herkunft besteht.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und die Scharia zur Quelle jeder Gesetzgebung. Missionierung durch andere Glaubensrichtungen als den Islam ist verboten und Muslime dürfen nicht zu einer anderen Religion konvertieren. Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Der anhaltende Konflikt, die politische Instabilität und die mangelhafte Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien in vielen Teilen des Landes zeigen, dass der Druck auf Christen im Jemen hauptsächlich von nichtstaatlichen Akteuren ausgeht – einschließlich vonseiten der Familie oder des Stammes, aber auch von extremistisch-islamischen Gruppen. In beiden Fällen ist die Durchsetzung islamischer Werte ein Hauptmotiv – der Islam ist ein zentraler Bestandteil der Identität jemenitischer Stämme, während militante Organisationen wie „Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AQAP) und der „Islamische Staat“ (IS) versuchen, eine puristische Form des Islam durchzusetzen. Ausgehend von der Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ sind letztere die Hauptverfolger, die gezielt Christen angreifen und töten.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die jemenitische Gesellschaft ist stark stammesbezogen und die Regierungsgewalt ist oft zweitrangig gegenüber der traditionellen Stammesführung. Der Islam ist mit der ethnischen Identität verflochten. Es gibt viele Gebiete im Jemen, in denen Stammesälteste Recht und Gerechtigkeit gemäß ihren islambasierten Traditionen durchsetzen, unabhängig davon, was nationale Verfassung oder Regierung sagen. Darüber hinaus ist es unwahrscheinlich, dass die Regierung in Konflikte zwischen den Stämmen eingreift, selbst wenn Stämme Menschen körperlich angreifen oder inhaftieren. Da die Regierung derzeit die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren hat, hat ihr Einfluss auf die Stämme weiter abgenommen. Stammesgesetze und -bräuche verbieten es Mitgliedern des Stammes, diesen zu verlassen; Frauen dürfen keine Männer heiraten, die nicht zum Stamm gehören, vor allem keine Christen. Ungehorsam kann mit Tod oder Vertreibung bestraft werden. Einige Stammesführer haben ihre eigene Armee, deren Kämpfer extremistisch und antichristlich sind. Ein politischer Analyst fasst die Situation wie folgt zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen, und es ist der Stamm, der oft vergeltende ‚Gerechtigkeit‘ an denen vollzieht, die versuchen könnten, den Islam zu verlassen.“

Diktatorische Paranoia

Während der vergangenen 36 Jahre wurde der Jemen meist von einer Diktatur beherrscht. Obwohl der Jemen nicht so viele Gräueltaten durch die Hand von Diktatoren erlebt hat wie andere Länder, wurde sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich viel Gewalt eingesetzt, um die Macht zu behaupten. Im Kontext des Krieges ist der Überlebenstrieb der kriegsführenden Parteien unweigerlich stark. Berichte aus dem Jahr 2018 weisen darauf hin, dass die Huthi-Regierung in von Huthis kontrollierten Gebieten immer härtere Maßnahmen gegen Einzelpersonen oder Vereinigungen ergriffen hat, die von der herrschenden Autorität als Bedrohung angesehen werden. Dazu gehören auch Mitglieder religiöser Minderheiten, einschließlich Christen muslimischer Herkunft.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Imame und Scheichs, die Dorfgemeinschaften leiten, nutzen oft die Tatsache, dass ein hoher Prozentsatz der Dorfbewohner Analphabeten sind und leicht beeinflusst werden können, um gegen ein Dorfmitglied vorzugehen. Wenn sich herausstellt, dass ein Dorfbewohner Christ ist, kann dies dazu führen, dass die ganze Gemeinschaft sich gegen ihn stellt und dies zur Verbannung oder zumindest zum Druck führt, die Gemeinschaft zu verlassen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: In einigen Gebieten des Jemen operieren militante Gruppen wie AQAP und der IS ungestraft oder sogar in stillschweigender Zusammenarbeit mit dem Staat, insbesondere in Gebieten, die der Hadi-Regierung verbunden sind. Lokale Christen sind besonders gefährdet durch extremistisch-islamische Gruppen, ebenso wie alle anderen, die von diesen Gruppen als „Abtrünnige“ wahrgenommen werden.
  • Die eigene (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Feindseligkeit durch die Gesellschaft und Familie (oder die Angst davor) ist ein Hauptfaktor hinsichtlich des Drucks auf jemenitische Christen. Unter den weithin geltenden Werten von Gemeinschaft oder Familie muss jedes Mitglied, das der Gemeinschaft oder Familie Schande bereitet (etwa durch Verlassen des Islam), in die Pflicht genommen werden, um die Ehre der Gemeinschaft/Familie wiederherzustellen.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbehörden inhaftieren jemenitische Christen wegen ihres Glaubens und geben dann öffentlich oft andere Gründe an (da sie behaupten, gegenüber anderen Religionen tolerant zu sein).
  • Revolutionäre: Huthi-Rebellengruppen (unter anderem) haben Christen und Bahai festgenommen, um sie wegen Missbilligung des Islam zu verhören. Allerdings geht es ihnen meistens eher um ihren Machterhalt.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen und islamische Leiter: Stammesgesetze und -bräuche verbieten Mitgliedern des Stammes, diesen zu verlassen; Ungehorsam kann mit Tod oder Vertreibung bestraft werden. Das Gleiche gilt für jedes Stammesmitglied, das den Islam verlässt, da religiöse und ethnische Identität miteinander verflochten sind. Einige Stammesführer haben ihre eigenen Kampftruppen.
  • Die eigene (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Hier gelten die gleichen Mechanismen wie bei der Islamischen Unterdrückung: Gemeinschafts- und Familienehre müssen über alles andere respektiert werden. Es gab Vorfälle, in denen Bürger ihre Töchter, die den christlichen Glauben angenommen hatten, zur Heirat mit Muslimen gezwungen haben. In einer solchen Ehe sind Frauen oft Missbrauch ausgesetzt und haben nur wenig Freiheit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Außerdem gibt es im Jemen eine Art Kastensystem, in dem jene, die mehrheitlich arabischstämmig sind, auf andere herabblicken und jene ausgrenzen, die überwiegend ostafrikanische Wurzeln und eine dunklere Haut haben – zum Beispiel die Muhammaschun oder Achdam, wie sie auch genannt werden. Wenn ein Mitglied dieser Randgruppe zudem Christ ist, wird er/sie geächtet und völlig aus seiner/ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen. Dies beinhaltet den Ausschluss von Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Gewalttätige religiöse Gruppen und Revolutionäre: Im Kontext des Bürgerkriegs tun Huthi-Rebellen, Al-Kaida- und IS-Mitglieder alles, um ihre territoriale Macht zu stärken. In den von Huthis kontrollierten Gebieten werden von der Huthi-Regierung harte Maßnahmen gegen jede Person oder Vereinigung ergriffen, die von der herrschenden Autorität als Bedrohung angesehen wird. Dazu gehört auch die Verhaftung von Angehörigen religiöser Minderheiten, darunter Christen muslimischer Herkunft und Bahai, welche von den Machthabern als ihrer Ideologie gegenüber feindlich gesinnt angesehen werden.
  • Regierungsbeamte: Die jemenitischen Behörden wenden zur Machterhaltung starke Gewalt an. Obwohl die staatlichen Institutionen schwach sind, gibt es immer noch Berichte über von staatlicher Stelle verübtes Unrecht gegen Christen. Zudem hat der Staat Gewalt gegen Christen zugelassen, was zu einer Situation von Straflosigkeit geführt hat.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Situation ist für Christen im Jemen allgemein gefährlich. Einige Gebiete sind besonders bedrohlich, wie beispielsweise der Süden, in dem Al Kaida stark aufgestellt ist. Christen haben ebenfalls darauf hingewiesen, dass es in den von schiitischen Huthis kontrollierten Gebieten im Westen mehr Druck gebe als in Gebieten unter der Kontrolle der sunnitischen Hadi-Regierung.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2015 waren die meisten Christen im Jemen ausländische oder eingewanderte Arbeiter (aus Nordafrika, West-, Süd- und Ostasien sowie aus arabischen Ländern) und Flüchtlinge (hauptsächlich Äthiopier). Die Mehrheit war römisch-katholisch oder anglikanisch (mit einigen Orthodoxen im Falle äthiopischer Flüchtlinge). Praktisch alle westlichen Arbeitskräfte haben das Land infolge des verheerenden Krieges aus Sicherheitsgründen verlassen. Christliche Migranten, vor allem aus Afrika und auch aus Asien, bleiben im Land, obwohl viele von ihnen ebenfalls weggegangen sind. Christliche Migranten werden – höchstwahrscheinlich in einer Mischung von rassistischer und religiöser Verfolgung – von der Gesellschaft auf kommunaler und nationaler Ebene schikaniert und diskriminiert, bis hin zu direkter Gewalt durch islamisch-extremistische Bewegungen. Da die Zahl der christlichen Migranten deutlich zurückgegangen ist und die Kirche nun hauptsächlich aus indigenen Christen besteht, wird die Kategorie der ausländischen Christen in der Analyse des Weltverfolgungsindex derzeit nicht bewertet.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Mindestens 95 % der jemenitischen Kirche bestehen aus Christen muslimischer Herkunft. Obwohl es nur ein paar Tausend jemenitische Christen gibt, ist die Zahl der Christen gestiegen, was heißt, dass für neue Christen mehr lokale Beratung und Unterstützung zur Verfügung steht als bisher. Christen muslimischer Herkunft sind im ganzen Land nach wie vor stark gefährdet. Dies ist zurückzuführen auf eine Kombination aus traditionellen Familien-, Gemeinschafts- und Stammeseinstellungen, Straffreiheit, mit der islamisch-extremistische Gruppen rechnen können, und der Weigerung staatlicher (oder de-facto-staatlicher) Behörden, jegliche Form von Abweichung zu tolerieren, aus Angst, dass dies zu einer größeren Destabilisierung führen könnte.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 16.6
Familienleben 16.4
Gesellschaftliches Leben 16.4
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 2.6

 

Grafik: Verfolgungsmuster Jemen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen im Jemen ist nach wie vor extrem hoch (16,5 Punkte), genauso wie beim Weltverfolgungsindex 2019. Der extreme Druck erklärt sich durch den Krieg und den Druck auf die einheimische Kirche, die größtenteils aus Christen muslimischer Herkunft besteht.
  • Das Ausmaß des Drucks ist in allen Lebensbereichen extrem. Sowohl im Bereich „Leben im Staat“ als auch im Bereich „Kirchliches Leben“ wurde die höchstmögliche Punktzahl (16,7) vergeben, direkt gefolgt von der Wertung im Bereich „Privatleben“ mit 16,6 Punkten. Dies ist typisch für eine Situation, in der die meisten Christen im Land einen muslimischen Hintergrund haben und Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist, die keinen Raum für offene kirchliche Aktivitäten oder private Gottesdienste lässt.
  • Die Wertung für Gewalt gegen Christen sank von 3,1 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2019 auf 2,6 Punkte 2020. Das Ausmaß der Gewalt zu erforschen, ist nahezu unmöglich, weil infolge des Kriegs der Zugang zu genauen und verifizierten Informationen fehlt. Daher ist es wahrscheinlich, dass die Zahlen in Wirklichkeit höher sind.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Der Wechsel zum christlichen Glauben wird abgelehnt und ist sogar lebensgefährlich: Alle Jemeniten gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine Schande, wenn eines ihrer Mitglieder den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, körperlicher Gewalt oder sogar einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen, wenn ihre Familien oder ihr weiteres soziales Umfeld ihren Glauben entdecken.
  • Es ist riskant für Christen, private christliche Handlungen (wie Gebet oder Bibellese) durchzuführen: Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen ausüben. Wenn Menschen in ihrem Umfeld den Eindruck haben, dass sie Christen sein könnten, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Die private Ausübung ihres Glaubens ist für Christen in Gebieten, die von extremistischen Muslimen kontrolliert werden, oder in Gebieten, die von sunnitischen Streitkräften „befreit“ wurden, besonders riskant geworden. AQAP und der IS kontrollieren große Teile des Landes.
  • Es ist gefährlich, privat christliche Schriften zu besitzen oder zu lagern: Die Entdeckung von christlichen Schriften durch Familienmitglieder kann zu Ehrenmorden führen. Familien können ihre Söhne und Töchter ohne jegliche rechtlichen Folgen töten, da dies als Wiederherstellung der Familienehre angesehen wird. Es ist auch gefährlich, christliche Inhalte über verschiedene Medien abzurufen.
  • Es ist riskant für Christen, sich mit anderen Christen zu treffen: Es ist für einheimische Christen sehr riskant, sich zu treffen, und es ist große Sorgfalt geboten, um keinen Verdacht zu erregen, was feindselige Reaktionen hervorrufen und möglicherweise die Sicherheit anderer Christen muslimischer Herkunft gefährden könnte.

Familienleben

  • Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch unter der Mehrheitsreligion registriert: Christen muslimischer Herkunft können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen.
  • Christliche Taufen werden verhindert: Alle christlichen Rituale oder Feiern müssen geheim gehalten werden. Weil die Taufe als endgültige Besiegelung der Hinwendung zum christlichen Glauben gilt, wird sie von der Familie und der lokalen Gesellschaft als besonders schwerwiegend angesehen. Aus diesem Grund wird gegen Taufen noch härter vorgegangen als gegen andere christliche Rituale; eine Taufe kann schlimme Konsequenzen haben.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Jemenitische Christen muslimischer Herkunft und deren Kinder stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Verwandtschaft und der Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass die Kinder nach islamischen Normen erzogen werden. Falls der neue Glaube der Eltern entdeckt wird, besteht ein großes Risiko, dass ihnen die Kinder weggenommen werden.
  • Kinder christlicher Eltern werden auf allen Bildungsebenen dazu gezwungen, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Kinder jemenitischer Christen muslimischer Herkunft haben keinen Zugang zu christlicher Bildung innerhalb des staatlichen Schulsystems, sondern müssen am Islamunterricht teilnehmen. Es gab Fälle, in denen muslimische kommunale Leiter christliche Kinder gezwungen haben, zum Islamunterricht in die Moschee zu kommen. Dies ist eher in Dörfern der Fall, in denen die Häuser nahe beieinander liegen und die religiösen Führer einen stärkeren Einfluss in den Familien ausüben.

Es ist unmöglich, christliche Hochzeiten im Jemen offen zu feiern, und Christen muslimischer Herkunft müssen nach islamischem Ritus heiraten. Bei Scheidungen können Christen leicht das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, wenn Familienmitglieder Muslime sind.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen sind von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht: Eine gängige Art und Weise, wie missbilligende Familien versuchen, die religiösen Ansichten eines jungen Christen muslimischer Herkunft zu „korrigieren“, ist eine arrangierte Ehe mit einem konservativen muslimischen Ehepartner. Dies kann vor allem Christinnen betreffen, insbesondere in ländlichen Gebieten.
  • Christen werden von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen: Ein Christ, dessen Glaube Familienmitgliedern oder dem weiteren sozialen Umfeld bekannt geworden ist, wird sehr wahrscheinlich unter Druck gesetzt, den christlichen Glauben zu widerrufen. Eine Verweigerung kann zur Tötung oder im günstigsten Fall zu einer Gefängnisstrafe führen.
  • Christen haben aufgrund ihres Glaubens weniger Zugang zur Gesundheitsversorgung: Der fehlende Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung ist für viele Jemeniten ein großes Problem. In der gegenwärtigen humanitären Krise sind Christen muslimischer Herkunft in ihren Gemeinschaften zusätzlich gefährdet, da die Nothilfe hauptsächlich über muslimische Mitarbeiter internationaler NGOs und lokaler Moscheen verteilt wird, die dem Vernehmen nach alle diskriminieren, die nicht als gläubige Muslime gelten. Außerdem ist die Vetternwirtschaft stark ausgeprägt. Dies ist eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben von Christen und anderen Nichtmuslimen.
  • Christen werden aus religiösen Gründen auf allen Bildungsebenen benachteiligt: Der fehlende Zugang zu einer adäquaten Schulbildung ist für viele Jemeniten eine große Herausforderung. Christen muslimischer Herkunft sind zusätzlich gefährdet, wenn ihr Glaube bekannt ist. Unterricht über den Islam und die islamische Kultur ist Teil der Lehrpläne in der Grund- und Sekundarstufe sowie an Hochschulen. Diese Kurse verringern automatisch die Wahrscheinlichkeit, dass Christen ihre Ausbildung erfolgreich abschließen können.

Leben im Staat

  • Christen werden von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen oder Beförderungen werden aus Glaubensgründen verhindert: Laut Verfassung ist es Nichtmuslimen offiziell verboten, Präsident zu werden. Allerdings müssen die lokalen Christen ohnehin ihren Glauben im Verborgenen leben und würden nicht versuchen, einen solchen Posten zu erreichen. Eine Beförderung ist für Christen sehr schwierig, da in der jemenitischen Gesellschaft zählt, welche Beziehungen man hat. Wenn die Führungskräfte den Verdacht haben, dass ein Mitarbeiter Christ ist, dann ist es für ihn praktisch unmöglich, eine Beförderung zu erhalten.
  • Christen muslimischer Herkunft können ihren Glaubenswechsel nicht in offiziellen Dokumenten eintragen lassen: Nach dem jemenitischen Strafgesetzbuch ist der Wechsel vom Islam zu einer anderen Religion ein Glaubensabfall, der ein Kapitalverbrechen darstellt. Wenn jemenitische Christen versuchen würden, ihre Religion in offiziellen Dokumenten ändern zu lassen, würde sie dies den Behörden preisgeben und wäre daher äußerst gefährlich.
  • Wer Christen schadet, wird absichtlich ungestraft gelassen: Bei Verbrechen gegen Christen, einschließlich so genannter „Ehrenverbrechen“, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Täter angesichts der schwachen Rechtsstaatlichkeit in weiten Teilen des Jemen ungestraft davonkommen. Die Stammesrechtssprechung (die weit verbreitet ist) geht davon aus, dass das Familienoberhaupt die Bestrafung ausführt. In offiziellerem Kontext ist es sehr wahrscheinlich, dass islamische Prinzipien angewendet werden, die Christen muslimischer Herkunft stark benachteiligen. Selbst gegen diejenigen, die 2016 in Aden vier Nonnen und 12 Mitarbeiter eines christlichen Altersheimes hingerichtet hatten, wurde nicht ermittelt.
  • Vor Gericht angeklagten Christen wird keine Gleichbehandlung gewährt: In den von AQAP und dem IS kontrollierten Gebieten ist die Zeugenaussage von Christen weniger wert als die von Muslimen. In den Huthi-Gebieten gibt es keine freien und fairen Gerichtsverhandlungen; dies ist allerdings nicht unbedingt auf Christen beschränkt, sondern trifft jeden, der als Bedrohung für das Regime wahrgenommen wird.

Kirchliches Leben

  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren oder Ansprüche auf historische Kirchengebäude geltend zu machen, die ihnen zuvor genommen worden waren: Die drei offiziellen Kirchengebäude (alle in Aden), die ausländischen Christen oder Flüchtlingen (hauptsächlich Äthiopiern) dienten, wurden durch den Krieg (und durch gezielte Angriffe) beschädigt und sind geschlossen. Der Bau von Kirchen (oder anderen Gebäuden) im Jemen bedarf der Genehmigung durch die offizielle Regierung. Da Kirchen keinen Rechtsstatus erhalten, ist es nicht möglich, die Genehmigung zum Bau eines Gotteshauses zu bekommen. Die offizielle Regierung hat zwar die Kontrolle über viele Teile des Landes verloren, in der Vergangenheit wurden aber selbst persönliche Gesuche des Papstes um Kirchengenehmigungen von der Regierung ignoriert. Christen muslimischer Herkunft können aufgrund ihrer prekären Rechtssituation keinerlei Genehmigungen einholen.
  • Gemeinden werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Es gibt keine Kirchengebäude mehr, die noch in Betrieb sind. Der gesellschaftliche und „staatliche“ Druck hindert Christen daran, Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren. Da Christen muslimischer Herkunft keine eigenen Versammlungen haben dürfen, treffen sie sich nur an geheimen Orten. Wenn sie sich offen treffen würden, würden sie sich einer erheblichen Gefahr aussetzen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Schriften aus dem Ausland zu importieren: In Anbetracht der Tatsache, dass die Verteilung religiöser Materialien gesetzlich verboten ist und hart bestraft wird, ist es für Christen praktisch unmöglich, christliche Materialien einzuführen – sowohl aus logistischen Gründen als auch aufgrund des Drucks durch Islamisten und die Behörden, welche die Regionen kontrollieren, in denen die Christen leben. Importierte Waren werden strengen Kontrollen unterzogen und christliches Material (insbesondere in größeren Mengen) kann blockiert, beschlagnahmt und vernichtet werden.
  • Kirchen werden bei der Gründung, Verwaltung, Führung und dem Erhalt von Schulen oder gemeinnützigen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Institutionen und Vereinigungen behindert: Obwohl jemenitische und ausländische Christen in einer Reihe von humanitären, Bildungs-, Entwicklungs- und anderen Wohltätigkeitsprojekten tätig sind, kann dies normalerweise nicht offen unter christlichem „Zeichen“ geschehen, da es höchstwahrscheinlich als versuchte Missionierung angesehen würde. Wenn Kirchen gemeinnützige Organisationen gründen und gemeinnützige Arbeit anbieten, laufen sie Gefahr, angegriffen zu werden, wie es das Altenpflegeheim in Aden 2016 erlebte.

Auftreten von Gewalt

Die Situation im Jemen ist aufgrund des Bürgerkriegs sehr chaotisch, was dazu führt, dass über gewalttätige Übergriffe gegen Christen kaum berichtet wird und solche Berichte nur schwer zu bekommen sind. Das derzeitige Ausmaß der Kämpfe im Land (und der generelle Argwohn gegenüber Personen, die Informationen erfassen) hat die Erhebung und Überprüfung von Daten erheblich beeinträchtigt. Aus Sicherheitsgründen können nur wenige Details veröffentlicht werden.

Berichten zufolge wurden mehrere Christen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 verhaftet oder zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. In solchen Fällen spielen oft sowohl religiöse als auch nichtreligiöse Faktoren eine Rolle. Einige Christen muslimischer Herkunft wurden körperlich oder psychisch misshandelt und mehrere Christen mussten innerhalb des Landes fliehen (manche kehrten später zurück); einige wenige Christen haben Berichten zufolge das Land verlassen. Die Motivation zur Flucht kann von der Angst vor einem Attentat (wegen ihres Glaubens) bis hin zu kriegsbedingten Gründen variieren und ist oft eine Kombination von beidem. Wenn Familien entdecken, dass ein Familienmitglied den Islam verlassen hat, sind die meisten so wütend und beschämt, dass sie bereit sind zu töten – möglicherweise durch einen extremisierten Verwandten oder eine lokale militante Gruppe.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Reiseverbote/Einschränkung der Reisefreiheit
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Der Jemen ist eine sehr patriarchalische Gesellschaft, in der Frauen sehr wenig Rechte haben. Von Frauen wird erwartet, dass sie ihren Vätern, Brüdern, Onkeln und Ehemännern gehorchen. Im Jemen können Frauen nicht ohne Erlaubnis ihrer männlichen Vormunde heiraten, haben keine gleichen Rechte bei Erbschaft, Scheidung oder Sorgerecht und wenig gesetzlichen Schutz. Jemenitische Frauen sind vollständig darauf angewiesen, einen männlichen Beschützer in ihrem Leben zu haben, da es Gesetze gibt, die dem Mann den Status des Haushaltsvorstands zuweisen.

Vor dem Hintergrund fehlender Religionsfreiheit gilt der Glaubenswechsel von Frauen als schändliche Handlung gegen die ganze Familie. In einer Kultur, in der die Unterdrückung von Frauen normal ist, sind Christinnen muslimischer Herkunft zusätzlich gefährdet. In einem typischen Szenario werden ihnen zunächst das Telefon und andere Kommunikationsmittel weggenommen. Als nächstes werden sie an einen anderen Ort gebracht und möglicherweise mit einem streng religiösen Muslim als zweite oder dritte Frau verheiratet und in ihrem neuen Zuhause als Geisel gehalten.

Die Zwangsverheiratung mit einem strikten Nichtchristen ist eine gängige Lösung, um eine junge Christin muslimischer Herkunft in die Spur zu bringen. Da es kein Mindestalter für die Ehe gibt, werden Mädchen bereits ab acht Jahren verheiratet, um sicherzustellen, dass sie zum Zeitpunkt der Eheschließung Jungfrauen sind, und die Gesetzgebung kriminalisiert die Vergewaltigung in der Ehe nicht. Das Gesetz behandelt auch keine anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt wie Schläge, gewaltsame Isolation, Gefangenschaft sowie Früh- und Zwangsheirat. Jedes dieser Schutzversäumnisse kann für die religiöse Verfolgung von Christinnen ausgenutzt werden.

Frauen werden auch vor Gericht ungleich behandelt, wo die Aussage einer Frau nur das halbe Gewicht der Aussage eines Mannes hat.

Frauen und Mädchen haben einen eingeschränkteren Zugang als Männer zu Informationen über den christlichen Glauben und zur Teilnahme an einer christlichen Gruppe. Da die Familien die Aktivitäten der weiblichen Haushaltsmitglieder genau beobachten, wird deren Kommen und Gehen und ihren Telefonaten mehr Aufmerksamkeit geschenkt, weshalb es für eine Christin muslimischer Herkunft oft schwieriger ist, ihren neuen Glauben zu erforschen und/oder mit anderen zu praktizieren. Dies führt dazu, dass weniger Frauen und Mädchen Christen werden und in den örtlichen Gemeinden aktiv sind.

Darüber hinaus ist die familiäre Kontrolle von Mädchen in weiten Teilen des Landes die kulturelle Norm, wenn auch weitaus weniger in Großstädten wie Sanaa und Aden. Wenn eine Christin mit einem Nichtchristen verheiratet ist und die Verwandtschaft wegen des christlichen Glaubens der Ehefrau auf eine Scheidung drängt, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Sorgerecht für jegliche Kinder dem Ehemann oder anderen muslimischen Familienmitgliedern gewährt wird, unabhängig vom Alter der Kinder. Normalerweise würde die Mutter bis zur Pubertät das Sorgerecht erhalten, aber einer islamischen Erziehung wird ein höherer Stellenwert beigemessen.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt

Das Leben im Jemen ist mit einem anhaltenden Krieg und ohne Religionsfreiheit allgemein ungeheuer schwierig. Am häufigsten erleben jemenitische männliche Christen muslimischer Herkunft Druck vonseiten der Familie und Gemeinschaft. Der Druck variiert in seiner Intensität je nach Familienhierarchie; am stärksten erfahren ihn Frauen und Mädchen, gefolgt von jüngeren Männern und dann älteren Männern (was die kulturellen Ebenen von Status und Freiheit widerspiegelt).

Der Krieg hat Familienmitglieder getrennt und Christen und andere können sich im Land nicht frei bewegen. Alle Männer, einschließlich Christen, können gezwungen werden, Milizen beizutreten, wenn sie im wehrfähigen Alter sind. Selbst Jungen im Alter von zehn Jahren werden von Milizen rekrutiert. Wenn Jungen in die Armee und in den Krieg verschleppt werden, wirkt sich das auf ihre Bildung und Zukunft aus – nicht nur wegen der Lebensjahre, die ihnen damit genommen werden, sondern auch wegen des stark kontrollierten islamischen Umfelds, in dem die Ausbildung stattfindet.

Männer sind einem größeren Risiko ausgesetzt als Frauen, wegen ihres Glaubens getötet, entführt und gefoltert zu werden oder ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Sie werden auch eher von den lokalen Behörden inhaftiert und es ist generell wahrscheinlicher, dass sie im öffentlichen Bereich Verfolgung erleben. Dies betrifft auch ihre Familien, da der Mann in der Regel der einzige Versorger des Haushalts ist. Wenn Männer inhaftiert oder getötet werden, bedeutet das den Verlust des Familienernährers. Ohne Unterstützung wird die Familie des Mannes erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bekommen und kann ausgebeutet werden. Männer werden eher von extremistischen Muslimen ins Visier genommen und können infolgedessen gezwungen sein, sich lange Zeit versteckt halten zu müssen, getrennt von ihren Familien. Alternativ muss die ganze Familie umziehen, was allerdings zu Instabilität innerhalb der Familie führt. Dies kann zu mehr Armut in der christlichen Gemeinschaft führen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten, die im Jemen verfolgt werden, sind Bahai und Juden. Ismailitische Muslime klagen, dass auch sie diskriminiert werden.

Extremistische Muslime betrachten Bahai als Ungläubige; andere diskriminieren sie, weil die Religion angeblich Verbindungen zum Iran hat, wo die Religion im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Bahai im Jemen werden vereinzelt inhaftiert, misshandelt und gefoltert, meist von Huthi-Behörden. Sie stehen auch unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Mindestens 22 Bahai werden seit Mitte September 2018 von den Behörden in Sanaa festgehalten. Sie werden des Abfalls vom Glauben angeklagt – weil sie die staatlich anerkannte Religion ablehnen – und ihnen wird außerdem vorgeworfen, den Bahaismus zu lehren und Spionage zu betreiben, worauf die Todesstrafe steht.

Die winzige jüdische Gemeinde ist die einzige einheimische nichtmuslimische religiöse Minderheit; allerdings gibt es angeblich nur noch 40 Mitglieder der Glaubensgemeinschaft im Land. Die meisten von ihnen leben in der Hauptstadt Sanaa, die von Huthi-Rebellen kontrolliert wird. Nach Angaben des jemenitischen Informationsministers Muammar al-Iryani sehen die Huthi-Rebellen die kleine, verbliebene jüdische Gemeinschaft als Feind an und betreiben „ethnische Säuberungen, zu denen auch der Versuch gehört, den Jemen von allen Juden zu befreien“. Der Minister sagte, die jemenitische Regierung habe keine Kenntnis vom Schicksal der verbleibenden Juden des Landes. Sektiererische Botschaften und antisemitische Aussagen werden weiterhin gedruckt, auch in Schulbüchern, die von den Huthi-Behörden herausgegeben werden. (In diesen Lehrbüchern wird auch die extremistisch-islamische Lehre gefördert.) In einem Buch für Drittklässler über koranische Kultur sind die Wörter „Amerika“ und „Israel“ von den Worten umgeben: „Unser Feind, das Haupt des Bösen und der größte Satan“. Letztendlich ist der Slogan auf der Huthi-Flagge selbsterklärend: „Gott ist groß, Tod über Amerika, Tod über Israel, Fluch über die Juden, Sieg für den Islam.“

Im Bericht des US-Außenministeriums zur internationalen Religionsfreiheit (IRF) von 2018 heißt es: „Im Januar verurteilte das von Huthis kontrollierte Nationale Sicherheitsbüro (NSB) Hamid Kamal Muhammad bin Haydara, einen Bahai, wegen Spionage zum Tode. Er war seit 2013 inhaftiert und wurde des Glaubensabfalls, der Missionierung und der Spionage für Israel beschuldigt. Er blieb im Gefängnis, in Erwartung seiner Hinrichtung am Jahresende. Nach Angaben der Internationalen Bahai-Gemeinschaft (BIC) verhafteten im Oktober bewaffnete Soldaten in Sanaa den Bahai-Sprecher Abdullah Al-Olofi und hielten ihn drei Tage lang an einem unbekannten Ort fest. Nach Angaben der BIC hat ein von Huthis kontrolliertes Gericht in Sanaa im September mehr als 20 Bahai wegen Glaubensabfall und Spionage angeklagt. Eine Gruppe unabhängiger UN-Experten berichtete, dass die Behörden in diesem Fall 24 Personen verhaftet haben, von denen mindestens 22 Bahai sind. Amnesty International berichtete, dass die Anklagen möglicherweise zu Todesurteilen führen könnten. Die fünf UN-Experten sagten, dass die Anklagen ‚fallen gelassen und diskriminierende Praktiken auf Grundlage der Religion verboten werden müssen‘, und fügten hinzu: ‚Wir bekräftigen unsere Forderung an die De-facto-Behörden in Sanaa, die Verfolgung der Bahai unverzüglich einzustellen.‘“

Der IRF-Bericht 2018 wird fortgesetzt: „Laut BIC befanden sich im Oktober sechs Bahai im Gefängnis des Landes, weil sie ihren Glauben ausgeübt hatten. In einer Rede im März forderte der Huthi-Führer Abd al-Malik al-Huthi seine Anhänger auf, ihr Land gegen die Bahai zu verteidigen, die er als Ungläubige bezeichnete. Medienberichten zufolge haben Huthi-Behörden die Studenten- und Fakultätsausweise der Universität von Sanaa geändert, um die Huthi-Flagge und den Wahlspruch ‚Tod über Amerika, Tod über Israel, Fluch über die Juden, Sieg für den Islam‘ einzufügen. Der Huthi-Kulturreferent Yahya Abu Awadah führte einen Pflichtkurs in den Lehrplan der Universität ein mit dem Titel ‚Der arabisch-israelische Konflikt‘. Das Kursmaterial schloss die Verherrlichung der Hisbollah und die Verurteilung des Zionismus ein.“

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Es ist zu erwarten, dass gewalttätige islamistische Gruppen wie Al Kaida und der IS noch lange Zeit eine ernsthafte Bedrohung für das Land bleiben werden, da von zentraler Stelle kaum Sicherheit gewährleistet werden kann. Die islamistischen Gruppen werden außerdem von der Spaltung innerhalb der Anti-Huthi-Koalition profitieren, da sie die Lücke, die die ehemaligen Koalitionstruppen hinterlassen haben, leicht schließen können – es sei denn, diese können eine politische Lösung für ihre Differenzen finden. Die Situation für Christen wird sich verschärfen, weil diese Entwicklungen eine stärkere Polarisierung der Gesellschaft und die Verbreitung extremistischer Ansichten ermöglichen – beides Faktoren, die besonders nachteilig für Christen muslimischer Herkunft sind. Da die Mehrheit der christlichen Gemeinschaft einen muslimischen Hintergrund hat (angesichts dessen, dass die meisten ausländischen Christen das Land verlassen haben), wird sie in Zukunft noch mehr gefährdet sein. Inmitten der Unsicherheit des Krieges wird jedoch berichtet, dass die Zahl der Christen muslimischer Herkunft langsam wächst.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Landesweit verstärken sich die religiösen und stammesbezogenen Spaltungen, die ein wichtiges Hindernis für Frieden und Stabilität darstellen. Stammesgruppen waren gezwungen, Partei zu ergreifen, als Al Kaida und der IS 2019 begannen, sich gegenseitig zu bekämpfen, was natürlich ein Risiko für die Christen im Land bedeutet. Dies hat zu Chaos und Spaltung unter den Stammesgruppen im Land geführt. Wenn das Land weiter zerfällt, werden sich die Menschen wahrscheinlich noch mehr um ihren eigenen Stamm sammeln, was den Druck auf Christen muslimischer Herkunft erhöhen könnte.

Diktatorische Paranoia

Im Kontext des Krieges ist der Überlebenstrieb der kriegsführenden Parteien unweigerlich stark. So hat die Huthi-Regierung immer härtere Maßnahmen gegen Einzelpersonen und Vereinigungen ergriffen, die von der herrschenden Autorität als Bedrohung angesehen werden. Dazu gehören auch Mitglieder religiöser Minderheiten, einschließlich Christen muslimischer Herkunft.

Mit dem Fortschreiten des Krieges ist die Regierung im Norden immer feindseliger gegenüber westlichen Regierungen und Organisationen geworden, was auf die Unterstützung des Westens für die von Saudi-Arabien geführten Koalitionstruppen und die Regierung im Süden zurückzuführen ist. Zudem stellen die lange Dauer des Krieges und die Wirtschaftsblockade die nördliche Regierung vor zunehmende Herausforderungen bei der Finanzierung ihrer Militäraktion.

Da der christliche Glaube mit dem Westen assoziiert wird, führt all dies zu einer Zunahme des Drucks auf die einheimischen Christen. Diese Christen werden eher inhaftiert, um Geld zu erpressen oder Druckmittel oder eine bessere Verhandlungsposition gegenüber westlichen Regierungen oder Organisationen zu gewinnen. Im Allgemeinen ist davon auszugehen, dass sich der durch den Krieg entstandene Zustand der Gesetzlosigkeit, Paranoia und des Sektierertums weiter verschlechtern wird, was den Mangel an Schutz für Christen verstärken wird.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Jemen:

  • Beten Sie um Frieden für das Land und darum, dass Jesus Christus seine Nachfolger in der humanitären Krise mit allem versorgt, was sie brauchen.
  • Bitte beten Sie um Schutz und Beistand für die Christen, die Gewalt wegen ihres Glaubens erleiden.
  • Beten Sie besonders für die Christen muslimischer Herkunft, die ihren Glauben selbst vor Familienangehörigen geheim halten müssen.

 

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