Länderprofil Jemen

Jemen

8
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Jemen
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
9
ISO
YE
Karte Jemen
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
28.92
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.600
Familienleben: 16.300
Gesellschaftliches Leben: 16.400
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 3.100

Länderprofil Jemen

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 8 / 86 Punkte (WVI 2018: Platz 9 / 85 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Die Verfassung des Jemen erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. Missionierung durch andere Religionen als den Islam ist verboten. Muslimen ist es verboten, zu einem anderen Glauben überzutreten. Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. In einigen Gebieten des Jemen agieren militante Gruppen wie Al Kaida und der Islamische Staat (IS) weitgehend straflos oder arbeiten sogar stillschweigend mit dem Staat zusammen, insbesondere in Gebieten, die von Verbündeten der Hadi-Regierung kontrolliert werden.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Das Stammesdenken hat im Jemen eine große Bedeutung. Häufig setzen Stammesälteste Recht und Gesetz gemäß ihren auf dem Islam basierenden Traditionen durch, unabhängig davon, was die staatliche Verfassung oder die Regierung sagen.

Diktatorische Paranoia: Im Zusammenhang mit dem Konflikt haben die kriegführenden Parteien unweigerlich einen starken Überlebensinstinkt. Das trifft sowohl auf die Regierung als auch auf die Huthi-Rebellen zu. Die Berichte aus dem Jahr 2018 deuten darauf hin, dass in Gebieten unter Kontrolle der Huthi-Rebellen immer härtere Mittel gegen Einzelpersonen oder Vereinigungen angewandt werden, die von den Machthabern für eine Bedrohung gehalten werden.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Jemenitische Christen sind mit erheblichem Druck von vielen verschiedenen Seiten konfrontiert. Christen muslimischer Herkunft werden vor allem von ihrer Großfamilie, aber auch von Stammesältesten und lokalen Imamen bedrängt, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Durch den Krieg ist der Einfluss von militanten islamistischen Gruppierungen wie dem „Islamischen Staat“ (IS) und Al Kaida erheblich gewachsen. Die Christenverfolgung geht besonders von diesen Gruppen aus. Regierungsbeamte unterhalten ein streng islamisches System, welches alle Einwohner als Muslime behandelt. Huthi-Rebellen (und andere) haben Christen verhaftet und verhört. In vielen Regionen sind durch die von Saudi-Arabien geführte Militärintervention Machtvakuen entstanden, welche es Gruppierungen wie dem IS und Al-Kaida-Ablegern ermöglichten, ihren Aktionsradius zu vergrößern. Dies hat dazu geführt, dass Christen entführt und ermordet wurden, sowohl jemenitische Christen mit muslimischem Hintergrund als auch ausländische Christen.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die Kirche im Jemen besteht hauptsächlich aus jemenitischen Christen muslimischer Herkunft. Sie müssen ihren Glauben im Verborgenen leben. Sie sind mit Verfolgung durch die Behörden konfrontiert (einschließlich Inhaftierung und Verhören) sowie mit Verfolgung durch die Familie und islamisch-extremistische Gruppierungen, die „Abgefallene“ mit dem Tod bedrohen, wenn diese nicht wieder zum Islam zurückkehren. Stammesgesetze verbieten, den Stamm zu verlassen, und die Strafe für die Abkehr vom Islam kann Tod oder Verbannung sein. Sowohl Männern als auch Frauen, die den christlichen Glauben angenommen haben, droht die Scheidung von ihren muslimischen Ehepartnern, verbunden mit dem Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Die Christen leiden unter der allgemeinen humanitären Krise im Land; jedoch sind die einheimischen, jemenitischen Christen besonders verwundbar, da die Nothilfe hauptsächlich durch islamische Organisationen und lokale Moscheen verteilt wird, welche mutmaßlich alle benachteiligen, die nicht als fromme Muslime gelten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Seinen Glauben privat zu leben ist für Christen sowohl in den Gebieten, die von den Huthi-Rebellen kontrolliert werden, als auch in den von sunnitischen Streitkräften mit Unterstützung Saudi-Arabiens und deren westlichen Verbündeten „befreiten“ Gebieten besonders riskant geworden. „Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AQAP) und der IS können in großen Teilen des Landes frei agieren.
  • Mindestens 27 Christen wurden aufgrund ihres Glaubens und des Krieges psychisch oder körperlich misshandelt.
  • Mindestens fünf christliche Familien mussten ihre Häuser verlassen und in einen anderen Teil des Landes umsiedeln, sowohl aus Furcht, wegen ihres Glaubens ermordet zu werden, als auch aufgrund des Krieges. Einige kehrten später zu ihren Häusern zurück, andere mussten aus Sicherheitsgründen an einem anderen Ort bleiben. Da eine durchschnittliche Familie im Jemen aus sieben Personen besteht, betrifft dies also mindestens 35 Menschen.
  • Ende 2017 wurden eine Hausgemeinde angegriffen und ein katholischer Friedhof geschändet. Kreuze und Grabsteine wurden zerstört, auch bei den Gräbern der vier Nonnen, die im März 2016 bei einem Überfall auf ein Pflegeheim ermordet wurden. Ein Haus und ein Geschäft von Christen wurden den jeweiligen Besitzern weggenommen. Das Haus wurde beschlagnahmt und das Geschäft zur Schließung gezwungen.
  • Mehrere Christen wurden wegen ihres Glaubens verhaftet.
  • Druck durch Familienangehörige hat eine Handvoll isolierter jemenitischer Christen muslimischer Herkunft dazu bewegt, das Land zu verlassen.

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Länderberichte
Wie geht es den Christen im Jemen?

Wie geht es den Christen im Jemen?

02:09 Minuten
Jemen

Ein verheerender, komplexer Krieg erschüttert seit 3 Jahren den Jemen. Die herrschende Gesetzlosigkeit ermöglicht Al Qaida und dem Islamischen Staat sich auszubreiten. Wie geht es den Christen im Jemen?

 

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(Open Doors, Kelkheim) – Vor mehr als zwei Jahren schalteten sich der Iran und Saudi-Arabien aus machtpolitischen Erwägungen in den Krieg im Jemen ein, um die jeweils schiitischen bzw. sunnitischen Muslime im Kampf um die Vorherrschaft im Land zu unterstützen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 86 Punkten belegt der Jemen Rang 8 auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Dies bedeutet einen Anstieg um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr, als der Jemen mit 85 Punkten Rang 9 auf dem Weltverfolgungsindex 2018 einnahm. Wie andere Zivilisten leiden auch die Christen im Jemen stark unter dem Krieg, der auch den zunehmenden Einfluss islamisch-extremistischer Militanter miteinschließt, was die ohnehin schon verletzliche Lage einheimischer Christen noch verschärft. Die meisten ausländischen Christen und Arbeitsmigranten haben das Land verlassen und hinterlassen nun eine Kirche, die hauptsächlich aus einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund besteht.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Verfassung des Jemen erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. Missionierung durch andere Religionen als den Islam ist verboten. Muslimen ist es verboten, zu einem anderen Glauben überzutreten. Jemeniten, die den Islam verlassen, droht die Todesstrafe. Der anhaltende Konflikt, politische Instabilität und die kaum vorhandene Rechtsstaatlichkeit in vielen Teilen des Landes haben zur Folge, dass der Druck auf Christen im Jemen vor allem von nichtstaatlichen Akteuren ausgeht. Dazu gehören die Familie oder die Stammesgemeinschaft, aber auch extremistische Gruppen. In allen dieser Fälle ist die Anwendung islamischer Werte eine Hauptmotivation – der Islam ist ein wesentlicher Teil der Identität der jemenitischen Stämme, während extremistische Gruppen wie „Al Kaida auf der Arabischen Halbinsel“ (AQAP) und der IS danach streben, eine puristische Form des Islam einzuführen. Sie sind die Hauptakteure der Verfolgung und greifen gezielt Christen an, um sie zu töten.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Das Stammesdenken hat im Jemen weiterhin eine hohe Bedeutung und die Autorität der Regierung ist oft der traditionellen Stammesregierung untergeordnet. Der Islam ist mit der ethnischen Identität verflochten. Es gibt viele Gebiete im Jemen, in denen Stammesälteste Recht und Gesetz gemäß ihren auf dem Islam basierenden Traditionen durchsetzen, unabhängig davon, was die staatliche Verfassung oder Regierung sagen. Die Regierung mischt sich meist nicht in Konflikte zwischen den Stämmen ein, nicht einmal, wenn Menschen dabei verletzt oder gefangen genommen werden. Da die Regierung inzwischen die Kontrolle über große Teile des Landes verloren hat, hat sich ihr Einfluss auf die Stämme weiter verringert. Stammesgesetze und -bräuche verbieten es Stammesmitgliedern, den Stamm zu verlassen. Frauen dürfen nicht außerhalb des Stammes heiraten, insbesondere keinen Christen. Verstöße gegen diese Regeln können mit Tod oder Verbannung bestraft werden. Einige Stammesführer haben ihre eigene Armee. Sie sind extremistisch und christenfeindlich eingestellt. Ein politischer Beobachter fasst die Situation folgendermaßen zusammen: „Der Islam ist die übergreifende Identität aller Stämme im Jemen und es ist der Stamm, der oft die vergeltende ‚Gerechtigkeit‘ denen gegenüber übt, die den Islam verlassen wollen.“

Diktatorische Paranoia

Während des Großteils der vergangenen 35 Jahre wurde der Jemen die meiste Zeit diktatorisch regiert. Wenn auch die Diktatur im Jemen nicht mit so vielen Gräueltaten einherging wie in anderen Ländern, so wurde doch für den Machterhalt massive Gewalt eingesetzt. Während des aktuellen Berichtszeitraums schien dies noch an Intensität zuzunehmen, insbesondere in den Gebieten, die von den Huthi-Rebellen kontrolliert werden. Im Zusammenhang mit dem Konflikt haben die kriegführenden Parteien unweigerlich einen starken Überlebensinstinkt. Berichte aus dem Jahr 2018 deuten darauf hin, dass in Gebieten unter Kontrolle der Huthi-Rebellen immer härtere Mittel gegen Einzelpersonen oder Gruppierungen angewandt wurden, die von den Machthabern für eine Bedrohung gehalten werden. Dies schloss Angehörige religiöser Minderheiten ein, darunter Christen muslimischer Herkunft.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Zu dieser Kategorie zählen Regierungsbeamte, Revolutionäre, nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen, gewöhnliche Bürger und die Familie. Die Regierungsbehörden inhaftierten jemenitische Christen aufgrund ihres Glaubens, wobei sie oftmals andere Gründe angaben (da sie für sich in Anspruch nehmen, anderen Religionen gegenüber tolerant zu sein). Huthi-Rebellen (und andere) setzen Christen fest, um sie zu verhören. Jedoch sind sie hauptsächlich mit dem Kampf um die Vormacht beschäftigt. Andere Verfolger sind nichtchristliche religiöse Leiter wie Imame und Scheichs, die den Dorfgemeinschaften vorstehen. Sie nutzen häufig den Umstand aus, dass ein hoher Anteil der Dorfbewohner nicht lesen kann. Diese Menschen können somit leichter manipuliert und gegen ein Mitglied der Dorfgemeinschaft aufgewiegelt werden. Wenn ein Dorfbewohner als Christ erkannt wird, kann das zur Folge haben, dass die Dorfgemeinschaft gegen ihn vorgeht und ihn verbannt oder zumindest unter Druck setzt, den Ort zu verlassen. In einigen Gebieten des Jemen agieren militante Gruppen wie AQAP und der IS weitgehend straflos oder arbeiten sogar stillschweigend mit dem Staat zusammen, insbesondere in Gebieten, die von Verbündeten der Hadi-Regierung kontrolliert werden. Die Christen im Land sind durch islamisch-extremistische Gruppen besonders gefährdet, ebenso alle anderen, die von diesen Gruppen als „Abgefallene“ wahrgenommen werden. Feindseligkeit vonseiten der Familie und Gesellschaft (beziehungsweise die Angst davor) ist eine der bedeutendsten Arten, wie jemenitische Christen bedrängt werden. Die weitverbreiteten Werte in Bezug auf die Familie und die Gemeinschaft verlangen, dass jedes Mitglied, das Schande über die Gemeinschaft oder die Familie bringt (beispielsweise, indem sie oder er den Islam verlässt), zur Rechenschaft gezogen werden muss, um die Ehre der Gemeinschaft/Familie wiederherzustellen.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Verfolger dieser Kategorie sind Stammes- und Clanführer oder Stammes- und Familienmitglieder. Stammesgesetze und -gebräuche verbieten es, den Stamm zu verlassen. Die Strafe für Ungehorsam kann Tod oder Verbannung sein. Gleiches gilt für jedes Stammesmitglied, das den Islam verlässt, da sich Ethnisch begründete Anfeindungen mit Islamischer Unterdrückung mischen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Hier sind Regierungsbeamte und Rebellengruppen zu nennen. Im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg tun Regierungsbeamte, Huthi-Rebellen, Al Kaida und mit dem IS verbundene Gruppen alles dafür, ihr Herrschaftsgebiet auszuweiten. Obwohl die staatlichen Institutionen schwach sind, gab es in jüngerer Zeit Berichte von Unrecht, das Christen vonseiten des Staates erlitten. Insbesondere gibt es Berichte, dass die Huthi-Rebellen Christen sowie Mitglieder anderer religiöser Gemeinschaften wie der Bahai gefangen nahmen. Oftmals gibt es viele Motive für dieses Vorgehen, von denen eines die Ablehnung nichtislamischer Glaubensinhalte ist. Des Weiteren nehmen Kämpfer von AQAP und dem IS in den Gebieten, die durch die von Saudi-Arabien angeführte Koalition „befreit“ wurden, weiterhin Christen ins Visier.

4. Hintergrund

Der traditionell geprägte Nordjemen und der kommunistische Südjemen vereinten sich 1990 nach Jahren des Konflikts. Noch heute ist die separatistische Bewegung im Süden recht stark und kämpft für die Unabhängigkeit. Im nördlichen Teil des Landes gab es in den letzten Jahren viel Gewalt im Zusammenhang mit Stammeskonflikten. Die Huthi-Rebellen behaupten, gegen Unterdrückung durch die Regierung zu kämpfen, und wollen die schiitische Herrschaft im Norden des mehrheitlich sunnitischen Jemen wiederherstellen. Seit der ehemalige Präsident Ali Abdullah Saleh 2012 aus dem Amt gedrängt wurde, erlebt der Jemen politische Unruhen und Gewalt. Eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition (bestehend aus zehn hauptsächlich sunnitisch-islamischen Nationen) bombardierte den Jemen aus der Luft und zerstörte dabei Wohngebiete, Infrastruktur, Krankenhäuser und Weltkulturerbestätten in dem Bestreben, den Huthi-Rebellen die Herrschaft zu entreißen und die Hadi-Regierung wiederherzustellen. Die Huthis werden angeblich durch den Iran unterstützt.

Der Einfluss islamisch-extremistischer Gruppierungen wie AQAP und mit dem IS verbundener Gruppen nimmt zu. Letztere greifen sowohl schiitische als auch mit der Regierung in Verbindung stehende Ziele an. Kirchengebäude oder medizinische Einrichtungen, in denen ausländische oder eingewanderte Christen arbeiteten, wurden ebenfalls angegriffen. Die monatelange Einstellung der Feindseligkeiten und die Friedensgespräche haben zu keiner Übereinkunft geführt. In der Zwischenzeit setzt sich der Konflikt fort und vertieft die Spaltungen zwischen dem Nord- und dem Südjemen. Mit fortschreitendem Konflikt laufen immer mehr Länder Gefahr, in den Kampf um die regionale Vorherrschaft zwischen Saudi-Arabien und dem Iran verwickelt zu werden, was die religiösen Gräben im Nahen Osten weiter vertiefen würde.

Währenddessen herrscht im Jemen eine schlimme humanitäre Krise. Gemäß neuer Daten, die von der unabhängigen Forschungsgruppe „Armed Conflict Location & Event Data Project“ (ACLED) erhoben wurden und über die das Online-Nachrichtenportal Middle East Eye am 29. Oktober 2018 berichtete, wurden „seit Januar 2016 im Jemen mindestens 56.000 Menschen in bewaffneten Auseinandersetzungen getötet“ – eine viel höhere Zahl als die häufig zitierten mehr als 10.000 getöteten Jemeniten seit Beginn des Krieges im März 2015. In einem am 21. November 2018 veröffentlichten Artikel zitierte die BBC die Hilfsorganisation Save the Children, welche behauptet, dass „während der drei Jahre des Krieges im Jemen geschätzte 85.000 Kinder unter fünf Jahren an akuter Mangelernährung gestorben sein könnten“. In einer Pressemitteilung des United Nations News Center vom 3. Juli 2018 brachte die Direktorin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) ihre Besorgnis über die schlimme Situation der Kinder zum Ausdruck, die regelmäßig „von der Schule genommen, zum Kämpfen gezwungen oder zwangsverheiratet werden, Hunger leiden und an vermeidbaren Krankheiten sterben“, und fügte hinzu, dass „heute 11 Millionen Kinder im Jemen – mehr als die Gesamtbevölkerung der Schweiz – auf Hilfe angewiesen sind, um Zugang zu Nahrungsmitteln, Fürsorge, Bildung, Wasser und sanitären Anlagen zu erhalten.“ Die Pressemitteilung erwähnt des Weiteren, dass „seit 2015 die Zahl der Gesundheitseinrichtungen um mehr als die Hälfte gesunken ist, 1.500 Schulen durch Luftschläge und Beschuss beschädigt wurden und mindestens 2.200 Kinder getötet sowie etwa 3.400 verletzt wurden.“

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Früher waren die meisten Christen im Jemen ausländische Gastarbeiter (aus Nordafrika, dem Westen, Süd- und Ostasien sowie arabischen Ländern) oder Flüchtlinge (hauptsächlich Äthiopier). Diese Christen waren mehrheitlich römisch-katholisch oder Anglikaner (sowie einige Orthodoxe im Falle der äthiopischen Flüchtlinge). Nahezu alle westlichen Einwanderer haben das Land infolge des verheerenden Krieges aus Sicherheitsgründen verlassen. Christliche Gastarbeiter, vor allem aus Afrika und auch aus Asien, sind weiterhin im Land, obwohl auch schon viele von ihnen gegangen sind. Christliche Arbeitsmigranten sind auf lokaler und nationaler Ebene mit Schikanen und Diskriminierung und seitens islamisch-extremistischer Bewegungen sogar mit offener Gewalt konfrontiert. Diese Verfolgung ist höchstwahrscheinlich sowohl rassistisch als auch religiös motiviert. Da ihre Zahl beträchtlich gesunken ist und sich die Kirche nun hauptsächlich aus einheimischen Christen zusammensetzt, stehen die ausländischen Christen und Arbeitsmigranten nicht im Fokus der Nachforschungen für den Weltverfolgungsindex.

Christen muslimischer Herkunft

Mindestens 95 Prozent der jemenitischen Kirche machen Konvertiten aus dem Islam aus. Obwohl es nur wenige tausend jemenitische Christen gibt, ist ihre Zahl gewachsen, was bedeutet, dass es für neue Christen mehr Ansprechpartner und Unterstützung im Land gibt als früher. Konvertiten zum christlichen Glauben bleiben im ganzen Land weiterhin sehr verletzbar. Dafür ist eine Kombination verschiedener Faktoren verantwortlich: die traditionellen Einstellungen in Bezug auf Familie, Gemeinschaft und Stamm; die Straflosigkeit, mit der islamisch-extremistische Gruppen agieren können; und die Weigerung der staatlichen oder de facto staatlichen Behörden, abweichende Meinungen zu dulden, aus Furcht vor weiterer Destabilisierung.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.6
Familienleben 16.3
Gesellschaftliches Leben 16.4
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 3.1

Grafik: Verfolgungsmuster Jemen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Jemen bleibt extrem hoch (16,5 Punkte) bei einem ganz leichten Rückgang im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2018 (16,6 Punkte). Dieser extreme Druck resultiert aus dem Krieg und dem Druck auf die einheimische Kirche, die hauptsächlich aus Konvertiten aus dem Islam zum christlichen Glauben besteht.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen extrem hoch. Sowohl im Bereich „Leben im Staat“ als auch für das kirchliche Leben wurde die höchstmögliche Punktzahl (16,7) erreicht, direkt gefolgt von dem Bereich „Privatleben“ mit 16,6 Punkten. Dies ist typisch für eine Situation, in der es vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund gibt, in einem Land, in dem Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung ist und keinen Raum für offene kirchliche Aktivitäten oder private Anbetung lässt.
  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen hat zugenommen. Die Wertung in diesem Bereich stieg von 2,6 Punkten im Weltverfolgungsindex 2018 auf nunmehr 3,1 Punkte. Mehrere Christen wurden Berichten zufolge wegen ihres Glaubens verhaftet und mehrere Christen muslimischer Herkunft körperlich oder psychisch misshandelt.
  • Die allgemeine Verfolgung im Jemen entspricht der gegenwärtigen chaotischen und gesetzlosen Kriegssituation, in der die einheimischen Christen besonders verwundbar sind.

Privatleben

Christen mit muslimischem Hintergrund können ihren Glauben nicht offen praktizieren. Jeder Verdacht, dass sie Christen sein könnten, kann schwerwiegende Folgen haben. Seinen Glauben privat zu leben ist für Christen in Gebieten, die von extremistischen Muslimen kontrolliert werden, oder in Gebieten, die von sunnitischen Truppen „befreit“ wurden, besonders riskant geworden. AQAP und der IS kontrollieren weite Teile des Landes.

Familienleben

Alle Jemeniten gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie bringt es Schande, wenn eines ihrer Mitglieder den Islam verlässt. Für Konvertiten zum christlichen Glauben besteht höchste Gefahr, einem Ehrenmord oder anderer körperlicher Gewalt zum Opfer zu fallen, wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken. Christliche Hochzeiten können im Jemen nicht öffentlich gefeiert werden und Konvertiten müssen daher nach islamischem Brauch heiraten. Christen muslimischer Herkunft können ihre Kinder nicht als Christen registrieren lassen und in der Schule sind ihre Kinder verpflichtet, islamischen Unterricht zu besuchen. Im Falle einer Scheidung wird Christen mit großer Wahrscheinlichkeit das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen, wenn andere Familienmitglieder Muslime sind.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen sind grundsätzlich bedroht durch die islamische Gesellschaft im Jemen, insbesondere durch AQAP und den IS. Das schreckt die Christen natürlich davon ab, ihren Glauben in irgendeiner Weise öffentlich bekannt werden zu lassen. Da der Glaubenswechsel offiziell als illegal gilt, werden Christen mit muslimischem Hintergrund von der lokalen islamischen Gemeinschaft gezwungen, ihre Bekehrung den Behörden zu melden. Christinnen muslimischer Herkunft gelten nach wie vor als Muslimas und es wird erwartet, dass sie einen Schleier tragen. Sie laufen auch Gefahr, zwangsverheiratet oder unter Hausarrest gestellt zu werden, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. In der gegenwärtigen humanitären Krise sind Konvertiten aus dem Islam in ihrem sozialen Umfeld zusätzlich verwundbar, da die Nothilfe meist über muslimische Mitarbeiter säkularer Organisationen und lokaler Moscheen verteilt wird, die mutmaßlich alle, die nicht als fromme Muslime gelten, diskriminieren. Außerdem ist Vetternwirtschaft stark verbreitet, was eine ernsthafte Bedrohung für das Überleben von Christen und anderen Nichtmuslimen darstellt.

Leben im Staat

Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Das Land hält sich an die strengsten Interpretationen des Islam. Die Abwendung vom Islam, um eine andere Religion anzunehmen, ist durch den Islam selbst und die staatliche Gesetzgebung verboten. Konvertiten droht die Todesstrafe, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird (obwohl sie in der Regel nicht von der Regierung, sondern von extremistischen Muslimen vollstreckt wird, wovor die Regierung die Augen verschließt). Obwohl sie den größten Teil ihrer Aufmerksamkeit auf politische Ereignisse konzentrieren, setzten Regierungsbeamte ihre Bemühungen fort, Christen einzuschüchtern, selbst inmitten der chaotischen Kriegssituation. Unterdrückung ging vor allem von islamischen Kämpfern aus, die in größerer Freiheit agieren konnten. Diese Unsicherheit, die durch islamisch-extremistische Bewegungen verursacht wird, macht den Jemen sehr instabil. Gegenwärtig leiden Christen besonders unter der Gesetzlosigkeit im Land und unter schiitischen Rebellen oder Gruppen, die mit Al Kaida oder dem IS verbunden sind und große Teile des Landes beherrschen. Es wird angenommen, dass alle Christen von extremistischen Muslimen überwacht werden und auch ein spezifisches Angriffsziel für diese militanten islamischen Gruppen werden können.

Kirchliches Leben

Die drei offiziellen Kirchengebäude, die sich alle in Aden befanden und für ausländische Gastarbeiter oder Flüchtlinge (insbesondere aus Äthiopien) gebaut worden waren, wurden während des Kriegs zerstört (teilweise durch gezielte Angriffe). Es gibt keine funktionsfähigen Kirchengebäude mehr. Christen mit muslimischem Hintergrund ist es nicht erlaubt, ihre eigenen Versammlungen abzuhalten, weshalb sie an geheimen Orten zusammenkommen. Muslimen das Evangelium weiterzugeben ist illegal; biblische Schulungen, der Druck und der Import von Bibeln und anderer christlicher Literatur in arabischer Sprache sind nahezu unmöglich.

Auftreten von Gewalt

Mehrere Christen wurden Berichten zufolge verhaftet, Konvertiten zum christlichen Glauben wurden körperlich oder psychisch misshandelt und mehrere christliche Familien mussten in andere Teile des Landes umziehen. Einige von ihnen kehrten später zurück. Einige wenige Christen verließen Berichten zufolge das Land. Die Beweggründe der Christen für die Flucht kann von Angst, wegen ihres Glaubens ermordet zu werden, bis hin zu verschiedenen Ursachen, die mit dem Krieg in Verbindung stehen, reichen. Oft kommen mehrere Gründe zusammen. Die Situation im Jemen ist aufgrund des Bürgerkrieges chaotisch, und aus diesem Grund wird auch über gezielte Übergriffe auf Christen oft nicht berichtet.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In einer Kultur, in der die Unterdrückung von Frauen normal ist, sind Christinnen mit muslimischem Hintergrund zusätzlich verwundbar. Sie stehen in der Gefahr, vergewaltigt, sexuell belästigt, zwangsverheiratet oder eingesperrt zu werden. Stammesgesetze und -bräuche erlauben es ihnen nicht, einen Christen zu heiraten; die Bestrafung für Ungehorsam kann Tod, Vertreibung oder Hausarrest sein. In einem Fall, über den öffentlich in lokalen Zeitungen berichtet wurde, wurde eine junge Frau, deren Glaube an Christus entdeckt wurde, in ein Heim für psychisch Kranke eingewiesen. Es ist üblich, dass Christinnen muslimischer Herkunft mit Muslimen zwangsverheiratet werden, wenn ihr Glaube bekannt wird. Die lokale Gemeinschaft von Konvertiten begegnet dieser Situation, indem sie Ehen mit anderen Christen muslimischer Herkunft arrangiert. Es ist üblich, dass minderjährige Frauen heiraten, denn es gibt kein Gesetz, das sie davor schützt. Wenn eine Christin mit einem nichtchristlichen Mann verheiratet ist und die Familien wegen ihres Glaubens auf eine Scheidung drängen, ist es wahrscheinlich, dass das Sorgerecht dem Ehemann oder anderen muslimischen Familienmitgliedern zuerkannt wird, unabhängig vom Alter der Kinder. Für gewöhnlich steht einer Mutter das Sorgerecht zu, bis die Kinder das Alter der Pubertät erreichen, doch die Sicherstellung einer islamischen Erziehung wird in einem solchen Fall als wichtiger erachtet.

Auch drohen Christinnen muslimischer Herkunft Vergewaltigung und sexuelle Belästigung. Aus diesem Grund tragen Christinnen muslimischer Herkunft in der Regel weiterhin die traditionelle muslimische Kleidung zu ihrer eigenen Sicherheit und ihrem Schutz. Im Vergleich zu Männern sind Frauen, die sich für den christlichen Glauben interessieren oder sich neu dem christlichen Glauben zugewandt haben, mit größeren Einschränkungen konfrontiert beim Zugang zu Jüngerschaftstraining, Gemeinschaft mit anderen Christen und bezüglich Gelegenheiten zur Taufe – es sei denn, sie haben einen nahen männlichen Verwandten, der ihnen die Teilnahme an diesen Aktivitäten erleichtern kann. Dies liegt daran, dass die Familien die Aktivitäten der weiblichen Mitglieder des Haushalts außerhalb des Hauses genau beobachten, während Männer kommen und gehen können, ohne Rechenschaft darüber abzulegen, wie sie ihre Zeit außerhalt des Hauses verbringen. Infolgedessen halten die gesellschaftlichen Konventionen und Verhaltensweisen Frauen in einer untergeordneten Rolle in der Gesellschaft und zu Hause fest. Dies lässt ihnen weniger Möglichkeiten, sich gegen Verfolgung zu wehren, als Männern.

Männer

Während Frauen eingeschränkter sind in Bezug auf Jüngerschaft oder Gemeinschaft mit anderen Christen und es schwieriger für sie ist, sich taufen zu lassen, ist für Männer die Gefahr größer, den Märtytertod zu sterben, inhaftiert, entführt und gefoltert zu werden oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Frauen können zwar in der Wohnung eingesperrt, mit einem muslimischen Extremisten zwangsverheiratet, geschlagen oder in ein Heim für psychisch Kranke eingewiesen werden, aber sie werden seltener getötet, wenn ihr Glaube von Familienmitgliedern oder lokalen Behörden entdeckt wird. Dies ist auf die Annahme zurückzuführen, dass Frauen unwissend oder geistig unterlegen sind, so dass sie als weniger verantwortlich für ihren „Irrtum“ angesehen werden. Unterdessen werden Männer eher von islamistischen Gruppierungen angegriffen oder von den lokalen Behörden inhaftiert und sind im Allgemeinen häufiger mit Verfolgung in der Öffentlichkeit konfrontiert. Da Frauen bereits aufgrund ihres Geschlechts von der Teilnahme am Berufsleben ausgeschlossen sind, betrifft Diskriminierung oder Verfolgung am Arbeitsplatz vor allem männliche Konvertiten. Davon sind auch ihre Familien betroffen, da Männer üblicherweise die Alleinverdiener sind. Ein Christ, dessen Ehefrau keine Christin ist, wird seinen Glauben wahrscheinlich weniger mit anderen teilen, da er befürchten muss, dass seine Kinder muslimisch erzogen werden, wenn er aufgrund seines Glaubens getötet werden oder im Falle einer Scheidung das Sorgerecht für seine Kinder verlieren sollte.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Gruppen, die im Jemen Verfolgung erleben, sind Bahai und Juden. Auch ismailitische Muslime klagen über Verfolgung. Extremistische Muslime betrachten Bahai als Ungläubige, andere diskriminieren sie, weil man ihnen unterstellt, dass sie Verbindungen zum Iran haben, wo die Religion im 19. Jahrhundert entstand. Bahai werden im Jemen gelegentlich inhaftiert, misshandelt und gefoltert, vor allem durch die Behörden der Huthi-Rebellen. Sie werden auch unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Mindestens 22 Bahai waren seit Mitte September 2018 in Sana'a von den Behörden festgesetzt. Ihnen droht eine Anklage wegen Apostasie – wegen Abkehr von der staatlich sanktionierten Religion – und wegen Unterweisung im Glauben der Bahai sowie wegen Spionage; auf Letzteres steht die Todesstrafe.

Die jüdische Gemeinschaft ist eine sehr kleine religiöse Minderheit. Vermutlich gibt es nur noch etwa 50 Juden im Land. Die meisten von ihnen leben in der Hauptstadt Sana'a, die von den Huthi-Rebellen beherrscht wird. Gemäß dem jemenitischen Informationsminister Moammer al-Iryani betrachten die Huthi-Rebellen die kleine verbliebene jüdische Gemeinde als einen Feind und betreiben eine ethnische Säuberung mit dem Ziel, dass im Jemen keine Juden mehr leben. Der Minister sagte, dass die jemenitische Regierung keine Kenntnis vom Ergehen der verbliebenen Juden des Landes hat.

Weiterhin werden religiös ausgrenzende Botschaften und judenfeindliche Aussagen gedruckt, wozu auch Schulbücher der Huthi-Behörden gehören. Auch extremistische islamische Lehren wurden in diesen Schulbüchern verbreitet. In einem Buch für Drittklässler zur koranischen Kultur sind die Wörter „Amerika“ und „Israel“ mit den folgenden Worten umgeben: „Unser Feind, das Haupt des Bösen und der größte Satan.“ Schließlich spricht auch die Losung auf der Huthi-Flagge für sich selbst: „Gott ist groß. Tod über Amerika. Tod über Israel. Fluch über die Juden. Sieg dem Islam.“

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Trotz anhaltender Friedensverhandlungen ist unwahrscheinlich, dass zwischen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition und den vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen in naher Zukunft ein Friedensabkommen abgeschlossen wird. Einschätzungen der Economist Intelligence Unit (EIU) von 2018 zufolge gibt es kaum einen gemeinsamen Nenner für Verhandlungen: Die Huthi-Rebellen haben wenig Interesse zu verhandeln und Saudi-Arabien akzeptiert keine pro-iranischen Kämpfer an seinen Landesgrenzen. Selbst wenn man sich auf ein Abkommen einigt, ist immer noch Al Kaida präsent, überdies weisen die zunehmenden Forderungen nach einer Unabhängigkeit des Südens auf ein Anhalten des Konfliktes hin.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Angesichts der schlechten Sicherheitslage wird erwartet, dass Al Kaida noch lange eine ernsthafte Gefahr im Land bleiben wird. Da islamische Milizen (wie die Huthi-Rebellen) Hauptakteure der Islamischen Unterdrückung im Jemen sind, bedeutet dies für die Religionsfreiheit für religiöse Minderheiten des Jemen nichts Gutes, namentlich für die Christen des Landes. Weil die Mehrheit der christlichen Gemeinschaft (nachdem die meisten ausländischen Christen das Land verlassen haben) Christen muslimischer Herkunft sind, wird sie in Zukunft mit noch größerer Gefahr konfrontiert sein. Jedoch wird berichtet, dass inmitten der Unsicherheit des Krieges die Zahl der Konvertiten zum christlichen Glauben zunimmt.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Die landesweiten Gräben zwischen Religionen und Stämmen vertiefen sich. Sie sind ein bedeutendes Hindernis für Frieden und Stabilität. Der anhaltende Konflikt wird wahrscheinlich die Menschen dazu zwingen, sich noch mehr auf ihre eigenen Stämme zu verlassen, was im Ergebnis das Ausmaß an Druck auf Christen muslimischer Herkunft wahrscheinlich noch erhöhen wird.

Mit Hinblick auf Organisiertes Verbrechen und Korruption: In der Situation des Krieges und der Anarchie wird die Korruption der staatlichen Behörden auf allen Ebenen zweifellos fortbestehen und alle ausländische Christen, die noch im Land sind, stehen weiterhin in der Gefahr, für Lösegeld entführt zu werden.

Schlussfolgerung

Nach Angaben eines Leiters einer im Land tätigen Nichtregierungsorganisation wurden in den Gebieten, die durch Truppen der von Saudi-Arabien angeführten Koalition beherrscht oder befreit wurden, in der Folge oft die Christen vor Ort von extremistischen Sunniten angegriffen. Aufgrund des zunehmenden Ausmaßes an Gewalt und Gesetzlosigkeit ist es wahrscheinlich, dass die Unterdrückung von Minderheiten einschließlich der Christen schlimmer werden wird.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Jemen:

  • Der anhaltende Bürgerkrieg im Jemen wurde zur weltweit schlimmsten humanitären Krise der Gegenwart. Dies wurde von der Weltöffentlichkeit weitgehend vergessen und übersehen. Und ebenso fühlen sich die Christen im Jemen: vergessen, isoliert und vernachlässigt inmitten der Ungerechtigkeit, die ihrem Land widerfährt. Beten Sie, dass der Krieg und die Ungerechtigkeit enden; beten Sie, dass die Christen weiterhin Gott vertrauen und als Licht in der Finsternis scheinen. 
  • Bitte beten Sie dafür, dass Gott durch die heimlichen Versammlungen der Christen muslimischer Herkunft geehrt wird und dass die Christen ihren jemenitischen Landsleuten dienen können.
  • 80 % der Jemeniten sind von humanitärer Hilfe abhängig. Die Nothilfe wird größtenteils durch die Stammes- und Familienstrukturen verteilt, von denen Christen zumeist ausgeschlossen sind. Bitte beten Sie, dass die Christen die benötigte Hilfe erhalten.

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