Länderprofil Äthiopien

Äthiopien

28
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Äthiopien
Hauptreligion
Christentum
Offizielle Staatsform
Demokratische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
29
ISO
ET
Karte Äthiopien
Christen
64,04
Bevölkerung
107.54
Islamische Unterdrückung
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Privatleben: 10.000
Familienleben: 10.000
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 10.800
Kirchliches Leben: 10.400
Auftreten von Gewalt: 13.500

Länderprofil Äthiopien

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 28 / 65 Punkte (WVI 2018: Platz 29 / 62 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Der extremistische Islam nimmt auf der lokalen, regionalen und nationalen Ebene zu. Besonders in ländlichen Gebieten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung werden Christen oft belästigt; häufig wird ihnen der Zugang zu kommunalen Ressourcen verweigert. Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben werden geächtet und Familienrechte werden ihnen oft verweigert.

Konfessioneller Protektionismus: Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (EOC) leistet den Aktivitäten evangelikaler Christen Widerstand; diese werden von der EOC als Nachfolger einer westlichen Religion betrachtet, welche die äthiopische Kultur bedroht.

Diktatorische Paranoia: In den letzten Jahren ist die äthiopische Regierung autoritärer geworden und hat die Rechte der Zivilgesellschaft und religiöser Institutionen weiter beschränkt. Der Stellenwert dieser Triebkraft von Verfolgung könnte sich jedoch angesichts der momentanen politischen Entwicklung im Land ändern.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die Regierung hat in den vergangenen Jahren bei manchen ethnischen Gruppen Ressentiments gegenüber Christen geschürt. Manche Stämme verlangen zudem, dass Christen sich an Stammeskämpfen beteiligen, und rächen sich, falls sie dies nicht tun.

Von wem geht die Verfolgung aus?

In Äthiopien ist die Situation in vielerlei Hinsicht komplex für Christen, wobei sich verschiedene Arten von Verfolgung überschneiden: 1) Verordnungen der Regierung schränken die Religionsfreiheit ein. 2) In manchen Teilen des Landes stellen konservative Muslime eine Herausforderung dar, vor allem für Christen mit muslimischem Hintergrund. Säkularismus bereitet den Christen im Land ebenfalls Schwierigkeiten. Ein Experte für das Land meint: „Das Verbot der Einrichtung von Rundfunkdiensten zu religiösen Zwecken und das Verbot von religiösen Aktivitäten in Bildungseinrichtungen beschränken die Freiheit, Gottesdienst zu feiern, die Freiheit zu lehren und seine Religion zu predigen.“ 4) In Gegenden, die von der EOC dominiert werden, werden Christen verfolgt, die diese Denomination verlassen und sich einer anderen zuwenden; Verfolger sind in diesem Falle die Familie, Gesellschaft und Regierungsbeamte, sofern diese Teil der EOC sind. Es ist demnach möglich, dass die Verfolgten im gleichen Land auch als Verfolger auftreten.

Wie äußert sich die Verfolgung?

In Äthiopien sind alle christlichen Gemeinschaften von Verfolgung betroffen, einige Denominationen mehr als andere. Christen aus protestantischen Freikirchen erleben die härteste Verfolgung, sowohl von der Regierung als auch von der EOC. Christen mit muslimischem Hintergrund (vor allem im Osten und Südosten des Landes) und Christen, die ihre orthodoxe Denomination verlassen und sich einer anderen zugewandt haben, haben mit schwerer Misshandlung durch ihre Familien und Gemeinschaften zu kämpfen. In manchen Gegenden wird Christen der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verweigert beziehungsweise sie werden aus der Gesellschaft ausgestoßen. An manchen Orten greifen Mobs Kirchen an.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Konvertiten in Gebieten, die von orthodoxen Christen und Muslimen dominiert werden, stehen unter enormem Druck, ihrem neuen Glauben wieder abschwören.
  • Am 4. August 2018 kam es zu einem zwei Tage anhaltenden Ausbruch von Gewalt, in welchem muslimische Mobs gegen die christliche Minderheit in Äthiopiens Somali-Region (Ogaden) vorgingen. Unter den Getöteten waren auch fünfzehn orthodoxe Priester; zehn orthodoxe Kirchen wurden in Brand gesteckt und neun evangelische Freikirchen verwüstet oder geplündert.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 65 und einer Zunahme um drei Punkte im Vergleich zum Vorjahr belegt Äthiopien Platz 28 auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Der Hauptgrund für den Punktanstieg ist die Verschlechterung im Bereich "Auftreten von Gewalt" – bedingt wurde dies durch den zwei Tage anhaltenden Gewaltausbruch im August 2018, der sich gegen Christen in der Ogaden-Region richtete.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung stellt eine echte Bedrohung für Christen dar, insbesondere in den von Muslimen dominierten Gebieten. Ein Experte für das Land berichtet: „Der islamische Extremismus ist in Äthiopien nach wie vor ein Problem. Da die islamischen Länder darum wetteifern, die Oberhand in Afrika zu gewinnen, investieren sie beträchtliche Mittel in die Ausbreitung des Islam. Sie werden zur Einrichtung von Schulen, für religiösen Unterricht sowie für direkte Hilfe an Bedürftige verwendet, wobei die Bekehrung zum Islam als Bedingung festgelegt wird.“ Mit dem Aufkommen des Extremismus in der Region und darüber hinaus nimmt der extremistische (oder politische) Islam auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu. Dabei sind verschiedene Gruppen von Christen in fast allen Lebensbereichen zunehmend anfällig für Druck geworden. Vor allem in ländlichen Gebieten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung belästigen diese Christen und verweigern ihnen häufig den Zugang zu kommunalen Ressourcen. Darüber hinaus werden Christen Opfer von Gewalt. Konvertiten vom Islam zum Christentum werden geächtet, Familienrechte wie das Erbrecht und das Sorgerecht werden ihnen häufig verweigert. Es ist auch wichtig festzustellen, dass die Ausbreitung des extremistischen Islam in den Nachbarländern Somalia und Sudan auf Äthiopien übergreift. Ein Experte für das Land sagte: „Die Präsenz der Triebkräfte der Verfolgung variiert von Region zu Region, vor allem in Abhängigkeit von der Anzahl der Muslime in einer bestimmten Region. Der nordöstliche Teil des Landes, hauptsächlich die Afar-Region, die östlichen Regionen einschließlich Somali, Dire Adwa und Harer und bestimmte Teile der Oromia-Region, werden von Muslimen dominiert, dazu mit eingeschlossen der zentralstädtische Teil des Landes, aber nicht beschränkt auf Addis Abeba. In diesen Gebieten herrscht ein höheres Niveau der Verfolgung als in anderen Landesteilen. Bei Konflikten, die durch die Übergriffe islamischer und extremistisch-islamischer Gruppen in bestimmten Teilen des Landes entstanden sind, wurden Christen getötet und viele weitere verletzt. Viele mussten aus ihrer Heimat fliehen. In den letzten Jahren ist die Verbreitung islamisch-extremistischer Ansichten zu einem wachsenden Trend geworden. Die Verhaftung einiger Führer der muslimischen Gemeinschaft durch die Regierung macht die Situation noch schlimmer.“

Konfessioneller Protektionismus

Dies ist eine weitere Haupttriebkraft der Christenverfolgung im Land mit der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche (EOC) als wichtigster Akteurin. Ein Landesexperte berichtet: „Die EOC sieht sich als die einzig ‚wahre‘ christliche Konfession. Sie wehrt sich insbesondere gegen evangelikale Christen; die EOC betrachtet sie als Anhänger einer westlichen Religion, die eine Bedrohung für den äthiopischen Nationalismus und die äthiopische Kultur darstellt; diese beiden zu bewahren, sieht die EOC seit langer Zeit als wichtige Aufgabe. Predigten und Lieder, in denen evangelikale Christen stark kritisieren werden, sind weit verbreitet. Priester und andere Lehrer in der EOC verurteilen offen jeden, der Kontakt mit Evangelikalen pflegt. Sie gehen manchmal so weit, ihren Mitgliedern zu verbieten, mit ‚den Heiden‘ auch nur zu sprechen. Auf der anderen Seite nehmen die Anfeindungen vonseiten der evangelikalen Kirchen gegen die EOC ebenfalls zu. So findet zwischen beiden ein hasserfüllter Schlagabtausch statt.“ Einige ehemalige EOC-Mitglieder haben diese verlassen, meistens um protestantischen Kirchen beizutreten oder um sich einer der Erneuerungsbewegungen innerhalb der EOC anzuschließen. Sie sind massiver Verfolgung vonseiten ihrer ehemaligen Kirche ausgesetzt, die unterschiedliche Formen annimmt. Eine Variante sind tätliche Angriffe auf Christen anderer Konfessionen. Die EOC nutzt auch ihre Beziehungen zur Regierung, um das Wachstum nichtorthodoxer Kirchen zu hemmen. Zudem nehmen sie Einfluss auf die Regierung, damit Gesetze gegen die Ausbreitung des protestantischen christlichen Glaubens verabschiedet werden. Ein Beispiel hierfür ist das Gesetz zur Registrierung aller Kirchen, von dem die EOC ausgenommen ist. Ein anderes Mittel ist die Nutzung der einflussreichen EOC-eigenen Medien, um Protestanten und Unterstützer der Erneuerungsbewegung zu verteufeln. Ein Experte für das Land fügt hinzu: "Wieder einmal kommt Verfolgung von der christlichen Mehrheitskonfession des Landes, der Orthodoxen Kirche. Es ist jedoch anzumerken, dass nicht alle orthodoxen Gläubigen diese Meinung teilen. Von der Verfolgung betroffen sind hauptsächlich Anhänger christlicher Konfessionen, die erst seit relativ kurzer Zeit im Land existieren und vorwiegend protestantisch sind. Diese Form der Verfolgung ist am stärksten im Norden und Zentrum des Landes verbreitet, wo die Mehrheit der Bevölkerung zur Orthodoxen Kirche gehört. In diesem Zusammenhang sei außerdem erwähnt, dass diese Verfolgung extremer wird, je weiter man sich aus städtischen in ländlichere Gebiete des Landes bewegt."

Diktatorische Paranoia

Unter der neuen Führung scheint es echten Reformwillen zu geben, eine Bereitschaft, sich als Land in Richtung einer Demokratie zu bewegen. Die Punktzahl für diese Triebkraft der Verfolgung ist daher gesunken. Sie wird in der Analytik des Weltverfolgungsindex nun nicht mehr als "stark" sondern als "durchschnittlich" eingestuft. In den Jahren vor der Wahl hatte die äthiopische Regierung immer stärkere autoritäre Züge entwickelt und dabei die Rechte der Zivilgesellschaft und religiöser Institutionen zunehmend eingeschränkt. Dahinter stand zum einen die Überzeugung, dass religiöse Gruppen die Menschen äußerst wirksam organisieren und sammeln können. Dies wiederum führte zur Sorge, derartige Aktivitäten könnten theoretisch auch für einen Umsturz genutzt werden. Zum anderen hielt die Regierung Protestanten im Allgemeinen, und freikirchliche Protestanten im Besonderen, für gefährlich. Sie hegte den Verdacht, diese seien ausländische Spione, die einen Regimewechsel anstrebten. Es existierten allerdings keinerlei Beweise, um diesen Verdacht zu stützen. Zum Dritten vermutete die Regierung in den Reihen der EOC eine beträchtliche Anzahl von Leitern, die oppositionelle Gruppen unterstützten. Demzufolge verabschiedete die Regierung diverse Gesetze, um die Betätigungsmöglichkeiten für religiöse Gruppen spürbar einzuschränken. Dazu zählen etwa das Verbot Sendeanstalten für religiöse Zwecke zu betreiben, und das Verbot Religionsunterricht oder andere Aktivitäten an Schulen anzubieten. Solche Verbote schränken die Freiheit der Christen ein, zu beten, zu predigen und zu unterrichten. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ stuft das Land in seinem Bericht von 2018 daher als „nicht frei“ ein.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Im letzten Vierteljahrhundert hat ethnisch orientierte Politik große Auswirkungen auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens im Land gehabt. Dieser politische Diskurs propagiert die Suche nach „Wurzeln und Identität“. Dies führte zu einer feindseligen Haltung einzelner und ganzer Gruppierungen gegenüber Christen. Bis 1974 stand die EOC für die Staatsreligion. Ab 1974 befand sich das Land unter kommunistischer Herrschaft, die nach einem 17-jährigen Bürgerkrieg schließlich im Jahr 1991 von einem Bündnis mehrerer ethnischer Gruppen entmachtet wurde. Damals wurden den ethnischen Gruppen Anerkennung und Schutz ihrer eigenen Kultur und Identität zugesichert. Dies geschah im Rahmen der äthiopischen Übergangsverfassung, einer Reihe von Statuten, die nach dem Fall des kommunistischen Regimes eingesetzt wurden. Was anfangs politisch sinnvoll und richtig erschien, mündete schließlich darin, dass die Regierung unter einigen ethnischen Gruppen Ressentiments gegen Christen schürte. In Regionen wie Afar oder Somali (Ogaden) sind Islam und Stammeszugehörigkeit untrennbar miteinander verbunden. Manche Stämme verlangen zudem, dass Christen sich an Stammeskämpfen beteiligen und rächen sich, falls sie dies nicht tun. So berichtet ein Länderexperte: „Obwohl die Bevölkerung mehrheitlich einer der beiden Hauptreligionen (Christentum oder Islam) angehört, werden in manchen Landesteilen traditionelle Religionen praktiziert. Von hier lebenden Menschen wird erwartet, sich an allen religiösen und kulturellen Riten der Gemeinschaft zu beteiligen. Wer dem nicht nachkommt, wird vertrieben. Doch auch unter Christen und Muslimen ist die Ausübung schwarzer Magie weit verbreitet. So werden Neugeborene üblicherweise dem örtlichen Zauberer geweiht.“

3. Verfolger

Hinter der Verfolgung von Christen in Äthiopien stehen viele verschiedene Akteure.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Viele muslimische religiöse Leiter stimmen stillschweigend oder ausdrücklich, etwa durch ihre Predigten, der Diskriminierung von Christen zu. In diesem Bereich sind auch Familien und gewöhnliche Bürger zu nennen. Berichten zufolge haben einige muslimische Leiter zur Gewalt gegen Christen aufgerufen.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

Zu den Verfolgern gehören Priester, ultra-konservative Gruppen innerhalb der EOC, Familien und gewöhnliche Bürger. In Bezug auf die Beteiligung von orthodoxen Kirchenleitern und deren Mitgliedern berichtet ein Forscher: „Es gibt einen deutlichen Wandel in der religiösen Zusammensetzung des Landes wegen des rapiden Wachstums neuer christlicher Glaubensrichtungen, besonders der protestantischen Kirche. Solch ein starkes Wachstum wird von den Leitern und Anhängern der Orthodoxen Kirche nicht gutgeheißen. Widerstand gegen diese neuen Formen des christlichen Glaubens zeigt sich in unterschiedlicher Ausprägung auf verschiedenen Ebenen – sowohl darin wie Leiter, als auch Anhänger der Orthodoxen Kirche sich zu ihnen verhalten. Die Vereinigung mit dem Namen 'Mahibere Kidusan' veröffentlicht seit Jahren Brandschriften und abfällige Artikel gegen protestantische Christen. In der Hauptstadt und in anderen großen Städten und Gebieten wie im Süden und Südwesten des Landes, wo die neuen Formen der christlichen Kirchen stärker wachsen, hat sich die Situation etwas gebessert.“

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Verfolger in diesem Bereich sind die Regierung und Regierungsbeamte, wenngleich ihre Beteiligung an der Verfolgung von Region zu Region stark variiert. Besonders Beamte der mittleren und niedrigen Ebene gehen gegen die sogenannten neuen Formen des christlichen Glaubens vor. Örtliche Amtsträger haben besonders viel Einfluss auf Alltagsaktivitäten und sind somit stärker an der Verfolgung von Christen beteiligt. Dazu gehört unter anderem auch das Verwehren von Genehmigungen für Gottesdienste und andere christliche Treffen.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Verfolger sind hier lokale Verantwortungsträger und gewöhnliche Bürger. Diese Triebkraft der Verfolgung entfaltet seine Wirkung vor allem in ländlichen Gebieten und verbindet sich mit der Triebkraft der Islamischen Unterdrückung – einige Verfolger lassen sich daher beiden Triebkräften zuordnen. So ist in der Afar- oder Somali-Region beispielsweise der islamische Glaube Voraussetzung für die gesellschaftliche Zugehörigkeit.

4. Hintergrund

Proteste, Ausnahmezustand und neuer Premierminister: Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017 und Weltverfolgungsindex 2018 war Äthiopien von zahlreichen politischen Turbulenzen heimgesucht worden. Dies setzte sich im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 fort, bis im April 2018 Abiy Ahmed zum neuen Premierminister ernannt wurde. Er folgte auf den bisherigen Premierminister Hailemariam Desalegn, weil dieser auf Verlangen des Volkes zurücktreten musste. Besonders in den Gebieten Oromia und Amhara hatte es anhaltende und massive Proteste gegeben, die von der Regierung mit Gewalt beantwortet wurden. Allerdings gingen Sicherheitskräfte dabei nicht gezielt gegen eine religiöse Gruppierung vor und verhielten sich neutral, zumindest was die Religion der Demonstranten betraf. Gleich mehrfach kam es im vergangenen Jahr zu Angriffen muslimischer Mobs auf Kirchen, bei denen Christen ums Leben kamen. Unter der neuen Führung bereitet sich das Land nun auf Neuwahlen im Jahr 2019 vor. Viele politische Parteien, die bisher verboten waren, kehren jetzt ins Land zurück, um in den friedlichen Wettstreit einzutreten und an den Wahlen teilzunehmen.

Historische Perspektive: Äthiopiens Vergangenheit ist schon lange sowohl vom christlichen Glauben, als auch vom Islam geprägt. Im Lauf der Zeit haben beide Religionen versucht, ihren Einfluss auszuweiten und deswegen viele blutige Konflikte ausgetragen. Dabei waren auch ausländische Akteure wie die Türkei, Portugal und Ägypten involviert. Außerdem gibt es in Äthiopien viele Stämme. Sie sind dem christlichen Glauben nicht sehr wohlgesonnen; in manchen Regionen wie Afar und Somali ist ihre Identität sogar eng mit dem Islam verbunden. Zudem hat die herrschende Partei in der Vergangenheit alle Möglichkeiten der Meinungs- und Versammlungsfreiheit unterbunden. Gleichzeitig hat sie versucht, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren und dadurch jegliches so wahrgenommene Aufbegehren zu unterbinden. 2009 erließ die Regierung ein Gesetz, das die Religions-, Vereinigungs-, Rede- und Versammlungsfreiheit einschränkt. Christlichen Wohlfahrtsorganisationen ist es seitdem gesetzlich verboten, Gelder aus dem Ausland entgegenzunehmen, und sich für Menschenrechte, Konfliktlösung und demokratische Ziele einzusetzen. Die regierende Partei verstärkte ihren Machterhalt zusätzlich mit der Behauptung, bei den Wahlen im Mai 2015 hundert Prozent der Sitze im Parlament gewonnen zu haben. Augenscheinlich ignorierte Premierminister Hailemariam Desalegn alle Aufforderungen der internationalen Gemeinschaft, die Zivilgesellschaft und die Pressefreiheit zu stärken. Infolge der Proteste und der Gewalt, die das Land ab 2015 und bis hinein ins Jahr 2018 erschütterte, löste Desalegn das Kabinett auf. Viele Investoren verließen das Land wegen der herrschenden Unsicherheit. Dennoch bleibt Äthiopien ein Hauptempfänger für internationale Hilfsprogramme.

Die anhaltenden Probleme mit der EOC: Die EOC geht gegen Protestanten und reformwillige Gruppen innerhalb der EOC vor. Dahinter stehen vor allem fanatische Gruppen in der EOC. In ihren Magazinen, auf ihren Websites und Zeitungen greifen diese Gruppen protestantische Freikirchen mit hetzerischer Rhetorik an. Sie bezeichnen diese etwa als „Neulinge“, „falsche Propheten“, „Menafikan“ (Leugner der Jungfrau Maria und der Heiligen) oder verwenden andere Ausdrücke, um diese Christen als Ungläubige oder Irrgläubige zu bezeichnen. Es wird geschätzt, dass die protestantischen Freikirchen in Äthiopien um etwa 6,7% pro Jahr wachsen. Ein Blick auf den Zensus von 1994 setzt diese Zahlen in Relation: Laut dieser Volkszählung gab es schätzungsweise 62,5% Christen, 32,8% Muslime und 4,6% Animisten im Land. Damals war die Hälfte aller Äthiopier christlich-orthodox und nur etwa 10% waren Protestanten. Gemäß dem Zensus von 2007 waren nur noch 43,5% der Bevölkerung orthodoxe Kirchengänger, Protestanten stellten 18,6% der Bevölkerung und Muslime 33,9%. Diese rasche Veränderung führte zu Feindseligkeiten zwischen Protestanten und der EOC aber auch vonseiten der Muslime. Die meisten Protestanten haben einen orthodoxen Hintergrund und gehörten früher der EOC an.

5. Betroffene Christen

Alle Christen, die in Äthiopien leben, sind von Verfolgung betroffen, doch das Ausmaß der Verfolgung variiert von Gruppe zu Gruppe.

Ausländische Christen

Diese Christen sind in die bestehenden Kirchengemeinden integriert und wurden daher nicht gesondert untersucht.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (EOC) ist dafür ein typisches Beispiel. Sie ist im Land stark vertreten. An ihr lässt sich die Komplexität der Verfolgungsdynamik gut aufzeigen, denn sie ist selbst von Verfolgung betroffen und spielt gleichzeitig eine maßgebliche Rolle als Verfolger. Christen aus traditionellen Kirchen erfahren Verfolgung durch die Regierung und islamische Extremisten. Auch in Stammesgebieten ist der Druck auf EOC-Mitglieder hoch. Orthodoxe Christen sind vor allem in Nord- und Zentraläthiopien angesiedelt. Schwierigkeiten aufgrund ihres christlichen Glaubens erleben viele EOC Mitglieder, die in den muslimisch dominierten Regionen (Harar, Somali, Afar) oder in örtlichen Gemeinschaften (beispielsweise unter den Silt‘e) leben.

Christen mit muslimischem, animistischem oder orthodoxem Hintergrund (Konvertiten)

Konvertiten sind 1) ehemalige Muslime, 2) Christen, die sich einer christlichen Konfession zu- und von einer anderen abgewandt haben und 3) Menschen, die früher einer Stammesreligion angehörten und jetzt Jesus Christus nachfolgen. Diese Christen sind unterschiedlichen Triebkräften der Verfolgung ausgesetzt. In muslimisch dominierten Gebieten werden ehemalige Muslime besonders von Familie, Großfamilie, Leitern der örtlichen Gemeinschaft und nichtchristlichen religiösen Leitern verfolgt. In Gebieten, die stark von der EOC geprägt ist, geht die Verfolgung hauptsächlich von den Anhängern der EOC aus. Diese Gruppe von Christen erfährt auch Verfolgung durch die Regierung, und zwar in allen Landesteilen. In Gebieten, in denen es verstärkt zu ethnisch begründete Anfeindungen kommt, droht christlichen Konvertiten Verfolgung vonseiten der Anhänger traditioneller Glaubenssysteme; hinzu kommen Muslime, die versuchen, Konvertiten zur Teilnahme an verschiedenen religiösen Aktivitäten zu zwingen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Hierzu zählen beispielsweise evangelikale Christen, Baptisten und Pfingstgemeinden, die im Land stark vertreten sind. Sie erleiden vielfältige Verfolgung durch die Regierung, die EOC und islamische Gruppen. Im Vergleich zu anderen Ausdrucksformen des christlichen Glaubens wachsen sie sehr schnell. Ein Länderexperte berichtet: „Viele Gebiete Südäthiopiens und Teile von Oromia sind von Evangelikalen/Protestanten dominiert. Da sie die Mehrheit der dortigen Bevölkerung bilden, werden sie nicht (ernsthaft) verfolgt. Doch Protestanten, die in den mehrheitlich muslimischen oder christlich-orthodoxen Landesteilen leben, müssen viele Arten der Verfolgung ertragen.“ Die Gruppe von Christen wird aufgrund ihrer wachsenden Größe und ihres zunehmenden Einflusses von vielen als Bedrohung gesehen. Die Folge: Sie werden von vielen Seiten angefeindet.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 10
Familienleben 10
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 10.8
Kirchliches Leben 10.4
Auftreten von Gewalt 13.5

Grafik: Verfolgungsmuster Äthiopien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Äthiopien ist auf einem hohen Niveau (10,3 Punkte) – dieser Wert ist ähnlich dem des Weltverfolgungsindex 2018, als das Land 10,4 Punkte erreichte.
  • Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Wert unter 10 Punkten liegt. Das zeigt: Obwohl Äthiopien ein mehrheitlich christliches Land ist, leben Christen dort unter hohem Druck.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt stieg im Berichtszeitraum um drei Punkte an, von 10,4 Punkte im Vorjahr auf nunmehr 13,5 Punkte. Der Grund für diesen Anstieg waren die gewaltsamen Übergriffe auf Christen und Kirchen in der Region Ogaden im August 2018.

Privatleben

In diesem Bereich leiden besonders Konvertiten. Ein Länderexperte berichtet: „Ein entscheidender Faktor ist die Frage, ob es sich um ein städtisches oder ländliches Gebiet handelt. In den vereinzelten (relativ) großen Städten zieht der Wechsel von einer christlichen Konfession zur anderen weniger gravierende Folgen nach sich; häufig gibt es nur Widerstand von einigen Familienmitgliedern. Doch in ländlichen Gebieten ist die soziale Bindung so stark, dass ein Konfessionswechsel sehr wahrscheinlich große Empörung und Verfolgung auslöst.“ Die Situation unterscheidet sich zudem je nach Region: Der Norden Äthiopiens beispielsweise ist die Hochburg der EOC. Wenn dort jemand von der orthodoxen Konfession zu einer protestantischen übertritt, wird diese Person oft vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt oder gar gezwungen, die Ortsgemeinschaft ganz zu verlassen. Wo aber der Protestantismus die Norm ist, wie in Südäthiopien und in Teilen von Oromia, müssen Konvertiten keine Verfolgung in diesem Ausmaß befürchten.

Für Konvertiten sind der Besitz von christlichen Schriften, der Zugang zu christlichen Medien und die Begegnung mit anderen Christen schwierig. Verlässt ein orthodoxer Christ die EOC und tritt einer protestantischen Freikirche bei (im Land "Pentay" genannt), werden Familienmitglieder, Priester und fanatische Gruppen innerhalb der EOC diese Person unter Druck setzen, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Manchmal werden diese Menschen gar dazu gezwungen, „heiliges Wasser“ zu trinken, weil man glaubt, der Konvertit sei vom Teufel besessen.

Familienleben

Auch hier sind christliche Konvertiten unterschiedlich stark von Verfolgung betroffen. In muslimisch und orthodox dominierten Gebieten haben es nichtorthodoxe Christen schwer, eine Grabstätte zu bekommen. In muslimisch geprägten Regionen müssen Kinder islamische Schulen besuchen. In vielen Teilen des Landes werden Kinder aus christlichen Familien aufgrund ihres Glaubens drangsaliert. Selbst bei Hochzeitsfeiern gibt es Schwierigkeiten. Ein Forscher gibt ein Beispiel: „Wenn ein Christ eine muslimische Partnerin heiraten möchte oder die Brautleute aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen stammen und die Hochzeit in seiner/ihrer Kirche stattfinden soll, kann es zu Protesten durch die Familie des Partners kommen. Ein weiteres Problem ist das Vortragen nichtchristlicher Musik auf Hochzeiten: Da die meisten Protestanten in Äthiopien nichtchristliche Musik für Sünde halten, kann es auch in diesem Bereich zu Konflikten zwischen den Familienmitgliedern kommen."

Gesellschaftliches Leben

Dieser Lebensbereich ist für Christen aufgrund von Konfessionellem Protektionismus und Islamischer Unterdrückung mit besonders schwerwiegenden Problemen behaftet. In einer durch dörfliche Strukturen geprägten Gesellschaft wie Äthiopien spielen religiöse Unterschiede in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Rolle. In von der EOC geprägten Regionen üben Familie, Ortsgemeinschaft und Kirchenleiter erheblichen Druck auf Anhänger protestantischer Freikirchen und auf Christen aus, die die EOC verlassen haben. So berichtet ein Länderexperte: „In mehrheitlich orthodoxen Gebieten sind evangelikale Christen und Christen aus Pfingstgemeinden mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Sie dürfen nicht an gemeinschaftlichen Ereignissen oder gesellschaftlichen Zusammenkünften teilnehmen. Sie haben Probleme, für ihre Kinder sichere Schulen zu finden. Es kann auch zu weiteren Behinderungen des Alltags kommen, etwa bei Marktbesuchen; besonders während der großen Fastenzeiten der EOC ist es mitunter nahezu unmöglich, von den Fastenregeln ausgenommene Lebensmittel zu finden. In extremen Fällen bleibt ihnen nur die Möglichkeit, das Gebiet zu verlassen.“

Imame, Lehrern aus Koranschulen und andere lokale Verantwortungsträger machen Christen mit muslimischem Hintergrund das Leben beständig schwer. Mancherorts wird ihnen die Nutzung kommunaler Ressourcen verwehrt. In anderen Gegenden werden Christen an ihrem Arbeitsplatz bewusst übergangen oder diskriminiert. Christen dort sind daran gewöhnt, innerhalb ihres Lebensumfelds als unerwünscht wahrgenommen zu werden. Manchmal wird Christen, besonders Christen muslimischer Herkunft, in der Erntezeit jegliche Hilfe verweigert, während sich andere Dorfbewohner gegenseitig beim Einholen der Ernte unterstützen.

Leben im Staat

Auf staatlicher Ebene war die Regierung unter Hailemariam Desalegn bemüht, jeden Bereich der Gesellschaft zu kontrollieren. Die Religionsfreiheit wurde konsequent unterdrückt. Dazu wurden entsprechende Gesetze erlassen, um die Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie die Zivilgesellschaft als Ganzes einzuschränken. Sicherheits- und Verwaltungsauflagen wurden als Vorwand genutzt, um missionarische Aktivitäten im Land zu stören. Es gab Berichte, denen zufolge Regierungsbehörden bei der Strafverfolgung von Gewalttaten gegen Christen bewusst nachlässig agierten. Direkt vor Beginn des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2018 rief die Regierung zum ersten Mal seit 26 Jahren den Ausnahmezustand aus. Für Christen wurde es schwieriger, sich in der Öffentlichkeit zu versammeln. Kirchen reagierten auf die Situation teilweise mit umfassender Selbstzensur, um mögliche Anklagen wegen Übertretung des weitreichenden Ausnahmezustands zu vermeiden. Die nationalen Gesetze schränkten auch die Ausstrahlung von religiösen Inhalten im Rundfunk ein. Außerdem wurde ein Verbot religiöser Veranstaltungen, einschließlich Gebetsgruppen in Bildungseinrichtungen verhängt. Ein Länderexperte berichtet davon, dass Christen Opfer von Hetzkampagnen wurden: „Diese sind eine verbreitete Praxis, insbesondere von religiösen Leitern. Es gibt Vorträge und in Umlauf gebrachte Aufnahmen von muslimischen Predigern, die Hass gegen Christen predigen. Auch unter Christen kommt das vor. Es ist an der Tagesordnung, Priester des EOC zu hören, die Hetzkampagnen gegen charismatische Gemeinden und Evangelikale anführen. Sie sprechen in herabwürdigender Weise über diese Christen und stellen sie als Menschen dar, die Religiosität vortäuschten, um Hilfe aus dem Ausland zu erhalten. Manche Prediger der Pfingstbewegung sprechen sich wiederum gegen die Orthodoxen aus und stellen sie als rückständig dar.“ Aufgrund der veränderten politischen Situation glauben viele, dass sich die christlichen Konfessionen und andere Glaubensrichtungen künftig um mehr gegenseitige Toleranz bemühen werden.

Kirchliches Leben

In diesem Lebensbereich nimmt der Druck viele unterschiedliche Formen an: Zum einen ist es schwierig, eine Kirche zu registrieren. Die Regierung verlangt das nicht von der EOC (oder der muslimischen Gemeinschaft), doch andere Christen benötigen eine Registrierung, um als Gemeinde legal operieren zu können. Einige Regierungsbeamte, die der EOC nahestehen, überwachen nichtorthodoxe Gemeinden und benutzen ihre amtliche Befugnis, um ihnen die Registrierung zu verweigern. In muslimischen Regionen ist es mittlerweile riskant, sich öffentlich gegen Verfolger zu stellen. Deshalb vermeiden Gemeindeleiter in der Regel das öffentliche Anprangern der entsprechenden Personen. In überwiegend muslimischen Regionen verbergen Christen muslimischer Herkunft aus Angst vor Übergriffen häufig ihren Glauben und wagen es oft nicht einmal, eine Kirche zu besuchen. Ein Forscher fügt hinzu: „In Gebieten, in denen Pfingstgemeinden die Minderheit darstellen, werden die jeweiligen Leiter vor allem beschuldigt, die gesellschaftlichen Werte zu korrumpieren. Sie werden oftmals sogar stärker verfolgt als die Konvertiten von anderen Konfessionen. Leiter der örtlichen Gemeinschaften bedienen sich verschiedenartiger Mittel, um solche christlichen Leiter zu vertreiben, bevor sie noch mehr 'Schaden anrichten' können; häufig müssen sie versteckt leben.“ Die neue Regierung unter der Führung von Abiy Ahmed ist bemüht, einige dieser Einschränkungen zu lockern, die von der Vorgängerregierung durchgesetzt wurden. So wird beispielsweise über Erleichterungen für die Zivilgesellschaft debattiert.

Auftreten von Gewalt

Der aktuelle Berichtszeitraum war einer der gewalttätigsten für die Christen in Äthiopien. Ungeachtet dessen, dass der neue Premierminister ein evangelikaler Christ ist und dass es Hoffnung auf Veränderung im Land gibt, wurden viele Christen wegen ihres Glaubens von islamischen Gruppen angegriffen. In der Region Somali (auch als „Ogaden“ bekannt), eine der neun Staaten des Landes, wurden im August 2018 über zwanzig Christen getötet, darunter 15 orthodoxe Priester; zahlreiche Kirchen wurden dabei geplündert und bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt gegen Christen finden sich im Abschnitt "Zusammenfassung".

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen werden vor allem Opfer von Verschleppung, Vergewaltigung und Ehescheidung. Ein Landesforscher berichtet: „Manche Christen müssen ehelos leben. Kirchenleiter erklären, dass die Mehrheit der Kirchenmitglieder weiblich ist. Doch diese Frauen finden keine Ehemänner und sie werden von ihrem Umfeld und ihren Verwandten unter Druck gesetzt und beleidigt.“

Männer

Ein Länderexperte berichtet: „Körperliche Angriffe gegen Männer und Jungen sind weitaus schwerwiegender als gegen Frauen und Mädchen. Im Bereich Ethnisch begründeter Anfeindungen stehen sie stärker unter Beobachtung.“

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt einige wenige religiöse Minderheiten im Land. Doch auch sie betrifft die Gesetzgebung bezüglich des Rundfunks, der Rolle von Religion in der Bildung und der Zivilgesellschaft. Im Allgemeinen verlangen die Regelungen zur Zivilgesellschaft einen Antrag auf Registrierung von jeder religiösen Gruppe mit Ausnahme orthodoxer, katholischer, christlicher, muslimischer und jüdischer Gemeinschaften. Darüber hinaus sieht das Registrierungsgesetz eine Mindestzahl von 50 Personen für die Registrierung als Religionsgemeinschaft vor und mindestens fünfzehn Personen für die Registrierung eines Dienstes oder Vereins. Diese Anforderungen haben in ihrer jetzigen Form keine Auswirkungen auf christliche Konfessionen – im Gegensatz zu religiösen Minderheiten, vor allem der jüngeren Gemeinschaften: Mormonen und Zeugen Jehovas ringen in einigen Gegenden, wo ihre Zahl unter 50 bleibt, um einen eigenen Versammlungsort.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die jüngsten politischen Entwicklungen in Äthiopien sind faszinierend. Die Geschwindigkeit, mit der das Land sich politisch reformiert, hat weltweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens öffnete das Land seine Grenzen zu Eritrea. Tausende politischer Gefangener wurden freigelassen. Oppositionellen Parteien, die zuvor verboten waren, wurde die Rückkehr nach Äthiopien erlaubt. Das Land hat sich verpflichtet, seine Wahlgesetze und unter anderem seinen Justizsektor zu reformieren. Der neue Premierminister wurde sowohl im In- als auch im Ausland für sein mutiges Vorgehen gelobt. Wenn diese Entwicklungen anhalten, hat das Land eine echte Chance, seine Menschenrechtsbilanz, aber auch die Sicherheitslage zu verbessern. Gleichzeitig dürfen nicht die Herausforderungen übersehen werden, vor denen das Land steht: Es wird immer sehr schwierig sein, innerhalb der komplexen Gegebenheiten des Landes zu navigieren – die politischen Akteure haben stark voneinander abweichende Sichtweisen und benachbarte Staaten könnten ein Interesse haben, in das Geschehen einzugreifen.

Der Ausblick für Christen

Äthiopien hat fortlaufend Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Konfessionen erlebt. Das schmälert die Möglichkeit einer einheitlichen christlichen Antwort auf die Herausforderung der Verfolgung. In dieser Hinsicht beschuldigt und verfolgt die EOC rücksichtslos protestantische Christen. Nach Ansicht einiger Hardliner, arbeitet der Protestantismus daran, die EOC zu demontieren. Zudem sind die Christen durch extremistische Vertreter der muslimischen Gemeinschaft herausgefordert, die beispielsweise für die Zerstörung von Kirchen und den Tod von Christen in der Ogaden-Region verantwortlich sind – und es ist wahrscheinlich, dass sie auch in der Zukunft eine Herausforderung darstellen werden.

Schlussfolgerung

Die zukünftige Perspektive der Christen in Äthiopien wird sich vermutlich wie folgt darstellen:

  • Die Verfolgung von Christen im Allgemeinen und die von Konvertiten und Protestanten im Speziellen wird sich fortsetzen, vor allem durch extremistische Muslime und Kreise der EOC.
  • Islamische Unterdrückung wird weiterhin zunehmen und eine Gefahr für die Situation der Christen darstellen.
  • Diktatorische Paranoia könnte nach einer Weile aufhören, eine Triebkraft der Verfolgung zu sein. Zunächst wird die neue Regierung wahrscheinlich damit beginnen, einige der vielen Beschränkungen zu lockern, mit denen die christliche Gemeinde durch Vorgängerregierungen belegt wurde.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Äthiopien:

  • Islamischer Extremismus ist weiterhin ein Problem in Äthiopien. Mit dem Aufstieg des Extremismus in der Region und darüber hinaus wurden verschiedene Gruppen von Christen zunehmend angreifbar für Druck in fast in allen Lebensbereichen. Beten Sie, dass die Christen inmitten dieser Schwierigkeiten hoffnungsvoll bleiben und nicht von Angst überwältigt werden. Beten Sie, dass sie die Kraft haben, trotz dieser Schwierigkeiten treue Zeugen für Christus zu sein.
  • Weite Teile der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche sind gegen evangelikale Christen eingestellt. Ihren Anhängern wird teilweise untersagt, mit Evangelikalen Umgang zu haben. Beten Sie, dass Jesus Christus sie immer tiefer in die Erkenntnis seines Wesens führt und ihnen hilft, sich ganz allein auf ihn zu verlassen. Beten Sie um Weisheit und Liebe für die evangelikalen Christen, damit sie durch ihren Umgang mit den orthodoxen Geschwistern Gott die Ehre geben
  • Auf der Suche nach "Wurzeln und Identität" sind einzelne und ethnische Gruppen Christen gegenüber feindlich gesinnt, die sich weigern, an den religiösen und kulturellen Riten der Stammesgemeinschaft teilzunehmen. Beten Sie um Standhaftigkeit für diese Christen. Beten Sie, dass das Evangelium verkündet wird und viele errettet werden. Beten Sie, dass sich die Christen nicht von der Furcht bestimmen lassen, sondern von der Liebe und einem vernünftigen Geist.
  • Im Jahr 2018 hat Äthiopien einen neuen Premierminister bekommen, der hart an der benötigten Reform arbeitet. Diese steht noch ganz am Anfang, und es bleibt abzuwarten, ob der Premierminister in der Lage sein wird, die Veränderungen dauerhaft durchzusetzen. Beten Sie für den Premierminister Abiy Ahmed, einem evangelikalen Christen, damit er mutig und in Weisheit das Land verändern kann. Beten Sie, dass Frieden in Äthiopien regiert.
  • Beten Sie für christliche Mitarbeiter um Schutz, wenn sie in abgelegene und gefährliche Gebiete reisen. Beten Sie um Weisheit in der Zusammenarbeit mit den örtlichen Gemeinden und dass Jesus Christus sie nutzt, um seine Gemeinde weiterzubauen.

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