Länderprofil Äthiopien

Äthiopien

39
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Äthiopien
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
28
ISO
ET
Karte Äthiopien
Christen
65,78
Bevölkerung
110.14
Islamische Unterdrückung
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Privatleben: 10.000
Familienleben: 9.200
Gesellschaftliches Leben: 10.600
Leben im Staat: 10.800
Kirchliches Leben: 10.400
Auftreten von Gewalt: 11.900

Länderprofil Äthiopien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 39 / 63 Punkte (WVI 2019: Platz 28 / 65 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

In Äthiopien sind alle christlichen Gemeinschaften von Verfolgung betroffen, einige Denominationen mehr als andere. Christen aus protestantischen Freikirchen erleben die härteste Verfolgung, sowohl von der Regierung als auch von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche (EOC). Christen mit muslimischem Hintergrund (vor allem im Osten und Südosten des Landes) und Christen, die ihre orthodoxe Denomination verlassen und sich einer anderen zugewandt haben, haben mit schwerer Misshandlung durch ihre Familien und Gemeinschaften zu kämpfen. In manchen Gegenden wird Christen der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verweigert und/oder sie werden aus der Gesellschaft ausgestoßen. An manchen Orten – wie Ogaden – greifen islamische Mobs Kirchen an.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • 9. Februar 2019: Einheimische Muslime griffen in Alaba 10 Kirchengebäude an, zerstörten ein Gebäude ganz und verbrannten die Einrichtung in sämtlichen anderen.
  • Die politische Instabilität im Land hat es einigen Gruppen ermöglicht, gegen Christen und Kirchen vorzugehen. Aufgrund dessen wurden 6 Christen in den Regionalstaaten Amhara, Oromia und SNNP (Southern Nations Nationalities and Peoples) getötet.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 63 Punkten liegt Äthiopien auf dem Weltverfolgungsindex 2020 auf Platz 39.

Äthiopien erreichte im Vorjahr 65 Punkte und Rang 28, wobei der Rückgang um 2 Punkte vor allem auf einen Rückgang der Gewaltpunktzahl von 13,5 auf 11,9 Punkte zurückzuführen ist. Auch der Druck hat ganz leicht abgenommen. Dies hat mit einer Reihe von Faktoren zu tun, u. a. mit der Tatsache, dass die Regierung nicht mehr so restriktiv vorgeht wie früher, und dass die gesellschaftliche Situation eher ethnisch als religiös geprägt ist – wobei mitunter beides eine Rolle spielt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung stellt eine echte Bedrohung für Christen dar, insbesondere in den von Muslimen dominierten Gebieten. Ein Experte für das Land berichtet: „Der islamische Extremismus ist in Äthiopien nach wie vor ein Problem. Da die islamischen Länder um die Vorherrschaft in Afrika wetteifern, investieren sie beträchtliche Mittel in die Ausbreitung des Islam. Die Gelder werden zur Errichtung von Schulen, für religiösen Unterricht sowie für direkte Hilfe an Bedürftige verwendet, wobei die Bekehrung zum Islam Bedingung ist.“ Mit dem Aufkommen des Extremismus in der Region und darüber hinaus nimmt der extremistische (oder politische) Islam auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene zu. Dabei sind verschiedene Gruppen von Christen in fast allen Lebensbereichen zunehmendem Druck ausgesetzt. Vor allem in ländlichen Gebieten mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung werden Christen belästigt, ihnen wird auch häufig der Zugang zu kommunalen Ressourcen verweigert.

Darüber hinaus werden Christen Opfer von Gewalt. Konvertiten vom Islam zum Christentum werden geächtet, Familienrechte wie Erbrecht und Sorgerecht werden ihnen häufig verweigert. Es ist auch wichtig festzustellen, dass die Ausbreitung des extremistischen Islam in den Nachbarländern Somalia und Sudan auf Äthiopien übergreift. Ein Experte für das Land sagte: „Die Einfluss der Triebkräfte von Verfolgung variiert von Region zu Region, vor allem in Abhängigkeit von der Anzahl der Muslime in einer bestimmten Region. Der nordöstliche Teil des Landes, hauptsächlich die Afar-Region, die östlichen Regionen einschließlich Somali, Dire Adwa und Harer sowie bestimmte Teile der Oromia-Region, werden von Muslimen dominiert. Dazu kommt der zentral-urbane Teil des Landes, allerdings nicht beschränkt auf Addis Abeba. In diesen Gebieten herrscht ein höheres Niveau der Verfolgung als in anderen Landesteilen. Bei Konflikten, die durch die Übergriffe islamischer und extremistisch-islamischer Gruppen in bestimmten Teilen des Landes entstanden sind, wurden Christen getötet und viele weitere verletzt. Viele mussten aus ihrer Heimat fliehen. In den letzten Jahren ist die Verbreitung islamisch-extremistischer Ansichten zu einem wachsenden Trend geworden. Die Verhaftung einiger Führer der muslimischen Gemeinschaft durch die Regierung macht die Situation noch schlimmer.“

Konfessioneller Protektionismus

Dies ist eine weitere Haupttriebkraft der Christenverfolgung im Land mit der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche (EOC) als wichtigster Akteurin. Ein Landesexperte berichtet: „Die EOC sieht sich als die einzig ‚wahre‘ christliche Konfession. Sie wehrt sich insbesondere gegen evangelikale Christen; die EOC betrachtet sie als Anhänger einer westlichen Religion, die eine Bedrohung für den äthiopischen Nationalismus und die äthiopische Kultur darstellt; beides zu bewahren, sieht die EOC seit langer Zeit als wichtige Aufgabe. Predigten und Lieder, in denen evangelikale Christen stark kritisiert werden, sind weit verbreitet. Priester und andere Lehrer in der EOC verurteilen offen jeden, der Kontakt mit Evangelikalen pflegt. Sie gehen manchmal so weit, ihren Mitgliedern zu verbieten, mit ‚den Heiden‘ auch nur zu sprechen. Auf der anderen Seite nehmen die Anfeindungen vonseiten der evangelikalen Kirchen gegen die EOC ebenfalls zu. So findet zwischen beiden ein hasserfüllter Schlagabtausch statt.“ Von der EOC ging ernsthafte Christenverfolgung aus. In der Folge haben einige EOC-Mitglieder ihre Kirche verlassen, meistens um protestantischen Kirchen beizutreten oder um sich einer der Erneuerungsbewegungen innerhalb der EOC anzuschließen.

Diese Verfolgung hat unterschiedliche Gesichter. Eine Variante sind tätliche Angriffe auf Christen anderer Konfessionen. Die EOC nutzt auch ihre Beziehungen zur Regierung, um das Wachstum nichtorthodoxer Kirchen zu hemmen. Zudem nimmt sie Einfluss auf die Regierung, damit Gesetze gegen die Ausbreitung des protestantischen christlichen Glaubens verabschiedet werden. Ein Beispiel hierfür ist das Gesetz zur Registrierung aller Kirchen außerhalb der EOC. Ein anderes Mittel ist die Nutzung der einflussreichen EOC-eigenen Medien, um Protestanten und Unterstützer der Erneuerungsbewegung zu verteufeln.

Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Wieder einmal kommt Verfolgung von der christlichen Mehrheitskonfession des Landes, der Orthodoxen Kirche. Dazu muss man auch erwähnen, dass nicht alle orthodoxen Gläubigen diese Meinung teilen. Von der Verfolgung betroffen sind hauptsächlich Anhänger christlicher Konfessionen, die erst seit relativ kurzer Zeit im Land existieren und vorwiegend protestantisch sind. Diese Form der Verfolgung ist am stärksten im Norden und Zentrum des Landes verbreitet, wo die Mehrheit der Bevölkerung zur Orthodoxen Kirche gehört. In diesem Zusammenhang ist auch zu beachten, dass diese Verfolgung extremer wird, je weiter man sich aus städtischen in ländlichere Gebiete des Landes bewegt.“

Diktatorische Paranoia

Unter der neuen Führung scheint zumindest bisher eine echte Bereitschaft zu bestehen, das Land in Richtung Demokratie zu reformieren. Die Maßnahmen des Landes veranlassten die US-Regierung sogar, Äthiopien für das Schwellenwertprogramm der Millennium Challenge Corporation (MCC) auszuwählen. So ist die Bewertung für diese Triebkraft in der Analytik des Weltverfolgungsindex 2020 von „stark“ auf „durchschnittlich“ gesunken.

In den Jahren vor der Wahl hatte die äthiopische Regierung immer stärkere autoritäre Züge entwickelt und dabei die Rechte der Zivilgesellschaft und religiöser Institutionen zunehmend eingeschränkt. Dahinter stand zum einen die Überzeugung, dass religiöse Gruppen die Menschen äußerst wirksam organisieren und sammeln können. Dies wiederum führte zur Sorge, derartige Aktivitäten könnten theoretisch auch für einen Umsturz genutzt werden. Zum anderen hielt die Regierung Protestanten im Allgemeinen und freikirchliche Protestanten im Besonderen für gefährlich. Sie unterstellte ihnen, diese seien ausländische Spione, die einen Regimewechsel anstrebten. Es existierten allerdings keinerlei Beweise, um diesen Verdacht zu stützen. Zum Dritten vermutete die Regierung in den Reihen der EOC eine beträchtliche Anzahl von Leitern, die oppositionelle Gruppen unterstützten. Demzufolge verabschiedete die Regierung diverse Gesetze, um die Betätigungsmöglichkeiten für religiöse Gruppen spürbar einzuschränken. Dazu zählen etwa das Verbot, Sendeanstalten für religiöse Zwecke zu betreiben, und das Verbot, Religionsunterricht oder andere Aktivitäten an Schulen anzubieten. Solche Verbote schränken die Freiheit der Christen ein, zu beten, zu predigen und zu unterrichten. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ stuft das Land in seinem Bericht von 2018 daher als „nicht frei“ ein.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Im letzten Vierteljahrhundert hat ethnisch orientierte Politik große Auswirkungen auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens im Land nach sich gezogen. Dieser politische Diskurs propagierte die Suche nach „Wurzeln und Identität“ und führte zu einer feindseligen Haltung einzelner wie auch ganzer Gruppierungen gegenüber Christen. Bis 1974 stand die EOC für die Staatsreligion. Ab 1974 befand sich das Land unter kommunistischer Herrschaft, die nach einem 17-jährigen Bürgerkrieg schließlich im Jahr 1991 von einem Bündnis mehrerer ethnischer Gruppen beendet wurde. Damals wurde den ethnischen Gruppen Anerkennung und Schutz ihrer eigenen Kultur und Identität zugesichert. Dies geschah im Rahmen der äthiopischen Übergangsverfassung, einer Reihe von Statuten, die nach dem Fall des kommunistischen Regimes 1991 verabschiedet wurden. Was anfangs politisch sinnvoll und richtig erschien, mündete schließlich darin, dass die Regierung unter einigen ethnischen Gruppen Ressentiments gegen Christen schürte. In Regionen wie Afar oder Somali (Ogaden) sind Islam und Stammeszugehörigkeit untrennbar miteinander verbunden. Manche Stämme verlangen zudem, dass Christen sich an Stammeskämpfen beteiligen und rächen sich, falls sie dies nicht tun.

So berichtet ein Experte für das Land: „Obwohl die Bevölkerung mehrheitlich einer der beiden Hauptreligionen (Christentum oder Islam) angehört, werden in manchen Landesteilen traditionelle Religionen praktiziert. Von hier lebenden Menschen wird erwartet, sich an allen religiösen und kulturellen Riten der Gemeinschaft zu beteiligen. Wer dem nicht nachkommt, wird vertrieben. Doch auch unter Christen und Muslimen ist die Ausübung schwarzer Magie weit verbreitet. So werden Neugeborene üblicherweise dem örtlichen Zauberer geweiht.“

3. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Viele muslimische religiöse Leiter stimmen stillschweigend oder ausdrücklich, etwa durch ihre Predigten, der Diskriminierung von Christen zu und rufen sogar zur Gewalt gegen Christen auf.
  • (Groß-)familie: Die Familien von Christen muslimischer Herkunft nehmen es nicht hin, dass ein Familienmitglied den Islam verlässt und dem Christentum folgt. Deshalb meiden sie Konvertiten, schikanieren und verleugnen sie.
  • Regierungsbeamte: In der Region Ogaden wurden mit der Zustimmung ehemaliger Regionalbeamten Gemeindeleiter ermordet und die Kirchen verbrannt.
  • Gewöhnliche Bürger: In einigen muslimische dominierten Teilen des Landes lehnen normale Bürger den christlichen Glauben und jegliche Missionsbemühungen ab, besonders aber Konversion.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Leiter anderer Kirchen: Zu den Verfolgern gehören Priester, ultra-konservative Gruppen innerhalb der EOC, Familien und gewöhnliche Bürger. In Bezug auf die Rolle von orthodoxen Kirchenleitern und deren Mitgliedern berichtet ein Länderexperte: „Die religiöse Zusammensetzung des Landes erfährt einen deutlichen Wandel wegen des rapiden Wachstums neuer christlicher Glaubensrichtungen, besonders der protestantischen Gemeinden. Solch ein starkes Wachstum wird von den Leitern und Anhängern der Orthodoxen Kirche nicht gutgeheißen. Widerstand gegen diese neuen Formen des christlichen Glaubens zeigt sich auf verschiedenen Ebenen durch die Reaktionen sowohl von Leitern als auch von Mitgliedern der Orthodoxen Kirche. Die Vereinigung mit dem Namen 'Mahibere Kidusan' veröffentlicht seit Jahren Brandschriften und abfällige Artikel gegen protestantische Christen. In der Hauptstadt und in anderen großen Städten und Gebieten wie im Süden und Südwesten des Landes, wo die neuen Formen der christlichen Kirchen stärker wachsen, hat sich die Situation etwas gebessert.“
  • Gewöhnliche Bürger: Auch an der Verfolgung anderer kirchlicher Gruppen, insbesondere der protestantischen Kirche, haben sich einfache Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Ein Experte für das Land fasst zusammen: „Trotz des Anspruchs auf ein friedliches Zusammenleben der verschiedenen Religionen im Land sprechen die Fakten vor Ort eine andere Sprache. Aus einer Reihe von Gründen, u.a. wegen der Lehren von religiösen Leitern und der mangelnden Auseinandersetzung mit religiöser Vielfalt, ist es sehr üblich, dass sich Privatpersonen an Gewalt- und Verfolgungshandlungen gegen Christen beteiligen. Angriffe von Teenagern auf protestantische Kirchen; die Weigerung, Gebäude zur Nutzung als Kirche zu vermieten; die Misshandlung von Christen, die versuchten, das Evangelium an öffentlichen Orten zu predigen (sowohl verbale als auch körperliche Misshandlungen) und viele andere Formen der Verfolgung werden von Einzelpersonen und Mobs verübt“.
  • Familie: Berichten zufolge werden Familienmitglieder, die konvertieren oder vom orthodoxen zum evangelischen Glauben übertreten, von anderen Mitgliedern unter Hausarrest gestellt, gemieden, verleugnet und vom Erbe ausgeschlossen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Verfolger in diesem Bereich sind die Regierung und Regierungsbeamte, wenngleich ihre Beteiligung an der Verfolgung von Region zu Region stark variiert. Besonders Beamte der mittleren und niedrigen Ebene gehen gegen die sogenannten neuen Formen des christlichen Glaubens vor. Örtliche Amtsträger haben besonders viel Einfluss auf Alltagsaktivitäten und sind somit stärker an der Verfolgung von Christen beteiligt. Dazu gehört unter anderem auch das Verweigern von Genehmigungen für Gottesdienste und andere christliche Treffen.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Verfolgung geht hier von den Anführern der Gemeinschaften aus. Diese Triebkraft der Verfolgung entfaltet ihre Wirkung vor allem in ländlichen Gebieten und verbindet sich mit der Triebkraft der Islamischen Unterdrückung – einige Verfolger lassen sich daher beiden Triebkräften zuordnen. So ist in der Afar- oder Somali-Region beispielsweise der islamische Glaube Voraussetzung für die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Ein Experte für das Land stellte fest: „Dies ist vor allem in relativ abgelegenen Teilen des Landes der Fall, wo die Anführer der ethnischen Gruppen großen Einfluss haben. In einigen mehrheitlich muslimischen Gebieten gibt es Fälle, in denen die Führer der ethnischen Gruppen aktiv für die Verfolgung der Christen in dem Gebiet eintreten. Dies führte in solchen Gebieten zu tätlichen Angriffen, Vertreibung und Ermordung von Christen. Die Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in verschiedenen Teilen des Landes haben negative Auswirkungen auf das Leben der Christen, die allein aufgrund ihres ethnischen und religiösen Hintergrunds von Angriffen bedroht sind. Es ist nicht abzusehen, dass sich daran bald etwas ändern wird.“

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In welchen Regionen Äthiopiens die Verfolgung am stärksten ist, hängt davon ab, welche Triebkräfte der Verfolgung jeweils dominieren. So liegt der Brennpunkt der Verfolgung als Folge von konfessionellem Protektionismus in der Region Amhara, in Tigray und in einigen Teilen von Oromia. Islamische Unterdrückung und die davon ausgehende Verfolgung sind in einigen Teilen von Ost-Oromia, in Afar und in der Ogaden-Region am stärksten ausgeprägt.

5. Betroffene Christen

Alle Christen, die in Äthiopien leben, sind von Verfolgung betroffen, doch das Ausmaß der Verfolgung variiert von Gruppe zu Gruppe.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die EOC ist ein typisches Beispiel für diese Kategorie und ist überall im Land stark präsent. Sie ist einer der Faktoren, die zur Komplexität der Verfolgungsdynamik in Äthiopien beitragen; einerseits wird die EOC selbst verfolgt, andererseits spielt sie aber auch eine zentrale Rolle als Verfolger. Orthodoxe Christen werden vor allem von der Regierung und extremistischen Muslimen verfolgt. Auch in Gebieten, in denen das Stammessystem dominiert, herrscht Druck auf die EOC. Orthodoxe Christen leben vor allem in Nord- und Zentraläthiopien. Auch Christen, die in muslimisch dominierten Regionalstaaten (Harrari, Somalia, Afar) sowie in lokalen Gemeinschaften (z.B. unter den Silte) leben, haben mit Problemen zu kämpfen, wenn es darum geht, ihren christlichen Glauben zu leben.

Christen muslimischer Herkunft

Konvertiten sind 1) ehemalige Muslime, 2) Christen, die sich von einer christlichen Konfession ab- und zu einer anderen hingewandt haben und 3) Menschen, die früher einer Stammesreligion angehörten und jetzt Jesus Christus nachfolgen. Diese Christen sind unterschiedlichen Triebkräften der Verfolgung ausgesetzt. In muslimisch dominierten Gebieten werden ehemalige Muslime besonders von Familie, Großfamilie, Leitern der örtlichen Gemeinschaft und nichtchristlichen religiösen Leitern verfolgt. In Gebieten, die stark von der EOC geprägt sind, geht die Verfolgung hauptsächlich von den Anhängern der EOC aus.

Diese Gruppe von Christen erfährt auch Verfolgung durch die Regierung, und zwar in allen Landesteilen. In Gebieten, in denen es verstärkt zu ethnisch begründeten Anfeindungen kommt, droht christlichen Konvertiten Verfolgung vonseiten der Anhänger traditioneller Glaubenssysteme; hinzu kommen Muslime, die versuchen, Konvertiten zur Teilnahme an verschiedenen religiösen Aktivitäten zu zwingen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören die in Äthiopien sehr stark vertretenen baptistischen, evangelikalen und Pfingstgemeinden. Solche Gemeinden sind starker Verfolgung ausgesetzt, vor allem durch die Regierung, die EOC und islamische Gruppen. Im Vergleich zu anderen Formen des Christentums wachsen diese Gemeinden sehr schnell. Ein Experte für das Land stellt fest: „Viele Gebiete des südlichen Äthiopiens, sowie Teile von Oromia, werden von Evangelikalen/Protestanten dominiert. Als die Mehrheit in diesen Kommunen sind sie keiner Verfolgung ausgesetzt. Aber Protestanten, die in Landesteilen leben, die vor allem von Muslimen und orthodoxen Christen bewohnt werden, haben mit verschiedenen Formen der Verfolgung zu kämpfen.“ Diese christlichen Denominationen werden von vielen als Bedrohung angesehen, da ihre Zahl und ihr Einfluss ständig wachsen. Infolgedessen werden sie von vielen Seiten verfolgt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 10
Familienleben 9.2
Gesellschaftliches Leben 10.6
Leben im Staat 10.8
Kirchliches Leben 10.4
Auftreten von Gewalt 11.9

Grafik: Verfolgungsmuster Äthiopien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Äthiopien liegt mit 10,2 Punkten auf einem hohen Niveau. Dieser Wert ist ähnlich dem des Weltverfolgungsindex 2019, als das Land 10,3 Punkte erreichte.
  • Mit Ausnahme des Lebensbereichs Familie gibt es keinen Lebensbereich, in dem der Druck auf Christen weniger als 10 Punkte beträgt. Dies zeigt, dass – obwohl Äthiopien ein mehrheitlich christliches Land ist – äthiopische Christen in hohem Maße verfolgt werden.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt sank um 1,6 Punkte, von 13,5 Punkten im Vorjahr auf 11,9 Punkte. Der Hauptgrund für diesen Rückgang ist, dass im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 weniger Christen getötet wurden.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Ein Religionswechsel (auch ein Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) wird abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt: Familienmitglieder und das soziale Umfeld sehen die Bekehrung oft als Verrat am Glauben oder an den Vorfahren. Ein Experte für das Land stellt fest: „Der traditionelle und familienzentrierte Charakter des Landes spielt eine wichtige Rolle, wenn man verstehen will, warum Bekehrung zutiefst abgelehnt wird. Wenn es um die Anhänger der ältesten Religionen der Nation geht, sind Religion und Kultur infolge der jahrtausendealten Praxis sehr stark miteinander verflochten. In einigen Fällen ist es sehr schwierig zu unterscheiden, worum es sich im Einzelfall handelt. Gibt jemand seine Religion auf und wendet sich einer anderen Religion zu, sieht er sich daher einem immensen Druck vonseiten seiner Kernfamilie ausgesetzt. Bekehrung wird als Ablehnung der eigenen Identität und der Verbindung mit den Vorfahren angesehen. Auch die Familienmitglieder wollen ihren Ruf innerhalb ihres sozialen Umfelds schützen und nicht als Familie eines Abtrünnigen bezeichnet werden. Dies gilt nur für Familienmitglieder. Außerhalb ihres Familienverbandes wird es für Konvertiten oft dramatischer, wenn sie mit den Reaktionen der Anhänger der Religion konfrontiert werden, von der sie sich losgesagt haben.“             
    Ein weiterer Experte für das Land stellt fest: „Ein entscheidender Faktor ist die Frage, ob es sich um ein städtisches oder ländliches Gebiet handelt. In den vereinzelten (relativ) großen Städten zieht der Wechsel von einer christlichen Konfession zur anderen weniger gravierende Folgen nach sich; häufig gibt es nur Widerstand von einigen Familienmitgliedern. Doch in ländlichen Gebieten ist die soziale Bindung so stark, dass ein Konfessionswechsel sehr wahrscheinlich große Empörung und Verfolgung auslöst.“ Die Situation unterscheidet sich zudem je nach Region: Der Norden Äthiopiens beispielsweise ist die Hochburg der EOC. Wenn dort jemand von der orthodoxen Konfession zu einer protestantischen übertritt, wird diese Person oft vom gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt oder gar gezwungen, die Ortsgemeinschaft ganz zu verlassen. Wo aber der Protestantismus die Norm ist, wie in Südäthiopien und in Teilen von Oromia, müssen Konvertiten keine Verfolgung in diesem Ausmaß befürchten.
  • Es ist gefährlich, christliche Materialien privat zu besitzen oder aufzubewahren: Für Menschen, welche die EOC oder den Islam verlassen haben, ist der Besitz von christlichem Material besonders gefährlich, da sie oft bei ihren Familien oder innerhalb ihres sozialen Umfeldes leben. Wenn solches Material entdeckt wird, werden Christen in einigen Fällen angegriffen und auf Schwierigkeiten stoßen, wenn sie zum Beispiel versuchen, ein Haus zu mieten. Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Es gibt keine gesetzliche Beschränkung für Christen, christliche Materialien privat zu besitzen. Es gibt jedoch Vorfälle, bei denen Christen angegriffen wurden, weil sie ‚Versionen‘ der Bibel besaßen, die gemäß der Lehre der christlichen Mehrheitskirche unzulässig sind oder weil bei ihnen Kopien von modernen christlichen Liedern gefunden wurden.“
  • Es ist für Christen riskant, ihrem persönlichen Glauben schriftlich Ausdruck zu verleihen (einschließlich in Blogs und Facebook usw.): Öffentliche Glaubensäußerungen führen mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Problemen. Ein Experte für das Land stellt fest: „Cyber-Mobbing gegen Christen, die sich im Internet über ihren Glauben äußern, nimmt zu. Die wachsende Zahl der Internetnutzer hat zur Verbreitung der christlichen Lehre beigetragen. Er hat allerdings auch dazu geführt, dass die Fälle sich häufen, in denen Christen, die religiöse Inhalte einstellen, anonym beschimpft werden.“
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Das Zeigen von christlichen Symbolen (wie z.B. einem Kreuz) kann von einigen als Provokation angesehen werden. Ein Experte für das Land erklärt: „In Gebieten mit mehrheitlich christlicher Bevölkerung ist dies unproblematisch. Allerdings kann es in bestimmten abgelegenen, muslimisch dominierten Regionen gefährlich werden. In bestimmten Teilen des Landes ist es kaum damit zu rechnen, dass die Regierung Minderheitenchristen schützt. und es kann sehr gefährlich sein, anderen Personen christliches Material zu zeigen. Abgesehen von anderen Formen von Angriffen auf Christen wurden schon Autos verbrannt, Windschutzscheiben zertrümmert, Fenster und Türen von Häusern zerbrochen – nur aufgrund der Tatsache, dass Christen christliche Symbole gezeigt oder getragen haben.“

Familienleben

  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: In einigen Gegenden werden christliche Kinder oft ausgesondert und schikaniert, eingeschüchtert und manchmal angegriffen. In muslimisch geprägten Gebieten sind die Kinder verpflichtet, islamische Schulen zu besuchen.
  • Ehepartner von Konvertiten werden von anderen unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (mit oder ohne Erfolg): Wenn ein Christ mit orthodoxem Hintergrund die EOC verlässt und sich einer protestantischen Gruppe (örtlich Pentay genannt) anschließt, üben Familienmitglieder, Priester und fanatische Gruppen innerhalb der EOC Druck auf diese Person aus, damit sie zu ihrem früheren Glauben zurückkehrt. Manchmal wurden Menschen, nachdem sie die orthodoxe Kirche verlassen hatten, vor Beitritt in eine protestantische Gemeinde gezwungen, sogenannt „heiliges Wasser“ zu trinken, in der Annahme, dass der Bekehrte von einem Dämon besessen sei.
  • Beerdigungen von Christen werden behindert oder unter Zwang anhand nicht-christlicher Riten durchgeführt: Es ist sehr schwierig, sowohl in muslimischen als auch in von den EOC dominierten Gebieten Bestattungsplätze zu erhalten. Ein Experte für das Land erklärt: „Es gibt Fälle, in denen Anhängern so genannter ‚neuer Formen des Christentums‘ die Bestattung ihrer Angehörigen auf christlich-orthodoxen Friedhöfen verweigert wurde, allein aufgrund ihrer anderen Konfession.“
  • Christen werden aus religiösen Gründen daran gehindert, eine christliche Hochzeit zu feiern: Ein Experte für das Land nennt dieses Beispiel: „Wenn ein Christ eine muslimische Partnerin heiraten möchte oder die Brautleute aus unterschiedlichen christlichen Konfessionen stammen und die Hochzeit in seiner/ihrer Kirche stattfinden soll, kann es zu Protesten durch die Familie des Partners kommen. Ein weiteres Problem ist das Vortragen nichtchristlicher Musik auf Hochzeiten: Da die meisten Protestanten in Äthiopien nichtchristliche Musik für Sünde halten, kann es auch in diesem Bereich zu Konflikten zwischen den Familienmitgliedern kommen.“

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder schikaniert (z. B. weil sie sich nicht an die Mehrheitsreligion oder traditionelle Kleiderordnungen, Bartregeln usw. halten): Dieser Lebensbereich ist für Christen aufgrund von Konfessionellem Protektionismus und Islamischer Unterdrückung mit besonders schwerwiegenden Problemen behaftet. In einer durch dörfliche Strukturen geprägten Gesellschaft wie Äthiopien spielen religiöse Unterschiede in vielerlei Hinsicht eine entscheidende Rolle. In von der EOC geprägten Regionen üben Familie, Ortsgemeinschaft und Kirchenleiter erheblichen Druck auf Anhänger protestantischer Freikirchen und auf Christen aus, die die EOC verlassen haben. Belästigung ist eine der Herausforderungen, mit denen sehr viele Christen zu kämpfen haben. Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Es ist nicht neu, dass in abgelegenen und mehrheitlich muslimischen Teilen des Landes (dazu zählen unter anderem die Regionen Somali, Afar und Oromia) Christen, die einer Minderheit angehören, Diskriminierungen und Schikanen ausgesetzt sind.“
  • Christen werden aus religiösen Gründen daran gehindert, am öffentlichen Leben, Foren usw. teilzunehmen: Die Teilnahme an gemeinschaftlichen Ereignissen setzt mitunter informelle Anforderungen voraus. So berichtet ein Experte für das Land: „In mehrheitlich orthodoxen Gebieten sind evangelikale Christen und Christen aus Pfingstgemeinden mit einer Vielzahl von Problemen konfrontiert. Sie dürfen nicht an gemeinschaftlichen Ereignissen oder gesellschaftlichen Zusammenkünften teilnehmen. Sie haben Probleme, für ihre Kinder sichere Schulen zu finden. Es kann auch zu weiteren Behinderungen des Alltags kommen, etwa bei Marktbesuchen; besonders während der großen Fastenzeiten der EOC ist es mitunter nahezu unmöglich, von den Fastenregeln ausgenommene Lebensmittel zu finden. In extremen Fällen bleibt ihnen nur die Möglichkeit, das Gebiet zu verlassen.“
  • Christen drohen Entführung und/oder Zwangsheirat: Äthiopien ist ein Land, in dem Brautentführung und Zwangsverheiratung üblich sind. Dies gewinnt noch an Brisanz, wenn zusätzlich religiöse Fragen eine Rolle spielen. Ein Experte für das Land berichtet: „Entführung und Zwangsheirat sind große Probleme im ganzen Land. Die Zwangsverheiratung von Kindern im zarten Alter von elf Jahren war und ist in den ländlichen Gebieten des Landes weit verbreitet. Dies hat zwar vor allem mit Kultur zu tun, doch sollte hier auch erwähnt werden, dass christliche Jugendliche nach Entführung oder aufgrund familiärer Arrangements bis heute gezwungen werden, einen Andersgläubigen zu heiraten und damit ihre eigene Religion aufzugeben.“
  • Christen werden von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.): In einigen Gebieten werden Christen von Mitgliedern ihrer Ortsgemeinde überwacht, die manchmal sogar Kinder zur Überwachung in Kirchen und in die Privathäuser von Christen schicken. Besonders Protestanten haben mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen. Ein Experte für das Land stellt fest: „Das Misstrauen gegenüber ‚neuen Formen des Christentums‘ ist immer noch weit verbreitet. Dieses Misstrauen führt oft dazu, dass Ortsgemeinden die Aktivitäten von christlichen Gemeinden und ihren Mitgliedern überwachen. Dazu gehört auch der Einsatz von verdeckten Beobachtern, welche die Aktivitäten der Kirchen vor allem während der Gebetszeiten und Gottesdienste ausspionieren. Obwohl die Mittel der Überwachung nicht sehr komplex sind, gelingt es Mitgliedern und Anführern der Ortsgemeinden immer wieder, christliche Gemeinden zu überwachen – besonders diejenigen, die als Neuankömmlinge betrachtet werden.“

Imame, Lehrer aus Koranschulen und andere lokale Verantwortungsträger machen Christen muslimischer Herkunft das Leben beständig schwer. Mancherorts wird ihnen die Nutzung kommunaler Ressourcen verwehrt. In anderen Gegenden werden Christen an ihrem Arbeitsplatz bewusst übergangen oder diskriminiert. Christen dort sind daran gewöhnt, innerhalb ihres Lebensumfelds als unerwünscht wahrgenommen zu werden. Manchmal wird Christen, besonders Christen muslimischer Herkunft, in der Erntezeit jegliche Hilfe verweigert, während sich andere Dorfbewohner gegenseitig beim Einholen der Ernte unterstützen.

Leben im Staat

  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern: Nationale Gesetze schränkten die Einrichtung von Rundfunkstationen für religiöse Zwecke ein. Auch ein Verbot religiöser Aktivitäten (einschließlich des gemeinschaftlichen Gottesdienstes) innerhalb von Bildungseinrichtungen wurde umgesetzt. Auch wenn es seit den Reformen der neuen Regierung inzwischen Verbesserungen gegeben hat, stellt freie Meinungsäußerung immer noch eine Herausforderung dar. Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Konvertiten und Anhänger christlicher Minderheitengruppen haben es besonders schwer, ihre Meinung öffentlich zu äußern. Das trifft sowohl auf traditionell-christliche als auch auf muslimisch geprägte Teile des Landes zu. Verantwortlich für die Schikanen gegen Christen aufgrund solcher öffentlichen Meinungsäußerungen sind Privatleute, andere religiöse Gruppen und Strafverfolgungsbehörden.“ Angesichts des veränderten politischen Umfelds erwarten viele, dass alle christlichen Konfessionen (und andere Glaubensrichtungen) künftig dazu ermutigt werden, einander mehr Toleranz entgegenzubringen.
  • Christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien werden aufgrund ihrer christlichen Überzeugungen in ihrer Arbeit behindert oder verboten: Seit vielen Jahren sind in Äthiopien keine neuen politischen Parteien mehr gegründet worden. Sollte es dazu kommen, würde dies unweigerlich Streitereien und Spaltungen auslösen. Zivilgesellschaftliche Organisationen stehen vor großen Herausforderungen, wenn sie in bestimmten Bereichen tätig werden wollen. Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Dies ist vor dem Hintergrund des von der Bundesregierung erlassenen Gesetzes über zivilgesellschaftliche Organisationen zu sehen, welches – gelinde gesagt – sehr restriktiv ist. Solche Gesetze wurden von den Mitgliedern dieser Organisationen stark kritisiert und viele von ihnen mussten sich auflösen. Auch diejenigen, die noch handlungsfähig sind, sind aufgrund der verschiedenen durch die geltenden Gesetze geregelten Bestimmungen stark eingeschränkt. Es gibt jedoch einen Gesetzesentwurf, der die meisten Beschränkungen des aktuellen Gesetzes aufheben wird.“
  • Christen werden bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert: Die Diskriminierung durch Behörden ist offensichtlich, besonders auf lokaler Ebene. In den von der EOC dominierten Gebieten gibt es Hinweise auf konfessionelle Diskriminierung, da nicht-orthodoxe Christen oft an den Rand gedrängt werden. In mehrheitlich muslimischen Regionen ist dies ebenfalls häufig der Fall.              
    Ein Experte für das Land fügt hinzu: „Dies ist vor allem im Bereich der Kommunalverwaltungen der Fall, insbesondere in Regionen mit muslimischer Mehrheitsbevölkerung. In solchen Gebieten gibt es eine Tendenz, muslimische Einwohner auf Kosten der Christen zu bevorzugen. Die ethnischen Spannungen, die in Äthiopien in letzter Zeit überhandgenommen haben, machen den Christen in muslimisch dominierten Landesteilen wie der Somali-Region das Leben schwer.“
  • Christen werden zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden: Dieses Problem ist in Äthiopien sehr verbreitet. Ein Experte für das Land berichtet: „Dies ist gängige Praxis, vor allem unter religiösen Leitern. Es wurden Lehren und Videos von einigen muslimischen Predigern in Umlauf gebracht, die Hassreden gegen Christen halten. Auch unter Christen ist es üblich, dass Priester der EOC Verleumdungskampagnen gegen Pfingstler/Evangelikale durchführen, indem sie diese mit abfälligen Begriffen bezeichnen und sie als Menschen darstellen, die ihren Glauben nur vortäuschen, um ausländische Hilfe zu erhalten. Einige Pfingstprediger machen auch Aussagen gegen die Orthodoxen und stellen sie als rückständig dar.“

Kirchliches Leben

  • Pastoren, christliche Leiter oder deren Familienmitglieder werden wegen ihres Glaubens in besonderem Maß zum Ziel von Schikanen: Dies ist in Äthiopien sehr verbreitet, besonders in Gebieten, die von islamischer Unterdrückung und konfessionellem Protektionismus geprägt sind. Andere können ihren Glauben verbergen, aber Pastoren können dies aufgrund der Art ihrer Arbeit nicht. Ein Experte für das Land stellt fest: „Pastoren und andere religiöse Leiter werden zu verschiedenen Zeiten sowohl verbal in den sozialen Medien als auch körperlich von extremistischen Gruppen angegriffen. Mitglieder der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche sind davon weniger stark betroffen. Pastoren und Leiter von Pfingstgemeinden erleben solche Schikanen in der Regel in ihrer Kirche, auf der Straße und zu Hause.“
  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder blockiert: In der Vergangenheit war die Regierung die Hauptakteurin bei der Überwachung der Aktivitäten von Kirchen. Seit dem Führungswechsel auf Bundesebene sind es vor allem die regionalen Regierungen, die sich an solchen Aktionen beteiligen. Die Überwachung und Behinderung erfolgt durch andere nichtstaatliche Akteure, darunter auch radikal-islamische Gruppen, andere Kirchen und Mobs. An einigen Orten wurden Kirchen während der Gottesdienste angegriffen und Eigentum zerstört.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren: Für einige Gruppen von Pfingstlern und Evangelikalen sind die Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude eingeschränkt. Darüber hinaus ist es in muslimisch dominierten Gebieten am wahrscheinlichsten, dass Bekehrte ihren Glauben verbergen und Aktivitäten außerhalb ihrer Kirche aus Angst vor Angriffen vermeiden. Ein Länderexperte fügt hinzu: „In Gegenden, wo Christen (besonders Pfingstler) in der Minderheit sind, werden die jeweiligen Leiter als Hauptverantwortliche für das 'Verderben' gesellschaftlicher Werte angesehen und oft noch stärker verfolgt als die Konvertiten selbst. Die Mitglieder der Gemeinschaft würden zu verschiedenen Mitteln greifen, um solche Leiter dazu zu bringen, das Gebiet zu verlassen, bevor mehr Schaden angerichtet wird; sie müssen oft im Verborgenen leben.“ Die neue Regierung unter der Führung von Dr. Abiy Ahmed versucht, einige der Einschränkungen aufzuheben, die von der vorherigen Regierung auferlegt wurden. Zum Beispiel wird das restriktive Zivilgesellschaftsgesetz aufgehoben.
  • Es ist für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen: Wenn der Anstifter die Regierung ist oder jemand, der eine starke Verbindung zur Regierung hat, ist es sehr riskant, sich gegen diese Person auszusprechen. Auch in muslimischen Mehrheitsgebieten ist es riskant, sich gegen Anstifter von Verfolgung zu äußern; daher sehen viele Gemeindeleitungen davon ab.

Auftreten von Gewalt

  • In verschiedenen Teilen des Landes wurden Christen ermordet. Dies zeigt, dass die Instabilität, die im August 2018 zum Tod von über zwanzig Christen in der Region Ogaden führte, noch immer besteht. Laut Recherchen von Open Doors vor Ort wurden sechs Christen in Amhara, Oromia und dem Regionalstaat der südlichen Nationen, Nationalitäten und Völker (SNNP) getötet.
  • Trotz der Hoffnung auf Veränderung im Land durch den neuen Premierminister wurden viele Christen von islamischen Gruppen und einigen ethnischen Gruppen wegen ihres Glaubens angegriffen. In Teilen der Ogaden-Region und in Süd- und Ost-Oromia wurden Hunderte von Christen wegen ihres Glaubens angegriffen. Dabei wurde Eigentum beschädigt, und einige mussten ihre Häuser verlassen.

Ähnlich den Vorfällen in der Region Ogaden im August 2018 wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 viele Kirchen angegriffen und zerstört. Viele orthodoxe Kirchen wurden während der ethnischen Spannungen im Oktober 2019 zur Projektionsfläche des Zorns.             
In einigen Teilen der östlichen und südlichen Oromia-Region besteht die Auffassung, dass Amhara orthodox und orthodox Amhara bedeutet; was nicht unbedingt stimmt. Daher wirkt sich jeder ethnische Konflikt in diesen Teilen Oromias oft auf die orthodoxe Kirche aus. So wurden aufgrund dieser Wahrnehmung viele Kirchen angegriffen und zerstört. Gerüchte führten auch zur Zerstörung von Kirchen und kirchlichem Eigentum im südlichen Teil Äthiopiens. Es wurde berichtet, dass am 9. Februar 2019 mindestens 10 Kirchen in der Stadt Alaba Kulito in Brand gesteckt wurden. Auslöser für dieser Angriffe war ein Gerücht, demzufolge eine oder mehrere Moscheen in der Gegend niedergebrannt worden waren. Dies entsprach jedoch nicht der Wahrheit.

  • Bei den oben erwähnten Angriffen auf Kirchen wurde auch Eigentum von Christen beschädigt und zerstört, wie z. B. Geschäfte und Motorräder. Die Instabilität im Land hat die Christen in einigen Gebieten besonders verwundbar gemacht. In einigen Teilen der Regionen Oromo, SSNP und Amhara wurden auch christliche Häuser und Geschäfte überfallen, geplündert und bis auf die Grundmauern niedergebrannt.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Die Verfolgung von christlichen Frauen in Äthiopien erfolgt oft in Form von Entführung und Zwangsheirat mit einem Nichtchristen. Aufgrund der Tatsache, dass Entführung und Zwangsheirat weiterhin gang und gäbe sind, obwohl sie 2016 per Gesetz verboten wurden, erregen solche Vorfälle allgemein kaum Aufsehen. Zwangsverheiratungen von Mädchen im Alter von nicht mehr als elf Jahren kommen nach wie vor relativ häufig vor, und Quellen belegen, dass dies besonders in ländlichen Gebieten geschieht. Vor allem in diesen Gebieten werden christliche Teenager (und insbesondere Konvertitinnen) gezwungen, einen andersgläubigen Mann zu heiraten. Das geschieht entweder nach einer Entführung oder im Rahmen einer von ihrer Familie arrangierten Heirat. Nach ihrer „Eheschließung“ wird von der christlichen Frau erwartet, dass sie die Religion ihres neuen Mannes annimmt.

Auch Vergewaltigung (ohne damit einhergehende Zwangsheirat) ist ein wirksames Mittel, um eine christliche Frau oder ein christliches Mädchen zu bestrafen. Die Folge ist, dass die Gemeinschaft sie isoliert, sie nicht mehr heiraten oder eine Ausbildung machen kann und ihre Familie unter der Schande leidet.

Eine der häufigsten Formen der Verfolgung von Konvertitinnen besteht darin, dass die Familienmitglieder sie vom Rest der Familie isolieren. Manchen Christinnen wird außerdem die Teilnahme an Gottesdiensten oder anderen christlichen Treffen untersagt. Das gilt besonders für bei den Eltern lebende Kinder (auch wenn sie bereits volljährig sind). Es kommt auch vor, dass Bekehrte häusliche Gewalt erleiden, aus dem Elternhaus vertrieben werden und Morddrohungen erhalten.

Wenn eine verheiratete muslimische Frau zum Christentum konvertiert, ist höchstwahrscheinlich Scheidung die Folge. Selbst wenn ihr Ehepartner keine Scheidung anstrebt, wird die Familie ihn dazu drängen, um den Familiennamen und ihre Kinder vor „verderblichen Einflüssen“ zu schützen.

In Gegenden, in denen das Christentum eine Minderheitsreligion ist, findet eine (de facto) Scheidung am ehesten außerhalb der Gerichtssäle statt; die Ältesten, die einem Stammesgericht vorstehen, sehen den christlichen Glauben als gefährliche Abweichung und sprechen das Sorgerecht in aller Regel dem anderen Ehepartner zu, um die Ausbreitung des christlichen Glaubens in der Gemeinschaft zu verhindern.

Christen haben oft Schwierigkeiten, nach ihrer Bekehrung ihre Erbansprüche geltend zu machen; Berichten zufolge betrifft dies hauptsächlich Frauen. Von den 79 % der Bevölkerung, die in ländlichen Gebieten leben, wird das Erbe als eine der wichtigsten Sicherungen des Lebensunterhalts angesehen. Über der Anwendung des Erbrechts wachen generell offizielle staatliche Institutionen, sodass bei diesen Vorgängen kaum religiöse Diskriminierung stattfindet. (Eine religiöse Bekehrung würde nicht als ausreichender Grund für Eltern angesehen, ihre Kinder zu enterben). In Gebieten, in denen noch traditionelle Systeme vorherrschen, oder in den vielen Fällen, die nicht den offiziellen staatlichen Prozess durchlaufen, ist der Ausschluss einer Person aus der Gemeinschaft unmittelbar mit der Enterbung verknüpft.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt

Christliche Männer in Äthiopien sind häufiger Opfer von körperlichen Übergriffen und Vertreibung als Frauen und Mädchen. Kulturell gesehen wird von den Familien erwartet, dass Jungen in schwierigen Zeiten helfen, daher wird es als strategisch sinnvoll angesehen, Männer und Jungen anzugreifen. Außerdem kommt es Berichten zufolge vor, dass Neubekehrte aufgrund ihres Glaubens aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben und in ein anderes Gebiet verschleppt werden.

Auch die Regierung spielt eine Rolle bei der religiösen Verfolgung von Männern. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurden sieben Männer aus Hara wegen der Ausübung ihres christlichen Glaubens zu Gefängnisstrafen verurteilt. In anderen Fällen wurden Haftstrafen wegen Teilnahme an einer religiösen Ausbildung verhängt.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Fälle und Vorwürfe der Einmischung der Regierung in kirchliche Wahlen und Ernennungen. Da Gemeindeleitungen hauptsächlich aus Männern bestehen, betrifft diese Art von Verfolgung hauptsächlich bekannte christliche Männer. Die Anschuldigungen richten sich gegen fast alle Leiter der großen Kirchen des Landes, denen vorgeworfen wird, der Regierung nahe zu stehen und Ernennungen aufgrund von Regierungseinfluss zu erhalten. In letzter Zeit werden jedoch Reformen diskutiert, und es besteht die Hoffnung, dass dies in den kommenden Jahren weniger häufig vorkommen wird.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt einige wenige religiöse Minderheiten im Land. Doch auch sie betrifft die Gesetzgebung bezüglich des Rundfunks, der Rolle von Religion in der Bildung und der Zivilgesellschaft. Im Allgemeinen verlangen die Regelungen zur Zivilgesellschaft einen Antrag auf Registrierung von jeder religiösen Gruppe mit Ausnahme orthodoxer, katholischer, muslimischer und jüdischer Gemeinschaften. Darüber hinaus sieht das Registrierungsgesetz eine Mindestzahl von 50 Personen für die Registrierung als Religionsgemeinschaft vor und mindestens fünfzehn Personen für die Registrierung eines Dienstes oder Vereins. Diese Anforderungen haben in ihrer jetzigen Form keine Auswirkungen auf christliche Konfessionen – im Gegensatz zu religiösen Minderheiten, vor allem der jüngeren Gemeinschaften: Mormonen und Zeugen Jehovas ringen in einigen Gegenden, wo ihre Zahl unter 50 bleibt, um einen eigenen Versammlungsort.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Die Herausforderung durch radikale Elemente in der muslimischen Gemeinschaft (z. B. die Zerstörung von Kirchen und die Tötung von Christen in der Ogaden-Region) wird wahrscheinlich auch in Zukunft eine Gefahr für die Christen bleiben.

Konfessioneller Protektionismus

Äthiopien hat fortlaufend Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Konfessionen erlebt. Das schmälert die Möglichkeit einer einheitlichen christlichen Antwort auf die Herausforderung der Verfolgung. In dieser Hinsicht beschuldigt und verfolgt die EOC rücksichtslos protestantische Christen. Nach Ansicht einiger Hardliner arbeitet der Protestantismus daran, die EOC zu demontieren. Einige ultrakonservative orthodoxe Christen sind auch gegen den neuen Premierminister, weil er Protestant ist. Es ist zu befürchten, dass der christliche konfessionelle Protektionismus eine immer größere Rolle spielen wird, da einige Mitglieder der EOC auch die Religion im Land politisieren.

Diktatorische Paranoia

Diese Verfolgungstriebkraft verliert rapide an Bedeutung. Der neue Premierminister hat einige der Beschränkungen aufgehoben, die der Zivilgesellschaft und den Kirchen auferlegt worden waren. Zumindest auf nationaler Ebene ist diese Triebkraft dadurch weniger offensichtlich. Auf regionaler Ebene ist die Entwicklung jedoch nicht so positiv wie viele gehofft hatten. In einigen Regionalstaaten sind wirksame Reformen ausgeblieben. Da die laufenden Reformen zudem durch ethnische Konflikte bedroht sind, ist es wahrscheinlich, dass der neue Premierminister hart durchgreifen wird. Sollte dies geschehen, könnte dies zu Beeinträchtigungen der Religionsfreiheit im Allgemeinen führen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

In Gebieten, in denen die Mehrheit der Bevölkerung einer bestimmten ethnischen Gruppe angehört (z.B. Somali und Afar), bedeutet die Abkehr vom Islam auch, der eigenen ethnischen Gruppe, ihrer Kultur und ihren Werten den Rücken zu kehren. Diese Gruppen verfügen über großen politischen Einfluss. Wenn die Regierung also keinen Mechanismus entwickelt, mit dem sie den Schutz der Religionsfreiheit (insbesondere das Recht auf Verkündigung, Gottesdienst und Glaubenswechsel) durchsetzen kann, wird diese Triebkraft auch in Zukunft eine Ursache für Verfolgung sein.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Äthiopien:

  • Islamischer Extremismus gewinnt auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene an Einfluss. Besonders in ländlichen, mehrheitlich muslimischen Gebieten werden Christen schikaniert. Oft wird ihnen der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verwehrt. Christen mit muslimischem Hintergrund werden geächtet und häufig ihrer Familienrechte beraubt. Beten Sie, dass Christen unter diesen Umständen die Hoffnung nicht verlieren und weiterhin bereit sind, das Evangelium an ihre Verfolger weiterzugeben. Beten sie auch um Kraft, damit sie auf die Verfolgung so reagieren können, dass Christus geehrt wird.
  • Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche (EOC) wendet sich gegen die Aktivitäten evangelikaler Christen, die sie als Anhänger einer für die äthiopische Kultur bedrohlichen westlichen Religion betrachtet. Beten Sie um Weisheit für alle, die zu Christus gefunden haben, wenn sie mit Nachbarn ins Gespräch kommen.
  • Beten Sie um Bewahrung und Versorgung für alle, die wegen ihrer Entscheidung für Jesus Christus Angriffe und Ausgrenzung aus Familie und Gesellschaft erlitten haben.
  • Beten Sie um Weisheit für Präsident Ahmed Abiy – einen evangelikalen Christen – und seine Regierung, die sich um eine Verbesserung der Menschenrechtssituation im Land bemühen.
  • Beten Sie, dass die Kirche in der Lage ist, Stammeskonflikte zu meiden, und dass sie bereit ist, allen eine Antwort zu geben, die sie über ihre Hoffnung befragen. Beten Sie, dass die Kirchen mit allem ausgerüstet werden, was sie brauchen, um weiterhin Anhänger traditioneller Religionen mit dem Evangelium zu erreichen. Beten Sie um Standhaftigkeit im Glauben angesichts des herrschenden Druckes, sich anzupassen.

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