Länderprofil Jordanien

Jordanien

33
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Jordanien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
31
ISO
JO
Karte Jordanien
Christen
0,18
Bevölkerung
10.07
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.100
Familienleben: 14.100
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 11.700
Kirchliches Leben: 12.500
Auftreten von Gewalt: 1.700

Länderprofil Jordanien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 33 / 64 Punkte (WVI 2019: Platz 31 / 65 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die meisten Christen in Jordanien gehören orthodoxen und der Römisch-Katholischen Kirche an. Sie genießen insgesamt ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, erleben allerdings auch Diskriminierung im Berufsleben, sowie Einschränkungen bei öffentlichen Predigten. Das offene Glaubenszeugnis eines Christen mit muslimischem Hintergrund kann zu körperlichen Angriffen, Verhaftung und Mord führen. Christen, die aktiv das Evangelium weitergeben, sowie Christen, die Konvertiten helfen, können im täglichen Leben Bedrohungen und Unterdrückung ausgesetzt sein.

Im Vergleich zu den Christen in anderen Ländern des Nahen Ostens leben die meisten Christen in Jordanien ein sicheres und stabiles Leben. König Abdallah und sein Staatsapparat scheinen anerkannte Kirchen zu tolerieren und bis zu einem gewissen Grad zu unterstützen. Nicht anerkannte Kirchen können Schikanen durch öffentliche Behörden ausgesetzt sein, insbesondere solche, die aktiv evangelisieren. Obwohl Jordanien sich gerne als Leuchtturm der Toleranz und des interreligiösen Dialogs präsentiert, stellen radikalisierte Sunniten und zurückkehrende Dschihadisten aus Syrien und dem Irak weiterhin eine Bedrohung für die christliche Gemeinschaft dar.

Jordanien hat eine unverhältnismäßig hohe Zahl salafistischer Muslime, die eine potentielle Gefahr für Christen und andere nicht-konforme Gruppen im Land darstellen. Der Staat kontrolliert weiterhin die Predigten in den Moscheen und verlangt von den Predigern, nicht über Politik zu sprechen, um soziale und politische Unruhen zu vermeiden und so den Radikalismus einzudämmen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Vor allem Christen muslimischer Herkunft wurden Opfer von gewaltsamen Übergriffen, obwohl auch Christen, die aktiv evangelisierten, betroffen waren. Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.

  • Mehrere Christen mussten aus religiösen Gründen ihre Häuser verlassen und einen anderen Wohnort innerhalb oder außerhalb des Landes finden.
  • Ein christlicher Friedhof wurde verwüstet und geschändet. Der Vorfall wurde als Einschüchterung der Christen verstanden, die auch besorgt darüber sind, dass die Behörden wenig Mühe gezeigt haben, die Hintermänner dieser kriminellen Handlung zu finden und vor Gericht zu bringen.

Meldungen und Beiträge zu Jordanien

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Jordanien: Mut aus Gottes Wort

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Jordanien

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Pator Rashad aus Jordanien
Jordanien
(Open Doors, Kelkheim) – Es begann mit einem einfachen Gebet vor fast zehn Jahren: „Herr, ich habe ein Herz für Muslime. Bitte bringe sie zu mir“, bat Rashad. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der junge Pastor erkannte, dass Gott genau das Gegenteil von ihm wollte.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 64 Punkten belegt Jordanien Platz 33 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2020. Das ist ein Punkt weniger und zwei Positionen niedriger als im Weltverfolgungsindex 2019. Der durchschnittliche Druck für Christen in Jordanien hat sich nicht sehr verändert (ein Anstieg von 12,3 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 12,4 Punkte), aber es gab einen sichtbareren Rückgang der Punktzahl für Gewalt (1,7 im Weltverfolgungsindex 2020 gegenüber 3,0 im Weltverfolgungsindex 2019). Gewalttaten ereigneten sich vor allem gegen Christen mit muslimischem Hintergrund, aber auch andere, evangelistisch aktive Christen waren betroffen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung ist eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung in Jordanien, äußert sich aber größtenteils gewaltfrei. Die Regierung hat der Gesellschaft zwar verstärkt islamische Werte und Gesetze auferlegt, fördert jedoch noch immer Toleranz und das friedliche Zusammenleben mit anderen Religionen. In ihrem Privatleben sind Christen muslimischer Herkunft mit der stärksten Verfolgung konfrontiert. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld grenzen sie unter Umständen aus oder begehen sogar Gewalttaten gegen sie.

Christen aus allen Kategorien der christlichen Gemeinschaft können der staatlichen Überwachung unterliegen – oder sogar der Scharia, wenn ein Christ mit einem Muslim verheiratet ist oder sich in einem Gerichtsstreit mit einem Muslim befindet. Die Islamische Unterdrückung zeigt sich auch durch gewalttätige Aktionen, die von islamischen Kämpfern ausgeführt werden. Die Unterdrückung durch extremistische Muslime ist dabei viel schwerwiegender als Unterdrückung durch den Staat. Immer mehr Jordanier werden durch die Ideologie des “Islamischen Staates” (IS) radikalisiert, was die Christen einem größeren Risiko aussetzt.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft zeigt, wie die innerhalb einer Stammesgesellschaft geformten uralten Normen und Werte durchgesetzt werden und durch die traditionelle Religion geformt werden. Im Falle Jordaniens ist dies der Islam, und es betrifft vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund. Die Gesellschaft Jordaniens ist von Stammesstrukturen geprägt. Diese sind vor allem außerhalb der Großstädte zu finden und in den jordanischen Nationalismus integriert. Nach dem Massenzustrom von Palästinensern nach dem Israel-Krieg 1967 unterteilte sich Jordanien in eigentliche Jordanier („Eastbanker"), die aus der Region östlich des Jordan stammen und palästinensische Jordanier („Westbanker"), die ihre Wurzeln westlich des Jordan haben. Diese ethnische Spaltung tritt durch das Stammesdenken deutlicher hervor und fungiert als sozioökonomisches Sicherheitsnetz. Familien-, Clan- und Stammesverbindungen ermöglichen es den „Eastbankern“ weiterhin, erfolgreich in Regierungs-, Wirtschafts- und Sozialbereichen zu agieren, wozu automatisch auch Erwerbstätigkeit und die politische und soziale Stellung gehören. Durch diesen gesellschaftlichen Vorteil der eigentlichen oder „reinen“ Jordanier hat das Stammesdenken einen noch größeren Stellenwert im jordanischen Konzept des Nationalismus erlangt. So hat ein Christ mit palästinensischem Hintergrund in der Regel nicht so viele Vorteile wie ein jordanischer Christ, der zu den „Eastbankern“ gezählt wird. Dieses Thema erfordert weitere detailliertere Recherche.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Anführer ethnischer Gruppen: Ethnische Führer üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, weil sie die Ehre des Stammes bewahren wollen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Diese Christen muslimischer Herkunft fürchten außerdem feindselige Äußerungen oder Handlungen islamischer Führer. Diese Angst trägt zu dem Gefühl der Unterdrückung und Ausgrenzung bei, das von jordanischen Christen empfunden wird, wodurch sich wiederum Christen muslimischer Herkunft zu einem hohen Maß an Vorsicht gezwungen sehen. Einheimische christliche Gemeinschaften sind besonders beunruhigt über nicht geahndete Hassreden, die ein einflussreicher islamischer Führer in den sozialen Medien verbreitet hat.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Feindschaft vonseiten ihrer Familie ist die Hauptquelle, von der Druck auf Christen muslimischer Herkunft ausgeht. Die Angst vor einer gewalttätigen Reaktion der (Groß-)Familie spielt hierbei eine bedeutsame Rolle. Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, mit Ächtung und Diskriminierung durch ihre Familien konfrontiert zu werden – und eventuell sogar mit Gewalt, einschließlich Mord. In einigen Fällen informierten die Familien der Konvertiten Regierungsbeamte, die dann Druck auf die Konvertiten ausübten, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung scheint aufrichtig zu sein, wenn sie die traditionellen Kirchen Jordaniens bejaht und versucht, die Sicherheit aller Kirchen zu gewährleisten, um soziale Unruhen zu vermeiden. Dennoch sind die Vorschriften und das Personal der Regierung die Ursache für großen Druck auf die Christen aller Kategorien der christlichen Gemeinschaft, insbesondere aber auf die Christen muslimischer Herkunft. Dieser Druck wird formell durch das spezielle Gerichtssystem (siehe unten) ausgeübt.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger handeln, um das christliche Zeugnis gegenüber Nichtchristen zu unterdrücken (was vor allem Christen muslimischer Herkunft betrifft), insbesondere in islamisch konservativeren Gebieten wie im Süden. Soziale Medien bieten eine zusätzliche Plattform, um Christen mit Hassreden zu schaden.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Ethnisch begründete Anfeindungen betrifft die Auferlegung jahrhundertealter Normen und Werte, die im Stammeskontext geformt wurden; diese Anfeindungen vermischen sich häufig mit Islamischer Unterdrückung. In diesem Fall sind die Verfolger vor allem Familien von Konvertiten und Stammesführer. Der massive Druck der Familie kann sogar zu schwerer Gewalt und Mord führen. Stammesdenken ist in Jordanien sehr ausgeprägt; auch die Anführer der ethnischen Gruppen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Christen mit muslimischem Hintergrund beeinflussen, ihren neuen Glauben zu widerrufen, um die Ehre des Stammes zu schützen. Dasselbe gilt für islamische Führer, die diese Christen immer noch als Muslime betrachten.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Nicht auf Jordanien anwendbar.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt in Jordanien christliche Arbeitsmigranten, aber nicht als Gruppe, die unfreiwillig von anderen Kategorien christlicher Gemeinschaften isoliert ist. Diese Kategorie ist daher nicht in der Bewertung und Analyse des Weltverfolgungsindex enthalten.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie bildet die größte Gruppe von Christen in Jordanien, von denen die meisten der orthodoxen und der römisch-katholischen Konfession angehören. Es gibt aber auch anglikanische und lutherische Kirchen. Insgesamt genießen sie ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, können aber diskriminiert werden, zum Beispiel im Berufsleben.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Von allen Christen in Jordanien werden Konvertiten am meisten für ihren Glauben verfolgt. Wenn ihr neuer Glaube bekannt ist, werden sie häufig mit Unterdrückung aus einer ganzen Reihe von Quellen zu kämpfen haben: Regierungsbeamte, Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen, gewöhnliche Bürger und die eigene (Groß-)Familie. Die Situation für Christen muslimischer Herkunft, deren Zahl nur gering ist, hat sich in den letzten Jahren verschärft, vor allem aufgrund des Drucks durch ihre Familien und der zunehmenden Aktivität islamisch-extremistischer Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten stoßen Christen aus evangelikalen, baptistischen und pfingstkirchlichen Gemeinden auf den größten Widerstand, vor allem durch Regierungsbeamte. Evangelikale Kirchen werden von der jordanischen Regierung nicht anerkannt. In einigen Fällen kann die Regierung als Akteur der Verfolgung angesehen werden, da Gewalt gegen diese Christen meist ungestraft bleibt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 13.1
Familienleben 14.1
Gesellschaftliches Leben 10.7
Leben im Staat 11.7
Kirchliches Leben 12.5
Auftreten von Gewalt 1.7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Jordanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt ist der Druck auf die Christen in Jordanien, vor allem auf Christen muslimischer Herkunft, sehr hoch; der Durchschnittswert (12,4) stieg gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 mit 12,3 leicht an.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen sehr hoch, mit der Ausnahme des Familienlebens, wo er ein extremes Ausmaß erreichte und besonders Christen muslimischer Herkunft betrifft. Abgesehen vom Familienleben, sind die Punktzahlen im Bereich des Privat- und kirchlichen Lebens am höchsten. Dies ist typisch für eine Situation, in der die Islamische Unterdrückung in Kombination mit Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 3,0 Punkten im Vorjahr auf 1,7 im Weltverfolgungsindex 2020 gesunken.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben, darunter auch der Übertritt zu einer anderen christlichen Denomination, wird stark abgelehnt, verboten oder auch bestraft: Obwohl nicht strafbar, ist es nicht erlaubt, den Islam zu verlassen. Jeder, der den Islam verlässt und sich dazu äußert, kann vor das islamische Scharia-Gericht gestellt werden, wo man ihn als „ohne Religion“ befindet und damit als rechtsunfähig betrachtet. Alle seine Rechtsbeziehungen würden dann annulliert werden (einschließlich der Ehe) und er/sie wäre schlechter gestellt als jemand, der geistig unfähig ist. Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft werden häufig zum Ziel von Überwachung und können von der Geheimpolizei schikaniert und auf eine schwarze Liste gesetzt werden. Sie werden dann daran gehindert, eine Beschäftigung bei den Streitkräften oder Stellen in der Regierung oder der Privatwirtschaft wie beispielsweise in Bauunternehmen aufzunehmen. Auf gesellschaftlicher Ebene werden Konvertiten geächtet und sehen sich Feindseligkeiten von Familien- oder Stammesmitgliedern gegenüber; sie könnten auch mit Gewalt und Polizeiverhören konfrontiert werden. Besonders Frauen sind Opfer von Hausarrest, Zwangsehen und andere Maßnahmen zur Wiederherstellung der „Familienehre“. Auch Christen, die von einer traditionellen Kirche zu einer nicht-traditionellen evangelikalen Kirche wechseln, sind einem erheblichen Druck von Familie und Umfeld ausgesetzt.
  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben zu sprechen: Hiervon sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen. Da Hauptquelle des Drucks Familie und Gemeinschaft sind, üben die meisten Konvertiten äußerste Vorsicht, wenn sie mit Familienmitgliedern und Menschen in ihrem Umfeld über Glaubensfragen diskutieren, da dies zu gewalttätigen Reaktionen führen kann. Auch wenn traditionelle Christen mit Muslimen oder Anhängern anderer Religionen über den christlichen Glauben sprechen, kann dies leicht als ein Versuch der Missionierung (die in Jordanien verboten ist) und als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit verstanden werden. Sie können dem Geheimdienst gemeldet und auf eine schwarze Liste gesetzt werden.
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Wenn ein Christ mit muslimischer Herkunft z. B. beim Zugriff auf christliche Online-Inhalte von einem missbilligenden Familien- oder Gemeinschaftsmitglied ertappt wird, kann dies zu negativen Auswirkungen führen. Solche sind erst recht dann zu erwarten, wenn ein Konvertit über seine Entscheidung, Christ zu werden, schreibt oder sie anderweitig öffentlich macht. Dies wäre in der Tat eine Selbstbeschuldigung, die den Beweis für den eigenen Glaubensabfall liefert. Ihr Glaubenswechsel könnte auch von Familie, Gesellschaft und Beamten als Beweis gegen sie verwendet werden.
  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Dies gilt vor allem für Christen mit muslimischem Hintergrund, die aus Familien stammen, die ihren Umgang mit anderen aufgrund von Misstrauen oder Missbilligung einschränken. Eine solche Interaktion könnte als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem Glauben der Vorväter verstanden werden.

Familienleben

  • Christliche Paare werden aufgrund ihres Glaubens daran gehindert, Kinder zu adoptieren oder Pflegekinder aufzunehmen: Die Adoption bleibt nach islamischer Lehre illegal. Ein Pflegekind aufzunehmen ist kompliziert und es ist für Christen fast unmöglich, ein muslimisches Pflegekind aufzunehmen. Vor einigen Jahren versuchte ein christlicher Dienst, ein christliches Waisenhaus zu eröffnen, und ihnen wurde aus ähnlichen Gründen eine Lizenz verweigert.
  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch nehmen zu können: Dieser Druck ist nicht ungewöhnlich bei Christen muslimischer Herkunft, die einen nicht christlichen Ehepartner haben und/oder deren (Groß-)Familienmitglieder eine bedeutende Kontrolle ausüben. Da diejenigen, die den Islam verlassen, nach islamischem Recht das Sorgerecht für Kinder verlieren, wurde einigen Personen das Sorgerecht durch die Scharia-Personenstandsgerichte zwangsweise entzogen.
  • Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch unter der Mehrheitsreligion registriert: Die Kinder von Christen muslimischer Herkunft gelten von Geburt an als Muslime. Auch Kinder einer christlichen Mutter und eines muslimischen Vaters gelten von Geburt an als muslimisch. Da die Eltern ihren Glauben in offiziellen Dokumenten nicht ändern können, werden ihre Kinder als Muslime registriert, wobei das Kind im täglichen Leben eine Reihe von Schwierigkeiten hat (etwa die Teilnahme am islamischen Unterricht in der Schule).
  • Muslime verlieren nach ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ihren Erbschaftsanspruch: Aufgrund der Scharia verlieren Christen muslimischer Herkunft bei Glaubenswechsel ihr Erbrecht, insbesondere wenn ihre (Groß-)Familienmitglieder eine erhebliche Kontrolle ausüben.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Dies gilt vor allem für Konvertiten aus dem Islam, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist. Es wurden Fälle berichtet, in denen Christen aufgrund ihres Glaubenswechsels wiederholt die Möglichkeit einer Beschäftigung verloren haben oder ihnen diese verweigert wurde.

In einigen Bereichen kann dieser Druck auch auf traditionelle Christen ausgeübt werden, insbesondere im Hinblick auf die Beförderung in leitende Positionen. Auch die Sicherheitsüberprüfung kann problematisch sein. Es gab Berichte über Christen, denen Praktika, Arbeit und sogar Plätze an der medizinischen Fakultät in Militärkrankenhäusern verweigert wurden. Bei der Beförderung im öffentlichen Dienst und den Streitkräften werden Muslime bevorzugt, obwohl neun Parlamentssitze für Christen reserviert sind und immer wieder christliche Minister ernannt wurden.

  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Es ist mit Druck auf Konvertiten aus dem Islam zu rechnen, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist, insbesondere wenn die lokale Gemeinschaft aus konservativen muslimischen Familien besteht. Sie setzen dadurch die Bestimmungen des islamischen Rechts um, die bezüglich Apostasie besagen, dass jemand, der sich vom Islam lossagt, die Möglichkeit bekommen soll, umzukehren. Auch für andere Christen gibt es einen „gut gemeinten“ Aufruf, zum Islam zu kommen.
  • Christen stehen unter Beobachtung durch ihr soziales oder privates Umfeld: Besonders intensiv ist die Überwachung bei bekannten Konvertiten aus dem Islam. Für traditionelle Christen wird routinemäßig eine informelle Überwachung durchgeführt (oft unter Einsatz von Informanten der Gemeinschaft), die besonders diejenigen betrifft, die evangelistisch tätig sind. Allerdings führt der jordanische Nachrichtendienst (GID) Überwachungsoperationen mit einem breiten Spektrum von Zielen durch, was bedeutet, dass die Überwachung keineswegs ausschließlich auf christliche Gemeinschaften angewandt wird. Die Überwachung umfasst auch Telefonanrufe und die Nutzung von sozialen Medien.
  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert wegen glaubensbedingter Gründe: Dies gilt vor allem für Konvertiten aus dem Islam, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist. Obwohl traditionelle christliche Gemeinschaften im Allgemeinen Respekt und ein gutes Ansehen genießen, werden sie von Zeit zu Zeit von konservativeren Elementen innerhalb der jordanischen Gesellschaft, insbesondere in den ländlichen Gebieten, belästigt, wenn auch in einem geringen Maße. Da die meisten jordanischen Frauen den Hidschab tragen, sind christliche Frauen in der Öffentlichkeit leicht zu erkennen und werden oft als unangemessen gekleidet angesehen und können so Belästigungen ausgesetzt sein. In der Gesellschaft gibt es generell weniger Toleranz gegenüber Christen und in der Geschäftswelt können sich Lieferanten dafür entscheiden, nicht mehr an jemanden zu verkaufen, der als Christ bekannt ist. Außerdem bevorzugen muslimische Kunden den Kauf bei muslimischen Ladenbesitzern.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Die jordanische Verfassung erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. In diesem Zusammenhang ist es illegal, den Islam offiziell zu verlassen, um zu einer anderen Religion zu konvertieren (ebenso wie nicht-islamische Missionierung). Dies verstößt gegen Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Verfassung bekräftigt zwar den Grundsatz der Nichtdiskriminierung (einschließlich der Diskriminierung aufgrund der Religion) und legt fest, dass die freie Ausübung des Gottesdienstes und der religiösen Riten zu gewährleisten ist, doch müssen diese mit der „öffentlichen Ordnung und Moral“ in Einklang stehen. Anerkannte nichtmuslimische Gemeinschaften erhalten die Freiheit, die meisten Fragen des Personenstands nach ihren eigenen Bräuchen durch ein religiöses Gerichtssystem zu regeln. Jedoch verfügen einige Gemeinschaften, viele von ihnen nichttraditionelle kirchliche Gruppen, derzeit nicht über den für die Einrichtung ihrer eigenen Gerichte erforderlichen Rechtsstatus.
  • Beamte auf lokaler wie nationaler Ebene weigern sich, den Glaubenswechsel einer Person anzuerkennen und dementsprechend im Personalausweis oder staatlichen Personenverzeichnis zu dokumentieren: Es gibt keinen rechtlichen Mechanismus für den Wechsel der offiziellen Religionszugehörigkeit vom Islam zu einer anderen (oder keiner) Religion, begründet durch die Apostasiebestimmungen des islamischen Rechts. Obwohl Apostasie nicht kriminalisiert wird, können Personenstandsgerichte schwere Sanktionen verhängen. Es ist zu beachten, dass die Religionszugehörigkeit zwar nicht mehr in den nationalen Ausweisen erscheint, diese aber aus den offiziellen Akten ersichtlich ist, da die Zuständigkeit des Personenstandsgerichts durch die Religionszugehörigkeit bestimmt wird. Es ist kein Versuch eines Christen muslimischer Herkunft bekannt, im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 den Wechsel seiner offiziellen Religionszugehörigkeit vom Islam zu beantragen. Einen solchen Antrag zu stellen würde sie den Behörden aussetzen und wäre daher potenziell gefährlich. Einige haben dies (vor dem aktuellen Berichtszeitraum) über den Rechtsweg versucht und sind gescheitert.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens von öffentlichen Ämtern oder Beförderungen ausgeschlossen: Traditionelle christliche Gemeinschaften (insbesondere die historischen Kirchengemeinden) genießen in der jordanischen Gesellschaft und in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens im Allgemeinen ein gutes Ansehen. Die neun Quotensitze, die für Christen im Parlament reserviert sind, sind angesichts der aktuellen Demographie unverhältnismäßig hoch, so dass Christen technisch gesehen überrepräsentiert sind. Es gibt zwar gelegentliche Ausnahmen, aber es ist ungewöhnlich, dass Christen in sehr hohe Positionen aufsteigen, besonders im öffentlichen Leben und besonders für Christen mit palästinensischem Hintergrund. Christen können nicht Premierminister werden oder leitende Mitarbeiter der Streitkräfte sein. Christen muslimischer Herkunft werden mit Behinderungen in der Arbeitswelt, auch in öffentlichen Ämtern, konfrontiert, wenn ihr Glaube bekannt wird.
  • Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, wurden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: Für Konvertiten aus dem Islam, die aufgrund ihres Glaubens Opfer von Verbrechen werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Täter (einschließlich der so genannten „Ehrenverbrechen“) ein hohes Maß an Straffreiheit genießen. Innerhalb der traditionellen christlichen Gemeinschaften wurde auch Frustration über den Grad der Straflosigkeit von Tätern geäußert, die Gewalttaten oder Hassreden verübt hatten.

Kirchliches Leben

  • Kirchen werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: Die Eingliederung von Konvertiten in anerkannte Kirchengemeinden ist ein äußerst sensibles Thema. Die routinemäßige Überwachung durch staatliche Geheimdienstbeamte bedeutet, dass die meisten Kirchenführer sich davor hüten, Konvertiten muslimischer Herkunft offen zu empfangen und zu akzeptieren, da sie negative Auswirkungen, einschließlich einer möglichen Schließung der Kirche, befürchten. Außerdem wären sie misstrauisch gegenüber Leuten, die sich offen als Konvertiten ausgeben, da dies eine Falle sein könnte.
  • Auf allen Ebenen der Verwaltung ist es schwierig, als Kirche eine Registrierung zu bekommen: Neben den offiziell anerkannten Kirchen gibt es andere Konfessionen, die einen niedrigeren rechtlichen Status haben und meist als „Gesellschaften“ eingestuft werden; dazu gehören die Baptisten, die Freie Evangelische Kirche, die Kirche des Nazareners, die Assemblies of God und die Alliance-Gemeinden. Langjährige Anträge der Evangelikalen Synode (im Namen von fünf evangelikalen Denominationen) und der Nazarener-Kirche (als einzelne Entität) auf Erteilung des vollen offiziellen Status (durch Aufnahme in die Liste im Anhang der Kirchengerichtsgesetzgebung, die die Kirchen nennt, die Personenstandsgerichte betreiben können) wurden konsequent abgelehnt und es gibt weiterhin keine Entscheidung.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Jede Form von Gottesdienst oder christlichem Dienst außerhalb des ausgewiesenen Kirchengebäudes muss mit Diskretion durchgeführt werden, um feindliche Reaktionen und den Vorwurf der Missionierung zu vermeiden.
  • Der Verkauf oder das Bereitstellen von Bibeln oder anderen christlichen Materialien wird verhindert: Der Verkauf von Bibeln und die Verteilung christlicher Materialien ist nur an dafür vorgesehenen Orten erlaubt, wie z.B. in anerkannten Kirchen und deren Buchläden, nicht aber auf gewöhnlichen Märkten oder in Buchhandlungen. Die Verteilung von christlichem Material darf nicht als Missionierung wahrgenommen werden, und die meisten Christen üben in dieser Hinsicht Selbstzensur aus. Viele historische Kirchen neigen dazu, von der öffentlichen Verteilung von Bibeln abzusehen, aus Angst, soziale Unruhen zu schüren und Feindseligkeiten gegenüber zu stehen.

Auftreten von Gewalt

  • Mindestens fünf Christen wurden Berichten zufolge körperlich missbraucht oder erhielten Morddrohungen, meist von Familienmitgliedern.
  • Ein christlicher Friedhof wurde verwüstet und geschändet. Die Christen vor Ort verstanden dies als einen Akt der Einschüchterung.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Verweigerung des Rechts, einen christlichen Ehepartner zu heiraten (gilt für Christinnen muslimischer Herkunft)
  • Zwangsverheiratung
  • Zwangsscheidung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Reiseverbote/Einschränkung der Reisefreiheit
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt

In Jordanien sind von allen Kategorien von Christen Frauen, die früher Muslimas waren, am stärksten von Verfolgung wegen ihres Glaubens betroffen. Aber auch andere christliche Frauen sind mit Ungleichbehandlung konfrontiert, zum Beispiel, wenn ihre Männer zum Islam übertreten. Bei Christinnen muslimischer Herkunft kommt der Druck am häufigsten vonseiten der eigenen (Groß‑)Familie. Wenn sie noch bei ihrer Familie lebt, riskiert eine Christin muslimischer Herkunft Hausarrest und sogar sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigung, wenn ihr Glaube bekannt wird. Obwohl arrangierte Ehen in Jordanien keine Seltenheit sind, droht ihnen darüber hinaus wegen ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben eine Zwangsheirat, damit die Familienehre erhalten und die Tochter wieder auf den „rechten Weg“ gebracht wird. Dies kann sich auch auf Ehrenmorde erstrecken, die für Konvertitinnen in ländlichen Gebieten ein Risiko darstellen.

Christinnen muslimischer Herkunft dürfen offiziell keine christlichen Männer heiraten. Selbst wenn sie im Ausland heiraten, erkennt der Staat die Ehe nicht an. Christliche Frauen können im Allgemeinen erst dann muslimische Männer heiraten, wenn sie zum Islam konvertieren, wie es das religiöse Meldewesen vorschreibt. Dies ist faktisch unmöglich für gebürtige christliche Frauen, die einen Konvertiten heiraten wollen, da ihre zukünftigen Ehemänner immer noch als Muslime gelten. Wenn sie mit nichtchristlichen Ehemännern verheiratet sind, stehen Christinnen muslimischer Herkunft in der Gefahr, missbraucht und mit dem Tod bedroht zu werden, was einige zur Flucht zwingt. Sie sind auch mit Reisebeschränkungen konfrontiert. Reiseverbote können von den Behörden, aber auch von Familienmitgliedern verhängt werden, um etwa zu verhindern, dass die Christin muslimischer Herkunft das Land verlässt. Wird gegen dieses Verbot verstoßen, kann ein Gerichtsverfahren wegen „Reisen ohne Genehmigung“ eingeleitet werden. Auch sind Christinnen muslimischer Herkunft von Zwangsscheidungen bedroht. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Einstellung der Familie des Ehepartners.

Die anerkannten Kirchen in Jordanien arbeiten derzeit an der Überarbeitung der Personenstandsgesetze, um die Stellung der Frauen in Bezug auf Scheidung und Erbrecht zu verbessern. Die jordanische Kultur ist sehr konservativ; politische Debatten über das Personenstandsgesetz und gescheiterte Versuche, das Mindestheiratsalter (von 15 Jahren für Mädchen) anzuheben, haben dies deutlich gemacht. Diese Gesetze erleichtern auch den Hausarrest und die Zwangsheirat, für die junge Konvertitinnen besonders anfällig sind.

Im „International Religious Freedom Report 2018“ des US-Außenministeriums heißt es: „Jedes Mitglied der Gesellschaft kann eine Glaubensabfall-Klage gegen diese Personen vor der neu gegründeten Scharia-Staatsanwaltschaft einreichen.“ In Fällen, die von einem Scharia-Gericht entschieden werden, können Richter die Ehe einer Christin muslimischer Herkunft annullieren, das Sorgerecht an ein nichtelterliches muslimisches Familienmitglied übertragen oder die Kinder zu „Staatsmündeln“ erklären und die Eigentumsrechte einer Person an muslimische Familienmitglieder übertragen. Wenn ein muslimischer Ehemann und eine nichtmuslimische Frau geschieden werden, verliert die Ehefrau im Gegensatz zu muslimischen Frauen (wie von Al-Jazeera im Dezember 2015 berichtet) automatisch das Sorgerecht für die Kinder, wenn sie sieben Jahre alt sind. Wenn eine geschiedene Christin Muslima wird, kann sie das Sorgerecht für die Kinder und von ihrem Mann ein Erbe erhalten. Dies übt großen Druck auf geschiedene christliche Frauen aus, zum Islam zu konvertieren.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Rechts, einen christlichen Ehepartner zu heiraten
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land

Diskriminierung am Arbeitsplatz betrifft alle Christen, insbesondere wenn sie im öffentlichen Sektor arbeiten. Die allgemeine Arbeitslosenquote für alle Männer in Jordanien ist im 3. Quartal 2019 auf 17,1% gestiegen, was den Druck auf alle Männer, die ihren Arbeitsplatz aufgrund ihres christlichen Glaubens verloren haben, erhöht. In der zumeist traditionell und von Stammesstrukturen geprägten jordanischen Gesellschaft gelten Männer als „Ernährer der Familie“. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf christliche Familien haben.

Nach dem Scharia-Gesetz sind Ehen zwischen muslimischen Frauen und nichtmuslimischen Männern verboten. Damit die Ehe legal ist, muss der Mann zum Islam konvertieren. Eine Eheschließung zwischen einem christlichen Mann (ohne muslimischen Hintergrund) und einer christlichen Frau (mit muslimischem Hintergrund) ist rechtlich nicht möglich. Die Scharia legt auch fest, dass, wenn eine christliche Frau zum Islam konvertiert, auch ihr Mann konvertieren muss, damit ihre Ehe legal bleibt.

Christliche Männer, die aus dem Islam konvertiert sind, sehen sich in einer Schamkultur weiteren Schwierigkeiten gegenüber, wenn ihre Familien sie wegen ihres Glaubenswechsels ablehnen und aus ihren Häusern vertreiben.

Das Ergebnis ist, dass solche Schwierigkeiten sie allzu oft dazu veranlassen, in einer scheinbaren Wirtschaftsmigration auszuwandern, die aber in Wirklichkeit in der durch ihren christlichen Glauben verursachten Situation begründet liegt. Wenn der Druck auf christliche Familien zur Auswanderung führt, hat dies potenziell negative Auswirkungen auf zukünftige Kirchen- und Gemeindeleitungen, da den Kirchen dann weniger Erwachsene für die Ausbildung und Übernahme von Führungsaufgaben zur Verfügung stehen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere Religionen, die in Jordanien Einschränkungen unterliegen, sind Schiiten, Drusen, Bahai und irakische Mandäer. Es ist Berichten zufolge schwieriger für einen Sunniten, sich zum schiitischen Islam zu bekehren, als zum Christentum. Die meisten Bahai-Anhänger dürfen zwar ihre Religion ausüben, die Bahai-Religion ist jedoch nicht offiziell anerkannt, und daher können Aktivitäten ihrer Anhänger verboten werden. Heiratsurkunden der Bahai werden von der Behörde für Familienstand und Passwesen nicht anerkannt. Ein Beispiel: Der „International Religious Freedom Report 2017“ des US-Außenministeriums nennt einen Vorfall, nach dem der Gouverneur von Amman eine von den Bahai ausgerichtete Veranstaltung zur Würdigung der „Harmonie der Religionen“ im Oktober 2017 abgesagt hat, weil er befürchtete, dass die Veranstaltung zu einem islamisch-extremistischen Angriff führen könnte.

Drusen erleben soziale Ausgrenzung und leben in bestimmten Gebieten. Wie die Bahai-Religion ist auch die drusische Religion nicht offiziell von der jordanischen Regierung anerkannt, und da sie keine eigenen religiösen Gebäude haben, beten sie weiterhin in den Moscheen der Sunniten.

Des Weiteren gab es unter den irakischen Flüchtlingen, die in das Land kamen, einige Mandäer. Auch diese werden nicht anerkannt; sie üben ihre Bräuche ohne offizielle Genehmigung aus, was ihnen manchmal deshalb untersagt wird.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Es ist bekannt, dass der Salafismus in Jordanien stetig zunimmt, und mittelfristig könnte dies zu einem bedeutenden Wandel der religiösen Einstellung in der Gesellschaft führen. Eine strengere Auslegung des Islam könnte das öffentliche Leben der Christen ernsthaft beeinträchtigen. Zudem wird die Arbeitslosigkeit laut der Prognose der Economist Intelligence Unit für Jordanien in den nächsten Jahren voraussichtlich hoch bleiben. Eine hohe Arbeitslosenquote, insbesondere unter Jugendlichen, ist ein fruchtbarer Boden für die Rekrutierung durch islamisch-extremistische Gruppen. Außerdem könnten kampferprobte jordanische Extremisten bald nach Hause zurückkehren, da der Krieg in Syrien anscheinend kurz vor seinem Ende steht. Ihre Präsenz könnte eine massive Gefahr für die Bevölkerung, und insbesondere für gefährdete Minderheiten wie Christen, darstellen. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass Islamische Unterdrückung als Triebkraft der Verfolgung in Zukunft an Einfluss gewinnen könnte.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft der Verfolgung steht derzeit nicht vor größeren Veränderungen. Laut dem „Arab Youth Survey 2018“ werden jordanische Jugendliche jedoch mehr von ihren Altersgenossen und den Medien beeinflusst, als von ihren Familien oder religiösen Autoritäten. Infolgedessen versucht die Regierung, den Einfluss islamisch-extremistischer Gruppen abzuwehren und zu verhindern. Wenn diese Lockerung der Verbundenheit von Jugendlichen zu Familien oder Religionsführern anhält, könnte dies langfristig zu einer Schwächung der ethnisch begründeten Anfeindungen führen. Auf der anderen Seite betrifft diese Triebkraft vor allem Konvertiten aus dem Islam. Wenn die Zahl der Konvertiten und der am christlichen Glauben interessierten Muslime wächst, könnte dies in Zukunft zu einer erhöhten Anzahl von Verfolgungsfällen gegen Konvertiten führen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jordanien:

  • Jordanien ist eines der stabilsten Länder im Nahen Osten; Christen genießen dort relative Freiheit. Dennoch sind sie in einer muslimisch dominierten Kultur eine kleine Minderheit und müssen sich entsprechend verhalten. Beten Sie um Weisheit und um Mut für die Gläubigen, damit sie in ihrer Gesellschaft wahre Nachfolger Christi sein können. Beten Sie für Jugendgruppen in traditionellen jordanischen Kirchen, dass Jugendliche sich für das Bibellesen und Gebet begeistern lassen.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die von der Polizei vernommen und von Familienmitgliedern misshandelt werden. Beten Sie um Schutz und Heilung.
  • Beten Sie, dass die anhaltende Flüchtlingskrise vielen die Möglichkeit eröffnet, das Evangelium zu hören.

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