Länderprofil Jordanien

Jordanien

38
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Jordanien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
33
Karte Jordanien
Christen
0,18
Bevölkerung
10.21
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 13.100
Familienleben: 13.900
Gesellschaftliches Leben: 11.400
Leben im Staat: 11.600
Kirchliches Leben: 12.400
Auftreten von Gewalt: 2.000

Länderprofil Jordanien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 38 / 64 Punkte (WVI 2020: Platz 33 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die meisten Christen in Jordanien gehören der Orthodoxen und Römisch-Katholischen Kirche an. Sie genießen ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, allerdings erleben sie auch Diskriminierung im Berufsleben, sowie Einschränkungen bei öffentlichen Predigten. Das offene Glaubenszeugnis eines Christen mit muslimischem Hintergrund kann zu Prügel, Verhaftung und seinem Tod führen. Missionarisch aktive Christen, sowie Christen, die Konvertiten helfen, können im täglichen Leben Bedrohungen und Unterdrückung ausgesetzt sein.

Im Vergleich zu den Christen in anderen Ländern des Nahen Ostens, leben die meisten Christen in Jordanien ein sicheres und stabiles Leben. König Abdallahs Führung und seine Regierung scheinen anerkannte Kirchen zu tolerieren und bis zu einem gewissen Grad zu unterstützen. Der Staat übt jedoch Druck auf alle christlichen Gemeinschaften aus, insbesondere durch Überwachung. Nichtanerkannte Kirchen können Schikanen durch öffentliche Behörden ausgesetzt sein, insbesondere solche, die aktiv evangelisieren. Obwohl Jordanien sich gerne als Leuchtturm der Toleranz und des interreligiösen Dialogs präsentiert, stellen radikalisierte Sunniten und zurückkehrende Dschihadisten aus Syrien und dem Irak weiterhin eine Bedrohung für die christliche Gemeinschaft dar.

Jordanien hat eine unverhältnismäßig hohe Zahl salafistischer Muslime, die eine potenzielle Gefahr für Christen und andere nichtkonforme Gruppen im Land darstellen. Der Staat kontrolliert weiterhin die Predigten in den Moscheen und verlangt von den Predigern, nicht über Politik zu sprechen, um soziale und politische Unruhen zu vermeiden und so den Radikalismus einzudämmen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

64

38

2020

64

33

2019

65

31

2018

66

21

2017

63

27

Die Gesamtpunktzahl ist im Vergleich zum Vorjahr 2020 gleichgeblieben. Der Anstieg von Druck und Gewalt waren sehr gering und führten nicht zu einer Veränderung der Gesamtpunktzahl. Der durchschnittliche Druck auf Christen in Jordanien stieg sehr leicht von 12,4 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 12,5 Punkte und der Wert für Gewalt stieg von 1,7 Punkten im Jahr 2020 auf 2,0 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021. Gewalttaten ereigneten sich vor allem gegen Christen muslimischer Herkunft, aber auch andere, evangelistisch aktive Christen waren betroffen.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die jordanische Gesellschaft wird zunehmend polarisiert

Diese Polarisierung ermutigt Liberale und Christen, sich gegen extremistisch-islamische Entwicklungen im Land auszusprechen. Dies hatte schwerwiegende Folgen, wie die außergerichtliche Tötung eines prominenten Autors im Jahr 2016 zeigt und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch extremistisch-islamische Elemente. Dies führt zu einem zunehmenden Druck auf Christen und andere Personen mit Ansichten, die nicht mit dem extremistischen Islam übereinstimmen, eine Entwicklung, die in nächster Zeit nicht abnehmen dürfte. Im Gegensatz zu den Bemühungen des Königs verfolgt die Regierung, Berichten zufolge, eine Agenda zur Förderung des Wachstums des Islam auf Kosten anderer Religionen, wie z.B. des Christentums. Die Polizei verhaftet immer wieder Menschen, wenn ihre Aktivitäten als gegen die islamischen Werte verstoßend wahrgenommen werden, wie z. B. eine Poolparty, um die Bevölkerung zu beruhigen. Auch das soziale Umfeld ist mit der Zeit weniger tolerant geworden, und Berichten zufolge gibt es in der öffentlichen Meinung negative Gefühle gegenüber der Präsenz von Christen im Land.

2) Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Jordaniens könnten zu ernsthaften sozialen und politischen Unruhen führen

Laut der Economist Intelligence Unit (EIU) (Zugriff am 14. Dezember 2020) wird erwartet, dass König Abdullah II. für die nächsten Jahre an der Macht bleibt, „unterstützt von seinen loyalen Streitkräften. Die Behörden werden die Wirtschaftsreformen fortsetzen, unterstützt durch ein IWF-Programm in Höhe von 1,3 Mrd. US-Dollar, aber nur nachdem sie es geschafft haben, die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie abzumildern.“ Die EIU prognostizierte einen Rückgang des realen BIP und einen deutlichen Anstieg des Haushalts- und Leistungsbilanzdefizits im Jahr 2020, was Jordanien in den nächsten Jahren stark von externer Hilfe abhängig machen wird.

Die politische Stabilität des Landes hängt von seinem wirtschaftlichen Wohlstand ab und davon, ob es gelingt, die Bevölkerung am wirtschaftlichen Fortschritt zu beteiligen. Die Covid-19-Pandemie stellt somit eine große Gefahr für die Wirtschaft und damit für die Stabilität des Landes dar. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Jordaniens könnten zu mehr sozialen und politischen Unruhen führen, die sich negativ auf Christen und andere Minderheiten auswirken. Kurzfristig sind Massendemonstrationen aufgrund des anhaltenden Ausnahmezustands (als Teil der Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des Virus) und aufgrund der Verhaftung führender Aktivisten weniger wahrscheinlich.

3) Jordaniens Image des Schutzes religiöser Minderheiten

Im Allgemeinen sind viele Christen in Jordanien überzeugt, dass ihre Sicherheit vom haschemitischen König abhängt, der bekräftigt hat, dass er „die Existenz und Identität der arabischen Christen“ im Königreich schützen will. Für Jordanien ist es wichtig, das Land als eines darzustellen, das die Gesellschaft Schritt für Schritt modernisieren will und versucht, Maßnahmen umzusetzen, die den religiösen Minderheiten zugutekommen, einschließlich der Überwachung islamischer Predigten und der allgemeinen Aktivitäten von Salafisten, die eine erhebliche Bedrohung für die zukünftige Stabilität darstellen.

3. Religiöse Situation im Land

Etwa 95 % der Bevölkerung sind Muslime, von denen die Mehrheit Sunniten sind, und Open Doors schätzt, dass 1,8 % der Bevölkerung Christen sind. Jordanien beherbergt eine große Anzahl von Flüchtlingen, vor allem aus dem Irak und Syrien, von denen mehrere tausend Christen sind. In Jordanien gibt es für ein Land des Nahen Ostens eine relativ große Anzahl von Agnostikern und Atheisten.

Die Spannungen zwischen gemäßigten und extremistischen islamischen Elementen in der jordanischen Gesellschaft haben zugenommen. In der Zwischenzeit will König Abdullah II. die Gesellschaft reformieren und führt Maßnahmen durch, die für religiöse Minderheiten, einschließlich Christen, von Vorteil sind, wie z. B. die Einführung von Änderungen in den Literaturplänen der Universitäten zu Beginn des akademischen Jahres 2017. Dabei wurden Passagen gestrichen, die nichtmuslimische Religionen diskriminieren und salafistisch-islamistische Ansichten fördern könnten. Solche Maßnahmen sorgen jedoch für Unruhe – vor allem unter konservativen Muslimen – und spalten so die Gesellschaft.

Im September 2016 kam es zu einer außergerichtlichen Tötung eines prominenten Autors (ein Atheist aus einer orthodoxen christlichen Familie), weil er eine Karikatur gepostet hatte, die den „Gott des Daesh“ (d. h. des Islamischen Staates) verspottete. Diese Tötung zeigt, wie die freie Meinungsäußerung von islamisch-extremistischen Elementen unterdrückt wird und hat zu einem erhöhten Druck auf Christen und andere Personen mit Ansichten, die nicht mit dem extremistischen Islam übereinstimmen, geführt.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung ist eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung in Jordanien, verläuft aber größtenteils gewaltfrei. Die Regierung hat der Gesellschaft zwar verstärkt islamische Werte und Gesetze auferlegt, fördert jedoch noch immer Toleranz und das friedliche Zusammenleben mit anderen Religionen. Hinsichtlich ihres Privatlebens sind Christen muslimischer Herkunft mit der stärksten Verfolgung konfrontiert. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld grenzen sie unter Umständen aus oder begehen sogar Gewalttaten gegen sie.

Christen aus allen Kategorien der christlichen Gemeinschaft können der staatlichen Überwachung unterliegen – oder sogar der Scharia, wenn ein Christ mit einem Muslim verheiratet ist oder sich in einem Gerichtsstreit mit einem Muslim befindet. Die islamische Unterdrückung funktioniert auch durch gewalttätige Aktionen, die von islamischen Kämpfern ausgeführt werden. Die Unterdrückung durch extremistische Muslime ist dabei viel schwerwiegender als Unterdrückung durch den Staat. Immer mehr Jordanier werden durch die Ideologie des „Islamischen Staates“ (IS) radikalisiert, was die Christen einem größeren Risiko aussetzt.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Diese Triebkraft zeigt, wie die innerhalb einer Stammesgesellschaft geformten uralten Normen und Werte durchgesetzt werden und in Form der traditionellen Religion daherkommen. Im Falle Jordaniens ist dies der Islam, und dies betrifft vor allem Christen muslimischer Herkunft. Die Gesellschaft Jordaniens ist von Stammesstrukturen geprägt. Diese sind vor allem außerhalb der Großstädte zu finden und in den jordanischen Nationalismus integriert. Nach dem Massenzustrom von Palästinensern nach dem Israel-Krieg 1967 unterteilte sich Jordanien in eigentliche Jordanier („Eastbanker“), die aus der Region östlich des Jordan stammen und palästinensische Jordanier („Westbanker“), die ihre Wurzeln westlich des Jordan haben. Diese ethnische Spaltung tritt durch das Stammesdenken deutlicher hervor und fungiert als sozioökonomisches Sicherheitsnetz. Familien-, Clan- und Stammesverbindungen ermöglichen es den „Eastbankern“ weiterhin, erfolgreich in Regierungs-, Wirtschafts- und Sozialbereichen zu agieren, wozu automatisch auch Erwerbstätigkeit und die politische sowie die soziale Stellung gehören. Durch diesen gesellschaftlichen Vorteil der eigentlichen oder „reinen“ Jordanier hat das Stammesdenken einen noch größeren Stellenwert im jordanischen Konzept des Nationalismus erlangt. So hat ein Christ palästinensischer Herkunft in der Regel nicht so viele Vorteile wie ein jordanischer Christ, der zu den „Eastbankern“ gezählt wird. Dieses Thema erfordert weitere detailliertere Recherche.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesführer werden meist Druck auf die Mitglieder ihres Stammes ausüben, von denen bekannt ist, dass sie ihren Glauben gewechselt haben und treten in der Folge oft als Richter auf, um die Ehre des Stammes zu retten.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Christen mit muslimischem Hintergrund fürchten feindselige Äußerungen oder Handlungen islamischer Leiter. Diese Angst trägt zu dem Gefühl der Unterdrückung und Ausgrenzung bei, das von jordanischen Christen empfunden wird, wodurch sich wiederum Christen muslimischer Herkunft zu einem hohen Maß an Vorsicht gezwungen sehen. Angriffe auf als unislamisch geltende Ziele, wie Kirchen und Alkoholgeschäfte werden Berichten zufolge von lokalen und regionalen extremistischen muslimischen Lehrern gefördert. In dieser Hinsicht stellen unabhängige salafistische und wahhabitische Personen eine Bedrohung für die Christen in Jordanien dar: Diese sind nicht unbedingt Anführer, aber sie sind einflussreich, entweder persönlich oder in den sozialen Medien. Führende des islamischen Mainstream tragen zur Entfremdung zwischen Muslimen und Christen in der Praxis und in der Kleiderordnung bei (z.B. der Hijab, keine gemeinsamen Treffen oder Schwimmen usw.).
  • Die eigene (Groß-)Familie: Feindschaft vonseiten ihrer Familie ist die Hauptquelle, von der auf Christen muslimischer Herkunft Druck ausgeübt wird. Die Angst vor einer gewalttätigen Reaktion der (Groß-)Familie spielt hierbei eine bedeutsame Rolle. Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, mit Ächtung und Diskriminierung durch ihre Familien konfrontiert zu werden – und eventuell sogar mit Gewalt, einschließlich Mord. In einigen Fällen informierten die Familien der Konvertiten Regierungsbeamte, die dann Druck auf die Konvertiten ausübten, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung scheint aufrichtig zu sein, wenn sie die traditionellen Kirchen Jordaniens anerkennt und versucht, die Sicherheit aller Kirchen zu gewährleisten, um soziale Unruhen zu vermeiden. Dennoch sind die Vorschriften und das Personal der Regierung die Ursache für den großen Druck auf die Christen aller Kategorien der christlichen Gemeinschaft, insbesondere aber auf die Christen muslimischer Herkunft und alle, die im geistlichen Dienst involviert sind. Dieser Druck wird formell durch das Personenstandsgericht ausgeübt. Bei der Überwachung der Christen und ihrer Aktivitäten durch die Regierung spielt der Nachrichtendienst eine wichtige Rolle, ebenso wie die örtlichen Gouverneure und die Flughafenpolizei (Ausreiseverweigerung für bekannte Konvertiten).
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger agieren, um das christliche Zeugnis gegenüber Nichtchristen zu unterdrücken (was vor allem Christen muslimischer Herkunft betrifft), insbesondere in islamisch konservativeren Gebieten wie im Süden. Die sozialen Medien bieten eine zusätzliche Plattform, um Christen mit Hassreden zu schaden.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Anführer ethnischer Gruppen: Unterdrückung durch den Clan oder Stamm umfasst die Auferlegung jahrhundertealter Normen und Werte, die im Stammeskontext entstanden sind; diese Anfeindungen vermischen sich häufig mit islamischer Unterdrückung. In diesem Fall sind die Verfolger vor allem Familien von Konvertiten und Stammesführer. Der massive Druck der Familie kann sogar zu schwerer Gewalt und Mord führen. Das Stammesdenken ist in Jordanien sehr ausgeprägt; auch die Anführer der ethnischen Gruppen tendieren dazu, Christen muslimischer Herkunft dazu zu beeinflussen, ihren neuen Glauben zu widerrufen, um die Ehre des Stammes zu schützen. Dasselbe gilt für islamische Anführer, die diese Christen immer noch als Muslime betrachten.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Das Verfolgungsniveau in Jordanien ist im Allgemeinen landesweit gleich, obwohl die soziale Kontrolle in ländlichen Gebieten stärker zu sein scheint. Der Süden des Landes ist dafür bekannt, eher noch islamisch konservativer zu sein.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt in Jordanien christliche Arbeitsmigranten, aber nicht als Gruppe, die unfreiwillig von anderen Kategorien christlicher Gemeinschaften isoliert ist. Diese Kategorie ist daher nicht in der Bewertung und Analyse des Weltverfolgungsindex enthalten.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie bildet die größte Gruppe von Christen in Jordanien, von denen die meisten den orthodoxen und römisch-katholischen Konfessionen angehören. Es gibt aber auch anglikanische und lutherische Kirchen. Insgesamt genießen sie ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, können aber diskriminiert werden, zum Beispiel im Berufsleben. Ein gewisser Druck besteht nach wie vor, vor allem von extremistischen gesellschaftlichen Elementen, obwohl diese von den Geheimdiensten und Sicherheitskräften einigermaßen gut in Schach gehalten werden. Die langjährige Benachteiligung gibt diesen Gemeinschaften das Gefühl, „Bürger zweiter Klasse“ zu sein, und Auswanderung ist ein Dauerthema.

Christen anderer religiöser Herkunft

Von allen Christen in Jordanien werden Christen muslimischer Herkunft am meisten für ihren Glauben verfolgt. Wenn ihr neuer Glaube bekannt ist, werden sie häufig mit Unterdrückung aus einer ganzen Reihe von Quellen zu kämpfen haben: Regierungsbeamte, Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Anführer, gewalttätige religiöse Gruppen, gewöhnliche Bürger und die eigene (Groß-)Familie. Konvertiten sind vor allem dem Druck der Familie oder der Gemeinschaft ausgesetzt, für die die Wiederherstellung der Familien-/Stammes-/Gemeinschaftsehre ein Gebot ist, das oft zur Ächtung führt und manchmal gewalttätige Reaktionen oder die Einleitung einer rechtlichen Entmündigung durch Personenstandsgerichte zur Folge hat. Staatliche Behörden sind manchmal mitschuldig, entweder aktiv durch Gerichtsverfahren oder durch Geheimdienstagenten, die Familien alarmieren, oder passiv durch die Ermöglichung der Ausübung von Gewalt mit effektiver Straffreiheit. Kinder von Eltern, die konvertiert sind, sind zusätzlich gefährdet: Als Muslime registriert, sollen sie außerhalb ihres Zuhauses ein muslimisches Leben führen, einschließlich des Besuchs von Islamunterricht – und zu Hause ein christliches Leben, was zu Identitätskonflikten und emotionalem Stress führen kann. Die Situation für Christen muslimischer Herkunft, deren Zahl nur gering ist, aber wächst, hat sich in den letzten Jahren verschärft, vor allem aufgrund des Drucks durch ihre Familien und der zunehmenden Aktivität extremistisch-islamischer Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten stoßen Christen aus evangelikalen, baptistischen und pfingstkirchlichen Gemeinden auf den größten Widerstand, besonders diejenigen, die aktiv darin sind, ihren Glauben zu verbreiten. Sie stehen unter besonderer Beobachtung des Geheimdienstes und haben Berichten zufolge unter dem Druck der Regierung und Jobblockaden zu leiden. Angeblich bleibt Gewalt gegen diese Christen meist straffrei. Nichttraditionelle christliche Gemeinschaften sind nicht als Kirchen, sondern als Gesellschaften anerkannt und haben als solche Rechtspersönlichkeit, obwohl sie nicht im Anhang zum Kirchengerichtsgesetz aufgeführt sind, in dem die Kirchen verzeichnet sind, die Personenstandsgerichte betreiben können. Versuche, einen gleichwertigen Status wie andere kirchliche Denominationen zu erlangen, sind immer wieder auf Widerstand gestoßen, insbesondere von Seiten der traditionellen Kirchen, die diese Kirchen des „Schäfchen Stehlens“ und der Störung der interreligiösen Stabilität beschuldigt haben.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.1
Familienleben 13.9
Gesellschaftliches Leben 11.4
Leben im Staat 11.6
Kirchliches Leben 12.4
Auftreten von Gewalt 2

Grafik: Verfolgungsmuster Jordanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt ist der Druck auf die Christen in Jordanien, vor allem auf Christen muslimischer Herkunft, auf einem sehr hohen Niveau; der Durchschnittswert (12,5) stieg gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2020 mit 12,4 leicht an.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen auf einem sehr hohen Niveau, mit Ausnahme des Familienlebens, wo er ein extremes Ausmaß erreichte und besonders Christen muslimischer Herkunft betrifft. Abgesehen vom Familienleben sind die Werte in den Lebensbereichen Privatleben und kirchliches Leben am höchsten. Dies ist typisch für eine Situation in der die islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft für Verfolgung ist, kombiniert mit der Unterdrückung durch den Clan.
  • Der Wert für Auftreten von Gewalt stieg von 1,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 2,0 Punkte in Weltverfolgungsindex 2021.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Obwohl nicht kriminalisiert, ist es nicht erlaubt, den Islam zu verlassen. Jeder, der den Islam verlässt und sich dazu äußert, kann vor das islamische Scharia-Gericht gestellt werden, wo man ihn „ohne Religion“ findet und als entmündigt betrachtet. Alle seine Verträge würden dann annulliert (einschließlich der Ehe), und er/sie wäre schlechter dran als jemand, der geistig unfähig ist. Konvertiten werden häufig zum Ziel von Überwachung und können von der Geheimpolizei schikaniert und auf eine schwarze Liste gesetzt werden. Sie werden dann daran gehindert, eine Beschäftigung bei den Streitkräften oder Stellen in der Regierung oder beispielsweise in Bauunternehmen anzunehmen. Auf gesellschaftlicher Ebene werden Konvertiten geächtet und sehen sich Feindseligkeiten von Familien- oder Stammesmitgliedern gegenüber; sie können auch mit Gewalt und Polizeiverhören konfrontiert werden. Vor allem Frauen müssen mit Hausarrest, Zwangsverheiratungen und anderen Maßnahmen zur Wiederherstellung der „Familienehre“ rechnen. Auch Christen, die vom Besuch einer historischen Kirche zu einer nichttraditionellen evangelikalen Kirche wechseln, sind häufig einem erheblichen Druck von Familie und Umfeld ausgesetzt.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Davon sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen. Da ihre Hauptquelle des Drucks von der Familie und der Gemeinschaft ausgeht, üben die meisten Konvertiten äußerste Vorsicht, wenn sie mit Familienmitgliedern und Menschen in ihrem Umfeld über Glaubensfragen diskutieren, da dies zu gewalttätigen Reaktionen führen kann. Auch wenn traditionelle Christen mit Muslimen oder Anhängern anderer Religionen über den christlichen Glauben sprechen, kann dies leicht als ein Versuch der Missionierung (die in Jordanien verboten ist) und als eine Bedrohung der nationalen Sicherheit verstanden werden. Sie können dem Geheimdienst gemeldet und auf eine schwarze Liste gesetzt werden.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Wenn ein Christ muslimischer Herkunft z.B. beim Zugriff auf christliche Online-Inhalte von einem missbilligenden Familien- oder Gemeinschaftsmitglied ertappt wird, kann dies negative Folgen haben. Negative Auswirkungen sind vor allem dann zu erwarten, wenn ein Konvertit über seine Entscheidung, Christ zu werden, schreibt oder sie anderweitig bestätigt. Dies wäre in der Tat eine Selbstbeschuldigung, die den Beweis für den eigenen Abfall vom Islam liefert. Ihr Glaubenswechsel könnte auch von Familie, Gesellschaft und Beamten als Beweis gegen sie verwendet werden.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Dies gilt vor allem für Christen muslimischer Herkunft, deren Familien ihren Umgang mit anderen aufgrund von Misstrauen oder Missbilligung einschränken. Eine solche Interaktion könnte als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem Glauben der Vorväter verstanden werden.

Familienleben

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Die Adoption bleibt nach islamischer Lehre illegal. Es ist für Christen fast unmöglich, ein muslimisches Kind als Pflegekind aufzunehmen. Vor einigen Jahren versuchte ein christlicher Dienst, ein christliches Waisenhaus zu eröffnen, ihnen wurde aber eine Lizenz verweigert.

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Die Kinder von Christen muslimischer Herkunft gelten von Geburt an als Muslime. Kinder, die einer christlichen Mutter und einem muslimischen Vater geboren werden, gelten von Geburt an als muslimisch. Da Konvertiten ihre Religion in ihren amtlichen Dokumenten nicht wechseln können, werden ihre Kinder als Muslime registriert. Dies bringt eine Reihe von Schwierigkeiten für das Kind im täglichen Leben mit sich (einschließlich der Teilnahme am Islamunterricht in der Schule usw.). Das zwingt diese Kinder, ein Doppelleben zu führen – ein islamisches in der Öffentlichkeit und ein christliches zu Hause. Dies kann zu Identitätskonflikten und emotionalem Stress führen, was sich nachteilig auf ihre Entwicklung auswirkt. Das setzt auch die Eltern unter Druck.

Wurden christliche Taufen behindert?

Für einen Christen muslimischer Herkunft würde die Taufe normalerweise im Geheimen durchgeführt werden, um eine Aufdeckung und mögliche Gegenreaktionen zu vermeiden.

Wurden christliche Ehepartner von Nichtchristen in Scheidungsfällen vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, das Sorgerecht für die Kinder zu beantragen?

Dieser Druck ist nicht ungewöhnlich für Christen muslimischer Herkunft, die einen nichtchristlichen Ehepartner haben und/oder deren (Groß-)Familienmitglieder eine bedeutende Kontrolle ausüben. Da diejenigen, die den Islam verlassen, nach islamischem Recht das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, wird einigen Personen das Sorgerecht durch die Scharia-Personenstandsgerichte zwangsweise entzogen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Besonders intensiv ist die Überwachung bei bekannten Konvertiten aus dem Islam. Für traditionelle Christen wird routinemäßig eine informelle Überwachung durchgeführt (oft unter Einsatz von Informanten der Gemeinschaft), die besonders diejenigen betrifft, die evangelistisch aktiv sind. Allerdings führt die jordanische Abteilung für allgemeine Nachrichtendienste Überwachungsoperationen mit einem breiten Spektrum von Zielen durch, was bedeutet, dass die Überwachung keineswegs ausschließlich auf christliche Gemeinschaften angewandt wird. Die Überwachung umfasst auch die Telefonanrufe und die Nutzung von sozialen Medien.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Dies gilt vor allem für Konvertiten aus dem Islam, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist. Es wurden Fälle berichtet, in denen Christen aufgrund ihres Glaubenswechsels wiederholt die Möglichkeit einer Beschäftigung verloren haben oder ihnen diese verweigert wurde. In einigen Bereichen kann dieser Druck auch auf traditionelle Christen ausgeübt werden, insbesondere im Hinblick auf die Beförderung in leitende Positionen. Auch die Sicherheitsüberprüfung kann problematisch sein. Es gab Berichte über Christen, denen Praktika, Arbeit und sogar Praktika an der medizinischen Fakultät in Militärkrankenhäusern verweigert wurden. Die Beförderung in der Regierung und den Streitkräften ist pro-muslimisch ausgerichtet, obwohl neun Parlamentssitze für Christen reserviert sind und Christen ausgewählt wurden, um regelmäßig als Minister zu arbeiten.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Dies gilt vor allem für Konvertiten aus dem Islam, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist. Obwohl traditionelle christliche Gemeinschaften im Allgemeinen Respekt und ein gutes Ansehen genießen, werden sie von Zeit zu Zeit von konservativeren Elementen innerhalb der jordanischen Gesellschaft, insbesondere in den ländlichen Gebieten, belästigt, wenn auch in geringem Maße. Da die meisten jordanischen Frauen den Hidschab tragen, sind christliche Frauen in der Öffentlichkeit offen erkennbar und werden oft als unangemessen gekleidet angesehen und können so Belästigungen ausgesetzt sein. In der Gesellschaft gibt es generell weniger Toleranz gegenüber Christen, und in der Geschäftswelt könnten sich die Lieferanten dafür entscheiden, nicht mehr an jemanden zu verkaufen, der als Christ bekannt ist. Außerdem bevorzugen muslimische Kunden den Kauf bei muslimischen Ladenbesitzern.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Es ist mit Druck auf Konvertiten aus dem Islam zu rechnen, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist, insbesondere wenn die lokale Gemeinschaft aus konservativen muslimischen Familien besteht. Sie setzen dadurch die Bestimmungen des islamischen Rechts um, die bezüglich Apostasie besagen, dass jemand, der sich vom Islam lossagt, die Möglichkeit bekommen soll, umzukehren. Auch für andere Christen gibt es einen „gut gemeinten“ Aufruf, zum Islam zu kommen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Verfassung Jordaniens erklärt den Islam zur Staatsreligion und bestimmt die Scharia als Rechtsgrundlage. In diesem Zusammenhang ist es illegal, den Islam offiziell zu verlassen, um zu einer anderen Religion zu konvertieren (ebenso wie die nichtislamische Missionierung). Dies verstößt gegen Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Die Verfassung bekräftigt zwar den Grundsatz der Nichtdiskriminierung (einschließlich der Diskriminierung aufgrund der Religion) und legt fest, dass die freie Ausübung des Gottesdienstes und der religiösen Riten zu gewährleisten ist, doch müssen diese mit der „öffentlichen Ordnung und Moral“ in Einklang stehen. Anerkannte nichtmuslimische Gemeinschaften haben die Freiheit, die meisten Personenstandsangelegenheiten nach ihren eigenen Riten durch ein religiöses Gerichtssystem zu regeln, obwohl einige Gemeinschaften, viele von ihnen nichttraditionelle kirchliche Gruppen, derzeit nicht den erforderlichen rechtlichen Status haben, um ihre eigenen Gerichte zu betreiben.

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, den Glaubenswechsel einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Es gibt keinen rechtlichen Mechanismus für den Wechsel der offiziellen Religionszugehörigkeit vom Islam zu einer anderen (oder keiner) Religion, begründet durch die Apostasiebestimmungen des islamischen Rechts. Obwohl Apostasie nicht kriminalisiert wird, können Personenstandsgerichte schwere Sanktionen verhängen. Es ist zu beachten, dass die Religionszugehörigkeit zwar nicht mehr in den nationalen Ausweisen erscheint, diese aber in den offiziellen Akten verbleibt, da die Zuständigkeit des Personenstandsgerichts durch die Religionszugehörigkeit bestimmt wird. Es ist von keinem Christen muslimischer Herkunft bekannt, im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 versucht zu haben, den Wechsel seiner offiziellen Religionszugehörigkeit vom Islam weg zu beantragen. Einen solchen Antrag zu stellen würde sie den Behörden aussetzen und wäre daher potenziell gefährlich. Einige haben dies über den Rechtsweg versucht und sind gescheitert.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

In Anbetracht der aktuellen Gesetze zur Internetkriminalität und der Geschichte der Verhaftungen durch die Regierung ist die Redefreiheit sehr eingeschränkt. Die Christen im Land wissen, wie wichtig es ist, provokative Aussagen zu vermeiden. Dazu gehören besonders Aussagen, die den Islam, die Krone oder das Militär kritisieren oder als Weitergabe des Evangeliums verstanden werden könnten. In Jordanien ist es eine Straftat, den Islam zu beleidigen. Darüber hinaus müssen Christen muslimischer Herkunft vorsichtig sein, ihre Meinung offen zu äußern, da sie von der Gemeinschaft verstoßen und geächtet werden könnten. So kommt es häufig zu einer Selbstzensur, die den Ausdruck christlicher Standpunkte einschränkt.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Wenn Konvertiten aus dem Islam aufgrund ihres Glaubens Opfer von Verbrechen werden (einschließlich der so genannten „Ehrenverbrechen“), ist es sehr wahrscheinlich, dass die Täter ein hohes Maß an Straffreiheit genießen. Innerhalb der traditionellen christlichen Gemeinschaften wurde auch Frustration über den Grad der Straflosigkeit von Gewalttätern oder Hasspredigern geäußert.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Es gibt ein gewisses Maß an routinemäßiger Überwachung kirchlicher Aktivitäten, angeblich zum Schutz der Kirchen – obwohl eine solche Überwachung gegen Kirchen eingesetzt werden könnte, wenn provokative Botschaften oder Aktivitäten entdeckt werden oder wenn Muslime bei der Teilnahme an Gottesdiensten beobachtet werden. Die Regierung kontrolliert kirchliche Aktivitäten u.a. durch Verhöre und kann Druck auf Kirchen ausüben, die nicht offiziell anerkannt sind oder aktiv Missionierung betreiben. Bekannte Treffen von Christen muslimischer Herkunft werden mit großer Wahrscheinlichkeit genau überwacht und oft eingeschränkt.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Die Eingliederung von Konvertiten in anerkannte Kirchengemeinden ist ein äußerst sensibles Thema. Die routinemäßige Überwachung durch staatliche Geheimdienstbeamte bedeutet, dass die meisten Kirchenleiter sich davor hüten würden, Konvertiten muslimischer Herkunft offen zu empfangen und zu akzeptieren, da sie negative Auswirkungen, einschließlich einer möglichen Schließung der Kirche, befürchten müssen. Außerdem wären sie misstrauisch gegenüber Personen, die sich offen als Konvertiten ausgeben, da dies eine Falle sein könnte.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Jede Form von Gottesdienst oder christlicher Dienstaktivität außerhalb des ausgewiesenen Kircheneigentums muss mit Diskretion durchgeführt werden, um feindliche Reaktionen und den Vorwurf der Missionierung zu vermeiden.

Ist der offene Verkauf oder die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien behindert worden?

Der Verkauf von Bibeln und die Verteilung von christlichen Materialien ist nur an dafür vorgesehenen Orten erlaubt, wie z.B. in anerkannten Kirchen und angrenzenden Kirchenbuchläden, nicht aber auf gewöhnlichen Märkten oder in Buchhandlungen. Die Verteilung von christlichem Material darf nicht als Missionierung wahrgenommen werden, und die meisten Christen üben in dieser Hinsicht eine Selbstzensur aus. Viele historische Kirchen neigen dazu, von der öffentlichen Verteilung von Bibeln abzusehen, aus Angst, soziale Unruhen zu schüren und Feindseligkeiten gegenüber zu stehen.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes: Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben zu Orten und Daten gemacht werden.

  • Festgenommene Christen: Die gemeldeten fünf Fälle sind eine sehr konservative Schätzung. Christliche Laien und Leiter, die im Gemeindedienst tätig sind, können regelmäßig zur Befragung vorgeladen werden. Es ist vorher nicht bekannt, wie lange dies dauern wird, eine Befragung kann zwischen 20 Minuten und 12 Tagen dauern.
  • Angriffe auf Christen: Nicht wie eine Muslima gekleidet zu sein – also keinen Hijab zu tragen – macht eine Frau verletzlich. Mindestens 100 christliche Frauen wurden aus diesem Grund sexuell belästigt. Aus diesem Grund verzichten viele christliche Frauen vor allem nachts auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder Taxis. Das Thema ist stark tabuisiert, was es schwer macht, konkrete Zahlen zu bekommen. Die 100 ist eine sehr konservative Schätzung. Es gab mehrere Fälle, in denen sowohl weibliche als auch männliche Konvertiten von ihrer Familie (Ehemann, Brüder) geschlagen wurden und Todesdrohungen wegen ihres Glaubens erhielten. Es ist bekannt, dass dies geschieht, wenn der neue Glaube eines Konvertiten entdeckt wird. Aufgrund der sensiblen Situation von Konvertiten ist es schwierig, darüber Informationen zu sammeln.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Es gab mindestens sechs Konvertiten aus dem Islam, die ihre Häuser verlassen und anderswo Unterschlupf finden mussten, weil sich eine bedrohliche Situation entwickelt hatte, nachdem ihr christlicher Glaube in ihren Familien bekannt geworden war.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Generell ist das jordanische System tendenziell „repressiv“ gegenüber Gruppen und Gemeinschaften, die einer nichtsunnitischen Denomination angehören, z. B. Schiiten, Bahai, Drusen, Buddhisten, Hindus, irakische Mandäer und Zeugen Jehovas. Diese Gruppen sind nicht anerkannt und leiden daher unter Formen der Diskriminierung aufgrund dieser fehlenden Anerkennung.

Es ist Berichten zufolge schwieriger für einen Sunniten, sich zum schiitischen Islam zu bekehren, als zum christlichen Glauben. Die meisten Bahai-Anhänger dürfen zwar ihre Religion ausüben, die Bahai-Religion ist jedoch nicht offiziell anerkannt, und daher können Aktivitäten ihrer Anhänger verboten werden. Heiratsurkunden der Bahai werden von der Behörde für Familienstand und Passwesen nicht anerkannt. Ein Beispiel für die Schwierigkeiten, mit denen die Bahai konfrontiert sind, wurde im Bericht des US-Außenministeriums zur internationalen Religionsfreiheit für 2017 beschrieben: Der Gouverneur von Amman sagte im Oktober 2017 eine von den Bahai ausgerichtete Veranstaltung ab, weil er befürchtete, dass die Veranstaltung zu Ehren der „Harmonie unter den Religionen“ einen extremistisch-islamischen Anschlag provozieren könnte.

Drusen erleben soziale Ausgrenzung und leben nur in bestimmten Gebieten. Wie die Bahai-Religion, ist auch der drusische Glaube nicht offiziell von der jordanischen Regierung anerkannt, und da sie keine eigenen religiösen Gebäude haben, beten sie weiterhin in den Moscheen der Sunniten. Laut dem Internationalen Bericht über Religionsfreiheit für 2019 „fuhr die Regierung fort, Drusen als Muslime auf offiziellen Dokumenten zu vermerken, die die Religionszugehörigkeit des Inhabers angeben, ohne dass die Drusen öffentlich Einspruch erhoben.“ Der Bericht konstatierte eine fortgesetzte Diskriminierung von Drusen, die sie daran hindere, hohe Positionen in der Regierung und in offiziellen Ämtern zu bekleiden.

Die Religion einiger Nichtmuslime und nichtchristlicher Migranten, meist Buddhisten und Hindus, werden ebenfalls nicht anerkannt, ebenso wie Mandäer, die unter den irakischen Flüchtlingen zu finden sind, die ins Land kamen. Sie führen ihre Bräuche ohne offizielle Genehmigung durch, was ihnen zum Teil deshalb untersagt wird.

Schließlich sehen sich Muslime, die sich entschließen, den Islam zu verlassen und Atheisten zu werden, oder andere Glaubensrichtungen angenommen haben, einem ähnlichen Druck von Familie und Gemeinschaft ausgesetzt, wie Christen muslimischer Herkunft.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jordanien:

  • Beten Sie für die Christen aus nicht registrierten Kirchen, dass sie weiterhin ihre Gottesdienste feiern können und dass die Religionsfreiheit, die die Regierung verspricht, geachtet wird.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, dass sie vor Verfolgung bewahrt bleiben.
  • Beten Sie für die Verantwortlichen in Jordanien, dass sie zusehends offener für Religionsfreiheit werden und dass die Hoffnung auf Jesus ihre Herzen und ihren Verstand verwandelt, damit sie ihm folgen.