Länderprofil Jordanien

Jordanien

31
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Jordanien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
21
ISO
JO
Karte Jordanien
Christen
0,13
Bevölkerung
9.90
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.000
Familienleben: 13.100
Gesellschaftliches Leben: 11.800
Leben im Staat: 11.500
Kirchliches Leben: 12.200
Auftreten von Gewalt: 3.000

Länderprofil Jordanien

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 31 / 65 Punkte (WVI 2018: Platz 21 / 66 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Christen wird der Eindruck von Freiheit vorgetäuscht, aber in Wirklichkeit schränken die in die Gesellschaft eingebetteten islamischen Traditionen das christliche Leben ein, und staatliche Überwachung ist weitverbreitet. Christen muslimischer Herkunft kämpfen häufig mit Ausgrenzung und Gewalt durch ihre Familien. Immer mehr Jordanier werden von der Ideologie des Islamischen Staats (IS) radikalisiert, was besonders für Christen mehr Gefahren mit sich bringt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die Gesellschaft Jordaniens ist geprägt von Stammesstrukturen. Diese sind vor allem außerhalb der Großstädte zu finden und in den jordanischen Nationalismus integriert. Nach dem Krieg mit Israel 1967 wurde die Bevölkerung in eigentliche Jordanier („Eastbanker“) und jordanische Palästinenser („Westbanker“) unterteilt. Christen aus Palästina sind daher eigentlich in doppelter Weise benachteiligt: als Palästinenser und als Christen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Familien und Regierungsbeamte üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, zum Islam zurückzukehren. Der größte Druck kommt von der Familie, was sogar zu schwerer Gewalt und Mord führen kann. Da das Stammesdenken in Jordanien sehr ausgeprägt ist, sind es auch die Anführer ethnischer Gruppen, die versuchen, Christen muslimischer Herkunft zur Aufgabe ihres neuen Glaubens zu zwingen. Dasselbe gilt für islamische Führer, die Konvertiten immer noch als Muslime betrachten. Extremistische islamische Bewegungen sind eine weitere Ursache für die Verfolgung von Christen und auch von Jordaniern, die anderen Religionsgemeinschaften angehören (einschließlich Muslime). Regierungsbeamte überwachen die Kirchen sowie Organisationen von Christen, die missionarisch tätig sind und setzen sie unter Druck, diese Aktivitäten einzustellen. Traditionelle Kirchen befürchten, dass jede Form von Missionstätigkeit zu einem Gegenschlag führen wird, der dann alle Christen trifft.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die meisten Christen in Jordanien gehören der orthodoxen und römisch-katholischen Kirche an. Sie erfahren ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, allerdings auch Diskriminierung im Berufsleben sowie Einschränkungen bei öffentlichen Predigten. Das offene Glaubenszeugnis eines Christen mit muslimischem Hintergrund kann zu Prügel, Verhaftung und Mord führen. Missionarisch aktive Christen sowie Christen, die Konvertiten helfen, können im täglichen Leben Bedrohungen und Unterdrückung ausgesetzt sein.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Berichten zufolge wurden einige Christen muslimischer Herkunft körperlich misshandelt oder von Familienmitgliedern mit dem Tod bedroht.
  • Einige Christen mussten das Land verlassen, entweder nachdem ihnen vorgeworfen wurde, sie würden versuchen, Menschen zu bekehren oder aus Sicherheitsgründen.
  • Einige Kirchengemeinden oder Gemeindezentren wurden geschlossen, weil diese öffentliche evangelistische Aktionen durchgeführt hatten.

Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.

Meldungen und Beiträge zu Jordanien

Länderberichte
Jordanien: Mut aus Gottes Wort

Jordanien: Mut aus Gottes Wort

04:46 Minuten
Jordanien

Weil viele Jugendliche in jordanischen Gemeinden kaum mit biblischen Inhalten in Kontakt kommen, bietet Open Doors mit Partnern spezielle Bibelkreise an. Sehen Sie hier, was passierte, als die Jugendlichen begannen, die Bibel zu lesen.

Anschauen
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Pator Rashad aus Jordanien
Jordanien
(Open Doors, Kelkheim) – Es begann mit einem einfachen Gebet vor fast zehn Jahren: „Herr, ich habe ein Herz für Muslime. Bitte bringe sie zu mir“, bat Rashad. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der junge Pastor erkannte, dass Gott genau das Gegenteil von ihm wollte.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 65 Punkten belegt Jordanien auf dem Weltverfolgungsindex 2019 Platz 31, das ist ein Punkt weniger als auf dem WVI 2018. Ausschlaggebend dafür war vor allem eine geringere Anzahl von gemeldeten Vorfällen gewalttätiger Art. Gewalttaten ereigneten sich vor allem gegen Christen mit muslimischem Hintergrund, aber auch andere, in der Mission tätige, Christen waren betroffen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung ist eine der Haupttriebkräfte der Verfolgung in Jordanien, verläuft aber größtenteils gewaltfrei. Die Regierung hat der Gesellschaft zwar verstärkt islamische Werte und Gesetze auferlegt, fördert jedoch noch immer Toleranz und das friedliche Zusammenleben mit anderen Religionen. Hinsichtlich Privatleben sind Christen muslimischer Herkunft mit der stärksten Verfolgung konfrontiert. Ihre Familien und ihr soziales Umfeld grenzen sie unter Umständen aus oder begehen sogar Gewalttaten gegen sie. Alle Christen in Jordanien können in verschiedenen Formen staatlich überwacht werden oder sogar dem Scharia-Recht unterliegen, wenn sie einen muslimischen Ehepartner haben oder einen Rechtsstreit mit einem Muslim. Islamische Unterdrückung findet jedoch auch durch Gewalttaten statt, die von islamischen Militanten begangen werden. Die Unterdrückung durch extremistische Muslime ist dabei viel schwerwiegender als Unterdrückung durch den Staat. Immer mehr Jordanier werden von der Ideologie des Islamischen Staat (IS) radikalisiert, was die Christen zunehmend einem hohen Risiko aussetzt.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft zeigt, wie die innerhalb einer Stammesgesellschaft geformten uralten Normen und Werte weiter Einfluss haben und durchgesetzt werden. Ethnisch begründete Anfeindungen können in Form einer traditionellen Religion auftreten, die im Falle Jordaniens der Islam ist und deshalb insbesondere Christen mit einem muslimischen Hintergrund betrifft. Die Gesellschaft Jordaniens ist von Stammesstrukturen geprägt. Diese sind vor allem außerhalb der Großstädte zu finden und in den jordanischen Nationalismus integriert. Nach dem Massenzustrom von Palästinensern nach dem Israel-Krieg 1967 unterteilte sich Jordanien in eigentliche Jordanier („Eastbanker"), die aus der Region östlich des Jordan stammen und palästinensische Jordanier („Westbanker"), die ihre Wurzeln westlich des Jordan haben. Diese ethnische Spaltung tritt durch das Stammesdenken deutlicher hervor und fungiert als sozioökonomisches Sicherheitsnetz. Familien-, Clan- und Stammesverbindungen ermöglichen es den „Eastbankern“ weiterhin, erfolgreich in Regierungs-, Wirtschafts- und Sozialbereichen zu agieren, wozu automatisch auch Erwerbstätigkeit und die politische und soziale Stellung gehören. Durch diesen gesellschaftlichen Vorteil der eigentlichen oder „reinen“ Jordanier hat das Stammesdenken einen noch größeren Stellenwert im jordanischen Konzept des Nationalismus erlangt. So hat ein Christ mit palästinensischem Hintergrund in der Regel nicht so viele Vorteile wie ein jordanischer Christ, der zu den „Eastbankern“ gezählt wird. Dieses Thema erfordert weitere detailliertere Recherche.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die Verfolgung geht aus von Regierungsbeamten, Anführern ethnischer Gruppen, nichtchristlichen religiösen Führern, gewalttätigen religiösen Gruppen, gewöhnlichen Bürgern und der (Groß-)Familie.

Die Regierung ist bestrebt, die traditionellen Kirchen Jordaniens zu stärken und die Sicherheit aller Kirchen zu gewährleisten. Dennoch sind Regierungspersonal und deren Politik die Ursache für den starken Druck auf alle Christen und insbesondere auf Christen muslimischer Herkunft. Dieser Druck wird durch die Familien ausgeübt, und auch von Amts wegen, z.B. durch Personenstandsgerichte. Darüber hinaus können ethnische Führer Druck auf Christen muslimischer Herkunft ausüben, weil sie die Ehre des Stammes bewahren wollen. Diese Christen fürchten außerdem feindselige Äußerungen oder Handlungen islamischer Führer. Diese Angst trägt zu dem Gefühl der Unterdrückung und Ausgrenzung bei, das von jordanischen Christen empfunden wird, wodurch sich wiederum Christen muslimischer Herkunft zu einem hohen Maß an Vorsicht gezwungen sehen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 waren die einheimischen christlichen Gemeinschaften besonders beunruhigt über unkontrollierte Hassreden, die ein einflussreicher islamischer Leiter in den sozialen Medien verbreitet hat. Im Allgemeinen ist die Regierung recht erfolgreich darin, terroristische und gewalttätige religiöse Gruppen in Schach zu halten. Die Bedrohung durch gewalttätige religiöse Gruppen ist nicht konstant, aber es besteht die Möglichkeit, dass schwelende gesellschaftliche Spannungen religiös-extremistische Ausdrucksformen hervorrufen. Christen muslimischer Herkunft sind besonders gefährdet durch extremistisch-islamische Gruppen, wenn ihre Bekehrung zu Jesus Christus bekannt wird.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Die (Groß-)Familie, Anführer ethnischer Gruppen oder islamische Leiter und Regierungsbeamte sind die Triebkräfte von ethnisch begründeten Anfeindungen.

Ethnisch begründete Anfeindungen beinhalten die Auferlegung jahrhundertealter Normen und Werte, die im Stammeskontext geformt wurden; diese Anfeindungen vermischen sich häufig mit islamischer Unterdrückung. In diesem Fall sind die Triebkräfte Stammes-, ethnische oder islamische Führer, vor allem aber die Familien der Christen muslimischer Herkunft: Es wurde berichtet, dass einige Regierungsbeamte, die zunächst von der Familie eines christlichen Konvertiten informiert worden waren, Druck auf jene ausgeübt haben, zum Islam zurückzukehren. Der massive Druck der Familie kann sogar zu schwerer Gewalt und Mord führen. Stammesdenken ist in Jordanien sehr ausgeprägt; auch die Anführer der ethnischen Gruppen werden mit großer Wahrscheinlichkeit die Christen mit muslimischem Hintergrund beeinflussen, ihren neuen Glauben zu widerrufen, um die Ehre des Stammes zu schützen. Dasselbe gilt für islamische Leiter, die diese Christen immer noch als Muslime betrachten.

4. Hintergrund

Die jordanische Gesellschaft ist ethnisch gemischt. Die Mehrheit der Bevölkerung besteht aus Palästinensern, von denen die meisten nach den arabisch-israelischen Kriegen von 1948 und 1967 flohen. Palästinensische Jordanier ("Westbanker") werden im Vergleich zu den meisten anderen Staatsangehörigen, die von Beduinen abstammen ("Eastbanker") und seit Jahrhunderten in der Region leben, nicht gleichbehandelt. Jordanien beherbergt große Gruppen von Flüchtlingen, hauptsächlich aus dem Irak und Syrien. Im Juni 2018 schätzte der UNHCR, dass es im Land mehr als 666.500 registrierte Flüchtlinge aus Syrien und fast 67.000 aus dem Irak gab. Damit nahm Jordanien die weltweit zweithöchste Zahl von Flüchtlingen pro tausend Einwohner auf. Aufgrund der Präsenz vieler verschiedener Nationalitäten im Königreich herrscht Unklarheit, was die nationale Identität eines jordanischen Bürgers ausmacht. Die hohe Zahl der Flüchtlinge führt zudem zu wirtschaftlichem, politischem und religiösem Druck und ist ein potentiell destabilisierender Faktor.

Seit der Unabhängigkeit des Landes 1946 ist die Gesamtzahl der Christen zurückgegangen. Dieser Rückgang ist vor allem auf niedrigere Geburten- und hohe Auswanderungsraten zurückzuführen. Die Ankunft einer großen Zahl muslimischer Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak, verbunden mit den zunehmenden Ängsten vor dem extremistischen Islam und den derzeit schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, übte zusätzlich Druck auf die Christen aus, insbesondere auf Christen protestantischer Denominationen und Christen muslimischer Herkunft. Infolgedessen bleiben viele christliche Gemeinden unter sich und wirken wenig in ihr Umfeld hinein.

Jordanien war lange Zeit eines der liberalsten Länder der Region in Bezug auf Religionsfreiheit. Allerdings wendet sich das Blatt, zum Nachteil der christlichen Gemeinden. Christen, die den traditionellen Kirchen angehören, genießen noch immer relativ viel Religionsfreiheit, Christen mit muslimischem Hintergrund dagegen spüren die Auswirkungen eines zunehmenden extremistisch-islamischen Einflusses auf die Gesellschaft. Auch Christen, die in der Evangelisation oder im Dienst an christlichen Konvertiten tätig sind, leiden unter zunehmendem Druck und Überwachung.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt in Jordanien christliche Arbeitsmigranten, aber nicht als Gruppe, die unfreiwillig von anderen Kategorien christlicher Gemeinschaften isoliert ist. Diese Kategorie ist daher nicht in der Bewertung und Analyse des Weltverfolgungsindex enthalten.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie bildet die größte Gruppe von Christen in Jordanien, von denen die meisten der orthodoxen und römisch-katholischen Konfession angehören. Es gibt aber auch anglikanische und lutherische Kirchen. Insgesamt genießen sie ein relativ hohes Maß an Religionsfreiheit, können aber diskriminiert werden, zum Beispiel im Berufsleben.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Von allen Christen in Jordanien werden Konvertiten am meisten für ihren Glauben verfolgt. Wenn ihr neuer Glaube bekannt ist, werden sie häufig mit Unterdrückung aus einer ganzen Reihe von Quellen zu kämpfen haben: das sind Regierungsbeamte, Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen, gewöhnliche Bürger und die eigene (Groß-)Familie. Die Situation für Christen muslimischer Herkunft, deren Zahl nur gering ist, hat sich in den letzten Jahren verschärft, vor allem aufgrund des Drucks durch ihre Familien und der zunehmenden Aktivität extremistisch-islamischer Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

An zweiter Stelle stoßen Christen aus evangelikalen, baptistischen und pfingstlerischen Gemeinden auf den größten Widerstand, vor allem durch Regierungsbeamte. Evangelikale Kirchen werden von der jordanischen Regierung nicht anerkannt. In einigen Fällen kann die Regierung als Triebkraft der Verfolgung angesehen werden, da Gewalt gegen diese Christen meist ungestraft bleibt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13
Familienleben 13.1
Gesellschaftliches Leben 11.8
Leben im Staat 11.5
Kirchliches Leben 12.2
Auftreten von Gewalt 3

Grafik: Verfolgungsmuster Jordanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt ist der Druck auf die Christen in Jordanien, vor allem auf Christen muslimischer Herkunft, auf einem sehr hohen Niveau; der Durchschnittswert (12,3) ging gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2018 mit 12,4 nur leicht zurück.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen auf einem sehr hohen Niveau, am höchsten in den Bereichen „Familien-“, „Privat-“ und „Kirchliches Leben“. Das ist typisch, wenn Islamische Unterdrückung in Verbindung mit ethnisch begründeten Anfeindungen die stärkste Verfolgungstriebkraft ist.
  • Der Wert für Gewalt sank von 4,3 im Vorjahr auf 3,0 im Weltverfolgungsindex 2019.

Privatleben

Im Bereich privater christlicher Glaubensausübung sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen, da sie ihren Glauben nicht offen leben können. Sollten sie bei Menschen in ihrem Umfeld den Verdacht erregen, dass sie Christen sind, kann dies schwerwiegende Folgen haben. Alle anderen Kategorien von Christen haben mehr Freiraum, ihren Glauben privat auszuüben, solange sie nicht unter Muslimen missionarisch tätig werden.

Familienleben

Vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund erfahren vonseiten ihrer Familien Druck, der sogar zu schwerer Gewalt und Tod führen kann. Es ist bekannt, dass Familien Druck dadurch auszuüben, dass sie die Behörden über Konvertiten in ihren eigenen Reihen informieren, was oft zur Verhaftung führt. Konvertiten werden dann wegen ihres christlichen Glaubens sehr wahrscheinlich auch das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. Der Staat spielt dabei jedoch keine aktive Rolle.

Gesellschaftliches Leben

Auch in diesem Lebensbereich sind es vor allem Christen muslimischer Herkunft, die unter Druck stehen, wenn ihr neuer Glaube bekannt wird. Aber auch andere Kategorien von Christen können in diesem Bereich unter Druck geraten, zum Beispiel durch Diskriminierung bei öffentlichen und privatwirtschaftlichen Arbeitsplätzen, wo sie beispielsweise bei Beförderungen benachteiligt werden. Vor allem Christen, die christliche Konvertiten unterstützen (dazu gehören praktische Anleitung, Seelsorge und biblischer Unterricht), sehen sich im täglichen Leben Bedrohungen und Behinderungen ausgesetzt und werden auch von ihrem sozialen Umfeld überwacht.

Leben im Staat

Hier können alle Arten von Christen mit Druck konfrontiert werden, obwohl Christen muslimischer Herkunft besonders gezielt ins Visier genommen werden. Der Islam ist die Staatsreligion, und die jordanische Verfassung gibt dem Scharia-Recht Vorrang. Angelegenheiten, die den persönlichen oder familiären Status betreffen, werden vor religiösen Gerichten entschieden. Muslime unterstehen den Scharia-Gerichten, und es gibt auch religiöse Gerichte für Anhänger traditioneller Kirchen, wie etwa für Orthodoxe, Katholiken und Anglikaner. In Fällen, in denen eine Konfliktpartei muslimisch und die andere nichtmuslimisch ist, wird der Fall vor dem Scharia-Gericht verhandelt. Scharia-Gerichte erkennen den Wechsel eines Muslims zum Christentum nicht an und betrachten ihn immer noch als (abtrünnigen) Muslim. Auch Kinder unter 18 Jahren, deren Vater zum Islam übergetreten ist, gelten vor dem Staat als muslimisch. In Fragen des Erbrechts gilt das islamische Recht für alle Bürger, unabhängig von ihrem Glauben und Christen können nicht von einer muslimischen Familie erben. Der Glaubenswechsel weg vom Islam ist nicht offiziell anerkannt. Das öffentliche Evangelisieren von Muslimen verstößt gegen die Richtlinien der Regierung. Muslime, die Christen werden, fallen immer noch unter die Zuständigkeit der Scharia-Gerichte. Ihre Ehen können annulliert werden; sie können das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren; sie werden ihr Erbrecht verlieren und können auch anderer Bürgerrechte beraubt werden. Berichten zufolge haben Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden christliche Konvertiten zu ihren Überzeugungen vernommen, mit Gerichtsverfahren gedroht und Belohnungen für die Rückkehr zum Islam versprochen, wie zum Beispiel Arbeitsmöglichkeiten. Die Behörden haben Berichten zufolge auch Führungszeugnisse zurückgehalten, die für Bewerbungen oder für die Gründung eines Unternehmens erforderlich sind, und haben Arbeitgeber aufgefordert, christliche Konvertiten zu entlassen. Diejenigen, die einem Christen mit muslimischem Hintergrund Schaden zufügen, kommen de facto ungestraft davon.

Kirchliches Leben

In diesem Lebensbereich sind es wieder die Christen muslimischer Herkunft, die dem größten Druck ausgesetzt sind, während alle anderen Kategorien des Christentums (insbesondere freikirchliche Gruppen) gewisse Einschränkungen erfahren. Eine offene oder legale Form des kirchlichen Lebens für Christen muslimischer Herkunft ist ausgeschlossen. Im Vergleich zu anderen Ländern der Region ist das kirchliche Leben im Allgemeinen jedoch weniger eingeschränkt - insbesondere für Christen, die zu traditionellen Kirchen gehören -, da es eine Reihe von anerkannten Kirchen gibt. Evangelikale Gemeinden haben Probleme bei der Registrierung; Baugenehmigungen für Kirchengebäude sind schwer zu erhalten und es kommt zu anderen subtilen Formen der Diskriminierung. Berichten zufolge werden die Aktivitäten evangelikaler Kirchen und Untergrundkirchen, in denen sich Christen muslimischer Herkunft versammeln, von der Geheimpolizei ausgespäht. Christliche Materialien dürfen nicht frei verteilt und nur an anerkannten Orten verkauft werden.

Gewalt

Gewaltsame Vorfälle ereigneten sich vor allem gegen Christen muslimischer Herkunft, obwohl auch Christen, die sich an Missionstätigkeiten beteiligten, betroffen waren. Die geringere Anzahl gemeldeter Gewalttaten ist der Hauptgrund für den Rückgang der Gesamtpunktzahl Jordaniens um einen Punkt auf dem Weltverfolgungsindex 2019.

Eine Zusammenfassung der Vorkommnisse über Gewalt finden Sie im Kurzprofil.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Jordanien sind von allen Kategorien von Christen vor allem Christinnen muslimischer Herkunft besonders stark von der Verfolgung wegen ihres Glaubens betroffen. Aber auch andere christliche Frauen sind mit Ungleichbehandlung konfrontiert, zum Beispiel, wenn ihre Männer zum Islam übertreten. Bei Christinnen mit muslimischem Hintergrund kommt der Druck meist von der eigenen Familie. Wenn sie noch bei ihrer Familie lebt, riskiert eine Christin muslimischer Herkunft Hausarrest und sogar sexuelle Übergriffe oder Vergewaltigung, wenn ihr Glaube bekannt wird. Obwohl arrangierte Ehen in Jordanien keine Seltenheit sind, droht ihnen darüber hinaus wegen ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben eine Zwangsheirat, damit die Familienehre erhalten und die Tochter wieder auf den „rechten Weg“ gebracht wird.

Christinnen muslimischer Herkunft dürfen nicht offiziell christliche Männer heiraten. Selbst wenn sie im Ausland heiraten, erkennt der Staat die Ehe nicht an. Christliche Frauen können im Allgemeinen erst dann muslimische Männer heiraten, wenn sie zum Islam konvertieren, wie es das religiöse Meldewesen vorschreibt. Dies ist besonders kompliziert für gebürtige christliche Frauen, die einen Konvertiten heiraten wollen, da ihre zukünftigen Ehemänner immer noch als Muslime gelten. Wenn sie mit nichtchristlichen Ehemännern verheiratet sind, stehen Christinnen muslimischer Herkunft in der Gefahr, missbraucht und mit dem Tod bedroht zu werden, was einige zur Flucht zwingt. Sie sind auch mit Reisebeschränkungen konfrontiert. Reiseverbote können von den Behörden, aber auch von Familienmitgliedern verhängt werden, um etwa zu verhindern, dass die Christin muslimischer Herkunft das Land verlässt. Wird gegen dieses Verbot verstoßen, kann ein Gerichtsverfahren wegen „Reisen ohne Genehmigung“ eingeleitet werden. Auch sind Christinnen muslimischer Herkunft von Zwangsscheidungen bedroht. Entscheidend ist in diesem Zusammenhang die Einstellung der Familie des Ehepartners.

Im „International Religious Freedom Report 2017“ des US-Außenministeriums heißt es: „Jedes Mitglied der Gesellschaft kann eine Glaubensabfall-Klage gegen diese Personen vor der neu gegründeten Scharia-Staatsanwaltschaft einreichen.“ In Fällen, die von einem Scharia-Gericht entschieden werden, können Richter die Ehe einer Christin muslimischer Herkunft annullieren, das Sorgerecht an ein nichtelterliches muslimisches Familienmitglied übertragen oder die Kinder zu „Staatsmündeln“ erklären und die Eigentumsrechte einer Person an muslimische Familienmitglieder übertragen. Wenn ein muslimischer Ehemann und eine nichtmuslimische Frau geschieden werden, verliert die Ehefrau im Gegensatz zu muslimischen Frauen (wie von Al-Jazeera im Dezember 2015 berichtet) automatisch das Sorgerecht für die Kinder, wenn sie sieben Jahre alt sind. Wenn eine geschiedene Christin Muslimin wird, kann sie das Sorgerecht für die Kinder und von ihrem Mann ein Erbe erhalten. Dies übt großen Druck auf geschiedene christliche Frauen aus, zum Islam zu konvertieren.

Männer

Diskriminierung am Arbeitsplatz betrifft alle Christen, insbesondere wenn sie im öffentlichen Sektor arbeiten. In der zumeist traditionell und von Stammesstrukturen geprägten jordanischen Gesellschaft gelten Männer als „Ernährer der Familie“, wie Forscher des „Research Gate“ im Januar 2015 analysierten. Dies kann erhebliche Auswirkungen auf christliche Familien haben.

Nach dem Scharia-Gesetz sind Ehen zwischen muslimischen Frauen und nichtmuslimischen Männern verboten. Damit die Ehe legal ist, muss der Mann zum Islam konvertieren. Eine Eheschließung zwischen einem christlichen Mann (ohne muslimischen Hintergrund) und einer christlichen Frau (mit muslimischen Hintergrund) ist rechtlich nicht möglich. Das Scharia-Gesetz legt auch fest, dass, wenn eine christliche Frau zum Islam konvertiert, auch ihr Mann konvertieren muss, damit ihre Ehe legal bleibt.

Wenn der Druck auf christliche Familien zur Auswanderung führt, hat dies potenziell negative Auswirkungen auf zukünftige Kirchen- und Gemeindeleitungen, da den Kirchen dann weniger Erwachsene für die Ausbildung und Übernahme von Führungsaufgaben zur Verfügung stehen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere Religionen, die in Jordanien Einschränkungen unterliegen, sind Schiiten, Drusen, Bahai und irakische Mandäer. Es ist Berichten zufolge schwieriger für einen Sunniten, sich zum schiitischen Islam zu bekehren, als zum Christentum. Die meisten Bahai-Anhänger dürfen zwar ihre Religion ausüben, die Bahai-Religion ist jedoch nicht offiziell anerkannt, und daher können Aktivitäten ihrer Anhänger verboten werden. Heiratsurkunden der Bahais werden von der Behörde für Familienstand und Passwesen nicht anerkannt. Drusen erleben soziale Ausgrenzung und leben in speziellen Gebieten. Wie die Bahai-Religion, ist auch der drusische Glaube nicht offiziell von der jordanischen Regierung anerkannt, und da sie keine eigenen religiösen Gebäude haben, beten sie weiterhin in den Moscheen der Sunniten. Desweiteren gab es unter den irakischen Flüchtlingen, die in das Land kamen, einige Mandäer. Auch diese werden nicht anerkannt; sie üben ihre Bräuche ohne offizielle Genehmigung durch, was ihnen manchmal deshalb untersagt wird.

Beispiel: Der „International Religious Freedom Report 2017“ des US-Außenministeriums nennt einen Vorfall, bei welchem der Gouverneur von Amman eine von den Bahai ausgerichtete Veranstaltung zur Würdigung der „Harmonie der Religionen“ im Oktober 2017 abgesagt hat, weil er befürchtete, dass die Veranstaltung zu einem extremistisch-islamischen Angriff führen könnte.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Nach Angaben der britischen „Economist Intelligence Unit“ (EIU) ist zu erwarten, dass König Abdullah II. in den nächsten Jahren an der Macht bleiben wird und „es schaffen wird, jede abweichende Meinung zu bekämpfen, unterstützt von seinen treuen Streitkräften und der Regierung. Die Regierung wird die Steuerreformen aus Angst vor sozialen Unruhen mit Bedacht umsetzen. Dadurch bleiben das Haushalts- und Außenhandelsdefizit weiterhin hoch. Die Anwesenheit syrischer Flüchtlinge wird den Druck auf die öffentlichen Finanzen erhöhen. Jordanien wird weiterhin auf ausländische Unterstützung angewiesen sein. Das tatsächliche BIP-Wachstum wird sich allmählich beschleunigen, aber die Arbeitslosenquote wird hoch bleiben.“ Die Wirtschaft befindet sich in Schwierigkeiten, und Jordanien wurde ein Darlehen des „Internationalen Währungsfonds“ gewährt, sofern die Regierung Sparmaßnahmen einführt und die Steuern erhöht. Diese Maßnahmen führten zu massiven Protesten, was zur Folge hatte, dass der König Premierminister Hani Al-Mulki entließ. Dieser Schritt beruhigte die jordanische Öffentlichkeit, aber es müssen noch Wege gefunden werden, die Wirtschaft anzukurbeln. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Jordaniens könnten zu mehr sozialen und politischen Unruhen führen, die sich negativ auf Christen und andere Minderheiten auswirken.

Der Ausblick für Christen

Mit Hiblick auf Islamische Unterdrückung: Es ist bekannt, dass der Salafismus in Jordanien stetig zunimmt, und mittelfristig könnte dies zu einem bedeutenden Wandel der religiösen Einstellung in der Gesellschaft führen. Eine strengere Auslegung des Islam könnte das öffentliche Leben der Christen ernsthaft beeinträchtigen. Darüber hinaus wird mit einer anhaltend hohen Arbeitslosigkeit gerechnet. Eine hohe Arbeitslosenquote, insbesondere unter Jugendlichen, ist ein fruchtbarer Boden für die Rekrutierung durch extremistisch-islamische Gruppen. Dies wurde durch den Bombenanschlag auf ein Polizeiauto im August 2018 bestätigt; die Polizisten sollten ein Musikfestival in der mehrheitlich christlichen Stadt Fuheis schützen. Die Täter waren angeblich Anhänger des „IS“, die weitere Angriffe planten. Außerdem könnten kampferprobte jordanische Extremisten bald nach Hause zurückkehren, da der Krieg in Syrien anscheinend kurz vor seinem Ende steht. Ihre Präsenz könnte eine massive Gefahr für die Bevölkerung und insbesondere für gefährdete Minderheiten wie Christen darstellen. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, dass Islamische Unterdrückung als Triebkraft der Verfolgung in Zukunft an Einfluss gewinnen dürfte.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Diese Verfolgungstriebkraft scheint derzeit keine große Veränderung zu erleben. Laut dem „Arab Youth Survey 2018“ werden jordanische Jugendliche jedoch mehr von ihren Altersgenossen und den Medien beeinflusst als von ihren Familien oder religiösen Autoritäten. Infolgedessen versucht die Regierung, den Einfluss islamisch-extremistischer Gruppen abzuwehren und zu verhindern. Wenn diese Lockerung der Verbundenheit von Jugendlichen zu Familien oder Religionsführern anhält, könnte dies langfristig zu einer Schwächung der ethnisch begründeten Anfeindungen führen.

Schlussfolgerung

Im Allgemeinen sind viele Christen in Jordanien überzeugt, dass ihre Sicherheit vom haschemitischen König abhängt, der bekräftigt hat, dass er „die Existenz und Identität der arabischen Christen“ im Königreich schützen will. Er will die Gesellschaft Schritt für Schritt modernisieren und versucht, Maßnahmen umzusetzen, die für religiöse Minderheiten von Vorteil sind. Dazu gehören auch die Überwachung islamischer Predigten und der Aktivitäten von Salafisten, die eine erhebliche Bedrohung für die zukünftige Stabilität darstellen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Jordanien:

  • Jordanien ist eines der stabilsten Länder im Nahen Osten; Christen genießen dort relative Freiheit. Dennoch sind sie in einer muslimisch dominierten Kultur eine kleine Minderheit und müssen sich entsprechend verhalten. Beten Sie um Weisheit und um Mut für die Gläubigen, damit sie in ihrer Gesellschaft wahre Nachfolger Christi sein können. Beten Sie für von Open Doors unterstützte Jugendgruppen in traditionellen jordanischen Kirchen, dass Jugendliche sich für das Bibellesen und Gebet begeistern lassen.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die von der Polizei vernommen und von Familienmitgliedern misshandelt werden. Beten Sie, dass der Herr Schutz und Heilung schenkt.
  • Beten Sie, dass die anhaltende Flüchtlingskrise vielen die Möglichkeit eröffnet, das Evangelium zu hören.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.