Länderprofil Malediven

Malediven

16
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Malediven
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
15
Karte Malediven
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
0.47
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.400
Familienleben: 15.300
Gesellschaftliches Leben: 13.700
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.500
Auftreten von Gewalt: 0.400

Länderprofil Malediven

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 16 / 77 Punkte (WVI 2021: Platz 15 / 77 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Von allen Maledivern wird erwartet, dass sie Muslime sind. Die Malediven haben eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt, besonders auf der Hauptinsel Malé. In der eng miteinander verwobenen, homogenen Gesellschaft der Malediven dienen die sozialen Gruppen als natürliche Wächter über jede auffällige Veränderung ihrer Mitglieder. Das gilt auch für religiöse Belange. Dies kann dazu führen, dass Konvertiten muslimischen Hintergrunds, die sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, den muslimischen Anführern oder Behörden gemeldet werden. Auch ausländische Christen, die meist im Tourismussektor arbeiten und aus Indien oder Sri Lanka kommen, stehen unter genauer Beobachtung, was eine Zusammenkunft unter Christen deutlich erschwert. Aufgrund der Covid-19-Pandemie verließen viele ausländische Christen das Land, doch mit der Wiedereröffnung des Landes für den Tourismus kehren sie langsam zurück.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Nach dem erzwungenen Rücktritt des ersten demokratisch gewählten Präsidenten, Mohamed Nasheed, im Jahr 2012 haben seine Nachfolger vielfach das Ziel bekräftigt, das Land davor zu schützen, weniger als 100 Prozent sunnitisch zu werden. Oppositionelle Kräfte – auch solche, die die Machthaber als Gefahr betrachtet haben – wurden aus dem Land vertrieben oder verhaftet. Am 7. Mai 2021 explodierte eine Bombe vor Nasheeds Haus, als er in sein Auto stieg; es wird vermutet, dass islamisch-extremistische Gruppen hinter dem Anschlag stecken.

Die bürgerlichen Freiheiten werden zunehmend eingeschränkt. Davon betroffen sind auch die Medien und die sozialen Netzwerke. Beispiele dafür sind die Ermordung des bekannten Bloggers Yameen Rasheed im April 2017 und die Schließung der Nichtregierungsorganisation „Maldives Democratic Network“ im November 2019. Bisher hat es nicht den Anschein, dass der neue Staatschef Ibrahim Mohamed Solih, der im September 2018 mit großem Vorsprung gewählt wurde, in der Lage ist, wesentliche Veränderungen auf den Malediven herbeizuführen.

Es besteht eine starke Abhängigkeit vom Tourismus. 69,5 Prozent der Erwerbstätigen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, der 81 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Die Rückkehr islamischer Kämpfer aus dem Ausland, insbesondere aus Syrien, die in der maledivischen Gesellschaft oft als Helden angesehen werden, könnte das Tourismusgeschäft gefährden.

Open Doors schätzt die Zahl der Christen im Land auf mehrere hundert. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Informationen hierzu veröffentlicht werden.

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Verfolgung findet nicht auf den Inseln statt, die von internationalen Touristen besucht werden, sondern auf den anderen Inseln.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Die islamische Regierung sieht sich nach wie vor als Beschützerin des Islam und verbietet den Maledivern, zu konvertieren. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, sondern nur im Land wohnende ausländische Christen. Die offizielle Politik des Ministeriums für islamische Angelegenheiten und des Verteidigungsministeriums besagt, dass Abtrünnige niemals toleriert werden können und dass die Regierung niemals Religionsfreiheit zulassen wird.

Diktatorische Paranoia

Islamische Unterdrückung vermischt sich mit diktatorischer Paranoia, weil der Islam als Rechtfertigung für die Einschränkung der politischen Freiheit benutzt wird. Die Religionsfreiheit wird weiterhin eingeschränkt, da unter „Schutz der Religion“ lediglich der Schutz des Islam verstanden wird.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die Korruption ist auf allen Ebenen der Regierung weit verbreitet, und die Beamten werden durch Bestechung und Gefälligkeiten motiviert sowie bedroht. Darüber hinaus haben Regierungsbeamte in der Vergangenheit Straßenbanden eingesetzt, um säkularer eingestellte politische Gegner anzugreifen, einzuschüchtern oder ihr Eigentum zu zerstören.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen stammen häufig aus Indien, Sri Lanka oder Bangladesch. Deren Gemeinschaften werden genau überwacht, einschließlich aller sichtbarer Zusammenkünfte von Christen wie Hochzeiten und Taufen. Die meisten ausländischen Christen haben jedoch die Freiheit, sich zu treffen (zum Beispiel in Botschaften), sofern sie strikt unter sich bleiben und keinen Kontakt zu einheimischen Konvertiten aus dem Islam pflegen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten, die den Islam verlassen und sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, erfahren die bei weitem stärkste Verfolgung. Offiziell existieren sie in dem Land überhaupt nicht. Wer den Islam verlässt, verliert seine Staatsbürgerschaft.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.4
Familienleben 15.3
Gesellschaftliches Leben 13.7
Leben im Staat 15.8
Kirchliches Leben 16.5
Auftreten von Gewalt 0.4

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Ehemalige Muslime müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben zu verbergen. Bibeln und andere christliche Materialien müssen sorgfältig versteckt werden, da der Besitz solcher Literatur zu Gefängnisstrafen führen kann. Die Beschaffung von christlichem Material in der einheimischen Dhivehi-Sprache ist besonders riskant – die Behörden würden vermuten, dass dieses Material zur Evangelisierung der einheimischen Bevölkerung verwendet wird. Sowohl die Behörden als auch die Gesellschaft sind ständig auf der Suche nach Symbolen, die als antiislamisch gelten könnten. So entfernte die Polizei im Dezember 2020 die Weihnachtsdekorationen in den Ferienanlagen und Resorts, da man meinte, diese würden die Befindlichkeiten einiger religiöser Gruppen verletzen. Für ausländische Christen sehen die Arbeitsverträge häufig vor, dass diejenigen, die nichtislamische Überzeugungen öffentlich machen, mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren, Hausarrest, Geldstrafen zwischen 5.000 und 20.000 Rufiyaa (320 bis 1.300 Dollar) und Abschiebung rechnen müssen.

Familienleben

Taufen und christliche Begräbnisse müssen im Geheimen durchgeführt werden. Die Verfassung besagt in Artikel 36 (c): „Die Erziehung hat darauf hinzuwirken, dass dem Islam Gehorsam geleistet wird.“ Kinder von Konvertiten zum christlichen Glauben werden gezwungen, islamische Lehren zu studieren. Obwohl Kinder von ausländischen Christen von der Teilnahme am islamischen Unterricht befreit sind, durchdringt der Islam das gesamte Schulleben. Wenn sie es sich leisten können, schicken ausländische christliche Eltern ihre Kinder vielfach auf internationale Schulen.

Gesellschaftliches Leben

Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte, der sozialen Homogenität und der rege auf den Islam ausgerichteten Regierungspolitik ist der soziale Druck auf den Malediven extrem hoch. Dies gilt insbesondere für die Hauptstadt Malé. Ein Beispiel ist die jüngste und weit verbreitete Einführung der schwarzen Burka (durch arabischen Einfluss). Vorfälle, in denen sich muslimische und nichtmuslimische Frauen zu verschleiern geweigert haben, führten zu Gewalt oder der Verbannung dieser Frauen. Ein weiteres Beispiel für die Zwangsislamisierung durch die Allgemeinheit ist die Vorschrift, das Fasten im Ramadan einzuhalten, unabhängig vom Glauben des Einzelnen. Eine Weigerung führt zur Verhaftung und öffentlichen Erniedrigung in den Nachrichtenmedien. Die Regierung schreibt die Teilnahme an islamischen und kulturellen Online-Kursen für die im Ausland lebenden Malediver vor. Christen stehen daher unter ständigem Druck, sich anzupassen, um Schikanen, den Verlust wirtschaftlicher Chancen oder im Extremfall Gewalt zu vermeiden.

Leben im Staat

In der Verfassung wird das Land als „100 Prozent muslimisch“ bezeichnet, und die staatlichen Vorschriften basieren auf dem islamischen Recht. Unter anderem heißt es in einer Vorschrift: „Es ist illegal, eine andere Religion als den Islam zu propagieren.“ Die Strafen für Verstöße gegen diese Vorschrift reichen von Hausarrest bis zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird er in der Regel abgeschoben. Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums heißt es: „Das Land ist Vertragspartei des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR) – allerdings mit dem Vorbehalt, dass die Regierung die in Artikel 18 des ICCPR festgelegten Prinzipien, die sich auf die Religionsfreiheit beziehen, so anwenden soll, dass dies ‚unbeschadet der Verfassung der Republik Malediven‘ geschieht.“

Kirchliches Leben

Im 20. Jahrhundert gab es auf den Malediven ein vor allem von Ausländern genutztes Kirchengebäude. Heute verbietet das Gesetz jedoch die Einrichtung von Gebetsstätten für nichtislamische religiöse Gruppen und besagt: „Nichtmuslimen, die im Land leben oder es besuchen, ist es verboten, ihre religiösen Überzeugungen offen zu äußern, öffentliche Versammlungen abzuhalten, um religiöse Aktivitäten durchzuführen oder Malediver in solche Aktivitäten einzubeziehen.“ Denjenigen, die andere religiöse nichtislamische Überzeugungen zum Ausdruck bringen, drohen Haftstrafen von bis zu fünf Jahren oder Hausarrest, Geldstrafen von bis zu 1.300 Dollar und Abschiebung. Ausländische Christen werden von den Behörden überwacht. Die Einfuhr von christlichem Material ist illegal, und wer sich dessen schuldig macht, wird festgenommen und eingesperrt. Polizei und Zoll haben auf dem Postweg verschicktes christliches Material und Briefe beschlagnahmt, in denen Werte oder Lebensweisen dargestellt werden, die dem Islam widersprechen. Ausländische Christen dürfen im Allgemeinen nur sehr begrenzte Mengen an christlicher Literatur für ihren persönlichen Gebrauch einführen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine Details über gewaltsame Übergriffe auf Christen veröffentlicht werden.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

16

77,04

2021

15

77,48

2020

14

78,25

2019

14

77,94

2018

13

77,81

Die Gesamtpunktzahl der Malediven ist im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 im Vergleich zum Vorjahr nur um einen halben Punkt gesunken, und der Druck auf Christen verbleibt auf einem hohen Maß.

Der Wert für Gewalt blieb sehr niedrig, aber die Punktzahl in anderen Bereichen sehr hoch. Konvertiten haben keinen Ort, an dem sie ihren christlichen Glauben praktizieren können, und ausländische Christen (oft Arbeitsmigranten) können nicht gemeinsam Gottesdienst feiern, ohne Angst vor Verhaftung und Ausweisung zu haben. Deshalb sind die Malediven eines der wenigen Länder, das im Bereich des kirchlichen Lebens fast die maximal erreichbare Punktzahl aufweist. Viele christliche Angestellte gingen wegen der Covid-19-Pandemie in ihre Heimatländer zurück, aber mit der allmählichen Wiedereröffnung des Tourismussektors kehren sie langsam zurück. Die Regierung, die Mitte November 2018 an die Macht kam, hat keine greifbaren Verbesserungen der Religions- und Glaubensfreiheit vorgenommen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In Anbetracht der äußerst strengen Auslegung des Islam müssen christliche Männer und Frauen ihren Glauben im Geheimen leben. Wenn eine Frau oder ein Mädchen als Christin identifiziert wird, wird alles getan, um sie durch Zwangsheirat, Beschimpfungen, Drohungen oder andere Formen der Gewalt wieder zum Islam zu bringen. Trotz der engmaschigen sozialen Kontrolle auf den Inseln sind Missbrauch, Vergewaltigung und sexuelle Belästigung erstaunlich häufig. Dies geschieht in einer Kultur, die geschlechtsspezifische Gewalt in der Familie generell entschuldigt und in der sexueller und körperlicher Missbrauch als Mittel der religiösen Verfolgung gegen christliche Frauen eingesetzt wird.

Männer: Wird ein maledivischer Mann als heimlicher Christ enttarnt, muss er mit körperlicher Gewalt, Schikanen, Drohungen oder Gefängnis rechnen. Angesichts dieses Drucks entscheiden sich viele dafür, das Land zu verlassen, wenn sie es sich leisten können. Wenn sie inhaftiert werden, leidet die gesamte Familie finanziell und emotional, und die Kinder werden wahrscheinlich in der Schule schikaniert.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auf den Malediven gibt es keine anerkannten religiösen Minderheiten. Alle Staatsbürger gelten gesetzlich als Muslime. Wer nachweislich eine andere Religion oder Philosophie als den Islam unterstützt (zum Beispiel den Hinduismus, Buddhismus oder Atheismus), wird genauso verfolgt wie Christen. So ziehen es die meisten Anhänger anderer religiöser Gruppen vor, im Ausland zu leben, um keine Gefängnisstrafe oder gar den Tod zu riskieren.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Malediven:

  • Beten Sie für Christen auf den Malediven, die ihren Glauben isoliert und heimlich leben müssen. Bitten Sie Jesus darum, sie zu schützen und ihre Herzen mit dem Bewusstsein seiner Gegenwart und Fürsorge zu erfüllen.
  • Beten Sie, dass Präsident Solih und seine Regierung ihre ablehnende Haltung gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten abschwächen.
  • Bitten Sie Jesus darum, christliche Arbeitsmigranten aus dem Ausland im Umgang mit Touristen und Maledivern zu leiten und zu schützen. Beten Sie dafür, dass sie das Salz und das Licht sind, das Menschen zu Jesus führt.

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