Länderprofil Malediven

Malediven

14
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Malediven
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
13
ISO
MV
Karte Malediven
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
0.44
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.200
Familienleben: 15.500
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 15.900
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Malediven

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 14 / 78 Punkte (WVI 2018: Platz 13 / 78 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Die Regierung betrachtet sich als Beschützer des Islam. Malediver zu sein, bedeutet, Muslim zu sein. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben hat weitreichende Folgen, u.a. den Verlust des Bürgerrechts. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen.

Diktatorische Paranoia: Der nunmehr ehemalige Präsident Yameen kündigte ein Programm an, das die islamische Einheit in der Bevölkerung fördern soll. Das lässt erwarten, dass die Behörden gegen jede wahrgenommene Abweichung von ihrem Verständnis des Islam vorgehen werden.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Viele kriminelle Banden werden von Regierungsbeamten aller Ebenen kontrolliert und haben es besonders auf Kritiker der Regierung oder der strengen Auslegung des Islam abgesehen. Auch extremistische Muslime, die Christen und Atheisten aufspüren wollen, haben Kontakte und Einfluss bei Gangs und korrupten Netzwerken der Polizei.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Regierung besteht darauf, dass das Land nach konservativen islamischen Prinzipien geführt wird. Deshalb gibt es keine Religionsfreiheit. Ausländische Christen dürfen ihren Glauben jedoch hinter verschlossenen Türen im streng privaten Rahmen praktizieren. Dabei werden sie rigide überwacht. Islamistische Prediger üben strenge sozio-religiöse Kontrolle aus und beeinflussen andere mit ihren extremen Ansichten des Islam. Das macht es Christen (besonders ehemaligen Muslimen) unmöglich, ihren christlichen Glauben in irgendeiner Art und Weise zu zeigen. Zu groß ist die Angst, überwacht oder gar den staatlichen Behörden überstellt zu werden.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die Malediven weisen eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt auf, besonders auf der Hauptinsel Malé. Die eng verwobenen, zusammenhängenden Gemeinschaften geben so gut aufeinander acht, dass jegliche Veränderungen eines Mitglieds sofort auffallen. Das gilt auch für religiöse Entscheidungen. Eine Hinwendung zu Jesus Christus kann sehr schnell den muslimischen Leitern oder den Behörden mitgeteilt werden. Ausländische Christen, die vor allem in der Tourismusbranche arbeiten und aus Indien oder Sri Lanka stammen, werden ebenfalls intensiv beobachtet, was eine Zusammenkunft unter Christen sehr erschwert.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Um die Sicherheit der sehr wenigen Christen auf den Malediven zu wahren, können keine Beispiele veröffentlicht werden.

Auf den Malediven ist es laut Artikel 9(d) der Verfassung Nichtmuslimen unmöglich, offizieller Staatsbürger zu werden. Wird einem Bürger die Konversion zum christlichen Glauben nachgewiesen, verliert er sein Bürgerrecht und wird gemäß der Scharia bestraft. Angesichts eines solch extremen Druckes ist es naheliegend, dass sich Konvertiten gut versteckt halten. Einige maledivische Christen haben ihr Land verlassen, um dem enormen Druck zu entfliehen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Der Druck auf Christen hat sich im aktuellen Berichtszeitraum nicht wirklich verändert. Das zeigt sich in der sehr hohen Wertung von 78 Punkten, die gegenüber dem Vorjahr unverändert ist. Damit belegen die Malediven Rang 14. Christen muslimischer Herkunft haben praktisch keine Möglichkeit, ihren Glauben zu leben. Ausländische Christen (häufig Arbeitsmigranten) haben kaum die Möglichkeit, einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern, ohne befürchten zu müssen, abgeschoben oder verhaftet zu werden. Aus diesem Grund sind die Malediven eines der wenigen Länder, das im Bereich „Kirchliches Leben“ die maximal erreichbare Punktzahl aufweist. Die neue Regierung übernahm Mitte November 2018 die Regierungsgeschäfte. Damit hat sie keinen Einfluss auf den Berichtszeitraum. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie Verbesserungen für die Religionsfreiheit bewirken wird.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die islamische Regierung betrachtet sich als Beschützerin des Islam und hat eine Reihe von Gesetzen erlassen, die es einem Malediver grundsätzlich verbieten, sich vom Islam abzuwenden und einer anderen Religion nachzufolgen. Malediver zu sein, bedeutet, Muslim zu sein – Abweichungen sind undenkbar. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben hat weitreichende Folgen, u.a. den Verlust des Bürgerrechts. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen. Die voranschreitende Islamisierung des Landes wurde im aktuellen Berichtszeitraum durch ein Grundsatzpapier verdeutlicht, das im April 2018 vom Ministerium für islamische Angelegenheiten veröffentlicht wurde. Darin wird unter anderem der Umgang mit Apostaten (vom Islam „Abgefallenen") behandelt. Das Ministerium erklärt in dem Papier, dass es einen Abfall vom Islam unter keinen Umständen tolerieren kann. Etwa zur gleichen Zeit erklärte der Verteidigungsminister mit deutlichen Worten, dass er niemals Religionsfreiheit zulassen werde, da die Malediven ein „Land mit angemessenen islamischen Werten" seien. Darin wird die schwierige Situation deutlich, in der sich die christliche Minderheit auf den Malediven befindet.

Diktatorische Paranoia

Politische Freiheiten sind stark eingeschränkt, wenn sie überhaupt gewährt werden. Während seines Wahlkampfes beschwor der nun ehemalige Präsident Yameen die Gefährdung der zu 100 Prozent islamischen Prägung der Malediven durch internationalen Druck sowie durch oppositionelle Kräfte. Weitere Einschränkungen der Religionsfreiheit erwachsen aus dem Verständnis, beim „Schutz der Religion“ gehe es einzig um den Schutz des Islam. Auch der hoch gehandelte Schutz vor dem Angriff auf die „religiöse Einheit“ ist besorgniserregend, da dieser Wortlaut erkennen lässt, dass die Behörden sich gegen jede wahrgenommene Abweichung von ihrem Verständnis des Islam stellen werden. Diese Gesetze und die Rhetorik zeigen nicht nur, dass der Islam um jeden Preis beschützt wird, sondern dass „Islamische Unterdrückung“ mit „Diktatorischer Paranoia“ verknüpft ist. Der Islam wird benutzt, um politische Freiheiten einzuschränken. (Mehr dazu unter „Hintergrund”.)

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist auf den Malediven auf allen Ebenen der Regierung stark vertreten. Es gibt fast nichts, das nicht mit einem angemessenen Bestechungsgeld, Gefälligkeiten und/oder Drohungen möglich gemacht werden könnte. Verträge und andere Übereinkünfte können willkürlich gebrochen werden. Regierungsbeamte heuern junge Männer aus Straßengangs an, um ihre Ziele mit allen Mitteln zu erreichen (Menschen zusammenschlagen, gezielte Eigentumsdelikte, Handel mit Schmuggelware). Viele kriminelle Banden werden von Regierungsbeamten aller Ebenen kontrolliert und haben es besonders auf Kritiker der Regierung oder der strengen Auslegung des Islam abgesehen. Auch extremistische Muslime, die Christen und Atheisten aufspüren wollen, haben Kontakte und Einfluss bei Gangs und korrupten Netzwerken der Polizei. Hinzu kommen die Aktivitäten krimineller Einzelpersonen oder ganzer Banden, die lediglich den eigenen Vorteil suchen, ohne dabei religiöse oder sonstige übergeordnete Ziele zu verfolgen.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die Regierung der Malediven besteht darauf, dass das Land nach konservativen islamischen Prinzipien geführt wird. Alle Staatsbürger müssen Muslime sein (100% Islam). Das ist eine fundamentale Tatsache, die auch die neue Regierung nach ihrem überraschenden Wahlsieg nicht ändern wird. Demzufolge existiert für die einheimischen Malediver keinerlei Religionsfreiheit; nur in einem sehr eingeschränkten Maß für ausländische Christen, die streng überwacht und eingeschüchtert werden, sodass sie es kaum wagen, sich selbst hinter verschlossenen Türen im privaten Rahmen zu treffen. Extremistische Islamprediger und Geistliche, sowohl einheimische als auch aus dem Nahen Osten, üben strenge sozio-religiöse Kontrolle aus und beeinflussen andere mit ihren extremen Ansichten des Islam. Das macht es für Christen (besonders ehemalige Muslime) unmöglich, ihren christlichen Glauben in irgendeiner Art und Weise erkennen zu lassen. Zu groß ist die Angst, überwacht oder gar den staatlichen Behörden überstellt zu werden. Werden christliche Konvertiten entdeckt, geht Verfolgung auch von der (Groß-)Familie und dem sozialen Umfeld aus.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Politik auf den Malediven wird seit langer Zeit von Regierungen dominiert, die sich mit aller Kraft an die Macht klammern. Ob der neugewählte Präsident mit dieser Tradition brechen wird, bleibt abzuwarten. Beamte und Behörden werden weiterführen, was sie gewohnt sind, und die Opposition wird jede Gelegenheit nutzen, die neue Regierung als „unislamisch" darzustellen und als Gefahr für die Identität des Landes anzuprangern. Einige Anzeichen deuten sogar auf eine Zunahme Diktatorischer Paranoia hin; dies würde zu Lasten der Minderheiten sowie aller derer gehen, die als Abweichler wahrgenommen werden.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Extremistische Muslime schließen sich mit kriminellen Banden zusammen, um alle Christen und Atheisten aufzuspüren sowie alle, die „unislamischer Handlungen" verdächtigt werden. Angeblich nutzten auch Amtsträger der alten Regierung und verschiedene politische Parteien diese Mittel.

4. Hintergrund

Während des aktuellen Berichtszeitraums hat sich die Unruhe auf den Malediven weiter verstärkt. Ihr internationales Image als Urlaubsparadies beginnt zu verblassen, auch wenn die Touristeninseln von den gesellschaftlichen Entwicklungen abgeschirmt werden. Die Dominanz einer strengen Form des Islam und die politischen Unruhen halten das Land weiter in Atem. Nicht einmal einen Monat nach seiner Festnahme im März 2015 wurde der ehemalige Präsident Mohammed Nasheed ohne faires Gerichtsverfahren zu dreizehn Jahren Gefängnis verurteilt. Wer dagegen protestierte, wurde entlassen. Davon waren auch einige hochrangige Politiker betroffen wie der Verteidigungsminister und der Vizepräsident. Im Januar 2016 wurde Ex-Präsident Nasheed gestattet, für eine ärztliche Behandlung nach London zu reisen. Dort erhielt er im Mai 2016 politisches Asyl. Kurz darauf gründete er gemeinsam mit mehreren (hauptsächlich ebenfalls im Exil lebenden) Politikern eine Plattform mit dem Namen „United Maldives Opposition“. Auch wenn diese Plattform nicht in allem geeint ist, so hat sie es doch geschafft, die regierende Partei „Progressive Party of Maldives“ (PPM) weiter zu destabilisieren. Im Juli 2017 traten zehn Parlamentsmitglieder aus der Regierungspartei aus und wechselten zur Opposition. Dieser Schritt wurde jedoch nicht vom Verfassungsgericht anerkannt, das stattdessen die Abgeordneten aus dem Parlament verwies. Der Ausschluss von Politikern aus dem Parlament, die dadurch an der ihnen übertragenen politischen Arbeit gehindert werden (wie im August 2017 geschehen), ist ein klarer Beweis für den brüchigen Zustand der Malediven. Noch deutlicher zeigte sich dies im Februar 2018, als das oberste Gericht der Malediven mehrere im Exil lebende oder inhaftierte Oppositionsmitglieder von allen Vorwürfen des Terrorismus freisprach. Darunter war auch der ehemalige Präsident Nasheed. Die Regierung reagierte umgehend und rief den Ausnahmezustand für das Land aus. Zudem ließ sie zwei Richter des obersten Gerichts verhaften. Obwohl er von einer überwältigenden Mehrheit der Parteimitglieder im Juni 2018 gewählt wurde, entschied sich der im Exil lebende Nasheed dagegen, bei den Präsidentschaftswahlen im September 2018 als Kandidat für die „Maldives Democratic Party" (MDP) anzutreten. Am 26. Oktober 2018 wies das oberste Gericht einstimmig die Klage gegen die Wahlergebnisse durch den amtierenden Präsidenten Abdulla Yameen ab. Daraufhin musste dieser seine Niederlage eingestehen. Er hatte fast 39.000 Stimmen weniger bekommen als sein Gegner Ibrahim Solih. Yameen wurde unverzüglich wegen Korruption angeklagt. Am 1. November 2018 kehrte der ehemalige Präsident Nasheed unter dem Jubel tausender Unterstützer auf die Malediven zurück.

Im Juli 2018 zeigte eine weitere Episode, dass der Schutz des Islam die erste Priorität im Land hat. Eine Hotelanlage wurde angewiesen, Skulpturen einer gerade erst angelegten Unterwassergalerie zu entfernen. Die Skulpturen wurden als „Götzenbilder" und damit als antiislamisch angesehen. Sie wurden wie gefordert entfernt.

Nach Schätzungen der Regierung von August 2016 beheimaten die Malediven mehr als 130.000 ausländische Arbeitnehmer, von denen der größte Teil im Tourismus arbeitet. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung (ca. 382.000 im Jahr 2018) ist dies eine überraschend hohe Zahl – vor allem, da die einheimische Nichtregierungsorganisation „Transparency Maldives” die Arbeitsmigranten sogar eher auf 200.000 schätzt. Anhand dieser Zahlen ist es keine Überraschung, dass laut einer offiziellen Berechnung der Regierung im Jahr 2011 der Menschenhandel (die Vermittlung illegaler Arbeiter) nach dem Tourismus den lukrativsten wirtschaftlichen Sektor des Landes ausmacht. Hier wird auch deutlich, dass nicht allein die sehr kleine Anzahl maledivischer Christen von dem Mangel an Religionsfreiheit betroffen ist, sondern auch die Christen unter den ausländischen Arbeitnehmern.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen stammen häufig aus Indien, Sri Lanka oder Bangladesch. Sie werden engmaschig überwacht. Doch solange sie strikt unter sich bleiben, dürfen sich die meisten von ihnen zu Gottesdiensten versammeln. Ausländische Christen haben keinen Kontakt zu maledivischen Christen muslimischer Herkunft.

Christen muslimischer Herkunft

Sie erleben mit Abstand die stärkste Verfolgung, da sie offiziell gar nicht existieren. Nach allgemeinem Verständnis ist jeder Malediver ein Muslim. Wer den Islam verlässt, verliert seine Staatsbürgerschaft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.2
Familienleben 15.5
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 15.9
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 1.1

Grafik: Verfolgungsmuster Malediven

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Druck auf die Christen auf den Malediven ist in allen Lebensbereichen leicht gestiegen und liegt damit auf einem extrem hohen Durchschnittsniveau. Die Punktzahl stieg von 15,3 auf 15,4.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Kirchliches Leben“, wo die maximale Punktzahl bereits zum zweiten Mal in Folge erreicht wurde. Das liegt an der absoluten Unmöglichkeit für Christen, sich zu treffen. Selbst die meisten ausländischen christlichen Gastarbeiter organisieren aus Furcht vor den Folgen keine Gottesdienste. Auch in den Bereichen „Leben im Staat“, „Familienleben“ und „Privatleben“ ist die Wertung extrem hoch. Der Druck auf ehemalige Muslime ist besonders im „Privatleben“ und „Familienleben“ sehr intensiv. Jeder Politiker betont ohne Unterlass, dass die Malediven zu 100 Prozent muslimisch bleiben sollen. So bleibt kein Raum für Abweichungen. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass die neue Regierung, die im November 2018 eingesetzt wurde, diesbezüglich etwas ändern wird.
  • Die Wertung für „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen bleibt bei 1,1 Punkten, wie im vergangenen Jahr. Hier bestätigt sich erneut, dass die Verfolgung auf den Malediven nie sehr gewalttätig war.

Privatleben

Jeder Malediver, dessen Lebensstil nicht den von der Regierung festgelegten islamischen Vorgaben entspricht, wird bestraft. Ehemalige Muslime müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben möglichst gut zu verbergen. Bibeln und andere christliche Schriften müssen sorgfältig versteckt und können nur heimlich gelesen werden. Die Familien würden den Glauben an Jesus Christus niemals akzeptieren, und der Besitz christlicher Literatur kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Selbst für christliche Ausländer ist es gefährlich, christliche Schriften zu besitzen – vor allem in der Landessprache Dhivehi oder in größeren Mengen – da dies den Verdacht der Behörden weckt, die Schriften würden zur Evangelisation von Einheimischen verwendet. Tatsächlich werden beim Betreten des Landes alle Einreisenden dazu verpflichtet, alle nichtmuslimischen Schriften anzugeben. Das Gesetz verbietet ausländischen Christen, anderen von ihrem Glauben zu erzählen. Dies ist sogar in den Arbeitsverträgen festgelegt. Unter diesen Umständen ist es eine besondere Herausforderung, sich mit anderen Christen zu treffen. Sowohl die Christen selbst, als auch jegliche geheimen Zusammenkünfte werden dadurch gefährdet. Es hat Fälle gegeben, in denen selbst Ehepartner erst nach Jahren entdeckten, dass beide aktive Christen waren, da sie beide ihren Glauben aus Furcht vor dem Anderen versteckten. Theoretisch sind private Treffen für ausländische Christen erlaubt, doch die Teilnehmer müssen sehr vorsichtig sein, um keinen Verdacht zu wecken. Aufgrund der häufigen Drohungen verzichten viele Christen lieber auf gemeinsame Treffen.

Im November 2016 kam von religiösen Gelehrten die Aussage: „Wer Religionsfreiheit auf den Malediven haben will, sollte in ein anderes Land ziehen, das diese Freiheit gewährt. Es steht Menschen, die einer anderen Religion angehören wollen, frei, das Land zu verlassen. Es ist nur Nichtmuslimen erlaubt, andere Glaubensrichtungen auszuüben. Verlässt ein Muslim den Islam, ist das Gotteslästerung. Tun sie nicht Buße, sollten sie getötet werden." Im Dezember 2016 sagte der Verteidigungsminister: „Die Regierung der Malediven hat alle nötigen Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass die Malediven zu 100 Prozent muslimisch bleiben. Ein wichtiger Schritt zum Schutz der Religion auf den Malediven besteht darin, den Islam als Staatsreligion in der Verfassung zu verankern. Nur wer an Allah glaubt, kann ein Malediver sein. Auf den Malediven dürfen keine Gesetze verabschiedet werden, die dem Islam widersprechen. Deshalb wird der Islam auf den Malediven sehr gut geschützt."

Familienleben

Artikel 9(d) der Verfassung legt fest, dass ein Nichtmuslim kein Staatsbürger der Malediven werden darf. Dementsprechend können Malediver, denen der Glaube an Jesus Christus zur Last gelegt wird, ihre Staatsbürgerschaft verlieren und nach den Gesetzen der Scharia bestraft werden. Da jeder Malediver Muslim sein muss, ist eine Registrierung für Konvertiten gänzlich ausgeschlossen. Ausländischen Christen ist es verboten, religiöse Handlungen in der Öffentlichkeit vorzunehmen. Das betrifft etwa christliche Hochzeiten, Beerdigungen und Taufen, wobei letztere nur unter äußerster Geheimhaltung erfolgen können. In Artikel 36(c) der Verfassung heißt es: „Das Bildungssystem ist darauf angelegt, Gehorsam und Liebe zum Islam zu vermitteln [...].“ Auch für Kinder von ehemaligen Muslimen ist der Islamunterricht verpflichtend, während Kinder christlicher Ausländer davon befreit sind. Die einheimische Menschenrechtsorganisation „Maldivian Democracy Network" beschrieb 2015 in einem Bericht, dass islamische Schulbücher Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit schürten und den „Dschihad“ bzw. den Krieg gegen alle, die angeblich den Islam „behindern“, verherrlichten. Ein Fall aus dem Januar 2018 illustriert das vorherrschende soziale Klima sehr gut. Dabei äußerten Eltern sich besorgt über „gotteslästerliche" Inhalte in Schulbüchern weiterführender Schulen. Kurz darauf wurden in den sozialen Medien Bilder von Schulbüchern der achten Klasse geteilt, in denen Aufgaben zu römischen Göttern gestellt wurden. Ehemalige Muslime entscheiden sich häufig dafür, ihren neuen Glauben nicht mit ihren Kindern zu teilen, aus Angst, diese könnten anderen versehentlich vom Glaubenswechsel der Eltern erzählen. Wenn christliche Konvertiten entdeckt werden, setzt man sie häufig unter Druck, sich scheiden zu lassen; dabei verlieren sie sowohl das Sorgerecht für ihre Kinder als auch ihre Erbrechte. Darüber hinaus werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit von ihren Familien isoliert. Unter diesen Umständen ist es schwer, sich überhaupt ein christliches Familienleben vorzustellen.

Gesellschaftliches Leben

Die gesellschaftliche Kontrolle ist auf den Malediven extrem stark, da die Bevölkerungsdichte zu den höchsten der Welt zählt, besonders in der Hauptstadt Malé. Christlichen Arbeitsmigranten ist es nicht erlaubt, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren, und ausländische Christen muslimischer Herkunft haben praktisch keine Privatsphäre. Stattdessen setzen ihre Arbeitskollegen sie beständig unter Druck, zum Islam zu konvertieren. Sie versuchen, ihnen zu beweisen, dass Jesus nicht der Erlöser ist. Teilweise setzen sie dazu sogar Geld ein oder stellen eine Beförderung in Aussicht. In ihrem Bemühen, ihren Glauben zu verstecken, versuchen Christen muslimischer Herkunft, sich möglichst an die Menschen in ihrem Umfeld anzupassen. Dies betrifft sowohl ihre Kleidung als auch Besuche in der örtlichen Moschee. Jeder Einheimische, der die Moschee nicht besucht, wird zur Rede gestellt. Ausländische Christen haben mehr Freiheit, aber es gibt Zeiten, in denen sie sich ebenfalls anpassen müssen. So dürfen sie zum Beispiel während des Ramadan in der Öffentlichkeit nichts trinken und essen.

Leben im Staat

Die Verfassung und andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein, indem sie den sunnitischen Islam zur offiziellen Staatsreligion erklären – mit Verweis darauf, dass das Land zu „100 Prozent“ muslimisch sei. Die Regierungsvorschriften basieren auf dem islamischen Recht. Darauf sind die Malediven sehr stolz. Eine der Vorschriften lautet: „Es ist illegal, eine andere Religion außer den Islam zu verbreiten.“ Strafen für Verstöße bewegen sich von Hausarrest bis hin zu fünf Jahren Gefängnis, abhängig von der Schwere des Vergehens. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird er in der Regel abgeschoben. Jegliche Meinungen, die der gängigen Auffassung vom Islam widersprechen (sogar moderate islamische Stimmen) erfahren harsche Kritik und sogar Gewalt. Besonders durch das „Verleumdungsgesetz“, das eine eigene Klausel gegen anti-islamische Äußerungen beinhaltet, ist die Redefreiheit von Christen noch stärker eingeschränkt. Verstöße dagegen können sechs Monate Gefängnis nach sich ziehen. Jemanden wegen seines christlichen Glaubens zu denunzieren – selbst, wenn nur ein Verdacht existiert – oder das Haus oder Geschäft eines Christen zu sabotieren, zieht nicht nur keine Strafe nach sich, es gilt sogar als patriotische Pflicht.

Kirchliches Leben

Für Malediver ist der Übertritt zum christlichen Glauben illegal, umso mehr das Versammeln als Kirchengemeinde. Ausländische Christen haben etwas größere Freiheit, solange sie ihren Glauben nicht öffentlich leben. Es ist vorgekommen, dass öffentliche Versammlungen von Christen rigoros aufgelöst wurden. Ausländische Gemeinden werden überwacht aus Angst, sie könnten das Evangelium an Einheimische weitergeben. Im Dezember 2015 erließ die Regierung ein Verbot, weihnachtliche Feiern in Gästehäusern der bewohnten Inseln abzuhalten mit der Begründung, dass dies gegen den Islam und die maledivische Kultur verstieße. Die „Lokale Regierungsbehörde“ (LGA) unter der Leitung des damaligen Innenministers Umar Naseer wandte sich mit einem Schreiben an die Präsidenten der Insel- und Atollräte und die Bürgermeister von Malé und Addu. Darin werden diese gebeten, die Besitzer von Gästehäusern aufzufordern, keine Weihnachtsfeiern für Touristen abzuhalten. In dem Brief hieß es, dass die Weihnachtszeit eine Hauptsaison für den Tourismus sei und der Behörde bekannt geworden sei, dass „Touristen Aktivitäten abhielten, um Weihnachten auf den Malediven zu feiern“. Nichtislamisches Material wird als Schmuggelware angesehen und muss bei der Einreise am Zoll angegeben werden. Aus diesem Grund können christliche Schriften nicht importiert oder gar innerhalb des Landes produziert werden. Laut dem Bericht der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit von 2017 wurden in dem Jahr „13 Berichte von Zollbeamten eingereicht, bei denen es um den Import von religiösen Symbolen und christlichen Kreuzen ging, zumeist von Maledivern. Die Behörden konfiszierten die Gegenstände in neun dieser Fälle und gaben in den anderen vier Fällen Mahnschreiben heraus." Die Ausbildung christlicher Leiter ist undenkbar, und christliche Gemeinschaften dürfen keine ausländischen Gemeindearbeiter empfangen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Aufgrund der sehr strengen Auslegung des Islam auf den Malediven gibt es keine Unterschiede in der Art, wie Männer und Frauen verfolgt werden: Sobald entdeckt wird, dass sich jemand dem christlichen Glauben zugewendet hat, wird alles unternommen, um die Person zu einer Rückkehr zum Islam zu bewegen. Im Allgemeinen sind Frauen und Mädchen jedoch verwundbarer. Trotz der engmaschigen sozialen Kontrolle in dem Inselstaat sind Missbrauch, Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung überraschend alltäglich und fast immer wird die Frau dafür bestraft. Davon sind auch christliche Frauen betroffen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt keine anerkannten religiösen Minderheiten irgendeiner Art auf den Malediven. Alle Staatsbürger sind gesetzlich dem Islam verpflichtet. Wer nachweislich eine andere Religion oder Philosophie als den Islam unterstützt (z. B. Hinduismus, Buddhismus, Atheismus), wird genauso verfolgt wie Christen. So ziehen es die meisten vor, im Ausland zu leben, um keine Gefängnisstrafe oder gar den Tod zu riskieren.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die Malediven haben sich in den vergangenen Jahren im Aufruhr befunden, ausgenommen die Inseln, die als Touristenorte genutzt werden. Gesellschaftliche Freiheiten werden nach und nach eingeschränkt. Dazu gehören auch (soziale) Medien, wie die schockierende Ermordung des bekannten Bloggers Yameen Rasheed im April 2017 in der Hauptstadt Malé zeigte. Die Tatsache, dass auch die neue Regierung den Islam unter Schutz stellt, lässt erwarten, dass sich die Situation religiöser Minderheiten, und besonders die der Christen, weiter verschlechtern wird.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Ein Beobachter bezeichnete die Malediven als ein „an den Terrorismus verlorenes Paradies“. Auch wenn diese Formulierung vielleicht übertrieben ist, so haben die Malediven doch eine der höchsten pro-Kopf-Quoten von Terroristen, die im Ausland kämpfen. Die Regierung ist sich der Bedrohung zwar äußerst bewusst, doch sie setzt weiterhin auf eine schwere Bestrafung derer, die es wagen, interne Staatsangelegenheiten dieser Art zu veröffentlichen – so geschehen im Juni 2017. Zudem betont die Regierung, den Status des Landes als „100 Prozent muslimisch“ weiterhin beschützen zu wollen. Die Tatsache, dass der ehemalige Präsident Yameen während des Wahlkampfes den Kanzler der islamischen Universität als Kandidaten für die Vizepräsidentschaft auswählte, bestätigt, dass er den Schutz der religiösen Reinheit des Landes als oberste Priorität ansah. Doch auch nach der Wahlniederlage Yameens setzt die neue Regierung darauf, den Islam zu beschützen und zu verteidigen. Auch wenn die Malediven stark vom internationalen Tourismus abhängig sind, steht das Bemühen, sich als attraktive und einzigartige Tourismusdestination darzustellen in immer stärkerem Widerspruch zu der entschiedenen Betonung einer strengen Interpretation des Islam. In einer solchen Atmosphäre müssen ausländische Christen weiterhin sehr vorsichtig sein, und einheimische Christen müssen ihren Glauben weiterhin verstecken.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Ex-Präsident Abdulla Yameen hielt die Malediven in einer stetigen Spannung und rief in einem letzten Versuch, die Macht zu behalten, sogar den Ausnahmezustand aus. Mit der Wahl der Opposition in die Regierung könnte sich diese Triebkraft etwas abschwächen. Das Land hat jedoch eine lange Tradition von Diktatoren und Politikern, die sich an die Macht klammern. Minderheiten und Andersdenkende können keine Verbesserung der Lage der Religionsfreiheit in der nahen Zukunft erwarten.

Mit Hinblick auf Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die junge Generation der Inselbewohner fühlt sich laut einem Bericht der Weltbank vom Oktober 2014 immer mehr „entrechtet und ausgeschlossen“ und „abgeschnitten vom Gesellschaftsgefüge“. Die wachsende Globalisierung, das Internet und wirtschaftliche Expansion haben „junge Frauen und Männer einer Welt außerhalb des Inselstaats ausgesetzt, die neue Vorstellungen und Werte mit sich bringt und die ihnen sehr stark bewusst macht, was sie alles erreichen können“, so der Report. „Doch sowohl männliche als auch weibliche Jugendliche sind mit den Fesseln der begrenzten Inselwirtschaft konfrontiert. Sie werden kaum gefördert und es fehlt an gesellschaftlichem Engagement. Sie haben mit strengen Verhaltensnormen und zunehmend konservativeren Werten zu kämpfen und wachsen in einem mangelhaften Bildungs- und Berufsbildungssystem heran, das sie nur unzureichend auf den Arbeitsmarkt vorbereitet.“ Der Bericht argumentiert, diese Probleme verwehrten vielen jungen Maledivern den „Eintritt ins Erwachsensein“. Diese sozialen Probleme führen zu einer wachsenden Radikalisierung. Das belegt die Anzahl der Malediver, die sich den Kämpfen im Irak und in Syrien angeschlossen haben. Damit wächst auch die Islamische Unterdrückung. Andere schließen sich Banden an, die eng mit den Machthabern und Politikern des Landes verknüpft sind, und werden als Schläger gegen jeden eingesetzt, der als Feind oder Bedrohung wahrgenommen wird. Solange diese junge Generation keine Perspektive für die Zukunft hat, wird sich daran nichts ändern.

Schlussfolgerung

Es bleibt abzuwarten, ob der neue Präsident Ibrahim Solih, der im September 2018 mit großem Vorsprung gewählt wurde, den Malediven wahre Veränderung bringen kann. Am 16. August 2018 veröffentlichte „Human Rights Watch" einen Bericht mit dem Titel „Ein offener Angriff auf die Demokratie – Wie abweichende Meinungen auf den Malediven zerschlagen werden". Er untersucht die jüngsten Entwicklungen in den Bereichen Politik und Menschenrechte auf der Inselgruppe. Der Bericht kann auch als Beschreibung der Herausforderungen angesehen werden, die auf Solih warten. Es ist jedoch als ermutigender Schritt anzusehen, dass das Verfassungsgericht die Anfechtung der Wahlergebnisse durch den damaligen Präsidenten Yameen einstimmig ablehnte – obwohl die Richter von ihm ausgewählt worden waren.

Sogar mit der kürzlichen Rückkehr des ehemaligen Präsidenten Mohammed Nasheed und seiner Hilfe könnte es der neuen Regierung schwerfallen, das Land zurück in ruhigere Gewässer zu führen. Betrachtet man diese Information zusammen mit den politischen Unruhen (siehe „Hintergrund"), wird deutlich, dass die Triebkräfte Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig beeinflussen. Christen können in absehbarer Zeit keine Verbesserung ihrer Lage erhoffen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Malediven:

  • Beten Sie, dass Gott den Christen, die ihren Glauben im Verborgenen leben müssen, Gemeinschaft mit anderen Christen ermöglicht. Beten Sie, dass sie Zugang zu einer Bibel bekommen, die nach maledivischem Recht als Schmuggelgut gilt.
  • Als Malediver ist man Muslim. Beten Sie für alle Malediver, dass sie einen Traum oder eine Vision von Jesus haben, und sie auf Christen treffen, die mutig genug sind, das Evangelium mit ihnen zu teilen.
  • Viele Malediver wollen das Land aufgrund der Einschränkungen ihrer Freiheit verlassen. Oft suchen sie Trost im Rauchen oder in Drogen. Einheimische Medien berichten, dass der Drogenmissbrauch zum größten soziale Problem des Landes geworden ist. Bitte beten Sie, dass sich die Malediver zu Jesus wenden, um wahre Freiheit zu erleben.
  • Beten Sie, dass die heimlichen Christen in der Nachfolge Jesu angeleitet werden können. Dies ist riskant und auch aufgrund unterschiedlicher theologischer Ansichten eine große Herausforderung. Bitten Sie, dass Gott Antworten und Lösungen schenkt, wie Hindernisse überwunden werden können, und Christen geistlich gestärkt und Christus immer ähnlicher werden.

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