Länderprofil Malediven

Malediven

15
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Malediven
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
14
Karte Malediven
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
0.46
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.400
Familienleben: 15.500
Gesellschaftliches Leben: 13.900
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.600
Auftreten von Gewalt: 0.400

Länderprofil Malediven

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 15 / 77 Punkte (WVI 2020: Platz 14 / 78 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die Malediven haben eine der höchsten Bevölkerungsdichten der Welt, besonders auf der Hauptinsel Malé. Die eng miteinander verwobenen, homogenen Gemeinschaften dienen als natürliche Wächter über jede auffällige Veränderung ihrer Mitglieder. Das gilt natürlich auch für religiöse Entscheidungen. Eine Hinwendung zu Jesus Christus kann daher leicht dazu führen, dass man den muslimischen Anführern oder Behörden gemeldet wird. Auch ausländische Christen, die meist im Tourismussektor arbeiten und aus Indien und Sri Lanka kommen, stehen unter genauer Beobachtung, was eine Zusammenkunft unter Christen deutlich erschwert.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

77

15

2020

78

14

2019

78

14

2018

78

13

2017

76

13

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 hatte der Druck auf die Christen weiterhin ein sehr hohes Ausmaß, mit einem nur leicht zurückgegangenen Wert. Die ohnehin schon sehr niedrige Punktzahl für Auftreten von Gewalt ging ebenfalls zurück. Christen muslimischer Herkunft haben keine Möglichkeit, ihren Glauben zu leben. Ausländischen Christen (häufig Arbeitsmigranten) können kaum einen gemeinsamen Gottesdienst feiern, ohne befürchten zu müssen, abgeschoben oder verhaftet zu werden. Deshalb sind die Malediven eines der wenigen Länder, das im Bereich des kirchlichen Lebens fast die maximal erreichbare Punktzahl aufweist. Die neue Regierung, die Mitte November 2018 an die Macht kam, hat bisher keine spürbaren Verbesserungen in Bezug auf die Religionsfreiheit vorgenommen. Aufgrund der Covid-19-Pandemie sind viele ausländische Christen in ihre Heimatländer zurückgekehrt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Aufhebung der selbst auferlegten Isolation, jedoch keine Änderung der Ideologie

Die neue Regierung startete vielversprechend, beginnend direkt nach der Wahl, als das neue Parlament der Malediven im November 2018 einstimmig beschloss, dem Commonwealth of Nations wieder beizutreten. Dies ist bisher eines der stärksten sichtbaren Zeichen für einen Rückgang des Einflusses der Treibkraft diktatorische Paranoia. Allerdings hat sich weder die rechtliche noch die gesellschaftliche Situation geändert. Weder die ausländischen noch die wenigen einheimischen Christen können somit kurzfristig mit einer Erleichterung rechnen, auch wenn neue Beschränkungen für Hassreden eine gewisse Erleichterung für jeden bedeuten, der als anders oder gar abweichend angesehen wird (siehe islamische Unterdrückung). Die Beschlagnahmung von christlichen Büchern auf einer Buchmesse im August 2019 und der Entzug der rechtlichen Existenz der einheimischen Menschenrechtsorganisation „Maldivian Democracy Network“ (MDN), trotz deren Entschuldigung für „unsensible Sprache“, lassen daran ernsthafte Zweifel aufkommen. Was den Schutz des Islam angeht, so kann man sagen, dass auch die neue Regierung keine Veränderungen vornehmen wird. Folglich warnte ein Mitglied von MDN in einem Interview im Juni 2020, dass die Behauptung, ein „liberaler“ Politiker zu sein, nicht bedeutet, dass man sich für Menschenrechte oder gegen extremistische islamische Ansichten einsetzt. Die Malediven werden zu 100 Prozent islamisch bleiben. Das bedeutet, dass christliche Aktivitäten weiterhin im Geheimen stattfinden müssen.

2) Den extremistischen Islam inmitten einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation bekämpfen

Im Jahr 2020 gab es auf den Malediven zwei islamistische Anschläge; einer richtete sich gegen Touristen, der andere gegen die Regierung und wurde vom „Islamischen Staat“ (IS) beansprucht. Das wäre schon besorgniserregend genug, vor allem wenn man bedenkt, wie viele erfahrene islamistische Kämpfer auf die Malediven zurückkehren. Die Nachrichtenagentur „Maldives Independent“ berichtete im Dezember 2019 von einer Schätzung der maledivischen Polizei, dass momentan etwa 1.400 Personen auf den Malediven extremistischer Ideologie folgen würden. Wenn diese Zahl korrekt ist, könnte sich herausstellen, dass es angesichts der geringen Größe des Landes zu viele sind, als dass die Behörden allein damit fertigwerden können. Dies gilt umso mehr, da die Coronakrise der Gesellschaft einen weiteren harten Schlag versetzt hat, insbesondere in wirtschaftlicher Hinsicht. Statt der erwarteten zwei Millionen Besucher im Jahr 2020 mussten die Malediven einen Rückgang der Besucherzahlen von ca. 70–75 Prozent verkraften. Folglich haben die Malediven nach internationaler Hilfe gesucht; die Unterstützung wurde zu einer Art Wettbewerb zwischen Indien und China. Ob die Malediven wirklich in den indischen Schoß zurückkehren, bleibt abzuwarten. Es ist sehr gut möglich, dass der Inselstaat versuchen wird, verschiedene Interessen auszugleichen.

Sollte sich die wirtschaftliche Erholung verzögern, werden viele in der Bevölkerung – vor allem die Jugend – anfangen, sich nach anderen Perspektiven umzusehen, und der extremistische Islam könnte eine attraktive Option werden. Aber selbst, wenn dies nicht der Fall ist, ist die Aussicht für eine kleine religiöse Minderheit wie die Christen beunruhigend genug, mit einer Welle von heimkehrenden extremistischen Muslimen konfrontiert zu werden.

3. Religiöse Situation im Land

Open Doors schätzt die Zahl der Christen im Land auf einige Tausend. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Informationen hierzu veröffentlicht werden. Das Land ist offiziell zu 100 Prozent sunnitisch-muslimisch und jeder maledivische Bürger, der sich vom Islam abwendet, verliert seine Staatsbürgerschaft. Unter den vielen Gastarbeitern gibt es Christen sowie Hindus. Sollten sie es überhaupt wagen, sich zu treffen, müssen sie sehr vorsichtig sein und sich unauffällig verhalten.

Die Landessprache auf den Malediven ist Dhivehi: Die komplette Bibel ist in dieser Sprache noch nicht verfügbar.

Im 12. Jahrhundert brachten sunnitisch-muslimische Händler den Islam auf die Malediven, die jahrhundertelang ein buddhistisches Land gewesen waren. Die einstmals starke Sufi-Tradition ist im Niedergang begriffen, da der Einfluss des saudischen Wahhabismus wächst, trotz einer Abkühlung der Beziehungen zu Saudi-Arabien im Jahr 2017, als die Regierung eine massive saudische Investition auf den Malediven verfrüht ankündigte und damit den saudischen König verärgerte. Die Investition kam nie zustande, aber Einflüsse des Wahhabismus und auch des Salafismus sind dennoch ins Land geströmt, nicht zuletzt durch das Internet.

Die Coronakrise hat die religiöse Landschaft zumindest vorübergehend insofern verändert, als dass viele ausländische Christen, die im Tourismussektor arbeiten, ihre Arbeit verloren haben und in ihre Heimatländer, vorwiegend in andere südasiatische Länder, zurückgekehrt sind.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die islamische Regierung versteht sich unvermindert als Beschützerin des Islam und Hüterin einer Reihe von Gesetzen, die es Maledivern grundsätzlich verbieten, sich vom Islam abzuwenden und einer anderen Religion nachzufolgen. Malediver zu sein, bedeutet, Muslim zu sein – Abweichungen sind undenkbar. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben hat weitreichende Folgen, unter anderem den Verlust des Bürgerrechts. Offiziell gibt es keine maledivischen Christen, nur im Land wohnende ausländische Christen. Unter der alten Regierung hatte das Ministerium für islamische Angelegenheiten im April 2018 ein Grundsatz- und Strategiepapier veröffentlicht, das sich unter anderem mit der Frage der (vom Islam) Abtrünnigen beschäftigte. Erwartungsgemäß erklärte die Regierung in diesem Papier, dass sie Apostasie niemals tolerieren könne. Im gleichen Zeitraum bekräftigte der Verteidigungsminister unmissverständlich, dass er unter keinen Umständen Religionsfreiheit zulassen würde, da die Malediven ein „Land mit moderaten islamischen Werten“ seien. Die neue Regierung setzte ein deutliches Zeichen, indem sie die Polizei dazu veranlasste, sich mit denjenigen zu treffen, die andere Nutzer in sozialen Netzwerken als „abtrünnig“ brandmarkten. Sie riet ihnen, solche Aussagen nicht zu wiederholen. Allerdings hat sich die Haltung nicht geändert, und die Regierung kämpft mit Vorwürfen der Opposition und Teilen der Gesellschaft, sie sei zu weltlich.

Diktatorische Paranoia

Während der Kampagne für die Wiederwahl 2018 behauptete der damalige Präsident Yameen, dass internationaler Druck und oppositionelle Kräfte versuchten, die zu 100 Prozent islamische Prägung der Malediven zu gefährden. Seine Niederlage und Verhaftung aufgrund von Korruptionsvorwürfen lassen seine Rückkehr in die Politik eher unwahrscheinlich erscheinen. Es scheint, dass Präsident Solih einen anderen Ansatz verfolgt und vielleicht sogar den aufrichtigen Wunsch hat, mehr Demokratie und Freiheiten durchzusetzen. Dies sind Anzeichen für einen Rückgang der diktatorischen Paranoia. Die Religionsfreiheit wird jedoch weiterhin eingeschränkt, da unter „Schutz der Religion“ lediglich der Schutz des Islam verstanden wird. Auch das „Gesetz zum Schutz vor dem Angriff auf die religiöse Einheit“ ist besorgniserregend, da dessen Wortlaut erkennen lässt, dass die Behörden sich gegen jede wahrgenommene Abweichung von ihrem Verständnis des Islam stellen werden. Diese Gesetze und die Rhetorik zeigen nicht nur, dass der Islam um jeden Preis beschützt wird, sondern dass islamische Unterdrückung mit diktatorischer Paranoia verknüpft ist. Der Islam wird benutzt, um politische Freiheiten einzuschränken. Ein Länderexperte fasst es folgendermaßen zusammen: „Vielleicht ist hässliche politische Parteinahme nicht dasselbe wie diktatorische Paranoia, aber manchmal riecht es genauso.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist auf den Malediven auf allen Regierungsebenen stark verbreitet. Es gibt fast nichts, das nicht mit einem angemessenen Bestechungsgeld, Gefälligkeiten und/oder Androhungen ermöglicht werden könnte. Verträge und andere Abmachungen können willkürlich gebrochen werden. Regierungsbeamte heuern junge Männer aus Straßengangs an, um ihre Ziele mit allen Mitteln zu erreichen (u. a. mit dem Zusammenschlagen von Menschen, gezielten Eigentumsdelikten, Handel mit Schmuggelware). Regierungsbeamte aller Ebenen nutzen zahlreiche kriminelle Banden und sehen es besonders auf Kritiker der Regierung oder der strengen Auslegung des Islam ab. Die derzeitige Regierung ist davon nicht völlig frei, versucht aber, solche Verbrechen zu untersuchen und zu verfolgen, wie die Verurteilung des ehemaligen Vizepräsidenten Ahmed Adeeb im Jahr 2020 zeigt. Eine präsidiale Kommission, die die Kette von Entführungen, Morden und Einschüchterungen von liberalen Bloggern und Intellektuellen untersucht, erklärte im März 2019 in einer seltenen Enthüllung, dass die „Angriffe von einer Gruppe angezettelt wurden und von religiösen, militanten Elementen mit Bandenbeteiligung motiviert waren“. Während die Veröffentlichung des vollständigen Berichts noch aussteht, erklärte der Kommissionsvorsitzende, Husnu Suood, in einem Interview, dass es eine „Bandenbeteiligung“ gebe. Es ist allgemein bekannt, dass bestimmte Banden mit Politikern, Parteien und Sicherheitskräften verbündet sind und zur gewaltsamen Einschüchterung von Abweichlern eingesetzt werden. Jedoch scheinen sich die Banden vorerst bedeckt zu halten. Auch extremistische Muslime, die Christen und Atheisten aufspüren wollen, haben Kontakte und Einfluss bei Gangs und korrupten Netzwerken der Polizei. Hinzu kommen die Aktivitäten krimineller Einzelpersonen oder ganzer Banden, die lediglich den eigenen Vorteil suchen, ohne dabei religiöse oder sonstige übergeordnete Ziele zu verfolgen.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Die Regierung der Malediven besteht darauf, das Land nach konservativen islamischen Prinzipien zu führen. Alle Staatsbürger müssen zu 100 Prozent Muslime sein. Das ist ein grundlegendes Thema, das die neue Regierung nicht ändern wird. Es gab sogar Forderungen, „Säkularisten“ aus der Regierung zu entfernen. Daher gibt es keine Religionsfreiheit, außer in sehr begrenzter Weise für Gastarbeiter. Sie werden jedoch streng überwacht und so stark eingeschüchtert, dass sie es kaum wagen, sich auch hinter verschlossenen Türen zu treffen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Extremistische Islamprediger und Geistliche, sowohl einheimische als auch aus dem Nahen Osten, üben eine starke gesellschaftlich-religiöse Kontrolle über ihre Anhänger aus und beeinflussen auch andere mit ihren extremen Ansichten über den Islam, so dass es für Christen, insbesondere ehemalige Muslime, unmöglich ist, ihren christlichen Glauben zu zeigen. Zu groß ist die Angst, überwacht oder gar den staatlichen Behörden überstellt zu werden. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, die Schließung der Nichtregierungsorganisation Maldivian Democracy Network zu fordern.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Werden christliche Konvertiten entdeckt, geht Verfolgung auch von der (Groß-)Familie und dem sozialen Umfeld aus. Die eng verflochtene Gesellschaft und die Tatsache, dass Malé eine der Städte mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Welt ist, verstärkt den Einfluss dieser Verfolger spürbar, genauso wie die Tatsache, dass man die weniger besiedelten Atolle nicht leicht verlassen kann und somit die soziale Kontrolle ebenfalls hoch ist.
  • Politische Parteien: Politische Parteien wie die „Jumhoree“-Partei versuchen, politische Unterstützung zu gewinnen, indem sie Behauptungen über die drohende Christianisierung und die Gefahren, die andere Religionen auf die Malediven bringen, aufstellen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es ist nicht klar, ob Dschihadisten, die aus den Kämpfen aufseiten des IS im Ausland zurückkehren, sich bereits organisiert und Gruppen gebildet haben. Doch die Präsenz der Dschihadisten stellt eine wachsende Bedrohung dar, die sich in den Terroranschlägen (nicht gegen Christen gerichtet) im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 widerspiegelt.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Während die meisten Banden nicht besonders an religiösen Fragen interessiert sind und viel mehr davon getrieben sind, Geld zu verdienen und Macht durch Brutalität auszuüben, sind manche Banden durchaus religiös motiviert.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Politik auf den Malediven wird seit langer Zeit von Regierungen dominiert, die sich mit aller Kraft an die Macht klammern. Mit dieser Tradition hat der neu gewählte Präsident bisher nicht gebrochen. Beamte und Behörden bewegen sich weiterhin in gewohnten Bahnen. Die Opposition nutzt jede Gelegenheit, die neue Regierung als „unislamisch“ darzustellen und als eine Gefahr für die Identität des Landes anzuprangern. Einige Anzeichen deuten sogar auf eine Zunahme diktatorischer Paranoia hin; dies würde zu Lasten der Minderheiten sowie aller derer gehen, die als Abweichler wahrgenommen werden.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die islamischen Anführer sind vielleicht nicht unbedingt daran interessiert, dass eine politische Partei oder ein bestimmter Politiker an der Macht bleiben, aber sie sind definitiv daran interessiert, den Status quo zu erhalten. Wenn dies bedeutet, die autoritären Maßnahmen eines Anführers oder einer Partei zu unterstützen, werden sie es tun.
  • Politische Parteien: Die Anführer der politischen Parteien auf den Malediven haben eine lange Geschichte des geradezu verzweifelten Klammerns an die Macht. Es bleibt abzuwarten, ob Präsident Solih und seine Partei, die Maledivische Demokratische Partei (MDP), mit dieser Tradition brechen werden. Aufgrund ihrer derzeitigen Stärke bestand hierzu bisher kein Bedarf.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Wie bereits oben erwähnt, unterstützen Banden zum Schutz ihrer illegalen Aktivitäten die dafür benötigten politischen Akteure. Die Malediven weisen eine lange Geschichte von Verbindungen zwischen Gangs, Politik und Religion auf.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Angeblich haben Beamte der ehemaligen Regierung (d. h. vor November 2018) und verschiedene politische Parteien Banden eingesetzt, da sie es für notwendig hielten und darüber hinaus alle Seiten von dieser Verbindung profitierten.
  • Kartelle des organisierten Verbrechens: Es ist bekannt, dass extremistische Muslime sich mit Banden verbünden und sie dazu benutzen, Christen und Atheisten oder jeden, der nichtmuslimischer Aktivitäten verdächtigt wird, aufzuspüren. Banden können ihre Operationen geschickt anpassen und halten sich derzeit bedeckt.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Verfolgung findet außerhalb der den internationalen Touristen vorbehaltenen Inseln statt.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Sie stammen häufig aus Indien, Sri Lanka oder Bangladesch. Sie werden streng überwacht. Doch solange sie strikt unter sich bleiben, dürfen sich die meisten von ihnen zu Gottesdiensten versammeln, beispielsweise in Botschaften. Ausländische Christen haben keinen Kontakt zu maledivischen Christen muslimischer Herkunft.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft erleben mit Abstand die stärkste Verfolgung, da sie offiziell gar nicht existieren. Nach allgemeinem Verständnis ist jeder Malediver ein Muslim. Wer den Islam verlässt, verliert seine Staatsbürgerschaft.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 15.4
Familienleben 15.5
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 15.8
Kirchliches Leben 16.6
Auftreten von Gewalt 0.4

Grafik: Verfolgungsmuster Malediven

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Druck auf die Christen auf den Malediven blieb in allen Lebensbereichen extrem hoch. Der durchschnittliche Druck auf Christen hat damit ebenfalls extremes Ausmaß. Der Durchschnittswert sank um 0,1 Punkt auf einen Wert von 15,4 Punkten; derselbe Wert wie im Weltverfolgungsindex 2019.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich kirchliches Leben, wo er fast die Höchstpunktzahl erreicht hat. Das zeigt, dass in der Praxis keine christlichen Zusammenkünfte möglich sind und selbst die meisten ausländischen christlichen Gastarbeiter aus Angst vor den Folgen keine Treffen organisieren. Auch in den Bereichen Leben im Staat, Familienleben und Privatleben ist die Wertung extrem hoch. Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft ist besonders im Privatleben und Familienleben sehr intensiv. Jeder Politiker betont gebetsmühlenartig, dass die Malediven zu 100 Prozent muslimisch bleiben sollen. So bleibt kein Raum für Abweichungen. Die neue Regierung, die 2018 eingeschworen wurde, verfolgt dieses Ziel ebenfalls; allerdings gewährt sie in manchen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens mehr Freiheiten als ihre Vorgänger.
  • Die Wertung für Auftreten von Gewalt gegen Christen ist im Vergleich zum Vorjahr um fast die Hälfte gesunken – auf 0,4 Punkte. Hierin bestätigt sich erneut, dass die Verfolgung auf den Malediven nie sehr gewalttätig war. Es zeigt aber auch, dass es schwierig ist, Berichte über gewalttätige Vorfälle zu erhalten.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Jeder Malediver, dessen Lebensstil nicht den von der Regierung festgelegten islamischen Vorgaben entspricht, wird bestraft. Ehemalige Muslime müssen stets äußerste Vorsicht walten lassen, um ihren Glauben möglichst gut zu verbergen. Bibeln und andere christliche Schriften müssen sorgfältig versteckt werden und können nur heimlich gelesen werden. Die Familien würden den Glauben an Jesus Christus niemals akzeptieren, und der Besitz christlicher Literatur kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Selbst für christliche Ausländer ist es gefährlich, christliche Schriften zu besitzen, vor allem in der Landessprache Dhivehi oder in größeren Mengen, da dies den Verdacht der Behörden weckt, die Schriften würden zur Evangelisation von Einheimischen verwendet. Tatsächlich werden beim Betreten des Landes alle Einreisenden dazu verpflichtet, alle mitgeführten nichtmuslimischen Schriften zu deklarieren.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Angesichts der Tatsache, dass alle Malediver Muslime sein müssen und angesichts der Leichtigkeit, mit der Blogger und andere Social-Media-Nutzer beschuldigt werden, „Abtrünnige“ zu sein, ist es für Christen muslimischer Herkunft sehr riskant, ihren Glauben in irgendeiner Form zu offenbaren. Selbst die Christen unter den Gastarbeitern können ihren Glauben in keiner Weise sicher offenlegen, geschweige denn anderen davon erzählen. Auch wäre es höchst riskant, ihren Glauben in ihrer eigenen Sprache einem Einheimischen mitzuteilen.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Die Behörden und das soziale Umfeld sind ständig auf der Suche nach Bildern und Symbolen, die als anti-islamisch empfunden werden. Zum Beispiel mussten im September 2018 die Skulpturen einer neu gebauten Unterwasserkunstgalerie, die von einem Resort in Auftrag gegeben wurde, zerstört werden, da sie als „Götzen“ und damit als anti-islamisch angesehen wurden. In einzelnen Fällen können auch zufällig kreuzförmige Objekte wie Äste eines Baumes oder die Achse einer Windrose missbilligt werden. Christen muslimischer Herkunft oder Christen allgemein, die anti-islamische Symbole zeigen, geraten schnell in Schwierigkeiten.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Da der christliche Glaube verboten ist, wird kein Christ das Risiko eingehen, mit einem anderen Malediver über seinen Glauben zu sprechen. Diese Bedingung ist sogar in den Arbeitsverträgen ausländischer Christen festgelegt. Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums steht (Seite 4): „Das Gesetz besagt: ‚Nichtmuslimen, die im Land leben oder es besuchen, ist es verboten, ihren religiösen Überzeugungen offen Ausdruck zu verleihen, öffentliche Versammlungen abzuhalten, um religiöse Aktivitäten durchzuführen oder Malediver in solche Aktivitäten einzubeziehen.‘ Laut Gesetz drohen denjenigen, die andere religiöse Überzeugungen als den Islam zum Ausdruck bringen, Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren oder Hausarrest, Geldstrafen zwischen 5.000 und 20.000 Rufiyaa (320 bis 1.300 US-Dollar) sowie die Abschiebung.“

Familienleben

Wurden christliche Taufen behindert?

Da das Christentum im Land verboten ist, können Taufen nicht stattfinden und müssten außerhalb der Malediven durchgeführt werden, und auch dann noch im Geheimen, damit der Glaubenswechsel nicht bekannt wird.

Wurden Beerdigungen von Christen behindert oder unter Zwang anhand nichtchristlicher Riten durchgeführt?

Ausländische Christen lassen sich normalerweise in ihrem Herkunftsland beerdigen. Doch wenn sie sich dafür entscheiden, auf den Malediven begraben zu werden, kann das nicht nach christlichen Bräuchen geschehen. Für Christen muslimischer Herkunft ist eine christliche Bestattung ausgeschlossen; sie werden nach muslimischen Bräuchen beerdigt.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In Artikel 36(c) der Verfassung wird beschrieben: „Das Bildungssystem ist darauf angelegt, Gehorsam und Liebe zum Islam zu vermitteln [...].“ Kinder von ehemaligen Muslimen sind gezwungen am Islamunterricht teilzunehmen. Obwohl Kinder von ausländischen Christen vom Besuch des islamischen Unterrichts ausgenommen sind, durchdringt der Islam das gesamte Schulleben und den Unterricht, so dass Kinder ausländischer Christen lieber internationale Schulen besuchen, wenn die Eltern sich das leisten können.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Die einheimische Menschenrechtsorganisation Maldivian Democracy Network beschrieb 2015 in einem Bericht (der schlussendlich dazu führte, dass sie verboten wurde), dass islamische Schulbücher Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit schürten und den „Dschihad“ bzw. den Krieg gegen alle, die angeblich den Islam „behindern“, verherrlichten. Das vorherrschende soziale Klima zeigte sich im Januar 2018, als Eltern ihre Bedenken über „blasphemische“ Inhalte in Schulbüchern weiterführender Schulen äußerten. Kurz darauf wurden in den sozialen Medien Bilder mit Erklärungen über römische Götter im Zusammenhang mit den Planetennamen aus Schulbüchern der achten Klasse geteilt, was zu einer prompten Reaktion der Regierung führte. Beide Beispiele zeigen, wie viel Druck Kinder von Christen jeden Tag empfinden, erst recht Kinder von Christen muslimischer Herkunft.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Die gesellschaftliche Kontrolle ist auf den Malediven extrem stark, da die Bevölkerungsdichte zu den höchsten der Welt zählt, besonders in der Hauptstadt Malé. Die maledivische Gesellschaft ist im Laufe der Jahre strenger muslimisch geworden. Es gab eine Veränderung in der Art, wie sich maledivische Frauen kleiden: In früheren Jahren war es unüblich, Frauen mit einer schwarzen Burka zu sehen, aber jetzt ist das Tragen der Burka durch den arabischen Einfluss durchaus üblich geworden. Dies betrifft auch die Christen. In einem überaus häufig geteilten Video aus dem Jahr 2018 beschwerte sich eine muslimische Frau in sozialen Netzwerken, dass sie keinen Schleier tragen wolle. Nachdem man sie identifiziert hatte, musste sie ihre Insel verlassen und untertauchen, weil sie zahllose Drohungen, darunter auch Morddrohungen, erhielt. Während des Ramadan ist es selbst Gastarbeitern nicht erlaubt, tagsüber zu essen oder zu trinken; die Zeitungen zeugen davon, wie viele Menschen während des Ramadan für Verstöße in Gewahrsam genommen oder mit einer Geldstrafe belegt werden.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Wie schon erwähnt, ist die soziale Kontrolle auf den Malediven extrem stark ausgeprägt. Malediver, die verdächtigt wurden, Christen zu sein, wurden bei der Polizei angezeigt. Christlichen Arbeitsmigranten ist es nicht erlaubt, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren, und ausländische Christen oder Christen muslimischer Herkunft haben praktisch keine Privatsphäre. Wie im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 auf Seite 10 steht: „Nichtregierungsorganisationen berichten von zunehmenden Fällen, in denen Personen, die als ‚Säkularisten‘ oder ‚Abtrünnige‘ angesehen werden, Morddrohungen erhalten, im Internet gemobbt werden und auf der Straße von Personen verfolgt werden, die als kriminelle Bandenmitglieder bekannt sind.“

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Alle Staatsbürger gelten als Muslime und es wird von ihnen erwartet, dass sie an islamischen Ritualen und gemeinschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen. Dies betrifft auch die Besuche in der örtlichen Moschee. Wenn sie versuchen diese auszulassen, erregt dies Verdacht. Jeder Einheimische, der die Moschee nicht besucht, wird zur Rede gestellt. Ausländische Christen haben mehr Freiheit, aber es gibt Zeiten, in denen sie sich ebenfalls anpassen müssen. So dürfen sie zum Beispiel während des Ramadan in der Öffentlichkeit weder essen noch trinken.

Wurden Christen beim Betreiben ihres Geschäfts aus religiösen Gründen behindert (z. B. Zugang zu Krediten, Subventionen, Regierungsverträge, Kundenboykotte)?

Wenn ein Christ muslimischer Herkunft ein Geschäft besitzt und sein christlicher Glaube bekannt wird, wird es geschlossen, und er muss die Konsequenzen tragen. Aber selbst bei ausländischen Christen besteht der Verdacht, dass sie ihre Geschäfte für andere Zwecke nutzen, und so kann schon allein der Versuch, ein Geschäft zu eröffnen, ein harter Kampf sein. Ein Länderexperte erklärt: „Verträge können ohne Vorankündigung oder vernünftige Erklärung gekündigt werden.“

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Verfassung und andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit ein. Die Verfassung erklärt den sunnitischen Islam zur offiziellen Staatsreligion, mit Verweis darauf, dass das Land zu 100 Prozent muslimisch sei. Die Regierungsvorschriften basieren auf dem islamischen Recht. Darauf sind die Malediver sehr stolz. Eine der Vorschriften lautet: „Es ist illegal, eine andere Religion als den Islam zu verbreiten.“ Strafen für Verstöße bewegen sich von Hausarrest bis hin zu fünf Jahren Gefängnis, abhängig von der Schwere des Vergehens. Ist der Schuldige ein Ausländer, wird er in der Regel abgeschoben. Wie im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums auf Seite 5 steht: „Das Land ist Vertragspartei des internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte (ICCPR) mit einem Vorbehalt, der besagt, dass die Anwendung der in ICCPR-Artikel 18 festgelegten Prinzipien, die sich auf die Religionsfreiheit beziehen, durch die Regierung ‚unbeschadet der Verfassung der Republik Malediven‘ erfolgen soll.“

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Jegliche Meinungen, die der gängigen Auffassung vom Islam widersprechen (sogar moderate islamische Stimmen), erfahren harsche Kritik und sogar Gewalt. Besonders durch das „Diffamierungsgesetz“, das eine eigene Klausel gegen anti-islamische Äußerungen beinhaltet, ist die Redefreiheit von Christen noch stärker eingeschränkt. Verstöße dagegen können sechs Monate Gefängnis nach sich ziehen. Das schnelle Verbot der Nichtregierungsorganisation Maldivian Democracy Network für Aussagen in einem Bericht aus dem Jahr 2015 ist ein gutes Beispiel dafür.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Es sind keine christlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen im Land erlaubt, geschweige denn politische Parteien. Ausländischen Christen ist es verboten, sich politisch zu betätigen, und sie dürfen keine christlichen Nichtregierungsorganisationen leiten.

Sind Christen zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden geworden?

Alles, was über Christen berichtet wird, ist fast ausnahmslos negativ und kritisch. Negative Beschreibungen zielen im Allgemeinen auf im Ausland lebende Christen und nicht auf christliche Einzelpersonen in der maledivischen Gesellschaft ab, da man bei allen Staatsbürgern davon ausgeht, dass sie Muslime sind. Ausländische Christen werden zur Zielscheibe von Hetzkampagnen oder Hassreden, wenn sie als Verbreiter ihres Glaubens wahrgenommen werden. Jemanden wegen seines christlichen Glaubens zu denunzieren, selbst wenn nur ein Verdacht besteht, oder beispielsweise das Haus oder Geschäft eines Christen zu sabotieren, zieht nicht nur keine Strafe nach sich, es gilt sogar als patriotische Pflicht.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

In der Zeit von 1950 bis 1976 gab es auf den Malediven eine voll funktionierende christliche Kirche, die hauptsächlich dem britisches Militärpersonal, aber auch anderen diente. Jedoch verbietet das Gesetz heute die Einrichtung von Kultstätten für nichtislamische religiöse Gruppen. Das Gesetz besagt: „Nichtmuslimen, die im Land leben oder es besuchen, ist es verboten, ihre religiösen Überzeugungen offen auszudrücken, öffentliche Versammlungen abzuhalten, um religiöse Aktivitäten durchzuführen oder Malediver in solche Aktivitäten einzubeziehen. Laut Gesetz drohen denjenigen, die andere religiöse Überzeugungen als den Islam zum Ausdruck bringen, eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren oder Hausarrest, Geldstrafen bis 1.300 US-Dollar und die Abschiebung.“ Für Christen muslimischer Herkunft kommt ein offizieller Versammlungsort nicht in Frage.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Es ist überhaupt keine christliche Arbeit unter Jugendlichen erlaubt. Ausländische Christen halten sich selbst in der christlichen Erziehung ihrer Kinder zurück.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Ausländische Christen werden überwacht, ebenso wie ihre Treffen, ihre Predigten und ihr Unterricht. Vor allem in Malé, der Hauptstadt, gibt es überall Überwachungskameras, auch dort, wo sich Christen bekanntermaßen versammeln. Die Malediven bestehen aus kleinen Atollen, so dass alles bekannt und überwacht ist.

Wurden die Kirchen daran gehindert, christliches Material aus dem Ausland zu importieren?

Das Einführen christlicher Literatur ist gesetzeswidrig. Jeder Einheimische, der bei der Einfuhr von christlichem Material auf die Malediven ertappt wird, wird verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Ausländische Christen dürfen im Allgemeinen nur sehr begrenzte Mengen an christlicher Literatur für ihren persönlichen Gebrauch nutzen. Bringen sie mehr als erlaubt ins Land, wird die Literatur beschlagnahmt, und sie können festgenommen oder abgeschoben werden. Sollten die Behörden sich dafür entscheiden, das Gesetz genau zu befolgen, kann sogar eine einzelne Bibel, die von einem Ausländer mitgebracht wird, beschlagnahmt werden. Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 heißt es (Seite 9): „Im August beschlagnahmte der Zoll 247 Bücher von einer öffentlichen Buchmesse in Malé, die von einer privaten Buchhandlung organisiert worden war, weil der Inhalt ‚gegen die Prinzipien des Islam‘ verstoßen habe, erstattete aber keine Anzeige. Zollbeamte meldeten 18 Fälle, in denen es um die Einfuhr von religiösen Ikonen, Statuen und christlichen Kreuzen im Laufe des Jahres ging. Die Behörden beschlagnahmten diese Gegenstände, erstatteten aber keine Anzeige.“

Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine Details über gewalttätige Vorfälle gegen Christen veröffentlicht werden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt keine anerkannten religiösen Minderheiten irgendeiner Art auf den Malediven. Alle Staatsbürger gelten gesetzlich als Muslime. Wer nachweislich eine andere Religion oder Philosophie als den Islam unterstützt (z. B. Hinduismus, Buddhismus, Atheismus), wird genauso verfolgt wie Christen. So ziehen es die meisten vor, im Ausland zu leben, um keine Gefängnisstrafe oder gar den Tod zu riskieren.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Malediven:

  • Bitten Sie um Gelegenheiten für die Christen, sich gefahrlos mit anderen Christen zu treffen.
  • Bitten Sie Gott darum, dass er die Christen durch die Bibel stärkt und ermutigt.
  • Beten Sie, dass die Haltung der Regierungsbeamten, besonders Präsident Solihs, gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten offener wird.
  • Beten Sie für die Christen unter den ausländischen Arbeitsmigranten, dass sie die Hoffnung, die sie in Christus haben, glaubhaft bezeugen können.