Länderprofil Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo

40
Weltverfolgungsindex
2022
Demokratische Republik Kongo
Hauptreligion
Christlicher Glaube
Offizielle Staatsform
Semipräsidialrepublik
Platz Vorjahr
40
Karte Demokratische Republik Kongo
Christen
87,85
Bevölkerung
92.34
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Diktatorische paranoia
Privatleben: 8.000
Familienleben: 7.900
Gesellschaftliches Leben: 12.600
Leben im Staat: 9.700
Kirchliches Leben: 12.000
Auftreten von Gewalt: 15.600

Ländeprofil Demokratische Republik Kongo

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 40 / 66 Punkte (WVI 2021: Platz 40 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die islamisch-extremistische Gruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF) agiert im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo). Sie ist für Angriffe auf die Bevölkerung verantwortlich, unter anderem auch auf christliche Gemeinden und Kirchen in den Provinzen Ituri und Nord-Kivu. Im März 2021 haben die Vereinigten Staaten die ADF offiziell mit dem „Islamischen Staat“ (IS) in Verbindung gebracht. Konvertiten zum christlichen Glauben, sowohl vom Islam als auch von afrikanischen Religionen, werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Aktivitäten und Zeremonien teilzunehmen. Christen, die der Regierung kritisch gegenüberstehen, werden beschimpft und belästigt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

In der DR Kongo herrscht seit mehr als 50 Jahren ein Konflikt, dessen Kämpfe zwischen einer Vielzahl von bewaffneten Rebellengruppen im ganzen Land andauern. Im Osten, wo die ADF dominiert, hat sich die Situation durch die Einmischung der Nachbarländer noch verschärft. Unter dem früheren Präsidenten Joseph Kabila führte die schwache Rechtsstaatlichkeit dazu, dass sich die Gewalt, unter anderem Entführungen, Inhaftierungen und Morde an Journalisten, im ganzen Land ungestraft fortsetzen konnte. Ferner wurden die Rechte auf freie Meinungsäußerung, auf Vereinigungsfreiheit und auf die demokratische Wahl einer Regierung verletzt. Nach einer lange verzögerten und umstrittenen Wahl wurde Félix Tshisekedi im Januar 2019 als Präsident vereidigt. Er hat versprochen, die Achtung der Grundrechte zu gewährleisten. Außerdem hat er die meisten politischen Gefangenen freigelassen. Die Kämpfe zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen und die Angriffe dieser Gruppen auf Zivilisten haben jedoch weiter zugenommen. Obwohl das Land reich an Bodenschätzen ist, hat es mit Inflation und Korruption zu kämpfen. Rund 72 Prozent der Bevölkerung leben in Armut, und das Land hat die größte Anzahl von extrem Armen in Afrika südlich der Sahara.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

87.845.000

95,1

Muslime

1.339.000

1,5

Hindus

130.000

0,1

Buddhisten

4.900

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

2.240.000

2,4

Juden

400

0,0

Bahai

376.000

0,4

Atheisten

18.400

0,0

Agnostiker

376.000

0,4

Andere:

7.500

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Christen erfahren Rechtsverletzungen durch islamisch-extremistische Gruppen, die vor allem im Osten des Landes, in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri, aktiv sind.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Sie ist in Nord-Kivu zu beobachten, wo islamisch-extremistische Gruppen wie die ADF zusammen mit Menschen, die von ihrer Ideologie beeinflusst sind, Christen und Kirchen angreifen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International liegt die DR Kongo auf Platz 170 von 180. Korruption ist im öffentlichen und privaten Sektor weitverbreitet. Christen, die sich dagegen wehren, müssen mit Angriffen rechnen. Häufig veruntreuen Regierungsbeamte öffentliche Gelder. Islamisch-extremistische Gruppen beteiligen sich am illegalen Bergbau, der den regionalen Konflikt weiter anheizt. Kriminelle Netzwerke haben sich darauf spezialisiert, wertvolle Bodenschätze aus dem Land zu schmuggeln.

Diktatorische Paranoia

Die DR Kongo hat unter verschiedenen Regimen enorm gelitten. Der ehemalige Präsident Joseph Kabila war entschlossen, um jeden Preis an der Macht zu bleiben. Seine Anhänger und der Sicherheitsapparat gingen gegen Christen vor, die ihre Unzufriedenheit über seine Herrschaft zum Ausdruck brachten. Die Römisch-Katholische Kirche versuchte, sich an der Lösung der politischen Krise zu beteiligen (die dadurch verursacht wurde, dass Präsident Kabila die Präsidentschaftswahlen ohne rechtliche Grundlage verzögerte). Dies hat dazu geführt, dass Christen von manchen als Verbündete der Opposition angesehen werden.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Ein Großteil der Gewalt in Nord-Kivu, Kisangani und Kasaï hat eine ethnische Komponente. Einige ethnische Anführer und die Anführer von Rebellengruppen gehören Kulten an oder afrikanischen Religionen, die eine feindselige Haltung gegenüber Christen vermitteln.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Römisch-katholische und protestantische Kirchengemeinden erleben Gewalt vonseiten bewaffneter Gruppen, so werden etwa Kirchen angegriffen und Führungspersonen eingeschüchtert. In der Hauptstadt Kinshasa und den Provinzen Kasaï und Nord-Kivu wurden Kirchen, Klöster und katholische Schulen von Milizen oder Gruppen bewaffneter Jugendlicher verwüstet und geplündert.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten (insbesondere muslimischer Herkunft) leben vor allem in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu. Sie sind der Verfolgung durch islamisch-extremistische Gruppen und dem Druck von Familie und sozialem Umfeld ausgesetzt. In geringerem Maß sind auch Christen von diesem Druck betroffen, die von der Katholischen Kirche zu einer protestantischen Denomination übergetreten sind oder die sich von einer traditionellen afrikanischen Religion abgewandt haben, um Jesus Christus nachzufolgen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Die Baptisten- und Pfingstkirchen wachsen schnell und werden von der islamisch-extremistischen Gruppe ADF angegriffen. Außerdem werden sie von Mitgliedern traditioneller Kirchen diskriminiert.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 8
Familienleben 7.9
Gesellschaftliches Leben 12.6
Leben im Staat 9.7
Kirchliches Leben 12
Auftreten von Gewalt 15.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

In den von der ADF kontrollierten Gebieten ist das Bekenntnis zum christlichen Glauben gefährlich. Dschihadisten haben Menschen getötet, die christliche Symbole trugen. Wer sich mit anderen Christen trifft, kann entführt oder getötet werden. Konvertiten von einer Konfession zu einer anderen (z. B. Katholiken, die sich einer evangelischen Kirche anschließen) sehen sich ebenfalls dem Druck und der Diskriminierung durch Familie und gesellschaftliches Umfeld ausgesetzt und können sogar aus ihrem Zuhause vertrieben werden.

Familienleben

In den von der ADF kontrollierten Gebieten können christliche Kinder aus der Schule entführt oder gezwungen werden, islamische Schriften zu erlernen. Konvertiten (entweder Christen mit muslimischem Hintergrund oder Protestanten mit katholischem Hintergrund) können ihr Erbe verlieren und zur Scheidung gezwungen werden. Die Zwangsscheidung ist zum einen ein Mittel zur Bestrafung des Konvertiten, sie ist aber auch durch die Angst motiviert, dass Kämpfer der ADF die Dorfgemeinschaft aus Rache angreifen könnten, weil ein Bürger den Islam verlassen hat.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Betriebe sind von der ADF und Rebellengruppen in den Bankrott getrieben worden. Für Christen ist die Bewegungsfreiheit eingeschränkt und der Zugang zu Bildung schwierig. Im Osten der DR Kongo ist die Entführung von Mädchen, insbesondere von Christinnen, durch bewaffnete Gruppen weitverbreitet. Sie können zur Ehe mit einem der Gruppenmitglieder gezwungen werden. Christen werden von ihren örtlichen Gemeinschaften überwacht; sie können der Polizei gemeldet und beschattet werden, außerdem kann ihre Telekommunikation gelesen oder abgehört werden. In den von islamisch-extremistischen Gruppen kontrollierten Gebieten riskiert jeder, der sich gegen islamistische Gruppen ausspricht, schwere Angriffe. Im Juni 2019 entführte eine bewaffnete Miliz einen katholischen Priester, weil er die Gewalt angeprangert hatte.

Leben im Staat

Gewalt gegen Christen kann ungestraft begangen werden, und Christen, die sich gegen Ungerechtigkeit oder Korruption aussprechen, werden angegriffen.

Kirchliches Leben

In Konfliktregionen haben gewalttätige Angriffe dazu geführt, dass Dörfer und Kirchen leer stehen. Die Regierung überwacht Kirchen und Predigtinhalte, insbesondere Kirchen, die als „unfreundlich“ gegenüber dem Präsidenten angesehen werden. In einigen Gebieten verhindert die Regierung kirchliche Aktivitäten unter dem Vorwand, sie könnten zu öffentlichen Unruhen führen. Das Justizministerium hat seit 2014 keine Genehmigungen für Kirchen mehr erteilt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Am 5. Februar 2021 töteten mutmaßliche ADF-Mitglieder mindestens 21 Zivilisten in Lume, einem Dorf östlich der Stadt Beni in der Provinz Nord-Kivu. Siebzehn der Opfer konnten als Christen einer Gemeinde der Communauté Evangélique au Centre de l'Afrique identifiziert werden, darunter der Pastor und zwei seiner Brüder. Sieben weitere Personen wurden nach dem Anschlag als vermisst gemeldet.
  • Im Mai 2021 griffen bewaffnete Gruppen zwei verschiedene Dörfer (Bahema-Boga Chiefdom und Banyali-Tchabi) in der östlichen Provinz Ituri an und töteten mindestens 49 Menschen. Unter den Opfern war auch ein anglikanischer Kirchenleiter, der aus einem anderen Gebiet zugezogen war, um den zunehmenden Angriffen zu entgehen.
  • Am 27. Juni 2021 explodierte eine selbstgebastelte Bombe in einer katholischen Kirche in der Stadt Beni und verletzte zwei Frauen, nur eine Stunde bevor eine Konfirmationsfeier für Kinder stattfinden sollte. Etwa eine Stunde nach der ersten Bombenexplosion konnte eine weitere Bombe aus der Kirche Saint Therese, einer anderen katholischen Kirche in Beni, erfolgreich geborgen werden. Später am selben Sonntag sprengte sich ein Selbstmordattentäter vor einer Bar in der Stadt Beni in die Luft. Der Attentäter wurde als Ngudi Abdallah identifiziert, ein bekannter Rekrutierer für die ADF.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

40

65,68

2021

40

64,14

2020

57

56,16

2019

54

55,33

2018

-

-

Die Zunahme um zwei Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2022 ist die Folge der zunehmenden Aktivitäten der islamisch-extremistischen Gruppe ADF in der DR Kongo. Auch wenn dies nicht zu einem Anstieg der Wertung für Auftreten von Gewalt geführt hat (der Wert für Gewalt ging um 0,5 Punkte zurück), so hat es doch zu einem Anstieg des Drucks in anderen Lebensbereichen geführt.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die DR Kongo ist politisch, sozial und wirtschaftlich vielschichtig. In verschiedenen Regionen werden Frauen allgemein als minderwertig behandelt, was sich auf viele Bereiche ihres Lebens auswirkt, auch auf ihren Zugang zu Bildung. Christinnen sind von Entführung, Vergewaltigung, sexueller Folter und Zwangsarbeit bedroht, insbesondere durch die islamisch-extremistische ADF und bewaffnete Gruppen in den nordöstlichen Regionen. Diese Übergriffe verursachen psychische Leiden und Traumata, und die mit sexueller Gewalt verbundene Scham führt häufig zur Isolation von Familie und Dorfgemeinschaft. Auch Zwangsheirat und Zwangsscheidung sind ein Risiko, insbesondere für christliche Konvertitinnen. Bei diesen Zwangsehen handelt es sich häufig um Kinderehen.

Männer: Vor dem Hintergrund, dass Gewalttaten ungestraft bleiben, werden christliche Männer Opfer von Verstümmelungen, Entführungen, Zwangsrekrutierungen für Milizen, Zwangsarbeit, sexuellen Verstümmelungen, Ausweidungen und brutalen Morden. Um den Entführern zu entkommen, können die Männer gezwungen sein, Lösegeld zu zahlen, das die ohnehin schon verarmten Familien weiter lähmt und sie dazu verdammt, die nächsten Jahre in noch größerer Armut zu verbringen. Christen werden auch am Arbeitsplatz und beim Zugang zu Arbeitsplätzen diskriminiert. Diese Verfolgung dient der Schwächung der Familien und der Kirche im weiteren Sinne, vor allem, wenn Gemeindeleiter zur Zielscheibe werden und wenn sie die Gewalt öffentlich angeprangert haben.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt 27 Fälle von Angriffen auf Zeugen Jehovas oder mutmaßliche Tötungen von Zeugen Jehovas, die bis ins Jahr 2015 zurückreichen. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2020 (erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums) dümpeln diese Fälle vor Gericht vor sich hin oder wurden nie vor Gericht gebracht. Die Regierung ging auch mit exzessiver Gewalt gegen die religiöse Gruppe Bundu dia Kongo vor, was im April 2020 in der westlichen Provinz Kongo Central zum Tod von über 55 Menschen führte.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Demokratische Republik Kongo:

  • Dass die Regierung nach echten und dauerhaften Lösungen für die sich verschärfende Sicherheitskrise in der Demokratischen Republik Kongo sucht.
  • Für die Pastoren im Osten des Landes: um Mut zum Bleiben, um Weisheit bei der Vorbereitung der Gemeinden auf Verfolgung und um Mitgefühl im Dienst mit Traumatisierten und Vertriebenen.
  • Dass Gott die Gemeinde durch die Trainingsprogramme und Programme für Traumahilfe stärkt, welche die Partner von Open Doors durchführen.