Länderprofil Demokratische Republik Kongo

Demokratische Republik Kongo

40
Weltverfolgungsindex
2021
Demokratische Republik Kongo
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
57
Karte Demokratische Republik Kongo
Christen
85,12
Bevölkerung
89.51
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Diktatorische paranoia
Privatleben: 8.000
Familienleben: 7.900
Gesellschaftliches Leben: 11.200
Leben im Staat: 9.400
Kirchliches Leben: 11.600
Auftreten von Gewalt: 16.100

Länderprofil Demokratische Republik Kongo

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 40 / 64 Punkte (WVI 2020: Platz 57 / 56 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die islamistische Gruppe „Vereinte Demokratische Streitkräfte“ („Allied Democratic Forces“/ADF) verfolgt Christen im östlichen Teil des Landes, indem sie Christen und Kirchen angreift. Im Bereich des Familienlebens werden Konvertiten, die sich vom Islam oder von indigenen Religionen abgewandt haben und Christen geworden sind, unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Aktivitäten und Zeremonien teilzunehmen. Vertreter der katholischen Kirche, welche die Regierung öffentlich zur Einhaltung der in der Verfassung vorgeschriebenen Wahltermine gedrängt hatten, berichteten, dass sie aufgrund ihres Eintretens verbale Schikanen und Einmischungen erlebt hätten.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

64

40

2020

56

57

2019

55

54

2018

-

-

2017

-

-

Der Anstieg um 8 Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2021 gegenüber dem Vorjahr ist darauf zurückzuführen, dass die Schwere der Gewalt im Osten des Landes den Druck auf die Kirche erhöht hat. In weiten Teilen des Landes herrscht völlige Gesetzlosigkeit, in Verbindung mit einem Versagen der Institutionen. Während die herrschende Gewalt bereits im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 ein extremes Maß erreichte, hat sich nun durch einen Welleneffekt der Druck weiter verstärkt. Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 verursachten dschihadistische und andere bewaffnete Gruppen (wie die ADF) viel Leid unter der Bevölkerung und insbesondere den Christen. Die bewaffneten Gruppen nehmen auch Einfluss darauf, was in den Kirchen gepredigt wird. In einem Fall wurde ein Gemeindeleiter entführt und die Kidnapper erklärten ihm unter Drohungen, was er in seiner Kirche sagen könne und was nicht. Christen sind in vielerlei Hinsicht mit Einschränkungen durch die Regierung konfrontiert. Dies betrifft die freie Meinungsäußerung, die Erteilung von Genehmigungen und die freie Tätigkeit im Land. Eine Kombination all dieser Faktoren hat zu dem Anstieg der Punktzahl geführt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die neue Regierung hat kaum Veränderungen gebracht

In der Vergangenheit verweigerte die Regierung von Präsident Joseph Kabila den Bürgern Grundrechte wie freie Meinungsäußerung, Pressefreiheit, Vereinigungsfreiheit und andere grundlegende Menschenrechte. Der Wechsel des Präsidenten und die neue Regierung (seit Dezember 2018) haben keine wesentlichen Veränderungen gebracht. Nach wie vor mangelt es an Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit. Korruption ist nach wie vor allgegenwärtig. Die Gesamtsituation in der DR Kongo ist nach wie vor sehr unsicher.

2) Der große Reichtum an für die internationale Elektronikindustrie wichtigen Bodenschätzen wirkt sich negativ auf die Stabilität des Landes aus

Rebellengruppen finanzieren ihre Kriegshandlungen, indem sie auf dem Schwarzmarkt Minerale verkaufen, die für internationale Elektronikunternehmen wichtig sind.

3) Die fragile Sicherheitslage könnte die Situation der Christen ernsthaft beeinträchtigen

Die prekäre Sicherheitslage und die instabile politische Situation könnten dazu führen, dass die gewaltsame Verfolgung von Christen weiter zunimmt, und der ADF eine Gelegenheit zur Expansion bieten. Voraussichtlich werden die Kämpfe zwischen den verschiedenen bewaffneten Gruppen sich fortsetzen und weiter zunehmen.

4) Der wachsende Einfluss der ADF wirkt sich auf die Christen aus

Der Einfluss der ADF ist größer geworden, während die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft anderen Gruppen gilt. Die islamistische Miliz war an vielen Gräueltaten beteiligt, die durch Menschenrechtsorganisationen dokumentiert wurden. Ein Bericht der Vereinten Nationen deutet darauf hin, dass einige der Verbrechen, die die Gruppe begangen hat, als Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet werden können. Diese problematische Lage wird wahrscheinlich andauern und Christen in der Region werden davon besonders betroffen sein.

3. Religiöse Situation im Land

Etwa 95 Prozent der Bevölkerung des Landes sind Christen. Anhänger traditioneller Religionen machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus, Muslime 1,5 Prozent. Zudem gibt es kleine Minderheiten an Bahai, Agnostikern oder Atheisten und Hindus.

Es muss jedoch beachtet werden, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen den christlichen Glauben mit einem traditionellen Glaubenssystem vermischt. Dies stellt oftmals ein Problem für einige evangelikale Gruppen dar, wenn sie diese Praxis ablehnen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft der Verfolgung ist insbesondere in der Provinz Nord-Kivu präsent und zeigt sich vor allem in den Aktivitäten islamisch-extremistischer Gruppen, besonders der ADF. Der ideologische Einfluss dieser Gruppe wirkt sich auf die Gesellschaft und die gewöhnlichen Bürger in diesen Teilen des Landes aus. Da diese überwiegend muslimisch sind, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Christen verfolgt werden, insbesondere wenn sie einen muslimischen Hintergrund haben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Der von Transparency International veröffentlichte Korruptionswahrnehmungsindex 2019 sieht das Land auf Platz 168 (von 198 Ländern) mit einem Wert von 18 von 100. Sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor ist Korruption weit verbreitet (und ebenso Straflosigkeit im Blick auf korrupte Handlungen). Sie betrifft vor allem die christliche Gemeinschaft, die Korruption ablehnt, da sie als eine Form der Ungerechtigkeit den von ihnen gelebten christlichen Glaubensgrundsätzen widerspricht.

Diktatorische Paranoia

Die Demokratische Republik Kongo hat unter verschiedenen Regierungen enorm gelitten. Joseph Kabila hat die Wahlen ohne rechtliche Grundlage zwei Jahre lang verschoben. Seine Unterstützer und der Sicherheitsapparat nahmen Christen ins Visier, die ihre Unzufriedenheit mit seiner Regierung zum Ausdruck brachten. Der amtierende Präsident Félix Tshisekedi kam im Dezember 2018 mit dem Versprechen an die Macht, das Chaos zu beseitigen und das Land voranzubringen. Bislang finden jedoch keine greifbaren Reformen statt, welche die Bevölkerung vor den grausamen Angriffen der Rebellengruppen im Land retten und das Ausmaß der Verfolgung von Christen verringern könnten. Korruption ist nach wie vor weit verbreitet und Beamte des Sicherheitsapparats müssen für ihr Handeln keine Rechenschaft ablegen.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Ein Großteil der Gewalt in Nord-Kivu, Kisangani und Kasai hat auch eine ethnische Dimension. Dies ist nach wie vor der Fall, wurde aber besonders im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2018 deutlich, als die Bana-Mura-Miliz gut geplante Angriffe durchführte (zeitweise angeführt von Offizieren der nationalen Armee), welche auf die Auslöschung der Luba- und Lula-Bevölkerung abzielten. Einige der Angriffe zielten auf Kirchen und Christen ab. Dies hat sich in allen folgenden Berichtszeiträumen fortgesetzt, einschließlich des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2021.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Die Hauptakteure der islamischen Unterdrückung sind gewalttätige religiöse Gruppen sowie gewöhnliche Bürger, die von einer islamisch-extremistischen Ideologie beeinflusst sind. Die ADF verfolgt Christen in Nord-Kivu, im östlichen Teil des Landes. Die Gruppe hat gewalttätige Angriffe auf Einzelpersonen und Kirchen verübt. Gewöhnliche Bürger verfolgen unter dem Einfluss militanter Ausprägungen des Islams insbesondere Christen muslimischer Herkunft. Jedoch ist es wichtig festzuhalten, dass dies nur auf einen kleinen Teil der Demokratischen Republik Kongo zutrifft. In den meisten Teilen des Landes ist islamische Unterdrückung als Triebkraft der Verfolgung nicht präsent.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Es gibt in der Demokratischen Republik Kongo mehrere durch diktatorische Paranoia motivierte Verfolger. Zu diesen Verfolgern gehören vor allem der (nunmehrige Ex-) Präsident Joseph Kabila und seine Verbündeten, die um jeden Preis an der Macht bleiben wollten, aber auch Unterstützer, politische Parteien und militante Gruppen, die direkt oder indirekt mit Kabila verbunden sind. Die Römisch-Katholische Kirche hat sich aktiv um eine Lösung der politischen und verfassungsrechtlichen Krise bemüht, die durch die Verzögerung der Präsidentschaftswahlen durch den Ex-Präsidenten ausgelöst wurde. Aufgrund dieser kirchlichen Bemühungen haben einige die Christen als mit der Opposition verbündet wahrgenommen. Infolgedessen wurden Kirchen von den Anhängern und Verbündeten des (Ex-)Präsidenten unter Druck gesetzt.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

Da die Demokratische Republik Kongo eine der korruptesten Nationen Afrikas ist, gehören zu dieser Triebkraft der Verfolgung viele bedeutsame Verfolger:

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Auch islamistische Milizen beteiligen sich am illegalen Bergbau. Eine Untersuchung des Instituts für Sicherheitsstudien („Institute for Security Studies“, ISS) aus dem Jahr 2016 kam zu dem Ergebnis, dass der Schmuggel der natürlichen Ressourcen der DR Kongo mit dem Konflikt in der Region zusammenhänge, und verband damit die Warnung, dass die Al-Shabaab-Miliz weiterhin ausreichend Mittel zur Finanzierung ihrer Aktivitäten habe, trotz des Einsatzes der Afrikanischen Union in Somalia und der Bemühungen der Vereinten Nationen, die Finanzierungskanäle der Gruppe trockenzulegen.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Kriminalität und Korruption im Zusammenhang mit der Bergbauindustrie in der DR Kongo sind schwerwiegend. Als eine der reichsten Nationen Afrikas mit enormen natürlichen Ressourcen war die DR Kongo bereits Schauplatz zahlreicher gewaltsamer Konflikte und Menschenrechtsverletzungen. Netzwerke des organisierten Verbrechens haben effektive Möglichkeiten gefunden, Minerale über eine Vielzahl von Routen außer Landes zu schmuggeln.
  • Paramilitärische Gruppen: In der DR Kongo gibt es zahlreiche paramilitärische Gruppen und Rebellen, die keinerlei Rücksicht auf das Leben der Zivilbevölkerung nehmen. Dazu gehören M27, Mai-Mai, National Forces of Liberation, RUD-Urunana, Nyatura, FDLR, Mai Mai Sheka, Mai Mai Yakutumba, Raia Mutomboki, FNI, FRPI, FPJC, Mai-Mai Simba, UPC, Forces for Renewal, Mai Mai Kata Katanga, Mai Mai Gédéon, CORAK und CPK. Diese und andere Gruppen schaffen ein Umfeld der Gesetzlosigkeit; sie handeln illegal mit Bodenschätzen und kennen keine Gnade gegenüber denen, die sich ihnen widersetzen. Christen in der DR Kongo, die sich gegen dieses Vorgehen aussprechen, erfahren schwere Vergeltungsmaßnahmen.
  • Regierungsbeamte: Oftmals veruntreuen Regierungsvertreter öffentliche Gelder und schützen Zivilisten nicht vor Verfolgung. Diejenigen, die Christen angreifen, gehen aufgrund von Korruption oft straffrei aus.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Anführer ethnischer Gruppen: Christen werden aus verschiedenen Gründen zur Zielscheibe in Konflikten, bei denen ethnische Gruppen gegeneinander ausgespielt werden und bei denen Milizen mit einer ethnischen oder regionalen Grundlage beteiligt sind. Einige Stammesführer und Anführer von Milizen gehören beispielsweise Sekten an oder halten sich an einheimische traditionelle Glaubenssysteme, welche Feindseligkeit gegenüber Christen fördern.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Christen werden von islamistischen Milizen bedrängt, die vor allem in Nord-Kivu, im östlichen Teil des Landes, aktiv sind.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden nicht in die Isolation gedrängt. Daher wird diese Kategorie nicht in die Analyse des Weltverfolgungsindex aufgenommen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu dieser Kategorie gehören römisch-katholische Kirchen und verschiedene protestantische Denominationen. Sie sind im ganzen Land präsent und der Verfolgung durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt. In Zeiten politischer Unruhen sind Angriffe auf kirchliches Eigentum und die Einschüchterung von Kirchenführern an der Tagesordnung. Von der Hauptstadt Kinshasa bis zur zentralen Provinz Kasai und seit Kurzem auch in der östlichen Provinz Nord-Kivu wurden Kirchen, Klöster und katholische Schulen von bewaffneten Gruppen von Jugendlichen oder Milizionären zerstört und geplündert. Die islamistische Miliz ADF greift seit mehreren Jahren Christen im Nordosten des Landes an, nachdem ihr Versuch, die ugandische Regierung zu stürzen, gescheitert ist.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten zum christlichen Glauben (insbesondere aus dem Islam) gibt es besonders in der Provinz Nord-Kivu. Zwar gibt es auch in anderen Teilen des Landes Christen mit muslimischem Hintergrund, jedoch sind diese dort im Vergleich weniger Druck und Verfolgung durch Familie und soziales Umfeld ausgesetzt. In geringerem Maß erfahren auch solche Christen Druck, die von der Katholischen Kirche zu einer protestantischen Denomination übergetreten sind oder die sich von einer traditionellen afrikanischen Religion ab- und dem christlichen Glauben zugewandt haben.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, Pfingstkirchen und ähnliche Gruppen werden vor allem durch die islamistische Miliz ADF verfolgt. Obwohl diese nicht-traditionellen christlichen Gruppen in der Minderheit sind, wachsen sie im Vergleich zu anderen christlichen Kirchen schnell. Sie sind durch Mitglieder der dominanten traditionellen christlichen Gruppen und im muslimisch dominierten Teil des Landes durch islamistische Gruppen mit Diskriminierung und Verfolgung konfrontiert. Wie alle Bürger des Landes ist auch diese Gruppe von Christen vom anhaltenden Konflikt betroffen.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 8
Familienleben 7.9
Gesellschaftliches Leben 11.2
Leben im Staat 9.4
Kirchliches Leben 11.6
Auftreten von Gewalt 16.1

Grafik: Verfolgungsmuster Demokratische Republik Kongo

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in der Demokratischen Republik Kongo ist mit 9,6 Punkten hoch. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Durchschnittswert um 1,5 Punkte gestiegen.
  • Im Bereich des kirchlichen Lebens ist der Druck mit 11,6 Punkten am höchsten, gefolgt vom gesellschaftlichen Leben (11,2 Punkte). Darin spiegelt sich die Tatsache wider, dass die größte Gefahr für Christen von den islamistischen Milizen ausgeht, insbesondere im Osten des Landes, wo immer wieder Kirchen angegriffen werden.
  • Die Wertung für Gewalt zeigt mit 16,1 Punkten ein extremes Ausmaß an. Dies ist ein Anstieg um 0,5 Punkte gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2020. Er ist größtenteils auf Morde durch islamistische Milizen und andere militante Gruppen zurückzuführen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens angeführt, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

In den von der ADF kontrollierten Gebieten ist es praktisch unmöglich, seinen Glauben zu bekunden, da die dschihadistischen Gruppen dafür bekannt sind, in den Dörfern von Haus zu Haus zu gehen, um herauszufinden, wer was gesagt hat, vor allem, wenn eine Glaubensbekundung mit einer Verurteilung der Handlungen islamistischer Milizen einhergeht. Darüber hinaus werden auch Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, von ihrer Familie oder ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt. Dies gilt etwa für Christen, die die Katholische Kirche verlassen und sich einer evangelikalen Gemeinde anschließen: Sie werden diskriminiert und unter Druck gesetzt. Jeder Christ, der seinen Glauben in einer Weise zum Ausdruck bringt, die als Widerstand gegen das Handeln der Regierung gesehen werden könnte, muss befürchten, von der Regierung unter Druck gesetzt zu werden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Einigen Berichten zufolge hat die ADF Menschen, die christliche Symbole trugen, herausgegriffen und getötet. Die Ermordung anglikanischer Priester im Frühjahr 2020 ist hierfür ein Beispiel.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Insbesondere Christen muslimischer Herkunft, aber auch Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, sind mit diesem Thema konfrontiert. Sie können aus ihren Häusern vertrieben werden.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Treffen in Gebieten, die von den bewaffneten Gruppen kontrolliert werden, sind extrem gefährlich und können zu Entführung oder Tötung führen.

Familienleben

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Aufgrund der Präsenz von Dschihadisten im östlichen Teil des Landes droht bei jeder Art von christlicher Feier Gefahr. Darüber hinaus wird auch von christlichen Paaren erwartet, bestimmte kulturelle Rituale und Bräuche durchzuführen, die den alten Traditionen entsprechen – selbst, wenn diese ihrem Glauben widersprechen. Familienangehörige können Hochzeiten zwischen Partnern aus verschiedenen Denominationen verhindern, wenn sie den jeweiligen Ehepartner oder dessen Familie nicht als echte Christen betrachten.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In den Gebieten, die von der ADF-Miliz kontrolliert werden, stehen Christen unter Druck, den Schulbesuch aufzugeben, weil Kämpfer der ADF in der Schule auftauchen und die Schüler entführen oder zwingen könnten, islamische Schriften zu lernen.

Wurden Ehepartner von Konvertiten von Dritten unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (gleichgültig ob erfolgreich oder nicht)?

In folgenden Zusammenhängen wird Druck auf Christen ausgeübt, sich scheiden zu lassen:

1. Wenn in katholischen Familien ein Ehepartner evangelisch wird und sich einer protestantischen Kirche anschließt, wird die Familie wahrscheinlich auf eine Scheidung drängen. Dies geschieht in dem Bestreben, interkonfessionelle Konversionen zu verhindern. Es ist eine Form der Bestrafung für die Familie des Konvertiten und gleichzeitig ein warnendes Beispiel für andere.

2. Im Norden des Landes, wo viele Muslime leben, wird ebenfalls Druck ausgeübt, sich von einem zum christlichen Glauben konvertierten Ehepartner scheiden zu lassen. Dies geschieht insbesondere auf Betreiben muslimischer Anführer hin, welche behaupten, dass „christliche Leiter sie bewusst vom nationalen religiösen Dialog ausschließen“. In den von der ADF kontrollierten Gebieten ist das Drängen zur Scheidung von der Angst getrieben, dass Dschihadisten der ADF von dem Glaubenswechsel des Konvertiten erfahren und deshalb die Dorfgemeinschaft angreifen könnten.

Haben Christen ihre Erbrechte aufgrund ihrer Bekehrung zum Christentum oder (wenn die Person bereits Christ war) zu einer anderen Form des christlichen Glaubens verloren?

Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, sowie Christen muslimischer Herkunft verlieren oftmals ihr Erbe. Indem sie die Religion ihrer Familie verlassen haben, haben sie gleichsam ihr Erbrecht verwirkt.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Es gibt Orte, an denen Christen regelmäßig und in konzertierter Weise in ihrer Lebensweise behindert werden. Zum Beispiel wurden von revolutionären Gruppen und der ADF gezielt christliche Geschäfte in den Ruin getrieben. In manchen Gebieten wird es für Christen schwieriger, Zugang zu Bildung zu erhalten. Zudem wird überwacht, was Lehrer unterrichten. Auch Reisen kann für Christen sehr schwierig sein.

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Im östlichen Teil des Landes werden recht häufig Mädchen durch bewaffnete Gruppen entführt. Dies gilt besonders für christliche Mädchen. Viele werden mit Mitgliedern der Gruppe zwangsverheiratet.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

In den Einflussgebieten der Milizen (einschließlich der ADF) müssen Christen darauf achten, dass sie nichts gegen Ungerechtigkeit, Gewalt oder islamische Milizen sagen. Tun sie es doch, werden sie ernsthafte Probleme bekommen. Wenn ein Pastor seine Gemeinde zum Beispiel dazu auffordert, die Zusammenarbeit mit bewaffneten Gruppen abzulehnen, kommt dies einer Einladung zum Angriff gleich. Im Juni 2019 entführten Mitglieder einer Miliz einen katholischen Priester in der Ituri-Provinz. Die Kämpfer sollen ihm vorgeworfen haben, dass er Gewalt angeprangert hatte (nach dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums).

Haben Christen auf irgendeiner Ebene im Bereich ihrer Bildung aus religiösen Gründen Nachteile erlitten (z. B. Einschränkungen des Zugangs zur Bildung)?

In den östlichen Teilen des Landes sind Christen wegen der Gewalt, die sich oft gegen ihresgleichen richtet, im Nachteil. Vertreibungen und Unsicherheit machen es für Schüler und Studenten schwierig, eine gute Ausbildung zu erlangen.

Leben im Staat

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Nach gewaltsamen Übergriffen auf Christen werden in vielen Fällen keinerlei Versuche unternommen, die Täter vor Gericht zu bringen. Dies kann auf Korruption, Mitschuld oder mangelnde Bereitschaft seitens der Behörden zurückzuführen sein.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Das Gesetz gewährt Rede- und Pressefreiheit. Die Übergangsregierung schränkte diese Rechte in der Praxis jedoch ein und verletzte zudem die Pressefreiheit. Außerdem riskieren Christen, entführt oder auf andere Weise angegriffen zu werden, wenn sie sich gegen Korruption, Gier und Ungerechtigkeit aussprechen.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Aufgrund des Ausmaßes der Gewalt und der Unsicherheit in bestimmten Regionen wurden christliche zivilgesellschaftliche Organisationen in ihrer Tätigkeit behindert. Die Regierung hat zudem Organisationen, die für ihre regierungskritische Haltung bekannt sind, überwacht und ihre Aktivitäten behindert.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

In einigen Gebieten, in denen Dschihadisten und Milizen operieren, ist es riskant, öffentlich christliche Symbole, wie beispielsweise ein Kreuz, zu zeigen, da dies Angriffe provozieren kann. Dies betrifft vor allem Kirchenleiter, die ein besonderes Ziel für Angriffe sind, insbesondere wenn bekannt ist, dass sie Gewalt und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen ablehnen.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

In den Konfliktgebieten wurden die Aktivitäten der Kirchen durch zahllose gewaltsame Übergriffe bewaffneter Gruppen gestört und behindert. Als Folge davon stehen viele Dörfer und Kirchen leer. Auch die Regierung überwacht Kirchen, insbesondere solche, die als „unfreundlich“ gegenüber dem Präsidenten angesehen werden. Es ist ein gut dokumentiertes Problem, dass die Kirchen ins Visier genommen werden. Wie das US-Außenministerium in seinem Bericht für 2019 berichtet, „griffen regierungsfeindliche Milizionäre Kirchen und kirchliches Eigentum in den Provinzen Nord-Kivu und Ituri an, wo bewaffnete Gruppen weiterhin aktiv sind“.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Das Justizministerium hat es im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 erneut versäumt, Registrierungen für kirchliche Gruppen auszustellen. Im Bericht des US-Außenministeriums für 2019 heißt es: „Das Justizministerium erteilte erneut keine endgültigen Registrierungen für religiöse Gruppen und hat dies seit 2014 nicht mehr getan.“

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

In einigen Teilen des Landes steht die Regierung kirchlichen Aktivitäten feindselig gegenüber, weil sie behauptet, dass diese Aktivitäten zu öffentlichen Unruhen führen könnten. Die Realität ist, dass die Regierung der Versammlungs- und Pressefreiheit sowie der Religionsfreiheit kritisch gegenübersteht. Die Regierung will auch sicherstellen, dass diese Aktivitäten nicht zu einer Form von regierungsfeindlichem Protest werden.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

In den Gebieten, in denen religiöse Milizen aktiv sind, werden die Kirchen überwacht. Auch die Regierung überwacht, was in Kirchen gelehrt wird. Dies ist ein Teil eines umfassenderen Themas in Bezug auf Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Berichten zufolge wurden mindestens 460 Christen durch die ADF getötet. Zum Beispiel wurde ein anglikanischer Pfarrer in dem Dorf Eringeti durch Mitglieder der ADF ermordet, Pastor Batsemire Ngulongo Yese. Er wurde ebenso wie 35 weitere Christen aus vier Dörfern im Bezirk West des Beni-Territoriums getötet. Wie ein Bericht der Vereinten Nationen zeigt, könnte die ADF in der Region Kriegsverbrechen begangen haben.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens 100 Kirchen wurden von ADF-Kämpfern zerstört.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Im Rahmen der mutwilligen Zerstörungen der ADF-Miliz wurden über 1.000 Grundstücke, Läden und Häuser von Christen angegriffen. Dies führte zur Vertreibung Tausender Christen. Wie der Fernsehsender France 24 berichtete, ist dies in den vergangenen sechs Jahren ein andauerndes Problem, und „die Behörden sind außerstande, die tödliche Gewalt zu beenden“.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2019 steht:

  • „Leiter der Zeugen Jehovas berichteten über im Allgemeinen positive Beziehungen zu Personen anderer religiöser Gruppen, merkten jedoch an, dass 27 Fälle von Angriffen auf oder mutmaßlichen Tötungen von Zeugen Jehovas, die bereits aus dem Jahr 2015 stammen, sich immer noch zur Bearbeitung im Gerichtssystem befinden oder nach der Verhaftung von Verdächtigen nie zur strafrechtlichen Verfolgung vor Gericht gebracht wurden.
  • Sie meldeten des Weiteren fünf Übergriffe im Laufe des Jahres in ländlichen Regionen der Provinzen Kwilu, Süd-Kivu und Sankuru, die nach ihren Angaben durch die Religionszugehörigkeit der Opfer motiviert waren.
  • Muslimische Anführer erklärten, dass christliche Gruppen es manchmal versäumten, sie in interkommunale Gespräche einzubeziehen.“

Wie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch berichtet, ging die Regierung auch mit exzessiver Gewalt gegen die religiöse Gruppe Bundu dia Kongo vor, was im April 2020 zum Tod von über 55 Menschen in der westlichen Provinz Zentralkongo führte.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Demokratische Republik Kongo:

  • Angriffe islamischer Extremisten haben großes Leid über die Bevölkerung gebracht. Viele sind durch den Tod geliebter Menschen, die Vertreibung aus ihren Häusern und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage erschüttert. Beten Sie für die Gemeinden in diesem Gebiet, die selbst davon betroffen sind und versuchen, unter diesen Umständen die Hoffnung Christi weiterzugeben. Es ist schwer, auch nur die grundlegendsten Bedürfnisse zu stillen. Bitte beten Sie um Versorgung, Stärkung und Hoffnung.
  • Beten Sie, dass Menschen, die den Verlust von geliebten Menschen bewältigen müssen, Gottes Trost erfahren.
  • Bitte beten Sie, dass Entführte sicher zurückgebracht werden.
  • Beten Sie, dass die Überfälle der Milizen aufhören und Gott die Herzen der extremistischen Kämpfer berührt, dass sie von der Gewalt ablassen und sich für die Botschaft des Evangeliums öffnen.