Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

33
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Tadschikistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
31
Karte Tadschikistan
Christen
0,07
Bevölkerung
9.48
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.000
Familienleben: 12.300
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 12.500
Kirchliches Leben: 13.200
Auftreten von Gewalt: 2.200

Länderprofil Tadschikistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 33 / 66 Punkte (WVI 2020: Platz 31 / 65 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die Regierung übt starken Druck auf alle „von der Norm abweichenden” - Gruppen aus, indem sie existierende Gesetze verschärft und kategorisch durchsetzt. Einheimische Christen muslimischer Herkunft erleiden die stärkste Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch ihre Familie, Freunde und ihr soziales Umfeld. Russisch-Orthodoxe Kirchen bleiben von der Regierung meist unbehelligt, da sie kaum Versuche unternehmen, Kontakte zur tadschikischen Bevölkerung aufzubauen. Vor allem das Jugendgesetz hat Christen (und andere religiöse Minderheiten) mit seinen unklaren Formulierungen in eine rechtliche Grauzone gedrängt, da nicht klar ist, welche Formen von Arbeit unter Jugendlichen noch erlaubt sind.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

66

33

2020

65

31

2019

65

29

2018

65

22

2017

58

35

Die Wertung für Tadschikistan stieg im Weltverfolgungsindex 2021 von 65 auf 66 Punkte an, was einem Anstieg von einem Punkt im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Die Punktzahl in allen Lebensbereichen sowie die Anzahl der Gewalttaten stiegen im Berichtszeitraum an – ein klarer Hinweis auf eine Verschärfung der Situation. Der Druck auf Christen in Tadschikistan ist – wie in den meisten anderen Ländern Zentralasiens – im Privatleben und Bereich des kirchlichen Lebens am höchsten. Dies spiegelt den Einfluss der beiden dominierenden Triebkräfte der Verfolgung im Land wider: Islamische Unterdrückung im Privatleben und diktatorische Paranoia im Bereich des kirchlichen Lebens. Muslimische Familien, Freunde und Dorfbewohner üben vor allem auf Christen muslimischer Herkunft Druck aus, während die Regierung den christlichen Kirchen viele Einschränkungen auferlegt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Tadschikistan ist sowohl wirtschaftlich als auch militärisch weiterhin von Russland abhängig

Tadschikistan besitzt nahezu keine natürlichen Ressourcen, um seine Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Viele erwerbstätige Tadschiken fahren ins Ausland, um ihre Familien zu ernähren – insbesondere die jüngere Generation. Die meisten von ihnen leben und arbeiten als Gastarbeiter in Russland. Für Russland ist Tadschikistan von besonderem Interesse, da das Land strategisch günstig an der Grenze zu China und Afghanistan liegt.

2) Die Regierung Tadschikistans nimmt zunehmend diktatorische Züge an

Dies ist auch in den meisten anderen Ländern Zentralasiens der Fall. Seit 2015 hat das Regime von Präsident Emomalij Rahmon seine Kontrolle über das Land ausgebaut. Jegliche politische Opposition wurde im Keim erstickt – vor allem die „Islamische Partei der Wiedergeburt Tadschikistans“. Politische Veränderungen in Tadschikistan sind damit kaum zu erwarten. Der Präsident konnte mehr oder weniger erfolgreich eine Dynastie errichten.

3) Christen sind weiterhin einem erheblichen Maß an Überwachung ausgesetzt

Seit der Einführung des neuen Gesetzes im Januar 2018 gab es keine Änderungen in der Regierungspolitik in Bezug auf die Religionsfreiheit. Razzien bei Versammlungen, Festnahmen und Verhöre von Christen, Geldstrafen und die Beschlagnahmung von religiösem Material werden damit weiterhin stattfinden. Angesichts der ungebrochenen Massivität der beiden stärksten Triebkräfte der Verfolgung in Tadschikistan (diktatorische Paranoia und islamische Unterdrückung) wird dieser Druck wahrscheinlich unvermindert anhalten.

3. Religiöse Situation im Land

Die tadschikische Kultur wird vom Islam (hauptsächlich dem sunnitischen Islam) dominiert, seit arabische Händler die Religion im 7. Jahrhundert ins Land brachten. Unter der Sowjetunion (1917-1991) förderte die kommunistische Ideologie den Atheismus, doch seit 1991 gab es wieder deutlich mehr religiöse Aktivitäten in Tadschikistan. Seit 2009 ist die hanafitische Rechtsschule des sunnitischen Islam die offizielle Religion in Tadschikistan. Tadschikistan ist der einzige ehemalige Sowjetstaat mit einer Staatsreligion.

Tadschikistan weist den höchsten Anteil an Muslimen in Zentralasien auf: Laut der World Christian Database sind 97,8 % der Bevölkerung Tadschikistans Muslime. Es wäre jedoch falsch, Tadschikistan als muslimisches Land zu bezeichnen. 70 Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben einen beträchtlichen Einfluss hinterlassen. Die Regierung, die von den atheistischen Sowjets beeinflusst ist, bleibt streng säkular und hält den Islam eisern unter Kontrolle. Die Bevölkerung folgt vor allem der islamischen Kultur und nicht den rigorosen islamischen Lehren. Tadschikistan hat jedoch Schwierigkeiten mit islamistischen Extremisten-Gruppierungen wie der Islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) und Hizb ut-Tahrir: Hunderte von Tadschiken haben sich diesen Gruppen angeschlossen und sind auch in den Kampf für den „Islamischen Staat“ (IS) in Syrien und im Irak gezogen.

Laut der World Christian Database ist die zweitgrößte religiöse Gruppe in Tadschikistan nichtreligiös/agnostisch. Sie leben vor allem in der Hauptstadt Duschanbe und anderen Großstädten. Diese Glaubenseinstellung resultiert aus dem über 70 Jahre durch die Regierung der UDSSR erzwungenen Atheismus von 1917 bis 1991.

Mit nur 0,7 % der Gesamtbevölkerung bilden Christen eine sehr kleine Gruppe. Die überwältigende Mehrheit von ihnen ist mit über 76 % russisch-orthodox (dazu gehören vor allem ethnische Russen). Wie in vielen anderen Ländern Zentralasiens sinkt die Zahl der Christen infolge der Auswanderung der Russen. Dies wird nicht damit kompensiert, dass Menschen den christlichen Glauben annehmen. Die Anzahl der Konvertiten beträgt etwa 3.000. Christen muslimischer Herkunft werden durch Familie, Freunde und ihr soziales Umfeld enorm unter Druck gesetzt, zum Glauben ihrer Vorfahren zurückzukehren. Denn deren Meinung nach kann ein wahrer Tadschike nur Muslim sein. Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlich geführter und kontrollierter Einrichtungen sind nicht gestattet. Insbesondere Protestanten, die im Gegensatz zu orthodoxen Christen als Extremisten angesehen werden, werden in erheblichem Maße verfolgt. Gottesdienste werden oftmals gestört und Gemeindemitglieder schikaniert und verhaftet, weil sie private Gebetstreffen abhalten oder „illegales“ religiöses Material besitzen. Die Registrierung von nichtorthodoxen oder nichtkatholischen christlichen Gruppen ist schlicht unmöglich – alle religiösen Aktivitäten dieser Gruppen sind tatsächlich illegal. Selbst offiziell „legale” religiöse Gruppen (beispielsweise Baptisten) sehen sich solcher Verfolgung ausgesetzt. Anfang des Jahres 2019 verbrannten Regierungsbeamte 5.000 Kalender von Baptisten, die am internationalen Flughafen von Duschanbe beschlagnahmt worden waren, weil sie als „Propaganda einer fremden Religion“ eingestuft wurden.

Eines der Hauptprobleme für Christen in Tadschikistan (und den anderen Ländern Zentralasiens) ist die Tatsache, dass es unter den verschiedenen Konfessionen kaum Zusammenarbeit und viele Spaltungen gibt, was der Regierung in die Hände spielt.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind nicht erlaubt. Der Druck der Behörden hat seit 2015 zugenommen, wodurch die Anzahl der Razzien bei Versammlungen und die Zahl der Verhöre von Christen angestiegen sind. Christen werden üblicherweise als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, die nur ein Ziel hat, nämlich das derzeitige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Daher gelten sie als Gefahr und müssen kontrolliert und gegebenenfalls beseitigt werden. Ein weiterer Bereich, in dem energisch durchgegriffen wird, ist der Religionsunterricht, ganz gleich, um welche Religion es sich handelt.

Islamische Unterdrückung

Wenn einheimische muslimische Bürger sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft in der Regel starken Druck und vereinzelt auch körperliche Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und erhöhen so den Druck auf sie. Daher setzen die meisten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben zu verbergen. So werden sie zu sogenannten „heimlichen Christen“.

5. Verfolger

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Polizei führt Razzien in Wohnungen und Kirchen durch und beschlagnahmt christliche Bücher, DVDs und Computer. Es folgen Verhaftungen, Verhöre und Geldstrafen für Christen. Gemeindeleiter werden regelmäßig zu Verhören einbestellt und unter Druck gesetzt, damit sie zu Informanten werden. Am stärksten ist dieser Druck auf tadschikische Gemeindeleiter.
  • Politische Parteien: In Tadschikistan sind nur wenige politische Parteien zugelassen. Die Regierung unter der Führung von Präsident Rahmon beteiligt sich naturgemäß an der Verfolgung von Christen, indem sie den Großteil der Verfolgung billigt.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger gehören der muslimischen Mehrheit an. Auch sie melden den Behörden christliche Aktivitäten.

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene Familie: Muslimische Familienmitglieder üben besonders in ländlichen Gebieten hohen Druck auf Familienmitglieder aus, die den christlichen Glauben angenommen haben. Das geht oft mit Drohungen, Schlägen, Hausarrest und Ausgrenzung einher.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Tadschikische Anführer ethnischer Gruppen sehen die Hinwendung zum Christentum als einen Angriff auf die tadschikische Identität und reagieren mit Feindseligkeit.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Geistliche dürfen auf physische Gewalt zurückgreifen, um Christen muslimischer Herkunft dazu zu bringen, ihren neuen Glauben zu widerrufen.
  • Gewöhnliche Bürger: Im Falle eines Glaubenswechsels reagieren das soziale Umfeld und die religiösen Leiter mit heftiger Verfolgung. Gewöhnliche Bürger üben in ihrem Umfeld Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus mit dem Ziel, sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.
  • Regierungsbeamte: Die Mitarbeiter lokaler Behörden haben Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft. Daraus ergeben sich Probleme für Christen muslimischer Herkunft und Protestanten.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Der Druck aus dem muslimischen Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft ist außerhalb der Großstädte stärker.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen, von denen die größte die Russisch-Orthodoxe Kirche ist, sind nicht an der Evangelisation unter Tadschiken beteiligt. Sie können ohne Störungen wirken, da das tadschikische Regime sie nicht als Bedrohung ansieht. Außerdem hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland durch einen Angriff auf die Russisch-Orthodoxe Kirche zu provozieren.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen in Tadschikistan die Hauptlast der Verfolgung. Neben den Einschränkungen, die sie vonseiten des Staates erfahren, werden sie auch durch ihre Familien und Freunde stark unter Druck gesetzt – am meisten jedoch von ihrem sozialen Umfeld. Ein Glaubenswechsel wird als Abfall vom Islam betrachtet und bringt Schande über die Familie.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten ist diese Gruppe von Christen am zweitstärksten verfolgt – vor allem infolge aktiver Evangelisation. Baptisten, Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen, die von Behörden verhängt werden.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14
Familienleben 12.3
Gesellschaftliches Leben 11.9
Leben im Staat 12.5
Kirchliches Leben 13.2
Auftreten von Gewalt 2.2

Grafik: Verfolgungsmuster Tadschikistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 12,7 Punkten im Vorjahr auf 12,8 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021. Der Druck in Privatleben, Familienleben und im Bereich des kirchlichen Lebens verzeichnet den größten Zuwachs.
  • Im Privatleben ist der Druck extrem, doch auch in allen anderen Lebensbereichen ist er sehr hoch. Die hohen Werte im Privatleben und im Bereich des kirchlichen Lebens liefern einen Hinweis darauf, dass der Druck auf die Christen in Tadschikistan von zwei Hauptquellen ausgeht: Islamische Unterdrückung im Privatleben und diktatorische Paranoia im Bereich des kirchlichen Lebens.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist niedrig und im Vergleich zum Vorjahr von 1,1 auf nun 2,2 Punkte gestiegen. Wie in allen anderen Ländern Zentralasiens gibt es auch in Tadschikistan nur wenige Berichte über gewalttätige Vorfälle.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Christen muslimischer Herkunft vermeiden es, ihren neuen Glauben mit Menschen ihres sozialen Umfelds zu teilen. Es ist für Christen riskant, mit Muslimen über den christlichen Glauben zu reden. Dies wird als Aufruf zu religiösem Hass interpretiert, was ein Einschalten staatlicher Behörden zur Folge hat.

Wurde ein Religionswechsel (auch der Wechsel innerhalb christlicher Denominationen) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird als Verrat an Familie und Kultur sowie dem Islam gesehen. Wer den christlichen Glauben annimmt, schließt sich automatisch von seinem sozialen Umfeld aus. Familie, Freunde und Umfeld werden versuchen, Christen muslimischer Herkunft dazu zu bringen, ihren Glauben zu widerrufen. Dies kann zu körperlicher Gewalt führen. Offiziell wird niemand daran gehindert, den Glauben zu wechseln – die Gesetzgebung ist säkular. Dennoch sieht die tadschikische Regierung Glaubenswechsel nicht gern, da sie zu Spannungen in der Bevölkerung führen können.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z.B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Das ist besonders für Christen muslimischer Herkunft riskant. Selbst auf sehr privater Ebene kann das Ausmaß der Feindseligkeit stark sein, wenn Christen beispielsweise allein beim Gebet entdeckt werden. Es gab Berichte, wonach Familien Christen muslimischer Herkunft schlugen, um sie zur Abkehr vom christlichen Glauben zu zwingen. Obwohl der Staat versucht, religiöse Aktivitäten so weit wie möglich zu regulieren, hat er auf diesen privaten Bereich keinen Einfluss.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Christen muslimischer Herkunft werden von ihrer Familie stark in der Ausübung ihrer Religion unterdrückt, so dass sie sich sehr davor fürchten, mit ihnen darüber zu sprechen. Dies kann auch russische Protestanten betreffen.

Familienleben

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihres christlichen Glaubens zu erziehen?

Familienmitglieder wehren sich dagegen, dass Christen muslimischer Herkunft ihre Kinder im christlichen Glauben und mit christlichen Werten erziehen. Sie versuchen, das Sorgerecht für die Kinder zu übernehmen, um sie nach islamischen Prinzipien zu erziehen. Die Gesetzgebung schränkt die religiöse Erziehung von Kindern sehr ein. Sie erlaubt den Eltern, ihre Kinder nach ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen, doch gleichzeitig sollen Eltern ihren Kindern (bis zum Alter von 18 Jahren) nicht erlauben, an den Aktivitäten religiöser Organisationen (z.B. von Kirchen und Moscheen) teilzunehmen.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, soziales Umfeld) setzt die Kinder von Christen muslimischer Herkunft unter Druck, islamische Unterweisung zu erhalten – sogar gegen den ausdrücklichen Wunsch der christlichen Eltern. „Geschichte der Religionen“ ist ein Fach an weiterführenden Schulen, an dem alle Kinder teilnehmen müssen. Es wird aus einer sunnitisch-muslimischen Perspektive unterrichtet.

Wurden christliche Taufen behindert?

Die Taufe gilt als das endgültige Anzeichen dafür, den Islam für den christlichen Glauben aufgegeben zu haben. Familie, Freunde und das soziale Umfeld lehnen die Taufe daher ab. Taufen werden vom Staat mit Feindseligkeit betrachtet. Sie werden automatisch mit Evangelisation und Glaubenswechsel in Verbindung gebracht – beides lehnt der Staat ab.

Wurden Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert?

Christliche Kinder werden verleumdet. Muslimische Kinder werden oft vom Kontakt mit christlichen Kindern abgehalten. Die Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden häufig als Außenseiter betrachtet und in der Folge schikaniert oder diskriminiert.  Der Staat bleibt daran unbeteiligt.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Wenn bekannt wird, dass jemand zum christlichen Glauben konvertiert ist, wird er von seinen Familienmitgliedern und seinem Umfeld überwacht. Auch lokale Beamte überwachen alle Aktivitäten von nichtorthodoxen Christen akribisch. Die engmaschige Überwachung von nichtorthodoxen Christen ist eine der stärksten Formen der Verfolgung im Land und beinhaltet auch das Abhören von Telefonen. Auch Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien und sozialem Umfeld genaustens observiert.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Der Druck des sozialen Umfelds auf Christen muslimischer Herkunft, ihren neuen Glauben zu widerrufen, ist meist sehr stark. Dabei werden verschiedene Taktiken angewandt – Drohungen, Schläge, Hausarrest, Zwangsverheiratung und Ächtung. Mitglieder protestantischer Kirchen werden als Anhänger einer gefährlichen Sekte betrachtet und daher durch ihr Umfeld unter Druck gesetzt. Dies geschieht durch ihr muslimisches Umfeld und nicht durch den Staat.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien, Freunden und ihrem Umfeld schikaniert und bedroht (etwa auch vom örtlichen Imam). Christen, die zu nichtregistrierten kirchlichen Gruppen gehören, werden durch lokale Beamte belästigt.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Wenn bekannt wird, dass jemand zum christlichen Glauben konvertiert ist, wird er von seiner Familie und seinem Umfeld schikaniert und intensiv befragt. Immer wieder unterbricht die Polizei kirchliche Versammlungen und verhört die anwesenden Christen.

Leben im Staat

Sind christliche Zivilgesellschaftsorganisationen oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Es ist für Christen unmöglich, solche Organisationen oder Parteien in Tadschikistan zu gründen; dies untersagt die tadschikische Verfassung eindeutig. Muslime betrachten christliche Organisationen von vorneherein als Versuch, Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren. Dies soll mit allen möglichen Mitteln verhindert werden.

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Offiziell schützt die tadschikische Verfassung die Religionsfreiheit. Gleichzeitig führen andere Gesetze und Vorschriften jedoch zu Einschränkungen der Religionsfreiheit. Das Religionsgesetz von 2009/2011 (mit seinen Ergänzungen vom Januar 2018) schreibt die Registrierung aller religiöser Organisationen vor. Jegliche kirchlichen Aktivitäten von nichtregistrierten Gruppen sind illegal. Gleichzeitig ist es sehr schwer, eine staatliche Registrierung zu erhalten. Nichtlizenzierte religiöse Bildung ist verboten, und alles religiöse Material unterliegt der staatlichen Zensur. Das Gesetz über elterliche Verantwortung verbietet Menschen unter 18 Jahren die Teilnahme an Aktivitäten religiöser Organisationen.

Wurden Christen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, oder wurde ihre Beförderung aus religiösen Gründen behindert?

Christen muslimischer Herkunft und Protestanten sind am stärksten davon betroffen. Sie haben keine Möglichkeit, eine Arbeit im öffentlichen Bereich zu bekommen oder befördert zu werden, wenn ihr christlicher Glaube den Behörden bekannt wird. Wird ihr Glaube bekannt, ist ihre Entlassung beinahe vorprogrammiert. In ihrem lokalen Umfeld liegt der Fokus von Muslimen auf Christen muslimischer Herkunft.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst vor Strafverfolgung verschont?

Behörden, die Christen diskriminieren und verfolgen, tun dies mit Rückendeckung des Gesetzes und nach eigenem Ermessen. Dabei können sie sich in Sicherheit wiegen, dass ihnen auch dann keine Konsequenzen drohen, wenn sie über das vorgesehene Maß hinausgehen. Die Regierung macht bislang keine Anstalten, den Täter in einem derartigen Fall zu bestrafen, um die Verfolgung von Christen einzudämmen. Im Gegenteil, Christenverfolgung wird meist sogar von der Regierung unterstützt. Erschwerend kommt hinzu, dass jegliches Vorgehen gegen Konvertiten die volle Zustimmung des muslimischen Umfeldes hat.

Kirchliches Leben

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Im August 2011 wurde jegliche Art von christlicher Arbeit unter Jugendlichen verboten. Beamte führen regelmäßig Razzien in Kirchen durch und nutzen dabei dieses „Jugendschutzgesetz” als Vorwand. Da ca. 50 % aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat das Gesetz und seine Durchsetzung weitreichende Konsequenzen. Muslime lehnen christliche Arbeit unter Jugendlichen ab, blockieren vorsätzlich Veranstaltungen und Sommercamps und berichten jede Auffälligkeit der Polizei.

Wurden Kirchen bei der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Leitung von Schulen oder von karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Verbänden behindert?

Die Regierung verbietet es Christen, solche Institutionen oder Vereine zu gründen. Zudem würden Muslime diese Art von Aktivitäten mit Evangelisation in Verbindung bringen und sie blockieren.

Wurden Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert, christliche Materialien zu drucken oder Druckmaschinen zu besitzen?

Die Regierung muss der Produktion, dem Import und Export, dem Verkauf und der Verteilung von religiösem Material von registrierten religiösen Gruppen zustimmen. Damit sind faktisch alle Materialien verboten, die nichtregistrierte religiöse Gruppen benutzen. Auch registrierte Gruppen erhalten selten eine Erlaubnis hierzu. Das muslimische Umfeld lehnt die Produktion und die öffentliche Verteilung von jeglichem christlichen (besonders landessprachlichen) Material ab, da die Vermutung besteht, dass es für evangelistische Zwecke genutzt wird.

Wurden die Kirchen in ihrer Interaktion mit der globalen Kirche behindert (Empfang ausländischer Gäste, Besuche von Tadschiken bei Christen in anderen Ländern, Teilnahme an Konferenzen usw.)?

Besuche von Christen aus dem Ausland werden stark eingeschränkt. Man benötigt ein besonderes Visum, das nur sehr schwer erhältlich ist. Tadschikische Christen können nur mit offizieller Erlaubnis andere Länder besuchen und an Konferenzen teilnehmen. Der Staat überwacht genau, wer solche Reisen beantragt. Die muslimische Gemeinschaft lehnt das Auftreten ausländischer christlicher Prediger in Tadschikistan ab, besonders, wenn die Sprache von Muslimen verstanden werden kann.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Beschlagnahmte Kirchen: Die Behörden einer Großstadt beschlagnahmten ein Kirchengebäude und das umliegende Gelände. Sie vertrieben die dort versammelte Gemeinde.
  • Festgenommene Christen: Berichten zufolge wurden zwei Pastoren und ein Bischof vom Sicherheitsdienst vorgeladen, mehrere Stunden festgehalten, bedroht und verhört.
  • Verurteilte Christen: Pastor Bakhrom Kholmatov wurde am 18. Dezember 2019 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er im Juli 2017 zu drei Jahren Haft wegen „Anstiftung zu religiösem Hass“ verurteilt worden war.
  • Belästigungen von Christen: Berichten zufolge wurde das Recht von 18 Christinnen und Christen muslimischer Herkunft durch ihre muslimischen Verwandten und das muslimische Umfeld verletzt. Die meisten von ihnen lebten in ländlichen Gebieten.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Im Berichtszeitraum wurden 13 Christinnen und Christen muslimischer Herkunft von ihren muslimischen Verwandten und dem Umfeld gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Die meisten von ihnen lebten in ländlichen Gebieten.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die gesellschaftliche Toleranz gegenüber religiösen Minderheiten hat weiter abgenommen. Die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas gilt seit 2007 als illegal. Am 10. September 2019 verurteilte ein Gericht der Stadt Chudschand einen Zeugen Jehovas, Schamil Chakimow, wegen „Anstiftung zu religiösem Hass“ zu siebeneinhalb Jahren Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis – gefolgt von drei Jahren Verbot, in einer religiösen Organisation zu arbeiten. Zoroastrier und schiitische Muslime berichteten über einen Anstieg von Druck und Feindseligkeit vonseiten der Familie und ihrem Umfeld.

Der Jahresbericht 2019 (Seiten 100 – 115) zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums verlautet:

  • Das Gesetz beschränkt das islamische Gebet auf bestimmte Orte, regelt die Registrierung und den Standort von Moscheen und verbietet Personen unter 18 Jahren die Teilnahme an öffentlichen religiösen Aktivitäten.
  • Die Regierung hat weiterhin etwa 20 Imame in der Region Sughd wegen Mitgliedschaft in verbotenen extremistischen Organisationen verhaftet. Die Behörden setzten Schikane gegen Frauen mit Hijab und Männer mit Bärten fort. Regierungsbeamte gaben erneut Erklärungen heraus, in denen sie Frauen davon abrieten, „nichttraditionelle oder fremde“ Kleidung, einschließlich Hijab, zu tragen.
  • Die Menschenrechtsorganisation Forum 18 berichtete davon, dass es in den nördlichen Städten Chudschand und Konibodom zu Polizeirazzien bei Zeugen Jehovas kam und dass Polizeibeamte Laptops, Mobiltelefone und Pässe beschlagnahmten. Die Zeugen Jehovas sagten aus, dass die Behörden Erwachsene wegen des Besitzes von religiösem Material und der Teilnahme an religiösen Aktivitäten festnahmen und verhörten.

Tadschikistan ist seit langem für Verletzungen der Religions- und Glaubensfreiheit und damit verbundener Menschenrechte wie der Meinungs- und Vereinigungsfreiheit bekannt. Es gibt keinen Fokus auf eine bestimmte religiöse Gruppe – alle (Muslime, Christen, Zeugen Jehovas, Juden, Bahais usw.) leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Beispiele:

Eine tadschikische Frau hat die Polizei in Duschanbe beschuldigt, sie beleidigt und bedroht zu haben, nachdem sie zusammen mit etwa zwei Dutzend anderen Frauen bei einer Razzia gegen Frauen mit islamischer Kopfbedeckung festgenommen wurde. Rund 20 muslimische Frauen wurden in einer Straße in Duschanbe festgenommen, weil sie einen Hijab trugen. Einige von ihnen erhielten eine Geldstrafe. Eine Frau gab an, auf einer Polizeistation gefoltert worden zu sein Ein Militärgericht in Tadschikistan verurteilte einen Zeugen Jehovas zu zwei Jahren Gefängnis, nachdem es ihn für schuldig befunden hatte, den vorgeschriebenen Militärdienst verweigert zu haben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Beten Sie für die Pastoren und Gemeindeleiter in Tadschikistan, vor allem für diejenigen, die von der Regierung überwacht und inhaftiert werden. Beten Sie für sie um Sicherheit und dass Gott ihren Glauben und den ihrer Familien stärkt.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die in Gegenden Tadschikistans leben, wo der Glaubenswechsel mit starkem Druck von der Familie und Gemeinschaft verbunden ist.
  • Beten Sie für die Regierung Tadschikistans, dass ihre Herzen gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten erweicht werden und dass sie alle religiösen Ausdrucksformen zulassen.