Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

31
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Tadschikistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
29
ISO
TJ
Karte Tadschikistan
Christen
0,07
Bevölkerung
9.29
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.900
Familienleben: 12.300
Gesellschaftliches Leben: 11.900
Leben im Staat: 12.400
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Tadschikistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 31 / 65 Punkte (WVI 2019: Platz 29 / 65 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die Regierung übt starken Druck auf alle „abweichlerischen“ Gruppen aus, indem sie existierende Gesetze verschärft und strikt durchsetzt. Einheimische Christen muslimischer Herkunft erleiden die stärkste Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch ihre Familie, Freunde und ihr soziales Umfeld. Am wenigsten Probleme haben russisch-orthodoxe Kirchen, da sie selten versuchen, in Kontakt mit der tadschikischen Bevölkerung zu treten. Besonders das Jugendgesetz hat Christen (und andere religiöse Minderheiten) in eine rechtliche Grauzone gedrängt, da nicht klar daraus hervorgeht, was noch erlaubt ist.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Es ist zu beachten, dass keine einzige Quelle Beispiele von Verfolgung in Tadschikistan berichten kann – selbst nicht die Menschenrechtsorganisation Forum 18. Dies bedeutet aber nicht, dass es keine Verfolgung gibt, sondern dass tadschikische Christen sich nicht bei ausländischen Organisationen melden, um diese veröffentlichen zu lassen.

Im aktuellen Berichtszeitraum wurden elf Mitglieder einer geheimen Hauskirche bei einer Polizeirazzia festgenommen.

Meldungen und Beiträge zu Tadschikistan

Informationen für den Gemeindebrief
Hamida aus Zentralasien
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Wer sich in einem zentralasiatischen Land vom Islam abwendet, um Jesus zu folgen, muss mit Verfolgung rechnen. Besonders schwer leiden Mädchen und Frauen, die von Mitgliedern der eigenen Familie misshandelt und unterdrückt werden – wie Hamida.
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Tadschikistan
Tadschikistan
(Open Doors, Kelkheim) – In den vergangenen Tagen begann der Gerichtsprozess gegen einen tadschikischen Pastor, der vor drei Monaten bei einer Polizeirazzia in seiner Gemeinde verhaftet worden war. Die Christen in Tadschikistan werden von den staatlichen Behörden immer stärker unter Druck gesetzt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Tadschikistan belegt mit 65 Punkten den 31. Platz auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Im Weltverfolgungsindex 2019 belegte das Land Platz 29 bei ebenfalls 65 Punkten. Nachdem sich im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2018 die Situation für Christen deutlich verschlechtert hatte, gab es im aktuellen Berichtszeitraum keine größeren Veränderungen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der vom Staat genehmigten und überwachten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. Seit 2015 haben die Behörden den Druck noch weiter erhöht; es gab mehr Razzien bei Versammlungen und Verhöre von Christen. Mitglieder protestantischer Kirchen werden nach landläufiger Meinung als Anhänger einer fremdartigen Sekte betrachtet, deren einziges Ziel darin besteht, das gegenwärtige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Sie gelten als gefährlich und müssen daher nicht nur kontrolliert, sondern nötigenfalls ausgerottet werden. Die Überwachung betrifft auch den Religionsunterricht, ungeachtet der Religion.

Islamische Unterdrückung

Wenn Einheimische (in der Regel Muslime) den christlichen Glauben annehmen, erfahren sie nahezu immer Druck und gelegentlich auch körperliche Gewalt durch ihre Familien, Freunde und das soziale Umfeld. Man versucht, ihre Rückkehr zum ursprünglichen Glauben zu erzwingen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und schließlich in vielen Fällen von der örtlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. Lokale Mullahs predigen gegen Christen, was den Druck noch verstärkt. Deshalb setzten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben geheim zu halten. Sie werden zu sogenannten „geheimen Christen“.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Polizei durchsucht Häuser und Kirchen und beschlagnahmt christliche Bücher, DVDs und Computer. Es folgen Verhaftungen, Verhöre und Bußgelder für Christen. Kirchenleiter werden regelmäßig zum Verhör vorgeladen und unter Druck gesetzt, Informanten zu werden. Dieser Druck richtet sich vor allem gegen tadschikische Gemeindeleiter.
  • Politische Parteien: In Tadschikistan sind nur wenige politische Parteien erlaubt. Die Partei des amtierenden Präsidenten Rahmon ist an der Verfolgung beteiligt, da sie in vielen Fällen das Vorgehen gegen Christen unterstützt.
  • Bürger: Gewöhnliche Bürger gehören der muslimischen Mehrheit an; auch sie melden christliche Aktivitäten an die Behörden.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Familie: Muslimische Familienangehörige, insbesondere auf dem Land, üben hohen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus. Damit gehen häufig Drohungen, Schläge, Hausarrest und Ausgrenzung einher.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Anführer ethnisch-tadschikischer Gruppen sehen im Wechsel zum christlichen Glauben einen Angriff auf die tadschikische Identität und reagieren mit Anfeindung.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Geistliche greifen teilweise zu körperlicher Gewalt, um Christen muslimischer Herkunft dazu zu bringen, ihren neuen Glauben zu widerrufen.
  • Bürger: Wenn sich Tadschiken dem christlichen Glauben zuwenden, müssen sie mit gravierender Verfolgung durch ihr lokales Umfeld und die religiösen Anführer rechnen. Gewöhnliche Bürger auf kommunaler Ebene üben zusätzlichen Druck auf ehemalige Muslime aus, zum Islam zurückzukehren.
  • Regierungsbeamte: Auf lokaler Ebene haben Regierungsbeamte Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft. Dies führt zu Problemen für Christen muslimischer Herkunft und Protestanten.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In Tadschikistan gibt es keine geografischen Brennpunkte von Verfolgung; generell ist jedoch der Druck vonseiten des muslimischen Umfeldes außerhalb der großen Städte stärker.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften, von denen die größte die Russisch-Orthodoxe Kirche bildet, verbreiten das Evangelium nicht unter Tadschiken. Sie werden kaum behelligt, da sie von der Regierung nicht für bedrohlich gehalten werden. Darüber hinaus hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie die Russisch-Orthodoxe Kirche angreift.

Christen mit muslimischem Hintergrund

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung in Tadschikistan. Neben einigen staatlichen Einschränkungen stehen sie zusätzlich unter enormem Druck durch Familie, Freunde und ihr Umfeld, wobei der gesellschaftliche Druck die größte Rolle spielt. Übertritte zum christlichen Glauben werden als Verrat am Volk, am Staat und an der Religion angesehen und gelten als Schande für die Familie.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Christen muslimischer Herkunft ist diese Gruppe die am zweitstärksten verfolgte, besonders, weil sie aktiv das Evangelium weitergibt. Baptisten, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinschaften leiden unter häufigen Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.9
Familienleben 12.3
Gesellschaftliches Leben 11.9
Leben im Staat 12.4
Kirchliches Leben 13.1
Auftreten von Gewalt 1.1

Grafik: Verfolgungsmuster Tadschikistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen liegt auf sehr hohem Niveau, die Punktzahl (12,7 Punkte) ist gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 (12,4) noch leicht angestiegen. Diese Tendenz gilt für alle fünf Lebensbereiche.
  • Vier Lebensbereiche weisen sehr hohen Druck auf, der Druck im Privatleben ist sogar extrem hoch. Dies zeigt, dass sowohl das muslimische Umfeld als auch die tadschikische Regierung Christen (muslimischer Herkunft) viele Einschränkungen auferlegt.
  • Der Wert für Gewalt sank von 2,4 Punkten im Vorjahr auf 1,1 Punkte. Nur sehr wenige gewaltsame Zwischenfälle wurden gemeldet.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich für Christen, mit Menschen außerhalb ihrer Familie über ihren Glauben zu sprechen: Christen muslimischer Herkunft geben ihren Glauben normalerweise nicht an Menschen aus ihrem sozialen Umfeld weiter. Für alle Christen kann es gefährlich sein, mit Muslimen über religiöse Fragen zu diskutieren. Den eigenen Glauben mit anderen zu teilen, wird als Aufruf zu religiösem Hass interpretiert und führt dazu, dass der Staat sich einschaltet.
  • Ein Wechsel der Religion wird abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt: Eine Konversion wird als Verrat an der Familie, der Kultur und auch am Islam betrachtet. Wenn sich Menschen zum christlichen Glauben bekehren, entscheiden sie sich bewusst gegen ihr soziales Umfeld. Familie, Freunde und viele andere versuchen dann, den Konvertiten dazu zu bringen, wieder zu seinem alten Glauben zurückzukehren. Dies kann auch zu körperlicher Gewalt führen. Offiziell ist ein Glaubenswechsel nicht verboten – Tadschikistan ist ein säkularer Staat. Die Regierung sieht Religionswechsel jedoch kritisch, da sie zu Spannungen in der Bevölkerung führen können.
  • Es ist für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z.B. Gebet, Lesen der Bibel, etc.): Dies ist sehr gefährlich für Christen aus muslimischem Hintergrund. Selbst in ihrem Privatleben ist die Verfolgung sehr hart, auch wenn sie ganz allein ihrem Glauben nachgehen. Es gibt Berichte von Familien, die Konvertiten schlagen, um sie zu zwingen, ihrem Glauben abzuschwören. Auch wenn der Staat versucht, religiöse Aktivitäten so gut es geht zu regulieren, so hat dies wenig Einfluss auf den ganz privaten Bereich.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Ihren neuen Glauben offen zu zeigen, ist für Konvertiten sehr problematisch. Dies würde negative Reaktionen vonseiten ihrer Familien, Freunde und ihres sozialen Umfeldes nach sich ziehen. Wenn ein Christ christliche Symbole trägt, wird dies jedoch unweigerlich die Aufmerksamkeit der Muslime in seiner Umgebung sowie staatlicher Stellen auf ihn lenken.

Christen in Tadschikistan geraten in Schwierigkeiten, wenn sie ihren Glauben bekannt geben, innerhalb der Familie über ihren Glauben sprechen oder wenn sie sich mit anderen Christen treffen. Besonders Konvertiten sind in Tadschikistan demnach im Bereich des Privatlebens in hohem Maß gefährdet.

Familienleben

  • Christliche Kinder werden unter Druck gesetzt, an antichristlichem oder die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen: Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, Bekannte) übt besonders auf die Kinder von Konvertiten Druck aus, islamische Glaubensinhalte zu erlernen – manchmal sogar gegen den Willen der Eltern. „Geschichte der Religionen“ ist ein schulisches Pflichtfach, das aus sunnitischer Perspektive unterrichtet wird.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen: Die Familienmitglieder von Konvertiten sind strikt dagegen, dass diese ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben und Werten erziehen. Sie versuchen, die Kinder unter ihre Obhut zu nehmen, um sie nach islamischen Prinzipien erziehen zu können. Die religiöse Erziehung von Kindern unterliegt sehr restriktiven Gesetzen. Demzufolge dürfen Eltern ihre Kinder zwar nach ihrem Glauben erziehen, gleichzeitig sollten sie aber nicht zulassen, dass ihre Kinder (bis zum Alter von 18 Jahren) an Aktivitäten von religiösen Organisationen (z.B. Kirchen oder Moscheen) teilnehmen.
  • Christliche Taufen wurden verhindert: Die Taufe gilt als finaler Schritt hin zum christlichen und weg vom ursprünglichen Glauben. Familie, Freunde und das soziale Umfeld lehnen dies ab. Auch der Staat sieht Taufen sehr kritisch, da sie automatisch mit Evangelisation und Konversion in Verbindung gebracht werden – beides wird vom Staat abgelehnt.
  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: Christliche Kinder werden beleidigt und muslimische Kinder werden dazu angehalten, nicht mit christlichen Kindern zu kommunizieren. Christliche Kinder werden als Außenseiter gesehen und daher oft von anderen Kindern schikaniert.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen: Der Druck auf Christen muslimischer Herkunft vonseiten ihres sozialen Umfeldes, ihren neuen Glauben wieder aufzugeben, ist meist sehr stark. Dabei werden verschiedene Taktiken angewandt – Drohungen, Schläge, Hausarrest, Zwangsverheiratungen und Verbannung. Dahinter steht auch die Wahrnehmung, dass Protestanten eine gefährliche Sekte darstellen. Wenn dies geschieht, dann geht es vom muslimischen Umfeld aus.
  • Christen werden in ihrem Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder schikaniert: Konvertiten werden von ihren Familien, Freunden und ihrem Umfeld schikaniert und bedroht (etwa auch vom örtlichen Imam). Christen, die zu nicht-registrierten kirchlichen Gruppen gehören, werden durch lokale Beamte belästigt.
  • Christen werden von ihrem lokalen Umfeld oder von privaten Gruppen überwacht: Wenn bekannt wird, dass jemand zum christlichen Glauben konvertiert ist, wird er von seinen Familienmitgliedern und seinem Umfeld überwacht. Auch lokale Beamte überwachen alle Aktivitäten von nicht-orthodoxen Christen sehr genau. Die strenge Überwachung von nicht-orthodoxen Christen ist eine der stärksten Formen der Verfolgung im Land und beinhaltet auch das Abhören von Telefonen. Im aktuellen Berichtszeitraum gab es zahlreiche Vorfälle, bei denen Christen bei den Behörden gemeldet wurden.
  • Christen werden aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden: Wenn bekannt wird, dass jemand zum christlichen Glauben konvertiert ist, wird er von seiner Familie und seinem Umfeld schikaniert und intensiv befragt. Immer wieder unterbricht die Polizei kirchliche Versammlungen und verhört die anwesenden Christen.

Leben im Staat

  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten: Es ist für Christen unmöglich, solche Organisationen oder Parteien in Tadschikistan zu gründen; dies wird durch die tadschikische Verfassung verboten. Muslime betrachten christliche Organisationen sofort als Versuch, Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren.
  • Die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) schränkt die Religionsfreiheit ein, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Offiziell schützt die tadschikische Verfassung die Religionsfreiheit. Gleichzeitig führen andere Gesetze und Vorschriften jedoch zu Einschränkungen der Religionsfreiheit die von der Regierung auch durchgesetzt werden. Das Religionsgesetz von 2009/2011 (mit seinen Ergänzungen vom Januar 2018) schreibt die Registrierung aller religiöser Organisationen vor. Jegliche kirchlichen Aktivitäten von nicht-registrierten Gruppen sind illegal. Gleichzeitig ist es sehr schwer, eine staatliche Registrierung zu bekommen. Nicht-lizenzierte religiöse Bildung ist verboten und alles religiöse Material unterliegt der staatlichen Zensur. Das Gesetz über elterliche Verantwortung verbietet Menschen unter 18 Jahren die Teilnahme an Aktivitäten religiöser Organisationen.
  • Christen werden durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen gegen ihr Gewissen zu handeln: Der Militärdienst in Tadschikistan ist verpflichtend. Den Militärdienst zu verweigern, wird durch das Gesetz bestraft.
  • Personen, die Christen Schaden zufügen, werden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: Behörden, die Christen bestrafen, tun dies mit Rückendeckung des Gesetzes und wenden dies bei ihrem Vorgehen nach eigenem Ermessen an. Dabei können sie generell sicher sein, dass ihnen auch dann keine Konsequenzen drohen, wenn sie über das vorgesehene Maß hinausschießen. Die Regierung macht bislang keine Anstalten, den Täter in einem derartigen Fall zu bestrafen, um die Verfolgung von Christen einzudämmen. Erschwerend kommt hinzu, dass jegliches Vorgehen gegen Konvertiten die volle Zustimmung des muslimischen Umfeldes hat.

Kirchliches Leben

  • Die Arbeit mit Jugendlichen wird gezielt eingeschränkt: Die Gesetze vom August 2011 verbieten jegliche Art von Arbeit unter Jugendlichen. Das Gesetz wird regelmäßig von Beamten angewandt, indem sie Razzien in Kirchen durchführen. Zur Begründung der Razzien berufen sich die beteiligten Beamten auf das Gesetz und die Notwendigkeit, Kinder zu schützen. Da ca. 50 Prozent aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat dies weitreichende Konsequenzen. Muslime lehnen christliche Jugendarbeit ab, blockieren vorsätzlich Veranstaltungen und Sommercamps und berichten alles, was ihnen auffällt, der Polizei.
  • Kirchen dürfen weder Schulen gründen, verwalten, unterhalten oder führen noch wohltätige, humanitäre, medizinische oder kulturelle Organisationen, Institutionen oder Vereine: Wenn Christen erwägen, derartige Institutionen oder Vereine zu gründen, erhalten sie zum einen keine behördliche Genehmigung. Zudem würden Muslime diese Art von Aktivitäten mit Evangelisation in Verbindung bringen und sie blockieren.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliches Material zu drucken oder Druckmaschinen zu besitzen: Die Regierung muss der Produktion, dem Import und Export, dem Verkauf und der Verteilung von religiösem Material von registrierten religiösen Gruppen zustimmen. Damit sind faktisch alle Materialien verboten, die nicht-registrierte religiöse Gruppen benutzen. Auch registrierte Gruppen erhalten selten eine Erlaubnis. Das muslimische Umfeld lehnt die Produktion und die öffentliche Verteilung von jeglichem christlichen Material ab (besonders, wenn es in ihrer eigenen Sprache ist), da es davon ausgeht, dass es für evangelistische Zwecke genutzt wird.
  • Kirchen werden an der Interaktion mit der weltweiten Kirche gehindert: Besuche von Christen aus dem Ausland sind stark eingeschränkt. Man benötigt ein besonderes Visum, das sehr schwer zu bekommen ist. Tadschikische Christen können nur dann andere Länder besuchen und an Konferenzen teilnehmen, wenn sie die Erlaubnis dafür erhalten. Der Staat überwacht genau, wer solche Reisen beantragt. Die muslimische Gemeinschaft lehnt das Auftreten ausländischer christlicher Prediger in Tadschikistan ab, besonders, wenn die Sprache von Muslimen verstanden werden kann.

Auftreten von Gewalt

  • Acht Christen mit muslimischem Hintergrund wurden von ihren Verwandten angegriffen.
  • Elf Mitglieder einer nicht-registrierten Kirche wurden gefangen genommen. Pastor Bakhrom Kholmatov in Khudzhand wurde am 18. Dezember 2019 (also nach Ende des Berichtszeitraums des Weltverfolgungsindex 2020) überraschend aus dem Gefängnis, entlassen nachdem er im Juli 2017 zu drei Jahren Haft wegen „Anstiftung zu religiösem Hass“ verurteilt worden war. Seine reguläre Haft sollte bis zum April 2020 dauern.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufsleben
  • Zwangsverheiratung
  • Zwangsscheidung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Körperliche Gewalt
  • Verbale Gewalt

Auch wenn Frauen und Männer in Tadschikistan vom Gesetz her gleichberechtigt sind, so haben Frauen in der traditionellen Kultur einen geringeren Stellenwert als Männer. Von ihnen wird erwartet, dass sie den Männern in ihren Familien gehorsam sind. Ein UNICEF Projektdirektor schrieb 2004: „Die Rolle der Geschlechter wird in Tadschikistan einerseits von dem alten Sowjetsystem mit seiner starken Betonung der Geschlechtergleichheit im öffentlichen Leben beeinflusst, und andererseits von den traditionellen tadschikischen Werten, bei denen Frauen eine zentrale Rolle im Privaten, im Familienleben spielen…“ Und weiter: „Im Zentrum des Familienlebens zu stehen heißt aber nicht, dass Frauen damit auch die gleichen Rechte hätten wie ihre männlichen Familienmitglieder. Sie stehen unter der Autorität ihrer Ehemänner, Väter oder Brüder, die die Entscheidungsmacht besitzen.“

Daher können Frauen ihre Religion nicht frei wählen und werden verfolgt, wenn sie vom Islam zum christlichen Glauben wechseln. Wird ihr Glaubenswechsel bekannt, so drohen ihnen Hausarrest, Schläge, Ablehnung, Schikanen, erzwungene Scheidung und Enterbung. Sie stehen unter immensem Druck, ihren neuen Glauben zu widerrufen.

Die staatlichen Behörden Tadschikistans verbieten den Gebrauch von religiöser Kleidung oder Symbolen, auch solche, die christliche Frauen tragen. Bei Baptisten und Pfingstlern bedecken verheiratete Frauen traditionell ihren Kopf mit einem Tuch. Dieses Kopftuch sieht anders aus als das bei muslimischen Frauen übliche; unter Christen herrscht jedoch die Sorge, dass dies in der Zukunft zu einem Haftgrund wird.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Schikanierung im Berufsleben
  • Wirtschaftliche Schikanierung durch Geldstrafen
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Einschränkung der Reisefreiheit
  • Körperliche Gewalt
  • Verbale Gewalt

Wie auch in anderen Teilen Zentralasiens haben Männer normalerweise in ihren Familien und Gemeinden die Führungsrolle inne. Aus diesem Grund übt die Polizei mehr Druck auf Männer aus. Immer wieder unterbrechen Polizeibeamte Versammlungen und verhören die anwesenden Christen. Die örtlichen Behörden verhängen oft Geldstrafen gegen Christen wegen ihres Glaubens und damit zusammenhängenden Tatbeständen wie z.B. unerlaubte Versammlungen, unerlaubter Besitz und Druck von religiösem Material oder Missionierung. Verfolgung vonseiten des Staates beinhaltet Durchsuchungen, Festnahmen, Verhöre, Beschlagnahmungen, Geldstrafen und Gefängnisstrafen. Wenn christliche Männer von der Polizei festgenommen werden, erleiden sie verbalen und körperlichen Missbrauch, Drohungen und Schläge. Häufig werden sie unter Druck gesetzt, als Informant zu arbeiten. Wenn Kirchenleiter betroffen sind, hat ihre Verfolgung auch Auswirkungen auf ihre Kirche und führt dazu, dass die Angst bei den Christen wächst.

Durch den Druck der örtlichen Gemeinschaft können christliche Männer ihren Arbeitsplatz verlieren. Hinzu kommt die Gefahr von Schlägen, Drohungen, Beschimpfungen und körperliche Misshandlungen, Diskriminierung, Ausgrenzung und Druck auf ihre Familienmitglieder. Wenn ein Mann als Hauptverdiener seine Arbeit verliert, spürt das die ganze Familie. Christen muslimischer Herkunft werden von ihren nicht-christlichen Familienmitgliedern und Menschen in ihrem Umfeld schikaniert und intensiv ausgefragt. Christen muslimischer Herkunft erleiden häufig durch die eigene Familie Schläge, Demütigungen, Hausarrest, Ablehnung und Enterbung. Bei jungen Männern, die als Studenten finanziell auf ihre Eltern angewiesen sind, wird diese Abhängigkeit immer wieder als Druckmittel genutzt, um zu verhindern, dass es zu einem Glaubenswechsel kommt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Tadschikistan ist seit langem für Verletzungen der Religions- und Glaubensfreiheit und damit verbundener Menschenrechte wie der Meinungs- und Vereinigungsfreiheit bekannt. Es gibt keinen Fokus auf eine bestimmte religiöse Gruppe – alle (Muslime, Christen, Zeugen Jehovas, Juden, Bahais usw.) leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Zu den von der Menschenrechtsorganisation Forum 18 dokumentierten Verstößen gehören: ein Verbot jeglicher Ausübung der Religions- oder Glaubensfreiheit ohne explizite staatliche Genehmigung; eine starke Beschränkung der Anzahl genehmigter Moscheen und Veranstaltungen in diesen Moscheen; willkürliche behördliche Maßnahmen, einschließlich der Verhaftung von Zeugen Jehovas und der Verbote der Zeugen Jehovas sowie einiger islamischer Bewegungen; das Verbot der einzigen legal gegründeten politischen Partei Zentralasiens, der Partei der islamischen Wiedergeburt sowie die Verhaftung ihrer leitenden Funktionsträger; die Vorgabe für Imame, nur in staatlich kontrollierten Moscheen (die als einzige erlaubt sind), vom Staat verfasste Predigten zu halten; die erzwungene Schließung aller Koranschulen; ein Verbot der öffentlichen Ausübung der Religions- oder Glaubensfreiheit für Menschen unter 18 Jahren (einzige Ausnahme: Beerdigungen); und staatliche Zensur und Verbote einiger religiöser Literatur und Webseiten.

Beispiele:

  • November 2018: Muslimische Gefangene wurden in der Nacht vom 7. auf den 8. November 2018 getötet, als Beamte und Spezialkräfte einen Aufstand in einem Hochsicherheitslager in Khujand in der nördlichen Sogd Region zu unterbinden versuchten. Sie durften nicht nach ihrer muslimischen Tradition beerdigt werden.
  • September 2019: Ein Gericht in der Stadt Khujand in Nordost Tadschikistan verurteilte einen Jehovas Zeugen zu 7 ½ Jahren Haft, nachdem sie ihn der Anstiftung zu religiösem Hass für schuldig befunden hatten. Das Gericht legte fest, dass Shamil Hakimov auch nach seiner Haftstrafe drei Jahre lang nicht in religiösen Organisationen mitarbeiten darf.

9. Der Ausblick für Christen

Diktatorische Paranoia

Die derzeitige Regierung übt ein sehr hohes Maß an Kontrolle über das Land aus. Regierungsvertreter auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Tadschikistan. Sie erlassen alle Arten von gesetzlichen Beschränkungen, überwachen alle religiösen Aktivitäten, führen Razzien in Versammlungen durch und verbieten religiöse Literatur. Dies wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Islamische Unterdrückung

Der Islam ist nicht die Staatsreligion, er ist jedoch die traditionelle Religion des Großteils der Bevölkerung. Der von Muslimen ausgehende Druck auf Christen in Tadschikistan geht nicht von islamisch-extremistischen Bewegungen aus, sondern entspringt dem weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und sozialem Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft. Es ist so gut wie aussichtslos, dass sich diese islamische Kultur ändert.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Bitten beten Sie für die Christen mit muslimischem Hintergrund in Tadschikistan. Verfolgung, Druck und Probleme im Alltag nehmen stetig zu. Beten Sie, dass Jesus ihnen Weisheit dafür gibt, mit diesem wachsenden Druck umzugehen und fest im Glauben zu stehen.
  • Das Regime in Tadschikistan übt großen Druck auf „abweichlerische“ Gruppierungen wie Christen aus. Durch die Verschärfung von bereits bestehenden Gesetzen und ihre strikte Durchsetzung setzt die Regierung die christliche Minderheit unter großen Druck. Bitte beten Sie, dass dieser Druck sich lockert, und dass das Land sich mehr für den christlichen Glauben öffnet.
  • Christen werden als Extremisten angesehen, da sie ihren Glauben außerhalb der vom Staat genehmigten Strukturen leben. Bitte beten Sie, dass sich diese Sicht auf Christen ändert.

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