Länderprofil Tadschikistan

Tadschikistan

29
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Tadschikistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
22
ISO
TJ
Karte Tadschikistan
Christen
0,06
Bevölkerung
9.11
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.800
Familienleben: 11.900
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 12.100
Kirchliches Leben: 12.900
Auftreten von Gewalt: 2.400

Länderprofil Tadschikistan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 29 / 65 Punkte (WVI 2018: Platz 22 / 65 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der vom Staat genehmigten und beaufsichtigten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. Es gab Razzien bei Versammlungen und Verhöre. Es kommt sehr häufig vor, dass Mitglieder protestantischer Kirchengemeinden pauschal als Anhänger einer fremdartigen Sekte angesehen werden, die das bestehende politische System untergraben wollen.

Islamische Unterdrückung: Wenn einheimische Muslime den christlichen Glauben annehmen, erfahren sie nahezu immer Druck und gelegentlich auch körperliche Gewalt von ihren Familien, Freunden und der örtlichen Gemeinschaft, die eine Rückkehr zum ursprünglichen Glauben erzwingen wollen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt und geschlagen und es kommt vor, dass sie schließlich von ihrer örtlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die stärkste Verfolgung von Christen geht in Tadschikistan von Regierungsbeamten aus, die im Auftrag der Zentralregierung dafür sorgen, dass die strengen Gesetze von den örtlichen Behörden und der Polizei umgesetzt werden. Sie führen Razzien bei Gottesdiensten durch, nehmen Christen fest und konfiszieren christliche Schriften. Verfolgung geht auch vom muslimischen Umfeld aus (Familie, Freunde, soziales Umfeld und örtliche Imame), das gegen Christen vorgeht, die das Evangelium mit Muslimen teilen.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Durch die Verschärfung bereits existierender Gesetze und deren strikte Umsetzung setzt die Regierung alle „Abweichler“ schwer unter Druck. Einheimische Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch Familie, Freunde und soziales Umfeld. Die geringsten Probleme haben russisch-orthodoxe Kirchen, da sie selten versuchen, in Kontakt mit der tadschikischen Bevölkerung zu treten. Besonders das Jugendgesetz hat Christen (und andere betroffene religiöse Minderheiten) in einen rechtlichen Schwebezustand versetzt, da nicht klar daraus hervorgeht, was noch erlaubt ist.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Juni 2018 erklärte ein junger ehemaliger Muslim seiner Mutter den christlichen Glauben und seine muslimischen Verwandten erfuhren davon. Der ältere Bruder des Christen schlug ihn schwer und forderte ihn auf, zu seiner ursprünglichen Religion zurückzukehren. Er benutzte ein heißes Eisen, um seine Hände zu verbrennen. Der junge Christ floh und ist jetzt bei seiner Familie nicht mehr sicher.
  • Im August 2018 wurde eine Gruppe von neun Christen im Süden Tadschikistans verhaftet. Die Polizei nahm Dokumente und Handys mit und verhörte sie brutal.

Meldungen und Beiträge zu Tadschikistan

Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
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Wer sich in einem zentralasiatischen Land vom Islam abwendet, um Jesus zu folgen, muss mit Verfolgung rechnen. Besonders schwer leiden Mädchen und Frauen, die von Mitgliedern der eigenen Familie misshandelt und unterdrückt werden – wie Hamida.
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(Open Doors, Kelkheim) – In den vergangenen Tagen begann der Gerichtsprozess gegen einen tadschikischen Pastor, der vor drei Monaten bei einer Polizeirazzia in seiner Gemeinde verhaftet worden war. Die Christen in Tadschikistan werden von den staatlichen Behörden immer stärker unter Druck gesetzt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Tadschikistan belegt mit 65 Punkten den 29. Platz auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Nachdem sich im Berichtszeitraum zum WVI 2018 die Situation für Christen deutlich verschlechtert hatte, gab es im aktuellen Berichtszeitraum keine größeren Veränderungen. Die Gesamtpunktzahl ist somit gleich geblieben.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der vom Staat genehmigten und beaufsichtigten Einrichtungen ist keine religiöse Aktivität erlaubt. Seit 2015 erhöhten die Behörden den Druck noch weiter; es gab mehr Razzien bei Versammlungen und Christen wurden verhört. Es kommt sehr häufig vor, dass Mitglieder protestantischer Kirchen pauschal als Anhänger einer fremdartigen Sekte angesehen werden, deren einziges Ziel es ist, die bestehende Regierungsform auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Sicht müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern nötigenfalls ausgerottet werden. Die Überwachung betrifft auch den Religionsunterricht, ungeachtet der Religion.

Islamische Unterdrückung

Wenn Einheimische (muslimischer Zugehörigkeit) den christlichen Glauben annehmen, erleben sie nahezu immer Druck und gelegentlich auch körperliche Gewalt durch ihre Familien, Freunde und das soziale Umfeld, die eine Rückkehr zum ursprünglichen Glauben erzwingen wollen. Einige Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt und geschlagen und können schließlich von der örtlichen Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs predigen gegen Christen, was den Druck noch verstärkt. Deshalb setzten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben geheim zu halten. Sie werden zu sogenannten „geheimen Christen“.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Polizei, Regierungsbeamte: Die Polizei durchsucht Häuser und Kirchen und beschlagnahmt christliche Bücher, DVDs und Computer. Es folgen Verhaftungen, Verhöre und Bußgelder für Christen. Kirchenleiter werden regelmäßig zum Verhör vorgeladen und unter Druck gesetzt, Informanten zu werden. Dieser Druck richtet sich vor allem gegen tadschikische Gemeindeleiter.
  • Gewöhnliche Bürger gehören zur muslimischen Mehrheit; auch sie melden christliche Aktivitäten an die Behörden.
  • In Tadschikistan sind nur wenige politische Parteien erlaubt. Die Regierungspartei, die die von Präsident Rahmon geführte Regierung kontrolliert, ist dadurch an der Verfolgung beteiligt, dass ein Großteil der Verfolgung von der Regierung genehmigt wird.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Auf lokaler Ebene haben Regierungsbeamte Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft. Dies führt zu Problemen für Christen muslimischer Herkunft und Protestanten.
  • Die Anführer ethnisch-tadschikischer Gruppen sehen im Wechsel zum christlichen Glauben einen Angriff auf die tadschikische Identität.
  • Muslimische Geistliche greifen teilweise zu körperlicher Gewalt, um Christen muslimischer Herkunft dazu zu bringen, ihren neuen Glauben zu widerrufen.
  • Gewöhnliche Bürger auf kommunaler Ebene üben zusätzlichen Druck auf ehemalige Muslime aus, zum Islam zurückzukehren. Wenn sie den christlichen Glauben annehmen, werden ehemalige Muslime von der lokalen Gemeinschaft und religiösen Führern schwer verfolgt.
  • Muslimische Familienangehörige, insbesondere auf dem Land, üben hohen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, was oft mit Drohungen, Schlägen, Hausarrest und Ausgrenzung verbunden ist.

4. Hintergrund

Tadschikistan ist das einzige zentralasiatische Land mit einer persischen Landessprache. Kulturell gesehen hat das Land größere Ähnlichkeit mit dem Iran und Afghanistan als die anderen Länder Zentralasiens. Tadschikistan ist eines der ärmsten Länder dieser Region und sehr abhängig von den Geldzuwendungen derer, die im Ausland arbeiten. Geschätzte 20 Prozent der Bevölkerung arbeiten in Russland oder Kasachstan. Einerseits stellt die finanzielle Unterstützung der Arbeitsmigranten sicher, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung mit diesem Geld ihren Alltag bewältigen können. Andererseits kostet dies einen hohen gesellschaftlichen Preis – Familien werden auseinandergerissen und Kinder wachsen mit wenigen männlichen Verwandten auf.

Die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan ist 1.200 Kilometer lang, was zahlreiche negative Auswirkungen mit sich bringt: es gibt einen florierenden Drogenhandel von Afghanistan über Tadschikistan in den Westen; Tadschiken (die auch in Afghanistan leben) sind in islamistische Kämpfe verwickelt; was jenseits dieser Grenze passiert, hat große Auswirkungen auf Tadschikistan. Da die meisten westlichen Truppen Afghanistan verlassen haben, ersucht Tadschikistan Russland um Hilfe. Das Land hat Militärstützpunkte als Gegenleistung für Grenzkontrollen durch russische Soldaten angeboten.

Am 1. März 2015 fanden in Tadschikistan Parlamentswahlen statt. Schon bald nach den Wahlen, die wie erwartet von Präsident Emomalij Rahmon gewonnen wurden, traten deutliche Veränderungen im Land ein. Innerhalb weniger Monate wurde die Oppositionspartei verboten. Immer mehr restriktive Gesetze wurden erlassen – auch im Bereich Religion. Die Regierung Tadschikistans ist dadurch inzwischen viel mehr auf einer Linie mit den anderen diktatorischen Regimes in Zentralasien.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften, von denen die größte die Russisch-Orthodoxe Kirche bildet, verbreiten das Evangelium nicht unter Tadschiken. Sie werden nur wenig behelligt, da sie von der Regierung nicht für bedrohlich gehalten werden. Darüber hinaus hat die tadschikische Regierung kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie die Russisch-Orthodoxe Kirche angreift.

Christen muslimischer Herkunft

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung in Tadschikistan. Neben einigen staatlichen Einschränkungen stehen sie zusätzlich unter enormem Druck durch Familie, Freunde und Gesellschaft, wobei für sie der gesellschaftliche Druck wohl der schlimmste ist. Übertritte zum christlichen Glauben werden als Verrat am Volk, am Staat und an der Religion der Väter angesehen und gelten als Schande für die Familie.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Christen muslimischer Herkunft ist diese Gruppe die am zweitstärksten verfolgte Gruppe von Christen (besonders, weil sie aktiv evangelisiert). Baptisten, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinschaften leiden unter häufigen Razzien, Bedrohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.8
Familienleben 11.9
Gesellschaftliches Leben 11.6
Leben im Staat 12.1
Kirchliches Leben 12.9
Auftreten von Gewalt 2.4

Grafik: Verfolgungsmuster Tadschikistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen beträgt ein sehr hohes Maß und die Punktzahl (12,4) ist gegenüber dem WVI 2018 (12,2) noch angestiegen. Der Druck nahm im Privat- und Familienleben sowie im „Leben im Staat“ zu, während er im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ leicht abnahm. Der Druck im Bereich „Kirchliches Leben“ blieb gleich. Insgesamt zeigt das Diagramm, dass sich der Druck nicht wesentlich verändert hat.
  • Vier Lebensbereiche weisen sehr hohen Druck auf, aber der Druck im Privatleben ist extrem hoch. Dies zeigt, wie das muslimische Umfeld Christen muslimischer Herkunft viele Einschränkungen auferlegt.
  • Der Wert für Gewalt sank von 4,3 Punkten im Vorjahr auf 2,4 Punkte.

Privatleben

Ein Glaubenswechsel ist gesetzlich nicht verboten. Trotzdem bleibt eine Bestrafung für christliche Konvertiten, besonders durch Familienmitglieder, unvermeidbar. Für Christen muslimischer Herkunft ist es äußerst riskant, in ihrer Privatsphäre christliche Handlungen durchzuführen, und es ist bekannt, dass christliche Konvertiten geschlagen und dazu gezwungen wurden, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Ehemalige Muslime halten christliche Schriften und Symbole meist versteckt, da sie Repressalien durch ihre Familie befürchten müssen. Doch auch andere Christen bringen sich dadurch in Gefahr, da der Besitz christlicher Literatur und das Zeigen christlicher Symbole als Form der Evangelisation angesehen werden können. Christliche Konvertiten müssen auch bei der Nutzung von christlichem Radio, Fernsehen oder christlichen Webseiten große Vorsicht walten lassen, um nicht von ihren Familien, Freunden oder ihrem sozialen Umfeld entdeckt zu werden. Christen muslimischer Herkunft, die mit Familienmitgliedern oder anderen Personen über ihren neuen Glauben sprechen, müssen befürchten, dass die Familie alles daransetzen wird (zum Beispiel in Form von Hausarrest), den Konvertiten zum alten Glauben zurückzubringen.

Familienleben

Die Religionszugehörigkeit einer Person wird in offiziellen Urkunden nicht aufgeführt, doch gelegentlich behindern lokale Behörden, die von ortsansässigen Muslimen geführt werden, die Registrierung von Geburten, Hochzeiten oder Todesfällen von Christen muslimischer Herkunft. Auch die Familie und das soziale Umfeld stellen sich gegen Hochzeiten oder Taufen von ehemaligen Muslimen. Seit August 2011 ist jede religiöse Aktivität für Jugendliche unter 18 Jahren streng verboten. Christliche Jugendarbeit kann nur noch im Geheimen stattfinden und es gab Razzien während Kinderfreizeiten im Sommer. Kinder und Teenager dürfen nicht zur Sonntagsschule gehen oder am Religionsunterricht teilnehmen. Islamische Themen hingegen sind Teil des Lehrplans und alle Kinder sind verpflichtet, diesen Unterricht zu besuchen. Oft werden Kinder von Christen in der Schule vor den anderen Kindern gedemütigt. In einigen Fällen zwang man die Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft durch Drohungen zur Trennung. Diese stehen zudem in der Gefahr, ihr Erbrecht zu verlieren.

Gesellschaftliches Leben

Auf gesellschaftlicher Ebene werden Christen muslimischer Herkunft und Protestanten konstant überwacht. Christen muslimischer Herkunft stehen durch Bedrohungen und Belästigungen unter starkem Druck, ihren neuen Glauben aufzugeben. Protestanten müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie evangelisieren, da dies zu gewaltsamem Widerstand führen kann. Für gewöhnlich werden Ehen von den Eltern des Brautpaares arrangiert und ehemalige Muslimas laufen Gefahr, entführt und mit einem muslimischen Mann zwangsverheiratet zu werden. Alle Christen muslimischer Herkunft stehen unter dem Druck, an islamischen Zeremonien und Festen teilnehmen zu müssen. Kinder von Christen muslimischer Herkunft sind in der Schule gesellschaftlichem Druck ausgesetzt, da sie oft von ihren Lehrern und Mitschülern lächerlich gemacht werden. Christen, deren Glaube bekannt ist, haben geringere Karrieremöglichkeiten, und eine Anstellung bei lokalen Behörden ist undenkbar. Lokale Einrichtungen und Behörden verhindern, dass Christen (allen voran Christen muslimischer Herkunft) ein eigenes Geschäft betreiben können. Viele müssen in Tadschikistan Bestechungsgelder und Schutzgelder zahlen, wobei dies nicht ausschließlich Christen betrifft. Die lokalen Polizeibehörden verhören Christen regelmäßig.

Leben im Staat

Der Staat stellt sich selbst als säkular dar. Die Verfassung schützt zwar die Religionsfreiheit, doch in Wirklichkeit schränkt die Regierung mit ihrer Politik die Religionsfreiheit ein. Einige lokale und regionale Führungskräfte schaffen bürokratische Hürden für Christen, welche die Registrierung von Kirchengemeinden beeinträchtigen können. Es gibt keine Alternative zum Militärdienst, Verweigerer werden inhaftiert. Ein im Juli 2012 erlassenes Gesetz verbietet es tadschikischen Bürgern, ins Ausland zu gehen, um dort eine religiöse Ausbildung zu erhalten, selbst zu unterrichten oder Beziehungen zu ausländischen religiösen Organisationen aufzubauen. Protestantischen Christen werden Posten im öffentlichen Dienst verweigert, da sie als ausländischer Einfluss angesehen werden, der nicht vertrauenswürdig sei und die tadschikische Gesellschaft bedrohe. Seit März 2015 wird gegen alle Nichtregierungsorganisationen hart durchgegriffen. Tätigkeiten, die mit Gemeindearbeit, Jugendarbeit und der Veröffentlichung von religiösen Schriften zu tun haben, sind von der Regierung eingeschränkt und zensiert worden. Regierungsangestellte und alle Mitglieder der Gesellschaft können Christen belästigen, festnehmen oder verhören, ohne dafür strafrechtlich belangt zu werden. Christen werden vor Gericht ungerecht behandelt.

Kirchliches Leben

Alle christlichen Aktivitäten werden überwacht. Nur registrierte Gruppen dürfen existieren, Gebäude besitzen, Versammlungen abhalten, religiöses Material besitzen etc. Eine Registrierung zu erhalten ist extrem schwierig, doch ohne sie gilt die Gruppe als illegal und wird polizeilich verfolgt. Die Gesetze vom August 2011 verbieten jegliche Art von Jugendarbeit. Da ca. 50 Prozent aller Christen in Tadschikistan Jugendliche sind, hat dies weitreichende Konsequenzen. Der „Rat für religiöse Angelegenheiten“ muss alle Predigten sowie christliches Material genehmigen. Schulungen für religiöse Leiter können ebenfalls nur von registrierten Gruppen, von denen es nur sehr wenige gibt, durchgeführt werden. Manchmal können nichtregistrierte Gruppen solche Schulungen unter dem Schirm registrierter Gruppen durchführen. Die Medien in Tadschikistan werden vom Staat kontrolliert und sind somit für christliche Inhalte unzugänglich. Zugang zum Internet ist nur über staatliche Anbieter möglich. Die Regierung erlaubt Christen weder, ihre eigenen Schulen, Organisationen oder Einrichtungen zu gründen, noch gemeinnützige, humanitäre, medizinische oder kulturelle Vereine zu gründen. Sämtliche ausländischen Kontakte zu einheimischen religiösen Gruppen sind als Teil des harten Durchgreifens gegen extremistische Religionsausübung verboten.

Auftreten von Gewalt

Mindestens eine Hauskirche wurde im Berichtszeitraum von den Behörden durchsucht. Zweifellos hat es noch mehr dieser Vorfälle gegeben, doch es bleibt schwierig, Informationen aus dem Land zu erhalten. Mindestens zehn Christen sind für kurze Zeit inhaftiert worden, weil sie Schriften verteilt hatten. Mindestens 17 Christen wurden angegriffen und geschlagen. 15 Christen muslimischer Herkunft mussten sich vor ihren muslimischen Ehepartnern und Familien oder der Polizei versteckt halten, allerdings wurde kein Christ zur Ausreise aus Tadschikistan gezwungen.

Weitere Beispiele finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Tadschikistan basiert der Alltag der Einheimischen auf einer islamischen Kultur, die Frauen im Vergleich zu Männern eine geringere Stellung zuweist. Von Frauen wird die völlige Unterordnung gegenüber ihrer Familie und, falls verheiratet, ihrem Ehemann vorausgesetzt. Dadurch sind sie verwundbarer für Verfolgung, sowohl als Christinnen als auch generell als Frauen, die die bestehende Ordnung hinterfragen. Die staatlichen Behörden verbieten das Tragen religiöser Kleidung und Symbole, auch für Christinnen. Ebenso ist es auch Muslimas nicht gestattet, einen Hidschab zu tragen. Bei einigen Baptisten- und Pfingstgemeinden ist es für verheiratete Frauen traditionell üblich, ein Kopftuch zu tragen. Dieses Kopftuch unterscheidet sich von dem muslimischer Frauen, doch birgt es für sie die potentielle Gefahr, festgenommen zu werden. Es wurde jedoch noch von keinem Fall berichtet.

Männer

Gemeindeleiter sind in Tadschikistan meist Männer. Männer sind außerdem normalerweise das Oberhaupt ihrer Familie und Hauptverdiener. Wird ein christlicher Mann zur Zielscheibe von Verfolgung (z. B. durch Geldstrafe oder Gefängnis), leidet die ganze Familie darunter. Der Verlust der Arbeit oder des Einkommens zieht ebenfalls die ganze Familie in Mitleidenschaft. Ist der Mann Gemeindeleiter, hat seine Verfolgung zudem negative Auswirkungen auf die Gemeinde und verursacht steigende Ängste. Verfolgung durch den Staat beinhaltet Razzien, Durchsuchungen, Inhaftierungen, Verhöre, Beschlagnahmungen, Geldstrafen und Gefängnis. In Polizeigewahrsam erleiden Männer verbale und körperliche Gewalt und sie werden unter Druck gesetzt, als Informant zu arbeiten. Durch die örtliche Gemeinschaft können christliche Männer ihren Arbeitsplatz verlieren und Schläge, Drohungen, Beschimpfungen und körperliche Misshandlungen, Diskriminierung, Ausgrenzung und Druck auf ihre Familienmitglieder erleiden. Durch seine eigene muslimische Familie kann ein zum Christ muslimischer Herkunft mit Schlägen, Drohungen, Hausarrest, verbalem und körperlichem Missbrauch, Demütigung und Scheidung konfrontiert werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Tadschikistan hat die Religions- und Glaubensfreiheit und damit verbundene Menschenrechte wie die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit verletzt. Zu den von der Menschenrechtsorganisation Forum 18 dokumentierten Verstößen gehören: ein Verbot der Ausübung der Religions- oder Glaubensfreiheit ohne staatliche Erlaubnis; starke Beschränkung der Anzahl der genehmigten Moscheen und Veranstaltungen in diesen Moscheen; willkürliche behördliche Maßnahmen, einschließlich der Verhaftungen von Zeugen Jehovas und der Verbote der Zeugen Jehovas sowie einiger islamischer und protestantischer Bewegungen; das Verbot der einzigen legal gegründeten politischen Partei Zentralasiens, der Partei der islamischen Wiedergeburt, und die Verhaftung ihrer leitenden Funktionsträger als politische Gefangene; der Zwang von Imamen in staatlich kontrollierten Moscheen (die als einzige erlaubt sind), vom Staat verfasste Predigten zu halten; die gewaltsame Schließung aller Koranschulen; ein Verbot der öffentlichen Ausübung der Religions- oder Glaubensfreiheit, mit Ausnahme von Beerdigungen, für Menschen unter 18 Jahren; und staatliche Zensur und Verbote einiger religiöser Literatur und Webseiten. Es gibt keinen Fokus auf eine bestimmte religiöse Gruppe – alle (Muslime, Christen, Zeugen Jehovas, Juden, Bahais usw.) leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Beispiele:

  • Im Januar 2018 schlossen die lokalen Behörden laut Berichten der Jamestown Foundation fast 100 Moscheen im nördlichen Teil Tadschikistans.
  • Nach Berichten von Forum 18 bereitete sich im Februar 2018 der Zeuge Jehovas Daniil Islamov darauf vor, zum letzten Mal vor dem Obersten Gerichtshof Tadschikistans gegen eine im Oktober 2017 verhängte sechsmonatige Haftstrafe wegen Kriegsdienstverweigerung zu klagen.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Seit 2015 hat das Regime des tadschikischen Präsidenten Rahmon seine Kontrolle über das Land erfolgreich ausgebaut. Jegliche politische Opposition – allen voran seitens der Partei der islamischen Wiedergeburt – wurde aufgelöst. Das bedeutet, dass politische Veränderungen in Tadschikistan unwahrscheinlich sind.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die derzeitige Regierung übt ein sehr hohes Maß an Kontrolle über das Land aus. Regierungsvertreter auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Tadschikistan. Sie haben alle Arten von gesetzlichen Beschränkungen erlassen, alle religiösen Aktivitäten überwacht, Versammlungen durchsucht und religiöse Literatur verboten. Dies wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Der Islam ist nicht die Staatsreligion, er ist die traditionelle Religion des Großteils der Bevölkerung. Der von Muslimen ausgehende Druck auf Christen in Tadschikistan kommt nicht von islamisch-extremistischen Bewegungen, sondern von dem weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und sozialem Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft. Chancen, dass sich das bald ändert, sind so gut wie nicht vorhanden.

Schlussfolgerung

Aufgrund der sehr hohen Stabilität der beiden wichtigsten Triebkräfte der Verfolgung in Tadschikistan wird sich die Kirche in diesem Land darauf einstellen müssen, unter einem anhaltenden, erheblichen Maß an Überwachung und Druck zu leben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tadschikistan:

  • Bitten beten Sie für die Christen mit muslimischem Hintergrund in Tadschikistan. Verfolgung, Druck und Probleme im Alltag nehmen stetig zu. Beten Sie, dass Gott ihnen Weisheit dafür gibt, mit diesem wachsenden Druck umzugehen und fest im Glauben zu stehen.
  • Das Regime in Tadschikistan übt großen Druck auf „abweichende“ Gruppierungen wie Christen aus. Durch die Verschärfung von bereits bestehenden Gesetzen und ihre strikte Durchsetzung setzt die Regierung die christliche Minderheit unter großen Druck. Bitte beten Sie, dass dieser Druck sich lockert, und dass das Land sich mehr für den christlichen Glauben öffnet.
  • Christen werden als Extremisten angesehen, da sie ihren Glauben außerhalb der vom Staat genehmigten Strukturen leben. Bitte beten Sie, dass sich diese Sicht auf Christen ändert.

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