Länderprofil Brunei

Brunei

36
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Brunai
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Sultanat
Platz Vorjahr
26
ISO
BN
Karte Brunei
Christen
0,06
Bevölkerung
0.43
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.400
Familienleben: 14.300
Gesellschaftliches Leben: 10.500
Leben im Staat: 10.300
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 0.700

Länderprofil Brunei

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 36 / 63 Punkte (WVI 2018: Platz 26 / 64 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Brunei ist eine islamische Nation. Das Scharia-Recht wurde schon vor der Unabhängigkeit des Landes 1984 eingeführt. Die Regierung verfolgt eine Strategie der Islamisierung unter der teils christlichen, teils animistischen Stammesbevölkerung, indem sie die islamische Missionierung unterstützt.

Diktatorische Paranoia: Alle wichtigen politischen Posten werden vom regierenden Sultan selbst bekleidet. Der vom Sultan unterstützte konservative Islam macht die Christen im Land zu Bürgern zweiter Klasse und lässt sie mit Unsicherheit in Bezug auf ihre Zukunft zurück.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Vorschriften, die Muslime gegenüber Angehörigen anderer Religionen bevorzugen, sind Gesetz und werden von allen Beamten im ganzen Land umgesetzt. Muslimische religiöse Leiter und Anführer ethnischer Gruppen können auf die christliche Minderheit Druck aufbauen, indem sie ihren bedeutenden Einfluss auf den Sultan nutzen, der als der Beschützer und Verteidiger des malaiischen Volkes und des Islam gilt. Familienmitglieder und Nachbarn können christlichen Konvertiten und Kirchen leicht Probleme bereiten, indem sie sie dem staatlichen Sicherheitsamt melden. Die Behörden überwachen alle Kirchen und belegen sie mit Restriktionen, auch die registrierten Kirchen. Die lang erwartete Einführung der zweiten Phase des Scharia-Strafrechts im März 2018 verstärkt die Unsicherheit der Christen. Bis jetzt ist jedoch unklar, inwieweit Christen hiervon betroffen sein werden.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Christen muslimischer Herkunft leiden unter Verfolgung, da der Glaubenswechsel weg vom Islam als illegal angesehen wird und alles unternommen wird, um diese Personen zurück zu ihrem ursprünglichen Glauben zu bringen. Protestantische Freikirchen können nicht als Kirchen registriert werden, sondern müssen als Firmen, Gesellschaften oder Familienzentren angemeldet werden. Daher werden sie auch wie säkulare Organisationen behandelt und müssen jedes Jahr Finanz- und Geschäftsberichte an die Regierung übermitteln. Die gesamte Gesellschaft (Christen mit eingeschlossen) ist von der schrittweisen Einführung der Scharia betroffen sowie von der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage, die die Behörden daran hindert, weiterhin großzügig mit Zuwendungen zu sein, die Unzufriedenheit in der Bevölkerung verhindern sollen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Da der Glaubenswechsel weg vom Islam durch die Gesetze Bruneis streng verboten ist, werden Christen muslimischer Herkunft von ihren Partnern und Kindern getrennt und der/die Partner/in wird dazu gezwungen, sich scheiden zu lassen. Wenn der Sicherheitsdienst Konvertiten zum christlichen Glauben entdeckt, werden diese bedroht, damit sie ihren Glauben widerrufen.
  • Einigen Christen und Angehörigen anderer Minderheiten wird die Staatsbürgerschaft vorenthalten. Dies führt zu einer großen Anzahl von staatenlosen Bewohnern, die an vielen Stellen benachteiligt werden.
  • Besonders junge Leute verlassen das Land, da sie keine Perspektive für die Zukunft sehen. Dies betrifft auch die Kirchen: Die nächste Generation an (potenziellen) Leitern wird zahlenmäßig immer kleiner.
  • Die Verfolgung von Christen in Brunei äußert sich selten in Form von Gewalt.

Meldungen und Beiträge zu Brunei

Nachrichten Nachrichten
Christen treffen sich in der Hauptstadt von Brunei zum Gebet
Brunei
Nach Einführung der Scharia in Brunei sehen einheimische Christen ihre Glaubensfreiheit in Gefahr. Das Weitergeben des Evangeliums an Muslime ist dadurch zu einer Straftat geworden.
Podcast
Podcast Brunei: Christen unter der Scharia

Brunei: Christen unter der Scharia

05:02 Minuten
Brunei
Das einzige politische unabhängige Sultanat der Welt hat gerade die Scharia als offizielle Rechtsgrundlage eingeführt. Was das für die Christen im Land bedeutet, erzählen uns einheimische Pastoren.
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Beten für die islamische Welt
Muslime, die Christen wurden, erleben oft heftige Verfolgung. Ihre dringendste Bitte ist die nach unserem Gebet. Mit der Gebetskampagne „Gefährlicher Glaube“ wollen wir auf ihre Bitte antworten.
Nachrichten Nachrichten
Symbolbild
Brunei
Nach langer Verzögerung hat Brunei einen weiteren Schritt zur vollständigen Implementierung der Scharia (dem islamischen Recht) unternommen. Sultan Hassanal Bolkiah und der Religionsrat legten einen Entwurf zum Strafgesetzbuch vor, der Verfahrensrichtlinien in den Bereichen Ermittlungswesen, Strafverfolgung und Gerichtsbarkeit enthält.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Punktzahl von 63 Punkten steht Brunei auf Platz 36 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Punktzahl ist um einen Punkt gegenüber dem WVI 2018 gesunken, was die stabile, aber immer noch schwierige Situation für Christen im Land widerspiegelt. Der durchschnittliche Druck ist sehr hoch, die Punktzahl für physische Gewalt aber sehr niedrig. Die Kontrolle, Überwachung und das Ausspionieren von Christen werden als wichtiger angesehen als das Verüben von Gewalt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Brunei ist eine islamische Nation, die auf der Ideologie der „Malaiisch-islamischen Monarchie“ oder MIB („Melayu Islam Beraja“) basiert. Diese Regierungsform wird im Land als die fairste für alle Menschen bezeichnet, ob sie Muslime sind oder nicht. Der Sultan hat eine gewisse Demokratisierung gefördert (wobei Brunei von einer wirklichen Demokratie noch weit entfernt ist) und ernannte sich selbst zum Premierminister und Präsidenten. Brunei will ein vorbildliches Zentrum des Islam sein: Das Scharia-Recht wurde für zivile und religiöse Angelegenheiten schon vor der Unabhängigkeit 1984 für alle Muslime eingeführt und die Regierung verfolgt eine Strategie der Islamisierung unter der teils christlichen, teils animistischen Stammesbevölkerung, indem sie die sogenannte „dawah“-Bewegung (islamische Missionierung) unterstützt.

Eine Aussage aus dem Länderbericht des US-Außenministeriums für das Jahr 2017 lautet wie folgt: „Die Regierung bot Menschen, die sich für eine Konversion zum Islam und für die schafiitische Rechtsschule interessierten, Anreize an. Besonders angesprochen wurden Menschen indigener Gemeinschaften in ländlichen Gegenden. Zu den Anreizen gehörten Hilfen in Bezug auf Wohnraum, Sozialleistungen oder Hilfe bei der Durchführung des Hadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka. Während des Jahres erhielten Menschen, die zum Hadsch aufbrachen, Designer-Reisegepäck von der Regierung. In den staatlich beeinflussten Medien gab es eine umfangreiche Berichterstattung über die Vorteile einer Konversion zum Islam, die von der Regierung präsentiert wurden.“

Durch einen Erlass sind der Import von Bibeln und das öffentliche Feiern von Weihnachten verboten. Christliche Pastoren und Mitarbeiter stehen einer Vielzahl von Beschränkungen gegenüber, bedingt durch die Islamisierung und die vorherrschende MIB-Ideologie, und sowohl einheimische als auch ausländische Christen wurden zum Ziel aggressiver Islamisierungsbemühungen.

Statistiken des „Islamic Dawah Centre“ zufolge konvertierten 2017 landesweit 409 Menschen zum Islam. In den ersten fünf Monaten des Jahres 2018 nahmen 200 Menschen den Islam an. Statistiken über Menschen, die zum Islam konvertieren sowie Berichte über individuelle Fälle nehmen in den Medien großen Raum ein.

Diktatorische Paranoia

Seit über 600 Jahren liegt die absolute Macht im Land bei den Sultanen. Alle wichtigen Positionen werden vom Sultan selbst bekleidet: Premierminister, Finanzminister, Innenminister, Außenminister, Handelsminister, Verteidigungsminister und religiöses Oberhaupt. Die Menschen verehren ihn von Herzen und respektieren den Sultan, jedwede Kritik ist undenkbar und in der Tat sehr unwahrscheinlich, da die Menschen ihn sehr schätzen und ihn nicht für die momentan schwierige wirtschaftliche Lage verantwortlich machen. Seine Regentschaft hat bisher keine Gefahr für die Christen dargestellt, aber seine konservative islamische Einstellung zeigte sich 2016, als er die Behörden kritisierte, die Einführung der zweiten Phase der Scharia, des Strafrechts, die sich bis zum März 2018 verzögert hat, immer noch nicht umgesetzt zu haben. Daher scheint der konservative Islam gestützt vom Herrscher als eine Art Staatsideologie zu dienen, und auch ein Mittel zu sein, um die Menschen unter Kontrolle zu halten. Das lässt Christen im besten Falle als Bürger zweiter Klasse und mit Unsicherheit in Bezug auf ihre Zukunft zurück.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Da alle MIB-Vorschriften (die Muslime gegenüber Angehörigen anderer Religionen bevorzugen) rechtlich durchgesetzt und durch die Behörden in allen Bereichen des Landes umgesetzt werden, sind Regierungsbeamte die Hauptverfolger. Religiöse muslimische und malaiische Leiter üben einen großen Einfluss auf den Sultan aus, der als der Beschützer des Islam und des malaiischen Volkes gesehen wird, und setzen die christliche Minderheit so unter Druck. Familienmitglieder und Nachbarn können Christen muslimischer Herkunft und Kirchen leicht Probleme bereiten, indem sie sie dem staatlichen Sicherheitsdienst KDN melden, was regelmäßig geschieht.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Sowohl die Anführer ethnischer Gruppen, religiöse Leiter, Regierungsbehörden als auch die große Mehrheit der Bevölkerung würden es niemals in Betracht ziehen, den Sultan nicht zu unterstützen. Wegen wachsender wirtschaftlicher Herausforderungen und Einsparungen im sozialen Bereich wächst die Paranoia der Führung dennoch.

4. Hintergrund

Am 1. Mai 2014 stellte Sultan Hassanal die erste von drei Phasen zur Einführung eines Strafrechts vor, das auf dem islamischen Recht, der Scharia, beruht. Der erste Satz an Regulierungen beinhaltet Geldstrafen und Gefängnisstrafen für „Verbrechen“ wie außereheliche Schwangerschaften, die Verbreitung anderer Religionen als den Islam und das Versäumen des verbindlichen Freitagsgebets. Die zweite Phase, die härtere Strafen wie Prügel und Amputationen für Eigentumsdelikte enthält, sollte eigentlich im Mai 2015 eingeführt werden, verzögerte sich aber, was Sultan Hassanal veranlasste, dies bei einem Treffen mit dem Islamischen Rat als „inakzeptabel“ zu bezeichnen. Die Einführung der zweiten Phase des Scharia-Strafrechts wurde im März 2018 bekannt gegeben. Bis jetzt ist jedoch unklar, was das genau für die Bürger des Landes bedeutet – insbesondere, inwieweit Nichtmuslime hiervon betroffen sein werden. Es scheint so, als ob die Androhung der Einführung schon ausreicht, um Angst unter den nichtmuslimischen Bürgern hervorzurufen und sie so unter Kontrolle zu halten.

Als 1929 riesige Vorräte an Öl und Gas in Brunei entdeckt wurden, nutzte der Sultan die enorm großen Einnahmen, um sein winziges Sultanat zu einer der wirtschaftlich reichsten und sozial sichersten Gesellschaften der Welt zu machen. Die Bürger erhalten kostenlose medizinische Versorgung, Bildung, Wohngeld, niedrig verzinste Wohndarlehen und sind von der Einkommenssteuer befreit. Fast 96 % der Exporte Bruneis sind Öl, Gas und verwandte Produkte. Bei der derzeitigen Fördergeschwindigkeit hat Brunei noch Ölreserven für die nächsten 22 Jahre, abhängig von der Entwicklung des Ölpreises. Selbst wenn die Vorräte länger halten, nehmen die Kosten für die Ausbeutung der Reserven zu. Brunei ist derzeit das einzige südostasiatische Land, das einem wirtschaftlichen Niedergang entgegenblickt. In einem Versuch, wirtschaftlich zu diversifizieren, stellte der Sultan 2008 die „Vision Brunei 2035“ vor, welche darauf abzielt, die Abhängigkeit von Öl- und Gasexporten zu reduzieren und die Beschäftigung im Privatsektor anzukurbeln. Darüber hinaus beginnt das Sultanat mit Versuchen, eine Diversifizierung der Wirtschaft durch große internationale Handelsabkommen herbeizuführen, doch bis jetzt nur mit bestenfalls gemischtem Erfolg. Dennoch scheint das Land durch Steuerüberschüsse und Rücklagen vorerst gut gepolstert zu sein. Die Vision Brunei 2035 plant, das Land in ein „islamisches Singapur“ zu verwandeln, in dem die Errungenschaften Bruneis gut ausgebildeter Bürger internationale Anerkennung erfahren. Nichtsdestoweniger wird befürchtet, dass viele der besser ausgebildeten Bewohner Bruneis sich entscheiden werden, das Land zu verlassen, da Teile des Scharia-Rechts auch für Nichtmuslime gelten (die ungefähr 33 % der Bevölkerung Bruneis ausmachen). Da es zudem bereits Orte wie Dubai gibt, dürfte es kaum Bedarf an einem weiteren „islamischen Singapur“ geben.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften wie die Römisch-Katholische Kirche und die Anglikanische Kirche stehen zunehmenden Anfeindungen gegenüber und müssen mehr und mehr Vorsicht walten lassen, da sie streng überwacht werden. Dennoch sind sie immer noch weniger von Verfolgung betroffen, als die neueren protestantischen Gemeinden und Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft.

Christen muslimischer Herkunft

Christen muslimischer Herkunft leiden unter starkem Druck durch Familie und Freunde, da die Abwendung vom Islam als illegal angesehen wird.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Mitglieder evangelikaler und Pfingstgemeinden wissen, dass sie und ihre Treffen sowohl in ihrem Privatleben als auch im kirchlichen Leben von den Behörden und ihrem Umfeld genau beobachtet werden. Dementsprechend vorsichtig leben sie ihren christlichen Glauben.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.4
Familienleben 14.3
Gesellschaftliches Leben 10.5
Leben im Staat 10.3
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 0.7

Grafik: Verfolgungsmuster Brunei

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Brunei bleibt auf einem sehr hohen Niveau. Er fiel nur leicht von 12,6 Punkten im Vorjahr auf 12,4 Punkte.
  • Der stärkste Druck findet sich im Bereich des Familienlebens, aber er ist auch in den Bereichen des Privatlebens und des kirchlichen Lebens sehr hoch. Der Druck auf christliche Konvertiten findet besonders im Bereich des Privat- und Familienlebens statt, während alle Christen Druck im Bereich des Lebens im Staat und im kirchlichen Leben gegenüberstehen. Dieser Druck wird angeheizt durch die Einführung der Scharia und die drohende Umsetzung des Scharia-Strafrechts. Da nun die rechtlichen Voraussetzungen für die Einführung geschaffen wurden, spitzt sich die Problematik zu.
  • Die Punktzahl für die Gewalt gegen Christen verringerte sich von 0,9 Punkten weiter auf 0,7 Punkte. Die Verfolgung von Christen in Brunei war noch nie sehr gewalttätig.

Privatleben

Die Gesetze Bruneis erlauben es malaiischen Muslimen nicht, ihren Glauben zu verlassen. Diejenigen, die es tun, erwarten harte Strafen. Abschnitt 112(1) der Scharia-Strafprozessordnung Bruneis besagt, dass ein Muslim, der dem Islam den Rücken kehrt, mit dem Tode bestraft werden kann oder mit einer Gefängnisstrafe von nicht mehr als 30 Jahren und einer Prügelstrafe, abhängig von der Art der Beweise. Wenn das Scharia-Gericht überzeugt ist, dass der Beschuldigte sein „Vergehen“ bereut, muss das Gericht eine Freilassung anordnen. Jedwede private Aussage über den christlichen Glauben kann als christliche Mission ausgelegt werden. Aufgrund dieser Gesetzeslage wird inzwischen selbst das Tragen eines Kreuzes um den Hals viel vorsichtiger gehandhabt als früher. Berichten zufolge ist es sogar üblich, die Logos von Autos der Marke Chevrolet (die einem Kreuz ähneln) mit schwarzer Farbe zu übermalen. Für einen Christen muslimischer Herkunft ist es sehr riskant, christliche Literatur und Materialien zu besitzen, da dies seine christliche Identität offenlegen könnte. Vor diesem Hintergrund ist es ganz besonders schwierig für diese Christen, sich mit anderen Christen zu treffen, da es zum einen gefährlich für die christlichen Konvertiten selbst ist und zum anderen das christliche Treffen verraten und gefährden kann. Das gilt aber auch für andere Christen, da sie überwacht werden. Christliche „Propaganda“ unter Andersgläubigen oder Stammesangehörigen, die meist einer ethnischen Religion folgen, zu verbreiten, ist verboten und kann mit einer Gefängnisstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bis zu 20.000 Brunei-Dollar oder beidem geahndet werden. Christen und besonders Gemeindeleiter sind unter permanenter Überwachung der Behörden. Zudem gibt es in Brunei ein Gesetz, das die unerlaubte Versammlung von mehr als fünf Personen verbietet.

Familienleben

Christliche Eltern mit muslimischem Hintergrund befinden sich in einem Dilemma, da sie nicht wagen, ihre Kinder in ihrem Glauben zu erziehen, weil die Kinder aus Versehen den Glauben der Familie an Jesus Christus offenbaren könnten. Keine Schule, weder privat noch öffentlich, darf christliche Themen unterrichten, und alle Schüler in Primär- und Sekundarschulen müssen per Gesetz den Islam (oder genauer die MIB-Philosophie) studieren. Ein Pastor merkte an, dass einige Schüler besser die MIB-Prinzipien wiedergeben können als die Zehn Gebote. Der Sultan befasste sich in einer Ansprache im Juli 2018 mit dem Thema Erziehung. Er sagte, dass islamische Geschichte zu einem Pflichtfach in allen Schulen und Bildungszentren werden solle. Weiter sagte er, dass das Bildungssystem die Religion nicht außer Acht lassen dürfe, und Religion die Achse des Bildungssystems sein müsse. „Verstehe unsere Religion gut, so dass du sie lieben lernst. Der Weg zum Verständnis der Religion ist natürlich das Studium der Religion, insbesondere ihrer Geschichte.“ Dies gilt für alle Schüler, nicht nur für Muslime. Wenn Christen muslimischer Herkunft entdeckt werden, isoliert man sie und setzt sie unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Wenn ein Christ muslimischer Herkunft verheiratet ist, wird er/sie von seinem/ihrem Partner/in getrennt, der/die wiederum dazu gezwungen wird, die Scheidung einzureichen.

Gesellschaftliches Leben

Christen mit muslimischem Hintergrund stehen immer unter dem starken Druck von Familie, Freunden und Nachbarn, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Besonders die Malaiisch sprechenden Gemeinden sind ernsthaft bedroht und werden unablässig überwacht, was zu einem hohen Maß an Furcht unter den Gemeindeleitern führt. Jeder weiß von der Überwachung, die stattfindet. Immer wieder sind selbst in den Kirchen Informanten (manchmal andere Christen), die von den Behörden geschickt werden. Die Behörden besorgen sich zudem von Einwohnern Informationen über die Aktivitäten der Kirchen. Darüber hinaus werden Christen im Geschäftsleben benachteiligt. Mit der Scharia-Gesetzgebung fängt die Regierung an, mehr und mehr Regeln und Restriktionen einzuführen. Seit 2014 ist das öffentliche Feiern von Weihnachten verboten. Zudem gibt es strikte Vorgaben und Strafen für und über das Einhalten der muslimischen Gebetszeiten während des Ramadan, sowohl für Muslime als auch für Nichtmuslime.

Das Bildungsministerium verpflichtet zu Islam- und MIB-Unterricht in allen Schulen. Dabei sind Nichtmuslime von einigen religiösen Anforderungen befreit. Die Regierung meldete, dass viele nichtmuslimische Kinder sich dazu entschlossen, Islamkurse zu belegen. Berichten zufolge glaubten diejenigen, die sich für staatlich geförderte Stipendien bewarben, dass die Belegung der Islamkurse ihnen Vorteile verschaffen könnte (gemäß des bereits erwähnten Länderberichtes über Religionsfreiheit des US-Außenministeriums). Aufgrund wirtschaftlicher Einschränkungen hat sich die Anzahl der Stipendien für Universitäten verringert. Dieser Rückgang der Stipendienplätze bewirkt, dass viele Christen das Gefühl haben, nun noch weniger Chancen auf einen Studienplatz an einer Universität in Brunei zu haben.

Ungefähr die Hälfte der Konversionen zum Islam geschehen unter Einwanderern und dies wird landesweit in den Zeitungen gefeiert. Den Konvertiten werden viele Anreize geboten, einschließlich Geldsummen. Aber in vielen Fällen wird auch Druck auf die Menschen ausgeübt, so werden z. B. katholische Filipinos Muslime, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten; indische Arbeiter werden dazu gedrängt, Muslime zu werden, um ebenfalls Arbeitserlaubnisse und Sozialleistungen zu bekommen.

Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Situation gibt es nun mehr Einschränkungen für Firmeninhaber, die nicht aus Brunei stammen. Im Berichtszeitraum für den WVI 2019 wurde bei 80 ausländischen Staatsangehörigen die Einwanderungserlaubnis zurückgenommen, bei weiteren 54 Personen wird die Situation noch geprüft.

Leben im Staat

Wie bereits erwähnt stellte Brunei das Scharia-Strafrecht im Mai 2014 vor. Dies regelt nicht nur die Bestrafung von Mord und Diebstahl, sondern betrifft auch das öffentliche Zeigen von christlichen Symbolen. Die Einführung des Gesetzes wurde im März 2018 angekündigt. Im Länderbericht des US-Außenministeriums für 2017 wird jedoch Folgendes angemerkt: „Die zweite Phase des Scharia-Strafrechts, die das Amputieren der Hände von Dieben einschließen würde, soll erst ein Jahr nach der Veröffentlichung der Scharia-Strafprozessordnung in Kraft treten. Bis heute hat die Regierung diese Strafprozessordnung nicht veröffentlicht. Die dritte Phase des Scharia-Strafrechts – die Strafen einschließt, wie Steinigung bis zum Tod für Vergewaltigung, Ehebruch oder Sodomie und Hinrichtung für Apostasie, Geringschätzung des Propheten Mohammed oder Beleidigung des Koran – soll erst zwei Jahre nach Bekanntgabe der Scharia-Strafprozessordnung in Kraft treten.“ Solange die Scharia-Strafprozessordnung nicht veröffentlicht wird, ist das Strafgesetz noch ausstehend. Ein Entwurf der Strafprozessordnung wurde im März 2018 veröffentlicht.

Einen Glaubenswechsel offiziell bestätigen zu lassen, ist undenkbar. Christen werden oft diskriminiert, wenn sie mit den Behörden zu tun haben. Wenn Einwohner chinesischer, christlicher oder buddhistischer Herkunft einen Antrag auf Staatsbürgerschaft stellen, erleben sie in vielen Fällen eine Ablehnung oder Verzögerung, ohne eine offizielle Begründung der Behörden zu bekommen. Die Aktivitäten des Landes zur Islamisierung, besonders unter Christen, werden breit publiziert und Übertritte vom christlichen Glauben zum Islam werden in den Medien in den höchsten Tönen gelobt. Jeden Donnerstagmorgen von 8:00 – 9:30 Uhr ist in allen Regierungsstellen Zeit für das islamische Gebet und Lesungen des Korans vorgesehen. Die Teilnahme ist verpflichtend. Untergrundgemeinden zeigen niemals christliche Symbole, aber selbst Christen aus anerkannten Kirchen sind vorsichtig darin, nichts in der Öffentlichkeit zu zeigen, da dies als Verbreitung des christlichen Glaubens mit der Absicht ausgelegt werden könnte, Muslime zu konvertieren. Das würde einen Verstoß gegen die neue Scharia-Gesetzgebung darstellen. Daher haben Christen auch Angst, öffentlich etwas zu tragen, das ihrem Glauben Ausdruck verleiht, wie ein Kreuz an einer Kette.

Kirchliches Leben

Alle Aktivitäten von Kirchen werden überwacht, aber vor allem registrierte Gemeinden sind davon betroffen, dass die Regierung Spitzel schickt. Diese Informanten sind teilweise selbst Christen, denen Bestechungsgeld angeboten wurde. Diese Kirchen, die bereits während der Kolonialzeit registriert wurden, besitzen immer noch einen offiziellen Status. Die Regierung erlaubt es jedoch nicht, dass weitere Kirchen registriert werden. Und selbst registrierte Kirchen stehen Problemen gegenüber: In der Hauptstadt Bandar Seri Begawan setzt die Regierung an Sonntagen Zugangsbeschränkungen um und alle Straßen, die zu der katholischen und der anglikanischen Kirche führen, werden aus „Erholungsgründen“ zwischen 6 Uhr morgens und 13 Uhr gesperrt. Nur Besitzer einer gültigen Bescheinigung dürfen das Gebiet um die beiden großen Kirchen betreten. Es gibt eine Fatwa, stillschweigend vom Sultan befürwortet, die es verbietet, dass nichtmuslimische religiöse Gebäude renoviert oder gebaut werden dürfen. Daher verfallen die Kirchen mehr und mehr. Einige Gemeinden haben ihre Gebäude jedoch ohne Genehmigung renoviert. Trotz all dieser Herausforderungen stehen die Gemeinden fest in ihrem christlichen Glauben. Dabei bleibt das Problem, dass viele junge Christen das Land verlassen und Sorgen um zukünftige Leiter entstehen.

Gemeinschaften christlicher Konvertiten und freikirchliche Gemeinschaften können sich nicht registrieren lassen und manchmal werden ihre Treffen von der Polizei unterbrochen. Die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien ist nach den Gesetzen der Scharia strafbar. Personen, die Publikationen an Muslime (oder Personen ohne Religion) senden oder liefern, die andere Religionen als den Islam betreffen, und die nicht von derjenigen Person angefordert wurden, können zu einer Haftstrafe von bis zu sechs Monaten verurteilt werden und/oder mit einer Geldstrafe von bis zu 2.000 Brunei-Dollar belegt werden. Kirchen ist es erlaubt, christliche Materialien an Mitglieder ihrer Gemeinden privat zu verkaufen. Die Nutzung von Massenmedien zur Verbreitung eines anderen Glaubens als des Islam ist verboten: Jeder, der eine andere Religion außer dem Islam verbreitet, muss mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe bis zu 20.000 Brunei-Dollar rechnen.

Alle christlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit sind verboten. Im Dezember 2014 warnte die Regierung alle christlichen Gemeinschaften davor, öffentliche Weihnachtsfeierlichkeiten abzuhalten. Dieses Verbot von Weihnachtsfeiern ist immer noch in Kraft. Sonntägliche Gottesdienste werden von Beamten der Regierung genau überwacht und Pastoren (besonders Malaiisch sprechende Pastoren) sind sehr darauf bedacht, die Regierung oder die königliche Familie in ihren wöchentlichen Predigten nicht zu verärgern. Veröffentlichte Materialien unterliegen der Überprüfung der Behörden und das Importieren christlichen Materials ist verboten. Die Bewegungen und Aktivitäten von christlichen Leitern werden überwacht und es ist schwierig, Kirchenmitglieder auszubilden oder eine theologische Ausbildung anzubieten.

Auftreten von Gewalt

Die Wertung für physische Gewalt ist auf einem sehr niedrigen Niveau, was widerspiegelt, dass die Verfolgung in Brunei nie sehr gewalttätig war. Dennoch ist sie Anlass genug, dass einige Christen das Land verlassen und christliche Konvertiten sich verstecken. Es kommt gelegentlich vor, dass christliche Frauen zu einer Ehe gezwungen werden. Einen kurzen Überblick und Beispiele für das Auftreten von Gewalt im aktuellen Berichtszeitraum finden sich in Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

In Brunei gibt es keine Unterschiede bei der Verfolgung von Frauen und Männern. Jedoch werden Frauen aufgrund der strengen Umsetzung der islamischen Gesetze gezwungen, einen Hidschab (Kopftuch) zu tragen und sie werden von den religiösen Obrigkeiten bestraft, wenn sie sich weigern, einen solchen zu tragen. Das gilt nicht für bekannte christliche Familien, jedoch für Christen mit muslimischem Hintergrund. Es ist üblich, dass Frauen oder Mädchen von ihrer Familie verstoßen werden, wenn sie den christlichen Glauben annehmen. Sie werden dann von der Familie isoliert und Imame werden herbeigerufen, die sie dazu bringen sollen, ihren neuen Glauben zu widerrufen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Muslimische Gruppen, die als Abweichler gesehen werden, wie Schiiten und Ahmadiyya, sind verboten und werden verfolgt. Atheismus ist ebenfalls verboten. Die Tätigkeiten von Hindus sind eingeschränkt worden. Der einzige hinduistische Tempel im Land steht auf dem Gelände der britischen Kaserne des Gurkha-Regiments. Auch Sikhs und buddhistische Gemeinschaften besuchen diesen Tempel, um dort zu beten. Chinesischen Staatsangehörigen wurde untersagt, ihr Neujahrsfest mit dem Drachentanz zu feiern.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Die Regierung Bruneis muss einige schwierige Entscheidungen treffen. Die komfortable Zeit, in der der Sultan für all seine Untertanen sorgte, wird bald vorbei sein, auch wenn der Ölpreis sich wieder erholen sollte. Bis jetzt stellt die Regierung kostenlose medizinische Versorgung bereit sowie subventionierte Lebensmittel und vergünstigtes Wohnen. An den staatlichen Schulen gibt es keine Schulgebühren und die Bürger Bruneis müssen keine Einkommenssteuer bezahlen. Aber da die Öl- und Gasreserven wohl nur noch eine Generation oder weniger halten werden, muss die Regierung anfangen, über Alternativen nachzudenken. Bis jetzt war sie dabei nicht sehr erfolgreich, da es scheint, dass die Welt kein „islamisches Singapur“ braucht (oder bereits eines in Dubai oder Doha hat). Der vergleichsweise hohe Ölpreis während des Berichtszeitraums hat Brunei geholfen, den stärksten wirtschaftlichen Druck zu überbrücken.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia: Der wachsende wirtschaftliche Druck kann zu wachsender Unsicherheit und sogar Unruhen führen, besonders weil die Regierung kein weiteres Personal einstellt. Es sieht danach aus, dass der Sultan, indem er auf die Einführung der Scharia-Gesetzgebung pocht und christliche Feste verbietet, sich auf eine konservative Form des Islam verlässt – sicherlich einerseits aus Überzeugung, aber auch als ein Mittel, sein Volk unter Kontrolle zu halten. Dies wird zu einer Verstärkung der beiden Haupttriebkräfte der Verfolgung des Landes führen, der „Islamischen Unterdrückung“ und der „Diktatorischen Paranoia“.

Schlussfolgerung

Die Tatsache, dass der Sultan im November 2016 entschied, die beliebte englischsprachige Zeitung „Brunei Times“ schließen zu lassen, zeigt, dass er (erfolgreich) versucht, seine Kontrolle über die Medien und die öffentliche Berichterstattung auszuweiten. Es könnte sein, dass er diese Anstrengungen noch verstärkt, denn der Sultan verlässt sich immer stärker auf chinesische Investitionen bei der Verbesserung der Infrastruktur und Diversifizierung der Wirtschaft. Dies hat jedoch seinen Preis. Brunei ist im Jahr 2018 das erste Mitgliedsland der ASEAN-Staaten gewesen, das seine Ansprüche im Südchinesischen Meer aufgab, damit die Investitionen aus China weiter fließen.

Christen sehen sich zudem einer Veränderung der kirchlichen Situation gegenüber: Junge Christen verlassen das Land in großer Zahl. Auch die geplante Einführung des Scharia-Strafgesetzes und die Entwicklung der Islamischen Unterdrückung und Diktatorischen Paranoia sorgen für eine immer größer werdende Unsicherheit.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Brunei:

  • Jeden Tag gibt es in den einheimischen Zeitungen Berichte von Menschen, die für Geschenke und finanzielle Unterstützung Muslime werden. Gleichzeitig ist es Christen nicht erlaubt, zu evangelisieren. Beten Sie dafür, dass Gott in diesen unfairen Bedingungen seiner Gemeinde Weisheit und Mut gibt, Jesus zu verkündigen.
  • Beten Sie für die Gläubigen im Untergrund. Sie spüren die Verfolgung ganz besonders, da das Land so klein ist und sie nirgendwohin fliehen können, wenn ihr Glaube entdeckt wird. Dies ist der Grund, aus dem sie sich entscheiden, ihren Glauben geheim zu halten.
  • Beten Sie für malaiische Muslime, die Christen werden und nun eine harte Bestrafung unter der Scharia befürchten müssen.

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