Länderprofil Brunei

Brunei

46
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Brunai
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Absolute Monarchie
Platz Vorjahr
39
Karte Brunei
Christen
0,04
Bevölkerung
0.45
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.800
Familienleben: 14.500
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 11.000
Kirchliches Leben: 13.200
Auftreten von Gewalt: 0.600

Länderprofil Brunei

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 46 / 64 Punkte (WVI 2021: Platz 39 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christliche Konvertiten werden von ihren Familien und Gemeinschaften unter Druck gesetzt, und der Glaubenswechsel wird nach dem Scharia-Strafrecht bestraft, wenn es zu einem Verfahren gegen sie kommt. So wird alles unternommen, um sie zu ihrem ursprünglichen Glauben zurückzubringen. Protestantische Freikirchen können nicht als Kirchen angemeldet werden; um rechtmäßig tätig sein zu können, werden sie als Unternehmen, Vereine oder Familienzentren registriert. Als solche werden sie wie säkulare Organisationen behandelt und müssen der Regierung jedes Jahr ihre Finanz- und Geschäftsberichte vorlegen. Die gesamte Bevölkerung (einschließlich der Christen) ist von der schrittweisen Einführung der Scharia-Gesetze betroffen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

In Brunei regiert der Sultan als absoluter Monarch. Die Menschen haben großen Respekt vor dem Sultan, und die Nachfrage nach mehr politischer Beteiligung ist gering. Bislang hat die Regierung kostenlose medizinische Leistungen zur Verfügung gestellt und Güter wie Reis und Wohnraum subventioniert. Die staatliche Schulbildung ist kostenlos, und die Bürger von Brunei müssen keine Einkommenssteuer zahlen.

Die nationale Philosophie heißt „Melayu Islam Beraja“ (MIB), eine Mischung aus malaiischen und islamischen kulturellen Werten, die von der Monarchie bewahrt wird. Im Mai 2014 wurde das neue Strafgesetz auf Grundlage der Scharia (das auch für Nichtmuslime gilt) eingeführt; die Umsetzung erfolgte jedoch erst 2019. Die internationalen Medien wiesen schnell auf die schwerwiegenden Folgen für die LGBTI+-Gemeinschaft im Land hin, und es gab Aufrufe zum Boykott aller Luxushotels, die einem Unternehmen im Besitz des Sultans gehören. Bislang wurden aber keine Fälle gegen religiöse Minderheiten (oder die LGBTI+-Gemeinschaft) gemeldet.

Die ethnisch malaiischen Bruneier machen 66 Prozent der Bevölkerung aus und es wird offiziell davon ausgegangen, dass sie Muslime sind. Die chinesische Bevölkerung, etwa 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, besteht zu 65 Prozent aus Buddhisten und zu 20 Prozent aus Christen. Den Christen steht es frei, ihre Religion auszuüben, aber sie wurden davor gewarnt, zu evangelisieren oder zu sichtbar zu werden.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

42.600

9,5

Muslime

269.700

59,9

Buddhisten

44.300

9,8

Anhänger ethnischer Religionen

46.351

10,3

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Das Land ist klein, und es gibt keine besonderen Gebiete, in denen Christen häufiger Opfer von Menschenrechtsverletzungen werden.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung vermischt mit diktatorischer Paranoia

Die Scharia in ihrer zivilen und administrativen Dimension wurde bereits vor der Unabhängigkeitserklärung Bruneis im Jahr 1984 vollständig umgesetzt. Die Regierung hat potenziellen Konvertiten zum Islam (vor allem aus indigenen Gemeinschaften) Anreize geboten, darunter Hilfe bei der Wohnungssuche und Sozialhilfe. Familienmitglieder und Nachbarn können Christen muslimischer Herkunft und Kirchen leicht Probleme bereiten, indem sie sie dem staatlichen Sicherheitsdienst KDN melden, was regelmäßig geschieht. Ein staatliches Gremium, der Oberste Rat der Malaiischen Islamischen Monarchie, bemüht sich um die Verbreitung der MIB-Philosophie und stellt sicher, dass sie in den Gesetzen und der Politik des Landes verankert wird.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie schließt römisch-katholische und anglikanische Kirchen ein. Sie werden streng überwacht und müssen Vorsicht walten lassen, obwohl sie weniger Druck ausgesetzt sind als neuere protestantische Gruppen und Konvertiten.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft leiden unter starkem Druck durch Familie und Freunde, da die Abwendung vom Islam als illegal angesehen wird. Sollte ihr Glaubenswechsel bekannt werden, werden die Behörden einschreiten, um sie zu ihrem ursprünglichen Glauben zurückzubringen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu den nichttraditionellen christlichen Gemeinschaften gehören die evangelikalen Gemeinden und die Pfingstgemeinden. Sie werden von den Behörden und ihrem Umfeld genau beobachtet.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.8
Familienleben 14.5
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 11
Kirchliches Leben 13.2
Auftreten von Gewalt 0.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Nach bruneiischem Recht ist es malaiischen Muslimen nicht gestattet, den Islam zu verlassen, und die Abkehr vom Islam kann mit dem Tod oder einer langen Gefängnisstrafe mit körperlicher Züchtigung bestraft werden. Ein zum christlichen Glauben Konvertierter darf nicht über seinen Glauben sprechen, da dies als Missionierung ausgelegt werden kann, was gegen die Scharia verstößt und mit einer Gefängnisstrafe oder Geldstrafe geahndet werden kann. Christen und besonders Gemeindeleiter stehen unter der permanenten Überwachung der Behörden.

Familienleben

In den Schulen darf nicht über den christlichen Glauben gelehrt werden, und alle Schüler müssen über den Islam (oder vielmehr die nationale MIB-Philosophie) lernen. Schülerinnen müssen ein Kopftuch tragen. Der Druck ist besonders hoch auf Kinder von Konvertiten, sobald entdeckt wird, dass ihre Eltern „Abtrünnige“ sind. Das Gesetz verbietet es jedem Muslim, das Sorgerecht für einen Minderjährigen an einen Nichtmuslim zu übergeben. Daher können Nichtmuslime keine muslimischen Kinder oder Kinder, deren Eltern unbekannt sind, adoptieren.

Gesellschaftliches Leben

Der Islam durchdringt alle Bereiche der Gesellschaft und Christen werden von der Gesellschaft und der Regierung unter Druck gesetzt, an islamischen Riten und Zeremonien teilzunehmen. Zudem gibt es strikte Vorgaben und Strafen in Bezug auf das Einhalten der muslimischen Gebetszeiten während des Ramadan, sowohl für Muslime als auch für Nichtmuslime. Die Kirchen verzeichnen einen allmählichen Rückgang der Mitgliederzahlen, da Menschen zum Islam übertreten – in erster Linie, um sozialem Druck zu entgehen, aber auch wegen finanzieller Vorteile wie dem Erhalt von jährlich 1.000 Brunei-Dollar für 10 Jahre. Die Bemühungen der islamischen Missionare („Dawah“) werden weithin bekannt gemacht und in den nationalen Zeitungen gefeiert, wo die Konvertiten mit ihren neuen Namen bekannt gegeben werden.

Leben im Staat

Da es ein Gesetz gegen Aufwiegelung gibt und Christen die Lehren des MIB und das Scharia-Strafrecht immer im Hinterkopf haben, sind sie sehr darauf bedacht, sich selbst zu zensieren, um Ärger zu vermeiden, zumal nicht ganz klar ist, welche Äußerungen als aufrührerisch angesehen werden könnten. Vergünstigungen und Beförderungen sind auf Malaien und Konvertiten zum Islam beschränkt, wenn sie Staatsbürger sind, was den Druck auf Christen erhöht, zu konvertieren.

Kirchliches Leben

Sechs Kirchen haben legale Genehmigungen, die sie während der Kolonialzeit erhalten haben. Die Regierung erlaubt es nicht, dass andere Kirchen registriert werden. Alle Aktivitäten von Kirchen und besonders die Predigten werden überwacht. Vor allem registrierte Gemeinden sind davon betroffen, dass sie von Informanten der Regierung bespitzelt werden. Diese Informanten sind teilweise selbst Christen, denen Bestechungsgeld angeboten wurde. Die Pastoren achten sehr darauf, nichts zu sagen, was als Kritik oder Beleidigung der Regierung oder der königlichen Familie ausgelegt werden könnte. Veröffentlichte Materialien unterliegen der gründlichen Überprüfung der Behörden. Es gibt ein dauerhaftes Verbot gegen die Einfuhr gedruckten, nichtislamischen religiösen Materials.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Per Dekret sind die Einfuhr von Bibeln und jede öffentliche Feier von Weihnachten weiterhin verboten.
  • Pastoren und christliche Arbeitnehmer sind mit einer Vielzahl von Einschränkungen konfrontiert. Sowohl einheimische als auch ausländische Christen werden zu Zielen einer aggressiven Islamisierung.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

46

64,28

2021

39

64,32

2020

37

63,08

2019

36

62,66

2018

26

63,75

Der Wert für den Weltverfolgungsindex 2022 blieb gegenüber 2021 unverändert und spiegelt eine stabile, aber schwierige Situation für die Christen im Land wider. Die Umsetzung des Scharia-Strafrechts hat sich noch nicht in der Punktzahl ausgewirkt. Es bleibt abzuwarten, was diese Entwicklung für die Christen in Brunei bedeuten wird, abgesehen von ihrer Verunsicherung und Sorge.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Obwohl Brunei das Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) unterzeichnet hat, sind Frauen und religiöse Minderheiten durch das neue Scharia-Strafrecht bedroht. Aufgrund der strengeren Umsetzung der islamischen Gesetze sollen sich christliche Frauen im Allgemeinen bescheiden kleiden, sind aber nicht gezwungen, einen Hidschab zu tragen. Frauen und Mädchen werden in der Regel von ihrer Familie enteignet, wenn ihr Glaubenswechsel zum christlichen Glauben bekannt wird. Sie können gezwungen werden, an religiösen Rehabilitationsprogrammen teilzunehmen. Manchmal wird Frauen mit Zwangsheirat mit einem Muslim gedroht, oder wenn sie verheiratet sind, werden ihnen die Kinder weggenommen, um eine muslimische Erziehung sicherzustellen.

Männer: Konvertiten zum christlichen Glauben sind dem stärksten Druck ausgesetzt. Männer und Jungen werden in der Regel von der Familie verstoßen, wenn sie konvertieren, und sind gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Bei der Verfolgung durch religiöse Behörden sind sie Schlägen, Demütigungen und härterer Behandlung ausgesetzt. Auch in Bildungseinrichtungen können Schüler Diskriminierung und Beschimpfungen erfahren.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Sultan ermahnte die Regierung öffentlich, stärker gegen Abweichungen von den, wie er es nannte, authentischen islamischen Lehren vorzugehen. Muslimische Gruppen, die als Abweichler gesehen werden, wie Schiiten und die Ahmadiyya, sind verboten und werden verfolgt. Atheismus ist ebenfalls verboten. Aktivitäten von Hindus werden eingeschränkt; der einzige Hindu-Tempel des Landes befindet sich in der britischen Militärkaserne des Gurkha-Regiments. Auch Sikhs und buddhistische Gemeinschaften besuchen diesen Tempel, um dort zu beten. Chinesischen Staatsangehörigen wurde untersagt, ihr Neujahrsfest mit dem Drachentanz zu feiern.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Brunei:

  • Dass Pastoren immer wieder gestärkt und ausgerüstet werden, um ihren Gemeinden gut dienen und sie gut leiten zu können.
  • Dass junge Christen der Versuchung widerstehen, zum Islam zu konvertieren, damit sie heiraten können. Bitten Sie Gott auch, dass jüngere Christen ermutigt werden, im Land zu bleiben, damit die Gemeinde langfristig gesund bleibt.
  • Danken Sie Gott, dass er mächtiger ist als die Scharia (das islamische Recht) und seine Macht durch strengere Gesetze nicht geschwächt wird.