Länderprofil Kuba

Kuba

37
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Kuba
Hauptreligion
Christlicher Glaube
Offizielle Staatsform
Sozialistische Republik mit Einparteiensystem
Karte Kuba
Christen
7,13
Bevölkerung
11.50
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.300
Familienleben: 8.100
Gesellschaftliches Leben: 12.600
Leben im Staat: 13.200
Kirchliches Leben: 14.000
Auftreten von Gewalt: 5.900

Länderprofil Kuba

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 37 / 66 Punkte

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Seit 1959 wird Kuba von einer einzigen Partei regiert, der Kommunistischen Partei Kubas (PCC). Diese versucht, das gesellschaftliche Leben und die Kirche gemäß ihrer totalitären kommunistischen Ideologie zu kontrollieren. Dementsprechend geht die Regierung mit aller Härte gegen jeden vor, der eine oppositionelle Stimme vertreten könnte, insbesondere gegen Demonstranten. Wenn Gemeindeleiter oder christliche Aktivisten das Regime kritisieren, sehen sie sich Anfeindungen, Verhaftungen, Gefängnisstrafen, Todesdrohungen und/oder ständigen Schikanen durch die Regierung und ihre Sympathisanten (oft zusammengeschlossen zu örtlichen Milizen) ausgesetzt. Mit dem Ziel, den Einfluss der Kirche zu kontrollieren und einzuschränken, ist es üblich, die Registrierung neuer Kirchen zu verhindern. Dies zwingt viele Kirchen dazu, illegal zu arbeiten, was zur Verhängung von Sanktionen wie der vollständigen Verweigerung von Lizenzen, Geldstrafen, der Beschlagnahmung von Eigentum, Angriffen, dem Abriss und der Schließung von Kirchen (einschließlich Hauskirchen) führt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Im Jahr 2018 wählte die Nationalversammlung Miguel Díaz-Canel einstimmig zum Präsidenten des Staatsrats und des Ministerrats. Damit wurde er zum politischen Führer der Insel und Vertreter des Staates und beendete die sechs Jahrzehnte währende Herrschaft der Familie Castro. Im Jahr 2019 führte Kuba eine neue Verfassung ein, die einige wichtige Merkmale änderte (wie die Regierungsform und die Wiedereinführung der Ämter des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Republik), aber das sozialistische Einparteiensystem beibehielt. Darüber hinaus wurde im Oktober 2019 zum ersten Mal seit 43 Jahren das Amt des Premierministers wieder eingeführt, und Manuel Marrero Cruz wurde im Dezember 2019 zum Premierminister ernannt. Obwohl Raúl Castro im April 2021 vom Amt des Ersten Sekretärs des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Kubas zurückgetreten ist, hat die Parteiführung erklärt, dass sie ihn weiterhin bei allen strategischen Planungen für das Land konsultieren wird. Mit dieser Ernennung ist keine Änderung der Ausrichtung des Landes zu erwarten. Kuba hat ein turbulentes Verhältnis zu den USA. Nach den Versuchen des früheren US-Präsidenten Barack Obama, die diplomatischen Beziehungen zu Kuba wiederherzustellen, verhängte der ehemalige US-Präsident Donald Trump neue restriktive Maßnahmen und hielt Handels-, Wirtschafts- und Finanzembargos aufrecht. Der derzeitige US-Präsident Joe Biden hat noch nichts unternommen, um die Kuba-Politik der vorherigen Regierung zu ändern.

Menschenrechtsgruppen berichten, dass Kuba weiterhin abweichende Meinungen und öffentliche Kritik unterdrückt und bestraft. Zu den Strafen gehören kurzfristige willkürliche Verhaftungen, Verleumdungskampagnen, Reisebeschränkungen, Razzien in Wohnungen und Büros, Beschlagnahmung von Arbeitsmaterialien und schlechte Haftbedingungen. Außerdem weigert sich die kubanische Regierung nach wie vor, die Überwachung der Menschenrechte als legitime Tätigkeit anzuerkennen, und verweigert lokalen Menschenrechtsgruppen den Rechtsstatus. Nach Angaben des „CIA Factbook“ ist der Militärdienst für Männer zwei Jahre lang verpflichtend. Sich dem Militärdienst aus Gewissensgründen zu entziehen, ist selten eine Option.

Christen sind schutzlos, ebenso wie alle Personen mit ideologischen Interessen, die der kommunistischen Regierung entgegenstehen. Die Haltung der Regierung gegenüber Kirchen hängt davon ab, ob diese sich den Anweisungen und Interessen der Regierung unterwerfen. Christliche Frauen und Mädchen werden in der kubanischen Gesellschaft oft unter Druck gesetzt und angefeindet, wenn sie ihre religiösen Überzeugungen in Bezug auf Demokratie, Beteiligung an der Zivilgesellschaft, Menschenrechte, das biblische Modell der Ehe und Lebensschutz verteidigen. Auch christliche Aktivisten und Leiter sind unter Druck geraten und wurden Berichten zufolge geschlagen, mit Geldstrafen belegt, inhaftiert und ihr Eigentum wurde beschlagnahmt.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

7.127.000

62,0

Muslime

9.500

0,1

Hindus

23.900

0,2

Buddhisten

6.300

0,1

Juden

820

0,0

Bahai

1.300

0,0

Atheisten

450.000

3,9

Agnostiker

1.940.000

16,9

Andere

1.940.640

16,9

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 wurden im ganzen Land, vor allem aber im Osten des Landes und in der Hauptstadt, Vorfälle von Christenverfolgung registriert.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Kommunistische Unterdrückung

Nach der kubanischen Revolution (1953–1959) wurde das Land als kommunistischer Staat aufgebaut. Auch wenn es Anpassungen an dem ursprünglichen kommunistischen Konzept gegeben hat, wird das Land immer noch nach diesem politischen und wirtschaftlichen Modell regiert. Die neue Verfassung hat die PCC gestärkt, die als führende Kraft in Gesellschaft und Staat bezeichnet wird. Das bedeutet, dass auch religiöse Einrichtungen sich verfassungsgemäß der Ideologie der kommunistischen PCC unterwerfen müssen. Damit wird jeder, der sich nicht an die Grundwerte der Regierungspartei hält, ins Visier genommen und unterdrückt. Christen, die in Übereinstimmung mit ihren Überzeugungen und ihrem Glauben handeln wollen, werden als Feinde (der Revolution) oder Rebellen betrachtet.

Abgesehen von der fast völligen Vergötterung von Fidel Castro und der PCC spielt Religion in der Gesellschaft keine Schlüsselrolle. Aktionen von als regierungsfreundlich geltenden Kirchen werden akzeptiert, sofern sie die Interessen des Regimes in Bezug auf die Kontrolle der Bürger nicht beeinträchtigen. Die Regierung begrüßt Ideologien, die den christlichen Werten sogar im privaten oder familiären Bereich entgegenwirken, wie sie von einigen radikalen Interessengruppen vertreten werden.

Diktatorische Paranoia

Das Auftreten dieser Triebkraft ist mit kommunistischer und postkommunistischer Unterdrückung vermischt. Da die PCC die einzige verfassungsmäßig anerkannte politische Partei ist, wird jeder, der die Autorität ihrer Leiter in Frage stellt, als Feind des Regimes bezeichnet – sei es aus Gründen des Glaubens oder aus anderen Gründen. Die neue Verfassung verstetigt die kubanische Revolution als politisches Projekt und bestätigt die Notwendigkeit, ein System der totalen Überwachung aufrechtzuerhalten. Diese totalitäre Kontrolle hat zu jahrelanger exzessiver Unterdrückung und Verletzung der Rechte der Bürger geführt. Aufgrund der Einschränkungen der Religionsfreiheit von Christen und kirchlichen Aktivitäten sind Christen manchmal gezwungen, gegen ihren Glauben zu handeln. Dies tun sie nicht nur, um nicht ins Visier des Regimes zu geraten, sondern auch, um einfach nur Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen zu erhalten. In dieser Hinsicht war die durch Covid-19 ausgelöste Krise eine praktische Gelegenheit für das Regime, die Repressionen gegen Christen zu verstärken, die aufgrund ihres Glaubens nicht mit den Interessen der Regierung übereinstimmen und ihr offen widersprechen.

Korruption und Straffreiheit werden als Mittel zur Erhaltung der Macht der PCC eingesetzt. Die Regierung kontrolliert den Staatsapparat auf allen Ebenen, und es gibt keine unabhängige Behörde, die für die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit sorgt. Christen aller Konfessionen (einschließlich der katholischen Kirche) haben keinen legitimen Raum, um sich frei und ohne Angst vor Repressalien zu äußern.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Hierzu gehören römisch-katholische und orthodoxe Christen sowie eine wachsende protestantische Gemeinschaft, die sich aus episkopalen, presbyterianischen, lutherischen und methodistischen Kirchen zusammensetzt. Sie alle werden überwacht und müssen mit staatlichem Widerstand rechnen, wenn Inhalte oder Predigten entdeckt werden, die sich gegen die kommunistische Ideologie richten, oder wenn sie Demonstranten, insbesondere Jugendliche, unterstützen. Sie können auch von Leitern politisierter Kirchen und ideologischen Interessengruppen kritisiert und von Regime-Sympathisanten schikaniert werden. Einige Kirchen sind vom Staat nicht offiziell anerkannt oder können nicht mit der Unterstützung des kubanischen Kirchenrates rechnen, wenn Mitglieder oder Leiter als Regimegegner bekannt sind. In solchen Fällen müssen sie mit den gleichen Konsequenzen rechnen wie nicht registrierte, freikirchliche Gruppen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Zu dieser Kategorie gehören Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, sowie christliche Konvertiten aus der Santería (synkretistische Religion) oder der PCC. Christliche Konvertiten werden häufig von Regierungsbeamten zurückgewiesen und sind Repressalien ausgesetzt, wenn sie einer Kirche angehören, die als Regimegegner gilt, oder wenn die Gemeindeleiter als Konterrevolutionäre angesehen werden. Durch Einschüchterung und Feindseligkeit wird versucht, von einer Hinwendung zum christlichen Glauben abzuschrecken und das Wachstum der Kirche zu verhindern.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Hierzu zählen hauptsächlich Pfingstgemeinden und evangelikale Gemeinden, aber auch Baptistengemeinden. Diese kirchlichen Gruppen sehen sich nicht nur mit den gleichen Herausforderungen konfrontiert wie die traditionellen Kirchen, sondern haben auch kaum die Möglichkeit, sich registrieren zu lassen und die gleichen Rechte zu erhalten wie Kirchen mit staatlicher Anerkennung. Aufgrund dieser Hindernisse sind diese Gemeinden und ihre Leiter in höherem Maße Repressionen und Schikanen ausgesetzt, da sie gezwungen sind, außerhalb des Gesetzes zu handeln. Meistens haben sie keine andere Wahl, als sich heimlich in Hausgemeinden zu versammeln. Sie leben in ständiger Angst, vom Regime und den Parteimilizen entdeckt zu werden.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.3
Familienleben 8.1
Gesellschaftliches Leben 12.6
Leben im Staat 13.2
Kirchliches Leben 14
Auftreten von Gewalt 5.9

 

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Glaubensbekundungen in Blogs und Facebook-Posts werden vom Staat genau überwacht. Während der Covid-19-Krise haben sich die Zensurmaßnahmen verschärft und zu Internet- und Reiseverboten geführt. In der Praxis gehen alle Kubaner davon aus, dass die Nutzung sozialer Medien und Telefongespräche von den Behörden überwacht werden. Das Hauptziel dieser Art von Einschränkung besteht darin, die Selbstzensur der Bürger zu fördern. Christliche Menschenrechtsaktivisten und diejenigen, die das Regime immer wieder in Frage stellen und herausfordern, werden willkürlich verhaftet und unter Hausarrest gestellt, was zur Trennung von christlichen Gemeinschaften und Familien führt. Manchmal müssen Christen unter strenger polizeilicher Überwachung in ihren Häusern bleiben, ohne jemanden kontaktieren zu können.

Familienleben

Der Staat gilt als Haupterzieher aller Kinder im Land und seine Revolutionsideologie beeinflusst die Kinder von klein auf. Kommunistische Erziehung ist verpflichtend in den Schulen. Jeden Morgen, bevor der Unterricht beginnt, müssen alle Schüler mit erhobener Hand schwören: „Wir werden wie Che sein!“ (Che Guevara ist eine kommunistische Ikone.) Eltern, die ihre Kinder von den kommunistischen Werten des Staates abbringen, drohen Gefängnisstrafen und der Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Sie können ihre Kinder nicht nach ihren eigenen Überzeugungen und ihrem Glauben erziehen, weil sie keine rechtlichen Möglichkeiten haben, sich der Indoktrination durch das Regime zu widersetzen. Kinder von Christen, die sich für die Verteidigung der Menschenrechte einsetzen, sind Einschüchterungen und anderen Schwierigkeiten ausgesetzt, da sie als Kinder von „Feinden der Revolution“ angesehen werden. Ein Christ, der sich der Regierung widersetzt, ist manchmal gezwungen, in einen anderen Teil des Landes umzuziehen, um seine Familie vor unnötigem Leid zu bewahren. Das bedeutet, dass die Familie für längere Zeit getrennt ist.

Gesellschaftliches Leben

Militante und Sympathisanten des Regimes überwachen die Aktivitäten von Christen genau. Christen, die Glaubensüberzeugungen geäußert oder an Streiks gegen das Regime teilgenommen haben, gelten als Regimekritiker und werden überwacht. Dies gilt ebenso für diejenigen, von denen bekannt ist, dass sie Kirchen angehören, die die Regierungspartei ablehnen. Die Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR) sind die wichtigsten Informanten der Regierung. Ihr Ziel ist es, die Verbreitung von staatsgefährdendem, antikommunistischem Gedankengut mit Hilfe von anderen Bürgern, Milizen der PCC, Regierungsbeamten und manchmal auch anderen Familienmitgliedern zu verhindern. Alle Schüler, auch Christen, werden gezwungen, die marxistische Ideologie als Teil des staatlichen Pflichtlehrplans zu lernen, sogar an den Universitäten. Wenn sie versuchen, sich dieser erzwungenen Indoktrination zu widersetzen, droht ihnen das Verbot, ihre Ausbildung fortzusetzen. Bei vielen Gelegenheiten verlangen Beamte von Pastoren Geld, damit sie ihre kirchlichen Aktivitäten durchführen können. Die Frage nach Geld ist eine „private und willkürliche Vereinbarung“ und hat keine rechtliche Grundlage. Im Kontext von Covid-19 wird sogar Geld verlangt, wenn in Gottesdiensten Pandemiemaßnahmen befolgt werden.

Leben im Staat

Die Regierung garantiert niemandem im Land das Recht auf freie Meinungsäußerung, vor allem nicht in letzter Zeit, da die Überwachung von „Rebellen“ und die Anwendung des Dekrets 370 zugenommen haben. Christen, christliche Organisationen, Verfechter der Religionsfreiheit oder christliche Menschenrechtsaktivisten, die sich über die Verletzung der Menschen- und Bürgerrechte durch den Staat, die Ineffizienz der Regierung bei der Eindämmung der Covid-19-Pandemie, die Notwendigkeit der Abkehr vom kommunistischen Modell oder auch über Skandale im Zusammenhang mit der Familie Castro äußern, müssen mit Angriffen rechnen. Dazu gehören Verhaftung, Diskriminierung, Verleumdungskampagnen, willkürliche Inhaftierungen, Geldstrafen, Strafverfolgung, Reisebeschränkungen, Zensur und vieles mehr. Viele Christen und ihre Familien, die mit solchen Einschränkungen konfrontiert sind, gehören nicht registrierten Kirchen an, insbesondere solchen, die mit der Evangelischen Allianz in Kuba verbunden sind, die offen Kritik an den Ungerechtigkeiten der Regierung übt. Das Regime hat die vollständige Kontrolle über das Justizsystem, und Urteile werden immer zu seinen Gunsten ausfallen, was ihm Straffreiheit garantiert. Somit werden die Rechte auf Verfahrensgarantien für Christen, einschließlich des Rechts auf ein ordnungsgemäßes Verfahren, nicht angemessen gewahrt. Bei solchen Verfahren sind internationale Beobachter nicht zugelassen, da jede Beobachtung oder Äußerung internationaler, vor allem westlicher, Regierungen automatisch als Einmischung in die internen Angelegenheiten angesehen wird.

Kirchliches Leben

Fast alle Kirchen in Kuba, die rechtlich anerkannt sind, wurden vor der kommunistischen Revolution registriert. Seitdem wurde die Registrierung in den meisten Fällen mit der Begründung verweigert, dass eine andere örtliche Gruppe identische oder ähnliche Ziele verfolge oder dass die Aktivitäten des Antragstellers in irgendeiner Weise dem Gemeinwohl schaden könnten (d. h. der Ideologie der PCC zuwiderlaufen). Daher gelten viele Kirchen als illegal, weil ihnen die Registrierung verweigert wurde. Diese nicht registrierten Kirchen werden als „Rebellen“ betrachtet und müssen mit Strafen rechnen, die von Geldstrafen bis zur Schließung ihrer Gemeinden und der Beschlagnahmung ihres Eigentums reichen. Jede angefragte Erlaubnis oder Genehmigung einer Kirche oder eines religiösen Leiters, die als „Feinde der Revolution“ gelten, wird unter einem Vorwand verweigert. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 waren Gesundheitsmaßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung von Covid-19 eine große Ausrede, um Vergeltungsmaßnahmen gegen diese Kirchen legitim erscheinen zu lassen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Februar 2021 wurde Pastor David Álvarez von der Staatssicherheit auf die Polizeiwache gerufen, nachdem er Zement und Ziegelsteine zu seinem Haus gebracht hatte. Ein Nachbar hatte die städtische Polizei informiert.
  • Im Juli 2021 wurden mehrere Gemeindeleiter wegen ihrer Teilnahme an friedlichen Demonstrationen verhaftet. Ein Priester wurde vorübergehend in Gewahrsam genommen, wo er mit einem Baseballschläger auf den Kopf geschlagen wurde.
  • Im März 2021 wurden zahlreiche Steine von Regime-Sympathisanten auf das Dach eines Pfarrhauses und der zugehörigen Kirche geworfen. Der Pastor ist ein bekannter Gegner des kubanischen sozialistischen Regimes und gehört der Apostolischen Bewegung an, einem Netzwerk evangelikaler Kirchen, dem der Staat die Legalisierung verweigert.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

37

66,05

2021

51

62,10

2020

61

52,04

2019

59

48,55

2018

56

49,00

Die Lage der Christen in Kuba hat sich aufgrund der zunehmenden staatlichen Repressionen in allen Lebensbereichen verschlechtert. Mit den Repressionen wird versucht, regimekritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Das diktatorische Regime geht mit aller Härte gegen all jene vor, die eine unabhängige Stimme vertreten und sich gegen die kommunistischen Prinzipien stellen, wie z. B. christliche Leiter und Menschenrechtsaktivisten. Besonders deutlich wurde dies nach den Demonstrationen im Juli 2021. Strengere Maßnahmen wie willkürliche Geldstrafen, strenge Überwachung, Verweigerung von Lizenzen und religiösen Visa führten nicht nur zu einem erheblichen Anstieg des Drucks, sondern auch zu mehr gewalttätigen Vorfällen wie Inhaftierungen und körperlichen/psychischen Misshandlungen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Christliche Frauen werden oft wegen ihrer konservativeren sexuellen Werte beleidigt, insbesondere wenn sie sich gegen Abtreibung aussprechen. Diese ist im Falle einer genetischen Fehlbildung obligatorisch, entsprechend dem Ideal der kubanischen Regierung, eine Quote von 0 % an Geburten mit Fehlbildungen aufrechtzuerhalten. Aktivistinnen, die sich gegen die Regierung aussprechen, werden in der Regel entlassen, bedroht und überwacht. Die Polizei misshandelt und verprügelt weiterhin die „Damen in Weiß“ (eine von den Angehörigen politischer Gefangener gegründete Gruppe) auf dem Weg zu und von den Gottesdiensten, nach denen sie für gewöhnlich ihre stillen Demonstrationen ausüben.

Männer: Christliche Männer werden häufiger verhaftet oder belästigt als Christinnen, da sie häufig Führungspositionen innehaben, aus denen heraus sie das Verhalten der Regierung aufgrund ihrer christlichen Überzeugungen kritisieren. Dies betrifft besonders Pastoren. Sie sehen sich Schlägen, Verhaftungen, der Beschlagnahmung christlicher Literatur, der Zerstörung von Eigentum und Morddrohungen ausgesetzt. Im Rahmen der Wehrpflicht sind Christen zusätzlich gefährdet, wenn ihr Glaube entdeckt wird. Das Ausmaß der Diskriminierung und Verfolgung hängt von der Einstellung des befehlshabenden Offiziers ab. Die Erlaubnis, Wehrersatzdienst zu leisten, wird nur selten gewährt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2021 waren mehrere religiöse Leiter und Praktizierende der Santería, insbesondere Mitglieder der nicht registrierten „Association of Free Yorubas of Cuba“, häufig Ziel von Schikanen der Regierung. Berichten zufolge verhafteten, bedrohten und überwachten die staatlichen Sicherheitskräfte Anführer der Free Yorubas, darunter auch zwei hochrangige Mitglieder, die im März verhaftet wurden. Die Sicherheitskräfte erklärten, dass es „nur einen Gott gibt, Fidel Castro“. Im Mai lösten Sicherheitskräfte Berichten zufolge ein religiöses Treffen einer nicht registrierten islamischen Gruppe auf, die den Koran studierte. Die Teilnehmer wurden am nächsten Tag auf die Polizeiwache vorgeladen und mit einer Strafanzeige bedroht.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kuba:

  • Dass Gott Veränderungen in der politischen Landschaft herbeiführt, damit in Kuba Religionsfreiheit respektiert wird.
  • Für Belastbarkeit und Weisheit der Gemeindeleiter, damit die Gemeinden trotz aller Einschränkungen, die ihnen auferlegt werden, weiterhin gemeinsam Gott anbeten können.
  • Dass Gott den lokalen Partnern von Open Doors Türen öffnet, um der verfolgten Kirche in Kuba zu dienen.