Länderprofil Algerien

Algerien

22
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Algerien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Demokratische Volksrepublik
Platz Vorjahr
42
ISO
DZ
Karte Algerien
Christen
0,13
Bevölkerung
42.01
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.100
Familienleben: 14.200
Gesellschaftliches Leben: 10.100
Leben im Staat: 11.800
Kirchliches Leben: 12.700
Auftreten von Gewalt: 7.600

Länderprofil Algerien

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 22 / 70 Punkte (WVI 2018: Platz 42 / 58 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Islamistische Bewegungen beeinflussen die Regierung und die Gesellschaft. Zusammen mit dem Druck vonseiten der Familienmitglieder auf Christen muslimischer Herkunft hat das zu einer permanenten, wenn auch weniger offenkundigen Verfolgungssituation geführt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Themen wie ethnische Identität, Kultur und Sprache spielen eine bedeutende Rolle in der schwierigen Beziehung zwischen der Regierung und der Region Kabylei, in der die meisten Christen leben.

Diktatorische Paranoia: Der autokratische Regierungsstil von Präsident Bouteflika ist für viele Einschränkungen von Christen verantwortlich.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Eine der Hauptursachen für die Verfolgung in Algerien ist die Intoleranz, mit der Angehörige und Nachbarn Christen muslimischer Herkunft begegnen. Sie üben Druck auf diese Christen aus und erschweren ihnen, ihren Glauben zu leben. Der Staat verstärkt diesen Druck durch Gesetze und Verwaltungsbürokratie, welche die Religionsfreiheit einschränken. Die Verfolgung, der Christen ausgesetzt sind, wird zudem durch die ethnischen Spannungen verstärkt, die zwischen Arabern und Amazighs (Berbern) herrschen – unter den Amazighs in der Kabylei-Region wächst die algerische Kirche am stärksten. Der Einfluss und die Aktivitäten von islamischen Extremistengruppen in dieser Region sind ebenfalls für die Verfolgung und Bedrohung von algerischen Christen verantwortlich.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Es gibt Gesetze, die Gottesdienste von Nicht-Muslimen regeln. Außerdem machen Blasphemiegesetze es den Christen schwer, von ihrem Glauben zu reden, da sie Angst haben, ihre Worte könnten als blasphemisch aufgefasst werden. Den Glauben eines Muslims zu „erschüttern“ oder ihn zu versuchen zu „verführen“, eine andere Religion anzunehmen, ist gesetzlich verboten. Christen leiden auch im Alltag unter Schikanen und Diskriminierung. Mitglieder der weiteren Verwandtschaft und Nachbarn versuchen Christen muslimischer Herkunft dazu zu zwingen, islamische Verhaltensnormen und Riten zu befolgen. Der Druck und die Gefahr, denen Christen ausgesetzt sind, sind in ländlichen und religiös eher konservativen Regionen des Landes besonders hoch. Diese Regionen waren in den 1990er-Jahren eine Hochburg für islamistische Aufständische im Kampf gegen die Regierung.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Juli 2018 wurde ein algerischer Christ muslimischer Herkunft freigesprochen, nachdem er zunächst verurteilt worden war, weil er eine Bibel und andere christliche Gegenstände mit sich geführt hatte. Zuvor hatte er die Höchststrafe für dieses „Verbrechen“ erhalten: sechs Monate Gefängnis und eine Geldstrafe.
  • Im April 2018 wurde ein Christ muslimischer Herkunft nach 18 Monaten aus dem Gefängnis entlassen. Er war zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er auf seiner Facebookseite Beiträge veröffentlicht hatte, die als Beleidigung gegenüber dem Islam interpretiert wurden. Das Strafmaß wurde nach einer Amnestie durch den Präsidenten herabgesetzt.
  • Während des Berichtszeitraums 2019 ging die algerische Regierung weiterhin gegen protestantische Gemeinden vor. Zahlreiche Kirchen wurden durch die algerischen Behörden geschlossen. Einige durften nach ein paar Monaten wieder öffnen, andere sind weiterhin geschlossen. Dieses Vorgehen verunsichert die algerischen Christen.

Meldungen und Beiträge zu Algerien

Kurzmeldung Kurzmeldung
Algerien Symbolbild
Algerien
Vier Christen, die in Algerien wegen „Missionierung“ angeklagt sind, erwarten ihr Urteil am 25. Dezember. Ihnen wird vorgeworfen, eine Muslima bedrängt zu haben, Christin zu werden – nach algerischem Recht ist das eine Straftat. Es drohen ihnen Haftstrafen und eine Geldstrafe.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Idir Hamdad (Quelle: World Watch Monitor)
Algerien
„Anstiftung eines Muslims zum Wechsel seiner Religion“: So lautet einer der Anklagepunkte, wegen derer fünf Christen in Algerien am 6. November der Prozess gemacht wird. Die Klägerin ist mit einem von ihnen verheiratet.
Interview interview
Interview Nordafrika
Nordafrika
Die Kirche in Nordafrika ist sehr jung. Zwar gab es an der Südküste des Mittelmeers in den ersten Jahrhunderten nach Christus Nachfolger Jesu, doch nach dem Aufstieg des Islam im siebten und achten Jahrhundert verschwand diese Kirche fast vollständig.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Algerien erhielt eine Wertung von 70 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2019, d. h. das Land stieg um 12 Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Der Druck auf Christen wurde für alle Lebensbereiche außer einem als „sehr hoch“ (oder darüber) eingestuft. Die Punktzahl im Bereich „Auftreten von Gewalt“ stieg hauptsächlich aufgrund der Schließung mehrerer Kirchen und der daraus folgenden Zunahme der Angst unter algerischen Christen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Je mehr Einfluss der Islam in den vergangenen Jahren auf die Regierung Algeriens gewann, desto stärker wurde die Freiheit der Christen eingeschränkt. Druck von islamistischen Bewegungen auf die Regierung und die Gesellschaft in Verbindung mit Druck von Familienmitgliedern auf Christen muslimischer Herkunft hat zu andauernden Schwierigkeiten für Christen geführt. Angespornt durch den „Arabischen Frühling“ in anderen nordafrikanischen Ländern üben islamistische Gruppierungen Druck auf eine Regierung aus, die dazu gezwungen ist, mit islamischen Parteien zusammenzuarbeiten. Trotz dieser Zusammenarbeit ist die Partei „Islamische Heilsfront“ (FIS) jedoch noch immer verboten. Islamisten treten immer offensichtlicher in Erscheinung und überwachen die Aktivitäten von Christen und anderen nichtmuslimischen Minderheiten (wie die kleinen jüdischen oder Bahai-Gemeinden).

Ethnisch begründete Anfeindungen

Die meisten algerischen Christen leben in der Kabylei, einer Region im Norden des Landes. Zwischen dieser Region und der Zentralregierung gibt es seit der Unabhängigkeit Algeriens politische Spannungen. In der schwierigen Beziehung zwischen der algerischen Regierung und den Bewohnern der Kabylei spielen unter anderem ethnische Identität, Kultur und Sprache eine bedeutende Rolle. Die meisten Bewohner der Kabylei gehören zum Volk der Berber, wohingegen die vorherrschende ethnische Identität des Landes Arabisch ist. Die ethnisch begründeten Spannungen und Anfeindungen weiten sich auch auf den religiösen Bereich aus und tragen so zur Christenverfolgung in der Kabylei bei.

Diktatorische Paranoia

Diese Triebkraft der Verfolgung zeigt sich in der autokratischen Regierung von Präsident Bouteflika, welche Christen Restriktionen auferlegt. Obwohl die Regierung Christen nicht zwangsläufig als Bedrohung ihrer Macht ansieht, kann sie dennoch keinen soliden Schutz der Rechte von Christen gewährleisten, da dies ihr Ansehen bei den muslimisch-konservativeren Teilen der Bevölkerung schädigen würde. Dementsprechend können einige Maßnahmen der Regierung als Versuche betrachtet werden, diese Bevölkerungsgruppen zu beschwichtigen. Des weiteren bieten die anti-kolonialistischen und revolutionären Wurzeln der regierenden Partei, die seit der Unabhängigkeit an der Macht ist, einen ideologischen Blickwinkel, von dem aus sie christliche Missionstätigkeiten misstrauisch beäugt, insbesondere dann, wenn diese in Verbindung mit Kirchen und christlichen Gruppen aus dem Westen durchgeführt werden.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Wie in den meisten anderen Ländern in dieser Region sind die Hauptverfolger auch in Algerien die Gesellschaft, extremistische islamische Lehrer und Regierungsbeamte, die den Sichtweisen dieser Lehrer anhängen. Algerische Christen, von denen die meisten Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind, erfahren vor allem von Familienmitgliedern und der erweiterten Verwandtschaft Verfolgung. So sind vor allem die Familie und das soziale Umfeld – einschließlich traditioneller (ethnischer) Anführer und Ältester – maßgeblich für die Verfolgung verantwortlich. Regierungsbeamte auf verschiedenen Ebenen der Verwaltungshierarchie üben ebenfalls Druck auf Christen aus, ihren Glauben aufzugeben. Sie schränken die Freiheit der Christen ein, ihre Meinung zu äußern und ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu praktizieren. Einige islamische Lehrer unterstützen aktiv die Verfolgung von Christen und sind damit ebenfalls Verfolger.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Regierungsbeamte und die regierende Partei spielen als Verfolger eine bedeutende Rolle. Ihre Feindseligkeit gegenüber den kulturellen, sprachlichen und politischen Forderungen nicht-arabischer Gruppen und ihre daraus resultierenden Bemühungen, diese Forderungen zu unterdrücken, bedeuten auch für christliche Gemeinden in der Kabylei, dass sie Einschränkungen und Verfolgung ausgesetzt sind. Das Wachstum der Kirche, speziell in dieser Region, wird als Bedrohung gegenüber der überwiegend arabischen und islamischen Identität des Landes wahrgenommen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Algerien ist eines der wenigen Länder Nordafrikas, in dem sich das Regime dauerhaft an der Macht halten und weitreichende demokratische Reformen umgehen konnte. Seit der Unabhängigkeit ist die Partei „Nationale Befreiungsfront“ trotz mehrerer Präsidentenwechsel an der Macht geblieben. Die Nationale Befreiungsfront wurde oft durch politische Islamistenbewegungen herausgefordert. Um Befürworter aus den Reihen der Islamistenbewegungen für sich zu gewinnen und ihre eigene Legitimität zu unterstreichen, schränkt die Regierung die Freiheit von Christen ein.

4. Hintergrund

2014 wurde Präsident Bouteflika für eine vierte Amtsperiode wiedergewählt. Die algerische Verfassung erlaubt nur zwei Amtsperioden, doch mit Unterstützung islamistischer Parteien konnte er eine Verfassungsänderung vornehmen. Seitdem er 2013 einen Schlaganfall erlitt, ist der Präsident kaum in der Öffentlichkeit aufgetreten. Er führte nicht einmal eine Wahlkampagne zur Präsidentschaftswahl 2014 durch. Die Zukunft Algeriens hängt eng damit zusammen, wer den angeschlagenen kränklichen Präsidenten ablösen wird.

Algerien belegt auf dem „Index der menschlichen Entwicklung“ der Vereinten Nationen den Rang 83 von 188 Ländern. Mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 76,2 Jahren und einer Alphabetisierungsrate von 80 Prozent scheint es Algerien besser zu gelingen, für soziale Güter und Leistungen zu sorgen, als den meisten afrikanischen und arabischen Ländern. Algerien ist relativ stabil, doch das könnte sich ändern. Ein Problem ist der wachsende wirtschaftliche Druck auf die Regierung, die mit steigender Arbeitslosigkeit, wirtschaftlicher Unzufriedenheit und sinkenden Einnahmen durch natürliche Gasvorkommen zu kämpfen hat. Besorgniserregend ist auch die Möglichkeit eines Kampfes zwischen Offizieren der Armee um die Nachfolge. Es besteht auch die Gefahr, dass die Gesetzlosigkeit, die in Libyen herrscht, nach Algerien überschwappen könnte. Je näher die Präsidentschaftswahlen 2019 rücken, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Instabilität des Landes. Trotz seines Alters und seines gesundheitlichen Zustands hat Präsident Bouteflika angekündigt, bei der Wahl 2019 wieder anzutreten.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Neben einigen westlichen ausländischen Christen gehören zu dieser Kategorie hauptsächlich christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Diese Minderheit erfährt Diskriminierung an Universitäten und im städtischen Alltagsleben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die einzige Kirche, die zu dieser Kategorie gezählt werden kann, ist die Römisch-Katholische Kirche. Protestantischen Kirchen bestehen heutzutage vollständig aus Christen mit muslimischem Hintergrund (siehe nächster Abschnitt). Katholische Gemeinden sehen sich außerhalb ihrer Gottesdiensträume mit Einschränkungen konfrontiert, sind aber zugelassen, sofern sie registriert sind. In katholischen Kirchen (einschließlich der Kathedrale in Algier, dem Sitz des Erzbischofs) werden Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt.

Christen muslimischer Herkunft

Die meisten Christen in Algerien sind Christen mit muslimischem Hintergrund. Sie stehen unter anhaltendem Druck. Das Gesetz verbietet alle öffentlichen Versammlungen, bei denen ein anderer Glaube als der Islam praktiziert wird; davon ausgenommen sind die registrierten Kirchen. Eine solche Registrierung wird unabhängigen christlichen Gemeinden jedoch häufig verwehrt. In den Gebieten der Berber gibt es eine große Zahl inoffizieller Gruppen, die sich regelmäßig treffen; Nichtmuslime versammeln sich zum Gottesdienst meist in Privathäusern. Die sehr junge einheimische algerische Kirche, die zumeist aus Christen der ersten Generation besteht, ist Diskriminierungen in vielfältiger Form durch den Staat und Familienmitglieder ausgesetzt. Obwohl einige protestantische Kirchen unter dem Dachverband der Protestantischen Kirche Algeriens (EPA) bereits zur Kolonialzeit entstanden, gehören heute dazu vorwiegend Gemeinden von Christen muslimischer Herkunft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.1
Familienleben 14.2
Gesellschaftliches Leben 10.1
Leben im Staat 11.8
Kirchliches Leben 12.7
Auftreten von Gewalt 7.6

Grafik: Verfolgungsmuster Algerien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen blieb sehr hoch und stieg von 11,1 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2018 auf 12,4 beim Weltverfolgungsindex 2019. Dieser Anstieg ist vor allem auf den erhöhten Druck vonseiten der Regierung zurückzuführen.
  • Die Verfolgung ist im Familienleben (14,2 Punkte), Privatleben (13,1) und im Leben im Staat (12,7) am stärksten. Dies zeigt, unter welch hohem Druck christliche Konvertiten stehen: Sie leben in ständiger Gefahr, von ihren Familien als Christen entdeckt und ausgegrenzt zu werden, und sehen sich Widerstand vonseiten der Gesellschaft und der Regierung gegenüber.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 2,0 auf nun 7,6 Punkte gestiegen. Dieser Zuwachs ist hauptsächlich auf die Schließung mehrerer Kirchen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 zurückzuführen.

Privatleben

In Algerien ist jeder Versuch, einen Muslim von einem anderen Glauben zu überzeugen und ihn zum Verlassen des Islam zu ermutigen, gesetzlich verboten. Allerdings gilt die Konversion vom Islam weg an sich nicht als Straftat, d. h. Apostasie ist kein Verbrechen. Juristisch sind es also diejenigen, die die Konversion verursachen oder versuchen, jemanden zur Konversion zu bewegen, die strafrechtlich verfolgt werden – und nicht der Konvertit selbst. Das Hauptproblem für Christen muslimischer Herkunft ist daher die Verfolgung innerhalb der Familie, die sehr schlimm sein kann. Kirchenleiter berichten, dass vor allem Christinnen muslimischer Herkunft manchmal von ihren muslimischen Familien zu Hause eingesperrt werden. Sie dürfen keinerlei Kontakt zu anderen Christen haben, geschweige denn sich mit ihnen treffen. Da es christliche Sender gibt, die nach Algerien ausstrahlen, werden ihnen Fernsehen und Radio verboten. Im arabischen Teil des Landes ist die Verfolgung noch schwerwiegender und Christen mit muslimischem Hintergrund stehen in der Gefahr, getötet zu werden. Vielen Christen ist es nicht möglich, anderen Familienmitgliedern oder Gästen von ihrem Glauben zu erzählen oder schriftlich darüber zu berichten. Oft sind sie häuslicher Gewalt schutzlos ausgesetzt.

Familienleben

Für die algerische Regierung ist jeder Bürger ein Muslim. Es gibt Fälle, in denen muslimische Dorfbewohner Christen verwehrt haben, ihre verstorbenen Angehörigen zu beerdigen. Christliche Eheschließungen sind nur innerhalb der Kirche gültig, werden aber nicht vom Staat anerkannt – die Behörden registrieren diese Ehen als muslimisch.

Gesellschaftliches Leben

Algerische Christen reden meist nur von „Dorfbewohnern, die nicht mit uns sprechen“, wohingegen christliche Menschenrechtsorganisationen regelmäßig von verbalen und körperlichen Übergriffen berichten. Der „International Religious Freedom Report 2017“ (erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums) besagt, dass „einige muslimische Bürger, die sich dem christlichen Glauben zugewandt hatten, berichteten, sie und andere in ihren Gemeinschaften würden versuchen, unauffällig zu bleiben, weil sie sich um ihre persönliche Sicherheit sorgten und die möglichen rechtlichen, familiären, beruflichen und sozialen Konsequenzen fürchteten. Andere muslimische Bürger, die sich dem christlichen Glauben zugewandt hatten, praktizierten ihre neue Religion dagegen offen.“ Inwiefern Letzteres möglich ist, hängt von der Region ab, in der ein Konvertit lebt. Die Gebiete der Berber sind tendenziell offener als arabische Regionen.

Die Regierung ist besonders beunruhigt über Berichte von Missionstätigkeiten von Christen, vor allem in konservativerer muslimischer Umgebung wie beispielsweise in Gebieten, die als Basis von islamisch-extremistischen Gruppierungen dienten, die im Bürgerkrieg (1991–1999) gegen die Regierung kämpften. Kinder von Christen, die in diesen Gebieten leben, müssen ihren Glauben geheim halten, weil sie sonst von Lehrern diskriminiert werden und keinen Zugang zu Universitäten erhalten.

Leben im Staat

Die konsequente Umsetzung der sehr restriktiven Verordnung 06-03 schränkt die Freiheit von Christen im Bereich „Leben im Staat“ besonders ein. Diese Verordnung wurde im März 2006 verabschiedet und trat im Februar 2008 in Kraft – es war ein Wendepunkt für die algerische Kirche und ein Rückschritt in Sachen Religionsfreiheit.

Die Verordnung 06-03, ein Antikonversionsgesetz, verbietet jede Handlung, welche „einen Muslim zum Übertritt zu einer anderen Religion anstiftet, nötigt oder entsprechende Verführungsmethoden einsetzt oder hierfür Unterrichts-, Bildungs-, Gesundheitseinrichtungen oder Einrichtungen gesellschaftlicher oder kultureller Natur oder Schulungsinstitutionen oder irgendeine andere Einrichtung oder finanzielle Mittel nutzt.“ Die Zuwiderhandlung wird mit zwei bis fünf Jahren Gefängnis und einem Bußgeld geahndet. Zudem sind alle christlichen Aktivitäten außerhalb staatlich anerkannter Kirchengebäude verboten. Besonders problematisch ist der vage Wortlaut der Verordnung 06-03, aufgrund dessen sie willkürlich ausgelegt und angewendet werden kann.

Kirchliches Leben

Der scheinbar positiven Nachricht, dass die Protestantische Kirche Algeriens (EPA) nach jahrelangen Bemühungen im Jahr 2011 endlich die offizielle Registrierung erhielt, folgte eine Enttäuschung. Es wurde keine wirkliche Freiheit gewährt, da die Ortsgemeinden weiterhin verpflichtet sind, eine eigene Registrierung zu beantragen. Auf lokaler Ebene hat sich die Unterdrückung noch verschärft und keine Ortskirchen, die der EPA angehören, wurden registriert. Die Regierung hat seit der Durchsetzung der Verordnung 06-03 im Februar 2008 keine neuen Kirchen mehr registriert, sodass sich viele Christen weiterhin in inoffiziellen Hauskirchen treffen, die oft Privathäuser oder Büroräume von Gemeindemitgliedern sind. Aus rechtlicher Sicht legt die Verordnung 06-03 Vorschriften für kirchliche Bauten fest, sodass eine Versammlung zuhause verboten ist. Die Strafe kann bis zu drei Jahren Gefängnis und eine Geldstrafe von 300.000 Algerischen Dinar (etwa 3.000 Euro) betragen. Derzeit sind keine Christen aus diesem Grund im Gefängnis und die Christen treffen sich weiterhin in ihren Häusern. Dennoch hängt das Gesetz wie ein Damoklesschwert über ihnen. Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2019 wurden mehrere Kirchen, die der EPA angehören, geschlossen; einige von diesen durften später wieder geöffnet werden.

Auftreten von Gewalt

Gewaltsame Verfolgung von einzelnen Christen geht in Algerien weiterhin in erster Linie von nahen Familienangehörigen und Verwandten aus. Das erweiterte Umfeld trägt unter dem Einfluss extremistischer islamischer Lehrer ebenfalls zur gewaltsamen Christenverfolgung in Algerien bei. Beispiele dazu im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Rechtlich und in der Gesellschaft werden Frauen stärker benachteiligt, wodurch sich für sie die Intensität der Verfolgung zusätzlich verstärkt. Sehr wahrscheinlich werden sich muslimische Ehemänner von Frauen mit christlichem Glauben scheiden lassen – die Frauen bleiben dann ohne finanzielle Unterstützung zurück und ohne eigenes Einkommen besteht die Gefahr, dass sie obdachlos werden. Ihnen kann das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen werden, genauso verlieren sie oft ihr Erbe. Christinnen muslimischer Herkunft müssen Hausarrest, körperliche Misshandlung, Beschimpfungen und Beleidigungen oder sogar sexuellen Missbrauch fürchten. Es gab Fälle, bei denen die Familien christlicher Konvertitinnen es ihnen nicht erlaubten, an Gottesdiensten teilzunehmen. Wenn sie einem Beruf nachgehen und ihr christlicher Glaube entdeckt wird, stehen sie in der Gefahr, entlassen zu werden. Ein Experte für Algerien schrieb: „Wir beobachten, dass viele Christinnen traumatische Erfahrungen gemacht haben und dies direkte Auswirkungen sowohl auf sie selbst als auch auf ihre Familien hat.“

Männer

Im Gegensatz zu Frauen werden Männer, die den christlichen Glauben angenommen haben, eher aus dem Haus gejagt und daraufhin von ihren Familien geächtet. Sie sehen sich zudem mit physischer Gewalt, Belästigungen im Beruf oder in der Schule und dem Verlust der Arbeitsstelle konfrontiert. Letzteres betrifft nicht nur die Männer selbst, sondern auch ihre Familien, weil in den meisten Fällen ihre Arbeit die Haupteinnahmequelle für die Familie ist. So kommen ganze Familien in finanzielle Schwierigkeiten.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen sind algerische Juden und Ahmadiyya-Muslime in unterschiedlichem Ausmaß Verfolgung ausgesetzt. Algerische Juden müssen aufgrund von Gewaltandrohungen extremistischer Muslime um ihre Sicherheit fürchten und es gab Vorfälle von Grabschändung auf jüdischen Friedhöfen. Ahmadiyya-Muslime sehen sich mit stärkerer Verfolgung konfrontiert, einschließlich Strafanzeigen wegen „Verunglimpfung von Dogmen und Grundsätzen des Islam“. Regierungsbeamte begegnen ihnen mit Feindseligkeit und ihnen wird das Recht verwehrt, Vereinigungen zu bilden. Laut dem „International Religious Freedom Report“ des US-Außenministeriums von 2017 über Algerien „leitete die Regierung Ermittlungen gegen mindestens 205 Ahmadi-Muslime ein und nahm dutzende fest.“

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die große Zahl von Wählern, die die Präsidentschaftswahl 2014 boykottierten, ist ein stummer Ausdruck der in der Bevölkerung weitverbreiteten Unzufriedenheit angesichts der Arbeitslosigkeit, der Wohnungskrise und der politischen Stagnation. Sollte Präsident Bouteflika im Amt sterben, ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass unter dem Druck einer jüngeren Generation, die sich verzweifelt nach Veränderung sehnt, soziale Unruhen ausbrechen – 70 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahre alt.

Der Ausblick für Christen

mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Der extremistische Islam gewinnt in Nordafrika eindeutig an Einfluss und die Zukunft Algeriens hängt zum Teil von den Entwicklungen in den Nachbarländern ab. Zu den Hauptsorgen gehört, dass extremistische Muslime die Ermordung von Sicherheitskräften, Zivilisten und Christen mit ihrer Interpretation des Islam unerbittlich zu rechtfertigen suchen. Dass der Einfluss dieser extremistischen Muslime zurückgeht, ist genauso unwahrscheinlich wie die Annahme, dass die algerische Gesellschaft ihre Sichtweise zu Konversion und Konvertiten ändern könnte.

mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Die meisten algerischen Christen sind Berber und stammen aus der Kabylei-Region im Nordwesten des Landes. Die politischen Spannungen zwischen dieser Region und der Zentralregierung Algeriens werden vermutlich nicht nachlassen; dieser ethnische Konflikt wird auch künftig alle Beziehungen zur Regierung erschweren.

mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die Regierung wird wahrscheinlich Christen, insbesondere solche mit muslimischem Hintergrund, weiterhin diskriminieren, um so die Gesellschaft und muslimisch-extremistische Bewegungen zu beschwichtigen.

Schlussfolgerung

Die Frage ist, ob das, was nach Bouteflikas Herrschaft kommt, für die Christen des Landes eine Verbesserung bringt. In der gegenwärtigen Lage steht die christliche Gemeinde zwar unter großem Druck, hat aber dennoch Wege gefunden, zu überleben und sogar zu wachsen. Die Kirche könnte in einer neuen politischen Konstellation viel schlechter dastehen, wenn Islamisten aus der gesellschaftlichen Unzufriedenheit Kapital schlagen, wie sie es in Tunesien und Ägypten getan haben. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen im April 2019 ist von hoher Wichtigkeit.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • Die politische Zukunft Algeriens bleibt unsicher und es scheint, dass die Regierung die Nachfolge für Präsident Bouteflika vorzubereiten versucht. Beten Sie um einen reibungslosen Übergang ohne Gewalt. Beten Sie auch dafür, dass die „neue“ Regierung offener gegenüber Christen sein wird und ihre Rechte als legitime Bürger anerkennt.
  • Zu sehen, dass die algerische Kirche weiterhin wächst, ist ein Grund, Gott zu preisen. Beten Sie für die neuen Christen, die sich der Gemeinde anschließen, dass sie geistlich wachsen.
  • Beten Sie für die Christen muslimischer Herkunft, die von ihren Familien verfolgt werden. Beten Sie um Schutz und dafür, dass sie ihren Verfolgern mit Liebe und Vergebung begegnen können.

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