Länderprofil Algerien

Algerien

24
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Algerien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
17
Karte Algerien
Christen
0,13
Bevölkerung
43.33
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 13.900
Familienleben: 13.900
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 13.100
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 3.900

Länderprofil Algerien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 24 / 70 Punkte (WVI 2020: Platz 17 / 73 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Wie in den meisten Ländern dieser Region sind die Hauptverfolger in Algerien die Gesellschaft, extremistische islamische Lehrer und Regierungsbeamte, die den Sichtweisen dieser Lehrer anhängen. Algerische Christen, von denen die meisten christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind, erfahren vor allem von Familienmitgliedern und der erweiterten Verwandtschaft Verletzungen ihrer Religionsfreiheit. So sind vor allem die Familie und das soziale Umfeld einschließlich Anführern ethnischer Gruppen und Ältesten maßgeblich für die Verfolgung verantwortlich. Regierungsbeamte auf verschiedenen Ebenen der Verwaltungshierarchie üben ebenfalls Druck auf Christen aus, ihren Glauben aufzugeben. Sie schränken die Freiheit der Christen ein, ihre Meinung zu äußern und ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu praktizieren.

Es gibt Gesetze, die Gottesdienste von Nichtmuslimen regeln. Dazu gehören auch Vorschriften, die es gesetzlich verbieten, „den Glauben eines Muslims zu erschüttern“ oder zu versuchen, ihn zu „verführen, eine andere Religion anzunehmen“. Christen leiden im Alltag des Weiteren unter Schikane und Diskriminierung. Mitglieder der erweiterten Verwandtschaft und Nachbarn versuchen Christen muslimischer Herkunft dazu zu zwingen, islamische Verhaltensnormen und Riten zu befolgen. Der Druck und die Gefahr, denen Christen ausgesetzt sind, sind in ländlichen und religiös konservativeren Regionen des Landes besonders hoch. Diese Regionen waren in den 1990er-Jahren eine Hochburg für islamistische Aufständische im Kampf gegen die Regierung.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

70

24

2020

73

17

2019

70

22

2018

58

42

2017

58

36

Die Punktzahl für Algerien sank im Weltverfolgungsindex 2021 um drei Punkte im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020. Trotz wachsender staatlicher Restriktionen und zunehmendem Druck auf die Kirche sank die Punktzahl, da im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 weniger Kirchen geschlossen wurden. Allerdings bleiben 13 Kirchen, die während des letzten Berichtszeitraums geschlossen wurden, trotz der Appelle der algerischen Kirche geschlossen. Der Druck hat in allen Lebensbereichen weiterhin ein mindestens sehr hohes Ausmaß.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die „Hirak“-Bewegung (Protestbewegung für Demokratisierung und Reformen) wird wohl weitergehen

Obwohl die algerische Regierung die Covid-19-Pandemie erfolgreich dazu genutzt hat, die Demonstrationen zu stoppen, ist es unwahrscheinlich, dass es der Regierung gelingt, die Proteste langfristig einzudämmen. Algeriens junge Bevölkerung will wirtschaftliche Chancen und politische Veränderungen. Da die Öl- und Gaspreise niedrig sind und die Covid-19-Krise die wirtschaftliche Lage verschlechtert hat, ist es unwahrscheinlich, dass die algerische Regierung in der Lage sein wird, den Ruf nach Reformen durch die Bereitstellung ausreichender wirtschaftlicher Möglichkeiten zu ersticken.

2) Algeriens Stabilität ist zerbrechlich

Monate nach dem erzwungenen Rücktritt von Präsident Bouteflika (ausgelöst durch die Hirak-Proteste) gibt der anhaltende politische Konflikt und das Fehlen eines klaren Plans für den Machtwechsel Anlass zu großer Sorge. Außerdem muss Algerien, ebenso wie andere Länder im Nahen Osten und in Nordafrika, mit dem „Doppelschock“ der Covid-19-Pandemie fertig werden: Zum einen ist die Binnennachfrage zurückgegangen, da das Leben der Menschen durch Lockdowns und Reisebeschränkungen unterbrochen wird. Zum anderen ist auch die weltweite Nachfrage nach Erdgas und Erdöl gesunken. Dies wird das Wirtschaftswachstum Algeriens und jegliche Hoffnung, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen, stark einschränken, insbesondere angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit.

3) Die Gesetzlosigkeit im Nachbarland Libyen ist eine Bedrohung

Die Gesetzlosigkeit in Libyen könnte die Stabilität in Algerien untergraben, da die beiden Länder eine lange gemeinsame Grenze haben. Da Algeriens Engagement in Libyen jedoch marginal ist, wird dies derzeit nicht als große Bedrohung angesehen.

4) Die Situation der Christen verbessert sich nicht

Jegliche Instabilität, die sich aus den oben genannten Faktoren ergibt, wird die Situation der Christen wahrscheinlich verschlechtern. Die Proteste haben nichts daran geändert, dass die Regierung die Verordnung 06-03 benutzt (diese regelt den Gottesdienst von Nichtmuslimen), um die Christen in Algerien zu unterdrücken. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Situation verbessert, solange sich die Regierung durch die Proteste und die (wirtschaftlichen) Unruhen bedroht fühlt. Es ist derzeit wahrscheinlicher, dass die Regierung den Druck auf die Christen aufrechterhalten wird, um die Islamisten im Land zu beschwichtigen.

3. Religiöse Situation im Land

Laut der Statistik der World Christian Database sind über 98,2 % der Bevölkerung Algeriens Muslime. Fast alle sind sunnitische Muslime, aber es gibt auch eine kleine Gemeinschaft von Ibaditen (islamische Sondergemeinschaft, die weder sunnitisch noch schiitisch ist). Die Präsenz des schiitischen Islam beträgt weniger als ein Prozent. Die Verfassung verbietet es Nichtmuslimen, hochrangige Regierungsämter zu bekleiden. Nichtmuslimische und nichtreligiöse Gruppen müssen sich bedeckt halten, um Diskriminierung, Intoleranz und Verfolgung zu vermeiden. Der „Freedom of Thought Report“ 2019 der Nichtregierungsorganisation „Humanists International“ stellt fest, dass die Verfassung und die Regierung Algeriens Aktivitäten verbieten, „die gegen die ‚Werte oder die öffentliche Moral‘ des Landes verstoßen“.

Die meisten Christen in Algerien haben einen muslimischen Hintergrund. Die meisten von ihnen leben in der Kabylei im Norden des Landes. Die Bewohner der Kabylei sind Berber, die auch ihre eigene Sprache sprechen.

Im Jahr 2011 erhielt die Algerische Protestantische Kirche (EPA) nach jahrelangen Versuchen eine offizielle Anerkennung, aber die lokalen Kirchen mussten sich immer noch gesondert registrieren lassen. Obwohl die Hoffnungen groß waren, gelang es keiner der der EPA angehörenden Ortsgemeinden, die Registrierung zu erhalten. Im Laufe des Jahres 2013 musste die EPA dann erneut die offizielle Anerkennung beantragen, nachdem ein neues Gesetz zu Nichtregierungsorganisationen eingeführt worden war. Die Regierung hat jedoch immer noch nicht auf diesen Antrag geantwortet, so dass sich die EPA in einem rechtlichen Schwebezustand befindet.

Algerische Christen (mit muslimischem Hintergrund) werden vom Staat in Fragen des Personenstands rechtlich diskriminiert, und diejenigen, die in muslimischen Familien leben, erfahren häufig Feindseligkeiten seitens ihrer eigenen Großfamilien.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Je mehr Einfluss der Islam in den vergangenen Jahren auf die Regierung Algeriens gewann, desto stärker wurde die Freiheit der Christen eingeschränkt. Druck von islamistischen Bewegungen auf die Regierung und die Gesellschaft hat in Verbindung mit Druck von Familienmitgliedern auf Christen muslimischer Herkunft zu andauernden Schwierigkeiten für Christen geführt. Angespornt durch den „Arabischen Frühling“ in anderen nordafrikanischen Ländern üben islamistische Gruppierungen Druck auf eine Regierung aus, die gezwungen ist, mit islamischen Parteien zusammenzuarbeiten. Trotz dieser Zusammenarbeit ist die Partei „Islamische Heilsfront“ (FIS) jedoch noch immer verboten. Islamisten treten immer offensichtlicher in Erscheinung und überwachen die Aktivitäten von Christen und anderen nichtmuslimischen Minderheiten (wie die kleinen jüdischen oder Bahai-Gemeinden).

Diktatorische Paranoia

Diese Triebkraft der Verfolgung zeigt sich in der autokratischen Regierung Algeriens, die Christen Restriktionen auferlegt. Mit einer weiter steigenden Anzahl geschlossener Kirchen und der Nutzung von körperlicher Gewalt gegen christliche Demonstranten scheint es, dass die Regierung ihren Druck auf die Kirche weiter verstärkt. Die Gründe für diese neue Welle der Gewalt sind nicht bekannt, aber einige Maßnahmen der Regierung können als Versuch betrachtet werden, die islamistischen Teile der Bevölkerung zu beschwichtigen. Des Weiteren bieten die anti-kolonialistischen und revolutionären Wurzeln der regierenden Partei, die seit der Unabhängigkeit an der Macht ist, einen ideologischen Blickwinkel, von dem aus sie christliche Missionstätigkeiten misstrauisch beäugt – insbesondere dann, wenn diese in Verbindung mit Kirchen und christlichen Gruppen aus dem Westen durchgeführt werden.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Die meisten algerischen Christen leben in der Kabylei, einer Region im Norden des Landes. Zwischen dieser Region und der Zentralregierung gibt es seit der Unabhängigkeit Algeriens politische Spannungen. In der schwierigen Beziehung zwischen der algerischen Regierung und den Bewohnern der Kabylei spielen unter anderem ethnische Identität, Kultur und Sprache eine bedeutende Rolle. Die meisten Bewohner der Kabylei gehören zum Volk der Berber, wohingegen die vorherrschende ethnische Identität des Landes arabisch ist. Die ethnisch begründeten Spannungen und Anfeindungen weiten sich auch auf das religiöse Leben aus und tragen so zur Verletzung der Religionsfreiheit von Christen in der Kabylei bei.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Familienmitglieder sind die treibende Kraft hinter der Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft. Dazu gehören unter anderem körperlicher Missbrauch, Vertreibungen, Hausarrest (vor allem für Frauen), erzwungene Scheidungen und der Verlust von Erbansprüchen und Sorgerecht.
  • Regierungsbeamte: Die algerische Regierung geht entschieden gegen die Christen im Land vor. Abgesehen davon, dass seit 2019 mehr als 13 Kirchen geschlossen wurden, ist die Rhetorik der Regierung gegenüber Christen oft feindselig und besagt im Wesentlichen, dass Christen nicht nach Algerien gehören.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Dorfälteste stellen sich oft aktiv gegen die sichtbare Präsenz der Kirche. Auch setzen sie Familien unter Druck, gegen Konvertiten in ihrem Haushalt vorzugehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Extremistische Auslegungen des Islam sind in Algerien allgegenwärtig. Salafistische Leiter predigen Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen.
  • Gewöhnliche Bürger und Mobs: Im arabischen Teil der Gesellschaft ist Feindseligkeit gegen Christen tief verwurzelt. In der Kabylei und anderen berberischen Regionen ist sie nur geringfügig schwächer.
  • Politische Parteien: Auch wenn die Macht der nichtregierenden politischen Parteien begrenzt ist, können islamistische Parteien dennoch Druck auf die Regierung ausüben, gegen nichtsunnitische religiöse Gruppen vorzugehen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Obwohl es in den vergangenen Jahren keine größeren Vorfälle gab, ist die Bedrohung von Gewalt durch islamisch-extremistische Gruppen jederzeit präsent.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Die eigene (Groß-)Familie: Stammesdenken wie das der „Familienehre“ wird aktiv beschützt. Christliche Konvertiten, besonders Frauen, haben mit harten Konsequenzen zu rechnen, da ihr Glaubenswechsel im Denken ihrer Angehörigen Schande über die Familie bringt und andere Stammesregeln verletzt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesbeziehungen spielen eine wichtige Rolle im täglichen Leben. Mit ihrem Glaubenswechsel widersetzen sich Christen muslimischer Herkunft der Stammestradition und erfahren deshalb die Einschränkung ihrer grundlegenden Rechte. Anführer ethnischer Gruppen wie Dorfälteste setzen Familienangehörige und das soziale Umfeld unter Druck, gegen solche Konvertiten vorzugehen.
  • Gewöhnliche Bürger und Mobs: Stammesdenken, -werte und -normen stammen aus uralten Traditionen und werden in der islamischen Gesellschaft des Landes am Leben erhalten. Wer den christlichen Glauben annimmt, bricht mit diesen Traditionen und kann von der Gesellschaft deswegen unter Druck gesetzt werden, etwa indem er seine Arbeitsstelle verliert.
  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Regierungsbeamte und die regierende Partei spielen als Verfolger eine bedeutende Rolle. Ihre Feindseligkeit gegenüber den kulturellen, sprachlichen und politischen Forderungen nichtarabischer ethnischer Gruppen und ihre daraus resultierenden Bemühungen, diese Forderungen zu unterdrücken, bedeuten auch für christliche Gemeinden in der Kabylei, dass sie Einschränkungen und Verfolgung ausgesetzt sind. Das Wachstum der Kirche, speziell in dieser Region, wird als Bedrohung gegenüber der überwiegend arabischen und islamischen Identität des Landes wahrgenommen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Algerien ist eines der wenigen Länder Nordafrikas, in dem sich das Regime dauerhaft an der Macht halten und weitreichende demokratische Reformen vermeiden konnte, auch wenn das Land nun nach einer neuen Balance sucht. Seit der Unabhängigkeit ist die Partei „Nationale Befreiungsfront“ (FLN) trotz mehrerer Präsidentenwechsel an der Macht geblieben. Die FLN wurde oft durch politische Islamistenbewegungen herausgefordert. Um Befürworter aus den Reihen der Islamistenbewegungen für sich zu gewinnen und ihre eigene Legitimität zu unterstreichen, schränkt die Regierung die Freiheit von Christen ein.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die meisten Christen in Algerien haben einen muslimischen Hintergrund. Der Großteil von ihnen lebt in der Kabylei im Norden des Landes. Die Bewohner der Kabylei sind Berber, die auch ihre eigene Sprache sprechen, und stehen damit im Gegensatz zu dem Rest des Landes, der von Algeriern mit arabischem Hintergrund bewohnt wird. Viele Jahre lang wurden die Bewohner der Kabylei von der algerischen Regierung diskriminiert und vernachlässigt. Dies schuf eine Umgebung, in der sich eine christliche Gemeinschaft entwickeln konnte, auch wenn der Druck von Regierung und Gesellschaft stark bleibt.

Im arabischen Teil des Landes, besonders im Süden, sind die Umstände für Christen sehr schwierig, und es gibt nur wenige Kirchen. Gewalttätige islamische Gruppen genießen keine große Unterstützung in der Bevölkerung, aber der Islam hat sehr große Macht im Land, auch weil die salafistische Bewegung wächst.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Neben einigen westlichen ausländischen Christen gehören zu dieser Kategorie hauptsächlich christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Sie gehören einer Reihe von Kirchen an, darunter Anglikaner, Lutheraner, Mitglieder der reformierten Kirche und der Koptisch-Orthodoxen Kirche. Eine kleine Anzahl an Studenten aus Afrika südlich der Sahara erfährt Diskriminierung an Universitäten und im städtischen Alltagsleben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die einzige Kirche, die zu dieser Kategorie gezählt werden kann, ist die Römisch-Katholische Kirche. Protestantische Kirchen bestehen heutzutage fast vollständig aus Christen mit muslimischem Hintergrund (siehe nächster Abschnitt). Katholische Gemeinden sehen sich außerhalb ihrer Gottesdiensträume mit Einschränkungen konfrontiert, sind aber zugelassen, sofern sie registriert sind. In katholischen Kirchen (einschließlich der Kathedrale in Algier, dem Sitz des Erzbischofs) werden Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Die große Mehrheit der Christen in Algerien sind Christen mit muslimischem Hintergrund. Sie stehen unter anhaltendem Druck. Das Gesetz verbietet alle öffentlichen Versammlungen, bei denen ein anderer Glaube als der Islam praktiziert wird; davon ausgenommen sind die registrierten Kirchen. Eine solche Registrierung wird unabhängigen christlichen Gemeinden jedoch häufig verwehrt. In der Berber-Region gibt es eine große Zahl inoffizieller Gruppen, die sich regelmäßig treffen; Nichtmuslime versammeln sich zum Gottesdienst meist in Privathäusern. Die sehr junge algerische Kirche (sie besteht zumeist aus Christen der ersten Generation) ist in vielfältiger Form Diskriminierungen durch den Staat und Familienmitglieder ausgesetzt. Obwohl einige protestantische Kirchen unter dem Dachverband der Protestantischen Kirche Algeriens (EPA) bereits zur Kolonialzeit entstanden, bestehen sie heute vorwiegend aus Christen muslimischer Herkunft.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.9
Familienleben 13.9
Gesellschaftliches Leben 11.5
Leben im Staat 13.1
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 3.9

Grafik: Verfolgungsmuster Algerien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen blieb sehr hoch und stieg von 12,8 Punkten im vergangenen Jahr auf 13,1 Punkte an. Dieser Anstieg ist vor allem auf den erhöhten Druck vonseiten der Regierung zurückzuführen.
  • Am stärksten ist der Druck in den Bereichen des Familienlebens (13,9 Punkte), des Privatlebens (13,9) und des kirchlichen Lebens (13,4). Dies zeigt, unter welch hohem Druck Christen muslimischer Herkunft stehen: Sie leben in ständiger Gefahr, von ihren Familien als Christen entdeckt und ausgegrenzt zu werden und sehen sich Widerstand vonseiten der Gesellschaft und der Regierung gegenüber.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ging von 9,3 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 3,9 im Weltverfolgungsindex 2021 zurück, nachdem sie zunächst aufgrund der Schließung von Kirchengebäuden um fast 2,0 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020 angestiegen war. Der Rückgang im Weltverfolgungsindex 2021 ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass weniger Kirchen geschlossen wurden, obwohl alle 13 geschlossenen Kirchen aus dem vorherigen Berichtszeitraum geschlossen blieben.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Einige algerische Christen haben öffentlich auf Social Media über ihren Glauben gesprochen. Doch in mehreren Fällen kam es daraufhin zu Anklagen wegen Blasphemie und zu (körperlicher) Gewalt durch extremistische Muslime. Das hat die algerischen Christen sehr vorsichtig gemacht. Für Christen muslimischer Herkunft ist es besonders riskant, über ihren Glauben zu sprechen, da ihre Familie sie aus ihrem Zuhause verbannen oder sie zur Scheidung zwingen könnte, was auch den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder bedeuten würde.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Alle Christen im Land achten darauf, keine christlichen Symbole wie Kreuze öffentlich zu zeigen, da Feindseligkeit gegen Christen weitverbreitet ist. Für Christen muslimischer Herkunft kann das Tragen solcher Symbole zur Entdeckung ihres Glaubenswechsels durch ihre Familie führen und Fragen und Belästigungen zur Folge haben.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Die Gesetze des Landes gegen Missionierung und Blasphemie wirken sich auf die Freiheit von Christen aus, auch nur privat über ihren Glauben mit engsten Familienangehörigen zu sprechen. Nach der Verordnung 06-03, die den nichtmuslimischen Gottesdienst regelt und von der algerischen Regierung streng durchgesetzt wird, ist Missionierung eine kriminelle Handlung. Sie ist mit einer Gefängnisstrafe von 3–5 Jahren für religiöse Leiter und 1–3 Jahren für andere Personen verbunden. Außerdem wird der christliche Glaube in der algerischen Gesellschaft sehr negativ betrachtet, sodass selbst ein Gespräch über den Glauben zu Belästigungen oder Schlimmerem führen kann.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch christliche Migranten aus Afrika südlich der Sahara und andere Christen müssen in dieser Hinsicht sehr vorsichtig sein. Eine Bibel zu besitzen und zu lesen, kann zu Druck von der Familie oder Belästigungen vonseiten des sozialen Umfelds führen. Aus diesem Grund nutzen viele Christen (Bibel-)Apps auf ihren Smartphones.

Familienleben

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Adoption ist in Algerien nur für Muslime möglich.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Religiöse Bildung, die auf islamischen Prinzipien basiert, ist in allen Grund- und weiterführenden Schulen Pflicht. Privatschulen (wenn Eltern sie bezahlen können) können etwas flexibler sein und ein christliches Kind von diesem Unterricht befreien; der gesamte Lehrplan ist dennoch vom Islam durchdrungen.

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Ist der Vater eines Kindes Muslim, gilt das Kind in Algerien automatisch ebenfalls als Muslim. Da Christen muslimischer Herkunft von der Regierung weiterhin als Muslime angesehen werden, gelten auch ihre Kinder als Muslime. In seltenen Fällen kann das Kind einen christlichen Namen bekommen. Das hängt jedoch vom Beamten ab, der den Fall bearbeitet.

Wurden christliche Ehepartner von Nichtchristen in Scheidungsfällen vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, das Sorgerecht für die Kinder zu beantragen?

In vielen Fällen will ein muslimischer Ehemann oder eine muslimische Ehefrau sich scheiden lassen, wenn ihr Partner den christlichen Glauben annimmt, oder er oder sie wird von Familienangehörigen gezwungen, sich scheiden zu lassen. Die Kinder werden vom christlichen Elternteil ferngehalten. Diese Praxis wird häufig durch Gerichte oder Beamte unterstützt.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Einzelpersonen werden häufig überwacht. Die Polizei und andere Teile des Sicherheitsapparats setzen die Verordnung 06-03 streng durch. Diese Verordnung regelt nichtmuslimische Gottesdienste und andere nichtmuslimische religiöse Aktivitäten. Wer sich in christliche Aktivitäten einbringt, wird aktiv beobachtet. Christliche Leiter wissen, dass sie sehr vorsichtig kommunizieren müssen, da ihre Telefone wahrscheinlich abgehört und ihre E-Mails mitgelesen werden. Wenn sich Christen außerhalb von Kirchengebäuden treffen, müssen sie sehr diskret vorgehen, da offensichtlich christliche Aktivitäten der Polizei gemeldet werden.

In der Kabylei ist dieser Druck weniger stark, aber der christliche Glaube erhält in allen Teilen des Landes Gegenwind.

Haben Christen auf irgendeiner Ebene im Bereich ihrer Bildung aus religiösen Gründen Nachteile erlitten (z. B. Einschränkungen des Zugangs zur Bildung)?

Dies betrifft insbesondere Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt ist, doch auch christliche Migranten aus Afrika südlich der Sahara erleben diese Probleme, verbunden mit Rassismus. Auch andere Christen können Diskriminierungen und Benachteiligungen im Bildungsbereich ausgesetzt sein. Kinder von Christen, die in konservativeren islamisch geprägten Gebieten leben, müssen ihren Glauben geheim halten, weil sie sonst von Lehrern diskriminiert werden könnten und möglicherweise keinen Zugang zu Universitäten erhalten.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Eine der vielen negativen Konsequenzen eines Glaubenswechsels für christliche Konvertiten ist der Verlust der Arbeitsstelle. Viele Christen muslimischer Herkunft müssen ihren Glauben verstecken, wenn sie sich für einen Job bewerben, oder sie erfahren Diskriminierung. Christen haben keinen Zugang zu höheren Positionen in der Regierung, egal ob sie einen muslimischen Hintergrund haben oder nicht.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Einzelne Christen werden aktiv überwacht und befragt.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Verfassung Algeriens bestimmt den Islam als Staatsreligion, und Regierungsbehörden müssen in Übereinstimmung mit islamischen Werten handeln. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist offiziell nicht gesetzlich verboten, aber Missionierung ist ein kriminelles Vergehen. Verordnung 06-03 schränkt die Religions- und Glaubensfreiheit für Kirchen und einzelne Christen massiv ein.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Christen muslimischer Herkunft oder christliche Migranten aus Afrika südlich der Sahara stehen stark in der Gefahr, diskriminiert zu werden, wenn sie in Kontakt mit den Behörden treten. Laut Berichten hat sich diese Haltung jedoch in einigen Orten in der Kabylei verbessert, wo beispielsweise einige Kinder mit christlichem Namen registriert werden konnten.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Alles, was „den Glauben eines Muslims erschüttern“ könnte, ist gemäß der Verordnung 06-03 verboten. Kirchen und christliche Organisationen erlegen sich deshalb eine Selbstzensur auf.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Christen muslimischer Herkunft können von ihren Familienangehörigen missbraucht und misshandelt werden, ohne dass diese dafür eine Strafe fürchten müssen. Der Großteil dieses Missbrauchs gerät nicht in den Blick der Öffentlichkeit, da Regierungsbeamte es als Privatangelegenheit betrachten.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Die Regierung überwacht kontinuierlich alle kirchlichen Aktivitäten, und mehrere Kirchen wurden im Berichtszeitraum geschlossen. Dies hat sich trotz der Veränderungen in der Regierungsspitze fortgesetzt.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Kirchengemeinden dürfen keine Aktivitäten mit muslimischen Jugendlichen durchführen. Die Strafen dafür wären für jeden Beteiligten beträchtlich. Minderjährige dürfen nicht eigenständig eine Kirche besuchen, es muss immer ein Erwachsener anwesend sein.

Wurden Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert, christliche Materialien zu drucken oder Druckmaschinen zu besitzen?

Der Druck von christlichen Materialien ist gemäß der Verordnung 06-03 verboten. Die Regierung überwacht Kirchen und setzt die Verordnung in dieser Hinsicht streng durch.

Wurden die Kirchen in ihrer Interaktion mit der globalen Kirche behindert (Empfang ausländischer Gäste, Besuche bei Christen in anderen Ländern, Teilnahme an Konferenzen usw.)?

Es ist aufgrund der ständigen Überwachung von Kirchen schwierig für ausländische Christen, ein Visum zu erhalten und algerische Kirchen zu besuchen. Algerische Christen wissen, dass sie befragt werden können, wenn sie planen, in ein anderes Land zu reisen.

Auftreten von Gewalt

  • Angriffe auf Christen: Christen muslimischer Herkunft erfuhren vonseiten ihrer Familien Belästigung und Missbrauch. Außerdem wurden viele Christen während eines Protests gegen Kirchenschließungen im Oktober 2019 von der Polizei aggressiv angegangen. Diese Art von Gewalt gab es in den vorherigen Jahren nicht.
  • Angriffe auf Kirchen: Mehrere christliche Gemeinschaften mussten ihre Treffen einstellen. Außerdem wurden im Oktober 2019 zwei Kirchen geschlossen.
  • Verhaftungen von Christen: Mindestens 97 Christen wurden beim Protest gegen die Kirchenschließungen in Tizi Ouzou im Oktober 2019 verhaftet.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Aufgrund der Einschränkungen im Zusammenhang mit der Coronakrise wurde es für Christen muslimischer Herkunft sehr schwierig, an einen anderen Ort umzuziehen. Es wird vermutet, dass christliche Konvertiten, die bei ihren muslimischen Familien leben, aufgrund der Lockdownmaßnahmen einem erhöhten Druck ausgesetzt waren.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen sind in Algerien auch Juden, Ahmadiyya- und schiitische Muslime unterschiedlich starkem Druck und Gewalt ausgesetzt. Algerische Juden müssen aufgrund von Gewaltandrohungen extremistischer Muslime um ihre Sicherheit fürchten, und es gab Vorfälle von Grabschändung auf jüdischen Friedhöfen. Ahmadiyya-Muslime sehen sich mit stärkeren Verletzungen ihrer Religionsfreiheit konfrontiert, einschließlich Strafanzeigen wegen „Verunglimpfung von Dogmen und Grundsätzen des Islam“. Regierungsbeamte begegnen ihnen mit Feindseligkeit und ihnen wird das Recht verwehrt, Vereinigungen zu bilden. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 (erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums) „erklärten Ahmadiyya-Leiter, dass Ende des Jahres 286 Verfahren gegen Gemeindemitglieder vor dem Obersten Gerichtshof anhängig waren. Zu den Anklagepunkten gehörten das Betreiben einer nicht registrierten religiösen Vereinigung, das Sammeln von Geldern ohne Genehmigung und das Abhalten von Gebeten an nicht genehmigten Orten.“

Auch Atheisten sowie Personen, die die sunnitischen Lehren öffentlich in Frage stellen, können Feindseligkeiten ausgesetzt sein. Obwohl es wahrscheinlich mehr mit seinen Aktivitäten während der Anti-Regierungsdemonstrationen zu tun hatte, wurde Yacine Mebarki im Oktober 2020 unter dem Vorwurf der „Anstiftung zum Atheismus“ zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • Beten Sie, dass alle kürzlich geschlossenen Kirchen wieder geöffnet werden, und dass das Gesetz von 2006, das Gottesdienste reglementiert, aufgehoben wird.
  • Bitten Sie darum, dass Christen mit muslimischem Hintergrund Zugang zu einer Gemeinschaft von Christen haben, die sie unterstützt und aufbaut.
  • Beten Sie um den Aufbau strategischer Beziehungen zwischen Christen und einflussreichen lokalen Führungskräften, die den Respekt der Bevölkerung gegenüber dem christlichen Glauben erhöhen.