Länderprofil Algerien

Algerien

22
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Algerien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Semipräsidialrepublik
Platz Vorjahr
24
Karte Algerien
Christen
0,13
Bevölkerung
43.97
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 14.000
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 11.100
Leben im Staat: 13.400
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 4.100

Länderprofil Algerien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 22 / 71 Punkte (WVI 2021: Platz 24 / 70 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Hauptverfolger sind die Gesellschaft, extremistische islamische Lehrer und Regierungsbeamte, die den Sichtweisen dieser Lehrer anhängen. Algerische Christen, von denen die meisten Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind, erfahren zudem von Familienmitgliedern und dem erweiterten sozialen Umfeld, einschließlich der örtlichen Anführer ethnischer Gruppen, Verletzungen ihrer Religionsfreiheit. Regierungsbeamte auf allen Ebenen üben Druck auf Christen aus, um ihre Freiheit einzuschränken und „ermutigen“ sie, ihren Glauben aufzugeben. Es gibt Gesetze, die Gottesdienste von Nichtmuslimen regeln. Dazu gehören auch Vorschriften, die es gesetzlich verbieten, „den Glauben eines Muslims zu erschüttern“ oder ihn zu versuchen zu „verführen, eine andere Religion anzunehmen“. Christen muslimischer Herkunft erleiden außerdem Diskriminierung und Anfeindungen durch Familienmitglieder und Nachbarn, die versuchen, sie dazu zu zwingen, islamische Verhaltensnormen und Riten zu befolgen. Der Druck und die Gefahr, denen Christen ausgesetzt sind, sind in ländlichen und religiös eher konservativen Regionen des Landes besonders hoch. Christen werden der Blasphemie und Missionierung beschuldigt und inhaftiert. Viele von der Regierung geschlossene Kirchen bleiben versiegelt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Offiziell ist Algerien eine konstitutionelle semipräsidiale Republik mit dem Präsidenten als Staatsoberhaupt und dem Premierminister als Regierungschef. In der Praxis wird das Land jedoch von seiner mächtigen Armee und einer kleinen Gruppe von einflussreichen Geschäftsleuten und Politikern geführt, bekannt unter dem Namen „Le Pouvoir“ („Die Macht“). Aus diesem Grund wird Algerien von Menschenrechtsorganisationen als „autoritär regiertes“ und „unfreies“ Land eingestuft. Am 1. November 2020 wurde ein Referendum über eine neu ausgearbeitete Verfassung abgehalten. Die Tatsache, dass die Wahlbeteiligung mit 23,8 Prozent so niedrig war wie nie zuvor, zeigt jedoch, dass die Algerier sich keine großen Hoffnungen auf eine ernstzunehmende politische Wende machen.

Die Rechtsverordnung 06-03, die im März 2006 erlassen wurde, schränkt den nichtmuslimischen Gottesdienst gravierend ein. Die Regierung hat seit ihrer Einsetzung keine weiteren offiziellen Gemeindegründungen zugelassen, und so treffen sich Christen weiterhin in Privatwohnungen oder Bürogebäuden. Dies ist jedoch verboten, und auf die Teilnahme an solchen Treffen steht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren und ein Bußgeld von bis zu 300.000 algerischen Dinaren (etwa 3.000 Euro). Seit November 2017 ist diese Rechtsverordnung Grundlage für die Schließung von mindestens 16 dem Dachverband Algerischer Evangelischer Gemeinden (EPA) zugehörigen Kirchen gewesen. Soziale Medien und andere Kommunikationswege unterliegen einer strengen Kontrolle seitens der Regierung. Christen, die online von ihrem Glauben erzählen, müssen mit Druck rechnen. Mehrere Christen sitzen derzeit wegen Vorwürfen der Blasphemie und Missionierung im Gefängnis.

Algerische Christen erfahren bei der Jobsuche sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor Diskriminierungen wegen ihres Glaubens. Aufgrund von Algeriens patriarchalischen, vom Islam geprägten Normen, sind sowohl Männer als auch Frauen starkem Druck ausgesetzt, wenn ihr christlicher Glaube entdeckt wird. Männer werden von ihren Familien verstoßen, während Frauen häuslicher Gewalt ausgesetzt sind.

Schätzungsweise sind 98,2 Prozent der Algerier Muslime, fast alle von ihnen Sunniten. Die meisten Christen haben einen muslimischen Hintergrund. Der evangelische Dachverband EPA wurde von der Regierung 1974 offiziell anerkannt. Ihre Mitgliedsgemeinden müssen sich allerdings eigenständig registrieren lassen. Bisher ist das keiner einzigen von ihnen gelungen. Im Jahr 2013 musste die EPA erneut die offizielle Anerkennung beantragen, nachdem ein neues Gesetz zu Nichtregierungsorganisationen eingeführt worden war. Die Regierung hat jedoch immer noch nicht auf diesen Antrag geantwortet, so dass sich die EPA in einem rechtlichen Schwebezustand befindet. Die Verfassung verbietet es Nichtmuslimen, hochrangige Regierungsämter zu bekleiden.

Weil die Verfassung und die Regierung Algeriens Aktivitäten verbieten, die den „Werten und der öffentlichen Moral des Landes zuwiderlaufen“, müssen sich nichtmuslimische und nichtreligiöse Gruppen zurückhalten, um Diskriminierung, Intoleranz und Verfolgung zu vermeiden.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

134.000

0,3

Muslime

43.183.000

98,2

Buddhisten

6.800

0,0

Juden

50

0,0

Bahai

4.000

0,0

Atheisten

8.400

0,0

Agnostiker

620.000

1,4

Andere

13.400

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten Christen leben in der Kabylei im Norden des Landes. Die Bewohner der Kabylei sind Berber, die auch ihre eigene Sprache sprechen, und stehen damit im Gegensatz zu dem Rest des Landes, der von Algeriern mit arabischem Hintergrund bewohnt wird. Viele Jahre lang wurden die Bewohner der Kabylei von der algerischen Regierung diskriminiert und vernachlässigt. Dies schuf eine Umgebung, in der sich eine christliche Gemeinschaft entwickeln konnte, auch wenn der Druck von Regierung und Gesellschaft stark bleibt. Im arabischen Teil des Landes, besonders im Süden, sind die Umstände für Christen schwierig, und es gibt nur wenige Kirchen. Gewalttätige islamische Gruppen genießen keine große Unterstützung in der Bevölkerung, aber der Islam hat sehr große Macht im Land, auch weil die salafistische Bewegung wächst.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Je mehr Einfluss der Islam in den vergangenen Jahren auf die Regierung Algeriens gewann, desto stärker wurde die Freiheit der Christen eingeschränkt. Druck von islamistischen Bewegungen auf die Regierung und die Gesellschaft hat in Verbindung mit Druck von Familienmitgliedern auf Christen muslimischer Herkunft zu andauernden Schwierigkeiten für Christen geführt. Angespornt durch den „Arabischen Frühling“ in anderen nordafrikanischen Ländern, üben islamistische Gruppierungen Druck auf eine Regierung aus, die dazu gezwungen ist, mit islamischen Parteien zusammenzuarbeiten. Trotz dieser Zusammenarbeit ist die islamistische Partei „Islamische Heilsfront“ (FIS) noch immer verboten. Islamisten treten immer offensichtlicher in Erscheinung und überwachen die Aktivitäten von Christen und anderen nichtmuslimischen Minderheiten (wie die kleinen jüdischen oder Bahai-Gemeinden).

Diktatorische Paranoia

Diese Triebkraft der Verfolgung zeigt sich in der autokratischen Regierung Algeriens, die Christen Restriktionen auferlegt. Mit einer weiter steigenden Anzahl geschlossener Kirchen und der Nutzung von körperlicher Gewalt gegen christliche Demonstranten scheint es, dass die Regierung ihren Druck auf die Kirche weiter verstärkt. Die Gründe für diese neue Welle der Gewalt sind nicht bekannt, aber einige Maßnahmen der Regierung können als Versuch betrachtet werden, die islamistischen Teile der Bevölkerung zu beschwichtigen. Des Weiteren bieten die antikolonialistischen und revolutionären Wurzeln der regierenden Partei, die seit der Unabhängigkeit an der Macht ist, einen ideologischen Blickwinkel, von dem aus sie christliche Missionstätigkeiten misstrauisch beäugt. Dies gilt in besonderem Maße für Aktivitäten, die in Zusammenarbeit mit Gemeinden und christlichen Gruppen aus dem Westen durchgeführt werden.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die meisten algerischen Christen leben in der Kabylei, einer Region im Norden des Landes. Zwischen dieser Region und der Zentralregierung gibt es seit der Unabhängigkeit Algeriens politische Spannungen. In der schwierigen Beziehung zwischen der algerischen Regierung und den Bewohnern der Kabylei spielen ethnische Identität, Kultur und Sprache eine bedeutende Rolle. Die meisten Bewohner der Kabylei gehören zum Volk der Berber, wohingegen die vorherrschende ethnische Identität des Landes Arabisch ist. Die ethnisch begründeten Spannungen und Anfeindungen weiten sich auch auf das religiöse Leben aus und tragen so zur Verletzung der Religionsfreiheit von Christen in der Kabylei bei.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Neben einigen westlichen ausländischen Christen gehören zu dieser Kategorie hauptsächlich christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Die christlichen Studierenden aus Subsahara-Afrika erfahren Diskriminierung an Universitäten und im städtischen Alltagsleben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Römisch-Katholische Kirche sieht sich außerhalb ihrer Gottesdiensträume mit Einschränkungen konfrontiert, aber die Gemeinden sind weiterhin zugelassen, sofern sie registriert sind. In katholischen Kirchen (einschließlich der Kathedrale in Algier, dem Sitz des Erzbischofs) werden Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die große Mehrheit der Christen in Algerien sind Christen mit muslimischem Hintergrund. Sie erfahren Diskriminierung und stehen unter anhaltendem Druck, ausgehend vom Staat und der Familie. Das Gesetz verbietet alle öffentlichen Versammlungen, bei denen ein anderer Glaube als der Islam praktiziert wird. Eine Ausnahme sind nur registrierte Kirchen. Deshalb feiern diese Christen ihre Gottesdienste für gewöhnlich in Privatwohnungen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 11.1
Leben im Staat 13.4
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 4.1

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christen, die öffentlich in sozialen Medien über ihren Glauben sprechen, werden manchmal wegen Blasphemie angeklagt oder von extremistischen Muslimen angegriffen. Christen achten darauf, keine christlichen Symbole wie Kreuze öffentlich zu zeigen, da Feindseligkeit gegen Christen weit verbreitet ist. Die Gesetze des Landes gegen Evangelisation und Blasphemie wirken sich auf die Freiheit von Christen aus, auch nur privat über ihren Glauben mit engsten Familienangehörigen zu sprechen. Gemäß der Rechtsverordnung 06-03 ist Evangelisation eine Straftat, die eine Freiheitsstrafe von ein bis drei Jahren nach sich zieht.

Familienleben

Religionsunterricht, der auf islamischen Prinzipien basiert, ist in allen öffentlichen Grund- und weiterführenden Schulen Pflicht. In vielen Fällen will ein muslimischer Ehemann oder eine muslimische Ehefrau sich entweder scheiden lassen, wenn der Partner den christlichen Glauben annimmt, oder wird von Familienangehörigen gezwungen, sich scheiden zu lassen. Die Kinder werden vom Konvertiten ferngehalten. Adoption ist nur für Muslime möglich. Ist der Vater eines Kindes Muslim, gilt das Kind automatisch ebenfalls als Muslim. Christen muslimischer Herkunft werden von der Regierung weiterhin als Muslime angesehen, und daher gilt dasselbe für ihre Kinder.

Gesellschaftliches Leben

Einzelne Personen, besonders Christen, werden häufig überwacht. Christen in Leitungspositionen müssen davon ausgehen, dass ihre Telefone abgehört und ihre E-Mails gelesen werden. Wenn Christen sich außerhalb von Kirchengebäuden treffen, müssen sie sehr diskret vorgehen. In der Kabylei ist dieser Druck weniger stark, aber der christliche Glaube sieht sich in allen Teilen des Landes Gegenwind ausgesetzt. Kinder von Christen, die in von einem konservativeren Islam geprägten Gebieten leben, müssen ihren Glauben geheim halten, weil sie sonst von Lehrern und bei der Bewerbung um einen Studienplatz diskriminiert werden. Dies trifft in besonderem Maße auf die Kinder von Christen zu, deren Bekehrung vom Islam bekannt geworden ist. In ähnlicher Weise müssen auch Christen mit muslimischem Hintergrund selbst ihren Glauben verbergen oder mit Diskriminierung bei der Bewerbung um eine Arbeitsstelle rechnen. Christen haben keinen Zugang zu höheren Positionen in der Regierung, egal ob sie einen muslimischen Hintergrund haben oder nicht.

Leben im Staat

Gemäß der Verfassung Algeriens ist der Islam Staatsreligion, und die Regierungsbehörden haben in Übereinstimmung mit islamischen Werten zu handeln. Christen sind aus religiösen Gründen diskriminiert worden, wenn sie in Kontakt mit den Behörden getreten sind, besonders, wenn sie vom Islam konvertiert sind oder aus einem afrikanischen Land südlich der Sahara stammen. Laut Berichten hat sich diese Haltung jedoch in einigen Orten in der Kabylei leicht verbessert, wo beispielsweise einige Kinder mit christlichem Namen registriert werden konnten. Christen muslimischer Herkunft können Misshandlungen durch ihre Familienangehörigen erleiden, ohne dass diese dafür eine Strafe fürchten müssen, da die Regierung häusliche Gewalt als Familienangelegenheit betrachtet.

Kirchliches Leben

Trotz der Veränderungen in der Regierung werden christliche Versammlungen weiterhin aufgelöst. Kirchen dürfen keine Aktivitäten mit muslimischen Jugendlichen durchführen, und Minderjährige dürfen nicht eigenständig eine Kirche besuchen: Es muss immer ein Erwachsener anwesend sein. Das Drucken von christlichen Materialien ist unter Verordnung 06-03 verboten. Es ist aufgrund der ständigen Überwachung von Kirchen schwierig für ausländische Christen, ein Visum zu erhalten und algerische Kirchen zu besuchen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Dezember 2020 und Januar 2021 wurden drei Christen muslimischer Herkunft nach den Blasphemiegesetzen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt und mit einer Geldbuße belegt.
  • Im Juni 2021 erließ ein Verwaltungsgericht in Oran eine Anordnung, drei Kirchen schließen zu lassen, die entgegen einem früheren gerichtlichen Schließungsbeschluss geöffnet geblieben waren. Bis jetzt sind diese drei Kirchen noch nicht versiegelt worden, aber die Anordnung hat die Gemeindemitglieder stark verunsichert.
  • Im September 2021 verloren ein Pastor und sein Mitarbeiter ihr Berufungsverfahren gegen eine einjährige zur Bewährung ausgesetzte Freiheitsstrafe und eine hohe Geldbuße. Im Jahr 2017 führte die Polizei eine Razzia in ihrem christlichen Buchladen durch und beschlagnahmte christliches Material, das angeblich „Zweifel am muslimischen Glauben schürte“. Sie wurden wegen „Missionierung“ angeklagt und verurteilt.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

22

70,53

2021

24

69,61

2020

17

73,48

2019

22

69,55

2018

42

57,64

Die Punktzahl für Algerien stieg im Weltverfolgungsindex 2022 um einen Punkt im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2021. Wachsende staatliche Restriktionen und zunehmender Druck haben zu einer höheren Punktzahl geführt. Mehr Kirchen wurden geschlossen, und einige Christen wurden der Blasphemie und Missionierung beschuldigt und inhaftiert. Der Druck hat weiterhin in allen Lebensbereichen ein sehr hohes Ausmaß.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Algerische Frauen werden von Gesetz und Gesellschaft allgemein benachteiligt, was den Druck erhöht, den christliche Frauen aufgrund ihres Glaubens erfahren. Sie sind mit Arbeitsplatzverlust konfrontiert, werden im Beruf oder in der Schule belästigt, erleben sexuelle Übergriffe und erhalten Morddrohungen (besonders wenn sie sich unverschleiert zeigen). Christinnen muslimischer Herkunft sehen sich schweren Misshandlungen durch ihre Familien ausgesetzt, einschließlich Schlägen, Drohungen, Hausarrest und Zwangsheirat oder Scheidung. Der Zugang zur Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und der Empfang von christlichen Radio- oder TV-Sendern ist für sie eingeschränkt. Im Westen und Süden des Landes ist der Druck noch größer. Dort stehen Konvertitinnen in der Gefahr, getötet zu werden, damit die vermeintliche Familienehre wiederhergestellt wird. Von daher verbergen viele ihren Glauben.

Männer: Männer erfahren oft wirtschaftlichen Druck, verursacht durch Belästigungen am Arbeitsplatz und Jobverlust, was auf ihre Familien verheerende Auswirkungen haben kann. Gelegentlich werden sie auch verhaftet. Auch seitens der Familie wird Druck ausgeübt, besonders auf männliche Konvertiten. Sie müssen damit rechnen, körperlich misshandelt, verbal beleidigt und bedroht zu werden. Männer laufen häufiger Gefahr, aus ihrer Wohnung vertrieben und verbannt zu werden. Wird ihr Glaube entdeckt, kann es passieren, dass sie verprügelt und mit Gewalt in die örtliche Moschee gebracht werden. Daher leben viele Männer ihren Glauben heimlich oder entschließen sich, das Land zu verlassen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen sind auch algerische Juden, Ahmadiyya und schiitische Muslime unterschiedlich starkem Druck und Gewalt ausgesetzt. Ahmadiyya-Muslime sehen sich mit stärkeren Verletzungen ihrer Religionsfreiheit konfrontiert, einschließlich Strafanzeigen wegen „Verunglimpfung von Dogmen und Grundsätzen des Islam“. Regierungsbeamte begegnen ihnen mit Feindseligkeit und ihnen wird das Recht verwehrt, Vereinigungen zu bilden. Auch Atheisten und alle, die die sunnitisch-islamischen Lehren öffentlich in Frage stellen, können Feindseligkeiten ausgesetzt sein.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • Bitten Sie für die algerischen Christen muslimischer Herkunft um Schutz vor Gewalt durch ihre Angehörigen und islamische Extremisten.
  • Beten Sie, dass Kirchen, die geschlossen wurden, wiederöffnet werden können und dass die Gesetze, welche die Religionsfreiheit einschränken, widerrufen werden.
  • Beten Sie dafür, dass Jesus Christus die Partner von Open Doors in Nordafrika für ihren Dienst für die verfolgten Christen mit seiner Liebe, Kraft, Mut und Weisheit ausstattet.