Weltverfolgungsindex 2026

Algerien

Christenverfolgung in Algerien

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

In den vergangenen drei Jahren hat der staatliche Druck auf protestantische Christen ein Ausmaß erreicht, wie es in den vergangenen Jahrzehnten nicht der Fall war. Während des aktuellen Berichtzeitraums nahmen die Behörden zunehmend die Online-Präsenz der Kirchen ins Visier, darunter die Schließung einer christlichen Facebook-Gruppe mit über 50.000 Followern im Dezember 2024. Bereits geschlossene Kirchengebäude blieben geschlossen, gleichzeitig wurden weitere Kirchen zur Schließung aufgefordert. Anstatt jedoch wie in den Vorjahren Kirchengebäude offiziell zu versiegeln, drohte die Regierung nun den Gemeindeleitern und Pastoren mit strafrechtlicher Verfolgung, falls ihre Kirchen die Treffen nicht einstellen würden. Alle 47 Kirchen unter dem Dachverband der „L’Eglise protestante d’Algérie“ („Evangelisch-protestantische Kirche von Algerien“, EPA) haben ihre Tätigkeiten eingestellt. Auch andere, unabhängige Gemeinden stellten aus Angst vor staatlichen Maßnahmen ihre Treffen ein. Die Schließungen haben dazu geführt, dass algerische Christen nun stark isoliert voneinander sind. Die nicht muslimische Religionsausübung wird per Gesetz geregelt. Darunter fallen auch Vorschriften, die es gesetzlich verbieten, „den Glauben eines Muslims zu erschüttern“ oder ihn zu „verführen, eine andere Religion anzunehmen“. Zusätzlich zu den Kirchenschließungen wurden im vergangenen Berichtszeitraum mehr als 50 Christen strafrechtlich verfolgt, wobei viele zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt wurden.

Die meisten algerischen Christen sind Konvertiten mit muslimischem Hintergrund. Sie erfahren Widerstand von Mitgliedern ihrer Familie und des erweiterten sozialen Umfelds. Von diesen werden die Konvertiten gedrängt, sich an die islamischen Normen zu halten und islamische Riten zu befolgen. Einem besonders hohen Maß an Druck und Gefahr sind die Christen in den arabisch geprägten Landesteilen ausgesetzt sowie in den eher ländlichen und religiös konservativen Regionen. Diese Regionen waren in den 1990er-Jahren die Hochburgen für islamistische Aufständische im Kampf gegen die Regierung.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Algerien gilt als autoritär geführter und unfreier Staat. Denn de facto wird das Land von seiner mächtigen Armee und einer Gruppe von Geschäftsleuten und Politikern geführt, bekannt unter dem Namen „Le Pouvoir“ („Die Macht“). Die Verfassung verwehrt Nichtmuslimen den Zugang zu hochrangigen Regierungsämtern. Artikel 73 der Verfassung schreibt außerdem vor, dass der Präsident Muslim sein muss.

Historisch gesehen gibt es in Algerien sowohl ethnische Araber als auch ethnische Berber, wobei die vorherrschende ethnische Identität im Land die arabische ist. Ethnische Zugehörigkeit und Sprache sind ein heikles Thema, nachdem die Regierung die Berberkultur jahrelang an den Rand gedrängt hat. Trotz des konservativen islamischen Umfeldes gibt es in Algerien eine der größten Gruppen von christlichen Konvertiten in Nordafrika; und die meisten dieser Konvertiten sind Berber aus der Region Kabylei. Außerhalb der Kabylei erfahren christliche Konvertiten stärkeren Druck seitens der Gesellschaft und der Familie, wie aus inländischen Quellen hervorgeht.

Die römisch-katholische Kirche hat vier Diözesen im Land (die Diözesen Alger, Oran, Constantine et Hippone und Laghouat-Ghardaïa).

Die im März 2006 erlassene Verordnung 06-03 regelt andere Religionen als den Islam. Sie schränkt die nicht muslimische Religionsausübung stark ein. Seit dem Inkrafttreten der Verordnung hat die Regierung keine neuen Kirchengebäude oder Gemeindegründungen mehr offiziell zugelassen. Christen treffen sich deshalb in Privatwohnungen oder Bürogebäuden. Dies ist verboten und wird mit einer Höchststrafe von drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 300.000 Algerischen Dinar geahndet. Die Schließung von Kirchen in den letzten Jahren hat Gemeinden in den Untergrund gezwungen, christliche Treffen dürfen nur noch heimlich stattfinden.

Der Dachverband EPA wurde von der Regierung 1974 offiziell anerkannt. Seine Mitgliedsgemeinden müssen sich allerdings eigenständig registrieren lassen – ohne Erfolg. Keinen der Anträge hat die Regierung bisher bewilligt. Im Jahr 2013 musste die EPA erneut die offizielle Anerkennung beantragen, nachdem ein neues Gesetz für Nichtregierungsorganisationen eingeführt worden war. Bis heute hat die Regierung noch nicht auf diesen Antrag reagiert, sodass sich die EPA in einem rechtlichen Schwebezustand befindet.

Auch im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2026 erfuhren Christen in Algerien wie bereits in den Vorjahren sehr viel Druck: Mehrere Christen wurden strafrechtlich verfolgt und unter dem Vorwurf verurteilt, sie hätten evangelisiert und ohne Genehmigung Gottesdienste abgehalten.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

156.000

0,3

Muslime

46.006.000

98,1

Buddhisten

7.500

< 0,1

Juden

58

< 0,1

Bahai

5.000

< 0,1

Atheisten

8.500

< 0,1

Agnostiker

723.000

1,5

Andere

16.100

0,1

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten Christen leben in der Kabylei und sind ethnische Berber. Die Bewohner der Kabylei wurden von der algerischen Regierung viele Jahre lang diskriminiert und vernachlässigt. Dadurch entstand ein Umfeld, in dem die christliche Gemeinde wachsen konnte. Im arabischen Teil des Landes, speziell im Süden, sind die Bedingungen für Christen schwierig, und es gibt nur wenige Kirchen. Gewaltbereite islamische Milizen genießen keine große Unterstützung in der Bevölkerung. Dennoch ist der Islam der bestimmende Einfluss im Land, auch weil die salafistische Bewegung wächst. Antiwestliche und damit auch antichristliche Vorurteile haben aufgrund des Krieges zwischen Israel und Gaza zugenommen, was die Situation für Christen im Land weiter erschwert.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Die Regierung kann sich dem Druck islamistischer Bewegungen nicht entziehen. Andernfalls würde sie ihre Beliebtheit in der Bevölkerung riskieren, die an islamischen Überzeugungen festhält. Zwar ist die islamistische Organisation und frühere Partei „Front islamique du Salut“ („Islamische Heilsfront“, FIS) weiterhin verboten, gleichwohl üben islamistische Parteien erheblichen Einfluss aus. Sie lehnen eine Reform des von der Scharia inspirierten Familienrechts ab, drängen auf islamische Bildung und fördern Maßnahmen zur Erhaltung der islamischen Identität Algeriens. Ihr Einfluss erstreckt sich auf Nachbarschaften und soziale Medien, wo sie das Verhalten der Bürger überwachen und Maßnahmen gegen vermeintliche Verstöße fordern. Einige Regierungsbeamte stehen islamistischen Strömungen nahe und verstärken so deren ideologischen Einfluss auf die Regierungsführung und das öffentliche Leben.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung handelt in autokratischer Weise. Sie legt Christen Beschränkungen auf, schließt Kirchen und geht gegen Christen mit der Strafverfolgung etwa unter dem Vorwurf der Missionierung vor. Die regierende Partei ist seit der Unabhängigkeit des Landes an der Macht. Ihre antikolonialistischen und revolutionären Wurzeln tragen wesentlich dazu bei, dass sie misstrauisch gegenüber Christen ist, die das Evangelium weitergeben. Dies gilt in besonderem Maße für Aktivitäten, die in Zusammenarbeit mit Gemeinden und christlichen Gruppen aus dem Westen durchgeführt werden.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die Triebkraft der islamischen Unterdrückung ist die Hauptursache für den Druck, der von Familien und dem sozialen Umfeld auf christliche Konvertiten ausgeübt wird. Besonders im arabischen Teil des Landes spielen auch Ansichten wie „die Wahrung der Familienehre“ eine große Rolle. Mit Unterstützung der Dorfältesten werden Konvertiten bedrängt, ihren christlichen Glauben aufzugeben; und auch wenn in Städten der Einfluss der Ältesten schwächer ist, bleibt der familiäre Druck häufig hoch.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Die meisten algerischen Christen sind in der nördlichen Region Kabylei beheimatet. Sie sind ethnische Berber. Zwischen der Kabylei und der (arabischen) Zentralregierung gibt es seit der Unabhängigkeit Algeriens politische Spannungen aufgrund von Fragen der ethnischen Identität, Kultur und Sprache. Dabei vermischen sich ethnische mit religiösen Konflikten.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Neben einigen westlichen ausländischen Christen gehören zu dieser Kategorie hauptsächlich christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Christliche Studenten aus Subsahara-Afrika erfahren mitunter Diskriminierung an Universitäten und im städtischen Alltagsleben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Römisch-katholische Gemeinden sind außerhalb ihrer Gottesdiensträume mit Einschränkungen konfrontiert. Ihre Kirchen können aber weiter bestehen, sofern sie registriert sind, und dort können Gottesdienste ohne staatliche Einmischung durchgeführt werden (einschließlich in der Kathedrale in Algier, dem Sitz des Erzbischofs).

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die große Mehrheit der Christen in Algerien sind Konvertiten aus dem Islam. Sie werden vom Staat und ihren Familien diskriminiert und unter Druck gesetzt. Das Gesetz verbietet es Nichtmuslimen, sich außerhalb von registrierten Kirchen zu Gottesdiensten zu versammeln. Jedoch wurden seit 2006 keine Registrierungen mehr an Kirchen vergeben und mittlerweile wurden alle Kirchengebäude der eigentlich offiziell anerkannten EPA geschlossen. Christliche Konvertiten haben keine andere Möglichkeit, als sich verbotenerweise in Privathäusern zu versammeln.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 14.7
Familienleben 14.5
Gesellschaftliches Leben 12.2
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 16.1
Auftreten von Gewalt 4.8

Privatleben

Christen, die in den sozialen Medien über ihren Glauben sprechen, riskieren dabei, wegen Missionierung und Blasphemie angeklagt zu werden. Sie müssen außerdem mit Vergeltung vonseiten ihres sozialen Umfelds rechnen. Da Anfeindungen gegenüber Christen weit verbreitet sind, achten diese darauf, keine christlichen Symbole wie Kreuze öffentlich zu zeigen. Die Gesetze des Landes gegen Missionierung und Blasphemie beeinträchtigen die Freiheit von Christen, selbst mit Familienangehörigen über ihren Glauben zu sprechen. Gemäß der Verordnung 06-03 ist es eine Straftat, das Evangelium weiterzugeben, was mit einer Freiheitsstrafe von ein bis drei Jahren geahndet werden kann. Da alle evangelisch-protestantischen Kirchen geschlossen wurden, sind viele algerische Christen in die Isolation gezwungen, wodurch ihnen die Möglichkeit zur christlichen Gemeinschaft und Jüngerschaft genommen wird.

Familienleben

Religionsunterricht, der auf islamischen Prinzipien basiert, ist in allen öffentlichen Schulen Pflicht. Wenn eine verheiratete Person den christlichen Glauben annimmt, verlangt der muslimische Ehepartner in vielen Fällen entweder die Scheidung oder wird von Familienangehörigen gezwungen, sich scheiden zu lassen; die Kinder werden dann vom konvertierten Elternteil ferngehalten. Adoption ist nur für Muslime zulässig. Ist der Vater eines Kindes Muslim, gilt das Kind vor dem Staat automatisch ebenfalls als Muslim. Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft werden von der Regierung weiterhin als Muslime angesehen, und daher gilt dasselbe für ihre Kinder. Dies erschwert christlichen Familien ihren Glauben zu praktizieren und an ihre Kinder weiterzugeben.

Gesellschaftliches Leben

Die Überwachung von Personen geschieht systematisch und betrifft besonders Christen. Christen in gemeindlichen Leitungspositionen müssen davon ausgehen, dass ihre Telefone abgehört und ihre E-Mails mitgelesen werden. Sich als Christen außerhalb von Kirchengebäuden zu versammeln, ist illegal, wobei dieses Gesetz in der Kabylei weniger stark durchgesetzt wird. In Gebieten, wo ein konservativerer Islam vorherrscht, müssen Kinder von Christen ihren Glauben geheim halten. Anderenfalls droht ihnen Diskriminierung durch Lehrer und später bei der Bewerbung um einen Studienplatz. Dies trifft in besonderem Maße auf die Kinder von christlichen Konvertiten zu, deren Abkehr vom Islam bekannt geworden ist. In ähnlicher Weise müssen christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund ihren Glauben bei der Jobsuche verbergen, wenn sie Diskriminierung vermeiden wollen.

Leben im Staat

Christen werden aus religiösen Gründen diskriminiert, wenn sie mit den Behörden zu tun haben. Das gilt besonders, wenn sie vom Islam konvertiert sind oder aus einem afrikanischen Land südlich der Sahara stammen. Christliche Konvertiten sind von Misshandlungen durch ihre Familienangehörigen bedroht. Die Angreifer müssen dafür keine Strafe befürchten, da die Regierung häusliche Gewalt als Familienangelegenheit betrachtet. Generell haben Christen keinen Zugang zu höheren Regierungsämtern, gleichgültig ob sie einen muslimischen Hintergrund haben oder nicht. Dies schränkt ihre Teilhabe am öffentlichen Leben weiter ein. Ebenso hindern staatliche Kontrollen und bürokratische Hürden Christen daran, sich in der Gesellschaft zu engagieren

Kirchliches Leben

Kirchengemeinden dürfen keine Aktivitäten unter muslimischen Jugendlichen durchführen. Minderjährigen ist es nicht gestattet, eine Kirche ohne eine erwachsene Begleitperson zu besuchen. Das Drucken von christlichen Materialien ist durch die Verordnung 06-03 verboten. Aufgrund der ständigen Überwachung von Kirchen ist es für ausländische Christen schwierig, ein Visum zu erhalten und algerische Kirchen zu besuchen. Alle protestantischen Kirchen wurden zwangsweise geschlossen oder unter Druck gesetzt, ihre regelmäßigen Gottesdienste einzustellen. Christliche Leiter riskieren Strafverfolgung, und die meisten Christen sind gezwungen, isoliert und im Untergrund Gottesdienst zu feiern.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Während des Berichtszeitraums des Weltverfolgungsindex 2026 setzte die Regierung ihre strenge Überwachung von Kirchenleitern und den Aktivitäten aller algerischen Christen fort. Mindestens einmal wurde eine christliche Versammlung gestürmt. In den letzten drei Jahren wurden mindestens 50 Christen strafrechtlich verfolgt, wobei einige zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt wurden – es liegen noch keine Entscheidungen im Berufungsverfahren vor. Die laufenden Gerichtsverfahren und die Angst vor einer erneuten Verhaftung haben zu einer starken Selbstzensur unter algerischen Christen, insbesondere Protestanten, geführt.

Aufgrund der Schließung von Kirchen in den letzten Jahren sind Tausende algerischer Christen isoliert und haben keine Möglichkeit, mit anderen Christen Gemeinschaft zu haben. Dies hat viele Christen psychisch stark belastet. Während des aktuellen Berichtszeitraums verschärfte die Regierung ihr Vorgehen gegen christliche Internetaktivitäten und schloss mehrere Social-Media-Seiten.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

20

77

2025

19

77

2024

15

79

2023

19

73

2022

22

71

Die Gesamtpunktzahl auf dem Weltverfolgungsindex 2026 ist mit 77 Punkten dieselbe wie im Vorjahr. Der Wert für Gewalt sank von 6,3 auf 4,8 Punkte, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass alle algerischen protestantischen Kirchen bereits in den Vorjahren geschlossen worden waren, sodass keine neuen Schließungen verzeichnet wurden. Der Rückgang des Wertes für Gewalt wurde teilweise durch eine Zunahme des Drucks in anderen Lebensbereichen ausgeglichen.

Insgesamt hat der Druck in Verbindung mit den Kirchenschließungen viele algerische Christen in die Isolation getrieben.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Algerische Frauen werden vom Gesetz und von der Gesellschaft allgemein benachteiligt, was die Situation von Christinnen zusätzlich erschwert – zusammen mit dem Druck, den sie wegen ihres Glaubens erfahren. Sie können im Beruf oder in der Schule belästigt werden, sexuelle Übergriffe erleiden oder Morddrohungen erhalten (besonders, wenn sie sich unverschleiert zeigen). Christliche Konvertitinnen muslimischer Herkunft sind schweren Misshandlungen durch ihre Familien ausgesetzt, einschließlich Schlägen, Drohungen, Hausarrest und möglicherweise Zwangsheirat oder Scheidung. Der Zugang zur Gemeinschaft mit anderen Christen und der Empfang von christlichen Radio- oder TV-Sendern wird für sie von ihren Familien eingeschränkt. Angesichts dieses Drucks und dieser Gewalt entscheiden sich viele christliche Konvertitinnen muslimischer Herkunft dafür, ihren Glauben zu verstecken und als heimliche Christinnen zu leben. Alleinstehende Frauen werden streng überwacht, was ihnen den Besuch von Untergrundkirchen erschwert. Gleichzeitig schränken die weit verbreitete Schließung von Kirchen den Zugang zu Unterricht und Taufe weiter ein und treibt tausende Christinnen in die Isolation.

Männer

Christliche Männer erleben in Algerien häufig Druck auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Sie sind mit Schikanen am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum konfrontiert. Da Männer in algerischen Familien meist die Hauptverdiener sind, kann der Verlust ihres Arbeitsplatzes oft erdrückende Auswirkungen auf ihre gesamte Familie haben und zu Angst und einem Gefühl der Hilflosigkeit führen. Auch werden Männer häufiger inhaftiert, was ebenfalls ihre Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt. Innerhalb der Familien kommt es häufig zu gewaltsamen Übergriffen auf männliche Konvertiten oder zu psychischem Druck durch Drohungen. Doch nicht nur durch ihre Familien erfahren sie Ausgrenzung und Zurückweisung, sondern auch durch ihr soziales Umfeld. Da die meisten Kirchenleiter Männer sind, werden sie darüber hinaus häufig von den Behörden verhört oder festgenommen, wodurch ihre Familien ohne Unterstützung zurückbleiben; einige Pastoren sind aus dem Land geflohen. Männliche Konvertiten werden am härtesten behandelt: Sie werden ausgegrenzt, geschlagen, zum Moscheebesuch gezwungen und von ihren Vätern und Verwandten verstoßen – manchmal sogar dauerhaft aus ihrem Zuhause vertrieben. Viele sind gezwungen, ihren Glauben heimlich zu leben.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Algerische Juden, Ahmadis und schiitische Muslime sind in unterschiedlichem Maße Druck und Gewalt ausgesetzt. Den Ahmadis drohen schwerwiegendere Verletzungen der Religionsfreiheit, einschließlich einer Strafanzeige wegen „Verunglimpfung des Dogmas oder der Gebote des Islam“. Regierungsbeamte begegnen ihnen mit Feindseligkeit und verwehren ihnen das Recht, Vereinigungen zu bilden. Auch Atheisten und alle, die die sunnitisch-islamischen Lehren öffentlich in Frage stellen, müssen mit Anfeindungen rechnen. Auch Antisemitismus ist in der öffentlichen Debatte nach wie vor präsent und belastet algerische Juden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Algerien:

  • Beten Sie, dass die Gesetze, die die Religionsfreiheit einschränken, überarbeitet und gelockert werden. Beten Sie auch um Freispruch, Trost und Glaubensstärke für angeklagte oder inhaftierte Christen.
  • Beten Sie dafür, dass die Christen trotz der geschlossenen Kirchen Wege finden, sich gegenseitig im Glauben zu ermutigen und Gemeinschaft zu haben.
  • Beten Sie für die Christen muslimischer Herkunft um Durchhaltevermögen angesichts der Anfeindungen durch Familie und soziales Umfeld sowie angesichts des Drucks der Behörden.
  • Beten Sie, dass die Familien von christlichen Konvertiten auf deren Glaubenswechsel nicht mit Gewalt reagieren, sondern sich ebenfalls Jesus zuwenden.

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