Länderprofil Usbekistan

Usbekistan

17
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Usbekistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
16
ISO
UZ
Karte Usbekistan
Christen
0,35
Bevölkerung
32.37
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 15.400
Familienleben: 12.900
Gesellschaftliches Leben: 13.900
Leben im Staat: 12.300
Kirchliches Leben: 15.900
Auftreten von Gewalt: 3.100

Länderprofil Usbekistan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 17 / 74 Punkte (WVI 2018: Platz 16 / 73 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Außerhalb staatlich geführter und kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Üblicherweise werden Christen protestantischer Gemeinden als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, die die Regierung loswerden will. Daher sieht man sich veranlasst, diese Gemeinden zu kontrollieren und zu beseitigen.

Islamische Unterdrückung: Wenn sich einheimische Muslime dem christlichen Glauben zuwenden, erleben sie Druck und vereinzelt körperliche Gewalt durch Familie, Freunde und Nachbarschaft. Auf diese Weise sollen sie gezwungen werden, zu ihrem vorherigen Glauben zurückzukehren. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und manchmal am Ende sogar aus ihrem sozialen Umfeld verstoßen. Außerdem predigen Mullahs vor Ort gegen sie.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Verfolgung von Christen in Usbekistan geht hauptsächlich von zwei Akteuren aus: dem Staat und dem muslimischen Umfeld. Die Verfolgung vonseiten des Staates äußert sich darin, dass Polizei, Geheimdienste und örtliche Behörden religiöse Aktivitäten durch verschiedene Methoden überwachen (Häuser verwanzen, Telefonate abhören, Gruppen unterwandern, etc.) und Gottesdienste besuchen. Staatliche Behörden führen regelmäßig Razzien bei nichtregistrierten Gemeinden durch. Die generell islamisch geprägte Gesellschaft macht das Leben für christliche Konvertiten besonders schwierig.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Alle christlichen Gemeinschaften erfahren auf die eine oder andere Art Verfolgung. Russisch-Orthodoxe Kirchen bekommen vonseiten der Regierung am wenigsten Probleme, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakte mit der usbekischen Bevölkerung aufzubauen. Die einheimisch usbekischen Christen mit muslimischem Hintergrund sind am stärksten von Verfolgung betroffen, sowohl durch den Staat als auch durch Familie, Freunde und erweitertes soziales Umfeld. In Kirchen, die nicht registriert sind, werden Christen regelmäßig Polizeirazzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen ausgesetzt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 19. November 2017 stürmten vierzehn Beamte verschiedener staatlicher Behörden das Haus von Stanislav Kim in der Stadt Urganch in der Provinz Choresmien im Nordwesten von Usbekistan. Neun von zehn Erwachsenen, Kim selbst eingeschlossen, wurden verhaftet und zur Polizeistation in Urganch gebracht. Die norwegische Menschenrechtsorganisation „Forum 18" berichtete, dass die Verhafteten für zwei Stunden verhört, bedroht und körperlich misshandelt wurden; außerdem mussten sie schriftliche Aussagen unterschreiben.
  • Am 24. Mai 2018 wurde Nabijon Bolikulov in der Stadt Karschi zusammen mit fünf weiteren baptistischen Christen eingesperrt. Als Begründung für die Strafe wurden angegeben, sie hätten sich ohne staatliche Genehmigung zu Gottesdiensten getroffen. Der Richter sagte zu Bolikulov: „Betet zu Hause. Es ist gegen das Gesetz, sich ohne staatliche Genehmigung zum Gebet zu treffen."
  • Die usbekische Regierung hat eine besondere Abteilung, die religiöse Aktivitäten überwacht und religiöse Literatur zensiert.
  • Für neue Gemeinden ist es schwierig, sich registrieren zu lassen, und die Registrierungsgesetze für bereits bestehende religiöse Gemeinschaften werden immer restriktiver.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 74 Punkten steht Usbekistan auf Platz 17 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Dies bedeutet einen Anstieg um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr. Obwohl seit dem Tod des Präsidenten Islom Karimov die Regierungsverantwortung in anderen Händen liegt, hat sich für die Christen in Usbekistan nicht viel verändert. Die Verfolgung ist auf einem extrem hohen Niveau, besonders in den Bereichen „Privatleben" und „Leben im Staat". Christen leiden weiterhin unter der straffen Kontrolle durch die autoritäre Regierung.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb staatlich geführter und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Protestantische Christen werden oft als „Extremisten“ bezeichnet, da sie ihren Glauben nicht innerhalb staatlich sanktionierter Strukturen ausüben. Sie werden üblicherweise als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, die nur ein Ziel hat, nämlich das derzeitige politische System auszuspionieren und zu zerstören. So gesehen, müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern notfalls auch ausgelöscht werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn sich einheimische muslimische Bürger zu Jesus Christus bekehren, werden sie sehr wahrscheinlich Druck und vereinzelt körperliche Gewalt von ihrer Familie, Freunden und der Gemeinschaft vor Ort erleben. Auf diese Weise sollen sie gezwungen werden, zu ihrem vorherigen Glauben zurückzukehren. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und möglicherweise am Ende sogar aus ihrem sozialen Umfeld verstoßen. Mullahs vor Ort predigen gegen sie und erhöhen somit den Druck. Daher setzen die meisten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben zu verbergen. So werden sie zu sogenannten „heimlichen Christen“.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Das Gesetz verbietet jegliche nichtregistrierte religiöse Aktivität und Weitergabe religiöser Inhalte jeder Form. Religiöse Literatur kann nur von staatlich registrierten religiösen Vereinigungen auf deren dafür registriertem Gelände verwendet werden. Protestantische Gruppen gelten als verdächtig. Sie werden schikaniert und ihnen wird untersagt, christliche Literatur zu verbreiten. Viele Christen wurden unter dem Vorwurf verhaftet, sie hätten versucht, einheimische Muslime zu bekehren. Christen außerhalb der orthodoxen Kirchen werden inhaftiert, mit Geldstrafen belegt und geschlagen – einfach deshalb, weil sie christliches Material besitzen oder an illegalen Versammlungen (zu denen alle nichtorthodoxen Versammlungen gezählt werden) teilgenommen haben. Behörden konfiszieren (oder stehlen) regelmäßig das Eigentum von Christen. Eine kluge Maßnahme, um die Ausbreitung des Evangeliums zu verhindern, ist das Verbot, in usbekischer Sprache zu predigen; nur Predigten in Russisch sind erlaubt. Russisch wird jedoch nur von der älteren Generation gesprochen. So wird es der christlichen Kirche erschwert zu wachsen.
  • Gewöhnliche Bürger (besonders auf örtlicher Ebene): Mobs haben mit Unterstützung von lokalen Beamten immer wieder christliche Feiern und Feiertage gestört.
  • Nur wenige politische Parteien sind in Usbekistan zugelassen. Die Regierungspartei, welche die Regierung von Präsident Mirziyoyev kontrolliert, ist naturgemäß Teil der Verfolgung von Christen, da der Großteil der Verfolgung durch die Regierung gebilligt wird.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Auf örtlicher Ebene gibt es eine Verbindung zwischen dem Druck durch Beamte und dem durch Muslime. Oftmals kennen sich aktive Muslime und Behördenvertreter. Damit stehen Christen muslimischer Herkunft stärker auf örtlicher Ebene unter Druck als auf staatlicher Ebene, wo Beamte für sich in Anspruch nehmen, säkular zu sein.
  • Usbekische Stammesführer ermutigen zu allen genannten Formen der Verfolgung und erfahren dabei Unterstützung durch die Behörden. „Mahalla" genannte Selbstverwaltungsorgane dienen der Regierung als verlängerter Arm, um die staatliche Verfolgung von Christen auszuführen, besonders um missionarische Aktivitäten zu unterbinden.
  • Muslimische Geistliche stehen vor allem Christen außerhalb der Orthodoxen Kirche, ganz besonders aber Christen muslimischer Herkunft, offen feindlich gegenüber.
  • Im Falle des Glaubensübertritts werden Konvertiten auf das Schwerste von ihrem sozialen Umfeld – gewöhnliche Mitbürger wie auch religiöse Leiter – verfolgt.
  • Der Druck, unter den Konvertiten von der Großfamilie, Freunden und Nachbarn gesetzt werden, ist vor allem in ländlichen Gebieten extrem hoch. Drohungen, Schläge, Hausarrest und Verbannung sind die Folge.

4. Hintergrund

Usbekistan wird von einer der härtesten Diktaturen in Zentralasien regiert. Das Regime tut alles Erdenkliche, um an der Macht zu bleiben – alle Formen von Opposition und jede Abweichung von der Norm werden unbarmherzig bestraft. Daran hat sich seit dem Tod von Präsident Islam Karimov am 2. September 2016 nichts geändert. Der christliche Glaube wird als ein fremder und destabilisierender Faktor betrachtet. Zusätzlich erfahren Christen mit muslimischem Hintergrund auch noch Druck von ihrem sozialen und kulturellen Umfeld.

Die Regierung nutzt die Existenz von extremistischen islamischen Gruppen, um ihre totale Kontrolle über die Gesellschaft zu rechtfertigen, indem sie erklärt, dass diese eine konstante Bedrohung für das Land seien – eine grob verzerrte Darstellung: Bisher sind nur sehr wenige bis keine Dschihadisten aus den Kriegsgebieten in Syrien, dem Irak und Afghanistan nach Usbekistan zurückgekehrt.

Der Geheimdienst überwacht sehr genau alle religiösen Aktivitäten im Land, und Informanten wurden in alle religiösen Gruppierungen eingeschleust. Oft werden Treffen von Hausgemeinden zum Ziel von Razzien. Die dort Anwesenden werden dann schikaniert, eingesperrt, verhört oder bekommen Geldstrafen. Alles in den Räumlichkeiten gefundene religiöse Material wird konfisziert und zerstört. Christen werden häufig zu kurzen Gefängnisstrafen von bis zu 15 Tagen durch die Polizei verurteilt. Nur selten bekommen Christen lange Gefängnisstrafen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Sie sind nicht gezwungen, ihren Glauben isoliert zu leben. Daher wird diese Kategorie nicht in die Analyse des WVI aufgenommen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich an die von der Regierung verhängten Einschränkungen angepasst und bleibt deshalb mehr oder weniger ungestört. Ihre Gottesdienste werden gelegentlich überwacht, können aber ungestört abgehalten werden. Ihre Mitglieder können sich treffen, ohne Angst vor einer Verhaftung haben zu müssen. Das Drucken oder Importieren von christlichem Material ist jedoch beschränkt.

Christliche Konvertiten

Christen muslimischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Usbekistan zu leiden. Neben dem Leid, das sie vonseiten des Staates erfahren, werden sie auch durch ihre Familien, Freunde und die Gesellschaft stark unter Druck gesetzt. Die letztgenannten wiegen hierbei für sie am schwersten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten ist diese Gruppe von Christen die am zweitstärksten verfolgte – ganz besonders dann, wenn die Gemeinde nicht registriert ist. Baptisten, Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.4
Familienleben 12.9
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 12.3
Kirchliches Leben 15.9
Auftreten von Gewalt 3.1

Grafik: Verfolgungsmuster Usbekistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen bewegt sich auf einem extrem hohen Niveau und stieg von 13,9 im WVI 2018 auf 14,1 im WVI 2019. Der Druck erhöhte sich in den Bereichen „Familienleben", „Gesellschaftliches Leben" und „Leben im Staat", während er im Bereich „Privatleben" und „Kirchliches Leben" leicht abnahm. Darin zeigt sich der zunehmende Einfluss der Islamischen Unterdrückung als Triebkraft von Verfolgung.
  • Zwei Lebensbereiche weisen hohe Werte auf („Familienleben" und „Leben im Staat"), drei erhalten eine extrem hohe Punktzahl („Gesellschaftliches Leben", „Privatleben" und „Kirchliches Leben" – in aufsteigender Reihenfolge). Die Tatsache, dass sich die höchste Wertung im Bereich „Kirchliches Leben" findet, macht deutlich, wie der Staat durch eine Vielzahl von Restriktionen extrem hohen Druck ausübt.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 3,5 Punkte im Vorjahr auf 3,2 im WVI 2019 gesunken.

Privatleben

Ein Religionswechsel führt zu den heftigsten Reaktionen des sozialen und kulturellen Umfeldes. Er wird als schändlicher Angriff auf die Ehre einer Familie betrachtet. Da auf diese Art und Weise auch soziale Unruhen entstehen, steht dieses Thema auch ganz oben auf der Beobachtungsliste des Staates und seiner Vertreter. Oft gehen Nachbarn zur Polizei, wenn sie erfahren, dass jemand zum christlichen Glauben gekommen ist und ihn zu Hause praktiziert. In manchen Gegenden ist es illegal, eine Bibel zu besitzen, mancherorts ist nur eine einzige Bibel erlaubt. Sich zum christlichen Glauben zu bekennen, etwa indem man christliche Symbole offen zeigt oder über seinen Glauben spricht, ist gefährlich – nicht nur für Konvertiten, die ihren neuen Glauben mit Familienmitgliedern teilen möchten. Auch für ehemalige Mitglieder traditioneller Kirchen, die einer freikirchlichen Gemeinde beigetreten sind, ist dies riskant, wenngleich in geringerem Maße. Christen muslimischer Herkunft werden häufig von der eigenen Familie unter Hausarrest gestellt; auf diese Art wird Druck ausgeübt, um die Christen zur Aufgabe ihres neuen Glaubens zu zwingen.

Familienleben

Christen muslimischer Herkunft bekommen immer wieder Probleme, wollen sie bei den örtlichen Behörden Geburten, Todesfälle oder Hochzeiten registrieren; die zuständigen Beamten sind oft Muslime aus dem örtlichen Umfeld. Lokale Behörden haben Christen eine Genehmigung für eine anstehende Beerdigung verweigert. Der Druck auf christliche Konvertiten, sich nicht taufen zu lassen, ist immens, da dies oft als endgültiges Zeichen dafür betrachtet wird, dass jemand den Islam verlassen hat. In usbekischen Familien können Verwandte wie Großväter oder -mütter ein Kind zwingen, zur Moschee zu gehen, auch wenn die Eltern Christen sind. Durch die häufige Propaganda gegen „Sekten“ in den Medien, in Schulen und Hochschulen, sind junge Leute oft Kindern von evangelikalen Christen feindlich gesinnt. Es sind Fälle bekannt, in denen ein Ehepartner ins Ausland fliehen musste, während sich der Ehemann oder die Ehefrau in Haft befand. Unter diesen Umständen sind die Familien sehr lange voneinander getrennt. Es kam auch vor, dass der Ehepartner zur Scheidung gedrängt wurde.

Gesellschaftliches Leben

Die Urheber von Bedrohungen und Schikanen gegen Christen sind sehr unterschiedlich. Zuerst kommt der Druck vonseiten der Verwandtschaft und der Gesellschaft; aber auch die örtliche Gemeinschaft, und Behörden können zu einer Bedrohung werden, besonders für diejenigen Christen, die aktiv ihren Glauben weitergeben. Zwei Gruppen sind für die Überwachung von Christen verantwortlich: die Verwandtschaft beziehungsweise das Umfeld als eine Art sozialer Kontrollinstanz, aber auch die Behörden verschiedener Ebenen. Wenn ein Arbeitgeber herausfindet, dass sein Angestellter ein aktiver Christ ist, kann er diesem sofort kündigen. Vom usbekischen Geheimdienst NSS ist bekannt, dass er christliche Ladenbesitzer erpresst. Es gibt eine lange Liste von Anschuldigungen, für die Christen Geldstrafen bekommen können – und auch häufig bekommen: zum Beispiel für illegale Versammlungen, für den Besitz christlicher Literatur oder dafür, dass sie christliche Lieder auf ihrem Handy gespeichert haben. Menschen, die als Christen bekannt sind, müssen sich immer wieder auf der Polizeistation am Ort melden. Damit will man sie einschüchtern.

Leben im Staat

Die Verfassung und einige Gesetze garantieren Religionsfreiheit, allerdings mit erheblichen Einschränkungen. Der Staat überwacht besonders aktive Pastoren. Wenn eine Razzia bei Versammlungen oder in Privathäusern durchgeführt wird, werden alle Anwesenden verhört – oft auf sehr harte Art und Weise. Um Usbekistan zu verlassen, brauchen Bürger ein Ausreisevisum; Christen, deren Glauben bekannt ist, werden solche Visa bisweilen verweigert. Derzeit können diese auch keine Anstellung beim Staat bekommen. Für alle Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, kann das öffentliche Vertreten christlicher Ansichten zu Androhungen von Repressalien sowohl von der Regierung als auch von der örtlichen Bevölkerung führen. Die staatlich kontrollierten Medien produzieren regelmäßig Berichte, in denen evangelikale Christen diffamiert werden. Im Norden des Landes gab es im aktuellen Berichtszeitraum Reklametafeln, Handzettel und andere öffentliche Informationen, die auf die Gefahren von Sekten und Missionaren hinwiesen. In Usbekistan gibt es keine fairen Gerichtsverfahren. Die Justiz ist nicht unabhängig und die internationale Beobachtung von Gerichtsprozessen, in die Christen verwickelt sind, wird durch viele politische Hürden erschwert.

Kirchliches Leben

Christliche Versammlungen werden oft behindert oder es werden Razzien durchgeführt. Es ist fast unmöglich, eine neue Gemeinde registrieren zu lassen – aus den letzten 15 Jahren ist kein einziges Beispiel bekannt. Alle religiösen Aktivitäten werden genauestens überwacht. Ebenso ist es fast unmöglich, eine Genehmigung für den Neubau von Gemeinderäumen zu bekommen. Selbst die Instandhaltung von bereits existierenden Gebäuden wird sehr erschwert (ausgenommen im Falle russisch-orthodoxer Kirchen). Die wenigen registrierten Gemeinden müssen ihre Aktivitäten innerhalb ihrer Gebäude organisieren; Aktivitäten außerhalb sind verboten. Viele Gemeinden vermeiden das Zeigen christlicher Symbole, um Konflikte zu vermeiden. Gemäß dem Religionsgesetz müssen alle religiösen Materialien zur Genehmigung bei der Regierung vorgelegt werden. In der Praxis bedeutet das, jeglicher Import, Druck oder die Verteilung solcher Materialien wird blockiert. Karitative Arbeit ist kaum möglich, nur die Russisch-Orthodoxe Kirche darf entsprechende Projekte organisieren. Ein Gesetz des Ministerkabinetts aus dem Jahr 2003 formuliert neue Registrierungsauflagen für Nichtregierungsorganisationen, mit denen die Aktivitäten von christlichen Körperschaften eingeschränkt werden. Das Religionsgesetz aus dem Jahr 1998 verbietet „Aktionen, die auf den Glaubenswechsel von Anhängern einer Religion zu einer anderen ausgerichtet sind (Konversion), ebenso jegliche andere Form der Missionierung“.

Auftreten von Gewalt

Die Wertung für das „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen bewegt sich auf relativ hohem Niveau (3,1 Punkte). Im Berichtszeitraum zum WVI 2019 wurden 39 Christen festgenommen, ein Christ erhielt eine kurze Haftstrafe. Mehr als 25 Christen wurde physische Gewalt angetan, mehr als zehn Immobilien (Häuser etc.) von Christen wurden beschädigt. Mehr als sieben Christen mussten sich in geheimen Wohnungen verstecken – die meisten von ihnen waren Christen mit muslimischem Hintergrund.

Beispiele dazu im Abschnitt „Zusammenfassung".

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Das tägliche Leben des usbekischen Volks ist stark vom Islam geprägt, weshalb Frauen gegenüber Männern benachteiligt werden. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, wenn sie verheiratet sind, ihren Männern völlig unterwerfen. Sowohl Christinnen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen, sind daher besonders angreifbar für Verfolgung. Christliche Frauen und Mädchen erleiden verbalen und physischen Missbrauch, Drohungen, Schläge, Verhaftung, Verhöre, Konfiszierungen, Geldstrafen, Gefängnisstrafen, Verlust des Arbeitsplatzes, Diskriminierungen, Hausarrest, Zwangsheirat, häusliche Gewalt, Vergewaltigungen, öffentliches Bloßstellen, Scheidung und den Verlust von Besitz.

Männer

Gemeindeleiter sind normalerweise Männer; sie werden gewöhnlicherweise als Familienoberhaupt betrachtet und sind in den meisten Fällen die Hauptverdiener. Wenn ein Christ Verfolgung erfährt, etwa durch eine Geld- oder Gefängnisstrafe, dann leidet seine ganze Familie mit; der Verlust der Arbeitsstelle hat Auswirkungen auf die ganze Familie. Wenn ein männlicher Gemeindeleiter Verfolgung erleidet, kann dies die gesamte Gemeinde in Angst versetzen. Christliche Männer und Jungen erleiden verbalen und physischen Missbrauch, Drohungen, Schläge, Verhaftung, Verhöre, Konfiszierungen, Geldstrafen, Gefängnisstrafen, Verlust des Arbeitsplatzes, Diskriminierungen, Hausarrest, öffentliches Bloßstellen; sie erhalten Anwaltsschreiben, werden verstoßen, werden zur Scheidung gezwungen oder verlieren ihren Besitz.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Jede Glaubenspraxis oder Ausübung der Religionsfreiheit ohne staatliche Erlaubnis ist illegal. Darunter fallen auch Gespräche über Glaubensinhalte, Versammlungen aus religiösen Gründen oder das Studium heiliger Schriften im privaten Kontext. Selbsternannte „Ordnungshüter" stürmen Versammlungen aller Glaubensrichtungen. Die Angreifer werden dafür nicht von den Behörden belangt. Teilnehmer an solchen Versammlungen werden vielfach bedroht, inhaftiert, gewalttätigen Übergriffen und körperlicher Folter ausgesetzt, mit Geldbußen belegt und ihrer religiösen Schriften beraubt; Bibeln und selbst islamische Texte werden konfisziert und zerstört. Behörden belegen religiöse Literatur mit strenger Zensur. Muslime, die sich zum Koranstudium oder dem Erlernen von Gebeten im privaten Kontext treffen, müssen im Fall ihrer Entdeckung langjährige Haftstrafen fürchten. Strenge Einschränkungen gelten auch für die Einhaltung des Fastenmonats Ramadan oder die Hadsch-Wallfahrt nach Mekka. (Quelle: Forum 18, Religious freedom survey, September 2017). Staatliche Überwachung und Unterdrückung treffen unterschiedlichste religiöse Gruppierungen, ob Muslime oder Christen, Zeugen Jehovas, Juden oder Bahais: Sie alle leiden in hohem Maß darunter.

Beispiele von Verfolgung anderer religiöser Gruppen:

  • Die Menschenrechtsorganisation „Forum 18" berichtet über ein Gerichtsverfahren, das am 13. April 2018 stattfand. Darin wurde ein Muslim beschuldigt, seinem Frisör ein – legal publiziertes – islamisches Buch weitergegeben zu haben. Das Gericht der Farghana-Region verurteilte den muslimischen Gelehrten zu drei Jahren Haft.
  • Am 23. Juli 2018 berichtete ebenfalls Forum 18 von einem Prozess gegen die beiden Zeugen Jehovas, Yevgeni und Natalya Kupayev. Gegen sie wurde ein Strafverfahren eröffnet, weil sie ihre Glaubensüberzeugungen verbreitet haben sollen.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Nach dem Präsidentenwechsel im Jahr 2016 ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Regierung von Präsident Mirziyaev in naher Zukunft in Frage gestellt werden wird; stattdessen wird das Schlüsselwort vielmehr „Stabilität" lauten.

Der Ausblick für Christen

Diktatorische Paranoia: Die gegenwärtige Regierung übt ein großes Maß an Kontrolle über das Land aus. Beamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Usbekistan. Sie haben unterschiedlichste rechtliche Restriktionen verhängt, überwachen alle religiösen Aktivitäten, stürmen Treffen und blockieren die Veröffentlichung religiöser Literatur. Die Chancen sind sehr gering, dass sich diese Situation ändert.

Islamische Unterdrückung: Der Islam ist zwar keine Staatsreligion, er ist aber die traditionelle Religion eines Großteils der Bevölkerung in Usbekistan. Islamisch motivierter Druck auf christliche Konvertiten kommt hier nicht von islamisch-extremistischen Gruppierungen, sondern von der eigenen Familie, Freunden und dem sozialem Umfeld; sie alle üben weitreichenden Einfluss aus. Dass sich dies ändert, ist so gut wie unmöglich.

Schlussfolgerung

Bedingt durch die hohe Stabilität der beiden wichtigsten Triebkräfte der Verfolgung in Usbekistan, wird sich die Kirche im Land darauf vorbereiten müssen, weiterhin unter einem beachtlichen Maß an Überwachung und Druck zu leben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan

  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die aufgrund ihres neuen Glaubens häufig isoliert leben und Angst und Druck ausgesetzt sind. Dahinter steckt das Wissen: Wenn ihre Familie von ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben erfährt, kann das Spott oder Verfolgung bedeuten.
  • Usbekistan ist eine der härtesten Diktaturen in Zentralasien. Die usbekische Regierung wird alles dafür tun, um an der Macht zu bleiben. Alle Formen der Opposition und Abweichungen von der Norm werden angegriffen, dazu zählt auch der christliche Glaube. Beten Sie für Veränderung und für Akzeptanz der Christen in Usbekistan.
  • Beten Sie um Standhaftigkeit und Glaubensmut für Baptisten, Evangelikale und Christen aus Pfingstkirchen. Ihnen allen drohen Razzien, Geld- oder Gefängnisstrafen. Außerhalb staatlich geführter und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt.

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