Länderprofil Usbekistan

Usbekistan

21
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Usbekistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
21
Karte Usbekistan
Christen
0,35
Bevölkerung
33.65
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.900
Familienleben: 12.700
Gesellschaftliches Leben: 14.100
Leben im Staat: 11.800
Kirchliches Leben: 15.600
Auftreten von Gewalt: 1.700

Länderprofil Usbekistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 21 / 71 Punkte (WVI 2021: Platz 21 / 71 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Alle Christen erfahren auf die eine oder andere Art Druck und Gewalt aufgrund ihres Glaubens. Russisch-Orthodoxe Kirchen bekommen vonseiten der Regierung am wenigsten Probleme, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakte zur usbekischen Bevölkerung aufzubauen. Gerade die einheimischen Christen mit muslimischem Hintergrund erleben am häufigsten Verletzungen durch den Staat, die Familie und die Gesellschaft. Wenn Kirchen nicht registriert sind, sind Christen Polizeirazzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen ausgesetzt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Usbekistan wurde 1991 unabhängig. Alle Macht liegt in den Händen von Präsident Mirziyoyev, der seit 2016 regiert. Oppositionsbewegungen und unabhängige Medien sind verboten.

Die US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCRIF) hat Usbekistan im Zeitraum 2006—2017 als „besonders besorgniserregendes Land“ eingestuft. Danach wurde das Land angesichts der Fortschritte im Bereich der Religionsfreiheit in die Liste der „Länder unter besonderer Beobachtung“ aufgenommen. Während bei den registrierten Kirchen leichte Verbesserungen zu verzeichnen sind, hat sich die Situation für andere Gruppen, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, nicht geändert. Christen sind Ziel von Razzien, Verhaftungen und Unterdrückung. Einige Nichtregierungsorganisationen behaupten, dass die Regierung weiterhin Menschen foltert, die wegen des Verdachts auf religiösen Extremismus oder der Teilnahme an islamischen Aktivitäten im Untergrund verhaftet und inhaftiert wurden.

Die Hauptreligion in Usbekistan ist der Islam, überwiegend der sunnitische. Dennoch wäre es falsch, Usbekistan als ein muslimisches Land zu bezeichnen. Siebzig Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben einen tiefen Einfluss hinterlassen. Die säkulare Regierung hält den Islam unter strenger Kontrolle, und die usbekischen Bürger folgen eher der islamisch geprägten Kultur, als dass sie sich streng an die islamischen Lehren halten. Die kleine christliche Minderheit ist aufgrund der großen Spaltung zwischen den verschiedenen Konfessionen geschwächt.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

347.000

1,0

Muslime

32.356.000

96,2

Hindus

810

0,0

Buddhisten

46.200

0,1

Anhänger ethnischer Religionen

62.700

0,2

Juden

3900

0,0

Bahai

920

0,0

Atheisten

189.000

0,6

Agnostiker

640.000

1,9

Andere

1.640

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Der Druck, der von Regierungsbeamten ausgeht, erreicht überall im Land dasselbe Ausmaß. Dagegen ist der Druck, den Familie und die Gemeinschaft auf christliche Konvertiten ausüben, außerhalb der städtischen Gebiete stärker, insbesondere im Ferghanatal.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der staatlich kontrollierten Einrichtungen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Protestantische Christen werden häufig als „Extremisten“ gebrandmarkt, und es wird angenommen, dass ihr Ziel darin bestehe, das derzeitige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Sicht müssen die protestantischen Christen nicht nur kontrolliert, sondern notfalls auch ausgelöscht werden.

Islamische Unterdrückung vermischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Wenn usbekische (muslimische) Bürger sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, müssen sie damit rechnen, dass sie von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden und gelegentlich auch körperliche Gewalt erfahren. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche christliche Konvertiten werden von ihren Familien eingesperrt, geschlagen und sogar aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Lokale Mullahs (islamische Gelehrte und Prediger) wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und erhöhen so den Druck auf sie. Daher setzen die meisten christlichen Konvertiten alles daran, ihren Glauben zu verbergen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hält sich an die von der Regierung gesetzten Grenzen und wird daher mehr oder weniger in Ruhe gelassen. Ihre Gottesdienste werden gelegentlich überwacht, können aber ungehindert abgehalten werden. Ihre Mitglieder können sich treffen, ohne Angst vor einer Verhaftung haben zu müssen. Das Drucken oder Importieren von christlichem Material ist jedoch beschränkt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund erleiden schwerwiegende Verletzungen ihrer Rechte seitens des Staates, und sie erfahren Druck von Familie und ihrem sozialen Umfeld.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Christen aus protestantischen Freikirchen werden am zweitstärksten verfolgt (nach den christlichen Konvertiten) – ganz besonders dann, wenn ihre Gemeinden nicht registriert sind. Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen erleben Razzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.9
Familienleben 12.7
Gesellschaftliches Leben 14.1
Leben im Staat 11.8
Kirchliches Leben 15.6
Auftreten von Gewalt 1.7

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Für christliche Konvertiten ist es bereits sehr riskant, öffentlich in ihrem sozialen Umfeld über ihren christlichen Glauben zu sprechen – das schließt auch Familienmitglieder mit ein. Der Staat betrachtet solche Gespräche als Evangelisation, die mit Verhaftung und Gefängnis geahndet wird. Wird der Besitz von christlichem Material entdeckt, kann das zur Verbannung der Familie, zu Schikane durch das soziale Umfeld, zu Gewalt und zur Verhaftung durch die Behörden führen.

Familienleben

Die meisten Usbeken sind Muslime. Infolgedessen setzt die muslimische Gesellschaft (Familie, Freunde, soziales Umfeld) die Kinder von christlichen Konvertiten unter Druck, damit sie am islamischen Unterricht teilnehmen. Auf der anderen Seite wird den Schülern und Studenten an Schulen und Universitäten antireligiöse Propaganda eingetrichtert. Als Fremdkörper betrachtet und sowohl von der Großfamilie als auch vom Staat als feindselig behandelt, ist der einzige Ort, an dem christliche Konvertiten ihren Kindern christlichen Unterricht erteilen können, ihr Zuhause, da jegliche Arbeit unter Kindern und Jugendlichen durch die Kirchen illegal ist.

Gesellschaftliches Leben

Christen erfahren beständigen Druck sowohl von der islamischen Gesellschaft als auch vom säkularen Staat. Christliche Konvertiten werden von der Familie, dem sozialen Umfeld und der Polizei überwacht, die sie regelmäßig auf der Straße anhält und durchsucht, um sie einzuschüchtern. Protestantische Gruppen werden aktiv bei der Regierung angezeigt und sind häufig Opfer von Polizeirazzien, Geldstrafen, Verhaftungen und Gewalt.

Leben im Staat

Das Gesetz verpflichtet religiöse Gruppen, sich bei der Regierung zu registrieren und erklärt alle religiösen Aktivitäten von nichtregistrierten Gruppen für illegal. Das Gesetz schränkt außerdem die öffentliche Redefreiheit sowie Evangelisation ein, zensiert religiöse Literatur und begrenzt den privaten Besitz religiösen Materials. Razzien in Wohnungen von Christen führen zu einer Kombination aus Bußgeldern, Zwangsarbeit und Gefängnisstrafen.

Die Behörden können bei ihrem Vorgehen gegen Christen meistens mit völliger Straffreiheit rechnen. Wird Christen und christlichen Konvertiten von ihrem muslimischen Umfeld Schaden zugefügt, weil sie der Evangelisation beschuldigt werden, bleiben Täter mit großer Wahrscheinlichkeit ungestraft.

Kirchliches Leben

Religiöse Arbeit unter Kindern und Jugendlichen (einschließlich Sonntagsschulen) ist streng verboten. Das Strafgesetzbuch bestraft Missionierung mit bis zu drei Jahren Gefängnis. Es ist daher gefährlich für Gemeinden, christliche Konvertiten offen zu integrieren.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Dezember 2020 wurden die Wohnungen von Tatyana Akhmadiyeva und ihrer Nachbarn durchsucht und religiöses Material beschlagnahmt. Tatyana wurde verhaftet. Später wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt, die etwa einem halben Monatslohn entspricht.
  • In einem Dorf wurde das Haus einer christlichen Familie von der muslimischen Gemeinschaft angezündet. Glücklicherweise befand sich niemand im Haus, als das Feuer gelegt wurde, aber das Haus brannte vollständig aus und fast das gesamte Eigentum wurde zerstört.
  • Wie lokale Partner von Open Doors berichten, gab es im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2022 mindestens 64 Fälle, in denen christliche Konvertiten verschiedenen Arten von Druck und Verfolgung ausgesetzt waren. Dazu gehörten körperliche und seelische Misshandlung, ungerechte Behandlung und Demütigung in ihren Familien, dem sozialen Umfeld, Beruf und Studium. Bei den meisten gemeldeten Fällen handelte es sich um Verfolgung im Familienleben, wie Schläge, Drohungen und Isolation.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

21

70,82

2021

21

71,30

2020

18

72,97

2019

17

73,57

2018

16

73,20

Die Gesamtpunktzahl ist im Vergleich zum Vorjahr 2021 gleich geblieben. Die Wertung ist in allen Lebensbereichen leicht gesunken, mit Ausnahme des gesellschaftlichen Lebens. Das sehr hohe Maß an Gewalt in diesem Bereich gleicht den leichten Rückgang in den anderen Lebensbereichen aus. Die Lage der Christen in Usbekistan ist nach wie vor ernst.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die traditionelle islamische Kultur und die patriarchalischen Normen sehen Frauen niedriger an als Männer und geben ihnen innerhalb der Familie eine untergeordnete Stellung. Frauen können ihre Religion nicht frei wählen und erfahren heftigen Widerstand bei einem Glaubenswechsel. Sie riskieren Hausarrest, verbale, physische, psychische und sexuelle Gewalt, und ihnen wird der Zugang zu sozialen Medien verwehrt. Entführung und Zwangsheirat sind weit verbreitet, und sexuelle Gewalt in der Ehe wird oft nicht als solche gesehen, sondern ist normalisiert. Wenn sie bereits verheiratet sind, besteht für christliche Konvertitinnen die Gefahr einer Zwangsscheidung und der Enteignung. Verfolger haben es auf Frauen abgesehen, um sowohl ihnen als auch ihren Ehemännern und Familien Schaden zuzufügen.

Männer: Gemeindeleiter, die meist Männer sind, sind häufig Zielscheibe von Rechtsverletzungen. Sie können mit Geldstrafen oder der Verweigerung von Ausreisevisa belegt, inhaftiert oder unter Hausarrest gestellt werden. Dies ist eine gezielte Taktik, um ihre gesamten Gemeinden einzuschüchtern und in Angst zu versetzen. Vor allem die Leiter nicht registrierter Kirchen werden beleidigt, geschlagen und gedemütigt. Christliche Männer sind ständig mit Ungleichbehandlung konfrontiert. Sie werden nicht befördert, verlieren ihren Arbeitsplatz und werden vom Staat überwacht. Lokale muslimische Gemeinschaften behindern christliche Geschäfte. Der obligatorische Militärdienst setzt christliche Männer Schikanen aus. Christliche Konvertiten werden verbal, physisch und psychisch misshandelt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Alle religiösen Gruppen, einschließlich Muslime, Zeugen Jehovas, Juden und Bahai, leiden unter einem sehr hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung. Der „Rat für religiöse Angelegenheiten“ (CRA) spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan:

  • Beten Sie für Christen, die in der Gesellschaft aufgrund ihres Glaubens diskriminiert werden und beispielsweise ihre Arbeitsplätze verlieren, dass Jesus sie leitet, ihnen Freude, Mut und neue Perspektiven gibt.
  • Beten Sie insbesondere für Christen muslimischer Herkunft, dass sie Gottes Schutz und Frieden erfahren und Jesus Christus auch ihren Familienmitgliedern begegnet.
  • Beten Sie für die Regierung von Usbekistan, dass sie mehr Religionsfreiheit zulässt. Bitten Sie Jesus Christus darum, den Regierenden des Landes zu begegnen, und dass sie sich für ihn öffnen.
  • Beten Sie für den Dienst von Open Doors in Zentralasien, dass Christen in der ganzen Region durch die Hilfe und Unterstützung, die sie erhalten, ermutigt und gestärkt werden.