Länderprofil Usbekistan

Usbekistan

21
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Usbekistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
18
ISO
UZ
Karte Usbekistan
Christen
0,35
Bevölkerung
33.24
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 15.100
Familienleben: 12.900
Gesellschaftliches Leben: 14.100
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 15.700
Auftreten von Gewalt: 1.300

Länderprofil Usbekistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 21 / 71 Punkte (WVI 2020: Platz 18 / 73 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Christliche Gemeinschaften aller Hintergründe erfahren auf die eine oder andere Art Druck und Gewalt wegen ihres Glaubens. Russisch-Orthodoxe Kirchengemeinden bekommen vonseiten der Regierung am wenigsten Probleme, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakte zur usbekischen Bevölkerung aufzubauen. Einheimische Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft. In nichtregistrierten Kirchengemeinden sind Christen regelmäßig Polizeirazzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen ausgesetzt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

71

21

2020

73

18

2019

74

17

2018

73

16

2017

71

16

Die Punktzahl liegt zwei Punkte niedriger als im Weltverfolgungsindex 2020. Dies ist hauptsächlich auf einen Rückgang des Wertes für das Auftreten von Gewalt von 3,0 im Jahr 2020 auf 1,3 für 2021 zurückzuführen. Die Situation für Christen in Usbekistan bleibt angespannt. Extrem hohes Niveau erreicht der Druck in den Bereichen Privatleben, gesellschaftliches Leben und kirchliches Leben. Es ist weiterhin nicht abzusehen, ob es unter Präsident Mirziyoyev eine Kursänderung in der Politik geben wird, die sich positiv auf Christen auswirken könnte.

2. Trends und Entwicklungen

1) Usbekistan bleibt ein autoritäres Regime, aber Verbesserungen sind zu erkennen

Trotz des Machtwechsels durch den Tod von Präsident Islam Karimov am 2. September 2016 hat sich für die Christen in Usbekistan nur wenig geändert. Es ist immer noch schwierig für die Kirchen, eine offizielle Registrierung zu erhalten. Nichtregistrierte Kirchengemeinden können ihren Glauben nicht praktizieren, ohne Gefahr zu laufen, strafrechtlich verfolgt zu werden. Die Zahl der Durchsuchungen von Kirchengebäuden ist seit 2018 rückläufig.

2) Die Außenpolitik Usbekistans verändert sich

Nach dem Tod von Präsident Karimov hat Usbekistan viel investiert, um die Beziehungen zu den Nachbarländern zu verbessern. Präsident Mirziyoyev hat praktisch allen anderen zentralasiatischen Staaten sowie Russland Besuche abgestattet. Da zwischenzeitlich immer wieder Grenzkonflikte mit Kasachstan und Kirgisistan aufflackerten, sind die Erfolge dieser Bemühungen bislang allerdings überschaubar. Auch im Blick auf westliche Länder wie zum Beispiel die USA hat Usbekistan große Anstrengungen unternommen, um seine internationalen Beziehungen zu verbessern. So wurde unter anderem der Druck auf die registrierten Kirchen verringert. Dies führte wiederum zu positiven Reaktionen sowohl von Seiten des US-Außenministeriums als auch der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF).

3. Religiöse Situation im Land

Obwohl die Hauptreligion in Usbekistan der Islam ist – überwiegend sunnitischer Prägung – wäre es falsch, Usbekistan als ein muslimisches Land zu bezeichnen. 70 Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben einen tiefen Einfluss hinterlassen. Die Regierung, gewissermaßen die Erben des atheistischen Sowjetregimes, behält einen strikt säkularen Kurs bei und versucht, den Islam unter strenger Kontrolle zu halten. Die Bevölkerung folgt unterdessen eher islamischen Traditionen anstelle reinen muslimischen Lehren.

Die Bevölkerung Usbekistans verehrt immer noch ihre glorreiche islamische Vergangenheit, als die Universitäten und Koranschulen in Samarkand und Buchara für ihre wissenschaftliche Forschung bekannt waren und Menschen aus der ganzen Welt anzogen. Die hier beheimateten drei muslimischen Königreiche (Khanate) kontrollierten einst riesige Bereiche Zentralasiens (ein viel größeres geographisches Gebiet als das heutige Usbekistan).

Der Anteil der Agnostiker und Atheisten in der Bevölkerung liegt bei 2,6 Prozent ist auf die 70-jährige atheistische Propaganda der sowjetischen Behörden zurückzuführen.

Evangelistische Aktionen protestantischer Christen werden in Usbekistan nicht gern gesehen und ziehen sofort die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich. Auch Muslime sind gegen solche Aktivitäten. Christen muslimischer Herkunft sind starkem Widerstand von Seiten ihrer Familien, Freunde und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Der stärkste Druck herrscht in der Region Usbekistans, die für ihre sehr konservative muslimische Bevölkerung bekannt ist: das Ferghanatal.

Durch Spaltungen und kaum vorhandene Zusammenarbeit der verschiedenen Denominationen ist die kleine christliche Minderheit schwach. Es gibt hier nur wenige Ausnahmen und dies spielt der Regierung in die Hände.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind nicht erlaubt. Protestantische Christen werden oft als „Extremisten“ bezeichnet, da sie ihren Glauben nicht innerhalb staatlich sanktionierter Strukturen ausüben. Sie werden üblicherweise als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, die nur ein Ziel hat, nämlich das derzeitige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Perspektive heraus müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern, wenn erforderlich, auch ausgelöscht werden. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Überwachungsmaßnahmen verschärft, um „Extremisten“ zu entdecken. Davon sind auch Christen und Kirchengemeinden betroffen.

Islamische Unterdrückung

Wenn einheimische muslimische Bürger sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft in der Regel starken Druck und vereinzelt auch körperliche Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und erhöhen so den Druck auf sie. Daher setzen die meisten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben zu verbergen. So werden sie zu sogenannten „heimlichen Christen“.

5. Verfolger

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Das Gesetz verbietet jegliche nichtregistrierte religiöse Aktivität und Weitergabe religiöser Inhalte jeder Form. Religiöse Literatur kann nur von staatlich registrierten religiösen Vereinigungen auf deren dafür registriertem Gelände verwendet werden. Protestantische Gruppen gelten als verdächtig. Sie werden schikaniert und ihnen wird untersagt, christliche Literatur zu verbreiten. Viele Christen wurden unter dem Vorwurf verhaftet, sie hätten versucht, einheimische Muslime zu bekehren. Christen außerhalb der orthodoxen Kirchen werden inhaftiert, mit Geldstrafen belegt und geschlagen – einfach deshalb, weil sie christliches Material besitzen oder an illegalen Versammlungen (zu denen alle nichtorthodoxen Versammlungen gezählt werden) teilgenommen haben. Behörden konfiszieren (oder stehlen) regelmäßig das Eigentum von Christen. Eine Maßnahme, um die Ausbreitung des Evangeliums zu verhindern, ist das Verbot, in usbekischer Sprache zu predigen; nur Predigten in Russisch sind erlaubt. Russisch wird jedoch nur von der älteren Generation gesprochen. So wird es der christlichen Kirche erschwert zu wachsen.
  • Politische Parteien: Eine kleine Anzahl politischer Parteien ist erlaubt, doch die Regierungspartei, von Präsident Mirziyoyev zählt naturgemäß auch zu den Verfolgern von Christen. Der Großteil des Drucks und der Gewalt, die sich gegen Christen richtet, wird durch die Regierung gebilligt.
  • Gewöhnliche Bürger: Besonders auf lokaler Ebene haben Mobs mit Unterstützung der Beamten vor Ort immer wieder christliche Feiern und Feiertage gestört.

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Vor allem in ländlichen Gebieten stehen christliche Konvertiten unter extrem hohem Druck vonseiten der Großfamilie, Freunden und Nachbarn. Dazu gehören Drohungen, Schläge, Hausarrest und Ausgrenzung.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Unterstützt durch lokale Behörden haben die Leiter der „Mahalla“ (ortsteilbasierte Nachbarschaftswachen) die Genehmigung der Regierung erhalten, missionarische Aktivitäten von Christen zu unterbinden.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die meisten muslimischen Geistlichen äußern offen ihre Feindseligkeit gegenüber Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören und besonders gegen Christen, die sich vom Islam abgewandt haben.
  • Gewöhnliche Bürger: Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft werden von ihrem sozialen Umfeld äußerst schlecht behandelt.
  • Regierungsbeamte: Auf kommunaler Ebene gibt es eine Verbindung zwischen dem Druck durch lokale Beamte und dem durch Muslime. Oft kennen sich aktive Muslime und örtliche Behördenvertreter. Damit stehen Christen muslimischer Herkunft stärker auf örtlicher Ebene unter Druck als auf staatlicher Ebene, wo Beamte für sich in Anspruch nehmen, säkular zu sein.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Verfolgung, die von Regierungsbeamten ausgeht, liegt überall im Land auf dem selben Niveau. Dagegen ist der Druck, den Familie, Freunde und Nachbarn auf Christen muslimischer Herkunft ausüben, außerhalb der städtischen Gebiete stärker, insbesondere im Ferghanatal.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Usbekistan werden nicht in die Isolation gedrängt. Daher wird diese Kategorie nicht in die Analyse des Weltverfolgungsindex aufgenommen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich an die Einschränkungen vonseiten der Regierung angepasst und bleibt deshalb mehr oder weniger ungestört. Ihre Gottesdienste werden gelegentlich überwacht, können aber ungehindert abgehalten werden. Ihre Mitglieder können sich treffen, ohne Angst vor einer Verhaftung haben zu müssen. Das Drucken oder Importieren von christlichem Material ist jedoch eingeschränkt.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen muslimischer Herkunft tragen in Usbekistan die Hauptlast der Verfolgung. Neben dem Leid, das sie vonseiten des Staates erfahren, werden sie auch durch ihre Familien, Freunde und das soziale Umfeld stark unter Druck gesetzt. Die letztgenannten wiegen hierbei für sie am schwersten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Konvertiten ist diese Gruppe von Christen die am zweitstärksten verfolgte – ganz besonders dann, wenn die Gemeinde nicht registriert ist. Baptisten, Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.1
Familienleben 12.9
Gesellschaftliches Leben 14.1
Leben im Staat 12.2
Kirchliches Leben 15.7
Auftreten von Gewalt 1.3

Grafik: Verfolgungsmuster Usbekistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (14,0 Punkte) und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass sich im letzten Jahr an der Situation in Usbekistan nur sehr wenig verändert hat.
  • Drei Lebensbereiche weisen sehr hohe Werte auf (gesellschaftliches Leben, privates Leben und kirchliches Leben – in aufsteigender Reihenfolge). Die Tatsache, dass sich die höchste Wertung immer noch im Bereich kirchliches Leben findet, macht deutlich, wie der Staat auch weiterhin durch eine Vielzahl von Restriktionen extrem hohen Druck ausübt.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist von 3,0 Punkten im Vorjahr auf 1,3 im Weltverfolgungsindex 2021 gesunken.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Es ist bereits äußerst riskant für einen Christen muslimischer Herkunft, seinen Familienmitgliedern von seinem neu gewonnenen Glauben zu erzählen. Dies im Beisein von Nichtfamilienmitgliedern zu tun, ist praktisch unmöglich. Die herrschende Schamkultur und der hohe Stellenwert der Familienehre tragen dazu bei, dass die Familie dies um jeden Preis zu verhindern sucht. Hinzu kommt, dass der Staat solches Verhalten als Versuch der Evangelisation erachtet, was zu Inhaftierungen führen kann.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Bei Christen muslimischer Herkunft kommt der Druck am häufigsten vonseiten der (Groß-)Familie oder dem sozialen Umfeld, wenn diese christliche Materialien finden. Der Besitz christlicher Materialien wird als eindeutiger Beweis für eine Hinwendung zum christlichen Glauben gewertet.

Werden sie entdeckt, kann dies heftige Reaktionen nach sich ziehen. Auch die Regierung übt in diesem Bereich großen Druck aus, da der Besitz religiöser Materialien illegal ist. Sogar Bibeln müssen einen Stempel aufweisen, der sie als in Usbekistan veröffentlicht kennzeichnet. Niemand darf mehr als eine Bibel besitzen. Auch wer eine Bibel außerhalb des eigenen Wohnsitzes bei sich trägt oder die Bibel oder andere religiöse Schriften in der Öffentlichkeit liest, macht sich strafbar. Eine Familie wurde mit einem Bußgeld belegt, weil im Bett ihres Sohnes ein christliches Gedicht gefunden wurde, das er für den Kindergottesdienst auswendig gelernt hatte.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Christen muslimischer Herkunft, die ihren neuen Glauben preisgeben, ziehen sofort den Zorn von Familie, Freunden und Ortsgemeinschaft auf sich. Alle anderen Christen, die über ihren Glauben sprechen, werden umgehend des Evangelisationsversuchs bezichtigt. Da der Staat jede Form der Evangelisation bestraft, müssen Christen in dieser Hinsicht sehr vorsichtig sein.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, die unerwünschte Aufmerksamkeit des sozialen Umfelds auf sich zu ziehen, wenn sie sich mit anderen Christen treffen. Viele einheimische usbekische Christen treffen sich, um die Gefahr zu verringern, nur unter vier Augen und wechseln häufig ihren Treffpunkt. Gebet und Lobpreis müssen sehr leise oder komplett still vonstattengehen. Aufgrund der Überwachung in Usbekistan, sind alle Christen, die nicht zur Russisch-Orthodoxen Kirche gehören, in dieser Hinsicht sehr vorsichtig. Offiziell dürfen christliche Aktivitäten nur in Gebäuden registrierter Kirchen und nicht etwa in (nichtoffiziellen) Hauskirchen stattfinden.

Familienleben

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, soziales Umfeld) setzt die Kinder von Christen muslimischer Herkunft unter Druck, islamische Unterweisung zu erhalten – mitunter sogar gegen den ausdrücklichen Wunsch der christlichen Eltern. Antireligiöse Propaganda ist gang und gäbe an Schulen und Universitäten, zum Beispiel in Form von Vorträgen, bei denen Anwesenheitspflicht gilt.

Wurden christliche Taufen behindert?

Auf christliche Konvertiten wird immenser Druck ausgeübt, um zu verhindern, dass sie sich taufen lassen. Dahinter steht die Wahrnehmung, dass mit der Taufe die endgültige Abkehr vom Islam besiegelt wird. Um dies zu verhindern, geht das muslimische Umfeld bis zum Äußersten. Auch der Staat verhindert Taufen, weil man befürchtet, dass es anderenfalls zu Spannungen und Problemen in den Ortsgemeinschaften kommen könnte. Zudem schränkt der Staat nichtregistrierte Gruppen in allen ihren Aktivitäten ein, einschließlich Taufen. Sie sind jedoch nicht gesetzlich verboten.

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Muslimische Familien und Ortsgemeinschaften verhindern die Adoption eines ethnisch zentralasiatischen Kindes, wenn bekannt ist, dass der Antragsteller Christ ist. Die Regierung verhängt zwar keine Einschränkungen bezüglich Adoption; in einem Fall wurde ein Junge jedoch zurück ins Waisenhaus gebracht, nachdem er einem Sozialarbeiter berichtet hatte, seine Adoptiveltern hätten ihm vom christlichen Glauben erzählt.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Die Großfamilie von Christen muslimischer Herkunft versucht, deren Kinder zum Islam zurückzubringen und sie dementsprechend zu erziehen. Dazu trägt auch das Schulsystem bei, das keinerlei Religionsunterricht vorsieht, da Usbekistan offiziell ein säkularer Staat ist. Und weil Kirchen jede Arbeit unter Kindern und Jugendlichen gesetzlich verboten bleibt, ist der einzige Ort, an dem Eltern ihren Kindern christliche Lehre vermitteln können, ihr Zuhause. Dabei müssen Eltern äußerste Vorsicht walten lassen, um nicht allzu große Aufmerksamkeit der Großfamilie oder örtlichen Behörden zu erregen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen muslimischer Herkunft stehen unter ständiger Beobachtung durch ihre Ortsgemeinschaft. Auf dieser Ebene überwachen Muslime genaustens die Aktivitäten protestantischer Gruppen und erstatten den lokalen Polizeibehörden darüber Bericht. Von lokaler bis nationaler Ebene überwachen Regierungsbeamte ständig die christlichen Aktivitäten; hiervon ausgenommen ist nur die Russisch-Orthodoxe Kirche.

Wurden Christen aus religiösen Gründen mit Geldstrafen belegt (z. B. Dschizya-Steuer, Gemeindesteuer, Schutzgeld)?

Staatliche Behörden verhängen Geldbußen für eine Vielzahl möglicher Verstöße. Dazu zählen etwa illegale Versammlungen, der Besitz christlicher Literatur oder die Speicherung christlicher Lieder auf dem Handy. Selbst eigentlich legale Gruppen (wie etwa Baptisten) sehen sich solcher Verfolgung ausgesetzt.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel entdeckt wird, werden von ihrer Familie und Ortsgemeinschaft schikaniert und (manchmal in harter Weise) verhört. Wenn eine Razzia bei Versammlungen oder in Privathäusern durchgeführt wird, was häufig geschieht, werden alle Anwesenden verhört. Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel entdeckt wird, müssen sich immer wieder auf der örtlichen Polizeistation melden. Damit will man sie einschüchtern. Sie müssen außerdem damit rechnen, auf der Straße angehalten, durchsucht und verhört zu werden.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Freunden und ihrer Familie und dem sozialen Umfeld (einschließlich dem örtlichen Imam) bedroht. Örtliche muslimische Gemeinschaften schikanieren außerdem protestantische Christen, die man der Evangelisierung bezichtigt. Evangelikale Christen werden von den Behörden u. a. schikaniert, bedroht oder diskriminiert.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Religiöse Gruppen sind gesetzlich dazu verpflichtet, sich bei der Regierung zu registrieren; gleichzeitig werden alle religiösen Aktivitäten nichtregistrierter Gruppen für illegal erklärt. Das Gesetz schränkt die öffentliche Redefreiheit sowie Evangelisation ein, zensiert religiöse Literatur und begrenzt den Besitz religiösen Materials aller Art und Formate. Razzien in privaten Wohnungen von Christen haben entweder zu Bußgeldern, Zwangsarbeit und Gefängnisstrafen oder einer Kombination davon geführt.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

In Usbekistan gibt es weder christliche politische Parteien noch christliche zivilgesellschaftliche Organisationen. Allein ein Registrierungsantrag dafür wird bereits als Straftatbestand interpretiert, als Versuch, eine extremistische Organisation zu gründen. Der Antragsteller riskiert, verhaftet zu werden. Jeder christlichen Organisation wird das Bestreben unterstellt, Menschen zum christlichen Glauben bekehren zu wollen.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Für alle Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, kann die öffentliche Meinungsäußerung zu Androhungen von Repressalien sowohl von der Regierung als auch von der örtlichen Bevölkerung führen. Die Verfolgung ist derart stark, dass Konvertiten und Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, praktisch dazu gezwungen werden, ihren Glauben geheim zu halten. Jede öffentliche Äußerung ihres Glaubens wird von der Regierung als Verkündigung des Evangeliums wahrgenommen. Russisch-Orthodoxe Christen sprechen für gewöhnlich nicht öffentlich über ihren Glauben. Muslime erachten christliche Predigten oder die Weitergabe des Evangeliums als nicht wünschenswert und setzen alles daran, dieses zu unterbinden.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Behörden, die gegen Christen vorgehen, tun dies mit Rückendeckung des Gesetzes und wenden dies bei ihrem Vorgehen nach eigenem Ermessen an. Die Behörden können damit rechnen, in völliger Straffreiheit zu handeln. Auch wer Christen muslimischer Herkunft und evangelistisch tätigen Christen schadet, geht straffrei aus. Dies geschieht zumeist seitens der muslimischen Kommune auf örtlicher oder regionaler Ebene.

Kirchliches Leben

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Alle christlichen Aktivitäten außerhalb der Gebäude registrierter Kirchen sind verboten. Unabhängig davon würde das muslimische Umfeld solchen Aktivitäten umgehend mit Widerstand begegnen und diese den Behörden melden.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Christliche Arbeit unter Kindern und Jugendlichen ist verboten, einschließlich Sonntagsschulen und Jugendcamps. Das muslimische Umfeld würde jedes Anzeichen von Jugendveranstaltungen oder Sommercamps bei den Behörden zur Anzeige bringen.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Das Gesetz stellt Evangelisation unter Strafe. D. h. jeder Versuch, eine Person in ihrem Glaubenswechsel zu begleiten, wird geahndet – mit bis zu drei Jahren Haft. Es ist daher gefährlich für Gemeinden, Christen muslimischer Herkunft offen zu integrieren. Ein Glaubenswechsel erfährt heftigen Widerspruch, vor allem von Muslimen in ländlichen Gebieten.

Wurden die Kirchen daran gehindert, christliches Material aus dem Ausland zu importieren?

Alle religiösen Materialien müssen von der Regierung genehmigt werden. Nur wenige überwinden diese Hürde. Selbst die „Vereinigten Bibelgesellschaften“ haben damit Schwierigkeiten. Muslime erstatten den Behörden Bericht, falls sie entdecken, dass Christen christliches Material auf illegalem Wege ins Land schmuggeln.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Angriffe auf Christen: Quellen zufolge wurden mindestens 21 Christen muslimischer Herkunft von ihren Familien und dem sozialen Umfeld angefeindet und geschlagen.
  • Festgenommene Christen: Im November 2019 wurde eine Gruppe von sechs Christen bei ihrer Rückkehr aus Kasachstan an der Grenze angehalten. Die Zollbeamten befragten sie vier Stunden lang, wer ihnen die zehn Exemplare des Buches „Lerne die Bibel“ gegeben habe, die sie bei sich trugen. Nachdem die Bücher beschlagnahmt worden waren, wurden sie wieder freigelassen.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Eine Christin wurde von ihrem muslimischen Ehemann wiederholt geschlagen und von ihm aus der Ehe verstoßen. Um zu verhindern, dass sie sich mit anderen Christen trifft, kommt er immer wieder zu Besuch und schlägt sowohl sie als auch ihre beiden Söhne. Ein Pastor und seine Familie wurden von muslimischen Verwandten aus ihrem Haus vertrieben und unter Morddrohungen dazu aufgefordert, sowohl ihre Gemeindearbeit einzustellen als auch ihrem Glauben abzuschwören.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019“ des US-Außenministeriums stellt fest:

  • Mitglieder religiöser Gruppen, deren Anträge zur Registrierung von den Behörden abgelehnt wurden, können ihren Glauben nicht praktizieren, ohne Gefahr zu laufen, strafrechtlich verfolgt zu werden. Laut Medienberichten dauerten die öffentlichen Debatten über die Regierungspolitik bezüglich des Tragens von Bärten und Hijabs an; hierzu gab es auch Berichte, dass die Polizei Männern in Taschkent zwangsweise die Bärte abrasierte. Das Bildungsministerium hielt Kleidungsvorschriften aufrecht, die das Tragen religiöser Kleidung und Symbole, wie zum Beispiel Kippas, Kreuze und Hijabs, in Schulen verbieten. Als Reaktion auf einen Sturm der Entrüstung in sozialen Medien wegen des Ausschlusses zweier weiblicher Studenten von der Universität, die Hijabs getragen hatten, erlaubte die Regierung im April 2019 weiblichen Studenten das Tragen von Kopftüchern im traditionellen Ikat-Stil Usbekistans mit einem am Hinterkopf gebundenen Knoten. Die Polizei verhaftete zwei Blogger, die von der Regierung forderten, dass Mädchen das Tragen von Hijabs erlaubt werden solle, Männer Bärte haben dürften und Kinder Moscheen besuchen dürften, obwohl es gegen andere Blogger, die die Regierung kritisiert hatten, keine Reaktion der Behörden gab. Presseberichten zufolge wies die Bildungsbehörde des Distrikts Taschkent weiterhin Pädagogen an, Schulaktivitäten auf Freitage zu legen, um zu verhindern, dass Schüler zum Gebet befreit würden. Medien berichteten, dass die Regierung auch weiterhin den Zugang zu Webseiten mit religiösen Inhalten, einschließlich Nachrichten mit christlichem oder muslimischem Bezug, blockiert. Eine Liste illegaler Webseiten, die laut Regierung mit islamisch-extremistischen Aktivitäten in Verbindung stehen, wurde veröffentlicht. Laut der internationalen Nichtregierungsorganisation für Religionsfreiheit, Forum 18, war es weiterhin schwierig für Einzelne, am Hadj teilzunehmen, ohne auf die Vorteilsnahme persönlicher Beziehungen oder Bestechungsgeld zurückzugreifen. Die Behörden begrenzten die Teilnahme am Hadj im Allgemeinen weiterhin auf Personen, die älter als 45 Jahre sind.

Alle religiösen Gruppen, einschließlich Muslimen, Zeugen Jehovas, Juden und Bahais usw., leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung. Der Rat für religiöse Angelegenheiten spielt hierbei eine entscheidende Rolle.

Beispiele von Verfolgung anderer religiöser Gruppen:

  • Hadj-Pilgerfahrten werden in Usbekistan strenge Beschränkungen auferlegt; dazu gehört die Verwendung von „schwarzen Listen“, um strenggläubige Muslime davon auszuschließen und willkürlich einzuschränken, wer die Pilgerfahrt machen darf. Die Kontrollen sind kompliziert und vielschichtig und involvieren den Staatssicherheitsdienst, die Muftiate und den Rat für religiöse Angelegenheiten. Die Komplexität des Systems erleichtert Korruption. Das Strafgericht in Taschkent verurteilte drei Muslime zu Strafen zwischen fünf und sechs Jahren, nachdem verdeckte Ermittler sie wegen der Unterstützung terroristischer Aktivitäten aufgesucht hatten. Obwohl sie bei Gericht aussagten, dass ihre „Geständnisse“ durch Folter herbeigeführt worden waren, „wurde dies vor Gericht komplett ignoriert“. Ein weiteres Gerichtsverfahren mit ähnlichen Anklagepunkten gegenüber acht Männern soll am gleichen Strafgericht durchgeführt werden.
  • Ein Muslim, der seine Schwester bat, ihn „noch ein letztes Mal“ zu besuchen, sitzt eine 16-jährige Haftstrafe ab, weil er Koranstudien betrieb und ohne Erlaubnis islamische Gebete sprach.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Usbekistan:

  • Beten Sie dafür, dass die neue Regierung unter Shavkat Mirziyoyev positive Veränderungen für die christliche Bevölkerung bewirkt.
  • Beten Sie, dass der Heilige Geist die Christen ermutigt, ausrüstet und stärkt, damit sie Druck und Verfolgung standhalten können,
  • Bitten Sie um Schutz und Stärkung für die Gemeindeleiter, die in dieser Funktion unter starken Druck geraten können.