Länderprofil Vietnam

Vietnam

21
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Vietnam
Hauptreligion
Buddhismus
Platz Vorjahr
20
ISO
VN
Karte Vietnam
Christen
8,74
Bevölkerung
97.43
Kommunistische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.300
Familienleben: 8.500
Gesellschaftliches Leben: 12.900
Leben im Staat: 13.600
Kirchliches Leben: 14.500
Auftreten von Gewalt: 9.800

Länderprofil Vietnam

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 21 / 72 Punkte (WVI 2019: Platz 20 / 70 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Christen aus traditionellen Kirchen wie Katholiken genießen ein gewisses Maß an Freiheit, es sei denn, sie werden politisch aktiv, was zu Verhaftungen führen kann. Immer wieder werden große Grundstücke katholischer Gemeinden (z. B. um Klöster, Schulen oder Krankenhäuser) durch staatliche Stellen konfisziert, um dort zu bauen. Sowohl Christen aus protestantischen Freikirchen als auch Christen, die früher traditionellen einheimischen Religionen folgten, werden stärker verfolgt, besonders, wenn sie in den dörflichen Regionen in Zentral- und Nordvietnam leben. Die meisten von ihnen gehören zu den ethnischen Minderheiten des Landes (wie den Hmong) und sind mit sozialer Ausgrenzung, Diskriminierung und gewalttätigen Angriffen konfrontiert. Manchmal werden ihre Häuser zerstört und sie werden gezwungen, ihr Dorf zu verlassen. Mehrfach flohen Christen ins Ausland und baten um Asyl, z. B. im benachbarten Kambodscha, aber sie wurden auf den Druck Vietnams hin wieder zurückgeschickt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Januar 2019 zerstörten die Behörden Häuser im Besitz von Katholiken und ein Heim für Kriegsveteranen, das von der Katholischen Kirche nahe Ho-Chi-Minh-Stadt betrieben wurde. Im Dezember 2018 und im März 2019 führten die Behörden Razzien in verschiedenen Hausgemeinden in mehreren Provinzen durch und verboten Pastoren und Gemeindemitgliedern, sich weiterhin zu treffen. Bei mehreren anderen Vorfällen wurden katholische Gemeinden und Klöster in Hanoi, Hue und Ho-Chi-Minh-Stadt angegriffen und unter Druck gesetzt, den Abriss und die Enteignung ihres Landes zu akzeptieren, teilweise durch von der Regierung angeheuerte Schläger.
  • Christliche Kinder aus ethnischen Minderheiten werden in Schulen diskriminiert und bekommen nicht die gleiche Aufmerksamkeit wie andere; außerdem werden ihre medizinischen Bedürfnisse oft ignoriert. Einige können wegen ihres christlichen Glaubens noch nicht einmal eine Schule besuchen. Als Schüler aus einem Stamm im zentralen Hochland Christen wurden, drohte ihnen ihr Schuldirektor damit, sie der Schule zu verweisen. Lehrer versuchen auch, christliche Schüler zu entmutigen, indem sie ihnen sagen, dass sie als Christen nach ihrem Abschluss ohnehin keine Anstellung fänden; daher sei es besser, dass sie ihren Glauben aufgäben.

Meldungen und Beiträge zu Vietnam

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Vietnamesische Christin Anh, hat an einer Schulung von Open Doors teilgenommen
Vietnam
Die vietnamesische Christin Anh bringt ihren Landsleuten das Evangelium von Jesus Christus. Sie berichtet, wie ein Seminar von Open Doors sie auf diese Aufgabe und auch auf Verfolgung vorbereitet hat.
Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.
Länderberichte
Vietnam: Für den Glauben enteignet

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Vietnam

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Warum werden Christen in manchen buddhistischen Ländern verfolgt? Gilt der Buddhismus nicht als Religion des Friedens und der Toleranz? Eine illustrierte...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 72 Punkten steht Vietnam auf Platz 21 des Weltverfolgungsindex 2020, gegenüber 70 Punkten und Platz 20 auf dem Weltverfolgungsindex 2019.

Die Punktzahl für das „Auftreten von Gewalt“ stieg im Berichtzeitraum um 0,7 Punkte an, der Druck in nahezu allen Lebensbereichen nahm leicht zu. Die neuen Vorschriften zur Religion, die seit dem 1. Januar 2018 umgesetzt werden, haben nichts Entscheidendes geändert, außer dass sie eine neue Quelle der Unsicherheit geschaffen haben (obwohl sie auf dem Papier wie eine Verbesserung aussahen). Strengere Regulierungen der Online-Kommunikation haben dazu beigetragen, die Freiheiten von Christen weiter einzuschränken. Druck auf und Gewalt gegen Christen aus ethnischen Minderheiten gehen unvermindert weiter und es bleibt schwierig, Berichte aus diesen Regionen zu bekommen.

Die 39 vietnamesischen Flüchtlinge, die im Oktober 2019 außerhalb von London erstickt und erfroren gefunden wurden, waren größtenteils Katholiken aus Nghe An und benachbarten Provinzen. Dieser Vorfall unterstreicht den Druck, den Behörden auf Christen in dieser Region aufbauen, obwohl diese spezifische Gruppe wohl hauptsächlich aus wirtschaftlichen Gründen geflohen ist.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung, in Verbindung mit Diktatorischer Paranoia

Vietnam – oder wie der offizielle Name lautet: die „Sozialistische Republik Vietnam“ – ist eines der fünf Länder, die immer noch von einer kommunistischen Partei regiert werden. Der vietnamesische Kommunismus ist mehr als nur Schein, wie ein Beobachter bemerkte, als er sagte, dass die marxistisch-leninistische Ho-Chi-Minh-Ideologie „quasi-religiös“ befolgt werde. Die Regierung überwacht christliche Aktivitäten und übt einen hohen Druck auf alle Christen aus.

Die Katholische Kirche ist mit Abstand die größte christliche Gemeinschaft im Land. Aber die Regierung hat eine angespannte Beziehung zu ihr, da Katholiken mit einer fremden Macht, dem Vatikan, verbunden sind und darüber hinaus oft als Überbleibsel aus der französischen Kolonialzeit gesehen werden. Vorurteile wie „Katholiken sind französisch und Protestanten amerikanisch“ halten sich weiterhin, besonders in den ländlichen Regionen. Die Enteignung von Kirchenland und der Umstand, dass besonders Katholiken darin aktiv sind, soziale Ungerechtigkeiten hervorzuheben, unterstreicht die schwierige Beziehung zwischen den kommunistischen Führern und der Katholischen Kirche. Besonders misstrauisch ist die Regierung gegenüber den Minderheiten, die im zentralen und nördlichen Hochland leben und als „Montagnards” bekannt sind. Viele von ihnen sind evangelische Christen und Berichten zufolge hat sich ihr Wachstum fortgesetzt. Anzumerken ist, dass sich alle nicht-katholischen Christen in Vietnam als „evangelikal" bezeichnen, viele von ihnen sind charismatische oder Pfingstgemeinden.

Es wird geschätzt, dass zwei Drittel aller protestantischen Christen Mitglieder ethnischer Minderheiten sind; darunter Minderheiten aus dem nordwestlichen Hochland (wie die Hmong, Dzao, Thai und andere) und dem zentralen Hochland (unter anderem Ede, Jarai, Sedang und Mnong). In einer Rede vom Februar 2012, in der er die Ziele der Regierung hinsichtlich ihrer Religionspolitik zusammenfasste, forderte Premierminister Nguyen Xuan Phuc eine strengere Überwachung von Angelegenheiten mit Bezug zu Land- und Besitzrechten und drang darauf, den Protestantismus durch die Regierung weiterhin zu „managen“, um dessen ungewöhnliches Wachstum einzudämmen. Weiterhin betonte der Premierminister die Notwendigkeit, die Entstehung von „religiösen Brennpunkten“ zu verhindern und „gegnerischen Kräften“ entgegenzutreten, die Religion benutzten, „um unsere Nation zu zerstören“. Diese Gegenmaßnahmen beinhalten den Gebrauch von Gewalt, entweder explizit durch Polizeirazzien oder implizit durch die (stille) Zustimmung bei Gewalt gegen religiöse Gemeinschaften und Einrichtungen (was auch den Einsatz von gewaltbereiten kriminellen Gruppen umfasst).

Obwohl das neue Religionsgesetz, das am 1. Januar 2018 in Kraft getreten ist, auf dem Papier einige Verbesserungen gebracht hat, zeigte seine Umsetzung vor Ort bisher keine Erleichterung. Da das vorrangige Ziel der kommunistischen Behörden darin besteht, alle Gruppen und Organisationen in Schach zu halten, um die eigene Macht zu erhalten, sind keine großen Veränderungen zu erwarten. Die Registrierung und der Betrieb von christlichen Kirchen werden mindestens so umständlich bleiben, wie sie es heute schon sind. Auch wird das Reden über den eigenen Glauben gefährlich bleiben, besonders für die Christen aus den ethnischen Minderheiten, die unter strenger Beobachtung der Behörden stehen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Wenn Dorfbewohner oder Dorfälteste herausfinden, dass jemand Christ geworden ist, zwingen sie ihn dazu, den jahrhundertealten Werten und Normen der Gemeinschaft wieder zu folgen. Um die Kultur des Stammes zu bewahren, verstoßen Stammesführer oft die Christen aus den Gemeinschaften, da sie diese als Verräter ihrer Kultur und Identität betrachten. Die Gemeinschaft selbst reagiert ebenfalls oft gewalttätig auf diese Christen und schließt sie aus den Dörfern aus. Die Behörden arbeiten mit den lokalen Stammesführern zum Nachteil der christlichen Konvertiten zusammen.

3. Verfolger

Ausgehend von Kommunistische Unterdrückung

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Die Regierung verfolgt Christen auf der nationalen, regionalen und lokalen Ebene. Die Kommunistische Partei tut dies oft, indem sie die Ideologie strikt umsetzt und diejenigen belohnt, die den Kommunismus hochhalten.

Gesetze werden erlassen, dann lokal angewendet und nicht selten missinterpretiert, indem sie noch strikter umgesetzt werden. Wenn die Regierung Gewalt als geboten ansieht, bevorzugt sie es oft, lokale Schläger anzuheuern, die nicht in direkter Verbindung mit ihr stehen, aber auf lokaler Ebene als „Rote-Flagge-Gruppen“ bekannt sind.

  • Anführer ethnischer Gruppen: Hin und wieder können Stammesführer, gewöhnliche Bürger und selbst die eigene Familie zu weiteren Verfolgern werden. Dies steht aber zumeist mit „Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen“ im Zusammenhang und nicht mit „Kommunistischer Unterdrückung“.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Großfamilie: Nichtchristliche Verwandte agieren als Verfolger, indem sie die Familienbande kappen und Erbschaften verweigern; in manchen Fällen werden christliche Ehepartner zur Scheidung gezwungen und ihnen wird das Sorgerecht für die Kinder vorenthalten. All dies wird normalerweise zuerst angedroht, um den christlichen Konvertiten zurück in die Familie zu bringen, aber wenn die Drohung nicht zum erwünschten Erfolg führt, kann der Christ aus der Familie und dem Dorf vertrieben werden. Dorfbewohner verfolgen Christen – auch in Zusammenarbeit mit lokalen Behörden –, indem sie Christen verprügeln, sie aus ihren Dörfern vertreiben oder christliche Versammlungen stören, indem sie beispielsweise Steine auf die Versammlungsorte werfen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesführer sehen Christen als Verräter der Stammesidentität an. Um die Stammeskultur zu schützen, schneiden sie die Christen von der Versorgung ab oder werfen sie aus dem Dorf, zerstören ihre Felder und Ähnliches, um sie zu ihrem angestammten Glauben zurückzubringen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Verfolgung von Christen unter den ethnischen Minderheiten ist besonders stark im zentralen und nordwestlichen Hochland in den folgenden Provinzen: Bac Giang, Bac Ninh, Bin Phuoc, Dak Lak, Dak Nong, Dien Bien, Gia Lai, Ha Giang, Ha Nam, Hoa Binh, Kon Tum, Lai Chau, Lam Dong, Lao Cai, Nghe An, Ninh Thuan, Phu Yen, Quang Binh, Quang Ngai, Son La, Thanh Hoa, Tra Vinh und Yen Bai.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sie keine lokale Gemeinde besuchen können, sind ausländische und eingewanderte Christen unfreiwillig isoliert. Zu dieser Gruppe gehören Gastarbeiter aus Taiwan, Korea und den Philippinen. Sie erleben Druck in Form von Überwachung.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dies sind besonders Christen der Römisch-Katholischen Kirche und der Evangelischen Kirche Vietnams (ECVN). Während es ersterer 2016 gelang, eine katholische Universität zu eröffnen, haben Probleme durch Beschlagnahmung von Land durch Behörden zugenommen und die Verhaftung von katholischen Aktivisten zeigt, dass Christen aus traditionellen Kirchen weiterhin massiven Widerständen gegenüberstehen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten kommen entweder aus einem buddhistischen oder einem ethnisch-animistischen Hintergrund und erleben die stärkste Verfolgung, nicht nur durch die Behörden, sondern auch durch ihre Familien, Freunde und Nachbarn. Da die meisten von ihnen aus den ethnischen Minderheiten stammen, sind die Behörden ganz besonders argwöhnisch.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie besteht größtenteils aus evangelikalen und Pfingstgemeinden. Baptisten, Mennoniten und viele andere versammeln sich in Hauskirchen. Sie werden streng überwacht und auf den verschiedenen Ebenen der Gesellschaft diskriminiert.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.3
Familienleben 8.5
Gesellschaftliches Leben 12.9
Leben im Staat 13.6
Kirchliches Leben 14.5
Auftreten von Gewalt 9.8

Grafik: Verfolgungsmuster Vietnam

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Druck auf die Christen in Vietnam blieb in fast allen Lebensbereichen sehr hoch, so dass der durchschnittliche Druck aktuell bei 12,4 Punkten liegt (gegenüber 12,3 in den beiden vorangegangenen Berichtszeiträumen).
  • Der Druck ist am stärksten im Bereich „Kirchliches Leben“ (extrem hoch), gefolgt von den Bereichen „Leben im Staat“ und „Gesellschaftliches Leben“. Der Druck auf christliche Konvertiten ist besonders intensiv in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“, während alle Christen hohem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ausgesetzt sind. Dieser Druck wird durch eine vermehrte Verwendung der kommunistischen Rhetorik bestärkt, durch das neue Religionsgesetz mit seinen umständlichen Auflagen und das anhaltende Misstrauen gegenüber Konvertiten zum christlichen Glauben sowie allen ethnischen und religiösen Minderheiten.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt gegen Christen stieg von 9,1 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2019 auf 9,8 Punkte beim Weltverfolgungsindex 2020. Es wurden ein Mord und mehrere Angriffe auf Kirchen gemeldet. Die Regierung setzte auch ihre Politik der Verhaftung christlicher Dissidenten fort.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: In ländlichen Gegenden ist es gefährlich, über den Glauben zu diskutieren, weil dies als Aufwiegelung der Gemeinschaft angesehen werden kann. So kann das Reden über den Glauben zu Verhaftung oder Gewalt führen. In der Stadt gibt es etwas mehr Freiheit, aber es kann immer noch bedeuten, von der Polizei einbestellt und befragt zu werden.
  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Da alle Versammlungen bei den Behörden angemeldet werden müssen, haben diese freie Hand bei der Entscheidung, wann und wie sie den Christen Schwierigkeiten bereiten (z. B. wegen Nichteinhaltung der Meldepflicht und damit einer Gesetzesübertretung). Andere Christen zu treffen, ist daher selbst für die Mitglieder registrierter Kirchen riskant.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: In Stammesgemeinschaften wollen einige Nachbarn keine „fremden“ Symbole in ihrem Dorf, da dies die Geister, die ihre Gemeinschaft schützen, beleidigen könnte. Ausländische Christen (die z. B. als Lehrer, als Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen oder als Sozialarbeiter tätig sind) in ländlichen Gebieten verzichten ebenfalls auf das Zeigen christlicher Symbole, da dies die Menschen aus ihrem Umfeld beleidigen kann.
  • Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt: Während Glaubensübertritte nicht gesetzlich verboten sind, werden sie stark abgelehnt. Der christliche Glaube wird von Familienmitgliedern, die ihre Ahnen verehren, als Gefahr angesehen, da sie fürchten, dass sich in ihrem jenseitigen Leben niemand um sie kümmern wird. In einigen Fällen warfen Verwandte christliche Familienmitglieder aus der Gemeinschaft und ächteten sie. Auch in stark kommunistischen Familien wird der christliche Glaube als Bedrohung angesehen.

Da Familien in Vietnam, besonders im ländlichen Bereich, üblicherweise mit drei Generationen unter einem Dach leben, müssen christliche Konvertiten ganz besonders vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben und mit wem sie ihn teilen. Außerdem müssen Konvertiten zum christlichen Glauben vorsichtig sein, wenn sie christliche Literatur aufbewahren. Unter diesen Umständen kann es sehr schwierig sein, andere Christen zu treffen, und in vielen Fällen behindern Familienmitglieder Konvertiten, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Dies gilt nicht nur für Christen buddhistischer oder animistischer Herkunft, sondern auch für Christen aus Familien mit starken Bindungen an die Kommunistische Partei. Über den Glauben zu sprechen, wird oft als Opposition zur Kommunistischen Partei angesehen. Christliche Blogger, die sich für mehr soziale Gerechtigkeit und Religionsfreiheit im Land einsetzten, wurden von den Behörden schnell festgenommen, verurteilt, inhaftiert oder abgeschoben.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht teilzunehmen: Christliche Kinder sind in der Schule kommunistischem Unterricht ausgesetzt und zu Hause werden christliche Familien unter Druck gesetzt, sich an der Verehrung der Ahnen zu beteiligen. Im zentralen Hochland wurden erwachsene Kinder von Pastoren unter Druck gesetzt, ihre Eltern dazu zu bringen, nicht mehr zu lehren und zu predigen. Sollte ihnen dies nicht gelingen, würden sie ihre Arbeit verlieren.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Kindern aus christlichen Familien wird wegen ihres Glaubens oder dem ihrer Eltern manchmal der Besuch einer Schule verweigert. Kindern von Christen aus ethnischen Minderheiten werden oftmals wegen ihres Glaubens Stipendien verweigert, die eigentlich für Kinder aus armen Familien aus Minderheiten vorgesehen sind. Sie werden von den Lehrern oft schroff behandelt und sind leichte Ziele für Schikanierung.
  • Beerdigungen von Christen werden verhindert oder zwangsweise nach nichtchristlichen Riten durchgeführt: Begräbnisse müssen nach traditionellem Ritus durchgeführt werden, besonders bei Christen aus den ethnischen Minderheiten. Die Ahnenverehrung wird als wichtig angesehen, besonders in den ländlichen Gebieten, und es besteht eine große Angst, die Geister zu verärgern.
  • Christen verlieren durch ihre Hinwendung zum christlichen Glauben ihre Erbrechte: Dies ist eine der häufigeren Konsequenzen, mit denen Konvertiten zum christlichen Glauben konfrontiert werden, wenn sie ihren angestammten Glauben verlassen. Verheirateten Konvertiten kann die Scheidung drohen, und es ist üblich für Familien, diejenigen zu enteignen, auszuschließen und ihnen die Unterstützung zu versagen, die zum christlichen Glauben übertreten.

Es gab Berichte, dass Christen aus Minderheiten ihre Geburtsurkunden vorenthalten wurden und dass in anderen Fällen Beamte sie zwangen, ihre Nachnamen in „Ho“ (nach dem kommunistischen Revolutionsführer Ho Chi Minh) zu ändern. Es gab viele Berichte von Christen, die um die Beglaubigung von Dokumenten für Ausbildung, Schule und Beruf baten. Als die lokalen Behörden aber herausfanden, dass die Antragssteller Christen waren, weigerten sie sich, die Dokumente zu beglaubigen – besonders, wenn diese Christen in der Vergangenheit Warnungen ignoriert hatten, keine christlichen Versammlungen mehr zu besuchen. In den registrierten Kirchen und in den Städten werden Taufen normalerweise nicht behindert, obwohl die meisten Kirchen es vorziehen, sie drinnen durchzuführen, um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Aber für Christen mit animistischem Hintergrund sind Taufen aufgrund des Druckes von Familie, Gesellschaft und Behörden nur selten möglich.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen unter Beobachtung durch ihr soziales Umfeld: Lokale Gemeinschaften helfen häufig bei der Überwachung christlicher Aktivitäten, und die Behörden fördern den Einsatz von Nachbarschaftswachen. Örtliche Behörden ermutigen die Gemeinschaften, christliche Gruppen in ihrer Tätigkeit zu beschränken, da sie als fremd und gefährlich angesehen werden. Auch Online-Aktivitäten werden massiv überwacht, wie auch die Telefonleitungen einiger Kirchenleiter.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Der Arbeitsplatz ist einer der Orte, wo Christen am häufigsten Diskriminierung erleben. Dies ist nicht nur auf öffentliche Arbeitgeber beschränkt, sondern auch für private Arbeitgeber normal. Christen, die sich um eine Arbeitsstelle bewerben, und diejenigen, die zur Beförderung anstehen, erleben oft Ausgrenzung und Einschränkungen. Christen können zu Vorstellungsgesprächen eingeladen werden, aber wenn der potenzielle Arbeitgeber von ihrem Glauben erfährt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie nicht eingestellt werden.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Es ist üblich, dass Pastoren und Gemeindeleiter von der Polizei vorgeladen und verhört werden. In Nordvietnam drohte die Polizei Gemeindemitgliedern damit, ihre Krankenversorgung zu streichen, wenn sie sich weiter als Gemeinde treffen. In den Dörfern werden die Christen normalerweise von den Dorfältesten aufgefordert, über ihre Aktivitäten zu berichten. Auch die Mitglieder der lokalen Gemeinschaft stellen sie zur Rede. Wenn sie etwas Verdächtiges bemerken, melden sie es der Polizei oder den Dorfvorstehern.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligung im Bereich der Bildung: In den Schulen müssen Schüler einem Foto von Ho Chi Minh Respekt zollen. Es wurde von Fällen berichtet, in denen Schulleiter Konvertiten zum christlichen Glauben mit einem Schulverweis drohten. Christlichen Schülern wird regelmäßig gesagt, sie sollten ihre Ausbildung aufgeben, da sie als Christen nach ihrem Abschluss sowieso niemand einstellen würde.

Es gibt viele Berichte, wonach Christen, besonders aus den ethnischen Minderheiten, staatliche Förderung verweigert wird, sei es in Form von Nothilfe, landwirtschaftlichen Mikrokrediten oder Stipendien.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Vietnam folgt seiner kommunistischen Ideologie und verehrt den Staatsgründer Ho Chi Minh (oder „Onkel Ho“, wie er liebevoll genannt wird). Dies ist jedoch nicht vergleichbar mit der Verehrung der Führer in Nordkorea. Gegen jedweden Glauben außerhalb der kommunistischen Ideologie wird vorgegangen, und Religion wird durch ein Gesetz namens „Dekret 92“ unter Kontrolle gehalten. Das neue, umfassende „Gesetz zu Religion und Glaube“ wird seit Januar 2018 angewendet.

Eine Analyse des Gesetzes durch das US-Außenministerium aus dem Jahr 2017 besagt: „Das neue Gesetz reduziert die Wartezeit auf eine Anerkennung von religiösen Gruppen und an diese angeschlossenen Gruppen von 23 Jahre auf 5 Jahre, verringert die Anzahl der auf religiöse Angelegenheiten bezogenen Vorgänge, die eine vorherige Genehmigung durch die Behörden benötigen, bemüht sich um eine Klärung des Prozesses, durch den religiöse Organisationen ihre Aktivitäten registrieren und anerkennen lassen können, und spezifiziert, zum allerersten Mal, das Recht auf einen rechtlichen Status von religiösen Gruppen und an diese angeschlossenen Gruppen. Das Gesetz legt zudem fest, dass es religiösen Gruppen erlaubt ist, Aktivitäten im Bereich der Bildung, der Gesundheit, des Sozialen und des Humanitären in Einklang mit den entsprechenden Gesetzen durchzuführen, spezifiziert aber nicht, welches Gesetz ausschlaggebend ist in Fällen, bei denen dieses Gesetz anderen Gesetzen widerspricht oder wo andere Gesetze keine klaren Regelungen haben, wie z. B. das Gesetz zur Bildung.“

Während es einige Abschnitte im neuen Gesetz gibt, die als eine Verbesserung für die Christen angesehen werden können, zeigt die praktische Umsetzung vorerst keine Erleichterung für die Kirchen. Vor allem die Regelungen zur Registrierung bereiten den Kirchen weiterhin große bürokratische Schwierigkeiten.

  • Christen werden wegen ihres Glaubens beim Kontakt mit Behörden (lokale Verwaltungen, Regierung, Armee, etc.) diskriminiert: Christen werden weithin als anti-nationalistisch und gegen die Regierung und ihre kommunistischen Ziele und Ideologie arbeitend angesehen. Deshalb müssen sie kontrolliert und diskriminiert werden. Mitglieder der Kommunistischen Partei dürfen sich nicht zu einer Religion bekennen. Wie der IRF-Länderbericht 2018 des US-Außenministeriums auf Seite 11 feststellt: „Angehörigen des Militärs war es zu keiner Zeit im aktiven Dienst erlaubt, die Bibel zu lesen oder religiöse Riten zu praktizieren; sie mussten sich persönlich beurlauben lassen, um solche Aktivitäten durchzuführen, berichteten Experten für Religionsfreiheit.“
  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen: Die Medien berichten vorurteilsbehaftet und es gibt häufig Hetze gegen Christen; beispielsweise werden Christen als Werkzeug dargestellt, die kolonialistische Ideologie wiedereinzuführen, entweder französisch-katholisch oder amerikanisch-protestantisch. Christliche Aktivisten wurden Verleumdungskampagnen in den lokalen Medien (in Bezug auf Menschenrechte oder Umweltfragen) ausgesetzt und störender bzw. regierungsfeindlicher Aktivitäten beschuldigt.
  • Angeklagten Christen wird eine Gleichbehandlung verweigert: Weil Täter gegen Christen fast nie angeklagt werden, heuern die lokalen Behörden für Gewaltakte gegen Christen oft Schläger an, die nie vor Gericht gestellt werden. Christen, die vor Gericht gingen, bekamen kein faires Verfahren. Ein Beispiel dafür ist die Vielzahl an katholischen Bloggern, die zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden, oder die Proteste, die durch den Formosa-Zwischenfall hervorgerufen wurden, bei dem ein taiwanesisches Stahlwerk eine Naturkatastrophe auslöste und (hauptsächlich katholische) Fischer und Aktivisten auf die Straße gingen, um gegen die Vertuschung durch die Regierung zu protestieren. Als sie versuchten, Gerechtigkeit zu bekommen, schlugen die Behörden zu.

Die nationalen Personalausweise (wie auch die Familienbücher) enthalten einen Abschnitt zur religiösen Zugehörigkeit. Christliche Konvertiten haben es schwer, ihre religiöse Zugehörigkeit ändern zu lassen, und die, die es versucht haben, bekamen oft den Eintrag „nicht religiös“ oder gar keine Dokumente. Bewegungen von christlichen Leitern werden überwacht, und der Zugang zu Dörfern im Norden und in Zentralvietnam ist eingeschränkt.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Kirchen werden streng überwacht und hin und wieder werden Versammlungen behindert oder gestört. Laut Gesetz müssen die Kirchen ihre Aktivitäten bei den Behörden anmelden. Für Kirchen in ländlichen Gebieten ist die Überwachung noch stärker, da auch Nachbarn und Dorfvorsteher die Kirche kontrollieren.
  • Es ist schwierig, als Kirche eine Registrierung oder einen Rechtsstatus zu bekommen: Die Registrierung einer Gemeinde verlangt einen enormen administrativen Aufwand und es gibt keine Garantie dafür, tatsächlich eine Genehmigung zu erhalten. Dies ist einer der Wege, mit dem die Regierung das Wachstum der Gemeinden kontrolliert und sie unter der Herrschaft des Kommunismus hält. Selbst Partnergemeinden registrierter Kirchen haben Schwierigkeiten, durch die Regierung und lokale Behörden anerkannt zu werden. Laut dem IRF-Länderbericht 2018 des US-Außenministeriums (Seite 14) ist es zwei protestantischen Kirchen gelungen, die Registrierung im Jahr 2018 zu erhalten: „Am 11. September stellte die CRA bei einer Zeremonie in Ho-Chi-Minh-Stadt der Vietnam Full Gospel Denomination eine ‚Bescheinigung über die Registrierung für religiöse Aktivitäten‘ aus. Am 14. Dezember stellte die CRA der Vietnam United Gospel Outreach Church, ebenfalls in Ho-Chi-Minh-Stadt, eine ‚Bescheinigung über die Registrierung für religiöse Aktivitäten‘ aus.“
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Materialien zu importieren: Alles veröffentlichte Material muss von der Regierung genehmigt werden. Da die Einfuhren stark eingeschränkt sind, müssen die Materialien in Vietnam (neu) gedruckt werden. Übersetztes Material muss überprüft werden; die Genehmigung hängt davon ab, als wie sensibel und gefährlich die Behörden den Inhalt einschätzen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Herstellung einer Bibel in Hmong-Sprache wird wahrscheinlich auf weit mehr Hindernisse stoßen als eine Bibel in vietnamesischer Sprache.
  • Kirchen, christliche Organisationen oder Einrichtungen werden daran gehindert, ihre Überzeugungen in den Medien zu teilen: Die Regierung hat die volle Kontrolle über alle wichtigen Medien. Social-Media-Unternehmen sind verpflichtet, Daten auf lokalen Servern im Land zu speichern, und das neue Internetgesetz wird als sehr restriktiv auch für die Kirchen angesehen. Es gibt einige ausländische religiöse Programme im Kabelfernsehen, die aber ohne Untertitel ausgestrahlt werden (was bei anderen ausländischen Programmen nicht der Fall ist).

Die Vergabe von Baugenehmigungen für Kirchen wird durch die Behörden äußerst restriktiv gehandhabt. Die Beschlagnahmung von Land durch die Behörden geht weiter und besonders die Katholische Kirche hat Probleme, ihren Besitz zu behalten, wie mehrere Vorfälle im Mai, Juli und Dezember 2018 zeigten. Sie besitzt verschiedene große Grundstücke (Kirchengebäude, Schulen und Krankenhäuser), besonders in den größeren Städten, und es gab mehr als nur einen Konflikt, als Behörden wiederholt versuchten, diesen Besitz zu beschlagnahmen, vorgeblich zur Stadtentwicklung. Das neue Religionsgesetz verlangt von jeder Kirchengemeinde, dass sie Unterlagen bereithält, die beweisen, dass sie als anerkannte christliche Gruppe registriert ist, die Mitglieder das Recht haben, sich zu versammeln, und das Grundstück im Besitz der Kirche ist. Diese Unterlagen werden dann zur Bestätigung an die Behörden geschickt. Dies ist ein extrem langwieriger Prozess und die Behörden können die Zustimmung verweigern, indem sie angeben, dass das Grundstück nicht für religiöse Zwecke gedacht oder ein Wohngebiet sei oder dass die Gemeinde keine registrierte religiöse Gruppe sei.

Zudem müssen jeweils im Oktober alle registrierten Kirchen eine Liste der Themen für ihre Gottesdienste des ganzen kommenden Jahres vorlegen. Es gab Berichte, wonach Jugendtreffen gestürmt wurden.

Die Veröffentlichung und Verbreitung christlicher Literatur ist möglich, aber hochgradig eingeschränkt. Jedwedes „illegale“ Material wird durch die Polizei konfisziert. Außerdem ist es sehr schwierig, eine Genehmigung zu erhalten, um Ausbildungskurse anzubieten.

Wie der IRF-Länderbericht 2018 des US-Außenministeriums auf Seite 20 feststellt: „Die Regierung beschränkte weiter die Anzahl der Studenten, die sich in katholische und protestantische Seminare einschreiben dürfen. Die Kirchenleitung sagte, die erlaubten Zahlen seien nicht ausreichend, um die Nachfrage zu befriedigen. ECVN-Leiter sagten, dass 23 Studenten in den letzten fünf Jahren ihre Bibelschule abgeschlossen haben. Die Regierung erlaubte ihnen weiterhin, alle zwei Jahre neue Studenten aufzunehmen.“

Auftreten von Gewalt

  • Ein Hmong-Christ starb in einem Krankenhaus, nachdem er in Polizeigewahrsam gewesen war. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Informationen zu diesem Fall gegeben werden.
  • Über 100 Christen wurden angegriffen, manchmal in Verbindung mit Polizeirazzien auf Kirchen und Kirchengelände.
  • Neben den weithin bekannten Fällen von verhafteten Dissidenten gab es Berichte über die Festnahme von mehr als 30 Hmong-Christen. Aus Sicherheitsgründen können keine Details dazu veröffentlicht werden.
  • Im Januar 2019 zerstörten die Behörden Häuser im Besitz von Katholiken und ein Heim für Kriegsveteranen, das von der Katholischen Kirche nahe Ho-Chi-Minh-Stadt betrieben wurde. Im Dezember 2018 und im März 2019 führten Behörden Razzien in verschiedenen Hausgemeinden in mehreren Provinzen durch und verboten Pastoren und Gemeindemitgliedern, sich weiterhin zu treffen.
  • Bei demselben Vorfall im Januar 2019 zerstörten die Behörden auch mehr als 100 Häuser katholischer Christen, die auf dem Kirchengelände lebten.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Die Gleichstellung der Geschlechter ist ein Thema, dem in Vietnam viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Im Gegensatz zu vielen Ländern, in denen Frauen wirtschaftlich erheblich benachteiligt sind, gibt es in Vietnam eine Erwerbsbeteiligung von 71 Prozent. Dennoch tragen Frauen einen ungleich höheren Anteil an der Arbeit im Haushalt. Wie in weiten Teilen des kommunistischen Asiens wird von Frauen traditionell erwartet, dass sie sich um ihre Eltern kümmern, was einen erheblichen Aufwand an Zeit und Energie erfordert. Trotz sozialistischer Gleichheitsideale bleiben konfuzianische Werte bestehen, verkörpert durch Aussprüche wie „Ein Junge ist etwas, zehn Mädchen sind nichts“. Christinnen in Vietnam sind mit verschiedenen Formen von Druck und Gewalt konfrontiert. Einige christliche Frauen, besonders Konvertitinnen und Frauen in Stammeskulturen, werden von ihren Familien gezwungen, Nichtchristen zu heiraten. Jugendleiter berichten häufig, dass junge Konvertitinnen nach der Heirat nicht mehr in die Kirche gehen. Tatsächlich veranlassen diese Ehen einige Frauen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Auch innerhalb der Ehe sind Frauen mit Unterdrückung und Scheidungsdrohungen von ihren Ehemännern konfrontiert. Dies verstärkt das Gefühl, dass sie nicht gleichgestellt sind, was Angst und Verzweiflung hervorruft.

Da Frauen und Mädchen gesellschaftlich in einer schwächeren Position sind als Männer, sind Mädchen und junge Frauen stärker dem Risiko des sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Quellen berichten, dass junge Frauen besonders gefährdet sind, wenn sie sich in Polizeigewahrsam und in ländlichen Gebieten befinden. Es wurden auch Fälle von Vergewaltigung gemeldet. Es ist jedoch schwierig, die Zahl der Opfer von sexueller Belästigung und Nötigung zu ermitteln; aufgrund der besonders heiklen Art der Entehrung und der daraus resultierenden Scham verzichten die Opfer in der Regel darauf, Fälle von Missbrauch zu melden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Falsche Anklagen
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Obgleich Männer in der Regel höhere Positionen am Arbeitsplatz einnehmen als Frauen, erleben auch christliche Männer Diskriminierung und Schikanierung im Beruf; einige verlieren wegen ihres Glaubens sogar ihre Arbeitsstelle. Da die Männer in Vietnam die Hauptverdiener sind, lähmt dies die gesamte Familie wirtschaftlich und schwächt ihren Platz in der Gesellschaft. Wenn die Männer kirchliche Leiter sind, werden ihre Gemeinden geschwächt und stehen möglicherweise sogar vor der Schließung.

Christliche Männer in Vietnam sind Ziele für Verhaftungen (aus Glaubensgründen) und Entführungen, was viele zur Flucht aus ihren Dörfern veranlasst. Nach einem Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2019 befinden sich derzeit 128 Gefangene aus Gewissensgründen in Haft, darunter mehrere katholische Aktivisten, die sich für die Religionsfreiheit eingesetzt haben. Ein solcher Aktivist wurde Berichten zufolge verhaftet, weil er „Informationen und Dokumente mit dem Ziel der Untergrabung Vietnams erstellt oder verbreitet hat“. Im Allgemeinen werden christliche Häftlinge, sobald sie in Haft sind, hart behandelt, körperlich geschlagen und unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Einem Bericht zufolge wurde ein Häftling von der Polizei vergiftet, bevor er geschlagen wurde. Seine Familie fand ihn bei seinem Besuch an das Krankenhausbett gekettet, in das er gelegt worden war.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die kommunistische Regierung agiert gegen alle Religionen: Buddhisten, Caodaisten, Hoa-Hao-Buddhisten und Muslime. Dies beginnt bei Belästigungen und kann mit Gefängnisstrafen und der Vertreibung aus Häusern, Dörfern oder sogar aus dem Land enden. Besonders Mitglieder der ethnischen Minderheiten des Landes stehen hier im Fadenkreuz der Behörden. Wie von allen kommunistischen Regierungen bekannt, bemühen sich die Behörden darum, alle religiösen Gruppen unter Kontrolle zu halten. Solange sie organisatorisch einem von der Regierung kontrollierten Gremium unterstehen und sich damit mit Wissen der Regierung treffen, werden sie in Ruhe gelassen, allerdings wird der Inhalt der Predigten kontrolliert. Unabhängige Gruppen jedoch, besonders ihre Leiter, geraten unter massiven Druck durch die Regierung. Dies kann zu schweren gesundheitlichen Problemen führen und sogar mit der Verhaftung von widerspenstigen Mönchen einer der vielen buddhistischen Sekten enden.

Wie der Bericht von Human Rights Watch 2019 sagt: „Im Februar 2018 stellten die Behörden fünf unabhängige Hoa-Hao-Buddhisten, darunter Bui Van Trung und seinen Sohn Bui Van Tham, vor Gericht und verurteilten sie zu drei bis sechs Jahren Gefängnis, weil sie die Regierung kritisiert und einen öffentlichen Protest gegen die religiöse Unterdrückung durchgeführt hatten. Im Juni brachen Männer in Zivilkleidung in das Haus des caodaistischen religiösen Aktivisten Hua Phi in der Provinz Lam Dong ein, schlugen ihn und schnitten ihm den Bart ab. Im September wurde der 91-jährige prominente Religionsführer Thich Quang Do unter dem Druck der Polizei gezwungen, das Thanh-Minh-Zen-Kloster in Ho-Chi-Minh-Stadt zu verlassen, um in seine Heimatstadt in der thailändischen Provinz Binh zurückzukehren.“

9. Der Ausblick für Christen

Kommunistische Unterdrückung

Es ist nicht überraschend, dass das neue „Gesetz zu Religion und Glaube“ keine greifbaren positiven Veränderungen gebracht hat. Die Registrierung und der Betrieb von christlichen Kirchen werden mindestens so umständlich bleiben wie heute schon, und über den eigenen Glauben zu sprechen, wird weiterhin gefährlich sein. Bürgerrechte und Religionsfreiheit werden schwierige Themen bleiben und die Kommunistische Unterdrückung wird weiterhin für die Christen deutlich zu spüren sein. Dieser Druck könnte sich sogar noch erhöhen, wenn sich die Beziehungen zum großen Nachbarn China verbessern. Die Unterdrückung von Christen wird auch deshalb weitergehen, weil Beamte in dem Versuch, ihren Vorgesetzten zu gefallen, den Druck auf die Christen erhöhen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die meisten Vietnamesen folgen uralten Traditionen der Geister- und Ahnenverehrung. Wer sich entscheidet, bei diesen Traditionen nicht mehr mitzumachen, schließt sich selbst aus der Familie und der Gemeinschaft aus und wird unter starken Druck gesetzt, wieder Teil der Gemeinschaft zu werden. Da Familienbande besonders in ländlichen Gegenden immer noch stark sind, wird dieser Druck auf Christen, die aus einem solchen Kontext kommen, nicht abnehmen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Vietnam:

  • Beten Sie für eine gute Begleitung der Menschen aus ethnischen Minderheiten in den ländlichen Regionen, die zum christlichen Glauben finden.
  • Beten Sie für Familienmitglieder, die ihre zum christlichen Glauben konvertierten Verwandten zwingen wollen, zum traditionellen Glauben und seinen Riten zurückzukehren. Beten Sie dafür, dass sie Christus durch ihre christlichen Verwandten erkennen.
  • Während die christliche Minderheit wächst, arbeitet die Regierung hart daran, die Kirchen zu überwachen und das Wachstum des christlichen Glaubens einzuschränken; die Regierung hat harte Strafen gegen Christen erlassen, die sich gegenüber dem Regime kritisch zeigten. Beten Sie für eine Lockerung der Restriktionen und mehr Freiheit.

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