Länderprofil Irak

Irak

15
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Irak
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
13
ISO
IQ
Karte Irak
Christen
0,20
Bevölkerung
40.41
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.000
Familienleben: 14.600
Gesellschaftliches Leben: 13.900
Leben im Staat: 14.500
Kirchliches Leben: 13.600
Auftreten von Gewalt: 5.600

Länderprofil Irak

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 15 / 76 Punkte (WVI 2019: Platz 13 / 79 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die assyrische Kirche des Ostens, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syrisch-katholische Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche und die armenisch-orthodoxe Kirche sind alle stark von Verfolgung betroffen, besonders durch extremistische islamische Bewegungen und nichtchristliche religiöse Leiter. Sie werden auch von den Behörden diskriminiert. Im Zentral- und Südirak zeigen Christen oft keine christlichen Symbole (wie z. B. ein Kreuz), da dies zu Belästigungen oder Diskriminierungen an Checkpoints, in der Universität oder am Arbeitsplatz sowie in Regierungsgebäuden führen kann. Sogar Christen in den Kurdengebieten des Irak entfernten Berichten zufolge Kreuze aus ihren Autos, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen. Bereits vor einigen Jahren konnte das katholische Seminar in Bagdad aufgrund von Entführungsdrohungen und Angriffen durch islamische Extremisten nicht mehr weiterarbeiten und war gezwungen, in die Kurdengebiete umzuziehen. Evangelische Kirchen, Baptisten- und Pfingstgemeinden in Bagdad und Basra sind ebenfalls erheblich von der Verfolgung durch islamisch-extremistische Bewegungen und nichtchristliche religiöse Leiter betroffen und erleben regelmäßig Diskriminierungen durch die Behörden. Christen, die ihren Glauben offen ausleben, wurden regelmäßig zu Zielen im Zentral- und Südirak. Auch Blasphemiegesetze können gegen Christen angewendet werden, wenn sie im Verdacht stehen, missionarisch unter Muslimen zu arbeiten.

Christen muslimischer Herkunft erfahren den größten Druck durch die eigene (Groß-)Familie und halten ihren Glauben oft geheim, da sie in der Gefahr stehen, von Familienmitgliedern, Clanführern und ihrem sozialen Umfeld bedroht zu werden. Als Konvertiten zum christlichen Glauben riskieren sie, ihre Erbrechte zu verlieren, oder auch die Mittel zu heiraten. Eine offene Abkehr vom Islam führt im ganzen Land zu schwierigen Situationen und kann selbst in den eher moderaten Kurdengebieten riskant sein. Ein Wechsel der Denomination (z. B. aus einer orthodoxen Kirche zu einer freikirchlich-protestantischen Gemeinde) wird ebenfalls häufig mit dem Entzug von Rechten oder dem Verlust des Arbeitsplatzes bestraft. Es ist bekannt, dass Leiter orthodoxer und katholischer Kirchen sich weigern, Eheschließungen für Mitglieder durchzuführen, die evangelische Kirchen besuchen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Drei Christen muslimischer Herkunft wurden während des aktuellen Berichtszeitraums aufgrund ihres Glaubens getötet. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Informationen weitergegeben werden.
  • Bei zwei unterschiedlichen Begebenheiten im Dezember 2018 schüchterten schiitische Milizen Christen in Bartella und Karakosch ein, indem sie neben Kirchen mit ihren Waffen in die Luft feuerten. Die Kämpfer bedrohten den syrisch-katholischen Priester Benham Benoka und setzten ihm eine Waffe an den Kopf. Von lokalen Behörden oder der Polizei erhielt er keine Hilfe, und sein Drängen, eine Untersuchung einzuleiten, blieb ergebnislos, wie die Hilfsorganisation „Middle East Concern“ (MEC) berichtet.
  • Zwei ältere christliche Frauen wurden im Mai 2019 in ihrem Zuhause in Bartella zum Ziel eines Gewaltverbrechens. Die Mutter (89) und ihre Tochter (69) mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, und Juwelen und andere Wertgegenstände wurden gestohlen. Zwei Verdächtige mit schabakischem Hintergrund wurden verhaftet. MEC berichtet: „Christen sehen diesen Vorfall als Teil einer systematischen Kampagne gegen Christen, die zum Ziel hat, die demografische Zusammensetzung der Region zu verändern.“

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 76 Punkten belegt der Irak Platz 15 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Damit ist die Wertung im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2019 (79 Punkte) um 3 Punkte gesunken und der Irak rückt von Platz 13 auf Platz 15. Der durchschnittliche Druck auf Christen ist weiterhin extrem hoch bei 14,1 Punkten. Der Wert für das Auftreten von Gewalt sank jedoch von 8,1 Punkten auf 5,6 Punkte. Dies ist hauptsächlich auf einen Rückgang von Berichten über ermordete Christen sowie weniger dokumentierte Angriffe auf Kirchen zurückzuführen. Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist jedoch immer noch hoch und der Einfluss des sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) in der Bevölkerung ist weiter zu spüren. Christen werden weiterhin körperlich und seelisch verletzt, bedroht und sexuell belästigt. Gewalttaten gegen Christen nichtmuslimischer Herkunft wurden hauptsächlich von Kämpfern islamistischer Milizen verübt (zumeist schabakischer Herkunft), während Christen muslimischer Herkunft hauptsächlich mit Gewalt seitens ihrer eigenen (Groß-)Familien konfrontiert sind. Obwohl einige christliche Familien in ihre Häuser zurückgekehrt sind, wandern weiterhin viele Christen aus, weil sie unter Angst leiden und ihnen Hoffnung auf eine positive Zukunft fehlt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamisch-extremistische Gruppen streben eine religiöse Säuberung des Irak an und möchten den Irak zu einem vollständig islamischen Land zu machen. Nach der US-geführten Invasion des Irak im Jahr 2003 verschlechterte sich die Situation rapide. Anti-westliche (und damit auch christenfeindliche) Stimmungen führten zu einem beträchtlichen Ausmaß an Gewalt durch islamische Extremisten und Gruppen von Aufständischen. Diese Situation hat sich durch mangelnde Strafverfolgung und Gesetzlosigkeit noch verschlimmert. Darüber hinaus ist die Zahl der islamistischen Milizen im Norden und im Westen gewachsen, beeinflusst durch den Bürgerkrieg in Syrien.

Unter dem Einfluss islamisch-extremistischer Milizen wurde das islamische Bewusstsein zu einem neuen Faktor im Land, einschließlich der Kurdengebiete im Norden. Bedingt durch regionale Entwicklungen nimmt die Bedeutung des Islam in den irakischen und kurdischen Regierungen zu. Mehrere schiitische Parteien haben gute Beziehungen zur Islamischen Republik Iran, und besonders Christen mit muslimischem Hintergrund berichten bereits seit einiger Zeit, dass sie in Gebieten nahe der iranischen Grenze von iranischen Geheimdiensten beobachtet werden. Generell wird die Prägung der Gesellschaft des Irak islamischer. Islamische Grundsätze und Rhetorik beherrschen den Alltag, und islamische Leiter (vor allem Schiiten) beeinflussen weiterhin das soziale, religiöse und politische Leben durch ihre Lehren, politischen Haltungen und Führungspositionen vieler Stämme. Dies spiegelt sich in den gesellschaftlichen Normen und Praktiken wider, die alle Menschen im Irak betreffen und auch für Nichtmuslime zum Maßstab werden. Die soziale Kontrolle von Frauen nimmt zu, und christliche Frauen sind selbst in Bagdad und Basra gezwungen, sich zu verschleiern, um sich außerhalb ihres Zuhauses sicher bewegen zu können.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die irakische Gesellschaft ist immer noch stark durch Stammesdenken geprägt, vor allem in Gegenden, die durch religiöse Spannungen und Gewalt beeinflusst sind (hauptsächlich die früher vom IS kontrollierten Gebiete). Die Zugehörigkeit zu einem Stamm ist oft wichtiger als die Befolgung staatlicher Gesetze. Uralte Normen und Werte üben einen bestimmenden Einfluss auf die Stammesgesellschaft aus. Wo sich dieses Stammesdenken mit dem Islam vermischt, sind insbesondere Christen muslimischer Herkunft betroffen. Der Stammeshintergrund eines Christen muslimischer Herkunft kann andere Christen davon abhalten, ihm oder ihr zu helfen, um nicht selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Stammesgruppen haben in einigen Gebieten Einfluss innerhalb von (und zuweilen auch auf) Regierungsbehörden.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist bis in die höchsten Schichten tief in der irakischen Gesellschaft verwurzelt. Sie spielt bei der Verfolgung von Christen im Irak eine wichtige Rolle, sowohl in den Gebieten, die von der irakischen Regierung kontrolliert werden, als auch in den Kurdengebieten. Diese Triebkraft motiviert Verfolger dazu, Christen besonders in den Bereichen Arbeitssuche und Registrierung christlicher Unternehmen zu benachteiligen und sogar ihres Besitzes zu entrauben. In vielen mehrheitlich islamischen Gebieten können Christen ihre Häuser nur zu 60 % des Wertes verkaufen. Weitere Beispiele: 1. Die Beschlagnahmung von Ländereien, die Christen gehören: In den von der irakischen Regierung kontrollierten Gebieten wurden mindestens 70 % der Ländereien von Christen, die aus dem Land geflohen sind, illegal beschlagnahmt. Dies geschah durch organisierte, kriminelle Gruppen, zu denen sehr einflussreiche Politiker und religiöse Leiter gehören. Ähnliche Phänomene können auch in den Kurdengebieten beobachtet werden, wobei die Täter einflussreiche Stammesführer aus dem herrschenden Klan waren. Die Verwundbarkeit religiöser Minderheiten wie die der Christen wird ausgenutzt. 2. Die Tötung und Entführung von Christen: Seit 2003 ist dies immer wieder in Wellen geschehen und hat zu großer Unsicherheit geführt. Diese beiden Gründe sind die Hauptursachen für die Auswanderung irakischer Christen und für das Schrumpfen der christlichen Gemeinschaft im Irak.

Diktatorische Paranoia

Das Ziel, um jeden Preis an der Macht zu bleiben, ist ein wesentliches Thema in der irakischen Zentralregierung und wird von Klientelpolitik, Korruption und Vetternwirtschaft verstärkt. Dieses Bestreben verhindert die Entwicklung einer pluralistischen Gesellschaft, in der sich Christen (und andere religiöse Minderheiten) wirklich willkommen fühlen könnten. Aus dem Nordirak gab es im Juni 2018 Berichte darüber, dass kurdische Behörden assyrisches Land beschlagnahmt hätten.

Christen berichten zudem, dass einige Kräfte in der Zentralregierung in Bagdad eine langfristige, systematische Kampagne zum demografischen Wandel in traditionell christlich geprägten Regionen forcieren, indem dort Ländereien und Häuser schiitischen und sunnitischen Muslimen zugesprochen werden. Christliche Leiter in Kirche und Politik bestreiten jedoch, dass Grundstücke von Christen mit betrügerischen Mitteln oder unter Zwang den Besitzer wechseln. Christen in den kurdischen Gebieten beklagen eine missbräuchliche Ausnutzung des Wahlsystems bei den Parlamentswahlen von 2018. Kurdische und schiitische Parteien vergaben die fünf für Christen reservierten Sitze dabei an christliche Kandidaten, die nicht von christlichen Parteien aufgestellt wurden, sondern von Parteien, die den Themen der christlichen Minderheiten keine Priorität einräumen. Auch 2019 war dies für christliche Leiter weiter ein Thema.

Konfessioneller Protektionismus

Während des Besatzungszeit des IS war diese Triebkraft nur schwach ausgeprägt, da Kirchen vieler verschiedenen Konfessionen in dieser Phase bemüht waren, sich gegenseitig zu helfen. Vierzehn christliche Konfessionen sind im Irak vom Staat anerkannt, zwei davon sind protestantisch. Wenn sich eine neue Konfession um Registrierung/Anerkennung bewirbt, werden die offiziell anerkannten Kirchen um eine Stellungnahme gebeten. Oft sprechen sie sich deutlich gegen die Registrierung protestantischer Freikirchen aus. Historische Kirchen versuchen oft, ihre Mitglieder vom Besuch neuere Kirchengemeinden abzuhalten. Manche traditionellen katholischen Kirchen verbieten protestantischen Christen, ihre Toten auf katholischen Friedhöfen zu beerdigen. Im Zentralirak und im Süden kommt es vor, dass Christen, die von einer historischen Kirche zu einer Freikirche wechseln, Drohungen und Widerstand von Familienmitgliedern, Stammesführern und ihrem sozialen Umfeld erleben. Dabei geht es um den möglichen Verlust des Arbeitsplatzes, der Erbrechte oder die finanzielle Möglichkeit zur Heirat. Bischöfe traditioneller christlicher Gemeinschaften haben sich in der Vergangenheit mehrfach geweigert, Angehörige ihrer Konfession zu trauen, weil sie freikirchliche Gemeinden besucht hatten. Familien und Gemeinschaften distanzieren sich oft von Christen, die ihre Konfession gewechselt haben.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gewalttätige religiöse Gruppen wie der IS und schiitische Milizen sind bekannt für gezielte Entführungen oder Morde an Christen aus traditionellen Kirchen. Einige Milizen sind auch eine besondere Gefahr für Christen muslimischer Herkunft.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Sehr starke Verfolgung geht von der Großfamilie aus, die großen Druck auf Christen muslimischer Herkunft ausübt, um sie zu einer Rückkehr zum Islam zu bewegen. Manchmal kann dies sogar Mordversuche beinhalten. Christen muslimischer Herkunft drohen körperliche Gewalt und Folter, Hausarrest, Enterbung von und Vertreibung aus ihren Familien, Verbannung aus ihren Stämmen, Familien und ihrem Umfeld, erzwungene Scheidung (betrifft vor allem Frauen), erzwungene Eheschließung mit einem streng konservativen Muslim (betrifft vor allem Frauen) und Verlust des Sorgerechts für Kinder.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte, die extremistischen islamischen Gruppen angehören, können es Christen sehr schwer machen, die behördlich notwendigen Dokumente zu erhalten. Angesichts der stark konservativen Prägung der Gesellschaft und der engen Zusammenarbeit mancher Sunniten mit islamistischen Aufständischen verschwimmt die Grenze zwischen extremistischen und moderaten Muslimen. Regierungsbeamte haben christenfeindliche Plakataktionen initiiert, bei denen Muslime zum Boykott christlicher Feste aufgefordert wurden; sie sollten Christen anlässlich des Weihnachtsfestes keine guten Wünsche zusprechen oder Weihnachtsdekorationen verwenden. In von der Regierung kontrollierten Gebieten wurden christliche Frauen durch Plakate an Kirchen dazu aufgefordert, einen Hidschab zu tragen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Wird der Glaubenswechsel eines Christen muslimischer Herkunft bekannt, üben Anführer ethnischer Gruppen in aller Regel starken Druck auf ihn aus, den Glauben wieder aufzugeben. Einige Stammesführer haben dem Mord an christlichen Konvertiten zugestimmt.
  • Politische Parteien: In den Parlamentswahlen im Mai 2018 haben eine schiitische politische Gruppe und kurdische Parteien die Wahlen manipuliert, um Christen den ihnen zustehenden Anteil von fünf Sitzen im Parlament zu entziehen. In der Vergangenheit haben einige schiitische politische Parteien Gesetze wie das neue nationale Identifikationsgesetz eingebracht, die Christen diskriminieren. Dieses Gesetz legt fest, dass die Kinder eines Ehepartners, der zum Islam konvertiert, automatisch als Muslime gezählt werden. Abgesehen von islamischen politischen Parteien haben immer wieder auch ethnische und paramilitärische Gruppen sowie Stammesgruppen Parteien mit einer ausgrenzenden Agenda gegründet.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Zu den Verfolgern zählen auch extremistische islamische Anführer, sowohl schiitische als auch sunnitische, welche direkten Einfluss auf die Politik und andere Aspekte des Lebens im Irak ausüben. Dies spiegelt sich erstens in diskriminierenden Richtlinien, Gesetzen und administrativen Vorgängen gegen Christen wider und zweitens in den sehr häufig auftretenden Hassreden von muslimischen Leitern, die Christen ausgrenzen.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger haben in der Vergangenheit mit dem IS zusammengearbeitet oder sind Teil einer Miliz geworden, die Christen verfolgt, so zum Beispiel in Mossul. Dies hat das Vertrauen von Christen zu ihren Nachbarn und anderen Menschen in ihrem sozialen Umfeld schwer beschädigt. Auch gewöhnliche Bürger setzen Christen muslimischer Herkunft überall im Irak unter Druck, zum Islam zurückzukehren.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Abgesehen von politischen Parteien und einigen militanten Gruppen sind auch kriminelle Netzwerke an der Konfiszierung von mehr als 30.000 Grundstücken von Christen in Bagdad und anderen Gegenden beteiligt, wie im „International Religious Freedom Report 2018“ berichtet wird. Mafiös organisierte Gruppen schließen sich mit Immobilienbüros zusammen und beschlagnahmen die Grundstücke von Christen, indem sie Dokumente fälschen – und kommen dabei meist ungestraft davon. In einigen Fällen wurden die christlichen Besitzer oder Mieter sogar direkt bedroht, woraufhin sie aus ihren Häusern flohen.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Die Volkszugehörigkeit bleibt ein Faktor in der Verfolgung von Christen in den kurdischen Gebieten, aber auch überall sonst im Irak. Nach der Rückeroberung der Gebiete vom IS drängten kurdische Truppen und vom Iran unterstützte Milizen, einschließlich der schiitischen Minderheit der Schabak, Christen dazu, ihre Grundstücke zu verkaufen oder hinderten Christen daran, in ihre Städte oder Dörfer zurückzukehren. Mit der Enteignung von Christen trugen sie zu der Vertreibung von Christen aus dem Irak bei.
  • (Groß-)Familie, Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Ethnisch begründete Anfeindungen betrifft die Auferlegung jahrhundertealter Normen und Werte, die im Stammeskontext geprägt wurden; diese Anfeindungen vermischen sich häufig mit Islamischer Unterdrückung. Die Zugehörigkeit zu einem Stamm und die Befolgung der dort geltenden Regeln hat höheres Gewicht als die Befolgung staatlicher Gesetze. Die Akteure dieser Triebkraft sind insbesondere Familien von Christen muslimischer Herkunft sowie Stammesführer und Anführer ethnischer Gruppen oder islamische Leiter.
  • Politische Parteien: Ethnische Gruppen sowie Stammesgruppen haben bisweilen Parteien mit einer ausgrenzenden Agenda gegründet. Im Stammeskontext geraten vor allem christliche Konvertiten unter Druck: Ist bekannt, dass ein Konvertit einem bestimmten Stamm angehört, kann es passieren, dass andere Christen ihm aus Angst nicht helfen, da die Stammesgruppen auch auf behördlicher Ebene großen Einfluss haben. Kurdische Behörden und Bürger waren in die sogenannte demografische Entwicklungspolitik oder „Kurdifizierung“ in der Ninive-Ebene und anderen Teilen der Kurdengebiete verwickelt. Dieser geplante und gezielte Versuch, Land von Christen anzukaufen oder zu konfiszieren, bedroht die Identität der historischen christlichen Enklaven und Ortschaften und ist ein weiterer Schritt hin zur Auslöschung der christlichen Minderheit im Irak.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Politische Parteien, Regierungsbeamte und gewöhnliche Bürger: Regierungsbeamte auf allen Ebenen bedrohen Berichten zufolge Christen und „ermutigen“ sie, auszuwandern. Auch im Norden haben gewöhnliche Bürger Berichten zufolge in der Öffentlichkeit die Frage aufgeworfen, warum immer noch Christen im Irak sind. Durch ihr Versäumnis, eine pluralistische Gesellschaft zu fördern, tragen auch politische Parteien zur Verfolgung von Christen bei. Christen in den kurdischen Gebieten beklagen einen Missbrauch des Wahlsystems bei den Parlamentswahlen von 2018, als kurdische und schiitische Parteien für die fünf Sitze, die für Christen reserviert sind, ihre eigenen christlichen Kandidaten aufstellten.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen, Anführer ethnischer Gruppen und Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Andere Verfolger sind Anführer ethnischer Gruppen (z. B. kurdische Leiter), ethnische Milizen (z. B. die Schabak) und gewalttätige religiöse Gruppen (wie der IS, Al Kaida und Chorasan). Um ihre Macht zu sichern oder auszubauen sind sie bereit, alles zu tun.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter anderer Kirchen: Verfolgung geschieht auf geringerem Niveau auch durch Leiter historischer Kirchen, die manchmal die offizielle Anerkennung neuer christlicher Konfessionen verhindern. In einem Fall brachte ein katholischer Leiter durch seinen Einfluss die Polizei dazu, einen protestantischen Pastor zu belästigen, der in einem traditionell katholischen Dorf tätig war. Der Pastor und sein Team wurden auf Grund falscher Anschuldigungen festgehalten und der Pastor wurde gezwungen, das Dorf zu verlassen. Einige katholische Kirchen in den Kurdengebieten verbieten den protestantischen Christen, ihre Toten auf christlichen Friedhöfen zu beerdigen. In Bagdad müssen protestantische Denominationen, die (noch) nicht von der zentralen Regierung anerkannt sind, bezahlen, um ihre Toten beerdigen zu können. Das Land wird vom Staat gestellt, und die Verwaltung des Friedhofes liegt in der Hand der einzigen anerkannten protestantischen Denomination in Bagdad. In der Regierung der Kurdengebiete wird die Abteilung für christliche Angelegenheiten von der chaldäischen (katholischen) Kirche dominiert, die manche administrativen Vorgänge beeinflusst oder behindert.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen, die ihre Konfession wechseln (oft von einer historischen Kirche zu einer neueren, protestantischen Kirche), erfahren häufig Missbilligung von Familienangehörigen. Sehr wahrscheinlich wird Druck ausgeübt, um die Person dazu zu bringen, zu der traditionellen Kirche zurückzukehren.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Gewalttätige religiöse Gruppen, politische Parteien, Regierungsbeamte, Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Gewalttätige religiöse Gruppen, Regierungsbeamte und kriminelle Gruppen beuten Christen durch Korruption und Verbrechen aus. Regierungsbeamte, die Verbindungen zu kriminellen Gruppen haben, missbrauchen ihre Macht und fälschen Dokumente. Kriminelle Gruppen verbünden sich mit Immobilienbüros, um sich Grundstücke von Christen anzueignen – meistens von Christen, die geflohen sind. Das passiert schon seit Jahren und geht in Bagdad immer noch weiter. Durch diese Triebkraft motivierte Verfolger sind hauptsächlich Menschen, die politische Macht haben oder ihr nahestehen, oder auch schiitische Milizen, die vom Iran unterstützt werden. Immer wieder kommt es zu Entführungen von Christen durch organisierte kriminelle Netzwerke, sowohl aus finanziellen als auch aus religiösen Motiven; die Zahl ist jedoch insgesamt zurückgegangen.
  • Politische Parteien: Abgesehen von kriminellen Netzwerken und einigen militanten Gruppen sind auch politische Parteien an der Konfiszierung von mehr als 30.000 Grundstücken von Christen in Bagdad und anderen Gegenden beteiligt. Das geschieht unter Missachtung der Versprechen des Premierministers, die Aneignungen zu untersuchen.
  • Gewöhnliche Bürger: Einige Bürger sind an dem Prozess der Enteignung christlicher Grundstücke beteiligt, indem sie sie kaufen und dorthin ziehen. Christen und andere Nichtmuslime berichten von Korruption, Vetternwirtschaft und einer ungerechten Anwendung des Arbeitsrechtes, die zu einer Verschlechterung der ökonomischen Situation von Nichtmuslimen führen. Dies ist wiederum einer der Gründe für sie, auszuwandern.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Der Irak besteht aus 18 Provinzen/Gouvernements, von denen in nur fünf offiziell Christen leben. Abgesehen von kleinen Gruppen christlicher Konvertiten mit muslimischem Hintergrund haben Christen alle anderen Gouvernements verlassen.

Die meisten Christen im Irak leben in den kurdischen Provinzen. Auch im Gouvernement Ninive gibt es viele Christen. Die Ninive-Ebene ist eines der sogenannten „umstrittenen Gebiete“ zwischen der Zentralregierung und der kurdischen Führung. Nach dem Referendum vom September 2017 über die kurdische Unabhängigkeit wurde der Großteil der Ninive-Ebene wieder der Kontrolle der Zentralregierung unterstellt. Einige Christen leben in Bagdad und Basra. Christen muslimischer Herkunft gibt es in allen Provinzen des Landes. Die Verfolgung dieser Christen ist in den arabischen Gebieten stärker als in den kurdischen Gebieten.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen zählen laut Methodik nicht als eigenständige Kategorie, da sie im Irak üblicherweise keine unfreiwillig isolierte Gruppe darstellen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Kirchen wie die assyrisch-orthodoxe Kirche, die chaldäisch-katholische Kirche, die syrisch-katholische Kirche und die armenische Kirche sind alle erheblich von Verfolgung durch extremistische islamische Gruppierungen und nichtchristliche religiöse Leiter betroffen. Sie werden auch von den Behörden diskriminiert. Im Zentral- und Südirak zeigen Christen oft keine christlichen Symbole (wie z. B. ein Kreuz), da dies zu Belästigungen oder Diskriminierungen an Checkpoints, in der Universität oder am Arbeitsplatz, sowie in Regierungsgebäuden führen kann. Es wurde berichtet, dass Christen selbst in der Autonomen Region Kurdistan Kreuze aus ihren Autos entfernt haben, um ungewollte Aufmerksamkeit zu vermeiden.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Kategorie besteht aus Christen mit muslimischem Hintergrund sowie Christen, die aus einer traditionellen Kirche stammen und zu einer anderen Denomination übergetreten sind und nun zusammen mit protestantisch-freikirchlichen Christen Gottesdienst feiern. Christen muslimischer Herkunft erleben den meisten Druck durch die eigene (Groß-)Familie und halten oft ihren neuen Glauben geheim, da sie riskieren, von ihren Familienangehörigen, Stammesführern und den Menschen in ihrem Umfeld bedroht zu werden. Die Denomination zu wechseln (z. B. von einer orthodoxen Kirche zu einer freikirchlich-protestantischen Gemeinde) wird ebenfalls häufig mit dem Entzug von Rechten oder mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bestraft. Ein Bischof weigerte sich, Mitglieder seiner Kirche zu trauen, die freikirchlich-protestantische Gemeinden besucht hatten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelische, Baptisten- und Pfingstgemeinden in Bagdad und Basra sind ebenfalls erheblich von der Verfolgung durch islamisch-extremistische Bewegungen und nichtchristliche religiöse Leiter betroffen und erleben Diskriminierungen durch die Behörden. In gewissem Maße sind auch freikirchliche Christen von Widerstand durch die eigene (Groß-)Familie betroffen. Christen, die ihren Glauben offen bekennen, wurden regelmäßig zu Zielscheiben im Zentral- und Südirak. Auch Blasphemiegesetze können gegen sie angewendet werden, wenn sie im Verdacht stehen, missionarisch unter Muslimen zu arbeiten. Für evangelikale Christen gibt es keine gesetzliche Grundlage, um Bibelschulen zu eröffnen oder zu diesem Zweck auswärtige Organisationen zu engagieren.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 14
Familienleben 14.6
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 14.5
Kirchliches Leben 13.6
Auftreten von Gewalt 5.6

 

Grafik: Verfolgungsmuster Irak

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Irak hat weiterhin ein extremes Ausmaß und liegt mit 14,1 Punkten auf dem gleichen Niveau wie im vorherigen Berichtszeitraum. Der Druck ist in jedem Lebensbereich extrem, außer im Bereich des kirchlichen Lebens, wo er mit einer Wertung von 13,6 Punkten immer noch sehr hoch ist. Dies ist typisch für eine Situation, in der viele verschiedene Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken:
  • Der Druck durch Islamische Unterdrückung herrscht in allen fünf Lebensbereichen und betrifft besonders Christen muslimischer Herkunft. Ethnisch begründete Anfeindungen (verbunden mit Islamischer Unterdrückung) treten besonders in den Lebensbereichen Familienleben und Privatleben auf. Organisiertes Verbrechen und Korruption betreffen besonders die Bereiche Gesellschaftliches Leben und Leben im Staat. Konfessioneller Protektionismus tritt vor allem in den Bereichen Kirchliches Leben, Familienleben und Privatleben auf.
  • Die Gewalt gegen Christen ist immer noch sehr hoch (5,6 Punkte), obwohl die Wertung von 8,1 Punkten im Vorjahr gesunken ist. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf eine geringere Anzahl von Berichten über ermordete Christen sowie weniger Berichte über Angriffe auf Kirchen zurückzuführen.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist für Christen riskant, über ihren Glauben zu sprechen: Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr riskant, mit entfernten Angehörigen und anderen Menschen über ihren christlichen Glauben zu sprechen. Die traditionellen Kirchen haben im Lauf der Jahrhunderte erfahren müssen, dass sie außerhalb ihrer Gemeinschaften nicht über den Glauben diskutieren können oder irgendeine Aktivität durchführen können, die als Evangelisation verstanden werden könnte. Auch für Mitglieder anderer christliche Gemeinschaften sind Gespräche über den christlichen Glauben mit Nichtchristen immer mit dem Risiko verbunden, der Evangelisation beschuldigt und deswegen belästigt oder sogar gewalttätig angegriffen zu werden.
  • Es ist für Christen riskant, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Als Christ muslimischer Herkunft kann es sehr gefährlich sein, seinen Glaubenswechsel über soziale Medien bekanntzumachen. Für alle anderen Christen ist es meist kein Problem, ihrem Glauben schriftlich Ausdruck zu verleihen. Beiträge zu posten, die anderen den christlichen Glauben nahebringen wollen, sind jedoch problematisch. Nach Jahrhunderten der religiösen Verfolgung und immer wiederkehrenden Wellen der Gewalt, sowohl durch Nachbarn als auch durch Ausländer, tendieren Christen aus traditionellen Kirchen dazu, dies aus Angst vor Feindseligkeit zu unterlassen. Protestantische Freikirchen riskieren ernsthaften Widerstand, sind aber trotzdem offener im Bekenntnis ihres Glaubens und geben das Evangelium aktiver weiter.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: In einem Land, das stark von religiös motivierter Gewalt (und in der Vergangenheit sogar von Völkermord) betroffen ist, geht mit dem Zeigen religiöser Symbole immer die Gefahr von Belästigung, Entführung oder Gewalt einher. Dies gilt besonders für die zentralen und südlichen Regionen des Landes, aber auch für einige Teile der Ninive-Ebene, wie Mossul. Einheimische Christen, die keine Konvertiten sind, zeigen christliche Symbole und Bilder in ihrem privaten und öffentlichen Leben, sofern sie nicht in einer streng konservativen islamischen Umgebung leben. Für Christen muslimischer Herkunft würde ein solches Verhalten bedeuten, ihren Glaubenswechsel zu verraten und ist deshalb im gesamten Land sehr riskant, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben.
  • Es ist für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen: Sich mit anderen Christen zu treffen, ist besonders für Christen muslimischer Herkunft gefährlich. Dadurch könnte ihr Glaubenswechsel bekannt werden. Das gilt im gesamten Land, jedoch in unterschiedlichem Maß. In den etwas toleranteren kurdischen Gebieten und den christlich geprägten Dörfern der Ninive-Ebene wäre dies weniger riskant als in streng konservativ islamisch geprägten Gebieten.

Christen mit muslimischem Hintergrund sind in der persönlichen Ausübung ihres Glaubens von allen Christen am stärksten eingeschränkt. Sie können in einer muslimisch geprägten Gegend weder über ihren Glauben sprechen noch christliches Material besitzen, ohne mit Feindseligkeit bis hin zu Gewalt konfrontiert zu werden. Zusätzlich dazu, dass sie als Abtrünnige gelten, wird es als aktive Missionierung und Verrat gesehen, wenn man über den christlichen Glauben redet. Der Druck in diesem Lebensbereich ist besonders hoch im Zentral- und im Südirak und ist auch in den Kurdengebieten in einer milderen Form existent.

Familienleben

  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch zu nehmen: Christen muslimischer Herkunft können keine Nichtmuslime heiraten, da sie offiziell weiter als Muslime gelten. Im Falle einer Scheidung gilt das islamische Familienrecht, was das Sorgerecht für Kinder, Erbansprüche, Beerdigungen, etc. betrifft.
  • Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch unter der Mehrheitsreligion registriert. Laut Artikel 26 des Gesetzes von 2015 zum Personalausweis werden Kinder unter 18 mit einem muslimischen Elternteil als Muslime registriert. Das trifft selbst dann noch zu, wenn eine nichtmuslimische Mutter von einem Muslim vergewaltigt wurde und das Kind durch diese Vergewaltigung gezeugt wurde. Wird ein Kind einmal als Muslim registriert, kann die Religionszugehörigkeit nicht mehr zum christlichen Glauben geändert werden. In einigen Fällen hat das dazu geführt, dass Christen ausgewandert sind. Christen mit muslimischem Hintergrund stehen vor derselben Herausforderung, da sie ihre Religionszugehörigkeit nicht offiziell ändern können, und ihre Kinder daher automatisch als Muslime registriert werden.
  • Die Registrierung von Geburt, Hochzeit, Tod usw. von Christen wird behindert oder unmöglich gemacht: Behördliche Bescheinigungen in den genannten Bereichen sind für Christen muslimischer Herkunft faktisch nicht zu bekommen, da die Behörden sie weiterhin als Muslime betrachten. Eine Ehe von einem Christen muslimischer Herkunft mit einem Nichtmuslim wird daher nicht anerkannt. Seine/ihre Kinder werden als Muslime behandelt, was zahlreiche rechtliche und soziale Konsequenzen für das Leben der Kinder nach sich zieht. Dieses Thema betrifft auch die Christen, die vom IS gezwungen wurden, zum Islam zu konvertieren. Sie werden nun als Muslime angesehen, weil sie vor Gericht ihre Konversion erklären mussten. Alle rechtlichen und sozialen Aufzeichnungen werden vom zuständigen Gericht geändert. Nicht registrierte Freikirchen haben keine Möglichkeit, Hochzeiten oder Todesfälle ihrer Mitglieder registrieren zu lassen.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an christenfeindlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Dies gilt besonders für christliche Kinder, deren Eltern einen muslimischen Hintergrund haben. Sie werden als Muslime angesehen und müssen am verpflichtenden Islamunterricht auf allen schulischen Ebenen teilnehmen. In geringerem Ausmaß kann dies auch einheimische Christen betreffen, besonders in mehrheitlich islamisch geprägten Gegenden der Zentralregierung und streng konservativen Gegenden wie Mossul. Druck von Lehrern oder anderen Schulkindern kann hierbei eine starke Rolle spielen. Im gesamten Land müssen alle Schulen (auch christliche Schulen) regelmäßigen Islamunterricht anbieten und die Schüler in diesem Fach testen. Wer diese Prüfungen nicht besteht, kann nicht in die nächste Klasse versetzt werden. Der nationale Lehrplan ist zudem auf den Islam ausgerichtet – das betrifft nicht nur den Religionsunterricht, sondern beispielsweise auch das Fach Geschichte.

Christen muslimischer Herkunft müssen ihren neuen Glauben meist vor ihrer Familie verstecken, weil dieser Schande über die Familie bringt. Andernfalls riskieren sie, bedroht und isoliert zu werden. Christliche Familien ohne muslimischen Hintergrund stehen zwar weniger unter Druck als Christen muslimischer Herkunft, sind aber dennoch auf verschiedene Weise eingeschränkt. Im Zentral- und Südirak werden Kinder aus christlichen Familien in staatlichen Schulen oft diskriminiert. Abgesehen davon, dass sie schlechtere Noten als muslimische Kinder bekommen, werden sie gezwungen, den Koranunterricht zu besuchen. Sie dürfen ihren Glauben auch dann nicht erklären, wenn sie danach gefragt werden. Christliche Eltern müssen vorsichtig sein, was sie ihren Kindern von ihrem Glauben mitteilen. Wenn die Kinder in der Schule über ihren Glauben reden würden – vor allem im Islamunterricht – könnte die Familie der Blasphemie beschuldigt werden. Christliche Kinder, die sich weigern, den Islamunterricht zu besuchen, werden oft schikaniert und unter Druck gesetzt, Muslime zu werden. Es kann zudem passieren, dass christliche Schulkinder dazu gezwungen werden, sich gemäß islamischen Vorschriften zu kleiden. An einer Universität in Mossul wurden einige christliche Mädchen dazu gezwungen, sich zu verschleiern. Christen muslimischer Herkunft wurden gezwungen, ihre Kinder entweder als Muslime registrieren zu lassen, oder gar keine Dokumente für sie ausstellen zu lassen, „sie undokumentiert zu lassen, was Einfluss auf ihr Recht auf staatliche Förderungen hat“, wie das Außenministerium der Vereinigten Staaten in seinem internationalen Bericht zur Religionsfreiheit für 2018 bemerkt hat.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden wegen ihres Glaubens im Alltag belästigt, bedroht oder schikaniert, zum Beispiel, weil sie sich nicht entsprechend der Vorschriften für Kleidung oder Bärte verhalten: Diskriminierung von Christen ist im Irak weitverbreitet. Der Krieg und die zahlreichen Milizen, die nicht von der Zentralregierung kontrolliert werden können, führen dazu, dass Verfolger ungestraft bleiben. Selbst in den kurdischen Gebieten ist Diskriminierung Teil des Alltags. Sie erfolgt aufgrund der Nichtbeachtung von Kleidungsvorschriften, dem Platzieren von Kreuzen in Autos und ähnlichem und ist weitverbreitet. Auf christliche Frauen aller Kategorien wird in Bagdad und Basra Druck ausgeübt, ein Kopftuch zu tragen. Selbst im Norden des Landes (Dohuk, Zakho und in einigen Gebieten Erbils) wächst der soziale Druck auf Frauen, sich zu verschleiern. Außerdem beinhaltet der Lehrplan für Grundschulen Elemente, die falsch und beleidigend sind und Hass und Spaltung fördern. Christliche Frauen sind besonders betroffen, wenn Kinder beispielsweise lernen, dass unverschleierte Frauen „krank“ sind.
  • Christen stehen in Gefahr, entführt und/oder zwangsverheiratet zu werden: Christinnen muslimischer Herkunft riskieren ihr Leben, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Es kann vorkommen, dass sie mit einem Muslim verheiratet werden. Die Angst vor Vergewaltigungen und anderen Formen von Gewalt gegen Frauen, die zu einer Heirat mit einem Vergewaltiger führen könnten, ist in allen christlichen Gemeinschaften weitverbreitet. Diese Situation wird durch folgendes Gesetz unterstützt: Vergewaltigung wird im Irak nicht bestraft, wenn der Vergewaltiger die Frau heiratet, die er vergewaltigt hat und damit ihre Familienehre wiederherstellt. Dadurch können Frauen, auch Christinnen, gezwungen werden, den Mann zu heiraten, der sie vergewaltigt hat.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen im Bildungsbereich (beispielsweise eingeschränkter Zugang zu Bildung): Die Hauptbenachteiligung, die Christen im Bildungsbereich erfahren, ist der Fokus auf den Islam im Bereich der religiösen Bildung und die Nichtbeachtung der anderen religiösen Gemeinschaften und ihres Beitrags zur Geschichte des Irak. Dadurch wird bei Muslimen eine Sichtweise erzeugt, die Christen als untergeordnet betrachtet. Christen und andere nichtmuslimische Gemeinschaften werden als Fremdkörper in der Geschichte und Kultur des Irak betrachtet.              
    Einige Lehrpläne in öffentlichen Schulen und Universitäten definieren Christen sogar als Ungläubige und Feinde und rufen zum Dschihad gegen sie auf. Berichten zufolge gibt es zudem nur wenige Christen, die Stipendien oder höhere Positionen innerhalb des Bildungssystems und an Universitäten erhalten. Christliche Studenten beklagen sich, dass einige muslimische Professoren an Universitäten Prüfungen absichtlich auf christliche Feste wie Weihnachten und Ostern legen. Assyrische Schulen weisen darauf hin, dass sie benachteiligt werden, indem sie nicht die volle finanzielle Unterstützung erhalten, auf die sie Anspruch haben, oder die Schulbücher, die sie benötigen.
  • Christen werden am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Sektor aus religiösen Gründen diskriminiert: Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es sehr einfach, Christen im öffentlichen Leben zu diskriminieren. Selbst hochqualifizierte Christen werden im Blick auf Arbeitsplätze oder hochgestellte Positionen benachteiligt. Auch wenn einige Christen wichtige Positionen im Parlament und der Regierung innehaben, fühlen Christen sich generell bei der Besetzung von Regierungsämtern und bei Wahlen unterrepräsentiert. Dies betrifft vor allem öffentliche Positionen (besonders auf provinzieller und lokaler Ebene) und schränkt den Zugang von Minderheiten zu den von der Regierung angebotenen wirtschaftlichen Möglichkeiten weiter ein. Für Christen muslimischer Herkunft ist es noch schwieriger: Sie verlieren mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre Arbeitsstelle, sobald ihr Glaubenswechsel bekannt wird (etwa, weil sie im Ramadan nicht fasten). In einem solchen Fall erhalten sie kein Arbeitszeugnis oder andere Dokumente und haben es sehr schwer, eine neue Anstellung zu finden, besonders bei größeren Firmen.

Leben im Staat

  • Die Verfassung schränkt die Religionsfreiheit ein, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: Auch wenn die Verfassung grundlegende Menschenrechte und die Religionsfreiheit anerkennt und der Irak alle Abkommen und Vereinbarungen zu Menschenrechten unterzeichnet hat, verstoßen mehrere Gesetze gegen die Prinzipien, die Christen Religionsfreiheit gewähren. So legt die Verfassung beispielsweise fest, dass der Irak ein islamisches Land ist und kein Gesetz erlassen werden darf, das dem Islam oder islamischen Grundsätzen entgegensteht. Das Gesetz erlaubt die Konversion von einem anderen Glauben zum Islam, jedoch nicht die Konversion vom Islam zu einem anderen Glauben und erkennt diese auch nicht an. Das Gesetz zu Personalausweisen legt fest, dass alle Kinder einer Person als Muslime gelten, wenn sie zum Islam konvertiert, selbst Kinder aus einer früheren Ehe. Nach dem Familienrecht unterliegt in einer Ehe, in der einer der Ehegatten Muslim ist, das Recht auf Scheidung, Sorgerecht und Erbschaft fast automatisch den Gesetzen des muslimischen Glaubens.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens von öffentlichen Ämtern oder Beförderungen ausgeschlossen: Repräsentanten christlicher Gemeinschaften beklagen immer wieder, dass sie im öffentlichen Dienst unterrepräsentiert sind, besonders auf provinzieller und lokaler Ebene. Christen in den kurdischen Gebieten beklagen einen Missbrauch des Wahlsystems bei den Parlamentswahlen von 2018, als kurdische und schiitische Parteien für die fünf Sitze, die für Christen reserviert sind, ihre eigenen christlichen Kandidaten aufstellten. Allgemein gesprochen verhält es sich wie im Großteil des Nahen Ostens: Christen wird nicht erlaubt, die höchsten Ämter in bestimmten Institutionen, wie dem Militär, zu bekleiden. Manchmal wurden Christen aufgefordert, Muslime zu werden, um eine Beförderung zu erhalten.
  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen: Lokalen Christen zufolge hetzen nichtchristliche religiöse Leiter und Kleriker regelmäßig gegen Christen, etwa in Predigten in Moscheen. Dies kann unmittelbar zu Gewalt gegen Christen führen. Christen wurden außerdem wiederholt zum Ziel von Hassreden und Hetzkampagnen im nationalen Fernsehen und online durch extremistische Gruppierungen.
  • Angeklagten Christen wird eine Gleichbehandlung vor Gericht verweigert: Vor Gericht erleben Christen die gleiche Diskriminierung wie im öffentlichen Leben und in der Politik. Sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt, sofern sie nicht persönliche Beziehungen in höhere Regierungsebenen haben.
  • Personen, die Christen Schaden zufügen, werden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: Die meisten Verfolger von Christen werden nicht für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Christen mit muslimischem Hintergrund betrifft das noch stärker, besonders, wenn es um Ehrenverbrechen innerhalb der Familie geht. Die Regierung hat keine Kontrolle über die Milizen, die im Land aktiv sind, besonders in der Ninive-Ebene. Enteignungen, Zerstörungen, Entführungen und Morde in der IS-Zeit und auch in der Zeit danach wurden nicht verfolgt. Trotz der hohen Anzahl beschlagnahmter christlicher Häuser und Grundstücke wurde kaum jemand dafür bestraft (offiziellen Schätzungen zufolge betrifft dies 78 % aller Grundstücke von Christen, die das Land verlassen haben).

Kirchliches Leben

  • Die Arbeit mit Jugendlichen wird gezielt eingeschränkt: Die Arbeit mit Jugendlichen ist nur innerhalb von Kirchengebäuden erlaubt. Auch Jugendcamps oder ähnliche Events dürfen nur innerhalb der Mauern eines kirchlichen Gebäudes stattfinden und sind nicht im Freien gestattet. Die Arbeit mit Jugendlichen darf nur auf christliche Jugendliche ausgerichtet sein, Arbeit mit der mehrheitlich muslimischen Jugend ist nicht möglich. Nicht registrierte christliche Gemeinschaften, die sich in Häusern oder Läden treffen, können mit der lokalen Polizei in Konflikt geraten, wenn muslimische Nachbarn solche Treffen in ihrer Nähe nicht dulden.
  • Kirchen werden daran gehindert, offen Menschen zu integrieren, die zum christlichen Glauben übergetreten sind: Es ist nicht möglich, Christen muslimischer Herkunft in eine Kirche in der Stadt zu integrieren, aus der sie stammen. Meist müssen christliche Konvertiten ihren Heimatort aus Sicherheitsgründen verlassen und andere Christen in der Anonymität einer Großstadt kennenlernen – oder das Land ganz verlassen. Es ist bekannt, dass Kirchen, die Konvertiten aufnehmen, ins Visier der Behörden geraten und von der Schließung bedroht sind. Eine Ausnahme stellen hierbei die Kurdengebiete dar, in denen einige kurdische Kirchen konvertierte Kurden aufnehmen konnten. Doch trotz der etwas größeren Freiheit werden sie auch hier eng überwacht und sind einer gewissen Gefahr ausgesetzt.
  • Für Kirchen und christliche Organisationen ist es riskant, gegenüber Anstiftern von Verfolgung die Stimme zu erheben: Es ist generell schwierig für Kirchen oder christliche Organisationen, ihre Stimme gegen Verfolger zu erheben – mit Ausnahme von Verbrechen, die vom IS begangen wurden. Im Irak stecken hinter schweren Vorfällen von Verfolgung üblicherweise hochrangige religiöse und politische Führer mit beachtlichem Einfluss und militärischer Macht.              
    Christliche Leiter formulieren Kritik und Anschuldigungen mit großer Vorsicht. Einige, die sich in dieser Hinsicht klarer geäußert haben, haben Drohungen erhalten und wurden aufgefordert, sich still zu verhalten. Einige Kritiker der Regierung, ihrer Milizen oder der politischen Parteien wurden bereits getötet.
  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder unterbunden: Ist eine Gemeinschaft von Christen muslimischer Herkunft bekannt, wird sie mit großer Sicherheit überwacht, behindert und gestört. Davon gibt es einige wenige Ausnahmen in den kurdischen Gebieten. Obwohl hier etwas größere Freiheit herrscht, werden auch hier Christen muslimischer Herkunft eng überwacht. In Teilen der Ninive-Ebene ist das christliche Leben ausgestorben: Mossul, Tel Keppe und andere Orte beherbergten früher lebendige christliche Gemeinschaften, die es jetzt nicht mehr gibt. Die allermeisten Kirchen sind noch immer Ruinen und die Regierung unterstützt die Wiederansiedlung der Christen in der Ninive-Ebene nicht ausreichend. Einige Kirchengemeinden werden laut Berichten überwacht, besonders protestantische Freikirchen.

Auftreten von Gewalt

  • Drei Christen wurden im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet. Da dies Christen muslimischer Herkunft betrifft, können aus Sicherheitsgründen keine detaillierteren Angaben gemacht werden.
  • Zur Gewalt zählen auch sexuelle Übergriffe, die ein großes Problem im Irak darstellen (siehe auch „Wie Frauen Verfolgung erfahren“ unten). Einem Bericht zufolge geben 77 % aller Frauen an, bereits sexuell belästigt worden zu sein. Christinnen sind davon besonders stark betroffen, da es kaum eine Strafverfolgung gibt und sie nicht ausreichend geschützt werden. Hinzu kommt die in der islamisch geprägten Gesellschaft verbreitete Sicht, dass christliche Frauen für Annäherungsversuche offen sind. Schabakische Milizen oder mit ihnen verbundene Gruppen sind bekannt dafür, Christen sexuell zu belästigen. Auch viele Christinnen in Bagdad leiden unter sexueller Belästigung. Es ist jedoch sehr schwierig, Berichte zu diesem Thema zu überprüfen, da es ein großes Tabuthema ist. Die Dunkelziffer in diesem Bereich dürfte sehr hoch sein. Es gab außerdem einen Bericht von einer Zwangsehe. Junge Christinnen muslimischer Herkunft werden in der Regel an einen konservativen Muslim verheiratet, wenn ihr Glaubenswechsel entdeckt wird. Insgesamt gab es 13 Fälle von Christinnen, die körperlich oder seelisch missbraucht wurden. Zwei ältere Frauen, eine Mutter und einer Tochter, wurden im Mai 2019 in Bartella, einem ehemals christlich geprägten Ort, von schabakischen Milizen verprügelt und beraubt. Lokale christliche Leiter sehen das als Teil einer Strategie, die Christen einschüchtern und sie zum Auswandern bewegen soll. In mehreren Fällen wurden Christen muslimischer Herkunft körperlich angegriffen und verletzt oder mit dem Tod bedroht.
  • In drei Fällen wurden Christen im Zusammenhang mit ihrem Glauben verhaftet. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Informationen weitergegeben werden.
  • In die Kategorie Gewalt fallen auch Kirchenschließungen, Konfiszierungen und erzwungene Standortwechsel von Kirchen. Eine Hauskirche musste umziehen, weil der Vermieter die Miete drastisch erhöht hatte, nachdem er herausgefunden hatte, dass sich in seinem Eigentum Christen muslimischer Herkunft trafen.
  • In den vergangenen Jahren wurden tausende Häuser christlicher Eigentümer geplündert oder konfisziert. Betrachtet man die Korruption und Straffreiheit im Land, ist dies ein anhaltendes Problem. Auch hier ist die Dunkelziffer wahrscheinlich sehr hoch, und die Wertung im Weltverfolgungsindex deckt nur die bekannten Fälle ab. Dazu gehört etwa der oben beschriebene Angriff auf ein christliches Zuhause in Bartella im Mai 2019, der aus Sicht der einheimischen Christen darauf abzielte, Christen einzuschüchtern und zum Verlassen der Gegend zu bringen. Dazu kam ein Angriff auf einen von Christen geführten Laden in Bagdad durch Milizen im Sommer 2019.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Verweigerung der Eheschließung mit einem christlichen Ehepartner (gilt für Christinnen muslimischer Herkunft)
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Erzwungene Einhaltung religiöser Kleidungsvorschriften
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Nach Jahren der Gewalt hat sich im Irak ein brüchiger Frieden etabliert. Die Angst vor Gewalt schwindet auch lange nach dem letzten Vorfall nur langsam – um von gewalttätigen Protesten neu befeuert zu werden. Der IS war während des Krieges bekannt für seine brutale Behandlung von Frauen, insbesondere Angehörigen religiöser Minderheiten, die als Sexsklavinnen gehalten und verkauft wurden. 2015 veröffentlichte das „Iraqi Media Women Forum“ die Ergebnisse seiner nationalen Umfrage zu sexueller Belästigung. Darin gaben 77 % der befragten Frauen an, sexuelle Belästigung erlebt zu haben, und 91 % der belästigten Frauen sagten, dass lokale Traditionen und Bräuche sie davon abhielten, Gerechtigkeit durch das Justizsystem zu suchen. In manchen Gebieten tragen christliche Frauen und Mädchen inzwischen zu ihrer eigenen Sicherheit Schleier. Unverschleierte Frauen in Bagdad und Basra sind in großer Gefahr, belästigt, mit Steinen beworfen, entführt oder getötet zu werden.

Für christliche Frauen wird die Problematik noch dadurch verstärkt, dass Übergriffe auf Christen generell ungestraft bleiben, sei es bei Diebstahl, Entführung, sexuellem Missbrauch oder Korruption. Verfügt der Täter über Beziehungen und einen höheren Status, was häufig der Fall ist, gewinnt er den Prozess, besonders unter dem Stammesjustizsystem, welches die staatliche Justiz außer Kraft setzen kann.

Christinnen muslimischer Herkunft sind besonders schutzlos der Verfolgung wegen ihres Glaubens ausgesetzt. Aber auch andere christliche Frauen sind mit Ungleichbehandlung konfrontiert, zum Beispiel, wenn ihre Männer zum Islam übertreten. Bei Christinnen muslimischer Herkunft kommt der Druck am häufigsten vonseiten der eigenen (Groß-)Familie. Ihnen drohen Misshandlungen in Form von Hausarrest, sexueller Belästigung, Vergewaltigung und sogar Ermordung, wenn ihr Glaube bekannt wird. Aufgrund von Vorurteilen und Rache sowohl gegen den Täter als auch gegen das Opfer melden Opfer sexueller Gewalt ihre Täter meist nicht den Behörden. Da Vergewaltigungen im Irak nicht strafrechtlich verfolgt werden, wenn der Vergewaltiger die Frau heiratet, die er vergewaltigt hat und damit die Familienehre wiederherstellt, können Frauen (auch Christinnen) an den Mann zwangsverheiratet werden, der sich an ihr vergangen hat.

Wenn eine Frau mit einem muslimischen Ehemann verheiratet ist und Christin wird, riskiert sie Missbrauch und Morddrohungen von ihrem Ehemann oder seiner Familie, was einige zur Flucht veranlasst. Immer wieder kommt es vor, dass Konvertiten von ihren Familien zuhause eingesperrt werden. Hiervon sind besonders Mädchen betroffen. Sie sind zudem mit Reisebeschränkungen konfrontiert. Reiseverbote können von den Behörden, aber auch von der Familie verhängt werden, um z. B. zu verhindern, dass Christinnen muslimischer Herkunft das Land verlassen. Wird gegen dieses Verbot verstoßen, kann ein Gerichtsverfahren wegen „unerlaubten Reisens“ eingeleitet werden.

Christinnen muslimischer Herkunft dürfen offiziell keine christlichen Männer heiraten, da der irakische Staat sie nach wie vor als Muslimas betrachtet und sie als solche keinen Nichtmuslim heiraten dürfen. Auch sind Christinnen muslimischer Herkunft von Zwangsscheidungen bedroht. In diesem Zusammenhang ist die Haltung der Familie des Ehepartners maßgeblich.

In staatlichen Schulen werden christliche Mädchen oft wegen ihres Glaubens verspottet, da sie als schwächer gelten. Berichten zufolge stehen sie unter dem Druck, zum Islam zu konvertieren. Wenn sie Konzepte, die ihrem christlichen Glauben widersprechen, offen in Frage stellen, kann dies ihre Noten beeinträchtigen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass christliche Frauen – vor allem Frauen muslimischer Herkunft – in allen Bereichen der Gesellschaft unter Ungleichbehandlung leiden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Christliche Männer sind besonders gefährdet, Opfer verschiedener Formen von Gewalt zu werden. Davon sind besonders solche betroffen, die früher Muslime waren und deshalb nur unter erschwerten Bedingungen ihre Familien versorgen können. Diskriminierung am Arbeitsplatz betrifft alle Kategorien von Christen, besonders diejenigen, die im öffentlichen Dienst stehen. Christen im Zentral- und Südirak wurden unter Druck gesetzt, ihren Arbeitsplatz aufzugeben, insbesondere wenn sie für ausländische Organisationen arbeiten oder auf höheren gesellschaftlichen Ebenen (z. B. bei staatlichen Firmen) beschäftigt sind. Aus dem Norden berichten Christen darüber, wie sie darum kämpfen mussten, überhaupt eine Anstellung zu finden. Auch fühlten sie sich verwundbar und anfällig für Ausbeutung an ihrem Arbeitsplatz. In der sehr traditionellen und stammesbewussten irakischen Gesellschaft sind Männer oft die Hauptverdiener für ihre Familien, und der Verlust ihres Arbeitsplatzes kann erhebliche Auswirkungen auf christliche Familien haben. Die Folgen davon können für ihre Familien sehr weitreichend sein, da diese nicht nur ohne Einkommen bleiben, sondern auch oft mit einem emotionalen Trauma konfrontiert sind, wenn der Mann flieht oder getötet wird.

Dies betrifft Christen muslimischer Herkunft in besonderem Maß. Sie sind zudem in einer Kultur, in der Ehre alles bedeutet, besonders durch ihre Familien gefährdet, etwa indem sie aus dem Haus geworfen oder sogar getötet werden. Die Familie eines Christen muslimischer Herkunft kann auch Spott und Druck seitens der muslimischen Familie des Ehepartners ausgesetzt sein. Auch Christen mit nichtmuslimischem Hintergrund laufen Gefahr, für ihren Glauben getötet zu werden, wobei die Täter meist islamische Extremisten sind.

Dies alles verstärkt den ohnehin starken Antrieb, auszuwandern. Der Verlust der christlichen Männer betrifft nicht nur ihre direkten Familien, sondern auch die Ortsgemeinden, die infolgedessen mit einem Mangel an potenziellen Leitern konfrontiert sind.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten, die im Irak verfolgt werden, sind Jesiden, Kakai, Mandäer, Bahai und Juden. Es ist bekannt, dass insbesondere Jesiden Opfer von Gräueltaten durch den IS wurden. Die Anzahl jesidischer Frauen und Mädchen unter den vom IS zu Sexsklavinnen degradierten Frauen liegt sogar höher als die der christlichen. Gleiches gilt für die Zahl der vom IS Getöteten. Die „Unrepresented Nations and People's Organization (UNPO)“ berichtete am 7. Juni 2018, dass im „August 2014 um die 3.100 Jesiden in dem Mount Sinjar Gebiet getötet wurden, während 6.800 entführt wurden, um entweder Sexsklavinnen oder Kämpfer zu werden“. Fast 3.000 jesidische Frauen und Mädchen werden derzeit noch vermisst und sind vermutlich noch immer in Gefangenschaft.

Obwohl die irakische Verfassung Religionsfreiheit für Christen, Jesiden und Mandäer garantiert, beschützt sie nicht ausdrücklich Anhänger anderer Religionen und Atheisten. Die Praktizierung des Bahai-Glaubens und des Wahhabismus sind sogar gesetzlich verboten. Bahai werden als Abtrünnige vom Islam gesehen und erfahren noch stärkere Verfolgung als die meisten Christen, mit Ausnahme von Christen muslimischer Herkunft. Die Praktizierung des Bahai-Glaubens kann mit einer Gefängnisstrafe bis zu 10 Jahren bestraft werden.

Laut dem Strafgesetzbuch dürfen Juden keine Arbeitsstellen im Dienst der Regierung haben (etwa in staatlichen Unternehmen) oder der Armee beitreten. Die weitverbreitete Diskriminierung von Juden führt dazu, dass sie sich aus Angst vor Gewalt nicht öffentlich als solche bekennen.

Beispiel: Laut internationalem Bericht des US-Außenministeriums zur Religionsfreiheit für 2017 hat der IS gezielt schiitische Pilger und Pilgerstätten attackiert. So kamen am 14. September 2017 bei einem Bombenangriff in Nasariyah im Südirak mindestens 80 Schiiten ums Leben.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Unter Berücksichtigung einer von der Economist Intelligence Unit erstellten Prognose ist nicht damit zu rechnen, dass die Verfolgung durch Islamische Unterdrückung in näherer Zukunft signifikant abnehmen wird. Die Ideologie des IS ist immer noch sehr lebendig und nicht auf ein Gebiet beschränkt. Um zu beweisen, dass mit ihm immer noch zu rechnen ist, führt der IS weiterhin Angriffe im Westen und im Nahen Osten durch oder inspiriert sie. Unterdessen sind Tausende von fliehenden IS-Kämpfern „verschwunden“ und in der Zivilbevölkerung der Ninive-Ebene untergetaucht. Dies verstärkt das Gefühl der Unsicherheit bei religiösen Minderheiten wie den Christen. IS-Kämpfer sammeln sich neu und es wird berichtet, dass viele Schläferzellen existieren. Im August 2018 wurde geschätzt, dass es im Irak noch etwa 17.000 IS-Kämpfer gab. Mehrfach kam es zu Angriffen auf Dörfer und die Angst besteht, dass in naher Zukunft noch weitere folgen werden. Eine weitere Bedrohung stellen Al-Kaida-Anhänger, schiitische Milizen und andere militante islamistische Gruppen dar.

Um die Kontrolle über das eigene Gebiet zurückzugewinnen entschied sich die Zentralregierung dafür, die „Popular Mobilization Units“ in die Armee einzugliedern und sie dadurch unter ihre Kontrolle zu bringen (unter diesen Milizen ist hauptsächlich die schiitische schabakische 30. Brigade zu erwähnen). Dagegen gab es jedoch entschiedenen Widerstand, der in Kämpfen zwischen der Armee und den Milizen gipfelte. Schabakische Milizen haben Christen vorgeworfen, die geplante Eingliederung zu unterstützen. Bis jetzt scheint die Regierung mit ihrem Vorhaben keinen Erfolg zu haben. Sollte die Situation weiter eskalieren, droht ein größerer Konflikt zu entstehen, der auch Christen betreffen könnte.

Druck kommt auch von schiitischen Führern und Regierungsbeamten, die hin und wieder beleidigende öffentliche Erklärungen gegen Christen abgeben. Unterdessen erwacht Berichten zufolge in den Kurdengebieten im Norden ein islamisches Bewusstsein.

Auch in Politik und Gesellschaft im Allgemeinen wird die Rolle des Islam weiterhin stark betont. Dies setzt den Christen enge gesellschaftlich-politische Grenzen. Auf rechtlicher Ebene sind Christen und andere religiöse und ethnische Minderheiten über einige Änderungsvorlagen des obersten irakischen Gerichts besorgt. Diese sehen die Aufnahme weiterer vier Richter mit vollem Stimmrecht in das Gremium vor, die alle Vertreter der islamischen Rechtslehre sein sollen. Da das Gericht eine wichtige Rolle bei der Auslegung der Verfassung und der Gesetzgebung spielt, sehen Bürgerrechtsbewegungen den Vorschlag als Schritt zur weiteren Islamisierung des Landes. Folglich ist davon auszugehen, dass Islamische Unterdrückung weiterhin eine Bedrohung für die Christen im Irak darstellen wird, die zu einem hohen Maß an Angst führen und Christen zur Auswanderung drängen wird.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Nach dem Sieg über den IS und dem Rückzug der Peschmerga-Truppen aus Kirkuk stellten die parlamentarischen Wahlen im Irak im Mai 2018 einen Versuch dar, die ethnischen und religiösen Konflikte zu vermindern. Doch das Wegfallen eines gemeinsamen Feindes und das daraus resultierende Machtvakuum werden voraussichtlich die zwischen ethnischen und religiösen Gruppen existierenden Gräben weiter vertiefen. Dies könnte den Einfluss ethnisch begründeter Anfeindungen verstärken. Der Druck auf alle Christen wird sich daher verstärken (selbst in den Kurdengebieten), vor allem auf Christen muslimischer Herkunft; sie sind die Hauptleidtragenden, wenn diese Triebkraft stark ausgeprägt ist.

Diktatorische Paranoia

Inmitten dieser wachsenden Spannungen zwischen verschiedenen Volksgruppen drohen Christen zwischen die Fronten sich gegenseitig bekämpfender Gruppen zu geraten. Das könnte dazu führen, dass Christen in sicherere Gebiete umsiedeln. Sie könnten auch in den politischen Machtkampf mit hineingezogen oder ausgenutzt werden, eine Entwicklung, die der Triebkraft Diktatorische Paranoia Vorschub leisten würde. Der Einfluss Irans im Irak – auch durch vom Staat finanzierte schiitische Milizen – könnte Auswirkungen auf irakische Christen haben, die schon immer als „Agenten des Westens“ gesehen wurden. Zudem werden einige Milizen beschuldigt, Waffen von Iran zu erhalten und die iranischen Revolutionsgarden auf ihrem Gebiet zu dulden. Das macht den Irak zu einer potenziellen Konfliktzone für militärische Auseinandersetzungen zwischen dem Irak und den USA.

Diktatorische Paranoia ist als Triebkraft der Verfolgung auch da wirksam, wo die irakische Regierung die Förderung einer pluralistischen Gesellschaft verhindert, in der religiöse Minderheiten wie Christen wirklich willkommen wären.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Im Oktober 2019 brachen landesweit Massenproteste gegen Korruption, Arbeitslosigkeit und den Einfluss Irans aus. Sie führten zum Rücktritt von Premierminister Adel Abdul Mahdi und vorgezogenen Neuwahlen, die Anfang 2020 stattfinden sollen. Christliche Repräsentanten wurden 2018 bei den Wahlen von schiitischen und kurdischen Parteien unter Druck gesetzt, deren Interessen zu vertreten. Korruption ist tief in der irakischen Gesellschaft verwurzelt, sowohl in den Gebieten, die von der irakischen Regierung kontrolliert werden, als auch in den Kurdengebieten. Trotz der Proteste der Bevölkerung ist es ein langer Weg zur Besserung. Im Falle eines Machtkampfes dürfte diese Triebkraft der Verfolgung weiter an Bedeutung gewinnen.

Konfessioneller Protektionismus

Es ist schwer zu sagen, wie sich die Triebkraft Konfessioneller Protektionismus entwickeln wird. Bis vor Kurzem haben Christen vieler verschiedener Denominationen gut zusammengearbeitet, vor allem im Bereich der Nothilfe. Die Beziehung zwischen Christen aus traditionellen Kirchen und „neuen“ Kirchen bleibt jedoch komplex, und manche Berichte deuten auf eine erneute Zunahme der Spannungen hin. Fraglos besteht weiterhin die Notwendigkeit, miteinander zu kooperieren. Doch die zunehmenden Spaltungen entlang der Stammeslinien und die Angst um das Überleben könnten auch in die entgegengesetzte Richtung wirken. Oft ist Konfessioneller Protektionismus nur ein Faktor in der größeren Diskussion über die Zukunft der Christen im Land und ihre gesellschaftspolitische und nationale Identität.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Irak:

  • Dass Jesus die im Land verbliebenen Christen vor weiteren Übergriffen schützt.
  • Dass der Heilige Geist die Identität der Christen stärkt, angefangen von den Kindern, die schon in der Schule mit Vorurteilen und Hass konfrontiert werden.
  • Dass die christenfeindliche Stimmung in Politik und Gesellschaft durchbrochen wird und sich Türen für das Evangelium öffnen.
  • Dass der Heilige Geist gerade islamischen Extremisten Begegnungen mit Jesus schenkt.