Länderprofil Irak

Irak

11
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Irak
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
15
ISO
IQ
Karte Irak
Christen
0,18
Bevölkerung
41.50
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 13.600
Familienleben: 14.600
Gesellschaftliches Leben: 14.200
Leben im Staat: 14.800
Kirchliches Leben: 13.800
Auftreten von Gewalt: 11.500

Länderprofil Irak

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 11 / 82 Punkte (WVI 2020: Platz 15 / 76 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Seit der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) zurückgedrängt wurde, geht insbesondere von schiitischen Milizen, die von Iran unterstützt werden, Druck auf die irakischen Christen aus. In der ersten Jahreshälfte 2020 verstärkte der IS jedoch seine Angriffe auf Zivilisten, Infrastruktur und Sicherheitskräfte. In verschiedenen Gebieten der Autonomen Region Kurdistan (IKR) setzte die Türkei ihre Luftangriffe und militärischen Operationen am Boden fort, wobei sie Berichten zufolge gezielt gegen Mitglieder der „Kurdischen Arbeiterpartei“ (PKK) vorging. Im Juni 2020 wurden bei der größten militärischen Operation der Türkei in der Region seit 2015 mehrere christliche Dörfer bombardiert, was viele Christen zur Flucht zwang. Von der Lokalregierung erfuhren die Christen keinen Schutz. Das Hauptziel der türkischen Angriffe ist die PKK; die türkischen Streitkräfte greifen jedoch an, was immer diesem Ziel im Weg steht – in dieser Hinsicht sind Christen ein leichtes und schwaches Ziel, das man angreifen kann, ohne Schwierigkeiten zu bekommen.

Die Assyrische Kirche des Ostens, die Syrisch-Orthodoxe Kirche, die Syrisch-Katholische Kirche, die Chaldäisch-Katholische Kirche und die Armenisch-Orthodoxe Kirche sind alle stark von Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz betroffen, besonders durch extremistisch-islamische Bewegungen und nichtchristliche religiöse Leiter. Sie werden auch von den Behörden diskriminiert. Im Zentral- und Südirak zeigen Christen oft keine christlichen Symbole (wie beispielsweise ein Kreuz), da dies zu Belästigungen oder Diskriminierungen an Checkpoints, in der Universität oder am Arbeitsplatz sowie in Regierungsgebäuden führen kann.

Bereits vor einigen Jahren konnte das katholische Seminar in Bagdad aufgrund von Androhungen von Entführungen und Angriffen durch islamische Extremisten nicht mehr weiterarbeiten; es war gezwungen, in die Kurdengebiete umzuziehen. Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden in Bagdad und Basra sind ebenfalls erheblich von Gewalt durch islamisch-extremistische Bewegungen und nichtchristliche religiöse Leiter betroffen und erleben regelmäßig Diskriminierungen durch die Behörden. Freimütig auftretende Christen werden häufig zu Zielen im Zentral- und Südirak. Auch Blasphemiegesetze können gegen sie angewendet werden, wenn sie im Verdacht stehen, das Evangelium an Muslime weiterzugeben.

Christen muslimischer Herkunft erfahren den größten Druck durch die eigene (Groß-)Familie. Sie halten ihren Glauben oft geheim, da sie in der Gefahr stehen, von Familienmitgliedern, Clanführern und ihrem sozialen Umfeld bedroht zu werden. Als Konvertiten zum christlichen Glauben riskieren sie es, Erbrechte zu verlieren, sowie das Recht und die Möglichkeit zu heiraten. Den Islam offiziell zu verlassen, führt im ganzen Land zu schwierigen Situationen und kann selbst in den eher moderaten Kurdengebieten riskant sein. Die Kirchenzugehörigkeit zu wechseln (etwa aus einer orthodoxen Kirche zu einer freikirchlich-protestantischen Gemeinde) wird ebenfalls häufig mit dem Entzug von Rechten oder dem Verlust des Arbeitsplatzes bestraft. Es ist bekannt, dass Leiter orthodoxer und katholischer Kirchen sich weigern, Eheschließungen für Mitglieder durchzuführen, die evangelikale Kirchen besuchen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

82

11

2020

76

15

2019

79

13

2018

86

8

2017

86

7

Die Punktzahl für den Irak ist von 76 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 82 Punkte gestiegen. Die durchschnittliche Punktzahl des Drucks in den fünf Lebensbereichen stieg leicht um 0,1 Punkte auf 14,2 Punkte; damit wird klar, dass Christen im Irak weiterhin einem extremen Maß an Druck ausgesetzt sind. Die Punktzahl für Gewalt ist indes beträchtlich angestiegen: Eine große Zahl von Kirchenschließungen sowie eine höhere Zahl entführter Christen führte zu einem Anstieg von 5,6 auf 11,5 Punkte. Während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2021 gab es auch Berichte über mehrere Christen, die ermordet wurden, die psychischen und physischen Schaden erlitten oder die bedroht und sexuell belästigt wurden.

Auch wenn einige christliche Familien in ihre Häuser zurückgekehrt sind, geht die Auswanderung von Christen weiter, weil sie keine Sicherheit und keine Hoffnung auf eine gute Zukunft in ihrer Heimat haben. Es wurde auch eine höhere Zahl von Christen gemeldet, die gezwungen wurden, innerhalb des Landes umzuziehen. Viele Vorfälle, wenn auch nicht alle, standen im Zusammenhang mit den türkischen Bombenangriffen und dem Einmarsch von Bodentruppen im Nordirak im Juni 2020.

2. Trends und Entwicklungen

1) Religiös motivierte Gewalt sowie Korruption behindern Fortschritt und Demokratie

Die Staatsgründung des Irak erfolgte erst Anfang des 20. Jahrhunderts, knüpfte aber an die mächtigen altorientalischen Königreiche Babylonien und Assyrien an. Das Land mit seiner großen ethnischen und religiösen Vielfalt leidet unter religiös motivierter Gewalt sowie an Korruption. Dies sind die Hauptfaktoren, welche den Fortschritt und die Demokratisierung behindern. Damit verbunden ist zum einen das Problem der Straflosigkeit, welche die Stellung der Christen im Irak stark beeinträchtigt, zum anderen auch das Aufkommen islamisch-extremistischer Gruppen, welche keine andere Religion als eine strenge und gewalttätige Form des Islam tolerieren.

Obwohl die allgemeine Lage im Irak noch lange nicht stabil ist, gibt es hoffnungsvolle Entwicklungen: Da der IS im Dezember 2017 militärisch besiegt wurde und die Kontrolle über sein Territorium verlor, hatten viele Christen die Möglichkeit, in einige Dörfer zurückzukehren. 2020 verstärkten der IS und schiitische Milizen jedoch ihre Angriffe auf die Bevölkerung, die Sicherheitskräfte und die Infrastruktur, was dazu führt, dass Christen sich im Irak nicht mehr zu Hause und sicher fühlen.

2) Die Zentralregierung ist immer noch nicht in der Lage, die sichere Rückkehr der christlichen Binnenvertriebenen zu garantieren

Viele kirchliche Leiter sagen, dass das Leben unter dem Terror des IS und die Vertreibung der Christen aus ihren Häusern die schwersten Verletzungen ihrer Rechte verursacht hat, welche die Kirche im Irak in letzter Zeit erlebt hat. Selbst während früherer Verfolgungswellen war die Ninive-Ebene nie vollständig von Christen verlassen gewesen, wie es seit 2014 der Fall war. Die Niederlage des IS sollte eine Verbesserung der Situation der Christen im Irak bringen. Doch nur, wenn die christlichen Binnenvertriebenen in ihre früheren Heimatorte zurückkehren können, wird eine Verbesserung ihrer Lage möglich sein. Landstreitigkeiten machen es für die meisten Christen sehr schwierig, in ihre Heimat in der Ninive-Ebene zurückzukehren. In einem Wettstreit um die Kontrolle über das einst multiethnische Gebiet setzen von Iran unterstützte Milizen, Kurden, Araber und andere ihre Praxis fort, sich Ländereien in der Ninive-Ebene anzueignen, die zuvor Angehörigen von Minderheiten gehörten. Christen befinden sich aufgrund ihrer kleinen Anzahl und der fehlenden Unterstützung von außen dabei in der schwächsten Position.

Die Zentralregierung tut wenig, um die Situation zu verbessern, und ignoriert Bitten von Gemeindevertretern. Sollte die Zentralregierung weiterhin nicht in der Lage sein, die sichere Rückkehr christlicher Binnenvertriebener zu garantieren, könnten diese auch zukünftig mit schweren Verletzungen ihrer grundlegenden Rechte konfrontiert sein und den Irak verlassen. Vor allem unter den jungen Christen sind aufgrund der fehlenden Sicherheit, der mangelnden Zukunftsperspektive und der geringen finanziellen Stabilität viele zu gehen bereit, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Hinzu kommen die Angriffe der türkischen Streitkräfte im Nordirak, um die PKK von der Grenze zwischen Türkei und Autonomer Region Kurdistan zu vertreiben. Das betrifft die Christen ebenso wie die Kurden, die von der türkischen Armee ins Visier genommen werden. Aber auch wenn diese Angriffe sich nicht gezielt gegen Christen richten, so stellen sie eine weitere zerstörerische Ebene des Drucks auf die christliche Gemeinschaft dar.

3) Es besteht die Gefahr, dass die Situation der Christen zur „Nebensache“ wird

Es ist wichtig, dass diese neue Phase der Staatsbildung im Irak weiterhin genau beobachtet wird. Nun, da der IS als besiegt gilt, besteht die Gefahr, dass das Ausmaß an Druck und Gewalt gegen die christliche Gemeinschaft ignoriert oder als zweitrangiges Problem abgetan wird. Wie dieses Länderprofil zeigt, haben Verletzungen der Religionsfreiheit gegen Christen viele Ursachen und sind nicht nur auf Angriffe islamischer Extremisten zurückzuführen. Ferner könnten die demografischen Veränderungen, die in der Ninive-Ebene stattfinden, ein Anzeichen für noch mehr Unterdrückung in der Zukunft sein, besonders, wenn die Regierung schwach und Straflosigkeit weit verbreitet bleibt.

3. Religiöse Situation im Land

Der Irak ist ein Vielvölkerstaat, wobei im Jahr 2020 nach Schätzungen von „World Christian Database“ (WCD) 97,6 Prozent der Bevölkerung Muslime sind. Die Bevölkerung besteht gemäß dem vom CIA herausgegebenen „World Factbook“ (Stand April 2020) aus über 40,5 Millionen Muslimen, von denen 64-69 Prozent Schiiten und 29-34 Prozent Sunniten sind. Christen machen lediglich etwa 0,4 Prozent der Bevölkerung aus.

Obwohl der IS geografisch besiegt wurde, ist der Einfluss des IS und seiner Ideologie immer noch stark. Die Spannungen zwischen den verschiedenen Religionsgruppen nehmen zu. Einige Muslime sind jedoch enttäuscht vom Islam und zeigen sich offener dafür, sich mit dem christlichen Glauben zu beschäftigen.

Unter der arabischen Bevölkerung des Irak bilden schiitische Muslime die Mehrheit. Die Kurden im Norden sind mehrheitlich Sunniten. Erst nach dem Völkerbundbeschluss von 1920 wurden die verschiedenen Volksgruppen erstmals in einem modernen Staat vereinigt. Die verschiedenen Machthaber, die seither das Land regiert haben, förderten gemäß dem Prinzip „Teile und herrsche“ gegenseitiges Misstrauen und Konflikte.

Die religiös motivierte Gewalt im heutigen Irak wurzelt hauptsächlich in dem Wettstreit um Macht nach dem Sturz Saddam Husseins.

Symbolische politische Schritte, wie die Einführung von Weihnachten als Nationalfeiertag im Dezember 2018, wurden von islamischen Autoritätspersonen abgelehnt; so sagte etwa der Großmufti von Bagdad in einer Predigt, dass christliche Feiertage wie Weihnachten für Muslime verboten seien und dass diejenigen, die sie feiern, der christlichen Lehre glaubten.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Christen im Irak sind vonseiten sunnitischer und schiitischer Muslime islamischer Unterdrückung ausgesetzt, unabhängig von deren Volkszugehörigkeit (kurdisch, iranisch oder arabisch). Dabei verschwimmt die Grenze, wer ein Extremist ist und wer nicht, immer mehr. Gründe für diese Trennunschärfe sind die stark konservative Prägung und der enge Schulterschluss von Sunniten mit islamistischen Rebellen.

Das islamische Bewusstsein ist unter dem Einfluss islamischer Milizen zu einer neuen Größe im Land geworden, auch in den Kurdengebiete im Norden. Bedingt durch regionale Entwicklungen nimmt die Bedeutung des Islam in den irakischen und kurdischen Regierungen zu. Mehrere schiitische Parteien haben enge Beziehungen zur Islamischen Republik Iran; und besonders Christen mit muslimischem Hintergrund berichten bereits seit einiger Zeit, dass sie in Gebieten nahe der iranischen Grenze von iranischen Geheimdiensten beobachtet werden. Im Allgemeinen wird die irakische Gesellschaft immer islamischer: Die islamische Lehre und Rhetorik beherrschen das tägliche Leben; islamische Anführer (vor allem Schiiten) beeinflussen weiterhin das soziale, religiöse und politische Leben durch ihre Lehrtätigkeit, ihre politischen Einstellungen und ihre Autorität innerhalb ihrer ethnischen Gruppe. Dies schlägt sich wiederum in gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen nieder, welche alle Bewohner des Irak beeinflussen und an deren Maßstab auch Nichtmuslime gemessen werden.

Die gesellschaftliche Kontrolle der Frauen nimmt zu. Selbst christliche Frauen in Bagdad und Basra sind gezwungen, sich zu verschleiern, um sich außerhalb ihrer Häuser sicher bewegen zu können.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Die irakische Gesellschaft ist immer noch sehr durch Stammesdenken geprägt. Dies gilt vor allem in Gegenden, die durch religiöse Spannungen und Gewalt zerrissen sind, hauptsächlich in den früher vom IS kontrollierten Gebieten. Stämme haben im Irak einen sehr großen Einfluss und prägen der Gesellschaft ihre uralten Bräuche und Traditionen auf. Deren Beachtung ist oft wichtiger als die Einhaltung von staatlichen Gesetzen, da Stämme für die Iraker normalerweise über dem Gesetz stehen. Wo sich Stammesdenken mit dem Islam vermischt, sind insbesondere Christen muslimischer Herkunft betroffen. Wenn ein Konvertit zum christlichen Glauben einen Stammeshintergrund hat, und besonders wenn er aus einem bedeutenden Stamm kommt, kann dies andere Christen in Schwierigkeiten bringen und sie davor zurückschrecken lassen, den Konvertiten zu unterstützen. In manchen Gebieten haben Stammesgruppen Einfluss innerhalb der Regierung.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist tief in der irakischen Gesellschaft verwurzelt, bis in die höchsten Schichten hinein. Sie spielt bei der Verfolgung von Christen im Irak eine wichtige Rolle, sowohl in den Gebieten, die von der irakischen Regierung kontrolliert werden, als auch in den Kurdengebieten. Verfolger, die von dieser Triebkraft motiviert sind, benachteiligen insbesondere Christen bei der Arbeitssuche und behindern christliche Unternehmen bei deren Registrierung, sie eignen sich aber auch Besitz von Christen an. In vielen mehrheitlich islamischen Gebieten können Christen ihre Häuser oftmals nur zu 60 Prozent des Preises verkaufen. Zwei weitere Beispiele: 1. Die Beschlagnahmung von Grundstücken, die Christen gehören: In den von der irakischen Regierung kontrollierten Gebieten wurden mindestens 70 Prozent der Grundstücke von Christen, die aus dem Land geflohen waren, illegal beschlagnahmt. Dies erfolgte durch organisierte, kriminelle Gruppen, zu denen aber auch sehr einflussreiche Politiker und religiöse Leiter gehören. Ähnliche Phänomene können auch in den Kurdengebieten beobachtet werden, wobei dort die Täter einflussreiche Stammesführer sind, die dem herrschenden Clan nahestehen. Die Verwundbarkeit religiöser Minderheiten wie der Christen wird ausgenutzt. 2. Die Tötung und Entführung von Christen: Seit 2003 ist dies immer wieder in Wellen geschehen und hat dazu geführt, dass sich Christen sehr unsicher fühlen. Diese beiden Gründe sind die Hauptursachen für die Auswanderung irakischer Christen und für den Schwund der christlichen Bevölkerung im Irak. Die Coronakrise hat diese Situation von Chaos und Korruption noch verschlimmert.

Diktatorische Paranoia

Diese Triebkraft der Verfolgung ist eng verbunden mit der islamischen Unterdrückung. Um jeden Preis an der Macht zu bleiben, ist ein wesentliches Ziel der irakischen Zentralregierung. Bedient wird es von Klientelwesen, Korruption und Vetternwirtschaft. Es verhindert, dass eine pluralistische Gesellschaft gefördert wird, in der sich Christen (und andere religiöse Minderheiten) wirklich willkommen fühlen könnten. Im Juni 2018 gab es Berichte darüber, dass im Norden kurdische Behörden „assyrisches“ Land beschlagnahmt hätten. Christen in der Region berichten zudem, dass es Kräfte in der Zentralregierung in Bagdad gibt, die versuchen, eine langfristige, systematische Kampagne zum demografischen Wandel in Minderheitsregionen durchzuführen; dazu fördere man Grundbesitz und Häuser, sodass schiitische und sunnitische Muslime in traditionell christlich geprägte Regionen ziehen könnten. Christliche Leiter in Kirche und Politik stellen indes die betrügerische oder erzwungene Besitzergreifung von Grundstücken, die Christen gehören, in Abrede. Des Weiteren beklagten Christen in der Autonomen Region Kurdistan, dass das Wahlsystem bei den Parlamentswahlen 2018 missbraucht worden sei. Damals hatten sich kurdische und arabisch-schiitische Parteien die fünf Sitze verschafft, die eigentlich für Christen reserviert sind, indem sie selbst christliche Kandidaten nominierten – so wurden die fünf Mitglieder des irakischen Nationalparlaments nicht von christlichen Parteien gewählt, sondern von Parteien, die den für die christlichen Gemeinschaften wichtigen Themen keine Priorität einräumten und ihnen gegenüber politisch nicht loyal waren. Dies war auch 2020 weiter ein Thema für christliche Leiter.

Konfessioneller Protektionismus

Konfessioneller Protektionismus war schwächer, als der IS noch Gebiete im Irak kontrollierte. Damals waren Kirchen vieler verschiedenen Konfessionen noch eher dazu bereit, sich gegenseitig zu helfen. Vierzehn christliche Konfessionen sind im Irak vom Staat anerkannt, zwei davon sind protestantisch. Wenn sich eine neue Konfession um die Registrierung beziehungsweise um eine Anerkennung bewirbt, werden die offiziell anerkannten Kirchen ersucht, hierzu Stellung zu nehmen. Oft lehnen sie die Registrierung protestantischer Freikirchen entschieden ab. Traditionelle Kirchen versuchen oft, ihre Mitglieder davon abzuhalten, neuere Kirchengemeinden zu besuchen. Manche traditionelle katholische Kirchen verbieten es protestantischen Christen, ihre Toten auf katholischen Friedhöfen zu beerdigen. Im Zentralirak und im Süden kommt es vor, dass Christen, die von einer traditionellen Kirche zu einer Freikirche wechseln, Drohungen und Widerstand von Familienmitgliedern, Stammesführern und ihrem sozialen Umfeld erleben. Dazu gehört die Drohung, den Arbeitsplatz, die Erbrechte oder die Ersparnisse für die Hochzeit zu verlieren. Angehörigen traditioneller christlicher Gemeinschaften, die freikirchliche Gemeinden besuchten, wurde es von ihrem Bischof verweigert, von ihm getraut zu werden. Es kommt vor, dass Familien und Gemeinschaften sich von solchen Christen distanzieren, die ihre Konfession gewechselt haben.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gewalttätige religiöse Gruppen wie der IS und schiitische Milizen sind dafür bekannt, Christen zu entführen und zu ermorden. Wenngleich der IS immer noch in den Regionen Khanaqin, Kirkus und Mossul aktiv ist und dort andere Minderheiten verfolgt, gehören heute schiitische Milizen zu den wichtigsten Akteuren der Christenverfolgung. Seit Jahren sind Milizen dafür bekannt, sich Land von Christen anzueignen. In Bezug auf schwere Verletzungen der Religionsfreiheit geht von einigen Milizen eine besondere Bedrohung für Christen muslimischer Herkunft aus. Die meisten schiitischen Milizen stehen eng mit Iran in Verbindung und sind mit irakischen politischen Parteien verbunden. Beispiele dafür sind: Das Badr-Corps, Asaib Ahl al-Haq, die irakischen Hisbollah-Brigaden, die Mahdi-Armee, die Armee des Mukhtar, die Brigade von Abi Fadl al-Abbas, die Badr-Gruppe Irans (von den USA als Terrorgruppe eingestuft) und Muqtada al-Sadrs Mahdi-Armee.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Verwandte sind dafür bekannt, Christen muslimischer Herkunft stark unter Druck zu setzen, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Das schließt manchmal auch Mordversuche ein. Christen muslimischer Herkunft droht außerdem körperliche Gewalt und Folter, Hausarrest, Enterbung und Vertreibung aus ihren Familien, Verbannung aus ihren Stämmen, Familien und ihrem Umfeld, erzwungene Scheidung (vor allem für Frauen), erzwungene Eheschließung mit einem streng konservativen Muslim (vor allem für Frauen) und Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder.
  • Regierungsbeamte: Einige Regierungsbeamte sollen versucht haben, einen demografischen Wandel voranzutreiben, indem sie schiitischen und sunnitischen Muslimen Land und Wohnraum in den traditionell christlichen Gebieten der Ninive-Ebene anboten, wie beispielsweise in dem Bezirk Bartella, oder in sunnitischen Gebieten in der Provinz Diyala und Babil, einschließlich des Bezirks Jurf al-Sakhar. Vertretern religiöser Minderheiten zufolge begegneten die lokalen Behörden in einigen Regionen religiösen Aktivitäten weiterhin mit Beschimpfungen und Einschränkungen, so der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019“ des US-Außenministeriums. Regierungsbeamte waren für christenfeindliche Plakataktionen verantwortlich, bei denen Muslimen beispielsweise gesagt wurde, sie sollten christliche Feste boykottieren, Christen keine guten Wünsche an Weihnachten übermitteln und keine Weihnachtsdekorationen verwenden. Außerdem ließen sie in den von der Regierung kontrollierten Gebieten an Kirchen Plakate anbringen, mit denen sie christliche Frauen aufforderten, einen Hidschab zu tragen. Regierungsbeamte, die extremistischen islamischen Gruppen angehören, machen es für Christen unter Umständen sehr schwer, notwendigen Schriftverkehr zu erledigen. Angesichts der stark konservativen Prägung der Gesellschaft und der engen Zusammenarbeit mancher Sunniten mit islamistischen Aufständischen verschwimmt die Grenze, wer extremistisch ist und wer nicht. Es ist bekannt, dass Regierungsbeamte Christen muslimischer Herkunft verhaftet haben und sie auch in gewaltsame Übergriffe auf Christen verwickelt waren.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Wird der Glaubenswechsel eines Christen muslimischer Herkunft bekannt, üben Anführer ethnischer Gruppen sehr wahrscheinlich starken Druck aus, den Glauben wieder aufzugeben. Einige Stammesführer haben dem Mord an christlichen Konvertiten zugestimmt. Schließlich gab es auch Berichte über ernsthaften Druck jesidischer Führer gegen Konvertiten zum christlichen Glauben.
  • Politische Parteien: In den Parlamentswahlen im Mai 2018 haben eine schiitische politische Gruppe und kurdische Parteien das Wahlsystem missbraucht, um Christen den ihnen zustehenden Anteil von fünf Sitzen im Parlament vorzuenthalten. In der Vergangenheit haben einige schiitische politische Parteien Gesetze eingebracht, die Christen diskriminieren, zum Beispiel das neue nationale Identifikationsgesetz. Dieses Gesetz legt fest, dass die Kinder eines Ehepartners, der zum Islam konvertiert, automatisch als Muslime gezählt werden. Abgesehen von islamischen politischen Parteien haben immer wieder auch ethnische und paramilitärische Gruppen sowie Stammesgruppen Parteien gegründet, die den Islam als einzig wahre Religion betrachten. Die meisten der oben erwähnten schiitischen Milizen stehen mit politischen Parteien oder noch genauer mit politischen Führungspersonen wie Muqtada al-Sadr in Verbindung. Berichten zufolge ist Nouri al-Maliki, von 2016 bis 2018 der Vizepräsident des Irak und Generalsekretär der Islamischen Dawa-Partei, ein großer Unterstützer bewaffneter schiitischer Gruppen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Von extremistischen islamischen Leitern, sowohl schiitischen als auch sunnitischen, die direkt die Politik und andere Aspekte des Lebens im Irak beeinflussen, geht ebenfalls Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz aus. Ihr Einfluss zeigt sich zum einen in diskriminierenden Richtlinien, Gesetzen und administrativen Vorgängen gegen Christen, zum anderen zeigt er sich in den sehr häufig auftretenden Hassreden von muslimischen Leitern, die Christen ausgrenzen.
  • Gewöhnliche Bürger: In der äußerst konservativen irakischen Gesellschaft betrachten viele Muslime Christen als Ungläubige und manchmal als Kreuzfahrer oder Teil eines „westlichen Plans“. In diesem Kontext werden evangelikale Christen manchmal als die betrachtet, die ein zionistisches Programm verwirklichen wollen. Christen muslimischer Herkunft werden oftmals als Ungläubige betrachtet, die für ihren Abfall vom Islam den Tod verdienen. In den irakischen Kurdengebieten führten Ansprachen islamischer Extremisten bisweilen zu Protesten oder gewaltsamen Übergriffen durch Mobs, welche Kirchen zerstörten sowie Läden, die Alkohol verkauften. Auch in Bagdad wird manchmal gegen solche Geschäfte vorgegangen. Da es Muslimen durch ihre religiösen Vorschriften verwehrt ist, Alkohol zu trinken, sind die Eigentümer solcher Läden oftmals Christen oder Jesiden. In den zurückliegenden Jahren haben gewöhnliche Bürger mit dem IS zusammengearbeitet oder sind Teil einer Miliz geworden, die Christen verfolgt, zum Beispiel in Mossul. Dies hat das Vertrauen von Christen in ihre Nachbarn und andere Menschen in ihrem sozialen Umfeld schwer beschädigt. Auch setzen gewöhnliche Bürger überall im Irak Christen muslimischer Herkunft unter Druck, zum Islam zurückzukehren.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Abgesehen von politischen Parteien und einigen militanten Gruppen waren auch kriminelle Netzwerke an der Beschlagnahmung von mehr als 30.000 Grundstücken von Christen in Bagdad und anderen Gegenden beteiligt, wie im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums 2018 vermeldet wird. Diese Beschlagnahmungen hatten keine strafrechtlichen Konsequenzen, obwohl die Kanzlei des Premierministers zugesagt hatte, Ermittlungen dazu einzuleiten. Mafiös organisierte Gruppen tun sich mit Immobilienbüros zusammen und konfiszieren die Grundstücke von Christen, indem sie Dokumente fälschen – und bleiben dabei meist ungestraft. In einigen Fällen wurden die christlichen Besitzer oder Mieter sogar direkt bedroht, woraufhin sie aus ihren Häusern flohen.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • (Groß-)Familie, Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Christen werden durch den Clan oder Stamm in Bezug auf die Auferlegung jahrhundertealter Normen und Werte unterdrückt, die im Stammeskontext entstanden sind. Diese Triebkraft vermischt sich häufig mit islamischer Unterdrückung. Die Zugehörigkeit zu einem Stamm und die Befolgung dessen Regeln wird als wichtiger angesehen, als den Gesetzen der Regierung zu gehorchen. Durch diese Triebkraft motivierte Verfolger sind insbesondere Familien von Christen muslimischer Herkunft, Stammesführer beziehungsweise Anführer ethnischer Gruppen oder islamische Leiter.
  • Politische Parteien: Die irakischen politischen Parteien im Allgemeinen haben auf verschiedene Weise zur Wiederbelebung und Stärkung des Stammesdenkens beigetragen. In einigen Gebieten gibt es Clans, deren Einfluss den einer Partei übersteigt. Wenn jemand die Rechte eines anderen verletzt, aber zu diesem Clan gehört, gibt es keine Mittel und Wege, um Gerechtigkeit durchzusetzen. In diesen Fällen, in denen der Täter zur herrschenden Gruppe gehört, sind Christen ein leichtes Ziel. Ethnische Gruppen sowie Stammesgruppen haben bisweilen Parteien gegründet, die den Islam als einzig wahre Religion betrachten. Der Druck von Stämmen trifft unter Umständen besonders Konvertiten zum christlichen Glauben: Ist bekannt, dass ein solcher Christ muslimischer Herkunft einen Stammeshintergrund hat, kann es passieren, dass andere Christen ihm oder ihr aus Angst nicht helfen, da die Stammesgruppen auch auf behördlicher Ebene großen Einfluss haben.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Politische Parteien, Regierungsbeamte und gewöhnliche Bürger: Regierungsbeamte auf allen Ebenen bedrohen Berichten zufolge Christen und „ermutigen“ sie, auszuwandern. Auch haben gewöhnliche Bürger Berichten zufolge im Norden in der Öffentlichkeit die Frage aufgeworfen, warum immer noch Christen im Irak sind. Indem sie es versäumen, eine pluralistische Gesellschaft zu fördern, tragen auch politische Parteien zu Verletzungen der Religionsfreiheit von Christen bei. Christen in den kurdischen Gebieten beklagen einen Missbrauch des Wahlsystems in den Parlamentswahlen von 2018, als kurdische und schiitische Parteien für die fünf Sitze, die für Christen reserviert sind, ihre eigenen christlichen Kandidaten aufstellten. Ethnische, religiöse und paramilitärische Gruppen sowie Stammesgruppen haben bisweilen Parteien gegründet, die den Islam als einzig wahre Religion betrachten. Das Gleiche gilt für die Volksmobilmachungskräfte, eine vom Staat finanzierte irakische Dachorganisation, die etwa 40 Milizen umfasst, hauptsächlich schiitische muslimische Gruppen, aber auch sunnitische muslimische, christliche und jesidische Gruppen. Einige von ihnen bauen politische Arme ihrer militärischen Gruppen auf. Schiitische und sunnitische politische Parteien sind die größte Bedrohung für Christen, während der Druck, der von nationalistischen (beispielsweise kurdischen) Parteien ausgeht, geringer ist. Kontaktpersonen von Open Doors zufolge versuchten einige Regierungsbeamte, einen demographischen Wandel herbeizuführen, indem sie Land und Wohnraum für schiitische und sunnitische Muslime bereitstellten, damit diese in traditionell christliche Gebiete in der Ninive-Ebene, in sunnitische Gebiete in der Provinz Diyala sowie in sunnitische Gebiete in der Provinz Babil umsiedeln. Laut einer lokalen Kontaktperson sind prominente Mitglieder kurdischer Parteien oder ihnen loyale Personen für den Diebstahl von Geld, Eigentum, Land und Fabriken verantwortlich, die Christen in der Autonomen Region Kurdistan gehören. Das Verhältnis zwischen Kurden und Assyrern ist ambivalent. In manchen Fällen sagen assyrische Nationalisten, dass kurdische Parteien versuchen, ihre Dörfer und ihre Region zu dominieren. Aber gleichzeitig haben Kurden Christen unterstützt, indem sie zum Beispiel die Gründung neuer Kirchen erlaubten.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen, Anführer ethnischer Gruppen und revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Andere Verfolger, die alles dafür tun werden, um ihre Macht auszubauen, sind Anführer ethnischer Gruppen (etwa kurdische Leiter), ethnische Milizen (beispielsweise die Schabak) und gewalttätige religiöse Gruppen (wie der IS, Al Kaida und Chorasan). So haben die Schabak und andere Minderheitengruppen Christen an der Rückkehr in ihre Dörfer gehindert und sie vielerorts de facto enteignet.

Ausgehend von konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter anderer Kirchen: Mit vergleichsweise geringerem Druck haben Leiter traditioneller Kirchen manchmal die offizielle Anerkennung neuer christlicher Konfessionen verhindert. In einem Fall hat ein katholischer Leiter seinen Einfluss genutzt, um die Polizei dazu zu motivieren, einen protestantischen Pastor, der in einem traditionell katholischen Dorf tätig war, zu belästigen. Der Pastor und sein Team wurden aufgrund falscher Anschuldigungen festgenommen und der Pastor wurde gezwungen, das Dorf zu verlassen. Einige katholische Kirchen in der Autonomen Region Kurdistan hindern evangelische Christen daran, ihre Toten auf christlichen Friedhöfen zu bestatten. In Bagdad müssen protestantische Denominationen, die (noch) nicht von der Zentralregierung anerkannt sind, Geld zahlen, um ihre Toten beerdigen zu können; das Land dazu wird vom Staat gestellt und der Friedhof wird von der einzigen anerkannten protestantischen Denomination in Bagdad verwaltet. In der Regierung der Kurdengebiete wird die Abteilung für christliche Angelegenheiten von der Chaldäisch-Katholischen Kirche dominiert, die manche administrativen Vorgänge beeinflusst oder behindert.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen, die ihre Konfession wechseln (oft von einer traditionellen Kirche zu einer neueren, protestantischen Kirche), werden häufig von Familienangehörigen missbilligend angesehen. Sehr wahrscheinlich wird Druck ausgeübt, um die betreffende Person dazu zu bringen, zu der traditionellen Kirche zurückzukehren.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Gewalttätige religiöse Gruppen, politische Parteien, Regierungsbeamte, Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Gewalttätige religiöse Gruppen, Regierungsbeamte und kriminelle Gruppen sind in Korruption und Verbrechen involviert, durch die Christen ausgebeutet werden. Regierungsbeamte, die Verbindungen zu kriminellen Gruppen haben, missbrauchen ihre Macht und fälschen Dokumente; kriminelle Gruppen verbünden sich mit Immobilienbüros, um sich auf betrügerische Weise Grundstücke von Christen anzueignen – meistens von Christen, die geflohen sind. Das passierte jahrelang und setzt sich in Bagdad immer noch fort. Es ist zudem bekannt, dass Mitglieder der Streitkräfte sich Fabriken aneigneten, die Christen im Süden der Provinz Kirkuk gehört haben.
    Selbst im Norden des Irak bleiben die meisten Fälle von Diebstahl christlichen Eigentums ungelöst und die Rechte der Eigentümer werden nicht gewahrt. Im Zentral- und Südirak sind Christen der Bedrohung durch bewaffnete Gruppen ausgesetzt, die sie zwingen, ihr Land zu verlassen und um ihr Leben zu fliehen. Weitere Beispiele sind Tel Keppe und Bartella in der Ninive-Ebene: In ersterer Stadt leben heute keine Christen mehr, obwohl der Ort bis 2014 eine ausschließlich christliche Bevölkerung hatte; und letztere Stadt ist jetzt mehrheitlich schabakisch (schiitisch) besiedelt, obwohl sie vor dem Eintreffen des IS eine überwiegend christliche Stadt war. In beiden Fällen schufen die Milizen vor Ort vollendete Tatsachen und hielten diese durch ihr Gewaltmonopol aufrecht.
    Minderheiten beschweren sich regelmäßig über diese Situation und die Straflosigkeit der „Besatzer“. Jesiden, Christen sowie lokale und internationale Nichtregierungsorganisationen berichteten, dass Mitglieder der Volksmobilmachungskräfte in der Ninive-Ebene weiterhin Menschen verbal belästigten und körperlich misshandelten, sowohl an Kontrollpunkten als auch in den Städten und deren umliegenden Gebieten, die von den Volksmobilmachungskräften kontrolliert werden. Wie Christen aus der Region im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums angaben, beherrschten die Volksmobilmachungskräfte die Handelswege der Ninive-Ebene, zwangen Händler zur Zahlung von Bestechungsgeldern und kontrollierten Grundbesitz in christlichen Gebieten. Durch diese Triebkraft motivierte Verfolger sind hauptsächlich Menschen, die politische Macht haben beziehungsweise ihr nahestehen, oder schiitische Milizen, die von Iran unterstützt werden. Entführungen von Christen – die in der Ninive-Ebene weniger geworden sind – geschehen auch durch organisierte kriminelle Netzwerke, sowohl aus finanziellen als auch aus religiösen Motiven.
  • Politische Parteien: Abgesehen von kriminellen Netzwerken und einigen militanten Gruppen waren es auch politische Parteien, die an der Konfiszierung von mehr als 30.000 Grundstücken von Christen in Bagdad und anderen Gegenden beteiligt waren. Das geschah unter Missachtung der Versprechen der Staatskanzlei, die Aneignungen zu untersuchen.
  • Gewöhnliche Bürger: Einige Bürger machen sich an dem Prozess der Enteignung christlicher Grundstücke mitschuldig, indem sie diese kaufen und dorthin ziehen. Einzelne Bürger haben zudem Land von christlichen Dörfern beschlagnahmt und begonnen, darauf zu bauen, obwohl Christen offizielle Papiere haben, die beweisen, dass sie die eigentlichen Eigentümer sind. Dies geschieht in verschiedenen Städten in der Autonomen Region Kurdistan, einschließlich der Ninive-Ebene, sowie in Bagdad und Mossul. Schließlich haben Christen und andere nichtmuslimische Minderheiten von Korruption, Vetternwirtschaft und ungleicher Anwendung des Rechts in der Arbeitswelt berichtet, was sich negativ auf die wirtschaftliche Situation von nichtmuslimischen Gemeinschaften auswirkte und einer der Gründe für deren Auswanderung war.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Kurdische Grundbesitzer haben sich in den letzten Jahren ebenfalls in illegaler Weise Land, Bauernhöfe und andere Besitztümer vieler christlicher Familien in der Autonomen Region Kurdistan angeeignet. Diese illegalen Enteignungen wurden von kurdischen Bauern durchgeführt, die einzeln oder in Abstimmung mit anderen Mitgliedern des Stammes agierten. Dazu gehört insbesondere ein Clan, der dafür bekannt ist, Land von Christen mit Gewalt an sich zu bringen.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die meisten Christen im Irak leben im Norden des Landes, in Kurdistan, insbesondere in den folgenden Provinzen: Ninive-Ebene, Erbil, Sulaimaniyya, Dohuk und Kirkuk. In Bagdad und Basra gibt es nur noch wenige Christen. Besonders schwierig ist die Situation für Christen im Süden und im Zentrum des Landes. Die meisten der dortigen Provinzen sind von Christen verlassen worden, mit Ausnahme kleiner Gruppen von Christen muslimischer Herkunft.

Die Verletzungen der Rechte solcher Konvertiten zum christlichen Glauben, besonders in Form von islamischer Unterdrückung und Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, sind in arabischen Gebieten tendenziell stärker als in kurdischen. Im Allgemeinen ist die Atmosphäre in den kurdischen Gebieten toleranter gegenüber Andersdenkenden.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden gemäß der Methodik des Weltverfolgungsindex nicht als eigenständige Kategorie betrachtet, da sie im Irak üblicherweise keine unfreiwillig isolierte Gruppe darstellen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Kirchen wie die Assyrisch-Orthodoxe Kirche, die Chaldäisch-Katholische Kirche, die Syrisch-Katholische Kirche und die Armenische Kirche sind alle erheblich von Verletzungen der Religionsfreiheit betroffen, sei es durch extremistisch-islamische Gruppierungen oder nichtchristliche religiöse Leiter. Sie werden außerdem von den Behörden diskriminiert. Im Zentral- und Südirak zeigen Christen oft keine christlichen Symbole (wie etwa ein Kreuz), da dies zu Belästigungen oder Diskriminierungen an Checkpoints, in der Universität oder am Arbeitsplatz sowie in Regierungsgebäuden führen kann. Die meisten Christen in der Autonomen Region Kurdistan können christliche Symbole in der Regel problemlos tragen, obwohl Berichten zufolge in seltenen Fällen einige die Kreuze aus ihren Autos entfernt haben, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Dazu gehören Christen mit muslimischem Hintergrund sowie Christen, die aus einer traditionellen Kirche stammen, nun aber zusammen mit protestantisch-freikirchlichen Christen Gottesdienst feiern. Christen muslimischer Herkunft erleben den meisten Druck durch die eigene (Groß-)Familie; sie halten ihren neuen Glauben häufig geheim, da sie riskieren, von ihren Familienangehörigen, Stammesführern und den Menschen in ihrem Umfeld bedroht zu werden. Die Gemeinde zu wechseln (beispielsweise als Christ mit orthodoxem Hintergrund in eine freikirchlich-protestantische Gemeinde zu gehen), wird ebenfalls häufig mit dem Entzug von Rechten oder mit dem Verlust des Arbeitsplatzes bestraft. Ein Bischof weigerte sich, Trauungen von Mitgliedern seiner Kirche durchzuführen, die freikirchlich-protestantische Gemeinden besucht hatten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden in Bagdad und Basra sind ebenfalls erheblich von Verletzungen der Religionsfreiheit durch islamisch-extremistische Gruppierungen und nichtchristliche religiöse Leiter betroffen und erleben Diskriminierungen durch die Behörden. In gewissem Maße sind auch freikirchliche Christen von Widerstand durch die eigene (Groß-)Familie betroffen. Freimütig auftretende Christen werden häufig zu Zielen im Zentral- und Südirak. Auch Blasphemiegesetze können gegen sie angewendet werden, wenn sie im Verdacht stehen, missionarisch unter Muslimen zu arbeiten. Für evangelikale Christen gibt es keine gesetzliche Grundlage, um Bibelschulen einzurichten oder um ausländische Organisationen zu engagieren, ihnen dabei zu helfen.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.6
Familienleben 14.6
Gesellschaftliches Leben 14.2
Leben im Staat 14.8
Kirchliches Leben 13.8
Auftreten von Gewalt 11.5

Grafik: Verfolgungsmuster Irak

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Irak hat weiterhin ein extremes Ausmaß und erreicht mit 14,2 Punkten etwa die gleiche Punktzahl wie im vorherigen Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 (14,1). Der Druck ist in jedem Lebensbereich als „extrem“ einzuordnen, außer im Privatleben, wo er mit einer Wertung von 13,6 Punkten als nur „sehr hoch“ kategorisiert wird. Dies ist typisch für eine Situation, in der viele verschiedene Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken.
  • Der Druck durch die islamische Unterdrückung betrifft alle fünf Lebensbereiche, besonders für Christen muslimischer Herkunft. Unterdrückung durch den Clan oder Stamm (verbunden mit islamischer Unterdrückung) betrifft besonders die Lebensbereiche Familienleben und Privatleben. Organisiertes Verbrechen und Korruption wird besonders im Bereich des gesellschaftlichen Lebens und des Lebens im Staat sichtbar. Konfessioneller Protektionismus betrifft vor allem das kirchliche Leben, Familien- und Privatleben.
  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen stieg um 5,9 Punkte – und damit von „sehr hoch“ im Weltverfolgungsindex 2020 auf „extrem“ im Weltverfolgungsindex 2021 (11,5 Punkte). Der Anstieg ist vor allem darauf zurückzuführen, dass viel mehr Kirchen geschlossen wurden und auch die Zahl der entführten Christen gestiegen ist.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr gefährlich, mit Angehörigen und anderen Menschen über ihren christlichen Glauben zu sprechen. Die traditionellen Kirchen haben im Lauf der Jahrhunderte erfahren müssen, dass sie außerhalb ihrer Gemeinschaften nicht über den Glauben diskutieren können und keinerlei Aktivitäten durchführen können, die als Evangelisation verstanden werden könnten. Auch wenn Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften mit Nichtchristen über ihren Glauben sprechen, stehen sie immer in der Gefahr, der Evangelisation beschuldigt und deswegen belästigt oder sogar gewalttätig angegriffen zu werden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

In einem Land, das stark von religiös motivierter Gewalt geprägt ist (und das in der Vergangenheit sogar von Völkermord betroffen war), besteht immer das Risiko, wegen religiöser Symbole belästigt oder entführt zu werden oder Gewalt zu erfahren. Dies gilt besonders für die zentralen und südlichen Regionen des Landes, aber auch für einige Teile der Ninive-Ebene wie Mossul. Einheimische Christen tragen und zeigen christliche Symbole und Bilder in ihrem privaten und öffentlichen Leben, sofern sie keine Konvertiten sind und auch nicht in einer streng konservativen islamischen Umgebung leben. Für Konvertiten dagegen würde das bedeuten, ihren Glaubenswechsel zu offenbaren – und wäre deshalb im gesamten Land äußerst riskant, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Das irakische Recht erlaubt es einem Muslim nicht, zu einem anderen Glauben zu konvertieren. Daher ist es für einen ehemaligen Muslim, der dem Islam den Rücken gekehrt hat, nicht möglich, die im Personalausweis eingetragene Religionszugehörigkeit zu ändern. Folglich ist auch ein Christ muslimischer Herkunft weiterhin offiziell als Muslim registriert (und ebenso alle seine Kinder). Abgesehen vom beträchtlichen gesellschaftlichen Druck kommt die stärkste Verfolgung von der Familie des Konvertiten: Sie werden ihn möglicherweise unter Hausarrest stellen und mit Schlägen traktieren sowie ihm andere Gewalt antun und mit Ermordung drohen. Viele Christen muslimischer Herkunft mussten daher fliehen. Das ist auch der Grund, warum viele von ihnen ihren Glauben geheim halten.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Sich mit anderen Christen zu treffen, ist besonders für Christen muslimischer Herkunft gefährlich. Dadurch könnte ihr Glaubenswechsel offenbart werden. Diese Gefahr besteht im gesamten Land, jedoch unterschiedlich stark, je nachdem, in welcher Region die Christen muslimischer Herkunft leben. In den etwas toleranteren kurdischen Gebieten und den christlich geprägten Dörfern der Ninive-Ebene wäre dies weniger riskant als in streng konservativ islamisch geprägten Gebieten.

Familienleben

Wurden christliche Ehepartner von Nichtchristen in Scheidungsfällen vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, das Sorgerecht für die Kinder zu beantragen?

Nach dem irakischen Familienrecht, das auf der Scharia basiert, geht das Sorgerecht für Kinder im Allgemeinen an den muslimischen Elternteil. Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden als Muslime betrachtet, und gemäß der Scharia kann ein nichtmuslimischer Elternteil kein muslimisches Kind großziehen. Wenn der Ehemann Christ ist, wird er aufgefordert, das Sorgerecht an die Mutter abzugeben, damit die Kinder nach islamischem Recht erzogen werden können. Wenn die Mutter Christin ist, kann sie das Sorgerecht unter Umständen bis zu einem bestimmten Alter des Kindes auch behalten, doch wahrscheinlicher ist es, dass sie das Sorgerecht für die Kinder an den muslimischen Vater abgeben muss, da die meisten Richter Muslime sind.

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Laut Artikel 26 des Gesetzes von 2015 zum Personalausweis werden Kinder unter 18 Jahren mit einem muslimischen Elternteil als Muslime registriert. Das trifft selbst dann zu, wenn die nichtmuslimische Mutter von einem Muslim vergewaltigt wurde und so das Kind gezeugt wurde. Wird ein Kind einmal als Muslim registriert, kann die Religionszugehörigkeit nicht mehr zum Christentum geändert werden. In einigen Fällen hat das dazu geführt, dass Christen ausgewandert sind. Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich der gleichen Herausforderung gegenüber, da sie ihre Religionszugehörigkeit nicht offiziell ändern können und ihre Kinder daher automatisch als Muslime registriert werden.

Wurde die Registrierung von Geburt, Hochzeit, Tod usw. von Christen behindert oder unmöglich gemacht?

All dies ist für Christen muslimischer Herkunft unmöglich, da die Behörden sie weiterhin als Muslime betrachten. Eine Ehe von einem Christen muslimischer Herkunft mit einem Nichtmuslim wird daher nicht anerkannt. Kinder eines solchen Paares würden in allen Aspekten ihres rechtlichen und sozialen Lebens als Muslime behandelt. Dieses Problem wurde noch durch die vom IS praktizierten Zwangskonvertierungen verschärft. Die so zum Islam konvertierten Christen werden nun als Muslime angesehen, weil sie vor Gericht ihre Konversion erklären mussten. Außerdem haben nichtregistrierte Freikirchen keine Möglichkeit, Hochzeiten oder Todesfälle ihrer Mitglieder offiziell beurkunden zu lassen.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Dies gilt besonders für christliche Kinder, deren Eltern einen muslimischen Hintergrund haben. Sie werden als Muslime angesehen und müssen am verpflichtenden Islamunterricht auf allen Bildungsebenen teilnehmen. In einem geringeren Ausmaß kann dies auch einheimische Christen betreffen, besonders in mehrheitlich islamisch geprägten Gegenden unter der irakischen Zentralregierung und in streng konservativen Gegenden wie Mossul. Druck von Lehrern oder anderen Schulkindern kann hierbei eine starke Rolle spielen. Im gesamten Land müssen alle Schulen (auch christliche Schulen) regelmäßigen Islamunterricht anbieten und die Schüler in diesem Fach prüfen. Wer diese Prüfungen nicht besteht, kann nicht in die nächste Klasse versetzt werden. Der nationale Lehrplan ist zudem auf den Islam ausgerichtet – das betrifft nicht nur den Religionsunterricht, sondern beispielsweise auch das Fach Geschichte.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Diskriminierung von Christen ist im Irak weitverbreitet. Die fehlende Rechenschaftspflicht infolge des Krieges und die zahlreichen Milizen, die nicht von der Zentralregierung kontrolliert werden, lassen Verfolger ungestraft. Diskriminierung ist etwas Alltägliches, selbst in den kurdischen Gebieten. Auch die Diskriminierung aufgrund von Kleidungsvorschriften, Kreuzen in Autos und Ähnlichem ist weitverbreitet. In Bagdad und Basra wird auf christliche Frauen aller im Weltverfolgungsindex erfassten christlichen Gemeinschaften Druck ausgeübt, ein Kopftuch zu tragen. Selbst im Norden des Landes (in Dohuk, Zaxo und einigen Gebiete Erbils) wächst der soziale Druck auf Frauen, sich zu verschleiern. Außerdem enthält der Lehrplan für Grundschulen beleidigende Aussagen zu diesem Themenbereich, die Hass und Spaltung fördern, etwa, dass unverschleierte Frauen „krank“ seien. Christliche Frauen trifft dies besonders.

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Christinnen muslimischer Herkunft riskieren ihr Leben, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Es kann auch vorkommen, dass sie mit einem Muslim zwangsverheiratet werden. Unter den Frauen aus allen christlichen Gemeinschaften ist die Angst vor Vergewaltigung und anderen Formen von Gewalt weit verbreitet. Solche Gewaltverbrechen können nach sich ziehen, dass die Opfer mit dem Vergewaltiger verheiratet werden, eine Situation, die vom Gesetz unterstützt wird: Vergewaltigung wird im Irak nicht strafrechtlich verfolgt, wenn der Täter die Frau, der er Gewalt angetan hat, heiratet, um die Familienehre wiederherzustellen. So können Frauen, auch Christinnen, gezwungen werden, den Mann zu heiraten, der sie vergewaltigt hat.

Haben Christen auf irgendeiner Ebene im Bereich ihrer Bildung aus religiösen Gründen Nachteile erlitten (z. B. Einschränkungen des Zugangs zur Bildung)?

Die Hauptbenachteiligung, die Christen im Bildungsbereich erfahren, ist der Fokus auf den Islam im Bereich der religiösen Bildung und die Nichtbeachtung der anderen religiösen Gemeinschaften und ihres Beitrags zur Geschichte des Irak. Dadurch wird eine Denkweise erzeugt, wonach Christen als Muslimen untergeordnet zu betrachten sind. Christen und andere nichtmuslimische Gemeinschaften werden nicht als eingewurzelter, einheimischer Teil der Geschichte und Kultur des Irak angesehen. Einige der offiziellen Lehrmaterialien an öffentlichen Schulen und Universitäten definieren Christen sogar als Ungläubige und Feinde und rufen zum Dschihad gegen sie auf. Berichten zufolge gibt es zudem nur wenige Christen, die Stipendien oder höhere Positionen innerhalb des Bildungssystems und an Universitäten erhalten. Christliche Studenten beklagen sich, dass einige muslimische Professoren an Universitäten Prüfungen (absichtlich) auf christliche Feste wie Weihnachten und Ostern legen. Assyrische Schulen weisen darauf hin, dass sie benachteiligt werden, indem sie nicht die Fördermittel erhalten, auf die sie Anspruch haben, oder die Schulbücher, die sie benötigen.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es im Bereich des öffentlichen Sektors sehr einfach, Christen zu diskriminieren. Selbst hochqualifizierte Christen haben nicht die gleichen Chancen auf Arbeitsplätze oder hochgestellte Positionen. Auch wenn einige Christen wichtige Positionen im Parlament und der Regierung innehaben, fühlen Christen sich generell bei der Vergabe von Regierungsposten und der Besetzung gewählter Positionen unterrepräsentiert, vor allem im öffentlichen Sektor (besonders auf Provinz- und lokaler Ebene). Das schränkt den Zugang ein, den Minderheiten zu den von der Regierung angebotenen wirtschaftlichen Möglichkeiten haben. Für Christen mit muslimischem Hintergrund ist dies noch schlimmer: Sie verlieren im Regelfall ihren Arbeitsplatz, sobald ihr neuer Glaube bekannt wird (beispielsweise durch Nichtfasten während des Ramadan). In einem solchen Fall erhalten sie keinerlei Arbeitszeugnis oder amtliche Unterlagen, weshalb sie es sehr schwer haben, eine neue Stelle zu finden, besonders bei größeren Unternehmen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Auch wenn die Verfassung grundlegende Menschenrechte und die Religionsfreiheit anerkennt und der Irak alle Abkommen und Vereinbarungen zu Menschenrechten unterschrieben hat, gibt es mehrere Gesetze, die gegen die Prinzipien verstoßen, die Christen Religionsfreiheit gewähren sollen. Beispielsweise legt die Verfassung fest, dass der Irak ein islamisches Land ist und kein Gesetz erlassen werden darf, das dem Islam oder islamischen Grundsätzen entgegensteht. Das Gesetz erlaubt die Konversion von einem anderen Glauben zum Islam, aber erlaubt nicht die Konversion vom Islam zu einem anderen Glauben beziehungsweise erkennt diese nicht an. Das Gesetz zu Personalausweisen legt fest, dass alle Kinder einer Person als Muslime gelten, wenn sie zum Islam konvertiert, selbst alle Kinder aus einer früheren Ehe. Nach dem Personenstandsgesetz geht in einer Ehe, in der einer der Ehegatten Muslim ist, das Recht auf Scheidung, Sorgerecht und Erbschaft fast automatisch auf die muslimische Partei über.

Wurden Christen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, oder wurde ihre Beförderung aus religiösen Gründen behindert?

Repräsentanten christlicher Gemeinschaften beklagen immer wieder, dass sie im öffentlichen Sektor unterrepräsentiert sind, besonders auf Provinz- und lokaler Ebene. Christen in den kurdischen Gebieten beklagen einen Missbrauch des Wahlsystems in den Parlamentswahlen von 2018, als kurdische und schiitische Parteien für die fünf Sitze, die für Christen reserviert sind, ihre eigenen christlichen Kandidaten aufstellten. Allgemein gesprochen verhält es sich wie im Großteil des Nahen Ostens: Christen wird nicht erlaubt, die höchsten Ämter in bestimmten Institutionen, wie dem Militär, zu bekleiden. Manchmal wurden Christen aufgefordert, Muslime zu werden, um eine Beförderung zu erhalten.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Die meisten Verfolger von Christen werden nicht für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Dadurch werden Christen mit muslimischem Hintergrund sogar noch angreifbarer, besonders in Bezug auf „Ehrenverbrechen“ innerhalb der Familie. Die Regierung übt keine Kontrolle über die Milizen aus, die im Land aktiv sind, besonders in der Ninive-Ebene. Enteignungen, Zerstörungen, Entführungen und Morde in der IS-Zeit und auch in der Zeit danach wurden nicht strafrechtlich verfolgt. Trotz der großen Anzahl christlicher Häuser und Grundstücke, die beschlagnahmt wurden (offizielle Zahlen schätzen, dass dies 78 Prozent aller Grundstücke von Christen betrifft, die das Land verlassen haben), wird kaum jemand dafür bestraft.

Wurde angeklagten Christen die Gleichbehandlung vor Gericht verwehrt?

In Gerichten erleben Christen die gleiche Diskriminierung wie im öffentlichen Leben und in der Politik. Sie werden als Bürger zweiter Klasse behandelt, sofern sie nicht persönliche Beziehungen zu höheren Regierungsebenen haben.

Sind Christen zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden geworden?

Laut Kontaktpersonen von Open Doors im Irak hetzen nichtchristliche religiöse Führer regelmäßig gegen Christen, etwa in Predigten in Moscheen. Dies kann unmittelbar zu Gewalt gegen Christen führen. Christen sind außerdem regelmäßig Gegenstand von Hassreden und Hetzkampagnen im nationalen Fernsehen und online durch extremistische Gruppierungen.

Kirchliches Leben

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Es ist nicht möglich, Christen muslimischer Herkunft in eine Kirche in dem Ort zu integrieren, aus dem sie stammen. Meist müssen christliche Konvertiten ihren Heimatort aus Sicherheitsgründen verlassen und andere Christen in der Anonymität einer Großstadt kennenlernen – oder das Land ganz verlassen. Wird bekannt, dass eine Kirche Konvertiten aufnimmt, gerät sie ins Visier der Behörden oder extremistischer Gruppen und wird möglicherweise geschlossen. Eine Ausnahme stellen hierbei die Kurdengebiete dar, wo es einigen kurdischen Kirchen möglich war, Kurden aufzunehmen. Doch trotz der etwas größeren Freiheit werden sie auch hier genau überwacht und sind einer gewissen Gefahr ausgesetzt.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Es ist generell schwierig für Kirchen oder christliche Organisationen, die Stimme gegen ihre Verfolger zu erheben. Nur wenn es um die Verbrechen geht, die vom IS begangen wurden, ist dies möglich. Im Irak sind die Anstifter größerer Verfolgungshandlungen üblicherweise hochrangige religiöse und politische Führer mit beachtlichem Einfluss und militärischer Macht. Christliche Leiter sind sehr vorsichtig darin, wie sie Kritik und Anschuldigungen formulieren. Leiter, die sich in der Vergangenheit diesbezüglich klarer geäußert haben, versuchte man mit Drohungen mundtot zu machen. Einige, die die Regierung, ihre Milizen oder ihre politischen Parteien kritisiert haben, wurden getötet.

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Ist eine Gemeinschaft von Christen muslimischer Herkunft bekannt, wird sie mit großer Sicherheit überwacht und gestört oder es wird versucht, sie zu zerschlagen. Hierbei gibt es einige wenige Ausnahmen in den kurdischen Gebieten, doch trotz der etwas größeren Freiheiten werden auch hier Christen muslimischer Herkunft genau überwacht. Das christliche Leben in Teilen der Ninive-Ebene ist mehr oder weniger ausgestorben: Mossul, Tel Keppe und andere Orte waren einst die Heimat lebendiger christlicher Gemeinden, aber das ist jetzt nicht mehr der Fall. Die allermeisten Kirchen sind noch immer Ruinen, eine Unterstützung der Regierung zum Wiederaufbau der christlichen Gemeinschaften in der Ninive-Ebene gibt es nicht. Berichten zufolge werden etliche Kirchen überwacht, insbesondere diejenigen, die zu den neueren, protestantischen Freikirchen gehören.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Jugendarbeit ist nur innerhalb von Kirchengebäuden erlaubt. Auch Jugendcamps oder ähnliche Events können nur innerhalb der Mauern eines kirchlichen Gebäudes stattfinden und sind außerhalb davon nicht gestattet. Die Arbeit mit Jugendlichen darf nur auf christliche Jugendliche ausgerichtet sein, Arbeit unter der mehrheitlich muslimischen Jugend ist nicht möglich. Nichtregistrierte christliche Gemeinschaften, die sich in Häusern oder Läden treffen, können Probleme mit der lokalen Polizei bekommen, wenn muslimische Nachbarn solche Treffen in ihrer Nähe nicht haben wollen.

Auftreten von Gewalt

Einschränkende Vorbemerkung: In den chaotischen Umständen des Krieges ist oft nicht klar ersichtlich, ob Handlungen gegen Christen religiös motiviert sind oder nicht. Vorfälle, die als „Kollateralschäden“ bezeichnet werden könnten, werden hier nicht aufgeführt. Dazu gehören Vorfälle, bei denen bei Kämpfen zwischen Regierungs- und Rebellentruppen entweder Christen verletzt wurden oder das Eigentum von Christen beschädigt wurde. Oft vermischen sich verschiedene Motive für Angriffe und schließen Machtmechanismen ein, doch eine christenfeindliche Motivation kann umgekehrt auch nicht ausgeschlossen werden. Für die Auswertung im Rahmen des Weltverfolgungsindex wurden nur Vorfälle herangezogen, 1.) bei denen es den Tätern im Voraus klar war, dass christliche Zivilisten betroffen sein werden (zum Beispiel, wenn ein mehrheitlich christliches Dorf angegriffen wurde), und 2.) bei denen die örtliche christliche Gemeinschaft annimmt, dass christenfeindliche Motive vorlagen, weil die Angreifer wie beispielsweise der IS oder andere gewalttätige islamistische Gruppen einer christenfeindlichen Ideologie folgen.

Im Falle der türkischen Militäroffensive im Nordirak gelten die folgenden Überlegungen: Es war im Voraus bekannt, dass überwiegend christliche Dörfer angegriffen werden sollten. Die Türkei behauptete, sie habe PKK-Kämpfer angegriffen, aber den Christen in der Region zufolge befinden sich diese nicht in ihrem Gebiet. Außerdem spielt eine islamistische Ideologie eine Rolle: In Bezug auf die militärische Operation der Türkei in der Region erklärte Erdogan in einer Rede im August 2020, dass die „türkische Armee des Islam“ nicht Gebiete besetze, sondern „Allahs Gerechtigkeit bringe“ und sich das nehme, was ihr in dem Gebiet zustehe, denn ihre Zivilisation sei „eine der Eroberung“. Schließlich sind unter der betroffenen christlichen Bevölkerung in der Region viele Nachkommen derer, die dem türkischen Völkermord von 1915 entkommen sind; sie haben den starken Eindruck, wieder einmal das Ziel eines groß angelegten Angriffs auf ihre Gemeinschaft geworden zu sein.

  • Getötete Christen: Es gab Berichte, dass zwei Christen mit muslimischem Hintergrund getötet wurden. Aus Sicherheitsgründen können hierzu keine weiteren Details genannt werden. Ein dritter Christ wurde in einem Juweliergeschäft in Bagdad ermordet.
  • Angegriffene oder geschlossene Kirchen und christliche Gebäude: Mindestens zehn Kirchen wurden geschlossen, nachdem überwiegend christliche Dörfer als Folge der türkischen Angriffe im Norden geräumt wurden. In Wirklichkeit dürfte die Gesamtzahl der aus diesem Grund geschlossenen Kirchen aber höher sein.
  • Verhaftungen von Christen: Mindestens sechs Christen wurden ohne Anklage festgenommen und später wieder freigelassen. Aus Sicherheitsgründen können keine weiteren Details genannt werden.
  • Angegriffene oder beschlagnahmte Häuser und Besitztümer von Christen: Dies betrifft vor allem Landraub durch schiitische Milizen sowie die Bombardierung christlicher Dörfer durch türkische Streitkräfte. Im Nahla-Tal, einer nordirakischen Region, in der ethnische Assyrer leben, ebnete im Juli 2020 ein Gerichtsbeschluss den Weg für die Enteignung von Land und Gebäuden von 117 christlichen Familien. Die chaldäischen, syrischen und assyrischen christlichen Familien wurden in den letzten Jahren von kurdischen Landbesitzern illegal enteignet. Eine frühere Gerichtsentscheidung, welche ihre Rechte an dem Eigentum bestätigt hatte, wurde gekippt.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Mehr als 200 Christen wurden aufgrund der türkischen Militäroperation in der Region aus ihren Dörfern und Häusern in Zaxo vertrieben. Schließlich gab es auch mehrere Christen mit muslimischem Hintergrund, die wegen ihres Glaubens ihre Häuser verlassen mussten und untergetaucht sind.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten, die im Irak unter Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz leiden, sind Jesiden, Kakai, Mandäer, Bahai, Zoroastrier und Juden. Es ist bekannt, dass insbesondere Jesiden durch den IS Gräueltaten erlitten haben. Es wurden mehr jesidische Frauen und Mädchen vom IS als Sexsklavinnen gefangen genommen als christliche. Auch wurden durch den IS mehr Jesiden als Christen ermordet. Die Organisation der nicht repräsentierten Nationen und Völker (UNPO für „Unrepresented Nations and People's Organization“) berichtete am 7. Juni 2018, dass im „August 2014 etwa 3.100 Jesiden im Sindschar-Gebirge getötet wurden, während 6.800 entführt wurden, um entweder Sexsklavinnen oder Kämpfer zu werden“. Nach dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2019 werden immer noch fast 3.000 jesidische Frauen und Mädchen vermisst. Wenig bis gar nichts wurde unternommen, um die Täter des Völkermords an den Jesiden vor Gericht zu stellen oder die Minderheit dabei zu unterstützen, sich in Sindschar und ihren anderen ehemaligen Wohngebieten im Irak wiederanzusiedeln, trotz der Forderungen jesidischer Führer. Derzeit sind sie durch türkische Luftangriffe in der Sindschar-Region bedroht und werden darüber hinaus durch verschiedene Milizen bedrängt; dadurch wird es für sie unmöglich, sich nach dem IS wieder ein neues Leben aufzubauen. Die Türkei hat die Sindschar-Region seit 2017 ins Visier genommen, auch durch eine Reihe von Luftangriffen im Jahr 2020. Zwei Drittel der jesidischen Binnenflüchtlinge sind immer noch nicht zurückgekehrt und „erdulden weiterhin in mehr als 15 Lagern in der Region Kurdistan im Nordirak ein herausforderndes Leben“, wie die „Commission on International Religious Freedom“ der Vereinigten Staaten (USCIRF) 2019 erklärte.

Obwohl die Verfassung die Religionsfreiheit für Christen, Jesiden und Mandäer garantiert, beschützt sie nicht ausdrücklich Anhänger anderer Religionen und Atheisten. Die Bahai-Religion und der wahhabitisch-sunnitische Islam sind per Gesetz verboten. Bahai werden als Abtrünnige vom Islam gesehen und erfahren noch stärkeren Druck als die meisten Christen, mit Ausnahme von Christen muslimischer Herkunft. Das Praktizieren der Bahai-Religion kann mit einer Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren bestraft werden. Dieses Verbot wird in der Autonomen Region Kurdistan jedoch nicht durchgesetzt, wo die Bahai-Religion als Religion anerkannt ist. Auch in anderen Teilen des Landes wird dieses Gesetz im Allgemeinen nicht angewandt.

Juden dürfen gemäß dem Strafgesetzbuch keine Arbeitsstellen im Dienst der Regierung haben (etwa in staatlichen Unternehmen) oder der Armee beitreten. Die weitverbreitete Diskriminierung der wenigen im Irak verbliebenen Juden führt dazu, dass sie sich aus Angst vor Gewalt nicht öffentlich als solche bekennen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Irak:

  • Beten Sie für ein Ende der Gewalt. Bitten Sie Jesus Christus, Frieden in die Herzen der Christen zu bringen und denen zu begegnen, die sie verfolgen.
  • Beten Sie darum, dass Gott die Herzen der irakischen Anführer zu ihm wendet. Beten Sie, dass ihnen Weisheit gegeben wird, ihr Land in Gerechtigkeit und Barmherzigkeit zu führen.
  • Beten Sie für einen Hunger nach Gott unter der irakischen Bevölkerung. Danken Sie Gott für offene Türen, das Evangelium weiterzugeben.