Länderprofil Kamerun

Kamerun

42
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Kamerun
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
48
Karte Kamerun
Christen
15,92
Bevölkerung
25.96
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 8.800
Familienleben: 7.600
Gesellschaftliches Leben: 12.600
Leben im Staat: 7.000
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 15.700

Länderprofil Kamerun

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 42 / 64 Punkte (WVI 2020: Platz 48 / 60 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Muslime werden in Kamerun massiv daran gehindert, den christlichen Glauben anzunehmen. In stark muslimisch geprägten Teilen des Landes vollzieht sich ein Prozess der Radikalisierung der Bevölkerung. Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten) werden bedroht, wenn eine Bibel oder andere christliche Literatur bei ihnen gefunden wird. Sie sind nicht frei darin, ihrem christlichen Glauben oder christlichen Meinungen Ausdruck zu verleihen, egal ob gegenüber engen Familienmitgliedern oder Anderen. Dies würde sie großen Risiken aussetzen. In den ländlichen Gebieten der nördlichen Regionen haben Christen muslimischer Herkunft Schwierigkeiten mit den örtlichen Dorfgemeinschaften. Dort gab es Fälle, in denen Kinder von Christen von ihren nichtchristlichen Verwandten dazu gezwungen wurden, an islamischem Unterricht teilzunehmen. Christinnen muslimischer Herkunft werden zu Ehen mit Nichtchristen gezwungen. Christinnen sind außerdem der Gefahr einer Entführung durch die islamistische Gruppe Boko Haram ausgesetzt. In Gegenden, in denen Boko Haram aktiv ist, wurden kirchliche Aktivitäten behindert oder zum Erliegen gebracht. Durch die Vertreibung der Bevölkerung können Kirchen in diesen Teilen des Landes nicht normal funktionieren. In anderen Gegenden sind kirchliche Aktivitäten durch Sicherheitsverfügungen stark eingeschränkt.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

64

42

2020

60

48

2019

54

56

2018

-

-

2017

-

-

Die Steigerung um vier Punkte im Weltverfolgungsindex 2021 ist auf einen Anstieg des Drucks (im Durchschnitt um 0,7 Punkte) und beim Auftreten der Gewalt (um 0,7 Punkte) zurückzuführen. Diese Entwicklung wurde durch ein Zusammenspiel verschiedener Triebkräfte der Verfolgung verursacht. Boko Haram verstärkte seine Angriffe sowie die Unterwanderung des Landes und rekrutierte mehr Kämpfer im Land. Die Krise in den englischsprachigen Regionen des Landes hat Christen einer Vielzahl von Gruppen gegenüber wehrlos gemacht. Christen sind Einschüchterungen und Angriffen ausgesetzt, wenn sie sich gegen die Gräueltaten aussprechen, die im Land verübt werden (sowohl durch die Regierung als auch durch separatistische Kräfte). Die Regierung hat zudem einigen Christen verboten, im Land zu arbeiten. Außerdem verfolgen etablierte Kirchen die Christen anderer Denominationen, weil die steigende Zahl protestantischer Freikirchen als Bedrohung angesehen wird. Die Korruption im Land nimmt überhand und sorgt dafür, dass Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in vielen Landesteilen quasi nicht mehr existieren. Die Covid-19-Pandemie hat dazu beigetragen, die Kräfte der Verfolgung zu stärken und die Position der Betroffenen zu schwächen.

2. Trends und Entwicklungen

1) Der Kampf gegen Boko Haram beeinträchtigt die ganze Region

Ein bedeutender Teil Westafrikas ist zu einem Schlachtfeld zwischen Regierungstruppen und islamistischen Kämpfern geworden. Dabei verübt Boko Haram aktiv Angriffe in Nigeria, Tschad, Kamerun und Niger. Gepaart mit der Tatsache, dass die kamerunische Regierung die Rechte ihrer Bürger nicht respektiert oder schützt, sieht die Zukunft des Landes nicht rosig aus.

2) Die islamisch-extremistische Ideologie hat sich tief eingegraben

Im nördlichen Teil des Landes, wo die Radikalisierung und Angriffe militanter Kämpfer stattfinden, ist das Leben für Christen besonders hart. Selbst wenn Boko Haram besiegt würde, bleibt es unwahrscheinlich, dass es zu sozialem Frieden kommt; bereits zu tief verwurzelt ist die islamistische Ideologie unter der muslimischen Jugend in der Region. Wenn sich diese Entwicklung fortsetzt, könnte es zu religiös motivierter Gewalt in einem Ausmaß kommen, wie es in den letzten Jahren in der Zentralafrikanischen Republik der Fall war. Dass die Covid-19-Pandemie die Region getroffen hat, bedeutet, dass die Dschihadisten mehr Möglichkeiten zur Organisation und zum Handeln hatten. Sie könnten in Zeiten nach der Pandemie noch gefährlicher werden.

3) Die Regierung handelt zunehmend repressiv

Was als Protestbewegung von englischsprachigen Kamerunern begann, hat zum Bürgerkrieg geführt. Die Regierung hat darauf zunehmend repressiv reagiert und wurde schwerer Menschenrechtsverletzungen beschuldigt. Da sie sich mehr und mehr auf die Unterdrückung von politischem Widerspruch und Widerstand konzentriert, ist die Regierung von ihrem Kampf gegen Boko Haram abgelenkt worden. Im Juli 2020 wurde berichtet, dass Regierung und Separatisten begonnen haben, Friedensgespräche zu führen. Wenn diese Verhandlungen scheitern, wird das Land auf Jahre hinaus in einer tiefen Krise stecken.

Im Kontext dieser oben erwähnten Krisen im Land werden Christen für Angriffe immer verletzbarer.

3. Religiöse Situation im Land

Die muslimische Bevölkerung sammelt sich im Norden von Kamerun. Christlichen Gemeinden sind am häufigsten in den südlichen und westlichen Regionen des Landes zu finden.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft der Verfolgung ist besonders im Norden, in Adamaoua, anzutreffen, sowie in einigen Regionen im Osten. Sie betrifft hauptsächlich Christen muslimischer Herkunft, die Verfolgung durch ihre eigene Familie erleben. Der durch Boko Haram hervorgerufene islamische Aufstand stellt zudem eine konstante Bedrohung für Leben und Sicherheit von Christen dar und hat zur Vertreibung vieler Christen aus den Regionen Adamaoua, Nord und Extrême-Nord geführt. In den entlegenen Gebieten dieser Regionen gibt es einige muslimische Leiter, die meinen, der Islam sollte der einzige Glaube in ihrem Gebiet sein. Auch wenn Kamerun allgemein ein Land ist, in dem religiöse Toleranz gelebt wird, sind die Folgen des von Fulani geführten Dschihads in den vergangenen Jahrhunderten noch immer in den nördlichen Regionen zu spüren. Durch diesen Dschihad wurde die einheimische Bevölkerung gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Die Gewalt von Boko Haram hat diese Erinnerungen wieder wachgerufen und untergräbt die Geschichte friedvoller Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im modernen Kamerun.

Diktatorische Paranoia

Während der vergangenen drei Jahrzehnte unter der Herrschaft von Paul Biya war das Regime für eine Serie von politischen Verhaftungen, Morden und der Verfolgung von Christen verantwortlich. Die englischsprachigen Regionen des Landes waren davon aufgrund ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen besonders betroffen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Kamerun ist eines der korruptesten Länder der Welt. Das diktatorische Regime von Paul Biya ist dafür verantwortlich, dass ungezügelte Korruption die politische Struktur des Landes schwächt. Das Land ist, obwohl es Ölvorkommen besitzt, weit abgeschlagen hinter den meisten afrikanischen Ländern, was die ökonomische Entwicklung angeht. Korrupte Beamte im Norden sind ebenfalls für Verfolgung verantwortlich, da sie nicht die notwendigen Schritte unternehmen, um Christen vor Angriffen islamisch-extremistischer Gruppen zu schützen. Sie verfolgen zudem Christen, die Meinungen vertreten, die der Regierung widersprechen.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Ein bedeutender Teil der Bevölkerung hängt traditionellen Religionen an. Es gibt auch Christen, die traditionelle Religionen mit dem christlichen Glauben vermischen. Wenn Christen sich aufgrund ihres Glaubens gegen solche Praktiken stellen, erleben sie Verfolgung.

Konfessioneller Protektionismus

Etablierte Kirchen heißen die Aktivitäten neuerer Gemeinden im Land nicht willkommen. So riefen etwa 2018 die protestantischen, baptistischen und katholischen Kirchen des Landes die Regierung dazu auf, mehrere Pfingstgemeinden zu verbieten.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Dies sind militante Gruppierungen wie Boko Haram, die gewalttätige Angriffe auf Christen ausüben, genauso wie auf Muslime, die nicht der gleichen Interpretation des Islam folgen wie sie. Zudem tragen auch Regierungsbeamte auf lokaler Ebene, die mit diesen Gruppen sympathisieren, zur Verfolgung von Christen bei.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Einige islamische Prediger unterstützen die Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft durch ihre Lehren. Dadurch werden auch die Aktivitäten von Boko Haram gefördert.
  • Familienmitglieder: Familienmitglieder und Nachbarn üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, zum Islam zurückzukehren.
  • Gewöhnliche Bürger: Im Norden des Landes üben auch Bürger aus der Gesellschaft Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens haben ebenfalls eine wichtige Rolle dabei gespielt, Boko Haram im Land zu stärken. Diese Netzwerke sind nicht auf Kamerun selbst beschränkt, sie sind ein Problem für die ganze Region.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Das diktatorische Regime von Paul Biya regiert das Land seit 1982. Seit Kurzem gibt es eine wachsende Oppositionsbewegung im Land gegen das Regime. Da Kamerun ein mehrheitlich christliches Land ist, sind die meisten Oppositionellen Christen. Mehrere christliche Leiter wurden von Regierungsbeamten verhaftet, gefoltert und getötet, weil sie die unmenschliche Behandlung politischer Gegner durch die Regierung angeprangert haben.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption: Regierungsbeamte beteiligen sich auch an Netzwerken des organisierten Verbrechens. So wurde die Rechtsstaatlichkeit zu einem Luxusgut. Sogar gewalttätige religiöse Gruppen und andere Gruppen haben von dieser Rolle der Regierungsbeamten profitiert.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Boko Haram hat Verbindungen zu kriminellen Netzwerken, um Beamte zu bestechen und Menschen und Waffen zu schmuggeln.
  • Regierungsbeamte: Paul Biyas Regime unterstützt korrupte Beamte, um an der Macht zu bleiben. Diese haben in den muslimisch geprägten Teilen des Landes Anteil an der Verfolgung. Es gibt zudem zahlreiche Fälle, in denen korrupte Beamte christliche politische Gegner der Regierung verhaftet und getötet haben.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Anführer ethnischer Gruppen: Zu dieser Kategorie gehören Anführer ethnischer Gruppen, Anhänger traditioneller Religionen und sogar einige Christen, die traditionelle Religionen mit dem christlichen Glauben vermischen.

Ausgehend von konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter: Die Leiter etablierter Kirchen versuchen manchmal, die Behörden zu beeinflussen, hart gegen kleinere Kirchenverbände vorzugehen.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Staatsführung und Sicherheit sind große Probleme in Kamerun. In drei Regionen des Landes sind die Menschen mit Gewalt konfrontiert: In Extrême-Nord, wo Boko Haram seine Angriffe ausweitet, und in Nord-Ouest und Sud-Ouest, den beiden englischsprachigen Regionen, wo der Aufstand zunimmt.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden nicht als eigene Kategorie gewertet, da sie frei mit anderen christlichen Gruppen interagieren können.

Christen aus traditionellen Kirchen

Laut „World Christian Database“ besteht der christliche Teil der Bevölkerung zu 42,2 Prozent aus römisch-katholischen Christen. Es gibt zudem mehrere evangelische Denominationen wie Presbyterianer, die auch in diese Kategorie fallen. Diese Gruppen leiden nicht so stark unter Verfolgung wie Christen muslimischer Herkunft, aber einige Gemeinden sind durch die von Boko Haram verübte Gewalt betroffen. Dazu kommt, dass die diktatorische Paranoia der Regierung die Selbstständigkeit der traditionellen Kirchen untergräbt.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen muslimischer Herkunft sind die am stärksten verfolgte Gruppe von Christen im Land, egal, ob sie sich im Geheimen treffen oder es riskieren, offen Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Christliche Konvertiten in protestantischen Gemeinden werden in den nördlichen Regionen, Adamaoua und in den östlichen und westlichen Regionen häufig durch ihre Familie und ihr soziales Umfeld verfolgt. Einige Christen muslimischer Herkunft wurden Berichten zufolge während Angriffen von Boko Haram bedroht und aufgefordert, zum Islam zurückzukehren. Diese Christen sind Druck, Ausgrenzung und Gewalt ausgesetzt. Das führt häufig dazu, dass sie in sicherere Teile des Landes fliehen müssen. Wer von einer traditionellen Religion zum christlichen Glauben konvertiert, ist ebenfalls Druck von seinem sozialen Umfeld und seiner Familie ausgesetzt, seinen neuen Glauben wieder aufzugeben. Der Druck ist jedoch weniger stark.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören etwa Baptisten und Pfingstgemeinden. Diese Gruppen wachsen in Kamerun. Während einige Pfingstgemeinden die Regierung kritisiert haben und dafür mit Schließung bedroht wurden, versuchen andere, sich mit der Regierung zu arrangieren, machen Wahlkampf für die Regierungspartei und sammeln Spenden für sie. Der Druck, der von der Regierung ausgeübt wird, untergräbt die Freiheit dieser Kirchen. Im Norden sind sie zudem Drohungen und Gewalt von Gruppen wie Boko Haram ausgesetzt. Islamische Unterdrückung hat im Norden zudem evangelistische Bemühungen dieser Gemeinden riskant gemacht, ebenso wie die Integration von Christen muslimischer Herkunft.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 8.8
Familienleben 7.6
Gesellschaftliches Leben 12.6
Leben im Staat 7
Kirchliches Leben 12.3
Auftreten von Gewalt 15.7

Grafik: Verfolgungsmuster Kamerun

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Kamerun weist mit 9,7 Punkten ein hohes Ausmaß auf. Er ist von durchschnittlich 9 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 angestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich des gesellschaftlichen Lebens (12,6 Punkte), gefolgt vom Bereich des kirchlichen Lebens (12,3).
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist mit 15,7 Punkten extrem hoch und im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 um 0,7 Punkte angestiegen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Christen stoßen oft auf Widerstand vonseiten der erweiterten Familie, sollten sie über ihren Glauben reden. Sie werden beleidigt und zurückgewiesen. Dies betrifft vor allem den Norden des Landes, wo die erweiterte Familie üblicherweise Muslime sind. Deshalb ist es unter Christen muslimischer Herkunft sehr üblich, den Glaubenswechsel geheim zu halten.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Es ist für Christen generell sehr riskant, sich mit anderen Christen zu treffen, besonders aber für Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes. Versuchen sie dennoch, sich zu treffen, interpretiert ihr örtliches soziales Umfeld es sehr wahrscheinlich als Versuch, andere ebenfalls zum Glaubenswechsel zu bewegen. Die Präsenz von Boko Haram bringt zusätzliche Schwierigkeiten mit sich.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Christen muslimischer Herkunft sind gefährdet, wenn eine Bibel oder andere christliche Literatur bei ihnen gefunden wird. In den Gebieten, in denen Boko Haram aktiv ist, gilt das sogar für fast alle Christen – dort gibt es Christen, die ihre Bibeln nicht mit nach Hause nehmen, sondern sie in der Kirche lassen. Am stärksten ist die Gefahr aber dennoch für Christen muslimischer Herkunft.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Christen muslimischer Herkunft können ihrem Glauben nicht frei Ausdruck verleihen, egal ob engen Familienmitgliedern oder Anderen gegenüber. In einigen Fällen, besonders im Norden Kameruns, wo die erweiterte Familie aus Muslimen bestehen kann, erleben Christen Schikanen, wenn sie mit ihnen über ihren Glauben sprechen.

Familienleben

Wurden christliche Ehepartner von Nichtchristen in Scheidungsfällen vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, das Sorgerecht für die Kinder zu beantragen?

Für die meisten Christen im Land gibt es in dieser Hinsicht nur wenig oder gar keine Verfolgung. Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes haben damit jedoch Probleme. Ein Experte für das Land stellt fest: „In einigen Teilen des Landes, besonders im Norden, wie in Touboro, wurde christlichen Ehepartnern das Sorgerecht für ihre Kinder von ihren nichtchristlichen Ehepartnern entzogen. Eine offizielle Scheidung ist selten, aber die Paare trennen sich. Besonders im Norden wird christlichen Ehepartnern verweigert, ihre Kinder aufzuziehen oder gar das Sorgerecht für sie zu bekommen. Das betrifft vor allem Frauen. Auch kulturelle Elemente spielen hierbei eine Rolle.“

Haben Christen ihre Erbrechte aufgrund ihrer Bekehrung zum Christentum oder (wenn die Person bereits Christ war) zu einer anderen Form des christlichen Glaubens verloren?

Dies betrifft vor allem christliche Konvertiten. Ein Experte für das Land fasst zusammen: „In einigen Teilen des Landes, besonders im Norden, gab es Fälle, bei denen Christen muslimischer Herkunft ihr Land und ihr Haus verloren haben. Laut islamischem Recht verliert man das Recht auf das Erbe seiner Eltern, wenn man Christ wird. Der Koran wird so verstanden, dass er es nicht erlaubt, dass ein Muslim sein Vermögen einem Christen vermacht. Wenn also jemand Muslim ist und sein Kind wendet sich dem christlichen Glauben zu, bekommt es nichts.“

Wurden Ehepartner von Konvertiten von Dritten unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (gleichgültig ob erfolgreich oder nicht)?

Auch diese Schwierigkeit betrifft Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes. Es gab mehrere Fälle, in denen dort christliche Konvertitinnen sich zwischen ihrem Ehemann und ihrem christlichen Glauben entscheiden mussten. Ein Festhalten an ihrem Glauben würde zur Scheidung führen. Der Druck, den Glauben aufzugeben, ist zudem ein Teil der Strategie der Gesellschaft und extremistischer Gruppen, um potenziellen Konvertiten zu zeigen, was sie erwartet, falls sie den christlichen Glauben annehmen sollten.

Haben christliche Ehepartner und/oder Kinder von Christen bedingt durch Verfolgung über einen längeren Zeitraum Trennung erlitten?

Für die meisten Christen im Land gibt es in dieser Hinsicht nur wenig Verfolgung. Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes haben damit jedoch Probleme. Einige christliche Konvertiten halten ihren Glauben geheim, damit sie nicht gezwungen werden, ihre Familien zu verlassen. Würde ihr Glaubenswechsel der Familien oder dem sozialen Umfeld bekannt, wäre die Konsequenz die Trennung von ihrer Familie.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

In den abgelegenen Gebieten im Norden des Landes bekommen viele Christen mit muslimischem Hintergrund Probleme durch ihr soziales Umfeld. Wenn sie als Christen erkannt werden, werden sie allein wegen ihres Glaubens diskriminiert und verachtet. Auch Bildungsmöglichkeiten sind für Christen beschränkt. Viele christliche Schulleiter in der Region um Bamenda sahen sich dazu gezwungen, ihre Schulen zu schließen, da sie Angriffe von Boko Haram befürchteten.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Dies geschieht häufig in staatlichen Institutionen und in Firmen, in denen die Mehrheit der Angestellten Muslime sind. Es kann jedoch auch in öffentlichen oder privaten Einrichtungen geschehen, wo konfessionell motivierte Bevorzugung und Diskriminierung stattfindet.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Bestimmte Pastoren, Kirchen und Missionsgruppen werden teilweise von Mitarbeitern des Geheimdienstes beobachtet, da sie als regierungskritisch eingestuft werden. In den ländlichen Gebieten im Norden des Landes bekommen viele Christen mit muslimischem Hintergrund Probleme durch ihr örtliches soziales Umfeld. Aus Angst vor Vergeltung üben Christen zudem Selbstzensur aus, besonders bei Zusammenkünften oder bei der Nutzung sozialer Medien. Dies gilt vor allem im Norden des Landes.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Dies gilt für alle Christen im Norden des Landes. Christen muslimischer Herkunft sind jedoch am stärksten betroffen. Wird der Glaubenswechsel eines Christen muslimischer Herkunft bekannt, muss er damit rechnen, seine Arbeit zu verlieren oder keine Möglichkeiten zur Weiterbildung zu erhalten, sollte er seinen christlichen Glauben nicht widerrufen.

Leben im Staat

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Die Regierung ist aufgrund ihrer diktatorischen Natur sehr empfindlich und feindselig gegenüber tatsächlicher oder vermeintlicher Kritik. Deswegen müssen Kirchen und Christen sehr vorsichtig sein, wenn sie ihre Meinung über öffentliche Angelegenheiten aus Sicht ihres Glaubens zum Ausdruck bringen. Ein Experte für das Land schreibt dazu: „Insbesondere in den englischsprachigen Regionen wurde die Meinungs- und Religionsfreiheit noch weiter bedroht. Das Internet wurde mehrfach abgeschaltet und Menschen wurden verhaftet. In Extrême-Nord sind die Menschen durch die Präsenz von Boko Haram eingeschränkt.“

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Dies ist besonders im Norden an der Tagesordnung. Ein Experte für das Land stellt fest: „Sicherheitskräfte oder das Militär blieben straffrei, wenn sie Bürger willkürlich verhafteten, sie missbrauchten, folterten oder töteten (etwa vermutete Unterstützer von Boko Haram im Norden oder angebliche Separatisten in den englischsprachigen Regionen).“ Da Muslime in den meisten nördlichen Provinzen die Rechtsprechung dominieren, enden Fälle vor unteren Gerichten meist zugunsten der muslimischen Partei.

Wurden Christen durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, z. B. beim Militärdienst oder in bestimmten Berufen?

Es gibt kein Gesetz, das nur auf Christen abzielt oder nur Christen dazu zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Es bereitet einigen Christen jedoch Schwierigkeiten, wenn das Gesetz die Menschen verpflichtet, einen Eid zu leisten. Die Korruption betrifft alle Bürger, einschließlich Christen, die dazu gezwungen werden, sich in öffentlichen oder gesellschaftlichen Institutionen und Geschäften an unethischen Praktiken zu beteiligen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

Es gibt keine Gesetze, die Christen davon abhalten, sich frei im Land zu bewegen. Sie erleben jedoch systematische Diskriminierung, die sie beim Reisen hindert. Zudem haben Angriffe von Boko Haram im Norden des Landes eine so unsichere Situation entstehen lassen, dass Reisen ohnehin gefährlich sind.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

In Gegenden, in denen Boko Haram aktiv ist, werden kirchliche Aktivitäten behindert und manchmal auch angegriffen. Aufgrund der Vertreibung tausender Menschen sind viele Kirchen nicht in der Lage, normal zu operieren. Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und Aufständischen haben christliche Aktivitäten in den englischsprachigen Provinzen zum Erliegen gebracht.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Dies ist zu einem der größten Probleme für Christen in Kamerun geworden. Die Regierung hat seit 2010 keine neuen religiösen Gruppen genehmigt. Obwohl viele Kirchen ohne Registrierung agieren und dafür nur selten bestraft werden, kann die fehlende Registrierung jederzeit als Drohmittel gegen eine Kirche eingesetzt werden. Die Regierung kann diese Kirchen somit jederzeit schließen, wenn sie politisch nicht auf ihrer Seite stehen.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

In muslimisch geprägten Gebieten werden Aktivitäten im Freien oft nicht genehmigt. Mit solchen Aktivitäten würde man einen Angriff von Boko Haram riskieren.

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

In Extrême-Nord, wo Boko Haram aktiv ist, würden Christen einen Angriff provozieren, wenn sie eine Kirche bauen würden. Zudem erteilt die Regierung einigen christlichen Gruppen keine Lizenz, um im Land tätig zu werden, und so werden sie dadurch auch daran gehindert, neue Kirchen zu bauen.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Die Christen in Kamerun haben einen der schlimmsten Berichtszeiträume in Bezug auf die von Boko Haram verübten Angriffe erlebt. Mindestens 53 Christen wurden getötet. So verübte Boko Haram im Dezember 2019 mehrere Angriffe auf hauptsächlich christliche Dörfer im Bezirk Mayo-Sava in der Region Extrême-Nord, bei denen sieben Menschen getötet wurden. Am 1. Dezember 2019 eröffneten Bewaffnete das Feuer auf Trauernde, die sich bei einer Beerdigung in Kotserehé versammelt hatten, wobei vier Menschen getötet wurden. Am 2. Dezember 2019 wurden drei Menschen ermordet und eine weitere Person verwundet, als eine große Anzahl bewaffneter Kämpfer das Dorf Zangola überfiel. Am 6. November 2019 töteten Boko-Haram-Kämpfer einen Pastor und ein Kind, als sie einen nächtlichen Angriff auf eine Kirche in der Stadt Moskota im nördlichen Bezirk Mayo-Tsanaga durchführten.
  • Verhaftungen von Christen: Mindestens 32 Christen wurden von der Regierung oder von englischsprachigen Separatisten festgenommen. Wie schon immer duldet die Regierung keine abweichenden Meinungen. Als Maßnahme der Einschüchterung werden Pastoren, die sich gegen die Regierung äußern, oft schikaniert, inhaftiert und dann wieder freigelassen.
  • Angriffe auf Kirchen: In Nordkamerun wurden Kirchen angegriffen. Am 7. Februar 2020 zum Beispiel setzten Boko-Haram-Kämpfer bei Überfällen auf das Dorf Guedjele in Extrême-Nord zwei Kirchen in Brand. Es gab auch Berichte über Angriffe auf die Kirche im englischsprachigen Gebiet, wo es zu Kämpfen zwischen der Regierung und den separatistischen Kräften kam.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Mindestens 200 Häuser/Geschäfte von Christen wurden zerstört. Dies geschah sowohl im Norden, wo Boko Haram aktiv ist, als auch in den Gebieten, die von den englischsprachigen Kräften kontrolliert werden. Christen wurden entweder ins Visier genommen, weil sie die bewaffneten Gruppen nicht unterstützten, oder einfach, weil sie Christen sind.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Alle religiösen Gruppen, die die Regierung nicht offen unterstützen, sind gefährdet. In Gebieten, in denen Christen die Mehrheit bilden, werden Muslime ausgegrenzt, weil die örtliche Gemeinschaft sie als wahrscheinliche Unterstützer oder Sympathisanten von Boko Haram betrachtet.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kamerun:

  • Durch die Gewalt der islamistischen Gruppe Boko Haram, die von Nigeria über die Grenze geschwappt ist, ist im Norden Kameruns das Leben der Menschen stark beeinträchtigt worden. Viele christliche Gemeinden wurden angegriffen. Das Ausmaß der Einschüchterung, dem diese Gläubigen ausgesetzt sind, ist extrem belastend. Beten Sie um Frieden.
  • Beten Sie für die Christen mit muslimischem Hintergrund, dass sie vor Gewalt und Unterdrückung seitens ihrer Familie, Freunde und ihres sozialen Umfelds geschützt werden.
  • Bitten Sie um Gottes Schutz für christliche Frauen in Kamerun, die ständig der Gefahr von Entführung, Zwangsheirat und sexueller Gewalt durch Boko Haram ausgesetzt sind. Bitten Sie Gott nicht nur darum, sie zu beschützen, sondern auch um Heilung derer, die traumatische Übergriffe erleben mussten.