Länderprofil Kamerun

Kamerun

48
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Kamerun
Hauptreligion
Christentum
ISO
CM
Karte Kamerun
Christen
15,42
Bevölkerung
25.31
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 8.800
Familienleben: 7.200
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 7.000
Kirchliches Leben: 10.400
Auftreten von Gewalt: 15.000

Länderprofil Kamerun

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 48 / 60 Punkte

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Muslime werden in Kamerun stark behindert, wenn sie den christlichen Glauben annehmen wollen. In überwiegend muslimisch geprägten Teilen des Landes vollzieht sich ein Prozess der Radikalisierung der Bevölkerung. Christen muslimischer Herkunft werden bedroht, wenn eine Bibel oder andere christliche Literatur bei ihnen gefunden wird. Sie sind nicht frei darin, ihrem christlichen Glauben oder christlichen Meinungen Ausdruck zu verleihen, egal ob gegenüber engen Familienmitgliedern oder Anderen. Dies würde sie großen Risiken aussetzen. Im Norden des Landes gab es Fälle, in denen Kinder von Christen muslimischer Herkunft von ihren nichtchristlichen Verwandten dazu gezwungen wurden, an islamischem Unterricht teilzunehmen. In den ländlichen Gebieten im Norden des Landes bekommen viele Christen mit muslimischem Hintergrund Probleme durch ihr soziales Umfeld. Christinnen muslimischer Herkunft werden in Ehen mit Nichtchristen gezwungen und sind der Gefahr einer Entführung durch Boko Haram ausgesetzt. In Gegenden, in denen Boko Haram aktiv ist, wurden kirchliche Aktivitäten behindert oder gestört. Durch die Vertreibung der Bevölkerung können Kirchen in diesen Teilen des Landes nicht normal funktionieren. In anderen Gegenden sind kirchliche Aktivitäten durch Sicherheitsverfügungen stark eingeschränkt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Oktober 2019 wurde ein Bibelübersetzer in seinem Haus in der Region Wum durch mutmaßliche militante Kämpfer ermordet. Das war der zweite Bibelübersetzer, der innerhalb von zwei Monaten angegriffen und getötet wurde.
  • Verschiedenen Quellen zufolge, unter anderem der christlichen Nichtregierungsorganisation „Barnabas Fund“, entführten Kämpfer von Boko Haram am 29. Juli 2019 drei christliche Frauen bei einem nächtlichen Angriff auf ihr mehrheitlich christliches Dorf im Norden Kameruns aus ihren Häusern und schnitten ihnen die Ohren ab.

Meldungen und Beiträge zu Kamerun

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Kaerun: Bei dem Überfall wurden auch zahlreiche Häuser der Dorfbewohner zerstört
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Am 24. Januar verübten Kämpfer der islamistischen Miliz Boko Haram einen Angriff auf zwei Dörfer im äußersten Norden Kameruns. Sie brannten zwei Kirchen nieder, bevor sie ein kircheneigenes Krankenhaus plünderten und in Brand setzten. Auch zahlreiche Privathäuser wurden zerstört.
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 60 Punkten belegt Kamerun Platz 48 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

2019 wurde das Land mit 54 Punkten nicht auf dem Weltverfolgungsindex aufgeführt. Der Anstieg von sechs Punkten ist vor allem auf den wachsenden Einfluss zurückzuführen, den verschiedene Triebkräfte der Verfolgung auf Christen im Land ausüben. Boko Haram hat seine Angriffe im Land verstärkt, unterwandert das Land und rekrutiert mehr Kämpfer im Land. Die Krise in den englischsprachigen Regionen des Landes hat Christen einer Vielzahl von Gruppen gegenüber wehrlos gemacht. Christen sind Einschüchterungen und Angriffen ausgesetzt, wenn sie gegen die Gräueltaten vorgehen, die im Land verübt werden (sowohl durch die Regierung als auch durch separatistische Kräfte). Die Regierung hat außerdem einigen Christen verboten, im Land zu arbeiten. Zudem verfolgen etablierte Kirchen Christen anderer Denominationen, weil die steigende Zahl protestantischer Freikirchen als Bedrohung gesehen wird. Die Korruption im Land nimmt überhand und sorgt dafür, dass Sicherheit und Gesetzmäßigkeit in vielen Teilen des Landes quasi nicht mehr existieren. Die Kombination aus all diesen Themen hat Kamerun unter die 50 Länder geführt, in denen Christen am stärksten verfolgt werden.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft der Verfolgung ist besonders im Norden, in Adamaoua, anzutreffen, sowie in einigen Regionen im Osten. Sie betrifft hauptsächlich Christen muslimischer Herkunft, die Verfolgung durch ihre eigene Familie erleben. Die durch Boko Haram hervorgerufene Unruhe stellt zudem eine konstante Bedrohung für Leben und Sicherheit von Christen dar und hat zur Vertreibung vieler Christen aus den Regionen Adamaoua, Nord und Extrême-Nord geführt. In den entlegenen Gebieten dieser Regionen gibt es einige muslimische Leiter, die glauben, der Islam sollte der einzige Glaube in ihrem Gebiet sein. Auch wenn Kamerun allgemein ein Land ist, in dem religiöse Toleranz gelebt wird, sind die Folgen des von Fulanis geführten Dschihad in vergangenen Jahrhunderten in den nördlichen Regionen noch zu spüren. Durch den Dschihad wurde die einheimische Bevölkerung gezwungen, zum Islam zu konvertieren. Die Gewalt von Boko Haram macht diese Erinnerungen wieder lebendig und untergräbt die Geschichte friedvoller Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im modernen Kamerun.

Diktatorische Paranoia

Während der vergangenen drei Jahrzehnte unter der Herrschaft von Paul Biya war das Regime verantwortlich für eine Serie von politischen Verhaftungen, Morden und der Verfolgung von Christen. Die englischsprachigen Regionen des Landes waren davon aufgrund ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen besonders betroffen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Kamerun ist eines der korruptesten Länder der Welt. Das diktatorische Regime von Paul Biya ist dafür verantwortlich, dass ungezügelte Korruption die politische Struktur des Landes schwächt. Das Land ist, obwohl es Ölvorhaben besitzt, weit abgeschlagen hinter den meisten afrikanischen Ländern, was die ökonomische Entwicklung angeht. Korrupte Beamte im Norden sind ebenfalls für Verfolgung verantwortlich, da sie nicht die notwendigen Schritte unternehmen, um Christen vor Angriffen islamisch-extremistischer Gruppen zu schützen. Sie verfolgen zudem Christen, die Meinungen vertreten, die der Regierung widersprechen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Ein bedeutender Teil der Bevölkerung hängt traditionellen Religionen an. Es gibt auch Christen, die traditionelle Religionen mit dem christlichen Glauben vermischen. Wenn Christen sich aufgrund ihres christlichen Glaubens diesen traditionellen Religionen verweigern, erleben sie Verfolgung.

Konfessioneller Protektionismus

Etablierte Kirchen heißen die Aktivitäten neuerer Gemeinden im Land nicht willkommen. Die protestantischen, baptistischen und katholischen Kirchen des Landes riefen 2018 etwa die Regierung dazu auf, mehrere Pfingstgemeinden zu verbieten.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Dies sind militante Gruppierungen wie Boko Haram, die gewalttätige Angriffe auf Christen ausführen, genauso wie auf Muslime, die nicht der gleichen Interpretation des Islam folgen wie sie. Zudem tragen auch Regierungsbeamte auf lokaler Ebene, die mit diesen Gruppen sympathisieren, zur Verfolgung von Christen bei.
  • Familienmitglieder: Familienmitglieder und Nachbarn üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, zum Islam zurückzukehren.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Einige islamische Prediger unterstützen die Verfolgung von christlichen Konvertiten durch ihre Lehren. Dadurch werden auch die Aktivitäten von Boko Haram gefördert.
  • Gewöhnliche Bürger: Im Norden des Landes üben auch Bürger aus der weiteren Gesellschaft Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Das diktatorische Regime von Paul Biya regiert das Land seit 1982. Seit Kurzem gibt es eine wachsende Oppositionsbewegung im Land gegen das Regime. Da Kamerun ein mehrheitlich christliches Land ist, sind die meisten Oppositionellen Christen. Mehrere christliche Leiter wurden von der Regierung verhaftet, gefoltert und getötet, weil sie die unmenschliche Behandlung politischer Gegner durch die Regierung anprangerten.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Paul Biyas Regime unterstützt korrupte Beamte, um an der Macht zu bleiben. Diese haben in den muslimisch geprägten Regionen des Landes Teil an der Verfolgung. Es gibt zudem mehrere Fälle, in denen korrupte Beamte christliche politische Gegner der Regierung verhaftet und getötet haben.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Boko Haram hat Verbindungen zu kriminellen Netzwerken, um Beamte zu bestechen und Menschen und Waffen zu schmuggeln.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Zu dieser Kategorie gehören Anführer ethnischer Gruppen, Anhänger traditioneller Religionen, Familienangehörige und manchmal sogar Christen, die traditionelle Religionen mit dem christlichen Glauben vermischen.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter: Die Leiter etablierter Kirchen versuchen manchmal, die Behörden zu beeinflussen, hart gegen kleinere Denominationen vorzugehen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Staatsführung und Sicherheit sind große Probleme in Kamerun. Das Land sieht Gewalt in drei Regionen ausbrechen: In Extrême-Nord, wo Boko Haram seine Angriffe ausweitet, und in Nord-Ouest und Sud-Ouest, den beiden englischsprachigen Regionen, wo der Aufstand zunimmt.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden nicht als eigene Kategorie gewertet, da sie frei mit anderen christlichen Gruppen interagieren können.

Christen aus traditionellen Kirchen

Laut „World Christian Database“ besteht der christliche Teil der Bevölkerung zu 42,2 % aus römisch-katholischen Christen. Es gibt zudem mehrere evangelische Denominationen wie Presbyterianer, die auch in diese Kategorie fallen. Diese Gruppen leiden nicht so stark unter Verfolgung wie Christen muslimischer Herkunft, aber einige Gemeinden sind durch die von Boko Haram verübte Gewalt betroffen. Dazu kommt, dass die Diktatorische Paranoia der Regierung die Selbstständigkeit der traditionellen Kirchen untergräbt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft sind die am stärksten verfolgte Gruppe von Christen im Land, egal, ob sie sich im Geheimen treffen oder es riskieren, offen Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Christliche Konvertiten in protestantischen Gemeinden werden in den nördlichen Regionen, Adamaoua und in den östlichen und westlichen Regionen häufig durch ihre Familie und ihr Umfeld verfolgt. Einige Christen muslimischer Herkunft wurden Berichten zufolge während Angriffen von Boko Haram aufgefordert, zum Islam zurückzukehren. Diese Christen riskieren zudem Ausgrenzung und Gewalt. Das führt häufig dazu, dass sie in sicherere Teile des Landes fliehen müssen. Wer von einer traditionellen Religion zum christlichen Glauben konvertiert, ist ebenfalls Druck von seinem Umfeld und seiner Familie ausgesetzt, seinen neuen Glauben wieder aufzugeben. Der Druck ist jedoch weniger stark.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören etwa Baptisten und Pfingstgemeinden. Sie wächst in Kamerun. Während einige Pfingstgemeinden die Regierung kritisiert haben und dafür mit Schließung bedroht wurden, versuchen andere, sich mit der Regierung zu arrangieren, machen Wahlkampf für die Regierungspartei und sammeln Spenden für sie. Der Druck, der von der Regierung ausgeübt wird, untergräbt die Freiheit dieser Kirchen. Im Norden sind sie zudem Drohungen und Gewalt von Gruppen wie Boko Haram ausgesetzt. Islamische Unterdrückung macht im Norden zudem evangelistische Bemühungen dieser Gemeinden, genauso wie die Integration von Christen muslimischer Herkunft, riskant.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 8.8
Familienleben 7.2
Gesellschaftliches Leben 11.6
Leben im Staat 7
Kirchliches Leben 10.4
Auftreten von Gewalt 15

Grafik: Verfolgungsmuster Kamerun

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Kamerun weist mit 9,0 Punkten ein hohes Ausmaß auf. Damit ist er von durchschnittlich 8,5 Punkten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ (11,6 Punkte), gefolgt vom Bereich des kirchlichen Lebens (10,4).
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist extrem hoch. Der Anstieg von 11,3 Punkten im Vorjahr auf 15,0 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum ist vor allem auf Angriffe von islamisch-extremistischen Gruppen zurückzuführen.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Christen sehen sich oft dem Widerstand der weiteren Familie und der direkten Familienmitglieder gegenüber, wenn sie über ihren Glauben sprechen. Sie werden beleidigt und zurückgewiesen. Dies betrifft vor allem den Norden des Landes, wo die erweiterte Familie üblicherweise Muslime sind. Deshalb ist es unter Christen muslimischer Herkunft sehr üblich, den Glaubenswechsel geheim zu halten.
  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Es ist für Christen generell sehr riskant, sich mit anderen Christen zu treffen, besonders aber für Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes. Versuchen sie dennoch sich zu treffen, interpretiert ihr Umfeld es sehr wahrscheinlich als Versuch, andere ebenfalls zur Konversion zu bewegen. Die Präsenz von Boko Haram bringt zusätzliche Schwierigkeiten mit sich.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Christen muslimischer Herkunft werden bedroht, wenn eine Bibel oder andere christliche Literatur bei ihnen gefunden wird. In den Gebieten, in denen Boko Haram aktiv ist, gilt das sogar für fast alle Christen. Dort gibt es Christen, die ihre Bibeln nicht mit nach Hause nehmen, sondern sie in der Kirche lassen. Am stärksten ist die Gefahr jedoch für Christen muslimischer Herkunft.
  • Es ist für Christen riskant, mit ihrer direkten Familie über den christlichen Glauben zu reden: Christen muslimischer Herkunft können ihrem Glauben nicht frei Ausdruck verleihen, egal ob engen Familienmitgliedern oder Anderen gegenüber. In einigen Fällen, besonders im Norden Kameruns, wo die Familie aus Muslimen bestehen kann, erleben Christen Belästigungen, wenn sie mit ihnen über ihren Glauben sprechen. Dies wird durch die Aktivitäten von Boko Haram in der Region nur erschwert.

Familienleben

  • Kinder und Ehepartner von Christen sind langen Zeiten der Trennung von ihren Eltern oder Partnern ausgesetzt, wenn diese aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden: Für die meisten Christen im Land gibt es in dieser Hinsicht nur wenig Verfolgung. Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes haben damit jedoch Probleme. Einige christliche Konvertiten halten ihren Glauben geheim, damit sie nicht gezwungen werden, ihre Familien zu verlassen. Wird ihr Glaubenswechsel der Familien oder dem Umfeld bekannt, ist die Konsequenz die Trennung von ihrer Familie.
  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden (erfolgreich oder nicht erfolgreich) von anderen unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen: Auch diese Schwierigkeit betrifft Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes. Es gab mehrere Fälle, in denen Christinnen muslimischer Herkunft sich zwischen ihrem Ehemann und ihrem christlichen Glauben entscheiden mussten. Ein Festhalten an ihrem Glauben würde zur Scheidung führen. Der Druck, den Glauben aufzugeben, ist zudem ein Teil der Strategie der Gesellschaft und extremistischer Gruppen, um potenziellen Konvertiten zu zeigen, was sie erwartet, sollten sie den christlichen Glauben annehmen.
  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch nehmen zu können: Für die meisten Christen im Land gibt es in dieser Hinsicht nur wenig oder gar keine Verfolgung. Christen muslimischer Herkunft im Norden des Landes haben damit jedoch Probleme. Ein Experte für das Land berichtet: "In einigen Teilen des Landes, besonders im Norden, wie in Touboro, wurde christlichen Ehepartnern das Sorgerecht für ihre Kinder von ihren nichtchristlichen Ehepartnern entzogen. Eine offizielle Scheidung ist selten, aber die Paare trennen sich. Besonders im Norden wird christlichen Ehepartnern verweigert, ihre Kinder aufzuziehen oder gar das Sorgerecht für sie zu bekommen. Das betrifft vor allem Frauen. Auch kulturelle Elemente spielen hierbei eine Rolle."
  • Muslime verlieren nach ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ihren Erbschaftsanspruch - dasselbe gilt für Christen, die zu einer anderen Denomination übertreten. Dies betrifft vor allem Konvertiten. Ein Experte für das Land sagt dazu: "In einigen Teilen des Landes, besonders im Norden, gab es Fälle, bei denen Christen muslimischer Herkunft ihr Land und ihr Haus verloren haben. Laut islamischem Recht verliert man das Recht auf das Erbe seiner Eltern, wenn man Christ wird. Der Koran wird so verstanden, dass er es nicht erlaubt, dass ein Muslim sein Vermögen einem Christen vermacht. Wenn also jemand Muslim ist und sein Kind wendet sich dem christlichen Glauben zu, bekommt es nichts."

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen unter Beobachtung durch ihr soziales oder privates Umfeld. Sie werden beispielsweise bei der Polizei angezeigt, beschattet, ihre Telefongespräche werden mitgehört, E-Mails gelesen oder zensiert: Bestimmte Pastoren, Kirchen und Missionsgruppen werden teilweise von Mitarbeitern des Geheimdienstes beobachtet, da sie als regierungskritisch eingestuft werden. In den ländlichen Gebieten im Norden des Landes bekommen viele Christen mit muslimischem Hintergrund Probleme durch ihr soziales Umfeld. Aus Angst vor Vergeltung üben Christen zudem Selbstzensur, besonders bei Treffen oder in sozialen Medien. Dies gilt vor allem im Norden des Landes.
  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert wegen glaubensbedingter Gründe, zum Beispiel weil sie nicht den Vorschriften für Kleidung oder Bärte entsprechen: In den ländlichen Gebieten im Norden des Landes bekommen viele Christen mit muslimischem Hintergrund Probleme durch ihr soziales Umfeld. Wenn sie als Christen erkannt werden, werden sie nur wegen ihres Glaubens diskriminiert und verachtet. Auch Bildungsmöglichkeiten sind für Christen beschränkt. Viele christliche Schulleiter in der Region um Bamenda sahen sich dazu gezwungen, ihre Schulen zu schließen, da sie Angriffe von Boko Haram befürchteten.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Dies gilt für alle Christen im Norden des Landes. Christen muslimischer Herkunft sind jedoch am stärksten betroffen. Wird der Glaubenswechsel eines Christen muslimischer Herkunft bekannt, muss er damit rechnen, seine Arbeit zu verlieren oder keine Möglichkeiten zur weiteren Bildung zu erhalten, sollte er seinen christlichen Glauben nicht widerrufen.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Dies passiert in öffentlichen Einrichtungen und in Firmen, in denen die Mehrheit der Angestellten Muslime sind. Es kann jedoch auch ein Problem in öffentlichen oder privaten Institutionen werden, wo Konfessioneller Protektionismus eine Rolle spielt.

Leben im Staat

  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Die Regierung ist aufgrund ihrer diktatorischen Natur sehr sensibel und feindselig gegenüber tatsächlicher oder auch nur vermuteter Kritik. Deswegen müssen Kirchen und Christen sehr vorsichtig sein, wenn sie ihre Meinung über öffentliche Angelegenheiten aus Sicht ihres Glaubens ausdrücken. Ein Experte für das Land beschreibt es so: „Insbesondere in den englischsprachigen Regionen wurde die Meinungsfreiheit noch weiter eingeschränkt. Das Internet wurde mehrfach abgeschaltet und Menschen wurden verhaftet. In Extrême-Nord sind die Menschen durch die Präsenz von Boko Haram eingeschränkt.“
  • Wer Christen schadet, bleibt unbestraft: Dies ist besonders im Norden alltäglich. Ein Experte für das Land sagt dazu: „Sicherheitskräfte oder das Militär müssen mit keiner Strafe rechnen, wenn sie willkürlich Bürger verhaften, sie missbrauchen, foltern oder töten (etwa vermutete Unterstützer von Boko Haram im Norden oder angebliche Separatisten in den englischsprachigen Regionen)“. Da Muslime in den meisten nördlichen Provinzen die Gerichte dominieren, enden Fälle vor unteren Gerichten meist zugunsten der muslimischen Partei.
  • Christen werden durch das Gesetz und in der Praxis dazu gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, beispielsweise durch den Militärdienst oder andere Tätigkeiten: Es gibt kein Gesetz, das nur auf Christen abzielt oder nur Christen dazu zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Es bereitet jedoch einigen Christen Schwierigkeiten, wenn das Gesetz die Menschen verpflichtet, einen Eid zu leisten, sie sich jedoch aus Glaubensgründen daran gehindert sehen. Die Korruption betrifft alle Bürger, einschließlich Christen, die dazu gezwungen werden, sich in öffentlichen oder gesellschaftlichen Institutionen und Unternehmen an unethischen Praktiken zu beteiligen.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Es gibt keine Gesetze, die Christen davon abhalten, sich frei im Land zu bewegen. Sie erleben jedoch systematische Diskriminierung, die sie auf Reisen behindert. Zudem haben die Angriffe von Boko Haram im Norden des Landes eine so unsichere Situation entstehen lassen, dass Reisen ohnehin riskant ist.

Kirchliches Leben

  • Auf allen Ebenen der Verwaltung ist es schwierig, als Kirche eine Registrierung zu bekommen: Dies ist zu einem der größten Probleme für Christen in Kamerun geworden. Die Regierung hat seit 2010 keine neuen religiösen Gruppen genehmigt. Obwohl viele Kirchen ohne Registrierung agieren und dafür nur selten bestraft werden, kann die fehlende Registrierung jederzeit als Drohmittel gegen eine Kirche eingesetzt werden. Die Regierung kann diese Kirchen somit jederzeit schließen, wenn sie politisch nicht auf ihrer Seite stehen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: In muslimisch geprägten Gebieten werden Aktivitäten im Freien oft nicht genehmigt. Mit solchen Aktivitäten würde man einen Angriff von Boko Haram riskieren.
  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder verhindert: In Gegenden, in denen Boko Haram aktiv ist, werden kirchliche Aktivitäten behindert und manchmal auch angegriffen. Aufgrund der Vertreibung tausender Menschen können einige Kirchen zudem nicht normal operieren. Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und Aufständischen haben christliche Aktivitäten in den englischsprachigen Provinzen unterbrochen.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren oder historische religiöse Stätten zu beanspruchen, die ihnen früher genommen wurden: In Extrême-Nord, wo Boko Haram aktiv ist, würden Christen einen Angriff provozieren, wenn sie eine Kirche bauen würden. Zudem lässt die Regierung einige christliche Gruppen nicht zu, die somit nicht im Land tätig werden können, und dadurch auch daran gehindert werden, neue Kirchen zu bauen.

Auftreten von Gewalt

  • Mindestens zehn Christen wurden im Berichtszeitraum von Boko-Haram-Kämpfern getötet. Da dies in den entlegenen Gebieten des Landes geschieht, wird oft wenig oder gar nicht darüber berichtet.
  • Mehr als 1.000 Christen wurden von Kämpfern von Boko Haram oder im Kontext der Krise in den englischsprachigen Regionen angegriffen. Im Juli 2019 entführten Kämpfer von Boko Haram laut Medienberichten drei christliche Frauen bei einem nächtlichen Angriff auf ihr mehrheitlich christliches Dorf im Norden Kameruns aus ihren Häusern und schnitten ihnen die Ohren ab.
  • Mindestens zwei Christen wurden von Sicherheitskräften der Regierung festgenommen. Einer davon war laut Berichten der katholischen Onlinezeitung „Crux“ ein katholischer Priester.
  • Mindestens 15 Kirchen wurden angegriffen, einschließlich einer Kirche in Guitsena, vier Kirchen in Gossi und einer katholischen Schule und einem Krankenhaus in Toufou. Ein Bericht von „Barnabas Fund“ erwähnt zwei weitere Kirchen, die im christlich geprägten Dorf Gossi im Norden Kameruns am 11. Mai 2019 niedergebrannt wurden. Laut Berichten hat zudem die Armee Kirchen beschlagnahmt, um sie zu Baracken umfunktionieren.
  • Weit über 300 christliche Privathäuser und Läden wurden angegriffen und beschädigt. Sie waren häufig Opfer von gezielten Angriffen von Boko Haram. Im Mai 2019 wurde beispielsweise berichtet: „In einer Gewaltorgie endete der Überfall von Boko-Haram-Kämpfern, die das Dorf plünderten, 67 Häuser und zwei Geschäfte beschädigten, Vieh töteten, Motorräder stahlen und gelagertes Getreide beschädigten.“ Im Januar 2019 griffen Kämpfer von Boko Haram zudem zwei christlich geprägte Dörfer an, beschädigten Kirchen und rissen 190 Häuser nieder.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenhandel
  • Körperliche Gewalt
  • Verbale Gewalt

Christinnen im Norden Kameruns sind einer Vielzahl von Formen der Verfolgung ausgesetzt, die mit ihrem Status als Frau in der Gesellschaft zu tun haben. Boko Haram entführt häufig Frauen und Mädchen und zwingt sie, für sich zu arbeiten und Kämpfer zu heiraten. Wo Schulen noch geöffnet haben, schicken einige christliche Eltern ihre Töchter nicht mehr zur Schule, da sie um ihre Sicherheit fürchten müssen.

Wenn eine Christin einen Muslim heiratet und sie sich später trennen, besteht die Familie häufig darauf, dass die Kinder beim muslimischen Vater bleiben, damit sie muslimisch erzogen werden können.

Armut und finanzielle Abhängigkeit machen christliche Mädchen verletzlich. Zum Teil auch aufgrund der mangelnden Bildung sind Frauen in Kamerun häufig von ihren Ehemännern oder Vätern abhängig. Entscheiden sie sich, den christlichen Glauben anzunehmen, wird dies manchmal als offener Ungehorsam angesehen. Mädchen in dieser Situation werden dann manchmal in eine Ehe mit einem Nichtchristen gezwungen.

Viele Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien isoliert oder gezwungen, umzuziehen. Damit wird versucht, sie dazu zu bewegen, ihre Haltung zu ändern. In einem Fall wurde eine junge christliche Mutter muslimischer Herkunft von ihrem Ehemann getrennt und dazu gezwungen, ihr ältestes Kind zurückzulassen. Aufgrund der Verfolgungssituation musste sie ihr zweites Kind bei ihrem muslimischen Bruder lassen, der es einem anderen muslimischen Nachbarn anvertraute.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Falsche Anklagen
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst oder durch Milizen
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Generell betrifft männliche Christen die Diskriminierung in den Bereichen von Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt und Beförderungen. Sie erleben zudem Druck von Regierungsbeamten, wenn sie sich gegen Korruption stellen. Wenn sich ein Mann weigert, aufgrund seines christlichen Glaubens an unethischen Methoden teilzuhaben, wird er verspottet und als Feigling bezeichnet. Bekommt ein Mann aufgrund von Diskriminierung keine Arbeitsstelle, kann seine Familie nicht aufblühen. Für christliche Jungen gibt es nicht genügend Möglichkeiten zur Bildung. Boykotte treffen christliche Familien ökonomisch, finanziell und haben auch psychische Auswirkungen. In mehreren Fällen wurden Christen außerdem fälschlicherweise angeklagt und bekamen ein ungerechtes Gerichtsverfahren, wenn die gegnerische Partei muslimisch war.

Opfer von Entführungen sind meistens Männer oder Jungen, was ihre Familie ohne Familienoberhaupt und Versorger zurücklässt. Durch solche Angriffe haben sich die Gemeinschaften verkleinert und viele fliehen in sicherere Gebiete.

Junge Männer sind dem Druck ausgesetzt, an traditionellen Initiationsriten und anderen nichtchristlichen religiösen Ritualen teilzunehmen. Gewalt und Druck von außerhalb beeinträchtigen die Generationen innerhalb der Kirche unterschiedlich: Junge Männer etwa könnten dem Wort der Eltern und Gemeindeleiter weniger Gewicht zumessen und ihre Betonung der Gewaltlosigkeit ignorieren. Sie könnten versucht werden, sich zu rächen (wenn sie im Norden oder den englischsprachigen Regionen leben) oder sich gewalttätigen Demonstranten auf den Straßen anzuschließen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut dem Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 vom US-Außenministerium sind muslimische Kameruner gelegentlich Diskriminierungen ausgesetzt und werden von der Gesellschaft stigmatisiert, weil sie angeblich Boko Haram unterstützen würden.

9. Der Ausblick für Christen

Diktatorische Paranoia

Der amtierende Präsident ist seit Jahrzehnten im Amt. Er wird beschuldigt, die Rechte der Bürger zu verletzen. Seine Regierung hat die Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit eingeschränkt. Einigen christlichen Gruppen wird die Genehmigung verweigert, im Land zu agieren. Nach derzeitigem Stand gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Haltung der Regierung dazu ändert.

Islamische Unterdrückung

Der Norden des Landes leidet unter verheerenden Angriffen von Boko Haram. Die militante Gruppe hat sich neu formiert während die kamerunische Regierung mit dem Konflikt in den englischsprachigen Regionen beschäftigt war. Angriffe von Boko Haram sind zwar ein regional begrenztes Thema, werden aber sehr wahrscheinlich 2020 und darüber hinaus eine Herausforderung für Christen im Land bleiben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die außer Kontrolle geratene Korruption macht das Leben für fast alle Kameruner schwer und hilft zudem Boko Haram. Dieses Thema wird wahrscheinlich weiterhin für das ganze Land eine Herausforderung bleiben und besonders für Christen, wenn sie sich dagegenstellen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft der Verfolgung scheint weniger wichtig zu werden, da Anführer ethnischer Gruppen eine bessere Bildung genießen und auch vermehrt anderen religiösen Überzeugungen begegnen.

Konfessioneller Protektionismus

Diese Triebkraft der Verfolgung könnte in Kamerun in Zukunft noch eine größere Rolle spielen. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Kirchen betreffen nicht unbedingt theologische Fragen, sondern, wer mehr Mitglieder und die besseren Kirchengebäude hat. Sollte die Regierung protestantischen Freikirchen (häufig Pfingstgemeinden) erlauben, ohne Einschränkungen zu agieren, wird der Konfessionelle Protektionismus stark zunehmen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kamerun:

  • Beten Sie, dass die Unterstützung für die Islamisten abnimmt und stattdessen das Evangelium Gehör bei den Menschen findet.
  • Beten Sie, dass die Christen im Glauben gestärkt werden und trotz der zerstörten Kirchen Möglichkeiten finden, Gottesdienste zu feiern.
  • Bitte beten Sie auch für die Boko-Haram-Kämpfer: dass Jesus ihre Herzen berührt, sie überführt und ihnen ein neues Leben schenkt.

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