Länderprofil Marokko

Marokko

35
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Marokko
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Königreich
ISO
MA
Karte Marokko
Christen
0,03
Bevölkerung
36.19
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.200
Familienleben: 13.300
Gesellschaftliches Leben: 9.600
Leben im Staat: 12.000
Kirchliches Leben: 14.400
Auftreten von Gewalt: 1.500

Länderprofil Marokko

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 35 / 63 Punkte (WVI 2018: Platz 99 / Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Christen sind verschiedenen Einschränkungen ausgesetzt. Dazu gehören unter anderem die Konfiszierung von christlicher Literatur in arabischer Sprache, das Verbot, Kooperationen mit ausländischen Christen einzugehen, und starke Herausforderungen dabei, staatliche Anerkennung und Räumlichkeiten zum Gottesdienst für Christen muslimischer Herkunft zu finden. Reden Letztgenannte über ihren Glauben, wird dies als Versuch angesehen, das Evangelium zu verkündigen.

Diktatorische Paranoia: Die marokkanische Regierung betrachtet die Kirche mit Misstrauen, insbesondere Gemeinden von Christen muslimischer Herkunft. Von Marokkanern wird erwartet, dass sie dem Islam, dem König und dem Land gegenüber treu sind. Der christliche Glaube könnte diese Vorherrschaft bedrohen. Zusätzlich überwacht die Regierung Christen streng, um extremistische islamische Gruppierungen zu besänftigen, die der Regierung vorwerfen, islamische Gesetze nur zögerlich umzusetzen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Obwohl das mehrheitlich muslimische Marokko als recht tolerantes Land gilt, erleiden Christen sowohl von staatlicher Seite als auch von der Gesellschaft Verfolgung. Auch wenn die Verfolgung im Vergleich zu anderen Ländern der Region weniger intensiv ist und es seltener zu Übergriffen kommt, gibt es Einschränkungen, die der Staat Christen auferlegt. Extremistische Muslime innerhalb der Bevölkerung setzen Christen ebenfalls unter Druck. In ländlichen Gegenden kann zudem erheblicher Druck von der Großfamilie und dem sozialen Umfeld ausgehen.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Artikel 220 des Strafgesetzbuches stellt ein wiederkehrendes Problem für Christen dar, die offen über ihren Glauben reden. Dort wird es unter Strafe gestellt, den Glauben eines Muslims zu „erschüttern“. Somit stehen viele Christen, die über ihren Glauben reden, in der Gefahr, strafrechtlich verfolgt und verhaftet zu werden. Fürsprecher für die Rechte von Christen wurden Opfer von gewalttätigen Angriffen militanter Muslime. Obwohl das Gesetz nur die Verkündigung des Evangeliums bestraft, können Christen mit muslimischem Hintergrund auf andere Weise bestraft werden, zum Beispiel indem sie ihre Erbansprüche oder das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Während des Berichtszeitraums für den WVI 2019 wurden Christen muslimischer Herkunft verhaftet und von Sicherheitskräften über den Besitz von Bibeln und Kontakte zu ausländischen Christen befragt.
  • Christen mit muslimischem Hintergrund werden zudem häufig Opfer von physischer Gewalt oder sogar sexuellem Missbrauch durch Mitglieder ihrer eigenen (erweiterten) Familie.
  • Mindestens eine christliche Konvertitin wurde gezwungen, einen muslimischen Mann zu heiraten.
  • Im April 2018 wurde dem Pastor einer britischen Pfingstgemeinde die Einreise in das Land verwehrt. Colin Dye ist als Lehrer im Programm des arabischen Fernsehsenders „Kingdom Sat“ bekannt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 63 Punkten steht Marokko auf Platz 35 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Im vergangenen Berichtszeitraum erreichte das Land 51 Punkte und lag damit außerhalb der ersten 50 Länder. Der Anstieg der Punktzahl ergibt sich aus einem erweiterten Verständnis der Situation aufgrund der Verfügbarkeit neuer Informationen, welche zu höheren Werten für Druck und Gewalt führten.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ äußert sich in Marokko etwas gemäßigter als in anderen Ländern der Region. Zu den Einschränkungen, welche die islamischen Behörden auferlegt haben, gehören unter anderem die Konfiszierung von christlicher Literatur in arabischer Sprache (einschließlich Bibeln), das Verbot, Kooperationen mit ausländischen Christen einzugehen (besonders, wenn Evangelisationen geplant sind), und starke Herausforderungen dabei, Räumlichkeiten zum Gottesdienst für Christen muslimischer Herkunft zu finden. Christen muslimischer Herkunft stehen wegen ihres Glaubenswechsels unter Druck vonseiten ihrer Familie, ihrer Freunde und ihres Umfelds, wenn die Verkündung ihres Glaubens als Missionierungsversuch wahrgenommen wird.

Diktatorische Paranoia

Die marokkanische Regierung betrachtet die Kirche mit Misstrauen, insbesondere Gemeinden von Christen muslimischer Herkunft. Von Marokkanern wird erwartet, dass sie dem Islam, dem König und dem Land gegenüber treu sind. Der christliche Glaube könnte diese Vorherrschaft bedrohen. In vergangenen Jahren haben die marokkanischen Behörden Christen beschuldigt, dem König gegenüber nicht loyal zu sein. Viele ausländische Christen wurden ohne Prozess aus dem Land ausgewiesen. Einer der Gründe für diese Vorgehensweise könnte die Furcht vor extremistischen islamischen Gruppen sein: Die Regierung versucht, Unruhen vorzubeugen, indem sie diese Gruppen besänftigt. Für Christen muslimischer Herkunft bedeutet das, regelmäßig festgehalten und über ihre Motive und Kontakte befragt zu werden.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Zu den stärksten Verfolgern im Rahmen von Islamischer Unterdrückung zählen in Marokko Regierungsbeamte und Leiter politischer Parteien. Die „Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung“ (PJD) ist neben der Königsfamilie vermutlich die wichtigste politische Kraft des Landes. Auch wenn sie sich nicht für ein Verbot des christlichen Glaubens ausspricht, haben ihre Wortführer gezeigt, dass sie dem christlichen Glauben nicht tolerant gegenüberstehen und Christen die Glaubens- und Gottesdienstfreiheit nicht voll zugestehen wollen. Regierungsbeamte sind ebenfalls nicht bereit, Christen muslimischer Herkunft offiziell anzuerkennen und zu registrieren und ihnen zu erlauben, sich frei zu versammeln und das Evangelium weiterzugeben. Abdelaziz Aftati, ein kontroverser früherer Politiker der Regierungspartei, hat sich Berichten zufolge darüber lustig gemacht, dass Christen in Marokko Rechte haben sollten. Auch die erweiterte Familie von Christen muslimischer Herkunft und die Gesellschaft treten, besonders in ländlichen Gebieten, als Verfolger der Triebkraft Islamische Unterdrückung auf. Sie tun dies, indem sie Druck auf diese Christen ausüben, ihren Glauben an Jesus zu widerrufen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die marokkanischen Behörden und Sicherheitskräfte überwachen alles kirchliche Leben im Land. Christen mit muslimischem Hintergrund werden beobachtet und manchmal verhört. Zudem besteht die Befürchtung, dass Sicherheitskräfte die Bewegung von Christen muslimischer Herkunft unterwandern könnten.

4. Hintergrund

Marokko ist ein ehemaliges französisches Protektorat. Die überwältigende muslimische Bevölkerungsmehrheit wird auf etwa 99,7 % geschätzt. Politisch gesehen ist Marokko eine parlamentarische Monarchie, in der dem König umfangreiche Exekutivkompetenzen zustehen und er sowohl als politischer als auch als religiöser Leiter des Landes agiert. Während des Arabischen Frühlings 2011 gab es Demonstrationen und die Regierung organisierte ein Referendum zu Reformen, das am 1. Juli 2011 abgehalten wurde. So konnte das Land den politischen Aufstand abwenden, in den ein großer Teil der Arabischen Welt gestürzt wurde.

Nichtmuslimische ausländische Gemeinschaften können ihren Glauben offen ausleben. Die Verkündigung des Evangeliums an Muslime ist jedoch illegal. Marokko hat international das Image eines fortschrittlichen, toleranten und wirtschaftlich dynamischen Landes. Das spiegelt jedoch nicht das ganze Bild des Landes wider, wenn es um die Rechte religiöser Minderheiten geht. Die Situation von Christen muslimischer Herkunft etwa ist heikel.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen, die in einer Vielzahl von Berufszweigen tätig sind, stehen häufig unter Beobachtung und riskieren, des Landes verwiesen zu werden, wenn vermutet wird, sie würden das Evangelium weitergeben. Im Vergleich zu anderen Christen, insbesondere einheimischen Christen muslimischer Herkunft, genießen ausländische Christen aus westlichen Ländern jedoch recht große Religionsfreiheit. Anerkannte Kirchen für Ausländer gibt es nur in großen Städten. Die Römisch-Katholische Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Anglikanische Kirche und die Französisch-Protestantische Kirche existierten bereits vor der Unabhängigkeit 1956. Die meisten dieser Kirchen besitzen eigene Gebäude, das Grundstück gehört jedoch der Regierung. Solange das Gebäude regelmäßig für Gottesdienste genutzt wird, behält die Kirche Kontrolle über das Gebäude. Wird es nicht mehr genutzt, verwendet die Regierung es für andere Zwecke. Für diese Kirchen ist es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. Es ist unmöglich für marokkanische Christen muslimischer Herkunft, diesen Kirchen beizutreten. Deshalb ist es für diese traditionellen Gemeinschaften sehr schwer, aktiv und präsent zu bleiben.

Ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara gehören häufig Pfingstgemeinden an und werden gewöhnlich marginalisiert und diskriminiert.

Christen muslimischer Herkunft

Marokkanische Christen erhalten keine Erlaubnis oder offizielle Anerkennung, um sich öffentlich zu treffen – deshalb treffen sie sich in Hauskirchen. Sie müssen ihre Versammlungsorte regelmäßig wechseln und haben nicht die Geschichte oder Struktur, dass man sie als eigenständige Denomination bezeichnen könnte. Das Maß der Toleranz, das die Gesellschaft in urbanen Zentren sowie die öffentlichen Behörden Christen muslimischer Herkunft entgegenbringen, ist größer als in den meisten anderen Ländern der Region. Dennoch sehen sich Christen muslimischer Herkunft Druck vonseiten ihrer Familie und der Gesellschaft ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen. Sie werden zudem beobachtet und riskieren Verfolgung, besonders, wenn sie aktiv das Evangelium weitergeben.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12.2
Familienleben 13.3
Gesellschaftliches Leben 9.6
Leben im Staat 12
Kirchliches Leben 14.4
Auftreten von Gewalt 1.5

 

Grafik: Verfolgungsmuster Marokko

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 10,1 Punkten beim WVI 2018 auf 12,3 beim WVI 2019. Der Grund für diesen Anstieg ist die Verfügbarkeit von detaillierteren Informationen, die die Beurteilung beeinflussen.
  • Im Bereich „Kirchliches Leben“ ist der Druck sogar extrem hoch (14,4 Punkte). Dies zeigt die Einschränkungen, die ausländische Christen erfahren, wenn sie versuchen, ihren Glauben an andere weiterzugeben. Die Regierung hat es effektiv geschafft, die Gemeinschaft zwischen Christen muslimischer Herkunft zu unterbinden. Die zweithöchste Wertung wurde im Bereich „Familienleben“ erzielt (13,3 Punkte), was den Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund widerspiegelt, den sie erleben, wenn sie ihren neuen Glauben öffentlich ausleben wollen. Es ist für sie sehr schwer, sich taufen zu lassen, christlich zu heiraten oder eine christliche Beerdigung durchzuführen. Sie sind Druck von der Familie, der Gesellschaft und der Regierung ausgesetzt, besonders in ländlichen Gebieten.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum WVI 2018 von 0,6 auf 1,5 Punkte gestiegen. Der Grund dafür liegt darin, dass neue Informationen verfügbar waren und dadurch mehr Berichte von Übergriffen eingingen.

Privatleben

Auch wenn der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben illegal ist und nach marokkanischem Recht bestraft werden kann (und obwohl islamische Leiter in Marokko schon oft darüber gestritten haben, ob Konversion nicht sogar mit dem Tod bestraft werden sollte), wird die Übertretung des Gesetzes meist nicht geahndet. Im Allgemeinen erleben christliche Konvertiten stattdessen Druck von Verwandten, Familienmitgliedern und ihrem Umfeld, besonders in ländlichen Gebieten. Für einige Christen muslimischer Herkunft ist es daher sehr riskant, ihren Glauben zu offenbaren. Auch privates Gebet und Andachten, die den Wechsel zum christlichen Glauben zeigen könnten, sind riskant. Dennoch muss festgehalten werden, dass das Risiko im Vergleich zu anderen Ländern der Region eher gemäßigt ist.

Familienleben

Der Wechsel zum christlichen Glauben kann eine feindselige Reaktion von der engen und erweiterten Familie hervorrufen. Der Staat sieht alle Marokkaner als Muslime an und marokkanische Christen können heiraten, ohne gefragt zu werden, ob sie Muslime sind (da einfach angenommen wird, dass sie Muslime sind). Will jedoch ein ausländischer Christ eine marokkanische Frau heiraten, müsste er sich als Muslim ausgeben, weil er danach gefragt würde. Alle Kinder sind gezwungen, in der Schule am Islamunterricht teilzunehmen. Einige Privatschulen erlauben es Kindern einheimischer Christen, den Islamunterricht auszulassen, dies ist jedoch nicht die Regel. Der verpflichtende Islamunterricht in Schulen ist üblicherweise sehr gemäßigt. Diese Eingriffe in die Religionsfreiheit und das Familienleben von Christen muslimischer Herkunft sind weniger problematisch als in anderen nordafrikanischen Ländern.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft erleben Ausgrenzung, besonders in ländlichen Gegenden. Sie empfinden zudem einen starken gesellschaftlichen Druck, sich an islamischen religiösen Aktivitäten und Ritualen zu beteiligen. Dieser Druck macht es Christen mit muslimischem Hintergrund zudem sehr schwer, ihre Kinder christlich zu erziehen; er kann sich in Form von Mobbing in der Schule oder islamischer Unterweisung ohne das Einverständnis der Eltern äußern. In städtischen Gebieten haben Christen mehr Freiheiten, doch jeglicher Ausdruck des christlichen Glaubens kann immer als Versuch angesehen werden, Evangelisation zu betreiben, und negative Folgen nach sich ziehen.

Leben im Staat

Auch wenn in Marokko vergleichsweise Religionsfreiheit herrscht, unterliegen Christen in der Öffentlichkeit dennoch beachtlichen Einschränkungen. Während des Ramadan ist etwa Essen in der Öffentlichkeit verboten. Christliche Evangelisation ist verboten; christliche Literatur weiterzugeben oder jemanden zur Annahme des christlichen Glaubens zu bewegen, ist illegal. Die höchste religiöse Instanz des Landes hat sein Urteil aus dem Jahr 2012 zurückgezogen, nach dem Apostasie (der Abfall vom Islam) mit dem Tod zu bestrafen ist, und scheint sich demzufolge entschieden zu haben, Muslimen zu erlauben, ihren Glauben zu wechseln. Christen, die ihren Glauben weitergeben, können beschuldigt werden, „den islamischen Glauben zu erschüttern“, was eine strafrechtliche Verfolgung nach sich zieht. Regierungsbeamte überwachen Christen und beobachten ihre Aktivitäten, um das Verbot der Evangelisation durchzusetzen. Christen mit muslimischem Hintergrund wird zudem die Anerkennung vom Staat verweigert.

Kirchliches Leben

Kirchen von ausländischen Christen werden immer überwacht, um sicherzustellen, dass keine Marokkaner an den Gottesdiensten teilnehmen. Gemeinden werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren, da diese als Evangelisation angesehen werden. Dies gilt sowohl für Christen muslimischer Herkunft als auch für andere Christen. Die Einschränkung der Gemeinschaft zwischen ausländischen Christen und anderen Kirchen betrifft beide Seiten. Die Regierung erlaubt weiterhin den Verkauf von Bibeln auf Französisch, Englisch und Spanisch. In wenigen Buchhandlungen war zur Verwendung in Universitätskursen auch eine begrenzte Anzahl an Bibeln auf Arabisch erhältlich. Die Behörden konfiszieren Bibeln, von denen sie glauben, dass sie zur Evangelisation bestimmt sind. Kirchen werden nicht daran gehindert, Schulen, wohltätige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Organisationen zu gründen und zu führen; diese Organisationen müssen jedoch jede Aktivität unterlassen, die als Evangelisation angesehen werden könnte. Jede Annahme, dass das Evangelium weitergegeben wird, führt zu Problemen. Auch wenn sie also mehr Freiheit genießen als die Kirchen in anderen Ländern, sind die Kirchen in Marokko bedeutenden Einschränkungen ausgesetzt.

Auftreten von Gewalt

Wendet sich ein Muslim dem christlichen Glauben zu, kann er Misshandlungen durch seine eigene Familie erleben und steht in der Gefahr, von der Regierung verhaftet und befragt zu werden. Christinnen sind besonders der Gefahr sexuellen Missbrauchs ausgesetzt und können sogar zwangsverheiratet werden. Ausländische Christen werden aus dem Land ausgewiesen oder erhalten nicht die Möglichkeit, einzureisen, wenn sie in Verdacht stehen, Evangelisation zu betreiben.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Auch wenn sich die Rechte für Frauen in Marokko in den vergangenen 15 Jahren positiv entwickelt haben und sie vor dem Gesetz mehr Gleichheit erfahren, sind sie generell in einer weniger vorteilhaften Position als Männer. Dies gilt besonders für christliche Konvertitinnen. Ausländische Christinnen erleben keine geschlechterspezifische Verfolgung oder zumindest nicht in einem Ausmaß wie Christinnen mit muslimischem Hintergrund. Allgemein haben Frauen weniger Freiheiten als Männer und es wird erwartet, dass sie stärker an den Haushalt gebunden sind – dies gilt besonders für ländliche Gebiete. Einige Christinnen muslimischer Herkunft werden zu Hause eingesperrt, wenn ihr Glaube an Jesus entdeckt wird. Es wird ihnen nicht erlaubt, sich ohne Aufsicht mit anderen zu treffen. Manche christlichen Konvertitinnen werden von ihren Familien dazu gezwungen, einen muslimischen Mann zu heiraten. Ist sie verheiratet, riskiert eine Christin mit muslimischem Hintergrund die Scheidung und den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder sowie aller Erbansprüche. Im Familienstandsrecht folgt das Land der sunnitischen Interpretation der Scharia gemäß der malikitischen Rechtsschule. Ein Experte für das Land schreibt: „Solange sich das Familienstandsrecht nicht ändert, wird sich diese Art der Verfolgung fortsetzen.“

Männer

Junge männliche Konvertiten zum christlichen Glauben, die noch bei ihren Eltern leben, können aus ihrem Zuhause weggeschickt werden und die (finanzielle) Unterstützung ihrer Familie verlieren. Sie bringen mit ihrer Abwendung vom Islam Schande über ihre Familie und werden deshalb ausgestoßen. Männer sind meist die Versorger der Familie, deshalb leidet meist die gesamte Familie darunter, wenn ein christlicher Mann etwa seine Arbeitsstelle und seinen Ruf verliert. Wie hart die Konsequenzen einer Hinwendung zum christlichen Glauben sind, hängt jedoch von seiner gesellschaftlichen Position und seinem Ansehen in seinem sozialen Umfeld ab.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Das Judentum ist die einzige religiöse Minderheit, die von der Verfassung offiziell anerkannt wird. Juden haben ihre eigenen Gerichte für Familienangelegenheiten. Auch wenn der Islam die offizielle Staatsreligion ist, ist eigentlich nur der sunnitische (malikitische) Islam akzeptiert. Schiitische Muslime und Bahai sind religiöse Minderheiten, denen es Einschränkungen vonseiten der Regierung fast unmöglich machen, öffentlich anzubeten. Im „International Religious Freedom Report“ für Marokko von 2017 wird berichtet: „Schiitische Muslime geben weiterhin an, dass Angst vor Belästigung durch die Regierung einer der Gründe war, warum sie sich nicht öffentlich zur Anbetung, sondern stattdessen heimlich in Häusern von Mitgliedern trafen.“

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die Entwicklung Marokkos hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu gehört der Ausgang des Machtkampfes zwischen der Monarchie und der islamistischen politischen Partei, die in den vergangenen Jahren die Regierung angeführt hat. Das Ausmaß, in dem die wirtschaftliche Marginalisierung und die politische Unzufriedenheit einiger Gruppen fortbestehen, könnte von Islamisten ausgenutzt werden. Wenn sich jedoch die bisherige Entwicklung fortsetzt, wird Marokko sehr wahrscheinlich weiterhin eine Oase der Stabilität und relativen Freiheit für Christen in einer unstabilen Region sein. Marokko scheint zudem darauf bedacht zu sein, sein Image als tolerantes und fortschrittliches modernes Land aufrechtzuerhalten, und wird die religiösen Freiheiten wahrscheinlich nicht weiter beschneiden.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Christen muslimischer Herkunft werden weiterhin Druck erleben, vor allem vonseiten ihrer Familien und der Gesellschaft. Die Modernisierung der urbanen Gebiete könnte die Einstellung gegenüber christlichen Konvertiten auf lange Sicht ändern. Es ist unwahrscheinlich, dass die Regierung ihre Einstellung gegenüber Konvertiten ändert, insbesondere, solange der König der „Kommandant der Gläubigen, der auf den Respekt für den Islam achtet“, bleibt (Artikel 41 der Verfassung Marokkos).

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Marokko blieb im Arabischen Frühling 2011 eines der friedlichsten Länder. Der starke Sicherheitsapparat spielt eine große Rolle dabei, den Frieden im Land zu bewahren. Er wird weiterhin alle Aktivitäten beobachten, die Unruhen verursachen könnten, und insbesondere auf Evangelisation von Christen achten. Er hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er die (Konvertiten-)Gemeinde effektiv lähmen kann. Wahrscheinlich wird er damit fortfahren, auch um Islamisten zu besänftigen, die andernfalls Unruhen auslösen könnten.

Schlussfolgerung

Der christliche Glaube bleibt weiterhin eine fremde Religion in Marokko. Artikel 4 der Verfassung besagt, dass „das Motto des Königreichs ‚Gott, das Land und der König‘ ist“, und viele Marokkaner empfinden das auch so. Solange „Gott“ als Gott des Islam interpretiert wird, werden Christen Außenseiter bleiben, selbst wenn sie marokkanischer Abstammung sind.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Marokko:

  • Ausländische Christen können ihren Glauben in Marokko offen leben, aber der Staat verbietet die Missionierung marokkanischer Muslime, die 99,7 % der Bevölkerung ausmachen. Beten Sie um Freiheit für die Marokkaner, die Christen werden wollen, aber zu viel Angst vor den Konsequenzen haben.
  • Die sehr kleine Minderheit der marokkanischen Christen trifft sich in Hauskreisen mit wechselnden Versammlungsorten, um zu vermeiden, dass sie überwacht und von den Behörden unter Druck gesetzt werden, ihre Gruppe aufzulösen und ihren Glauben zu widerrufen. Beten Sie, dass die Führung des Landes, die den christlichen Glauben nicht verboten hat, noch toleranter gegenüber nichtmuslimischen Glaubensrichtungen wird und Religionsfreiheit auch für einheimische Christen voll anerkennt.
  • Danken Sie dafür, dass Marokko innerhalb der Region Nordafrika nach wie vor eine Oase der Stabilität ist. Beten Sie, dass der Wunsch des Landes, sein Image als fortschrittlicher Staat aufrechtzuerhalten, dazu führt, dass es eine tolerantere Haltung gegenüber anderen nichtislamischen Religionen wie dem Christentum fördert und Christen erlaubt, Beziehungen mit der globalen Kirche zu pflegen.

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