Länderprofil Marokko

Marokko

27
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Marokko
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
26
Karte Marokko
Christen
0,03
Bevölkerung
37.07
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.600
Familienleben: 13.500
Gesellschaftliches Leben: 11.200
Leben im Staat: 12.400
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 3.700

Länderprofil Marokko

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 27 / 67 Punkte (WVI 2020: Platz 26 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Ein wiederkehrendes Problem für Christen, die offen über ihren Glauben sprechen, ergibt sich aus Artikel 220 des Strafgesetzbuches, der die „Erschütterung des Glaubens eines Muslims“ unter Strafe stellt. Dies setzt viele Christen, die mit anderen über ihren Glauben sprechen, der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung und Verhaftung aus. Befürworter der Rechte von Christen sind auch Opfer von gewalttätigen Angriffen militanter Islamisten geworden. Während das Gesetz nur die Verkündigung des Evangeliums unter Strafe stellt, können Christen muslimischer Herkunft auf andere Weise bestraft werden, zum Beispiel durch den Verlust des Erbrechts und des Sorgerechts für die Kinder.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

67

27

2020

66

26

2019

63

35

2018

51

0

2017

49

0

Der Hauptgrund für den Anstieg um einen Punkt im Weltverfolgungsindex 2021 war ein leichter Anstieg des durchschnittlichen Drucks um 0,3 Punkte auf 12,6 Punkte. Dies wurde vor allem durch eine Zunahme des gemeldeten Drucks im Bereich Leben im Staat verursacht. Die Punktzahl für Gewalt sank von 4,1 auf 3,7 Punkte; hauptsächlich, weil im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 keine Kirchengebäude angegriffen wurden.

2. Trends und Entwicklungen

1) Das Image des Landes gilt als fortschrittlich, solange es nicht um religiöse Minderheiten geht

Marokko ist sowohl politisch als auch wirtschaftlich ein recht stabiles Land in einer Region, die von politischer Instabilität und Wirtschaftskrisen geprägt ist. Der schrittweise und entwicklungsorientierte Ansatz für politische Reformen hat sich bisher als recht erfolgreich erwiesen. Der internationale Ruf Marokkos ist der eines fortschrittlichen, toleranten und wirtschaftlich dynamischen Landes. Es besteht jedoch die Gefahr, dass sich eine gewisse Selbstzufriedenheit einstellt, zumal dieses Bild nicht ganz die Situation im Land widerspiegelt, wenn es um die Rechte religiöser Minderheiten geht. Außerdem könnte die Lage, wenn die Unruhen in der Rif-Region nicht ernsthaft angegangen werden, islamischen Extremisten die Möglichkeit geben, das Land zu destabilisieren.

2) Die Monarchie und die regierende islamistische Partei wetteifern um mehr Kontrolle

Wie sich die Zukunft in Marokko entwickelt, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Zu diesen Faktoren gehört der Ausgang des Ringens um mehr Einfluss und Kontrolle zwischen der Monarchie und der islamistischen Partei, die die Regierung in den letzten Jahren angeführt hat. Das Ausmaß, in dem die wirtschaftliche Marginalisierung und die politische Unzufriedenheit einiger Gruppen fortbestehen, mag ebenfalls ein relevanter Faktor sein, der eine Öffnung für Islamisten begünstigen könnte, die diese auch nutzen würden. Wenn sich jedoch die aktuelle Gesamtentwicklung fortsetzt, wird Marokko wahrscheinlich stabil bleiben.

3) Marokkanische Christen bleiben ohne Anerkennung

Selbst der Papst der Römisch-Katholischen Kirche erhob bei seinem Besuch 2019 nicht seine Stimme, um zu mehr Akzeptanz gegenüber marokkanischen Christen aufzurufen, da dieses Thema in Marokko nach wie vor hoch sensibel ist. Der Besuch des Papstes unterstreicht das Bestreben des marokkanischen Staates, sein Image als toleranter und fortschrittlicher moderner Staat aufrechtzuerhalten; es ist daher unwahrscheinlich, dass der Staat die Religionsfreiheit stärker einschränken wird. Dennoch wird der christliche Glaube in Marokko wohl eine fremde Religion bleiben. In Artikel 4 der Verfassung heißt es: „Das Motto des Königreichs lautet: Dieu, La Patrie, Le Roi [Gott, das Land, der König].“ Viele Marokkaner empfinden das auch so. Solange „Gott“ als der Gott des Islam interpretiert wird, werden Christen Außenseiter bleiben, auch wenn sie marokkanischer Abstammung sind.

3. Religiöse Situation im Land

Über 99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime (mehrheitlich Sunniten), der Rest besteht überwiegend aus Agnostikern, Bahai oder Christen. Die offizielle Staatsreligion ist der Islam. Nichtmuslimische ausländische Glaubensgemeinschaften können ihren Glauben offen praktizieren. Die Mehrheit der Christen in Marokko ist römisch-katholisch. Im Vergleich zu anderen Ländern der arabischen Welt kann Marokko als ein religiös toleranter Staat beschrieben werden. Dennoch gilt es nach wie vor als illegal, Muslime zu missionieren, in der Absicht, sie vom Islam zu einer anderen Religion zu bekehren.

Die christliche Hilfsorganisation Middle East Concern berichtet:

  • „Registrierte ausländische christliche Gemeinden genießen in Marokko beträchtliche Freiheiten, vorausgesetzt, dass sie den Umgang mit Muslimen vermeiden, der als Missionierung ausgelegt werden könnte. In den letzten Jahren (und besonders im Jahr 2010) hat die Regierung eine beträchtliche Anzahl von ausländischen Christen mit der Begründung ausgewiesen, dass sie gegen die Bestimmungen des Strafgesetzbuches in Bezug auf Missionierung verstoßen haben, oder mit der vagen Begründung der ‚Gefährdung der öffentlichen Ordnung‘.“
  • „Marokkanische Christen, die sich hauptsächlich in kleinen Hausgemeinden treffen, sind sich der engen Überwachung ihrer Aktivitäten durch die Behörden besonders bewusst.“
  • „Anfang 2017 gab die höchste religiöse Instanz Marokkos eine Erklärung zum Thema Abfall vom Glauben heraus, die diesen in engen politischen Begriffen definierte. Ein umfassender Beschluss derselben Behörde aus dem Jahr 2002 hatte darauf gedrängt, dass Glaubensabtrünnige zum Tode verurteilt werden sollten. Die überarbeitete Entscheidung wurde weithin begrüßt, auch von Christen in Marokko. In ähnlicher Weise begrüßten Christen eine kürzlich ergangene Entscheidung, wonach ein Christ, der einem Freund eine Bibel anbot, den Glauben dieses Freundes nicht ‚erschütterte‘, da die Bibel ein Buch ist, das Muslime lesen sollten. Allerdings gibt es weiterhin familiären und gesellschaftlichen Druck gegen diejenigen, die sich entscheiden, den Islam zu verlassen. Einige, die als vom Glauben Abtrünnige gelten, werden den Gerichten übergeben (und müssen mit Sanktionen wie Zwangsscheidung, Verlust des Erbes und Entzug des Sorgerechts für die Kinder rechnen), und in extremen Fällen können sie von Familienmitgliedern mit Gewalt bedroht werden.“

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Marokko zeigt im Vergleich zu anderen Ländern der Region eine moderatere Variante von islamischer Unterdrückung. Zu den von den islamischen Behörden auferlegten Einschränkungen gehören die Konfiszierung christlicher Literatur in arabischer Sprache (einschließlich Bibeln) bei Entdeckung, Verbote der Zusammenarbeit mit Christen aus dem Ausland – vor allem, wenn diese planen, aktiv das Evangelium weiterzugeben – und ernsthafte Hindernisse bei der Anerkennung von Gottesdienststätten für Christen muslimischer Herkunft. Diese werden aufgrund ihres neuen Glaubens von Familie und Freunden sowie von der Dorfgemeinschaft unter Druck gesetzt, wenn das Bekenntnis ihres neuen Glaubens als Missionierungsversuch empfunden wird.

Diktatorische Paranoia

Die marokkanische Regierung betrachtet die Kirche, insbesondere Aktivitäten im Zusammenhang mit Christen muslimischer Herkunft, mit Misstrauen. Von Marokkanern wird erwartet, dass sie dem Islam, dem König und dem Land gegenüber loyal sind; der christliche Glaube könnte diese Vormachtstellung bedrohen. In den vergangenen Jahren haben die marokkanischen Behörden Christen beschuldigt, dem König gegenüber nicht treu zu sein, und haben viele ausländische Christen ohne ein ordentliches Verfahren abgeschoben. Einer der Gründe für diese Art staatlicher Maßnahmen könnte die Angst vor islamisch-extremistischen Gruppen sein: Indem die Regierung sie beschwichtigt, versucht sie, jegliche Unruhen zu verhindern. In der Praxis bedeutet dies, dass Christen muslimischer Herkunft regelmäßig festgehalten und zu ihren Motiven und Kontakten verhört werden.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Zu den stärksten Verfolgern ausgehend von islamischer Unterdrückung in Marokko gehören Regierungsbeamte und Führungspersonen der politischen Parteien. Die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) ist neben der Monarchie der wohl wichtigste politische Akteur im Land. Obwohl sie nicht für ein Verbot des christlichen Glaubens eintritt, haben sich ihre Leiter intolerant gegenüber dem christlichen Glauben gezeigt und erkennen das Recht auf freie Religionsausübung für Christen nicht vollständig an. Die staatlichen Behörden sind auch nicht bereit, Christen muslimischer Herkunft als Christen zu registrieren und ihnen zu erlauben, sich frei zu versammeln, anerkannt zu werden und das Evangelium weiterzugeben.
  • Gewöhnliche Bürger: In der marokkanischen Gesellschaft wird der christliche Glaube meist negativ gesehen und ehemalige Muslime, die Jesus Christus nachfolgen, werden als Schande für Familie und Gesellschaft angesehen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Die Großfamilie von Christen muslimischer Herkunft – vor allem in ländlichen Gebieten – übt Druck auf diese Christen aus, ihren Glauben an Christus zu widerrufen.
  • Nichtreligiöse Leiter: Islamisch-extremistisches Gedankengut ist in Marokko verbreitet und wird gepredigt, was den Druck auf die Christen noch erhöht.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Der Mord an zwei Skandinavierinnen im Dezember 2018 hat gezeigt, dass der Einfluss des „Islamischen Staates“ (IS) auch in Marokko eine Bedrohung darstellen kann. Berichten zufolge wächst der salafistische Einfluss in Marokko.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die marokkanischen Behörden und Sicherheitsdienste überwachen das gesamte kirchliche Leben. Christen muslimischer Herkunft werden aktiv beobachtet und manchmal verhört. Außerdem besteht die Furcht, dass die Sicherheitsdienste Treffen ehemaliger Muslime infiltrieren.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die muslimische Bevölkerung in den ländlichen Gebieten ist als konservativ bekannt; die meisten Fälle von Verfolgung ereignen sich im überwiegend von Berbern bewohnten Nordosten des Landes, im Atlasgebirge im Osten des Landes und im südöstlichen Wüstengebiet. Die meisten Christen muslimischer Herkunft leben in den Städten, wo es leichter ist, dem Druck der Familie und ihres sozialen Umfelds zu entkommen.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen, die eine Vielfalt beruflicher Tätigkeiten ausüben, stehen oft unter Beobachtung und riskieren ihre Abschiebung, wenn sie vermeintlich evangelisierend tätig sind. Allerdings genießen ausländische Christen aus dem Westen im Vergleich zu anderen Gruppen – insbesondere zu marokkanischen Christen muslimischer Herkunft – relative Religionsfreiheit. Anerkannte Kirchen für ausländische Staatsbürger (d. h. solche, die bereits bei der Unabhängigkeit 1956 bestanden) gibt es nur in größeren Städten. Die meisten Gemeinden besitzen die Kirchengebäude, aber die Regierung ist Eigentümer des Grundstücks. Solange das Gebäude regelmäßig für Gottesdienste genutzt wird, behält die Kirche die Kontrolle über das Gebäude. Wenn es nicht mehr genutzt wird, übernimmt die Regierung das Gebäude und nutzt es für andere Zwecke. Angesichts der Schwierigkeit für diese Kirchen, neue Mitglieder zu gewinnen, und der Tatsache, dass es für marokkanische Christen mit muslimischem Hintergrund unmöglich ist, diese Kirchen zu besuchen, ist es für die traditionellen christlichen Gemeinschaften eine Herausforderung, im Land aktiv und präsent zu bleiben.

Ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara, die oft aus Pfingstgemeinden stammen, werden meist ausgegrenzt und diskriminiert.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften werden in der Analyse des Weltverfolgungsindex für Marokko nicht als eigene Kategorie betrachtet, da sie hauptsächlich aus ausländischen Christen bestehen und in die oben genannte Kategorie einbezogen wurden.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Marokkanische Christen muslimischer Herkunft treffen sich in Hauskirchen, weil sie keine Erlaubnis und offizielle Genehmigung erhalten, sich öffentlich zu versammeln. Sie wechseln regelmäßig den Ort und haben nicht die Geschichte oder Struktur, aufgrund welcher man sie als eigenständige Denomination bezeichnen könnte. Auch wenn die Gesellschaft und die öffentlichen Behörden in den Städten Christen muslimischer Herkunft allgemein toleranter gegenüberstehen als in den meisten anderen Ländern der Region, sind diese Christen doch dem Druck der Gesellschaft und ihrer Familie ausgesetzt, ihren neuen Glauben aufzugeben. Sie stehen zudem häufig unter Überwachung und riskieren Verfolgung, besonders wenn sie aktiv das Evangelium weitergeben.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.6
Familienleben 13.5
Gesellschaftliches Leben 11.2
Leben im Staat 12.4
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 3.7

Grafik: Verfolgungsmuster Marokko

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen hat ein sehr hohes Ausmaß (12,8 Punkte) und ist im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 (12,5 Punkte) gestiegen.
  • Der Druck im kirchlichen Leben ist extrem hoch (14,1 Punkte). Dies verdeutlicht die Einschränkungen, mit denen die ausländischen Glaubensgemeinschaften konfrontiert sind, wenn sie versuchen, ihren Glauben mit anderen zu teilen, und wie die Regierung Treffen von Christen muslimischer Herkunft effektiv unterdrückt hat. Die zweithöchste Punktzahl findet sich im Bereich Familienleben (13,5 Punkte), was den Druck aufzeigt, dem Christen muslimischer Herkunft ausgesetzt sind, wenn sie ihren neuen Glauben öffentlich ausleben wollen: Es ist schwierig, christlich getauft, verheiratet oder sogar beerdigt zu werden, und Christen muslimischer Herkunft sind dem Druck der Familie, der Gesellschaft und sogar der Regierung ausgesetzt, besonders in ländlichen Gebieten.
  • Die Wertung für Auftreten von Gewalt sank von 4,1 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 3,7 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021. Obwohl im Weltverfolgungsindex 2021 eine höhere Anzahl von Christen eingesperrt und mehr christliche Häuser und Geschäfte angegriffen wurden, kam es in diesem Jahr zu keinem Angriff auf Kirchengebäude.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Sowohl einheimische als auch ausländische Christen können nach marokkanischem Recht wegen „Erschütterung des Glaubens eines Muslims“ angeklagt werden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Mitglieder der Familie und des sozialen Umfelds können harsch oder sogar gewalttätig reagieren, wenn sie einen Christen muslimischer Herkunft sehen, der ein Kreuz oder ein anderes christliches Symbol trägt. Einige Christen muslimischer Herkunft berichten über ihren neuen Glauben auf Social Media, wobei sie falsche Identitäten verwenden, um ihren echten Namen geheim zu halten

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Viele Christen muslimischer Herkunft haben Angst, ihren Familien von ihrem neuen Glauben zu erzählen. Es sind viele Fälle von Christen muslimischer Herkunft bekannt, die verstoßen oder misshandelt wurden, weil sie über ihren Glauben gesprochen haben. Deshalb sprechen Christen muslimischer Herkunft oft erst im Laufe der Zeit mit ihrer Familie über ihren Glauben. Nichtsdestotrotz kann die erste Reaktion heftig sein, und nur wenige Familien lassen sich auf einen Dialog mit den Christen ein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren neuen Glauben zu widerrufen.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Obwohl der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben nach marokkanischem Recht strafbar ist (und marokkanische islamische Religionsführer oft darüber gestritten haben, ob auf den Glaubenswechsel die Todesstrafe steht), ist die Durchsetzung dieses Gesetzes sehr lasch und fast nicht existent. Im Allgemeinen sehen sich Christen muslimischer Herkunft jedoch dem Druck von Verwandten, Familienmitgliedern und des sozialen Umfelds insgesamt ausgesetzt, insbesondere in ländlichen Gebieten. Daher ist es für sie riskant, ihren neuen Glauben zu offenbaren. Auch private Glaubenshandlungen (etwa Bibellese und Andacht), die die Hinwendung zum christlichen Glauben offenbaren könnten, bergen ein Risiko.

Familienleben

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Um in Marokko ein Kind zu adoptieren, muss man Muslim sein. Teil des Adoptionsverfahrens ist ein Treffen mit einem Imam, der die Adoptiveltern über die Lehren des sunnitischen Islam befragt.

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Mit Ausnahme der jüdischen Bevölkerungsgruppe gelten alle Marokkaner von Geburt an als Muslime.

Wurde die Registrierung von Geburt, Hochzeit, Tod usw. von Christen behindert oder unmöglich gemacht?

Dies ist vor allem für Christinnen muslimischer Herkunft problematisch, da sie keine christlichen Männer heiraten dürfen.

Wurden christliche Taufen behindert?

Die Taufe von Christen muslimischer Herkunft findet im Verborgenen statt, da eine Taufe ein sehr deutliches Zeichen sowohl für den Glaubenswechsel als auch für die Weitergabe des Evangeliums ist.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Sowohl einheimische als auch ausländische Christen werden von marokkanischen Sicherheitsbehörden überwacht. Ortsansässige Bürger informieren regelmäßig die Polizei, wenn sie Kenntnis darüber haben, dass jemand aktiv das Evangelium weitergibt.

Wurden Christen aus religiösen Gründen daran gehindert, am öffentlichen Leben, Foren usw. teilzunehmen?

Der christliche Glaube wird als eine fremde Religion angesehen, und Christen werden nicht als Teil der marokkanischen Gesellschaft betrachtet. Daher gibt es für sie keinen Platz innerhalb der örtlichen Gemeinschaft.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Christen, insbesondere solche muslimischer Herkunft, empfinden einen großen gesellschaftlichen Druck, an islamischen religiösen Aktivitäten und Ritualen teilzunehmen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Christen muslimischer Herkunft, insbesondere diejenigen, die sich aktiv in ihre (Haus-)Gemeinden einbringen, werden überwacht und häufig zu Befragungen vorgeladen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion. Obwohl sie allen Bürgern die „freie Ausübung des Glaubens“ garantiert, bedeutet dies in der Praxis, dass ein Muslim nur den Islam praktizieren und nicht den christlichen Glauben annehmen darf.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Zivilgesellschaftliche Vereine mit klarer christlicher Überzeugung oder solche, die sich für die Rechte der marokkanischen Christen muslimischer Herkunft einsetzen, werden von der Regierung aktiv bekämpft.

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, den Glaubenswechsel einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Dies ist bei Christen mit muslimischem Hintergrund der Fall. Ihnen wird auch die Anerkennung durch den Staat verweigert.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Christliche Evangelisation ist verboten. Es ist illegal, christliche Literatur an Muslime zu verteilen und ihnen das Evangelium zu predigen. Christen, die das Evangelium verkünden, könnten beschuldigt werden, „den Glauben des Islam zu erschüttern“, was strafrechtliche Konsequenzen nach sich zieht.

Kirchliches Leben

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Die Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren, da diese als Evangelisation ausgelegt werden könnten. Dies gilt sowohl für Christen mit muslimischem Hintergrund als auch für andere Christen.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Die Kirchen der ausländischen Glaubensgemeinschaften werden ständig überwacht, um sicherzustellen, dass keine marokkanischen Staatsangehörigen ihre Gottesdienste besuchen. Die Beschränkung des Kontakts und der Gemeinschaft zwischen den ausländischen Glaubensgemeinschaften und anderen kirchlichen Gruppen wirkt sich negativ auf beide aus.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Nur die Römisch-Katholische, Russisch-Orthodoxe, Griechisch-Orthodoxe und Anglikanische Kirche sind anerkannt. Andere Kirchen müssen sich als Verein registrieren und dürfen keine Aktivitäten ausüben, die den Islam untergraben. Daher können marokkanische Christen vor Ort keine eigenen Kirchen gründen, sie können aber auch nicht Teil ausländischer Kirchen werden.

Ist der offene Verkauf oder die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien behindert worden?

Die Regierung erlaubt zwar weiterhin die Ausstellung und den Verkauf von Bibeln in Französisch, Englisch und Spanisch, auch ist eine begrenzte Anzahl von arabischen Bibelübersetzungen in einigen wenigen Buchläden für den Gebrauch in universitären Religionskursen erhältlich, die Behörden konfiszieren jedoch Bibeln, von denen sie glauben, sie dienten zu Evangelisationszwecken.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Angriffe auf Christen: Mehrere Christen wurden misshandelt, wobei insbesondere Christinnen muslimischer Herkunft Opfer sexueller Belästigungen sind. Diese Misshandlungen fanden meist im Bereich des Familienlebens statt, obwohl es auch Berichte über Misshandlungen durch Polizisten gab. Zusätzlich zu den gemeldeten Fällen bleiben viele andere Vorfälle unbekannt, da sie sich oft im häuslichen Bereich ereignen und mit großer Scham und dem Gefühl von Schande verknüpft sind.
  • Verhaftungen von Christen: Mehrere Christen wurden festgenommen und verhört, weil sie eine Bibel oder christliche Schriften besaßen oder das Evangelium weitergegeben hatten.
  • Angegriffene Häuser und Geschäfte in christlichem Besitz: Mehrere christliche Geschäfte wurden boykottiert und mit Hassparolen beschmiert.
  • Gewalt gegen Christinnen: Es wurden mehrere Vorfälle von Zwangsheirat, sexuellem Missbrauch und Entführung von Christinnen muslimischer Herkunft gemeldet. Diese Vorfälle fanden alle im Bereich des Familienlebens statt.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Mehrere marokkanische Christen mussten anderswo im Land Zuflucht finden, um dem Druck ihrer Familien zu entkommen.
  • Christen wurden gezwungen, das Land zu verlassen: In den vergangenen Jahren wurden ausländische Christen ausgewiesen oder ihnen wurde die Einreise in das Land verweigert, wenn sie unter Verdacht standen, Muslimen das Evangelium weiterzugeben. Wahrscheinlich aufgrund der Covid-19-Reisebeschränkungen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 keine solcher Vorfälle erfasst.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Das Judentum ist die einzige offiziell in der Verfassung anerkannte Minderheitenreligion, und die jüdische Bevölkerung hat ihre eigenen religiösen Gerichte für Familienangelegenheiten. Obwohl der Islam die offizielle Staatsreligion ist, ist de facto nur der sunnitische Islam (der Rechtsschule der Malikiten) gesellschaftlich anerkannt. Schiitische Muslime, Ahmadiyya-Muslime und Anhänger der Bahai sind religiöse Minderheiten in Marokko, die mit staatlichen Einschränkungen konfrontiert sind, wodurch es für sie fast unmöglich ist, öffentliche Gottesdienste zu feiern.

Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019, erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums, heißt es:

  • Zu den schiitischen Muslimen: „[...] die Weigerung der Regierung, schiitische muslimische Gruppen als Verband registrieren zu lassen, hinderte diese Gruppen weiterhin daran, sich legal zur öffentlichen Religionsausübung zu versammeln. Es waren keine schiitischen Moscheen bekannt. Vertreter der Schiiten berichteten, dass sie im Laufe des Jahres keine Versuche unternommen hätten, sich registrieren zu lassen, weil sie befürchteten, von den Sicherheitskräften schikaniert zu werden, wie es in den Vorjahren der Fall gewesen war. [...] es gab in der Presse und bei Freitagspredigten weiterhin gesellschaftliche Anfeindungen gegen Schiiten und den schiitischen Glauben. Schiiten berichteten, dass sie das Aschura-Fest im Privaten feierten, um gesellschaftliche Schikanen zu vermeiden. Schiitische Muslime sagten, dass viele es vermieden, ihre Religionszugehörigkeit in Gegenden preiszugeben, in denen sie zahlenmäßig unterlegen seien.“
  • Zu den Bahai: „Im Gegensatz zu den Vorjahren gaben die Leiter der Bahai an, dass sie im Laufe des Jahres keine Schikanen erlebt hätten. Angehörige des Bahai-Glaubens sagten, dass sie mit Familie, Freunden und Nachbarn offen über ihren Glauben sprechen würden.“ Ein einheimischer Menschenrechtsaktivist berichtete jedoch, dass mehrere Anhänger der Bahai von der Polizei verhört worden seien, ihre Leiter sich jedoch nicht für sie einsetzten und ihnen keine Unterstützung anbieten würden.
  • Zum Judentum: „Jüdische Bürger gaben an, dass sie nach wie vor in Sicherheit lebten und die Gottesdienste in den Synagogen besuchen könnten. Sie sagten, dass sie in der Lage seien, regelmäßig religiöse Einrichtungen zu besuchen und jährliche Gedenkfeiern abzuhalten. Mehrere jüdische Bürger berichteten jedoch von einer gefühlten Zunahme gesellschaftlicher Intoleranz, insbesondere wenn die Nachrichtenmedien ausführlich über israelisch-palästinensische Themen berichteten.“

Atheisten und Atheismus werden sowohl von der Gesellschaft als auch von der Regierung verdrängt. Mehrere bekennende Atheisten haben in der jüngsten Vergangenheit Todesdrohungen erhalten und wurden von der Regierung schikaniert. Im Mai 2020 wurde ein marokkanischer Schauspieler unter dem Vorwurf der Blasphemie verhaftet und zu einer Geldstrafe verurteilt, nachdem er den Islam in einem Beitrag auf Social Media verspottet hatte. Der „Freedom of Thought Report“ der Nichtregierungsorganisation „Humanists International“ gibt an, dass ein marokkanisches Gericht im Juli 2020 eine 6-monatige Gefängnisstrafe für Mohammad Awatif Kachchach wegen „Beleidigung des Islam“ bestätigt hat, nachdem er eine satirische Karikatur verbreitet hatte.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Marokko:

  • Die Christen in Marokko sind über das ganze Land verstreut und kennen einander nicht gut. Beten Sie um Möglichkeiten zur Gemeinschaft und für Einheit in der marokkanischen Gemeinde.
  • Beten Sie für die Kinder in den örtlichen Schulen. Der Islam wird in der Schule in vielen verschiedenen Fächern unterrichtet. Bei christlichen Kindern führt das zu Verwirrungen. Beten Sie, dass sie die Wahrheit erkennen.
  • Beten Sie für Christen, die in der Sozialarbeit tätig sind. Sie sind ein großartiges Beispiel dafür, sich um die Schwachen in der Gesellschaft zu kümmern und ein Zeugnis in der Gesellschaft zu sein.
  • Beten Sie für Christen mit muslimischem Hintergrund in Marokko, dass sie vor Verfolgung durch ihre Familien bewahrt werden, und Jesus ihren Angehörigen begegnet.