Länderprofil Mauretanien

Mauretanien

25
Weltverfolgungsindex
2019
Mauretanien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
47
ISO
MR
Karte Mauretanien
Christen
0,01
Bevölkerung
4.54
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.900
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 12.200
Leben im Staat: 13.000
Kirchliches Leben: 13.300
Auftreten von Gewalt: 0.600

Länderprofil Mauretanien

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 25 / 67 Punkte (WVI 2018: Platz 47 / 57 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Der Islamismus ist die vorherrschende politische Ideologie im Land. Nichtmuslime erleben Einschüchterung und Verfolgung, insbesondere seitens islamischer Gruppierungen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Korruption ist auf allen Ebenen vorhanden und es gibt keine demokratische Kultur, welche die Rechte der Bürger respektiert.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Es werden Versuche unternommen, Christen muslimischer Herkunft zur Einhaltung der Stammestraditionen, die von islamischen Werten geprägt sind, zu zwingen (beispielsweise in Bezug auf Familien- und Stammesehre).

Diktatorische Paranoia: Die derzeitige Regierung ist entschlossen, an der Macht zu bleiben, und versucht, ihre Legitimität bei islamischen Gruppen zu untermauern, indem sie Christen verfolgt und finanzielle Mittel für wahhabitische und andere extremistische islamische Bewegungen zur Verfügung stellt.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Der Einfluss der extremistisch-islamischen Ideologie nimmt zu. Dazu gehören Maßnahmen der Regierung, die momentan ruhenden Scharia-Gesetze umzusetzen. Extremistische islamische Prediger tragen in einem hohen Maß zur Radikalisierung der Gesellschaft bei und schüren Hass auf Nichtmuslime. Der Druck durch Familie und Gesellschaft ist besonders massiv für Christen mit muslimischem Hintergrund. Christen sind auch mit der Gefahr von Anschlägen durch militante Gruppen wie „Al Kaida im Maghreb“ konfrontiert.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Gemeinsam Gott anzubeten, ist besonders schwierig angesichts der restriktiven Umgebung, die es für Christen (insbesondere für Christen muslimischer Herkunft) unmöglich macht, sich offen zu treffen und Gottesdienste zu feiern. Jegliche Glaubensäußerung seitens nichtmauretanischer Christen (beispielsweise Migranten aus Afrika südlich der Sahara oder Entwicklungshelfer) birgt die Gefahr, als versuchte Missionierung aufgefasst zu werden, was zu einer Anklage führen kann.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Taufen können nur im Geheimen durchgeführt werden, und viele Christen muslimischer Herkunft zögern, sich taufen zu lassen, weil sie fürchten, entdeckt und wegen Apostasie angeklagt zu werden.
  • Während die Katholische Kirche die Erlaubnis hat, die Innenräume von Kirchen zu renovieren, ist die Renovierung der Außenseite sowie der Bau von Kirchen anderer Denominationen verboten.
  • Alle Kirchen einschließlich der Katholischen Kirche müssen bei ihrem Dienst vorsichtig sein, um Beschuldigungen wegen Missionierung zu vermeiden.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mauretaniens Punktzahl stieg von 57 Punkten im Weltverfolgungsindex 2018 auf 67 Punkte im Weltverfolgungsindex 2019. Zu dem Anstieg der Punktzahl hat neben einer Zunahme der Verfolgung, welche etwa durch die Verschärfung des Blasphemie- und des Apostasiegesetzes sichtbar wird, auch die Verfügbarkeit von mehr Informationen geführt. Daneben ist Mauretaniens Punktzahl im Bereich Gewalt von 0 auf 0,5 Punkte gestiegen. Jedoch kann diese geringe Punktzahl darauf zurückzuführen sein, dass nicht alle Übergriffe gemeldet wurden.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Dies ist die bedeutendste Triebkraft der Verfolgung, die in Mauretanien wirksam ist. Mauretanien ist eine selbsternannte Islamische Republik und der Islamismus ist die vorherrschende politische Ideologie im Land. Nichtmuslime erleben Einschüchterung und Verfolgung, insbesondere seitens islamischer Gruppierungen. Eine große Zahl von Mauretaniern hat sich islamischen Milizen angeschlossen, sowohl in Nordafrika, als auch in Syrien und dem Irak. Während die Regierung auf der einen Seite versucht, islamische Milizen zu bekämpfen, stellt sie auf der anderen Seite finanzielle Mittel für Wahhabiten und andere extremistische islamische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft zur Verfügung.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Spannungen zwischen Stämmen und Ethnien sind in dieses sehr konservative und traditionelle Land eingeflochten, in dem Urbanisierung eine relativ neue Erscheinung ist. Wenn ein Muslim Christ wird, macht er oder sie sich nicht nur Sorgen über Druck durch die Familie und die Regierung, sondern auch seitens der Stammes- und Volksgruppe kann diese Entscheidung als Schande empfunden werden und Verfolgung nach sich ziehen. Das Thema Sklaverei, welches mit der ethnischen Herkunft verknüpft ist, hat in Mauretanien ebenfalls zur Verfolgung beigetragen, da die Befürworter der Sklaverei argumentieren, dass diese vom Islam erlaubt werde. Die Kampagne gegen Sklaverei hat eine feindliche Reaktion der Islamisten im Land provoziert.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Stammeszugehörigkeit und religiöse und/oder persönliche Beziehungen sind in der Gesellschaft Mauretaniens sehr wichtig. Vetternwirtschaft, Klientelwesen und andere Formen von Korruption sind weitverbreitet, auch in der Regierung. Anti-Korruptions-Kampagnen haben sich bislang lediglich auf weniger bedeutende Personen konzentriert. Journalisten, die spezielle Fälle von Korruption durch staatliche Behörden oder Firmen in Staatsbesitz untersucht haben, wurden eingeschüchtert, verhaftet und wegen Verleumdung angeklagt. Mächtige Personen mit Verbindungen zur Armee und dem Präsidenten können sich selbst bereichern und straflos agieren.

Diktatorische Paranoia

Die derzeitige Regierung ist entschlossen, an der Macht zu bleiben, und versucht, ihre Legitimität bei islamischen Gruppen zu untermauern, indem sie Christen verfolgt.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Der Staat und Regierungsbeamte gehören zu den bedeutendsten Verfolgern, da der Staat den Islam zu seiner Ideologie gemacht hat. Darüber hinaus spielen auch extremistische Imame und islamische Lehrer eine entscheidende Rolle, indem sie Vorurteile und Hass gegen Christen schüren. Gewöhnliche Bürger, die durch die Lehren solcher Imame beeinflusst sind, können ebenfalls als durch diese Triebkraft motivierte Verfolger betrachtet werden.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Während in Mauretanien Sklaverei verbreitet ist und eine Art Kastensystem vorherrscht, wird die gegenwärtige Lage durch die Religion verschärft und mit ihr vermischt. Die Ansichten extremistischer islamischer Prediger werden auch von Stammesführern unterstützt. Infolgedessen gehören in Mauretanien auch Stammesführer, welche die ethnische Hierarchie und Gesellschaftsordnung aufrechterhalten wollen, zu den Verfolgern.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Regierungsbeamte und Menschen in einflussreichen Positionen nutzen das System, um sich selbst zu bereichern. Das organisierte Verbrechen und die Rolle der Regierung sind manchmal schwer zu unterscheiden. Aber zusammen kontrollieren sie den größten Teil der Wirtschaft, verbreiten im Land ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und erhalten ein hohes Maß an Armut aufrecht. Diese Armut und die vorherrschende Korruption tragen insofern zur Verfolgung bei, als es keine Rechtsstaatlichkeit gibt und Christen wenig Hoffnung auf eine feste Anstellung haben, um ein ehrliches Einkommen zu verdienen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Regierung versucht um jeden Preis, an der Macht zu bleiben, selbst wenn das bedeutet, extremistischen Muslimen entgegenzukommen, indem man Christen verfolgt. Das verschärfte Apostasiegesetz ist ein klares Beispiel für dieses Muster.

4. Hintergrund

Mauretanien wird seit über 30 Jahren vom Militär beherrscht, mit nur einer kurzen demokratischen Unterbrechung im Jahr 2007. Versprechungen, die Demokratie im Land wiedereinzuführen, wurden nur in Form von manipulierten Wahlen umgesetzt. Die politische Situation Mauretaniens wurde von aufeinanderfolgenden Staatsstreichen geprägt und die Streitkräfte sind die beherrschende politische Institution des Landes. Der Staat ist formell eine Mehrparteiendemokratie, doch sein Parlament wird vollkommen von der herrschenden Partei dominiert. Es gibt mehrere islamistische Gruppen, die auf der politischen Bühne des Landes aktiv sind, und der Islamismus ist die vorherrschende politische Ideologie. Auch Ethnizität ist ein bedeutender Faktor in der Politik Mauretaniens. Die ethnisch-afrikanischen Bevölkerungsgruppen in den südlichen Landesteilen fühlen sich benachteiligt, da sie von den arabisch-berberischen Volksgruppen des Nordens marginalisiert werden.

Mauretanien ist eines der ärmsten Länder der Welt. Ein Drittel der Kinder ist unterernährt. Selbst wenn es genug Nahrungsmittel gibt, sind sie oftmals zu teuer für viele Familien. Nur 4% des Landes ist urbar und das reicht kaum, um Nahrungsmittelsicherheit und Selbstversorgung zu gewährleisten. Zwar führte das Eingehen der Regierung auf die Maßnahmen der Weltbank zur wirtschaftlichen Liberalisierung zu einem gewissen Wirtschaftswachstum, doch zog dieses Wachstum für die meisten Mauretanier keine Verbesserung ihrer Lebensumstände nach sich. In diesem ausgedehnten, trockenen Land mit hauptsächlich nomadischer Bevölkerung war der Staat bislang nicht in der Lage, seine Präsenz im ganzen Land sicherzustellen. Informelle Institutionen wie Familien- und Stammesbindungen oder persönliche Beziehungen scheinen einflussreicher zu sein als der Staat. Dies erweist sich darin, dass im Land immer noch die Sklaverei fortbesteht, trotz aller Anstrengungen der Regierung, diese Praxis zu beenden.

„Al Kaida im islamischen Maghreb“ (AQIM) war für die Regierung Mauretaniens seit 2005 eine Herausforderung. Die Armee hat die Gruppierung jedoch recht erfolgreich bekämpft. Es besteht eine wirkliche Gefahr, dass Mauretanien sich radikalisiert, da die Sympathien für einen extremistischen Islam wachsen. Verschiedene islamistische Gruppen versuchen, aus der im Volk verbreiteten Ablehnung der korrupten politischen Elite und dem Ärger darüber, dass die Regierung den Demokratisierungsprozess abgebrochen hat, Kapital zu schlagen. Wenn der Arabische Frühling in Mauretanien auch nicht die gleiche Wirkung hatte wie in vielen anderen Ländern der Region, so gab es 2016 doch einige zuvor nie da gewesene Proteste, die von der islamistischen Partei organisiert wurden. Ihr Ziel war, ein Ende der Zusammenarbeit zwischen mauretanischen und französischen Streitkräften im Kampf gegen AQIM zu erzwingen. Es gab auch Proteste in Bezug auf sozioökonomische Probleme wie die enormen Lebenshaltungskosten und die Diskriminierung ethnisch-afrikanischer Minderheiten – dies alles zusätzlich zu den ernsthaften Spannungen und der politischen Instabilität, die seit einigen Jahren bestehen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen

Römisch-katholische Christen aus dem Afrika südlich der Sahara machen die größte Gruppe aus, gefolgt von Protestanten und Evangelikalen, ebenfalls aus Ländern südlich von Mauretanien. Es gibt auch eine kleine Zahl von Christen aus westlichen Ländern, doch sie machen nur einen sehr kleinen Teil der christlichen Bevölkerung des Landes aus. Ethnisch-afrikanische Christen führen eine prekäre Existenz im Land, da sie rassistischen Vorurteilen ausgesetzt, und zusätzlich mit Verfolgung im Zusammenhang mit dem wachsenden Islamismus im Land konfrontiert sind.

Christen muslimischer Herkunft

Konvertiten zum christlichen Glauben, die einen muslimischen Hintergrund haben, sind der Verfolgung am stärksten ausgesetzt. Sie erfahren enorm viel Druck durch ihre Familie und Großfamilie. In dieser nomadischen Gesellschaft, in der gegenseitige Abhängigkeit innerhalb der Großfamilie und des Gemeinwesens herrschen und für das Überleben des Einzelnen notwendig sind, ist es für christliche Konvertiten eine enorme Herausforderung, ihren christlichen Glauben verborgen zu halten. Der Hass und die verleumderischen Klischees, die von islamischen Gruppierungen in Bezug auf Christen verbreitet werden, betreffen die meisten Christen muslimischer Herkunft. Sie verlieren nicht nur ihre Stellung in der Gesellschaft, sondern auch ihr Bürgerrecht, wenn ihre Hinwendung zum christlichen Glauben öffentlich bekannt wird.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.9
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 12.2
Leben im Staat 13
Kirchliches Leben 13.3
Auftreten von Gewalt 0.6

Grafik: Verfolgungsmuster Mauretanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 11,4 Punkten im vergangenen Jahr auf 13,3 Punkte. Grund für diesen Anstieg ist die Zunahme des Drucks in allen Lebensbereichen, was an der Verschärfung der Blasphemie- und Apostasiegesetze deutlich wird. Zugleich sind mehr Informationen verfügbar, was ebenfalls zu der höheren Wertung beiträgt.
  • Obwohl alle Lebensbereiche ein sehr hohes oder extremes Maß an Druck aufweisen, ist die Verfolgung im Privatleben und im Familienleben am höchsten. Dies zeigt, mit welch enormem Druck Christen muslimischer Herkunft umgehen müssen. In der Stammesgesellschaft Mauretaniens den Islam zu verlassen, bedeutet nicht nur Verrat an der Religion, sondern auch am Stamm und an der Familie. Verständlicherweise gibt es in solch einer Kultur keinen Platz für Taufen oder christliche Hochzeiten oder Beerdigungen.
  • Die Wertung für den Bereich Gewalt stieg von 0 Punkten 2018 auf 0,5 Punkte für den aktuellen Berichtszeitraum. Jedoch ist diese Punktzahl wahrscheinlich zu niedrig, da es schwierig ist, Berichte von Übergriffen aus dem Land zu bekommen.

Privatleben

Nichtmauretanische Christen, die bereits einen christlichen Hintergrund haben, genießen relative Freiheit, ihren Glauben privat zu leben. Einheimischen Christen muslimischer Herkunft dagegen droht schwere Verfolgung, wenn entdeckt wird, dass sie privat ihren christlichen Glauben leben und somit ihr Glaubenswechsel bekannt wird. Der Besitz christlicher Materialien und jegliche Äußerungen ihres christlichen Glaubens können eine feindselige Reaktion von Mitgliedern ihrer direkten Familie oder der Gesellschaft zur Folge haben. Dies gilt besonders für christliche Konvertiten, die außerhalb der Hauptstadt leben. Die Abwendung vom Islam ist gesetzlich verboten und jedwede Ansichten, die als Kritik gegenüber dem Islam wahrgenommen werden, können nach dem Gesetz mit der Todesstrafe belegt werden. Zwar wurde dieses Gesetz bisher nicht angewendet, doch es bleibt für Christen mit muslimischem Hintergrund eine große Bedrohung.

Familienleben

Für christliche Eltern ist es schwierig, ihre Kinder gemäß ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen. Dies ist sowohl für einheimische Konvertiten, als auch für ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara ein Problem. Kinder christlicher Eltern müssen in der Schule Islamunterricht belegen und es ist wahrscheinlich, dass sie von ihren Mitschülern diskriminiert und schikaniert werden. Solche Schikanen sind auch rassistisch gefärbt. Für Christen muslimischer Herkunft ist es auch sehr schwierig, wichtige Ereignisse in ihrem Leben auf christliche Weise zu feiern. Sie werden häufig gedrängt, an islamischen Riten teilzunehmen. Ausländische Christen haben in dieser Hinsicht relative Freiheit (im Vergleich zu einheimischen Konvertiten), da sie Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen nach christlichem Brauch durchführen können.

Gesellschaftliches Leben

Christen mit muslimischem Hintergrund werden vielfach von den Vorteilen des Gemeinschaftslebens ausgeschlossen, welche in Mauretanien überlebenswichtig sind, besonders in ländlichen Gebieten. Christlichen Konvertiten wird verschiedentlich die Hilfe und Zusammenarbeit seitens der Gemeinschaft verweigert. Sie werden auch von gemeinschaftlich genutzten Ressourcen und Foren ausgeschlossen. Diese Situation verschlimmert sich, wenn sie mit der rassistischen Diskriminierung einhergeht, die im Land tief verwurzelt ist. In dieser Hinsicht sind Kinder von Arbeitsmigranten am meisten betroffen, da ihnen der Zugang zu einigen Schulen verwehrt wird. Weil der einheimische Unterricht meist sehr islamisch ausgerichtet ist, sind Kinder von Christen muslimischer Herkunft darüber hinaus ohnehin grundsätzlich im Nachteil, wenn sie ihren Glauben zu erkennen geben. Sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch christliche Migranten leiden auch unter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz. Diese Verfolgung wird durch „Ethnisch begründete Anfeindungen“ und Vorurteile verschlimmert.

Leben im Staat

Obwohl Mauretanien bedeutende internationale Menschenrechtsvereinbarungen unterzeichnet hat, die Religionsfreiheit einschließen, hat es immer noch ein Strafrecht, das für Apostasie (Abfall vom Islam) die Todesstrafe vorsieht. Der Staat erkennt Christen muslimischer Herkunft nicht an, die es wagen, ihren Glaubenswechsel bekannt zu machen, und duldet sie kaum. Jeder, der für die Regierung arbeitet, muss sich zum Islam bekennen und an staatlichen religiösen Feierlichkeiten teilnehmen. Christliche Einwanderer sind regelmäßig offener Benachteiligung ausgesetzt. In jüngerer Zeit gab es eine massive Kampagne gegen Einwanderung. Diese rassistischen und fremdenfeindlichen Angriffe schließen oftmals auch christenfeindliche Themen ein. Die allgemeine Atmosphäre auf landesweiter Ebene zwingt viele Christen muslimischer Herkunft, ihren Glauben geheim zu halten. Es ist geradezu unmöglich für Christen, als solche sichtbar zu sein und offen an staatlichen Angelegenheiten teilzunehmen.

Kirchliches Leben

Christen muslimischer Herkunft müssen fürchten, überwacht zu werden, und sich im Geheimen versammeln. Ausländische Christen dürfen sich nur in bestimmten öffentlichen Gottesdiensträumen treffen. Dennoch kommen Christen häufig auch in Privaträumen zusammen. Diese Treffen werden nicht verhindert, außer wenn Musik und Verkündigung laut sind und Aufmerksamkeit erregen. Aufgrund des Erbes der französischen Kolonialherrschaft ist nur die Römisch-Katholische Kirche gesetzlich anerkannt. Allen anderen Formen des christlichen Glaubens wird jegliche gesetzliche Anerkennung verweigert. Doch die Katholische Kirche erlaubt evangelikalen Christen in der Diözese Nouakchott, einen Raum auf dem Gelände der Hauptkirche für Gottesdienste zu nutzen. Jeder weiß, dass keine öffentlichen christlichen Aktivitäten außerhalb des sehr begrenzten Kirchengeländes erlaubt sind. Mit Ausnahme sehr weniger Ereignisse, wie des Ostermorgengottesdienstes außerhalb der Stadt, gibt es keine bekannten Gemeindeveranstaltungen außerhalb der Kirchenmauern. Folglich ist die Kirche in Mauretanien gezwungen, unsichtbar zu sein und im Verborgenen zu wirken.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen bleibt weiterhin sehr niedrig. Hierfür gibt es zwei Gründe: Erstens wissen alle Konvertiten zum christlichen Glauben, welche Konsequenzen es hat, wenn ihr Glaube entdeckt wird. Das Gleiche gilt auch für andere Christen, wenn sie nicht sehr vorsichtig sind (und beispielsweise darauf verzichten, zu evangelisieren). Insofern vermeiden Christen, Opfer von Gewalt zu werden, indem sie sich bedeckt halten. Zweitens ist Mauretanien ein verschlossenes Land. Während Christen muslimischer Herkunft in Mauretanien sehr wahrscheinlich gewaltsame Verfolgung durch Mitglieder ihrer eigenen (Groß-)Familie, durch Nachbarn und die Gesellschaft insgesamt erleiden, ist es schwierig, bestätigte Berichte über solche Vorfälle aus dem Land zu bekommen.

Beispiele dazu im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Innerhalb der Stammesgesellschaft sind Frauen der Autorität ihrer Väter und Ehemänner untergeordnet. Wenn sie den Islam verlassen, bedeutet dies, dass sie diese nicht achten und die Familienehre verletzen. Dies wird ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen, zumal die meisten Frauen und Mädchen (finanziell) völlig von ihren Familien abhängig sind. Grundsätzlich ist es sehr einfach, sich von einer Frau scheiden zu lassen, und Polygamie wird immer noch praktiziert. Verheiratete Frauen, die sich vom Islam abgewandt und den christlichen Glauben angenommen haben, können leicht verstoßen werden und haben dann keine Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Im Allgemeinen haben Frauen keine Wahl in der Ehe. Unverheiratete Christinnen muslimischer Herkunft können zu einer Ehe mit einem Muslim gezwungen werden, damit sie unter dem Einfluss einer islamischen Familie bleiben. Ihnen drohen auch sexueller Missbrauch und Belästigung.

Männer

Wenn die Regierung die Entwicklungen der letzten Jahre, dass ethnische Afrikaner vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden und Arbeitsmigranten große Geldsummen zahlen müssen, um im Land zu bleiben, nicht umkehrt, werden viele Christen aus Afrika südlich der Sahara gezwungen sein, Mauretanien zu verlassen oder unter sehr schwierigen Umständen leben müssen. Das ist ein großes Thema in Bezug auf Rassismus und Menschenrechte, betrifft aber auch das Thema Christenverfolgung, da viele Christen in Mauretanien ethnische Afrikaner und nicht arabischer Herkunft sind.

Männer, die den Islam verlassen haben und Christen geworden sind, bringen damit Schande über ihre (Groß-)Familie und werden höchstwahrscheinlich verstoßen, womit sie auch Respekt und Status in der Gesellschaft vollkommen verlieren. Sie können auch körperlich misshandelt werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Abgesehen von der christlichen Minderheit gibt es in Mauretanien auch eine sehr kleine aber wachsende Minderheit schiitischer Muslime. Während die Regierung gute Verbindungen mit dem Iran pflegt und diese Religionsgruppe nicht behelligt, brandmarken sunnitische religiöse Leiter diese Minderheit und fordern restriktive Maßnahmen gegen Schiiten. Gemäß dem Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit 2017 des US-Außenministeriums zu Mauretanien „wiederholte während des jährlichen Opferfestes Imam Ahmedou Ould Lemrabott Ould Habibou Rahman, der Imam der Großen Moschee von Nouakchott, am 1. September erneut seine Warnung vor der in seinen Worten ‚sich ausbreitenden und wachsenden Bedrohung durch den schiitischen Islam im Land‘. Der Imam erklärte auch zum zweiten Mal in Folge, dass die Regierungsbehörden die Beziehungen zum Iran abbrechen sollten, um die Ausbreitung des iranischen schiitischen Islam zu stoppen.“

9. Ausblick

Politischer Ausblick

Das Fehlen jedweder starker Institutionen und demokratischer Kultur, welche die Rechte der Bürger respektieren, bedeutet, dass die Chancen auf irgendeine Verbesserung der Situation für Christen sehr gering sind. Die Unruhe und die politische Instabilität, welche die Geschichte des Landes kennzeichnen, lassen nichts Gutes für die Zukunft ahnen. Die Armut des Landes sowie die zunehmende Spaltung angesichts des Themas Sklaverei könnten die Lage verschärfen. Die Instabilität in der Region (besonders in Nachbarländern wie Mali), die durch das Aufkommen islamischer Milizen wie AQIM angeheizt wird, ist ebenfalls Anlass zur Sorge um die Zukunft für die Christen in Mauretanien.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Die „Islamische Unterdrückung“ wird wahrscheinlich die Haupttriebkraft der Verfolgung in Mauretanien bleiben. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich dies in naher Zukunft verbessern könnte. Die Verschärfung des Blasphemiegesetzes legt eher eine Verschlechterung nahe, obwohl sie in der Praxis wahrscheinlich keine Änderung der Situation bringen wird. Der Einfluss extremistisch-islamischer Gruppen wächst, was die Situation langfristig ernsthaft verschlimmern könnte.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Obwohl die Urbanisierung, das Internet und soziale Medien Veränderungen gebracht haben, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Einstellungen der Stämme bald verändern werden. Rassismus und Ethnisch begründete Anfeindungen werden höchstwahrscheinlich fortbestehen, insbesondere da die Regierung nunmehr aktiv auf eine Arabisierung der Arbeitnehmerschaft hinarbeitet.

Mit Hinblick auf Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die Kirche der Arbeitsmigranten befindet sich in einer Krise. Neue Gesetze machen es schwer, im Land zu bleiben; nur wenige christliche Migranten können Arbeit finden. Auch haben wenige von ihnen die notwendigen Ressourcen, um legal im Land zu bleiben. Manche haben entschieden, zu bleiben und besondere Schmiergelder zu bezahlen, während sich andere entschlossen haben, das Land zu verlassen.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die derzeitige Regierung ist entschlossen, an der Macht zu bleiben, und versucht, ihre Legitimität bei islamischen Gruppen zu untermauern, indem sie Christen verfolgt. Es ist unwahrscheinlich, dass sich diese Einstellung ändert.

Schlussfolgerung

Insgesamt deutet sich an, dass Christen wahrscheinlich in Zukunft noch stärker verfolgt werden. Die Lage für Christen muslimischer Herkunft wird sich nicht verbessern, während Migranten aus Afrika südlich der Sahara durch die Arabisierung der Arbeitnehmerschaft dazu gezwungen werden könnten, das Land zu verlassen. Die kleine Zahl der Christen wird höchstwahrscheinlich in den nächsten Jahren klein bleiben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mauretanien:

  • Beten Sie für die Kirche in Mauretanien um geistliches Wachstum und Reife. Beten Sie, dass die Christen ihr Vertrauen wirklich und allein auf Jesus Christus setzen.
  • Beten Sie für die Christen Mauretaniens, die nicht lesen und schreiben können – viele von ihnen Frauen – und daher in ihrem Zugang zur Bibel begrenzt sind. Beten Sie um kreative neue Wege, ihnen das Wort Gottes bringen zu können.
  • Beten Sie für neue Geschäftsinitiativen in Mauretanien, die Christen finanziell helfen und auch zur Förderung ihres geistlichen Wachstums beitragen.
  • Beten Sie weiterhin um Versöhnung zwischen den Ethnien in einem tief gespaltenen Land und in einer angespannten Zeit. Beten Sie um eine Veränderung der ungerechten Strukturen und Einstellungen, die Gruppen und Stämme gegeneinander aufrechterhalten. Bitte beten Sie um Vergebung, die notwendig ist, um mit einer schwierigen Vergangenheit umzugehen.

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