Länderprofil Mauretanien

Mauretanien

23
Weltverfolgungsindex
2022
Mauretanien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
20
Karte Mauretanien
Christen
0,01
Bevölkerung
4.91
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.300
Familienleben: 13.900
Gesellschaftliches Leben: 13.100
Leben im Staat: 14.000
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 0.900

Länderprofil Mauretanien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 23 / 70 Punkte (WVI 2021: Platz 20 / 71 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft stoßen in ihren eigenen Familien und in der Gesellschaft auf heftigen Widerstand. Dieses restriktive Umfeld macht es ihnen unmöglich, öffentlich Gottesdienste abzuhalten. Jede öffentliche Glaubensbekundung von nichtmauretanischen Christen, einschließlich von Migranten aus Subsahara-Afrika und Asien, birgt zudem die Gefahr, als versuchte Missionierung von Muslimen verstanden zu werden, und kann zu Verhaftung und Ausweisung führen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Obwohl Mauretanien reich an Bodenschätzen ist, ist das Land eines der ärmsten der Welt. Die Kultur ist im Kern traditionell und stammesbezogen. Die fortgesetzte Praxis der Sklaverei ist eine der Hauptursachen für die gesellschaftliche Spaltung und soziale Verbitterung zwischen der Gruppe der „Bidhan“ und der Gruppe der „Haratin“ – letztere sind die Nachfahren der Sklaven und müssen oftmals immer noch unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten; dagegen liegt nahezu die gesamte politische und wirtschaftliche Macht in den Händen der Bidhan, was bedeutet, dass die Mehrheit der Gesellschaft (etwa 70 Prozent) stark marginalisiert bleibt. Gewalttätige islamistische Kämpfer sind vor allem in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv. Entführungen durch militante oder andere kriminelle Gruppen stellen im ganzen Land ein Risiko dar, insbesondere für Ausländer.

Der vollständige Name des Landes lautet Islamische Republik Mauretanien. Die meisten Mauretanier sind sunnitische Muslime. Der Einfluss islamisch-extremistischer Gruppen wird immer stärker. Der christliche Glaube wird als verwerflicher westlicher Einfluss betrachtet, und die Feindseligkeit der Regierung gegenüber Christen, insbesondere Konvertiten, ist groß. Theoretisch wird das Verlassen des Islam mit der Todesstrafe geahndet, allerdings sind in den letzten Jahren keine Fälle bekannt geworden, in denen dies umgesetzt wurde.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

10.900

0,2

Muslime

4.873.000

99,3

Anhänger ethnischer Religionen

18.800

0,4

Bahai

460

0,0

Atheisten

420

0,0

Agnostiker

4.600

0,1

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die Stammes- und Familienbeziehungen sind in ländlichen Gebieten besonders eng, aber selbst in der Hauptstadt Nouakchott kann der Druck auf Christen hoch sein. Im Allgemeinen ist der Druck in der südlichen Grenzregion zum Senegal geringer. Gewaltbereite islamisch-extremistische Gruppen wie „al-Qaida im Maghreb“ (AQIM) und die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO) sind besonders in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Nichtmuslime erleben Druck und Verfolgung vor allem durch die Gesellschaft und islamistische Gruppen. Eine große Anzahl von Mauretaniern hat sich gewalttätigen islamistischen Gruppen sowohl in Nordafrika als auch in Syrien und im Irak angeschlossen. Während die Regierung versucht, Extremismus und islamistische Militanz zu bekämpfen, hat sie 2018 gleichzeitig das Gesetz zur Apostasie und Blasphemie verschärft. Christen muslimischer Herkunft erleiden den meisten Druck und die meiste Verfolgung durch ihre eigenen Familien und ihr soziales Umfeld.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Spannungen aufgrund von Stammesdenken und von Rassismus sind in diesem sehr konservativen Land eng miteinander verwoben. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird als „Schande“ für die Gesellschaft angesehen und führt zu Schikanen oder Gewalt. Sklaverei existiert weiterhin und ist sowohl mit der ethnischen Zugehörigkeit als auch mit der Religion verbunden. Eine Kampagne gegen Sklaverei hat feindselige Reaktionen von Islamisten im Land ausgelöst. Christen aus Subsahara-Afrika, die im Land leben, sind einer Mischung aus religiöser und rassistischer Diskriminierung ausgesetzt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Stammeszugehörigkeit sowie religiöse und persönliche Beziehungen sind in der mauretanischen Gesellschaft sehr wichtig. Vetternwirtschaft, Klientelismus und andere Formen der Korruption sind weitverbreitet; kriminelle Netzwerke kontrollieren den größten Teil der Wirtschaft. Journalisten, die über Korruption im Zusammenhang mit staatlichen Behörden recherchieren, werden häufig eingeschüchtert, inhaftiert und der Verleumdung beschuldigt. In einem solchen Klima haben Christen kaum eine Chance auf einen festen Arbeitsplatz oder ein ehrliches Einkommen.

Diktatorische Paranoia

Mauretaniens Regierung kämpft um Stabilität und Legitimität. Daher wird die Reduzierung scheinbar „christianisierender Einflüsse“ oft als politisches Mittel eingesetzt, um die Macht der Regierung zu stützen und ihre Popularität zu steigern. Der christliche Glaube wird häufig mit Verwestlichung und Kolonialismus gleichgesetzt und von der Regierung als ausländische Bedrohung angesehen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die größte Gruppe bilden römisch-katholische Arbeitsmigranten aus Afrika südlich der Sahara, gefolgt von Protestanten und Evangelikalen, ebenfalls aus Ländern südlich von Mauretanien. Es gibt auch eine geringe Zahl von Christen aus westlichen Ländern. Afrikanische Christen, die als Arbeitsmigranten ins Land gekommen sind, führen aufgrund ethnischer Vorurteile und des Drucks durch den islamischen Extremismus im Land ein unsicheres Dasein.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten mit muslimischem Hintergrund sind sehr stark gezieltem Druck und Gewalt durch islamistische Gruppen, die eigene (Groß-)Familie und ihr soziales Umfeld ausgesetzt. In dieser nomadischen Gesellschaft ist gemeinschaftlicher Zusammenhalt überlebenswichtig. Christliche Konvertiten verlieren ihren Status in ihrer Gemeinschaft, wenn ihr Glaubenswechsel öffentlich bekannt wird, weshalb die meisten versuchen, ihren Glauben zu verbergen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.3
Familienleben 13.9
Gesellschaftliches Leben 13.1
Leben im Staat 14
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 0.9

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Für Christen ist es meistens riskant, ihren Glauben zu offenbaren. Ausländische Christen, insbesondere aus Subsahara-Afrika, werden wahrscheinlich diskriminiert und beschimpft, sollten sie öffentlich als Christen erkannt werden. Auch werden sie mitunter der Missionierung bezichtigt. Taufen können nur im Geheimen durchgeführt werden. Viele Christen muslimischer Herkunft zögern, sich taufen zu lassen, da sie fürchten, entdeckt zu werden. Das könnte bedeuten, dass gegen sie Anklage wegen Apostasie erhoben wird. Der Glaubenswechsel weg vom Islam ist gesetzlich verboten, und wer als kritisch gegenüber dem Islam wahrgenommen wird, riskiert die Todesstrafe. Obwohl dieses Gesetz weitgehend symbolisch ist, bleibt es dennoch eine bedeutende Bedrohung für Christen mit muslimischem Hintergrund.

Familienleben

Alle Mauretanier und ihre Kinder werden als Muslime betrachtet und automatisch als solche registriert. Christliche Kinder an öffentlichen Schulen müssen den islamischen Unterricht besuchen und sind dort mit Diskriminierung und Schikanen konfrontiert. Die Hinwendung zum christlichen Glauben ist in Mauretanien ein Scheidungsgrund, und der Elternteil, dessen Glaubenswechsel bekannt wird, kann das Sorgerecht für seine Kinder verlieren.

Gesellschaftliches Leben

Es gibt einen extremen Druck des sozialen Umfelds gegen alle, die nicht dem sunnitischen Islam folgen. Dieser Druck kann in Form von Ächtung, sozialer Diskriminierung, wirtschaftlicher Ausgrenzung oder sogar Gewalt erfolgen. Hinzu kommt, dass die mauretanische Gesellschaft entlang ethnischer Trennlinien gespalten ist und die Wirtschaft und Regierung von Korruption und Klientelismus geprägt sind. Ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden sowohl wegen ihrer Hautfarbe als auch wegen ihres Glaubens diskriminiert.

Leben im Staat

Das mauretanische Strafrecht sieht die Todesstrafe für Apostasie und Blasphemie vor. Christen müssen sorgfältig darauf achten, dass ihre Worte nicht als Kritik am Islam oder an der Regierung ausgelegt werden.

Kirchliches Leben

Als Teil des Erbes französischer Kolonialherrschaft hat ausschließlich die Römisch-Katholische Kirche einen Rechtsstatus und darf öffentliche Gebäude unterhalten. Die Katholische Kirche erlaubt es evangelikalen Gemeinden jedoch, einen Raum auf einem Kirchengelände in der Diözese Nouakchott für ihre Gottesdienste zu nutzen. Da Missionstätigkeit strengstens verboten ist, ist es den Kirchen ausländischer Christen nicht erlaubt, einen Muslim in ihren Räumlichkeiten zu empfangen, geschweige denn einen christlichen Konvertiten in ihre Gemeinden zu integrieren.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 wurde mindestens ein Christ aufgrund seines Glaubens verhaftet.
  • Es gab mehrere weitere Vorfälle, die sowohl einheimische als auch ausländische Christen im Land betrafen. Aus Sicherheitsgründen können dazu jedoch keine Einzelheiten genannt werden.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

23

70,40

2021

20

71,34

2020

24

68,21

2019

25

66,92

2018

47

57,11

Die Punktzahl Mauretaniens verringerte sich im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2021 um einen Punkt, was auf einen Rückgang der gemeldeten Gewalt zurückzuführen ist. Der durchschnittliche Druck in allen Lebensbereichen blieb jedoch extrem hoch, da Christen muslimischer Herkunft einem immensen Druck ausgesetzt sind.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In der Stammesgesellschaft Mauretaniens sind Frauen der Autorität ihrer Väter und Ehemänner unterworfen, wodurch Konvertitinnen am meisten gefährdet sind. Es kann vorkommen, dass ihnen die Nahrung vorenthalten wird und sie schikaniert, unter Hausarrest gestellt oder verprügelt werden. Sie erleiden die Qualen moderner Sklaverei; und deren Vorhandensein in Mauretanien macht das rücksichtslose Einsperren und Ausbeuten von christlichen Konvertitinnen wahrscheinlicher – und es fällt kaum auf. Die meisten Frauen haben keine Wahl, wen sie heiraten, und können gezwungen werden, eine Ehe mit einem muslimischen Mann einzugehen. Verheiratete Frauen, die den christlichen Glauben annehmen, können leicht geschieden werden. Dadurch verlieren sie ihre Lebensgrundlage, denn die meisten Frauen sind finanziell vollkommen von ihren Männern beziehungsweise Familien abhängig. Polygamie wird immer noch praktiziert.

Männer: Männliche christliche Konvertiten bringen Schande über ihre Familie. Sie werden häufig aus ihrem Umfeld ausgeschlossen, von zu Hause vertrieben oder körperlich misshandelt. Manche beschließen zu fliehen. Ist es bestätigt, dass die Person tatsächlich konvertiert ist, kann vor einem religiösen Gericht Anklage wegen Apostasie erhoben werden. Einige Christen wurden auch wegen Vorwürfen von Terrorismus und Cyberkriminalität inhaftiert und wegen „Untergrabung der nationalen Sicherheit durch Beleidigung des Islam und Bedrohung der heiligen Grundsätze Mauretaniens“ angeklagt. Schuldsprüche können zu langen Gefängnisstrafen und hohen Geldstrafen führen. Eine starke „Arabisierungs“-Bewegung bedeutet, dass viele Christen aus Subsahara-Afrika unter Druck gesetzt werden, das Land zu verlassen, oder ein sehr schwieriges Leben führen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt eine sehr kleine, aber wachsende Minderheit schiitischer Muslime in Mauretanien. Die mauretanische Regierung hat traditionell gute diplomatische Beziehungen zu Iran und zögerte bis 2018 deshalb, schiitische Muslime ins Visier zu nehmen. Dann wurde jedoch ein schiitisches religiöses Zentrum geschlossen. Sunnitische religiöse Leiter im Land haben zunehmend ihre Ablehnung gegenüber der schiitischen Minderheit zum Ausdruck gebracht und die Regierung aufgefordert, Beschränkungen zu verhängen.

Auch Atheisten stehen unter starkem Druck. Im Februar 2020 wurden 14 Menschenrechtsverteidiger unter dem Vorwand festgenommen, sie hätten ein „nicht genehmigtes Treffen“ in einem Gästehaus veranstaltet. Zehn Aktivisten wurden daraufhin beschuldigt, „einer Gruppe anzugehören, die den Säkularismus fördert“, und drei der Aktivisten wurden gemäß Artikel 306 des Strafgesetzbuches wegen Blasphemie angeklagt und sind noch immer in Haft.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mauretanien:

  • Bitten Sie um Kraft und Schutz für alle Christen mit muslimischem Hintergrund und dass ihre Familien die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, respektieren.
  • Beten Sie um eine Änderung der Gesetze, sodass es nicht mehr ungesetzlich ist, den Islam zu verlassen.
  • Bitte beten Sie, dass sich für Christen Gelegenheiten eröffnen, in Sicherheit das Evangelium anderen weiterzugeben.