Länderprofil Mauretanien

Mauretanien

20
Weltverfolgungsindex
2021
Mauretanien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
24
Karte Mauretanien
Christen
0,01
Bevölkerung
4.78
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.300
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 14.100
Kirchliches Leben: 13.600
Auftreten von Gewalt: 1.900

Länderprofil Mauretanien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 20 / 71 Punkte (WVI 2020: Platz 24 / 68 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Gemeinsame Gottesdienste sind besonders schwierig. Das restriktive Umfeld macht es Christen unmöglich, sich offen zu treffen oder Gottesdienste abzuhalten – insbesondere solchen mit muslimischem Hintergrund. Jede Glaubensbekundung von nichtmauretanischen Christen, wie beispielsweise Migranten aus Subsahara-Afrika oder Mitarbeitern von Hilfsorganisationen, birgt zudem die Gefahr, als versuchte Missionierung von Muslimen verstanden zu werden. Dies kann zu strafrechtlicher Verfolgung führen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

71

20

2020

68

24

2019

67

25

2018

57

47

2017

55

47

Mauretaniens um drei Punkte gestiegene Wertung im Weltverfolgungsindex 2021 liegt vor allem in der Zunahme von Gewalt begründet. Eine ganze Reihe von Vorfällen hat auch dazu geführt, dass der Druck in einigen Lebensbereichen als stärker empfunden wurde.

2. Trends und Entwicklungen

1) Der Einfluss des extremistischen Islam im Land nimmt zu

Die allgemeine, politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Mauretanien bietet dem extremistischen Islam einen Nährboden, auf dem er gut gedeihen kann. Der mauretanische Staat hat es nicht geschafft, die Praxis der Sklaverei zu bekämpfen, die wirtschaftliche Situation der Mehrheit seiner Bürger zu verbessern und ein reaktionsschnelleres und verantwortungsvolleres Regierungssystem zu etablieren. Dadurch wurde ein Umfeld geschaffen, das die Ausbreitung religiöser Intoleranz fördert. Trotz der Zusammenarbeit der Regierung mit dem Westen und trotz ihres Rufes als Verbündete im Kampf gegen Terrorismus und islamische Militanz, ist die Situation im Land komplex und macht Mauretanien zu einem für Christen gefährlichen Land.

2) Politische Instabilität und Armut sind weiterhin die größten Probleme

Der Mangel an starken Institutionen und einer demokratischen Kultur, die die Rechte der Bürger respektiert, bedeutet, dass die Chancen auf eine Verbesserung der Situation für Christen sehr gering sind. Die Turbulenzen und politische Instabilität, die die Geschichte des Landes kennzeichnen, verheißen für die Zukunft nichts Gutes. Die Armut des Landes sowie die wachsende Polarisierung in der Frage der Sklaverei könnten die Situation ebenfalls verschärfen. Die Instabilität in der Region, vor allem in den Nachbarländern wie Mali, die durch den Aufstieg islamischer militanter Gruppen wie „Al Kaida im Maghreb“ (AQIM) angeheizt wird, gibt auch Anlass zur Sorge um die Zukunft der Christen in Mauretanien.

3) Die Zahl der Christen bleibt gering

Insgesamt sieht es danach aus, dass die Christen in naher Zukunft weiter unter Druck stehen werden. Die Situation für Christen muslimischer Herkunft wird sich wahrscheinlich nicht verbessern, während Migranten aus Subsahara-Ländern aufgrund der Arabisierung der Arbeiterschaft aus dem Land gedrängt werden könnten. Die kleine Zahl der Christen wird höchstwahrscheinlich auch in den nächsten Jahren gering bleiben.

3. Religiöse Situation im Land

Nach Schätzungen der World Christian Database 2020 sind 99,3 Prozent der Mauretanier Muslime (die Mehrheit sind Sunniten). Das wird durch die offizielle Bezeichnung des Landes als Islamische Republik Mauretanien unterstrichen. Christen machen mit 0,2 Prozent nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung aus. Obwohl der Islam in Mauretanien traditionell stark vom Sufismus geprägt ist, hat der Einfluss extremistischer islamischer Gruppen in den letzten Jahrzehnten spürbar zugenommen, so dass sie mittlerweile zunehmend sichtbar sind. Die Aktivität der arabischen Länder aus der Golfregion, einschließlich der Bereitstellung von Entwicklungshilfe, war in diesem Prozess von großer Bedeutung. Auch die Muslimbruderschaft soll bis vor kurzem in Mauretanien sehr präsent gewesen sein. Der christliche Glaube wird als verwerflicher westlicher Einfluss angesehen, und die Feindseligkeit der Regierung gegenüber Christen, insbesondere gegenüber Christen muslimischer Herkunft, ist groß.

Die Organisation „Middle East Concern“ berichtet: „Christen sind in der Praxis starken Einschränkungen ausgesetzt. Während ausländische Christen ihre Gottesdienste abhalten dürfen, sind christliche Aktivitäten auf bestimmte Gebiete beschränkt. Christen und christliche Nichtregierungsorganisationen müssen sicherstellen, dass sie jede Interaktion mit Muslimen vermeiden, die als Evangelisation ausgelegt werden könnte. Mauretanischen Staatsangehörigen, die sich dafür entscheiden, den Islam zu verlassen, würde nach den Bestimmungen für den Glaubensabfall des Strafgesetzbuches grundsätzlich die Todesstrafe drohen. Allerdings sind aus den letzten Jahren keine Beispiele bekannt, bei denen eine gerichtliche Todesstrafe wegen Glaubensabfalls verhängt wurde. In jedem Fall drohen jedem, der den Islam verlässt, mit hoher Wahrscheinlichkeit gewalttätige Reaktionen von Familien- oder Gemeindemitgliedern.“

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Islamische Unterdrückung ist die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Mauretanien. Das Land ist eine selbsternannte islamische Republik, und der Islamismus ist die dominierende politische Ideologie im Land. Nichtmuslime erleben Einschüchterung und Verfolgung insbesondere durch islamistische Gruppen. Eine große Anzahl von Mauretaniern hat sich islamisch militanten Gruppen sowohl in der nordafrikanischen Region als auch in Syrien und im Irak angeschlossen. Während die Regierung auf der einen Seite versucht, islamische Militanz zu bekämpfen, finanziert sie gleichzeitig wahhabitische und andere extremistische-islamische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft. Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, tragen die Hauptlast der Verfolgung: Ihr neuer Glaube wird weder von ihren Familien noch von der Gesellschaft geduldet.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm / ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Stammes- und Rassenkonflikte sind in diesem sehr konservativen und traditionellen Land, in dem die Urbanisierung ein relativ junges Phänomen ist, eng miteinander verwoben. Wenn ein Muslim Christ wird, hat er nicht nur familiären und staatlichen Druck zu fürchten, sondern auch die Reaktion seines Stammes oder seiner ethnischen Gruppe; von ihnen wird ein solcher Schritt als unsägliche Schande empfunden, was zu weiterer Verfolgung führt. Das Problem der Sklaverei im Land, das mit der ethnischen Zugehörigkeit verbunden ist, hat ebenfalls zur Verfolgung beigetragen. Die Befürworter der Sklaverei argumentieren, dass sie vom Islam gebilligt wird. Deshalb hat die Kampagne gegen Sklaverei eine feindselige Reaktion von Islamisten im Lande ausgelöst. Christen aus Subsahara-Afrika, die im Land leben, sind einer Mischung aus religiöser und rassistischer Diskriminierung ausgesetzt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Stammeszugehörigkeit, religiöse und persönliche Beziehungen sind in der mauretanischen Gesellschaft sehr wichtig. Vetternwirtschaft, Klientelismus und andere Formen der Korruption sind weit verbreitet, auch innerhalb der Regierung. Anti-Korruptions-Kampagnen haben sich nur auf Nebenschauplätze konzentriert. Journalisten, die konkrete Korruptionsfälle bei staatlichen Behörden oder staatseigenen Unternehmen aufdecken wollten, wurden eingeschüchtert, inhaftiert und der Verleumdung beschuldigt. Mächtige Leute mit Verbindungen zur Armee und zum Umfeld des Präsidenten können sich selbst bereichern, ohne Strafverfolgung befürchten zu müssen.

Diktatorische Paranoia

Die derzeitige Regierung ist in teils übersteigertem Maß um ihren Machterhalt besorgt. Wenn irgendein „den christlichen Glauben fördernder“ Einfluss die Regierungsmacht entweder zu bedrohen oder zu beschämen scheint, kann dies zusätzliche Verfolgung auslösen. Darüber hinaus versucht die Regierung, ihre Legitimität gegenüber den islamischen Gruppen durch die Unterdrückung des Christentums zu festigen. Dies ist verstärkt seit den Präsidentschaftswahlen 2019 sichtbar geworden und hält weiter an. Der christliche Glaube wird oft mit Verwestlichung gleichgesetzt und als solcher von der Regierung als (ausländische) Bedrohung gesehen.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Die Behörden auf allen Ebenen sind ein Hauptverfolger, da der Staat den Islam als Grundideologie vertritt.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Extremistische Imame und islamische Lehrer schüren Vorurteile und Hass gegenüber Christen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Das Stammessystem ist in Mauretanien immer noch stark ausgeprägt, und Stammesführer werden keine Konvertiten in ihren Gruppen dulden.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamische Kämpfer, etwa von AQIM, sind besonders im Osten des Landes aktiv und stellen eine Bedrohung für alle Christen dar.
  • Die eigene Familie: Das starke Stammessystem und die familiären Bindungen unter den Mauretaniern lassen nicht viel Raum für abweichende Ansichten und Haltungen. Christen muslimischer Herkunft sind sehr wahrscheinlich einem starken Druck ausgesetzt.
  • Gewöhnliche Bürger: Beeinflusst von der Lehre konservativer Imame, erlaubt die mauretanische Gesellschaft ihren Mitbürgern nicht, den christlichen Glauben anzunehmen.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm / ethnisch-religiöse Feindseligkeit

  • Regierungsbeamte: Mauretanier wollen ihre eigenen ethnischen Gruppen erhalten. Auch Regierungsbeamte unterliegen dieser Tendenz und werden versuchen, ihre Gruppen vor westlichen/christlichen Einflüssen zu schützen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Praxis der Sklaverei und eine Art Kastensystem, das in Mauretanien herrscht, werden durch die religiösen Bezüge zusätzlich aufgeladen und verstärken die damit verbundenen Spannungen weiter. Konservative Stammesführer sind darauf bedacht, die ethnische Hierarchie und die soziale Ordnung zu bewahren.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Stammesbräuche und islamische Praktiken werden miteinander vermischt. Islamische Prediger unterstützen das Kastensystem und ihre Volksgruppen sind entschlossen, ihre islamische Identität zu erhalten.
  • Die eigene Familie: Die familiären Bindungen sind sehr stark; die Abkehr eines Familienmitglieds vom Islam und seine Hinwendung zum christlichen Glauben wird als unerträgliche Schande für die Familienehre angesehen. Daher vertreiben Familienmitglieder christliche Konvertiten aus ihren Wohnungen oder zwingen sie dazu, ihren neuen Glauben zu widerrufen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Diese Gruppen sind oft nach Stammeszugehörigkeit organisiert. Sie versuchen, die islamische und ethnische Reinheit des Stammes aufrechtzuerhalten und lassen keinen Raum für christliche Konvertiten, die dem Islam den Rücken kehren.
  • Gewöhnliche Bürger: Die Bindung an den Stamm und die ethnische Gruppe wird in der mauretanischen Gesellschaft als sehr wichtig angesehen. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben gilt als Bruch dieser Bindungen und wird daher von der Gesellschaft abgelehnt.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung versucht, ihre Macht um jeden Preis zu erhalten, auch wenn das bedeutet, islamische Extremisten durch die Verfolgung von Christen zu beschwichtigen. Das verschärfte Gesetz gegen Apostasie ist dafür ein gutes Beispiel.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Die Behörden und die Machthaber nutzen das System zur Selbstbereicherung.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kriminelle Netzwerke und die Rolle der Regierung sind manchmal schwer zu unterscheiden. Sie kontrollieren einen Großteil der Wirtschaft, verbreiten im Land ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und halten ein hohes Maß an Armut aufrecht. Diese Armut und die vorherrschende Korruption tragen insofern zur Verfolgung bei, als dass die Durchsetzung des Rechts lückenhaft bleibt und Christen nur wenig Hoffnung haben, stabile Anstellungsverhältnisse zu finden, um ein ehrliches Einkommen zu erwirtschaften.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamisch-extremistische Gruppen finanzieren sich auch durch kriminelle Aktivitäten wie Menschenhandel und Waffenschmuggel. Christen, insbesondere ausländische Christen, sind ein leichtes Ziel für Entführungen.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Stammes- und Familienbeziehungen sind im ländlichen Teil des Landes besonders eng, aber selbst in der Hauptstadt und größten Stadt des Landes, Nouakchott, kann der Druck auf Christen hoch sein. Gewaltbereite islamisch-extremistische Gruppen wie AQIM und die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO) sind besonders in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die größte Gruppe bilden römisch-katholische Arbeitsmigranten aus Afrika südlich der Sahara, gefolgt von Protestanten und Evangelikalen, ebenfalls aus Ländern südlich von Mauretanien. Es gibt auch eine geringe Zahl von Christen aus westlichen Ländern, doch sie machen nur einen sehr kleinen Prozentsatz der christlichen Bevölkerung des Landes aus. Ethnisch-afrikanische Christen, die als Arbeitsmigranten ins Land gekommen sind, führen ein unsicheres Dasein in Mauretanien. Sie sind gefährdet aufgrund der Verbreitung rassistischer Vorurteile gegen sie und auch wegen des zunehmenden Islamismus im Land, der zu einer Intensivierung der Verfolgung geführt hat.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen muslimischer Herkunft sind am stärksten der Verfolgung ausgesetzt und stehen unter enormem Druck durch ihre unmittelbare und erweiterte Familie. In dieser nomadischen Gesellschaft sind gemeinschaftlicher Zusammenhalt und die Großfamilie überlebensnotwendig. Dadurch stellt es für christliche Konvertiten eine enorme Herausforderung dar, ihren christlichen Glauben vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Der Hass und die Vorurteile, die von islamischen Gruppen gegen Christen gerichtet werden, beeinträchtigen die meisten Konvertiten. Wenn ihr christlicher Glaube öffentlich bekannt wird, verlieren sie nicht nur ihren gesellschaftlichen Status, sondern auch ihre Staatsbürgerschaft.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.3
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 14.1
Kirchliches Leben 13.6
Auftreten von Gewalt 1.9

Grafik: Verfolgungsmuster Mauretanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist extrem hoch (13,9 Punkte), er ist gegenüber dem Vorjahreswert von 13,6 nochmals leicht gestiegen. Verantwortlich dafür ist die allgemeine Zunahme von Druck in allen Lebensbereichen, der durch mehrere Vorfälle während des Berichtszeitraums ausgelöst wurde.
  • Auch wenn alle Lebensbereiche sehr hohen oder extremen Druck aufweisen, ist der Druck in den Bereichen Privatleben, Familienleben und Leben im Staat am höchsten. Dies wirft ein Licht auf die enorme Belastung, mit der Christen muslimischer Herkunft leben müssen. In der Stammeskultur Mauretaniens ist das Verlassen des Islam nicht nur religiöser Verrat, sondern auch Verrat an Stamm und Familie. Verständlicherweise gibt es in einer solchen Kultur keinen Platz für (öffentliche) Taufen, christliche Eheschließungen oder Beerdigungen. Es gibt auch keinen Raum, öffentlich über den christlichen Glauben zu sprechen, oder die Möglichkeit, seinen Glaubenswechsel offiziell anerkennen zu lassen.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt stieg von 0,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 1,9 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021. Das ist auf eine Reihe an Vorfällen zurückzuführen, die sowohl ausländische als auch einheimische Christen betrafen. Dennoch bleibt der Wert niedrig, was damit zu tun haben könnte, dass nicht alle Vorfälle öffentlich gemacht werden.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Ausländische Christen haben in dieser Hinsicht mehr Freiheit als Christen muslimischer Herkunft, aber die Offenlegung ihres Glaubens kann für alle Christen zu Verfolgung führen.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Mit Mitgliedern der Gesellschaft über den eigenen Glauben zu sprechen, ist für alle Christen gefährlich. Christen muslimischer Herkunft würden in diesem Fall wahrscheinlich der Apostasie beschuldigt, während man ausländische Christen der Missionierung bezichtigen würde. Ausländische Christen können über ihren Glauben nur mit anderen ausländischen Christen zu Hause oder bei kirchlichen Treffen sprechen.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Der Glaubenswechsel weg vom Islam ist gesetzlich verboten, und jede als kritisch empfundene Haltung gegenüber dem Islam kann von Rechts wegen die Todesstrafe nach sich ziehen. Obwohl dieses Gesetz weitgehend als symbolisch angesehen wird, bleibt es dennoch eine bedeutende Bedrohung für Christen mit muslimischem Hintergrund.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Dies ist hochgefährlich für Christen muslimischer Herkunft, da es als deutliches Zeichen der Apostasie verstanden wird. Ausländische Christen, insbesondere aus Afrika südlich der Sahara, werden wahrscheinlich diskriminiert und beschimpft, wenn sie öffentlich als Christen erkennbar sind.

Familienleben

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Alle Mauretanier gelten als Muslime.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Kinder christlicher Eltern müssen in der Schule islamischen Unterricht besuchen. Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr schwierig, wichtige Meilensteine in ihrem Leben mit christlichen Zeremonien zu begehen. Sie werden oft unter Druck gesetzt, an islamischen Riten teilzunehmen.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Kinder christlicher Eltern stehen in großer Gefahr, durch Gleichaltrige diskriminiert und belästigt zu werden. Diese Belästigungen haben auch rassistische und ethnische Aspekte.

Wurden Ehepartner von Konvertiten von Dritten unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (gleichgültig ob erfolgreich oder nicht)?

In Mauretanien lassen sich Männer häufig von ihren Frauen scheiden, und eine Hinwendung zum christlichen Glauben ist mehr als Grund genug, sich scheiden zu lassen. Doch auch wenn der Ehemann den christlichen Glauben annimmt, werden Familienmitglieder ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit zwingen, die Scheidung einzureichen. Da Glaubenswechsel normalerweise jedoch geheim gehalten werden, kommt dies eher selten vor.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Dies erleben sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch ausländische Christen. Es gibt ein hohes Maß an sozialer Feindseligkeit gegenüber Christen.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Da Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben oft im Verborgenen leben müssen, sind sie verpflichtet, an islamischen oder lokalen religiösen Praktiken teilzunehmen (wie beispielsweise dem Ramadan).

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Wenn der Glaube eines Christen muslimischer Herkunft bekannt ist, ist es sehr wahrscheinlich, dass er oder sie von ihrem sozialen Umfeld geächtet wird, wenn er oder sie den neuen Glauben nicht widerruft.

Wurden Christen beim Betreiben ihres Geschäfts aus religiösen Gründen behindert (z. B. Zugang zu Krediten, Subventionen, Regierungsverträge, Kundenboykotte)?

Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt wurde, müssen mit starker Diskriminierung rechnen und werden kaum in der Lage sein, ein Unternehmen zu führen; dies wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die mauretanische Gesellschaft von Korruption und Klientelismus durchdrungen ist. Ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden sowohl wegen ihrer Hautfarbe als auch wegen ihres Glaubens diskriminiert.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Mauretanien ist eine islamische Republik und obwohl das Land wichtige internationale Menschenrechtsverträge ratifiziert hat, welche die Religionsfreiheit garantieren, ist in dem geltenden Strafrecht weiterhin die Todesstrafe für Apostasie vorgesehen.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Christen müssen in der mauretanischen Gesellschaft vorsichtig agieren. Kritik an der Regierung oder am Islam bleibt niemals straffrei.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Es gibt nur wenige (katholische) Kirchengebäude in dem Land, und nur einige zeigen ein Kreuz am Gebäude. Da Kirchen und christliche Organisationen so vorsichtig vorgehen müssen, versuchen sie, keine negative Aufmerksamkeit zu erregen.

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, den Glaubenswechsel einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Der Staat erkennt Christen muslimischer Herkunft, die es wagen, ihren Glaubenswechsel öffentlich zu machen, nicht an, und toleriert sie kaum.

Kirchliches Leben

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Nur die Römisch-Katholische Kirche hat als solche erkennbare Kirchengebäude. Auch einige nicht-katholische Gemeinden dürfen sich dort treffen; andere treffen sich in Wohnhäusern oder Sälen. Eine neue Kirche zu bauen ist nahezu unmöglich.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Als Teil der Hinterlassenschaft französischer Kolonialherrschaft hat nur die Römisch-Katholische Kirche einen Rechtsstatus. Keiner anderen christlichen Gemeinschaft wird ein solcher Status gewährt. Doch die Katholische Kirche in der Diözese Nouakchott erlaubt es evangelikalen Gemeinden, einzelne Räume auf dem Kirchengelände für ihre Gottesdienste zu nutzen.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Alle Christen wissen, dass keine öffentlichen christlichen Aktivitäten außerhalb der sehr begrenzten Kirchengebäude erlaubt sind. Mit Ausnahme einiger weniger Veranstaltungen, wie etwa einem Ostermorgengottesdienst außerhalb der Stadt, sind keine kirchlichen Veranstaltungen außerhalb ihrer Mauern bekannt. Daher ist die Kirche in Mauretanien gezwungen, unsichtbar zu sein und im Schatten zu operieren.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Da Missionstätigkeit strengstens verboten ist, ist es den Kirchen ausländischer Christen nicht erlaubt, einen Muslim in ihren Räumlichkeiten zu empfangen, geschweige denn einen christlichen Konvertiten in ihre Gemeinden zu integrieren.

Auftreten von Gewalt

Die Gewalt gegen Christen ist auf einem niedrigen Niveau geblieben. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens sind sich alle Christen muslimischer Herkunft der Folgen bewusst, die eine Entdeckung ihres Glaubens hätte; ähnliches gilt auch für andere Christen, die bewusst sehr vorsichtig agieren – und deshalb mitunter darauf verzichten, das Evangelium weiterzugeben. Durch diese Art der Zurückhaltung vermeiden Christen Gewalt gegen sich. Zweitens ist Mauretanien ein verschlossenes Land. Es wird zwar vermutet, dass christliche Konvertiten in Mauretanien unter gewaltsamer Verfolgung durch die Mitglieder ihrer (Groß-)Familien, Nachbarn und Gesellschaft leiden, aber es ist schwierig, von außerhalb des Landes an bestätigte Berichte über solche Vorfälle zu gelangen.

Dennoch gab es mehrere Vorfälle während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2021: Einige ausländische Christen wurden aus dem Land vertrieben, und eine Anzahl mauretanischer Christen wurde wegen ihres Glaubens vor Gericht verurteilt. Da es nach dem Urteil zu gewaltsamen Ausschreitungen durch einen Mob kam, mussten die letztgenannten aus dem Land fliehen. Laut Berichten suchen Dutzende Christen – sowohl ausländische als auch einheimische – jedes Jahr Zuflucht in Nachbarländern.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben der christlichen Minderheit gibt es in Mauretanien auch eine sehr kleine, aber wachsende Minderheit schiitischer Muslime. Die Regierung hat zwar gute Verbindungen zu Iran und diese Religionsgruppe in der Vergangenheit nicht ins Visier genommen, doch 2018 wurde ein schiitisches Religionszentrum geschlossen. Sunnitische religiöse Leiter verurteilen diese Minderheit und rufen zu restriktiven Maßnahmen gegen schiitische Muslime auf. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2019 „wiederholte während des jährlichen Opferfestes Imam Ahmedou Ould Lemrabott Ould Habibou Rahman, der Imam der Großen Moschee von Nouakchott, seine Warnung vor dem wachsenden Einfluss des schiitischen Islam im Land. Rahman erklärte zum vierten Jahr in Folge, dass die Regierungsbehörden die Beziehungen zu Iran abbrechen sollten, um die Ausbreitung des von Iran unterstützten schiitischen Islam zu stoppen.“

Es gibt keinen Platz in der mauretanischen Gesellschaft für andere religiöse Gruppen oder Atheisten, wie der Fall des mauretanischen Bloggers Mohamed Cheikh Ould Mohamed M‚khaitir gezeigt hat. Der Bericht „Freedom of Thought“ von Humanists International führt aus: „Im Februar 2020 wurden 14 Menschenrechtsverteidiger willkürlich festgenommen, nachdem sie ein ‚nicht genehmigtes Treffen‘ in einem Gästehaus veranstaltet hatten. Zehn Aktivisten wurden daraufhin beschuldigt, ‚einer Gruppe anzugehören, die den Säkularismus fördert‘, und drei der Aktivisten wurden gemäß Artikel 306 des Strafgesetzbuches wegen ‚Blasphemie‘ angeklagt und bleiben in Haft.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mauretanien:

  • Bitten Sie um Kraft und Schutz für alle Christen mit muslimischem Hintergrund und dass ihre Familien die Entscheidung, Jesus nachzufolgen, respektieren.
  • Beten Sie um eine Änderung der Gesetze, sodass es nicht mehr ungesetzlich ist, den Islam zu verlassen.
  • Bitte beten Sie, dass sich für Christen Gelegenheiten eröffnen, in Sicherheit das Evangelium anderen weiterzugeben.