Länderprofil Mauretanien

Mauretanien

24
Weltverfolgungsindex
2020
Mauretanien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
25
ISO
MR
Karte Mauretanien
Christen
0,01
Bevölkerung
4.66
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 13.900
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 13.000
Leben im Staat: 13.700
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 0.200

Länderprofil Mauretanien

Zusammenfassung

Gemeinschaftliche Vollzüge des christlichen Glaubens sind besonders schwierig aufgrund des restriktiven Umfelds, das es Christen (insbesondere Christen muslimischer Herkunft) unmöglich macht, sich offen zu treffen und Gottesdienste abzuhalten. Auch jede Glaubensäußerung von nichtmauretanischen Christen (zum Beispiel christlichen Arbeitsmigranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara oder Entwicklungshelfern) birgt das Risiko, als versuchte Missionierung von Muslimen angesehen zu werden und kann zu strafrechtlicher Verfolgung führen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Taufen können nur im Geheimen durchgeführt werden, und viele Christen muslimischer Herkunft zögern, sich taufen zu lassen, da sie befürchten, entdeckt zu werden und wegen Glaubensabfalls (Apostasie) angeklagt zu werden.
  • Christen muslimischer Herkunft, die von ihren Familien entdeckt werden, sehen sich oft dazu gedrängt, das Land zu verlassen.
  • Die Katholische Kirche (als dominierende christliche Konfession) darf zwar das Innere von Kirchen renovieren, allerdings ist die Renovierung des Äußeren katholischer Kirchen und der Neubau von Kirchen anderer Konfessionen verboten.
  • Alle Kirchen, auch die Katholische Kirche, müssen vorsichtig handeln, um den Vorwurf der Missionierung zu vermeiden.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 68 Punkten liegt Mauretanien im Weltverfolgungsindex 2020 auf Platz 24.

Im Weltverfolgungsindex 2019 erreichte das Land 67 Punkte und lag auf Platz 25. Das Land steht dem christlichen Glauben weiterhin feindlich gegenüber. Neben dem erhöhten Druck durch die Verschärfung des Blasphemie- und Apostasiegesetzes im letzten Berichtszeitraum hat sich auch der Zugang zu detaillierteren Informationen auf die Punktzahl ausgewirkt. Andererseits könnte die geringe Wertung beim „Auftreten von Gewalt“ auf das Fehlen von Berichten über entsprechende Vorfälle, die ihren Weg aus dem Land gefunden haben, zurückzuführen sein und nicht auf eine Verbesserung der Situation.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Dies ist die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Mauretanien. Mauretanien ist eine selbsternannte islamische Republik, und der Islamismus ist die vorherrschende politische Ideologie im Land. Nichtmuslime erfahren Einschüchterung und Verfolgung insbesondere durch islamistische Gruppen. Eine große Zahl von Mauretaniern hat sich sowohl in der nordafrikanischen Region als auch in Syrien und im Irak militanten islamistischen Gruppen angeschlossen. Während die Regierung auf der einen Seite versucht, islamistische Milizen zu bekämpfen, stellt sie gleichzeitig Mittel für wahhabitische und andere islamisch-extremistische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft bereit. Konvertiten vom Islam zum Christentum tragen die Hauptlast der Verfolgung, da ihr neuer Glaube von ihren Familien und der Gesellschaft nicht toleriert wird.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Ethnische Spannungen und Stammeskonflikte sind in diesem sehr konservativen und traditionellen Land, in dem die Verstädterung ein relativ modernes Phänomen ist, eng miteinander verflochten. Wenn ein Muslim Christ wird, lebt er oder sie nicht nur wegen des Drucks von Familie und Regierung in Angst, sondern auch weil er oder sie um das Gefühl der Schande weiß, das der gesamte Stamm oder die ethnische Gruppe empfindet. Dies führt unweigerlich zu einer umfassenderen Verfolgung. Auch die Frage der Sklaverei im Land, die mit der ethnischen Zugehörigkeit verbunden ist, hat zur Verfolgung beigetragen, da die Befürworter der Sklaverei argumentieren, dass sie vom Islam zugelassen wird. Die Kampagne gegen Sklaverei hat eine feindselige Reaktion der Islamisten im Land ausgelöst.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Stammeszugehörigkeit, religiöse und persönliche Beziehungen sind in der mauretanischen Gesellschaft sehr wichtig. Nepotismus, Klientelismus und andere Formen der Korruption sind weit verbreitet, auch innerhalb der Regierung. Die Antikorruptionskampagnen konzentrieren sich bisher nur auf unbedeutende Personen. Journalisten, die konkrete Fälle von Korruption bei staatlichen Behörden oder staatlichen Unternehmen untersuchten, wurden eingeschüchtert, inhaftiert und der Verleumdung beschuldigt. Einflussreiche Personen mit Verbindungen zur Armee und zum Präsidenten können sich bereichern und ungestraft handeln.

Diktatorische Paranoia

Die derzeitige Regierung ist entschlossen, an der Macht zu bleiben und versucht, ihre Legitimität bei islamistischen Gruppen durch Christenverfolgung zu stärken.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Die Behörden auf allen Ebenen agieren als wesentliche Verfolger, da der Staat den Islam als Ideologie angenommen hat.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Extremistische Imame und islamische Lehrer schüren Vorurteile und Hass gegenüber Christen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesdenken ist in Mauretanien immer noch stark ausgeprägt und die Stammesführer werden keine Konvertiten in ihren Reihen zulassen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamistische Milizen wie „Al Kaida im Maghreb“ sind besonders im Osten des Landes aktiv und stellen eine Bedrohung für alle Christen dar.
  • Familie: Das ausgeprägte Stammesdenken und die familiären Bindungen der Mauretanier lassen wenig Raum für unterschiedliche Ansichten oder abweichende Einstellungen. Christen muslimischer Herkunft sind einem starken Druck ausgesetzt.
  • Normale Bürger: Beeinflusst durch die Lehre der konservativen Imame, erlaubt die mauretanische Gesellschaft ihren Mitbürgern nicht, den Islam zu verlassen.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

  • Regierungsbeamte: Mauretanier haben das starke Bedürfnis, die eigene Ethnie zu bewahren. Regierungsbeamte haben Anteil an dieser Tendenz und werden versuchen, ihre Volksgruppen vor westlichen bzw. christlichen Einflüssen zu schützen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Im Zusammenhang mit Sklaverei und einer Art Kastensystem, die in Mauretanien vorherrscht, wird die gegenwärtige Situation durch die Religion verstärkt und abgesichert. Die konservativen Stammesführer sind darauf bedacht, die ethnische Hierarchie und die soziale Ordnung zu bewahren.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Stammesbräuche und islamische Praktiken werden miteinander vermischt. Islamische Prediger unterstützen das Kastensystem und ihre Volksgruppen sind entschlossen, ihre islamische Identität zu erhalten.
  • Familie: Die familiären Bindungen sind sehr stark; die Abwendung eines Familienmitglieds vom Islam und die Hinwendung zum christlichen Glauben wird als immense Schande für die Familienehre angesehen. Daher werden die Familienmitglieder die Konvertiten aus ihrer Wohnung vertreiben oder sie zwingen, ihren neuen Glauben zu widerrufen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Diese Gruppen sind oft nach Stammeszugehörigkeit organisiert. Sie versuchen, die islamische und ethnische Reinheit des Stammes aufrechtzuerhalten und lassen keinen Raum für christliche Konvertiten, die dem Islam den Rücken kehren.
  • Gewöhnliche Bürger: Die Bindung an den Stamm und die ethnische Gruppe werden in der mauretanischen Gesellschaft als sehr wichtig angesehen. Der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben wird als Bruch dieser Bindungen angesehen und daher von der Gesellschaft abgelehnt.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung versucht, ihre Macht um jeden Preis zu erhalten, auch wenn das bedeutet, islamische Extremisten durch Christenverfolgung zu beschwichtigen. Das verschärfte Gesetz gegen Apostasie ist dafür ein gutes Beispiel.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Die Behörden und die Machthaber nutzen das System zur Selbstbereicherung.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kriminelle Netzwerke und die Rolle der Regierung sind manchmal schwer zu unterscheiden. Sie kontrollieren einen Großteil der Wirtschaft, verbreiten im Land ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit und halten ein hohes Maß an Armut aufrecht. Diese Armut und die vorherrschende Korruption tragen insofern zur Verfolgung bei, als die Durchsetzung des Rechts schwach bleibt und Christen nur wenig Hoffnung haben, stabile Anstellungsverhältnisse zu finden und ein ehrliches Einkommen zu haben.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamisch-extremistische Gruppen finanzieren sich auch durch kriminelle Aktivitäten wie Menschenhandel und Waffenschmuggel. Christen, insbesondere ausländische Christen, sind ein leichtes Ziel für Entführungen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Stammes- und Familienbeziehungen sind im ländlichen Teil des Landes besonders eng, aber auch in der Hauptstadt Nouakchott ist der Druck hoch. Gewaltbereite islamisch-extremistische Gruppen wie AQIM und die „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO) sind besonders in den östlichen Grenzregionen des Landes aktiv.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die größte Gruppe bilden römisch-katholische Arbeitsmigranten aus dem Afrika südlich der Sahara, gefolgt von Protestanten und Evangelikalen, ebenfalls aus Ländern südlich von Mauretanien. Es gibt auch eine geringe Zahl von Christen aus westlichen Ländern, doch sie machen einen nur sehr kleinen Prozentsatz der christlichen Bevölkerung des Landes aus. Ethnisch-afrikanische Christen, die als Arbeitsmigranten ins Land gekommen sind, führen ein unsicheres Dasein im Land. Sie sind gefährdet aufgrund der Verbreitung rassistischer Vorurteile ihnen gegenüber und auch wegen der Verfolgung, die mit dem zunehmenden Islamismus im Land verbunden ist.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft sind am stärksten der Verfolgung ausgesetzt und sehen sich einem enormen Druck ihrer unmittelbaren und erweiterten Familie gegenüber. In dieser nomadischen Gesellschaft, in der die gemeinschaftliche Abhängigkeit und die Großfamilie für das Überleben notwendig sind, stehen die Konvertiten vor der großen Herausforderung, ihren christlichen Glauben vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Der Hass und die Zerrbilder, die von islamischen Gruppen gegen Christen propagiert werden, beeinträchtigen die meisten Konvertiten; wenn ihr christlicher Glaube öffentlich bekannt wird, verlieren sie nicht nur ihren Status in ihrer Gemeinschaft, sondern auch ihre Staatsbürgerschaft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.9
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 13
Leben im Staat 13.7
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 0.2

Grafik: Verfolgungsmuster Mauretanien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen bleibt auf einem sehr hohen Niveau (13,6 Punkte) und steigt von 13,3 im Weltverfolgungsindex 2019. Der Grund für diesen Anstieg ist der insgesamt steigende Druck in allen Lebensbereichen durch die Auswirkungen des verschärften Blasphemie- und Apostasiegesetzes.
  • Obwohl alle Lebensbereiche sehr hohen oder extremen Druck aufweisen, ist der Druck im Bereich „Privatleben“ und „Familienleben“ am höchsten. Dies spiegelt den enormen Druck wider, mit dem Konvertiten umgehen müssen. In der Stammeskultur Mauretaniens ist das Verlassen des Islam nicht nur religiöser Verrat, sondern auch Verrat an Stamm und Familie. Verständlicherweise gibt es in einer solchen Kultur keinen Platz für Taufen, christliche Eheschließungen oder Beerdigungen.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist von 0,5 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 auf 0,2 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020 gesunken. Dieser sehr niedrige Wert könnte jedoch durchaus darauf zurückzuführen sein, dass die Berichte von Vorfällen nicht aus dem Land gelangen.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist riskant für Christen, über ihren Glauben mit anderen als den unmittelbaren Familienmitgliedern (Großfamilie, andere) zu sprechen: Mit Mitgliedern der Gesellschaft über den eigenen Glauben zu sprechen, ist für alle Christen gefährlich. Christen muslimischer Herkunft werden wahrscheinlich der Apostasie beschuldigt werden, während man ausländische Christen der Missionierung bezichtigen wird. Ausländische Christen können über ihren Glauben nur mit anderen ausländischen Christen zu Hause oder bei kirchlichen Treffen sprechen.
  • Bekehrungen werden angefochten, verboten oder sind strafbar, einschließlich des Wechsels von einer Art von Konfession zu einer anderen: Der Glaubenswechsel weg vom Islam ist gesetzlich verboten, und jede als kritisch empfundene Haltung gegenüber dem Islam kann von Rechts wegen die Todesstrafe nach sich ziehen. Obwohl dieses Gesetz weitgehend als symbolisch angesehen wird, bleibt es dennoch eine bedeutende Bedrohung für Christen mit muslimischem Hintergrund.
  • Es ist für Christen riskant, sich über ihren persönlichen Glauben in schriftlicher Form auszudrücken (auch in Blogs und Facebook etc.): Ausländische Christen haben in dieser Hinsicht mehr Freiheit als Christen muslimischer Herkunft, aber die Offenlegung ihres Glaubens kann für alle Christen zu Verfolgung führen.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zur Schau zu stellen: Dies ist hoch gefährlich für Christen muslimischer Herkunft, da es ein deutliches Zeichen des Glaubenswechsels ist. Ausländische Christen, insbesondere Christen aus dem Afrika südlich der Sahara, werden wahrscheinlich diskriminiert und beschimpft, wenn sie öffentlich als Christen erkennbar sind.

Nichtmauretanische Christen genießen relative Freiheit zum persönlichen Gebet und Glaubensausübung im privaten Kontext. Allerdings riskieren Christen muslimischer Herkunft erheblichen Druck und Verfolgung, wenn ihre Bekehrung durch private Glaubensausübung offenbar wird. Der Besitz christlicher Materialien und jeder Ausdruck ihres christlichen Glaubens kann eine feindliche Reaktion von Mitgliedern ihrer direkten Familie sowie des sozialen Umfeldes auslösen. Dies gilt insbesondere für Konvertiten, die außerhalb der Hauptstadt leben.

Familienleben

  • Babys und Kinder von Christen werden automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert: Alle Mauretanier gelten als Muslime.
  • Christliche Kinder werden dazu gedrängt, antichristlichen oder den Religionsunterricht der Mehrheitsreligion auf jeder Bildungsstufe zu besuchen: Kinder christlicher Eltern müssen in der Schule islamischen Unterricht besuchen. Konvertiten finden es auch sehr schwierig, wichtige Meilensteine in ihrem Leben mit christlichen Zeremonien zu begehen und werden oft unter Druck gesetzt, an islamischen Riten teilzunehmen.
  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden von anderen unter Druck gesetzt (erfolgreich oder erfolglos), sich scheiden zu lassen: In Mauretanien lassen sich die Männer häufig von ihren Frauen scheiden, und eine Hinwendung zum christlichen Glauben ist mehr als Grund genug, sich scheiden zu lassen. Es ist wahrscheinlich, dass Familienmitglieder den Ehemann zwingen, die Scheidung einzureichen, wenn er den christlichen Glauben angenommen hat. Da Glaubenswechsel normalerweise jedoch geheim gehalten werden, kommt dies eher selten vor.
  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: Kinder christlicher Eltern sind wahrscheinlich mit Diskriminierung und Belästigung durch Gleichaltrige konfrontiert. Diese Belästigungen haben auch rassistische und ethnische Konnotationen.

Christliche Eltern finden es schwierig, ihre Kinder gemäß ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen. Dies ist ein Problem sowohl für einheimische Christen muslimischer Herkunft als auch für ausländische Christen vor allem aus anderen afrikanischen Ländern südlich der Sahara. Ausländische Christen haben in dieser Hinsicht allerdings relative Freiheit (im Vergleich zu Christen muslimischer Herkunft), da sie Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen nach christlichen Riten durchführen können.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden in ihrem täglichen Leben aus religiösen Gründen schikaniert, bedroht oder behindert (z.B. wegen Nichteinhaltung der Mehrheitsreligion oder der traditionellen Kleiderordnung, der Bartpflicht usw.): Dies erfahren sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch ausländischen Christen. Es gibt ein hohes Maß an sozialer Feindseligkeit gegenüber Christen.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder gemeinschaftlichen Veranstaltungen teilzunehmen: Christen muslimischer Herkunft müssen ihren Glauben oft im Verborgenen leben und sind daher verpflichtet, an islamischen oder lokalen religiösen Praktiken (z.B. Ramadan) teilzunehmen.
  • Christen werden von ihrer Umgebung unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören: Wenn der neue Glaube eines Christen muslimischer Herkunft bekannt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass er oder sie von ihrem sozialen Umfeld geächtet wird, sofern er oder sie nicht dem Glauben abschwört.
  • Christen werden aus religiösen Gründen an der Ausübung ihrer Tätigkeit gehindert (z.B. Zugang zu Krediten, Subventionen, staatlichen Aufträgen, Kundenboykotte): Konvertiten, deren Glaubenswechsel bekannt wurde, werden höchstwahrscheinlich stark diskriminiert und nicht in der Lage sein, ein Unternehmen zu führen, zumal die mauretanische Gesellschaft von Korruption und Klientelismus durchdrungen ist. Ausländische Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden sowohl wegen ihrer Hautfarbe als auch wegen ihres Glaubens diskriminiert.

Christen muslimischer Herkunft sind häufig von den Vorteilen des Gemeinschaftslebens ausgeschlossen, die in Mauretanien, insbesondere in ländlichen Gebieten, überlebenswichtig sind. Ihnen wird bisweilen die Hilfe und Mitarbeit der Ortsgemeinschaft verweigert, sie sind vom Zugang zu den gemeinschaftlichen Ressourcen und Einrichtungen ausgeschlossen. Diese Situation wird noch verschlimmert, wenn sie mit einer im Land tief verwurzelten rassistischen und ethnischen Diskriminierung verbunden ist. Kinder von Arbeitsmigranten sind in dieser Hinsicht am stärksten betroffen, da ihnen der Zugang zu einigen Schulen verweigert wird. Da die meisten örtlichen Schulen islamisch sind, sind außerdem Kinder von christlichen Konvertiten grundsätzlich benachteiligt, sofern sie ihren Glauben preisgeben. Sowohl Konvertiten als auch christliche Migranten leiden zudem unter Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt und am Arbeitsplatz. Diese Verfolgung wird auch durch ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen und Vorurteile verschärft.

Leben im Staat

  • Die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) schränkt die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Mauretanien ist eine islamische Republik; und obwohl das Land Vertragspartei wichtiger internationaler Menschenrechtsverträge ist, welche die Religionsfreiheit festschreiben, hat es immer noch ein Strafrecht, das die Todesstrafe für Apostasie vorsieht.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern: Christen müssen in der mauretanischen Gesellschaft vorsichtig agieren. Kritik an der Regierung oder am Islam bleibt niemals straffrei.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, religiöse Symbole öffentlich zur Schau zu stellen: Es gibt nur wenige katholische Kirchengebäude in dem Land, und nur einige Kirchen zeigen ein Kreuz am Gebäude. Kirchen und christliche Organisationen müssen vorsichtig vorgehen und werden versuchen, keine negative Aufmerksamkeit zu erregen.
  • Beamte auf allen Ebenen weigern sich, den Glaubenswechsel einer Person, wie sie in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Personalausweisen usw. erfasst ist, anzuerkennen: Der Staat anerkennt (und toleriert) Konvertiten, die es wagen, ihre Bekehrung öffentlich zu machen, nicht.

Wer für die Regierung arbeitet, muss sich zum Islam bekennen und an staatlichen religiösen Veranstaltungen teilnehmen. Christliche Einwanderer werden häufig offen diskriminiert, in jüngster Zeit wurde eine starke Anti-Immigranten-Kampagne geführt. Rassistische und fremdenfeindliche Übergriffe nehmen oft auch antichristliche Themen auf. Das gesamte Klima im Staat ist so beschaffen, dass viele Konvertiten gezwungen sind, ihren Glauben geheim zu halten. Es ist praktisch unmöglich für Christen, sichtbar zu sein und an den nationalen Angelegenheiten des Landes teilzuhaben.

Kirchliches Leben

  • Die christlichen Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren oder historische religiöse Räume und Kultstätten zu beanspruchen, die ihnen früher genommen worden waren: Nur die Römisch-Katholische Kirche hat als solche erkennbare Kirchengebäude. Auch einige andere Konfessionen dürfen sich dort treffen; andere treffen sich in Wohnhäusern oder Sälen. Der Bau neuer Kirchengebäude ist nahezu unmöglich.
  • Es ist auf jeder Regierungsebene schwierig, die Registrierung oder den rechtlichen Status für Kirchen zu erhalten: Als Teil der Hinterlassenschaft französischer Kolonialherrschaft hat nur die Römisch-Katholische Kirche einen Rechtsstatus. Alle anderen Kirchenformen wird ein solcher Status nicht gewährt. Doch die Katholische Kirche in der Diözese Nouakchott erlauben es evangelikalen Gemeinden, Hinterzimmer auf den Kirchengeländen für ihre Gottesdienste zu nutzen.
  • Die Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren: Alle Christen wissen, dass keine öffentlichen christlichen Aktivitäten außerhalb der sehr begrenzten Kirchengebäude erlaubt sind. Mit Ausnahme einiger weniger Veranstaltungen, wie etwa einem Ostermorgengottesdienst außerhalb der Stadt, sind keine kirchlichen Veranstaltungen außerhalb ihrer Mauern bekannt. Daher ist die Kirche in Mauretanien gezwungen, unsichtbar zu sein und im Schatten zu operieren.
  • Die Kirchen werden daran gehindert, Konvertiten offen zu integrieren: Da Missionstätigkeit strengstens verboten ist, ist es den Kirchen ausländischer Christen nicht erlaubt, einen Muslim in ihren Räumlichkeiten zu empfangen, geschweige denn einen christlichen Konvertit in ihre Gemeinden zu integrieren.

Christen muslimischer Herkunft versammeln sich im Geheimen, aus Angst, sie könnten beobachtet werden. Ausländische Christen dürfen sich nur an bestimmten öffentlichen Orten zum Gottesdienst treffen – allerdings nutzen sie häufig Privathäuser, in denen sie niemand vom Gottesdienst abhält, es sei denn, die Musik und die Predigt sind zu laut.

Auftreten von Gewalt

Die Gewalt gegen Christen ist auf einem sehr niedrigen Niveau geblieben. Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens kennen alle Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben die Folgen, wenn ihr Glaube entdeckt wird, und auch andere Christen, wenn sie nicht vorsichtig handeln und etwa nicht auf Missionstätigkeit verzichten. So vermeiden Christen, indem sie sich bedeckt halten, Gewalt gegen sie. Zweitens ist Mauretanien ein verschlossenes Land; es wird zwar vermutet, dass Konvertiten in Mauretanien unter gewaltsamer Verfolgung durch ihre (Groß-)Familienmitglieder, Nachbarn und die Gesellschaft leiden, aber es ist schwierig, bestätigte Berichte über solche Vorfälle außer Landes zu bekommen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung von Nahrungsmitteln/Wasser
  • Zwangsverheiratung
  • Zwangsscheidung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenraub
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Innerhalb der mauretanischen Stammesgesellschaft sind Frauen der Autorität ihrer Väter und Ehemänner unterworfen. Daher sind die verwundbarsten Christinnen diejenigen, die den Islam, die Hauptreligion, verlassen haben. Dies zu tun bedeutet, den Vater oder Ehemann zu missachten und Schande über die Ehre der Familie zu bringen. Ein Glaubenswechsel hat schwerwiegende Folgen, zumal die meisten Frauen und Mädchen (finanziell) völlig von ihren Familien abhängig sind.

Traditionelle Heiratspraktiken versetzen Konvertitinnen in eine besonders prekäre Lage. In Mauretanien wird der erste Ehepartner in der Regel von den Eltern ausgewählt, und diese Auswahl geschieht oft noch vor der Volljährigkeit des Mädchens. Unverheiratete Konvertitinnen können daher zu einer Ehe mit einem muslimischen Mann gezwungen werden, um sie unter dem Einfluss eines islamischen Familienlebens zu halten. Im Allgemeinen haben die meisten Frauen keine Wahl bei der Heirat. Wenn man herausfindet, dass eine Frau oder ein Mädchen Christin ist, wird man ihr möglicherweise die Nahrung entziehen, sie mit Prügelstrafe, übermäßiger Hausarbeit und qualvoller Zwangsarbeit belegen und sie isolieren. In dieser Kultur bleibt ein Mädchen immer im Haus der Familie und verlässt die Familie nicht, bis sie verheiratet ist; sonst wird sie als Prostituierte abgestempelt.

Auf der anderen Seite können verheiratete Konvertitinnen problemlos verstoßen werden und am Ende keine Mittel zum Überleben haben. Grundsätzlich ist es sehr einfach, sich von einer Frau scheiden zu lassen, und Polygamie wird immer noch praktiziert. Die Tatsache, dass in Mauretanien moderne Sklaverei vorkommt, trotz der Gesetze dagegen, macht eine skrupellose Inhaftierung und Ausbeutung von Konvertitinnen wahrscheinlicher.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt

Christliche Männer in Mauretanien, die sich vom Islam ab- und dem christlichen Glauben zuwenden, bringen Schande über ihre (Groß-)Familie. Dies führt dazu, dass sie höchstwahrscheinlich geächtet werden und damit Respekt und Status in der Gesellschaft verlieren; es werden viele christliche Männer aus ihrer Heimat vertrieben. Manchmal sehen sich Konvertiten gezwungen, aus ihrer Stadt oder ihrem Land zu fliehen, um zu vermeiden, an muslimischen Riten teilnehmen zu müssen. Wenn sich ein Glaubenswechsel bestätigt, kann vor einem religiösen Gericht Anklage wegen Apostasie erhoben werden.

Andere nichtarabische christliche Männer im Land werden unter Druck gesetzt, Mauretanien zu verlassen, etwa indem man ethnische Afrikaner bei der Arbeitsplatzsuche ausschließt oder Arbeitsmigranten zwingt, hohe Gebühren für den Aufenthalt im Land zu zahlen. Viele Christen aus dem Afrika südlich der Sahara verlassen deshalb das Land oder führen ein äußerst missliches Leben.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Abgesehen von der christlichen Minderheit gibt es in Mauretanien auch eine sehr kleine, aber wachsende Minderheit schiitischer Muslime. Während die Regierung gute Verbindungen zum Iran pflegt und diese Religionsgruppe in der Vergangenheit nicht ins Visier genommen hat, wurde 2018 ein schiitisches Religionszentrum geschlossen. Sunnitische Religionsführer brandmarken diese Minderheit und rufen zu restriktiven Maßnahmen gegen schiitische Muslime auf.

Laut Bericht des US-Außenministeriums zur internationalen Religionsfreiheit von 2018 „ wiederholte während des jährlichen Opferfestes Imam Ahmedou Ould Lemrabott Ould Habibou Rahman, der Imam der Großen Moschee von Nouakchott, erneut seine Warnung vor dem wachsenden Einfluss des schiitischen Islam im Land. Rahman erklärte zum dritten Mal in Folge, dass die Regierungsbehörden die Beziehungen zum Iran abbrechen sollten, um die Ausbreitung des iranischen schiitischen Islam zu stoppen.”

Es gibt keinen Platz in der mauretanischen Gesellschaft für andere religiöse Gruppen oder Atheisten.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Die Islamische Unterdrückung wird wahrscheinlich weiterhin eine wesentliche Triebkraft der Verfolgung in Mauretanien bleiben. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich dies in naher Zukunft verbessern wird. Die Verschärfung des Blasphemiegesetzes im Jahr 2018 deutet eher auf eine Verschlechterung hin, obwohl sich die Situation in der Praxis wahrscheinlich nicht ändern wird. Der Einfluss islamisch-extremistischer Gruppen wächst, und dies könnte die Situation langfristig ernsthaft verschlechtern.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Obwohl das Land urbaner wird und die Ankunft des Internets und die sozialen Medien Veränderungen mit sich gebracht haben, ist es unwahrscheinlich, dass sich das Stammesdenken kurzfristig ändern wird. Rassismus und ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen werden höchstwahrscheinlich bestehen bleiben, besonders jetzt, wo die Regierung aktiv auf die Arabisierung der Arbeitskräfte hinarbeitet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Christliche Arbeitsmigranten befinden sich in einer Krise. Neue Gesetze erschweren es, im Land zu bleiben; nur wenige christliche Arbeitsmigranten finden Arbeit und nur wenige haben auch die nötigen Mittel, um sich legal im Land aufzuhalten. Einige haben sich entschieden zu bleiben und zusätzliche Bestechungsgelder zu zahlen, während andere sich entschieden haben, das Land zu verlassen.

Diktatorische Paranoia

Die derzeitige Regierung ist entschlossen, an der Macht zu bleiben und versucht, ihre Legitimität unter den islamischen Gruppen durch Christenverfolgung zu untermauern. Diese Haltung wird sich wahrscheinlich nicht ändern.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mauretanien:

  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, deren Glaubenswechsel bekannt wurde und die nun von ihrer Familie und Ortsgemeinschaft isoliert und ausgestoßen überleben müssen. Beten Sie um Gottes Trost und die Stärkung durch den Heiligen Geist, aber dass ihnen auch konkrete Hilfe zuteil wird.
  • Beten Sie für die Gemeinden, die sich in Sälen, Hinterzimmern, und teilweise ganz im Verborgenen treffen müssen. Beten Sie, dass sie dennoch zu einem Licht im Land werden und dass die Gemeinden darauf vertrauen, dass Gott in ihren Worten und Taten wirkt.
  • Beten Sie weiterhin um Versöhnung zwischen den Ethnien in einem tief gespaltenen Land und in einer angespannten Zeit. Beten Sie um eine Veränderung der ungerechten Strukturen und Einstellungen, die Gruppen und Stämme gegeneinander aufrechterhalten. Bitte beten Sie um Vergebung, die notwendig ist, um mit einer schwierigen Vergangenheit umzugehen.

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