Weltverfolgungsindex 2026

Indien

Christenverfolgung in Indien

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Alle in Indien vertretenen Kategorien von Christen, die für den Weltverfolgungsindex untersucht wurden, erleben Verletzungen ihrer Religionsfreiheit. Extremistische Hindu-Nationalisten betrachten Christen als unerwünschte Fremde. Sie wollen ihr Land vom Islam und dem christlichen Glauben säubern und schrecken nicht davor zurück, auch massive Gewalt einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen. Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft werden in Indien am stärksten verfolgt. Sie werden unter ständigen Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch Kampagnen, die als „Ghar Wapsi“ (übersetzt: „Heimkehr“) bekannt sind. Auch durch sogenannte „Anti-Bekehrungs-Gesetze“ werden Christen unter Druck gesetzt. In zwölf Bundesstaaten gibt es derzeit solche Gesetze. Oft werden Christen körperlich angegriffen, manchmal sogar getötet.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Die indische Verfassung erklärt das Land zwar zu einem säkularen Staat, doch hinduistische Extremisten versuchen, dies zu ändern und den Hinduismus zur Staatsreligion zu machen. Im Jahr 2014 wurde Narendra Modi zum indischen Premierminister gewählt. Modi wurde zuvor dafür kritisiert, im Jahr 2002 als damaliger Regierungschef des Bundesstaates Gujarat nichts zum Schutz von Hunderten von Muslimen unternommen zu haben, die bei den Pogromen in Gujarat von Hindu-Extremisten getötet wurden. Modi wurde sowohl 2019 als auch 2024 im Amt bestätigt. Seit Modi Premierminister ist, hat die Zahl der jährlich gemeldeten gewaltsamen Übergriffe auf Christen drastisch zugenommen. Bei seiner Wiederwahl im Jahr 2024 war Modis Vorsprung zwar geringer, aber diese Tatsache hat keinen Einfluss auf den Druck und die Gewalt, denen Christen ausgesetzt sind.

Die indischen Religionsfreiheitsgesetze, auch Anti-Bekehrungs-Gesetze genannt, sind Sache der einzelnen Bundesstaaten. Sie werden auf bundesstaatlicher Ebene mit dem Ziel erlassen, religiöse Bekehrungen zu regeln. In der Praxis jedoch werden diese Gesetze sowie das indische Strafgesetzbuch missbraucht, um Christen zu bestrafen, indem man sie fälschlicherweise der Missionierung oder Zwangsbekehrung beschuldigt. Selbst in Bundesstaaten, in denen es kein Anti-Bekehrungs-Gesetz gibt, hat die Polizei Christen wegen vermeintlicher evangelistischer Aktivitäten verhaftet. Folgende zwölf Bundesstaaten haben bereits Anti-Bekehrungs-Gesetze erlassen: Odisha (seit 1967), Madhya Pradesh (1968), Arunachal Pradesh (1978), Chhattisgarh (2000), Gujarat (2003), Himachal Pradesh (2006 bzw. 2019), Jharkhand (2017), Uttarakhand (2018), Uttar Pradesh (2020), Haryana (2022), Karnataka (2022) und zuletzt Rajasthan (2025). Dabei wurde in Arunachal Pradesh das Anti-Bekehrungs-Gesetz aufgrund fehlender subsidiärer Vorschriften nicht vollständig umgesetzt. Im August 2024 verabschiedete die Regierung des Bundesstaats Uttar Pradesh das „Gesetz zum Verbot der illegalen Konversion in Uttar Pradesh 2024“ („Prohibition of Unlawful Conversion of Religion Bill 2024“), welches das bestehende Anti-Bekehrungs-Gesetz des Bundesstaates novelliert und dessen Bestimmungen verschärft und restriktiver macht. Das Gesetz lässt die Definitionen problematischer Straftatbestände im Unklaren, etwa was „Täuschung“, „Zwang“, „Manipulation“, „Nötigung“, „Anreize“ und „betrügerische Mittel“ sind. Zudem enthält das Gesetz verschärfte Kautionsbedingungen und erhöht die maximale Gefängnisstrafe von zehn Jahren auf lebenslänglich. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden die ersten Christen in Uttar Pradesh aufgrund eines solchen Gesetzes zu fünf Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Später wurden sie auf Kaution freigelassen, zum Ende des Berichtzeitraums läuft ein Berufungsverfahren.

Indien wächst wirtschaftlich seit Jahren stark und ist mittlerweile die viertgrößte Wirtschaft der Welt. Als bevölkerungsreichstes Land der Erde fühlt sich das Land dadurch selbstbewusster. Es widersetzt sich daher stärker internationalem Druck in Fragen der Rechte von Minderheiten und fördert offen den religiösen Nationalismus. Die indische Regierung tritt auch zunehmend entschlossener gegenüber ihrem Nachbarn Pakistan auf. Auf die Drohung mit US-Zöllen hat sie mit einem Aufruf zu größerer Eigenständigkeit und Selbstversorgung reagiert. Trotz alldem ist die Armutsquote in der Bevölkerung unglaublich hoch. Das Kastensystem, eine viele Jahrhunderte alte hierarchische Einteilung der indischen Gesellschaft, ist nach wie vor allgegenwärtig. Die meisten Christen stammen aus den sogenannten „Scheduled Castes“, das heißt aus den untersten Kasten – aus der Gruppe der Dalits, deren Angehörige als „Unberührbare“ geächtet sind –, sowie aus den „Scheduled Tribes“, einer Gruppe, die Adivasi oder Janjati genannt wird. Viele von ihnen haben unter anderem deshalb den Hinduismus verlassen und den christlichen Glauben angenommen, um ihrer hoffnungslosen Situation zu entkommen; sie mussten aber feststellen, dass auch innerhalb der Kirche die gesellschaftlichen Barrieren bestehen.

Die christliche Bevölkerung ist die Gruppe mit der zweithöchsten Alphabetisierungsrate in Indien, und gleichzeitig ist sie auch die Gruppe unter allen Minderheiten in Indien mit der höchsten Arbeitslosenquote. Darüber hinaus sehen sich Christen tagtäglich mit Diskriminierung, unzureichender öffentlicher Gesundheitsversorgung und Unterernährung konfrontiert. Staatliche Beschränkungen machen es den Kirchen praktisch unmöglich, Unterstützung aus dem Ausland für soziale Projekte zu erhalten. Auch die Arbeit christlicher Nichtregierungsorganisationen ist in ähnlicher Weise eingeschränkt. Nach dem „Foreign Contributions Regulation Act“ („Gesetz zur Regulierung ausländischer Spenden“, FCRA) erloschen die Lizenzen von Tausenden von Nichtregierungsorganisationen, darunter auch von Hunderten kirchlichen Organisationen. Laut der indischen Regierung seien die Lizenzverlängerungen nicht rechtzeitig beantragt worden. Indessen hob im Juni 2024 die von der „Bharatiya Janata Party“ („Indische Volkspartei“, BJP) geführte Zentralregierung ein Verbot auf, aufgrund dessen es Regierungsmitarbeitern nicht erlaubt gewesen war, dem „Rashtriya Swayamsevak Sangh“ („Reichsfreiwilligenbund“, RSS) beizutreten. Der RSS gilt als ideologischer Flügel der BJP, der die Idee der „Hindu Rashtra“ – einer einheitlichen Hindu-Nation – propagiert.

Es herrscht ein hohes Maß an physischer Gewalt; Ehrenmorde, Säureattacken, Angriffe durch Schlägertrupps oder Mobs und andere Grausamkeiten geschehen im ganzen Land immer wieder. Bürgerwehren verbreiten Desinformationen über christliche Aktivitäten (wie Gebetstreffen oder Predigten) und legen damit die Grundlage für Prügelattacken und andere Gräueltaten gegen Christen. Auch die Polizei steht in dem Ruf, brutal und korrupt zu sein und inhaftierte Christen zu misshandeln. Ein weiteres großes Problem für Christen sind Maoisten, auch bekannt als Naxaliten – kommunistische Kämpfer, die einige der ärmsten ländlichen Regionen Indiens kontrollieren. Christen, die in diesen von den Naxaliten kontrollierten Gebieten leben, werden ständig überwacht und können ihren Glauben nicht offen praktizieren. Wenn sie es dennoch tun, werden sie von den Naxaliten ernsthaft bedroht.

Im Bundesstaat Manipur kam es im Jahr 2023 zu Gewaltausbrüchen zwischen den ethnischen Gruppen der Meitei (überwiegend Hindus) und der Kuki (überwiegend Christen). Die Gewalt ging von den Meitei aus, welche die Bevölkerungsmehrheit in Manipur ausmachen, und wurde ausgelöst durch eine Kontroverse um Fördermaßnahmen, wobei die Meitei einen Stammesstatus verlangten und die Kuki dagegen protestierten. Weit über 200 Kirchen gingen bei dem Gewaltausbruch in Flammen auf. Auch Kirchen auf Seite der Meitei wurden angegriffen.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

72.326.000

5,0

Muslime

199.536.000

13,7

Hindus

1.065.348.000

73,2

Buddhisten

12.040.000

0,8

Anhänger ethnischer Religionen

45.237.000

3,1

Juden

4.800

< 0,1

Bahai

2.662.000

0,2

Atheisten

2.779.000

0,2

Agnostiker

22.037.000

1,5

Andere

32.635.300

2,2

3. Gibt es regionale Unterschiede?

In Indien gibt es keine speziellen regionalen Brennpunkte für Verletzungen der Religionsfreiheit. Die am meisten davon betroffenen Regionen sind die Bundesstaaten, in denen die hindu-nationalistische BJP großen Regierungseinfluss hat. Die stärkste Verfolgung geschieht im nördlichen Bundesstaat Uttar Pradesh, allerdings gibt es auch viele Fälle in den zentralöstlichen Bundesstaaten und im Bundesstaat Manipur. Dies kann sich infolge der Wahlen jedoch alle fünf Jahre ändern. Hindu-extremistische Gruppen haben im ganzen Land ihre Zweigstellen eingerichtet, auch in abgelegenen Dörfern. Sie beobachten die Veranstaltungen genau, auf denen Christen über ihren Glauben sprechen. In Gebieten, in denen die BJP nicht an der Macht ist, bildet sie doch eine starke Oppositionspartei. Obwohl die Überwachung hoch ist, bekommen Christen nur dann Probleme, wenn sie anfangen, über ihren Glauben mit anderen zu sprechen.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus

Die Entschlossenheit und Gewaltbereitschaft hindu-nationalistischer Organisationen haben über die Jahre zugenommen. Sie treten mit dem Anspruch an, Indien gehöre dem Hinduismus, und fordern, andere Religionen sollten aus dem Land verdrängt werden. Der extremistische Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Die Verfolgung von Christen gilt als besonders wirksame politische Strategie. Der christliche Glaube wird dabei sowohl als äußere Bedrohung dargestellt (die wirtschaftliche Unsicherheit durch die Globalisierung wird mit dem christlichen Westen in Verbindung gebracht) als auch als innere Bedrohung (durch angebliche Unterstützung des Westens für die christliche Gemeinschaft im Land).

Diktatorische Paranoia, gemischt mit religiös motiviertem Nationalismus

Nachdem die BJP die Wahlen 2024 erneut gewonnen hat, bildet sie wieder die Regierung unter Premierminister Narendra Modi. Er wird als der starke Mann bejubelt, der Indien anführt. Infolgedessen treten diktatorische Tendenzen immer stärker zum Vorschein. Anzeichen für eine wachsende diktatorisch gesinnte Strömung innerhalb der Regierungskreise sind zum Beispiel die Kontrolle der sozialen Medien und das Sperren von solchen Medien, die von der Regierung vertretene Grundsätze und Statistiken hinterfragen. Ein anderes Beispiel dafür ist die Propaganda gegen vermeintlich „fremde“ Religionen wie den Islam oder den christlichen Glauben.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit, gemischt mit religiös motiviertem Nationalismus

In den Staaten Chhattisgarh, Jharkhand, Odisha, im südlichen Madhya Pradesh und im südlichen Gujarat, in Arunachal Pradesh, Assam, Tripura, Nagaland und Manipur gibt es Gebiete mit Stammesgesellschaften. Diese hat die hindu-extremistische Organisation RSS erfolgreich infiltriert und sie gegen die Christen in diesen Gebieten aufgebracht. Immer häufiger werden christliche Konvertiten aus diesen Stammesgesellschaften bedroht, gesellschaftlich ausgeschlossen, vertrieben, vom Zugang zu Trinkwasser abgehalten, vergewaltigt und sogar ermordet. In einer Reihe von Fällen wurde der Bau von Kirchengebäuden durch Dorfbewohner gewaltsam gestoppt.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Diese Triebkraft wirkt besonders stark in Teilen Nordindiens, wo im sogenannten „Jat-Gürtel“ (in den Regionen Punjab, Haryana und Teilen von Rajasthan und Uttar Pradesh) die „Khap-Panchayats“ (Clan-Gerichte) herrschen. Sie können über Leben und Tod entscheiden und handeln unabhängig vom Rechtssystem des Landes, das häufig ein Auge zudrückt, und die Polizei kooperiert sogar dabei – die Polizisten stammen größtenteils aus denselben Dörfern und Gemeinschaften, die auch die Clan-Gerichte betreiben. In ihren Augen ist die Hinwendung zum christlichen Glauben eine ernst zu nehmende Straftat.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele hierfür sind Christen der römisch-katholischen Kirche und orthodoxer oder anglikanischer Tradition. Diese Gemeinden zeugen davon, dass es in Indien schon seit vielen Jahrhunderten Christen gibt, so etwa die (orthodoxe) Mar-Thoma-Kirche in Kerala, die auf das 3. Jahrhundert zurückgeht. Christen aus den traditionellen Kirchen erleben Verletzungen ihrer Religionsfreiheit, sind aber im Allgemeinen weniger davon betroffen als Christen der nachfolgenden Kategorien.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft sind am stärksten von Verletzungen der Religionsfreiheit in Indien betroffen. Sie werden fast täglich drangsaliert und konstant unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren. Christliche Konvertiten anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld; ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Dabei sind christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund nur in denjenigen Regionen Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung ausgesetzt, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Christen aus protestantischen Freikirchen (etwa aus baptistischen, evangelikalen sowie pfingstkirchlichen Gemeinden) sind nach den christlichen Konvertiten hinduistischer Herkunft das zweitgrößte Ziel von Hindu-Extremisten, da diese freikirchlichen Christen aktiv das Evangelium weitergeben.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 12.4
Familienleben 13.1
Gesellschaftliches Leben 13.2
Leben im Staat 15.1
Kirchliches Leben 13.6
Auftreten von Gewalt 16.1

Privatleben

Allein über den christlichen Glauben zu sprechen, wird aktuell bereits als eine Form der Evangelisation betrachtet. Beim Beten gesehen zu werden, ist nicht mehr nur für christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft riskant, sondern für alle Christen, außer in zwei oder drei nordöstlichen Staaten. Aktivitäten wie Gottesdienste, die eigentlich verfassungsrechtlich geschützt sind, können dazu führen, dass extremistische Hindus die Christen und Gemeinden fälschlicherweise der Zwangsbekehrung bezichtigen. Aufgrund solcher Anschuldigungen werden Christen und insbesondere Gemeindeleiter unter Umständen verhaftet, wobei es häufig zu körperlicher Gewalt kommt. Für ausländische Christen ist es unmöglich, ein Visum als Missionar zu erhalten.

Familienleben

Obwohl das Jugendschutzgesetz die Adoption hinduistischer Kinder durch nicht hinduistische Eltern erlaubt, ist in der Praxis eine Adoption für Christen immer noch extrem schwierig. Die Verfahren sind überaus kompliziert, und die Mitglieder der Adoptionsausschüsse sind gegenüber Christen zuweilen voreingenommen. Christliche Kinder werden gezwungen, an den hinduistischen Inhalten des schulischen Lehrplans teilzunehmen, z. B. an Yoga oder hinduistischer Literatur und Mythologie. Dieser Lehrplan gilt sogar für christliche Schulen. Taufen unter freiem Himmel werden inzwischen als zu riskant angesehen, sowohl für den Pastor, der die Taufe durchführt, als auch für den Täufling. Christliche Kinder, insbesondere diejenigen von christlichen Konvertiten hinduistischer Herkunft, werden aufgrund des Einflusses extremistischer Hindus zunehmend diskriminiert und körperlich belästigt.

Gesellschaftliches Leben

In den vergangenen fünf Jahren hat die Überwachung von Christen durch hindu-extremistische Organisationen und kommunale Gemeindebehörden zugenommen – mit dem Ziel, jede Form der Weitergabe des Evangeliums zu unterbinden. Belästigungen, Drohungen und soziale Diskriminierung haben zugenommen, vor allem im Zusammenhang mit den wichtigsten christlichen Festen wie Ostern oder Weihnachten. Die sogenannten Ghar-Wapsi-Kampagnen, mit der christliche Konvertiten zur Rückkehr zum Hinduismus gedrängt werden, sind aufgrund des damit verbundenen gesellschaftlichen Drucks zum Teil erfolgreich.

Leben im Staat

In zwölf Bundesstaaten sind Anti-Bekehrungs-Gesetze in Kraft, die die Religionsfreiheit einschränken. Christliche Organisationen, die Gelder aus dem Ausland erhalten, wurden schon immer durch das bereits erwähnte FCRA-Gesetz eingeschränkt, weil bei ihnen davon ausgegangen wird, dass sie an Missionierung oder Fürsprache für Christen beteiligt sind. Im Allgemeinen sind die Medien, vor allem diejenigen in indischen Sprachen, gegenüber Christen voreingenommen; und geradezu feindselig sind sie in ländlichen Gebieten, wo Propaganda und Aufforderungen zur Gewalt gegen Christen durch Hindu-Extremisten viel Sendezeit erhalten. Auf allen großen Social-Media-Plattformen finden sich Hassreden gegen Christen von hindu-extremistischen Anführern. Diese Art von Hassreden sind weit verbreitet, vor allem in indischen Sprachen und Dialekten.

Kirchliches Leben

Der Staat überwacht christliche Aktivitäten und hat viele Einschränkungen vorgenommen, zum Beispiel in Bezug auf Finanzierung aus dem Ausland und Einladungen von ausländischen Missionaren, er hat die Registrierung erschwert und Anti-Bekehrungs-Gesetze erlassen. Lokale Behörden und Hindu-Extremisten überwachen die Internet-Aktivitäten von Christen genau, und selbst Touristen müssen eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichten, nicht zu predigen oder andere zum Glaubenswechsel zu ermutigen. Viele ausländische Christen mit Arbeitsvisa werden abgeschoben. Ebenso abgeschoben werden viele Ausländer indischer Herkunft, wenn sie Mitglied von Kirchen oder christlichen Gruppen in Indien sind. Jeder Christ, der einen Angriff anprangert, riskiert weitere Gewalt.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

  • Im Juni 2025 wurde eine Frau in einem Dorf im Bundesstaat Jharkhand von ihren Mitbürgern getötet. Sie hatte von ihrem christlichen Glauben erzählt, den einige daraufhin für sich annahmen. Ihre Familie entdeckte ihre Leiche erst eine Woche später.
  • Am 7. November 2024 wurde eine christliche Frau im Bundesstaat Manipur bei einem Angriff mutmaßlicher Meitei-Militanten gefoltert, zerstückelt und getötet (und vermutlich zuvor vergewaltigt). Außerdem wurden bei dem Angriff Häuser niedergebrannt und 35 Familien vertrieben.

Im Bundesstaat Telangana wurde im Oktober 2024 ein Jugendgottesdienst von RSS- und BJP-Führern gestört. Sie griffen die Jugendlichen an und zerstörten ihre Handys, Stühle und die Musikanlage. Obwohl der Pastor Anzeige erstattete, ergriff die Polizei keinerlei Maßnahmen. Im Januar 2025 wurden ein Pastor und seine Frau im Bundesstaat Uttar Pradesh nach dem dort geltenden Anti-Bekehrungs-Gesetz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie unter Dalits gearbeitet hatten.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

12

84

2025

11

84

2024

11

83

2023

11

82

2022

10

82

Das aufgerundete Ergebnis bleibt gegenüber dem vorherigen Berichtszeitraum unverändert. Die detailliertere Auswertung spiegelt zwar eine gewisse Stabilisierung der Lage im Bundesstaat Manipur wider, gleichzeitig aber einen zunehmenden Druck auf einzelne Christen und Familien im ganzen Land. Im Bundesstaat Manipur kommt es zwar weiterhin zu Ausbrüchen extremer Gewalt, doch mussten in diesem Jahr weniger Christen ihre Häuser verlassen. Dies ist der Hauptgrund, warum der Wert für Gewalt zurückgegangen ist. Die gestiegenen Werte im Privat- und Familienleben zeigen den umfassenderen gesellschaftlichen Wandel auf, der durch die Hindutva-Bewegung hervorgerufen wird. Diese stellt Christen als Verräter an ihrem Land und ihrer Gemeinschaft dar. Deshalb ist es schon riskant, den christlichen Glauben privat auszuüben, vor allem online – das wird immer mehr bereits als Missionierung verstanden. Alle oben genannten Kategorien von betroffenen Christen werden von Hindu-Extremisten angefeindet, die Christen als Fremdkörper im Land betrachten. Sie wollen ihr Land vom Islam und dem christlichen Glauben reinigen und schrecken nicht davor zurück, auch massive Gewalt einzusetzen, um dieses Ziel zu erreichen. Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft tragen in Indien die Hauptlast der Verfolgung. Sie werden unter ständigen Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Zwar wird der anhaltende Konflikt im nordöstlichen Bundesstaat Manipur als ethnischer Konflikt bezeichnet, doch ist in ihm auch eine auffällige Strömung religiöser Intoleranz erkennbar. In diesem Konflikt sind christliche Frauen gleich mehrfach gefährdet – wegen ihres Geschlechts und aufgrund ihres Glaubens. Sie stehen in der Gefahr, entführt, vergewaltigt, gefoltert und ermordet zu werden. Berichten zufolge hat die bundesstaatliche Polizei bei Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen zugeschaut und sich in einigen Fällen sogar mitschuldig gemacht. Christliche Konvertitinnen riskieren zudem Hausarrest, Zwangsheirat, Zwangsscheidung, Vertreibung aus ihrem Haus und soziale Isolation. Auch durch häusliche Gewalt, die in Indien häufig vorkommt, sind christliche Konvertitinnen zusätzlich gefährdet.

Männer

Männer gelten als körperlich stark, und so zielt die Verfolgung christlicher Männer auf ihre körperliche Stärke sowie auf ihre Stellung als Haushaltsvorstand ab. Zu den Übergriffen auf Männer gehören Prügelattacken, Morde und psychische Folter. Gemeindeleiter sind besonders gefährdet, von extremistischen Hindus angegriffen zu werden, und der Beruf des Pastors ist nach wie vor einer der risikoreichsten Berufe des Landes. Extremisten haben offen zur Ausrottung des christlichen Glaubens aufgerufen, und aufgebrachte Menschenmengen haben Sonntagsgottesdienste angegriffen. Christliche Konvertiten werden von ihrem sozialen Umfeld und ihrer Familie unter Umständen isoliert und vom Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen ausgeschlossen. Haftstrafen oder wirtschaftliche Boykotte führen zur Verarmung von Familien. Oft werden falsche Anschuldigungen gegen Männer erhoben, wie etwa die Verunglimpfung hinduistischer Götter und Göttinnen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die muslimische Minderheit ist deutlich größer als die christliche und seit langem gewaltsamer Verfolgung ausgesetzt. Vorfälle von Hassrede, die zu Gewalt und Diskriminierung anstifteten, nahmen 2024 um 74 % zu, wie die BBC berichtete. Die meisten dieser Vorfälle waren gegen Muslime gerichtet. Muslime werden wie Christen wegen angeblicher Zwangsbekehrungen verurteilt, wie etwa im Fall des muslimischen Geistlichen Kalim Siddiqui und elf weiterer Personen, die in Uttar Pradesh zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums wenden 25 der 28 Bundesstaaten partielle Beschränkungen bis vollständige Verbote für das Schlachten von Rindern an. Die Strafen variieren von Bundesstaat zu Bundesstaat und hängen davon ab, ob es sich bei dem illegal geschlachteten Tier um eine Kuh, ein Kalb, einen Bullen oder einen Ochsen handelt. Die Verbote betreffen vor allem Muslime und Angehörige der Scheduled Castes beziehungsweise der Scheduled Tribes, die traditionell Rindfleisch konsumieren oder mit Rindern arbeiten, sie transportieren und schlachten.

Am 27. Juni 2023 forderte Premierminister Modi, dass das Land ein einheitliches Zivilgesetzbuch (den sogenannten „Uniform Civil Code“) erhalten solle, wie es in der Verfassung vorgesehen sei. Er sagte, ein System von „unterschiedlichen Gesetzen für unterschiedliche (religiöse) Gemeinschaften“ sei nicht funktional für das Land. Gegen die Initiative sprachen sich mehrere Regierungsbeamte und deren Regierungen aus sowie führende Vertreter der Muslime, der Sikh, der Christen und der Stammesgemeinschaften.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Danken Sie Jesus Christus dafür, dass Menschen in Indien zum Glauben an ihn finden – etwa in den Stammesgebieten oder unter den Dalits –, und bitten Sie für diese Konvertiten um einen festen Glauben inmitten von Verfolgung.
  • Beten Sie, dass sich Pastoren und Leiter finden, die diese neu zum Glauben gekommenen Christen unterweisen.
  • Beten Sie, dass die Behörden die Christen schützen und dass die Familien und das Umfeld von Konvertiten ihren Glaubenswechsel akzeptieren.
  • Beten Sie für die Politiker, dass sie ihrem Auftrag gerecht werden und der ganzen Bevölkerung dienen, auch den Christen. Bitten Sie für Hindu-Extremisten, dass sie Jesus Christus begegnen und seinen Frieden erleben.
  • Beten Sie für die Medien des Landes, dass Hass und Aufrufe zur Gewalt dort keinen Nährboden mehr finden und dass die Verbreitung von Verleumdungen und Falschmeldungen in den sozialen Medien stärker bekämpft werden.

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