Länderprofil Indien

Indien

10
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Indien
Hauptreligion
Hinduismus
Platz Vorjahr
10
Karte Indien
Christen
67,36
Bevölkerung
1383.20
Religiös motivierter Nationalismus
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.000
Familienleben: 12.900
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 14.900
Kirchliches Leben: 13.700
Auftreten von Gewalt: 15.400

Länderprofil Indien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 10 / 83 Punkte (WVI 2020: Platz 10 / 83 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die Rechte aller Christen in Indien werden verletzt, da extremistische Hindus Christen als unerwünschte Fremde betrachten. Sie wollen ihr Land vom Islam und Christentum „reinigen“ und schrecken auch nicht davor zurück, erhebliche Gewalt anzuwenden, um dieses Ziel zu erreichen. Christen, die einen hinduistischen Hintergrund haben, tragen in Indien die Hauptlast der Verfolgung. Sie werden beständig unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch die Rückbekehrungs-Kampagnen, die unter dem Namen „Ghar Wapsi“ („Zurück zu den Wurzeln“ oder „Heimkehr“) bekannt sind. Oft werden diese Christen auch körperlich angegriffen, manchmal sogar getötet.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

83

10

2020

83

10

2019

83

10

2018

81

11

2017

73

15

Mit einer Wertung von 83 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2021 hat sich die Punktzahl gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. In einigen Kategorien, in denen Gewalt gegenüber Christen gemessen wird, ist die Punktzahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dies ist jedoch kein Beleg dafür, dass sich die Situation für Christen verbessert hat. Die Gewalt gegenüber Christen ist weiterhin auf einem extremen Niveau und der Druck auf Christen hat weiterhin in allen Lebensbereichen ein sehr hohes bis extremes Ausmaß. Seitdem die Regierung unter Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 an die Macht kam und im Mai 2019 sogar mit absoluter Mehrheit wiedergewählt wurde, hat sich der Druck auf Christen in Indien dramatisch verstärkt. Extremistische Hindus konnten ihre Angriffe gegen Nichthindus weiterhin ungehindert und ungestraft durchführen.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die Feindseligkeit gegenüber Christen in der Gesellschaft hat sich verstärkt

Seitdem Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 an die Macht kam, ist das Ausmaß der Verletzungen der Religionsfreiheit gegenüber Christen dramatisch angestiegen. Über den christlichen Glauben mit anderen außerhalb der eigenen Familie zu sprechen, wird allgemein als eine Form der Evangelisation angesehen. Die Intoleranz dagegen ist in den letzten fünf Jahren gewachsen. Sich zum christlichen Glauben zu bekennen, kommt in den Augen von extremistischen Hindus der Evangelisation gleich. Die wachsende Feindseligkeit der Gesellschaft gegenüber Christen drückt sich zunehmend (wenn auch nicht nur) in den sozialen Medien aus, die weitverbreitet genutzt werden.

2) Die BJP festigt ihre Machtposition

Bei den Wahlen im April und Mai 2019 erlangte die Regierungspartei „Bharatiya Janata Party“ (BJP) die absolute Mehrheit im Parlament. Damit wird Premierminister Modi die nächsten fünf Jahre an der Macht bleiben. Extremistische Hindus werden weiterhin ungestraft gegen Muslime und Christen vorgehen können. Das Ausmaß der Gewalt wird daher wahrscheinlich auf einem extremen Niveau bleiben.

Im August 2019 entzog die Regierung unter Modi der Region Jammu und Kaschmir, in der Muslime die Mehrheit bilden, die Souveränität und erklärte die Region zu zwei getrennten Unionsterritorien (Jammu und Kaschmir sowie Ladakh). Somit kann die Zentralregierung dort mehr Macht ausüben. Sowohl Pakistan als auch China reagierten entrüstet und die Spannungen nehmen zu.

3. Religiöse Situation im Land

Nach Schätzungen der „World Christian Database“ vom Februar 2020 gibt es rund eine Milliarde Hindus in Indien (72,5 % der Bevölkerung), 200 Millionen Muslime (14,5 % der Bevölkerung), 67,4 Millionen Christen (4,9 % der Bevölkerung), 50 Millionen Anhänger ethnischer Religionen (3,6 % der Bevölkerung), 25,5 Millionen Sikhs (1,8 % der Bevölkerung) und 10,5 Millionen Buddhisten (0,8 % der Bevölkerung).

Der Hinduismus dominiert Indien seit Jahrhunderten (er begann, sich zwischen 500 und 300 v. Chr. zu entwickeln). Die zweitgrößte Religion in Indien ist der Islam. Prozentual gesehen scheint dies eine unbedeutende Minderheit zu sein, bis man bedenkt, dass Indien damit das Land mit der drittgrößten muslimischen Bevölkerung der Erde ist. Nur in Indonesien und Pakistan gibt es mehr Muslime.

Der christliche Glaube ist die drittgrößte Religion in Indien. Christen aus protestantischen Freikirchen (einschließlich Christen anderer religiöser Herkunft) sind die am schnellsten wachsende Gruppe von Christen in Indien.

Bürokratie und Korruption sind ein Problem, das in ganz Indien bekannt ist: Wenn Christen versuchen, eine neue Kirche zu bauen oder eine bestehende zu renovieren, werden sie auf viel Bürokratie und Widerstand stoßen. Die einzige Möglichkeit, das Hindernis der Bürokratie zu umgehen, ist die Zahlung von Bestechungsgeldern. Viele Mitarbeiter in den unteren Verwaltungsämtern haben ein geringes Einkommen und versuchen, sich durch Korruption zusätzliche Einkünfte zu sichern, um zu überleben. Christen in Indien sehen sich in fast jedem ihrer Lebensbereiche mit diesen Hindernissen konfrontiert.

Die viertgrößte religiöse Gruppe sind Anhänger der sogenannten ethnischen Religionen. Dabei handelt es sich um die traditionellen Stammesreligionen, die vor der Ankunft des Hinduismus und Buddhismus im Land existierten.

Sikhs bilden die nächstgrößte Gruppe. Sie leben hauptsächlich im Bundesstaat Punjab im Nordwesten Indiens. Buddhisten machen nur 0,8 % der Bevölkerung des Landes aus.

Der Buddhismus hat seinen Ursprung zwischen im Indien des 4. bis 6. Jahrhundert v. Chr., von wo aus er sich über weite Teile Asiens ausbreitete.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die Entschlossenheit und Gewaltbereitschaft hinduistischer Organisationen haben über die Jahre zugenommen. Sie treten mit dem Anspruch an, Indien gehöre dem Hinduismus, und fordern, andere Religionen sollten aus dem Land vertrieben werden. Extremistischer Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, meinungsstark und sehr gewalttätig. Aber auch von diversen anderen extremistischen Gruppen geht Verfolgung aus, wie etwa von extremistischen Buddhisten in Ladakh, dem Neobuddhismus in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistischen Sikhs in Punjab. Seit 2014 beeinflusst religiös motivierter Nationalismus auch Stammesgruppen und führt dazu, dass sie ihre Religionen als zum Hinduismus zugehörig betrachten.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit verbunden mit religiös motiviertem Nationalismus

In den Staaten Chhattisgarh, Jharkhand, Odisha, im südlichen Madhya Pradesh, im südlichen Gujarat, Arunachal Pradesh, Assam, Tripura, Nagaland und Manipur gibt es Gebiete mit Stammesgesellschaften. Die extremistische Hindu-Bewegung „Rashtriya Swayamsevak Sangh“ (RSS) hat diese Stammesgesellschaften erfolgreich infiltriert und sie gegen die Christen in diesen Gebieten aufgebracht. In diesen Stammesgebieten sind Menschen zum christlichen Glauben gekommen und tun es noch immer. Das ist nichts Neues; in den Stammesgebieten gibt es seit mindestens 100 bis 150 Jahren Kirchen und Christen erlebten nur wenig gewalttätigen Widerstand. Seit Ende der 1990er-Jahre arbeiten der RSS, die hindunationalistische Organisation „Vishva Hindu Parishad“ (VHP) und ihre Mitgliedsorganisationen jedoch systematisch daran, die Stammesgesellschaften zu spalten und Widerstand gegen Christen zu wecken. Immer häufiger werden Christen, die sich den ethnischen Religionen abgewandt haben, bedroht, gesellschaftlich ausgeschlossen und vertrieben; ihnen wird das Trinkwasser verweigert, sie werden vergewaltigt und sogar ermordet. In einer Reihe von Fällen wurde der Bau von Kirchengebäuden von den Dorfbewohnern gewaltsam gestoppt. Ethnisch-religiöse Feindseligkeit wird so schnell zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Indien.

Diktatorische Paranoia verbunden mit religiös motiviertem Nationalismus

Nach dem Sieg bei den Wahlen im Mai 2019 bildete die BJP eine neue Regierung unter Premierminister Narendra Modi, der als der starke Mann gefeiert wird, der Indien anführen soll. Infolgedessen sind diktatorische Tendenzen zu erkennen. Kontrolle der sozialen Medien, hetzerische Reden und das Sperren solcher Medien, welche die von der Regierung vertretenen Grundsätze und Statistiken in Frage stellen, sind nur einige der Anzeichen für eine wachsende diktatorische Bewegung innerhalb der Regierungskreise. Angriffe (einschließlich Falschmeldungen) gegen Journalisten, Oppositionsführer, Menschenrechtsaktivisten und Medienchefs werden durch den Staatsapparat ausgelöst. Auch die Propaganda gegen „fremde“ Religionen wie den Islam und den christlichen Glauben nimmt zu.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm ist einigen Teilen im Norden Indiens stark verbreitet. Im sogenannten Jat-Gürtel (d. h. in den Regionen Punjab, Haryana und Teilen von Rajasthan und Uttar Pradesh) herrschen die sogenannten „Khap-Panchayats“ (Clan-Gerichte). Sie können über Leben und Tod entscheiden und handeln unabhängig vom Rechtssystem des Landes. Die Polizei verschließt davor die Augen und zeigt sich sogar kooperativ. Ihre Mitglieder stammen größtenteils aus denselben sozialen Umfeldern, die von Khaps angeführt werden. Die Khaps scheinen sich gegen alles Moderne zu stellen; sie sind gegen eine Heirat, die den Regeln der Gemeinschaft hinsichtlich Verwandtschaft sowie erwünschter Religion und Status widerspricht. Aus diesem Grund wird das Annehmen des christlichen Glaubens als schwerwiegende Straftat betrachtet. Unterdrückung durch den Clan oder Stamm wird zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Indien. In den Stammesdörfern Indiens, in denen es nur wenige Christen gibt, wurden viele Christen hinduistischer Herkunft gezwungen, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch die „Ghar Wapsi“ genannten Rückbekehrungs-Kampagnen. Unter dem Einfluss extremistischer Hindus verhängen die Stammesführer der Dörfer hohe Geldstrafen gegen Christen und zerstören ihre Häuser. Diese Christen werden geächtet und ausgeschlossen, wenn sie den Forderungen der Stammesführer nicht folgen.

5. Verfolger

Ausgehend von religiös motiviertem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Leiter sind im Wesentlichen dafür verantwortlich, Vorurteile gegen Christen unter der hinduistischen Mehrheit zu verbreiten. Beispiele dafür sind: Yogi Adityanath, der Gründer der „Hindu Yuva Vahini“, einer Miliz, die für die meisten Angriffe in Uttar Pradesh verantwortlich ist; Sakshi Mahraj, der Teil einer gesetzgebenden Versammlung ist; Sadhvi Pragya, Sadhvi Prachi, Rajrajeshwaracharya und Narendra Maharaj. Diese Personen sind für ihre offenen Hassreden gegen Christen bekannt. Sie fungieren als Vermittler zwischen religiös-nationalistischen Ideologien und deren Umsetzung vor Ort; sie verbreiten Fehlinformationen über und planen gewalttätige Taten gegen Christen und andere Minderheiten und führen diese aus.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Verschiedene extremistische Hindu-Gruppen wie VHP, RSS oder „Sangh Parivar“ sind in Indien aktiv. Es sind fast immer solche Gruppen, die hinduistisch motivierten Druck auf Christen ausüben. Andere gewalttätige Gruppen sind maoistische Naxaliten und islamistische Gruppen, wie etwa der sogenannte „Islamische Staat“ (IS), obwohl letzterer in Indien noch keine Christen angegriffen hat.
  • Gewöhnliche Bürger: Auf dörflicher Ebene spielen Mitglieder der Dorfgemeinschaft eine große Rolle bei der Verfolgung von Christen, sowohl von christlichen Konvertiten hinduistischer Herkunft als auch von anderen Christen. Meistens sind es gewöhnliche Dorfbewohner, die Christen anfeinden, beispielsweise indem sie sie verprügeln, Kirchen niederbrennen oder Friedhöfe schänden.
  • Politische Parteien: Die BJP hat die Mehrheit in der Zentralregierung Indiens. Die Partei ist der politische Arm der RSS. Der RSS ist die Mutterorganisation aller Spielarten des indischen Hindu-Extremismus. Alle führenden Politiker der regierenden BJP haben eine Verbindung zum RSS. Normalerweise sind BJP-Mitglieder auch Mitglieder des RSS oder einer seiner 35 Ableger. Die BJP leistet im ganzen Land direkte politische Unterstützung der militanten Flügel des Hindu-Nationalismus, auch „Hindutva“ genannt. Der „Chief Minister“ (vergleichbar mit einem deutschen Ministerpräsidenten) des Bundesstaats Jharkhand, Raghubar Das, Adityanath als Chief Minister von Uttar Pradesh, Manohar Lal Khattar als Chief Minister von Haryana, Rajnath Singh als Verteidigungsminister von Indien und andere Minister der BJP haben sich öffentlich gegen Christen und andere Minderheiten ausgesprochen. Mit der BJP an der politischen Macht fühlen sich extremistische Hindus ermächtigt, Christen zu verfolgen und genießen dabei praktisch Straffreiheit.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung unter Premierminister Modi, voreingenommene Regierungsbeamte und hinduistische Extremisten (wie Familienmitglieder oder Organisationen des RSS) sind in der Verfolgung von Christen die Hauptakteure. Nach dem Machtantritt Modis und der BJP im Mai 2014 entwickelte sich eine Verknüpfung verschiedener Kräfte: der RSS-Extremisten, der Medien und der von der Regierung kontrollierten Beamten, die zusammen gegen den christlichen Glauben kämpfen. Diese Machtverbindung ist vornehmlich für die zunehmende Feindseligkeit gegenüber Christen verantwortlich.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Diese Anführer üben für gewöhnlich Druck auf Christen aus, weil sie die Kultur der Vorfahren verlassen und die Religion der Familie und des sozialen Umfelds, also den Hinduismus, beleidigen.
  • Familienmitglieder: Nahe Verwandte christlicher Konvertiten werden eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Schande für die Familie betrachten und dementsprechend handeln.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit wird stark durch religiös motivierten Nationalismus beeinflusst. Beide Triebkräfte der Verfolgung sind somit eng miteinander verwoben.

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die meisten ethnischen Gruppen in Indien sind traditionellerweise Hindus. Sie werden sich jeder christlichen Präsenz in ihrer Mitte entschieden entgegenstellen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Anführer stehen im Allgemeinen allem Christlichen in ihren Gemeinschaften feindselig gegenüber.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Militante hinduistische Gruppen auf lokaler Ebene lehnen jede christliche Anwesenheit in ihren Einflussgebieten vehement ab.
  • Gewöhnliche Bürger: Einheimische Stammesangehörige sind traditionell Hindus. Nicht selten bilden sie Mobs, um die Christen in ihren Dörfern anzugreifen. Sie sind der Ansicht, dass niemand den Glauben der Vorfahren verlassen sollte.
  • Familienmitglieder: Lokale indigene Familien lehnen die Hinwendung zum christlichen Glauben scharf ab. Sie sind der Ansicht, dass niemand den Glauben der Vorfahren verlassen sollte.
  • Regierungsbeamte: Regionale Regierungsbeamte stellen sich gegen Christen. Sie erachten sie nicht als ihrer ethnischen Gruppe zugehörig, deren Kultur traditionsgemäß hinduistisch ist. Es gibt eine enge Verbindung zum religiös motivierten Nationalismus.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

Diktatorische Paranoia wird besonders durch religiös motivierten Nationalismus beeinflusst. Beide Triebkräfte der Verfolgung sind eng miteinander verwoben.

  • Politische Parteien: Die BJP ist hervorragend im Einsatz moderner Technologie und sozialer Medien, um ihre Ziele zu erreichen. Sie verstehen sich auch darauf, Nachrichten zu fälschen, um ihre Gegner zu bekämpfen. Laut den Äußerungen eines extremistischen Hindu-Anführers im Dezember 2014, hofft man, den Islam und das Christentum bis 2021 aus Indien verdrängt zu haben.
  • Regierungsbeamte: In Bundesstaaten und Regionen, die von extremistischen Hindus kontrolliert werden, stellen sich die regionalen Regierungsbeamten gegen Christen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In den meisten Bundesstaaten und Regionen bestimmen Hindus die Behörden und stellen sich gegen Christen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Einheimische hinduistische Anführer unterstützen die antichristlichen Maßnahmen der Regierung mit Nachdruck.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Extremistische Hindu-Gruppen wie der RSS und „Virat Hindustan Sangam“ stehen Christen feindselig gegenüber.
  • Gewöhnliche Bürger: Hinduistische Mobs unterstützen die BJP-Regierung. Sie wurden darin ermutigt, ihre Angriffe gegen Christen zu verstärken, da sie mehr oder weniger straffrei bleiben.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Regierungsbeamte: Regionale Ratsversammlungen und Polizeibeamte stellen sich auf die Seite der Stammesgruppe. Das bedeutet, dass Christen häufig auf Widerstand stoßen können.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Einige Stammesführer lehnen die Hauptreligionen in Indien entschieden ab. Dies betrifft nicht nur den christlichen Glauben und den Islam, sondern mitunter auch den Hinduismus – insbesondere dort, wo extremistische Hindus Druck auf die Stammesangehörigen ausgeübt haben, den Hinduismus zu akzeptieren. Dies führt zu Konflikten.
  • Gewöhnliche Bürger: Stammesmitglieder setzen alles daran, ihre eigene Kultur zu schützen und wollen nicht den christlichen Glauben annehmen. Dies führt zu Gewalt.
  • Familienmitglieder: Indigene Familien tolerieren keinen Glaubenswechsel eines Angehörigen ihrer traditionellen Religion. Dies kann zu Hausarrest und Gewalt gegenüber christlichen Konvertiten führen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es kann sein, dass Stämme ihren eigenen angestammten Glauben haben oder den Hinduismus angenommen haben (insbesondere unter dem Druck von hinduistischen Extremisten). Militante Volksgruppen stehen Christen feindselig gegenüber.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Extremisten setzen Stammesgruppen unter Druck, den Hinduismus als vorgegebene Religion anzunehmen und Mitglieder anderer Religionen anzugreifen. (Der Druck der ethnischen Gruppen auf Christen ist häufig viel geringer.)

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In Indien gibt es keine speziellen Krisenherde für Verletzungen der Religionsfreiheit. Die am schlimmsten betroffenen Gebiete sind die Bundesstaaten, in denen die BJP die Regierung formt. Dies kann sich jedoch aufgrund der Wahlen alle fünf Jahre ändern. Aktuelle Beispiele für solche Staaten sind Bihar, Chhattisgarh, Gujarat, Jharkhand, Maharashtra, Odisha und Uttar Pradesh.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es existieren mehrere Gruppen ausländischer Christen in Indien. Zu ihnen gehören nicht nur Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge. Ein Beispiel ist eine afghanische Gemeinschaft, die sich in Neu-Delhi versammelt. Diese Arten von Gemeinschaften ziehen nur selten den Zorn extremistischer Hindus auf sich. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen weisen sie eine sehr homogene ethnische Zusammensetzung auf, andererseits sind diese Gemeinschaften zumeist nicht sehr aktiv darin, das Evangelium an Inder weiterzugeben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele hierfür sind Christen aus römisch-katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirchen. Diese Gemeinschaften zeugen davon, dass Christen schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten sind. Die orthodoxe Mar-Thoma-Kirche etwa stammt aus dem 3. Jahrhundert. Diese Kirchen wachsen nur langsam, weil sie kaum Außenstehende ansprechen, sondern vor allem innerhalb ihrer Gemeinschaften tätig sind. Trotzdem wird auch diese Gruppe von Christen manchmal von extremistischen Hindus angegriffen, indem Kirchen verwüstet sowie religiöse Statuen und Kreuze zerstört werden. Die traditionellen Kirchen in Indien besitzen häufig bedeutende Vermögenswerte und Eigentum. Zudem gehören ihnen einige der besten Bildungs- und medizinischen Institute und große Grundstücke. Die indische Verfassung stellt Christen besondere Mittel zur Verfügung, um eigene Bildungszentren zu gründen und zu verwalten. Die Regierung unter Premierminister Modi hat Versuche unternommen, ihnen das Recht auf die Verwaltung ihrer Institute zu entziehen. Diese Institute sind für das Bildungswachstum der christlichen Minderheiten und anderer benachteiligter Bevölkerungsgruppen von entscheidender Bedeutung. In vielen Städten haben Regierungsbehörden diese bereits für sich beansprucht.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und stehen konstant unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Sie werden oft massiv tätlich angegriffen, sodass sie ins Krankenhaus müssen, und manchmal sogar getötet. Sie leben meist in ländlichen Gebieten, wo sie dem Druck von Familie und Freunden, ihrem Umfeld, von lokalen Hindu-Geistlichen sowie Hindu-Extremisten ausgesetzt sind. Christen anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld; ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich nur dort Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung gegenüber, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung ausmachen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Christen hinduistischer Herkunft gelten Christen aus Freikirchen (etwa Baptisten-, evangelikale oder Pfingstgemeinden) als zweitwichtigstes Ziel der Hindu-Extremisten, da sie aktiv das Evangelium weitergeben. Sie sind regelmäßig Angriffen ausgesetzt.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13
Familienleben 12.9
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 13.7
Auftreten von Gewalt 15.4

Grafik: Verfolgungsmuster Indien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (13,6 Punkte) und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Die Unterdrückung von Christen (insbesondere hinduistischer Herkunft) durch Hindus ist auf allen Ebenen der Gesellschaft zu spüren, von der persönlichen bis hin zur staatlichen und kirchlichen Ebene. Christen erfahren ständigen Widerstand gegen Glaubenswechsel und Taufen. In mindestens neun Staaten wurden Anti-Bekehrungs-Gesetze eingeführt. Gottesdienstbesucher werden bedroht und ihre Treffen sehr häufig gestört.
  • Obwohl alle Lebensbereiche mindestens einen sehr hohen Grad an Druck aufweisen, findet sich der höchste Druck im Bereich Leben im Staat. Christen erleben in diesem Bereich zunehmende Einschränkungen: Immer mehr Staaten erwägen die Einführung von Anti-Bekehrungs-Gesetzen, um die Hinwendung zu einem anderen Glauben durch angebliche Gewalt beziehungsweise Köder zu unterbinden; Medien berichten zunehmend negativ über Christen und die Straffreiheit für militante Hindus hat noch weiter zugenommen.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist von 14,8 Punkten auf 15,4 Punkte gestiegen. Von den zwölf Kategorien, nach denen das Auftreten von Gewalt analysiert wird, erreichen die meisten die maximale Punktzahl. Körperliche Gewalt und Angriffe auf Zusammenkünfte von Christen sind zwei der häufigsten Formen der Verfolgung in Indien.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Über den christlichen Glauben mit anderen außerhalb der eigenen Familie zu sprechen, wird allgemein als eine Form der Evangelisation angesehen. Dies führt zu Problemen für Christen hinduistischer Herkunft und Protestanten. Die Intoleranz dagegen ist in den letzten fünf Jahren gewachsen. Diese Feindseligkeit gegen Christen, die von ihrem Glauben erzählen, hat sich aufgrund von hinduistischem Extremismus verstärkt.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z. B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Bisher erfuhren Christen Probleme während ihrer eigenen Gebetszeiten nur in ihrem sozialen Umfeld. Besonders Christen hinduistischer Herkunft mussten sorgfältig darauf achten, wie sie in ihrem Elternhaus beteten. In den letzten fünf Jahren verstärkte sich jedoch die Stimmung gegen offensichtlich christliches Verhalten in Indien. Auch protestantische Christen werden wegen des Verdachts der Evangelisation überwacht. Kontrolle ist nicht mehr nur auf ländliche Gebiete beschränkt. Mit Ausnahme von zwei oder drei Bundesstaaten im Nordosten des Landes ist es überall in Indien riskant, beim Gebet gesehen zu werden.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Sich zum christlichen Glauben zu bekennen, kommt in den Augen von hinduistischen Extremisten Evangelisation gleich. Sie reagieren außerdem aggressiv auf jegliche Beiträge mit christlichem Inhalt in den sozialen Medien. Zunächst waren nur Christen hinduistischer Herkunft Ziel der Angriffe, doch nun müssen alle Christen damit rechnen.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Der Glaubenswechsel ist in Indien derzeit einer der größten Angriffspunkte, den extremistische Hindus gegen Christen verwenden. Unter dem Vorwurf der „Zwangsbekehrung“ greifen sie Pastoren, Kirchenleiter und ihre Gemeinden an. Vorwürfe des Glaubenswechsels führen in der Regel zu körperlicher Gewalt. Christen werden daraufhin zur örtlichen Polizeistation gebracht und dort festgehalten. In neun von 28 Bundesstaaten gibt es Anti-Bekehrungs-Gesetze: in Arunachal Pradesh, Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Rajasthan, Gujarat, Himachal Pradesh, Jharkhand und Uttarakhand.

Es gibt Gerüchte, dass hinduistische Extremisten ähnliche Anti-Bekehrungs-Gesetze auf Bundesebene einführen wollen. Bisher führten diese Bemühungen jedoch zu keinen handfesten Ergebnissen. Weitere Anzeichen für die Bedeutung der Bekämpfung vom Glaubenswechsel sind einerseits die groß angelegten Rückbekehrungs-Kampagnen „Ghar Wapsi“, die extremistische Hindus in ganz Indien organisieren, andererseits ist es auch die Unmöglichkeit für ausländische Christen, ein Missionarsvisum zu erhalten.

Familienleben

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Obwohl der Oberste Gerichtshof Indiens im Jahr 2015 das Jugendschutzgesetz (Juvenile Justice Act) bestärkt hat, das die Adoption hinduistischer Kinder durch nichthinduistische Eltern erlaubt, ist es für Christen immer noch extrem schwierig (wenn nicht gar unmöglich), Kinder zu adoptieren. Die Verfahren sind manchmal absichtlich sehr kompliziert, um Adoptionen durch Christen zu verhindern. Mitglieder der Ausschüsse, die über die Adoptionen entscheiden, sind Christen gegenüber manchmal sehr voreingenommen. Obwohl das Jugendschutzgesetz eine Verbesserung für Christen zu versprechen schien, hat es diese bisher nicht erreicht.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Christliche Kinder werden gezwungen, an hinduistischen Bestandteilen des Unterrichts teilzunehmen – selbst in christlichen Schulen. Beispiele dafür sind Unterricht in hinduistischer Mythologie, Yoga-Unterricht und hinduistische Literatur. Staatliche Schulen gehen wesentlich weiter und fordern, dass christliche Kinder an hinduistischen Festlichkeiten und Kulthandlungen teilnehmen.

Wurden christliche Taufen behindert?

Aufgrund des hohen Drucks durch extremistische Hindus versuchen Christen in Indien, Taufen so unauffällig wie möglich abzuhalten. Die Taufe gilt als das endgültige Zeichen dafür, den Hinduismus zugunsten des christlichen Glaubens aufgegeben zu haben. Dies betrifft auch Pastoren. Taufen von Konvertiten durchzuführen, ist für sie aufgrund der möglichen Konsequenzen mit vielen Sorgen verbunden. Selbst traditionelle Kirchen fürchten die Reaktionen von Regierungsbeamten und Polizisten auf Taufen. Aus diesem Grund werden Taufen unter freiem Himmel als zu riskant eingestuft.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Kinder von Christen werden in ihrem sozialen Umfeld zunehmend benachteiligt und (körperlich) belästigt. Dies ist auf einen wachsenden Einfluss des hinduistischen Extremismus zurückzuführen. Dieser veranlasst gewöhnliche Bürger daran zu glauben, dass Christen nicht zur Gemeinschaft gehören würden. Kinder von Christen hinduistischer Herkunft sind besonders betroffen, die Kinder von Christen anderer Kategorien jedoch ebenfalls.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihrem sozialen Umfeld oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

In den vergangenen fünf Jahren hat die Überwachung von Christen und ihrer Aktivitäten zugenommen. Dies geschieht durch die Behörden, aber auch durch eine Vielzahl von hindu-extremistischen Organisationen (Bajrang Dal, Hindu Yuva Vahini, Shiv Sena, Vishva Hindu Parishad und weitere). Ziel ist es, jede Form der Evangelisation zu unterbinden.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Vorfälle von Belästigung, Bedrohung und Beeinträchtigungen auf lokaler Ebene auf Rekordniveau. Die Feindseligkeit gegenüber Christen ist in Indien ein ernsthaftes Problem geworden.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Das soziale Umfeld setzt Christen unter Druck, (wieder) den hinduistischen Glauben anzunehmen. Es werden Rückbekehrungs-Kampagnen von extremistischen Hindus veranstaltet.

Wurden Christen wegen ihres Glaubens daran gehindert, öffentliche Ressourcen zu nutzen (z. B. sauberes Trinkwasser)?

Es wird von zahlreichen Vorfällen gesellschaftlicher Diskriminierung berichtet. Dabei wurden Christen beispielsweise Wasser und andere gemeinschaftlich genutzte Ressourcen wie Weideland verweigert. Sie sind vom gesellschaftlichen Leben der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und werden bisweilen dazu gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

In neun von 28 Bundesstaaten gibt es Anti-Bekehrungs-Gesetze: in Arunachal Pradesh, Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Rajasthan, Gujarat, Himachal Pradesh, Jharkhand und Uttarakhand. In Tamil Nadu wurde ein solches Gesetz verabschiedet, später aber aufgehoben. Diese Gesetze regulieren und schränken die Religionsfreiheit ein. Artikel 25 der indischen Verfassung, der die Religionsfreiheit gewährt, unterliegt der öffentlichen Ordnung, die jedoch nicht näher definiert wurde. Die Klausel zu Artikel 25 gibt dem Staat die Erlaubnis, Gesetze zu verabschieden, die die Religionsfreiheit einschränken.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Hinduistische Extremisten haben in den vergangenen fünf Jahren die Möglichkeiten für Christen zunehmend eingeschränkt, in solchen Organisationen oder politischen Parteien mitzuwirken. Christliche politische Parteien sind nach wie vor ein kurzfristiges, einflussloses Phänomen. Christliche Organisationen, die Gelder aus dem Ausland erhalten, wurden schon immer durch das Gesetz zur Devisenregulierung eingeschränkt, weil bei ihnen davon ausgegangen wird, dass sie an Missionierung beteiligt sind oder sich anderweitig für den christlichen Glauben einsetzen. Viele christliche Gruppen und Organisationen erhielten von den Behörden die Aufforderung, Einzelheiten über ihre Aktivitäten anzugeben, einschließlich der Namen aller Mitarbeiter sowie derer, die mit ihnen zusammengearbeitet haben. Einige Schulen, die von religiösen Minderheiten betrieben werden, wurden aufgefordert, die Namen der christlichen Schülerinnen und Schüler anzugeben.

War die Berichterstattung in den Medien falsch oder voreingenommen gegenüber Christen?

Die indischen Medien (besonders die, die in indischen Dialekten publizieren), sind in der Regel sehr voreingenommen gegenüber Christen. In ländlichen Gebieten sind sie feindselig; Hassreden und Propaganda von hinduistischen Extremisten erhalten viel Raum.

Sind Christen zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden geworden?

Hinduistische Extremisten wenden sich seit den 1990er-Jahren gegen Muslime und Christen. Wie oben erwähnt, war es schon 2014 erklärtes Ziel einiger führender Hindu-Extremisten, den Islam und das Christentum bis 2021 aus Indien verdrängt zu haben. Das würde bedeuten, rund 250 Millionen Menschen aus Indien zu vertreiben. Das ist eine extreme Sichtweise und unrealistisch; dennoch ist es eine Tatsache, dass die meisten Hindu-Anführer dazu neigen, weitreichende Aussagen gegen Muslime und Christen zu treffen. Weitere Beispiele für Hassreden finden sich regelmäßig in Stellungnahmen von extremistischen Hindu-Anführern wie Yogi Adityanath, Mohan Bhagwat, Praveen Togadia, Vinay Katiyar, Sadhvi Prachi, Sakshi Maharaj, Indresh Kumar, Suresh Chahvan; einige wichtige Politiker der Regierung wie Rajnath Singh (Verteidigungsminister Indiens), Giriraj Singh, Mukhtar Abbas Naqvi (Minister für Minderheiten) sind ebenfalls offen beteiligt. Sie geben Christen regelmäßig Schuld daran, Hindus zum christlichen Glauben zu bekehren.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Der Staat überwacht christliche Aktivitäten kontinuierlich und hat viele Einschränkungen vorgenommen (z. B. bei der Finanzierung aus dem Ausland, Einladungen von ausländischen Missionaren, durch Schwierigkeiten bei der Registrierung, Anti-Bekehrungs-Gesetze, Blasphemie-Gesetze und Ähnliches). Extremistische Hindus gehen verstärkt gegen Christen vor – es gab viele Vorfälle, bei denen Hindu-Mobs Überfälle durchführten, Christen verprügelten, Verhaftungen veranlassten und Christen befahlen, ihr Zuhause zu verlassen. Da extremistische Hindus diese Straftaten meist ungestraft verüben können, steigt die Angst unter Christen.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Extremistische Hindus und die örtlichen Behörden kontrollieren jegliche christlichen Materialien (einschließlich digitaler Medien im Internet) sehr genau. Auch Evangelisten und christliche Mitarbeiter werden permanent überwacht.

Wurden Kirchen in ihrer Interaktion mit der globalen Kirche behindert (Empfang ausländischer Gäste, Besuche bei Christen in anderen Ländern, Teilnahme an Konferenzen usw.)?

Die Zentralregierung in Neu-Delhi hat sehr strenge Vorschriften erlassen, um ausländische Missionare effektiv an der Einreise nach Indien zu hindern: Sie benötigen ein Sondervisum, das fast unmöglich zu beschaffen ist. Ausländische Besucher, darunter auch Touristen, sind stark eingeschränkt und müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie keine Predigten halten oder andere zum Glaubenswechsel ermutigen werden. Viele Christen, die aus dem Ausland kommen und sich mit einem Arbeitsvisum in Indien aufhalten, werden des Landes verwiesen, weil sie Mitglied von Kirchen oder christlichen Gruppen in Indien sind. Im aktuellen Berichtszeitraum könnten es mehr als 100 gewesen sein. Auch Ausländer indischer Abstammung betrifft diese Problematik.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Die Gefahren für Christen, wenn sie sich offen gegen ihre Verfolger äußern, haben in den letzten fünf Jahren enorm zugenommen. Hinduistische Extremisten werden durch die Untätigkeit der Regierung ermutigt und sind überzeugt, Verbrechen ungestraft begehen zu können. So kommt es in sozialen Medien vermehrt zu Morddrohungen, der Verbreitung von persönlichen Daten und Angriffen auf die Familien von Christen. Wenn ein Christ versucht, sich gegen extremistische Hindus oder parteiische Gerichte zu wehren, bietet das den hinduistischen Angreifern nur umso mehr Grund, ihre Übergriffe zu verstärken.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Zwölf Christen wurden im Berichtszeitraum umgebracht.
  • Angriffe auf Kirchen und religiöse Besitztümer: Die Zahl der beschädigten, beschlagnahmten oder zerstörten Kirchen und Besitztümer hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt, und liegt nun bei 76.
  • Festgenommene Christen: Es wurden mindestens 72 Fälle gemeldet, in denen Christen aufgrund ihres Glaubens festgenommen wurden. Im Vorjahr waren es noch dreimal so viele Fälle.
  • Verurteilte Christen: Im November 2019 beschloss der Oberste Gerichtshof Indiens, die letzten fünf der sieben Christen, die nach dem Mord an dem Hindu Swami Laxamananda Saraswati im Jahr 2008 fälschlicherweise zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren, gegen Kaution freizulassen.
  • Entführte Christen: Mindestens zwei Christen wurden entführt. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Zahl erheblich gesunken.
  • Sexuell belästigte Christen: Mindestens 15 Christinnen wurden Opfer von Vergewaltigung, versuchter Vergewaltigung oder erhielten gezielte Schläge auf ihre Geschlechtsorgane. Ein Opfer wurde vergewaltigt und ermordet. Weil die Zahl solcher Fälle im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, ist die Punktzahl in dieser Kategorie im aktuellen Berichtszeitraum ebenfalls leicht gesunken.
  • Zwangsverheiratung: Mindestens zwei Christinnen wurden von ihren Familien gezwungen, einen Hindu zu heiraten. Diese Familien lehnten die Hinwendung ihrer Töchter zum christlichen Glauben ab.
  • Angriffe auf Christen: 366 Fälle von körperlicher Misshandlung (einschließlich Todesdrohungen) wurden gemeldet, rund 1.500 Christen waren direkt betroffen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Fälle im aktuellen Berichtszeitraum an.
  • Beschädigung von Häusern und/oder Eigentum von Christen: 45 Häuser beziehungsweise Besitztümer von Christen wurden beschädigt. Dies entspricht in etwa der Anzahl des Vorjahres.
  • Beschädigung von Geschäften/Betrieben: Vier Geschäfte wurden beschädigt. Die Zahl solcher Angriffe ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Es wurden mehr als 59 Vorfälle registriert, bei denen Menschen gezwungen wurden, ihre Häuser oder Dörfer zu verlassen. Mehr als 422 Menschen sind aus Sicherheitsgründen ausgewandert.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit“ des US-Außenministeriums für 2019 verlautet:

  • Es gibt Berichte über religiös motivierte Morde, Übergriffe, Unruhen, Diskriminierung, Vandalismus und Aktivitäten, die das Recht des Einzelnen einschränken, seine religiösen Überzeugungen auszuüben und über sie zu sprechen. Zwischen 2008 und 2017 fanden nach Angaben des indischen Innenministeriums 7.484 Vorfälle gemeinschaftlicher Gewalt statt, bei denen mehr als 1.100 Menschen getötet wurden. Die Daten des Innenministeriums für die Jahre 2018 und 2019 sind nicht verfügbar, doch Vorfälle gemeinschaftlicher Gewalt werden das ganze Jahr über gemeldet. Am 18. Juni tötete ein Mob in Jharkhand den Muslim Tabrez Ansari, nachdem sie ihn zwangen, sich zu hinduistischen Gottheiten zu bekennen. Die Nichtregierungsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) stellte fest, dass bis 2019 als extremistisch charakterisierte Hindu-Gruppen, von denen einige laut HRW Verbindungen zu BJP-Anhängern hatten, weiterhin die Gewalt von Mobs gegen Minderheiten, insbesondere Muslime, fortsetzten. Sie nutzten unter anderem Gerüchte, dass diese Menschen mit Rindern gehandelt oder sie zum Essen getötet hätten.
  • Zwischen 2010 und der ersten Hälfte des Jahres 2019 fanden laut der Nichtregierungsorganisation „Hate Crime Watch“ 123 Vorfälle von Gewalt wegen Kühen statt, bei denen Muslime die Hälfte der Opfer ausmachten. Auch Hindus aus den unteren Kasten waren Opfer von Selbstjustiz aufgrund solcher Beschuldigungen. Hate Crime Watch meldete zehn Angriffe von Selbstjustiz, bei denen zwischen Januar und Juni eine Person getötet wurde. Am 10. April wurde Prakash Lakda aus dem Dorf Jurmu in Jharkhand von einem Mob getötet und drei weitere Menschen schwer verletzt. Angeblich habe er einen toten Ochsen zerlegt. Alle vier Opfer waren Christen und ehemalige Stammesmitglieder.
  • Medienberichten zufolge wurden am 22. September drei indigene Christen von Personen aus dem Suari-Dorf im Khunti-Distrikt in Jharkhand geschlagen. Sie verdächtigten sie, auf dem Dorfmarkt Rindfleisch verkauft zu haben. Einer starb im Krankenhaus, während die beiden anderen schwere Verletzungen erlitten. Medien berichteten, dass die örtliche Polizei nach dem Angriff mehrere Personen festnahm. „Amnesty International“ verzeichnete im Oktober 72 Vorfälle von Gewalt durch Mobs in der ersten Jahreshälfte, von denen 37 gegen Muslime gerichtet waren. In der ersten Jahreshälfte verzeichnete Amnesty International insgesamt 181 mutmaßliche Hassverbrechen. Im gleichen Zeitraum im Jahr 2018 waren es 100.

Weitergehende Informationen

Extremistische Hindus haben sowohl den Islam als auch das Christentum als „fremde“ Religionen bezeichnet, die möglichst aus dem Land vertrieben werden sollten. Daher wird die muslimische Minderheit in einer ähnlichen Weise verfolgt wie die christliche. Buddhisten und Sikhs sind für Hindu-Extremisten akzeptabler, da diese Religionen auf indischem Territorium entstanden sind.

Beispiele von Verletzungen der Religionsfreiheit:

  • Am Montag, dem 9. Dezember 2019, verabschiedete Indiens Lok Sabha (das Unterhaus) den „Citizenship Amendment Bill“ 2019 (CAB). Dieses Gesetz gewährt religiösen Minderheiten aus den Nachbarländern die Staatsbürgerschaft. Muslime werden aber kontroverserweise ausgeschlossen. Cedric Prakash, ein jesuitischer Priester und Menschenrechtsaktivist in Indien, sagte dazu: „Dieser Schritt der Regierung ist ein weiterer Nagel im Sarg der indischen Verfassung und unseres demokratischen Gerüsts. Indem dieses Gesetz allen Menschen ohne Papiere, mit Ausnahme derer muslimischen Glaubens, die Staatsbürgerschaft zusichert, riskiert es, das Land auseinanderzureißen, nicht verheilte Wunden der Trennung wieder zu öffnen und letztlich die säkularen und demokratischen Grundsätze unserer verehrten Verfassung zu zerstören. Schon jetzt protestieren Millionen von Menschen im ganzen Land dagegen. Das Gesetz muss sofort widerrufen werden. Es sollte im Oberhaus nicht verabschiedet werden.“
  • Eine unabhängige Untersuchung der Angriffe auf Muslime durch Hindu-Mobs in Delhi im Februar 2020 ergab, dass die Polizei an der Gewalt mitschuldig war und sogar Beihilfe leistete. Die Angriffe erfolgten nach wochenlangen friedlichen Protesten gegen die diskriminierende Staatsbürgerschaftspolitik der indischen Regierung. Zeugenaussagen zufolge verweigerten Polizisten die Hilfe mit den Worten, „sie hätten keinen Befehl zum Handeln“.
  • Im nordindischen Bundesstaat Haryana gibt es Gesetze zum Schutz von Kühen. Am 31. Juli 2020, am Vorabend des islamischen Opferfestes, griffen Hindutva-Kuhwachen einen Muslim an, der verdächtigt wurde, Rindfleisch transportiert zu haben. Polizeibeamte und Zuschauer griffen nicht ein.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Danken Sie Gott, dass viele Inder durch wundersame Heilungen und das mutige Zeugnis der indischen Christen zum Glauben an Christus kommen. Beten Sie, dass sich diese Entwicklung fortsetzt und noch viel mehr Menschen Jesus kennenlernen.
  • Bitten Sie um Schutz für die Christen, besonders für diejenigen, die neu zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind oder in ländlichen Gegenden leben und daher besonders isoliert sind. Beten Sie, dass ihre Familien und ihr soziales Umfeld ihren neuen Glauben akzeptieren.
  • Bitten Sie Gott, dass er weiterhin durch die Partner von Open Doors denjenigen, die am meisten Hilfe brauchen, praktische Unterstützung und Ermutigung bringt. Beten Sie um Weisheit und Kraft für die Partner von Open Doors und bitten Sie Gott, sie zu beschützen, wenn sie diese lebenswichtige Arbeit leisten, insbesondere während der Pandemie.