Länderprofil Indien

Indien

10
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Indien
Hauptreligion
Hinduismus
Offizielle Staatsform
Parlamentarische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
10
Karte Indien
Christen
68,86
Bevölkerung
1397.42
Religiös motivierter Nationalismus
Diktatorische paranoia
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 12.700
Familienleben: 12.700
Gesellschaftliches Leben: 12.900
Leben im Staat: 14.700
Kirchliches Leben: 13.300
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Indien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 10 / 82 Punkte (WVI 2021: Platz 10 / 83 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Rechte aller christlichen Gemeinschaften in Indien werden verletzt, da extremistische Hindus Christen als unerwünschte Fremde betrachten. Sie wollen ihr Land von Islam und Christentum reinigen und schrecken auch nicht davor zurück, massive Gewalt einzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen. Christliche Konvertiten hinduistischer Herkunft tragen in Indien die Hauptlast der Verfolgung. Sie werden ständig unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch Kampagnen, die als „Ghar Wapsi“ („Heimkehr“) bekannt sind. Oft werden sie auch körperlich angegriffen, manchmal sogar getötet.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Indien ist das siebtgrößte Land der Welt und das zweitbevölkerungsreichste. Es handelt sich um einen Bundesstaat mit einer Zentralregierung in Neu-Delhi, die die Außenpolitik, die Streitkräfte und die Wirtschaft kontrolliert. Die indische Verfassung erklärt das Land zu einem säkularen Staat. Hinduistische Extremisten fordern, dies zu ändern und den Hinduismus zur Staatsreligion zu machen. Außerdem wollen sie auf nationaler Ebene Anti-Bekehrungs-Gesetze durchsetzen. Narendra Modi, der als damaliger Regierungschef von Gujarat dafür kritisiert wurde, nichts zum Schutz der Hunderten von Muslimen unternommen zu haben, die bei den Pogromen in Gujarat im Jahr 2002 von Hindu-Extremisten getötet wurden, wurde 2014 zum indischen Premierminister gewählt. Er wurde 2019 mit absoluter Mehrheit wiedergewählt. Seit Modi Premierminister ist, hat die Zahl der jährlich gemeldeten gewalttätigen Übergriffe auf Christen drastisch zugenommen. Die indischen Religionsfreiheitsgesetze (Gesetze zur Verhinderung von Zwangsbekehrungen, auch „Anti-Bekehrungs-Gesetze“ genannt) sind Gesetze auf Bundesstaatenebene, die erlassen wurden, um religiöse Bekehrungen zu regeln. In der Praxis werden diese Gesetze sowie das indische Strafgesetzbuch jedoch missbraucht, um Christen aufgrund falscher Anklagen zu bestrafen. Selbst in Staaten, in denen es kein Anti-Bekehrungs-Gesetz gibt, hat die Polizei Christen wegen evangelistischer Aktivitäten verhaftet. Im August 2019 beschloss die Regierung unter Modi, den muslimischen Aufständen im Bundesstaat Jammu und Kaschmir ein Ende zu setzen. Die Regierung hob Artikel 370 der indischen Verfassung auf, wodurch der Bundesstaat aufgelöst und in zwei Unionsterritorien (Jammu und Kaschmir sowie Ladakh) aufgeteilt und herabgestuft wurde. Dies ermöglicht der Zentralregierung eine bessere Kontrolle über die Gebiete. Artikel 35A, der es dem Bundesstaat Jammu und Kaschmir erlaubte, ständige Einwohner und ihre Sonderrechte und -privilegien zu definieren, wurde ebenfalls abgeschafft. Der Prozess wurde von einem großen Militäreinsatz begleitet.

Indien ist die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt, aber die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß, und die Armutsquote ist äußerst hoch. Christen gehören oft zu den untersten Schichten der Gesellschaft.

Das Kastensystem, eine viele Jahrhunderte alte hierarchische Einteilung der indischen Gesellschaft, ist nach wie vor allgegenwärtig. Die meisten Christen stammen aus der untersten Schicht, der Gruppe der Dalits, deren Angehörige als „Unberührbare“ geächtet sind. Viele von ihnen haben unter anderem deshalb den Hinduismus verlassen und den christlichen Glauben angenommen, um ihrer hoffnungslosen Situation zu entkommen, mussten dann aber feststellen, dass auch innerhalb der Kirche die gesellschaftlichen Barrieren für sie bestehen. Christen werden bei der Verteilung von Hilfsgütern oft absichtlich übersehen. Staatliche Beschränkungen machen es den Kirchen praktisch unmöglich, Unterstützung aus dem Ausland für soziale Projekte zu erhalten. Die Arbeit christlicher Nichtregierungsorganisationen ist in ähnlicher Weise eingeschränkt.

Die Freiheit des Internets hat in den letzten Jahren abgenommen. Es gab Verhaftungen wegen Online-Aktivitäten und Internetsperren in Zeiten vermeintlicher Unruhen und Desinformation. Es gibt ein hohes Maß an physischer Gewalt; Ehrenmorde, Säureangriffe, Angriffe durch Schlägertrupps oder Mobs und andere Grausamkeiten geschehen regelmäßig im ganzen Land. Die Polizei steht außerdem in dem Ruf, korrupt und brutal zu sein und inhaftierte Christen zu misshandeln. Ein weiteres großes Problem für Christen sind Maoisten (auch bekannt als Naxaliten), kommunistische Kämpfer, die einige der ärmsten ländlichen Regionen Indiens kontrollieren. Christen, die in den von den Naxaliten kontrollierten Gebieten leben, werden ständig überwacht und können ihren Glauben nicht offen praktizieren. Wenn sie es doch tun, werden sie von den Naxaliten geschlagen oder sogar hingerichtet. Zwischen Indien und seinen Nachbarn, insbesondere Pakistan, China und Nepal, gibt es immer wieder Konflikte.

In Indien dominiert der Hinduismus, gefolgt vom Islam. Indien hat nach Indonesien die zweitgrößte muslimische Bevölkerung der Welt. Die am schnellsten wachsende Gruppe von Christen sind in Indien Christen aus protestantischen Freikirchen, einschließlich Christen hinduistischer Herkunft. Bürokratie und Korruption sind berüchtigt. Wenn Christen versuchen, eine neue Kirche zu bauen oder eine bestehende zu renovieren, stoßen sie häufig auf bürokratische Hürden und Widerstand und werden zur Zahlung von Bestechungsgeldern aufgefordert. Anhänger ethnischer Religionen gehören den traditionellen Stammesreligionen an, die vor der Ankunft des Hinduismus und des Buddhismus im Land entstanden sind.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

68.863.000

4,9

Muslime

203.971.000

14,6

Hindus

1.010.526.000

72,3

Buddhisten

10.699.000

0,8

Anhänger ethnischer Religionen

50.030.000

3,6

Juden

4.400

0,0

Bahai

2.199.000

0,2

Atheisten

2.311.000

0,2

Agnostiker

16.796.000

1,2

Andere

32.025.000

2,3

2. Gibt es regionale Unterschiede?

In Indien gibt es keine speziellen Krisenherde für Verletzungen der Religionsfreiheit. Hindu-extremistische Gruppen haben im ganzen Land, auch in abgelegenen Dörfern, ihre Zweigstellen eingerichtet. Sie beobachten die Veranstaltungen, auf denen Christen über ihren Glauben sprechen, genau. In Gebieten, in denen die hindu-nationalistische „Bharatiya Janata Party“ (BJP) nicht an der Macht ist, ist sie eine starke Oppositionspartei. Obwohl die Überwachung hoch ist, bekommen Christen nur dann Probleme, wenn sie anfangen, über den christlichen Glauben zu sprechen.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus

Die Entschlossenheit und Gewaltbereitschaft hinduistischer Organisationen haben über die Jahre zugenommen. Sie treten mit dem Anspruch an, Indien gehöre dem Hinduismus, und fordern, andere Religionen sollten aus dem Land vertrieben werden. Extremistischer Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien. Er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Aber auch andere Formen des religiösen Nationalismus in Indien verschlechtern die Lage weiter, einschließlich der Aggressionen von extremistischen Gruppen wie extremistischen Buddhisten in Ladakh, dem Neobuddhismus in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistischen Sikhs im Punjab. Seit 2014 beeinflusst religiös motivierter Nationalismus auch Stammesgruppen und führt dazu, dass sie ihre Religionen als zum Hinduismus zugehörig betrachten.

Diktatorische Paranoia vermischt mit religiösem Nationalismus

Nach dem Sieg bei den Wahlen im Mai 2019 bildet die BJP eine neue Regierung unter Premierminister Narendra Modi, der als der starke Mann gefeiert wird und Indien anführen soll. Infolgedessen sind diktatorische Tendenzen zu erkennen. Kontrolle der sozialen Medien, hetzerische Reden, das Knebeln der Medien, welche die von der Regierung vertretenen Grundsätze und Statistiken in Frage stellen, sind nur einige der Anzeichen für eine wachsende diktatorische Bewegung innerhalb der Regierungskreise. Angriffe (einschließlich Verleumdungen) gegen Journalisten, Oppositionsführer, Menschenrechtsaktivisten und Medienchefs werden durch den Staatsapparat ausgelöst. Auch die Propaganda gegen „fremde“ Religionen wie den Islam und den christlichen Glauben nimmt zu.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm ist einigen Teilen im Norden Indiens stark verbreitet. Im so genannten „Jat-Gürtel“ (in den Regionen Punjab, Haryana und Teilen von Rajasthan und Uttar Pradesh) herrschen die „Khap-Panchayats“ (Clan-Gerichte). Sie können über Leben und Tod entscheiden und handeln unabhängig vom Rechtssystem des Landes. Die Justiz übersieht dies häufig mit Absicht. Die Polizei ist kooperativ: Ihre Mitglieder stammen größtenteils aus demselben sozialen Umfeld, das die Khaps einsetzt. Die Khaps scheinen sich gegen das Moderne zu stellen, sie sind etwa gegen eine Heirat, die den Regeln der Verwandtschaft bezüglich Religion und Status widerspricht. Aus diesem Grund betrachten sie die Hinwendung zum christlichen Glauben als ernstzunehmende Straftat. Die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm wird zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Indien. In den Stammesdörfern Indiens, in denen es nur wenige Christen gibt, wurden viele Christen hinduistischer Herkunft gezwungen, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch die Ghar-Wapsi-Rückbekehrungs-Kampagnen. Unter dem Einfluss extremistischer Hindus verhängen die Stammesführer der Dörfer hohe Geldstrafen gegen Christen und zerstören ihre Häuser. Diese Christen werden geächtet und ausgeschlossen, wenn sie den Forderungen der Stammesführer nicht folgen.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit vermischt mit religiös motiviertem Nationalismus

In den Staaten Chhattisgarh, Jharkhand, Odisha, im südlichen Madhya Pradesh und im südlichen Gujarat, in Arunachal Pradesh, Assam, Tripura, Nagaland und Manipur gibt es Gebiete mit Stammesgesellschaften. Die extremistische Hindu-Bewegung „Rashtriya Swayamsevak Sangh“ (RSS) hat diese Stammesgesellschaften erfolgreich infiltriert und sie gegen die Christen in diesen Gebieten aufgebracht. In diesen Stammesgebieten haben Menschen den christlichen Glauben angenommen (und das geschieht weiterhin). Das ist nichts Neues; in den Stammesgebieten gibt es seit mindestens 100 bis 150 Jahren Kirchen. In dieser Zeit erlebten die Christen nur wenig Widerstand. Seit Ende der 1990er Jahre arbeiten die RSS, die hindunationalistische Organisation „Vishwa Hindu Parishad“ (VHP) und ihre Mitgliedsorganisationen jedoch systematisch darauf hin, die Stammesgesellschaften zu spalten und Widerstand gegen Christen zu schaffen. Immer häufiger werden christliche Konvertiten aus diesen Stammesgesellschaften bedroht, gesellschaftlich ausgeschlossen, vertrieben, vom Zugang zu Trinkwasser abgehalten, vergewaltigt und sogar ermordet. In einer Reihe von Fällen wurde der Bau von Kirchengebäuden von den Dorfbewohnern gewaltsam gestoppt. Ethnisch-religiöse Feindseligkeit wird so schnell zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Indien.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt mehrere Gruppen ausländischer Christen in Indien. Zu ihnen gehören nicht nur Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge. Ein Beispiel ist eine afghanische Gemeinschaft, die sich in Neu-Delhi versammelt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele hierfür sind Christen der Römisch-Katholischen Kirche und orthodoxer oder anglikanischer Tradition. Diese Gemeinschaften zeugen davon, dass Christen schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten sind, die (orthodoxe) Mar-Thoma-Kirche in Kerala bereits seit dem 3. Jahrhundert.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und konstant unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren. Christen anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld; ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich nur in den Regionen Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung gegenüber, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Christen hinduistischer Herkunft gelten Christen aus Freikirchen (etwa Baptisten, Evangelikale oder Pfingstgemeinden) als zweitwichtigstes Ziel der Hindu-Extremisten, da sie aktiv das Evangelium weitergeben.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.7
Familienleben 12.7
Gesellschaftliches Leben 12.9
Leben im Staat 14.7
Kirchliches Leben 13.3
Auftreten von Gewalt 15.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Über den christlichen Glauben zu sprechen, wird allgemein als eine Form der Evangelisation angesehen. Beim Beten gesehen zu werden, ist nicht mehr nur für Christen hinduistischer Herkunft riskant, sondern für alle Christen, außer in zwei oder drei nordöstlichen Staaten. Verfassungsrechtlich geschützte Aktivitäten wie Gottesdienste können zu falschen Anschuldigungen wegen Zwangsbekehrung durch extremistische Hindus führen. Christen, insbesondere deren Leiter, können aufgrund solcher Anschuldigungen verhaftet werden, wobei es häufig zu körperlicher Gewalt kommt. Für ausländische Christen ist es unmöglich, ein Visum als Missionar zu erhalten.

Familienleben

Obwohl das Jugendschutzgesetz die Adoption hinduistischer Kinder durch nicht hinduistische Eltern erlaubt, ist es für Christen immer noch extrem schwierig, Kinder zu adoptieren. Die Verfahren sind sehr kompliziert und die Mitglieder der Adoptionsausschüsse sind manchmal gegenüber Christen voreingenommen. Christliche Kinder werden gezwungen, an den hinduistischen Inhalten des Lehrplans teilzunehmen, sogar in christlichen Schulen, z. B. Yoga, hinduistische Literatur und Mythologie. Taufen unter freiem Himmel werden inzwischen als zu riskant angesehen, sowohl für den Pastor, der die Taufe durchführt, als auch für den Täufling. Christliche Kinder, insbesondere die von Christen hinduistischer Herkunft, werden aufgrund des Einflusses extremistischer Hindus zunehmend diskriminiert und körperlich belästigt.

Gesellschaftliches Leben

In den vergangenen fünf Jahren hat die Überwachung von Christen durch extremistische hinduistische Organisationen und Gemeindebehörden zugenommen. Das Ziel ist es, jede Form der Evangelisation zu unterbinden. Belästigungen, Drohungen und soziale Diskriminierung haben zugenommen. Ghar-Wapsi-Kampagnen sind zum Teil aufgrund des Drucks des sozialen Umfelds auf die Christen erfolgreich.

Leben im Staat

In neun Staaten sind Anti-Bekehrungs-Gesetze in Kraft, die die Religionsfreiheit einschränken (siehe oben). Christliche Organisationen, die Gelder aus dem Ausland erhalten, sind schon immer durch das Gesetz zur Regulierung ausländischer Spenden eingeschränkt, weil bei ihnen davon ausgegangen wird, dass sie an Missionierung oder Fürsprache für Christen beteiligt sind. Die Medien, vor allem in den verschiedenen indischen Sprachen, sind im Allgemeinen sehr einseitig gegen Christen eingestellt. In ländlichen Gebieten, wo Propaganda und Aufforderungen zur Gewalt gegen Christen durch Hindu-Extremisten viel Sendezeit erhalten, sind sie geradezu feindselig.

Kirchliches Leben

Der Staat überwacht christliche Aktivitäten und hat viele Einschränkungen vorgenommen (z. B. in Bezug auf Finanzierung aus dem Ausland, Einladungen von ausländischen Missionaren, Schwierigkeiten bei der Registrierung, Anti-Bekehrungs-Gesetze). Lokale Behörden und Hindu-Extremisten überwachen die Internet-Aktivitäten von Christen genau, und selbst Touristen müssen eine Erklärung unterschreiben, in der sie sich verpflichten, nicht zu predigen oder andere zum Glaubenswechsel zu ermutigen. Viele Christen, die aus dem Ausland kommen und sich mit einem Arbeitsvisum in Indien aufhalten, werden des Landes verwiesen (im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 waren es etwas mehr als 100). Viele Ausländer indischer Herkunft werden abgeschoben, weil sie Mitglied von Kirchen oder christlichen Gruppen in Indien sind. Jeder Christ, der sich gegen einen Angriff ausspricht, riskiert weitere Gewalt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Am 19. Dezember 2020 verhaftete die Polizei im Bundesstaat Uttar Pradesh einen Südkoreaner und drei weitere Personen auf der Grundlage des neuen Anti-Bekehrungs-Gesetzes. Die Gruppe wurde beschuldigt, bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern an Menschen, die aufgrund des Covid-19-Lockdowns in Not geraten waren, betrügerische Bekehrungsversuche unternommen zu haben.
  • Am 11. August 2021 wurde ein 14-jähriger christlicher Junge von mutmaßlichen Hindu-Extremisten im Bezirk Gaya im Bundesstaat Bihar angegriffen. Sie übergossen ihn mit einer Flüssigkeit, die schwere Verbrennungen an mehr als 70 % seines Körpers verursachte. Er erlag schließlich den Verbrennungen und starb nach einem Monat.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

10

81,82

2021

10

83,44

2020

10

82,69

2019

10

82,64

2018

11

80,59

Mit einer Wertung von 82 Punkten im Weltverfolgungsindex 2022 hat sich die Punktzahl gegenüber dem Vorjahr nur wenig verringert. In einigen Kategorien, in denen Gewalt gegenüber Christen gemessen wird, ist die Punktzahl im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Dies ist jedoch kein Beleg dafür, dass sich die Situation für Christen verbessert hat. Die Gewalt gegenüber Christen sowie auch der Druck in allen Lebensbereichen hat weiterhin ein sehr hohes bis extremes Ausmaß. Extremistische Hindus konnten ihre Angriffe gegen Nichthindus weiterhin und ungestraft durchführen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die Verfolgung christlicher Frauen geschieht oft in Form körperlicher Gewalt, indem sie missbraucht, vergewaltigt und sexuell belästigt werden. Töchter, Schwestern und Ehefrauen von Pastoren sind besonders gefährdet. Sexuelle Übergriffe dienen dazu, die Familie zu beschämen, da ihre sexuelle Reinheit mit der Ehre ihrer Familie verbunden ist. Zu den körperlichen Angriffen gehören auch Säureattacken, brutale Schläge und Morde. Christliche Konvertitinnen riskieren Hausarrest, Zwangsheirat, Zwangsscheidung und Ausweisung aus ihrem Haus. Viele Frauen aus der untersten Kaste haben sich dem christlichen Glauben zugewandt; dies macht sie zu einer doppelten Zielscheibe, da sie Dalit und nun auch Christen sind.

Männer: Männer gelten als körperlich stark, und so zielt die Verfolgung christlicher Männer auf ihre körperliche Stärke sowie auf ihre Stellung als Haushaltsvorstand ab. Zu den Übergriffen auf Männer gehören brutale Schläge, Morde und psychische Folter. Kirchenleiter sind besonders gefährdet, von extremistischen Hindus angegriffen zu werden, und der Beruf des Pastors ist nach wie vor einer der risikoreichsten Berufe des Landes. Christliche Konvertiten können von ihrem sozialen Umfeld und ihrer Familie isoliert und vom Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen ausgeschlossen werden. Oft werden falsche Anschuldigungen gegen Männer erhoben, wie etwa die Verunglimpfung hinduistischer Götter und Göttinnen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Extremistische Hindus haben sowohl den Islam als auch das Christentum als „fremde“ Religionen bezeichnet, die möglichst aus dem Land vertrieben werden sollten. Daher wird die muslimische Minderheit durch militante Hindus in einer ähnlichen Weise verfolgt wie die christliche. Buddhisten und Sikhs sind für Hindu-Extremisten akzeptabler, da diese Religionen auf indischem Territorium entstanden sind.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Danken Sie Jesus Christus dafür, dass viele Menschen zu ihm kommen, nachdem sie von Krankheit geheilt wurden. Beten Sie, dass dies weiterhin geschehen wird.
  • Beten Sie dafür, dass die Hasskampagnen von Hindu-Extremisten nicht auf fruchtbaren Boden fallen und dass sich Soziale Medien stärker dafür einsetzen, die Verbreitung von Verleumdungen und Hass auf ihren Plattformen zu bekämpfen.
  • Bitten Sie um anhaltenden Schutz, Stärke und Ermutigung für die Partner von Open Doors, während sie den Christen in Indien dienen.