Länderprofil Indien

Indien

10
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Indien
Hauptreligion
Hinduismus
Platz Vorjahr
10
ISO
IN
Karte Indien
Christen
66,19
Bevölkerung
1368.74
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.900
Familienleben: 13.000
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 15.000
Kirchliches Leben: 13.500
Auftreten von Gewalt: 14.800

Länderprofil Indien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 10 / 83 Punkte (WVI 2019: Platz 10 / 83 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Alle Christen in Indien sind Verfolgung ausgesetzt, da extremistische Hindus sie als Fremdkörper im Land betrachten. Sie wollen ihr Land von Islam und dem christlichen Glauben reinigen und schrecken auch nicht davor zurück, erhebliche Gewalt einzusetzen, um ihr Ziel zu erreichen. Christen, die einen hinduistischen Hintergrund haben, tragen in Indien die Hauptlast der Verfolgung. Sie werden beständig unter Druck gesetzt, zum Hinduismus zurückzukehren, insbesondere durch die Rückbekehrungs-Kampagnen „Ghar Wapsi“ (etwa „Zurück zu den Wurzeln“ oder „Heimkehr“). Oft werden sie auch körperlich angegriffen, manchmal sogar getötet.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 9. Januar 2019 rissen extremistische Hindus ein Kirchengebäude im Dorf Narnepadu (Bezirk Guntur, Bundesstaat Andhra Pradesh) nieder, weil es auf der Westseite des Dorfes gebaut worden war. Ihrer Meinung nach verstieß das gegen die hinduistischen Prinzipien der Platzierung und Positionierung.
  • Am 10. April 2019 wurde ein Christ aus einer indigenen Stammesgemeinschaft im Bundesstaat Jharkhand mit Schwertern, Sicheln und Eisenstäben angegriffen. Er wurde von einer Gruppe extremistischer Hindus umgebracht, die sich für den Schutz von Kühen einsetzen, die Hindus als heilige Tiere gelten. Sie unterstellten ihm, ein Rind geschlachtet zu haben. Bei dem Angriff wurden drei weitere Christen verletzt.
  • Am 2. Oktober 2019 wurde eine christliche Geburtstagsfeier im Dorf Vasalamarry von extremistischen Hindus angegriffen. Das Dorf liegt 40 Meilen außerhalb von Hyderabad im indischen Bundesstaat Telangana. Lokalen Berichten zufolge stürmte ein Mob von 30 Nationalisten in das christliche Haus, in dem sich die Gäste zu der Geburtstagsfeier versammelt hatten. Die Extremisten zerstörten die Dekoration, verängstigten die Gäste und zerstörten mehrere Haushaltsgegenstände der christlichen Familie.

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Bei den Wahlen in Indien konnte die hindunationalistische BJP von Premierminister Narendra Modi ihren Sieg von 2014 noch übertreffen. Zahlreiche indische Christen fürchten jetzt, dass die BJP einen Umbau des Landes hin zu einem Hindu-Staat weiter vorantreibt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 83 Punkten belegt Indien den 10. Platz auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Dass die Punktzahl sich einzupendeln scheint, bedeutet nicht, dass eine Verbesserung der Lage für Christen in Indien zu erwarten ist – vielmehr sieht die Zukunft keinesfalls positiv aus. Die gleichbleibende Punktzahl ist eher ein Hinweis darauf, dass das Ausmaß der Verfolgung in Indien nach wie vor extrem ist. Seitdem die amtierende Regierung unter Premierminister Narendra Modi im Mai 2014 an die Macht kam (und im Mai 2019 wiedergewählt wurde), hat sich der Rang Indiens auf dem Weltverfolgungsindex erhöht. Extremistische Hindus konnten ihre Angriffe gegen Nichthindus verstärkt und ungestraft durchführen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die Entschlossenheit und Gewaltbereitschaft hinduistischer Organisationen haben über die Jahre zugenommen. Sie vertreten, dass Indien dem Hinduismus gehöre, und fordern, andere Religionen sollten aus dem Land vertrieben werden. Extremistischer Hinduismus ist mit Abstand die stärkste Triebkraft der Verfolgung in Indien – er ist allgegenwärtig, lautstark und sehr gewalttätig. Aber auch von diversen anderen extremistischen Gruppen geht Verfolgung aus, wie etwa von extremistischen Buddhisten in Ladakh, dem Neobuddhismus in Maharashtra und Uttar Pradesh sowie extremistischen Sikhs im Punjab. „Religiös motivierter Nationalismus“ beeinflusst seit 2014 auch Stammesgruppen und führt dazu, dass sie ihre Religionen als zum Hinduismus zugehörig betrachten.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

In den Staaten Chhattisgarh, Jharkhand, Odisha, Madhya Pradesh, im südlichen Gujarat, Arunachal Pradesh, Assam, Tripura, Nagaland und Manipur gibt es Gebiete mit Stammesgesellschaften. Die extremistische Hindu-Bewegung RSS hat diese Stammesgesellschaften erfolgreich infiltriert und sie gegen die Christen in diesen Gebieten aufgebracht. In diesen Stammesgebieten haben Menschen den christlichen Glauben angenommen und tun es noch immer. Das ist nichts Neues; in den Stammesgebieten gibt es seit mindestens 100 bis 150 Jahren Kirchen. In dieser Zeit erlebten die Christen nur wenig Widerstand.

Seit Ende der 1990er-Jahre arbeiten die RSS, die hindunationalistische Organisation Vishva Hindu Parishad (VHP) und ihre Mitgliedsorganisationen jedoch systematisch daran, die Stammessysteme zu spalten und Widerstand gegen Christen zu schaffen. Immer häufiger werden Christen hinduistischer Herkunft bedroht, gesellschaftlich ausgeschlossen, vertrieben, von der Wasserversorgung ausgeschlossen, vergewaltigt und sogar ermordet. In einer Reihe von Fällen wurde der Bau von Kirchengebäuden durch Dorfbewohner gewaltsam gestoppt. „Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen“ werden so schnell zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Indien.

Diktatorische Paranoia

Nach dem Sieg bei den Wahlen im Mai 2019 bildete die „Bharatiya Janata Partei“ (BJP) eine neue Regierung unter Premierminister Narendra Modi, der als der starke Mann gefeiert wird, der Indien anführen soll. Infolgedessen sind diktatorische Tendenzen zu erkennen. Kontrolle der sozialen Medien, hetzerische Reden und das Sperren solcher Medien, welche die von der Regierung veröffentlichten Pläne und Zahlen in Frage stellen, sind nur einige der Anzeichen für eine wachsende diktatorische Bewegung innerhalb der Regierungskreise. Angriffe (einschließlich falscher Nachrichten) gegen Journalisten, Oppositionsführer, Menschenrechtsaktivisten und Medienchefs werden durch den Staatsapparat ausgelöst. Auch die Propaganda gegen „fremde“ Religionen wie den Islam und den christlichen Glauben nimmt zu.

Sowohl Ethnisch begründete Anfeindungen als auch „Diktatorische Paranoia“ sind stark mit Religiös motiviertem Nationalismus verknüpft.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Leiter sind am stärksten dafür verantwortlich, Vorurteile gegen Christen unter der hinduistischen Mehrheit zu verbreiten. Bekannte Beispiele dafür sind: Yogi Adityanath, der Gründer von „Hindu Yuva Wahini“, einer Miliz, die für die meisten Angriffe in Uttar Pradesh verantwortlich ist; Sakshi Maharaj, der Teil der gesetzgebenden Versammlung ist; Sadhvi Pragya, Sadhvi Prachi und Narendra Maharaj. Diese Personen sind für ihre offenen Hassreden gegen Christen bekannt. Sie fungieren als Vermittler zwischen religiös-nationalistischen Ideologien und deren Umsetzung vor Ort; sie verbreiten Fehlinformationen über und planen gewalttätige Taten gegen Christen und andere Minderheiten und führen diese aus.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Verschiedene extremistische Hindu-Gruppen sind in Indien aktiv: BJP, Vishva Hindu Parishad (VHP), Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS), Sangh Parivar und andere. Es sind fast immer solche Gruppen, die hinduistisch motivierten Druck auf Christen ausüben. Andere gewalttätige Gruppen sind maoistische Naxaliten und islamistische Gruppen, wie etwa der sogenannte „Islamische Staat“ (IS), obwohl letztere in Indien noch keine Christen angegriffen haben.
  • Gewöhnliche Bürger: Auf dörflicher Ebene spielen Mitglieder der Dorfgemeinschaft eine große Rolle bei der Verfolgung von Christen, sowohl von Christen hinduistischer Herkunft als auch von anderen Christen. Meistens sind es diese lokalen Dorfbewohner, die Christen anfeinden, beispielsweise indem sie sie verprügeln, Kirchen niederbrennen oder Friedhöfe schänden.
  • Politische Parteien: Die BJP hat die Mehrheit in der Zentralregierung Indiens. Die Partei ist der politische Arm des RSS, einer hindu-nationalistischen und paramilitärischen Organisation, die für ihre hinduistisch-extremistische Ideologie bekannt ist. Der RSS ist die Mutterorganisation allerlei Arten des indischen Hindu-Extremismus. Alle führenden Politiker der regierenden BJP haben eine Verbindung zum RSS. Tatsächlich sind BJP-Mitglieder üblicherweise auch Mitglieder des RSS oder einer seiner 35 Ableger. Die BJP hat immer wieder militante Flügel des Hindu-Nationalismus, auch „Hindutva“ genannt, im ganzen Land direkt politisch unterstützt. Der „Chief Minister“ (vergleichbar mit einem deutschen Ministerpräsidenten) des Bundesstaats Jharkhand, Raghubar Das; Adityanath als Chief Minister von Uttar Pradesh, Manohar Lal Khattar als Chief Minister von Haryana, Rajnath Singh als Innenminister von Indien und andere Minister der BJP haben sich öffentlich gegen Christen und andere Minderheiten ausgesprochen. Mit der BJP an der politischen Macht fühlen sich extremistische Hindus ermächtigt, Christen zu verfolgen, und genießen dabei faktisch Straffreiheit.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung unter Premierminister Modi, voreingenommene Regierungsbeamte und Hindu-Extremisten (wie Familienmitglieder oder Organisationen von RSS) sind die wichtigsten Akteure der Verfolgung von Christen. Nach dem Machtantritt Modis und seiner Partei, der BJP, im Mai 2014 entwickelte sich eine Verkettung von RSS-Extremisten, Medien und von der Regierung kontrollierten Beamten, die zusammen gegen den christlichen Glauben kämpfen. Diese Machtverbindung ist vornehmlich für die zunehmende Verfolgung von Christen verantwortlich.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Anführer ethnischer Gruppen üben meist Druck auf Christen aus, weil sie die Kultur der Vorfahren verlassen und damit in ihren Augen die Religion der Gruppe beleidigen.
  • Familienmitglieder: Nahe Verwandte von Christen hinduistischer Herkunft betrachten eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Schande für die Familie und handeln dementsprechend.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Anführer eines Stammes sind üblicherweise Hindus. Sie stellen sich jeder christlichen Präsenz in ihrer Mitte entschieden entgegen. Es besteht eine enge Verbindung zu der Triebkraft Religiös motivierter Nationalismus.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Lokale hinduistische Anführer sind gegen jede christliche Präsenz in ihrer Mitte. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Militante hinduistische Gruppen auf lokaler Ebene lehnen jede christliche Präsenz in ihrer Mitte vehement ab. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Gewöhnliche Bürger: Einheimische Stammesangehörige sind traditionell Hindus. Nicht selten bilden sie Mobs, um Christen in ihren Dörfern anzugreifen. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Familienmitglieder: Familien aus Stammesgemeinschaften lehnen die Hinwendung zum christlichen Glauben scharf ab. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Regierungsbeamte: Regionale Regierungsbeamte stellen sich gegen Christen. Sie erachten sie nicht als dem Stamm zugehörig, dessen Kultur traditionsgemäß hinduistisch ist. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Politische Parteien: Die BJP ist hervorragend im Einsatz moderner Technologie und sozialer Medien, um ihre Agenda zu verbreiten. Ihre Mitglieder sind auch Experten darin, Nachrichten zu fälschen, um ihre Gegner zu bekämpfen. Nach Angaben führender Mitglieder der BJP soll es bis 2021 keine Muslime und Christen mehr in Indien geben. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Regierungsbeamte: In Bundesstaaten und Regionen, die von extremistischen Hindus kontrolliert werden, stellen sich die regionalen Regierungsbeamte gegen Christen. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In den meisten Bundesstaaten und Regionen dominieren Hinduisten die Regierung und stellen sich gegen Christen. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Einheimische hinduistische Anführer unterstützen antichristliche Maßnahmen der Regierung mit Nachdruck. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Hinduistisch extremistische Gruppen wie RSS und „Virat Hindustan Sangam“ (VHS) stellen sich Christen vehement entgegen. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.
  • Gewöhnliche Bürger: Hinduistische Mobs unterstützen die Regierung der BJP. Sie führen immer mehr Angriffe gegen Christen aus, da sie mehr oder weniger straffrei bleiben. Es besteht eine enge Verbindung zu Religiös motiviertem Nationalismus.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In Indien gibt es keine speziellen Krisenherde der Verfolgung. Die am schlimmsten betroffenen Gebiete sind die Bundesstaaten, in denen die BJP die Regierung formt. Dies kann sich aufgrund der Wahlen jedoch alle fünf Jahre ändern.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es existieren mehrere Gruppen ausländischer Christen in Indien. Zu ihnen gehören nicht nur Christen aus der westlichen Welt, die in Indien leben und ihre eigenen Kirchengemeinden haben, sondern auch Flüchtlinge. Ein Beispiel ist die afghanische Gemeinde, die sich in Neu-Delhi versammelt. Diese Arten von Gemeinschaften ziehen nur selten den Zorn extremistischer Hindus auf sich. Dies liegt einerseits daran, dass sie eine sehr homogene ethnische Zusammensetzung aufweisen, andererseits sind diese Gemeinschaften zumeist nicht sehr aktiv darin, das Evangelium an Inder weiterzugeben.

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele hierfür sind Christen der römisch-katholischen, orthodoxen und anglikanischen Kirche. Diese Gemeinschaften zeugen davon, dass Christen schon seit vielen Jahrhunderten in Indien vertreten sind. Diese Kirchen wachsen nur langsam, weil sie kaum Außenstehende ansprechen, sondern vor allem innerhalb ihrer Gemeinschaften tätig sind. Trotzdem wird auch diese Gruppe manchmal von extremistischen Hindus angegriffen, indem Kirchen verwüstet sowie religiöse Statuen und Kreuze zerstört werden. Die traditionellen Kirchen in Indien besitzen häufig bedeutendes Vermögen und Grundstücke. Abgesehen davon führen sie einige der besten Bildungseinrichtungen und medizinischen Institute und besitzen viel Land, da die indische Verfassung Christen besondere Mittel zur Verfügung stellt, um eigene Bildungszentren zu gründen und zu verwalten. Die Regierung unter Premierminister Modi hat Versuche unternommen, ihnen das Recht auf die Verwaltung ihrer Institute zu entziehen. Diese Institute sind für das Bildungswachstum der christlichen Minderheiten und anderer benachteiligter Bevölkerungsgruppen von entscheidender Bedeutung. Die Regierung hat es auch auf die Grundstücke der Kirche abgesehen. In vielen Städten hat die Regierung diese bereits in Besitz genommen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen hinduistischer Herkunft haben am stärksten unter der Verfolgung in Indien zu leiden. Diese Christen werden täglich drangsaliert und stehen konstant unter Druck, zum Hinduismus zurückzukehren. Sie werden oft massiv tätlich angegriffen, manchmal sogar getötet. Sie leben meist in ländlichen Gebieten, wo sie dem Druck von Familie und Freunden, ihrem sozialen Umfeld, von lokalen Hindu-Geistlichen sowie Hindu-Extremisten ausgesetzt sind.

Christen anderer religiöser Herkunft (ehemalige Muslime, Buddhisten oder Sikhs) erleben ebenfalls Druck aus ihrem sozialen Umfeld; ihre Zahl ist jedoch deutlich kleiner. Christen mit muslimischem Hintergrund erleben nur dort Verfolgung, wo Muslime einen großen Teil der Bevölkerung stellen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach Christen hinduistischer Herkunft sind Christen aus Freikirchen (etwa Baptisten, Evangelikale oder Pfingstgemeinden) das zweitwichtigste Ziel von Hindu-Extremisten, da sie aktiv das Evangelium weitergeben. Sie sind regelmäßig Angriffen ausgesetzt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12.9
Familienleben 13
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 15
Kirchliches Leben 13.5
Auftreten von Gewalt 14.8

 

Grafik: Verfolgungsmuster Indien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 13,5 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2019 auf 13,6 Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2020. Die Unterdrückung von Christen (insbesondere hinduistischer Herkunft) durch Hindus ist auf allen Ebenen der Gesellschaft zu spüren, von der persönlichen bis hin zur staatlichen und kirchlichen Ebene. Christen erfahren ständigen Widerstand gegen Glaubenswechsel und Taufen. In mindestens neun Staaten wurden mittlerweile Anti-Bekehrungs-Gesetze eingeführt. Gottesdienstbesucher werden bedroht und Treffen sehr häufig gestört.
  • Obwohl alle Lebensbereiche einen hohen Grad an Druck aufweisen, findet sich der höchste Druck im Bereich „Leben im Staat“. Christen erleben in diesem Bereich zunehmende Einschränkungen: Immer mehr Bundesstaaten erwägen die Einführung eines Anti-Bekehrungs-Gesetzes, um Glaubenswechsel durch Gewalt und/oder Verlockungen und Anreize zu unterbinden; Medien berichten zunehmend negativ und die Straffreiheit für militante Hindus hat noch weiter zugenommen.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist von 15,2 Punkten im Vorjahr auf 14,8 Punkte auf dem Weltverfolgungsindex 2020 gesunken. Dies liegt daran, dass im aktuellen Berichtszeitraum weniger Christen getötet worden sind. Dennoch erreichen die meisten der zwölf Kategorien, nach denen das Auftreten von Gewalt analysiert wird, die maximal mögliche Punktzahl. Körperliche Gewalt und Angriffe auf Zusammenkünfte von Christen sind zwei der häufigsten Formen der Verfolgung in Indien.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Für einige Christen ist es sehr riskant, ihren Glauben preiszugeben. Sich zum christlichen Glauben zu bekennen, kommt in den Augen hinduistischer Extremisten Evangelisation gleich. Sie reagieren außerdem aggressiv auf jegliche Beiträge in sozialen Medien. Früher betraf dies nur Christen hinduistischer Herkunft, doch inzwischen müssen alle Christen in dieser Hinsicht vorsichtig sein.
  • Es ist riskant für Christen, private christliche Handlungen (wie Gebet oder Bibellese) durchzuführen. Bisher erfuhren Christen in ihrem sozialen Umfeld nur Probleme während ihrer eigenen Gebetszeiten. Besonders Christen hinduistischer Herkunft mussten sorgfältig darauf achten, wie sie Zuhause beteten. Doch in den letzten fünf Jahren haben sich die Vorbehalte gegen sichtbares christliches Verhalten in Indien verstärkt. Auch protestantische Christen werden wegen des Verdachts der Evangelisation nun überwacht. Das ist nicht mehr nur in ländlichen Gebieten zu beobachten. Mit Ausnahme von zwei oder drei Bundesstaaten im Nordosten des Landes ist es überall in Indien riskant, beim Gebet gesehen zu werden.
  • Es ist für Christen riskant, mit anderen Menschen als ihrer direkten Familie über den christlichen Glauben zu reden. Über den christlichen Glauben mit einer größeren Gruppe als der Familie zu sprechen, wird allgemein als eine Form der Evangelisation angesehen. Das betrifft nicht nur Christen hinduistischer Herkunft, sondern auch Protestanten. Die Intoleranz demgegenüber ist in den letzten fünf Jahren gewachsen. Die Feindseligkeit gegen Christen, die von ihrem Glauben erzählen, hat sich aufgrund von hinduistischem Extremismus verstärkt.
  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird stark abgelehnt, verboten oder auch bestraft. Der Glaubenswechsel ist in Indien derzeit eines der wichtigsten Themen, das extremistische Hindus gegen Christen verwenden. Mit der Beschuldigung der „Zwangsbekehrung“ greifen sie Pastoren, Kirchenleiter und ihre Gemeinden an. Vorwürfe der Zwangsbekehrung führen in der Regel zu körperlicher Gewalt. Christen werden daraufhin zur örtlichen Polizeistation gebracht und dort festgehalten. In sieben Bundesstaaten gibt es derzeit Anti-Bekehrungs-Gesetze: in Odisha, Madhya Pradesh, Chhattisgarh, Himachal Pradesh, Jharkhand, Gujarat und Uttarakhand. Ähnliche Gesetze werden derzeit in den Staaten Arunachal Pradesh und Rajasthan besprochen. Es gibt Gerüchte, dass hinduistische Extremisten ähnliche Anti-Bekehrungs-Gesetze auf Bundesebene einführen wollen, bisher führten diese Bemühungen jedoch zu keinen handfesten Ergebnissen. Weitere Anzeichen für die Bedeutung der Bekämpfung von Glaubenswechseln sind die groß angelegten Rückbekehrungs-Kampagnen „Ghar Wapsi“ („Zurück zu den Wurzeln“ oder „Heimkehr“), die extremistische Hindus in ganz Indien organisieren. Außerdem zeigt sie sich in der Unmöglichkeit für ausländische Christen, ein Missionsvisum zu erhalten.

Familienleben

  • Christliche Paare werden daran gehindert, Kinder zu adoptieren. Obwohl der Oberste Gerichtshof Indiens im Jahr 2015 das Jugendschutzgesetz („Juvenile Justice Act“) verabschiedet hat, das die Adoption hinduistischer Kinder durch nichthinduistische Eltern erlaubt, ist es für Christen immer noch extrem schwierig (wenn nicht gar unmöglich), Kinder zu adoptieren. Die Verfahren sind manchmal absichtlich sehr kompliziert, um Adoptionen durch Christen zu verhindern. Mitglieder der Ausschüsse, die über die Adoptionen entscheiden, sind Christen gegenüber manchmal sehr voreingenommen. Obwohl das Jugendschutzgesetz eine Verbesserung für Christen zu versprechen schien, hat es diese bisher nicht erreicht.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gezwungen, an nichtchristlichem Unterricht teilzunehmen. Selbst an christlichen Schulen werden christliche Kinder dazu gezwungen, an hinduistischen Unterrichtselementen teilzunehmen. Beispiele dafür sind Unterricht in hinduistischer Mythologie und Literatur und Yogastunden. Staatliche Schulen gehen wesentlich weiter und fordern, dass christliche Kinder an hinduistischen Festlichkeiten und Ritualen teilnehmen.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert. Aufgrund des hohen Drucks durch extremistische Hindus müssen Taufen in Indien mit möglichst wenig Öffentlichkeit durchgeführt werden. Die Taufe gilt als das endgültige Anzeichen dafür, den Hinduismus für den christlichen Glauben aufgegeben zu haben. Dies betrifft auch Pastoren. Taufen durchzuführen, ist für sie aufgrund der möglichen Konsequenzen mit viel Besorgnis verbunden. Selbst traditionelle Kirchen fürchten die Reaktionen von Regierungsbeamten und Polizisten auf Taufen. Aus diesem Grund werden Taufen im Freien als zu riskant eingestuft.
  • Kinder christlicher Eltern werden diskriminiert oder schikaniert. Sie werden in ihrem sozialen Umfeld zunehmend benachteiligt und (körperlich) belästigt. Dies ist auf einen wachsenden Einfluss des hinduistischen Extremismus zurückzuführen, für den Christen unerwünscht sind. Kinder von Christen hinduistischer Herkunft sind besonders betroffen, aber auch andere christliche Kinder erleben diese Schikanen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen durch ihr soziales Umfeld oder private Gruppen und Organisationen unter Beobachtung. In den vergangenen fünf Jahren hat die Überwachung von Christen und ihrem Verhalten zugenommen. Dies geschieht durch die Behörden, aber auch durch eine Vielzahl von hindu-extremistischen Organisationen (Bajrang Dal, Hindu Yuva Vahini, Shiv Sena, Vishva Hindu Parishad und weitere). Ziel ist es, jede Form der Evangelisation zu unterbinden.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens im Alltag belästigt, bedroht oder gestört. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Vorfälle von Belästigung, Bedrohung und Beeinträchtigung auf sozialer Ebene auf Rekordniveau. Die Feindseligkeit gegenüber Christen vonseiten der Gesellschaft ist in Indien ein ernsthaftes Problem.
  • Christen werden daran gehindert, gemeinschaftliche Ressourcen zu nutzen. Es wird von zahlreichen Vorfällen gesellschaftlicher Diskriminierung berichtet. Dabei wurden Christen beispielsweise Wasser und andere gemeinschaftlich genutzte Ressourcen wie Weideland verweigert. Sie sind vom gesellschaftlichen Leben der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen und werden bisweilen dazu gezwungen, aus ihrer Heimat zu fliehen.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen. Das soziale Umfeld von Christen setzt diese unter Druck, den hinduistischen Glauben (wieder) anzunehmen. Extremistische Hindus veranstalten Rückbekehrungs-Kampagnen („Ghar Wapsi“: „Zurück zu den Wurzeln“ oder „Heimkehr“).

Christen in Indien werden außerdem in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, diskriminiert. Sie werden häufig von extremistischen Hindus und der Polizei verhört.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein. In sieben Bundesstaaten sind Anti-Bekehrungs-Gesetze gültig und in zwei weiteren Staaten bereits verabschiedet, aber noch nicht in Kraft getreten. In Tamil Nadu wurde ein solches Gesetz verabschiedet, später aber aufgehoben. Diese Gesetze regulieren und schränken die Religionsfreiheit ein. Artikel 25 der indischen Verfassung, der die Religionsfreiheit gewährt, unterliegt der öffentlichen Ordnung, die jedoch nicht näher definiert wurde. Die Klausel zu Artikel 25 gibt dem Staat die Erlaubnis, Gesetze zu verabschieden, die die Religionsfreiheit einschränken.
  • Medienberichte über Christen sind inkorrekt oder voreingenommen. Die indischen Medien (besonders die, die in indischen Dialekten publizieren) sind in der Regel sehr voreingenommen gegen Christen. In ländlichen Gebieten sind sie feindselig; Hassreden und Propaganda von hinduistischen Extremisten erhalten viel Raum.
  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen. Hinduistische Extremisten wenden sich seit den 1990er-Jahren gegen Muslime und Christen. Ein Beispiel dafür sind Äußerungen eines extremistischen Hindu-Führers im Dezember 2014. Er hofft, den Islam und das Christentum bis 2021 aus Indien verdrängt zu haben. Das würde bedeuten, rund 250 Millionen Menschen aus Indien zu beseitigen. Das ist eine extreme Sichtweise und unrealistisch; dennoch ist es eine Tatsache, dass die meisten Hindu-Führer dazu neigen, Pauschalurteile gegen Muslime und Christen zu treffen. Weitere Beispiele für Hassreden finden sich regelmäßig in Stellungnahmen von radikalen Hindu-Führern wie Yogi Adityanath, Mohan Bhagwat, Pravin Togadia, Vinay Katiyar, Sadhvi Prachi, Sakshi Maharaj, Indresh Kumar und Suresh Chahvan; einige Regierungsmitglieder wie Rajnath Singh (Verteidigungsminister Indiens), Giriraj Singh, Mukhtar Abbas Naqui (Minister für Minderheiten) sind ebenfalls offen beteiligt. Sie beschuldigen Christen kontinuierlich, Hindus zum christlichen Glauben zu „locken“.
  • Wer Christen schadet, wird absichtlich ungestraft gelassen. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl von Vorfällen, die ohne Strafe blieben, drastisch an. Die Zentralregierung unter Premierminister Narendra Modi ignoriert permanent die Straftaten hinduistischer Extremisten gegen Christen. Extremistische Hindus (insbesondere auf dem Land) greifen Versammlungen von Christen an, schlagen die Christen zusammen und bringen sie dann zur Polizeistation. Die Täter werden meist (auf Kaution) freigelassen oder von ihren Straftaten freigesprochen, während die Opfer im Gefängnis sitzen und später mit Gerichtsverfahren schikaniert werden, die jahrelang andauern können.

Christen in Indien bekommen auch bei Reisen Schwierigkeiten. Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Parteien werden behindert. Christen werden der Blasphemie beschuldigt (Indien hat ähnliche Blasphemiegesetze wie Pakistan). Vor Gericht werden Christen unfair behandelt. Indische Behörden verhindern die Anwesenheit internationaler Beobachter in Gerichtsverfahren.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört. Der Staat überwacht christliche Aktivitäten kontinuierlich und hat viele Einschränkungen vorgenommen (etwa durch Einschränkungen bei der Finanzierung aus dem Ausland und bei Einladungen von ausländischen Missionaren, durch Schwierigkeiten bei der Registrierung, durch Anti-Bekehrungs-Gesetze und Blasphemiegesetze und Ähnlichem). Extremistische Hindus gehen verstärkt gegen Christen vor – es gibt viele Vorfälle, bei denen Hindus in Mobs Überfälle durchführen, Christen verprügeln, Verhaftungen veranlassen und Christen befehlen, ihr Zuhause zu verlassen. Da extremistische Hindus diese Straftaten meist ungestraft ausführen können, steigt die Angst unter Christen.
  • Christliche Predigten, christlicher Unterricht und/oder christliche Publikationen werden überwacht. Extremistische Hindus und örtliche Behörden bemühen sich darum, jegliche christlichen Materialien zu kontrollieren (einschließlich digitaler Medien im Internet). Auch Evangelisten und christliche Mitarbeiter werden permanent überwacht.
  • Kirchen werden an dem Austausch mit der weltweiten Kirche gehindert. Die Zentralregierung in Neu-Delhi hat sehr strenge Vorschriften erlassen, um ausländische Missionare effektiv an der Einreise nach Indien zu hindern: Sie benötigen ein Sondervisum, das fast unmöglich zu beschaffen ist. Ausländische Besucher, selbst Touristen, sind stark eingeschränkt und müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie keine Predigten halten oder andere zum Glaubenswechsel ermutigen werden. Viele Christen, die aus dem Ausland kommen und sich mit einem Arbeitsvisum in Indien aufhalten, werden des Landes verwiesen (es könnten mehr als 100 im aktuellen Berichtszeitraum sein), und Ausländer indischer Abstammung werden des Landes verwiesen, wenn sie Mitglied von Kirchen oder christlichen Gruppen in Indien sind.
  • Es ist für Christen riskant, die Stimme gegen Verfolgung zu erheben. Die Gefahren, die Christen auf sich nehmen, wenn sie sich offen gegen ihre Verfolger äußern, haben in den letzten fünf Jahren enorm zugenommen. Hinduistische Extremisten werden durch die Untätigkeit der Regierung ermutigt und sind überzeugt, Verbrechen ungestraft begehen zu können. So kommt es in sozialen Medien vermehrt zu Morddrohungen, der Verbreitung von persönlichen Details und Angriffen auf die Familie. Wenn ein Christ versucht, sich gegen extremistische Hindus oder parteiische Gerichte zu wehren, bietet das den hinduistischen Angreifern Grund, ihre Übergriffe zu verstärken.

Christen in Indien bekommen zudem bei der Gründung oder dem Betreiben von Schulen und Wohltätigkeitsorganisationen Schwierigkeiten.

Auftreten von Gewalt

  • Nach Informationen von Partnern vor Ort wurden im Berichtszeitraum neun Christen getötet. Vier von ihnen wurden von kommunistisch-revolutionären Aktivisten, sogenannten Naxaliten, umgebracht. Aber auch extremistische Hindus, Familienmitglieder und Dorfbewohner sind für einige Morde verantwortlich. Die meisten Christen wurden in Chhattisgarh, Jharkhand und Odisha getötet, die anderen in Assam und Bihar.
  • Es wurden mehr als 175 Vorfälle gemeldet, bei denen insgesamt rund 1.500 Christen körperlich angegriffen wurden. Hauptverantwortlich waren extremistische Hindus, Familienmitglieder und Dorfbewohner. Angriffe dieser Art fanden überall in Indien statt. Die Bundesstaaten mit den meisten Vorfällen sind jedoch Odisha, Chhattisgarh, Bihar, Maharashtra, Assam und Uttar Pradesh. Die Bundesstaaten, in denen von weniger Vorfällen berichtet wurde, sind Andhra Pradesh, Gujarat, Haryana, Karnataka, Madhya Pradesh, Manipur, Punjab, Rajasthan, Tamil Nadu, Telangana und Westbengalen.
  • Es wurde von mehr als 94 Vorfällen berichtet, in denen etwas mehr als 300 Christen festgenommen wurden. Festnahmen fanden überall in Indien statt. Die Bundesstaaten mit den meisten Vorfällen sind jedoch Uttar Pradesh, Jharkhand, Bihar und Haryana. Die Bundesstaaten, in denen von weniger Vorfällen berichtet wurde, sind Chhattisgarh, Delhi, Goa, Gujarat, Himachal Pradesh, Karnataka, Madhya Pradesh, Maharashtra, Odisha, Punjab, Rajasthan, Telangana, Uttarakhand und Westbengalen. 2013 wurden in Odisha sieben Christen zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei von ihnen wurden während des aktuellen Berichtszeitraums wieder freigelassen.
  • 34 Kirchen, Schulen, Kirchengebäude und weitere kirchliche Grundstücke wurden angegriffen und beschädigt. Diese Vorfälle fanden überall in Indien statt. Die Bundesstaaten mit den meisten Vorfällen sind jedoch Tamil Nadu, Telangana, Odisha, Bihar und Maharashtra. Die Bundesstaaten, in denen von weniger Vorfällen berichtet wurde, sind Andhra Pradesh, Assam, Chhattisgarh, Daman und Diu, Gujarat, Punjab, Uttar Pradesh und Westbengalen.
  • Es gibt 54 Berichte darüber, dass Häuser, Geschäfte oder Eigentum von Christen angegriffen wurde. Diese Vorfälle fanden überall in Indien statt. Die Bundesstaaten mit den meisten Vorfällen sind jedoch Odisha, Assam, Gujarat, Chhattisgarh und Maharashtra. Die Bundesstaaten, in denen von weniger Vorfällen berichtet wurde, sind Andhra Pradesh, Bihar, Haryana, Himachal Pradesh, Manipur, Punjab, Rajasthan, Tamil Nadu, Tripura and Uttar Pradesh.

Die Verfolgung in Indien ist äußerst gewalttätig. Die Zahl der gemeldeten Vorfälle ist sehr hoch; es sei jedoch darauf hingewiesen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist – über viele Vorfälle wird in den Medien nicht berichtet und sie werden von unseren Feldforschern nicht dokumentiert.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung gemeinschaftlich genutzter Ressourcen
  • Verweigerung von Nahrungsmitteln/Wasser
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Falsche Anklagen
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Indien ist ein religiös vielfältiges Land mit einer demokratischen Gesellschaft und einer Verfassung, die in der Theorie Gleichberechtigung für alle Einwohner garantiert, unabhängig von Hautfarbe, religiöser Ausrichtung, Geschlecht und Kaste – religiöse Diskriminierung ist verboten. Die Realität sieht jedoch häufig anders aus: Es existieren gleichzeitig andere Gesetze, die dieser Verfassung widersprechen. Sie halten die gesellschaftlichen Regeln aufrecht, die seit jeher gelten, sind ihrer Natur nach patriarchalisch und nutzen die schwächeren Klassen der Gesellschaft aus. Frauen und Mädchen gelten als schwach und emotional, sodass die Verfolgung von Christinnen häufig auf ihren Körper ausgerichtet ist: durch Belästigung, Vergewaltigung und andere Formen sexuellen Missbrauchs. In vielen Gegenden wird die Sexualität einer Frau von den männlichen Mitgliedern ihrer Familie kontrolliert. Jede Schädigung ihres Ansehens kann in der Beschämung der Familie resultieren. Für Frauen und Mädchen kommt das psychischer Folter gleich, da ihre sexuelle Reinheit den Stolz und das Ansehen der Familie beeinflusst. In diesem Zusammenhang führte das Kinderhilfswerk „World Vision India“ eine Umfrage unter 45.844 Kindern im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren in 26 indischen Bundesstaaten durch. Es stellte fest, dass jedes zweite Kind Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war. 99 % der Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs wurden nicht gemeldet.

Junge Christinnen aus Stammesgebieten können Opfer sexueller Übergriffe verschiedenster Form werden, wobei auch von gezieltem Menschenhandel berichtet wird. Körperliche Gewalt gegenüber Frauen umfasst auch Säureangriffe und Mordversuche.

Christinnen mit anderem religiösen Hintergrund riskieren es, durch ihre eigene Familie oder ihr soziales Umfeld eingesperrt oder zu Heirat oder Scheidung gezwungen zu werden.

Es wird von zahlreichen Vorfällen gesellschaftlicher Diskriminierung berichtet. Dabei werden Christinnen beispielsweise Wasser und andere gemeinschaftlich genutzte Ressourcen wie Weideland verweigert.

Christinnen werden oft körperlich missbraucht, vernachlässigt und nicht besser als Tiere behandelt. Die Frauen der unteren Schichten wurden schon immer von den Hindus der höheren Kasten, die heute hauptsächlich an der RSS-Ideologie festhalten, ausgenutzt. Viele Frauen dieser Kasten haben sich dem christlichen Glauben zugewandt. Damit werden sie in doppelter Weise zur Zielscheibe von Verfolgung: Zum einen weil sie als „Unberührbare“ gelten, zum anderen weil sie Christen geworden sind. Es heißt: „Indiens patriarchische Gesellschaft ist für Frauen möglicherweise ein schlimmerer Feind als religiöser Fanatismus. Zusammen ergeben sie einen tödlichen Cocktail.“

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung gemeinschaftlich genutzter Ressourcen
  • Verweigerung von Nahrungsmitteln/Wasser
  • Beschlagnahmung von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Wirtschaftliche Schikanierung durch Geldstrafen
  • Falsche Anklagen
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Reiseverbote/Einschränkung der Reisefreiheit
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Trotz des rechtlichen Schutzes wird christlichen Männern und Leitern, die über den christlichen Glauben sprechen, oder Männern, die Christen werden wollen, auf unterschiedliche Weise Gewalt angetan. Die Verfolgung von Männern und Jungen geschieht unter anderem in verbaler, psychischer und körperlicher Gewalt. Männer und Jungen werden als körperlich stark angesehen. So zielt die Verfolgung christlicher Männer sowohl auf ihre körperliche Stärke als auch auf ihre Rolle als Entscheidungsträger und Familienoberhaupt ab. Dazu gehören Schläge und psychische Folter. So müssen sie beispielsweise mit ansehen, wie ihre Familienmitglieder gefoltert werden.

Eine verbreitete und wirksame Form der Verfolgung in Indien ist die soziale Ausgrenzung, einschließlich des Ausschlusses aus der Familie, der Ablehnung durch das ganze Dorf, der Vertreibung aus dem Dorf, des Ausschlusses von der Teilnahme an Ratssitzungen und vom Zugang zu staatlichen Programmen und des Ausschlusses von staatlichen Hilfsprogrammen und Sozialleistungen. Männer sind meist die Hauptverdiener der Familie. Aufgrund ihres christlichen Glaubens verlieren einige von ihnen ihre Arbeitsstelle oder werden in entfernte Städte versetzt, auf der Arbeit verstärkt belastet und/oder von Kunden gemieden. Zur wirtschaftlichen Benachteiligung gehört die Beschlagnahmung von Erbschaften.

Falsche Anschuldigungen, wie der Vorwurf, Hindus zur Annahme des christlichen Glaubens bewegen zu wollen, Frauen belästigt oder vergewaltigt zu haben oder hinduistische Götter und Göttinnen verunglimpft zu haben, werden als Möglichkeit zur Verfolgung genutzt. Diese Beschuldigungen werden üblicherweise gegen Pastoren und Prediger erhoben – derzeit stark risikobehaftete Tätigkeiten. Ein Gefängnisaufenthalt ist sowohl für Christen selbst als auch für ihre Familien eine Schande. Extremistische Hindus richten ihre Angriffe auf Gemeindeleiter, um ein Zeichen zu setzen, und nehmen deshalb auch die Familien der Leiter ins Visier.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Extremistische Hindus haben sowohl den Islam als auch den christlichen Glauben als ausländische Religionen bezeichnet, die möglichst aus dem Land vertrieben werden sollten. Daher wird die muslimische Minderheit in einer ähnlichen Weise durch extremistische Hindus verfolgt wie die christliche. Buddhisten und Sikhs sind für Hindu-Extremisten akzeptabler, da diese Religionen auf indischem Territorium entstanden sind.

Beispiele:

  • Am 7. April 2019 wurde der Muslim Shaukat Ali gezwungen, im Schlamm zu knien und Schweinefleisch zu essen. Eine Gruppe Hindus war wütend, weil der Mann Kuhfleisch verkaufte. Kühe sind für Hindus heilige Tiere. Darum zahlten sie es dem Mann mit dem religiösen Leitgedanken der „gerechten Strafe“ heim und zwangen ihn, das im Islam als unrein geltende Tier zu essen.
  • Am 15. Mai 2019 wurde der Muslim Nayeem Shah in der Region Jammu und Kashmir von hinduistischen Extremisten umgebracht. Shah transportierte Vieh in einem Fahrzeug, als er an einem späten Dienstagabend von Unbekannten abgefangen wurde. Angeblich wurde er von einem Dorfverteidigungstrupp erschossen.
  • Am 11. Juli 2019 wurden einige Schüler einer Koranschule, die auf dem Gelände des „Government Inter Colleges“ in Uttar Pradesh Kricket spielten, von einer Gruppe Hindus angegriffen. Sie zwangen die Schüler, „Jai Shri Ram“ („Heil dem Herrn Rama“) zu rufen und schlugen sie mit den Kricket-Schlägern.

9. Der Ausblick für Christen

Religiös motivierten Nationalismus

Hindu-Extremisten üben ständig Gewalt gegen Muslime und Christen aus. In der Vergangenheit haben ausgedehnte Pogrome viele Muslime und Christen das Leben gekostet. Militante Hindus werden sich nicht davor scheuen, weiterhin solche Angriffe gegen religiöse Minderheiten zu planen. Bisher war es Hindu-Extremisten möglich, ihre Gräueltaten straffrei auszuführen. Weil Modi die Wahlen im Mai 2019 gewann, ist zu erwarten, dass diese Hindus sich ermutigt fühlen, ihre Gewalt noch zu intensivieren.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Hindus in Stammesgebieten werden sich aller Voraussicht nach weiterhin gegen jede christliche Präsenz in ihrer Mitte einsetzen. Mit der Wiederwahl der Regierung unter der BJP könnte ihr Widerstand sogar noch gewalttätiger werden.

Diktatorische Paranoia

Indien wird häufig als die größte Demokratie der Welt gesehen. Die derzeitige Regierung ist jedoch ein Meister darin, Informationen zu ihrem Vorteil zu manipulieren und so ihre Gegenspieler auszumanövrieren. Mit der Wiederwahl der BJP im Mai 2019 ist zu erwarten, dass extremistische Hindus sich ermutigt fühlen, ihre Gewalt noch zu intensivieren. Die Zentralregierung wird wahrscheinlich weiterhin den Blick abwenden und Anzeigen von Angriffen gegen Muslime und Christen nicht nachgehen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indien:

  • Die Stärke und das Durchsetzungsvermögen, mit denen alle Arten von hinduistischen Organisationen agieren, hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Sie beanspruchen Indien für den Hinduismus. Bitte beten Sie für Christen hinduistischer Herkunft, die mit Gewalt gezwungen werden sollen, zum Hinduismus zurückzukehren.
  • Beten Sie für Gottes Versorgung und Schutz für die Christen, die mutig das Evangelium in den Bundesstaaten mit Anti-Bekehrungs-Gesetzen verkündigen. Beten Sie, dass sie in ihren Bemühungen, das Evangelium zu verbreiten, weise sind.
  • Beten Sie bitte für die christlichen Mädchen, die von ihren Eltern wegen ihres Glaubens unter Hausarrest gestellt wurden. Bitte beten Sie, dass sie im Glauben ermutigt werden und dass ihre Eltern Jesus Christus kennenlernen.

 

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