Länderprofil Nordkorea

Nordkorea

1
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Nordkorea
Hauptreligion
Juche-Ideologie
Offizielle Staatsform
Demokratische Volksrepublik
Platz Vorjahr
1
ISO
KP
Karte Nordkorea
Christen
0,30
Bevölkerung
25.61
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 10.900

Länderprofil Nordkorea

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 1 / 94 Punkte (WVI 2018: Platz 1 / 94 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Kommunistische Unterdrückung: In Nordkorea herrscht eine kommunistische (anti-christliche) Regierungsform vor.

Diktatorische Paranoia: Nordkorea wird seit 1948 nun schon in der dritten Generation von derselben Familie beherrscht. Die gottgleiche Huldigung der Machthaber lässt absolut keinen Raum für andere Religionen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Verfolgung geht hauptsächlich vom nordkoreanischen Staat aus. Seit drei Generationen dreht sich in dem Land alles um die Verehrung der Herrscherfamilie Kim. Die Paranoia des Machthabers Kim Jong Un hat sich mit der wachsenden Isolation des Landes aufgrund der jüngsten Serie von Atom- und Raketentests und den darauf folgenden Sanktionen noch verstärkt. Die Paranoia bleibt unvermindert stark, obwohl sich die Tests weitgehend als erfolgreich erwiesen haben. Christen werden als feindseliges Element in der Gesellschaft angesehen, das beseitigt werden muss. Aufgrund der konstanten Indoktrinierung des Landes sind Nachbarn und sogar Familienmitglieder hochgradig wachsam und melden den Behörden alles, was ihnen verdächtig erscheint. Insbesondere Kinder können durch diese Indoktrinierung so stark beeinflusst werden, dass sie, im Glauben das Richtige zu tun, ihre eigenen Eltern melden. Aus diesem Grund erzählen viele Eltern ihren Kindern nichts von ihrem christlichen Glauben.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Wenn Christen entdeckt werden, ist es unerheblich, ob sie Nachkommen der christlichen Gemeinschaften aus der Zeit vor dem Koreakrieg sind, oder auf andere Weise zum christlichen Glauben gefunden haben (beispielsweise während der großen Hungersnot in den 1990er-Jahren, die zehntausende Nordkoreaner dazu veranlasste, in China nach Hilfe zu suchen, die sie oft bei chinesischen Christen fanden). Werden Christen entdeckt, werden sie in Arbeitslager verschleppt und wie politische Gefangene behandelt oder sogar auf der Stelle getötet. Ihre Familien erwartet dasselbe Schicksal. Christen haben nicht den geringsten Raum in der Gesellschaft – im Gegenteil, es wird sogar öffentlich vor ihnen gewarnt. Es ist für Christen fast unmöglich, sich mit anderen Christen zum Gottesdienst zu versammeln. Wer es dennoch wagt, muss dies in größter Heimlichkeit tun. Die Kirchengebäude, die Besuchern in der Hauptstadt Pjöngjang gezeigt werden, dienen lediglich Propaganda-Zwecken.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Es gibt gegen Christen gerichtete Razzien und Tötungen, doch aus Sicherheitsgründen können dazu keine Details veröffentlicht werden. Pastor Dong Cheol Kim (festgenommen im Jahr 2015) und zwei koreanisch-amerikanische christliche Dozenten der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST), Tony Kim und Hak Song Kim (festgenommen im April beziehungsweise Mai 2017) wurden der Spionage beschuldigt. Sie wurden im Vorfeld des Gipfeltreffens zwischen den USA und Nordkorea im Juni 2018 aus der Haft entlassen. Berichten zufolge hat die Universität ihre Einstellungspolitik geändert und beschäftigt nur noch nicht-US-amerikanische Mitarbeiter, eine logische Folge des von den USA verhängten Reiseverbots.

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Nordkorea
Am 09. Februar 2018 traf Kim Yo Jong in Südkorea ein, um die nordkoreanische Delegation bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang politisch zu begleiten, und traf dabei auch Südkoreas Präsidenten Moon Jae In.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Nordkorea befindet sich seit dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2002 auf dem 1. Platz. Auf dem WVI 2018 folgte Afghanistan knapp dahinter auf Platz 2. Im aktuellen Berichtszeitraum hat sich dies nicht wirklich geändert. Die Situation für Christen in den beiden Ländern ist zwar sehr unterschiedlich, doch die Wertung ist sehr ähnlich. Die Wertung für den Druck auf Christen ist sogar identisch, auch wenn die Verfolgung sehr anders aussieht.

Wie in den vergangenen Jahren sind Christen in Nordkorea von extrem hohem Druck in allen auf dem WVI aufgeführten Lebensbereichen betroffen und erleben ein sehr hohes Maß an Gewalt, der sie schutzlos ausgesetzt sind. Der plötzliche Anstieg diplomatischer Aktivitäten (angefangen im Februar 2018 mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang/Südkorea) hat für die Christen nichts geändert. Im Gegenteil: Berichten zufolge haben Razzien zur Identifizierung und Entfernung von andersdenkenden Bürgern weiter zugenommen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Theoretisch ist Nordkorea ein kommunistisches Land, doch praktisch dominiert der Personenkult. Da das Land jedoch weiterhin nach kommunistischer Verwaltungspraxis geführt wird, ist die Haupttriebkraft der Verfolgung weiterhin Kommunistische Unterdrückung. Zudem hat der Machthaber seinen Regierungsschwerpunkt mehr von der Armee weg in Richtung der Koreanischen Arbeiterpartei verlagert.

Hier wird erneut deutlich, wie groß der Einfluss des (Post-)Kommunismus noch immer ist. Die Ergebnisse des siebten Parteikongresses der Koreanischen Arbeiterpartei im Mai 2016 brachten weder wirtschaftlich noch ideologisch Änderungen mit sich. Christen werden weiterhin als gefährlich betrachtet und ihr Glaube als „Opium für das Volk“ eingestuft – wie im klassischen Kommunismus. Laut dem nordkoreanischen Gesellschaftssystem Songbun sind sie zudem Teil der feindlichen Gesellschaftsklasse.

Diktatorische Paranoia

Seit 1948 wird Nordkorea von derselben Familie regiert, nun in der dritten Generation. Wie bereits erwähnt ist die ursprüngliche Ideologie des Kommunismus in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten, obwohl der kommunistische Stil der Gesellschaftskontrolle weiter fortbesteht. Nordkorea ist mittlerweile ein klares Beispiel für ein Land geworden, das von Diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Jeder muss den Herrscher verehren und Kim Jong Un ist aufgrund dieses ausgeprägten Personenkultes in der Gesellschaft unersetzlich – nicht zuletzt, da er auch die Arbeiterpartei, die Armee, die Verwaltung und alle Bereiche der Gesellschaft kontrolliert.

Im aktuellen Berichtszeitraum hat sich ein wachsender Personenkult um Kim Jong Un abgezeichnet. Im November 2018 wurde in Pjöngjang beim Besuch des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel das erste offizielle Gemälde Kim Jong Uns enthüllt. Beobachter fanden besonders bemerkenswert, dass Kim Jong Un darauf in einem schwarzen Anzug und Krawatte abgebildet wurde und nicht in Uniform.

Seine Macht mag nicht ganz so absolut wie die seines Vaters und Großvaters sein, doch niemand kann seine Autorität in Frage stellen. Zudem hat er seine Macht nicht zuletzt durch den erreichten Status als de-facto-Atommacht noch ausbauen können. Die gottgleiche Verehrung der Kim-Familie erlaubt keinerlei Raum für eine andere Religion. Wer es wagt, jemand oder etwas anderes als die Kim-Dynastie zu verehren, wird als Gefahr für den Staat angesehen. Insbesondere Christen bezeugen, dass sie einer Macht folgen, die höher ist als jede menschliche Autorität. Sie vertrauen darauf, dass Gott Könige und Herrscher ein- und auch wieder absetzt. Sie werden deshalb als Bedrohung angesehen und entsprechend bekämpft. Sie gelten als „feindliche Klasse“ in Nordkoreas Gesellschaftssystem.

Der volle Titel von Kim Jong Un klingt beeindruckend: „Geliebter Genosse Kim Jong Un, Vorsitzender der Koreanischen Arbeiterpartei, Vorsitzender des Komitees für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik von Korea und Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee.“ Kim Jong Un veränderte den National-Eid, indem er Erwähnungen zu den Errungenschaften seines Vaters und Großvaters kürzte und so größeres Gewicht auf seine eigenen Erfolge legte. Damit wird die Festigung seiner Macht deutlich gezeigt. Im Oktober 2017 beförderte Kim Jong Un seine Schwester, Kim Yo Jong, in das Politbüro und machte sie damit zum Teil der politischen Elite, die das Land regiert. Sie besuchte die Olympischen Winterspiele in Südkorea und nahm an zahlreichen Gipfeltreffen teil. Dies verdeutlicht die Lebenswirklichkeit Nordkoreas, in der die Führung des Landes und der Partei ein Familiengeschäft ist. Es bedeutet jedoch nicht, dass sie persönlich Einfluss nehmen bzw. Macht ausüben kann.

3. Verfolger

Kommunistische Unterdrückung

Die Verfolgung in Nordkorea geht vor allem vom Staat aus, durch Regierung und Partei. Die Regierung wird auf Grundlage der kommunistischen Lehre geführt.

Diktatorische Paranoia

Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren. Das hat sich auch mit der jüngeren Generation nicht verändert, seit Kim Jong Un im Dezember 2011 an die Macht gekommen ist. Das höchste Ziel aller Behörden ist das Überleben des Landes und seiner Anführer. Christen werden als feindlicher Teil der Gesellschaft angesehen, der beseitigt werden muss – egal wie.

Aufgrund der permanenten Indoktrinierung, die das gesamte Land durchdringt, sind Nachbarn und Familienmitglieder sehr wachsam. Sie werden dazu angehalten, den Behörden alles zu melden, was ihnen verdächtig vorkommt. Selbst die eigenen Familienmitglieder melden Christen bei den Behörden. Insbesondere Kinder können durch diese Indoktrinierung so stark beeinflusst werden, dass sie ihre eigenen Eltern melden, in dem Glauben, das Richtige zu tun. Aus diesem Grund erzählen viele Eltern ihren Kindern nichts von ihrem christlichen Glauben.

4. Hintergrund

Das politische System des Landes gründet sich auf zwei Ideologien. Die eine wird „Juche“ genannt. Im Wesentlichen besagt sie, dass der Staat vollkommen autark ist. Die andere ist der „Kimilsungismus“. Er steht für die Verehrung der Führer des Landes, die als allmächtige Instanzen die Geschicke Nordkoreas lenken. Jeder Bürger muss an wöchentlichen Versammlungen teilnehmen, bei denen alle Bürger jeder Altersklasse ideologisch geschult und indoktriniert werden. Auch die Teilnahme an Sitzungen, in denen Selbstkritik geübt werden muss, ist Pflicht. Es ist keinem Nordkoreaner erlaubt, abweichende Ideen zu entwickeln, seien sie religiöser oder anderer Natur. Das strenge System gesellschaftlicher Kontrolle führt zu einem hohen Maß an Selbstzensur und Selbstkontrolle bezüglich dessen, was man sagt und zu wem man es sagt, selbst in privatesten und familiären Beziehungen. Ein Sprichwort aus Nordkorea fasst dieses Misstrauen in der Gesellschaft zusammen: „Wo zwei oder drei zusammenkommen, ist einer ein Spion.“

Die Hoffnungen, dass Kim Jong Un nach seiner Machtübernahme im Dezember 2011 Nordkorea für Verbesserungen der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und diplomatischen Zustände öffnen würde, wurden enttäuscht.

Das Regime richtete weiterhin alles darauf aus, seine Raketen- und Atomtests fortzuführen und noch mehr Kriegsrhetorik von sich zu geben. Kurz vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea hörte dies auf und wurde fortan mit diplomatischen Angeboten und Initiativen ersetzt. Daraus können drei Lehren gezogen werden: Nordkorea war bereit, den Preis schwerer internationaler Sanktionen zu zahlen, die auch von seinem Verbündeten und Nachbarn China durchgesetzt wurden. Zweitens: Das Erreichen des Status einer Atommacht (anerkannt oder nicht) blieb das höchste Ziel. Als das erreicht war, konnten Signale der Entspannung ausgesendet werden, und man konnte sich auf die Entwicklung der Wirtschaft konzentrieren. Drittens: Diese Politik trug überraschende Früchte.

Während des Berichtzeitraums des WVI 2018 hatte Kim Jong Un (in seinem sechsten Jahr als Machthaber) noch immer keinen anderen Staat besucht und auch noch keinen offiziellen Besuch anderer Staatsoberhäupter empfangen. Doch das hat sich mit einer Vielzahl kurz aufeinander folgenden Aktivitäten geändert. Im März 2018 reiste Kim Jong Un nach Peking, um sich mit seinem Hauptverbündeten China zu treffen. In den folgenden vier Monaten reiste er drei weitere Male nach China. Dies ist derselbe Kim Jong Un, der kein Blatt vor dem Mund nahm, als er 2016 bei der Eröffnungsrede des 7. Parteitages Chinas gegenwärtige Entwicklung mit folgenden Worten anprangerte: „Trotz des schmutzigen Windes der bürgerlichen Freiheit und Reform und Offenheit, die aus unserer Nachbarschaft herüberweht, lassen wir im Geist der Songun-Politik (Militär zuerst) Gewehre fliegen und gehen weiter auf dem Pfad des Sozialismus voran, den wir gewählt haben.“ Im April 2018 gab es ein Treffen der beiden koreanischen Präsidenten, bei dem sie die „Panmunjom-Erklärung“ unterzeichneten; ein bemerkenswerter Schritt nach zahlreichen Jahren des Schweigens und der Anfeindungen. Der größte Erfolg war jedoch der Gipfel von Singapur am 12. Juni 2018, bei dem Kim Jong Un zum ersten nordkoreanischen Herrscher wurde, der einen amtierenden US-Präsidenten traf. Obwohl viele Beobachter dieses Treffen als Propagandaerfolg für Kim Jong Un einschätzten und ein erfahrener Nordkorea-Experte darauf hinwies, dass die Gipfelerklärung auffallend nebulös blieb, wird nur die Zeit zeigen, ob von diesem Treffen mehr als ein Bild händeschüttelnder Präsidenten übrig bleibt. Es sind noch keine spürbaren Veränderungen im Land sichtbar geworden. Im Gegenteil: Quellen in Nordkorea sprechen von einem zunehmenden Vorgehen gegen alle „anti-sozialistischen Elemente“ und einer verstärkten Zusammenarbeit mit China in der Rückführung von Landesflüchtigen.

Die Problematik der Menschenrechte wird sowohl von China also auch von Nordkorea als Hindernis des Fortschritts und als unerwünschte Einmischung in innere Angelegenheiten angesehen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass Nordkorea nicht zögerte, Kim Jong Uns Halbbruder Kim Jong Nam im Februar 2017 in Kuala Lumpur in aller Öffentlichkeit zu töten. Daran ist der Aufwand zu erkennen, den das Regime betreibt, um seine Macht auch weiterhin sicherzustellen.

Obwohl die meisten Nordkoreaner nicht mehr vom Verhungern bedroht sind wie noch in den 1990er-Jahren, bleibt die Grundversorgung aufgrund der geografischen Lage des Landes und der Witterungsbedingungen problematisch. Hunger ist ein tagtäglich gegenwärtiger Feind. Ein Großteil der Bevölkerung ist noch immer unter- oder mangelernährt, und der Anteil unterentwickelter Kinder ist weiterhin sehr hoch. Die Situation verschlimmert sich durch die Weigerung des Regimes, mit internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten und ihnen Zugang zu den am stärksten betroffenen Gebieten zu gewähren. Der seltene Bewertungsbesuch eines hochrangigen UN-Beamten im Juli 2018 (der erste seit 2011) offenbarte die desolaten Lebensbedingungen vieler Bürger.

Einen weiteren Beleg gab ein Soldat, der im November 2017 die demilitarisierte Zone überwand und dabei schwerwiegende Schusswunden erlitt. Bei einer medizinischen Untersuchung fand man im Magen-Darm-Trakt des Überläufers viele Parasiten. Dabei handelte es sich bei ihm um einen Elitesoldaten, der mit der Bewachung der innerkoreanischen Grenze beauftragt war. Seine Ernährungssituation sollte somit eigentlich besser sein als die der Durchschnittsbürger. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen veröffentlichte im Oktober 2018 einen Bericht, in dem Kinder mit Wachstumsstörungen und stark unterernährte Erwachsene in Nordkorea beschrieben wurden.

Andererseits hat sich die wirtschaftliche Situation leicht verbessert, seitdem die Regierung ein gewisses Marktwesen zugelassen hat. Dies kommt nicht annähernd einer Marktwirtschaft gleich, doch es verleiht den Menschen etwas mehr Handlungsspielraum. Ein ausführlicher Bericht der Internetzeitung Daily NK vom August 2017 besagt, dass etwa fünf Millionen Menschen (gut 20 % der Bevölkerung) entweder direkt oder indirekt vom Marktsystem Nordkoreas abhängig sind. Obwohl strengere Kontrollen an der chinesischen Grenze negative Auswirkungen mit sich brachten, schienen sich diese zum Ende des aktuellen Berichtszeitraums wieder zu reduzieren, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass diese Art von Kontrollen durch lokale Behörden durchgeführt werden, die ihre eigenen Interessen häufig an erste Stelle setzen.

Das Projekt „Marktwesen“ brachte positive Ergebnisse, wenn auch begrenzte. Das Regime scheint inzwischen jedoch weniger Gewicht auf die Betonung der Aufgaben des Militärs zu legen, sondern sich verstärkt um die wirtschaftliche Entwicklung zu kümmern, um das Leben der Bürger zu verbessern. Das könnte unter anderem daran liegen, dass Nordkoreaner immer mehr vom westlichen Konsumverhalten mitbekommen, das sie durch illegal eingeführte DVDs südkoreanischer Fernsehserien miterleben. Es gibt eine hohe Nachfrage nach diesen Medien.

Es kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass sich die beherrschenden Rollen der Ideologie, Partei und des Machthabers in naher Zukunft verändern werden. Wie alle anderen Bürger würden auch Christen von einer verbesserten wirtschaftlichen Situation profitieren. Doch die problematische Grundversorgung beeinträchtigt Christen stärker, da sie eher zu den ärmeren Bevölkerungsschichten gehören. Ein weiteres Problem stellt der allseits gängige Einsatz von Bestechung dar, der mit ihrem christlichen Glauben nicht vereinbar ist.

Eine wichtige Methode, an „harte Währungen“ zu kommen, ist das Aussenden von Arbeitern in andere Länder, sogar nach Europa. Die nordkoreanischen Behörden nötigen diesen Arbeitern fast ihren gesamten Verdienst ab. Wenn so bereits mit den loyalen Bürgern umgegangen wird, denen der Staat genug „vertraut“, um sie ins Ausland zu schicken, ist leicht vorstellbar, wie er mit der „feindlich“ gesinnten Schicht umgeht, zu der auch die Christen zählen. Diese Vorgehensweise stellt jedoch in Zeiten strengerer internationaler Sanktionen eine wachsende Herausforderung für das Regime dar. Die internationalen Sanktionen, die im Jahr 2017 als Reaktion auf die anhaltenden Raketen- und Atomtests eingeführt wurden, haben ernsthaft wehgetan und werden mit zu Nordkoreas jüngster diplomatischer Offensive beigetragen haben. Berichten zufolge hat der Wirbel internationaler Begegnungen 2018 überraschenderweise zu einem strengeren Überwachungsnetz und einem noch härteren Durchgreifen gegen jeden geführt, der als Abweichler erscheint.

Die Flucht aus dem Land selbst wird grundsätzlich schwieriger, weil China seine Grenzen zunehmend mit Zäunen absichert und verstärkt. Laut Berichten ist die Grenze seit Mitte 2018 allerdings wieder durchlässiger geworden. China nimmt weiterhin nordkoreanische Flüchtlinge fest und bringt sie über die Grenze zurück. Diese Maßnahme könnte auch Christen gefährden. Die Preise, die Schlepper verlangen, um Flüchtlinge illegal von Nordkorea nach China zu bringen, sind in den vergangenen Monaten sprunghaft angestiegen. Ende 2016 lag der durchschnittliche Preis pro Person bei etwa 8.900 US-Dollar – 2017 mussten Flüchtlinge bis zu 16.000 US-Dollar zahlen. Die Anzahl von Flüchtlingen aus Nordkorea ist seit der Machtergreifung Kim Jong Uns zurückgegangen. Nach offiziellen Zahlen des südkoreanischen Einheitsministeriums gab es 2017 1.127 Flüchtige, während im Jahr 2011 noch 2.706 gezählt wurden. Aktuelle Zahlen aus dem Jahr 2018 sind noch nicht verfügbar, doch in der ersten Jahreshälfte ist die Anzahl von Flüchtlingen, die es nach Südkorea geschafft haben, um 17,7 % gesunken.

5. Betroffene Christen

Da es in Nordkorea weder Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten noch protestantische Freikirchen gibt, gehören alle Christen zu einer der beiden nachfolgenden Gruppen. Sie alle sind der am stärksten vorstellbaren Verfolgung ausgesetzt:

Christen aus traditionellen Kirchen

Sie stammen noch aus der Zeit vor dem Koreakrieg (1950-1953). Viele Christen waren im Krieg umgekommen oder in den Süden geflohen, doch andere waren geblieben. Sie und ihre Nachkommen bilden diese Gemeinden. Jeder Bürger wird in ein Klassensystem eingeordnet, das „Songbun“ genannt wird. Nach dieser Einstufung gehören Christen zur „feindlichen Klasse“ und werden nochmals in zwei Unterklassen unterteilt, die „37“ für protestantische Christen und die „39“ für katholische Christen. Diesen Klassen gehören vor allem Christen an, von denen bekannt ist, dass ihre Eltern oder Großeltern Christen waren. Als Strafe dafür, das falsche „Songbun“ zu haben, wurden die meisten von ihnen in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser historisch gewachsenen christlichen Gemeinden ist es gelungen, ihren Glauben zu verbergen und Untergrundkirchen zu bilden. Wegen des Prinzips der Sippenhaft sind die Nachkommen dieser Christen mit unüberwindbaren gesellschaftlichen und anderen Hindernissen konfrontiert und werden misstrauisch beobachtet.

Christliche Konvertiten

Diese Christen haben einen kommunistischen Hintergrund oder verehrten zuvor die ehemaligen Staatsführer Kim Il Sung und Kim Jong Il. Viele von ihnen kamen in den 1990er-Jahren zum Glauben, als während der großen Hungersnot unzählige Nordkoreaner die Grenze zu China überquerten und in chinesischen Kirchen Hilfe fanden. (Auch in den 2000er-Jahren überquerten viele Nordkoreaner die Grenze, ihre Zahl ist jedoch deutlich geringer.) Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neu gefundenen Glauben treu.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.7
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.7
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 10.9

Grafik: Verfolgungsmuster Nordkorea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Nordkorea ist in allen Lebensbereichen unvermindert extrem stark. Trotz aller diplomatischer Aktivitäten während des Berichtszeitraums wurde in jedem einzelnen Lebensbereich die maximale Punktzahl von 16,7 erreicht. Die Treffen mit internationalen Staatsoberhäuptern im Jahr 2018 haben den Christen im Land keinerlei Erleichterung gebracht.
  • Die maximale Punktzahl in allen Lebensbereichen reflektiert die Realität eines Staates, der in allen Bereichen der Gesellschaft von Diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, für das der Begriff Paranoia zutreffender wäre – in Nordkorea ist alles davon betroffen.
  • Der Wert für Auftreten von Gewalt ist von 10,6 Punkten im WVI 2018 auf 10,9 angestiegen und bleibt somit sehr hoch. Wird jemand als Christ identifiziert, wird er oder sie verhaftet, verhört und in eines der Lager verbracht. Es gibt auch Berichte von Tötungen.

Privatleben

Angesichts der geschilderten Situation verwundert es nicht, dass die Verfolgung im Bereich „Privatleben“ den Höchstwert erreicht. Es ist äußerst gefährlich, die Bibel zu lesen oder seinen christlichen Glauben auf welche Art auch immer zu zeigen. Bibeln und andere Schriften werden sorgfältig versteckt und nur dann hervorgeholt, wenn man sich absolut sicher sein kann, dass man allein ist. Christliche Literatur wird aufgeteilt oder nach dem Auswendiglernen zerstört, da es zu gefährlich ist, komplette Exemplare aufzubewahren. Treffen mit anderen Christen sind höchst gefährlich. Mit nichtchristlichen Familienmitgliedern oder anderen über den Glauben zu sprechen, ist nahezu unmöglich. Allen wird beigebracht, dass ihre Loyalität zuerst der Kim-Familie gehört. Aufgrund dieser eingeforderten Loyalität und dem großen Druck sind sogar Kinder bereit, ihre Eltern zu verraten (wie es Berichte immer wieder belegen), sodass die meisten Eltern es nicht einmal wagen, ihren Kindern von ihrem Glauben zu erzählen.

Familienleben

Der maximale Wert in diesem Lebensbereich wird durch den folgenden Kommentar sehr gut zusammengefasst: „Kindern wird der Name Kim Il Sung beigebracht, bevor sie die Namen ihrer Eltern lernen.“ Wenn Christen entdeckt werden, verlieren sie alles. Sie werden nicht nur verhört, damit ihre Netzwerke aufgespürt werden können, sondern auch ihre Familien werden aufgrund des Prinzips der Sippenhaft festgenommen und müssen Jahre des Elends in Arbeitslagern erleiden. Familien werden gezielt auseinandergerissen, wenn der christliche Glaube eines der Familienmitglieder entdeckt wird. Wenn beide Ehepartner Christen sind, werden sie beispielsweise in verschiedene Arbeitslager gebracht. Männer und Frauen werden ohnehin sehr häufig getrennt. In einigen Lagern gibt es jedoch Familienbaracken. Jeder, der in verborgene religiöse Aktivitäten involviert ist und entdeckt wird, erlebt Diskriminierung, Gefängnis, willkürliche Verhaftung, Verschleppung, Folter und/oder öffentliche Hinrichtung. Es ist christlichen Eltern schier unmöglich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Dies wäre nicht nur sehr gefährlich, die Eltern müssten zudem gegen die wöchentliche Indoktrinierung ankämpfen, die bereits im Kleinkindalter beginnt. Christliche Hochzeiten, Beerdigungen oder das Abendmahl öffentlich zu feiern, ist unmöglich, ebenso wie christliche Taufen.

Gesellschaftliches Leben

Jeder Nordkoreaner steht unter strikter sozialer Kontrolle, da sich Nordkorea des alten kommunistischen Systems der Nachbarschaftswache, „Inminban“ genannt, bedient. Im Berichtszeitraum wurde den örtlichen Leitern noch mehr Autorität übertragen. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird den Behörden von speziell ausgebildeten Nachbarn berichtet, sodass keine Aktivität, kein Besuch, keine Abweichung vom Normalen unbemerkt bleibt. Kinder von Christen wissen daher meist nichts vom Glauben ihrer Eltern, da die meisten Eltern ihre Kinder (wenn überhaupt) erst dann einweihen, wenn diese älter sind. Wenn sie davon wissen, müssen sie sehr vorsichtig sein, den Glauben nicht zu zeigen, da dies schnell zu einer Anzeige führt und die ganze Familie betroffen ist. Ähnliche Vorsicht ist am Arbeitsplatz, zu Hause und besonders in allen Selbstkritik-Sitzungen geboten, die sich Berichten zufolge intensiviert haben. Dies zeigt den zunehmenden Druck seitens des Staates, der sein Vertrauen auf die Ideologie setzt.

Leben im Staat

Alles ist in Nordkorea auf die Juche-Ideologie und den Kimilsungismus/Kimjongilismus ausgerichtet. Medienberichte über Christen sind verzerrt, wenn es denn überhaupt Berichte gibt. In den staatlichen Medien werden Christen als Missionare und Terroristen dargestellt und der christliche Glaube als Gefahr für den Staat bezeichnet. Christen können niemals eine faire Gerichtsverhandlung erwarten. Selbst ausländische Christen haben keine Chance auf eine faire Verhandlung, wenn sie von den Behörden verhaftet werden. Folglich bringt es die Kategorie „Leben im Staat“ auf die höchstmögliche Punktzahl. Nordkoreanische Polizeibeamte machen regelrecht Jagd auf Bürger, die sich während ihres Aufenthalts in China zum christlichen Glauben bekehrt haben oder christliche Literatur, vor allem Teile der Bibel, nach Nordkorea zu schmuggeln versuchen. Jeder ertappte und zurück nach Nordkorea gebrachte Flüchtling wird ausführlichen Verhören unterzogen. Allen vorliegenden Berichten zufolge gehören dazu auch Fragen wie: „Hast du in China Christen getroffen?“ und: „Hast du in China eine Kirche besucht?“ Im Bericht des US-Außenministeriums zur Religionsfreiheit 2017 wird das Koreanische Wiedervereinigungsinstitut zitiert: „Die Bürger werden mindestens zweimal jährlich von den Behörden über Methoden aufgeklärt, wie sie Menschen aufspüren und identifizieren können, die den christlichen Glauben verbreiten.“

Kirchliches Leben

Kirchen können in sichtbarer Form nicht existieren. Es gibt vier unter der Kontrolle der Regierung stehende Kirchengebäude (ein katholisches, zwei protestantische und ein russisch-orthodoxes), die jedoch nur dafür da sind, internationalen Gästen vorzugaukeln, dass es Religionsfreiheit gibt. Sie funktionieren nicht als wirkliche christliche Gemeinden, da sie sich nur innerhalb der von der Regierung gesteckten Grenzen bewegen dürfen. Außerhalb dieser Vorführ-Kirchen ist es nicht möglich, auf legalem Weg christliche Schriften zu produzieren oder zu importieren oder christliche Organisationen zu gründen. Berichte über südkoreanische Kirchenleiter, die sich mit ihren nordkoreanischen Kollegen getroffen haben sollen, sind ein Beweis dafür, dass man nicht allen Details, die aus Nordkorea kommen, vertrauen kann. Die offizielle nordkoreanische Kirche – falls eine solche überhaupt existiert – kann kaum stellvertretend für alle Christen in Nordkorea angesehen werden. Einige Beobachter halten diesen Auftritt für reinen Schwindel. Dasselbe gilt für die legale Ausbildung von Kirchenleitern: Es gibt in Pjöngjang eine Art Seminar, doch Kirchen dürfen ihre Leiter nicht frei ausbilden und Jugendarbeit ist generell verboten.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Nordkorea bleibt gewalttätig. Es ist zu Razzien und Exekutionen von Christen gekommen, doch aus Sicherheitsgründen können dazu keine Details veröffentlicht werden. Es ist zudem schwierig, Berichte aus den Arbeitslagern zu erhalten. Pastor Dong Cheol Kim und zwei koreanisch-amerikanische Christen, die an der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST) unterrichteten, wurden vor dem Gipfeltreffen in Singapur im Juni 2018 als Geste des guten Willens freigelassen. Nordkorea beschuldigte sie eines regierungsfeindlichen Verhaltens.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wenn Christen in Nordkorea entdeckt werden, werden sie meistens inhaftiert, verhört, gefoltert und viele schließlich getötet. Im Angesicht dieser erschreckenden Realität werden Männer und Frauen nicht unterschiedlich behandelt. Doch Frauen, die über die Grenze nach China flohen, wurden oft missbraucht und zwangsverheiratet. Da diese Frauen von den chinesischen Behörden nach wie vor als illegale Einwanderinnen angesehen werden, werden sie zurückgeschickt, falls man sie erwischt. Frauen fliehen häufiger als Männer und mehr Frauen nehmen in China den Glauben an Jesus Christus an. Wenn bei diesen Frauen nach ihrer Rückkehr nach Nordkorea eine Schwangerschaft festgestellt wird, werden sie Berichten zufolge mit brutalsten Methoden zur Abtreibung gezwungen. Das betrifft sowohl christliche als auch nichtchristliche Frauen. Der Strom von Flüchtlingen hat jedoch in den letzten Jahren nachgelassen, da die Grenze auf beiden Seiten strenger kontrolliert wird und sich die Ernährungslage in Nordkorea verbessert hat.

„Human Rights Watch“ hat im Oktober 2018 einen Bericht mit dem Titel „Sexuelle Gewalt gegen Frauen durch Funktionäre“ veröffentlich. Obwohl es darin nicht um eine mögliche Religionszugehörigkeit geht, wird darin der weitverbreitete (sexuelle) Missbrauch von Frauen in der nordkoreanischen Gesellschaft betont und aufgezeigt, dass die Ansicht, Frauen seien weniger wert, in der koreanischen Kultur tief verwurzelt ist.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auch wenn die Huldigung der nordkoreanischen Herrscher theoretisch keinen Raum für andere Religionen zulässt, soll es Anhänger des Buddhismus und Konfuzianismus im Land geben. Doch diese Religionen gehören zum kulturellen Selbstverständnis und werden meist privat ausgelebt, sodass sie keine Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Die diplomatischen Erfolge, die der nordkoreanische Machthaber 2018 erzielen konnte, waren überraschend leicht zu erreichen. Doch diese Gespräche müssen in den kommenden Jahren zu spürbaren Ergebnissen für beide Seiten führen. Während die nukleare Abrüstung für die internationale Gemeinschaft und Südkorea eine der obersten Prioritäten darstellt, ist Pjöngjang vor allem an der Aufhebung der Sanktionen und der Weiterentwicklung des Landes zu eigenen Bedingungen interessiert. Das beinhaltet eine Unzahl an Details, die – sollten die Gespräche tatsächlich weitergeführt werden – jenseits des Rampenlichts der öffentlichen Aufmerksamkeit besprochen werden.

Die Ermordung von Kim Jong Nam am Flughafen in Malaysia sowie die wachsenden Beziehungen zum traditionellen Verbündeten China sind ein weiterer Beleg einer wachsenden Selbstsicherheit. Die größte Herausforderung für Nordkorea bleibt jedoch die Beziehung zu China. Das Land ist von China wirtschaftlich stark abhängig und ist deshalb auf enge Verbindungen zu dem einzigen Land angewiesen, mit dem es eine wichtige Grenze teilt (neben Südkorea). China mag mit dem Verhalten des Regimes nicht besonders glücklich sein, doch zeigte sich seine starke Position, als es Kim Jong Un dazu brachte, China drei Mal innerhalb kurzer Zeit zu besuchen. Es gibt Gründe, warum China Nordkorea weiterhin unterstützt. Diese Gründe sind: 1. das nicht berechenbare Szenario für den Fall, dass das Kim-Regime kollabieren sollte, 2. die Frage, ob die Atomwaffen Nordkoreas nicht auch eine potentielle Gefahr für China und die regionale Stabilität darstellen und 3. die Tatsache, dass für den Fall jedweder Art von Wiedervereinigung zwischen Nord- und Südkorea das US-amerikanische Militär sehr wahrscheinlich direkt an der Grenze zu China stationiert werden würde.

Kim Jong Un ist weiterhing um eine Erwärmung der nordkoreanisch-chinesischen Freundschaft bemüht, doch bis zur Erstellung dieses Berichts im Dezember 2018 hat Präsident Xi Jinping eine Begegnung mit Kim Jong Un auf nordkoreanischem Boden sorgfältig vermieden. Dennoch scheint sich die Beziehung verbessert zu haben und mit dem aufkommenden US-chinesischen Handelskrieg wird China noch weniger Anreize zur strikten Umsetzung von Sanktionen haben. Hinzu kommt, dass die neue Regierung von Südkorea stark an einer engeren Verbindung mit Nordkorea interessiert ist. Daher wird es für die US-Regierung möglicherweise noch schwieriger, strenge internationale Sanktionen einzuführen.

Ausblick für Christen

Die Verfolgung, die von den Triebkräften Kommunistische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia ausgeht, wird durch die wachsende Ideologie von Autarkie und Selbstsicherheit noch geschürt, besonders da das Regime den (inoffiziellen) Status einer Atommacht gewonnen hat. Kim Jong Un konnte seine Herrschaft im Berichtszeitrum des WVI 2019 weiter stärken und ihm gelang, was keinem seiner Vorfahren möglich war: ein Treffen mit einem amtierenden US-Präsidenten. Ob und wie sich diese Beziehung zwischen den Ländern und ihren Anführern weiterentwickelt, wird sich noch herausstellen. Da jetzt die Details weiterverhandelt werden müssen, sind Enttäuschungen absehbar. Nordkorea sieht den Zustand der Menschenrechte als interne Angelegenheit und könnte dieses Thema sogar nutzen, um weitere Verhandlungen jederzeit zu beenden, sollten sich diese nicht so entwickeln, wie Pjöngjang es sich wünscht. In jedem Fall sind spürbare Verbesserungen für die Christen im Land nicht zu erwarten. Im Gegenteil: China schickt weiterhin jeden Nordkoreaner, dem es gelingt, sich nach China abzusetzen, sofort wieder zurück, ungeachtet der Tatsache, dass China das UN-Flüchtlingsabkommen unterzeichnet hat und es ohne Weiteres möglich wäre, alle Überläufer ohne weitere Kosten und Mühen nach Südkorea zu schicken.

Schlussfolgerung

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass sich die Verfolgung der Christen in Nordkorea weiter verschlimmern wird:

  • Entführungen und Festnahmen von südkoreanischen und chinesisch-koreanischen Christen und Missionaren in China nehmen zu.
  • Die Grenzen werden stärker bewacht und die Bestrafung der nach China geflohenen und zurückgeführten Staatsbürger wird härter.
  • Die Anzahl der südkoreanischen Missionare, die aus China ausgewiesen werden, nimmt zu.
  • Das nordkoreanische Regime verstärkt seine Bemühungen, alle Kanäle zur Verbreitung des christlichen Glaubens auszumerzen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea:

  • In einem Jahr, in dem Nordkorea sich auf der Weltbühne weiter profiliert hat, konnte Kim Jong Un seine Macht festigen. Bitte beten Sie für Kim Jong Un, dass er den wahren Gott kennenlernt. Beten Sie für Veränderung in der Regierung und dass die Macht des Bösen gebrochen wird.
  • Die Situation der Christen ist sehr gefährlich. Sie werden von den staatlichen Behörden, ihren nichtchristlichen Familien, Freunden und Nachbarn verfolgt. Bitte beten Sie für ihren Schutz. Beten Sie für Christen, die in Gefängnissen, Arbeitslagern und an abgeschiedenen Orten in der Verbannung leiden. Beten Sie, dass Gott den nordkoreanischen Christen Kraft und Durchhaltevermögen schenkt.
  • Nordkorea steht zum 18. Mal hintereinander auf Rang eins des Weltverfolgungsindex. Bitte beten Sie, dass die Regierenden des Landes Gott kennenlernen, um Schutz für die nordkoreanischen Christen und dass im Land Heilung und Wiederherstellung stattfinden kann.

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