Länderprofil Nordkorea

Nordkorea

1
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Nordkorea
Hauptreligion
Juche-Ideologie
Platz Vorjahr
1
ISO
KP
Karte Nordkorea
Christen
0,40
Bevölkerung
25.84
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil Nordkorea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 1 / 94 Punkte (WVI 2020: Platz 1 / 94 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Wenn Christen entdeckt werden, ist es unerheblich, ob sie Nachkommen der christlichen Gemeinschaften aus der Zeit vor dem Koreakrieg sind oder auf andere Weise zum christlichen Glauben gefunden haben (beispielsweise während der großen Hungersnot in den 1990er-Jahren, die zehntausende Nordkoreaner dazu veranlasste, in China nach Hilfe zu suchen, die sie oft bei chinesischen Christen fanden). Werden Christen entdeckt, werden sie in Arbeitslager verschleppt und wie politische Gefangene behandelt oder sogar auf der Stelle getötet. Ihre Familien erwartet dasselbe Schicksal. Christen haben keinerlei Raum in der Gesellschaft; andere Christen zum Gottesdienst zu treffen ist nahezu unmöglich und wenn es jemand wagt, muss dies in äußerster Geheimhaltung geschehen. Die Kirchengebäude, die den Besuchern in der Hauptstadt Pjöngjang gezeigt werden, dienen lediglich Propaganda-Zwecken.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

94

1

2020

94

1

2019

94

1

2018

94

1

2017

92

1

Nordkorea befindet sich seit dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2002 auf dem 1. Platz. Seit 2018 folgt Afghanistan knapp dahinter auf Platz 2. Die Situation für Christen in den beiden Ländern ist zwar sehr unterschiedlich, doch die Punktzahl ist vergleichbar. Wie in den vergangenen Jahren sind Christen in Nordkorea extrem hohem Druck in allen im Weltverfolgungsindex aufgeführten Lebensbereichen ausgesetzt und erleben ein sehr hohes Maß an Gewalt, die sich direkt gegen sie richtet. Die plötzliche Zunahme diplomatischer Aktivität (beginnend mit den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar 2018) kam und ging, ohne eine merkliche Verbesserung für die Menschen in Nordkorea herbeizuführen. Erkennbare Änderungen in Kim Jong Uns Kommunikationsstil haben ebenfalls nichts an der Situation der Christen im Land geändert. Polizeirazzien mit dem Ziel, Bürger mit abweichender Meinung – auch Christen – zu identifizieren und festzunehmen, haben sich fortgesetzt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Das Überleben des Regimes steht über allen anderen Überlegungen

Wenn es darum geht, seine Ideologie zu schützen, nimmt Nordkorea weder auf seine internationale Reputation noch auf irgendwelche diplomatischen oder wirtschaftlichen Verwerfungen Rücksicht – wie im Falle Malaysias (nach der anscheinend gezielten Ermordung von Kim Jong Uns Halbbruder in Kuala Lumpur im Februar 2017), welches eine der wenigen Nationen war, die relativ gute Beziehungen zum Land hatte. Anfeindungen, wie der Überfall auf die nordkoreanische Botschaft in Spanien im Februar 2019, kommen ebenfalls vor und können dem Regime als Gründe dienen, gegen vermeintliche Gegner vorzugehen. Die Tatsache, dass das Regime entschieden jegliche Covid-19-Erkrankungen bestreitet, zeigt, dass die Ideologie wichtiger als alles andere ist. Christen müssen sich auf noch härtere Zeiten vorbereiten, da die Stärkung der Ideologie jedes Mal Hand in Hand geht mit einem harten Durchgreifen gegen wirkliche oder auch nur vermutete abweichende Meinungen oder Gefahren.

2) Die Diplomatie wurde zu den Akten gelegt

Die Serie von diplomatischen Überraschungen in den Jahren 2018 und 2019 kam zu einem plötzlichen Halt, als Folgetreffen in Hanoi und Wladiwostok ohne eine gemeinsame Erklärung endeten. Nordkorea setzte ein Ultimatum für Verhandlungen und die Aufhebung von Sanktionen bis Ende 2019. Als dieses Datum verstrich, ohne dass die Sanktionen gelockert wurden, kehrte Nordkoreas Führung zur altbewährten Methode von Zwang und Drohungen zurück. Dies war bei den Drohungen durch Kim Yo Jong, die Schwester von Kim Jong Un, und der Zerstörung des Verbindungsbüros zu Südkorea in Kaesong im Juni 2020 gut zu sehen. Und selbst wenn eine überraschende Einigung im Geheimen erreicht werden sollte, würde diese keinen Effekt auf die Situation der Christen im Land haben, da der Fokus auf der Denuklearisierung und der Aufhebung von Sanktionen liegt und nicht auf der Menschenrechtssituation. Christen bleiben deshalb im Verborgenen und versuchen zu überleben, so wie sie es schon in den letzten Jahrzehnten getan haben.

3) Wachsendes Selbstvertrauen und wachsende Beziehungen zu China

China mag mit dem Verhalten des Regimes nicht besonders zufrieden sein, aber es hat viele Gründe, am Überleben Nordkoreas interessiert zu sein, und so zeigte China seine starke Position, als es Kim Jong Un dazu brachte, China vier Mal innerhalb kurzer Zeit zu besuchen und ihn mit einem fünften Besuch durch Präsident Xi im Juni 2019 zu ehren. Chinas Gründe dafür sind: 1.) die Unvorhersehbarkeit jeglicher Szenarien, falls das Kim-Regime stürzen sollte; 2.) die Stabilität der gesamten Region und die Frage, ob Nordkoreas Nuklearwaffen eine potentielle Gefahr für China selbst darstellen könnten; 3.) die Tatsache, dass es nach jedweder Form von Wiedervereinigung sehr wahrscheinlich wäre, dass US-Truppen direkt an Chinas Grenze stationiert würden; 4.) der Besuch im Juni 2019 könnte deutlich mehr mit der Zuspitzung des amerikanisch-chinesischen Handelskrieges zu tun haben, in dem Präsident Xis Präsenz in Pjöngjang als eine Warnung an die USA gedacht war. Auf jeden Fall sind die sich erwärmenden Beziehungen zu China eine schlechte Nachricht für Christen, wie die anhaltenden Razzien gegen ethnisch koreanische Kirchen in China und die Ausweisung südkoreanischer Missionare durch China belegen. Zudem erschweren technisch ausgereiftere Grenzkontrollen Christen den inoffiziellen Kontakt mit China erheblich.

4) Spekulationen zum Führer

Die lang andauernde Abwesenheit von Kim Jong Un im zweiten Quartal 2020 führte zu vielen Spekulationen über die Gesundheit des Führers (und zu einem möglichen Nachfolger), obwohl er noch nicht einmal 40 Jahre alt ist. Die Tatsache, dass er die Feier zum wichtigsten Tag in Nordkorea, dem Tag der Sonne am 15. April, verpasste, zeigte den Ernst der Lage. Im April 2020 wurde Kims Schwester, Kim Yo Jong, als Mitglied des Politbüros wiedereingesetzt und wurde im Juni durch ihre offenen Drohungen gegen Südkorea zu einer internationalen Figur. Dies brachte einige zu der Frage, ob sie bereits den „inneren Zirkel der Partei“ erreicht habe. All diese Spekulationen sollten aber mit großer Vorsicht betrachtet werden. Eine Erinnerung an das Risiko einer schnellen Fehlinterpretation wurde im Februar 2020 deutlich, als Kim Jong Uns Tante, Kim Kyong Hui, zum ersten Mal seit sechs Jahren in der Öffentlichkeit auftauchte. Es war bis dahin von vielen angenommen worden, dass sie mit ihrem Ehemann, Jang Son Taek, beseitigt worden wäre, als er 2013 in Ungnade fiel. Soweit es die Führung des Landes angeht, ist Nordkorea oft ein Mysterium. Aber eines scheint klar zu sein: Das Regime wird alles Nötige tun, um die Kontrolle zu behalten und Spekulationen über die Zukunft – auch im Land, nicht nur im Ausland – werden als Gefahr für die Sicherheit und Stabilität des Landes angesehen. Der Druck auf Menschen mit abweichender Meinung, ob vermutet oder real, wird sich eher erhöhen und dies wird auch für die Christen zu spüren sein. Daher werden Treffen von Christen – und selbst private Gottesdienste – in den nächsten Monaten und Jahren wahrscheinlich noch gefährlicher werden.

3. Religiöse Situation im Land

Es stehen keine verlässlichen Daten für eine religiöse Statistik zur Verfügung. Open Doors schätzt die Zahl der Christen im Land auf 400.000, aber es könnten auch 500.000 sein. Daten der World Christian Database (WCD) von Februar 2020 geben die Zahl der Buddhisten mit 390.000 an. Die Kategorien „ethnisch-religiös“ und „andere“ (welche Anhänger des chinesischen Volksglaubens, Neu-Religiöse, Sikhs, Spiritisten, Taoisten, Konfuzianer, Jainisten, Schintoisten und Anhänger des Zoroastrismus umfasst) werden mit jeweils über drei Millionen angegeben.

Praktisch gesehen, bedeutet Religion in Nordkorea den Personenkult rund um die Familie des Führers. Jeder muss wöchentlichen Informationstreffen und Selbstkritiksitzungen beiwohnen. Mehr als 100 Seiten ideologisches Material, darunter Dokumente, Gedichte und Lieder, müssen auswendig gelernt werden, von denen alle die hohe Moral und die Majestät der Kims preisen. Angeblich gibt es im Land 100.000 Juche – „Forschungszentren“ – die meisten von ihnen bestehen aus einem einzigen Raum. Selbst Vorschulkinder werden schon früh indoktriniert. Änderungen an dem Unterricht nordkoreanischer Vorschulkinder wurden im August 2020 angekündigt und Lektionen über die Großartigkeit der Führer, insbesondere Kim Jong Uns, wurden nun auf täglich 90 Minuten ausgeweitet.

Es gibt immer noch Anhänger des Buddhismus und Konfuzianismus im Land, obwohl die Verehrung der Führer theoretisch keinen Platz für irgendeine andere Religion lässt. Aber diese Religionen haben Kultur und Mentalität des Landes geprägt und ihre Anhänger sind in der Lage, ihren Glauben unbemerkt zu leben. Daher werden diese Religionen toleriert. Der christliche Glaube wiederum wird als eine gefährliche, fremde Religion angesehen, die aggressiv bekämpft werden muss. Dies lässt in der Folge keinen Raum für Christen in Nordkorea und sie müssen ihren Glauben in höchster Geheimhaltung leben. Wenn es hin und wieder Berichte gibt, dass südkoreanische Kirchenleiter sich mit ihren nordkoreanischen Ansprechpartnern getroffen hätten, sollten diese kritisch hinterfragt werden. Die offizielle nordkoreanische Kirche – falls eine solche überhaupt existiert – kann kaum stellvertretend für alle Christen in Nordkorea angesehen werden. Einige Beobachter halten solche Delegationen für reinen Schwindel. Sich in größeren Gruppen zu versammeln ist absolut unmöglich für Christen und es ist sogar lebensgefährlich, einfach nur als Christ erkannt zu werden. Im März 2019 kündigte der Moskauer orthodoxe Patriarch Kirill seine Pläne an, Pjöngjangs orthodoxe Kirche zu besuchen, aber bis zur Fertigstellung dieses Berichts im November 2020 hat dieser Besuch nicht stattgefunden.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Theoretisch ist Nordkorea ein kommunistisches Land, doch praktisch dominiert der Personenkult. Da das Land jedoch weiterhin nach kommunistischer Verwaltungspraxis geführt wird, ist die Haupttriebkraft der Verfolgung weiterhin kommunistische Unterdrückung. Zudem hat Nordkoreas Machthaber sein Augenmerk weg von der Armee in Richtung der Koreanischen Arbeiterpartei verlagert, was sich zur Parade anlässlich des 75. Jahrestages der Partei im Oktober 2020 zeigte. Sie wurde als die „Armee der Partei“ gezeigt. Hier wird erneut deutlich, wie groß der Einfluss des (Post-)Kommunismus noch immer ist. Die Ergebnisse des siebten Parteikongresses der Koreanischen Arbeiterpartei – der erste seit 36 Jahren – im Mai 2016 brachten weder wirtschaftlich noch ideologisch Änderungen mit sich. Christen werden weiterhin als gefährlich und ihr Glaube als „Opium für das Volk“ eingestuft – wie im klassischen Kommunismus. Gemäß dem nordkoreanischen Gesellschaftssystem „Songbun“ sind sie zudem Teil der feindlichen Gesellschaftsklasse.

Diktatorische Paranoia

Seit 1948 wird Nordkorea von derselben Familie regiert, nun in der dritten Generation. Wie bereits erwähnt, ist die ursprüngliche Ideologie des Kommunismus in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten, obwohl der kommunistische Stil der Gesellschaftskontrolle fortbesteht. Nordkorea ist mittlerweile ein klares Beispiel für ein Land geworden, das von diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Jeder muss den Herrscher verehren, und Kim Jong Un ist aufgrund dieses ausgeprägten Personenkultes in der Gesellschaft unersetzlich – nicht zuletzt, da er auch die Arbeiterpartei, die Armee, die Verwaltung und alle Bereiche der Gesellschaft kontrolliert.

Im Oktober 2017 beförderte Kim Jong Un seine Schwester, Kim Yo Jong, in das Politbüro und machte sie damit zum Teil der politischen Elite, die das Land regiert. Sie besuchte die Olympischen Winterspiele in Südkorea und nahm an zahlreichen Gipfeltreffen teil. Dies verdeutlicht die Lebenswirklichkeit Nordkoreas, in der die Führung des Landes und der Partei ein Familiengeschäft ist. Es bedeutet jedoch nicht, dass sie aus eigener Kraft Einfluss nehmen oder Macht ausüben kann.

Im Jahr 2018 wurden die ersten Anzeichen eines Personenkultes um Kim Jong Un sichtbar. Beim Besuch des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel im November 2018 wurde in Pjöngjang das erste offizielle Gemälde Kim Jong Uns enthüllt. Das Gemälde zeigt Kim Jong Un in schwarzem Anzug und Krawatte, nicht in kommunistischer Uniform. Der volle Titel von Kim Jong Un klingt beeindruckend: „Geliebter Genosse Kim Jong Un, Vorsitzender der Koreanischen Arbeiterpartei, Vorsitzender des Komitees für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik von Korea und Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee.“ Kim Jong Un veränderte den National-Eid, indem er Erwähnungen der Errungenschaften seines Vaters und Großvaters kürzte und so größeres Gewicht auf seine eigenen Erfolge legte. Hierin zeigt sich die Festigung seiner Macht.

Zu mehreren Anlässen im Jahr 2020 war es bemerkenswert, wie Kim Jong Un es unterließ, die segensreiche Arbeit seines Vaters oder Großvaters für Nordkorea zu erwähnen und es sogar ausließ, ihre „Schreine“ an wichtigen Tagen wie dem Tag der Sonne zu besuchen, dem höchsten Feiertag im Kalender des Landes. Dies zeigt, wie sehr Kim Jong Un seine Macht gefestigt hat und dass niemand seine Autorität anfechten kann. Sein Gefühl für diese Macht wurde öffentlich während einer Militärparade im Oktober 2020 gestärkt, als Nordkorea seine neuen Raketensysteme für Nuklearwaffen präsentierte, was den Status des Landes als de facto Atommacht unterstrich.

Die gottgleiche Verehrung der Herrscher erlaubt keinerlei Raum für eine andere Religion. Wer es wagt, jemand oder etwas anderes als die Kim-Dynastie und Kim Jong Un im Besonderen zu verehren, wird als Gefahr für den Staat angesehen. Christen gelten daher als Teil der feindlichen Klasse in Nordkoreas Gesellschaftssystem.

5. Verfolger

Die Triebkräfte der kommunistischen Unterdrückung und diktatorischen Paranoia wirken so eng zusammen, dass sie nahezu eine gemeinsame Triebkraft ergeben. Da es so schwierig ist, beide voneinander zu trennen, werden die Verfolger in diesem Falle zusammen vorgestellt:

Ausgehend von kommunistischer Unterdrückung und diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Der Hauptverfolger in Nordkorea ist der Staat, in Form der Regierung und der Arbeiterpartei Koreas (WPK). Die Regierung wird auf Grundlage der kommunistischen Lehre geführt, daher ist auch die Regierung der stärkste Akteur der Verfolgung. Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren. Dies hat sich mit der Machtübernahme von Kim Jong Un im Dezember 2011 fortgesetzt. Das höchste Ziel aller Behörden ist das Überleben des Landes und seiner Anführer.
  • Politische Parteien: Die Arbeiterpartei Koreas ist das Instrument, mit dem Kim Jong Un seine Macht über Nordkorea gefestigt hat. Seitdem er entschieden hat die „Militär zuerst“-Politik zu ändern, hat die WPK an Bedeutung gewonnen, was die kommunistischen Wurzeln des Staatsapparats unterstreicht. Ihre Regeln und Entscheidungen werden umgesetzt und Christen werden in der Parteiideologie als Feinde angesehen. Sie werden zudem als trojanisches Pferd für terroristische Aktivitäten dargestellt.
  • Normale Bürger: Christen werden als feindlicher Teil in der Gesellschaft angesehen, der beseitigt werden muss – egal wie. Aufgrund der permanenten Indoktrinierung, die das gesamte Land durchdringt, sind Nachbarn und Familienmitglieder sehr wachsam. Es wird von ihnen erwartet, jegliche verdächtige Aktivität den Behörden zu melden, nicht zuletzt durch das Netzwerk von „Nachbarschaftsinformanten“ („inminban”).
  • Die eigene (Groß-)Familie: Selbst die eigenen Familienmitglieder können Christen bei den Behörden melden. Insbesondere Kinder können durch die Indoktrinierung aus der Schule oder anderswo so stark beeinflusst werden, dass sie ihre eigenen Eltern, in dem Glauben, etwas Gutes und Richtiges zu tun, melden. Aus diesem Grund erzählen viele Eltern ihren Kindern nichts von ihrem christlichen Glauben.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In Nordkorea gibt es keine Brennpunkte für Verletzungen der Religionsfreiheit im klassischen Sinne. Ein Aufstand ist undenkbar und das Regime behält die Bevölkerung streng im Blick. Über mehrere Jahre mag die Grenzregion zu China ein Brennpunkt gewesen sein, da ein konstanter Strom von Flüchtlingen (mit Südkorea als finalem Ziel) diese Region auf ihrem Weg nach China passierte. Aber die erhöhten Anstrengungen beider Seiten, Chinas und Nordkoreas, haben diesen Strom zu einem Rinnsal verringert. Die Grenze wird nun streng überwacht und selbst mit der Hilfe von Schleusern ist es schwierig geworden, einen illegalen Übertritt zu wagen. Die strikte Abschottung der Grenze aufgrund der Befürchtungen wegen Covid-19 hat die (legalen und illegalen) Grenzübergänge zum Erliegen gebracht.

Die verschiedenen Formen von Gefangenenlagern und Kontrollzonen können als Gebiete angesehen werden, in denen Christen am meisten Schwierigkeiten erfahren. Doch es ist nicht einfach, Informationen aus diesen Lagern zu erhalten und aktuelle Informationen sind so gut wie unmöglich zu finden. Berichten zufolge hat Kim Jong Un das System der Gefangenenlager erheblich erweitert.

7. Betroffene Christen

Da es in Nordkorea weder Gemeinschaften von ausländischen und eingewanderten Christen noch protestantische Freikirchen gibt, gehören Christen zu einer der beiden nachfolgenden Gruppen. Sie alle sind den stärksten Verletzungen von Religionsfreiheit und der stärksten vorstellbaren Verfolgung ausgesetzt:

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Christen stammen noch aus der Zeit vor dem Koreakrieg (1950-1953). Viele Christen sind entweder im Krieg umgekommen oder in den Süden geflohen, doch andere sind geblieben. Sie und ihre Nachkommen (mittlerweile in der dritten oder vierten Generation) bilden diese Gemeinden. Jeder Bürger wird in ein Klassensystem eingeordnet, das Songbun genannt wird. Nach dieser Einstufung gehören Christen zur feindlichen Klasse und werden nochmals in zwei Unterklassen unterteilt: Die 37 für protestantische Christen und die 39 für katholische Christen. Diesen Klassen gehören vor allem Christen an, von denen bekannt ist, dass ihre Eltern oder Großeltern Christen waren. Als Strafe dafür, das falsche Songbun zu haben, wurden die meisten von ihnen in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser historisch gewachsenen christlichen Gemeinden ist es gelungen, ihren Glauben zu verbergen und Untergrundkirchen zu bilden. Wegen des Prinzips der Sippenhaftung sind die Nachkommen dieser Christen mit unüberwindbaren gesellschaftlichen und anderen Hindernissen konfrontiert und werden misstrauisch beobachtet.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Christen haben einen kommunistischen Hintergrund oder stammen aus dem „Kimilsungismus“ (nach Staatsgründer Kim Il Sung benannte Staatsdoktrin). Viele von ihnen kamen in den 1990er-Jahren zum Glauben, als während der großen Hungersnot unzählige Nordkoreaner die Grenze zu China überquerten und in chinesischen Kirchen Hilfe fanden. (Auch in den 2000er-Jahren überquerten viele Nordkoreaner die Grenze, ihre Zahl ist jedoch deutlich geringer.) Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neu gefundenen Glauben treu und teilten diesen mit vertrauenswürdigen Familienmitgliedern und Freunden.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.7
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.7
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 11.1

Grafik: Verfolgungsmuster Nordkorea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Nordkorea ist in allen Lebensbereichen unverändert maximal. Trotz des geänderten Kommunikationsstils des Regimes während des Berichtszeitraums wurde in jedem einzelnen Lebensbereich die maximale Punktzahl von 16,7 erreicht. Weder die diplomatische Offensive der letzten Jahre noch irgendein multilateraler Druck brachten den Christen im Land irgendeinen Vorteil oder eine Erleichterung.
  • Das Muster der maximalen Punktzahl in allen Lebensbereichen reflektiert die Realität eines Staates, der in allen Bereichen der Gesellschaft von diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, für das der Begriff Paranoia zutreffender wäre – in Nordkorea ist alles davon betroffen und konzentriert sich zunehmend auf Kim Jong Un.
  • Die Punktzahl für Gewalt bleibt sehr hoch und beträgt 11,1 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021 (wie im Weltverfolgungsindex 2020). Wenn jemand als Christ entdeckt wird, wird er oder sie verhaftet, verhört und in ein Gefängnis bzw. Arbeitslager gebracht. Es wurde von mehreren Razzien und anschließenden Tötungen berichtet.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Der bloße Besitz einer Bibel wird als Verbrechen gegen die Nation und die Führung betrachtet. Die nordkoreanische Polizei und die Geheimdienste durchsuchen Häuser ohne Vorwarnung. Diese Durchsuchungen erfolgen systematisch, normalerweise ein- bis zweimal im Jahr. Wenn sie christliche Materialien finden, können Verdächtige sowie ihre Familien verbannt, in ein Arbeitslager eingewiesen oder eventuell sogar hingerichtet werden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Jegliche christliche Aktivität – und selbst der Verdacht beziehungsweise die Verbindung zu einer solchen Aktivität (wie das Tragen eines Kreuzes) – ist in der Demokratischen Volksrepublik Korea komplett verboten. Christliche Bilder oder Symbole zur Schau zu stellen, wird als ein selbstmörderischer Akt angesehen, da es etwas (oder eher jemanden) anderes ehrt als die Kim-Familie. Von Zeit zu Zeit gibt es sogar Berichte, dass Handelsmarken, die einem Kreuz oder einem Pluszeichen ähneln, zensiert werden.

War es riskant für Christen, auf christliche Radiostationen, TV-Sender oder christliches Material im Internet zuzugreifen?

Nordkorea tut alles, um sämtliche Sender und Medien zu kontrollieren. Menschen, die nicht genehmigte Medien oder Sendungen konsumieren, können bestraft werden. Das Regime sieht Radioempfänger als etwas sehr Gefährliches an, ganz zu schweigen von einem Smartphone oder dem Internet. Personen, die einen nicht registrierten Radioempfänger oder ein Smartphone besitzen, werden bestraft. Daher ist es sehr gefährlich, christliche Radiosendungen zu hören. Wenn Christen es wagen, es trotzdem zu tun, werden sie nur nachts einschalten, versteckt unter Decken, ständig auf der Hut vor Überprüfungen durch die Behörden.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Nordkoreaner sind vom Kindergarten an mit dem Kimilsungismus in verpflichtenden Schulungskursen umgeben. Die Menschen sind dazu erzogen, jeden zu melden, der sich gegen den Großen Führer und das Regime stellt, da diese als anti-revolutionär und gefährlich angesehen werden. Familienangehörige sind keine Ausnahme und sie haben einen starken Anreiz Meldung zu erstatten, da sie auf diese Weise das „Schuld durch Assoziation“-Prinzip umgehen können. Besonders Kinder können durch Lehrer dazu beeinflusst werden, ihre Eltern zu denunzieren, wenn sie bei ihnen ein Verhalten sehen, das dem widerspricht, was sie in der Schule gelernt haben. Daher ist es sehr gefährlich mit Familienmitgliedern über den christlichen Glauben zu sprechen, und viele Christen warten jahrelang auf den richtigen Moment, dies zu tun. Bei Kindern warten die Eltern oft bis ins Teenageralter, bis sie mit ihnen über den Glauben sprechen.

Familienleben

Wurden christliche Taufen behindert?

Taufen sind das klarste und sichtbarste Zeichen des christlichen Glaubens. Es ist unmöglich, in Nordkorea offen Taufen durchzuführen. Wenn eine Taufe entdeckt wird, werden die Personen, die getauft wurden und diejenigen, die die Taufe durchgeführt haben, verhaftet und schwer bestraft, indem sie in ein Arbeitslager geschickt oder hingerichtet werden. Folglich werden Taufen nur selten durchgeführt.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Es ist für Eltern höchst gefährlich, ihren christlichen Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Tatsächlich gehören die eigenen Kinder zu den gefährlichsten Personen für Christen. Öffentliche christliche Erziehung ist unmöglich, da die Kinder schon von einem sehr jungen Alter, quasi von der Wiege an, vom Staat indoktriniert werden. Trotz dieser Einschränkungen versuchen Christen, die biblischen Geschichten als Märchen getarnt zu erzählen, und so christliche Normen und Werte weiterzugeben.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Der wichtigste Inhalt der nordkoreanischen Bildung bis zur weiterführenden Schule ist der Kimilsungismus. Auf allen Ebenen der Bildung (vom Kindergarten bis zur Universität) gibt es speziellen Unterricht über die Kim-Dynastie. Selbst in anderen Fächern wie Koreanisch, Englisch oder Geschichte werden glorreiche Episoden über die Kims als Unterrichtstexte genutzt. Den Unterrichtsmaterialien zufolge ist der christliche Glaube eine subversive Ideologie der amerikanischen Imperialisten, und alle Christen sind Verräter an der Nation und Spione des Feindes. Das Regime benutzt nicht nur den normalen Lehrplan für die Verbreitung solcher Propaganda, sondern auch eine Reihe von Medien (Lehrbücher, Animationen, Musicals usw.), um das Bild von Christen und ihrem Glauben zu verzerren. Selbst im Curriculum des Doktorstudiums in Fächern wie der Nuklearphysik beinhalten 30 Prozent der Kursmaterialien Themen der Juche-Ideologie, unter dem Namen „Ethikunterweisung“.

Wurden Ehepartner von Konvertiten von Dritten unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen (gleichgültig ob erfolgreich oder nicht)?

Wenn ein Christ entdeckt wird, gibt es normalerweise keine Forderungen nach einer Scheidung, die ganze Familie wird verhört und in ein Arbeitslager gebracht. Berichten nordkoreanischer Flüchtlinge zufolge scheint es in einigen Fällen möglich zu sein, dass die Eltern des nicht gläubigen Partners ihren Sohn oder ihre Tochter dadurch zu retten versuchen, in dem sie eine Zwangsscheidung herbeiführen und jegliche Aufzeichnungen über eine Verbindung zu dem verhafteten Christen beseitigen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn diese Eltern hochrangige Beamte sind oder anderweitig genügend Macht haben, und dieses Vorgehen hat keine Erfolgsgarantie. Eine Scheidung kann auch in Fällen erfolgen, in denen der Ehepartner versucht, das „Schuld durch Assoziation“-Prinzip zu vermeiden, bevor das Christsein offenbart wird.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Alle Christen, die entdeckt und nicht hingerichtet wurden, stehen in Gefängnislagern oder in den abgelegenen Gebirgsregionen unter strengster Überwachung. Der nationale Geheimdienst (Ministerium für Staatssicherheit/Abteilung für Staatssicherheit) geht oft ganz ohne Urteil oder Erklärung hart gegen verdächtige Personen vor. Sogar Personen, die selbst keine Christen sind, aber christliche Verwandte haben, leiden unter strenger Überwachung und einem niedrigen Songbun. Jeder Nordkoreaner steht unter strikter sozialer Kontrolle, da sich Nordkorea des alten kommunistischen Systems der Nachbarschaftswache, „Inminban“ genannt, bedient. Deren lokale Leiter haben seit 2018 mehr Einfluss bekommen. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird den Behörden von speziell ausgebildeten Nachbarn berichtet, sodass tatsächlich keine Aktivität, kein Besuch, keine Abweichung vom Normalen unbemerkt bleibt.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Alle Bewohner Nordkoreas müssen an den allgegenwärtigen Ritualen der Juche-Ideologie teilnehmen, einschließlich des Verbeugens vor Statuen auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule und des Lobpreises der Kim-Dynastie. Christen müssen an diesen (und den anderen nationalen Zeremonien) teilnehmen, um zu überleben. Auch die wöchentlichen Selbstkritik- und Studiensitzungen können unter diesem Aspekt gesehen werden.

Haben Christen auf irgendeiner Ebene im Bereich ihrer Bildung (z. B. Einschränkungen des Zugangs zur Bildung) aus religiösen Gründen Nachteile erlitten?

Jeder, der mit einem Christen verwandt ist, hat eine Songbun-Einstufung, die ihn daran hindert, Zugang zu guten Schulen, der Armee oder der regierenden Arbeiterpartei zu bekommen. Enttarnte Christen haben keinen Zugang zu Ausbildungskursen jeglicher Art, da sie zwangsweise durch die Regierung von der Gesellschaft isoliert werden, z. B. in Arbeitslagern oder Kontrollzonen. Selbst Menschen, die nur christliche Vorfahren oder Verwandte haben, erfahren Benachteiligungen und Einschränkungen in ihrer Ausbildung, selbst wenn sie es auf die universitäre Ebene schaffen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Willkürliche Verhöre durch die Polizei oder den Geheimdienst sind in Nordkorea an der Tagesordnung. Jeder Nordkoreaner kann davon betroffen sein. Der Schwerpunkt sind „revolutionäre Handlungen“, doch da einer der Zwecke des Verhörs darin besteht, „christliche Spione“ aufzuspüren, die als Paradebeispiel für eine revolutionäre Handlung angesehen werden, sind Christen sehr anfällig für eine Enttarnung. Zudem überwachen Bürger ihre Nachbarn und melden diese bei den Behörden, wenn sie etwas Verdächtiges entdecken.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein? Bitte beachten Sie, dass es durchaus Widersprüche in den Gesetzen geben kann.

Artikel 68 der Verfassung von 1972 (überarbeitet im Jahr 1998) besagt, dass Bürger Nordkoreas „Religionsfreiheit“ haben. Weiter heißt es: „Dieses Recht wird dadurch gewährt, dass die Errichtung von religiösen Gebäuden genehmigt und das Abhalten von religiösen Zeremonien erlaubt wird.“ Aber „niemand darf die Religion als Vorwand nehmen, fremde Mächte herbeizuziehen oder dem Staat und der sozialen Ordnung zu schaden.“ Artikel 3 besagt: „Die Demokratische Volksrepublik Korea ist in ihren Aktivitäten von der Juche-Idee geleitet, eine auf die Menschen zentrierte Weltansicht, eine revolutionäre Ideologie zur Erreichung der Unabhängigkeit der Masse.“ Juche ist eine „unsterbliche“ Idee, begründet durch den Staatsgründer Kilm Il Sung. Die Präambel der Verfassung verankert Kim Il Sungs Position in der Nation, in dem sie besagt: „Der große Führer, Kamerad Kim Il Sung, ist die Sonne der Nation und der Leitstern der Wiedervereinigung des Vaterlandes. Kamerad Kim Il Sung hat die Wiedervereinigung des Landes als das oberste Ziel der Nation gesetzt und hat all seine Arbeit und seine Bemühungen im Dienst der Umsetzung dieses Ziels gewidmet. Die Demokratische Volksrepublik Korea und die gesamte koreanische Bevölkerung werden den großen Führer Kim Il Sung als den ewigen Präsidenten der Republik bewahren, seine Ideen und Taten verteidigen und fortführen, und die Juche-Revolution unter der Leitung der Koreanischen Arbeiterpartei vollenden.“

Obwohl sich im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 der Schwerpunkt der Verehrung stärker auf Kim Jong Un verlagerte, ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Zusicherung der Religions- und Glaubensfreiheit in der nordkoreanischen Verfassung bedeutungslos ist.

War die Berichterstattung in den Medien falsch oder voreingenommen gegenüber Christen?

Die nordkoreanischen Staatsmedien strahlen viele anti-christliche Programme aus, in denen Christen oder Missionare als böse Spione, Terroristen und Verräter der Nation dargestellt werden. Missionarische Aktivitäten in der Volksrepublik werden fortwährend als „terroristische Akte“ bezeichnet. Zudem werden Christen als Verbündete der USA und Südkoreas dargestellt. Nicht nur die Massenmedien, sondern auch von der Regierung herausgegebene Lehrbücher beschreiben Christen auf solch negative Weise.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Christliche Symbole oder christliche Literatur zu zeigen, selbst zu Hause, ist in Nordkorea eine gefährliche Angelegenheit. Wenn dies entdeckt wird, werden Christen verhaftet, eingesperrt und/oder hingerichtet. Ein christliches Symbol in der Öffentlichkeit zu zeigen, kann als ein Versuch des Umsturzes gesehen werden und zieht so die schwersten Strafen nach sich. Selbst die offiziellen Kirchen in Pjöngjang tragen keine Kreuze.

Wurde angeklagten Christen die Gleichbehandlung vor Gericht verwehrt?

Die meisten Christen werden niemals in einem Gerichtsprozess auftreten, da sie schlicht willkürlich verhaftet und ohne Gerichtsverfahren bestraft werden. Aber selbst, wenn es hin und wieder Prozesse gibt, wird es keine faire Behandlung geben, da die Gerichte zu dem Zweck bestehen, den Willen der Partei – oder genauer des Führers – durchzusetzen und zu rechtfertigen. Selbst ausländische Christen, die vor Gericht standen, wurde die Gleichbehandlung verweigert und sie wurden übermäßig lang in willkürlicher Haft gehalten.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Alle kirchlichen Aktivitäten sind in Nordkorea illegal, außer die Gottesdienste der „Korean Christian Fellowship“ in den offiziellen Kirchen in Pjöngjang, die als „Beweis“ für die Religionsfreiheit des Landes dienen. Es gab viele Fälle in Nordkorea, bei denen Untergrundkirchen entdeckt wurden und in der Folge mehrere Christen in Arbeitslager gebracht oder hingerichtet wurden. Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.

Sind Pastoren, christliche Leiter oder deren Familienmitglieder wegen ihres Glaubens in besonderem Maß zum Ziel von Schikanen geworden?

Natürlich gibt es in Nordkorea keine offiziellen Pastoren. Das Regime ist jedoch besonders daran interessiert, die Leiter der Untergrundkirchen aufzuspüren. Wenn ein christlicher Leiter gefasst wird, kann in den meisten Fällen ein ganzes Netzwerk von Christen aufgespürt und diese Kirche zerstört werden. Selbst wenn die Leiter Sicherheitsvorkehrungen treffen (wie beispielsweise die Namen und Adressen nicht zu notieren), sind die Behörden sehr geschickt darin, diese Informationen zu erlangen. Dies wurde im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 beobachtet.

Wurden die Kirchen daran gehindert, christliches Material aus dem Ausland zu importieren?

Touristen aus dem Ausland werden kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie nur eine Bibel für den persönlichen Gebrauch mitbringen und diese auch nicht in Nordkorea zurücklassen. Daneben sind Bibeln und christliche Materialien verbotene Gegenstände und ihre Einfuhr sowie die bloße Existenz (außerhalb der offiziellen Kirchen in Pjöngjang) ist verboten. Da es unmöglich ist, christliche Materialien in Nordkorea herzustellen, schätzen Christen Bibeln, Gesangsbücher und andere christliche Materialien immens, die vor der Gründung Nordkoreas veröffentlicht wurden.

Wurden die Kirchen in ihrer Interaktion mit der globalen Kirche behindert (Empfang ausländischer Gäste, Besuche bei Christen in anderen Ländern, Teilnahme an Konferenzen usw.)?

Nordkoreanern ist es nicht erlaubt, das Land ohne die Erlaubnis der Regierung zu verlassen und eine solche Erlaubnis zu bekommen, ist für normale Bürger sehr schwierig. Um eine solche Genehmigung zu erhalten, müssen strikte Überprüfungen des Reisegrundes, des Familienhintergrundes, des persönlichen Songbun usw. erfolgen. Das bedeutet, dass Christen nicht einmal davon träumen können, andere Christen im Ausland zu treffen oder an Konferenzen teilzunehmen. Ausländische Christen, die nach Nordkorea reisen, können sich ebenfalls nicht mit einheimischen Christen treffen, da Touristen streng überwacht werden. Berichte über südkoreanische Kirchenleiter, die sich mit ihren nordkoreanischen Kollegen getroffen haben sollen, sind ein Beweis dafür, dass man nicht allen Details, die aus Nordkorea kommen, vertrauen kann. Die offizielle nordkoreanische Kirche – falls eine solche überhaupt existiert – kann kaum stellvertretend für alle Christen in Nordkorea angesehen werden. Viele Beobachter halten diesen Auftritt für reinen Schwindel.

Berichte, wonach der orthodoxe Patriarch von Moskau plant, Nordkorea und die orthodoxe Kathedrale der heiligen Dreifaltigkeit in Pjöngjang zu besuchen, müssen ebenfalls mit Vorsicht gesehen werden: Falls der Besuch stattfinden wird, wird er in einem hohen Maße inszeniert sein, und jedes Treffen mit orthodoxen oder anderen Christen – wenn überhaupt – wird sorgfältig vom Regime arrangiert sein. Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Länderprofils, mehr als 18 Monate später, hat der angekündigte Besuch noch nicht stattgefunden.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz gegen Christen in Nordkorea bleibt gewalttätig. Es gibt gegen Christen gerichtete Razzien und Tötungen, doch aus Sicherheitsgründen können dazu keine Details veröffentlicht werden. Es muss zudem bedacht werden, wie schwierig es ist, Berichte aus den Arbeitslagern zu erhalten, die seit der Machtergreifung Kim Jong Uns Ende 2011 deutlich erweitert wurden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut „International Religious Freedom Report 2019“ des US-Außenministeriums:

  • Während Schamanismus im Land schon immer bis zu einem gewissen Grad praktiziert wurde, stellten Nichtregierungsorganisationen eine anscheinend kontinuierliche Zunahme schamanistischer Praktiken fest, auch in Pjöngjang. Eine Quelle berichtete Radio Free Asia (RFA), dass es üblich sei, vor der Planung von Hochzeiten, Geschäftsabschlüssen oder anderen wichtigen Entscheidungen, Wahrsager zu konsultieren. Nichtregierungsorganisationen berichteten, dass die Behörden weiterhin Maßnahmen gegen die Praxis des Schamanismus ergriffen. RFA zitierte eine Quelle, dass die Behörden im März in Chongjin, in der Provinz Nord Hamgyong, drei Frauen in einem öffentlichen Prozess der Wahrsagerei für schuldig befunden haben. Zwei der Frauen wurden öffentlich erschossen, die dritte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Quelle zufolge hatten die Frauen eine Gruppe mit dem Namen Chilsungyo (Sieben-Sterne-Gruppe) gegründet und behauptet, zwei Kinder in der Gruppe seien von einem Orakelgeist besessen. Die Frauen erhielten Geld für die Wahrsagerei. Die Quelle sagte, dass Tausende von Personen aus Fabriken, Hochschulen und Wohneinheiten gezwungen wurden, dem Prozess und den Hinrichtungen beizuwohnen, die darauf abzielten, Beamte dazu zu zwingen, den Schutz von Wahrsagern aufzugeben und andere „abergläubische“ Verhaltensweisen zu beenden.
  • Nach Angaben von RFA gingen die Behörden im Laufe des Jahres hart gegen Anhänger von Falun Gong vor. Quellen sagten, die Falun-Gong-Praxis sei über Händler ins Land gekommen und habe sich rasch verbreitet, sogar unter hochrangigen Regierungsbeamten und ihren Familien. Im April gab die Polizei eine Ankündigung heraus, in der die Bürger aufgefordert wurden, ihren Status als Falun-Gong-Praktizierende zu melden – die erste derartige Maßnahme der Regierung überhaupt. Nach Angaben von RFA wurde in der Ankündigung mit harten Strafen für diejenigen gedroht, die sich weigerten, sich zu stellen. Nach Herausgabe der Ankündigung verhaftete die Polizei 100 Personen in Pjöngjangs Songyo-Bezirk wegen Falun-Gong-Praktiken. Quellen zufolge haben die Razzien und die negative Darstellung in der Öffentlichkeit die Popularität von Falun Gong nur noch erhöht.

Weitergehende Informationen

Auch wenn die Huldigung der nordkoreanischen Herrscher theoretisch keinen Raum für andere Religionen zulässt, soll es Anhänger des Buddhismus und Konfuzianismus im Land geben. Doch diese Religionen haben Kultur und Mentalität des Landes geprägt und werden grundsätzlich privat ausgelebt, sodass sie keine Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen.

„Abergläubische Aktivitäten“ (was letztlich „Wahrsagerei“ bedeutet) sind offiziell verboten. Doch selbst Mitglieder der Partei frönen dieser Praxis, um in diesen hoch unsicheren Zeiten zum Beispiel ihre Karriere voranzutreiben.

Die Berichte über Verletzungen der Rechte der Falun-Gong-Bewegung in Nordkorea passen nicht nur zur antireligiösen Ideologie des Regimes, sondern haben auch den Nebeneffekt, China zu gefallen, welches ebenfalls hart gegen diese Bewegung vorgeht.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea:

  • Beten Sie für die heimlichen Christen in Nordkorea, dass Jesus Christus sie weiterhin stärkt, ihren Bedürfnissen begegnet und sie bewahrt.
  • Beten Sie für die inhaftierten Christen um Trost und Stärkung, dass sie selbst in der Gefangenschaft Gottes Gegenwart und Liebe erfahren.
  • Es gibt Berichte, dass Christen trotz aller Gefahren das Evangelium weitergeben, sogar in Gefangenenlagern. Beten Sie um Schutz und dafür, dass diese Christen als Lichter an den dunkelsten Orten der Welt leuchten.
  • Bitten Sie Gott, die Arbeit der geheimen Netzwerke von Open Doors in China zu segnen und um Weisheit und Urteilsvermögen für diejenigen, die den nordkoreanischen Christen mit lebenswichtiger Hilfe beistehen.