Länderprofil Nordkorea

Nordkorea

1
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Nordkorea
Hauptreligion
Juche-Ideologie
Platz Vorjahr
1
ISO
KP
Karte Nordkorea
Christen
0,30
Bevölkerung
25.73
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil Nordkorea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 1 / 94 Punkte (WVI 2019: Platz 1 / 94 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Wenn Christen entdeckt werden, ist es unerheblich, ob sie Nachkommen der christlichen Gemeinschaften aus der Zeit vor dem Koreakrieg sind, oder auf andere Weise zum christlichen Glauben gefunden haben (beispielsweise während der großen Hungersnot in den 1990er-Jahren, die zehntausende Nordkoreaner dazu veranlasste, in China nach Hilfe zu suchen, die sie oft bei chinesischen Christen fanden). Werden Christen entdeckt, werden sie in Arbeitslager verschleppt und wie politische Gefangene behandelt oder sogar auf der Stelle getötet. Ihre Familien erwartet dasselbe Schicksal. Christen haben nicht den geringsten Platz in der Gesellschaft; andere Christen zum Gottesdienst zu treffen, ist nahezu unmöglich und wenn es jemand wagt, muss dies in äußerster Geheimhaltung geschehen. Die Kirchengebäude, die Besuchern in der Hauptstadt Pjöngjang gezeigt werden, dienen lediglich Propaganda-Zwecken.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Es gibt gegen Christen gerichtete Razzien und Tötungen, doch aus Sicherheitsgründen können dazu keine Details veröffentlicht werden. Pastor Dong Cheol Kim (festgenommen im Jahr 2015) und zwei koreanisch-amerikanische christliche Dozenten der Universität für Wissenschaft und Technik Pjöngjang (PUST), Tony Kim und Hak Song Kim (festgenommen im April beziehungsweise Mai 2017), wurden der Spionage beschuldigt. Sie wurden im Vorfeld des Gipfeltreffens zwischen den USA und Nordkorea im Juni 2018 aus der Haft entlassen. Berichten zufolge änderte die Universität ihre Einstellungspolitik und beschäftigt nur noch nicht-US-amerikanische Mitarbeiter, eine logische Folge des von den USA verhängten Reiseverbots. Es gibt noch mehr Berichte aus Nordkorea, aber aus Sicherheitsgründen können auch hier keine Einzelheiten genannt werden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 94 Punkten steht Nordkorea auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex 2020.

Nordkorea befindet sich seit dem Weltverfolgungsindex 2002 auf dem 1. Platz. Seit 2018 folgt Afghanistan knapp dahinter auf Platz 2. Die Situation für Christen in den beiden Ländern ist zwar sehr unterschiedlich, doch die Wertung ist sehr ähnlich. Wie in den vergangenen Jahren sind Christen in Nordkorea extremem Druck in allen im Weltverfolgungsindex aufgeführten Lebensbereichen ausgesetzt und erleben ein sehr hohes Maß an Gewalt, die sich direkt gegen sie richtet. Der plötzliche Anstieg diplomatischer Aktivitäten (angefangen im Februar 2018 mit den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang/Südkorea) hat für die Christen nichts geändert. Polizeirazzien mit dem Ziel, Bürger mit abweichender Meinung – auch Christen – zu identifizieren und festzunehmen, haben Berichten nach zugenommen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Theoretisch ist Nordkorea ein kommunistisches Land, doch praktisch dominiert der Personenkult um die Familie Kim. Da das Land jedoch nach kommunistischer Verwaltungspraxis geführt wird, ist die Haupttriebkraft der Verfolgung weiterhin „Kommunistische Unterdrückung“. Zudem hat der Machthaber seinen Regierungsschwerpunkt mehr von der Armee weg in Richtung der Koreanischen Arbeiterpartei verlagert. Hier wird erneut deutlich, wie groß der Einfluss des (Post-)Kommunismus noch immer ist. Die Ergebnisse des siebten Parteikongresses der Koreanischen Arbeiterpartei im Mai 2016 brachten weder wirtschaftlich noch ideologisch Änderungen mit sich. Christen werden weiterhin als gefährlich betrachtet und ihr Glaube als „Opium für das Volk“ eingestuft – wie im klassischen Kommunismus. Laut dem nordkoreanischen Gesellschaftssystem Songbun sind sie zudem Teil der feindlichen Gesellschaftsklasse.

Diktatorische Paranoia

Seit 1948 wird Nordkorea von derselben Familie regiert, nun in der dritten Generation. Wie bereits erwähnt ist die ursprüngliche Ideologie des Kommunismus in den letzten Jahren in den Hintergrund getreten, obwohl der kommunistische Stil der Gesellschaftskontrolle fortbesteht. Nordkorea ist mittlerweile ein klares Beispiel für ein Land geworden, das von „Diktatorischer Paranoia“ beherrscht wird. Jeder muss den Herrscher verehren, und Kim Jong Un ist aufgrund dieses ausgeprägten Personenkultes in der Gesellschaft unersetzlich – nicht zuletzt, da er auch die Arbeiterpartei, die Armee, die Verwaltung und alle Bereiche der Gesellschaft kontrolliert.

Im aktuellen Berichtszeitraum hat sich ein wachsender Personenkult um Kim Jong Un abgezeichnet. Im November 2018 wurde in Pjöngjang beim Besuch des kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel das erste offizielle Gemälde Kim Jong Uns enthüllt. Das Gemälde zeigt Kim Jong Un in schwarzem Anzug und Krawatte, nicht in kommunistischer Uniform.

Seine Macht mag nicht ganz so absolut wie die seines Vaters und Großvaters sein, doch niemand kann seine Autorität in Frage stellen. Zudem hat er seine Macht nicht zuletzt durch den erreichten Status als De-facto-Atommacht noch ausbauen können. Die gottgleiche Verehrung der Kim-Familie erlaubt keinerlei Raum für eine andere Religion. Wer es wagt, jemand oder etwas anderes als die Kim-Dynastie zu verehren, wird als Gefahr für den Staat angesehen. Christen gelten daher als Teil der „feindlichen Klasse“ in Nordkoreas Gesellschaftssystem.

Der volle Titel von Kim Jong Un klingt beeindruckend: „Geliebter Genosse Kim Jong Un, Vorsitzender der Koreanischen Arbeiterpartei, Vorsitzender des Komitees für Staatsangelegenheiten der Demokratischen Volksrepublik von Korea und Oberbefehlshaber der Koreanischen Volksarmee.“ Kim Jong Un veränderte den National-Eid, indem er Erwähnungen zu den Errungenschaften seines Vaters und Großvaters kürzte und so größeres Gewicht auf seine eigenen Erfolge legte. Hierin zeigt sich die Festigung seiner Macht. Im Oktober 2017 beförderte Kim Jong Un seine Schwester, Kim Yo Jong, in das Politbüro und machte sie damit zum Teil der politischen Elite, die das Land regiert. Sie besuchte die Olympischen Winterspiele in Südkorea 2018 und nahm an zahlreichen Gipfeltreffen teil. Dies verdeutlicht die Lebenswirklichkeit Nordkoreas, in der die Führung des Landes und der Partei ein Familiengeschäft ist. Es bedeutet jedoch nicht, dass sie persönlich Einfluss nehmen oder Macht ausüben kann.

3. Verfolger

Die Triebkräfte Kommunistische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia wirken so eng zusammen, dass sie nahezu eine Triebkraft ergeben. Da es schwierig ist, beide voneinander zu trennen, werden die Verfolger in diesem Fall zusammen vorgestellt:

Ausgehend von Kommunistischer Unterdrückung und Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Der Hauptverfolger in Nordkorea ist der Staat, in Form der Regierung und der Arbeiterpartei Koreas (WPK). Die Regierung wird auf Grundlage der kommunistischen Lehre geführt, daher ist auch die Regierung der stärkste Akteur der Verfolgung. Seit drei Generationen ist das Land darauf ausgerichtet, die machthabende Kim-Familie zu verehren, fortgeführt seit der Machtübernahme von Kim Jong Un im Dezember 2011. Das höchste Ziel aller Behörden ist das Überleben des Landes und seiner Anführer.
  • Politische Parteien: Die Arbeiterpartei Koreas ist das Instrument, mit dem Kim Jong Un seine Macht über Nordkorea aufrechterhält. Seitdem er entschieden hat, die „Militär zuerst“-Politik zu ändern, hat die WPK an Bedeutung gewonnen. Ihre Regeln und Entscheidungen werden umgesetzt und Christen werden in der Partei-Ideologie als Feinde angesehen.
  • Gewöhnliche Bürger: Christen werden als feindlicher Teil der Gesellschaft angesehen, der beseitigt werden muss – egal wie. Aufgrund der permanenten Indoktrinierung, die das gesamte Land durchdringt, sind Nachbarn und Familienmitglieder sehr wachsam. Es wird von ihnen erwartet, jedwede verdächtige Aktivität den Behörden zu melden, nicht zuletzt durch das Netzwerk von „Nachbarschaftsinformanten“.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Selbst die eigenen Familienmitglieder können Christen bei den Behörden melden. Insbesondere Kinder können durch die allgegenwärtige Indoktrinierung in der Schule oder anderswo so stark beeinflusst werden, dass sie ihre eigenen Eltern in dem Glauben, etwas Gutes und Richtiges zu tun, melden. Aus diesem Grund erzählen viele Eltern ihren Kindern nichts von ihrem christlichen Glauben.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In Nordkorea gibt es im klassischen Sinne des Wortes keine Brennpunkte der Verfolgung. Ein Aufstand ist undenkbar, und das Regime behält die Bevölkerung streng im Blick. Über mehrere Jahre mag die Grenzregion zu China ein Brennpunkt gewesen sein, da ein konstanter Strom von Flüchtlingen (mit Südkorea als finalem Zielland) diese Region auf ihrem Weg nach China passierten. Aber die erhöhten Anstrengungen beider Seiten (China und Nordkorea) haben diesen Strom zu einem Rinnsal verkümmern lassen. Die Grenze wird nun streng überwacht und selbst mit der Hilfe von Schleusern ist es schwierig geworden, einen illegalen Übertritt zu wagen.

5. Betroffene Christen

Da es in Nordkorea weder Gemeinschaften von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten noch protestantische Freikirchen gibt, gehören alle Christen zu einer der beiden nachfolgenden Gruppen. Sie alle sind der stärksten Verfolgung ausgesetzt, die man sich vorstellen kann:

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Christen stammen noch aus der Zeit vor dem Koreakrieg (1950-1953). Viele Christen sind entweder im Krieg umgekommen oder in den Süden geflohen, doch andere sind geblieben. Sie und ihre Nachkommen bilden diese Gemeinden. Jeder Bürger wird in ein Klassensystem eingeordnet, das „Songbun“ genannt wird. Nach dieser Einstufung gehören Christen zur „feindlichen Klasse“ und werden nochmals in zwei Unterklassen unterteilt: Die „37“ für protestantische Christen und die „39“ für katholische Christen. Diesen Klassen gehören vor allem Christen an, von denen bekannt ist, dass ihre Eltern oder Großeltern Christen waren. Als Strafe dafür, das falsche „Songbun“ zu haben, wurden die meisten von ihnen in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser historisch gewachsenen christlichen Gemeinden ist es gelungen, ihren Glauben zu verbergen und Untergrundkirchen zu bilden. Wegen des Prinzips der Sippenhaft sind die Nachkommen dieser Christen mit unüberwindbaren gesellschaftlichen und anderen Hindernissen konfrontiert und werden misstrauisch beobachtet.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Christen haben einen kommunistischen Hintergrund oder stammen aus dem Kimilsungismus. Viele von ihnen kamen in den 1990er-Jahren zum Glauben, als während der großen Hungersnot unzählige Nordkoreaner die Grenze zu China überquerten und in chinesischen Kirchen Hilfe fanden. (Auch danach überquerten noch viele Nordkoreaner die Grenze, ihre Zahl ist jedoch deutlich geringer.) Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neu gefundenen Glauben treu.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.7
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.7
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 11.1

Grafik: Verfolgungsmuster Nordkorea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Nordkorea ist in allen Lebensbereichen unvermindert hoch. Trotz aller diplomatischer Aktivitäten während des Berichtszeitraums wurde in jedem einzelnen Lebensbereich die maximale Punktzahl von 16,7 erreicht. Die Treffen mit internationalen Staatsoberhäuptern in den Jahren 2018 und 2019 haben den Christen im Land keinerlei Erleichterung gebracht.
  • Die maximale Punktzahl in allen Lebensbereichen reflektiert die Realität eines Staates, der in allen Bereichen der Gesellschaft von Diktatorischer Paranoia beherrscht wird. Es gibt wohl kein anderes Land auf der Welt, für das der Begriff Paranoia zutreffender wäre – in Nordkorea ist alles davon betroffen.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ hat weiterhin ein sehr hohes Ausmaß und erreicht 11,1 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020 (10,9 im Weltverfolgungsindex 2019). Wird jemand als Christ entdeckt, wird er oder sie verhaftet, verhört und in ein Gefängnis beziehungsweise Arbeitslager gebracht. Es gibt auch Berichte von Tötungen.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Der bloße Besitz einer Bibel wird als Verbrechen gegen die Nation und die Führung betrachtet. Die nordkoreanische Polizei und die Geheimdienste durchsuchen Häuser ohne Vorwarnung. Wenn sie christliche Materialien finden, können Verdächtige sowie ihre Familien verbannt, in ein Arbeitslager eingewiesen oder eventuell sogar hingerichtet werden.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Jegliche christliche Aktivität – und selbst der Verdacht beziehungsweise die Verbindung zu einer solchen Aktivität (wie das Tragen eines Kreuzes) – ist in der Demokratischen Volksrepublik Korea komplett verboten. Christliche Bilder oder Symbole zur Schau zu stellen, wird als ein selbstmörderischer Akt angesehen.
  • Es ist für Christen gefährlich, auf christliches Radio, Fernsehen oder christliches Material im Internet zuzugreifen: Nordkorea tut alles, um sämtliche Sender und Medien zu kontrollieren. Menschen, die nicht genehmigte Medien oder Sendungen konsumieren, können bestraft werden. Das Regime sieht Radiogeräte als etwas sehr Gefährliches an, ganz zu schweigen von einem Smartphone oder dem Internet. Personen, die einen nicht registrierten Radioempfänger oder ein Smartphone besitzen, werden bestraft. Daher ist es sehr risikoreich, christliche Radiosendungen zu hören. Wenn Christen sich trauen, es trotzdem zu tun, schalten sie das Gerät nur nachts ein, versteckt unter Decken, ständig auf der Hut vor Überprüfungen durch die Behörden.
  • Es ist für Christen riskant, mit ihrer engsten Familie über den christlichen Glauben zu sprechen: Nordkoreaner sind bereits seit der Krippe in verpflichtenden Schulungskursen vom Kimilsungismus umgeben. Die Menschen sind dazu erzogen, jeden zu melden, der sich gegen den Großen Führer und das Regime stellt. Familienmitglieder sind dabei keine Ausnahme. Besonders Kinder können durch ihre Lehrer dazu verleitet werden, ihre Eltern zu denunzieren, wenn sie sehen, dass sie sich entgegen dem verhalten, was sie in der Schule gelernt haben. Daher ist es sehr gefährlich, mit Familienmitgliedern über den christlichen Glauben zu sprechen, und viele Christen warten jahrelang auf den richtigen Moment, dies zu tun. Im Falle der Kinder warten die Eltern oft bis ins Teenageralter, bis sie mit ihnen über den Glauben sprechen.

Angesichts der geschilderten Situation verwundert es nicht, dass die Verfolgung im Bereich „Privatleben“ den Höchstwert erreicht. Es ist höchst gefährlich, die Bibel zu lesen oder den christlichen Glauben in irgendeiner Art zu zeigen – und sei es nur, mit geschlossenen Augen den Kopf zu neigen. Christen tendieren dazu, christliche Literatur auswendig zu lernen und danach aufzuteilen (oder zu zerstören), um zu vermeiden, komplette Exemplare aufzubewahren. Andere Christen zu treffen ist äußerst riskant.

Familienleben

  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Die Taufe ist das klarste und sichtbarste Zeichen des christlichen Glaubens. Es ist unmöglich, in Nordkorea offen Taufen durchzuführen. Wenn eine Taufe entdeckt wird, werden die Personen, die getauft wurden, und diejenigen, die die Taufe durchgeführt haben, verhaftet und schwer bestraft, indem sie in ein Arbeitslager geschickt oder hingerichtet werden.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Es ist für Eltern höchst gefährlich, ihren christlichen Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Tatsächlich gehören die Kinder zu den „gefährlichsten“ Personen für Christen. Öffentliche christliche Erziehung ist unmöglich, da die Kinder schon ab einem sehr jungen Alter vom Staat indoktriniert werden. Trotz dieser Einschränkungen versuchen Christen, die biblischen Geschichten als Märchen getarnt zu erzählen.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Der wichtigste Inhalt der nordkoreanischen Bildung bis zur weiterführenden Schule ist der Kimilsungismus. Auf allen Ebenen der Bildung (vom Kindergarten bis zur Universität) gibt es speziellen Unterricht über die Kim-Dynastie. Selbst in anderen Fächern wie Koreanisch, Englisch oder Geschichte werden glorreiche Episoden über die Kims als Unterrichtstexte genutzt. Christen werden ständig als Feinde dargestellt und Missionare als böse Menschen, Schwindler und Spione bezeichnet. Selbst im Curriculum des Doktorstudiums in Fächern wie der Nuklearphysik beinhalten 30 Prozent der Kursmaterialien Themen der Juche-Ideologie.
  • Wenn ein Christ entdeckt wird, wird normalerweise die ganze Familie verhört und in ein Arbeitslager gebracht: Berichten von nordkoreanischen Flüchtlingen zufolge scheint es in einigen Fällen vorgekommen zu sein, dass die Eltern des nichtchristlichen Partners ihren Sohn oder ihre Tochter dadurch zu retten versuchen, dass sie eine Zwangsscheidung herbeiführen und jegliche Aufzeichnungen über eine Verbindung zu dem verhafteten Christen beseitigen. Dies ist allerdings nur möglich, wenn diese Eltern hochrangige Beamte sind oder anderweitig genügend Macht haben, und dieses Vorgehen hat keine Erfolgsgarantie.

Der maximale Wert in diesem Lebensbereich wird durch den folgenden Kommentar sehr gut zusammengefasst: „Kindern wird der Name Kim Il Sung beigebracht, bevor sie die Namen ihrer Eltern lernen.“ Wenn Christen entdeckt werden, verlieren sie alles. Sie werden nicht nur verhört, damit ihre Netzwerke aufgespürt werden können, sondern auch ihre Familien werden aufgrund des Prinzips der Sippenhaft festgenommen und müssen Jahre des Elends in Arbeitslagern erleiden. Familien werden gezielt auseinandergerissen, wenn der christliche Glaube eines der Familienmitglieder entdeckt wird. Wenn beide Ehepartner Christen sind, werden sie beispielsweise in verschiedene Arbeitslager gebracht. Es ist unmöglich, öffentlich christliche Hochzeiten, Beerdigungen oder das Abendmahl zu feiern.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Alle Christen, die entdeckt und nicht hingerichtet wurden, stehen in den Gefängnislagern oder in den abgelegenen Gebirgsregionen unter strengster Überwachung. Selbst Personen, die selbst keine Christen sind, aber christliche Verwandte haben, leiden unter enger Überwachung und einem niedrigen „Songbun“. Jeder Nordkoreaner steht unter strikter sozialer Kontrolle, da sich Nordkorea des alten kommunistischen Systems der Nachbarschaftswache, „Inminban“ genannt, bedient. Deren lokale Leiter haben seit 2018 mehr Einfluss bekommen. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird den Behörden von speziell ausgebildeten Nachbarn berichtet, so dass tatsächlich keine Aktivität, kein Besuch, keine Abweichung vom Normalen unbemerkt bleibt.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Alle Bewohner Nordkoreas müssen an den allgegenwärtigen Ritualen der Juche-Ideologie teilnehmen, einschließlich des Verbeugens vor Statuen auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule und des Lobpreises der Kim-Dynastie. Christen müssen an diesen (und den anderen nationalen Zeremonien) teilnehmen, um zu überleben.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen im Bereich der Bildung: Jeder, der mit einem Christen verwandt ist, hat eine „Songbun“-Einstufung, die ihn daran hindert, Zugang zu guten Schulen, der Armee oder der regierenden Arbeiterpartei zu bekommen. Enttarnte Christen haben keinen Zugang zu Ausbildungskursen jeglicher Art, da sie zwangsweise durch die Regierung von der Gesellschaft isoliert werden. Selbst Menschen, die nur christliche Vorfahren oder Verwandte haben, erfahren Benachteiligungen und Einschränkungen in ihrer Ausbildung, selbst wenn sie es auf die universitäre Ebene schaffen.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Willkürliche Verhöre durch die Polizei oder den Geheimdienst sind in Nordkorea an der Tagesordnung. Jeder Nordkoreaner kann davon betroffen sein. Da aber eines der Ziele dieser Verhöre das Aufspüren von „christlichen Spionen“ ist, stehen Christen besonders in der Gefahr, entdeckt zu werden. Zudem überwachen Bürger ihre Nachbarn und melden diese bei den Behörden, wenn sie etwas Verdächtiges entdecken.

Egal wo sie sind, Christen müssen vorsichtig sein, nicht nur zu Hause. Ähnliche Vorsicht ist am Arbeitsplatz und besonders in allen Selbstkritik-Sitzungen geboten, die sich Berichten zufolge intensiviert haben. Dies zeigt den zunehmenden Druck seitens des Staates, der sich verstärkt auf die Ideologie stützt.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Artikel 68 der Verfassung von 1972 (überarbeitet im Jahr 1998) besagt, dass Bürger Nordkoreas „Religionsfreiheit“ haben. Weiter heißt es: „Dieses Recht wird dadurch gewährt, dass die Errichtung von religiösen Gebäuden genehmigt und das Abhalten von religiösen Zeremonien erlaubt wird.“ Aber „niemand darf die Religion als Vorwand nehmen, fremde Mächte herbeizuziehen oder dem Staat und der sozialen Ordnung zu schaden.“ Artikel 3 besagt: „Die Demokratische Volksrepublik Korea ist in ihren Aktivitäten von der Juche-Idee geleitet, eine auf die Menschen zentrierte Weltsicht, eine revolutionäre Ideologie zur Erreichung der Unabhängigkeit der Masse.“ Juche ist eine „unsterbliche“ Idee, begründet durch den Staatsgründer Kim Il Sung. Die Präambel der Verfassung unterstreicht Kim Il Sungs Position in der Nation, in dem sie besagt: „Der große Führer, Kamerad Kim Il Sung, ist die Sonne der Nation und der Leitstern der Wiedervereinigung des Vaterlandes. Kamerad Kim Il Sung hat die Wiedervereinigung des Landes als das oberste Ziel der Nation gesetzt und hat all seine Arbeit und seine Bemühungen im Dienst der Umsetzung dieses Ziels gewidmet. Die Demokratische Volksrepublik Korea und die gesamte koreanische Bevölkerung werden den großen Führer Kim Il Sung als den ewigen Präsidenten der Republik bewahren, seine Ideen und Taten verteidigen und fortführen, und die Juche-Revolution unter der Leitung der Koreanischen Arbeiterpartei vollenden.“
  • Medienberichte über Christen sind inkorrekt oder voreingenommen: Die nordkoreanischen Staatsmedien strahlen viele anti-christliche Programme aus, in denen Christen oder Missionare als böse Spione, Terroristen und Verräter der Nation dargestellt werden. Missionarische Aktivitäten in der Volksrepublik werden fortwährend als „terroristische Akte“ bezeichnet. Zudem werden Christen als Verbündete der USA und Südkoreas dargestellt.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, öffentlich religiöse Symbole zu zeigen: Christliche Symbole oder christliche Literatur zu zeigen, selbst im Zuhause, ist in Nordkorea höchstgefährlich. Wenn dies entdeckt wird, werden Christen willkürlich verhaftet, eingesperrt und/oder hingerichtet. Ein christliches Symbol in der Öffentlichkeit zu zeigen, kann als ein Versuch des Umsturzes gesehen werden und zieht so die schwersten Strafen nach sich.
  • Angeklagten Christen wird ein fairer Prozess verweigert: Die meisten Christen treten niemals in einem Gerichtsprozess auf, da sie schlicht willkürlich verhaftet und ohne Gerichtsverfahren bestraft werden. Aber selbst wenn es hin und wieder Prozesse gibt, gibt es doch keine fairen Verhandlungen, da die Gerichte nur dazu da sind, den Willen der Partei – oder genauer des Führers – durchzusetzen und zu rechtfertigen. Selbst ausländischen Christen, die vor Gericht standen, wurde ein ordentliches Gerichtsverfahren verweigert.

Alles ist in Nordkorea auf die Juche-Ideologie und den Kimilsungismus/Kimjongilismus ausgerichtet. Folglich bringt es der Bereich „Leben im Staat“ auf die höchstmögliche Punktzahl. Nordkoreanische Polizeibeamte machen regelrecht Jagd auf Bürger, die sich während ihres Aufenthalts in China zum christlichen Glauben bekehrt haben oder christliche Literatur nach Nordkorea zu schmuggeln versuchen. Jeder ertappte und zurück nach Nordkorea gebrachte Flüchtling muss viele Fragen beantworten. Auch Fragen wie „Hast du in China Christen getroffen?“ und „Hast du in China eine Kirche besucht?“ gehören allen vorliegenden Berichten zufolge dazu. Im Bericht des US-Außenministeriums zur Religionsfreiheit 2018 wird das Koreanische Wiedervereinigungsinstitut zitiert: „Die Bürger werden mindestens zweimal jährlich von den Behörden über Methoden aufgeklärt, wie sie Menschen aufspüren und identifizieren können, die den christlichen Glauben verbreiten.“

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Alle kirchlichen Aktivitäten sind in Nordkorea illegal, außer die Gottesdienste in den offiziellen Kirchen in Pjöngjang, die als „Beweis“ für die Religionsfreiheit des Landes dienen. Es gab viele Fälle in Nordkorea, bei denen Untergrundkirchen entdeckt und in der Folge mehrere Christen in Arbeitslager gebracht oder hingerichtet wurden. Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.
  • Pastoren oder andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) erleben wegen ihres Glaubens Schikane: Das Regime ist besonders daran interessiert, die Leiter der Untergrundkirchen aufzuspüren. Wenn ein christlicher Leiter gefasst wird, kann in den meisten Fällen ein ganzes Netzwerk von Christen aufgespürt und diese Kirche zerstört werden. Selbst wenn die Leiter Sicherheitsvorkehrungen treffen (wie beispielsweise die Namen und Adressen nicht zu notieren), sind die Behörden sehr geschickt darin, diese Informationen zu erlangen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Materialien zu importieren: Touristen aus dem Ausland werden kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie nur eine Bibel für den persönlichen Gebrauch mitbringen und diese auch nicht in Nordkorea zurücklassen. Daneben sind Bibeln und christliche Materialien verbotene Gegenstände, und ihre Einfuhr sowie ihre bloße Existenz (außerhalb der offiziellen Kirchen in Pjöngjang) ist verboten. Da es unmöglich ist, christliche Materialien in Nordkorea herzustellen, schätzen Christen Bibeln, Gesangsbücher und andere christliche Materialien immens, die vor der Gründung Nordkoreas veröffentlicht wurden.
  • Kirchen werden an dem Austausch mit der globalen Kirche gehindert: Nordkoreanern ist es nicht erlaubt, das Land ohne die Erlaubnis der Regierung zu verlassen, und eine solche Erlaubnis zu bekommen ist für normale Menschen sehr schwierig. Um eine solche Genehmigung zu erhalten, müssen strikte Überprüfungen des Reisegrundes, des Familienhintergrundes, des persönlichen „Songbun“ und vielem mehr erfolgen, was bedeutet, dass Christen nicht einmal davon träumen können, andere Christen im Ausland zu treffen oder an Konferenzen teilzunehmen. Ausländische Christen, die nach Nordkorea reisen, können sich ebenfalls nicht mit einheimischen Christen treffen, da Touristen streng überwacht werden. Berichte über südkoreanische Kirchenleiter, die sich mit ihren nordkoreanischen Kollegen getroffen haben sollen, zeigen, dass man nicht allen Details, die aus Nordkorea kommen, vertrauen kann. Die offizielle nordkoreanische Kirche – falls eine solche überhaupt existiert – kann kaum stellvertretend für alle Christen in Nordkorea angesehen werden. Viele Beobachter halten solche Besuche für reinen Schwindel. Berichte, wonach der orthodoxe Patriarch von Moskau plant, Nordkorea und die orthodoxe Kathedrale der Heiligen Dreifaltigkeit in Pjöngjang zu besuchen, müssen ebenfalls mit Vorsicht gesehen werden: Falls der Besuch stattfindet, wird er in einem hohen Maße inszeniert sein, und jedes Treffen mit orthodoxen oder anderen Christen – wenn überhaupt – wird sorgfältig vom Regime arrangiert sein.

Nicht-offizielle Kirchen können in sichtbarer Form nicht existieren. Es gibt vier unter der Kontrolle der Regierung stehende Kirchengebäude (ein katholisches, zwei protestantische und ein russisch-orthodoxes), die jedoch nur dafür da sind, internationalen Gästen vorzugaukeln, dass es Religionsfreiheit gibt. Sie funktionieren nicht als wirkliche christliche Gemeinden im Sinne des Wortes, da sie sich nur innerhalb der von der Regierung gesteckten Grenzen bewegen dürfen. Dasselbe gilt für die legale Ausbildung von Kirchenleitern: Berichte aus dem Jahr 2012 deuten auf eine Art theologisches Seminar in Pjöngjang hin, doch Kirchen dürfen ihre Leiter nicht frei ausbilden. Kirchliche Angebote für Jugendliche sind generell verboten.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Nordkorea bleibt gewalttätig. Es gibt gegen Christen gerichtete Razzien und Tötungen, doch aus Sicherheitsgründen können dazu keine Details veröffentlicht werden. Es muss zudem bedacht werden, wie schwierig es ist, Berichte aus den Arbeitslagern zu erhalten.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Werden Christen in Nordkorea entdeckt, werden sie meistens inhaftiert, verhört, gefoltert und viele schließlich getötet. Männer und Frauen werden dabei nicht unterschiedlich behandelt. Doch Frauen, die über die Grenze nach China flohen, wurden oft missbraucht und zwangsverheiratet. Da diese Frauen von den chinesischen Behörden nach wie vor als illegale Einwanderinnen angesehen werden, werden sie zurückgeschickt, falls man sie erwischt. Frauen fliehen häufiger als Männer und mehr Frauen nehmen in China den Glauben an Jesus Christus an. Wenn bei diesen Frauen nach ihrer Rückkehr nach Nordkorea eine Schwangerschaft festgestellt wird, werden sie Berichten zufolge mit brutalsten Methoden zur Abtreibung gezwungen. Das betrifft sowohl christliche als auch nichtchristliche Frauen. Der Strom von Flüchtlingen hat jedoch in den letzten Jahren nachgelassen, da die Grenze auf beiden Seiten strenger kontrolliert wird und sich die Ernährungslage in Nordkorea verbessert hat.

Human Rights Watch hat im Oktober 2018 einen Bericht mit dem Titel „Sexuelle Gewalt gegen Frauen durch Funktionäre“ veröffentlicht. Obwohl es darin nicht um eine mögliche Religionszugehörigkeit geht, wird darin der weitverbreitete (sexuelle) Missbrauch von Frauen in der nordkoreanischen Gesellschaft betont und aufgezeigt, dass die Ansicht, Frauen seien weniger wert, in der koreanischen Kultur tief verwurzelt ist.

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Freiheitsstrafen
  • Menschenhandel
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Open Doors schätzt, dass bis zu 30 Prozent der nordkoreanischen Christen wegen ihres Glaubens in Arbeitslagern interniert sind, in denen weibliche Kriminelle und Gefangene unter sexueller Gewalt im Verlauf der Verhöre und des Gefängnislebens leiden. Berichte weisen darauf hin, dass Vergewaltigungen eine tägliche Erscheinung in den Konzentrationslagern Nordkoreas sind. Sowohl Human Rights Watch als auch das US-Außenministerium berichten jeweils, dass Vergewaltigungen und andere sexuelle Gewalt sowie Folter in den Gefängnissen der Frauen vorkommen und dass die Wärter dafür bekannt sind, weibliche Gefangene sexuell zu missbrauchen und auszunutzen. Diese sexuelle Ausbeutung wird durch eine Gesellschaft ermöglicht, die kulturell patriarchal aufgebaut ist; Frauen werden vergleichsweise schlecht behandelt und gelten als den Männern untergeordnet. Obwohl nur wenige Informationen aus Nordkorea nach außen dringen, dokumentiert ein Bericht von Human Rights Watch das Ausmaß, in dem Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch die Regel sind. Im Gesetz zum Schutze von Frauen und dem Familienrecht liegt der Fokus eher auf Wiedergutmachung als auf der strafrechtlichen Verfolgung von Tätern geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen; die Gesetze bieten keinen Opferschutz und keine unterstützenden Maßnahmen und beinhalten keine Haftbarkeit der Täter, was letztlich Straffreiheit für den Einsatz von häuslicher und sexueller Gewalt als ein Mittel religiöser Verfolgung schafft. Darüber hinaus gilt seit 2014 die Wehrpflicht für Frauen. Die Armee ist berüchtigt für ihre Kontrolle und lehnt sämtliche Religionsausübung ab; aber die Dauer des Militärdienstes ist kürzer als bei den Männern (ungefähr fünf Jahre).

Im harten Leben Nordkoreas, wo schätzungsweise 28 Prozent der schwangeren und stillenden Frauen als unterernährt gelten, gewinnen die Frauen zunehmend ökonomischen Einfluss in den Haushalten durch ihre Arbeit auf den Märkten. Dies trägt zum einen zu einem besseren Status der Frauen bei, schafft aber gleichzeitig neuen Druck für Frauen, die ihr Geschäft durch eine staatliche Razzia verlieren könnten.

Zudem sind viele Nordkoreanerinnen, die nach China geflohen sind, Opfer von Menschenhandel geworden. Durch die Verbesserung der chinesisch-nordkoreanischen Beziehungen wurde die Zusammenarbeit zwischen dem nordkoreanischen Geheimdienst und der chinesischen Polizei gestärkt. Als Ergebnis hat die Zahl der nach Nordkorea abgeschobenen Nordkoreanerinnen aus China zugenommen, und oft sind die Betroffenen Frauen aus Nordkorea, die im Kontakt mit Christen standen und versuchten, über China nach Südkorea zu entkommen. Geflüchtete leiden unter der Angst vor einer erzwungenen Rückführung und den verbundenen Problemen – ein fortwährender Kreislauf von Gewalt und Schikane durch Chinesen, die sie kaufen, und wiederholtem Menschenhandel.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt

Nordkoreas Kontrolle über die Bevölkerung richtet sich größtenteils gegen den männlichen Haushaltsvorstand. Alle männlichen Erwachsenen bekommen von der Regierung zugeteilte Arbeitsplätze. Sie müssen ihre Anwesenheit bei der Arbeit melden und können sie nicht für private Angelegenheiten unterbrechen, da die Arbeitszuteilung ein System der Regierung ist, die kontrolliert wird. Auch die Verteilung von nationalen Lebensmittelrationen basiert auf dem männlichen Anteil eines Haushalts. Wegen dieses Systems sind die Hauptakteure auf dem Markt zumeist Frauen. Nordkoreas patriarchisches System unterdrückt die Freiheit der Männer.

Der verpflichtende 10-jährige Militärdienst (für männliche Jugendliche ab 17) bringt jedes Mal die Frage mit sich, ob jemand Verbindungen zum christlichen Glauben in seiner Familienhistorie habe. Wenn so eine Verbindung gefunden wird, werden die bevorzugten Arten des Militärdienstes dem Betroffenen vorenthalten.

Ein Aufstieg (gute Schule, bevorzugter Militärdienst, prestigeträchtige Arbeit, Parteimitgliedschaft) wird Männern mit christlichen Verbindungen in ihrem Familienstammbaum vorenthalten.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auch wenn die Huldigung der nordkoreanischen Herrscher theoretisch keinen Raum für andere Religionen zulässt, soll es Anhänger des Buddhismus und Konfuzianismus im Land geben. Doch diese Religionen gehören zum kulturellen Denken und werden meist privat ausgelebt, sodass sie keine Aufmerksamkeit der Behörden auf sich ziehen.

„Abergläubische Aktivitäten“ (was letztlich „Wahrsagerei“ meint) ist offiziell verboten. Doch selbst Mitglieder der Partei frönen dieser Praxis, um zum Beispiel ihre Karriere voranzutreiben.

Es gab zudem Berichte über die Verfolgung der Falun-Gong-Bewegung in Nordkorea. Dies entspricht nicht nur der antireligiösen Ideologie des Regimes, sondern hat auch den Nebeneffekt, China zufriedenzustellen, welches ebenfalls diese Bewegung hart verfolgt.

9. Der Ausblick für Christen

Kommunistische Unterdrückung in Verbindung mit Diktatorischer Paranoia

Die Verfolgung, die von diesen Triebkräften ausgeht, wird durch die wachsende Ideologie der Selbstständigkeit und des Selbstbewusstseins angefacht, jetzt, wo das Regime den (inoffiziellen) Status eine Atommacht zu sein, erlangt hat. Kim Jong Un konnte seine Herrschaft im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 und Weltverfolgungsindex 2020 weiter stärken und ihm gelang, was keinem seiner Vorfahren möglich war: ein Treffen mit einem amtierenden US-Präsidenten. Ob und wie sich die Beziehungen zwischen der Volksrepublik Korea und den USA entwickeln, muss sich zeigen. Enttäuschungen sind absehbar, da jetzt die Details weiterverhandelt werden müssen. Nordkorea sieht den Zustand der Menschenrechte als interne Angelegenheit und könnte dieses Thema sogar nutzen, um weitere Verhandlungen jederzeit zu beenden, sollten sich diese nicht so entwickeln, wie Pjöngjang es sich wünscht. In jedem Fall sind spürbare Verbesserungen für die Christen im Land nicht zu erwarten. Im Gegenteil: China schickt weiterhin jeden Nordkoreaner, dem es gelingt, sich nach China abzusetzen, sofort wieder zurück, ungeachtet der Tatsache, dass China das UN-Flüchtlingsabkommen unterzeichnet hat und es ohne weiteres möglich wäre, alle Überläufer mit minimalen Kosten und Mühen nach Südkorea zu schicken.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea:

  • In einem Jahr, in dem Nordkorea seine Sichtbarkeit auf der Weltbühne erhöht hat, festigt Kim Jong Un weiter seine Macht. Bitte beten Sie für Kim Jong Un, dass er den einen wahren Gott kennenlernt. Bitte beten Sie für Veränderung im Regime und dass die Macht des Bösen gebrochen wird.
  • Die Lage der Christen ist höchst verletzlich und heikel. Christen stehen Verfolgung durch Behörden und durch ihre nichtchristlichen Familien, Freunde und Nachbarn gegenüber. Bitte beten Sie für Schutz. Beten Sie für Christen, die in Gefängnissen, Arbeitslagern und abgelegenen Gegenden leiden. Beten Sie, dass Gott der nordkoreanischen Gemeinde Stärke und Durchhaltevermögen schenkt.
  • Nordkorea steht auf dem Weltverfolgungsindex zum 17. Mal in Folge an der Spitze. Beten Sie, dass die Führer des Landes Gott kennenlernen, für den Schutz der nordkoreanischen Gemeinde und dass Heilung und Wiederherstellung in diesem Land stattfinden.

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