Länderprofil Nordkorea

Nordkorea

2
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Nordkorea
Hauptreligion
Juche-Ideologie
Offizielle Staatsform
Diktatur mit sozialistischem Einparteiensystem
Platz Vorjahr
1
Karte Nordkorea
Christen
0,40
Bevölkerung
25.95
Kommunistische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 13.100

Länderprofil Nordkorea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 2 / 96 Punkte (WVI 2021: Platz 1 / 94 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

In Nordkorea gibt es keine Religions- oder Glaubensfreiheit. Das Regime hat ein wachsames Auge auf alle Bürger. Wenn Christen entdeckt werden, werden sie und ihre Familien als politische Verbrecher in Arbeitslager deportiert oder auf der Stelle getötet. Treffen mit anderen Christen sind daher fast unmöglich und können nur unter strengster Geheimhaltung unternommen werden.

Das neue „Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut“ führt die Bibel unter den in Artikel 28 genannten verbotenen Büchern. Das zeigt, dass der Staat den christlichen Glauben immer noch als große Gefahr ansieht.

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Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Nordkorea ist seit der Unabhängigkeit 1945 kommunistisch. Es wurde schnell klar, dass das Land nicht von einer kollektiven Führung regiert werden würde, sondern von einem einzigen Mann: Kim Il Sung. Bis heute ist der sogenannte „Kimilsungismus“, die Anbetung der Herrscherfamilie, vorherrschend. 1994 starb Kim Il Sung und wurde von seinem Sohn Kim Jong Il beerbt. Seit dessen Tod 2011 herrscht sein Sohn Kim Jong Un. Kim Jong Un hat alle Schlüsselpositionen des Landes inne, was ihm die Kontrolle über das Parlament, die Regierung und das Militär ermöglicht. Er will, dass Nordkorea ernst genommen wird, und hat daran gearbeitet, die Raketen- und Nukleartechnologie des Landes voranzutreiben, um die Welt an dessen Existenz zu erinnern. Nach erfolgreichen ballistischen und nuklearen Tests startete Kim Jong Un eine diplomatische Offensive und traf sich mit den Präsidenten Südkoreas, Russlands, Chinas und der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Tatsache, dass sich der chinesische Präsident Xi Jinping zwischen März 2018 und Juni 2019 und damit innerhalb von 15 Monaten fünfmal mit Kim Jong Un traf, zeigt, dass China der wohl engste und einzige Verbündete Nordkoreas ist. Im August 2021 beschlossen die beiden Länder, den 1961 geschlossenen Freundschaftsvertrag um weitere zwanzig Jahre zu verlängern.

Das erste Treffen zwischen einem nordkoreanischen Staatsoberhaupt und einem amtierenden US-Präsidenten fand im Juni 2018 in Singapur statt, gefolgt von einem weiteren Treffen in Hanoi im Februar 2019. Die Ergebnisse waren minimal. Im Juni 2019 betrat Donald Trump als erster US-Präsident seit dem Koreakrieg nordkoreanischen Boden. Kurzfristig fand ein Treffen zwischen Präsident Trump, Kim Jong Un und dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In statt. Nach dem Treffen wurde angekündigt, dass die Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm und die Aufhebung der internationalen Sanktionen wieder aufgenommen werden sollten. Bis heute hat aber noch kein Folgetreffen stattgefunden.

Die Covid-19-Pandemie veranlasste Nordkorea, seine Grenzen zu China und Russland zu schließen. Dies schadete nicht nur der ohnehin angeschlagenen Wirtschaft, sondern stoppte auch den grenzüberschreitenden Verkehr und die Kommunikation. Offiziellen Angaben zufolge hat Nordkorea noch immer keine einzige Covid-19-Infektion im Land verzeichnet – eine Behauptung, der medizinische Experten kein Vertrauen schenken. Es besteht die Gefahr einer schwerwiegenden Nahrungsmittelknappheit. Dies lässt befürchten, dass sich eine Situation ähnlich der Hungersnot in den 1990er-Jahren entwickeln könnte. Damals hatten Hunderttausende Nordkoreaner die Grenze nach China überquert, um Nahrung zum Überleben zu finden. Doch eine genaue Bewertung der Lage ist unmöglich, da nun die meisten Diplomaten und Mitarbeiter internationaler Organisationen das Land verlassen haben. In einem auf den Oktober 2021 datierten Bericht des UN-Sonderberichterstatters für Menschenrechte in Nordkorea heißt es, dass aufgrund der streng abgeriegelten Grenze zu China die Hungersnot eine reale Gefahr darstelle. Theoretisch sind Frauen und Mädchen in Nordkorea gesetzlich vor geschlechtsspezifischer Ungleichbehandlung geschützt. Vergewaltigung, Menschenhandel, sexueller Missbrauch und häusliche Gewalt sind illegal. Dennoch ist Gewalt gegen Frauen weitverbreitet. Der Wehrdienst ist für Männer wie Frauen verpflichtend.

Die vorgeschriebene Staatsreligion besteht aus dem Kimilsungismus und der „Juche-Ideologie“. Die Juche-Ideologie besagt im Kern, dass der Mensch sich selbst genügt und sich nur auf sich selbst verlassen sollte. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen wöchentlich an Sitzungen zur sogenannten „Selbstkritik“ teilnehmen und mehr als hundert Seiten ideologisches Material auswendig lernen. Es sind keine zuverlässigen Daten zur Religionszugehörigkeit verfügbar. Es gibt Anhänger des Buddhismus und des Konfuzianismus, deren Philosophien eine innerliche Befolgung begünstigen, wodurch diese leichter unbemerkt bleiben können. Der christliche Glaube wird als gefährliche ausländische Religion angesehen, die bekämpft werden muss. Christen und ihre Nachkommen werden als „feindlich“ eingestuft. Viele Christen flohen während des Koreakriegs (1950–1953); Zehntausende wurden getötet, inhaftiert oder in abgelegene Gebiete verbannt. Die heutigen Christen Nordkoreas sind entweder Nachkommen von Christen aus der Zeit vor dem Koreakrieg oder gehören zu den Zehntausenden, die während der nordkoreanischen Hungersnot in den 1990er-Jahren nach China reisten und dort in chinesischen Kirchen zum Glauben fanden.

Wirtschaftlich hat Nordkorea mit Sanktionen zu kämpfen. Die Aufhebung dieser Sanktionen ist immer schon das zentrale Ziel der nordkoreanischen Diplomatie gewesen. Die Entsendung von Gastarbeitern in andere Länder stellte eine wichtige wirtschaftliche Maßnahme dar, doch die Covid-19-Pandemie verhinderte dies und heute nehmen weniger Länder solche Gastarbeiter auf. Bildung ist Pflicht; das Land hat Berichten zufolge eine der höchsten Alphabetisierungsraten der Welt. Jungen und Mädchen erhalten unterschiedliche Lehrpläne – orientiert an den traditionellen Geschlechterrollen. Der informelle Sektor wächst, vor allem in größeren Städten. Im Februar 2021 beschloss der Kongress der herrschenden „Partei der Arbeit Koreas“ (PdAK) jedoch, diesen bis dahin lax regulierten Sektor zu zügeln und die staatliche Kontrolle wieder zu stärken, was zu einer Rezentralisierung der Wirtschaftspolitik führen wird.

Beeinflusst vom Konfuzianismus hat Nordkorea ein soziales Klassifizierungssystem namens „Songbun“ entwickelt, in dem jeder Bürger und jede Bürgerin in eine von drei Klassen eingeteilt wird: den Kern (28 Prozent der Gesellschaft), die Schwankenden (45 Prozent) und die Feindlichen (27 Prozent). Christen und ihre Nachkommen werden als feindlich eingestuft. Frauen sind in der Gesetzgebung gleichgestellt, werden aber in der Praxis als dem Mann untergeordnet betrachtet. Nur schätzungsweise einige Zehntausend Menschen in Nordkorea haben einen Internetzugang, und jeder einzelne wird sorgfältig ausgewählt und überwacht.

Die Atomwaffenfähigkeit Nordkoreas ist zwar umstritten, führt aber zu internationalen Spannungen, insbesondere für das benachbarte China. Der UN-Sicherheitsrat hat sich auf strenge Wirtschaftssanktionen geeinigt, obwohl es Anzeichen dafür gibt, dass China die Einhaltung der Sanktionen gelockert hat. Die verstärkte Zusammenarbeit zwischen dem nordkoreanischen Geheimdienst und der chinesischen Polizei hat dazu geführt, dass immer mehr aus Nordkorea entkommene Personen (in der Regel Frauen) identifiziert und zwangsweise nach Nordkorea zurückgeschickt werden. Berichten zufolge infiltrieren Agenten des nordkoreanischen Geheimdienstes auch Kirchen in China. Die chinesische Regierung geht außerdem gegen koreanische Staatsbürger in China vor sowie gegen Chinesen, die ethnische Koreaner sind. Das wirkt sich auf nordkoreanische Flüchtlingsnetzwerke aus. Open Doors schätzt, dass sich zehntausende Christen in Arbeitslagern in Nordkorea befinden. In einem UN-Bericht aus dem Jahr 2020 wird auf Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen in diesen Lagern hingewiesen, zu denen sexuelle Gewalt, erzwungene Nacktheit, Vergewaltigungen und Zwangsabtreibungen gehören. Christliche Männer erleben in den Arbeitslagern vor allem körperliche Gewalt und Misshandlungen. Mehreren Quellen zufolge ist die Zahl der Häftlinge in den politischen Gefangenenlagern seit März 2020 um mindestens 20.000 gestiegen. Dies könnte mit den Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie in Verbindung stehen, aber auch auf das neue „Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut“ zurückzuführen sein.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

400.000

1,5

Muslime

2.669

0,0

Buddhisten

387.436

1,5

Anhänger ethnischer Religionen

3.064.892

11,8

Atheisten

3.899.065

15,0

Agnostiker

14.951.852

57,6

Andere

3.243.686

12,5

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Im klassischen Sinne gibt es in Nordkorea keine regionalen Brennpunkte der Verletzungen von Religionsfreiheit. Die verschiedenen Formen von Gefangenenlagern und Kontrollzonen können jedoch als Bereiche angesehen werden, in denen Christen mit den größten Schwierigkeiten konfrontiert sind. Berichten zufolge hat Kim Jong Un das System der Gefangenenlager erheblich erweitert.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Kommunistische Unterdrückung

Obwohl Nordkorea vom Personenkult um seine Führer dominiert wird, unterliegt das Land immer noch kommunistischen Gebräuchen und gesellschaftlicher Kontrolle. Religion wird als gefährlich angesehen, und Christen gehören nach dem Songbun zur feindlichen Klasse.

Diktatorische Paranoia

Der gottgleiche Status der Führer beherrscht die Gesellschaft. Kim Jong Un änderte den National-Eid, um die Verweise auf die Errungenschaften seines Vaters und Großvaters zu kürzen und seine eigenen hervorzuheben. Im Jahr 2020 hat Kim Jong Un seinen Vater oder Großvater zu mehreren Anlässen nicht gewürdigt und sogar den Besuch ihrer „Schreine“ am „Tag der Sonne“, dem höchsten Feiertag des Landes, ausgelassen. Dies zeigt, wie sehr er seine Macht gefestigt hat. Die anhaltenden Spekulationen über den Gesundheitszustand von Kim Jong Un zeigen ebenfalls, welch einzigartige Position der Staatschef innehat.

Die Hauptverantwortlichen für die Verfolgung von Christen sind Regierungsbeamte und die PdAK, gefolgt von Bürgern und der eigenen Großfamilie.

Das höchste Ziel der Behörden ist das Überleben des Landes und seines Anführers. Die PdAK gewann an Bedeutung, seit Kim Jong Un beschlossen hat, die frühere „Militär zuerst“-Politik zu ändern. Bürger werden deshalb zu Verfolgern, weil Nachbarn Ausschau nach verdächtigem Benehmen halten, um es den Behörden zu melden. Dabei handeln sie oft nicht aus eigener Überzeugung, sondern aus einer Mischung von ständiger Gehirnwäsche und Angst vor Konsequenzen. Es gibt sogar Fälle, in denen die eigenen Verwandten einen Christen verraten, weshalb die Christen umso mehr ihren Glauben im Geheimen praktizieren.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Christen haben ihre Wurzeln in der Zeit vor dem Koreakrieg (1950–1953). Viele Christen kamen entweder im Krieg um oder flohen in den Süden, doch andere blieben. Sie und ihre Nachkommen (mittlerweile in der dritten oder vierten Generation) bilden diese traditionellen Gemeinden. Im bereits erwähnten Songbun-System werden diese Christen nicht nur als feindlich eingestuft, es gibt für sie sogar zwei Unterklassen: die „37“ für protestantische Christen und die „39“ für katholische Christen – diesen Unterklassen gehören vor allem Christen an, von denen bekannt ist, dass ihre Eltern oder Großeltern Christen waren. Als Strafe dafür, das falsche Songbun zu haben, wurden die meisten von ihnen in abgelegene Dörfer verbannt. Nur wenigen dieser traditionellen Gemeinschaften ist es gelungen, ihren Glauben zu verbergen und Untergrundkirchen zu bilden. Aufgrund des Prinzips der Sippenhaft sind die Nachkommen dieser Christen mit unüberwindbaren gesellschaftlichen Hindernissen und anderen Hürden konfrontiert und werden misstrauisch beobachtet.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Christen haben einen kommunistischen Hintergrund oder folgten früher dem Kimilsungismus. Viele von ihnen kamen in den 1990er-Jahren zum Glauben, als während der großen Hungersnot unzählige Nordkoreaner die Grenze zu China überquerten und in chinesischen Kirchen Hilfe fanden. Viele überquerten die Grenze auch nach dem Jahr 2000, jedoch ist ihre Zahl deutlich geringer. Nachdem sie nach Nordkorea zurückgekehrt waren, blieben sie ihrem neu gefundenen Glauben treu und teilten diesen mit vertrauenswürdigen Familienmitgliedern und Freunden.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.7
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.7
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 13.1

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Polizei und Agenten des Geheimdienstes durchsuchen Wohnungen ohne Vorwarnung. Finden sie christliche Materialien, wird dies als Verbrechen gegen die Nation behandelt und die gesamte Familie kann verbannt, verhaftet oder hingerichtet werden. Wer mit einem nicht registrierten Smartphone oder Radio auf nicht genehmigte Medien zugreift, wird bestraft. Christen trauen sich nur nachts, unter Decken versteckt, christliche Radioprogramme zu hören. Die Bürger sind dazu aufgefordert, jeden zu melden, der ein Feind des Regimes sein könnte – auch Familienangehörige. Lehrer ermutigen die Schüler dazu, ihre Eltern zu denunzieren, wenn sie bei ihnen ein Verhalten sehen, das dem widerspricht, was sie in der Schule gelernt haben. Wegen dieser Gefahr warten christliche Eltern oft, bis ihre Kinder Teenager sind, bevor sie mit ihnen über ihren Glauben sprechen.

Familienleben

Taufen können nicht öffentlich durchgeführt werden. Dies würde zu Gefängnis oder Hinrichtung führen. Den Glauben mit den eigenen Kindern zu teilen, ist sehr riskant. Christen versuchen, biblische Geschichten zu erzählen, indem sie sie als Märchen tarnen. Wird ein Christ entlarvt und hat der nichtchristliche Ehepartner Eltern in hochrangigen Positionen, können diese versuchen, das Paar gewaltsam zu scheiden und alle Aufzeichnungen über die Beziehung zu löschen, berichten einige nordkoreanische Flüchtlinge; andernfalls wird die gesamte Familie aufgrund des Prinzips der Sippenhaft verhört und inhaftiert. Der Kimilsungismus ist vom Kindergarten bis zur Hochschule das wichtigste Fach. Und selbst in einem Promotionsstudienplan für ein Gebiet wie Kernphysik sind 30 Prozent dem Studium der Juche-Ideologie vorbehalten. Der christliche Glaube wird als subversive Ideologie der amerikanischen Imperialisten dargestellt, und alle Christen werden als Verräter an der Nation und als Spione betrachtet.

Gesellschaftliches Leben

Nordkorea wendet „Inminban“ an, das kommunistische System der Nachbarschaftswache. Alles, was in einem Häuserblock geschieht, wird den Behörden berichtet. Willkürliche Verhöre durch die Polizei oder den Geheimdienst sind für alle Bürger an der Tagesordnung. Eines der Ziele dabei ist die Entdeckung von Christen, die dann hingerichtet oder in Gefangenenlager oder abgelegene Bergregionen geschickt werden. Einem Experten zufolge fürchten Geflohene aus Nordkorea insbesondere die Verhöre und die damit verbundene Folter, sollten sie zwangsweise zurückgeführt werden. Wer christliche Verwandten hat, wird streng überwacht und daran gehindert, eine gute Ausbildung zu erhalten oder der Armee oder der PdAK beizutreten. Alle Nordkoreaner müssen sich auf dem Weg zur und von der Arbeit oder Schule vor Statuen verbeugen und an Praktiken wie Selbstkritiksitzungen und nationalen Zeremonien teilnehmen.

Leben im Staat

Das neue Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut besagt in Verbindung mit Artikel 68 der Verfassung, dass die Bürgerinnen und Bürger „Glaubensfreiheit haben“, dass aber „niemand die Religion als Vorwand nehmen darf, fremde Mächte herbeizuziehen oder dem Staat und der sozialen Ordnung zu schaden“. Die Staatsmedien verbreiten christenfeindliche Inhalte, in denen Christen als üble Verräter der Nation dargestellt und missionarische Aktivitäten als „terroristische Akte“ bezeichnet werden. Christen werden willkürlich verhaftet und ohne Gerichtsverfahren bestraft. Selbst ausländischen Christen, die vor Gericht standen, verweigerte man die Gleichbehandlung und sie wurden in lange andauernder willkürlicher Haft gehalten.

Kirchliches Leben

Alle kirchlichen Aktivitäten sind in Nordkorea illegal, außer die Gottesdienste in den offiziellen Kirchen in Pjöngjang, die von Touristen besucht werden können und als „Beweis“ für die Religionsfreiheit im Land dienen sollen. Es gab Fälle, in denen Untergrundkirchen entdeckt und Christen in Arbeitslager gebracht oder hingerichtet wurden; aus Sicherheitsgründen können aber keine detaillierteren Angaben gemacht werden. Das Regime ist vor allem daran interessiert, Leiter ausfindig zu machen, sie zu bestrafen und sie über den Rest ihres Netzwerks zu befragen. Das Gepäck von Touristen wird bei der Ein- und Ausreise kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie nur eine Bibel für den persönlichen Gebrauch mitbringen und diese auch nicht in Nordkorea zurücklassen. Die Einfuhr und Herstellung von christlichen Materialien sind verboten. Laut dem Weißbuch zur Menschenrechtslage in Nordkorea 2021, herausgegeben vom „Koreanischen Institut für Nationale Vereinigung“, gibt es immer häufiger öffentliche Hinrichtungen allein wegen des Besitzes der Bibel. Die Verteilung von Bibeln wird bisher allerdings meist härter bestraft als ihr Besitz. Nordkoreaner können das Land nicht ohne Genehmigung der Regierung verlassen, weshalb ihnen die Teilnahme an Konferenzen oder Treffen mit anderen Christen im Ausland nicht möglich sind.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine konkreten Beispiele genannt werden.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

2

96,48

2021

1

94,44

2020

1

94,44

2019

1

94,26

2018

1

93,89

Seit 2002 stand Nordkorea jedes Jahr auf Platz 1 des Weltverfolgungsindex. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Punktzahl auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex sogar um zwei Punkte erhöht. Der Druck in allen Lebensbereichen verbleibt auf der maximal möglichen Punktzahl. Mit dem neuen Gesetz gegen reaktionäres Gedankengut, das möglicherweise auch auf dem Hintergrund der geleugneten Existenz der Covid-19-Pandemie im Lande erlassen wurde, stieg die Zahl der verhafteten Christen und der geschlossenen Hauskirchen. Durch den Anstieg des Wertes im Bereich Gewalt stieg auch die Gesamtpunktzahl an. Diese verschlechterte Situation in Nordkorea und die noch nie dagewesene Punktzahl von 96,4 wurde jedoch von den Entwicklungen in Afghanistan in den Schatten gestellt, sodass die beiden Länder die Plätze auf dem Weltverfolgungsindex getauscht haben.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Zehntausende nordkoreanische Christinnen und Christen sitzen wegen ihres Glaubens in Arbeitslagern, wo weibliche Gefangene Opfer von sexueller Gewalt und Vergewaltigung werden. Schätzungsweise 80 Prozent aller aus Nordkorea Geflohenen sind Frauen; viele von ihnen, die nach China fliehen, werden Opfer von Menschenhandel. Angesichts der in letzter Zeit verbesserten Beziehungen zwischen Nordkorea und China hat sich die Zusammenarbeit zwischen dem nordkoreanischen Geheimdienst und der chinesischen Polizei verstärkt, was zu vermehrten Rückführungen nordkoreanischer Geflüchteter geführt hat. Darüber hinaus ist seit 2014 der Militärdienst für Frauen obligatorisch. Das Militär ist ein notorisch kontrollierendes Umfeld, das jede religiöse Praxis ablehnt.

Männer: Die patriarchalische Gesellschaft Nordkoreas hat zur Folge, dass sich die staatliche Überwachung der Bevölkerung besonders auf die männlichen Haushaltsvorstände konzentriert. Alle männlichen Erwachsenen müssen eine von der Regierung zugewiesene Arbeit ausüben. Sie müssen ihre Anwesenheit am Arbeitsplatz bestätigen und dürfen ihre Arbeit nicht aus privaten Gründen unterbrechen. Diejenigen, die eine erkennbare Verbindung zum christlichen Glauben haben, werden – sofern die Verbindung entfernt genug ist und sie überhaupt zu den Positionen zugelassen werden – auf die untersten Positionen im Militär (der Wehrdienst beträgt für Männer zehn Jahre), in den Universitäten und am Arbeitsplatz verwiesen, und ihnen wird die Mitgliedschaft in der Partei verweigert. Männer in den Arbeitslagern erleben zudem körperliche Gewalt und Misshandlungen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auch wenn die Huldigung der nordkoreanischen Herrscher theoretisch keinen Raum für Religion im Allgemeinen zulässt, ist bekannt, dass es Anhänger des Buddhismus und Konfuzianismus im Land gibt. Diese Religionen gehören jedoch zum asiatischen kulturellen Selbstverständnis und können insgeheim ausgeübt werden.

„Abergläubische Aktivitäten“ (was letztlich „Wahrsagerei“ bedeutet) sind offiziell verboten. Nichtregierungsorganisationen berichten jedoch von einer Zunahme dieser Praktiken, beispielsweise bei der Planung einer Hochzeit oder vor einem Geschäftsabschluss. Der US-amerikanische Radiosender Radio Free Asia berichtete von drei Frauen aus der Provinz Hamgyong-pukto, die der Wahrsagerei für schuldig befunden wurden. Zwei von ihnen wurden als Warnung für andere Bürger öffentlich hingerichtet, die dritte wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Laut dem Bericht der US-Kommission für Internationale Religionsfreiheit (USCIRF) von 2020 berichteten Nichtregierungsorganisationen, dass die Behörden weiterhin Maßnahmen gegen die Ausübung von Schamanismus und „abergläubischen“ Aktivitäten ergriffen, einschließlich Inhaftierungen. Im September 2019 veröffentlichte eine Nichtregierungsorganisation in den sozialen Medien ein Regierungsvideo, in dem Christen als „religiöse Fanatiker“ und „Spione“ dargestellt und Konvertiten als „wertlose Menschen“ bezeichnet wurden. Es gibt auch Berichte über die Verletzung der Rechte der „Falun-Gong-Bewegung“. Das erfreut die chinesische Regierung, die bekannt dafür ist, hart gegen Falun-Gong-Anhänger vorzugehen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nordkorea:

  • Beten Sie für Christen, die sich heimlich treffen, für Christen, die im Gefängnis sind, und für die Familien von Christen, die verhaftet oder getötet wurden. Bitten Sie darum, dass Jesus Christus sie spürbar stärkt und ermutigt.
  • Beten Sie für Kim Jong Un und die anderen Anführer des nordkoreanischen Regimes. Bitten Sie Gott, dass er ihr Gewissen wachrüttelt und sie Buße tun.
  • Die Netzwerke von Open Doors in China sind notwendig, um die nordkoreanische Kirche am Leben zu erhalten. Doch der Weg nach und aus China ist extrem gefährlich. Beten Sie um Erfolg und um Schutz der nordkoreanischen Christen, die diese riskanten Wege auf sich nehmen.