Weltverfolgungsindex 2026

Tschad

Christenverfolgung im Tschad

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Der Tschad ist ein instabiles und zunehmend autokratisches Land. In diesem Umfeld sind Christen, insbesondere Konvertiten und Angehörige kleinerer christlicher Konfessionen, vielfältigen Formen der Verfolgung ausgesetzt, da sie oft als Verbündete der „anderen Seite“ und des Auslands betrachtet werden. Sie werden schikaniert, überwacht und unterdrückt.

Islamisch-extremistische Gruppen wie Boko Haram und der „Islamic State – West Africa Province“ („Islamischer Staat in der Provinz Westafrika“, ISWAP) sind im Tschadbecken aktiv. Sie greifen christliche Dörfer an, brennen Kirchen nieder und entführen Christen, insbesondere in ländlichen Gebieten mit begrenztem staatlichem Schutz. Die Gewalt schürt Angst und Unsicherheit und trägt zur religiösen Polarisierung des Landes bei.

Der Wahhabismus – eine besonders strenge Form des Islam – ist trotz eines Verbots durch die Regierung auf dem Vormarsch. In islamisch geprägten Regionen sind christliche Konvertiten, die den Islam verlassen haben, besonders gefährdet. Sie sehen sich oft gezwungen, ihren neuen Glauben im Geheimen zu praktizieren, um gewalttätige Reaktionen ihrer Familien oder ihres sozialen Umfelds zu vermeiden.

Obwohl die Verfassung eigentlich Religionsfreiheit zusichert, weigern sich lokale Behörden häufig, einen Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben anzuerkennen. Außerdem stellt die vorgeschriebene Registrierung aller Kirchen eine weitere Schwierigkeit für Christen bei der freien Ausübung ihres Glaubens dar. Zusammengefasst sorgen diese Dynamiken für ein Klima der Angst und Ausgrenzung für Christen im gesamten Tschad.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen im Tschad sind durch eine feindselige Haltung gegenüber Andersdenkenden gekennzeichnet. Meinungs- und Versammlungsfreiheit werden eingeschränkt, die Vetternwirtschaft grassiert, und freie und faire Wahlen gibt es nicht. Die Bevölkerung des Tschad ist ständig von Armut und Naturkatastrophen bedroht. Über 42 Prozent der Menschen leben unterhalb der nationalen Armutsgrenze.

Idriss Déby übernahm im Jahr 1990 durch einen Putsch die Macht und blieb für fünf Amtszeiten der Präsident des Landes. Im Jahr 2021 wurde er getötet. Sein Sohn Mahamat Idriss Déby Itno übernahm die Macht, zunächst übergangsweise für einen Zeitraum von 18 Monaten. Danach sollten freie und faire Wahlen stattfinden. Doch der Übergang zu einer Zivilregierung wurde 2022 um weitere zwei Jahre verzögert und aufkommende Proteste dagegen wurden vom Militär gewaltsam niedergeschlagen, was zu über 100 Toten führte. Erst im Mai 2024 fanden schließlich Wahlen statt, bei denen Mahamat Idriss Déby Itno die Präsidentschaft errang. Auf der einen Seite hat dies dem Tschad ein gewisses Maß an Stabilität gebracht, auf der anderen Seite zeigt sich dadurch, dass der Autoritarismus im Land fortbestehen wird. Die Situation wurde auch dadurch verschärft, dass der wichtigste Oppositionsführer und potenzielle Präsidentschaftskandidat des Tschad, Yaya Dillo Djérou, am 28. Februar 2024 von tschadischen Sicherheitskräften getötet wurde.

Der Tschad liegt in einer Region, die von Instabilität und Konflikten geprägt ist. Gewalttätige dschihadistische Gruppen, mit denen die Nachbarländer zu kämpfen haben, stellen auch den Tschad vor große Herausforderungen und beeinflussen die innere Stabilität des Landes. Dessen konservative Gesellschaft hat zunehmend Angst vor dem wachsenden Einfluss extremistischer Ideologien.

Eigentlich ist der Tschad eine säkulare Republik, doch der Islam ist die vorherrschende Religion und durchdringt die gesamte Gesellschaft. Dies führt dazu, dass einige Tschader Christen als „Ungläubige“ betrachten und sich ihnen gegenüber feindselig und ablehnend verhalten. So sind die ethnischen Gruppen der Araber, Kanembu, Bornu und Buduma mehrheitlich muslimisch und stehen in einem feindlichen Verhältnis zu den mehrheitlich christlichen Volksgruppen der Wadai Bulala, Kobe, Tama, Barma und Mesmedje. Indigene Religionen werden häufig bis zu einem gewissen Grad weiterhin praktiziert, vermischt mit dem Islam und dem christlichen Glauben. In diesem Kontext sind Christen, insbesondere Konvertiten mit muslimischem Hintergrund, zunehmendem Druck ausgesetzt. Sie werden sozial geächtet, bedroht und auch körperlich angegriffen. Kirchen werden streng überwacht, und evangelikale Kirchen haben Schwierigkeiten bei der Registrierung. Im Südwesten haben die Spannungen zwischen christlichen und muslimischen Gemeinschaften zu Gewalt geführt, was zur allgemeinen Unsicherheit und zu wachsendem Misstrauen beigetragen hat.

WeltanschauungenAnhänger%
Christen5.998.00030,9
Muslime11.893.00061,2
Buddhisten3.200< 0,1
Anhänger ethnischer Religionen1.273.0006,6
Bahai223.0001,1
Atheisten3.100< 0,1
Agnostiker25.4000,1
Andere6.900< 0,1

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten Christen leben im Süden des Landes. Dort geraten sie von unterschiedlichen Seiten unter Druck. In den südlichen Grenzregionen Kanem, Salamat, Lac und Sila sind islamisch-extremistische Gruppen wie Boko Haram aktiv und bauen ihr Gebiet aus. In den Provinzen Wadai und Chari-Baguirmi und im Departement Fitri gewinnt der Wahhabismus an Einfluss, was durch wachsenden Druck auf Christen spürbar wird. Darüber hinaus sind christliche Bauern gezielter Gewalt, Landstreitigkeiten und wachsender Feindseligkeit seitens der benachbarten Bevölkerungsgruppen, aber auch durch Gruppen bewaffneter Viehzüchter ausgesetzt, die Angriffe auf christliche Bauern und deren Eigentum verüben. Im Osten des Landes sorgen außerdem sudanesische und örtliche Rebellengruppen für Unsicherheit. In den zentralen Landesteilen stehen die Kirchen unter Druck vonseiten Anhängern der traditionellen afrikanischen Religionen, die der Verkündigung des Evangeliums durch die Kirchen mit Widerstand begegnen.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Im Tschad gibt es nicht eine einzelne, zentralisierte Organisation, die das Land islamisieren will, doch der Einfluss des islamischen Extremismus ist allgegenwärtig spürbar. Im Südwesten, nahe der sudanesischen Grenze, und in den nördlichen Regionen, wo dschihadistische Ideologien stark verankert sind, ist die islamistische Unterdrückung besonders stark. Zahlreiche Schulen, Universitäten und wahhabitisch ausgerichtete Moscheen werden eingerichtet, um islamisch-extremistische Ideologien zu verbreiten. Dies hat dazu geführt, dass bestimmte Teile der Bevölkerung immer extremeren Tendenzen anhängen, was ein zunehmend feindseliges Umfeld für Christen schafft, besonders für Konvertiten aus dem Islam. Christen werden überwacht, geächtet, bedroht und Opfer von Gewalt. Die Präsenz und die Aktivitäten extremistischer Gruppen wie Boko Haram in der Region verstärken diese islamische Unterdrückung noch – sodass diese zur vorherrschenden Triebkraft der Verfolgung im Tschad geworden ist.

Diktatorische Paranoia

Der ehemalige Präsident Idriss Déby nutzte religiöse und ethnische Ressentiments aus, um seine Macht zu festigen und die Opposition zum Schweigen zu bringen. Sein autoritäres Regime unterdrückte abweichende Meinungen und schränkte die politischen Freiheiten ein. Mahamat Idriss Déby Itno übernahm die Macht in einer Art Staatsstreich. Damit umging er den Übergangsprozess, den die Verfassung nach dem Tod seines Vaters Idriss Déby im April 2021 vorgesehen hätte. Unter seiner Herrschaft werden die bürgerlichen Freiheiten stark eingeschränkt, so etwa die Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Religionsfreiheit und sogar das Einlegen von Rechtsmitteln. Christen, die das Regime kritisieren oder als Anhänger ausländischer Ideologien gelten, werden häufig schikaniert und von staatlicher Seite eingeschüchtert.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Der Tschad zählt zu den korruptesten Staaten der Welt und erreichte im Jahr 2024 auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International gerade einmal 21 von 100 Punkten. Dieser Wert offenbart die weitverbreitete Korruption und die fehlende Rechtsstaatlichkeit im Tschad. Für Christen äußert sich Korruption in Erpressung, Landraub und willkürlicher Inhaftierung. Diese Gesetzlosigkeit bietet einen fruchtbaren Boden für dschihadistische Aktivitäten und für das organisierte Verbrechen, welche die Religionsfreiheit ernsthaft beeinträchtigen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Der Nordosten des Tschad, genauer die Provinzen Ennedi Est und Ennedi Ouest (früher: Region Ennedi), ist die Heimat der Zaghawa, einer Ethnie, zu der auch die Präsidentenfamilie Déby gehört. In dieser Gegend erleben Christen häufig Verfolgung aufgrund ethnischer Differenzen. Im Süden, wo traditionelle afrikanische Religionen vorherrschen, oder innerhalb ihrer eigenen ethnischen Gruppe werden Christen häufig gezwungen, an traditionellen Ritualen teilzunehmen – wenn sie sich weigern, werden sie unter Druck gesetzt oder geächtet.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die römisch-katholische Kirche und die griechisch-orthodoxe Kirche sind die beiden wichtigsten traditionellen Kirchen im Tschad. In den Provinzen Wadai und Salamat verweigerte man der römisch-katholischen Kirche den Zugang zu Land, das für den Kirchen- und Krankenhausbau erworben worden war. Außerdem gibt es Kirchen evangelischer Tradition, wie etwa die methodistische Kirche. Diese werden bei ihren evangelistischen Aktivitäten eingeschränkt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Im Osten und Norden des Tschad sehen sich Christen mit muslimischem Hintergrund gezwungen, ihren Glauben zu verbergen und ihn nur im Geheimen zu praktizieren, aus Angst vor Verfolgung und Verstoßung durch ihre Familienangehörigen. Im südlichen Teil des Landes gibt es außerdem eine beträchtliche Anzahl christlicher Konvertiten, die früher Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen waren. Sie werden in ihrem sozialen Umfeld erheblich unter Druck gesetzt, an traditionellen religiösen Riten teilzunehmen, die ihrem christlichen Glauben widersprechen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

In einigen Teilen des Tschad sind pfingstkirchliche und charismatische Gemeinden tätig. Diese Gemeinden werden im Allgemeinen als „Sekten“ betrachtet. Ihre Mitglieder werden von ihrem sozialen Umfeld und von der Gemeinschaft unter Druck gesetzt und beleidigt.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 11
Familienleben 8.2
Gesellschaftliches Leben 10.2
Leben im Staat 9.9
Kirchliches Leben 10.3
Auftreten von Gewalt 16.1

Privatleben

In islamisch geprägten Regionen sehen sich christliche Konvertiten oft gezwungen, ihren Glauben im Geheimen zu praktizieren. Das offene Bekenntnis zum christlichen Glauben oder der Besitz christlicher Materialien und Literatur wie einer Bibel kann zu verbalen Drohungen, Gewalt oder Vertreibung aus dem Elternhaus führen. Christliche Konvertiten riskieren, enterbt, von finanzieller Unterstützung abgeschnitten oder von ihren eigenen Verwandten körperlich angegriffen zu werden. Aus Angst, dass ihr neuer Glaube entdeckt wird, meiden viele Konvertiten christliche Versammlungen, kommunizieren mit anderen Christen nur in verschlüsselter Sprache und beschränken ihre Glaubensausübung auf den privaten Bereich. In einigen Fällen melden sogar Nachbarn christlichen Konvertiten bei den lokalen Behörden oder religiösen Leitern und setzen sie damit weiterer Gefahr aus.

Familienleben

In vielen mehrheitlich muslimischen Haushalten, insbesondere in den nordöstlichen und den östlichen Provinzen, verbergen christliche Konvertiten ihren Glauben, um starkem familiären Druck, psychischer Misshandlung oder erzwungener Konversion zum Islam zu entgehen. Konvertitinnen sind besonders gefährdet; häufig werden sie zur Heirat mit einem Muslim gezwungen. Kindern von Konvertiten kann von Mitgliedern der Großfamilie die Praktizierung des christlichen Glaubens oder allein das Lernen darüber untersagt werden. Familienmitglieder können mit Erbschaftsverlust, Scheidung oder dem Verlust des Sorgerechts drohen, um christliche Konvertiten zu kontrollieren oder um eine Hinwendung zum christlichen Glauben zu unterbinden.

Gesellschaftliches Leben

Im Südwesten werden Christen von bewaffneten Gruppen vertrieben und ihr Eigentum wird zerstört und verbrannt. Junge Imame schaffen eine Atmosphäre der Angst, die christliche Konvertiten islamischer Herkunft einschüchtert. Es ist bekannt, dass in den nördlichen Gebieten des Tschad lokale islamische Beamte Christen diskriminieren. Sie schränken etwa den Zugang zu grundlegenden staatlichen Dienstleistungen für Christen, insbesondere für Konvertiten, ein. In mehrheitlich muslimischen Dorfgemeinschaften und Nachbarschaften werden Personen, die als Christen und insbesondere als christliche Konvertiten bekannt sind, von ihren Nachbarn und der Gesellschaft geächtet.

Leben im Staat

Obwohl die Verfassung eigentlich Religionsfreiheit zusichert, weigern sich lokale Behörden häufig, einen Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben anzuerkennen, etwa dann, wenn Personen ihren muslimischen Namen ablegen und einen christlichen annehmen wollen. Diese Weigerung bringt mitunter erhebliche Probleme für christliche Konvertiten mit sich. Denn sie können folglich daran gehindert werden, offizielle Dokumente zu aktualisieren und dort ihre neue Religionszugehörigkeit eintragen zu lassen. Christen werden außerdem daran gehindert, staatliche Ämter zu übernehmen, weil man von ihnen verlangt, dazu einen öffentlichen religiösen (islamischen) Eid abzulegen.

Kirchliches Leben

Die Versammlungsfreiheit wird eingeschränkt, indem von allen Kirchen eine Registrierung gefordert wird. Diese ist nur sehr schwer zu erhalten, besonders für protestantische Freikirchen. Außerdem wird der Kirchenbau durch Auflagen begrenzt. Zudem sind christliche Zusammenkünfte häufiges Ziel von Schikanen und Angriffen. In ländlichen Gebieten ist es oft die Angst vor Überwachung und Gewalt, die Christen davon abhält, Gottesdienste zu besuchen. Besonders christliche Konvertiten können ihren Glauben daher kaum in Gemeinschaft praktizieren.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

 

  • Lokalen Quellen von Open Doors zufolge wurden im Juni 2025 mehrere christliche junge Erwachsene, die in N'Djamena auf der Straße das Evangelium verkündeten, verhaftet und der Spionage beschuldigt. Sie wurden bis August 2025 festgehalten, schließlich erwirkten Rechtsanwälte ihre Freilassung. Im Mai 2025 kam es in der Provinz Logone Occidental zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen muslimischen Hirten und überwiegend christlichen Bauern. Laut lokalen Berichten und Sicherheitsmeldungen wurden mindestens 35 Menschen getötet – die meisten von ihnen sind christliche Bauern, die bei Angriffen auf Dörfer gezielt ins Visier genommen wurden.
  • Sicherheitskräfte bestätigen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2025 in der Region des Tschadbeckens mindestens fünf Christen von Boko Haram entführt wurden. Überlebende geben an, dass bei nächtlichen Überfällen gezielt christliche Familien ausgesucht werden. Die Entführten werden meist nach Nigeria oder Niger verschleppt – um Lösegeld zu erpressen oder um sie zu indoktrinieren.

 

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

JahrPlatzierungPunktzahl
20264866
20254965
20245661
20236058
20226355

Der Tschad kommt auf dem Weltverfolgungsindex 2026 auf eine Gesamtpunktzahl von 66 Punkten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von einem Punkt. Der leichte Anstieg ist auf eine Zunahme der Gewalt zurückzuführen. Christen im Tschad werden von mehreren Seiten unter Druck gesetzt: Die Behörden bieten kaum Schutz, die Verwaltung vor Ort ist unzuverlässig, und zugleich breiten sich bewaffnete islamistische Kämpfer immer weiter im Gebiet des Tschadbeckens aus. Kirchen werden geschlossen oder sind von Landstreitigkeiten und willkürlichen Regularien betroffen, die ihre Aktivitäten behindern. Im Südwesten und anderen ländlichen Gebieten greifen Gruppen bewaffneter Viehzüchter immer wieder christliche Bauern an. Es kommt zu Landraub, zerstörten Ernten und regelmäßigen Kämpfen, die ganze Dörfer zur Flucht zwingen. Zusammengenommen schaffen diese Bedrohungen ein Umfeld, wo christliches Leben andauernde Vorsicht und Widerstandsfähigkeit erfordert. Besonders schwierig ist die Situation in den Gegenden außerhalb der Hauptstadt N'Djamena. Aufgrund des Einflusses extremistischer Gruppen praktizieren die Christen dort ihren Glauben oft nur im Verborgenen. Die Sicherheitsprobleme des Tschad werden durch seine Nähe zu Ländern mit instabilen Grenzen verschärft. Insbesondere in Lagern für Binnenvertriebene, die sich in Grenzregionen befinden, nehmen die Feindseligkeiten gegenüber Christen immer stärker zu.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Trotz einiger Fortschritte sind Frauen und Mädchen nach wie vor geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sowie destruktiven kulturellen Praktiken und benachteiligenden sozialen Normen. Berichten zufolge wurden christliche Frauen von militanten dschihadistischen Gruppen wie Boko Haram entführt, vergewaltigt und zur Heirat gezwungen. Die Vorfälle ereigneten sich in der Regel in ländlichen Gebieten und in Lagern für Binnenvertriebene. Christinnen mit muslimischem Hintergrund stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Familie und der örtlichen Gemeinschaft; sie laufen Gefahr, zwangsverheiratet oder zwangsgeschieden zu werden und kein Sorgerecht für ihre Kinder zu erhalten. Für Frauen und Mädchen stellt es sich häufig als schwierig heraus, Zugang zu christlichen Zusammenkünften und der damit verbundenen Gemeinschaft zu finden; für ihre Familien ist es ein Leichtes, sie unter Hausarrest zu stellen, um dies zu unterbinden.

Männer

Christliche Männer und Jungen stehen in der Gefahr, bei Angriffen körperlich verletzt, entführt oder getötet zu werden. Militante islamistische Gruppen wie Boko Haram haben in der Vergangenheit christliche Männer und Jungen entführt, sie gezwungen, zum Islam zu konvertieren, und sie gewaltsam als Kämpfer rekrutiert. Der Verlust von christlichen Männern und Jungen kann deren Familien wirtschaftlich ruinieren. Selbst wenn die Männer die Angriffe überleben, sehen ihre Familien sich wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegenüber: Christliche Männer werden am Arbeitsplatz belästigt und erhalten keine Aufstiegschancen. Männliche Konvertiten riskieren zudem Vertreibung, Enterbung und Missbrauch, wodurch sie Armut und sozialer Isolation ausgesetzt werden. In den südlichen Landesteilen werden christliche Jungen immer wieder zur Teilnahme an Initiationsritualen gezwungen, die Berichten zufolge Auspeitschungen, Verbrennungen, sexuelle Demütigungen und Gewalt, Drogenkonsum und Scheinbegräbnisse beinhalten.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Nichtregierungsorganisation Freedom House schreibt in ihrem Länderbericht zum Tschad 2024:

„Der Staat verhängt eine Reihe religiöser Restriktionen, vor allem gegen bestimmte muslimische Gemeinschaften. Diejenigen, die als Förderer von Gewalt gelten, werden verboten, auch wenn nur wenige Beweise für Gewalt vorliegen. Imame unterliegen der Aufsicht des halbstaatlichen ‚Obersten Rates für islamische Angelegenheiten‘, der von einer Gruppe von Imamen geleitet wird, die dem sufischen Tidschaniya-Orden angehören. Das Tragen einer Burka ist per Ministerialerlass verboten. Die Regierung lässt Personen festnehmen, die eine Burka in der Öffentlichkeit tragen.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Tschad:

  • Beten Sie, dass der Einfluss des extremistischen Islam zurückgeht und sich Frieden im Land ausbreitet.
  • Beten Sie um eine politische Veränderung, sodass bürgerliche Freiheiten, insbesondere die Religionsfreiheit, geschützt werden.
  • Beten Sie um Kraft und Glaubensstärke für christliche Konvertiten, die von ihren muslimischen Familien unter Druck gesetzt werden. Beten Sie, dass auch ihre Familien offen für das Evangelium werden.
  • Beten Sie um ein friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Religionen und Ethnien.

Tschad: Informieren und helfen

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

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