Länderprofil Afghanistan

Afghanistan

2
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Afghanistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
2
ISO
AF
Karte Afghanistan
Christen
einige Tausend
Bevölkerung
37.21
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.700
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.700
Leben im Staat: 16.700
Kirchliches Leben: 16.700
Auftreten von Gewalt: 10.000

Länderprofil Afghanistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 2 / 93 Punkte (WVI 2019: Platz 2 / 94 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Alle afghanischen Christen sind Konvertiten aus dem Islam und können ihren Glauben nicht offen leben. Den Islam zu verlassen, wird als Schande angesehen. Wenn ihr Glaubenswechsel entdeckt wird, müssen Christen muslimischer Herkunft mit schlimmsten Konsequenzen rechnen: Sie müssen entweder aus dem Land fliehen oder sie werden getötet. Ihre Familien, ihr Clan oder Stamm müssen sie loswerden, um ihre eigene „Ehre“ zu retten. Weder extremistische Milizen noch die eigene (Groß-)Familie zeigen in dieser Hinsicht Gnade. Konvertiten werden als geisteskrank betrachtet, da sie den Islam verlassen haben. Sie können in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen und ihre Häuser zerstört werden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Es gibt Berichte von einigen Christen, die im Berichtszeitraum getötet wurden, aber aus Sicherheitsgründen können keine Einzelheiten veröffentlicht werden.

Jegliche sichtbaren Äußerungen ihres Glaubenslebens bringen Christen in Gefahr. Da alle Veränderungen, die die Religion betreffen, beobachtet und weitergegeben werden, bedeutet dies oft, dass Konvertiten umziehen müssen, weil der Druck durch die Nachbarschaft und der Einfluss der Taliban und des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) groß sind. Sich auch nur mit anderen Religionen zu beschäftigen oder den Islam möglicherweise verlassen zu haben, kann mit dem Tod bestraft werden – dies hängt von der Familie ab. Christen werden nur Arbeit finden, solange man sie für afghanische Muslime hält. Sobald entdeckt wird, dass sie sich auch nur mit dem christlichen Glauben befassen, etwa indem sie sich im Internet darüber informieren, wird sofort gehandelt, indem man sie indoktriniert, bis sie (und ihre Kontaktpersonen) sich fügen. Das kann Folter einschließen.

Meldungen und Beiträge zu Afghanistan

Weltverfolgungsindex
WVI Top 5 2019

Wo Christenverfolgung am stärksten ist

03:31 Minuten
Nordkorea
Afghanistan

Dies sind die fünf Länder, in den Christen die stärkste Verfolgung erfahren: Nordkorea, Afghanistan, Somalia, Libyen, Pakistan. Erfahren Sie in diesem Video...

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Pressemeldungen Pressemeldungen
Männer vor der Blauen Moschee in Mazar-i-Sharif
Deutschland Afghanistan
BAMF deklariert Konvertiten als „Scheinchristen“ und lehnt sie ab. Der Lagebericht des Auswärtigen Amtes zu Afghanistan vom 31.05.2018 bestätigt die Einschätzung von Open Doors: Konvertiten müssen in dem islamischen Land um ihr Leben fürchten. Deshalb fordert Open Doors Abschiebungsstopp von Konvertiten nach Afghanistan.
Beten für die islamische Welt
Muslime, die Christen wurden, erleben oft heftige Verfolgung. Ihre dringendste Bitte ist die nach unserem Gebet. Mit der Gebetskampagne „Gefährlicher Glaube“ wollen wir auf ihre Bitte antworten.
Nachrichten Nachrichten
Blick auf Kabul
Afghanistan
Im Januar 2018 hat Afghanistan erneut einen der schlimmsten Monate seiner Geschichte in Bezug auf Sicherheit erlebt. Zwischen dem 20. und 29. Januar wurden fünf verheerende Anschläge in Großstädten durchgeführt.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 93 Punkten belegt Afghanistan im Weltverfolgungsindex 2020 erneut Platz 2, fiel aber um einen Punkt gegenüber dem Vorjahr, was auf einen Rückgang des Wertes für „Auftreten von Gewalt“ zurückzuführen ist.

Im aktuellen Berichtszeitraum erlitten Christen in Afghanistan ein ebenso extremes Maß an Verfolgung wie in Nordkorea. In der Wertung unterscheiden sich die beiden Länder lediglich durch eine etwas niedrigere Punktzahl Afghanistans in Bezug auf das Auftreten von Gewalt. Nichtsdestoweniger spiegelt die sehr hohe Punktzahl für Auftreten von Gewalt eine weitere Zunahme der Aktivitäten aufständischer Gruppen wider. Der „Islamische Staat“ (IS) ist als weitere gewaltbereite islamische Miliz in Afghanistan neben den Taliban auf den Plan getreten, letztere kontrollieren auch einen immer größeren Teil des Staatsgebiets. Ein weiterer Grund für die hohe Punktzahl liegt darin, dass (während mindestens der Hälfte des Berichtszeitraums) die Vorbereitungen für die Präsidentschaftswahlen im September 2019 Anlass zu zahlreichen Angriffen gaben. Gleichzeitig verdeutlicht der leichte Rückgang der Gewaltpunktzahl im Vergleich zum Vorjahr, dass es schwieriger geworden ist, detaillierte Berichte aus aufständischen Gebieten zu erhalten – es bedeutet nicht unbedingt, dass weniger Gewalt gegen Christen stattgefunden hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Weder erlaubt die Islamische Republik Afghanistan afghanischen Staatsbürgern, Christen zu werden, noch erkennt sie Konvertiten als solche an. Wechselt jemand seine Religion, wird das als Abfall vom Glauben betrachtet, der Schande über die Familie und die islamische Gemeinschaft bringt. Aus diesem Grund verbergen Konvertiten ihren neugefundenen Glauben so weit wie möglich. Die Taliban und der IS haben ihre Herrschaft über Teile des Landes ausgeweitet. Gemäß einem Bericht vom Juni 2018 des US-Generalinspektors für den Wiederaufbau Afghanistans werden von den 407 Bezirken des Landes 178 Bezirke in 12 Provinzen entweder von den Taliban beherrscht (59 Bezirke) oder beeinflusst (119). Ihr Einfluss nimmt also weiter zu, wie auch die hohe Zahl von Anschlägen und Gefechten mit Regierungstruppen im Kampf um die Vorherrschaft in verschiedenen Provinzen zeigt.

Die neue Führung der Taliban, die noch mehr zu extremistischen religiösen Ansichten neigt, hat die Anstrengungen erhöht, Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch die extreme Gewalt, die durch mit dem IS verbundene Gruppen („Islamischer Staat in der Provinz Khorasan“ = ISKP) verübt wurde, hat dazu geführt, dass die Zahl der vertriebenen oder bei Anschlägen getöteten Menschen sich sogar noch erhöht hat.

Alle afghanischen Christen sind Konvertiten mit muslimischem Hintergrund. Wenn sie entdeckt werden, drohen ihnen seitens ihrer Familie, Freunde und der Gesellschaft Diskriminierung und Feindseligkeit bis hin zur Ermordung. Höchstwahrscheinlich werden islamische Führungspersönlichkeiten wie Imame die Anstifter sein, und auch die lokalen Behörden können darin verwickelt sein. Laut einer Umfrage, die im November 2017 veröffentlicht wurde, haben die Bürger Afghanistans das stärkste Vertrauen in ihre religiösen Führer und in die Medien – weit stärker als ihr Vertrauen in Politiker. Mehr als 60 Prozent der Befragten sprachen sich dafür aus, dass religiöse Leiter eine größere Rolle in der Politik spielen sollten. In den südwestlichen und östlichen Teilen des Landes betrug der Anteil sogar 75 Prozent.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Der Begriff „Nation“ ist der afghanischen Denkweise fremd. Zuerst kommt die eigene Familie, dann der Clan und dann der Stamm – und all diese sind viel wichtiger als das Land. Die Menschen sind tief darin verwurzelt, sich um ihre Familien, Dörfer und Stämme zu kümmern. Wagt es jemand, sich von seinem Stamm abzuwenden, um etwas Neues und vielleicht sogar Ausländisches anzunehmen, wird großer Druck ausgeübt, um die betreffende Person dazu zu bringen, wieder zu den traditionellen Normen zurückzukehren. Weigert sie sich, wird die Person als Verräter der Gemeinschaft betrachtet und folglich ausgeschlossen. Das trifft auf alle „Abweichungen“ zu, doch ganz besonders, wenn jemand den christlichen Glauben annimmt. Die christliche Religion wird in Afghanistan als westlich betrachtet sowie als feindlich gegenüber der einheimischen Kultur und Gesellschaft und dem Islam. Den Islam zu verlassen, gilt als Verrat. Wie der Länderbericht 2018 der US-Kommission zur internationalen Religionsfreiheit (USCIRF) festhält „blieben die muslimischen Einwohner Entwicklungshilfeprojekten gegenüber argwöhnisch und betrachteten sie oft als heimliche Bemühungen, den christlichen Glauben auszubreiten oder zu missionieren“.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Der Mangel an Exportgütern hat zu einer großen Schieflage in der Handelsbilanz geführt, was das Land in andauernde finanzielle Not gebracht hat. Erstaunliche 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) stammen aus der Schattenwirtschaft. Korruption und Kriminalität sind allgegenwärtig. Davon sind auch Christen betroffen, da sie der einkommensschwachen Bevölkerungsmehrheit angehören. Eines der großen wirtschaftlichen Probleme Afghanistans besteht darin, dass der Anbau von Mohn zur Herstellung illegaler Drogen wie Opium viel lukrativer ist als der Anbau praktisch jeder anderen Kulturpflanze. Näheres dazu findet sich in dem im November 2018 veröffentlichten Bericht „A Drop from Peak Opium Cultivation“ der Vereinten Nationen. Die Taliban sind stark in die Drogenproduktion verwickelt; Schätzungen zufolge landen 70-80 Prozent aller Gewinne aus dem Drogenhandel in ihren Taschen. Die Einkünfte aus dem Mohnanbau finanzieren nicht nur bewaffnete Milizen, sondern heizen auch die Korruption an. Die 2018 durchgeführte Opium-Studie des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die im Juli 2019 veröffentlicht wurde, zeigt folgendes auf: 1. Opium wird neben legalen Nutzpflanzen zunehmend auf dem freien Markt angeboten. 2. Opium wird zu viel höheren Preisen verkauft als jede andere Kulturpflanze und Alternativen sind schwer zu finden. Jeder, der den Drogenbossen im Weg steht, wird einfach aus dem Weg geräumt; eine Praxis, die sich verstärkt hat.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Da Afghanistan laut Verfassung ein islamischer Staat ist, werden alle anderen Religionen als dem Land fremd angesehen und folglich stehen Regierungsbeamte allen Anzeichen des christlichen Glaubens feindlich gegenüber.
  • Anführer ethnischer Gruppen, islamische Leiter und gewalttätige religiöse Gruppen: Ethnische und religiöse Leiter haben mehr Einfluss und Entscheidungsmacht als Regierungsbeamte. Der sich fortsetzende Aufstand der Taliban und inzwischen auch des IS verstärken den Druck auf die Christen, die sich ohnehin verstecken müssen. Wird ihr Glaube entdeckt, müssen sie fast immer mit dem Tod rechnen.
  • Familien: Für die meisten Familien stellt ein Glaubenswechsel eine große Schande dar, und die Familienmitglieder werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Konvertiten zum Islam zurückzubringen oder für die Schande büßen zu lassen.
  • Gewöhnliche Bürger: Was für Familien gilt, kann auch über das erweiterte Umfeld (Nachbarn und Freunde) gesagt werden. Das Verlassen des Islam wird als Ablehnung der afghanischen Kultur und Gesellschaft angesehen und muss aufgehalten werden.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Da Afghanistan in erster Linie nach ethnischen Grundsätzen ausgerichtet ist, hat die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe und einem Stamm oberste Priorität und muss bewahrt und verteidigt werden.
  • Anführer ethnischer Gruppen, islamische Leiter und gewalttätige religiöse Gruppen: Ein afghanischer Bürger wird durch die Zugehörigkeit zu seinem Volk und damit einhergehend häufig von religiöser Zugehörigkeit definiert. Dementsprechend haben Anführer ethnischer Gruppen einen starken Einfluss auf das Volk. Die gleichen Kräfte, die zu „Islamischer Unterdrückung“ führen, sind auch hier aktiv.
  • Gewöhnliche Bürger und die eigene (Groß-)Familie: Wenn jemand sein soziales Umfeld verlässt, beispielsweise indem er seine Religion wechselt und den christlichen Glauben annimmt, gilt er als Abtrünniger, der zurückgebracht werden muss. Gerade diejenigen Verfolger, die bereits in Bezug auf Islamische Unterdrückung genannt wurden, sind auch durch diese Triebkraft motiviert – denn in der afghanischen Kultur werden ethnische und religiöse Identität als ein und dasselbe betrachtet.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Die Regierung ist geschwächt, und die Beamten, insbesondere auf lokaler Ebene, tun alles, um die (begrenzte) Macht und Autorität, die sie besitzen, auszubauen. Wenn Christen enttarnt werden oder sich unrechtmäßigen Bräuchen entgegensetzen, befinden sie sich in einer unsicheren Position, in der sie nicht geschützt werden. Sie können sogar als lukrative Geisel genommen werden. Viele Regierungsbeamte profitieren davon, Schmiergeld dafür zu erhalten, dass sie wegsehen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es ist eine bekannte Tatsache, dass der Opiumanbau und -handel in der südlichen Provinz Kandahar, einer Hochburg der Taliban, besonders intensiv ist. Die Einnahmen aus dem Drogenhandel sind eine wichtige Quelle zur Finanzierung der Aufstände und jeder, der als Gefahr für dieses Geschäft angesehen wird (oder auch nur im Weg ist), wird mit allen notwendigen Mitteln verdrängt.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Drogenbosse – egal welcher Zugehörigkeit – schützen ihre Geschäfts- und Transportwege um jeden Preis. Selbst Christen, die ihren Glauben vor der Gesellschaft verbergen so gut es geht, werden keinen Schutz vor ihnen haben, wenn sie entdeckt werden.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Nach Einschätzung der Unterstützungsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan (UNAMA) und des Inspektors für den Wiederaufbau Afghanistans (SIGAR) befindet sich etwa die Hälfte des afghanischen Territoriums entweder in den Händen aufständischer Gruppen oder wird von ihnen umkämpft. Angesichts der aktuellen Entwicklung dahingehend, dass ausländische Truppen Afghanistan verlassen und einheimisches Sicherheitspersonal ausgebildet wird, besteht wenig Hoffnung, dass sich diese Verhältnisse kurzfristig verbessern werden. Ein Brennpunkt, der besonders hervorzuheben ist, liegt in der Provinz Ghazni. Dort waren die Kämpfe so erbittert, dass die Parlamentswahlen von 2018 nicht durchgeführt werden konnten. (Nichtsdestotrotz fanden dort die Präsidentschaftswahlen 2019 statt.)

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Christen werden für den Weltverfolgungsindex 2020 nicht berücksichtigt, da sie so wenige sind und so geschützt und isoliert leben, dass sie von der Situation im Land kaum beeinflusst werden.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft versuchen ihr Äußerstes, um nicht von Familie, Freunden, Nachbarn oder der Gesellschaft erkannt zu werden. Je nach Familie müssen sie sogar um ihr Leben fürchten. Es ist für sie nicht möglich, offen als Christen zu leben. Bereits der bloße Verdacht, jemand könnte Christ sein, führt zu ernsthafter Verfolgung.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 16.7
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.7
Leben im Staat 16.7
Kirchliches Leben 16.7
Auftreten von Gewalt 10

 

Grafik: Verfolgungsmuster Afghanistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Die Wertung für den Druck auf Christen in Afghanistan beträgt weiterhin die Maximalpunktzahl von 16,7 in allen Lebensbereichen. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass es in Afghanistan unmöglich ist, offen als Christ zu leben. Das Land wird immer mehr von islamischen Extremisten herausgefordert, wobei die Taliban immer mehr Gebiete kontrollieren oder um deren Kontrolle kämpfen und der IS Minderheiten ins Visier nimmt.
  • Während Druck in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ typisch für ein streng islamisches Land ist, weist der Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ auf eine Regierung hin, die islamische Gesetze streng interpretiert (trotz aller Versprechen gegenüber internationalen Gremien, Menschenrechte zu schützen), und darauf, dass Afghanistan weiterhin in Stammesgesellschaften organisiert ist.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ sank von 10,6 im Vorjahr auf 10,0 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020. Dieser Rückgang ist darauf zurückzuführen, dass das Melden von Vorfällen aufgrund der instabilen Sicherheitssituation erschwert wurde. Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen bleibt sehr hoch, und die Maßnahmen, die gegen Konvertiten zum christlichen Glauben ergriffen werden, hängen von der betreffenden Familie ab.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird stark abgelehnt, verboten oder auch bestraft. Afghanistan ist eine islamische Nation: Jegliche Abweichung vom Islam ist durch Gesetz und Tradition verboten und jeder Glaubenswechsel strafbar. Sowohl die Regierung als auch der durchschnittliche Bürger meinen, Afghanen könnten keine Christen sein, und es sei ungesetzlich, einen anderen als den muslimischen Glauben zu haben. Die Regierung hat jedoch festgestellt, dass die offene Bestrafung von Christen muslimischer Herkunft zu unerwünschter internationaler Aufmerksamkeit und diplomatischen Problemen führt. Aus diesem Grund wird mit ihnen „unverzüglich und stillschweigend“ umgegangen, wie ein Experte für das Land berichtet.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Jegliches christliche Material erregt Aufmerksamkeit. Christen bemühen sich darum, so wenig christliches Material wie möglich in ihren Häusern oder in ihrem Privatbesitz aufzubewahren, da immer die Gefahr von Durchsuchungen besteht, insbesondere in den von den Taliban regierten Regionen. Materialien werden nur unter größter Vorsicht über mobile Endgeräte oder im Internet (das nicht in allen Regionen verfügbar ist) genutzt.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Niemand in Afghanistan würde Symbole oder andere Zeichen des christlichen Glaubens offen zeigen, da dies einen öffentlichen Aufschrei und schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen würde. Sogar die wenigen ausländischen Christen in Kabul (die für die Analyse nicht berücksichtigt werden) vermeiden es, einen Hinweis auf ihren christlichen Glauben zu geben, und verdeutlichen so den Grad des Druckes.
  • Es ist für Christen riskant, mit ihrer direkten Familie über den christlichen Glauben zu sprechen: Christen muslimischer Herkunft müssen sehr vorsichtig sein. Schon der Verdacht, jemand könnte sich einem anderen Glauben zugewandt haben, kann ernste Folgen wie Verhaftung und Zerstörung der Wohnung haben. Oft verheimlichen Eltern ihren Glauben vor ihren eigenen Kindern. Weil Christen muslimischer Herkunft nie wissen können, welche Mitglieder ihres Clans vom IS oder den Taliban rekrutiert wurden, sind sie äußerst vorsichtig, wem sie in Bezug auf ihren Glauben vertrauen. Die soziale Kontrolle ist hoch, sodass es sehr schwierig ist, den neuen Glauben langfristig zu verheimlichen. Das gilt besonders für Familien mit Kindern. Zudem befinden sich Christen muslimischer Herkunft in einer Zwickmühle, weil sie ihre Kinder nicht auf eine Medresse (Koranschule) schicken wollen, ihnen aber auch nichts von ihrem neuen Glauben erzählen können, da es einfach viel zu gefährlich ist.

Angesichts des hohen Drucks, mit dem Christen muslimischer Herkunft in Afghanistan konfrontiert sind, ist die Schwierigkeit, sich zu treffen, offensichtlich. Sie müssen äußerste Vorsicht walten lassen, wenn sie christliches Radio oder Programme im Internet hören, insbesondere da es sehr wenig Privatsphäre gibt (was in der afghanischen Kultur nicht unüblich ist). Für sich allein zu beten und Bibel zu lesen, ist nur möglich, wenn sie sich sicher sind, allein zu sein. Selbst in Städten, in denen sich in den vergangenen Jahren eine gewisse Offenheit entwickelt hat, haben Christen muslimischer Herkunft kaum Freiheiten.

Familienleben

  • Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch unter der Mehrheitsreligion registriert. Man kann sich nur mit islamischer Religionszugehörigkeit registrieren lassen. Jeder Bürger wird folglich als Muslim registriert. Alles andere wäre inakzeptabel und undenkbar.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Eltern, die ihre Kinder im christlichen Glauben erziehen, riskieren Entlarvung. Wird festgestellt, dass diese Kinder eine andere Meinung als die Mehrheit haben und diese offen und unbedarft äußern, muss die christliche Familie die Heimat zu ihrer eigenen Sicherheit verlassen. Es stellt sich für die Eltern die Frage, ob sie dies riskieren wollen.
  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden (erfolgreich oder nicht erfolgreich) von anderen unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen: Es wird Druck auf die Ehepartner ausgeübt, sich scheiden oder eine Ehe mit einem christlichen Ehepartner annullieren zu lassen. Dem stärksten Druck sind Frauen ausgesetzt, deren Ehemänner sich zum christlichen Glauben hingewandt haben. Ihre Eltern werden versuchen, eine Scheidung durchzusetzen und große Streitigkeiten in der Familie zu verursachen. Manchmal werden ehemalige Muslime in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen, weil die Familien davon überzeugt sind, dass niemand mit gesundem Verstand jemals den Islam verlassen würde.
  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch nehmen zu können: Christliche Ehepartner stehen nicht nur vor dem Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder, da die afghanische Kultur verlangt, dass sie als Muslime aufgezogen werden; sie verlieren auch das Erbrecht.

Christen muslimischer Herkunft stoßen auf weitaus mehr Einschränkungen als die oben genannten. Eine Taufe ist eine Straftat, für die die Todesstrafe droht. Deshalb müssen Taufen heimlich stattfinden. Da die meisten Christen ihren Glauben geheim halten, werden sie nach islamischem Ritus beerdigt. Wenn herauskommt, dass eine Familie sich zu Jesus Christus bekehrt hat, werden ihre Kinder zur Adoption in eine muslimische Familie gegeben. Dort droht ihnen ein Leben voller Übergriffe vonseiten der neuen Familie und in der Schule. Wenn es eine Familie schafft, ihren Glauben geheim zu halten, müssen die Kinder mangels Alternativen dennoch eine Koranschule besuchen. Dies führt häufig zu viel Verwirrung bei den Kindern, wenn sie auch den christlichen Glauben ihrer Eltern kennen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden wegen ihres Glaubens belästigt, bedroht oder im Alltagsleben gestört. Wenn eine Christin sich entscheidet, keine Kopfbedeckung zu tragen, erregt sie unerwünschte Aufmerksamkeit – die Gesellschaft wird sie zum Tragen eines solchen drängen. Ein solcher Druck ist nicht nur auf Kleidungsvorschriften begrenzt.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Die Teilnahme an islamischen Ritualen wie dem Gebet, Moscheebesuchen, Fasten und weiteren wird vorausgesetzt – egal, ob ein Afghane als Christ (beispielsweise in einer toleranten Familie) bekannt ist oder nicht. Christen muslimischer Herkunft werden zu Moscheegebeten gedrängt, besonders an Freitagen. Während die Menschen in Kabul in begrenztem Umfang mehr Freiheiten haben, ist dies in Gebieten außerhalb der großen Städte unmöglich.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen im Bereich der Bildung: Christliche Eltern haben Angst, ihre Kinder zur Schule zu schicken, weil sie sie vor falscher Indoktrinierung schützen wollen und befürchten, sie könnten versehentlich ihren christlichen Glauben verraten. Werden sie entdeckt, werden sie unter Druck gesetzt, die Schule zu verlassen, ohne die notwendigen Dokumente zu erhalten, um ihre Bildung an anderer Stelle fortzusetzen.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Im Fall einer Entdeckung werden Christen auf jeden Fall zur weiteren Untersuchung und Befragung abgeführt. Diese Verhöre sind hart, ungeachtet dessen, ob die Christen es mit der Regierung, den Taliban oder dem IS zu tun haben. Die Polizei ist auch an Schmiergeld oder Geständnissen interessiert. Um dieses Ziel zu erreichen, kommen verdächtige Christen muslimischer Herkunft ins Gefängnis.

Jeder entdeckte Christ muslimischer Herkunft verliert den Zugang zu den gemeinschaftlich genutzten Ressourcen und zur Gesundheitsversorgung. Das soziale Umfeld übt erheblichen Druck aus, zum Islam zurückzukehren. Um Loyalität und Ordnung sicherzustellen, wird jeder beobachtet. Vermutet man bei jemandem ein Abweichen, wird er dazu genötigt, wieder zur verbreiteten religiösen und politischen Gesinnung zurückzukehren – sei es durch körperliche Folter oder mithilfe okkulter Praktiken, da viele Afghanen abergläubisch sind.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Artikel 3 der Verfassung legt fest, dass kein Gesetz den Lehren und Grundlagen des Islam widersprechen darf. Dies führt zu Einschränkungen in vielen Lebensbereichen. Obwohl die Wortwahl einen großen Spielraum lässt und oft unklar bleibt, was als unangemessen oder gegen den Islam verstanden werden kann, kommt die Abwendung vom Islam der Lästerung des Islam und des Propheten gleich. Weder Christen noch Angehörige anderer religiöser – selbst muslimischer – Minderheiten haben Religionsfreiheit.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt: Alle Reisen von Personen, die im Verdacht stehen, Christ zu sein (oder Interesse am „christlichen Westen“ zu haben), werden überwacht und verhindert, wenn der Verdacht besteht, dass sie aus religiösen Gründen reisen (beispielsweise zur Teilnahme an einer Konferenz).
  • Medienberichte über Christen sind inkorrekt oder voreingenommen: Christen sind selten das Thema der Medienberichterstattung; wenn aber doch, ist die Berichterstattung immer verzerrt und schürt antichristliche Gefühle. Aktuelle Konflikte (insbesondere die Einsätze der von den USA angeführten Militärallianz) werden oft als christlich-motiviert oder in Verbindung mit dem christlichen Glauben dargestellt.
  • Christen werden von staatlichen Behörden oder Interessensgruppen beschuldigt, die Mehrheitsreligion zu lästern oder zu beleidigen. Die Strafe für Blasphemie folgt nicht so sehr dem Rechtsinteresse, als dem Interesse der Gesellschaft an Sanktionen, welches von den lokalen religiösen Behörden oder islamisch-extremistischen Gruppen intensiv vorangetrieben und befriedigt wird. Berichten zufolge werden Blasphemie-Anklagen in vielen Fällen aus Gründen der persönlichen Feindschaft oder des Neides vor Gericht gebracht.

Christen werden benachteiligt, wenn sie mit Behörden zu tun haben. Sie haben Schwierigkeiten, eigene Unternehmen zu führen, und werden bei Gerichtsverhandlungen ungerecht behandelt. Stehen sie vor diesen Problemen, so offiziell nicht wegen ihres Glaubens, sondern wegen anderer ernster Verbrechen, die sie angeblich begangen haben (beispielsweise Verrat durch Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten, Mord oder Drogenhandel).

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: In Afghanistan gibt es keine öffentlich zugängliche Kirche. Die einzige genutzte Kapelle befindet sich im Keller der italienischen Botschaft in Kabul. Sie ist nur für die kleine Zahl ausländischer Christen in Kabul vorgesehen – überwiegend diplomatisches und militärisches Personal – die noch in der Stadt arbeiten. Jede Form einer organisierten Versammlung, von der die Taliban oder staatliche Überwachungsorgane erfahren, erregt starke Aufmerksamkeit. Gruppen von Christen (wie klein sie auch sein mögen) müssen bei der Wahl ihrer Treffpunkte extrem vorsichtig sein. Sie werden häufig eine Zeit lang beschattet, bis man sie ertappt, wie sie sich mit einer größeren Gruppe treffen oder aktiv werden, etwa indem sie Bibeln weitergeben. Selbst ausländische Christen müssen Vorsicht walten lassen und sich bei Treffen in kleine Gruppen teilen.
  • Christen werden daran gehindert, christliche Aktionen in ihren Gotteshäusern zu planen: Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft treffen sich nur mit größter Vorsicht und nur, wenn die Mitglieder einander kennen und sich vertrauen. Vorsichtsmaßnahmen wie Ortswechsel und andere machen es sehr kompliziert, sich als Gemeinde zu versammeln.
  • Pastoren oder andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) erleben wegen ihres Glaubens Schikane: Leiter von christlichen Gruppen sind in der Öffentlichkeit nicht bekannt. Ein Experte für Afghanistan berichtet: Wenn unter extremistischen Gruppen oder in der muslimischen Gesellschaft im Allgemeinen bekannt wäre, wer ein christlicher Leiter ist, würde er umgebracht werden, um die Christen in seinem Umfeld einzuschüchtern und diese Gemeinschaft zu zerstören.
  • Der Verkauf oder das Bereitstellen von Bibeln oder anderen christlichen Materialien wird verhindert: Es gibt keine Möglichkeit, Bibeln und andere christliche Materialien zu verteilen oder zu verkaufen; selbst die elektronische Weitergabe kann lebensbedrohliche Konsequenzen nach sich ziehen, wenn sie zurückverfolgt wird.

Eine öffentliche Arbeit unter Jugendlichen ist nicht möglich, und Christen können keine gemeinnützigen Organisationen gründen. Sie können auch nicht Christen muslimischer Herkunft öffentlich in ihre Versammlungen einbeziehen, ihre eigenen Leiter ausbilden oder um die Registrierung oder den Bau einer Kirche bitten. Die afghanische Kirche befindet sich tief im Untergrund und ist offizieller Auffassung nach nicht vorhanden.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der Gewalt ist sehr hoch. Es gab Berichte von afghanischen Christen, die wegen ihres Glaubens getötet wurden, und von Afghanen, die allein aufgrund des Verdachts ermordet wurden, sie könnten Christen sein. Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Obwohl Glaubenswechsel für gewöhnlich als ganze Familie stattfinden, halten Frauen es häufig geheim, wenn sie sich dazu entscheiden, den christlichen Glauben anzunehmen. Die religiöse Verfolgung von Christinnen wird durch die sehr schwache Rolle der Frauen in der afghanischen Gesellschaft und ihrer begrenzten Rechte auf sozialen Schutz erleichtert. Unter den afghanischen Frauen haben nur vier Prozent einen weiterführenden Schulabschluss oder darüber hinaus, wobei islamische Glaubenslehre Pflichtfach ist.

In diesem Zusammenhang sind Frauen, die den christlichen Glauben annehmen, noch anfälliger für Druck und Schikanen als Männer. Frauen sind in Afghanistan im Allgemeinen sehr wehrlos gegenüber allen Formen von körperlichem Missbrauch und verfügen über eine sehr geringe finanzielle und soziale Unabhängigkeit. In einem Artikel der BBC News vom 1. Juli 2018 wird berichtet: „Nach Schätzungen des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen waren 87 Prozent der Frauen Opfer von mindestens einer Form körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt. 62 Prozent haben mehrere Formen von Missbrauch erlebt.“

Das Stellen unter Hausarrest durch die Familie ist ein weit verbreitetes und akzeptiertes Mittel, um christliche Frauen unter Druck zu setzen, ebenso die Androhung, sich von ihnen scheiden zu lassen. Sie können in Sklaverei oder Prostitution verkauft oder zur Heirat mit viel älteren Männern gezwungen werden. Man kann ihnen Nahrung und Wasser oder den Zugang zur Gesundheitsversorgung verweigern. Sie können in Zimmer eingesperrt, schwer geschlagen, verbrannt oder sexuell missbraucht werden. Laut einem UN-Bericht, der im Mai 2018 veröffentlicht wurde, ist Mord die zweithäufigste Gewaltform gegen Frauen in Afghanistan. Von Januar 2016 bis Dezember 2017 wurden 280 Fälle von Tötungen und „Ehrenmord“ von Frauen registriert.

In einer Studie der „Human Rights Watch“ aus dem Jahr 2009 wird geschätzt, dass 70 bis 80 Prozent der Frauen zwangsverheiratet werden und 57 Prozent der Mädchen vor dem gesetzlichen Heiratsalter von 16 Jahren verheiratet sind. Eine junge Christin muslimischer Herkunft kann verhältnismäßig einfach dazu gezwungen werden, einen nichtchristlichen und oft älteren Mann zu heiraten.

Da die Annahme des christlichen Glaubens so geheim wie möglich gehalten werden muss und Frauen häufig von sozialen Aktivitäten ausgeschlossen werden, sind Frauen auf der anderen Seite jedoch eher in der Lage, ihren neugefundenen Glauben zu leben, ohne erkannt zu werden, vielleicht sogar ihrem Ehemann oder Familienmitgliedern davon zu erzählen.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Ermordung
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Im öffentlichen Leben ist kaum etwas zu verbergen; viele Männer und Jungen werden von ihren eigenen Familien verfolgt, wenn ihr christlicher Glaube entdeckt wird. Christliche Männer müssen aufgrund ihres Glaubens mit Spott, Haft, Folter (die zu Körperbehinderungen führen kann), sexuellem Missbrauch durch Gleichaltrige und möglicherweise Tod rechnen. Männer und Jungen werden von Milizen ins Visier genommen, die sie als Kämpfer rekrutieren wollen.

Wird ein Familienmitglied verfolgt, sind alle anderen ebenfalls betroffen. Da sie eine Beziehung zum Christen muslimischer Herkunft haben, geraten sie selbst unter Verdacht.

Männliche Konvertiten müssen oft alternative Einkommensquellen finden, um nicht durch die fehlende Teilnahme an religiösen Bräuchen auf öffentlichen Plätzen bloß gestellt zu werden. Weil Männer das Einkommen sichern, sind ihre Familien finanziell von ihnen abhängig. Wenn Christen muslimischer Herkunft getötet werden, sind die weiblichen Familienmitglieder gezwungen, Arbeit zu finden, die zu Missbrauch führen kann.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Schiitische Muslime werden von extremistischen sunnitischen Gruppierungen, insbesondere dem IS, angegriffen, um die bereits bestehenden religiösen Klüfte zwischen den islamischen Konfessionen zu verstärken. Auch die muslimische Minderheit der Sufis ist von religiöser Verfolgung betroffen. Der Anschlag auf die Gemeinschaften der Sikhs und Hindus in Dschalalabad im Juli 2018, bei dem 19 Menschen starben (einschließlich des einzigen Sikh, der für das Parlament kandidierte), veranschaulicht, dass religiöse Minderheiten ein besonderes Ziel für die Kämpfer des IS sind.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Die kleine christliche Gemeinde leidet ebenfalls unter all den Schwierigkeiten, mit denen die Gesellschaft im Allgemeinen konfrontiert ist, und ist als Teil der „Religion des Feindes“ doppelt verwundbar. Die Islamische Unterdrückung durch einheimische und ausländische Gruppen wird – neben derjenigen durch Familie und Gesellschaft – zweifellos die Haupttriebkraft der Christenverfolgung in Afghanistan bleiben.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Afghanistan wird weiterhin eine Gesellschaft bleiben, die auf Stammesstrukturen beruht. Wer immer sich nicht den Traditionen seines Stammes fügt, indem er beispielsweise neuen (einschließlich religiösen) Ideen folgt, schließt sich damit selbst von der Identität des Stammes aus.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Solange die Produktion von und der Handel mit Opium einen beträchtlichen Teil des Einkommens der aufständischen Gruppen ausmacht und ebenso die Kassen von Machthabern und Politikern füllt, wird das organisierte Verbrechen blühen und gewaltsam gegen jeden vorgehen, der ihm im Weg zu stehen scheint (einschließlich der Christen).

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Afghanistan:

  • Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck vonseiten ihrer Familie, ihrer Freunde und ihrer Nachbarn, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Je nach Familie müssen sie sogar um ihr Leben fürchten. Offen als Christ zu leben, ist nicht möglich. Bitte beten Sie um Mut und Schutz für die Christen in Afghanistan.
  • Die Islamische Republik Afghanistan erlaubt es nicht, vom Islam zu einer anderen Religion zu wechseln. Dies wird als Abfall vom Islam betrachtet und bringt Schande auf die Familie und das gesellschaftliche Umfeld. Bitte beten Sie dafür, dass eine Veränderung im Land geschieht. Beten Sie um Offenheit für andere Religionen als den Islam.
  • Die sehr wenigen Christen mit muslimischem Hintergrund im Land müssen sich weiter verstecken. Die wachsende Gewalt schafft ein generelles Gefühl der Unsicherheit, und es gibt keine Anzeichen für eine Verbesserung in absehbarer Zukunft. Bitte beten Sie für Stabilität und Frieden in Afghanistan.

 

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