Länderprofil Katar

Katar

29
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Katar
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
27
ISO
QA
Karte Katar
Christen
0,37
Bevölkerung
2.79
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 14.000
Familienleben: 13.900
Gesellschaftliches Leben: 10.800
Leben im Staat: 13.100
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 1.500

Länderprofil Katar

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 29 / 67 Punkte (WVI 2020: Platz 27 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Es gibt zwei Gruppen von Christen in Katar. Sie sind unabhängig voneinander und müssen im Umgang miteinander vorsichtig sein. Die größere Gruppe stellen die christlichen Arbeitsmigranten dar. Muslimen das Evangelium weiterzugeben, ist streng verboten und kann zu Strafverfolgung und Ausweisung aus dem Land führen. Es wurde ihnen jedoch in der jüngeren Vergangenheit erlaubt, Gottesdienste mit vielen Teilnehmern zu feiern. Viele dieser Gastarbeiter leben und arbeiten unter ärmlichen Bedingungen. Ihr christlicher Glaube macht sie zusätzlich verletzlich. Trotz dieser Lebensbedingungen wachsen diese christlichen Gemeinschaften.

Die andere Gruppe besteht aus Christen mit muslimischem Hintergrund. Diese christlichen Konvertiten tragen die Hauptlast der Verfolgung, egal, ob sie aus Katar stammen oder als Arbeitsmigranten im Land leben. Einheimische Christen muslimischer Herkunft sind sehr hohem Druck von ihren muslimischen Familien ausgesetzt. Christliche Arbeitsmigranten muslimischer Herkunft werden hauptsächlich von ihrem sozialen Umfeld kontrolliert. Oftmals gelten für sie eher die gesellschaftlichen Normen ihrer Heimatländer als die Normen der katarischen Kultur. In manchen Fällen können sie dem Druck entgehen, indem sie in einem internationalen Umfeld leben anstatt unter ihren Landsleuten. Dennoch können selbst ihre Arbeitgeber als Verfolger auftreten. Sowohl einheimische als auch ausländische Christen muslimischer Herkunft riskieren Diskriminierung, Belästigung und polizeiliche Überwachung. Ein Religionswechsel weg vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen.

Es gibt kaum Berichte darüber, dass Christen wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden, weil die Zahl christlicher Konvertiten gering ist und sie ihren Glauben geheim halten.

Katar: Informieren und helfen

Beten
Gebet für Katar

Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen bitten. Es ist daher essentieller Teil unseres Dienstes. Erfahren Sie hier konkrete Anliegen zu diesem Länderprofil.

Spenden
Spenden

Ohne Ihren Einsatz wäre unser weltweiter Dienst nicht möglich. Ihre finanzielle Unterstützung macht einen Unterschied im Leben verfolgter Christen!

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

67

29

2020

66

27

2019

62

38

2018

63

27

2017

66

20

Der Hauptgrund für den Anstieg um einen Punkt im Weltverfolgungsindex 2021 ist auf einen leichten Anstieg des durchschnittlichen Drucks um 0,4 Punkte auf 13,2 Punkte zurückzuführen. Dies wurde vor allem durch eine Zunahme des gemeldeten Drucks im Bereich Leben im Staat verursacht. Der Druck auf Christen, besonders auf Christen muslimischer Herkunft, vonseiten der katarischen Regierung und Gesellschaft hat weiterhin ein hohes Ausmaß. Der Wert für Gewalt sank von 2,2 auf 1,5 Punkte, da weniger gewalttätige Vorfälle gemeldet wurden.

2. Trends und Entwicklungen

1) Katar ist ein stabiles Land, allerdings könnte die bislang von Saudi-Arabien geführte Blockade langfristig zu finanziellen Verlusten führen

Trotz der politischen Krise mit Saudi-Arabien und verbündeten Ländern schien die politische, soziale und wirtschaftliche Lage Katars stabil zu sein, was auch an den ausreichenden Finanzpolstern lag. In gewisser Weise schien die Krise eher ein Machtspiel zu sein, ohne die Absicht, dass sie jemals zu einem bewaffneten Konflikt führe. Andererseits könnte die Blockade der katarischen Wirtschaft auch noch langfristig schaden, was zu finanziellen Einbußen für die Gastarbeiter, einschließlich der Christen unter ihnen, führen könnte. Nach Aufhebung der Blockade Anfang Januar 2021 bleiben diese Entwicklungen zu beobachten. 

2) Die rapide Modernisierung ist eine Herausforderung für die derzeitigen kulturellen Normen

Eine weitere große Herausforderung für das Land ist es, seine kulturellen und religiösen Standards inmitten der schnellen Modernisierung und Entwicklung aufrechtzuerhalten.

Während der Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 2022 hat die beklagenswerte Behandlung von Arbeitsmigranten in Katar mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregt. Durch Druck aus dem Westen setzt Katar kleine – nach Ansicht von Menschenrechtsorganisationen: kosmetische – Reformen bei den Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter um. Trotz des Drucks, die Menschenrechte in Katar zu verbessern, sind keine bedeutenden Verbesserungen in dem streng islamischen Land zu erwarten, das für die umfassende Kontrolle seiner Gesellschaft bekannt ist. Demnach können in naher Zukunft auch keine bedeutenden Veränderungen in der Religionsfreiheit für Christen erwartet werden.

3) Verstärkte Verbindungen zu Iran und zur Türkei könnten die Christen langfristig beeinträchtigen

Sollte die Zahl der katarischen Christen muslimischer Herkunft tatsächlich wachsen, wenn auch langsam, könnte dies in Zukunft zu einer erhöhten Anzahl von Verfolgungsfällen gegen Christen muslimischer Herkunft führen. Es gibt keine anderen Anzeichen dafür, dass die Verfolgung in Zukunft zunehmen könnte. Im regionalen Kontext sieht die politische Situation Katars jedoch weniger stabil aus; die von 2017 bis Anfang 2021 andauernde Blockade durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten, die zum Teil wegen der vermeintlich engen Beziehungen Katars zu Iran verhängt wurde, hat ironischerweise dazu beigetragen, die Beziehungen zu Iran, zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht, sowie zur Türkei zu stärken. Die anhaltend harte Haltung gegen Christen in Iran und die sich scheinbar verschlechternde Situation für Christen in der Türkei könnten darauf hindeuten, dass Katar unter verstärkten Druck durch seine neuen Verbündeten geraten könnte, christliche Aktivitäten weiter einzuschränken. Kurzfristig dürfte dies jedoch keine ernsthafte Bedrohung darstellen.

3. Religiöse Situation im Land

Nach Angaben der christlichen Hilfsorganisation „Middle East Concern“ (MEC) ist die Mehrheit der Katarer zu 90 Prozent sunnitisch und nur 10 Prozent schiitisch. Katar ist eines der beiden einzigen wahhabitischen Länder der Welt. Diese beiden Länder folgen einer sehr puristischen Version des Islam. Das andere wahhabitische Land ist Saudi-Arabien, aber seit den 1990er Jahren hat Katar seine eigene Version des Wahhabismus übernommen, die weniger streng ist als in seinem Nachbarland. Dieser Unterschied wird auch als „Wahhabismus des Meeres“ versus „Wahhabismus des Landes“ bezeichnet. Daher war Katar im Gegensatz zu Saudi-Arabien relativ nachsichtig gegenüber der wachsenden Gemeinschaft christlicher Arbeitsmigranten und hat Land zum Bau von Kirchen zur Verfügung gestellt. Obwohl die meisten christlichen Arbeitsmigranten dies begrüßen, gibt es eine Kehrseite, da die Konzentration von Kirchen in einem Gebiet zu einer „Ghettoisierung“ führen kann. Somit können Christen auch leicht überwacht und kontrolliert werden, was meist unter dem Vorwand geschieht, ihre Sicherheit zu gewährleisten.

Katar ist bekannt dafür, den Wahhabismus und seine ultrakonservative Form des Islam ausbreiten zu wollen. Auch wenn das Land versucht, offen und modern zu sein, hat diese strikte Interpretation des Islam Katar fest im Griff. Sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung setzen die Lehren des Wahhabismus in der Öffentlichkeit durch, indem beispielsweise Kleiderordnungen festgelegt werden, der Konsum von Alkohol verboten ist, die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird (um Kritik am Islam zu verhindern) und andere Religionsgemeinschaften dazu gezwungen werden, ihren Glauben nur im Privaten auszuüben.

Berichte anderer Quellen:

Der „Freedom of Thought Report“ der Nichtregierungsorganisation „Humanists International“ von 2020 besagt:

„Traditionen überwiegen die staatliche Durchsetzung von Gesetzen, die religiöse Diskriminierung verbieten, und rechtliche, kulturelle und institutionelle Diskriminierung ist weit verbreitet. Während Katars Verfassung und andere Gesetze die Freiheit der [...] Religionsausübung vorsehen, werden diese Freiheiten innerhalb von Grenzen eingerahmt, die auf der Scharia und ‚moralischen Bedenken‘ basieren. In Katar gilt der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion als Glaubensabfall und ist ein schweres Verbrechen. Eine Blasphemie-Anklage könnte als Beweis für Apostasie gewertet werden. Seit 1971 ist jedoch keine für Apostasie verhängte Strafe mehr belegt. Evangelisation im Namen einer Organisation, eines Vereins oder einer Stiftung einer anderen Religion als dem Islam kann mit bis zu 10 Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Missionierung einer anderen Religion als dem Islam im eigenen Namen kann mit einer Strafe von bis zu fünf Jahren bestraft werden. Die Antwort der Regierung auf solche Bekehrungsversuche ist jedoch in der Regel die Abschiebung und nicht die Einleitung rechtlicher Schritte.“

Nach Angaben von MEC gilt Folgendes:

  • „Ausländische Christen genießen in Katar eine vergleichsweise große Freiheit, vorausgesetzt, dass ihre Aktivitäten auf ausgewiesene Gelände beschränkt sind und dass sie insbesondere den Umgang mit Muslimen vermeiden, der als Bekehrungsversuch ausgelegt werden könnte. In den letzten Jahren gab es mehrere Fälle, in denen ausländische Christen des Landes verwiesen wurden, vermutlich aufgrund von Aktivitäten, die als Missionierung angesehen wurden (obwohl für die meisten Ausweisungen keine Gründe angegeben werden). Die anerkannten Kirchen finden ihre derzeitigen Anlagen unzureichend, und die ‚Kirchenkomplexe‘ sind typischerweise an den Gottesdiensttagen überfüllt, da sie versuchen, mehrere Gemeinden mit verschiedenen Nationalitäten und Sprachen unterzubringen. Stabile Sicherheitsvorkehrungen im religiösen Komplex erleichtern die Durchsetzung eines strikten Eintrittsverbots für Muslime. Muslimen ist das Betreten nur erlaubt, wenn eine vorherige Genehmigung erteil wurde. Katarische Staatsbürger oder andere Muslime, die sich dafür entscheiden, den Islam zu verlassen, sind häufig einem starken familiären und gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. In extremen Fällen sind diejenigen, die den Islam verlassen, gewalttätigen Reaktionen von Familienmitgliedern ausgesetzt. Grundsätzlich drohen denjenigen, die als Abtrünnige gelten, nach islamischem Recht schwere Strafen, einschließlich der Todesstrafe.“

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Staatsreligion ist der strikt konservative wahhabitische Islam. Während Muslime die Freiheit haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, dürfen nichtmuslimische Gruppen – wie Christen – ihren Glauben nur in Privathäusern oder auf einem dafür ausgewiesenen Grundstück ausüben. Evangelisation ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Kritik am Islam wird bestraft. Die Abwendung vom Islam zu einem anderen Glauben wird als Abfall vom Islam verstanden, was verboten und gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Das Familienrecht wird durch die Scharia, das islamische Gesetz, bestimmt. Nahezu alle Staatsbürger Katars sind per Definition entweder sunnitische oder schiitische Muslime.

Abhängig von der Herkunft der Christen muslimischen Hintergrunds nimmt die Verfolgung unterschiedliche Ausmaße an. Diejenigen mit katarischem Hintergrund erleben den größten Druck. Bei anderen Christen muslimischer Herkunft, wie zum Beispiel aus Pakistan oder der Levante (Jordanien, Libanon, Palästinensergebiete, Syrien und andere Länder), hängt der Druck, den sie erfahren, von ihrem Umfeld in Katar ab. Solange sie keine Unruhe stiften, müssen sie wenig von der katarischen Regierung befürchten, obwohl die Gefahr besteht, dass ihre katarischen Arbeitgeber sie entlassen, was zu Ausweisung führen kann, wenn sie keine andere Arbeit finden. In diesen Gemeinschaften von Arbeitsmigranten hängen die Konsequenzen für Christen muslimischer Herkunft mehr von den kulturellen Normen ihrer Heimatländer ab als von den kulturellen Bräuchen Katars. Für Arbeitsmigranten ist die Hinwendung zum christlichen Glauben manchmal leichter als in ihrem Heimatland, denn Familie und Verwandtschaft sind oft weit weg und der soziale Druck ist weniger stark.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Die Stammeskultur spielt in der katarischen Gesellschaft trotz moderner Technologien (und Architektur) noch immer eine sehr große Rolle. Alte Normen und Werte haben weiterhin großen Einfluss und werden strikt durchgesetzt. Diese Stammeskultur ist stark mit dem Islam vermischt und Anfeindungen betreffen besonders Christen mit muslimischem Hintergrund. Wie im gesamten Nahen Osten ist die Religion stark mit der Familienidentität verknüpft. Daher wird es als Verrat an der Familie betrachtet, wenn jemand den Islam verlässt. Generell üben Familien starken sozialen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, um sie dazu zu bewegen, zum Islam zurückzukehren, die Region zu verlassen oder nicht über ihren neuen Glauben zu sprechen. In vielen Fällen entfremden sich Christen muslimischer Herkunft durch ihren neuen Glauben von ihrer Familie.

Diktatorische Paranoia

Katar ist eine absolute Monarchie und wird von einem Emir regiert. Die Regierung hat einen Wohlfahrtsstaat mit vielen finanziellen Vorteilen für katarische Staatsbürger geschaffen. Im Gegenzug erwartet sie Gehorsam und duldet keinen Widerspruch. Außerdem macht die Regierung es wegen der geringen Zahl von Katarern im Vergleich zu einer sehr hohen Zahl von ausländischen Gastarbeitern zur Priorität, das Land streng islamisch zu halten. Obwohl ausländische Christen relativ frei darin sind, ihren Glauben auszuüben, überwacht die Regierung all ihre Aktivitäten. Das Land wird streng kontrolliert; die vielen Gastarbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, da sie leicht des Landes verwiesen werden können.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Zusammen mit dem Aspekt der Familienehre sind die streng aufrecht erhaltenen islamischen Überzeugungen ein signifikanter Grund für Familienmitglieder, gegen Verwandte vorzugehen, die sich zum christlichen Glauben hinwenden. Der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben gilt in der Gesellschaft Katars als inakzeptabel.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, mit Muslimen über den christlichen Glauben zu sprechen, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordentliches Verfahren des Landes verwiesen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Konservative islamische Prediger wie Yusuf al-Qaradawi haben über den in Katar ansässigen Nachrichtensender Al Jazeera ein Millionenpublikum. Auch wenn al-Qaradawi nicht den Wahhabismus vertritt, wird er als wichtige intellektuelle Stimme der Muslimbruderschaft angesehen und er hat klar ausgedrückt, dass Apostasie (der Abfall vom Islam) seiner Meinung nach mit dem Tod bestraft werden sollte.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen dafür, dass der Islam in ihrem Stamm oder in der Sippe respektiert wird. Sie beeinflussen Familienmitglieder, Druck auf christliche Konvertiten auszuüben, damit diese wieder zum Islam zurückkehren.
  • Gewöhnliche Bürger: Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Gefahr für Christen in Katar. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können ausländische Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen, insbesondere die armen und nicht gut ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem in manchen Fällen Diskriminierungen und Misshandlungen durch ihre muslimischen Kollegen ausgesetzt.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Die eigene (Groß-)Familie: Obwohl klar ist, dass die islamische Strafe für den Glaubensabfall – die Todesstrafe – ein Hauptgrund für die Verfolgung eines Familienmitgliedes ist, das sich zum christlichen Glauben hingewandt hat, kann dies nicht separat vom Konzept der Familienehre betrachtet werden. Uralte Normen (wie der Schutz der Familienehre) sind immer noch intakt und die Abwendung vom Islam hin zum christlichen Glauben ist ein Verrat all dessen, wofür eine muslimische Familie steht, und bringt Schande auf die Familie. Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, von ihren Familien verbannt oder sogar getötet zu werden.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen dafür, dass die Ehre ihrer Gruppe nicht durch ein Mitglied beschmutzt wird, das sich vom Islam abwendet und den christlichen Glauben annimmt. Ein Glaubenswechsel ist eine wirkliche Schande für sie, da es ihnen vorrangig darum geht, das Ansehen und die Ehre der Familie aufrechtzuerhalten.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung trägt zum Einfluss von Unterdrückung durch den Clan/Stamm bei, indem sie den Status quo in der Gesellschaft beibehält und an ihren kulturellen Praktiken festhält. Das heißt, die Regierung wird einen Christen mit muslimischem Hintergrund nicht vor seiner eigenen Familie beschützen, sondern dies als eine ‚Familienangelegenheit‘ ansehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Lokale Imame und andere ermutigen ihre Gemeinden, die kulturellen Normen aufrechtzuerhalten, die fest mit den islamischen Prinzipien verwoben sind.
  • Gewöhnliche Bürger: Die gesellschaftliche Stellung ist für Katarer sehr wichtig. Es besteht also ein ausgeprägter Druck, die gesellschaftlichen Normen zu wahren, um keine Schande über den guten Namen der Familie zu bringen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung Katars erlaubt keine Kritik an den staatlichen Angelegenheiten, auch nicht daran, wie sie religiöse Angelegenheiten regelt. Das Land ist gut überwacht; Sicherheitskräfte kontrollieren alle Aktivitäten im Land. Gastarbeiter, die sich negativ gegenüber der Regierung äußern, müssen damit rechnen, abgeschoben zu werden.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Katar ist ein sehr kleines Land, die Hauptstadt Doha bildet hier das Zentrum aller Aktivitäten. Die Risiken, mit denen Christen – und vor allem Christen muslimischer Herkunft – rechnen müssen, sind vom jeweiligen sozialen Umfeld der Christen abhängig.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

In dieser Kategorie variiert das Maß der Verfolgung. Weniger gebildete Arbeiter (z. B. Bauarbeiter) aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen haben einen geringen sozialen Status und werden generell schlechter behandelt als Arbeitsmigranten aus der westlichen Welt, die in qualifizierteren Berufen arbeiten. Deshalb werden Arbeiter aus Asien und Afrika – unabhängig von ihrer Religion – schlecht behandelt. Wenn solche Arbeiter Christen sind, trägt dies dazu bei, dass sie noch verletzlicher sind; sie sind einem starken Druck ausgesetzt, Muslime zu werden.

Sie sind nicht frei, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren. Viele von ihnen haben kaum die Möglichkeit, Gottesdienste zu besuchen. Diese werden in dem Gebäudekomplex auf dem Areal, das die Behörden ihnen außerhalb der Hauptstadt Doha zugewiesen hat, abgehalten. Es gibt Verkehrs- und Parkplatzprobleme bei dem Kirchenkomplex und viele Christen denken, dass der Komplex bald zu klein sein wird, um alle Christen Katars, die sich zum Gottesdienst versammeln, aufzunehmen. Eine positive Entwicklung im Jahr 2015 war die Zuteilung von Land für die kurz zuvor registrierte libanesische maronitische Kirche und eine philippinische evangelische Gemeinde, damit sie Kirchen bauen konnten. Es wird erwartet, dass die maronitische Kirche ihre Türen öffnen kann.

Im Oktober 2020 wurde den Christen, die sich in Hauskirchen versammeln, mitgeteilt, dass sie sich in Zukunft nur noch auf dem Gelände des Kirchenkomplexes treffen dürfen, obwohl den Behörden durchaus bewusst ist, dass der Kirchenkomplex überfüllt ist. Daher ist zu erwarten, dass es für Christen noch schwieriger sein wird, sich zum Gottesdienst zu versammeln.

Christen aus traditionellen Kirchen

Alle Christen, die traditionellen Kirchen angehören, fallen bereits in die Kategorie der ausländischen Christen und Arbeitsmigranten. Daher werden Christen aus traditionellen Kirchen bei den Analysen zum Weltverfolgungsindex nicht als eine eigene Kategorie betrachtet.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund werden in Katar stark verfolgt. Sie gelten als vom Islam Abgefallene, sind Diskriminierungen und Belästigungen vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt und riskieren sogar, für ihren Glauben von ihrer Familie getötet zu werden. Apostasie ist zudem laut Strafgesetz ein Verbrechen. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1971 sind allerdings keine offiziellen Exekutionen oder andere offiziellen Strafen für die Abkehr vom islamischen Glauben mehr belegt. Fast alle katarischen Christen haben sich im Ausland für den christlichen Glauben entschieden. Die meisten kehren aus Furcht vor Konsequenzen nicht in ihr Land zurück. Katarische Christen muslimischer Herkunft sind sowohl dem Druck von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Den Großteil der Christen mit muslimischem Hintergrund bilden jedoch Arbeitsmigranten. Der Druck auf beide Gruppen (katarische und ausländische Christen muslimischer Herkunft) ist sehr hoch. Ausländische Christen muslimischer Herkunft sind hohem Druck und hoher Kontrolle von ihrem sozialen Umfeld in den Unterkünften für Gastarbeiter ausgesetzt. Auch ihre muslimischen Arbeitgeber können als Verfolger auftreten.

Diese harte Reaktion auf Christen muslimischer Herkunft muss im Kontext der Stammeskultur gesehen werden. Der Zusammenhalt von Familie und Stamm ist sehr stark. Religion ist dabei keine Privatsache. Sie ist Teil der Identität der (Groß-)Familie und des Stammes. Den Islam zu verlassen und einen anderen Glauben anzunehmen, ist damit nicht nur ein Glaubenswechsel, sondern bedeutet auch, die Familie zu verlassen. Das stellt eine Bedrohung für die Loyalität der Gruppe dar. Als schwach angesehen zu werden, ist eine große Schande für die Familie. Das erklärt die Strenge, mit der Familien mit christlichen Konvertiten umgehen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gemeinschaften werden bei den Analysen zum Weltverfolgungsindex nicht als eine separate Kategorie betrachtet, da alle Christen hier zur Kategorie der ausländischen Christen und Arbeitsmigranten gehören.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14
Familienleben 13.9
Gesellschaftliches Leben 10.8
Leben im Staat 13.1
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 1.5

Grafik: Verfolgungsmuster Katar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist mit einer Wertung von 13,2 Punkten sehr hoch.
  • Obwohl alle Lebensbereiche ein sehr hohes oder extremes Maß an Druck aufweisen, ist die Verfolgung im Bereich kirchliches Leben, Privatleben und Familienleben am höchsten. Das spiegelt die Schwierigkeiten wider, die Christen muslimischer Herkunft dabei erleben, ihren Glauben zu praktizieren und mit ihren Familienmitgliedern zu teilen. Der extrem hohe Wert für das kirchliche Leben zeigt, wie schwierig es für Kirchen ist, etwa ein neues Gebäude zu bauen, und wie sie darin eingeschränkt sind, Muslimen das Evangelium weiterzugeben.
  • Die Wertung für Gewalt sank von 2,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 1,5 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Katarische und ausländische Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen ausüben. Jeder Hinweis darauf, dass sie Christen sein könnten, kann schwerwiegende Folgen haben.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Hier sehen sich Christen muslimischer Herkunft dem höchsten Risiko ausgesetzt, da sie durch glaubensbezogene Posts entdeckt werden könnten. Außerdem dürfen auch ausländische Christen nicht öffentlich das Evangelium weitergeben oder den Islam kritisieren.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Christen muslimischer Herkunft können keine christlichen Symbole tragen, denn auch das könnte zur Entdeckung ihres Glaubens führen. Ausländische Christen sind ebenfalls vorsichtig, denn ein Kreuz öffentlich zu zeigen, kann zu negativen Bemerkungen und anderen Belästigungen führen, vor allem wenn die Christen in einem katarischen Haushalt arbeiten (z. B. als Hausangestellte).

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Das Risiko ist für katarische Christen mit muslimischem Hintergrund am höchsten, während es bei nichtkatarischen Christen mit muslimischem Hintergrund auf die speziellen Normen ihrer eigenen Gemeinschaft ankommt. Ausländische Christen können der Evangelisation beschuldigt werden, was zur Ausweisung führt.

Familienleben

Wurde die Registrierung von Geburt, Hochzeit, Tod usw. von Christen behindert oder unmöglich gemacht?

Ein Glaubenswechsel wird nicht anerkannt, folglich ist es unmöglich für Christen muslimischer Herkunft, eine christliche Ehe zu registrieren (eine kirchliche Trauung zu haben) oder ihre Kinder als Christen registrieren zu lassen.

Wurden Beerdigungen von Christen behindert oder unter Zwang anhand nichtchristlicher Riten durchgeführt?

Christen muslimischer Herkunft müssen ihren Glauben meist verbergen. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass ihre Familie von ihrem Glaubenswechsel weiß, werden sie wahrscheinlich trotzdem gemäß den islamischen Riten beerdigt.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

In einer zutiefst vom Islam geprägten Gesellschaft ist es für Christen muslimischer Herkunft sehr schwer, ihre Kinder christlich zu erziehen.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Dies gilt vor allem für Christen muslimischer Herkunft. Da ihr neuer Glaube keine Anerkennung erfährt, können ihre Kinder nicht vom Islamunterricht freigestellt werden. Islamunterricht ist sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen verpflichtend; die Bereitstellung nichtislamischer religiöser Unterweisung ist verboten.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Jede Form der Kommunikation wird in Katar überwacht, doch vor allem einzelne Christen, die der Evangelisation verdächtigt werden, stehen in der Gefahr, gezielt beobachtet zu werden.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Dies gilt vor allem für Christen muslimischer Herkunft. Sowohl katarische als auch ausländische christliche Konvertiten sind Belästigungen ausgesetzt, wenn ihre Hinwendung zum christlichen Glauben bekannt wird. Ausländische Christen können ebenfalls Belästigungen und Diskriminierung erfahren, wobei es oft auf ihre Herkunft ankommt (westliche ausländische Christen werden weit weniger belästigt als afrikanische Christen).

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Alle Menschen in Katar müssen den Ramadan in der Öffentlichkeit einhalten, ausgenommen sind ausgewählte Orte (wie manche Einkaufszentren oder Restaurants). Christen muslimischer Herkunft müssen alle islamischen Riten einhalten, aus Angst als Christen entdeckt zu werden.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Die gesamte Gesellschaft übt einen hohen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, ihren Glauben zu widerrufen, während ausländische Christen gelegentlich dazu Druck erfahren, zum Islam zu konvertieren. Manche haben äußerlich einen islamischen Kleidungsstil, um Diskriminierung aus dem Weg zu gehen, vor allem, wenn sie eng mit Katarern zusammenarbeiten (z. B. als Hausangestellte).

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Das Rechtssystem basiert auf der Scharia und der Glaubenswechsel zu einer anderen Religion als dem Islam ist illegal.

Sind christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Die katarische Regierung erlaubt keiner Nichtregierungsorganisation mit klaren christlichen Überzeugungen, in Katar tätig zu sein.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Christliche Symbole dürfen in der Öffentlichkeit nur auf dem Kirchenkomplex gezeigt werden, der sich außerhalb von Doha befindet und wo alle Gemeinden angesiedelt sind.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Es ist unmöglich, die Regierung oder den Islam zu kritisieren. Bei ausländischen Christen führt dies zur Ausweisung. In einer Gesellschaft, die durch und durch vom Islam geprägt ist, müssen Christen sehr vorsichtig sprechen, wenn sie christliche Ansichten äußern.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Der Kirchenkomplex verfügt über ein Sicherheitssystem nach Art eines Flughafens und kann von Nichtchristen nicht besucht werden. Alle Kirchen und ihre Aktivitäten werden überwacht und es ist schwer, irgendwelche (christlichen) Aktivitäten außerhalb des Geländes zu organisieren.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Es ist unmöglich, Christen muslimischer Herkunft zu integrieren, da sie den Kirchenkomplex nicht betreten, geschweige denn, Teil einer christlichen Gemeinschaft sein dürfen.

Ist der offene Verkauf oder die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien behindert worden?

Veröffentlichung, Import und Verbreitung religiösen Materials ist strikt reguliert. Kirchen ist es nicht länger erlaubt, ihre eigenen Möglichkeiten zu nutzen, um Bibeln zu importieren, und sie sind gezwungen, säkulare Buchhandlungen dafür zu nutzen.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Die Kirchen sind sehr darauf bedacht, nicht die Gunst ihrer katarischen Gastgeber zu verlieren. Kritik an der Regierung wird nicht geschätzt und die meisten Kirchen betreiben diesbezüglich Selbstzensur. Kirchen sprechen allenfalls ganz vorsichtig bestimmte Punkte an (z. B. Missbrauch am Arbeitsplatz), wenn sie eine gute Beziehung zu einer machthabenden Person haben.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Christen wurden gezwungen, das Land zu verlassen: Mehrere ausländische Christen wurden gezwungen das Land zu verlassen, nachdem sie angeblich missioniert hatten.
  • Angriffe auf Christen: Es ist weithin bekannt, dass weibliche Hausangestellte in Katar leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. In einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2019 hieß es: „Hausangestellte werden nicht durch das Arbeitsrecht geschützt. Weibliche Hausangestellte werden oft spät oder gar nicht bezahlt, müssen sehr viele Stunden arbeiten, ohne freie Tage, und erhalten nur unzureichende Unterkünfte. Außerdem berichtete Amnesty International bereits 2014, dass Hausangestellte in Katar unter Einschränkung der Bewegungsfreiheit und der Kommunikation, demütigender Behandlung und Zwangsarbeit leiden.“
    Es sind jedoch kaum Statistiken verfügbar, da keine der involvierten Personen, Organisationen und Staaten Interesse daran haben, die Realität offenzulegen: Katar braucht die Hausangestellten, hat aber eine Schamkultur und will keinen schlechten Ruf riskieren. Die Heimatländer der Hausangestellten brauchen das Geld, das von den Tausenden Arbeitsmigranten in den Golfstaaten kommt, und sie wollen ihre ökonomischen Interessen nicht gefährden, obwohl der philippinische Präsident Duterte eine temporäre Reisesperre nach Kuwait verhängt hat, nachdem die Leiche eines philippinischen Hausmädchens im Februar 2018 in einer Gefriertruhe in Kuwait entdeckt worden war. Die Arbeitgeber missbrauchter Hausmädchen sind entweder selbst die Täter oder haben kein wahres Interesse an dem Wohlergehen der Hausmädchen. Die Hausmädchen schämen sich häufig aufgrund des Missbrauchs und wollen nicht als „schmutzig“ angesehen werden, weder in Katar noch von ihrer Familie in der Heimat. Zudem versorgen viele ihre Familien im Heimatland mit dringend benötigtem Einkommen. Ihre Familien in der Heimat sind stolz auf ihre Beschäftigung in Katar und die Hausmädchen wollen ihre Familien nicht enttäuschen.
    Aus den oben genannten Gründen wurde nur eine symbolische Zahl von zehn christlichen Hausmädchen bestimmt, die im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 wegen ihres Glaubens (sexuell) missbraucht wurden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nur der Islam, das Christentum und das Judentum sind in Katar als Religionen anerkannt. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums sind nur sunnitische und schiitische Muslime und acht christliche Denominationen als religiöse Gruppen offiziell registriert. Obwohl andere religiöse Gemeinschaften, wie die zahlenmäßig beträchtliche hinduistische und buddhistische Gemeinschaft, keine offizielle Anerkennung haben, werden ihre Treffen im Allgemeinen toleriert und es gibt zumindest mehrere inoffizielle Hindutempel im Land. Es kann angenommen werden, dass die kleine schiitische Gemeinde im Alltag ebenfalls mit Diskriminierungen konfrontiert ist.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Katar:

  • Beten Sie, dass die Gastarbeiter im Land vor Missbrauch und Diskriminierung durch ihre Arbeitgeber geschützt werden und nicht zusätzlich wegen ihres Glaubens an Jesus ins Visier genommen werden.
  • Beten Sie für ein kraftvolles Wirken Gottes in Katar. Man hört kaum von Einheimischen, die zum christlichen Glauben kommen. Bitten Sie darum, dass Christen in Kontakt mit Menschen kommen, die bereit sind, das Evangelium zu hören.
  • Beten Sie für die „heimlichen Christen“ in Katar, die Jesus angenommen haben, aber nicht offen über ihren neuen Glauben sprechen können. Beten Sie, dass ihre Familie und ihr soziales Umfeld ihnen erlaubt, frei zu beten, und dass die Menschen in ihrer Umgebung sich für Jesus öffnen.