Länderprofil Katar

Katar

27
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Katar
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
38
ISO
QA
Karte Katar
Christen
0,37
Bevölkerung
2.74
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.600
Familienleben: 13.400
Gesellschaftliches Leben: 10.800
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 2.200

Länderprofil Katar

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 27 / 66 Punkte (WVI 2019: Platz 38 / 62 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Es gibt zwei Gruppen von Christen in Katar, die voneinander getrennt sind und sehr vorsichtig sein müssen, wenn sie Kontakt miteinander haben. Die größere Gruppe stellen die Gemeinschaften ausländischer christlicher Gastarbeiter dar. Muslimen das Evangelium zu verkünden, ist streng verboten und kann zu Strafverfolgung und Ausweisung aus dem Land führen. Es wurde ihnen jedoch in der jüngeren Vergangenheit erlaubt, Gottesdienste mit vielen Teilnehmern zu feiern. Viele dieser Gastarbeiter leben und arbeiten unter ärmlichen Bedingungen. Ihr christlicher Glaube macht sie zusätzlich verletzlich. Trotz dieser Lebensbedingungen wachsen diese christlichen Gemeinschaften.

Die andere Gruppe besteht aus Christen mit muslimischem Hintergrund. Diese Konvertiten tragen die Hauptlast der Verfolgung, egal, ob sie aus Katar stammen oder eingewandert sind. Einheimische Konvertiten sind sehr hohem Druck von ihren muslimischen Familien ausgesetzt. Konvertiten mit Migrationshintergrund werden hauptsächlich von ihrem sozialen Umfeld in den Arbeitsunterkünften, in denen sie leben, kontrolliert. Oftmals gelten für sie eher die gesellschaftlichen Normen ihrer Heimatländer als die Normen der katarischen Kultur. In manchen Fällen können sie dem Druck entgehen, indem sie in einem internationalen Umfeld leben anstatt unter ihren Landsleuten. Dennoch können selbst ihre Arbeitgeber als Verfolger auftreten. Sowohl einheimische als auch ausländische Christen muslimischer Herkunft riskieren Diskriminierung, Belästigung und polizeiliche Überwachung. Ein Religionswechsel weg vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen.

Es gibt kaum Berichte darüber, dass Christen wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden, weil die Zahl der Konvertiten gering ist und sie ihren Glauben geheim halten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • In dem Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 wurde von mindestens einem Vorfall berichtet, bei dem gegen eine Gemeinde ausländischer Christen vorgegangen wurde, weil sie der Evangelisation beschuldigt wurden. Zu ihrer Sicherheit können keine weiteren Details veröffentlicht werden.
  • Da die Zahl der katarischen Konvertiten sehr gering ist, sind Berichte über gewalttätige Zwischenfälle gegen sie sehr selten.
  • Über gewalttätige Ereignisse gegen Christen wird ohnehin wenig berichtet. Das Land wird gut kontrolliert und im Allgemeinen geht es friedlich zu. Allerdings wird über Vorfälle, in denen gegen christliche Arbeitsmigranten vorgegangen wird, in der Regel ohnehin nicht berichtet, denn niemand ist daran interessiert, mit irgendwelchen Details an die Öffentlichkeit zu gehen: Das Opfer möchte seine Arbeitsstelle behalten und andere Akteure (wie die Regierung) sind nicht daran interessiert, solche Vorkommnisse zu dokumentieren. Des Weiteren ist es manchmal schwierig festzustellen, ob die schlechte Behandlung eines christlichen Arbeiters auf seinen Glauben zurückzuführen ist. Es wird jedoch generell angenommen, dass der Glaube der nichtmuslimischen Gastarbeiter, Christen eingeschlossen, zu einer besonderen Verletzlichkeit führt. Bezugnehmend auf den jüngsten Bericht von Amnesty International (AI) aus dem Jahr 2019, leiden tausende Gastarbeiter – entgegen der Versprechen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern – unter Missbrauch am Arbeitsplatz. In einem früheren Bericht (2014) zeigte AI auf, dass vor allem Gastarbeiterinnen, von denen viele Christinnen sind, unter (sexuellem) Missbrauch litten.

Meldungen und Beiträge zu Katar

Länderberichte
Katar: Mit Jesus zur WM | Open Doors Magazin 05/17

Katar: Mit Jesus zur WM | Open Doors Magazin 05/17

03:41 Minuten
Katar

Katar – wie ausgebeutete Arbeiter aus dem Ausland auf den Baustellen des strengislamischen Emirats zum Glauben an Jesus Christus finden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex (WVI)

Mit einer Wertung von 66 Punkten belegt Katar Platz 27 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Katar hatte mit 62 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 Platz 38 belegt. Der Anstieg um 4 Punkte wird teils durch die höhere Anzahl der Berichte über gewalttätige Vorfälle, teils durch die höhere Punktzahl in der Bedrängung in einigen Lebensbereichen verursacht. Christen in Katar, vor allem Konvertiten vom Islam zum Christentum, sind weiterhin sehr hohem Druck durch die katarische Regierung und besonders die katarische Gesellschaft ausgesetzt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Staatsreligion ist der strikt konservative wahhabitische Islam. Während Muslime die Freiheit haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, dürfen nichtmuslimische Gruppen - wie Christen - ihren Glauben nur in Privathäusern oder auf einem dafür ausgewiesenen Grundstück ausüben. Evangelisation ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Kritik am Islam wird bestraft. Die Abwendung vom Islam zu einer anderen Religion wird als Abfall vom Islam verstanden, was verboten und gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Das Familienrecht wird durch die Scharia, die islamische Gesetzgebung, bestimmt. Nahezu alle Staatsbürger Katars sind per Definition entweder sunnitische oder schiitische Muslime.

Abhängig vom Hintergrund der Konvertiten vom Islam zum Christentum nimmt die Verfolgung unterschiedliche Ausmaße an. Diejenigen mit katarischem Hintergrund erleiden die größte Bedrängnis. Bei Konvertiten vom Islam mit anderen Hintergründen, wie zum Beispiel Menschen aus Pakistan oder der Levante (z. B. Jordanien, Libanon, den Palästinensergebieten, Syrien und andere Länder), kommt es oft auf die Reaktion ihres Umfelds in Katar an. So lange sie keine Unruhe stiften, müssen sie wenig von der katarischen Regierung befürchten, obwohl die Gefahr besteht, dass ihre katarischen Arbeitgeber sie entlassen, was zu Ausweisung führen kann, wenn sie keine andere Arbeit finden. In diesen Gemeinschaften von Arbeitsmigranten hängen die Konsequenzen für Konvertiten mehr von den kulturellen Normen ihrer Heimatländer ab als von den kulturellen Bräuchen Katars. Für Arbeitsmigranten ist der Übertritt zum Christentum manchmal leichter als in ihrem Heimatland, denn Familie und Verwandtschaft sind oft weit weg und der soziale Druck ist weniger stark.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die Stammeskultur spielt in der katarischen Gesellschaft trotz moderner Technologien und Architektur noch immer eine sehr große Rolle. Alte Normen und Werte haben weiterhin großen Einfluss und werden strikt durchgesetzt. Diese Stammeskultur ist stark mit dem Islam vermischt und Anfeindungen betreffen besonders Christen mit muslimischem Hintergrund. Wie im gesamten Nahen Osten ist die Religion stark mit der Familienidentität verknüpft. Daher wird es als Verrat an der Familie betrachtet, wenn jemand den Islam verlässt. Generell üben Familien starken sozialen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, um sie dazu zu bewegen, zum Islam zurückzukehren, die Region zu verlassen oder nicht über ihren neuen Glauben zu sprechen. In vielen Fällen entfremden sich christliche Konvertiten durch ihren neuen Glauben von ihrer Familie.

Diktatorische Paranoia

Katar ist eine absolute Monarchie und wird von einem Emir regiert. Die Regierung hat einen Wohlfahrtsstaat mit vielen finanziellen Vorteilen für katarische Staatsbürger geschaffen. Im Gegenzug erwartet sie Gehorsam und duldet keinen Widerspruch. Außerdem macht sie es wegen der geringen Zahl von Katarern im Vergleich zu einer sehr hohen Zahl von ausländischen Gastarbeitern zur Priorität, das Land streng islamisch zu halten. Obwohl ausländische Christen relativ frei darin sind, ihren Glauben auszuüben, überwacht die Regierung all ihre Aktivitäten. Das Land wird streng kontrolliert; die vielen Gastarbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, da sie leicht des Landes verwiesen werden können.

3. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Zusammen mit dem Aspekt der Familienehre sind die streng aufrecht erhaltenen islamischen Überzeugungen ein signifikanter Grund für Familienmitglieder, gegen Verwandte vorzugehen, die sich zu Jesus Christus bekehren. Der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist in der Gesellschaft Katars inakzeptabel.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, das Evangelium mit Muslimen zu teilen, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordentliches Verfahren des Landes verwiesen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Der Nachrichtensender Al Jazeera ist in Katar angesiedelt. Konservative islamische Prediger wie Yusuf al-Qaradawi haben über Al Jazeera ein Millionenpublikum. Auch wenn al-Qaradawi nicht den Wahhabismus vertritt, wird er als wichtige intellektuelle Stimme der Muslimbruderschaft angesehen und hat klar ausgedrückt, dass Apostasie (der Abfall vom Islam) seiner Meinung nach mit dem Tod bestraft werden sollte.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen dafür, dass der Islam in ihrem Stamm oder in der Sippe respektiert wird. Sie beeinflussen Familienmitglieder, Druck auf Konvertiten auszuüben, damit diese wieder zum Islam zurückkehren.
  • Gewöhnliche Bürger: Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Gefahr für Christen in Katar. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können ausländische Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen, insbesondere die armen und nicht gut ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem Diskriminierungen und Misshandlungen durch ihre muslimischen Mitarbeiter ausgesetzt.

Katar ist bekannt dafür, den Wahhabismus ausbreiten zu wollen, der eine ultrakonservative Form des Islam darstellt. Auch wenn das Land versucht, offen und modern zu sein, hat diese strikte Interpretation des Islam Katar fest im Griff. Sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung setzen die Lehren des Wahhabismus in der Öffentlichkeit durch, indem beispielsweise Kleiderordnungen festgelegt werden, der Konsum von Alkohol verboten ist, die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird (um Kritik am Islam zu verhindern) und andere Religionsgemeinschaften dazu gezwungen werden, ihren Glauben nur privat zu leben.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Die eigene (Groß-)Familie: Obwohl es klar ist, dass die islamische Strafe für den Glaubensabfall – die Todesstrafe – ein Hauptgrund für die Verfolgung eines konvertierten Familienmitgliedes ist, kann dies nicht separat vom Konzept der „Familienehre“ betrachtet werden. Uralte Normen (wie der Schutz der Familienehre) sind immer noch intakt und der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist ein Verrat dessen, wofür eine muslimische Familie steht und bringt Schande auf den Familiennamen. Konvertiten laufen Gefahr, von ihren Familien verbannt oder sogar getötet zu werden.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen dafür, dass die Ehre ihrer Gruppe nicht durch ein Mitglied besudelt wird, das vom Islam zum christlichen Glauben übertritt. Eine Konversion ist eine wirkliche Schande für sie, da es ihnen (nur) darum geht, das Ansehen und die Ehre der Familie aufrechtzuerhalten.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung trägt zum Einfluss von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen bei, indem sie den Status quo in der Gesellschaft beibehält und an ihren kulturellen Praktiken festhält. Das heißt, die Regierung wird einen Konvertiten nicht vor seiner eigenen Familie beschützen, sondern dies als eine „Familienangelegenheit“ ansehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Lokale Imame etc. ermutigen ihre Gruppen, die kulturellen Normen aufrechtzuerhalten, die fest mit den islamischen Prinzipien verwoben sind.
  • Gewöhnliche Bürger: Die gesellschaftliche Stellung ist für Katarer sehr wichtig. Es besteht also ein ausgeprägter Druck, die gesellschaftlichen Normen zu wahren, um keine Schande über den guten Namen der Familie zu bringen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung Katars erlaubt keine Kritik von Staatsangelegenheiten. Das Land ist gut überwacht und Sicherheitskräfte kontrollieren alle Aktivitäten im Land. Gastarbeiter, die sich negativ gegenüber der Regierung äußern, werden sehr wahrscheinlich abgeschoben.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Katar ist ein sehr kleines Land, die Hauptstadt Doha bildet hier das Zentrum aller Aktivitäten. Die Risiken, mit denen Christen – und vor allem Konvertiten vom Islam zum Christentum – rechnen müssen, sind von der Gruppe abhängig, zu der die Christen gehören. Katarische Konvertiten sind den größten Risiken ausgesetzt, weil die Gesellschaft konservativ und Familienbande sehr stark sind. Westliche christliche Einwanderer haben meistens die Freiheit, ihren Glauben zu praktizieren, solange sie nicht evangelisieren. Nichtwestliche Christen, beispielsweise von den Philippinen, müssen eher mit Diskriminierung und Misshandlung rechnen, vor allem weibliche Hausangestellte. Es wird immer noch diskutiert, wie sehr ihr nichtmuslimischer Glaube zu ihrer Verletzlichkeit beiträgt.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

In dieser Kategorie variiert das Maß der Verfolgung. Weniger gebildete Arbeiter (z. B. Bauarbeiter) aus Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen haben einen geringen sozialen Status und werden generell schlechter behandelt als Arbeitsmigranten aus der westlichen Welt, die in qualifizierteren Berufen arbeiten. Deshalb werden Arbeiter aus Asien und Afrika – unabhängig von ihrer Religion – schlecht behandelt. Wenn solche Arbeiter Christen sind, trägt dies zu ihrer Verletzlichkeit bei und sie sind einem starken Druck ausgesetzt, Muslime zu werden. Sie sind nicht frei, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren und viele von ihnen haben in den auf dem Areal, das die Behörden ihnen außerhalb der Hauptstadt Doha zugewiesen haben, eigens errichteten Lagern kaum die Möglichkeit, Gottesdienste zu besuchen.

Es gibt Verkehrs- und Parkplatzprobleme bei dem Kirchenkomplex und viele Christen denken, dass der Komplex bald zu klein sein wird, um alle Christen Katars, die sich zum Gottesdienst versammeln, aufzunehmen. Eine positive Entwicklung im Jahr 2015 war die Zuteilung von Land für die kurz zuvor registrierte libanesische maronitische Kirche und die philippinische evangelische Gemeinde, damit sie Kirchen bauen konnten. Es wird erwartet, dass die maronitische Kirche in naher Zukunft ihre Türen öffnen kann.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund werden in Katar stark verfolgt. Sie gelten als vom Islam Abgefallene, sind Diskriminierungen und Belästigungen vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt und riskieren sogar, für ihren Glauben von ihrer Familie getötet zu werden. Apostasie ist zudem laut Strafgesetz ein Verbrechen. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1971 wurden allerdings keine Exekutionen oder andere offizielle Strafen für die Abkehr vom islamischen Glauben registriert. Fast alle christlichen Katarer haben sich im Ausland für den christlichen Glauben entschieden. Die meisten kehren aus Furcht nicht in ihr Land zurück. Einheimische christliche Konvertiten stehen stark unter der Kontrolle ihrer Familien. Sie sind sowohl Druck von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Den Großteil der Christen mit muslimischem Hintergrund bilden jedoch Arbeitsmigranten. Der Druck auf beide Gruppen (einheimische und ausländische Christen muslimischer Herkunft) ist sehr hoch. Konvertiten mit Migrationshintergrund sind hohem Druck von ihrem sozialen Umfeld in den Unterkünften für Gastarbeiter ausgesetzt und werden von diesem Umfeld kontrolliert. Auch ihre muslimischen Arbeitgeber können als Verfolger auftreten.

Diese harte Reaktion auf christliche Konvertiten muss im Kontext der Stammeskultur gesehen werden. Der Zusammenhalt von Familie und Stamm ist sehr stark. Religion ist dabei keine Privatsache. Sie ist Teil der Identität der (Groß-)Familie und des Stammes. Den Islam zu verlassen und einen anderen Glauben anzunehmen, ist damit nicht nur ein Glaubenswechsel, sondern bedeutet auch, die Familie zu verlassen. Das stellt eine Bedrohung für die Loyalität der Gruppe dar. Als schwach angesehen zu werden, ist eine große Schande für die Familie. Das erklärt die Strenge, mit der Familien mit Konvertiten umgehen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 13.6
Familienleben 13.4
Gesellschaftliches Leben 10.8
Leben im Staat 12.2
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 2.2

 

Grafik: Verfolgungsmuster Katar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (12,8 Punkte), und von 12,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 gestiegen. Der Druck auf Christen, besonders auf Konvertiten vom Islam zum Christentum, verbleibt auf einem hohen Maß. Der Anstieg resultiert aus einer Neubewertung der Situation im Land im Vergleich mit Nachbarstaaten.
  • Obwohl alle Lebensbereiche ein hohes oder sehr hohes Maß an Druck aufweisen, ist die Verfolgung im Bereich „Kirchliches Leben“ und „Privatleben“ am höchsten. Das spiegelt die Schwierigkeiten wider, die Christen muslimischer Herkunft erleben, ihren Glauben zu praktizieren und mit ihren Familienmitgliedern zu teilen. Der extrem hohe Wert für das kirchliche Leben zeigt, wie schwierig es für Kirchen ist, etwa ein neues Gebäude zu bauen, und wie sie darin eingeschränkt sind, Muslimen das Evangelium zu verkünden.
  • Die Punktzahl für Gewalt stieg von 1,1 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 2,2 im Weltverfolgungsindex 2020. Dieser Anstieg resultiert aus den Vorfällen, die christliche Arbeitsmigranten betreffen, allerdings können aus Sicherheitsgründen keine Details genannt werden.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Für Christen ist es riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form oder persönlichen Äußerung zu zeigen (etwa auf Blogs oder Facebook): Hier sehen sich Konvertiten vom Islam zum Christentum dem höchsten Risiko ausgesetzt, da sie durch glaubensbezogene Posts entdeckt werden könnten. Christen dürfen nicht evangelisieren oder den Islam öffentlich kritisieren.
  • Für Christen ist es riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Konvertiten können keine christlichen Symbole tragen, denn auch das könnte zur Entdeckung ihres Glaubens führen. Ausländische Christen sind ebenfalls vorsichtig, denn ein Kreuz öffentlich zu zeigen kann zu negativen Bemerkungen und anderen Belästigungen führen, vor allem wenn sie in einem katarischen Haushalt arbeiten (z. B. als Hausangestellte).
  • Für Christen ist es riskant, über ihren Glauben zu sprechen: Das Risiko ist für katarische Konvertiten am höchsten, während es bei nichtkatarischen Konvertiten auf die speziellen Normen ihrer eigenen Gemeinschaft ankommt. Ausländische Christen können der Evangelisation beschuldigt werden, was zur Ausweisung führt.
  • Konversion ist verboten: Einheimische und ausländische Christen muslimischer Herkunft können ihren Glauben nicht offen ausüben. Jeder Hinweis, dass sie Christen sein könnten, kann ernste Konsequenzen haben.

Ausländische Christen aus westlichen Ländern sind generell hochgebildet und haben relativ gesehen mehr Freiheit, ihren Glauben privat auszuüben, so lange sie nicht mit Muslimen über den christlichen Glauben sprechen. Weniger gebildete ausländische christliche Arbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, und ihre Freiheit im Privatleben hängt von der Einstellung und Religion der Gastarbeiter ab, die mit ihnen in den Arbeiterunterkünften wohnen, wo es oft kaum Privatsphäre gibt. Im Fall der Hausangestellten, welche meist Frauen sind, ist die Gefahr auch von der Einstellung ihrer Arbeitgeber abhängig.

Familienleben

  • Registrierung von Geburt, Hochzeit oder Tod etc. eines Christen wird verhindert: Eine Konversion wird nicht anerkannt, folglich ist es unmöglich für Christen muslimischer Herkunft, eine christliche Hochzeit registrieren zu lassen oder ihre Kinder als Christen registrieren zu lassen.
  • Beerdigungen von Christen wurden verhindert oder zwangsweise mit nichtchristlichen Riten durchgeführt: Konvertiten müssen ihren Glauben meist verbergen. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass ihre Familie von ihrem Glaubenswechsel weiß, werden sie wahrscheinlich trotzdem gemäß den islamischen Riten beerdigt.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder dem christlichen Glauben entsprechend zu erziehen: In einer vom Islam durchtränkten Gesellschaft ist es für Christen muslimischer Herkunft sehr schwer, ihre Kinder christlich zu erziehen.
  • Christliche Kinder werden dazu gedrängt, anti-christlichen oder islamischen Unterricht in allen Bildungsniveaus zu besuchen: Dies gilt vor allem für Konvertiten vom Islam zum Christentum. Da ihr neuer Glaube keine Anerkennung erfährt, können ihre Kinder nicht von der islamischen Bildung freigestellt werden. Islamische Unterweisung ist sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen verpflichtend; die Bereitstellung nicht-islamischer religiöser Unterweisung ist verboten.

Alle Katarer gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft stehen in erheblicher Gefahr, zur Wiederherstellung der Familienehre ermordet zu werden. Wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken, drohen ihnen körperliche Gewalt oder die Verbannung. Daher bleiben viele Christen muslimischer Herkunft aus Angst vor Gerüchten oder Verrat anonym. Für ausländische Christen ist es schwierig, in einem zum Großteil islamisch geprägten Umfeld in Übereinstimmung mit ihrem Glauben zu leben und ihre Kinder aufzuziehen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden wegen ihres Glaubens schikaniert, bedroht oder in ihrem täglichen Leben behindert: Dies gilt vor allem für Christen muslimischer Herkunft. Sowohl katarische als auch nichtkatarische Konvertiten sind Belästigungen ausgesetzt, wenn ihre Konversion bekannt ist. Ausländische Christen können ebenfalls Belästigungen und Diskriminierung erleben, wobei es oft auf ihre Herkunft ankommt (westliche ausländische Christen werden weit weniger belästigt als afrikanische Christen).
  • Christen werden von ihren örtlichen Gemeinschaften oder privaten Gruppen überwacht (z. B. in Form von Mitteilungen an die Polizei, Beschattung, Überwachung von Telefongesprächen und E-Mails etc.): Jede Form der Kommunikation wird in Katar überwacht, aber vor allem einzelne Christen, die über ihren Glauben sprechen, werden streng beobachtet.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen Riten oder Feierlichkeiten teilzunehmen: Alle Menschen in Katar müssen den Ramadan in der Öffentlichkeit einhalten, ausgenommen sind ausgewählte Orte (wie manche Einkaufszentren oder Restaurants). Konvertiten müssen alle islamischen Riten einhalten, aus Angst entdeckt zu werden.
  • Christen werden von ihrer Gemeinschaft unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören: Die gesamte Gesellschaft übt einen hohen Druck auf Konvertiten aus, ihren Glauben zu widerrufen, während ausländische Christen gelegentlich dazu gedrängt werden, zum Islam zu konvertieren. Manche haben eine äußerlich islamische Erscheinung, um Diskriminierung aus dem Weg zu gehen, vor allem, wenn sie eng mit Katarern zusammenarbeiten (z. B. Hausangestellte).

Christliche Arbeitsmigranten mit geringer Bildung können Schikanen und Diskriminierung an ihrem Arbeitsplatz und in ihren Gemeinschaften erleben – bei Konvertiten wird dies definitiv geschehen, wenn ihr Glaube bekannt ist. Bei Kontakt mit den Behörden sind alle Christen von Diskriminierung betroffen. Christlichen Eltern ist es zwar erlaubt, ihre Kinder zuhause religiös zu erziehen, jedoch ist nichtmuslimische Erziehung sowohl in öffentlichen als auch privaten Schulen verboten.

Leben im Staat

  • Die Verfassung (bzw. vergleichbare staatliche Gesetze) schränkt die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Das Rechtssystem basiert auf der Scharia und die Konversion zu einer anderen Religion als dem Islam ist illegal.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien sind verboten: Die katarische Regierung erlaubt keiner nichtstaatlichen Organisation mit klaren christlichen Überzeugungen, in Katar tätig zu sein.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit auszudrücken: Es ist unmöglich, die Regierung oder den Islam zu kritisieren. Bei ausländischen Christen führt dies zur Ausweisung. In einer Gesellschaft, die durch und durch vom Islam geprägt ist, müssen Christen sehr vorsichtig sprechen, wenn sie ihre Ansichten aus christlicher Sicht wiedergeben.
  • Christen, Gemeinden oder christliche Organisationen werden daran gehindert, christliche Symbole in der Öffentlichkeit zu zeigen: Christliche Symbole dürfen in der Öffentlichkeit nur im „religiösen Komplex“ gezeigt werden, der sich außerhalb von Doha befindet und wo alle Gemeinden angesiedelt sind.

Nichtmuslime stehen bei Fällen, in denen es um das Sorgerecht geht, unter dem Recht der Scharia. Andere Fälle, die den Personenstand betreffen, wie Scheidungen und Erbfälle, werden jedoch gemäß Zivilrecht behandelt. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck seitens der Behörden, wenn ihr christlicher Glaube bekannt wird. Ausländische Christen bekommen Probleme, wenn sie aktiv das Evangelium mit Muslimen teilen. Dies kann zu ihrer Verhaftung und Ausweisung führen.

Die Regierung hat ein Zentrum für interreligiösen Dialog finanziert, das aktiv religiöse Toleranz fördert. Diese Politik scheint jedoch keinen wirklichen Unterschied für Christen in Katar zu machen. Während des Ramadan betont die Regierung die Wichtigkeit des Fastens und anderer religiöser Pflichten, auch für Nichtmuslime. Jeder, der dabei gesehen wird, wie er am Tag isst oder trinkt, kann verhaftet werden.

Kirchliches Leben

  • Aktivitäten der Kirchen werden überwacht: Der „religiöse Komplex“ verfügt über ein Sicherheitssystem nach Art eines Flughafens und kann von Nichtchristen nicht besucht werden. Alle Kirchen und ihre Aktivitäten werden überwacht und es ist schwer, irgendwelche (christlichen) Aktivitäten außerhalb des Geländes zu organisieren.
  • Kirchen werden daran gehindert, Konvertiten öffentlich zu integrieren: Es ist unmöglich, Konvertiten zu integrieren, da sie den „religiösen Komplex“ nicht betreten, geschweige denn, Teil einer christlichen Gemeinschaft sein dürfen.
  • Das öffentliche Verkaufen und Verteilen von Bibeln oder anderem christlichen Material wird behindert: Veröffentlichung, Import und Verbreitung religiösen Materials ist strikt reguliert. Kirchen ist es nicht länger erlaubt, ihre eigenen Möglichkeiten zu nutzen, um Bibeln zu importieren und sie sind gezwungen, säkulare Buchhandlungen zu nutzen.
  • Sich gegen Verfolger auszusprechen, ist für Kirchen riskant: Die Kirchen sind sehr darauf bedacht, nicht die Gunst ihrer katarischen Gastgeber zu verlieren. Kritik an der Regierung wird nicht geschätzt und die meisten Kirchen betreiben diesbezüglich eine Selbstzensur. Kirchen sprechen allenfalls möglicherweise bestimmte Punkte an (z. B. Missbrauch am Arbeitsplatz), wenn sie eine gute Beziehung zu einer machthabenden Person haben.

Ausländische Christen dürfen nur privat oder an dafür festgelegten Orten Gottesdienste feiern. Äußerliche Symbole für den Glauben, wie Kreuze und Kirchen, sind illegal. Es gibt acht registrierte und viele nicht registrierte Gemeinden in Katar, denen vor allem die große Gruppe der Arbeitsmigranten angehört. Eine offizielle Kirchenregistrierung ist schwierig zu erhalten. Die Kirchen konzentrieren sich auf einen Bezirk außerhalb der Hauptstadt Doha. Daraus resultiert die Gefahr der Ghettobildung und der Überwachung, was durch die Behörden unter dem Vorwand der Sicherheitsgarantie auch geschieht. Berichten zufolge kontrollieren die Sicherheitsbeamten, die die Kirchen beschützen sollen, auch, ob es Muslime gibt, die versuchen, die Gottesdienste zu besuchen. Positiv ist zu verzeichnen, dass die katarischen Behörden 2015 Land für die libanesisch-maronitische Kirche und für die philippinische evangelische Gemeinde zur Verfügung gestellt hat, um Kirchengebäude zu bauen. Auch wurden nicht registrierte Gemeinden nicht daran gehindert, zum Gottesdienst zusammenzukommen.

Auftreten von Gewalt

  • Es ist weithin bekannt, dass weibliche Hausangestellte leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. Die OECD berichtet: „Hausangestellte werden nicht durch das Arbeitergesetz geschützt. Weibliche Hausangestellte werden oft spät oder gar nicht bezahlt, müssen sehr viele Stunden arbeiten ohne freie Tage und erhalten nur unzureichende Unterkünfte. Außerdem berichtet Amnesty International (2014), dass Hausangestellte in Katar unter Einschränkung der Bewegungsfreiheit und der Kommunikation, demütigender Behandlung und Zwangsarbeit leiden.”
  • Es sind jedoch kaum Statistiken verfügbar, da keine der involvierten Personen, Organisationen und Staaten Interesse daran haben, die Realität offenzulegen: Katar braucht die Hausangestellten, hat aber eine Schamkultur und will keinen schlechten Ruf riskieren. Die Heimatländer der Hausangestellten brauchen das Geld, das von den tausenden Arbeitsmigranten in den Golfstaaten kommt und wollen ihre ökonomischen Interessen nicht gefährden (obwohl der philippinische Präsident Duterte eine temporäre Reisesperre nach Kuwait verhängt hat, nachdem die Leiche eines philippinischen Hausmädchens im Februar 2018 in einer Gefriertruhe entdeckt worden war). Die Arbeitgeber missbrauchter Hausmädchen sind entweder selbst die Täter oder haben kein wahres Interesse an ihrem Wohlergehen. Die Hausmädchen schämen sich häufig aufgrund des Missbrauchs und wollen nicht als „schmutzig“ angesehen werden, sowohl in Katar als auch von ihrer Familie in der Heimat. Zudem versorgen viele ihre Familien mit dringend benötigtem Einkommen. Diese sind stolz auf ihre Arbeit in Katar und die Hausmädchen wollen ihre Familien nicht enttäuschen.
  • Aus den genannten Gründen wurde nur eine vorsichtige Schätzung der Zahl der christlichen Hausmädchen vorgenommen, die im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 wegen ihres Glaubens (sexuell) missbraucht wurden.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Verweigerung der Möglichkeit, einen christlichen Partner zu heiraten
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsheirat
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenraub
  • Reiseverbot/Einschränkung der Reisefreiheit
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Da in Katar die Scharia gilt und die wahhabitische Interpretation des Islam vorherrscht, erleben Frauen generell Einschränkungen und Begrenzungen ihrer Menschenrechte. Diese Einschränkungen machen christliche Frauen besonders verwundbar für religiöse Verfolgung. Zu diesen Einschränkungen gehört unter anderem, dass die Frau ihrem Ehemann gehorchen muss, was häusliche Gewalt legalisiert. Ebenfalls ist es legal, dass Frauen nur die Hälfte von dem erben, was ein männliches Mitglied der Verwandtschaft erhalten würde. Katarische Frauen und Mädchen stehen unter der Vormundschaft ihrer männlichen Familienmitglieder. Das bedeutet, dass es in der Kultur akzeptierte Standards der Privatsphäre gibt: die Behörden mischen sich nicht in das ein, was im Heim der Familie geschieht.

Dies macht es Christinnen muslimischer Herkunft besonders schwer, denn ihre Familien besitzen die Autorität, ihnen das Recht zu reisen zu verweigern, sie unter Hausarrest zu stellen, den Zugriff auf das Geld zuhause zu verweigern, oder sie aus der Familie auszuschließen in einer Gesellschaft, in der eine Frau nicht einfach allein leben kann. Der Übertritt vom Islam zu einer anderen Religion ist verboten, und wer es doch wagt, muss die neuen religiösen Ansichten verheimlichen. Wenn sie entdeckt werden, riskieren weibliche Konvertiten, von ihren Familien oder Gemeinschaften verbannt zu werden. Ihnen droht auch körperliche Gewalt oder sogar der Ehrenmord, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Daher müssen christliche Konvertiten über ihren Glaubenswechsel Stillschweigen bewahren.

Zusätzlich sind Frauen mit muslimischem Hintergrund gesetzlich darin beschränkt, einen Nichtmuslim zu heiraten. Eine oft erwähnte Form der religiösen Verfolgung, die Christinnen muslimischer Herkunft erleben, ist die Zwangsheirat mit einem religiösen Mann. Von diesem Mann wird erwartet, dass er seine Frau demütigt, damit sie wieder zum Islam übertritt; er hat die Macht, ihr die Freiheit auf Lebenszeit zu nehmen. Manche werden sogar an den strengsten religiösen Onkel oder Neffen als Zweitfrau verheiratet, bei dem sie im Prinzip das Leben einer Sexsklavin führen müssen, jeder Gemeinschaft und jeden Respekts beraubt. Laut dem Koran darf ein muslimischer Mann mit jeder Frau schlafen, „die seine rechte Hand besitzt“. Dies schließt seine Frauen und Sklavinnen mit ein. Frauen, die in Katar als Hausangestellte arbeiten, werden oft als Teil dieser Kategorie gesehen, was zu sexueller Belästigung oder sklavenähnlichem Umgang führt. Die Misshandlung von Gastarbeitern – sexueller Missbrauch inbegriffen – ist als Thema mittlerweile ins Blickfeld der Weltöffentlichkeit gerückt. Auch wenn es nicht hauptsächlich glaubensbezogen ist, gibt es Aussagen, dass nichtmuslimische Gastarbeiter, die in Haushalten arbeiten – von denen fast alle Frauen sind – verwundbarer für solchen Missbrauch sind als Muslime.

Unter der geringen Zahl irakischer Christen (Kriegsflüchtlinge) kommen Druck und Gewalt hauptsächlich von Familie und sozialem Umfeld – und dies bekommen typischerweise am stärksten die Frauen und Mädchen zu spüren, gefolgt von jungen Männern und zuletzt von älteren Männern (was den Status und ihre Freiheit in ihrer Kultur im Allgemeinen widerspiegelt). Verheiratete Christinnen muslimischer Herkunft werden sehr wahrscheinlich zur Scheidung gezwungen, denn Frauen sind diejenigen, die Glaubenswerte an die Kinder weitergeben. Also sind sie bedeutsam für die Familienehre. Jede Schande für die ganze Familie erfordert eine harte Antwort, und es ist fast sicher, dass die Konvertitin das Sorgerecht für alle Kinder verliert.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Falsche Anschuldigungen
  • Erzwungene Flucht aus der Stadt oder Land
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Durch die Selbstzensur der Christen werden alle nicht-islamischen religiösen Äußerungen begrenzt. Wenn Christen von den Behörden überprüft werden, sind es meistens und vor allem die Männer, denn hauptsächlich sie sind in der Öffentlichkeit unterwegs und somit an vorderster Front, wenn es um Kontakte mit den Behörden geht. Von den christlichen Leitern (grundsätzlich Männer) wird erwartet, dass sie detailliert über Kirchenaktivitäten berichten; die Leiter sind im Besonderen Ziel von Untersuchungen.

Kirchengelände für Ausländer werden ebenfalls streng überwacht. Die Ausweisung eines philippinischen christlichen Pastors 2014-2015 unter dem Vorwand der Spionage gilt immer noch als eine Warnung für christliche Leiter. Menschen, die als Muslime bekannt sind (sowohl in- als auch ausländische) ist es von der Regierung nicht gestattet, den offiziell genehmigten „religiösen Komplex“ zu betreten und Nichteinheimische würden damit die Ausweisung riskieren.

Männliche Konvertiten sind nicht immun gegen häusliche Gewalt; wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird, kann die Großfamilie ihnen damit drohen, ihre Frauen und Kinder wegzunehmen und bei anderen Familien unterzubringen. Im „besten“ Fall stimmen die Ehefrauen zu, mit ihren Männern zusammenzubleiben unter der Voraussetzung, dass die Kinder nicht über den Glauben des Vaters informiert werden. Solche Konvertiten können vielleicht im persönlichen Bereich ihren Glauben leben, dürfen ihren Glauben jedoch nicht ihren Kindern mitteilen. Diese kombinierten Restriktionen zeigen, dass katarische Männer quasi isoliert werden und es ihnen sehr schwer gemacht wird, andere Christen zu treffen oder im christlichen Glauben unterrichtet zu werden und wachsen zu können.

Des Weiteren befinden sich christliche Männer auch in der Arbeitswelt unter Druck, denn der Verlust des Status eines Mannes und seiner Arbeit würde große Auswirkungen auf die Familie haben. Es würde zum Verlust des Einkommens, der Zukunftsaussichten und zu sozialer Isolation führen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nur der Islam, das Christentum und das Judentum sind in Katar als Religionen anerkannt. Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2018 des US-Außenministeriums sind nur sunnitische und schiitische Muslime und acht christliche Denominationen als religiöse Gruppen offiziell registriert. Andere religiöse Gemeinschaften, wie die zahlenmäßig beträchtliche hinduistische und buddhistische Gemeinschaft, sind nicht offiziell anerkannt. Ihre Treffen werden jedoch üblicherweise toleriert und es gibt mindestens drei Hindutempel im Land. Es kann angenommen werden, dass die kleine schiitische Gemeinschaft im Alltag ebenfalls mit Diskriminierungen leben muss.

9. Ausblick

Islamische Unterdrückung

Auch wenn Katar an der Oberfläche sehr modern aussieht, bleibt es ein wahhabitisches Land mit einer strengen Auslegung der Scharia. Es ist nicht wahrscheinlich, dass sich dies in naher Zukunft grundlegend ändert, auch wenn Materialismus und Modernisierung auf lange Sicht zu mehr Offenheit und Freiheit führen könnten. Zudem könnte der politische Bruch mit Saudi-Arabien, das sich als wichtigstes wahhabitisches Land sieht, Katar dazu bringen, sich vom Wahhabismus abzuwenden. Das wiederum könnte zum Nachlassen des Drucks auf Christen führen. Die wachsenden Verbindungen zum Iran und zur Türkei könnten allerdings den politischen Islam und das islamistische Denken noch verstärken.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Es ist eine große Herausforderung für das Land, seine kulturellen und religiösen Standards inmitten rapider Modernisierung aufrechtzuerhalten. Auch wenn der Einfluss der Stammeskultur noch sehr dominant ist, wird sich die junge Generation in einer globalisierten Gesellschaft, mit mehr individuellen Entscheidungen als noch vor einem Jahrzehnt, wohl nicht diesen Regeln unterwerfen wollen. Katar hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert von einer Gesellschaft ähnlich der Saudi-Arabiens hin zu einer Gesellschaft, die eher vergleichbar ist mit der Dubais. Es bleibt jedoch unklar, ob sich solche Entwicklungen hin zu einem Individualismus wirklich positiv auf die Situation der Christen im Land auswirken. Es könnte auch bedeuten, dass konservative Elemente der Gesellschaft dagegen protestieren und fordern, dass der katarische Lebensstil zu einer reinen Form des Islam zurückkehrt.

Diktatorische Paranoia

Während der Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 2022 hat die beklagenswerte Behandlung von Arbeitsmigranten in Katar mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregt. Durch Druck aus dem Westen führt das Land kleine Reformen in den Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeiter durch. Es werden jedoch keine bedeutenden Verbesserungen in dem streng islamischen Land erwartet, das für die umfassende Kontrolle seiner Gesellschaft bekannt ist. Demnach können in naher Zukunft auch keine bedeutenden Veränderungen in der Religionsfreiheit für Christen erwartet werden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Katar:

  • Aufgrund der politischen Differenzen mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten ist Katar immer mehr isoliert. Beten Sie, dass Wege gefunden werden, die Christen zu ermutigen und zu lehren, insbesondere in Zeiten der wachsenden Isolation. 
  • Bitte beten Sie, dass christliche Arbeiter aus dem Ausland in der Lage sind, ihren Arbeitgebern, von denen sie ausgenutzt werden, die Liebe Jesu zu zeigen.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die ihren Glauben nicht mit ihren muslimischen Familienmitgliedern teilen können, dass sie Weisheit und Urteilsvermögen bekommen, wie sie ihren Glauben weitergeben können.