Länderprofil Katar

Katar

38
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Katar
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Absolute Monarchie
Platz Vorjahr
27
ISO
QA
Karte Katar
Christen
0,22
Bevölkerung
2.70
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.000
Familienleben: 12.600
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 11.000
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Katar

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 38 / 62 Punkte (WVI 2018: Platz 27 / 63 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Die Staatsreligion Katars ist ein streng wahhabitischer Islam. Nichtmuslimische religiöse Gruppen wie Christen können ihren Glauben nur in Privathäusern oder einem dafür ausgewiesenen Grundstück ausüben. Evangelisation ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Werte und Normen der Stammeskulturen sind mit dem Islam verflochten und werden Christen aufgezwungen. Dies betrifft besonders Christen mit muslimischem Hintergrund.

Diktatorische Paranoia: Katar ist eine absolute Monarchie. Die Regierung hat einen Wohlfahrtsstaat mit vielen finanziellen Vorteilen für katarische Staatsbürger geschaffen. Die Regierung erwartet im Gegenzug Gehorsam und lässt keinen Widerspruch zu. Obwohl ausländische Christen relativ frei darin sind, ihren Glauben auszuüben, überwacht die Regierung all ihre Aktivitäten.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Die Stammeskultur spielt in der katarischen Gesellschaft trotz moderner Technologien und Architektur noch immer eine sehr große Rolle. Alte Normen und Werte haben weiterhin großen Einfluss und werden strikt durchgesetzt.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Christen erleben Verfolgung auf allen Ebenen der Gesellschaft: Die Regierung, das soziale Umfeld und selbst die eigene Familie können für Christen gefährlich sein, insbesondere für Christen muslimischer Herkunft. Keine andere Religion wird neben dem Islam akzeptiert, und die Gesetze der Scharia schreiben viele Regeln für das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben vor. Die Gesellschaft Katars ist konservativen islamischen Werten verpflichtet, die von den Bürgern und der Regierung durchgesetzt werden. Die Staatsreligion ist der strikt konservative wahhabitische Islam.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Es gibt zwei Gruppen von Christen in Katar, die streng voneinander getrennt sind und sehr vorsichtig sein müssen, wenn sie Kontakt miteinander haben. Die größere Gruppe stellen die Gemeinschaften ausländischer christlicher Gastarbeiter dar. Muslimen das Evangelium zu verkünden, ist streng verboten und kann zu Strafverfolgung und Ausweisung aus dem Land führen. Es wurde ihnen jedoch in der jüngeren Vergangenheit erlaubt, Gottesdienste mit vielen Teilnehmern zu feiern. Viele dieser Gastarbeiter leben und arbeiten unter ärmlichen Bedingungen. Ihr christlicher Glaube macht sie zusätzlich verletzlich. Trotz dieser Lebensbedingungen wachsen diese christlichen Gemeinschaften.

Die andere Gruppe besteht aus Christen mit muslimischem Hintergrund. Diese Konvertiten tragen die Hauptlast der Verfolgung, egal, ob sie aus Katar stammen oder eingewandert sind. Die meisten einheimischen Christen haben den Glauben an Jesus im Ausland angenommen. Sie sind sowohl dem Druck von Familienmitgliedern, als auch von ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Konvertiten mit Migrationshintergrund stehen unter hohem Druck und werden von ihrem sozialen Umfeld in den Arbeitsunterkünften, in denen sie leben, kontrolliert. Selbst ihre Arbeitgeber können als Verfolger auftreten. Sowohl einheimische als auch ausländische Christen muslimischer Herkunft riskieren Diskriminierung, Belästigung, polizeiliche Überwachung und alle Arten von Einschüchterung durch gewalttätige Gruppen. Ein Religionswechsel weg vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen. Dennoch gibt es kaum Berichte darüber, dass Christen wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Gewalttätige Vorfälle gegen Christen werden kaum berichtet. Das Land wird streng überwacht und ist im Allgemeinen friedlich. Vorkommnisse, bei denen christliche Arbeitsmigranten ins Visier genommen werden, werden wahrscheinlich deshalb nicht gemeldet, weil es in niemandes Interesse liegt, mit Details an die Öffentlichkeit zu gehen: das Opfer will seinen Arbeitsplatz behalten und andere Akteure (wie die Regierung) sind nicht daran interessiert, solche Vorfälle aufzuzeichnen. Zudem ist es manchmal schwer zu unterscheiden, ob eine Misshandlung aufgrund des Glaubens des christlichen Arbeiters geschieht. Im Allgemeinen kann jedoch angenommen werden, dass der Glaube nichtmuslimischer Arbeitsmigranten, einschließlich Christen, zu größerer Gefährdung führt.

Meldungen und Beiträge zu Katar

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Katar: Mit Jesus zur WM | Open Doors Magazin 05/17

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Katar

Katar – wie ausgebeutete Arbeiter aus dem Ausland auf den Baustellen des strengislamischen Emirats zum Glauben an Jesus Christus finden.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Katar Platz 38 auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Trotz eines Rückgangs um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr sind Christen in Katar (besonders Christen muslimischer Herkunft) weiterhin sehr starkem Druck vonseiten der katarischen Regierung und der katarischen Gesellschaft ausgesetzt. Die geringfügige Verbesserung kam dadurch zustande, dass der Druck auf ausländische und Christen muslimischer Herkunft, die keine Katarer sind, etwas nachgelassen hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Staatsreligion ist der strikt konservative wahhabitische Islam. Während Muslime die Freiheit haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, dürfen nichtmuslimische Gruppen wie Christen ihren Glauben nur in Privathäusern oder einem dafür ausgewiesenen Grundstück ausüben. Evangelisation ist gesetzlich verboten und wird mit bis zu zehn Jahren Haft geahndet. Kritik am Islam wird bestraft. Die Abwendung vom Islam zu einer anderen Religion wird als Abfall vom Islam verstanden, was verboten und gesellschaftlich nicht akzeptabel ist. Das Familienrecht wird durch die Scharia, die islamische Gesetzgebung, bestimmt. Nahezu alle Staatsbürger Katars sind per Definition entweder sunnitische oder schiitische Muslime.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Die Stammeskultur spielt in der katarischen Gesellschaft trotz moderner Technologien und Architektur noch immer eine sehr große Rolle. Alte Normen und Werte haben weiterhin großen Einfluss und werden strikt durchgesetzt. Diese Stammeskultur ist stark mit dem Islam vermischt und Anfeindungen betreffen besonders Christen mit muslimischem Hintergrund. Wie im gesamten Nahen Osten ist die Religion stark mit der Familienidentität verknüpft. Daher wird es als Verrat an der Familie betrachtet, wenn jemand den Islam verlässt. Generell üben Familien starken sozialen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, um sie dazu zu bewegen, zum Islam zurückzukehren, die Region zu verlassen oder nicht über ihren neuen Glauben zu sprechen. In vielen Fällen entfremden sich christliche Konvertiten durch ihren neuen Glauben von ihrer Familie.

Diktatorische Paranoia

Katar ist eine absolute Monarchie und wird vom Emir regiert. Die Regierung hat einen Wohlfahrtsstaat mit vielen finanziellen Vorteilen für katarische Staatsbürger geschaffen. Im Gegenzug erwartet sie Gehorsam und lässt keinen Widerspruch zu. Außerdem macht sie es wegen der geringen Zahl von Staatsangehörigen im Vergleich zu einer sehr hohen Zahl von ausländischen Gastarbeitern zur Priorität, das Land streng islamisch zu halten. Obwohl ausländische Christen relativ frei darin sind, ihren Glauben auszuüben, überwacht die Regierung all ihre Aktivitäten. Das Land wird streng kontrolliert; die vielen Gastarbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, da sie leicht des Landes verwiesen werden können.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die konservative islamische Gesellschaft ist die größte Gefahr für Christen in Katar. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und daher wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können ausländische Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen, insbesondere die armen und nicht gut ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem Diskriminierungen und Misshandlungen durch muslimische Gastarbeiter ausgesetzt.

Als Muslim den christlichen Glauben anzunehmen, ist in Katar gesellschaftlich nicht akzeptabel. Die Regierung geht gegen jeden Christen vor, der versucht, das Evangelium mit Muslimen zu teilen, da Missionierung illegal ist und strafrechtlich verfolgt werden kann. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordentliches Verfahren des Landes verwiesen.

Katar ist bekannt dafür, den Wahhabismus ausbreiten zu wollen, der eine ultrakonservative Form des Islam darstellt. Auch wenn das Land versucht, offen und modern zu sein, hat diese strikte Interpretation des Islam Katar fest im Griff. Sowohl Gesellschaft als auch Regierung setzen die Lehren des Wahhabismus in der Öffentlichkeit durch, indem beispielsweise Kleiderordnungen festgelegt werden, der Konsum von Alkohol verboten ist, die Meinungsfreiheit eingeschränkt wird (Verbot der Kritik am Islam) und andere Religionsgemeinschaften dazu gezwungen werden, ihren Glauben nur privat zu leben.

Das Nachrichtennetzwerk Al Jazeera ist in Katar angesiedelt. Konservative islamische Prediger wie Yusuf al-Qaradawi haben über Al Jazeera ein Millionenpublikum. Auch wenn al-Qaradawi nicht den Wahhabismus vertritt, wird er als wichtige intellektuelle Stimme der Muslimbruderschaft angesehen und hat klar ausgedrückt, dass Apostasie (der Abfall vom Islam) seiner Meinung nach mit dem Tod bestraft werden sollte.

Ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen

Im Fall von Christen muslimischer Herkunft ist die eigene Familie des Konvertiten der größte Verfolger. Alte Normen wie der Schutz der Familienehre sind noch immer intakt. Die Beschmutzung dieser Ehre durch den Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist in der katarischen Gesellschaft nicht akzeptabel. Christliche Konvertiten riskieren es, von ihren Familien ausgestoßen oder sogar getötet zu werden.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Regierung Katars erlaubt keine Kritik von Staatsangelegenheiten. Das Land ist gut überwacht und Sicherheitskräfte kontrollieren alle Aktivitäten im Land. Gastarbeiter, die sich negativ gegenüber der Regierung äußern, werden sehr wahrscheinlich abgeschoben.

4. Hintergrund

Bis Juni 2017 schien Katar eine stabile Nation zu sein, die freundschaftliche Beziehungen zu den USA und Saudi-Arabien, aber auch dem Iran, der Hamas und der Hisbollah unterhielt. Abgesehen von einigen Protesten im Internet schien der Arabische Frühling für keine Unruhen in Katar zu sorgen, trotz der aktiven Rolle, die das Land in den Bewegungen des Arabischen Frühlings in anderen Ländern einnahm. Dies änderte sich plötzlich, als einige Golfstaaten und Ägypten, angeführt von Saudi-Arabien, im Juni 2017 alle diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen mit Katar abbrachen. Seitdem sind alle Land- und Seegrenzen zwischen Katar und Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen. Die offizielle Begründung für den Boykott Katars ist die angebliche Unterstützung von terroristischen Gruppen durch das Land.

Die konservativen und mehrheitlich wahhabitischen Katarer stehen der Demokratie nicht positiv gegenüber. Sie nehmen sie als westliches Konzept wahr, das nur zu schwierigen Situationen führt, wie in mehreren demokratisierten arabischen Ländern zu beobachten war. Ungewöhnlich für die Region ist, dass sich keine soziale oder wirtschaftliche Unzufriedenheit zeigt, da der Staat seinen Reichtum großzügig verteilt. Diese materialistische Sättigung führt zu politischer Apathie.

Die große Anzahl ausländischer Arbeitskräfte spielt eine große Rolle in Katar. Sie machen mehr als 80 Prozent der Einwohner des Landes aus, was die weltweit höchste Rate von Zuwanderern im Verhältnis zu Einheimischen darstellt. Die in Katar lebenden Ausländer werden von Katarern im Allgemeinen als Sklaven betrachtet und behandelt, insbesondere diejenigen aus Afrika und Asien. Die Arbeitsbedingungen für die Arbeitsmigranten sind mitunter unmenschlich und gefährlich; viele von ihnen werden unterbezahlt, leben in unzureichenden Behausungen (u.a. in unhygienischen und überfüllten Lagern für Arbeiter) und sind häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Es kommt durchaus vor, dass sie bei ihrer Arbeit auch ums Leben kommen. Zwangsarbeit und Menschenhandel sind bedeutende Probleme.

5. Betroffene Christen

Zwei der vier im Weltverfolgungsindex untersuchten Kategorien von Christen existieren in Katar:

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die Intensität der Verfolgung ist innerhalb dieser Kategorie unterschiedlich. So haben ungebildete Arbeitsmigranten aus Entwicklungsländern (z. B. Bauarbeiter) einen niedrigeren sozialen Status und werden meist schlechter behandelt als Ausländer aus dem Westen, die als Facharbeiter beschäftigt sind. Daher werden Migranten aus Asien und Afrika ungeachtet ihrer Religion generell schlecht behandelt. Ist ein solcher Arbeitsmigrant Christ, muss er mitunter zusätzliche Diskriminierungen erdulden. Dazu gehört massiver Druck, zum Islam zu konvertieren. Nichtmuslimische Migranten dürfen ihren Glauben nicht öffentlich ausüben. Viele von ihnen haben keine Möglichkeit, einen Gottesdienst in dem speziellen Komplex zu besuchen, der von der Regierung in der Wüste außerhalb der Hauptstadt Doha zur Verfügung gestellt wurde. Am Kirchenstandort herrschen bereits Verkehrsstaus und Parkplatznot. Viele Christen gehen davon aus, dass der Komplex bald zu klein sein wird, um alle Christen in Katar aufnehmen zu können, die sich zu den Gottesdiensten versammeln. Eine positive Entwicklung war 2015 die Vergabe von Grundstücken an die kürzlich registrierten Kirchen der libanesischen Maroniten und die philippinische evangelikale Gemeinschaft, damit Kirchen gebaut werden können.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund werden in Katar stark verfolgt. Sie gelten als vom Islam Abgefallene, sind Diskriminierungen und Belästigungen vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt und riskieren sogar, für ihren Glauben von ihrer Familie getötet zu werden. Apostasie ist zudem laut Strafgesetz ein Verbrechen. Seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1971 wurden allerdings keine Exekutionen oder andere offizielle Strafen für die Abkehr vom islamischen Glauben registriert. Fast alle Katarer, die sich für den christlichen Glauben entschieden haben, sind im Ausland zu diesem Glauben gekommen. Die meisten kehren aus Furcht nicht in ihr Land zurück. Einheimische christliche Konvertiten stehen stark unter der Kontrolle ihrer Familien. Sie sind sowohl Druck von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld ausgesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Der Großteil der Christen mit muslimischem Hintergrund sind jedoch Arbeitsmigranten. Der Druck auf beide Gruppen (einheimische und ausländische Christen muslimischer Herkunft) ist sehr hoch. Konvertiten mit Migrationshintergrund sind hohem Druck von ihrem sozialen Umfeld in den Unterkünften für Gastarbeiter ausgesetzt und werden von ihm kontrolliert. Auch ihre muslimischen Arbeitgeber können als Verfolger auftreten.

Diese starke Reaktion auf christliche Konvertiten muss im Kontext der Stammeskultur gesehen werden. Der familiäre und Stammeszusammenhalt sind sehr stark. Religion ist dabei keine Privatsache. Sie ist Teil der Identität der (Groß-)Familie und des Stammes. Den Islam zu verlassen und einen anderen Glauben anzunehmen, ist damit nicht nur ein Glaubenswechsel, sondern bedeutet auch, die Familie zu verlassen. Das stellt eine Bedrohung für die Loyalität der Gruppe dar. Als schwach angesehen zu werden, ist eine große Schande für die Familie. Das erklärt die Strenge, mit der Familien mit Konvertiten umgehen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13
Familienleben 12.6
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 11
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 1.1

Grafik: Verfolgungsmuster Katar

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist auf einem sehr hohen Niveau (12,2 Punkte), fiel jedoch im Vergleich zum Vorjahr leicht, als er bei 12,7 Punkten lag. Das liegt daran, dass weniger von Druck auf ausländische Christen berichtet wurde.
  • Obwohl alle Lebensbereiche ein hohes oder sehr hohes Maß an Druck aufweisen, ist die Verfolgung im Bereich "Kirchliches Leben" und "Privatleben" am höchsten. Das spiegelt die Schwierigkeiten wider, die Christen muslimischer Herkunft erleben, ihren Glauben zu praktizieren und mit ihren Familienmitgliedern zu teilen. Der extrem hohe Wert für das kirchliche Leben zeigt, wie schwierig es für Kirchen ist, etwa ein neues Gebäude zu bauen, und wie sie darin eingeschränkt sind, Muslimen das Evangelium zu verkünden.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 0,0 auf nun 1,1 Punkte gestiegen. Dieser Anstieg ist mit mehr Informationen zur Situation von Hausangestellten in katarischen Haushalten zu begründen. Ihr christlicher Glaube steigerte laut den Berichten ihre Gefährdung in Bezug auf (sexuellen) Missbrauch.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft – egal ob einheimisch oder eingewandert – können ihren Glauben nicht öffentlich leben. Jeder Hinweis, dass sie Christen sein könnten, kann ernsthafte Folgen haben. Ausländische Christen aus dem Westen haben mehr Freiheiten, ihren Glauben privat zu leben, solange sie das Evangelium nicht an Muslime weitergeben. Weniger qualifizierte christliche Arbeitsmigranten müssen ihren Glauben mit Vorsicht leben. Die Freiheit im Bereich „Privatleben“ hängt für sie von der Einstellung und Religion ihrer Arbeitskollegen ab, mit denen sie zusammen in den gleichen Unterkünften leben, in denen es häufig so gut wie keine Privatsphäre gibt. Im Fall von Hausangestellten, zumeist Frauen, kommt es zudem auf die Einstellung ihres Arbeitgebers an.

Familienleben

Alle Katarer gelten als Muslime. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Christen muslimischer Herkunft stehen in erheblicher Gefahr, zur Wiederherstellung der Familienehre ermordet zu werden. Wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken, drohen ihnen körperliche Gewalt oder die Verbannung. Daher bleiben viele Christen muslimischer Herkunft aus Angst vor Gerüchten oder Verrat anonym. Für ausländische Christen ist es schwierig, in einem zum Großteil islamisch geprägten Umfeld in Übereinstimmung mit ihrem Glauben zu leben und ihre Kinder aufzuziehen.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen werden mehr oder weniger durch Diskriminierung unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Weniger qualifizierte christliche Arbeitsmigranten können an ihrem Arbeitsplatz und in ihrem sozialen Umfeld schikaniert und diskriminiert werden; Christen muslimischer Herkunft werden es in jedem Fall, wenn ihr Glaube bekannt wird. Diskriminierung vonseiten der Behörden betrifft alle Christen. Christlichen Eltern ist es erlaubt, ihre Kinder zu Hause ihrem Glauben entsprechend zu erziehen, aber sowohl in öffentlichen als auch privaten Schulen ist nichtmuslimischer religiöser Unterricht verboten.

Leben im Staat

Das Rechtssystem basiert auf der Scharia und der Glaubenswechsel zu einer anderen Religion als dem Islam ist illegal. Nichtmuslime stehen bei Fällen, in denen es um das Sorgerecht geht, unter dem Recht der Scharia. Andere Fälle, die den persönlichen Status betreffen, wie Scheidungen und Erbfälle, werden jedoch gemäß Zivilrecht behandelt. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck seitens der Behörden, wenn ihr christlicher Glaube bekannt wird. Ausländische Christen bekommen Probleme, wenn sie aktiv das Evangelium mit Muslimen teilen. Dies kann zu ihrer Verhaftung und Ausweisung führen.

Die Regierung hat ein Zentrum für interreligiösen Dialog finanziert, das aktiv religiöse Toleranz fördert. Diese Politik scheint jedoch keinen wirklichen Unterschied für Christen in Katar zu machen. Während des Ramadan betont die Regierung die Wichtigkeit des Fastens und anderer religiöser Pflichten, auch für Nichtmuslime. Jeder, der dabei gesehen wird, wie er am Tag isst oder trinkt, kann verhaftet werden.

Kirchliches Leben

Ausländische Christen können sich nur privat oder an dafür ausgewiesenen Orten versammeln. Äußere Zeichen des Glaubens, wie Kreuze an Kirchengebäuden, sind verboten. Es gibt in Katar acht registrierte und viele nicht registrierte Gemeinden, die die große Gruppe der Arbeitsmigranten betreuen. Eine offizielle Registrierung zu erhalten, ist sehr schwierig. Die meisten Kirchen befinden sich in einem Außenbezirk der Hauptstadt Doha. Dies führt zur Bildung eines Ghettos. Unter dem Vorwand, ihre Sicherheit gewährleisten zu wollen, werden die Kirchen zudem streng überwacht. Laut Berichten versucht die Regierung mithilfe der Sicherheitsleute auch zu überwachen, ob Muslime versuchen, die Gottesdienste zu besuchen. Die Veröffentlichung, der Import und die Verteilung von religiösem Material werden stark reguliert. Die Kirchengemeinden dürfen selbst kein Material importieren, sondern sind auf säkulare Buchhandlungen angewiesen. Ein positives Signal für die Christen vonseiten der katarischen Behörden war die Erteilung von Baugenehmigungen für Kirchen der libanesischen maronitischen Gemeinde und der philippinischen evangelikalen Gemeinschaft im Jahr 2015. Es wurde jedoch bisher keine Kirche gebaut. Positiv ist auch, dass nicht registrierte Kirchen zumeist nicht am Gottesdienst gehindert werden.

Auftreten von Gewalt

Der Anstieg der Wertung für Gewalt hat mit der Situation von Hausangestellten und anderen verletzlichen Arbeitsmigranten zu tun, die eingehender untersucht werden konnte. Es ist weithin bekannt, dass vor allem weibliche Hausangestellte leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. Es sind jedoch kaum Statistiken verfügbar, da alle involvierten Personen, Organisationen und Staaten kein Interesse daran haben, die Realität abzubilden: Katar braucht die Hausangestellten, hat aber eine Schamkultur und will keinen schlechten Ruf riskieren. Die Heimatländer der Hausangestellten brauchen das Geld, das von den tausenden Arbeitsmigranten in den Golfstaaten kommt und wollen ihre ökonomischen Interessen nicht gefährden (obwohl der philippinische Präsident Duterte eine temporäre Reisesperre nach Kuwait verhängt hat, nachdem die Leiche eines philippinischen Hausmädchen in einer Gefriertruhe entdeckt worden war). Die Arbeitgeber missbrauchter Hausangestellten sind entweder die Täter oder haben kein wahres Interesse an ihrem Wohlergehen. Die Hausangestellten schämen sich häufig aufgrund des Missbrauchs und wollen nicht als "schmutzig" angesehen werden, sowohl in Katar als auch von ihrer Familie in ihrer Heimat. Zudem versorgen viele ihre Familien mit dringend benötigtem Einkommen. Diese sind stolz auf ihre Arbeit in Katar und die Hausangestellten wollen ihre Familien nicht enttäuschen. Daher ist es sehr schwer, Statistiken und Beweise für sexuellen Missbrauch zu erhalten. Es ist zudem schwierig, zu überprüfen, ob der sexuelle Missbrauch aufgrund der Religion des Opfers geschieht. Dennoch kann aufgrund der hohen Anzahl christlicher Arbeitsmigranten davon ausgegangen werden, dass christliche Hausangestellte aufgrund ihres Glaubens (sexuellen) Missbrauch erleben.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt gegen Christen finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Frauen werden in Katar allgemein schlechter behandelt als Männer. Christinnen sind besonders gefährdet und stehen in dem Risiko, entführt, vergewaltigt oder anders missbraucht zu werden. Die Stammeskultur beeinflusst ebenfalls, wie stark Christinnen muslimischer Herkunft verfolgt werden. Der Druck des Stammes wird von Frauen und Mädchen besonders stark erlebt. Das reflektiert auch ihren Status innerhalb der Kultur. Katarische Frauen und Mädchen unterliegen der Vormundschaft ihrer männlichen Familienmitglieder. Die Kultur akzeptiert ein bestimmtes Level an Privatsphäre, das die Autorität der lokalen Behörden einschränkt. So haben die Behörden kein Recht, sich in die Angelegenheiten katarischer Familien einzumischen. Das betrifft besonders Arbeitsmigranten, die als Besitz der Arbeitgeber gelten und Opfer von sexueller Belästigung oder faktischer Sklaverei werden können. Laut dem Koran darf ein muslimischer Mann mit jeder Frau schlafen, „die seine rechte Hand besitzt“. Dies schließt seine Frauen und Sklavinnen mit ein. Frauen, die in Katar als Hausangestellte arbeiten, werden oft als Teil dieser Kategorie gesehen. In vielen katarischen Haushalten gibt es Hausangestellte, von denen viele Christen sind. Dadurch sind sie in den Augen vieler Katarer noch weniger wert und sind so noch mehr dem Risiko sexuellen Missbrauchs ausgesetzt. Dies führt zu tiefen traumatischen Erfahrungen vieler Christinnen in Katar.

Christinnen muslimischer Herkunft sind einer weiteren Einschränkung ausgesetzt, da sie keinen Nichtmuslim heiraten dürfen. Zudem stehen sie in der Gefahr, durch ihre Familie mit einem konservativen muslimischen Onkel oder Neffen verheiratet zu werden, oft als Zweitfrau. Offiziell soll das dazu beitragen, dass sie ihren christlichen Glauben widerrufen und als anständige muslimische Frauen leben. In der Realität ist es jedoch wahrscheinlich, dass sie dazu gezwungen werden, als (Sex-) Sklavinnen zu leben und jeder Würde beraubt werden.

Entscheidet sich eine verheiratete Muslima, Christin zu werden, wird sie wahrscheinlich zur Scheidung gezwungen und verliert das Sorgerecht für ihre Kinder. Das kann Hoffnungslosigkeit und Depressionen auslösen.

Männer

Meist sind christliche Männer die Versorger ihrer Familien und tragen daher am Arbeitsplatz die Hauptlast der Diskriminierungen. Männer können in den Unterkünften für ausländische Arbeiter schnell Opfer von Diskriminierungen werden. Verliert ein Mann seinen Arbeitsplatz, leidet die ganze Familie darunter.

Christlichen Männern mit muslimischem Hintergrund wird häufig gedroht, dass ihre Frauen und Kinder weggenommen werden, sollten sie nicht ihren Glauben widerrufen. Je nach Situation kann es passieren, dass die Ehefrau einwilligt, weiterhin mit dem Mann zusammenzuleben, solange die Kinder nichts von seinem christlichen Glauben erfahren.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nur der Islam, das Christentum und das Judentum sind in Katar als Religionen anerkannt. Laut dem Bericht zur Religionsfreiheit 2017 des US-Außenministeriums sind nur sunnitische und schiitische Muslime und acht christliche Denominationen als religiöse Gruppen offiziell registriert. Andere religiöse Gemeinschaften, wie die zahlenmäßig beträchtliche hinduistische und buddhistische Gemeinschaft, sind nicht offiziell anerkannt. Ihre Treffen werden jedoch wie die von Hauskirchen üblicherweise toleriert und können ohne Störungen stattfinden. Katarer sind mehrheitlich Sunniten. Es kann angenommen werden, dass die kleine schiitische Gemeinschaft im Alltag ebenfalls mit Diskriminierungen leben muss.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Trotz der gegenwärtigen politischen Krise mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten scheint die politische, soziale und wirtschaftliche Situation Katars nicht instabil zu sein – auch wegen der reichlichen finanziellen Reserven. In mancherlei Hinsicht scheint die Krise mehr ein Machtspiel zu sein, das nicht darauf hinzielt, zu einem bewaffneten Konflikt zu werden. Auf der anderen Seite wird die Blockade Katars Wirtschaft auf lange Sicht schaden, was sich auf die wirtschaftliche Situation aller ausländischen Arbeitskräfte auswirken könnte, zu denen auch viele Christen gehören.

Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Auch wenn Katar an der Oberfläche sehr modern aussieht, bleibt es ein wahhabitisches Land mit einer strengen Auslegung der Scharia. Es ist nicht wahrscheinlich, dass sich dies in naher Zukunft bedeutend ändert, auch wenn Materialismus und Modernisierung auf lange Sicht zu mehr Offenheit und Freiheit führen könnten. Zudem könnte die Krise mit Saudi-Arabien, das sich als wichtigstes wahhabitisches Land sieht, Katar dazu bringen, sich vom Wahhabismus abzuwenden. Das könnte wiederum zu weniger Druck auf Christen führen.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Es ist eine große Herausforderung für das Land, seine kulturellen und religiösen Standards inmitten rapider Modernisierung zu halten. Auch wenn der Einfluss der Stammeskultur noch sehr dominant ist, wird sich die junge Generation in einer globalisierten Gesellschaft, mit mehr individuellen Entscheidungen als noch vor einem Jahrzehnt, wohl nicht diesen Regeln unterwerfen wollen. Katar hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark von einer Gesellschaft ähnlich der Saudi-Arabiens zu einer Gesellschaft besser vergleichbar mit der Dubais entwickelt. Es bleibt jedoch unklar, ob sich solche Entwicklungen hin zu einem Individualismus wirklich positiv auf die Situation der Christen im Land auswirken. Es könnte auch bedeuten, dass sich konservative Elemente der Gesellschaft zu Protest formieren und fordern, dass der katarische Lebensstil zu einer reinen Form des Islam zurückkehrt.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Während der Vorbereitungen für die Fußballweltmeisterschaft 2022 hat die beklagenswerte Behandlung von Arbeitsmigranten in Katar mehr und mehr die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit erregt. Durch Druck aus dem Westen führt das Land kleine Reformen in den Arbeitsbedingungen für ausländische Arbeiter durch. Es werden jedoch keine bedeutenden Verbesserungen in dem streng islamischen Land erwartet, das für die umfassende Kontrolle seiner Gesellschaft bekannt ist. Demnach können in naher Zukunft auch keine bedeutenden Veränderungen in der Religionsfreiheit für Christen erwartet werden.

Schlussfolgerung

Sollte die Anzahl katarischer Christen mit muslimischem Hintergrund steigen (und sei es auch nur langsam), könnte dies zu einer höheren Anzahl an Vorfällen von Verfolgung gegen Konvertiten führen. Ansonsten gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die Verfolgung in Zukunft verschlimmern sollte. Die politische Situation in der Region bleibt jedoch unbeständig. Die anhaltende Blockade durch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten, die zum Teil wegen der wahrgenommenen Nähe Katars zum Iran verhängt wurde, hat ironischerweise nur dazu geführt, dass die Verbindungen zum Iran zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht gestärkt wurden, genauso wie mit der Türkei. Die weiterhin harte Linie gegen Christen im Iran und die schlechter werdende Situation für Christen in der Türkei könnten darauf hinweisen, dass auch Katar von seinen neuen Verbündeten unter Druck gesetzt wird, christliche Aktivitäten weiter einzuschränken. Dies ist jedoch auf kurze Sicht keine ernste Gefahr.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Katar:

  • Aufgrund der politischen Differenzen mit Saudi-Arabien und seinen Verbündeten ist Katar immer mehr isoliert. Beten Sie, dass Wege gefunden werden, die Christen zu ermutigen und zu lehren, insbesondere in Zeiten der wachsenden Isolation. 
  • Bitte beten Sie, dass christliche Arbeiter aus dem Ausland in der Lage sind, ihren Arbeitgebern, von denen sie ausgenutzt werden, die Liebe Jesu zu zeigen.
  • Beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die ihren Glauben nicht mit ihren muslimischen Familienmitgliedern teilen können, dass sie Weisheit und Urteilsvermögen bekommen, wie sie ihren Glauben weitergeben können.

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