Länderprofil Libyen

Libyen

4
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Libyen
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
4
ISO
LY
Karte Libyen
Christen
0,04
Bevölkerung
6.57
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 15.300
Familienleben: 15.500
Gesellschaftliches Leben: 15.800
Leben im Staat: 16.000
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 11.300

Länderprofil Libyen

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 4 / 90 Punkte (WVI 2019: Platz 4 / 87 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Auf libysche Christen muslimischer Herkunft wird seitens ihrer Familie und der gesamten Gemeinschaft gewaltsamer und intensiver Druck ausgeübt, ihrem neuen Glauben abzuschwören. Ausländer aus anderen Teilen des Kontinents werden ebenfalls von verschiedenen militanten islamischen Gruppierungen und organisierten kriminellen Gruppen angegriffen. Sie entführen Christen und es gab auch Fälle, in denen Christen auf brutale Weise getötet wurden. Doch selbst wenn ihnen ein solches Schicksal erspart bleibt, werden Christen aus dem Afrika südlich der Sahara schikaniert und von extremistischen Muslimen bedroht. Christen, die in der Öffentlichkeit ihren Glauben bekennen und versuchen, diesen mit anderen zu teilen, laufen ebenfalls Gefahr, verhaftet zu werden und gewaltsamen Widerspruch zu erfahren. Das Fehlen einer Zentralregierung, die Recht und Ordnung im Land durchsetzt, hat die Lage für Christen prekär gemacht. Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen ist als extrem hoch einzuordnen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Angesichts der Sicherheitsprobleme, die mit einer Hinwendung zum christlichen Glauben einhergehen, können die meisten Berichte über Konvertiten in Libyen nicht veröffentlicht werden.
  • Christliche Gastarbeiter, die größtenteils aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara stammen und in libyschen Untersuchungsgefängnissen festgehalten werden, wurden Berichten zufolge vergewaltigt und geschlagen. Obwohl die schlechte Behandlung und Gewalttätigkeit gegenüber den Häftlingen nicht auf christliche Flüchtlinge beschränkt ist, werden Christen noch stärker diskriminiert und brutaler behandelt.
  • Immer noch finden Sklaverei und Menschenhandel statt –trotz des internationalen Aufschreis, der im November 2017 erging, als der amerikanische Fernsehsender CNN in Videoaufnahmen zeigte, wie Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara versteigert und verkauft wurden.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 90 Punkten steht Libyen auf Platz 4 des Weltverfolgungsindex 2020. Im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2019 entspricht dies einer Steigerung um drei Punkte.

Dieser Punkteanstieg ist hauptsächlich in der Zunahme berichteter Gewalt begründet, welche nun als extrem hoch einzustufen ist. Auch die Wertung in allen Lebensbereichen ist extrem hoch. Die anhaltende Anarchie hat dazu beigetragen, dass Christen im Land insgesamt gefährdet sind.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft äußert sich auf vielfältige Weise. Der Islam ist tief verwurzelt in Libyens Kultur. Deshalb erleben Muslime, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, immensen Druck seitens ihrer Familien und der Gesellschaft. Dazu kommt, dass nach dem Sturz al-Gaddafis verschiedenste islamistische Gruppen mehr Einfluss gewonnen und Kontrolle über die Gesellschaft erlangt haben.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die Gesellschaft Libyens ist konservativ und von Stammesdenken geprägt. Den Islam zu verlassen und den christlichen Glauben anzunehmen, wird nicht nur als Verrat am Islam, sondern auch an Familie und Stamm gesehen. Bezüglich Ethnie und Rasse werden Migranten aus Ländern südlich der Sahara besonders intensiv diskriminiert.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist so weit verbreitet, dass sie wesentlich zum anhaltenden Verfall der Rechtsstaatlichkeit und zur mangelnden Strafverfolgung beiträgt. Diese Triebkraft ist eng verknüpft mit „Islamischer Unterdrückung“, da einige der militanten islamischen Gruppierungen als organisierte kriminelle Gruppen arbeiten, beispielsweise im Menschenhandel.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Ein wichtiger Grund, warum sich Verwandte gegen zum christlichen Glauben konvertierte Familienmitglieder wenden, sind islamische Überzeugungen – obgleich die Problematik der Familienehre dabei auch eine Rolle spielt (siehe „Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen“). Islamisch-extremistisches Denken beeinflusst die libysche Gesellschaft seit vielen Jahren und wahhabitische Lehren lassen wenig Raum für andere Überzeugungen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Das bekannteste Beispiel für gewaltsame Handlungen religiöser Gruppen war die Enthauptung von 21 koptischen Christen im Februar 2015 durch den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS), gefolgt von der Hinrichtung einer Gruppe äthiopischer Christen im April desselben Jahres. Unterdessen hat der IS zwar die Stadt Sirte als seine Hochburg verloren, er bleibt jedoch in der Region anwesend. Andere islamisch-extremistische Gruppen unterhalten zumeist Verbindungen zur international anerkannten Regierung im Westen des Landes, aber es gibt auch extremistische Einheiten innerhalb der Gruppierungen im Osten. Diese Gruppen sind für die gewaltsamsten Formen der Verfolgung verantwortlich und agieren völlig ungestraft, da es keine Zentralregierung gibt, die auch nur den Anschein von Recht und Ordnung im Land sicherzustellen vermag.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Auf lokaler Ebene sind Imame und Scheichs dafür bekannt, dass sie zum Hass gegen Christen aufwiegeln, besonders gegen Migranten und Christen muslimischer Herkunft. Auf nationaler Ebene üben wahhabitische Gelehrte über Satellitenfernsehen und Internet Einfluss aus. Im April 2019 warnte die Nichtregierungsorganisation „International Crisis Group“ vor dem zunehmenden Einfluss der Madchalisten, einer ultrakonservativen salafistischen Gruppe mit Wurzeln in Saudi-Arabien und Anhängern in Ost- und West-Libyen. Auch wenn Madchalisten sich gegen politische Aktivitäten wenden, wie sie etwa die Muslimbruderschaft verfolgt, und gegen dschihadistische Operationen, wie sie beispielsweise der IS durchführt, sind sie doch Vertreter einer strikten Auslegung der Scharia. Berichten zufolge wächst ihr Einfluss, was dazu führt, dass strikte islamische Regeln in immer mehr Gegenden des Landes durchgesetzt werden.
  • Regierungsbeamte: Libyen hat keine Zentralregierung und die Behandlung der Christen variiert von Region zu Region. Allerdings wird an der Scharia als Gesetz im ganzen Land festgehalten. Christen muslimischer Herkunft und Christen, die sich an Evangelisation beteiligt haben, können durch lokal herrschende Gruppen verhaftet werden. Inhaftierte christliche Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara sehen sich oft schlimmerer Behandlung ausgesetzt als Migranten anderen Glaubens.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger, die sich intoleranten und extremistischen Auslegungen des Islam verschrieben haben, tragen zur Verfolgung von Christen insbesondere in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „gesellschaftliches Leben“ bei. Diese Art der Verfolgung überschneidet sich mit jener ausgehend von den (Groß-)Familien, da Familien und Sippen eng verbunden sind und oft gemeinsam leben – auch, wenngleich in geringerem Maß, in städtischen Gebieten.
  • Politische Parteien: Die meisten politischen Fraktionen unterstützen eine Anwendung der Scharia und streben an, dass Libyen auch weiterhin ein muslimisches Land bleibt.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Die eigene (Groß-)Familie: Für Christen muslimischer Herkunft geht die größte Gefahr oft von der eigenen Familie aus. Um die Schande auszulöschen, die durch den Glaubenswechsel über die Familie gebracht wurde, wird diese versuchen, die Christen zu zwingen, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Dies geschieht häufig durch sozialen Druck (etwa in Form von Familienausschluss, Zwangsheirat oder Verlust des Sorgerechts für die Kinder). Christen mit muslimischem Hintergrund erleben häufig schwere Gewalt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Die Bevölkerung Libyens verteilt sich auf mehr als dreißig Stämme. Jeder Stamm besteht aus verschiedenen Klans und Familien, in denen eine hierarchische Struktur herrscht, wobei der Vater das Oberhaupt darstellt. Die Stammesführer, zumeist die ältesten Söhne einer Familie, haben die Pflicht, die (Groß-)Familie zu schützen, für deren Wohlergehen zu sorgen und die Familienehre zu erhalten. Sie üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, ihren neuen christlichen Glauben zu widerrufen, oder spornen Familien an, gegen abtrünnige Mitglieder vorzugehen.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Wenngleich Verfolgung auch eng mit den Machenschaften korrupter Regierungsbeamter verbunden ist, sind vor allem kriminelle Gruppen an der Verfolgung von Christen beteiligt. Besonders Gruppen, die Menschenhandel und Entführungen mit Lösegeldforderung betreiben, achten beflissentlich darauf, Christen auszusondern und sie rauer zu behandeln als ihre Opfer anderen Hintergrunds. Diese Gruppen wenden unterschiedlichste Strategien an, um Migranten zu berauben, die versuchen, über Libyen nach Europa zu kommen. Viele werden nicht nur zwecks Lösegeldforderung entführt, sondern in die Sklaverei verkauft, und viele Frauen werden Opfer von sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Christen sind überall im Land gefährdet, besonders aber in den von islamisch-extremistischen Gruppen kontrollierten Gebieten. Der IS ist im Gebiet um die Stadt Sirte weiterhin anwesend. Andere Gruppen, wie etwa die „Libya Dawn Coalition“ kontrollieren das Gebiet um Tripolis und einzelne Stadtgebiete von Tripolis selbst. Im Osten halten sich extremistische Gruppen zumindest in Bengasi auf.

Christliche Migranten, die auf ihrem Weg nach Europa gefangen genommen und inhaftiert wurden, enden meist in einem der überfüllten Gefangenenlager im Umkreis von Tripolis. Andere kommen nicht einmal so weit, sondern werden von Menschenhändlern direkt in die Hände krimineller Beamter oder Gruppen übergeben. Letztlich müssen sie im Landwirtschaftssektor schwerste Zwangsarbeit leisten oder werden zur Prostitution gezwungen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Christliche Gastarbeiter (die meisten von ihnen kommen aus dem Afrika südlich der Sahara und einige aus Ägypten) dürfen ihre eigenen Kirchen haben. Libysche Bürger dürfen an diesen Gottesdiensten jedoch nicht teilnehmen. Bereits unter der despotischen Herrschaft al-Gaddafis war die Lage der Christen äußerst schwierig. Ausländische Christen beziehungsweise christliche Gastarbeiter haben eine gewisse Freiheit, doch nichtarabische Afrikaner erleiden doppelte Verfolgung: aus rassistischen und auch aus religiösen Gründen.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Die sehr kleine Gruppe libyscher Christen hält ihren Glauben geheim. Sie können keine Gottesdienste in offiziellen Kirchen besuchen. Ihre Anzahl ist sehr gering, doch mit dem Aufkommen christlicher Fernseh- und Internetangebote auf Arabisch wächst das Interesse am christlichen Glauben. Wie in den meisten muslimischen Ländern ist die Abkehr vom Islam mit starkem sozialem Druck verbunden. Als Christ muslimischer Herkunft in seiner Familie zu leben, ist risikobehaftet. Die meisten libyschen Christen wagen es nicht, sich mit anderen Christen zu treffen, denn alle religiösen Versammlungen – ausgenommen islamische – sind für Libyer verboten.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.3
Familienleben 15.5
Gesellschaftliches Leben 15.8
Leben im Staat 16
Kirchliches Leben 16.4
Auftreten von Gewalt 11.3

Grafik: Verfolgungsmuster Libyen

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen hat ein extremes Ausmaß und stieg von 15,5 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 15,8 im Weltverfolgungsindex 2020. Der Grund für diesen Anstieg ist die Anarchie, die weiterhin aufgrund des Fehlens einer Zentralregierung besteht. Islamisch-extremistische Gruppen, aber auch Mitarbeiter der (in-)offiziellen Regierungen, können Christen, die aus Ländern südlich der Sahara kommen oder einen muslimischen Hintergrund haben, ungestraft schaden.
  • Auch wenn der Druck in allen Lebensbereichen äußerst hoch ist, die höchste Stufe erreicht er in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Leben im Staat“. Darin zeigt sich das Fehlen einer Zentralregierung. Wo Anarchie und islamischer Extremismus Hand in Hand gehen, da gibt es keine Meinungsfreiheit, keine Gleichbehandlung von Christen und keine Erlaubnis, Kirchengebäude zu errichten.
  • Das Niveau für „Auftreten von Gewalt“ erreicht nun extremes Ausmaß, nachdem der Wert von 9,6 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 11,3 im Weltverfolgungsindex 2020 gestiegen ist. Der Grund für diesen Anstieg liegt in der erhöhten Anzahl verifizierter Übergriffe. Gleichwohl bleibt der Mangel an verlässlichen inländischen Informationsquellen ein Problem.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Aufgrund der Unterdrückung durch die Intoleranz der Familienangehörigen, Gesellschaft und islamisch-extremistischen Gruppen wagen es Christen in Libyen kaum, andere etwas über ihren Glauben wissen zu lassen. Dies könnte unerwünschte Aufmerksamkeit nach sich ziehen – durch kriminelle Gruppen, die Wege suchen, um Menschen zu erpressen und zu entführen, oder durch islamisch-extremistische Gruppen, die die Anwesenheit von Christen nicht dulden – oder dazu führen, dass sie der Blasphemie beschuldigt werden, wenn sie beispielsweise Jesus Christus als „Sohn Gottes“ bezeichnen. Besonders gefährlich ist eine öffentliche Äußerung des Glaubens für Christen muslimischer Herkunft, die durch ihren Glaubenswechsel Schande über ihre (Groß-)Familie gebracht haben.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Durch christliche Symbole als Christ erkennbar zu werden, bringt Risiken mit sich. Es kann gefährlich sein, ein Kreuz zu tragen, oder wie im Falle der ägyptischen koptischen Christen am Arm oder Handgelenk ein Kreuz eintätowiert zu haben. Milizen und lokal regierende Gruppen unterhalten Kontrollstützpunkte, um zu überwachen, wer ihr Territorium betritt. Im alltäglichen Leben als Christ erkannt zu werden, kann Diskriminierung oder Belästigung nach sich ziehen. Besonders die Christen unter den Migranten, die aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara kommen, müssen ihre christliche Identität verstecken, da sie ansonsten die Wahrscheinlichkeit erhöhen, von ihren Schleusern oder auch von Regierungsbeamten diskriminiert oder sexuell misshandelt zu werden. Es hat Berichte darüber gegeben, dass Christen aus Subsahara-Afrika ermordet wurden, nachdem ihr christlicher Glaube entdeckt wurde.
  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Die libysche Gesellschaft ist konservativ und islamisch-extremistisches Denken hat einen wachsenden Einfluss im Land. Den christlichen Glauben mit einem Muslim zu teilen, könnte als Akt der Evangelisation interpretiert werden. Zwar ist nicht Missionierung, wohl aber „Anstiftung zur Spaltung“ und „Beleidigung des Islam“ ausdrücklich verboten.
  • Für Christen ist es risikobehaftet, andere Christen zu treffen. Dies gilt insbesondere für libysche Christen muslimischer Herkunft. Würden sie bei solchen Treffen entdeckt, würde dies unerwünschte Aufmerksamkeit zur Folge haben, insbesondere durch nahe Verwandte.

Familienleben

  • Christen wird eine christliche Hochzeit wegen religiöser Gründe verweigert: Libysche Christen muslimischer Herkunft werden von der Regierung weiterhin als Muslime betrachtet und dürfen keine christliche Zeremonie abhalten. Sie werden geächtet und müssen im Verborgenen bleiben. In einigen Landesteilen können ausländische Christen in ihren eigenen Kirchen heiraten. Doch insgesamt stellt eine Hochzeit ein Risiko dar, weil so islamisch-extremistische Gruppen oder, im Falle von Christen muslimischer Herkunft, die Familienangehörigen aufmerksam werden.
  • Beerdigungen von Christen werden verhindert oder zwangsweise nach nichtchristlichen Riten durchgeführt: Christen muslimischer Herkunft werden in den meisten Fällen nach islamischen Riten beerdigt. Berichten zufolge werden Beerdigungen von christlichen Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara ebenso verhindert.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Libyen ist ein islamisches Land und islamische Lehre beeinflusst alle Lehrpläne, auch wenn das Bildungsministerium im August 2018 die Lehrpläne der Medressen überprüfte, um sicherzustellen, dass dort nicht zum Hass gegen nichtislamische Minderheiten aufgerufen wird. Fast alle ausländischen Christen haben das Land verlassen. Die Hauptgruppe der verbliebenen Christen sind christliche Migranten aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und einige ägyptisch-koptische Christen. Ihre Kinder müssen, wenn sie zur Schule gehen, dem Islamunterricht beiwohnen und sind gefährdet, Opfer von Belästigungen zu werden.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Einige Christen muslimischer Herkunft halten ihren Glauben sogar vor den eigenen Kindern geheim – aus Furcht, sie könnten ihre Eltern aus Versehen verraten. Würde der christliche Glaube ihrer Eltern bekannt, würden Kinder von Christen muslimischer Herkunft sehr wahrscheinlich von ihren Altersgenossen tyrannisiert. Kinder von christlichen Migranten aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara stehen in der Gefahr, aufgrund ihres Glaubens und wegen ihrer Herkunft schikaniert zu werden.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert, weil sie sich zum Beispiel nicht nach den Vorschriften für Kleidung oder Bärte der Mehrheitsreligion richten: Christen sehen sich regelmäßig Schikane und Diskriminierung ausgesetzt und werden mit Argwohn betrachtet. Vor allem protestantischen Christen wirft man Verbindungen zum Westen und den westlichen Geheimdiensten vor, wie etwa zur amerikanischen CIA. Frauen müssen sich gemäß des Keuschheitsgebots kleiden, und die meisten libyschen Frauen bedecken entsprechend islamischer Tradition ihr Haar. Solche islamischen Normen müssen besonders christliche Frauen muslimischen Hintergrunds einhalten, um keine Aufmerksamkeit auf ihren Glaubenswechsel zu ziehen. Während des Fastenmonats Ramadan bekommen alle Christen den sozialen Druck zu spüren, während des Tages weder zu essen noch zu trinken; dies gilt im Besonderen für Christen muslimischen Hintergrunds, da sonst ihr Glaubenswechsel entdeckt werden könnte.
  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Sie stehen unter ständigem Verdacht, was sich durch den Bürgerkrieg noch verstärkt hat. Alle Christen reisen nur äußerst vorsichtig; Christen muslimischer Herkunft meiden einige Landesteile und tendieren dazu, sich eher in Stadtgebieten aufzuhalten, wo ein Leben in Anonymität und Geheimhaltung eher möglich ist.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Nicht nur Konvertiten erleben Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Viele Christen aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden gezwungen, zum Islam zu konvertieren, oder tun das, um sich selbst zu schützen. Jene, die bei ihrem christlichen Glauben bleiben, werden vereinzelt und isoliert, einige wurden in solchen Situationen sogar an Ort und Stelle getötet.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Die normale Reaktion auf einen Glaubenswechsel ist der Verlust der Anstellung sowie die Ablehnung bei erneuter Arbeitssuche. Grundsätzlich stellt die Regierung keine Christen ein, jedenfalls nicht in höheren Positionen. Christen aus den afrikanischen Ländern südlich der Sahara erleiden doppelte Diskriminierung, aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Glaubens. Viele stehen in der Gefahr, ausgebeutet zu werden, und müssen unter härtesten Bedingungen arbeiten, einige sogar als Sklaven.

Leben im Staat

  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt: Aufgrund des Flickenteppichs verschiedener regierender Gruppen, die alle ihre eigenen Straßenkontrollen unterhalten, ist das Reisen für Christen sehr gefährlich. Bestenfalls laufen sie Gefahr, ein Bestechungsgeld zahlen zu müssen, schlimmstenfalls, entführt oder getötet zu werden.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Zwar hat der Fall al-Gaddafis Libyern allgemein mehr Freiheiten ermöglicht, ihre Meinung öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Jedoch bleibt es risikobehaftet, Regierungsbeamte oder lokal regierende Gruppen zu kritisieren – das zeigt das Verschwinden kritisch eingestellter Journalisten und Internet-Blogger in den vergangenen Jahren. Da die meisten Christen ausländischer Herkunft sind, verwenden sie besondere Vorsicht darauf, nicht provokativ zu erscheinen. Christen muslimischer Herkunft im Speziellen sehen sich von öffentlichen Debatten ausgeschlossen, weil sie als Geächtete gelten.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, öffentlich religiöse Symbole zu zeigen: Selbst die wenigen registrierten Kirchen achten darauf, dass am Gebäudeäußeren keine religiösen Symbole angebracht sind. Eine öffentliche Zurschaustellung solcher Symbole würde als indirekte Form der Missionierung verstanden und könnte schwerwiegende Strafen durch die Behörden – oder gar öffentliche Lynchjustiz – nach sich ziehen.
  • Wer Christen schadet, wird absichtlich ungestraft gelassen: Wer Christen muslimischer Herkunft verletzt oder sogar tötet, kann mit Straffreiheit rechnen. Besonders wenn dies durch Familienmitglieder geschieht, wird die Angelegenheit als eine Sache der Familienehre betrachtet. Straffreiheit im Falle der Tötung von Christen erfahren auch islamisch-extremistische Gruppen und Regierungsbeamte. Christen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind in dieser Hinsicht besonders gefährdet.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder sabotiert. Christen muslimischer Herkunft können sich in keiner Kirche gefahrenfrei versammeln. Ausländische Kirchengemeinden müssen äußerst vorsichtig sein. Die meisten versuchen, gute Beziehungen zu ihren muslimischen Nachbarn zu unterhalten, aber eine insgesamt feindliche Einstellung gegenüber Christen erschwert es ihnen, einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen.
  • Auf allen Ebenen der Verwaltung ist es schwierig, als Kirchengemeinde eine Registrierung zu bekommen: Christen muslimischer Herkunft wagen es nicht, sich als Christen zu erkennen zu geben, geschweige denn eine offizielle Anerkennung ihrer kirchlichen Aktivitäten bei behördlichen Stellen zu beantragen. Kirchen, die geschichtlich bedingt eine Präsenz im Land haben, wie etwa die Koptisch-Orthodoxe Kirche oder die Römisch-Katholische Kirche, haben eine offizielle Anerkennung. Gleichwohl sind auch für sie Kirchenneubauten oder Renovierungen kompliziert. Protestantische Kirchen konnten bisher keine gesetzliche Anerkennung erlangen und müssen ihre Aktivitäten in Privathäusern durchführen.
  • Kirchengemeinden werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: Unabhängig davon, wer in einem Landesteil herrscht, ob es die von der UN anerkannte „Regierung der nationalen Einheit“ oder eine lokale salafistische Miliz ist, können in keiner Region die Kirchengemeinden Christen muslimischer Herkunft aufnehmen. Evangelisation ist zwar nicht offiziell verboten, aber das Strafgesetz stellt es unter Todesstrafe, den Islam oder den Propheten Mohammed zu beleidigen. De facto bedeutet das, dass Kirchengemeinden äußerst zurückhaltend agieren müssen und Muslime weder einladen noch als Gäste empfangen dürfen.
  • Kirchengemeinden in Libyen werden daran gehindert, mit der weltweiten Kirche in Verbindung zu stehen. Ausländern wird es beispielsweise verwehrt, libysche Kirchen zu besuchen, und libysche Christen werden daran gehindert, ins Ausland zu reisen, etwa um an christlichen Konferenzen teilzunehmen: Generell ist es sehr gefährlich für Christen aus dem Ausland, Christen in Libyen zu besuchen. Christen muslimischer Herkunft müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie ins Ausland reisen, um keinen Verdacht zu erregen. Wenngleich es in den vergangenen Monaten als Ausländer immer noch möglich war, einige Stadtteile von Tripolis zu besuchen, haben die intensivierten Kämpfe um Tripolis alle Besuche faktisch unmöglich gemacht. Das macht es außerordentlich schwer, Christen im Land zu ermutigen oder zu unterstützen.

Normales kirchliches Leben ist für alle Christen beinahe unmöglich. Abhängig von der Region können sich christliche Migranten in Kirchen versammeln, setzen sich so aber ernsthaften Sicherheitsrisiken aus. Es ist strengstens untersagt, christliche Literatur und Bibeln in arabischer Sprache ins Land zu bringen. Muslimen das Evangelium weiterzusagen sowie jede Art von missionarischer Tätigkeit ist offiziell verboten.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen ist als extrem hoch einzustufen. Aufgrund der politischen Instabilität und des Fehlens von Recht und Ordnung im Land sind Christen einer sehr gewalttätigen, unmenschlichen und entwürdigenden Behandlung ausgesetzt. Einen klaren Hinweis darauf, was Christen derzeit durchmachen, gibt ein Bericht von Amnesty International, der bereits 2016 veröffentlicht wurde: Ein 26-Jähriger aus Eritrea, der in einem Gefangenenlager in al-Zawiya festgehalten wurde, wird mit den Worten zitiert: „Sie hassen Christen. Wenn du Christ bist, kann ich nur sagen: ‚Gott helfe dir, wenn sie es herausfinden …‘ Wenn sie ein Kreuz oder eine (religiöse) Tätowierung sehen, schlagen sie dich noch stärker.“ Ein anderer ehemaliger Häftling aus Nigeria sagte, dass Wachen im Gefangenenlager in Misrata die Männer nach Religion getrennt und die Christen dann ausgepeitscht hätten. Ein 22-jähriger Mann aus Eritrea, der in der Haft geschlagen wurde, nachdem sein Boot abgefangen worden war, sagte: „Sie schlugen mich, nahmen mein Geld und warfen meine Bibel und das Kreuz, das ich um meinen Hals trug, weg … Zuerst prüfen sie, ob man Geld in den Taschen hat, dann nehmen sie ein elektrisches Kabel und peitschen dich aus.“ Ein Bericht von Amnesty International, der im März 2019 veröffentlich wurde, zeigt, dass sich die Situation verschlechtert hat, da viele Migranten nach Libyen zurückgeschickt werden, wenn ihr Boot auf dem Weg nach Europa abgefangen wird.

  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen in Libyen hat ein extremes Ausmaß bedingt durch die anhaltende Anarchie, islamisch-extremistische Gruppen und eine Gesellschaft, die vom Stammessystem geprägt ist. Es gibt unbestätigte Berichte, denen zufolge mindestens 40 Christen aus dem Afrika südlich der Sahara aufgrund der rigorosen Behandlung in den Hafteinrichtungen starben oder getötet wurden. Für den Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 kann keine belastbare Zahl angegeben werden.
  • Besonders christliche Migranten werden Opfer von Menschenraub und Vergewaltigung. Von vielen Christinnen wird berichtet, sie seien zur Prostitution gezwungen worden.
  • Sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch christliche Migranten werden wegen ihres Glaubens verhaftet. Sowohl Stammesgruppen als auch Regierungsbeamte sind für solche Verhaftungen verantwortlich.
  • Die wenigen Kirchengebäude, die es im Land gibt, sind eine Zielscheibe für gewaltsame Angriffe, vor allem durch islamisch-extremistische Gruppen.
  • Privathäuser, in denen Christen leben, stehen in der Gefahr, ins Fadenkreuz krimineller und islamisch-extremistischer Gruppen oder sogar von Regierungsbeamten zu geraten.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Zwangsverheiratung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christinnen sind zumeist denselben Herausforderungen ausgesetzt wie Männer. Gleichwohl leben Frauen tendenziell in ihren Familien von anderen abgeschottet. Deshalb erleben sie die Härte von Verfolgung als gesteigert. Im Allgemeinen wird Frauen eine niedrigere Position im libyschen Familienleben zugewiesen als Männern. Dies rührt von Stammesgesetzen her, die der islamischen Scharia entsprechen. Von Frauen und Mädchen wird erwartet, dass sie ihre Sexualität strengen Normen unterwerfen. Sie sind sich im Klaren darüber, dass sie Schande über die Familie bringen, wenn sie dies nicht tun. Christinnen, die aufgrund ihres Glaubens manchmal als Form der Strafe zu Opfern sexueller Gewalt werden, stehen vor sozialen und kulturellen Barrieren, die verhindern, dass solche Verstöße strafrechtlich verfolgt werden. Hinzu kommt die Abneigung der Familie, den Vorfall öffentlich zu machen. Die Aussage einer Frau hat nicht diesselbe Beweiskraft wie die eines Mannes. Das Fehlen einer Gesetzgebung, die sexuelle Belästigung im Bildungsbereich und häusliche Gewalt unter Strafe stellt, vergrößert die Gefährdung von Frauen zusätzlich.

Für Christinnen muslimischer Herkunft ist es schwierig, solchen gefährlichen Situationen zu enkommen. Sie haben kaum Spielraum, autonom zu leben, da die Möglichkeit für Frauen ausdrücklich beschränkt ist, Oberhaupt eines Haushaltes oder einer Familie zu werden.

Im Übrigen sind auch christliche Migrantinnen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara gefährdet, Opfer von sexuellem Missbrauch zu werden, besonders dann, wenn sie von ihren männlichen Begleitern getrennt werden, wie das in den Haftanstalten für Migranten geschieht. Die traumatischen Erfahrungen, die Frauen und Mädchen so erleiden, haben zerstörerische Kraft für ihr zukünftiges Familienleben.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt
  • Körperliche Gewalt

Im Allgemeinen stehen Männer in Libyen in höherer Gefahr, körperliche Gewalt zu erleben. Grund dafür ist ein „Kreislauf von Gewalt, Gräueltaten und Straffreiheit“, so ein Ankläger des Internationalen Strafgerichtshofs. Zwangsarbeit und Versklavung sind weitverbreitet unter Männern aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara, die nach Westlibyen migriert sind, einschließlich christlicher Männer. Die häufig jungen Männer reisen ohne ihre Familie, weshalb sie in der Gefahr stehen, entführt zu werden, um in der Landwirtschaft Schwerstarbeit leisten zu müssen. Andere werden entführt oder verhaftet und nur gegen Zahlung eines Lösegeldes freigelassen. Wenn diese Männer eine Familie in ihren Herkunftsländern haben, sind ihre Familien finanziell gefährdet, weil sie von ihren Ehemännern und Vätern abhängig sind und Schutz und finanzielle Versorgung erwarten.

Christliche Männer stehen in der Gefahr, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, körperlichen und geistigen Missbrauch zu erleben, entführt zu werden und nur gegen Lösegeld freizukommen. Weil sie für das Einkommen der Familie sorgen, haben christliche Männer häufig das Gefühl, ihrer Rolle in der Familie nicht mehr gerecht werden zu können, wenn sie aufgrund von Strafverfolgung nicht mehr arbeiten dürfen. Die Risiken für libysche Christen sind derart hoch, dass es schwer ist, christliche Gemeinschaften zu bilden, wenn sich nicht ihre ganze Familie dem christlichen Glauben zuwendet. Wer einen Glaubenswechsel vollzieht, steht in der Gefahr, zu Hause von den eigenen Eltern entführt zu werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Ibaditen und Sufi-Muslime, die nicht zu den sunnitischen islamischen Traditionen gehören, werden von Gruppen wie dem IS und anderen militanten sunnitischen Gruppierungen mit gewaltsamen Angriffen verfolgt. Auch werden sie allgemein von der Gesellschaft diskriminiert. So erwähnt das US-Außenministerium im „International Religious Freedom Report 2017“ für Libyen, dass zwei geschichtsträchtige Sufi-Moscheen in Tripolis am 20. Oktober und 28. November 2017 von unbekannten Angreifern attackiert und schwer beschädigt wurden. Auch Atheisten und jeder, der die sunnitisch islamischen Lehren öffentlich in Frage stellt, sind in Libyen äußerst gefährdet.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Wohl kaum wird der durch Islamische Unterdrückung verursachte Druck in der nächsten Zeit abnehmen. Obwohl es Friedengespräche gibt, um den Bürgerkrieg zu beenden, ist es kaum denkbar, dass islamische Extremisten und andere Gruppen die Kontrolle an eine neue Zentralregierung übergeben werden. Ihr Einfluss und ihre (willkürliche) Umsetzung der Scharia werden eine gefährliche Bedrohung für die Christen unter ihrer Kontrolle bleiben. Auch wenn islamisch-extremistische Gruppen aus dem Land verdrängt würden, würde die Gesellschaft im Allgemeinen doch konservativ gesinnt bleiben und von der Regierung erwarten, die Scharia durchzusetzen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Ethnisch begründete Anfeindungen und Islamische Unterdrückung sind eng miteinander verwoben, wobei das Stammessystem dafür sorgt, dass das Land konservativ bleibt. In Kriegssituationen neigen Menschen dazu, sich an ihre Religion und ihre Bräuche zu klammern und nicht offen für neue Ideen, geschweige denn eine neue Religion zu sein. Den Islam zu verlassen und den christlichen Glauben anzunehmen, wird daher weiterhin als Verrat am Islam, der Familie und dem Stamm gesehen werden. Außerdem wird sich die Behandlung der Migranten, die aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara kommen, in Zukunft wahrscheinlich nicht verbessern, weil diese Migranten mit rassistischen Vorbehalten und als religiös andersartig betrachtet werden. Daher werden ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen weiterhin eine entscheidende Triebkraft der Christenverfolgung sein.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Solange es keine Zentralregierung mit wirkungsvoller Autorität im Land gibt, wird die derzeitige Gesetzlosigkeit anhalten. Islamisch-extremistische Gruppen, aber auch Regierungsbeamte werden weiter mit Menschenhandel, Entführung und Erpressung Geld verdienen. Weil sie dafür besonders ins Visier genommen werden, bleiben Christen auch künftig verwundbar.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Libyen:

  • Bitte beten Sie, dass Gott die Pläne der islamisch-extremistischen Gruppen durchkreuzt, indem er den Islamisten seine Barmherzigkeit, Gnade und Autorität zeigt.
  • Beten Sie für die wachsende Gemeinde von Christen muslimischer Herkunft in Libyen, besonders für die, die von der Gemeinschaft mit anderen Christen abgeschnitten sind. Bitte beten Sie für die libyschen Christen, die quer über Europa verstreut sind. Einige von ihnen leiden weiterhin unter Verfolgung durch ihre Familien.
  • Bitte beten Sie, dass viele das Evangelium durch arabisches Fernsehen und Sendungen im Internet hören können. Beten Sie für die neuen Christen um Schutz und darum, dass sich Möglichkeiten auftun, wie sie im Glauben wachsen können.

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