Länderprofil Somalia

Somalia

3
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Somalia
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Bundesrepublik
Platz Vorjahr
3
Karte Somalia
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
16.59
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.500
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.600
Leben im Staat: 16.600
Kirchliches Leben: 16.600
Auftreten von Gewalt: 8.500

Länderprofil Somalia

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 3 / 91 Punkte (WVI 2021: Platz 3 / 92 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Christen in Somalia leben in ständiger Gefahr. Sie werden von al-Shabaab-Kämpfern als explizites Ziel angesehen, und wenn sie entdeckt werden, tötet man sie oft auf der Stelle. Die islamisch-extremistische Miliz al-Shabaab hat sich der Lehre des Wahhabismus verschrieben und befürwortet die Scharia als Grundlage aller Lebensbereiche in Somalia. Sie hat außerdem das erklärte Ziel, alle Christen im Land auszulöschen. Die Religionsfreiheit der Christen wird vonseiten ihrer Familienmitglieder und ihres sozialen Umfeldes verletzt. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird als Verrat gegenüber der Familie und dem Stamm betrachtet. Allein der Verdacht, den christlichen Glauben angenommen zu haben, ist lebensgefährlich. In den letzten Jahren hat sich die Situation noch verschlimmert, da islamisch-extremistische Milizen ihre Jagd auf Christen intensiviert haben, insbesondere auf christliche Leiter.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Somalia gilt als gescheiterter Staat und gehört nach wie vor zu den ärmsten und schwächsten Nationen der Welt. Die chaotischen Jahre nach dem Sturz des Militärregimes von Präsident Mohamed Siad Barre im Jahr 1991 haben zum Aufstieg von Scharia-Gerichten und islamisch-extremistischen Gruppen wie al-Shabaab geführt. Das Land ist zu einem Flickenteppich aus konkurrierenden islamisch-extremistischen Gruppen, Clans und auf ihnen beruhende Milizen geworden. Die Bildung einer stabilen Regierung wird so drastisch erschwert.

Die Kultur ist patriarchalisch. Nur 30 Prozent der Kinder besuchen die Schule, von denen nur 40 Prozent Mädchen sind. Die weitverbreitete Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung führt dazu, dass viele Mädchen die Schule aufgrund von kräftezehrenden Infektionen und Narben verlassen. Auch frühe Eheschließungen führen zu einem vorzeitigen Schulaustritt von Mädchen.

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Keine Region ist für Christen sicher. Allerdings sind Christen in den Gebieten am meisten gefährdet, die von islamisch-extremistischen Gruppierungen wie al-Shabaab kontrolliert werden. Diese liegen besonders im Süden und Südwesten des Landes, einschließlich der Gebiete um Kismaayo, Jamaame, Merka und El Hur. Zwar sind die nördlichen Regionen wie Somaliland und Puntland stabiler als der Süden, doch sind die Christen auch dort einem hohen Gewaltrisiko ausgesetzt.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

In vielen Regionen können islamisch-extremistische Milizen unbehelligt agieren und alle töten, die verdächtigt werden, Christen geworden zu sein. Während das Land versucht, sich zu stabilisieren und eine rechtmäßige Regierung zu bilden, neigen die politischen Führer und Regierungsbeamten mit überwältigender Mehrheit dazu, eine strenge Auslegung der Scharia zu befürworten.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Die somalische Gesellschaft basiert auf einer starken Stammesidentität, die eng damit verwoben ist, dass man als Somalier Muslim ist. Familienmitglieder und Stammesführer betrachten eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Verrat. Daher besteht für jeden Christen, dessen Glaube entdeckt wird, die große Gefahr, dass ihm sofort Gewalt angetan wird.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Kriminelle profitieren von der Gesetzlosigkeit in Somalia. Sie operieren in einem Netz von illegalen Handelswegen und unterhalten enge Verbindungen zu al-Shabaab. Mit dem Geld, das diese Kartelle erwirtschaften, werden Waffen gekauft und Angriffe auf Christen und andere Zivilpersonen finanziert.

Diktatorische Paranoia

Die Christen im Land werden durch die Regierung unterdrückt und verfolgt. Die Regierung ist es, die durch ihre Implementierung von Gesetzen und Verordnungen die Rechte der Christen in Somalia (Puntland, Somaliland und Somalia) einschränkt oder sie ihnen verweigert.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Als in den Jahren vor dem somalischen Bürgerkrieg (1991) die Feindseligkeiten der Regierung und die zivile Gewalt zunahmen, sahen sich die meisten Christen gezwungen, aus Somalia zu fliehen. Heute sind fast alle Christen im Land Konvertiten.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.5
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.6
Leben im Staat 16.6
Kirchliches Leben 16.6
Auftreten von Gewalt 8.5

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Die Punktzahlen sind mehr oder weniger stabil geblieben, obwohl der Wert im Bereich Gewalt gesunken ist – von 9,8 Punkten im Vorjahr auf 8,5 Punkte im Weltverfolgungsindex 2022 – und damit ist auch der Gesamtwert für Verfolgung um etwas mehr als einen Punkt zurückgegangen. Christen im Land stehen aber weiterhin in der Gefahr, von islamisch-extremistischen Milizen und Stammesführern getötet zu werden. Älteste und Familienmitglieder überwachen jeden, der verdächtigt wird, sich dem christlichen Glauben zugewandt zu haben. Das Land steckt in einem endlosen Bürgerkrieg; es ist verstrickt in gesellschaftliche Fragmentierungen, Stammeskonflikte und islamischen Extremismus. Al-Shabaab verübte eine Reihe von Anschlägen in der Hauptstadt Mogadischu und tötete dabei unter anderem den Bürgermeister. Im aktuellen Berichtszeitraum verschlechterte sich zudem die politische Lage, da sich Stammesführer, die amtierende Regierung, Oppositionsführer und sogar die internationale Gemeinschaft über die Durchführung von Wahlen uneinig waren. Der Kampfgeist dschihadistischer Gruppen wurde so gestärkt.

Privatleben

Der Besitz von christlichem Material ist streng verboten. Wem der Besitz einer Bibel oder anderer christlicher Druckerzeugnisse nachgewiesen wird, wird unter Befürwortung seiner Verwandten und der örtlichen Gemeinschaft hingerichtet. Wer im Verdacht steht, den christlichen Glauben angenommen zu haben, dem drohen schwerwiegende Konsequenzen. So müssen ehemalige Muslime ihre Hinwendung zum christlichen Glauben sogar vor ihren eigenen Familienangehörigen verstecken.

Familienleben

Kinder gelten in Somalia von Geburt an automatisch als Muslime. Kinder christlich zu erziehen, ist äußerst schwierig. Wer seinen Kindern vom christlichen Glauben auch nur erzählt, riskiert, von extremistischen Mitgliedern seines Clans angegriffen zu werden. Alle Kinder müssen die Medresse (Koranschule) besuchen und am Islamunterricht teilnehmen.

Gesellschaftliches Leben

Die somalische Gesellschaft ist konservativ. Der Bevölkerung werden islamische Lehren aufgezwungen. Das soziale Umfeld von Christen muslimischer Herkunft setzt sie dauerhaft unter Druck und überwacht sie. Abweichungen vom „guten muslimischen“ Verhalten werden unter Umständen an Gruppen wie al-Shabaab gemeldet – welche dann gewalttätige Angriffe auf Christen verüben.

Leben im Staat

Die somalische Regierung ist der Ansicht, dass es keine somalischen Christen geben kann, da die Verfassung eine Abwendung vom Islam verbietet. Die Meinungsfreiheit ist generell eingeschränkt.

Kirchliches Leben

Christen ziehen den Wiederaufbau von Kirchen nicht in Betracht. Der Versuch, eine katholische Kirche in Mogadischu wieder zu eröffnen, war nicht erfolgreich; und der Versuch der Wiedereröffnung einer katholischen Kirche in Hargeysa verursachte einen allgemeinen Aufschrei und öffentliche Feindseligkeiten. Es wird ständig überprüft, ob es inoffizielle Versammlungsstätten (Hauskirchen) im Land gibt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen kann keine weitere Auskunft dazu gegeben werden.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

3

91,43

2021

3

92,44

2020

3

92,25

2019

3

91,21

2018

3

91,40

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Junge Frauen, die den christlichen Glauben annehmen, gehören nach wie vor zu den am meisten gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Es ist üblich, dass eine Frau, die des Glaubenswechsels verdächtigt wird, vergewaltigt, in der Öffentlichkeit gedemütigt, unter strengen Hausarrest gestellt, entführt, mit einem strenggläubigen Scheich (einem religiösen und/oder politischen Führer) zwangsverheiratet oder getötet wird. Wenn sie bereits verheiratet ist, ist es wahrscheinlich, dass die Frau geschieden wird und ihr die Kinder weggenommen werden.

Männer: Somalia ist eine patriarchalische Gesellschaft mit starker sozialer Kontrolle. Somalische Männer, die verdächtigt werden, sich vom Islam ab- und dem christlichen Glauben zugewandt zu haben, sind extremen Verletzungen ihrer Grundrechte ausgesetzt. Männern droht, dass ihre Geschäfte übernommen werden; sie werden beschimpft, körperlich angegriffen, inhaftiert, massiv bedroht, gefoltert, entführt oder getötet. Männer stehen unter zusätzlichem Druck, weil von ihnen erwartet wird, dass sie ihrer Familie in religiösen Angelegenheiten vorstehen – und folglich dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ein Familienmitglied den christlichen Glauben annimmt. Die Familien schicken ihre jungen Männer, darunter auch christliche Konvertiten, zwangsweise in islamische „Rehabilitationszentren“, um sie dort zu al-Shabaab-Kämpfern ausbilden zu lassen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

In Somalia haben religiöse Gruppen außerhalb des sunnitischen Islam keine bedeutenden Rechte. In den von al-Shabaab kontrollierten Gebieten ist die Situation derart verschärft, dass sich selbst schiitische Muslime sehr bedeckt halten; denn auch gemäßigte sunnitische Muslime geraten ins Fadenkreuz. Die Gesetze in Somalia verbieten die Verbreitung anderer Religionen als des Islam und untersagen Muslimen den Glaubenswechsel. Die Verfassung besagt außerdem, dass die Scharia die Gesetzesgrundlage bildet. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass jede religiöse Gruppe außer sunnitischen Muslimen vor außerordentlichen Herausforderungen steht, ihren Glauben zu leben.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Somalia:

  • Beten Sie für Frieden in Somalia. Das Land leidet unter politischen Unruhen, der ständigen Bedrohung von al-Shabaab und den Auswirkungen von Jahrzehnten des Bürgerkriegs.
  • Nahezu 100 % der Somalier sind Muslime und es gibt keinen Platz für Christen. Beten Sie dafür, dass Jesus Christus trotz dieser Realität seine Gemeinde in Somalia baut.
  • Open Doors unterstützt Christen aus dem Volk der Somali in der Region des Horns von Afrika seit den 1990er-Jahren. Bitten Sie um Gottes Weisheit und Schutz für diesen Dienst und dass die Anstrengungen viele Früchte tragen.