Länderprofil Somalia

Somalia

3
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Somalia
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Bundesrepublik
Platz Vorjahr
3
ISO
SO
Karte Somalia
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
15.18
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.300
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.600
Leben im Staat: 16.500
Kirchliches Leben: 16.400
Auftreten von Gewalt: 8.900

Länderprofil Somalia

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 3 / 91 Punkte (WVI 2018: Platz 3 / 91 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Somalia ist eine vorwiegend muslimische Nation, in der die Gesellschaft erwartet, dass alle Somalier Muslime sind. Imame in den Moscheen und Koranschulen (sowie die Anführer von Al Shabaab) erklären in aller Öffentlichkeit, dass es für Christen keinen Raum gibt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Al Shabaab verlässt sich in Sachen Informationssammlung und Rekrutierung neuer Mitglieder auf die Stammesstruktur. Wenn Somalier im Verdacht stehen, an Jesus Christus zu glauben, werden sie von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, eingeschüchtert und sogar getötet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Berichte der UN zeigen deutlich, dass Al Shabaab durch illegalen Handel und illegale Erhebung von Steuern große Gewinne macht, mit denen die Gruppierung ihre Tätigkeiten finanziert.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Hauptverfolger in Somalia sind die extremistisch-militante Gruppierung Al Shabaab sowie das Stammessystem des Landes. Das in der Gesellschaft verwurzelte islamische Stammessystem hat starken Einfluss auf die Struktur der Regierung. Al Shabaab stützt sich auch auf diese Stammesstrukturen, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologie zu verbreiten. Scheichs und Imame werden über diese Strukturen gezwungen, den Dschihad zu lehren – ansonsten drohen ihnen Vertreibung oder Tod. Erschwerend kommt hinzu, dass es organisierte kriminelle Netzwerke gibt, durch die extremistische Gruppen wie Al Shabaab finanziert werden. Die Gesellschaft erwartet, dass alle Somalier Muslime sind. Imame in Moscheen und Koranschulen sowie Al-Shabaab-Anführer erklären öffentlich, es gäbe in Somalia keinen Platz für den christlichen Glauben, Christen und Kirchen. In der Verfassung des Landes ist der Islam als Staatsreligion festgeschrieben und die Regierung verbietet jede Art von Weihnachtsfeierlichkeiten. Die Familie (Kernfamilie und Großfamilie) ist ebenfalls ein Verfolger.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die einzige Gruppe von Christen im Land, die für den WVI in Betracht gezogen wird, sind ehemalige Muslime. Sie werden von Al-Shabaab-Kämpfern als hochrangiges Ziel angesehen, und wenn sie entlarvt werden, tötet man sie oft auf der Stelle. Der gewalttätige nichtstaatliche Akteur Al Shabaab hat sich der Lehre des Wahhabismus verschrieben und befürwortet die Scharia als Grundlage zur Regelung aller Lebensbereiche in Somalia. Diese Gruppierung äußert immer wieder ihr Ziel, alle Christen des Landes auszulöschen. Ausländische islamistische Kämpfer sind ebenfalls im Land präsent, doch die Verfolgung durch die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ ist nicht auf militante Gruppen beschränkt. Christen sind auch massiver Verfolgung vonseiten ihrer Familie, (entfernter) Verwandter und ihres ganzen sozialen Umfelds ausgesetzt. Jeder Übertritt zum christlichen Glauben wird als Verrat gegenüber der Familie und dem Stamm betrachtet. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, bedroht oder sogar getötet. Im Lauf der letzten Jahre hat sich die Situation offenbar verschlechtert. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen, vor allem auf christliche Leiter, verstärkt. Ein Versuch der Wiedereröffnung einer Kirche in Hargeisa, Somaliland, im August 2017 scheiterte, als die Regierung auf Druck der lokalen muslimischen Bevölkerung gezwungen war, die Kirche wieder zu schließen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Im Berichtszeitraum des WVI 2019 sind Christen weiterhin sehr stark Angriffen von islamischen Extremisten ausgesetzt. Aus Sicherheitsgründen können keine Beispiele veröffentlicht werden.

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Somalia
Die Bundesrepublik Somalia am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Macht im Land liegt bei den Clans, die alles bestimmen. Fast die gesamte Bevölkerung folgt offiziell dem sunnitischen Islam, doch einige hundert Nachfolger von Jesus Christus treffen sich heimlich in kleinen Gruppen.
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Somalia
Nur wenige hundert Christen leben im islamisch geprägten Somalia. Ein italienischer Priester hatte bei einem Besuch in der Hauptstadt Mogadischu die Gelegenheit, mehr über ihre gefährliche Lage zu erfahren.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 91 Punkten steht Somalia auf Platz 3 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019, im Vergleich zum Vorjahr sind Platzierung und Punktzahl unverändert. Versunken in einen endlosen Bürgerkrieg, gesellschaftliche Fragmentierung, Stammeskonflikte und islamischen Extremismus, ist Somalia einmal mehr unter den ersten zehn Ländern des WVI vertreten. Der Druck auf die Christen ist unvermindert stark, und es gibt gegen sie ein sehr hohes Maß an Gewalt. Al Shabaab zeigte seine anhaltende Macht und verübte in der Hauptstadt des Landes mehrere Anschläge.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Somalia ist eine muslimisch dominierte Nation, und die Gesellschaft erwartet, dass alle Somalier Muslime sind. Imame in Moscheen und Koranschulen sowie Al-Shabaab-Anführer erklären öffentlich, dass in Somalia kein Platz für den christlichen Glauben, Christen und Kirchen sei. In der Verfassung des Landes ist der Islam als Staatsreligion festgeschrieben. Die Regierung verbietet Christen, Weihnachten zu feiern. Wer dennoch Weihnachten feiert, muss es heimlich tun. Die militante islamistische Gruppe Al Shabaab, die sich als gewalttätiger nichtstaatlicher Akteur der Lehre des Wahhabismus verschrieben hat und die Scharia als Grundlage zur Regelung aller Lebensbereiche in Somalia befürwortet, tötet gezielt Somalier, die verdächtigt werden, zum christlichen Glauben konvertiert zu sein. Es gibt im Land auch ausländische islamistische Kämpfer. Allerdings geht die islamische Unterdrückung nicht allein von den Militanten aus. Christen sind auch massiver Verfolgung vonseiten ihrer (Groß-)Familie und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Christ zu sein, insbesondere als ehemaliger Muslim, ist eine enorme Herausforderung und kann dazu führen, von Extremisten brutal ermordet zu werden.

Ethnisch begründete Anfeindungen

In der somalischen Gesellschaft hat der Stamm einen großen Stellenwert; er regelt die Belange des täglichen Lebens und die Beziehungen der Gemeinschaften untereinander. Außerdem hat die Stammesstruktur einen tiefgreifenden Einfluss auf die Zusammensetzung der Regierung und die Durchführung der Wahlen. Dies zeigte sich bei den somalischen Wahlen 2017: Der Präsident wurde von einem Parlament gewählt, das wiederum von 14.025 Delegierten gewählt worden war, die von den Stammesältesten bestimmt wurden. Auch Al Shabaab stützt sich auf diese Stammesstrukturen, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologie zu verbreiten. Scheichs und Imame werden über diese Strukturen gezwungen, den Dschihad zu lehren – ansonsten drohen ihnen Vertreibung oder Tod. Nach Ansicht vieler Somalier und Stammesführer muss jeder Somalier Muslim sein, weshalb der Übertritt zum christlichen Glauben als Verrat an Familie und Stamm gilt. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Stammesführern schikaniert, bedroht oder sogar getötet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In Somalia herrschen Unsicherheit und Gesetzlosigkeit. Kriminalität und Korruption greifen ungehindert um sich. Die Regierung kontrolliert nur einige Städte und überlässt Al Shabaab den Großteil der ländlichen Gebiete. Die Miliz erhebt Steuern und finanziert ihre Aktivitäten durch illegalen Handel. Diese Situation hat das Leben für Christen sehr schwierig gemacht, da sie keinerlei Schutz erfahren. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International, der im Februar 2018 veröffentlicht wurde, wird Somalia als schlimmstes Land weltweit aufgeführt (180/180).

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die wesentlichen Verfolger sind im Land aktive Dschihadisten und gewalttätige Gruppierungen. Muslimische Religionsführer erklären öffentlich, dass es für Christen keinen Raum gebe, und Al Shabaab tötet Somalier, die in Verdacht stehen, sich zu Jesus Christus bekehrt zu haben. Diese werden auch von der eigenen Familie und den Menschen aus ihrem sozialen Umfeld massiv verfolgt. Die Gesellschaft im Allgemeinen und auch Familienangehörige dulden nicht einmal die Beschäftigung mit einer möglichen Konversion zum christlichen Glauben.

Ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen

Die Verfolger mit dem Hintergrund von ethnisch begründeten Anfeindungen und islamischer Unterdrückung kann man nicht voneinander abgrenzen. Selbst die politischen Parteien basieren auf Ethnien und haben sich gleichzeitig der Vorstellung verschrieben, dass Somalia für Somalis ist – und als Somali ist man Muslim. Stammesführer erlauben keine Bekehrungen zu Jesus Christus. Sie dulden im Land keine christlichen Symbole. Familie, Nachbarn und Freunde werden ebenfalls leicht zu Verfolgern.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Gewalt

Kriminelle Kartelle profitieren von der Gesetzlosigkeit in Somalia, und Al Shabaab beteiligt sich ebenfalls am illegalen Handel und erhebt unerlaubt Steuern als Einnahmequelle. Einsätze gegen Christen im eigenen Land und in Nachbarländern müssen finanziert werden.

4. Hintergrund

Extremistischer Islam ist kein neues Phänomen in Somalia. Im Jahr 1899 schuf Muhammad Abdullah Hassan den Derwisch-Staat (einen sunnitisch-islamischen Staat). Er errichtete ein Kalifat, nachdem er beobachtet hatte, dass sich somalische Waisen mit dem Katholizismus identifizierten, was er als Verrat an der somalischen Kultur und dem islamischen Glauben betrachtete.

In Somalia war der Islam bereits vor der Ankunft des christlichen Glaubens fest etabliert. Die kolonialen Eingriffe Italiens und Großbritanniens lösten heftigen Widerstand gegen das Christentum aus. Aus Sorge vor einem Aufruhr haben die italienischen und britischen Kolonialmächte christliche missionarische Aktivitäten sogar verhindert. Zudem basiert die somalische Gesellschaft auf Stammeszugehörigkeit. Das Stammessystem ist modernen Regierungsformen gegenüber nicht aufgeschlossen und weitaus stabiler als die offizielle Staatsstruktur. In ihren Anstrengungen, die Sicherheit und ihre Regierungsgewalt auszuweiten und gleichzeitig die Beziehungen zu den somalischen Stämmen beizubehalten, hat die offiziell anerkannte Regierung Bürgerrechte und Rechtsstaatlichkeit hintenangestellt. Freedom House hat im Jahr 2018 berichtet, dass Versammlungs‑, Religions- und Glaubensfreiheit im Land stark eingeschränkt sind. Die Regierung lässt außerdem zu, dass sich gegen Christen gerichtete Ansichten im Stammessystem verbreiten. Dies spiegelt sich klar in der Verfassung Somalias wider, in der der Islam zur Staatsreligion erhoben wurde und jegliche Werbung für andere Religionen außerhalb des Islam verboten ist.

Nach dem Zusammenbruch der Zentralregierung im Jahr 1991 bildeten sich gewalttätige extremistische Gruppen. Seit dem Sturz von Siad Barre 1991 ist Somalia zu einem Rückzugsort für extremistische Dschihadisten geworden, was dazu geführt hat, dass die Gesellschaft sowohl im Land als auch in der umliegenden Region aggressiver und intoleranter gegenüber Christen geworden ist. In den meisten Fällen würden Christen in von Al Shabaab kontrollierten Gebieten in Somalia keinen einzigen Tag eines Gerichtsprozesses überleben oder eine Chance bekommen, „nur“ zum Arbeitslager verurteilt zu werden. Allein der Verdacht, jemand könne Christ sein, führt zu einer raschen öffentlichen Hinrichtung. In diesem Zusammenhang muss man auch die Angriffe von Al Shabaab auf Christen in Kenia sehen. Zudem hat der sogenannte „Islamische Staat“ (IS) versucht, in Somalia Fuß zu fassen. Der IS hat Al Shabaab umworben, um die Gruppe dazu zu bewegen, sich von Al Kaida zu lösen und sich dem Kalifat des IS anzuschließen. Im April 2016 bekannte sich der IS zu einem Angriff auf Truppen der Afrikanischen Union (AU). Der Versuch einiger Fraktionen innerhalb von Al Shabaab, sich mit dem IS zu verbinden, ist jedoch bislang fehlgeschlagen. Der UN-Sicherheitsrat hat im Juli 2018 das Mandat der AU-Truppen im Land bis Ende Mai 2019 verlängert.

Die Bundesregierung von Somalia wurde im August 2012 eingesetzt, nachdem das Mandat der Übergangsregierung ausgelaufen war, und wurde durch die militärischen Erfolge der Streitkräfte der Afrikanischen Union gegen Al Shabaab gestärkt. Doch was die Freiheit für Christen betrifft, gibt es keinerlei Fortschritte. Die vorläufige Verfassung schränkt die Religionsfreiheit ein und zeigt einmal mehr, wie rückschrittlich die Situation in Somalia ist. Zum Beispiel wurde Apostasie (der Abfall vom islamischen Glauben) in der vorherigen Übergangscharta nicht als Straftat aufgeführt, wohingegen die jetzige provisorische Verfassung Apostasie explizit verbietet. Um die Stammesführer zu beschwichtigen und ihre Unterstützung zu sichern und zu fördern, hat die Regierung hin und wieder unmissverständliche Anordnungen erlassen; zum Beispiel im Dezember 2015 das Verbot, Weihnachten zu feiern, mit der Erklärung, das christliche Fest habe „nichts mit dem Islam zu tun“. Im Februar 2017 wählte das Land einen neuen Präsidenten, doch trotz eines neu aufgekeimten Optimismus gibt es keine Garantie dafür, dass der Präsident für Minderheiten im Land eintreten wird. Zudem dämpfen die häufigen tödlichen Anschläge von Al Shabaab jeglichen Optimismus. Im Jahr 2018 machte der neue Präsident nur wenige Fortschritte bei der Vertreibung von Al Shabaab, die weiterhin Zivilisten angreift.

Somaliland und die autonome Provinz Puntland sind relativ stabil, doch auch hier haben Christen keinen Raum. Ein Beispiel dafür ist die Schließung einer Kirche in der Hauptstadt von Somaliland, Hargeisa, nachdem sie im Jahr 2017 eine Woche lang offiziell wiedereröffnet war. Auch 2018 blieb die Kirche geschlossen.

5. Betroffene Kategorien von Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sich diese Gruppe auf Militärseelsorger (beispielsweise unter Angehörigen der Militärmission der Afrikanischen Union - AMISOM), ausländische Arbeiter in Mogadischu und einige Flüchtlinge in Hargeisa (Somaliland) beschränkt, wird sie nicht als separate Kategorie für die WVI Analyse aufgeführt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Sie existieren in diesem Land nicht. Eine der größten römisch-katholischen Kathedralen Afrikas wurde 1928 in Mogadischu erbaut. Doch seit 2008 ist dieses Gebäude nur noch eine Ruine.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund sind der schlimmsten Verfolgung ausgesetzt und werden von Al-Shabaab-Kämpfern als hochrangiges Ziel angesehen. In der jüngsten Geschichte des Landes wurden Konvertiten zum christlichen Glauben (oder Menschen, die im Verdacht standen, Konvertiten zu sein) nach der Entdeckung oft auf der Stelle getötet.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.3
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.6
Leben im Staat 16.5
Kirchliches Leben 16.4
Auftreten von Gewalt 8.9

Grafik: Verfolgungsmuster Somalia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen in Somalia (16,5 Punkte) ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (16,2 Punkte). Damit wird deutlich, dass der Druck auf Christen insgesamt extrem hoch ist.
  • Der Druck ist in allen Lebensbereichen auf einem extrem hohen Niveau und erreicht im Bereich „Familienleben“ die höchste Wertung (16,7), gefolgt vom gesellschaftlichen Leben (16,6). Damit wird klar, wie immens stark der Druck auf ehemalige Muslime ist, der von Familie und Nachbarschaft ausgeht.
  • Die Wertung für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist sehr hoch (8,9), doch ist sie im Vergleich zum WVI 2018 (10,4) zurückgegangen.

Privatleben

Christen in Somalia stehen großen Schwierigkeiten gegenüber, wenn sie versuchen, ihren Glauben zu leben. Sie können nur heimlich beten und keine christlichen Schriften oder Symbole besitzen oder mit sich führen, da diese als Beweismaterial gegen sie verwendet würden, sollten sie gefasst werden. Ihren Übertritt zum christlichen Glauben müssen sie nicht nur vor ihrer erweiterten Familie und den Mitgliedern ihres Stammes verstecken, sondern auch vor ihren engsten Angehörigen. Die Familienmitglieder würden nicht nur verständnislos auf den christlichen Glauben reagieren, sondern auch Angst haben, selbst als Konvertiten verdächtigt zu werden. Einem Experten für Somalia zufolge trauen sich Christen kaum, ihren Glauben in irgendeiner Form auszudrücken: „Es gibt ein weltweites Social-Media-Netzwerk somalischer Christen, und allein einen Post dort zu ‚liken‘, bringt sie ernsthaft in Gefahr.“ In diesem Land reicht allein ein Verdacht, um in Gefahr zu geraten.

Familienleben

Christliche Hochzeiten zu feiern oder christliche Feiertage in der Familie zu begehen, ist nahezu unmöglich. Somalische Kinder sind verpflichtet, am Islamunterricht teilzunehmen, und christliche Eltern halten es oft für zu gefährlich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu unterrichten. Ehemalige Muslime, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben oder Menschen, die dessen verdächtigt werden, sind allen Arten von Diskriminierung ausgesetzt, wenn es um das Sorgerecht für Kinder, Erbrecht oder Scheidungen geht. Um diesen Problemen zu entgehen, halten christliche Familien ihren Glauben meistens so geheim wie möglich.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft werden von Angehörigen ihrer Gemeinschaft auf verschiedene Weise unter Druck gesetzt. Ein Feldforscher berichtet: „Mutmaßliche Konvertiten erhalten einschüchternde Anrufe von ‚besorgten‘ Mitgliedern der Gemeinschaft oder sogar von Al-Shabaab-Mitgliedern, die sagen, sie hätten Gerüchte über ihren Glaubenswechsel gehört oder ‚abweichendes‘ (dem Koran widersprechendes) Verhalten beobachtet. Sie werden vorgewarnt, sich zu ändern, oder sie würden ihr Leben aufs Spiel setzen.“ Um solche Bedrohungen und ähnliche Probleme zu überleben, müssen somalische Christen ihren Glauben verstecken, auch um Zugang zu sozialen Grundleistungen oder Bildung zu erhalten. Christinnen müssen sich wie Muslimas kleiden, um ihren Glauben geheim zu halten.

Leben im Staat

Dieser Lebensbereich ist entscheidend, wenn es darum geht, die Verfolgung in einem Land zu untersuchen, da Politik und Gesetze auf nationaler oder regionaler Ebene bestimmend dafür sind, wie Dinge auf lokaler Ebene umgesetzt werden. In der Verfassung Somalias ist klar und deutlich dargelegt, dass der Islam die Staatsreligion und dass die Scharia Grundlage aller Gesetze ist. Es gibt keine Bestimmungen, nach denen Nichtmuslime von der Anwendung der Scharia ausgenommen wären. Beamte auf staatlicher und lokaler Ebene setzen Gesetze durch, welche die Freiheit von Christen stark einschränkt, weshalb sie keine andere Wahl haben, als ihren Glauben im Geheimen zu leben. Es ist wichtig anzumerken, dass die somalische Regierung nicht glaubt, es gebe somalische Christen im Land.

Kirchliches Leben

Es gibt keine als solche sichtbaren Kirchengebäude in Somalia. Viele Kirchen wurden in den letzten Jahrzehnten zerstört, wie z.B. die römisch-katholische Kathedrale in Mogadischu, die als eine der schönsten und größten Kathedralen Afrikas galt. Versuche sie wiederzueröffnen sind in der Vergangenheit gescheitert. Eine Kirche in Hargeisa (Somaliland) wurde 2017 (nicht im aktuellen Berichtszeitraum) für eine Woche wiedereröffnet, danach aber wieder geschlossen, nachdem die islamische Gemeinschaft Druck ausgeübt hatte. Kurz gesagt – das kirchliche Leben ist stark eingeschränkt und kann nur im Untergrund stattfinden.

Auftreten von Gewalt

Somalische Christen erleben wegen ihres Glaubens Gewalt vonseiten der Familie, des Stammes, von Behörden und Milizen. Al Shabaab hat bereits bei unzähligen Gelegenheiten durch Worte und Taten verkündet, dass sie Christen sowohl in Somalia als auch in Nachbarländern angreifen werden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Ein Forscher von Open Doors berichtet: „Frauen und Mädchen werden dazu gedrängt, Duksi-Unterricht zu besuchen (eine Form der religiösen Erziehung), und müssen von Al Shabaab genehmigte Burkas tragen. Manche werden zwangsverheiratet, leiden unter häuslicher Gewalt, werden von ihrem Ehepartner und anderen Familienmitgliedern verprügelt, beschimpft und unter Hausarrest gestellt. Ihnen werden Nahrung und Rechte verweigert, sie verlieren ihre Geschäfte, werden bedroht und sind dazu gezwungen, sich zu verstecken; einige suchen deshalb Zuflucht außerhalb des Landes. Manchen Frauen wird der Kontakt zu ihren Kindern versagt, manche verlieren ihre Ehemänner und einige werden sogar getötet, weil ihr Glaube verdächtig erscheint.“

Männer

Nach Aussage eines Forschers werden Männer und Jungen, die des Übertritts zum christlichen Glauben verdächtigt werden, extrem stark verfolgt: „Männer und Jungen wurden beschimpft, körperlich angegriffen, ihrer Geschäfte enteignet, mit dem Tod bedroht, gefoltert, lebendig verbrannt, und andere wurden erschossen.” Dafür reicht ein einfacher Verdacht aus.

8. Verfolgung religiöser Minderheiten

Keine religiösen Gruppen außerhalb des sunnitischen Islam haben bedeutsame Rechte. In von Al Shabaab kontrollierten Gebieten hat sich die Situation so stark zugespitzt, dass sich sogar schiitische Muslime in Zurückhaltung üben. Man hat es auch auf gemäßigte sunnitische Muslime abgesehen. Die Verbreitung jeder anderen Religion außer dem Islam ist gesetzlich verboten. Muslime dürfen nicht zu einem anderen Glauben konvertieren. Die Verfassung besagt auch, dass die Scharia die Gesetzesgrundlage bildet. Daher werden alle anderen Religionen außer dem sunnitischen Islam sehr starke Probleme haben. Al Shabaab hat Berichten zufolge in früheren Jahren wiederholt auch Objekte, die sich im Besitz von Juden befinden, angegriffen.

9. Ausblick

Politischer Ausblick

Somalia ist ein gescheiterter Staat. Die Internationale Gemeinschaft und die Afrikanische Union (AU) haben mehr als einmal versucht, verschiedene Regierungen einzusetzen. Die derzeitige föderale Regierung wird von der AU militärisch unterstützt und vom UN-Sicherheitsrat gestärkt. Doch trotzdem ist Al Shabaab weiterhin mächtig genug, tödliche Angriffe durchzuführen, sogar in der Hauptstadt Mogadischu, wo sich der Regierungssitz befindet. Die USA führt Luftangriffe gegen Al Shabaab durch – zuletzt im Oktober 2018. Doch Berichte lassen vermuten, dass die Luftangriffe nicht zu den gewünschten Ergebnissen geführt haben.

Sozio-ökonomischer Ausblick

Die unsichere Lage im Land wird auch dadurch verstärkt, dass Millionen von Menschen von Dürre und Hungersnot betroffen sind. Krieg und Hunger haben Hunderttausende aus dem Land fliehen lassen.

Ausblick für Christen

Über 25 Jahre lang diente das Land als sicherer Hafen für militante Islamisten, die es sowohl in Somalia als auch in den Nachbarländern auf Christen abgesehen haben. Es gibt nichts, was Anlass zur Hoffnung gibt, dass sich das Ausmaß an „Islamischer Unterdrückung“, „Ethnisch begründeten Anfeindungen“, „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ in den nächsten Monaten und Jahren verringern würde.

Schlussfolgerung

Somalia ist seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex und wird zweifellos auch weiterhin einen vorderen Platz einnehmen. Mit Hilfe der Afrikanischen Union und gesichert durch die UN konnte sich die somalische Regierung im Jahr 2018 halten, allerdings ist sie schwach und wird auch weiterhin zu kämpfen haben. Sollte sich die UN für 2019 gegen eine Verlängerung des Mandats von AMISOM aussprechen, würde Al Shabaab neu gestärkt werden, und das könnte für die Christen im Land und darüber hinaus zu einer noch größeren Bedrohung werden. Nach Lage der Dinge kann davon ausgegangen werden, dass 1.) Al Shabaab weiterhin zum christlichen Glauben Konvertierte angreifen wird und 2.) keines der schwer beschädigten Kirchengebäude in naher Zukunft wiedereröffnet wird.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Somalia:

  • In Somalia hat der christliche Glaube keinen Platz. Bitte beten Sie, dass der Herr sein Reich weiterhin baut – trotz der Anfeindungen. Beten Sie, dass mehr Arbeiter in die Ernte gesendet werden und christliche Arbeiter Weisheit und Gnade haben, um Gottes Liebe täglich zum Ausdruck zu bringen.
  • Die gewalttätige, nichtstaatliche Al Shabaab, eine militante islamistische Gruppierung, die sich an die Lehre des Wahhabismus hält und zur Regulierung aller Lebensbereiche die Scharia heranziehen will, hat es gezielt darauf abgesehen, alle Somalier zu töten, die auch nur den Anfangsverdacht einer Konversion zum christlichen Glauben bieten. Es gibt im Land auch ausländische Dschihadisten, die viele der ländlichen Gebiete kontrollieren. Als Christ ist man dem Risiko eines brutalen Todes durch deren Hände ausgesetzt. Beten Sie, dass dieser Einfluss aufhört.
  • Open Doors schätzt die Anzahl der Christen im Land auf „hunderte“. Beten Sie, dass sich trotz der Gefahr lebendige Gemeinschaften bilden können. Beten Sie für reife Vorbilder unter den Gläubigen. Beten Sie, dass die ungesunden Auswirkungen des Stammesdenkens unter den somalischen Christen abgeschafft werden können und es zu einer wachsenden Einheit zwischen den vielen verschiedenen Gemeinschaften kommen kann.
  • Beten Sie für die Regierung des Präsidenten Mohamed Abdullahi Mohamed. Der Regierung gelingt es nicht, ihre Autorität auch in die ländlichen Gebiete zu erstrecken. Beten Sie für Weisheit, Mut und Gerechtigkeit in allen Regierungsstrukturen. Die somalische Regierung wird international von Körperschaften wie der UN und der Afrikanischen Union unterstützt. Beten Sie, dass die internationalen Partner die Verantwortlichen mit aller Weisheit für größere Religionsfreiheit überzeugen können, die bislang kaum Beachtung findet.
  • Beten Sie für Gottes Weisheit und Schutz der Vor-Ort-Teams. Beten Sie, dass Open Doors das Leben der somalischen Christen beeinflussen kann und die Bemühungen ihnen helfen, geistlich zu wachsen.

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