Länderprofil Somalia

Somalia

3
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Somalia
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
3
Karte Somalia
Christen
einige Hundert
Bevölkerung
16.11
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 16.500
Familienleben: 16.700
Gesellschaftliches Leben: 16.600
Leben im Staat: 16.600
Kirchliches Leben: 16.300
Auftreten von Gewalt: 9.800

Länderprofil Somalia

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 3 / 92 Punkte (WVI 2020: Platz 3 / 92 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die einzige Gruppe von Christen im Land, die für den Weltverfolgungsindex in Betracht gezogen wird, sind ehemalige Muslime. Sie werden von Al-Shabaab-Kämpfern als hochrangiges Ziel angesehen, und wenn sie entlarvt werden, tötet man sie oft auf der Stelle. Die islamisch-extremistische Miliz Al Shabaab hat sich der Lehre des Wahhabismus verschrieben und befürwortet die Scharia als Grundlage zur Regelung aller Lebensbereiche in Somalia. Diese Gruppierung äußert immer wieder ihr Ziel, alle Christen des Landes auszulöschen. Ausländische Dschihadisten sind ebenfalls im Land präsent, doch Verfolgung durch islamische Unterdrückung ist nicht auf militante Gruppen beschränkt.

Christen sind auch massiver Verfolgung vonseiten ihrer (Groß-)Familie und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Jeder Übertritt zum christlichen Glauben wird als Verrat gegenüber der Familie und dem Stamm betrachtet. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Anführern des Stammes schikaniert, bedroht oder sogar getötet. In allen Bereichen des persönlichen, familiären, gesellschaftlichen und staatlichen Lebens ist es lebensgefährlich als Christ muslimischer Herkunft erkannt zu werden – es führt oftmals auf der Stelle zur Hinrichtung. Kirchliches Leben ist unmöglich. Dieses Verfolgungsmuster ist außergewöhnlich und setzt Somalia somit ganz nach oben in den Bereich der extremen Verfolgung.

Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Situation eher verschlechtert. Islamistische Kämpfer haben ihre Jagd auf Christen, vor allem auf christliche Leiter, verstärkt. Ein Versuch der Wiedereröffnung einer Kirche in Hargeisa, Somaliland, im August 2017 scheiterte, als die Regierung durch Druck der lokalen muslimischen Bevölkerung gezwungen war, die Kirche wieder zu schließen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

92

3

2020

92

3

2019

91

3

2018

91

3

2017

91

2

Die Punktzahl ist mehr oder weniger stabil geblieben, obwohl es einen Anstieg im Bereich Gewalt gegen Christen von 9,4 Punkten im Vorjahr auf 9,8 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021 gibt. Der Druck auf die Christen ist unvermindert extrem hoch geblieben. Sie stehen in Gefahr von islamischen Kämpfern und Stammesanführern getötet zu werden. Älteste und Familienmitglieder überwachen jeden, der verdächtigt wird, Christ zu sein. Das Land ist in einem endlosen Bürgerkrieg, in sozialen Fragmentierungen, Stammeskonflikten und islamischem Extremismus verstrickt. Al Shabaab demonstrierte ihre Macht in mehreren Anschlägen in Mogadischu und in der Ermordung des Bürgermeisters. Die Coronakrise hat die ohnehin schon fragile Situation weiter verschärft.

2. Trends und Entwicklungen

1) Somalia ist dafür bekannt christenfeindlich zu sein

Das Land ist seit 1993 auf dem Weltverfolgungsindex vertreten und wird zweifellos auch weiterhin ganz oben auf der Liste stehen. Verstöße gegen die Religionsfreiheit sind besonders schwerwiegend für Christen mit muslimischem Hintergrund, denen im Falle einer Entdeckung häufig die Enthauptung droht. In ihrer jetzigen Form wird Al Shabaab weiterhin gezielt gegen Konvertiten vorgehen, und keines der schwer beschädigten Kirchengebäude wird in den nächsten Jahren wiedereröffnet werden.

2) Somalia ist ein gescheiterter Staat

Somalia ist ein gescheiterter Staat. Die internationale Gemeinschaft und die „Afrikanische Union“ (AU) haben bei mehr als zwei Gelegenheiten versucht, verschiedene Regierungen einzusetzen. Die derzeitige Bundesregierung wird von AU-Truppen und dem UN-Sicherheitsrat unterstützt. Trotzdem bleibt Al Shabaab mächtig genug, um selbst in Mogadischu – dem Sitz der Bundesregierung – tödliche Angriffe zu verüben. Die USA haben Luftangriffe gegen Al Shabaab durchgeführt, die jedoch nicht die erwünschte Wirkung gezeigt haben, wie aus Berichten hervorgeht. Dennoch scheint es, dass die somalische Bundesregierung auf dem Weg zu einer funktionierenden Regierung ist.
Was die Situation dabei verschlimmert, ist, dass die Zentralregierung begonnen hat, mit den Regierungen einiger Provinzen zu kämpfen. Dies hat zwei Auswirkungen: Einerseits zeigt es, dass die Regierung Somalias – mit ihren von der Türkei ausgebildeten Soldaten – die Kontrolle über Mogadischu hinaus ausweiten will. Andererseits ist es ein Hinweis darauf, dass es den Kräften, die im Kampf gegen Al Shabaab und ihre Verbündeten vereint sein sollen, eindeutig an Einigkeit mangelt. Wenn dieses Problem nicht gründlich und schnell gelöst wird, wird es die meisten Errungenschaften auf dem Weg zur Errichtung einer effizienten Zentralregierung zunichtemachen. Die Coronakrise wird diese Situation nur erschweren.

3) Die Regierung Somalias bleibt weiterhin schwach.

Die Wahl des neuen Präsidenten im Februar 2017 war, trotz des fragwürdigen Wahlverfahrens, für viele Somalier und die internationale Gemeinschaft ein Zeichen der Hoffnung. Die Regierung ist jedoch schwach und hat die Jahre 2018–2020 nur mit Hilfe von Truppen der AU, unterstützt von der UNO, überlebt. Die UNO hat die Mandate von UNSOM und AMISOM bis 2021 verlängert.

3. Religiöse Situation im Land

Die Bevölkerung Somalias ist überwiegend muslimisch, 99 % sind sunnitische Muslime. Die kleine christliche Gemeinschaft ist ständig von Angriffen bedroht, da die Christen als ein fremdes Element angesehen werden, das im Land ist, um sowohl der Kultur als auch dem Islam zu schaden. Open Doors schätzt die Zahl der Christen im Land auf mehrere Hundert. Dabei war das Land in der Vergangenheit Sitz der größten katholischen Kathedrale in der Region und die christliche Gemeinschaft war viel größer.

Die chaotischen Jahre nach dem Sturz des Militärregimes von Präsident Siad Barre im Jahr 1991 haben zum Aufstieg von Scharia-Gerichten und radikal-islamischen Gruppen wie Al Shabaab geführt. Sie alle verfolgen eine klare islamische Identität vor dem Hintergrund einer starken Stammesidentität. Ein Religionswechsel, z. B. zum christlichen Glauben, bedeutet nicht nur einen Verrat am Islam und der muslimischen Gemeinschaft, sondern auch einen Bruch mit den Normen und Werten des Stammes. In Stammesgesellschaften ist dies ein sehr schwerwiegendes Vergehen. Nach Ansicht vieler Somalier, wird ein „Somalier als Muslim geboren und stirbt als Muslim“. Selbst wenn sich Al Shabaab derzeit im Rückzug befindet, bedeutet dies nicht, dass die Bedrohung für die Christen abnimmt. Ein Beispiel dafür ist Somaliland, das 1991 seine Unabhängigkeit erklärte, welche immer noch nicht anerkannt ist: Die Region scheint frei von militanten islamischen Aktivitäten zu sein, jedoch werden Christen dort genauso verfolgt, weil die antichristliche Stimmung in der Religion und Kultur des Landes verwurzelt ist.

In diesem Zusammenhang werden zum christlichen Glauben konvertierte Männer schlimmer behandelt, da sie als Leiter angesehen werden, die den islamischen Glauben vertreten sollen. So sind sie zum Beispiel für den Glauben der Familie verantwortlich und deshalb wird von ihnen mehr erwartet. Sie können für den Glaubenswechsel der Ehefrau oder Schwester sogar mit dem Tod zur Verantwortung gezogen werden.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Somalia ist eine muslimisch dominierte Nation, und die Gesellschaft erwartet, dass alle Somalier Muslime sind. Imame in Moscheen und Koranschulen sowie Al-Shabaab-Anführer erklären öffentlich, dass es keinen Platz für den christlichen Glauben, Christen und Kirchen in Somalia gebe. In der Verfassung des Landes ist der Islam als Staatsreligion festgeschrieben. Die Miliz Al Shabaab als gewalttätiger nichtstaatlicher Akteur tötet gezielt Somalier, die verdächtigt werden, den christlichen Glauben angenommen zu haben. Ausländische Dschihadisten sind ebenfalls im Land präsent. Allerdings geht islamische Unterdrückung nicht allein von militanten Gruppen aus. Christen muslimischer Herkunft sind auch massiver Verfolgung vonseiten ihrer (Groß-)Familie und ihres sozialen Umfelds ausgesetzt. Christ zu sein, insbesondere als ehemaliger Muslim, ist eine enorme Herausforderung und kann dazu führen, von Extremisten brutal ermordet zu werden.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

In der somalischen Gesellschaft hat der Stamm einen großen Stellenwert; er regelt die Belange des täglichen Lebens und die Beziehungen der Gemeinschaften untereinander. Außerdem hat die Stammesstruktur einen tiefgreifenden Einfluss auf die Zusammensetzung der Regierung und die Durchführung der Wahlen. Dies zeigte sich in den somalischen Wahlen 2017: Der Präsident wurde von einem Parlament gewählt, das wiederum von 14.025 Delegierten gewählt worden war, die von den Stammesältesten bestimmt wurden. Die Miliz Al Shabaab stützt sich auch auf diese Stammesstrukturen, um Informationen zu sammeln, Mitglieder zu rekrutieren und ihre Ideologie zu verbreiten. Scheiche und Imame werden über diese Strukturen gezwungen, den Dschihad zu lehren – ansonsten drohen ihnen Vertreibung oder Tod. Nach Ansicht vieler Somalier und Stammesanführer muss jeder Somalier Muslim sein, weshalb die Hinwendung zum christlichen Glauben als Verrat an Familie und Stamm gilt. Falls demzufolge ein Somalier verdächtigt wird, den christlichen Glauben angenommen zu haben, wird er von Familienmitgliedern und Anführern des Stammes schikaniert, bedroht oder sogar getötet.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In der derzeitig fragilen und gesetzlosen Situation in Somalia greifen Kriminalität und Korruption ungehindert um sich. Die Regierung kontrolliert nur einige Städte und überlässt Al Shabaab den Großteil der ländlichen Gebiete. Die Miliz erhebt Steuern und finanziert ihre Aktivitäten durch illegalen Handel. Diese Situation hat das Leben für Christen sehr schwierig gemacht, da sie keinerlei Schutz erfahren. Die Art und Weise, in der die Militanten organisiert sind, bedeutet, dass sie bisweilen auch Netzwerke in Regierungen haben. Im Weltverfolgungsindex 2021 wird diese Triebkraft (in Kombination mit der islamischen Unterdrückung durch gewalttätige religiöse Gruppen) als Folge der Coronakrise immer stärker. Der Grund dafür ist, dass die Regierung beschlossen hat, ihre Aufmerksamkeit auf die Bekämpfung von Heuschrecken und dem Coronavirus zu konzentrieren, was es Al Shabaab und ihren Verbündeten ermöglicht, stärker zu werden.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamische Extremisten wirken ungehindert in vielen Regionen. Al Shabaab tötet Somalier, die verdächtigt werden, zum christlichen Glauben konvertiert zu sein. Diese Miliz ist so stark und gefährlich, dass sie sogar jenseits der Grenze Somalias Gewalt und Verletzung von Religionsfreiheit betreibt, besonders in Kenia, wo die Gruppe für den Tod Hunderter Christen verantwortlich ist. Al Shabaab wird als Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit der ganzen Region angesehen und weltweit als eine terroristische Organisation bezeichnet.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische religiöse Leiter erklären öffentlich, dass es keinen Raum für den christlichen Glauben gibt.
  • Familie und gewöhnliche Bürger: Die Gesellschaft im Allgemeinen und auch Familienangehörige lehnen jeglichen Gedanken einer Hinwendung zum christlichen Glauben ab und behandeln Christen muslimischer Herkunft hart.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Drogenkartelle und kriminelle Netzwerke sind sehr stark mit gewalttätigen religiösen Gruppen verbunden. Sie helfen den Dschihadisten ihre Unterdrückung zu finanzieren.
  • Regierungsbeamte: Auch Regierungsbeamte zeigen bei vielen Gelegenheiten ihre antichristliche Haltung. So wurde zum Beispiel das Feiern von Weihnachten von der Regierung verboten.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Politische Parteien: Die politischen Parteien basieren auf der ethnischen Identität. Sie haben sich zudem der Vorstellung verschrieben, dass Somalia für Somalis ist – und als Somali ist man Muslim.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesführer erlauben keine Bekehrungen zu Jesus Christus. Sie dulden im Land keine christlichen Symbole.
  • Familie und gewöhnliche Bürger: Familienangehörige und Normalbürger sind ebenfalls Verfolger ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen, da Familien und Bürger sich über die Stammeszugehörigkeit definieren.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Gruppen wie Al Shabaab nutzen das Stammessystem auch zur Rekrutierung. So sehen diese islamischen Kämpfer jede Person, die den Islam verlässt, als Bedrohung an.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Kriminelle Kartelle: Kriminelle Netzwerke profitieren von der Gesetzlosigkeit in Somalia und haben ein Netz illegaler Handelswege etabliert. Diese Kartelle sind stark mit Al Shabaab verbunden oder werden sogar von ihnen selbst geführt. Von dem erwirtschafteten Geld der Kartelle werden Waffen gekauft, mit denen Christen oder anderen Zivilpersonen ermordet werden.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Al Shabaab beteiligt sich am illegalen Handel und erhebt unerlaubt Steuern als Einnahmequelle auch für Einsätze gegen Christen im eigenen Land sowie in Nachbarländern.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Es gibt keine sichere Region für Christen in diesem Land. Allerdings sind die von Al Shabaab kontrollierten Teile des Landes am gefährlichsten. Diese befinden sich insbesondere in der südlichen und südwestlichen Region und umfassen Gebiete um Kismayo, Jamaamee, Marka, El Hur und viele andere Orte. Christen sind selbst an relativ friedlichen und stabilen Orten wie Puntland und Somaliland nicht sicher.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Da sich diese Gruppe auf Militärseelsorger (beispielsweise unter Angehörigen der Militärmission der AU, AMISOM), ausländische Arbeiter in Mogadischu und einige Flüchtlinge in Hargeisa (Somaliland) beschränkt, wird sie nicht als separate Kategorie behandelt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Kategorie existiert in Somalia nicht. Eine der größten römisch-katholischen Kathedralen Afrikas wurde 1928 in Mogadischu erbaut. Doch seit 2008 ist dieses Gebäude nur noch eine Ruine.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund werden mit der schwersten Verfolgung konfrontiert und von Al-Shabaab-Kämpfern als hochrangiges Ziel angesehen. In der jüngsten Geschichte des Landes wurden Christen muslimischen Hintergrunds – oder Menschen, die nur im Verdacht standen, den christlichen Glauben angenommen zu haben – nach ihrer Entdeckung oft auf der Stelle getötet.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 16.5
Familienleben 16.7
Gesellschaftliches Leben 16.6
Leben im Staat 16.6
Kirchliches Leben 16.3
Auftreten von Gewalt 9.8

Grafik: Verfolgungsmuster Somalia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen in Somalia (16,5 Punkte) ist im Vergleich zum Vorjahr (16,6 Punkte) um 0,1 Punkte gesunken. Doch der insgesamte Druck auf Christen bleibt extrem hoch.
  • Der Druck in allen Lebensbereichen hat ein extremes Ausmaß und erreicht im Bereich Familienleben die höchste Wertung (16,7), gefolgt vom gesellschaftlichen und staatlichen Leben (16,6). Dadurch wird deutlich, wie immens stark der Druck ist, der von Familie und Nachbarschaft auf christliche Konvertiten und die nationale Situation der Kirche ausgeht.
  • Die Punktzahl für Gewalt ist sehr hoch und von 9,4 Punkten im Vorjahr auf 9,8 Punkte gestiegen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde die Hinwendung zum christlichen Glauben, darunter auch ein Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums, abgelehnt, verboten oder bestraft?

Der Glaubenswechsel hat schwerwiegende Konsequenzen in Somalia. Ihre Hinwendung zum christlichen Glauben müssen ehemalige Muslime nicht nur vor ihrer erweiterten Familie und den Mitgliedern ihres Stammes verstecken, sondern auch vor ihren engsten Angehörigen. Die Familienmitglieder würden nicht nur verständnislos auf den christlichen Glauben reagieren, sondern auch Angst haben, selbst der Hinwendung zum christlichen Glauben verdächtigt zu werden.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z. B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Christen in Somalia stehen großen Schwierigkeiten gegenüber, wenn sie versuchen, ihrem Glauben entsprechend zu leben. Sie können nur heimlich beten und müssen ihren Andachtsort immer wieder wechseln, um nicht entdeckt zu werden.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Christliche Symbole oder Schriften zu besitzen oder mit sich zu führen, würde als Beweis gegen eine Person verwendet werden, sollte sie gefasst werden. Der bloße Verdacht, Christ zu sein, ist in der Regel ein Todesurteil. Lediglich in sehr seltenen Fällen, wenn digitale Kopien von christlichem Material auf dem Handy Verdächtiger entdeckt wird, werden sie „nur“ verprügelt und gewarnt, in Zukunft kein Interesse an christlichen Materialien oder an Freundschaften zu Christen zu zeigen. Sollte die Person jedoch im Besitz einer Bibel oder von christlichen Schriften gefunden werden, wird sie mit Zustimmung ihrer Familienmitglieder, Verwandten, Nachbarn und sogar Freunde hingerichtet. Einem Experten für Somalia zufolge trauen sich Christen kaum, ihren Glauben in irgendeiner Form auszudrücken: „Es gibt ein weltweites Social-Media-Netzwerk somalischer Christen, die alle im Ausland leben, und allein einen Post dort zu ‚liken‘, bringt einen Somalier ernsthaft in Gefahr.“ In diesem Land reicht allein ein Verdacht, um in Gefahr zu geraten.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Mit einem gewöhnlichen Bürger in Somalia über eine Hinwendung zu einem anderen Glauben oder das Verlassen des Islam zu sprechen, kann tödlich sein. Infolgedessen vermeiden Christen muslimischer Herkunft und auch andere Personen, über nichtmuslimische Glaubensinhalte zu reden. Ein Experte des Landes fügt hinzu: „Die Gesetze und Praktiken im Land würden es den Christen nicht erlauben sich zu entfalten. Sie sind darauf ausgelegt, Muslime auf Kosten anderer zu bevorzugen. Militante Gruppen im Land würden alles dafür tun, um sicherzustellen, dass Christen getötet werden. Somit sind überhaupt keine Gottesdienste oder Versammlungen möglich.“

Familienleben

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Der Staat und die Gesellschaft erwarten, dass alle Somalier Muslime sind. Es gibt keinen Raum für irgendeinen anderen Glauben. Demzufolge wird ein Baby, geboren von somalischen Eltern, immer als Muslim angesehen. Jeglicher Versuch, dies in Frage zu stellen, hätte tödliche Konsequenzen.

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Christliche Hochzeiten oder christliche Feiertage in einer Familie zu feiern, ist nahezu unmöglich. Dies ist eine weitere Einschränkung in einem Land, das als Parole „keinen Raum für Christen“ hat. Mitglieder der Familie oder einer Bürgerwehr suchen immer nach Christen im Land. Somit könnte jede christliche Feier zu einer tödlichen Situation werden.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Christen können ihre Kinder, insbesondere jüngere Kinder, nicht christlich erziehen, da immer die Gefahr besteht, dass die Kinder christliche Lieder singen, Bibelverse zitieren oder im Namen Jesus Christus beten und somit sich und ihre ganze Familie verraten würden. Eltern sind daher in ihrem Handeln eingeschränkt. Ein Länderexperte schreibt: „Sie können ihren Kindern nicht von ihrem christlichen Glauben erzählen. Verwandte und das Umfeld würden dann sicherstellen, dass Kinder im islamischen Glauben erzogen würden.“

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In den von Al Shabaab kontrollierten Gebieten, welche einen großen Teil des Landes ausmachen, müssen alle Kinder, Frauen und sogar Männer am Islamunterricht und anderen islamischen Lehrstunden teilnehmen. In den vom Staat kontrollierten Gebieten ist der Islamunterricht ein vorgeschriebenes Schulfach. Das bedeutet, dass christliche Kinder keine andere Wahl haben, als daran teilzunehmen. Somalische Kinder müssen am islamischen Pflichtunterricht teilnehmen und christliche Eltern finden es oft zu gefährlich, ihre Kinder im christlichen Glauben zu unterweisen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an die durch die Mehrheitsreligion vorgegebenen Vorschriften für Kleidung und Bärte usw. halten)?

Die somalische Gesellschaft ist sehr traditionsverbunden und hält sich an eine strenge Kleiderordnung. Auch Christen müssen sich daran halten. Ein Länderexperte erklärt: „Christen können in keiner Weise ihren Glauben sichtbar praktizieren, da dies im wahrsten Sinne des Wortes Todesgefahr oder zumindest gewaltsame Verfolgung mit sich bringt.“ Religiöse Familienfeiern, Veranstaltungen oder Gespräche sind für Christen immer gefährlich. Jeder, der in der Gesellschaft als ein nicht guter Muslim gilt, wird verdächtigt und trifft auf ernsthaften Widerstand.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen muslimischer Herkunft werden von Angehörigen ihres sozialen Umfeldes auf verschiedene Weise unter Druck gesetzt, insbesondere durch Überwachung. Ein Experte für das Land berichtet: „Dank der Überwachung können örtliche Anführer und Älteste sagen: ‚Diese Person handelt nicht unserem Glauben entsprechend.‘ Daraufhin erhalten mutmaßliche Konvertiten einschüchternde Anrufe von ‚besorgten‘ Mitgliedern der Gemeinschaft oder sogar von Al-Shabaab-Mitgliedern, die sagen, sie hätten Gerüchte über ihren Glaubenswechsel gehört oder ‚abweichendes‘ (dem Koran widersprechendes) Verhalten beobachtet. Sie werden vorgewarnt, sich zu ändern, oder sie würden ihr Leben aufs Spiel setzen.“ Um solche Bedrohungen und ähnliche Probleme zu überleben, müssen somalische Christen ihren Glauben verstecken, auch um Zugang zu sozialen Grundleistungen oder Bildung zu erhalten.

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Einige somalische Christen mussten ihre Häuser verlassen und aufgrund von Morddrohungen untertauchen. Ein Länderexperte erklärt: „Zwangsheirat ist die beste Option, andernfalls könnten sie getötet werden.“ Ein anderer Experte sagt: „Dies scheint die ‚einfachste Lösung‘ für Eltern zu sein, die bemerken, dass ihre Töchter sich auf nichtmuslimische Weise verhalten.“ Entführungen erleben nicht nur somalische Christen, sondern auch Christen in den Nachbarländern.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Druck durch das soziale Umfeld ist einer der Hauptwege für Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung für diejenigen, die verdächtigt werden, den christlichen Glauben angenommen zu haben. Die somalische Gesellschaft ist geprägt durch eine Verbindung von sehr engem sozialem Austausch und Misstrauen. Alles, was vom akzeptablen muslimischen Verhalten abweicht, wird mit deutlichem Anpassungsdruck erwidert. Jeder Somalier sieht sich in der Verantwortung, dafür Sorge zu tragen, dass seine „Brüder“ „gute Muslime“ bleiben.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Dieser Lebensbereich ist entscheidend, wenn es darum geht, die Verletzung von Religionsfreiheit in einem Land zu untersuchen, da Politik und Gesetze auf nationaler oder regionaler Ebene richtungsweisend dafür sind, wie Dinge auf lokaler Ebene umgesetzt werden. In der Verfassung Somalias ist klar und deutlich dargelegt, dass der Islam die Staatsreligion und dass die Scharia Grundlage aller Gesetze ist. Es gibt keine Bestimmungen, nach denen Nichtmuslime von der Anwendung der Scharia ausgenommen wären. Beamte auf staatlicher und lokaler Ebene setzen Gesetze durch, welche die Freiheit von Christen stark einschränken. Deshalb haben Christen keine andere Wahl, als ihren Glauben im Geheimen zu leben. Wichtig ist auch, dass die somalische Regierung überzeugt davon ist, dass es keine somalischen Christen gebe.

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, die Bekehrung einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Der zweite Artikel der somalischen Verfassung verbietet jeglichen Glaubenswechsel vom Islam zu einer anderen Religion. Artikel 2 besagt: „Staat und Religion: (1) Die Staatsreligion ist der Islam. (2) Keine andere Religion als der Islam darf im Land verbreitet werden.“ Das bedeutet, dass kein somalischer Staatsangehöriger den Glaubenswechsel vom Islam zu einer anderen Religion erklären kann.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Die Meinungsfreiheit ist generell eingeschränkt. Scheiche und andere muslimische religiöse Leiter im Land haben wiederholt gesagt, dass es keinen Raum für Christen in Somalia gebe. Für Christen ist es gefährlich, ihre Ansichten und Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern. Dies wird auch von der Regierung des Landes unterstützt – sie erlaubt Christen nicht einmal, Weihnachten in der Öffentlichkeit zu feiern.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Es gibt keinen Raum für Christen in diesem Land, geschweige denn christliche Regierungsparteien. Auch christliche ausländische Nichtregierungsorganisationen haben es schwer, im Land tätig zu sein, da sie ein begehrtes Ziel für Al Shabaab sind.

Kirchliches Leben

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Es gibt keine Verfahrensweise zur Antragstellung einer Kirchenregistrierung und auch keine Bereitschaft, Genehmigungen für nichtmuslimische Vorhaben zu vergeben. Sollte die Regierung eine Registrierung doch erlauben, wäre zu befürchten, dass Al Shabaab dies zu Propagandazwecken für die Rekrutierung neuer Kämpfer nutzt und größere Unterstützung des somalischen Volkes gewinnen würde.

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Christen können den Wiederaufbau von Kirchen nicht einmal in Betracht ziehen. Ein Versuch, die katholische Kirche in Mogadischu wieder zu eröffnen, war nicht erfolgreich. Ein weiterer Versuch zur Wiedereröffnung einer katholischen Kirche in Hargeisa verursachte einen öffentlichen Aufschrei und Feindseligkeit.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Ganz zu schweigen von Tätigkeiten im Freien, ist es Christen nicht einmal möglich, sich gefahrlos in einem Haus zu treffen. Es gibt für Christen keine Möglichkeit, einen Ort der Anbetung einzurichten und zu erhalten. Militante Gruppen, wie Al Shabaab oder andere Salafisten, haben öffentlich erklärt, dass es in Somalia keinen Platz für Christen gebe.

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Es gibt keine erkennbaren Kirchengebäude im Land. Viele Kirchen wurden in den letzten Jahrzehnten zerstört, wie beispielsweise die römisch-katholische Kathedrale in Mogadischu, die als eine der schönsten und größten Kathedralen Afrikas galt. Es gibt eine ständige Überwachung, um zu sehen, ob es inoffizielle Gemeinden (Hauskirchen) im Land gibt.

Auftreten von Gewalt

Aus Sicherheitsgründen können keine Details veröffentlicht werden.

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Mindestens neun Christen wurden im Berichtszeitraum wegen ihres Glaubens getötet.
  • Verhaftungen von Christen: Zwei Christen wurden aufgrund ihres Glaubens festgehalten.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens drei (Haus-)Kirchen wurden angegriffen.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Vier.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

In Somalia haben religiösen Gruppen außerhalb des sunnitischen Islam keine bedeutungsvollen Rechte. In den von Al Shabaab kontrollierten Gebieten ist die Situation so extrem geworden, dass sich selbst schiitische Muslime sehr zurückhalten. Auf gemäßigte sunnitische Muslime hat man es ebenfalls abgesehen. Wie oben erwähnt, verbieten die Gesetze in Somalia die Verbreitung einer anderen Religion als des Islam und untersagen Muslimen den Glaubenswechsel. Die Verfassung besagt auch, dass alle Gesetze mit den allgemeinen Prinzipien der Scharia übereinstimmen müssen. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass jede religiöse Gruppe außer sunnitischen Muslimen vor außerordentlichen Herausforderungen steht, ihren Glauben zu leben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Somalia:

  • Beten Sie, dass unter der somalischen Bevölkerung eine starke Gemeinde heranwächst, die sich Jesus völlig anvertraut mit einem großen Hunger und Durst nach Gottes Gerechtigkeit.
  • Bitte beten Sie für die Familien derer, die um ihres Glaubens willen getötet wurden, dass sie den Trost ihres himmlischen Vaters empfangen und von Bitterkeit geheilt werden.
  • Beten Sie auch für diejenigen, die für die Ermordung von Christen verantwortlich sind, dass die Furcht des Herrn sie ihrer Taten überführt.