Sudan
Christenverfolgung im Sudan
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Die Lage für Christen im Sudan hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschlechtert, insbesondere seit dem Putsch im Oktober 2021, und noch einmal verschärft seit einem Erlass vom August 2022. Entgegen der internationalen Berichterstattung, die eine Abkehr von repressiven Gesetzen und Maßnahmen im Sudan vermeldete, sind die Gegebenheiten für Christen vor Ort düster. Zunächst gelang es dem Militär, den zivilen Teil der Regierungskoalition durch einen Staatsstreich auszuschalten und so den Premierminister zu beseitigen. Doch es gab bereits vor dem Putsch Anzeichen dafür, dass die Zivilregierung zu den alten Gewohnheiten zurückkehren würde. Dies führte schließlich im August 2022 dazu, dass unter dem Deckmantel einer bürgernahen Polizeiarbeit indirekt wieder eine „Sittenordnung“ eingeführt wurde; außerdem brachte das Militär erneut Schlüsselfiguren des früheren al-Baschir-Regimes an die Macht, die für ihre aktive Rolle bei der Verfolgung von Christen bekannt waren.
Trotz des Sturzes des al-Baschir-Regimes ist die gesellschaftliche Wahrnehmung von Christen weitgehend unverändert geblieben. Bei Christen, die mit schweren Menschenrechtsverletzungen konfrontiert sind, insbesondere bei Konvertiten und ethnischen afrikanischen Christen, ist die Angst deutlich spürbar, Verfolgung auch nur zu erwähnen. Die anhaltende Präsenz extremistischer Gruppen und die mangelnde Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft haben die Bedrohung, der diese Christen ausgesetzt sind, nur noch verstärkt.
Außerdem sind die „Dschandschawid“-Milizen nach wie vor aktiv und tragen zu einem allgemeinen Klima der Angst und Unterdrückung bei. Im April 2023 spitzte sich die Situation zu, als die Spannungen zwischen den paramilitärischen „Rapid Support Forces“ („Schnelle Unterstützungskräfte“, RSF) und der sudanesischen Armee eskalierten. Dies hat zu einem erheblichen Maß an Tod, Vertreibung und Zerstörung geführt.
Die jüngsten Auseinandersetzungen haben den Sudan an den Rand einer noch tieferen Krise geführt. Im Januar 2025 bezeichnete das US-Außenministerium das Vorgehen der RSF als Genozid. Gegen RSF-Führer Mohamed Hamdan Daglo (auch „Hemeti“ genannt) wurden wegen systematischer Menschenrechtsverletzungen Sanktionen verhängt. Im Jahresbericht (2025) der United States Commission on Religious Freedom heißt es, der Bürgerkrieg im Sudan „betreffe in besonderer Weise schutzlose religiöse Gemeinschaften“, beispielsweise durch Zwangskonversionen zum Islam oder die Einführung kanonischer islamischer Strafen („Hudud“), die körperliche Gewalt rechtfertigen. So wird jeder vermeintliche Fortschritt zunichte gemacht, und die Lage der Christen im Land wird immer gefährlicher. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs wurden bereits Hunderte Kirchen angegriffen, besetzt oder beschädigt. Religiöse Versammlungen wurden gestört und geistliche Leiter inhaftiert. Im Bildungswesen, Berufsleben und beim Zugang zu Rechtsschutz ist die Benachteiligung von Christen weitverbreitet. In diesem Klima haben Christen noch mehr Angst, sich gegen Verfolgung jedweder Form auszusprechen.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Die prekäre Lage der Christen im Sudan hat einen kritischen Punkt erreicht, insbesondere seit dem Militärputsch im Oktober 2021 und dem Bürgerkrieg, der 2023 ausgebrochen ist. Obwohl internationale Beobachter lange Hoffnungen auf einen positiven Wandel gehegt haben, ist die bittere Wirklichkeit von Christen von schwerer Verfolgung und ständiger Angst geprägt. Dies gilt insbesondere für christliche Konvertiten und ethnische afrikanische Christen. Mit der Machtübernahme durch das Militär wurde die zivil geführte Übergangsregierung faktisch aufgelöst; Vertreter des repressiven al-Baschir-Regimes, die für die Verfolgung von Christen berüchtigt sind, wurden wieder eingesetzt. Darüber hinaus wurde im August 2022 die „Sittenordnung“ von der Regierung auf versteckte Art und Weise erneut eingeführt, getarnt als „bürgernahe Polizeiarbeit“, wodurch sich die Situation weiter verschlechterte.
Die vielschichtige Geschichte des Sudan ist geprägt von der Darfur-Krise, der Abspaltung des Südsudan im Jahr 2011 und der Notlage des Nuba-Volkes. Dies hat ein Land entstehen lassen, das durch religiöse und ethnische Gräben tief gespalten ist. Da die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist, leben Christen ohnehin in einem schwierigen Umfeld. Sie wohnen vor allem in städtischen Gebieten wie etwa der Hauptstadt Khartum, wo es seit langem etablierte Gruppen koptisch-orthodoxer und griechisch-orthodoxer Christen gibt, und wo auch andere große christliche Denominationen wie die römisch-katholische Kirche und verschiedene protestantische Kirchen ihre Gemeinden haben. Konvertiten, die sich vom Islam ab- und dem christlichen Glauben zugewandt haben, sind besonders schwerer Verfolgung ausgesetzt. Sie sehen unter anderem oft davon ab, ihre Kinder christlich zu erziehen, oder verzichten auf christliche Beerdigungen, um nicht die Aufmerksamkeit von Regierungsvertretern und Anführern der örtlichen Gemeinschaften zu erregen.
Der letzte Putsch im Oktober 2021 führte zu anhaltenden Protesten und Unruhen. Die Spannungen gipfelten im April 2023 in gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den RSF unter Mohamed Hamdan Daglo und der sudanesischen Armee unter Militärherrscher Abdel Fattah Burhan. Diese anhaltenden internen Konflikte haben zu zahlreichen Todesfällen, Zerstörungen und Vertreibungen geführt. Im Oktober 2024 berichtete das Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dass fast drei Millionen Sudanesen in Nachbarländer geflohen waren (vor allem nach Ägypten, gefolgt vom Tschad und dem Südsudan). In einem gemeinsamen Bericht mehrerer UN-Agenturen von Oktober 2025 heißt es: „Im Sudan findet eine der weltweit größten humanitären Katastrophen statt. Mehr als 30 Millionen Menschen sind auf Hilfe angewiesen, darunter 9,6 Millionen Binnenvertriebene und 15 Millionen Kinder.“ Mögliche zukünftige Friedensverhandlungen zwischen den RSF und dem Militär wurden dadurch erschwert, dass die RSF Anfang 2025 eine Parallelregierung ausgerufen haben: Im Februar unterzeichneten die RSF und weitere verbündete Gruppen die Gründungscharta. Formell gegründet wurde diese „Regierung des Friedens und der Einheit“ im April. Regierungsoberhaupt ist RSF-Führer Daglo.
Zu den am stärksten Betroffenen im Bürgerkrieg gehören die Christen, deren Kirchen von beiden Konfliktparteien ins Visier genommen, besetzt und angegriffen werden. Viele Christen haben Angst, sich gegen Verfolgung jedweder Form auszusprechen. Die Situation offenbart eine beunruhigende Diskrepanz zwischen den Reformversprechen und den eskalierenden Drohungen und der Gewalt vor Ort. Das Leben der Christen im Sudan ist von Angst geprägt, sodass alle Behauptungen über Fortschritte für sie hohl klingen.
Trotz der Versprechen der internationalen Gemeinschaft, die hoffnungsvoll stimmten, und der Bildung einer Übergangsregierung, die eine demokratische Regierung anstrebte, ist der Sudan in einen Krisenzustand zurückgefallen, der schwere Unterdrückung mit sich brachte, insbesondere für die christliche Minderheit. Dieser Rückschritt untergräbt alle vermeintlichen Fortschritte und unterstreicht, wie notwendig es ist, das internationale Narrativ über den Sudan neu zu bewerten.
| Weltanschauungen | Anhänger | % |
| Christen | 2.201.000 | 4,3 |
| Muslime | 46.538.000 | 91,9 |
| Hindus | 1.000 | < 0,1 |
| Buddhisten | 1.200 | < 0,1 |
| Anhänger ethnischer Religionen | 1.333.000 | 2,6 |
| Juden | 63 | < 0,1 |
| Bahai | 3.200 | < 0,1 |
| Atheisten | 76.900 | 0,2 |
| Agnostiker | 459.000 | 0,9 |
| Andere | 2.500 | < 0,1 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
In der Vergangenheit waren Druck und Gewalt gegen Christen in ländlichen Gebieten außerhalb der Hauptstadt Khartum intensiver. Zusätzlich zu den Schikanen und Bedrohungen in ihrem täglichen Leben waren Christen von den Auswirkungen des bewaffneten Konflikts in Gebieten wie Darfur, den Nuba-Bergen und den Regionen am Blauen Nil stärker betroffen. Seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2023 lässt sich jedoch auch in städtischen Gebieten Verfolgung von Christen beobachten. Besonders in Khartum und im Bundesstaat al-Dschazira werden Christen systematisch unterdrückt. Nach der Verschanzung der RSF in al-Dschazira kam es dort zu Zwangsschließungen und der Zerstörung von Kirchen und zur Entführung von Pastoren. Während die Gewalt in ländlichen Gebieten in der Vergangenheit oft nicht dokumentiert wurde, werden die aktuellen Angriffe in den städtischen Zentren von Menschenrechtsorganisationen ausführlich erfasst. Die Aufzeichnungen zeigen ein bewusstes und zunehmend skrupelloses Vorgehen gegen christliche Gemeinschaften und Gotteshäuser.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Islamische Unterdrückung
Die Ideologie der Muslimbruderschaft hatte großen Einfluss auf die sudanesische Regierung, seit Präsident al-Baschir 1989 durch einen Putsch an die Macht gekommen war. In der Folgezeit strebte das Regime die Bildung eines islamischen Staates auf Kosten anderer religiöser Gruppen im Land an. Es wurde beschuldigt, islamisch-extremistische Kämpfer zu unterstützen – etwa indem es Osama bin Laden Zuflucht gewährte –, Terrorismus zu fördern sowie Waffenhandel zu betreiben. Nach dem erneuten Militärputsch 2021 wurden schrittweise immer mehr Vertreter des al-Baschir-Regimes wiedereingesetzt. Die Ideologie aus der al-Baschir-Zeit besteht in Militär und Regierungskreisen fort. Auch im Bürgerkrieg bemühen sich beide Parteien um eine islamische Begründung für ihr Vorgehen, um sich die Unterstützung der Gesellschaft zu sichern.
Diktatorische Paranoia
Seit der Erlangung der Unabhängigkeit vor mehr als sechs Jahrzehnten kämpft der Sudan um die Aufrechterhaltung der zivilen Ordnung. Auch wenn der Sezessionskrieg im Südsudan offiziell beendet ist, brechen die Kämpfe immer wieder aus. Ebenso setzen sich der Darfur-Konflikt (ein multipolarer Bürgerkrieg zwischen regierungsfreundlichen und regierungsfeindlichen Milizen) und der aktuelle Bürgerkrieg fort. Frühere Regimes nutzten Angst, Nötigung und nationalistische „Sündenbock-Rhetorik“, um ihre Macht zu erhalten. Beispielsweise wurde gegen den Westen gehetzt, was zu einer Zunahme der Verfolgung von Christen geführt hat, da diese als „Verbündete des Westens“ galten. Unter der aktuellen Militärführung hat die Unterdrückung zugenommen. Im Bemühen des Regimes, inmitten von Bürgerkrieg und Instabilität seine Macht zu festigen, sind Christen noch schwerwiegenderer Verfolgung ausgesetzt.
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Unter Präsident al-Baschir setzte die sudanesische Regierung alle verfügbaren Mittel ein, um an der Macht zu bleiben, einschließlich der Mobilisierung von Stammesmilizen. Viele dieser Milizen begingen Menschenrechtsverletzungen, darunter auch die Versklavung von Nichtarabern, um vom Konflikt zu profitieren. Christen, die als fremd und als Bedrohung für die Nation angesehen werden, wurden von diesen islamistischen Gruppen mit besonderer Brutalität angegriffen. Der aktuelle Bürgerkrieg begünstigt Gesetzlosigkeit und kriminelle Aktivitäten weiter: Häufig geraten Christen ins Visier von Erpressungsversuchen und Gewalt.
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit, gemischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm
Die sudanesische Bevölkerung setzt sich aus etwa 19 verschiedenen ethnischen Gruppen zusammen, die im Norden überwiegend arabischen und im Süden afrikanischen Ursprungs sind. Die arabisch geprägten Stämme haben seit der Unabhängigkeit eine Politik der islamischen und arabischen Überlegenheit und des Nationalismus verfolgt. Nicht-arabische und nicht-islamische Gemeinschaften wurden marginalisiert.
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Ausländische Christen und Arbeitsmigranten
Ausländische Christen und Arbeitsmigranten werden gezwungen, ihre Kirchen zu schließen. Diese Christen stammen hauptsächlich aus westlichen Ländern und dem Südsudan. Ihren Kirchen wird eine Registrierung verweigert und viele wurden abgerissen. Manche der ausländischen Christen wurden ohne ordentlichen Gerichtsprozess verhaftet und eingesperrt, besonders während des aktuellen Konflikts.
Christen aus traditionellen Kirchen
Christen aus traditionellen Kirchen wie der koptisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche erleben Verfolgung sowohl aufgrund von islamischer Unterdrückung als auch aufgrund von diktatorischer Paranoia. Der frühere Präsident al-Baschir verfolgte eine Politik der Zerstörung von Kirchengebäuden, was auch Kirchen von traditionellen christlichen Gemeinschaften betraf. Der Bürgerkrieg hat ihre Schutzlosigkeit verschärft.
Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)
Diese Gruppe, die hauptsächlich aus Christen muslimischer Herkunft besteht, erlebt den stärksten Druck und die heftigste Gewalt. Diese gehen sowohl von Regierungsvertretern als auch von nicht staatlichen Akteuren aus.
Christen aus protestantischen Freikirchen
Sudanesische Christen, die baptistischen, evangelikalen und pfingstkirchlichen Denominationen angehören, sind mit Verfolgung in Form von islamischer Unterdrückung und diktatorischer Paranoia konfrontiert. Diese Gruppe von Christen muss auch am ehesten damit rechnen, dass ihre Kirchen geschlossen werden.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Christen vermeiden es aus Sicherheitsgründen, in ihrem sozialen Umfeld offen über ihren Glauben zu sprechen. Dies könnte sonst zur Verhaftung durch die Regierung oder zu Angriffen durch militante Islamisten führen. Der soziale Druck wird durch die ständige Überwachung durch das Umfeld und die Polizei noch verstärkt. Die Aufbewahrung von christlichen Materialien, wie beispielsweise von Bibeln, birgt erhebliche Risiken, insbesondere für christliche Konvertiten in einer muslimischen Familie. Werden die Materialien entdeckt, so setzt man die Konvertiten unter enormen Druck, zum Islam zurückzukehren. Weigern sie sich, führt dies häufig zum Verlust von Eigentum, zum Ausschluss aus der Gemeinschaft oder sogar zu Gewalt. Im Bürgerkrieg hat die digitale Überwachung zugenommen: Die Behörden überwachen die Kommunikation der Menschen auf religiöse Inhalte.
Familienleben
Im Sudan eine christliche Familie zu gründen, ist angesichts des Drucks durch Regierung und soziales Umfeld sowie aufgrund der von der Gesellschaft ausgehenden Gewalt schwierig. Von Christen, die Muslime heiraten, wird erwartet, dass sie zum Islam konvertieren – diese Erwartung besteht, da Christen in der Minderheit sind und Muslime darauf drängen, dass bestimmte soziale Normen eingehalten werden. Christliche Kinder werden oft aufgrund des Glaubens ihrer Familie schikaniert, und Christen muslimischer Herkunft, die ihre Kinder christlich erziehen, können das Sorgerecht für sie verlieren. Außerdem schreibt die Regierung vor, dass in den Schulen Islamunterricht erteilt wird.
Gesellschaftliches Leben
Der gesellschaftliche Druck auf die Christen im Sudan ist immens. Die Gesetze zur öffentlichen Ordnung, welche die Regierung für Khartum erlassen hat, beruhen weitgehend auf einer strengen Auslegung des islamischen Rechts. Sie verbieten das Tragen „unpassender“ Kleidung und andere „Verletzungen des Ehrgefühls, des Ansehens und der öffentlichen Sittlichkeit“. Es ist bekannt, dass die Polizei unter diesem Vorwand Christen schikaniert und willkürlich wegen angeblicher Verstöße verhaftet. Christliche Gemeinschaften haben Schwierigkeiten, Zugang zu öffentlich genutzten Ressourcen (wie sauberem Trinkwasser) zu erhalten. Dies gilt insbesondere außerhalb der städtischen Gebiete. Die allgemeine Einstellung in der Gesellschaft und der Regierung ist, dass sudanesische Bürger Muslime sein sollten. Die Regierung nutzt alle verfügbaren Möglichkeiten, um Christen zu benachteiligen und zu bestrafen, indem sie sie daran hindert, die öffentlichen Ressourcen zu nutzen. Die Christen in den Nuba-Bergen und anderen Gebieten im Süden des Landes sind Luftangriffen vonseiten der Regierungstruppen ausgesetzt. Es ist auch bekannt, dass staatlich unterstützte Milizen Hausdurchsuchungen durchführen, um Christen aufzuspüren.
Leben im Staat
Christen – besonders aus dem Südsudan oder mit Beziehungen in den Westen – werden häufig vom staatlichen Sicherheitsdienst überwacht. Die Hoffnung, dass sich dies ändern und es Religionsfreiheit geben wird, wie von der Übergangsregierung angekündigt, hat sich nicht erfüllt. Organisationen werden behindert oder verboten, wenn sie als christlich oder als kritisch gegenüber staatlichen Institutionen eingestuft werden. Viele internationale Nichtregierungsorganisationen, die humanitäre Hilfe leisten, werden aus dem Land verbannt oder erhalten keinen Zugang zu den hilfsbedürftigen Menschen, wenn sie als christlich gelten. Im aktuellen Bürgerkrieg werden Christen von beiden Kriegsparteien beschuldigt, dass ihre Loyalitäten im Ausland lägen. Im Bildungswesen, Arbeitsleben und vor Gericht werden Christen benachteiligt. Viele berichten außerdem, dass ihnen aufgrund ihres Glaubens humanitäre Hilfe verweigert wird.
Kirchliches Leben
Die Kirchen im Sudan stehen unter erheblichem Druck seitens der Behörden und der Gesamtgesellschaft. Zudem mischen sich sudanesische Beamte immer wieder in die Ernennung religiöser Leiter ein und überwachen Gottesdienste. Christen werden von den Behörden und aufgebrachten Mengen daran gehindert, Kirchen zu bauen und instand zu halten. Wenn Christen versuchen, Reparaturen an Kirchen vorzunehmen, führt dies oft zu Gewalt. Leiter von Dorfgemeinschaften stacheln die Bevölkerung zu Angriffen auf Christen und Kirchen an. Dies kommt besonders häufig in abgelegenen Gebieten vor. Die sudanesische Infrastruktur macht es extrem schwierig, diese Gebiete mit Hilfsgütern zu erreichen oder internationale Beobachter dorthin zu entsenden, was es den Tätern ermöglicht, Gewalt ungestraft auszuüben. Durch den Bürgerkrieg hat sich die Situation noch verschärft: Beide Kriegsparteien besetzen oder zerstören Kirchen. In vielen Gebieten sind christliche Gemeinden deshalb in den Untergrund gegangen; Christen treffen sich nur noch heimlich und in kleinen Gruppen, um nicht entdeckt zu werden.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Im Januar und Februar 2025 wurden insgesamt 19 Christen verhaftet. Für viele von ihnen liegt keine offizielle Anklage vor, viele der Inhaftierten haben außerdem immer noch keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand.
Im Juli 2025 ließen die Behörden den Gebäudekomplex einer Pfingstgemeinde in Khartum abreißen, das gesamte Gelände wurde zerstört. Im Juni 2025 wurden bei Luftangriffen der RSF in der Stadt el-Faschir drei Kirchen zerstört, fünf Menschen wurden dabei getötet.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
| Jahr | Platzierung | Punktzahl |
| 2026 | 4 | 92 |
| 2025 | 5 | 90 |
| 2024 | 8 | 87 |
| 2023 | 10 | 83 |
| 2022 | 13 | 79 |
Mit 92 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2026 erreicht der Sudan seine höchste je gemessene Wertung. Gegenüber dem Vorjahr ist die Gesamtpunktzahl um 2 Punkte gestiegen. Das lässt sich darauf zurückführen, dass der Druck in den Bereichen Leben im Staat und kirchliches Leben zugenommen hat und auch die Wertung für Gewalt gestiegen ist. In den vergangenen vier Berichtszeiträumen hat sich die Situation der Christen im Sudan beständig verschlechtert: Durch den Bürgerkrieg ist die staatliche Gewalt zersplittert und Straffreiheit wurde in einigen Gebieten zur Norm, was bewaffnete Gruppen ausnutzen. Kirchen wurden besetzt oder zerstört, Geistliche bedroht oder vertrieben. Viele christliche Familien mussten bereits wiederholt innerhalb des Landes fliehen. Auch andere Gruppen sind von der Gewalt im Sudan betroffen, doch Christen befinden sich in einer besonders verletzlichen Position: Sie bilden eine kleine Minderheit und haben weder politischen Einfluss noch werden sie von den Institutionen geschützt. Dadurch sind sie weitgehend schutzlos, wenn sie von Milizen, dem staatlichen Sicherheitsdienst oder den lokalen Behörden angegriffen werden. Besonders schlimm ist ihre Lage in Gebieten, die unter dem ideologischen Einfluss bewaffneter Gruppen stehen, die Christen als „Fremde“ darstellen und angebliche Konversionen als Mittel zur Einschüchterung und Erpressung nutzen.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
Frauen im Sudan haben in den letzten Jahren einen raschen Wandel ihrer Situation erlebt. Im Jahr 2020 wurde angekündigt, dass man das Apostasiegesetz abschaffen werde, dass Frauen künftig nicht mehr die Erlaubnis eines männlichen Verwandten benötigen würden, um zu reisen, und dass Genitalverstümmelung verboten würde. Jedoch führten die Covid-19-Pandemie und die verschlechterten wirtschaftlichen Bedingungen im Jahr 2021 dazu, dass häusliche Gewalt – einschließlich körperlicher und sexualisierter Gewalt – gegen Frauen anstieg und Zwangsehen zunahmen. Durch den Putsch im Oktober 2021 wurden dann die Reformen im Bereich Frauenrechte vollends zunichtegemacht. Aktuell sehen sich Christinnen, insbesondere christliche Konvertitinnen, weiterhin enormen Gefahren ausgesetzt. Dazu gehört die Gefahr von sozialer Isolation, Diskriminierung vor Gericht, dem Verlust ihres Erbes, Vergewaltigung, körperlicher Gewalt, häuslicher Gewalt, Zwangsheirat oder erzwungener (grundloser) psychiatrischer Behandlung. Im Bürgerkrieg wird sexuelle Gewalt als Waffe genutzt: Die RSF und alliierte Milizen vergewaltigen Frauen und Mädchen und entführen sie als Sexsklavinnen oder für Lösegeld. Außerdem greifen sie Kliniken an, in denen Überlebende sexueller Gewalt behandelt werden. Opfer sexueller Gewalt werden durch Stigmatisierung, einen schwachen rechtlichen Schutz und voreingenommene Richter zum Schweigen gebracht, während sogar Polizisten ungestraft christliche Frauen und Mädchen vergewaltigen. Systemische Straflosigkeit und Ungleichheit führen dazu, dass Frauen im Sudan extrem schutzlos sind.
Männer
Der Bürgerkrieg hat die humanitäre Krise verschlimmert. Millionen Menschen wurden vertrieben und sind von Hungersnot betroffen. Inmitten dieser Instabilität nimmt die sudanesische Regierung männliche Christen unter verschiedenen falschen, schwerwiegenden Anschuldigungen ins Visier, darunter „Terrorismus“. Gemeindeleiter sind die häufigsten Ziele, und die Sicherheitskräfte der Regierung überwachen ihre Aktivitäten täglich. Christlichen Männern und Jungen, insbesondere christlichen Konvertiten, drohen Schläge, Inhaftierung, Tötung, Belästigung am Arbeitsplatz und Vertreibung. Konvertiten werden mitunter aus ihrem Haus vertrieben und von ihren Familien verstoßen. Andere sehen sich aufgrund des Verfolgungsdrucks gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen. Darüber hinaus stehen Männer und Jungen in der Gefahr, von den RSF und alliierten Milizen getötet oder entführt zu werden. Ihre Familien bleiben schutzlos zurück, verlieren ihren Hauptverdiener, können sich nicht gegen Plünderung und sexuelle Gewalt gegen die weiblichen Familienmitglieder zur Wehr setzen. Durch ihre Rolle als Hauptverdiener und Familienoberhäupter werden christliche Männer zur Zielscheibe von Bedrohung, Schikane und Gewalt und leben in ständiger Angst.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Jede religiöse Gruppe außerhalb des sunnitischen Islam sieht sich mit großen Schwierigkeiten in der Ausübung ihrer Religion konfrontiert. Schiiten werden systemisch diskriminiert und – da sie als mit dem Iran verbunden gelten – im aktuellen Konflikt ins Visier genommen. Heilige Stätten von Sufis wurden beschädigt oder zerstört, besonders in Darfur und Kordofan. Die kleine Gemeinschaft der Bahai und die kleine jüdische Gemeinde verhalten sich äußerst vorsichtig, um nicht versehentlich Gewalt vonseiten der Regierung und nicht staatlicher Akteure zu provozieren.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für den Sudan:
- Bitte beten Sie um Frieden und ein Ende der Angriffe auf Christen.
- Beten Sie um Schutz für Christen muslimischer Herkunft und um Kraft, im Glauben standhaft zu bleiben, auch wenn ihre Familien und ihr Umfeld sie deshalb verfolgen.
- Beten Sie, dass christliche Frauen im Sudan vor sexueller Gewalt geschützt werden und dass sie in der Lage sind, ihrem Umfeld die Liebe Jesu zu zeigen. Beten Sie vor allem um innere Heilung nach erfolgten Übergriffen.
- Im Sudan herrscht eine der größten humanitären Krisen weltweit. Millionen von Menschen sind vertrieben und hungern. Bitte beten Sie, dass Gott Versorgung schenkt.