Länderprofil Sudan

Sudan

6
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Sudan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
4
ISO
SD
Karte Sudan
Christen
1,91
Bevölkerung
41.51
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.700
Familienleben: 15.000
Gesellschaftliches Leben: 14.600
Leben im Staat: 15.600
Kirchliches Leben: 16.100
Auftreten von Gewalt: 10.600

Länderprofil Sudan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 6 / 87 Punkte (WVI 2018: Platz 4 / 87 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Historisch ist der Islam tief in der Gesellschaft des Sudan verwurzelt. Die regierende Elite will ein islamisches Regime im Land aufbauen. Apostasie (Abfall vom Islam) ist ein Verbrechen, und die Blasphemiegesetze werden landesweit angewandt, um Christen strafrechtlich zu verfolgen. Präsident Omar al-Bashir hat wiederholt betont, dass der Sudan ein islamischer Staat ist und es keinen Raum für andere Religionen geben sollte, seit der Südsudan seine Unabhängigkeit erklärt hat.

Diktatorische Paranoia: Der Sudan wird seit dem Staatsstreich al-Bashirs im Jahr 1989 von einem autoritären Regime regiert. Die Regierung verfolgt streng die Politik einer einzigen Religion, einer einzigen Sprache und einer einzigen Kultur. Es gibt keinerlei Presse- oder Meinungsfreiheit.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Die Regierung hat ethnische Milizen bewaffnet und diese Gruppen benutzt, um auf das Ziel eines islamischen Staates hinzuarbeiten. Dies geschieht auf Kosten der anderen religiösen Gruppen im Land. Diese Milizen werden beschuldigt, schwere Verstöße gegen die Menschenrechte gegenüber der nichtarabischen Bevölkerung des Sudan begangen zu haben, einschließlich Christen.

In dem im Februar 2018 veröffentlichten Jahresbericht von Transparency International, der Korruption in 180 Ländern misst, belegt der Sudan Rang 175.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die Verfolgung geht von der Regierung sowie extremistischen Muslimen aus, wird systematisch durchgeführt und erinnert an eine Politik der ethnischen Säuberung. Unter der autoritären Herrschaft von Präsident al-Bashir und seiner Partei gibt es im Sudan keine Rechtsstaatlichkeit. Die Presse- und Mediengesetze sind restriktiv, und die Meinungsfreiheit wurde stark eingeschränkt. Im Bericht für 2018 hält die Organisation Reporter ohne Grenzen fest: „Die Belästigung von Medien hat sich zu Beginn des Jahres 2018 intensiviert. Achtzehn Journalisten, einschließlich ausländischer Korrespondenten, wurden im Januar verhaftet, als sie über die Proteste der Opposition berichteten. Ein unabhängiger Radiosender wurde geschlossen und zwei Journalisten wurden mit einer Berufssperre für ein Jahr belegt.“

Wie äußert sich die Verfolgung?

Der Berichtszeitraum des WVI 2018 war für Christen in vielerlei Hinsicht eine harte Zeit: Sie war schwer, weil Christen ihre Kirchengebäude verloren, in denen sie sich jahrelang versammelt und Gott angebetet hatten. Sie war schwer, weil die Regierung viele christliche Leiter verhaftete oder einschüchterte.

Die ethnisch-kulturelle Landschaft im Sudan ist ebenfalls sehr vielschichtig und kompliziert: Araber stehen ethnischen Afrikanern und Muslime Christen gegenüber. Die Abspaltung des Südsudan 2011 hat diese Probleme nicht gelöst. Dies gilt besonders für ethnische Afrikaner, denn viele von ihnen sind Christen und leben weiterhin im Sudan. Alle christlichen Gemeinschaften im Sudan haben Angst davor, Gespräche über ihren Glauben mit sudanesischen Muslimen zu führen, da dies als „Ermutigung zum Glaubensabfall vom Islam“ ausgelegt werden könnte. Das Ausmaß der Verfolgung, mit der Christen muslimischer Herkunft und ethnische Afrikaner konfrontiert sind, ist enorm. Es gab Verhaftungen; viele Kirchengebäude wurden zerstört und weitere stehen auf einer offiziellen Liste von Kirchen, die abgerissen werden sollen; viele Christen werden in Gebieten wie den Nuba-Bergen willkürlich angegriffen, wo es einen andauernden Konflikt zwischen Streitkräften der Regierung und Rebellengruppen gibt.

Christliche Konvertiten geben ihren christlichen Glauben häufig nicht einmal an ihre eigenen Kinder weiter, da dies die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Familie ziehen könnte (weil Kinder versehentlich den Glauben der Eltern offenbaren könnten). Diese Sorge reicht sogar bis hin zu Beerdigungen, wo Christen muslimischer Herkunft nach islamischen Riten auf Friedhöfen für Muslime beerdigt werden, obwohl es eigene Friedhöfe für Christen gibt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Die Regierung hat Kirchengebäude abgerissen oder schließen lassen.
  • Christen mit muslimischem Hintergrund sind besonders gefährdet, da das Gesetz den Wechsel vom Islam zu einer anderen Religion offiziell unter Todesstrafe stellt. Sie verzichten in der Regel darauf, christliches Material zu besitzen oder auf christliches Fernsehen oder Internet zuzugreifen, denn wenn dies entdeckt wird, könnte es von Familienangehörigen oder Beamten als Beweismittel gegen sie verwendet werden.
  • Kinder aus christlichen Familien werden wegen des Glaubens ihrer Eltern oft in der Schule oder auf Spielplätzen belästigt.
  • Es gibt ein sehr hohes Maß an Gewalt gegen Christen, besonders in den Nuba-Bergen, wo Christen willkürlich von Sicherheitskräften der Regierung angegriffen werden.

Meldungen und Beiträge zum Sudan

Nachrichten Nachrichten
Christlicher Gottesdienst im Sudan
Sudan
Sudanesische Sicherheitsbeamte haben am 13. Oktober 13 Christen in der Region Darfur verhaftet. Eine Kirche in Omdurman wurde unterdessen aufgefordert, die Eigentumsrechte für ihr Gebäude an die Regierung abzutreten.
Nachrichten Nachrichten
Kirchengebäude im Sudan (Quelle:World Watch Monitor)
Sudan
Die Regierung des Sudan hat zwei Jahre nach ihrer Beschlagnahmung 19 Kirchengebäude an die Sudanesische Kirche Christi zurückgegeben. Damit folgt sie der Anordnung eines Gerichts, das im August mit seinem Urteil für große Überraschung gesorgt hatte.
Nachrichten Nachrichten
Christen aus dem Sudan
Sudan
Christen im Sudan werden massiv unter Druck gesetzt. Im Fokus steht derzeit die Bahri Evangelical Church in Omdurman. In der kommenden Woche findet ein Prozess gegen 36 Kirchenmitglieder statt, Gegen vier weitere wurden neue Anklagen erhoben.
Länderberichte
Sudan

Sudan: Hoffnung in den Nuba Bergen

02:13 Minuten
Sudan

Im November 2016 beteten beim weltweiten Gebetstag für verfolgte Christen Tausende Gemeinden für die...

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Der Sudan befindet sich auf Platz 6 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Wertung von 87 Punkten entspricht der des Vorjahres. Der Sudan ist zu einem Land geworden, in dem Christen als Einzelpersonen und kollektiv mit gravierenden Einschränkungen konfrontiert sind. Die Regierung hat ihre Bemühungen verstärkt, Kirchen abzureißen und Christen zu verhaften. Dies ist ein Ergebnis davon, dass nun vollumfänglich die Scharia umgesetzt wird, was Präsident al-Bashir nach der Abspaltung des Südsudan angekündigt hatte. Die islamistische und diktatorische Regierung hat auch ihre Politik fortgesetzt, Christen in den Nuba-Bergen zu verfolgen. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden mehr als 40 Christen inhaftiert und angeklagt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft der Verfolgung speist sich aus der Ideologie der Muslimbruderschaft, die der Gründer der jetzigen Regierungspartei, Hassan al-Turabi, vertrat. Er half dem sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, durch einen unblutigen Staatsstreich 1989 seine Macht zu festigen. Die sudanesische Regierung bemüht sich nicht nur um die Bildung eines islamischen Staates auf Kosten anderer religiöser Gruppen im Land, sondern steht auch im Verdacht, in den vergangenen drei Jahrzehnten islamische Extremisten unterstützt zu haben. Die USA haben den Sudan am 12. August 1993 zum ersten Mal als einen Staat bezeichnet, der den Terrorismus fördere, weil er wissentlich lokale und internationale Terroristen beherberge und zulasse, dass das Land als Durchgangsstation für Terroristen und Waffen genutzt werde. Das Land bot etwa Osama bin Laden Zuflucht, bevor er nach Afghanistan zog. Historisch ist der Islam – einschließlich extremistischer Ausprägungen – in der sudanesischen Gesellschaft tief verwurzelt. Ein Beispiel dafür ist die Mahdi-Bewegung des 19. Jahrhunderts. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gehört dem sunnitischen Islam an. Die Scharia ist die Grundlage des sudanesischen Rechtssystems, und die Elite des Sudan hat sich zum Ziel gesetzt, ein islamisches Regime im Land zu etablieren. Apostasie (der Abfall vom Islam) wurde zum Verbrechen erklärt und mit der Todesstrafe belegt. Die Blasphemiegesetze werden landesweit angewandt, um Christen strafrechtlich zu verfolgen. Diese Triebkraft hat auch ein nationalistisches Element.

Diktatorische Paranoia

Der Sudan wird seit dem Staatsstreich al-Bashirs im Jahr 1989 von einem autoritären Regime regiert. Der Einfluss, den die Regierung sowohl auf das Privatleben als auch auf das öffentliche Leben hat, ist enorm. Außerdem kämpft das Land gegen tief verwurzelte Probleme: Die Darfur-Krise dauert weiter an und auch im Konflikt mit der aufständischen Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung des Nordens (SPLM-N) scheint es keine dauerhafte Lösung zu geben, auch wenn Waffenstillstandsabkommen geschlossen werden konnten. Manche vermuten, dass die Abkommen aufgrund der Sanktionen seitens der US-Regierung vereinbart wurden, und die sudanesische Regierung in der Hoffnung nachgab, dass die Sanktionen gelockert werden könnten. Jedes Mal, wenn sich die Regierung größeren sozioökonomischen und politischen Problemen gegenübersieht, gelingt es al-Bashir, durch Brandreden gegen den Westen Unterstützung in der Bevölkerung zu mobilisieren. Dies wiederum hat negative Auswirkungen auf die Christen im Land, da diese generell als „Spione des Westens“ angesehen werden.

Obwohl die meisten Sudanesen sunnitische Muslime sind, pflegt die Regierung eine enge Verbindung zum schiitischen Iran. Es scheint eine Symbiose zwischen der „Diktatorischen Paranoia“ und der „Islamischen Unterdrückung“ zu geben. Die führenden Köpfe des Regimes gelten durchweg als extremistische Muslime, die in der regierenden Nationalen Kongresspartei (NCP) ein Mittel sehen, ihre islamische Agenda voranzubringen. Daraus lässt sich schließen, dass die Regierung bei der Verfolgung von Christen nicht nur von totalitären Tendenzen, sondern auch von einer islamistischen Gesinnung angetrieben wird. In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde zunehmend die Bereitschaft des amtierenden Präsidenten offenbar, in opportunistischer Weise Überzeugungen und Versprechen preiszugeben, um an der Macht zu bleiben. Beinahe alle seine Entscheidungen – sei es in Bezug auf die Unterstützung terroristischer Gruppen und bewaffneter Milizen oder die Unterdrückung jeder Form von Widerspruch – beruhen hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, auf dem Wunsch, um jeden Preis an der Macht zu bleiben. Erwähnenswert ist auch, dass der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Präsident Omar al-Bashir für das, was unter seiner Führung im Sudan geschehen ist, wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermordes angeklagt hat – doch sein Bestreben, um jeden Preis an der Macht zu bleiben, ist nach wie vor groß. Im Bericht für 2018 der Organisation Freedom House wird der Sudan als „nicht frei" eingestuft und erzielte die geringstmögliche Anzahl von Punkten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die sudanesische Regierung setzt alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein, um ihren langfristigen Machterhalt sicherzustellen. Durch gezielte Bemühungen werden lokale Stammesmilizen (einschließlich, aber nicht ausschließlich arabische Milizen), die als Dschandschawid bekannt sind, mobilisiert und ausgerüstet. Diese Gruppen werden instrumentalisiert, um auf Kosten anderer religiöser Gruppen auf einen islamischen Staat hinzuarbeiten. Mehrere Berichte verschiedener Menschenrechtsorganisationen beschuldigen diese Milizen, in Zusammenarbeit mit der Regierung schwere Verstöße gegen die Menschenrechte gegenüber der nichtarabischen Bevölkerung des Sudan begangen zu haben. Christen gehören zu den Minderheiten, die Opfer solcher organisierten Verbrechen sind.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Die sudanesische Bevölkerung besteht aus etwa 19 verschiedenen ethnischen Gruppen und fast 600 Untergruppen. Die meisten Bewohner der südlichen Landesteile sind ethnisch afrikanischer Herkunft, Araber leben überwiegend in den nördlichen Landesteilen. Religion hat für die sudanesische Bevölkerung große Bedeutung. Die meisten Einwohner bekennen sich zu einer bestimmten Religion – hauptsächlich dem Islam oder dem christlichen Glauben, doch auch Stammesreligionen bestehen fort. Seit vielen Jahren versuchen Araber aus dem Norden, nicht nur den Islam, sondern auch eine spezifische kulturelle und ethnische Identität als Araber zu verbreiten. Dies führte zu einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg und war letztlich für die Unabhängigkeit des Südsudan verantwortlich. Doch auch heute passiert das noch im ganzen Land.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Imame schüren in Moscheen und Medressen (Koranschulen) eine christenfeindliche Stimmung. Wahhabiten und Befürworter der Scharia als der Grundlage aller Bereiche des Lebens im Sudan engen den Spielraum für ein christliches Leben immer mehr ein. Staatliche Sicherheitskräfte verhaften, belästigen und bedrohen Christen und zerstören Kirchengebäude. Im ganzen Land organisieren sich gewalttätige religiöse Gruppen in Milizen, töten Christen und zerstören ihr Eigentum. Christen muslimischer Herkunft sind schwerer Verfolgung von ihrer (erweiterten) Familie und ihrem Umfeld ausgesetzt. Sie können zum Tode verurteilt werden, wenn sie der Regierung überstellt werden.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Verfolger der Triebkraft Diktatorische Paranoia sind Regierungsbeamte, von der Regierung unterstützte Gruppierungen und die Unterstützer jener islamischen Ideologie, die sich weigert, einen Glaubenswechsel zu akzeptieren und den Christen im Land einen Platz einzuräumen. Was in dieser Hinsicht noch beunruhigender ist, ist die mutmaßliche Verbindung zwischen der Regierung und diesen gewalttätigen religiösen Gruppen. Regierungsbeamte zwingen christliche Kinder, am Sonntag in die Schule zu gehen. Die regierende Nationale Kongresspartei (die 1996 gegründet wurde und welcher der Staatspräsident vorsteht) hat auch die Umsetzung der Scharia im Land vorangetrieben.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Regierungsbeamte, Anführer ethnischer Gruppen und andere werden für Straftaten nicht zur Verantwortung gezogen. Sie untergraben die Autorität des Gesetzes. Sie arbeiten zudem Hand in Hand, sodass Christen vor Gericht ihre Kirchengebäude oder ihren Besitz verlieren.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Verfolgung kann in verschiedenen Teilen des Landes auch von Stammesführern ausgehen, die von der Regierung gestützt werden. Diese ethnischen Gruppen und ihre Anführer sehen ihre ethnische Zugehörigkeit und den Islam als ihre Religion als ein und dasselbe an. Deswegen verfolgen sie jedes ihrer Mitglieder, das sich dem christlichen Glauben zuwendet.

4. Hintergrund

Umgeben von Ägypten, Libyen, dem Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, dem Südsudan, Äthiopien, Eritrea sowie dem Roten Meer, befand sich der Sudan stets im Brennpunkt aufgrund der Kriege und Konflikte, von denen er seit Jahrzehnten umringt ist. Der gegenwärtige Bürgerkrieg im Südsudan lenkt die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft von den Verbrechen der al-Bashir-Regierung ab. Während sich al-Bashir als Friedensstifter im Konflikt im Südsudan darstellt, beliefert er tatsächlich beide Seiten mit Waffen.

Die Christenverfolgung im Sudan ist nicht bloß als Verletzung der Religionsfreiheit zu verstehen. Die Verfolgung ist systematisch und erinnert an eine Politik der ethnischen Säuberung. Die Verfolgung stellt nicht nur eine Sammlung isolierter Einzelfälle dar, sondern zeigt ein Muster. Es zeigt, dass die Politik der Regierung von einer christlichenfeindlichen Haltung bestimmt wird. Der Islam ist historisch tief in der Gesellschaft des Sudan verwurzelt, und obwohl das Christentum dort schon Jahrhunderte vor dem Islam Einzug gehalten hatte, gilt es paradoxerweise als der sudanesischen Kultur fremd. Der Sudan ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das seit der Einführung des WVI für interne Zwecke im Jahr 1993 konstant auf dem Index vertreten ist. Meist befand sich der Sudan dabei unter den ersten zehn oder zwanzig Ländern. Das stimmt mit Bewertungen durch andere Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen im Bereich der Menschenrechte, insbesondere der Religionsfreiheit, überein. Zudem gibt es seit Jahrzehnten keine Rechtsstaatlichkeit im Sudan; Presse- und Mediengesetze wurden verschärft und Meinungs- und Religionsfreiheit stark beschnitten. Und doch bewies Präsident al-Bashir mit seiner Partei bei den Wahlen im April 2015 seine Macht, indem er angeblich über 90 Prozent der Wähler bei einem erdrutschartigen Sieg für sich gewinnen konnte – obwohl Teile der Bevölkerung mit der schwachen Wirtschaftslage unzufrieden sind, die auf die fehlenden Einnahmen durch die Ölvorkommen zurückzuführen ist, welche sich nunmehr im Südsudan befinden. Der sich verschlimmernde Krieg zwischen dem Sudan, der Miliz SPLM-N und dem Südsudan eröffnet eine weitere Dimension von Problemen, mit denen die Minderheiten des Landes konfrontiert sind.

Die ethnisch-kulturelle Landschaft ist sehr vielschichtig und kompliziert: Araber stehen ethnischen Afrikanern und Muslime Christen gegenüber. Die Abspaltung des Südsudan hat diese Probleme nicht gelöst. Dies gilt besonders für ethnische Afrikaner, denn viele von ihnen sind Christen und leben weiterhin im Sudan. Die Regierung verfolgt streng die Politik einer einzigen Religion, einer einzigen Sprache und einer einzigen Kultur. Diese Politik wird bereits seit Jahrzehnten praktiziert und wurde von Präsident al-Bashir 2010 erneuert, als er erklärte, dass die Scharia die Hauptquelle der Verfassung sein müsse, der Islam die offizielle Religion und Arabisch die offizielle Sprache des Sudan. Somit unterdrückt al-Bashir die im Sudan verbliebenen afrikanischen Christen weiterhin hart, besonders in den Bundesstaaten Süd-Kordofan und Blauer Nil.

Die Regierung scheint die Strategie aus den 1980er- und 1990er-Jahren zu wiederholen. Damals entschied die Regierung gemäß einer 2017 erschienenen Studie über den Konflikt, „die in den Nuba-Bergen lebenden Völker zu dezimieren, indem man ihnen den Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung und Wohnraum verwehrt.“ Die Situation verschlimmert sich noch durch die Tatsache, dass sich der Konflikt mit der Miliz SPLM-N und der Bürgerkrieg im Südsudan in der Grenzregion beider Länder zu einem großen Konflikt zusammengebraut hat.

Der Sudan hat vergeblich alles versucht, die Abspaltung des Südsudan zu verhindern. Und so macht sich al-Bashir mutmaßlich den Konflikt zwischen den beiden größten Stämmen des Südsudan, den Nuer und den Dinka, zunutze und versorgt beide Seiten mit Waffen, in der Hoffnung, dass sich das Land so selbst schwächen wird. Genauso bedeutend ist, dass al-Bashir vorgeworfen wird, diesen Konflikt als Ablenkung von dem auf ihn ausgestellten Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs zu nutzen. Die Tatsache, dass nun zahlreiche afrikanische Staaten den Internationalen Strafgerichtshof verlassen wollen, ist für al-Bashir ein moralischer Sieg. Die Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) erklärte in einer Pressekonferenz vom April 2018 den Sudan als „besonders Besorgnis erregendes Land“ und empfahl dies auch dem US-Außenministerium. Dieses hat den Sudan am 22. Dezember 2017 zum 18. Mal in Folge als „besonders Besorgnis erregendes Land“ eingestuft, weil er schwere Verletzungen der Religionsfreiheit, wie sie im Internationalen Gesetz zum Schutz der Religionsfreiheit (IRFA) beschrieben werden, toleriert hat oder selbst daran beteiligt war. Zusammengefasst macht die zerstörerische Verbindung zwischen Islamischer Unterdrückung und Diktatorischer Paranoia das Leben für Christen unerträglich.

5. Betroffene Christen

Im Sudan sind alle im WVI unterschiedenen Kategorien von Christen präsent. Sie alle sind mit Verfolgung konfrontiert. Das Ausmaß der Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft sowie ethnischen Afrikanern ist jedoch enorm. Viele von ihnen wurden unter der Anklage von Verbrechen wie Spionage inhaftiert; viele Kirchengebäude wurden zerstört und weitere sollen abgerissen werden; viele Christen werden in Gebieten wie den Nuba-Bergen willkürlich angegriffen, wo Streitkräfte der Regierung gegen Rebellengruppen kämpfen. Kirchen werden zur Schließung gedrängt.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Sie werden gezwungen, ihre Kirchengebäude zu schließen. Diese Christen stammen hauptsächlich aus westlichen Ländern und dem Südsudan. Einige ihrer Kirchen wurden abgerissen, anderen Kirchengemeinden wurde die Registrierung verweigert. Manche Christen wurden ohne ordentlichen Gerichtsprozess inhaftiert.

Christen aus traditionellen Kirchen

Christen aus traditionellen Kirchen wie der koptisch-orthodoxen und der römisch-katholischen Kirche erleben Verfolgung sowohl aufgrund von Islamischer Unterdrückung als auch von Diktatorischer Paranoia. Dem Programm zum Abriss von Kirchengebäuden nach zu urteilen, kann man sagen, dass die Regierung vorhat, die meisten, wenn nicht alle Kirchengebäude im Land zu schließen, einschließlich derjenigen der traditionellen Kirchen.

Christen mit anderem religiösen Hintergrund

Christen, die einen anderen religiösen Hintergrund haben – hauptsächlich ehemalige Muslime – erleben die stärkste Verfolgung. Sie erfahren nicht nur Verfolgung in den Bereichen des „Kirchlichen Lebens“ und des „Lebens im Staat“, sondern sind auch starker Verfolgung durch Familie und Nachbarn in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“, „Familienleben“ und „Privatleben“ ausgesetzt.

Christen aus protestantischen Freikirchen: Einheimische Christen, die baptistischen, evangelikalen oder Pfingstgemeinden angehören, erleben Verfolgung durch Islamische Unterdrückung und Diktatorische Paranoia. Auch dieser Gruppe droht die Schließung ihrer Kirchengebäude im Land.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.7
Familienleben 15
Gesellschaftliches Leben 14.6
Leben im Staat 15.6
Kirchliches Leben 16.1
Auftreten von Gewalt 10.6

Grafik: Verfolgungsmuster Sudan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Sudan ist extrem hoch (15,2 Punkte) und gegenüber dem WVI 2018 (15,4) nur minimal gesunken.
  • Alle Lebensbereiche weisen einen extrem hohen Wert auf, am stärksten im Bereich „Kirchliches Leben" (16,1). Dies spiegelt wider, dass die Regierung das kirchliche Leben im Land auf verschiedenste Weisen angreift.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist weiterhin sehr hoch, doch im Vergleich zum WVI 2018 sank er von 12,0 auf 10,6 Punkte.

Privatleben

Ein Experte für das Land erklärt: „Wegen des Risikos, entdeckt zu werden, und weil dies als Beweismaterial von Familien, Gesellschaft und Behörden gegen sie verwendet werden könnte, besitzen christliche Konvertiten grundsätzlich keine christlichen Materialien und vermeiden christliche Fernsehsender oder Internetseiten.“ Es hat Fälle gegeben, in denen Konvertiten nur aufgrund ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben von ihrer Familie unter Hausarrest gestellt wurden. Es gibt ein eindeutiges Gesetz zur Bestrafung von Christen, besonders solcher mit muslimischem Hintergrund. Artikel 126 des Strafgesetzbuches erklärt: „Jeder, der die Abwendung vom Islam propagiert oder ihn öffentlich ablehnt durch eindeutige Äußerungen oder eine Handlung, die dies deutlich erkennen lässt, begeht damit die Straftat der Apostasie.“ In der Vergangenheit kam es vor, dass Menschen, die den christlichen Glauben angenommen hatten, nur aufgrund bloßer Gespräche, die sie geführt hatten, zum Tode verurteilt wurden. Christen muslimischer Herkunft sind besonders betroffen, da das Gesetz für die Hinwendung vom Islam zu einer anderen Religion die Todesstrafe fordert Aber auch alle anderen christlichen Gemeinschaften im Sudan haben Angst davor, Gespräche über ihren Glauben mit sudanesischen Muslimen zu führen, da dies als „Ermutigung zum Glaubensabfall vom Islam“ ausgelegt werden könnte.

Familienleben

Die Christen im Land sind in diesem Lebensbereich mit verschiedenen Formen von Verfolgung konfrontiert. Der Sudan ist für Christen kein einfacher Ort, um zu heiraten. Bei einer Ehe zwischen einem muslimischen und einem christlichen Partner wird erwartet, dass der Christ zum Islam konvertiert. Während das Gesetz bis zu einem gewissen Grad zulässt, dass Nichtmuslime nicht der Anwendung des islamischen Gesetzes unterworfen werden, welches die Regierung durchsetzen will, wird in der Praxis eine christliche Hochzeit nicht so reibungslos ablaufen wie eine Hochzeit zwischen Muslimen. Kinder aus christlichen Familien werden wegen des Glaubens ihrer Eltern oft in der Schule oder auf Spielplätzen belästigt. Auch im Sorge- und Erbrecht ist die Situation für Christen aufgrund ihres Glaubens sehr kompliziert. Dies ist ein weiterer Lebensbereich, in dem christliche Konvertiten die stärkste Verfolgung erfahren. Für sie ergeben sich selbst bei Begräbnissen ernsthafte Probleme. Christen muslimischer Herkunft werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen beerdigt, obwohl christliche und muslimische Friedhöfe getrennt sind. Auch geben sie ihren christlichen Glauben häufig nicht einmal an die eigenen Kinder weiter, da dies die Aufmerksamkeit der Regierung auf die Familie ziehen könnte (weil Kinder versehentlich den Glauben der Eltern offenbaren könnten).

Gesellschaftliches Leben

Über die einfachen Schikanen und Bedrohungen hinaus, denen Christen in ihrem täglichen Leben ausgesetzt sind, ist es sehr wichtig, zwischen dem zu unterscheiden, was in den Nuba-Bergen und der Region Blauer Nil vor sich geht, und dem, was in anderen Teilen des Landes, insbesondere in den Städten, geschieht. Seit Juni 2011 führt die sudanesische Regierung Bodenoffensiven und Luftangriffe gegen angebliche „Rebellen“ durch, doch die meisten Kenner der Region wissen, dass die Pläne der sudanesischen Regierung und die Milizen, die diese Angriffe durchführen, ein einziges Ziel haben, nämlich die ethnische Säuberung des Gebietes von ethnischen Minderheiten und vor allem von Christen. Tausende von Christen wurden durch Angriffe von staatlich unterstützten Gruppen getötet, und viele Tausende wurden aus keinem anderen Grund aus ihren Dörfern vertrieben als dem, dass sie einer anderen Religion angehören als die Führung des Landes.

Gesetze zur öffentlichen Ordnung beruhen weitgehend auf der strengen Auslegung des islamischen Rechts vonseiten der Regierung und gelten im Bundesstaat Khartum. Sie verbieten das Tragen „unpassender“ Kleidung sowie „Verletzungen des Ehrgefühls, des Ansehens und der öffentlichen Moral“. Die islamische Moralpolizei belästigt und verhaftet Christen, die sich nicht entsprechend den offiziellen Vorschriften kleiden. Christen werden auch bei der Vergabe öffentlicher Ämter und beim Zugang zu Gemeinschaftsressourcen diskriminiert. Außerdem werden Christen, besonders ehemalige Muslime, durch Behörden und muslimische Leiter überwacht. Sie stehen unter enormem Druck, ihren christlichen Glauben aufzugeben.

Leben im Staat

Auf nationaler Ebene sind die Rahmenbedingungen für Christen nicht günstig. Christen werden als Bürger zweiter Klasse angesehen. Obwohl Artikel 38 der Übergangsverfassung Religionsfreiheit garantiert, ist die regierende Partei der Meinung, dass das Land Muslimen gehört. Demzufolge sind praktisch alle Gesetze von der Scharia abgeleitet und bieten keinen Raum für die Ausübung der Religionsfreiheit. Andere Gesetze schränken die Religionsfreiheit durch zusätzliche Rückbezugsklauseln ein. Christen – besonders aus dem Südsudan und westliche Missionare – werden häufig vom staatlichen Sicherheitsdienst überwacht. Die Hinwendung von Muslimen zum christlichen Glauben ist nicht nur per Gesetz verboten, sie kann auch zu Anfeindungen innerhalb der Familie führen. Der Fall von Mariam Yahia Ibrahim Ishag aus dem Jahr 2014, die wegen Abfall vom Islam zum Tode verurteilt, aber später auf Druck der internationalen Gemeinschaft freigelassen wurde, ist ein gutes Beispiel dafür, wie groß das Risiko für jeden ist, der sich entschieden hat, vom Islam zum christlichen Glauben überzutreten.

Ein Experte für das Land erklärt: „Weil im Land das islamische Gesetz gilt, ist es für Nichtmuslime im Vergleich zu muslimischen Geschäftseigentümern sehr schwierig, Genehmigungen zu erhalten, um ein Geschäft zu eröffnen. Zusätzlich zu den rechtlichen Beschränkungen ist zu beachten, dass die meisten christlichen Geschäftseigentümer wegen ihrer Religion von den Kunden benachteiligt werden. In den meisten Fällen ist es für christliche Geschäftsleute sehr schwierig, Aufträge zu bekommen, die von der Regierung ausgeschrieben werden, da die Regierungsbeamten, die für die entsprechenden Regierungsstellen zuständig sind, eine diskriminierende Einstellung haben.“

Kirchliches Leben

Im Berichtszeitraum zum WVI 2019 mussten viele Kirchen schließen oder wurden zerstört. Wie ein Experte für das Land berichtet, mischt sich die Regierung zunehmend in die internen Abläufe religiöser Institutionen ein. Aufgrund von Vorschriften seitens des Ministeriums für religiöse Stiftungen und Religionsangelegenheiten sahen sich Pastoren zur Selbstzensur und Einschränkung ihrer Aktivitäten genötigt. In einigen Fällen zwangen sudanesische Sicherheitskräfte Christen, die von ihnen geführten Schulen abzugeben. Auch der Bau neuer Kirchengebäude ist äußerst schwierig, vor allem, weil dazu eine Baugenehmigung der Regierungsbehörden benötigt wird. Selbst wenn diese ausgestellt wird, bekommen Christen von lokalen islamischen Leitern und muslimischen Extremisten täglich Steine in den Weg gelegt. Ein Feldforscher erklärt: „Selbstverständlich gibt es innerhalb des Landes Unterschiede, was den Grad der Überwachung und Einschränkung betrifft. Während Christen in der Hauptstadt und anderen Großstädten hauptsächlich von Regierungskräften überwacht und behindert werden, unterliegen Kirchengemeinden in den entlegenen Teilen des Landes, insbesondere in den vom Bürgerkrieg betroffenen Gebieten, einer stärkeren Behinderung und Überwachung sowohl durch Regierungs- als auch Nichtregierungsgruppen.“ Darüber hinaus mischt sich die Regierung immer wieder in kirchliche Angelegenheiten ein und spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung rivalisierender kirchlicher Gremien, welche die kirchlich gewählten Ausschüsse ersetzen. Die Regierung unterstützt dann diese rivalisierenden Komitees und erlaubt ihnen, Kirchengebäude hinter dem Rücken der Gemeinde zu verkaufen. In einer kürzlich ausgetragenen Auseinandersetzung im August 2018 hat jedoch ein sudanesisches Gericht zugunsten einer Kirche und gegen die Regierung entschieden. Da das Gerichtswesen generell jedoch eine mangelnde Unabhängigkeit aufweist, ist es wahrscheinlich, dass die Regierung ihre zerstörerischen Taten fortführt.

Auftreten von Gewalt

Auch wenn der Wert für „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen niedriger ist als im vergangenen Berichtszeitraum, so ist er mit 10,6 Punkten noch immer sehr hoch. Dies ist darauf zurückzuführen, dass verschiedene Triebkräfte der Verfolgung zusammenwirken. In den Nuba-Bergen werden Christen willkürlich von staatlichen Sicherheitskräften angegriffen. Die Regierung behauptet dabei, gegen Rebellen vorzugehen. Kirchengebäude und Grundstücke von Christen werden attackiert. Pastoren, die sich gegen Verfolgung aussprechen, werden strafrechtlich verfolgt. Im Berichtszeitraum wurden mehr als 40 Christen für ihren Glauben verhaftet.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christinnen sind mit enormen Herausforderungen konfrontiert. Sie sind gezwungen, sich wie Muslimas zu kleiden. Mädchen werden wegen „unanständiger Kleidung“ verhaftet und während des Verhörs oft sexuell belästigt und erniedrigt. Das Verfahren wegen Glaubensabfalls, das Mariam Yahya Ibrahim Ishag durchmachen musste, die im Mai 2014 im Gefängnis sogar ein Kind gebar, ist ein Beispiel dafür, wie eine christliche Frau im Sudan behandelt werden kann. Außerdem erleben Frauen und Mädchen Zwangsverheiratungen, Vergewaltigungen und andere geschlechterspezifische Gewaltanwendungen aufgrund ihres Glaubens.

Männer

Die Regierung konfrontiert männliche Christen mit einer Vielzahl von schwerwiegenden Anschuldigungen. Beispielsweise werfen die Sicherheitskräfte christlichen Männern oft vor, für den Westen zu spionieren. Dies hat das Potenzial, den Zerfall der Familie zu verursachen und die Kirche zu schwächen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Andere religiöse Minderheiten wie die jüdische Gemeinschaft sind im Sudan ebenfalls starken Herausforderungen ausgesetzt. 2017 gab es beispielsweise einen Vorfall, bei dem Fußballfans Adolf Hitler verherrlichten und den Holocaust leugneten. Ein Imam sagte während einer seiner Predigten, dass Juden für alle schlechten Dinge verantwortlich seien. Die Gemeinschaft der Bahai ist im Sudan nicht anerkannt und kann nur im Geheimen arbeiten. Auch Zeugen Jehovas werden belästigt. Schiitische Muslime haben keine Erlaubnis, Gottesdienste zu feiern. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass jede religiöse Gruppe außer sunnitischen Muslimen vor außerordentlichen Herausforderungen steht, ihren Glauben zu leben.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Trotz der Tatsache, dass gegen Präsident al-Bashir zwei internationale Haftbefehle ausgestellt sind, wurde die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf die Unruhen im Südsudan gelenkt, wo ein Bürgerkrieg zwischen den beiden wichtigsten rivalisierenden ethnischen Gruppen ausgebrochen ist.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die sudanesische Regierung, die für ihre Missachtung der Menschenrechte bekannt ist, verletzt weiterhin die Rechte der Christen im Land. Seit 1999 steht der Sudan auf der Liste der „Countries of Particular Concern (CPC)“ (der „besonders Besorgnis erregenden Länder“) des US-Außenministeriums. Der Druck der internationalen Gemeinschaft half bei der Freilassung einiger Christen, die wegen ihres Glaubens inhaftiert waren; die Regierung hat jedoch ihre grundsätzliche Haltung und ihr Verhalten gegenüber Christen nicht geändert. Die Plünderung und Zerstörung von Kirchengebäuden, Krankenhäusern und Schulen sind alltäglich, besonders in den Nuba-Bergen. Diese Triebkraft der Verfolgung wird weiterhin Bestand haben, zumindest so lange, wie die Regierung von Präsident al-Bashir an der Macht ist.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Abgesehen von dem autoritären Regime sind Christen im Visier von extremistischen Imamen und bewaffneten Gruppierungen wie der Dschandschawid-Miliz. Diese Milizen werden von der Regierung bezahlt und trainiert. Diese Triebkraft wird auch in den kommenden Jahren für Verfolgung verantwortlich sein.

Schlussfolgerung

Es scheint, selbst mit Blick auf den wachsenden ökonomischen Druck, sehr unwahrscheinlich, dass die sudanesische Regierung nachgibt und mehr Religionsfreiheit gewährt, sodass Sanktionen der internationalen Gemeinschaft gelockert werden könnten. Wahrscheinlich ist Folgendes:

  • Die Verhaftung von Christen wird fortgesetzt.
  • Der Abriss von Kirchengebäuden wird weitergehen.
  • Christen werden weiterhin Schwierigkeiten haben, Baugenehmigungen für Kirchengebäude zu erhalten.
  • Die sudanesische Regierung wird aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin willkürlich gegen die Nuba-Christen vorgehen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie den Sudan:

  • 2018 hat die Kirche in Khartum weiterhin starken Druck durch den Abriss von Kirchen, die Beschlagnahmung von Kirchenbesitz und die Einmischung in administrative Vorgänge in der Kirche erfahren, die sogar bis vor Gericht gingen. Danken wir dem Herrn, dass die internationale Aufmerksamkeit, die diese Fälle erhalten haben, zumindest in einigen Fällen zu Gerechtigkeit geführt hat. Beten Sie, dass dauerhafte internationale Aufmerksamkeit auf die mangelnde Religionsfreiheit im Sudan zu einer größeren Freiheit für die Kirche führt.
  • Beten Sie für Weisheit und Mut für Kirchenleiter, wenn sie mit der Regierung und ihren Behörden interagieren. Beten Sie, dass sie ein gutes Gleichgewicht finden zwischen dem Auftrag, Menschen zu Jüngern zu machen und gleichzeitig weltliche Autoritäten zu respektieren.
  • Bitten Sie Gott um Schutz für die wachsende Gemeinde von Christen muslimischer Herkunft. Sie werden schwer verfolgt und brauchen dringend geistliche Zurüstung. Diese Christen zählen zudem zu den Ärmsten der Armen. Beten Sie, dass die Kirche ausgerüstet wird, um sich um diese neuen Christen zu kümmern und sie in allen Aspekten ihrer Reise im Glauben zu begleiten.
  • Danken Sie Gott für den Waffenstillstand, der 2018 im Staat Süd-Kordofan ausgerufen wurde. Er hat den Gemeinschaften in den Nuba-Bergen, zu denen viele Christen gehören, die Möglichkeit gegeben, mehr anzubauen und zu ernten als in den vergangenen Jahren. Beten Sie für Regen, dass diese Gemeinschaften wieder Stabilität erlangen und der Waffenstillstand eingehalten wird.
  • Open Doors unterstützt verschiedene Projekte zur Verteilung von Material, Schulungen und der Entwicklung von Gemeinschaften im Sudan. Beten Sie für Gottes Versorgung für diese Projekte in einer Umgebung, in der Christen konstant überwacht werden.

 

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