Mexiko
Christenverfolgung in Mexiko
Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025
1. Überblick
Die verstärkte Präsenz krimineller Gruppen und ihr Kampf um territoriale Kontrolle bedeuten, dass Christen und Gemeindeleiter, die in den umkämpften Gebieten leben, ständig der Gefahr gezielter Übergriffe ausgesetzt sind. Diese geschehen immer dann, wenn Christen als Bedrohung für kriminelle Machenschaften wahrgenommen werden oder sie nicht auf die Forderungen der kriminellen Gruppen eingehen. Diese anhaltende Unsicherheit lässt viele Glaubensgemeinschaften ungeschützt und trägt zu einem allgemeinen Klima der Angst und einer Kultur des Terrors bei. Staatliche Bemühungen, dieser Dynamik entgegenzuwirken, fehlen weitgehend oder bleiben wirkungslos. In indigenen Gemeinschaften werden häufig synkretistische Bräuche praktiziert, die mit dem Katholizismus in Verbindung stehen. Diejenigen, die sich von diesen Praktiken abwenden, werden abgelehnt und bestraft, etwa mit Geldstrafen und Inhaftierung sowie durch eingeschränkten Zugang zur Grundversorgung oder durch Zwangsumsiedlung. Dies geschieht ohne ordnungsgemäße Ermittlungen und ohne Beistand durch die staatlichen Behörden. Allgemein nimmt die gesellschaftliche Intoleranz gegenüber dem christlichen Glauben und christlichen Überzeugungen weiter zu. Sie richtet sich insbesondere gegen Christen, die sich auf der Grundlage ihres Glaubens zu Themen wie Ehe, Familie und Schutz des Lebens äußern. Öffentliche Äußerungen des christlichen Glaubens unterliegen einer strengen rechtlichen Kontrolle, insbesondere im Zusammenhang mit Wahlen.
Länderprofil als PDF
Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.
2. Hintergrund
Im Juni 2024 wurde Claudia Sheinbaum zur ersten Präsidentin Mexikos gewählt. Ihr Sieg stärkt das politische Vermächtnis von Präsident Andrés Manuel López Obrador, dessen Regierungszeit von einer Stärkung der Exekutive, einer Schwächung der Gewaltenteilung und einem vermehrten Einsatz des Militärs in der inneren Sicherheit geprägt war. Trotz seiner Versprechen, Korruption und Gewalt zu bekämpfen, erlebte das Land während seiner sechsjährigen Regierungszeit einen anhaltenden Anstieg der Gewalt. Tatsächlich wurde diese Zeitspanne als die bislang gewalttätigste in der Geschichte des Landes eingestuft, wie das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ am 13. November 2023 berichtete. Es wurden Anschuldigungen gegen die Polizei, die Nationalgarde und sogar die Regierung erhoben. Ihnen wurden Absprachen mit Drogenbossen, Amtsmissbrauch und Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Die Wahlen 2024 waren geprägt von politischer Gewalt, Einmischung des organisierten Verbrechens und Missbrauch von Ressourcen. In dieser angespannten Atmosphäre förderten christliche Gemeinden, insbesondere die katholische Kirche, das gesellschaftliche Engagement durch Initiativen wie „Verpflichtung zum Frieden” („Compromiso por la Paz“). Es handelt sich dabei um ein Dokument, in dem 117 Maßnahmen vorgeschlagen werden, die den Weg für eine Versöhnung im Land ebnen sollen. Dieses öffentliche Engagement der Kirchen hatte jedoch häufig zur Folge, dass ihnen aktive Missionierung vorgeworfen wurde.
Die Besorgnis über die Unabhängigkeit von staatlichen Institutionen vertiefte sich im Juni 2025, als Mexiko seine ersten landesweiten Richterwahlen abhielt. Über 2.600 Richter, darunter neun Richter des Obersten Gerichtshofs, wurden durch Volksabstimmung gewählt. Der Prozess war geprägt von einer geringen Wahlbeteiligung sowie der Aufstellung umstrittener Kandidaten und wurde kritisiert, weil er die Gefahr einer politischen Vereinnahmung der Justiz und einer Schwächung der richterlichen Unabhängigkeit mit sich brachte.
Mexiko hat keine offizielle Religion, und in den staatlichen Schulen wird kein Religionsunterricht erteilt. Dies geht auf die Verfassung von 1857 zurück, in der die offizielle Trennung von Staat und Kirche festgelegt wurde. Dennoch ist der christliche Glaube nach wie vor tief in der mexikanischen Gesellschaft verwurzelt. Die Politik der Regierung und der Druck der Zivilgesellschaft schränken die öffentliche Ausübung des christlichen Glaubens jedoch zunehmend ein. Die Religionsfreiheit ist zwar verfassungsrechtlich geschützt. Aber es gibt Urteile und Gesetze, welche die Sichtbarkeit religiöser Symbole im öffentlichen Raum regulieren, christliche Ansichten zu Ehe, Familie und dem ungeborenen Leben sanktionieren und eine Verweigerung aus Gewissensgründen bei der Durchführung von Abtreibungen einschränken. Nach dem Gesetz, das sich mit der Regulierung religiöser Organisationen befasst, ist es Vertretern der Kirche nicht gestattet, politische Meinungen öffentlich zu äußern oder öffentliche Ämter zu bekleiden; auf der anderen Seite dürfen die staatlichen Behörden sich nicht in die internen Angelegenheiten religiöser Vereinigungen einmischen. Die Intoleranz gegenüber christlichen Leitern und Aktivisten, die ihre auf ihrem Glauben beruhenden Ansichten verteidigen, hat zugenommen: Es kommt häufig zu rechtlichen Konsequenzen, Zensur und öffentlichen Feindseligkeiten. Die Ursache dafür ist häufig eine falsche Auslegung der Trennung von Kirche und Staat.
Die größte christliche Konfession in Mexiko ist die römisch-katholische Kirche. Schätzungen der World Christian Database aus dem Jahr 2025 zufolge gehören zu dieser Kirche 89,4 Prozent aller Christen im Land. Auch Pfingstkirchen gewinnen immer mehr an Einfluss, vor allem im politischen Kontext.
Christliche Geistliche und Gemeindeleiter sind einem steigenden Maß an Gewalt durch Drogenkartelle ausgesetzt. Viele der Geistlichen sprechen sich gegen Kriminalität aus, setzen sich für Opfer von Gewalt ein, unterstützen Initiativen für den Frieden und für die Abgabe von Waffen oder vermitteln in lokalen Konflikten. Das macht sie zur Zielscheibe von Drohungen, Erpressung, Angriffen oder Mord. Diese Gewalt führt zur Einschüchterung der christlichen Leiter. Viele christliche Organisationen können ihre Aktivitäten nicht durchführen, ohne eine Genehmigung der kriminellen Gruppe, die in ihrer Gegend die Kontrolle hat, eingeholt zu haben – das heißt, christliche Organisationen benötigen eine Zustimmung gerade derjenigen, die ihnen mit Repressalien drohen oder sie gewaltsam verfolgen, sollten sie sich gegen illegale Aktivitäten aussprechen. Trotz der weitverbreiteten Gewalt und der Risiken für die einzelnen Mitarbeiter und die Institution als Ganzes setzen sich Kirchen in Mexiko weiter für das Wohl der Bevölkerung ein.
In indigenen Gemeinschaften sehen sich Christen mit Diskriminierung und Gewalt konfrontiert, wenn sie nicht den religiösen Praktiken und Bräuchen ihres Stammes folgen. Da die Anführer der indigenen Gruppen diejenigen sind, die in ihren jeweiligen Gebieten Recht sprechen, wird die Religionsfreiheit der indigenen Bevölkerung von den lokalen (staatlichen) Behörden nicht garantiert.
|
Weltanschauungen |
Anhänger |
% |
|
Christen |
124.066.000 |
95,2 |
|
Muslime |
131.000 |
0,1 |
|
Hindus |
12.700 |
< 0,1 |
|
Buddhisten |
32.400 |
< 0,1 |
|
Anhänger ethnischer Religionen |
1.368.000 |
1,0 |
|
Juden |
39.700 |
< 0,1 |
|
Bahai |
47.900 |
< 0,1 |
|
Atheisten |
149.000 |
0,1 |
|
Agnostiker |
4.415.000 |
3,4 |
|
Andere |
39.900 |
< 0,1 |
3. Gibt es regionale Unterschiede?
Kriminelle Netzwerke haben sich über das gesamte mexikanische Staatsgebiet ausgebreitet und beschränken sich nicht mehr auf die sogenannten „Narco-Bundesstaaten“. Nationalen Medien zufolge gibt es 159 kriminelle Gruppen, die im ganzen Land aktiv sind. Der US-amerikanischen Rechercheagentur „Congressional Research Service“ zufolge ist in jedem Bundesstaat mindestens ein Kartell aktiv.
In Chiapas, Guerrero, Hidalgo, Jalisco, Oaxaca, Puebla, San Luis Potosí, Veracruz, Yucatán und Zacatecas wird die Religionsfreiheit von Christen – insbesondere von Konvertiten aus traditionellen Religionen – innerhalb indigener Dorfgemeinschaften verletzt. Sie sehen sich mit Strafen wie Ausgrenzung, Verwehrung der Grundversorgung und Zwangsumsiedlung konfrontiert. Oftmals erfahren sie keinen staatlichen Schutz oder Unterstützung.
Im ganzen Land sind Christen von nationalen Gesetzen betroffen, die eine radikale Auffassung der Trennung von Kirche und Staat und der Nichtdiskriminierung unterstützen. Jedoch sind Vandalismus an Kirchengebäuden und Intoleranz gegenüber Christen, die in strittigen Fragen christliche Ansichten vertreten, besonders in Bundesstaaten wie Guanajuato, Jalisco, Morelos, Mexiko-Stadt, México, Oaxaca, Querétaro, San Luis Potosí, Tamaulipas und Veracruz anzutreffen.
4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Auf dem sogenannten Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International für das Jahr 2024 ist Mexiko auf Platz 140 von 180 Ländern eingestuft. Das hohe Maß an Straflosigkeit und Korruption hat Beobachter dazu veranlasst, ganz Mexiko als „Narco-Staat“ zu bezeichnen. Christen werden oft als Bedrohung für die Interessen krimineller Gruppen angesehen, etwa wenn sie den Behörden illegale Aktivitäten melden, über Sünde und soziale Gerechtigkeit predigen, sich öffentlich gegen Gewalt aussprechen oder als Verteidiger der Menschenrechte auftreten. Diese Christen können schnell zur Zielscheibe verschiedener Formen von Vergeltungsmaßnahmen werden, einschließlich Überwachung, Erpressung, Plünderungen und Einbrüche in ihre Kirchen und Wohnungen, Todesdrohungen, Entführungsversuche und sogar Mord. Kriminelle Gruppen gehen mit zunehmender Brutalität gegen Gemeindeleiter vor.
Unterdrückung durch den Clan oder Stamm
Der Staat interveniert unter indigenen Gemeinschaften nur minimal, da er ihnen Autonomie zugesteht. In diesen indigenen Gemeinschaften setzen die Stammesführer häufig eine Lebensweise durch, die von animistischen oder synkretistischen Bräuchen bestimmt wird. Wenn Christen indigener Herkunft solche Bräuche ablehnen, werden sie von der Gemeinschaft unter Druck gesetzt. Dies kann bedeuten, dass sie zwangsumgesiedelt, mit Geldstrafen belegt, isoliert, inhaftiert, geschlagen, ihnen die Grundversorgung verweigert oder dass ihr Eigentum zerstört wird. Wenn sich Stammesführer mit kriminellen Gruppen verbünden, verschlimmert sich die Situation indigener Christen noch und ihre Bedrohungslage innerhalb der indigenen Gemeinschaften verschärft sich weiter. Über die „Comisión Nacional de los Derechos Humanos“, die Nationale Menschenrechtsinstitution Mexikos, wurden Maßnahmen ergriffen, um die körperliche Unversehrtheit und die persönliche Sicherheit von Christen indigener Herkunft zu gewährleisten. Dennoch wird den Fällen, wo Religionsfreiheiten verletzt wurden, nicht immer ausreichend nachgegangen.
Säkulare Intoleranz
Ideologische Interessengruppen sowie einige Regierungsbehörden versuchen, eine säkularistische Agenda zu fördern. Sie zielt darauf ab, die Beteiligung von Christen am öffentlichen Leben einzuschränken, insbesondere wenn sie öffentliche Ämter bekleiden und wenn Kirchenführer oder Gemeindeleiter politische Erklärungen abgeben. Außerdem gibt es einen gewissen gesellschaftlichen und politischen Widerstand gegen die Vermittlungsbemühungen der Kirche, in denen sie versucht, mit kriminellen Gruppen in bestimmten Gebieten des Landes einen Waffenstillstand auszuhandeln. Christen erleben zunehmend gesellschaftliche Intoleranz, wenn sie ihre auf dem christlichen Glauben basierenden Ansichten zum Ausdruck bringen – sogar auch am Arbeitsplatz oder in der Schule. Im Gesundheitswesen behindern rechtliche und institutionelle Hindernisse zunehmend das Recht auf Gewissensfreiheit (beispielsweise in Bezug auf die Durchführung von Abtreibungen), sodass christliche Fachkräfte vor komplexe ethische und berufliche Herausforderungen gestellt werden. Vandalismus gegen kirchliches Eigentum nimmt zu, doch die Behörden führen nur selten gründliche Untersuchungen durch und tun diese Vorfälle als „kein wirkliches Problem“ ab.
5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?
Christen aus traditionellen Kirchen
Hierzu gehört vor allem die römisch-katholische Kirche, aber es gibt auch kleine orthodoxe, presbyterianische und anglikanische Gemeinden in Mexiko. Christen aus der römisch-katholischen Kirche sind von den Aktivitäten krimineller Banden und der Korruption lokaler Behörden besonders betroffen; dabei kann es auch zu Gewalt gegen Gemeindeleiter kommen. Einigen traditionellen Kirchen steht es nicht frei, über ihren Glauben zu sprechen, sollten sie dies mit Mitgliedern indigener Gemeinschaften tun wollen, die animistische oder synkretistische Bräuche praktizieren. Christen aus traditionellen Kirchen haben mit der zunehmenden säkularen Intoleranz zu kämpfen. So versuchen ideologische Interessengruppen zu verhindern, dass auf dem christlichen Glauben basierende Meinungen in der Öffentlichkeit gehört werden; dabei kommt es auch zu Akten von Vandalismus gegen Kirchen.
Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)
Zu den christlichen Konvertiten zählen in Mexiko Christen, die von traditionellen Kirchen zu anderen Denominationen übergetreten sind, Christen mit einem Hintergrund in der Bandenkriminalität sowie Christen indigener Herkunft, die die religiösen Praktiken ihrer Gemeinschaft aufgegeben haben. Die religiösen Praktiken indigener Gemeinschaften können auf dem Ahnenkult und Animismus beruhen oder synkretistisch sein (meist mit dem römisch-katholischen Glauben verbunden). Indigene Konvertiten stehen oft unter erheblichem Druck, ihren neuen Glauben aufzugeben. Ihnen drohen Gewalt, Verhaftung und sogar Ausschluss aus der Gemeinschaft. Staatlicher Schutz fehlt oft oder ist unzureichend.
Christen aus protestantischen Freikirchen
Christen aus evangelikalen Gemeinden, Pfingstgemeinden und der Erneuerungsbewegung leiden unter Vergeltungsmaßnahmen von Mitgliedern indigener Gemeinschaften, die keine anderen religiösen Gruppen in ihrer Gemeinschaft akzeptieren. In Gebieten, die vom organisierten Verbrechen kontrolliert werden, laufen Christen aus protestantischen Freikirchen außerdem Gefahr, wegen ihrer aktiven Weitergabe des Evangeliums unter Druck gesetzt oder angegriffen zu werden. Außerdem werden sie kritisiert und bedroht, wenn sie ihre religiösen Ansichten in der Öffentlichkeit vertreten.
6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?
Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt
Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.
Privatleben
Online-Plattformen spielen eine wichtigere Rolle als je zuvor. Für kriminelle Gruppen wird es dadurch einfacher, Christen ins Visier zu nehmen, die sich auf diesem Weg gegen Gewalt aussprechen und damit eine Bedrohung für deren illegale Aktivitäten darstellen. Christen, die in den sozialen Medien christlich begründete Ansichten zu Themen wie Familie, Ehe und der Unantastbarkeit des Lebens vertraten, wurden kritisiert, verspottet und angegriffen. In einigen indigenen Gemeinschaften nahm die Überwachung von Christen in ihren Reihen in den letzten Jahren erheblich zu. Wenn christliche Symbole gefunden wurden, wurden sie in den meisten Fällen zerstört und ihre Eigentümer bestraft. Christliche Konvertiten aus kriminellen Gruppen oder mit indigenem Hintergrund laufen Gefahr, von ihren Familienangehörigen denunziert und mit Repressalien belegt zu werden. Darüber hinaus sind Konvertiten und Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften als der römisch-katholischen Kirche auch von Feindseligkeiten zwischen den Konfessionen betroffen.
Familienleben
Kinder von Indigenen geraten unter Druck, wenn ihre Eltern den christlichen Glauben angenommen und die Traditionen der Gemeinschaft aufgegeben haben. Ihnen wird gedroht, sie von ihren Eltern zu trennen, oder sie werden daran gehindert, von den eigenen Eltern unterrichtet zu werden. Christliche Kinder in diesen Umgebungen sind außerdem Mobbing, Ablehnung oder Druck ausgesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Auch das organisierte Verbrechen ist eine Ursache für die Trennung von Familien: Die Gefahr von Angriffen kann so groß sein, dass einige christliche Familienmitglieder gezwungen sind, sich einen anderen, sichereren Ort zum Leben zu suchen. Die Rekrutierung von Kindern durch kriminelle Gruppen ist sprunghaft angestiegen. Die Kinder werden benutzt, um Drogen in Lebensmitteln und Medizin zu schmuggeln und um in den sogenannten Selbstverteidigungsgruppen zu kämpfen. Zwangsvertreibung aus ihren indigenen Gemeinschaften ist eine weitere häufige Gefahr für Christen indigener Herkunft. Christliche Eltern haben zudem Schwierigkeiten, ihre Kinder gemäß ihrem religiösen Glauben zu erziehen, und zwar aufgrund verbindlicher Inhalte im schulischen Lehrplan und einiger gesetzlicher Vorschriften.
Gesellschaftliches Leben
Christen werden sowohl in indigenen Gemeinschaften als auch in Gebieten, die vom organisierten Verbrechen beherrscht werden, genau überwacht. Innerhalb indigener Gemeinschaften sind Christen Schikanen, Geldstrafen, Drohungen und Zwangsumsiedlungen ausgesetzt, wenn sie sich weigern, an Gemeinschaftsaktivitäten teilzunehmen, die dem christlichen Glauben widersprechen. Kriminelle Gruppen erpressen Schutzgeld von Gemeindeleitern und anderen Christen, zwingen sie zur Kooperation oder setzen sie Vergeltungsmaßnahmen aus – insbesondere wenn Christen sich dem kriminellen Einfluss widersetzen. Ziel der kriminellen Gruppen ist es, ihre Aktivitäten ungestört ausführen zu können. In beiden Kontexten (indigene Gemeinschaften, kriminelle Gruppen) werden wirtschaftlicher Ausschluss, die Verweigerung von Verträgen, Genehmigungen oder Subventionen eingesetzt, um Druck auszuüben. Am Arbeitsplatz sehen sich Christen aufgrund der „Nichtdiskriminierungspolitik“ in manchen Situationen Druck ausgesetzt, bestimmte Forderungen zu befolgen und an Aktivitäten teilzunehmen, die gegen ihr Gewissen verstoßen.
Leben im Staat
Artikel 24 der Verfassung gewährt Religions- und Weltanschauungsfreiheit, schränkt aber auch die Äußerung und Lehre des eigenen Glaubens ein. Auch die Möglichkeit, sich in einem politischen Kontext klar zu seinem Glauben zu bekennen, unterliegt Einschränkungen. Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung wird durch Gesetze und Gerichte eingeschränkt. Staatliche Behörden erlauben kriminellen Gruppen im Zusammenhang mit der tiefverwurzelten Korruption, Aktivitäten von zivilgesellschaftlichen Organisationen zu behindern. Dies trifft besonders Organisationen, die mit Jugendlichen oder Migranten arbeiten und Programme zur Drogen- und Kriminalitätsprävention anbieten. Weil sich indigene Gemeinschaften autonom verwalten dürfen, werden religiöse Konflikte, die Christen indigener Herkunft betreffen, in den meisten Fällen nach den Bräuchen des Stammes geregelt. Insgesamt führen Korruption, inoffizielle Absprachen und eine schwache Strafverfolgung zu anhaltender Straflosigkeit. Die gesetzlichen Vorgaben für Nichtdiskriminierung und strikten Säkularismus werden häufig dazu benutzt, ein Klima der Selbstzensur gegen Christen zu fördern, wenn diese ihre auf dem Glauben basierenden Ansichten im öffentlichen Raum zum Ausdruck bringen wollen.
Kirchliches Leben
In indigenen Gemeinschaften werden besonders diejenigen Christen indigener Herkunft schikaniert, die als christliche Leiter betrachtet werden. Auch ihre Familien erfahren Schikane. Diejenigen, die ihre Stimme gegen ihre Verfolger erheben, erfahren Feindseligkeiten, werden bedroht, zwangsvertrieben oder verhaftet. In Gebieten, in denen das organisierte Verbrechen dominiert, reagieren kriminelle Gruppen oft mit gewaltsamer Vergeltung, wenn Christen sie anzeigen. Gemeindeleiter und ihre Familien werden häufiger als andere Christen Opfer von Schutzgelderpressung, insbesondere wenn sie in der Seelsorge tätig sind. Kriminelle Gruppen und indigene Anführer überwachen Predigtinhalte und bestrafen Gemeinden, die nicht mit ihren Interessen übereinstimmen. Kirchenaktivitäten werden zunehmend durch Gewalt gestört oder aufgrund der Unsicherheit terminlich verschoben. Christliche Predigten und Lehren werden auch von Lobbygruppen genauestens beobachtet. Diese Gruppen, die teilweise von Regierungsbeamten unterstützt werden, stempeln religiöse Leiter als „hasserfüllt“, „diskriminierend“ oder respektlos gegenüber dem Säkularismus ab.
Beispiele für das Auftreten von Gewalt
Der interamerikanischen Kommission für Menschenrechte zufolge wurde am 20. Oktober 2024 Pater Marcelo Pérez Pérez, ein Priester aus San Cristóbal de las Casas (Chiapas), ermordet. Pérez, der aus dem Volk der Tzotzil stammt, setzte sich gegen die Kartellgewalt ein, vermittelte in Konflikten und stand für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein. Aufgrund dessen war er ständigen Drohungen ausgesetzt. Am 20. Oktober wurde er von zwei bewaffneten Männern auf Motorrädern nach einem Gottesdienst erschossen. Laut der katholischen Nachrichtenagentur „Acipensa“ wurden am 8. März 2025 während der Proteste zum internationalen Frauentag Kathedralen in Guadalajara, Toluca, Cuernavaca, Oaxaca, San Luis Potosí und León mit Graffiti beschmiert. Acipensa zufolge fanden Parolen statt, die christliche Ansichten der Kirche kritisierten. Des Weiteren konnten Versuche der Brandstiftung festgestellt werden. Es kam zu Auseinandersetzungen mit katholischen Christen, die die Gebäude schützen wollten. Am 17. April 2025 zerstörten lokale Behörden und Anwohner in Petlacalancingo, Guerrero, eine Klärgrube und ein Außenbadezimmer, die einem protestantischen Christen gehörten. Sie beriefen sich hierbei auf seinen christlichen Glauben und auf die Einschränkungen im Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen, die gegen Christen verhängt werden, wenn diese nicht an den traditionellen Ritualen der Dorfgemeinschaft teilnehmen.
Im November 2023 wurden in San Juan Lalana im Bundesstaat Oaxaca vier evangelikale Christen in einer indigenen Gemeinde verhaftet und mit der Vertreibung bedroht.
7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren
|
Jahr |
Platzierung |
Punktzahl |
|
2026 |
30 |
71 |
|
2025 |
31 |
71 |
|
2024 |
37 |
68 |
|
2023 |
38 |
67 |
|
2022 |
43 |
65 |
Die Gesamtpunktzahl von Mexiko ist auf dem Weltverfolgungsindex 2026 mit 71 Punkten dieselbe wie im Vorjahr, auch wenn die Wertung für Gewalt etwas angestiegen ist (von 14,6 auf 15,4 Punkte). Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf eine höhere Anzahl von Vorfällen zurückzuführen, die in den Vorjahren seltener verzeichnet wurden – wie Inhaftierung von Christen, sexuelle Belästigung, Angriffe auf christliche Unternehmen und Zwangsumsiedlungen. Auch die Zahl der getöteten Christen ist im aktuellen Berichtszeitraum auf einen Höchststand angestiegen. In anderen Kategorien nahm die Gewalt hingegen im Vergleich zum Vorjahr ab.
Dort, wo die Kirche als destabilisierender Faktor für kriminelle Aktivitäten angesehen wird, ist sie gefährdeter und wird häufiger von diesen Gruppen ins Visier genommen. Darüber hinaus werden Christen in mehreren indigenen Gemeinschaften weiterhin in einem besorgniserregendem Ausmaß verfolgt. Ebenso nimmt die Intoleranz gegenüber der Praktizierung des christlichen Glaubens im Land zu, was oft mit dem Schutz des säkularen Charakters des Staats begründet wird. Der durchschnittliche Druck hat auf dem aktuellen Weltverfolgungsindex wie im Vorjahr 11,2 Punkte und damit ein sehr hohes Ausmaß. Das spiegelt die anhaltenden strukturellen Schwachstellen für Christen in verschiedenen Lebensbereichen wider.
8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?
Frauen
Die anhaltende organisierte Gewalt bringt unter anderem Femizide, zunehmende häusliche Gewalt und Menschenhandel mit sich. In einigen indigenen Gemeinschaften können Mädchen unter dem Deckmantel der Mitgift verkauft werden, und sie sind ein leichtes Ziel für Entführungen und sexuelle Sklaverei durch bewaffnete Gruppen. Mädchen und junge Frauen, einschließlich christlicher Mädchen, werden mitunter zu Beziehungen mit Mitgliedern krimineller Gruppen gezwungen. In vielen indigenen Gemeinschaften ist Zwangsheirat ebenso verbreitet wie körperliche und verbale Misshandlung von christlichen Konvertitinnen. Diese Dynamik führt zu einem ständigen Kreislauf von Gewalt, Unsicherheit und sozioökonomischen Problemen für Frauen und Mädchen.
Männer
Vor dem Hintergrund anhaltender Gewalt und organisierten Verbrechens stehen junge Männer und Jungen in der Gefahr, getötet zu werden. In Gebieten, die von kriminellen Gruppen kontrolliert werden, besteht die Gefahr der Indoktrination und Zwangsrekrutierung; wer Widerstand leistet, wird bedroht, entführt oder getötet. Männer sind als Haushaltsvorstände und Leiter starkem Druck und Gewalt ausgesetzt, da Pastoren und Gemeindeleiter am häufigsten Opfer von Geldstrafen und Erpressung werden. Sie werden ins Visier genommen, wegen ihrer gemeinnützigen Arbeit und weil sie sich gegen illegale Aktivitäten aussprechen. In einigen indigenen Gemeinschaften werden männliche christliche Konvertiten indigener Herkunft geschlagen, schikaniert und von der Gemeinschaft verstoßen.
9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen
Laut dem Bericht der US-Kommission für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) aus dem Jahr 2023 war Claudia Sheinbaum, die damalige Präsidentschaftskandidatin und heutige Präsidentin, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft antisemitischen Angriffen in den sozialen Medien ausgesetzt. Im Juli bezeichnete der ehemalige mexikanische Präsident Vicente Fox sie als „eine bulgarische Jüdin“ und im September als „Jüdin und Ausländerin zugleich“. Bereits im Juli verurteilte die Menschenrechtskommission des Landes die Äußerungen von Fox als „Botschaften des Hasses und der Diskriminierung, die nicht zur politischen Debatte beitragen, Minderheiten verletzen und nicht Teil der Meinungsfreiheit des früheren Präsidenten sind“.
Die Nachrichtenagentur „Infobae“ berichtete am 25. Oktober 2024, dass eine junge Frau in einem Einkaufszentrum in Villahermosa, Tabasco, von einer Europäerin angegriffen und beleidigt wurde, nachdem sie bestätigt hatte, Muslimin zu sein.
10. Gebetsanliegen
Bitte beten Sie für Mexiko:
- Beten Sie für Gemeindeleiter, die besonders im Visier des organisierten Verbrechens stehen: dass Jesus ihnen Weisheit, Kraft und Mut für die Ausübung ihres Dienstes schenkt und sie vor Angriffen bewahrt.
- Beten Sie, dass christliche Kinder und Jugendliche eine feste Beziehung zu Jesus entwickeln und Rekrutierungsversuchen der kriminellen Gruppen standhalten. Beten Sie um Schutz vor Zwangsrekrutierung und sexuellem Missbrauch.
- Beten Sie für Christen indigener Herkunft, die in ihrer Gemeinschaft ausgestoßen, verprügelt oder von grundlegenden Ressourcen abgeschnitten werden: dass Jesus sie stärkt und ermutigt und sie mit allem versorgt, was sie zum Leben brauchen.
- Beten Sie, dass die Glaubensstärke verfolgter Christen ihre Verfolger nachdenklich werden lässt und zur Umkehr zu Jesus führt.