Länderprofil Bhutan

Bhutan

34
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Bhutan
Hauptreligion
Buddhismus
Offizielle Staatsform
Konstitutionelle Monarchie
Platz Vorjahr
43
Karte Bhutan
Christen
0,03
Bevölkerung
0.84
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 13.400
Familienleben: 12.400
Gesellschaftliches Leben: 11.700
Leben im Staat: 13.700
Kirchliches Leben: 13.800
Auftreten von Gewalt: 1.700

Länderprofil Bhutan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 34 / 67 Punkte (WVI 2021: Platz 43 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Es wird von allen Bhutanern erwartet, dem Buddhismus zu folgen. Konvertiten zum christlichen Glauben werden mit Misstrauen beobachtet. Meistens versuchen ihre Familien und ihr soziales Umfeld, sie dazu zu bewegen, wieder ihrer alten Religion zu folgen. Abgesehen von Konvertiten gehören viele Christen der nepalesischen Minderheit an. Es gibt keine Kirchen, die offiziell staatlich anerkannt sind. Das bedeutet, dass Christen sich eigentlich im Bereich der Illegalität bewegen, wenn sie sich zum Gottesdienst versammeln. Lokale Behörden weigern sich oft, Christen eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ auszustellen. Diese wird etwa für Kreditanträge benötigt, für die Registrierung von Eigentum, die Bewerbung um einen Arbeitsplatz und die Erneuerung von Personalausweisen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Bhutan wird als konstitutionelle Monarchie regiert. Der junge König ist beliebt und gilt als Hüter des Buddhismus. Nach dem nationalen Sicherheitsgesetz von 1992 gilt es als Hochverrat, sich gegen den König, das Volk oder das Land zu äußern. Jeder, der sich dessen schuldig macht, kann ins Gefängnis kommen. Bhutan ist ein sehr kleines Land, das von China und Indien eingeschlossen ist – den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. China hat auf einem Teil des bhutanischen Territoriums dörfliche Infrastrukturen errichtet und damit stillschweigend Land für das „Autonome Gebiet Tibet” beansprucht. Die Lage Bhutans zwischen Indien und China erfordert klug ausgewogene Außenbeziehungen, und auch wenn die Verbindung zu Indien traditionell stärker ist, hat Bhutan es bisher vermieden, China zu beleidigen.

Es wird von allen Bürgern erwartet, dem Buddhismus zu folgen. Abweichler werden mit Misstrauen bedacht und zu gesellschaftlichen Außenseitern. Die meisten Christen haben einen nepalesischen Hintergrund. Viele von ihnen leben im südlichen Teil des Landes. Während des regelmäßigen Prüfverfahrens der Vereinten Nationen („Universal Periodic Review“) erklärte die Regierung 2019, dass „die Registrierung einer religiösen Organisation keine Voraussetzung für die Ausübung der Religion“ ist. Gleichzeitig haben Christen immer noch keinen rechtlichen Status erhalten. Christliche Gruppen können sich zwar treffen, müssen dies aber unauffällig tun. Kirchen, die eine Registrierung beantragt haben, warten weiterhin auf die Genehmigung durch die „Kommission für religiöse Angelegenheiten“ (CRO) der Regierung.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

30.000

3,6

Hindus

94.811

11,2

Buddhisten

688.371

81,6

Anhänger ethnischer Religionen

28.048

3,3

2. Gibt es regionale Unterschiede?

In Bhutan gibt es keine regionalen Brennpunkte für Verletzungen der Religionsfreiheit.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus

Bhutan ist eigentlich ein säkularer Staat, doch das spirituelle Erbe des Landes ist der Mahayana-Buddhismus. Laut der vom König eingeführten Verfassung ist es „die Verantwortung aller religiösen Institutionen und Persönlichkeiten, das spirituelle Erbe des Landes zu fördern“. Der König ist ein Aushängeschild der Religion – sichtbar, jung und sehr verehrt. Bis heute wurde es keiner einzigen Gemeinde erlaubt, ein Kirchengebäude zu bauen. Besonders in ländlichen Gegenden stellen sich buddhistische Mönche gegen die Anwesenheit von Christen. Sie setzen Christen unter Druck, wieder zu ihrem alten buddhistischen Glauben zurückzukehren. Regierungsbeamte neigen dazu, eher auf der Seite der Mönche zu stehen (es ist üblich, dass Mönche für die Regierung arbeiten) und sind bereit, das buddhistische soziale Gefüge mit allen Mitteln zu erhalten. Die Gesellschaft ist eng miteinander verbunden; jede Abweichung wird als Störung der Harmonie empfunden, weshalb christliche Konvertiten auch von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt nur sehr wenige ausländische Christen. Ihnen ist es nicht möglich, sich den Hauskirchen anzuschließen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die wenigen römisch-katholischen Christen werden toleriert. Als Kirche sind sie jedoch nicht offiziell anerkannt und werden wie alle anderen christlichen Konfessionen diskriminiert.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen mit buddhistischem, hinduistischem oder ethnischem Hintergrund erleben Diskriminierung sowie starken Druck vonseiten ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld, zu ihrem jeweiligen alten Glauben zurückzukehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Dazu gehören evangelikale Kirchen und Pfingstgemeinden. Sie werden von den Behörden streng überwacht, gelegentlich kommt es zu Razzien und Verhaftungen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.4
Familienleben 12.4
Gesellschaftliches Leben 11.7
Leben im Staat 13.7
Kirchliches Leben 13.8
Auftreten von Gewalt 1.7

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Jeder Glaubenswechsel wird von der Familie, dem sozialen Umfeld, den religiösen Autoritäten und dem Staat strikt abgelehnt. Schon das Verteilen eines einfachen Traktats kann Grund für eine Verhaftung sein. Paragraph 463 (A) des Strafgesetzbuches besagt, dass ein Glaubenswechsel durch „Nötigung“ oder „andere Anreize“ eine strafbare Handlung darstellt. Diese Begriffe sind jedoch nicht klar definiert, was es den Behörden sowie den ethnischen und religiösen Leitern ermöglicht, den Paragraphen als Antikonversionsgesetz zu nutzen. Konvertiten verbergen ihren Glauben üblicherweise in der Öffentlichkeit und treffen sich nur heimlich mit anderen Christen. Christen und sogar christliche Gemeinden vermeiden es, christliche Symbole öffentlich zu zeigen, da dies eine negative Reaktion von Nationalisten und extremistischen Buddhisten bewirken könnte.

Familienleben

Kinder von Christen werden von Lehrern und Mitschülern unter Druck gesetzt und diskriminiert. Es wird ihnen vorgeschrieben, etwas über den Buddhismus zu lernen und an Ritualen und Gebeten teilzunehmen, einschließlich der Verneigung vor Schreinen. Christliche Beerdigungen werden häufig von nichtchristlichen Familienmitgliedern, der Gesellschaft und den Behörden behindert. Wegen des starken Widerstands müssen verstorbene Christen oft im benachbarten Indien beerdigt werden. Die Taufe gilt als ultimativer Beweis eines Glaubenswechsels durch „Anreize“, weshalb Taufen nur im Geheimen stattfinden.

Gesellschaftliches Leben

Besonders in den Dörfern wird von Christen erwartet, dass sie an den buddhistischen Aktivitäten teilnehmen, andernfalls werden sie schikaniert. Von ihren örtlichen Gemeinschaften werden Christen überwacht und den Behörden gemeldet. Diese Überwachung umfasst unter anderem auch ihre Telefonanrufe und Nutzung von sozialen Medien. Wenn ein Christ nach dem Antikonversionsgesetz beschuldigt wird, wird er auf die Polizeiwache gerufen und verhört. Christen werden bei Stellenausschreibungen und Subventionsprogrammen der Regierung benachteiligt; sie können entlassen werden, wenn ihr christlicher Glaube in der Öffentlichkeit bekannt wird. Daher verbergen Christen meistens ihren Glauben.

Leben im Staat

Die Verfassung schützt den Mahayana-Buddhismus als „spirituelles“ Erbe der Nation. Obwohl die Verfassung das Recht auf Religions- und Glaubensfreiheit erwähnt, heißt es im Abschnitt 463 (A) des Strafgesetzbuches: „Ein Angeklagter ist schuldig des Vergehens, andere zu einem anderen Glauben bewegt zu haben, wenn er sich dabei der Nötigung oder einer Art von Anreizen bedient hat, um die Bekehrung zu einem anderen Glauben zu erreichen.“ Das kann mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Die CRO, die staatliche Behörde, die für die Registrierung religiöser Organisationen zuständig ist, hat bisher keine einzige christliche zivilgesellschaftliche Organisation oder Partei anerkannt.

Kirchliches Leben

Das Thema Registrierung bleibt für Kirchen das größte Problem, denn ohne offizielle Registrierung sind christliche Gemeinden faktisch illegal. Zwar erklärt die Landesregierung, Christen dürften sich treffen, doch ihre Versammlungen werden zum Teil von Dorfbewohnern gestört oder ihre Rechtmäßigkeit wird auf lokaler Ebene infrage gestellt. Christliche Gruppen, die sich bei der CRO registrieren lassen wollen, bekommen zumeist keine Antwort. Bibeln und anderes christliches Material können nicht in Bhutan produziert werden. Der Import ist nicht erlaubt, außer er geschieht in kleinen Mengen und nur für den privaten Gebrauch.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 wurden einige wenige gewalttätige Übergriffe gemeldet. Die Verfolgung in Bhutan war jedoch nie besonders gewalttätig, da die Behörden lieber andere, weniger sichtbare Mittel einsetzen.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

34

66,71

2021

43

63,58

2020

46

60,98

2019

33

63,60

2018

33

61,54

Der Anstieg um 3,1 Punkte im Weltverfolgungsindex 2022 wird durch einen Anstieg der Wertung im Bereich Auftreten von Gewalt verursacht – dieser macht mehr als die Hälfte des Gesamtanstiegs aus. Obwohl die Verfolgung in Bhutan sich nie sehr gewalttätig äußerte, gingen im Berichtszeitraum doch einige wenige Berichte ein. Der Druck stieg im Bereich des Lebens im Staat am meisten an. Trotzdem bleibt der Druck in allen Lebensbereichen auf einem vergleichbaren Ausmaß, was insbesondere die anhaltenden Schwierigkeiten widerspiegelt, denen sich christliche Konvertiten aus dem Buddhismus oder der ethnisch-animistischen Religionen gegenübersehen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Zwar ist Bhutan traditionell eine matriarchalische Gesellschaft, weshalb Frauen seit jeher eher begünstigt werden. Doch begrenzte politische Vertretung und die hohe Rate an Kinderehen schaffen ein Umfeld voller Widersprüche und setzen Frauen unter erheblichen familiären Druck. Frauen, die vom Buddhismus zum christlichen Glauben konvertieren, sind am stärksten von Verfolgung bedroht, in der Regel durch Enteignung oder Scheidung. Christinnen, die mit Nichtchristen verheiratet sind, werden unter Druck gesetzt, trotz häuslicher Gewalt bei ihren Ehemännern zu bleiben. Für alleinstehende christliche Konvertitinnen ist die Zwangsheirat genauso eine reale Bedrohung wie die Enteignung und der Zwang, das Elternhaus zu verlassen.

Männer: Die matriarchalischen Traditionen und Normen des Landes haben zur Folge, dass das Erbe und der Landbesitz bevorzugt an die weibliche Linie weitergegeben werden. Männer, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, werden unter Umständen von ihrer Familie verstoßen, aus ihrem Haus vertrieben und verlieren ihr Erbe. Darüber hinaus werden sie gegebenenfalls von ihren Altersgenossen und der örtlichen Gemeinschaft abgelehnt – wodurch sich das Gefühl der Isolation in ihnen noch verstärkt. Außerdem werden Männer möglicherweise auch am Arbeitsplatz diskriminiert. Wenn sie ihren Arbeitsplatz verlieren oder von der traditionellen Landwirtschaft ausgeschlossen werden, ist davon die ganze Familie betroffen, da der Erwerb der Männer üblicherweise die finanzielle Lebensgrundlage bildet.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Lhotshampa, die zum größten Teil im Süden Bhutans leben, aber nepalesischer Abstammung sind, sind eine mehrheitlich hinduistische Gruppe, die etwa 33 Prozent der Bevölkerung ausmacht. Sie wurden in den letzten Jahrzehnten Opfer von schwerer staatlich ausgeübter Diskriminierung und Verfolgung durch Bhutan sowie durch Nepal. Vielen Minderheiten des Landes werden die Bürgerrechte entzogen, und sie bekommen keinen Zugang zu Bildung, Arbeit, Gesundheitsversorgung oder Wohnraum – dies ist ein Ergebnis der „Eine Nation, ein Volk“-Politik, die allen Mitgliedern der bhutanischen Bevölkerung die Traditionen der dominanten buddhistischen Drukpa-Elite aufzwingt.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bhutan:

  • Dass Christen, die von ihren Familien verstoßen wurden, neue Gemeinschaften finden, um Familie, Liebe und Hoffnung zu erleben.
  • Dass Gott die praktische Unterstützung der Partner von Open Doors gebraucht, um Christen zu stärken, die Verfolgung ausgesetzt sind.
  • Für Religionsfreiheit in Bhutan und dafür, dass die Regierung christliche Kirchen offiziell anerkennt.

Bhutan: Informieren und helfen

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