Länderprofil Bhutan

Bhutan

33
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Bhutan
Hauptreligion
Buddhismus
Offizielle Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
33
ISO
BT
Karte Bhutan
Christen
0,03
Bevölkerung
0.82
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Konfessioneller Protektionismus
Privatleben: 12.900
Familienleben: 11.100
Gesellschaftliches Leben: 12.300
Leben im Staat: 12.400
Kirchliches Leben: 14.000
Auftreten von Gewalt: 0.900

Länderprofil Bhutan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 33 / 64 Punkte (WVI 2018: Platz 33 / 62 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Religiös motivierter Nationalismus: Der Buddhismus ist Teil des sozialen Gefüges und es wurde bis heute keiner christlichen Kirche erlaubt, eine ortsgemeindliche Struktur aufzubauen. Alle christlichen Gemeinschaften müssen im Geheimen arbeiten. Besonders in ländlichen Gegenden stellen sich buddhistische Mönche gegen die Präsenz von Christen.

Ethnisch begründete Anfeindungen: In einigen Gegenden herrscht der traditionelle Bön-Glaube vor. Das Zusammenwirken von Stammesglauben und Buddhismus sorgt insbesondere in den zentralen und östlichen Regionen des Landes für Verfolgung.

Konfessioneller Protektionismus: Der Wechsel zu einer anderen christlichen Denomination ist sehr schwer, egal aus welchem Grund er geschieht – christliche Leiter und die eigene Familie üben dann Druck aus.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Regierung und Behörden versuchen, die nationale Identität und Einheit Bhutans zu bewahren und unterdrücken oder eliminieren Elemente, die sie als „ausländisch“ wahrnehmen. Dazu gehört auch der christliche Glaube. Die Regierung hält den buddhistischen Glauben als „geistiges Erbe“ des Landes aufrecht, wie es in der Verfassung festgelegt ist. Die Trennung von Religion und Staat wird nicht anerkannt. Man könnte sagen, die Regierung arbeitet auf zwei Ebenen: Einerseits sind Regierungsbeamte Verfolger, da sie die Staatsgewalt ausüben, andererseits versuchen sie, dem Buddhismus und dem spirituellen Erbe des Landes wahrhaft zu folgen. Buddhistische und teilweise auch hinduistische Leiter treten ebenfalls als Verfolger auf. Die Verschmelzung ethnischer Überzeugungen mit dem Buddhismus kann zu weiterer Verfolgung führen: Christen, die sich sowohl dem buddhistischen Glauben als auch traditionellen Riten verweigern, geraten noch leichter in Schwierigkeiten; dies gilt besonders für Christen in den zentralen und östlichen Regionen des Landes. Christen mit buddhistischem oder hinduistischem Hintergrund werden zudem stark von Familienangehörigen verfolgt.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Es wird von allen Bhutanern erwartet, dem Buddhismus zu folgen. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird mit Misstrauen beobachtet; in den meisten Fällen wird jedoch versucht, die Person dazu zu bewegen, wieder ihrer alten Religion zu folgen. Religiöse Leiter, das soziale Umfeld und Familienangehörige wirken hier häufig zusammen. Es gibt keine Kirche, die offiziell vom Staat anerkannt ist. Das bedeutet, dass Christen sich eigentlich im Bereich der Illegalität bewegen, wenn sie sich zum Gottesdienst versammeln. Lokale Behörden verweigern Christen häufig sogenannte „Unbedenklichkeitsbescheinigungen“. Diese werden für Kredite, die Registrierung von Besitztümern, Bewerbungen und die Erneuerung von Ausweisen benötigt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Die Verfolgung war in Bhutan nie besonders gewalttätig. Aus Sicherheitsgründen werden keine Einzelheiten beschrieben.

  • Eine Hauskirche musste schließen und ihre Treffen einstellen, da sie Warnungen und Drohungen von den Behörden erhalten hatte. Zwei Pastoren wurden zur Befragung festgehalten.
  • Berichten zufolge wurden christliche Studenten dazu gezwungen, morgens und abends an buddhistischen Ritualen teilzunehmen und in einem Fall sogar dazu, buddhistische Schreine zu säubern.
  • Traditionell werden in Bhutan Aussaat und Ernte als Dorfgemeinschaft durchgeführt. Mehrere Landwirte teilen sich die Arbeitslast und helfen einander. Christliche Landwirte werden von dieser Praxis üblicherweise ausgeschlossen.

Meldungen und Beiträge zu Bhutan

Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.
Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Symbolbild
Bhutan
(Open Doors, Kelkheim) – Nur etwa zweieinhalb Prozent der Bevölkerung des Königreichs Bhutan sind Christen. Der Buddhismus gilt als entscheidender Bestandteil der nationalen Identität, der Übertritt zu einer anderen Religion ist gesetzlich verboten.
Hintergrundinformationen
Buddhismus und Christenverfolgung

Buddhismus und Christenverfolgung

03:47 Minuten
Laos
Sri Lanka

Warum werden Christen in manchen buddhistischen Ländern verfolgt? Gilt der Buddhismus nicht als Religion des Friedens und der Toleranz? Eine illustrierte Erklärung.

Weitere Informationen zum Thema „Buddhismus und Christenverfolgung“ finden Sie auf der Seite „Blickpunkt Buddhismus“.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 64 Punkten belegt Bhutan Platz 33 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Gesamtpunktzahl ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte gestiegen, der Wert für Gewalt ist jedoch gesunken. Der Druck auf Christen ist in nahezu allen Lebensbereichen sehr hoch. Das spiegelt insbesondere die Schwierigkeiten wider, die Christen mit buddhistischem oder animistischem Hintergrund erfahren. Sie werden in der Gesellschaft nicht anerkannt und daher vernachlässigt; häufig werden sie von anderen Farmern gemieden, bekommen bestimmte Dokumente von den Behörden nicht ausgestellt oder erleben Diskriminierung in der Schule.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die beständige Betonung des Buddhismus der Mahayana-Ausrichtung als spirituelles Erbe des Landes macht der christlichen Minderheit das Leben schwer. Bhutan ist seit Jahrhunderten ein buddhistisches Königreich. Selbst nach der Bildung einer konstitutionellen Monarchie im Jahr 2001 und der Einführung demokratischer Wahlen im Zuge der neuen Verfassung im Jahr 2008, wird dem Buddhismus weiterhin eine dominierende Rolle im Land eingeräumt. Gemäß Artikel 3(1) der Verfassung ist der Buddhismus „das spirituelle Erbe Bhutans“, das unter anderem „die Grundsätze und Werte des Friedens, der Gewaltlosigkeit, des Mitgefühls und der Toleranz“ fördert. Zusätzlich ist es „die Verantwortung aller religiösen Institutionen und Persönlichkeiten, das spirituelle Erbe des Landes zu fördern“. Folglich ist der Buddhismus offiziell nicht ausdrücklich als Staatsreligion definiert. Stattdessen definiert die Verfassung Bhutan als säkularen Staat und bejaht religiöse Toleranz. Dies sieht in der Realität jedoch oft anders aus. Der Buddhismus ist stark in den Alltag der Menschen eingeflochten und in politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und sogar wirtschaftlichen Dynamiken des Landes deutlich sichtbar. Dies wird beispielsweise an den sogenannten „Dzongs“ deutlich. Diese sind administrative Zentren mit einer Abteilung für politische Verwaltung und einer weiteren für religiöse Autoritäten, zu der häufig auch buddhistische Tempel und Unterkünfte für Mönche gehören. Bis heute wurde es keiner einzigen Kirche erlaubt, eine ortsgemeindliche Struktur aufzubauen. Alle christlichen Gemeinschaften müssen im Geheimen arbeiten. Besonders in ländlichen Gegenden stellen sich buddhistische Mönche gegen die Anwesenheit von Christen, während die Behörden nichts unternehmen, um Christen zu schützen. Stattdessen stehen sie meist eher auf der Seite der Mönche.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Auch Schamanen des traditionellen animistischen Bön-Glaubens üben Druck auf Christen aus. Obwohl die meisten Bürger nicht ausschließlich diesem Glauben anhängen, halten sie besonders in ländlichen Gebieten an bestimmten Riten und Traditionen fest. Christliche Konvertiten, die sich weigern, daran teilzunehmen, werden unter Druck gesetzt und ausgegrenzt. Auch die Vermischung von Stammesglauben und Buddhismus führt besonders in den zentralen und östlichen Teilen des Landes zur Verfolgung von Christen.

3. Verfolger

Ausgehend von religiös motiviertem Nationalismus

Regierung und Behörden versuchen, die nationale Identität und Einheit Bhutans zu bewahren, und unterdrücken oder eliminieren Elemente, die sie als „ausländisch“ wahrnehmen. Dazu gehört auch der christliche Glaube. Die Regierung hält den buddhistischen Glauben als „spirituelles Erbe“ des Landes aufrecht, wie es in der Verfassung festgelegt ist. Die Trennung von Religion und Staat wird nicht anerkannt. Als Vollstrecker der Staatsgewalt sind daher Regierungsbeamte Verfolger. Buddhistische und teilweise auch hinduistische geistliche Leiter handeln ebenfalls als Verfolger. Für Christen mit anderem religiösen Hintergrund sind die Mitglieder der eigenen Familie starke Verfolger.

Ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen

Die Verschmelzung ethnischer Überzeugungen mit dem Buddhismus kann zu weiterer Verfolgung führen. Christen, die sich sowohl dem buddhistischen Glauben als auch traditionellen Riten verweigern, geraten noch leichter in Schwierigkeiten. Die stärkste Verfolgung geht hier von geistlichen Leitern des traditionellen Glaubens sowie Familie und sozialem Umfeld aus. Dies gilt besonders für Christen in den zentralen und östlichen Regionen des Landes.

4. Hintergrund

Bhutan ist eingezwängt zwischen den zwei großen Nachbarn Indien im Süden und China im Norden. Das Land taucht nicht sehr oft in den internationalen Schlagzeilen auf, es sei denn die beiden Nachbarstaaten beschließen, ihre militärischen Kräfte an ihrer viel umstrittenen Grenze zu messen, wie von Juni bis August 2017 geschehen. Damals wies auch Bhutan Chinas Anspruch auf das Doklam-Plateau ab. Das Land erlangte einige Berühmtheit für die Einführung des Bruttonationalglücks, das den Grad der Zufriedenheit aller Staatsbürger misst. Die Demokratie wird mehr und mehr gefestigt, allerdings geschieht dies in einem Umfeld, in dem alle Parteien die Vorherrschaft des Buddhismus anerkennen und dem König gegenüber loyal sind. Die Situation von Christen, die unter den Bhutanern eine kleine Minderheit darstellen, blieb dabei unverändert: Sie haben noch immer keine formale Anerkennung erhalten.

Bhutan sieht sich wirtschaftlichen Herausforderungen gegenüber und muss Wege finden, der jungen Generation des Landes gute Perspektiven für die Zukunft aufzuzeigen. Dies hat sich im aktuellen Berichtszeitraum erneut als dringend erwiesen, besonders nachdem im Mai 2018 ein Bericht erschien, in dem die Weltgesundheitsorganisation WHO die bhutanische Stadt Pasakha als die am zweitstärksten verschmutzte Stadt der Welt benannte. Das Land ist stark vom Tourismus abhängig und Umweltverschmutzung sorgt für negative Schlagzeilen. Obwohl die Anzahl der Touristen und die Einnahmen, die durch ausländische Währungen erwirtschaftet werden, sich zu stabilisiert haben scheinen, wird es immer schwieriger, jungen Erwachsenen eine Karriereperspektive im Tourismusbereich zu bieten. Eine weitere Herausforderung, die nicht zu dem Bild einer glücklichen Nation passt, ist die Frage, wie man sich um die einem Bericht zufolge relativ große Zahl psychisch kranker Menschen kümmern kann.

Je nachdem, wie sich die Wirtschaft weiterentwickelt, könnte sich dies entsprechend auf die christliche Minderheit auswirken. Sollte sich das Land in ernsthaften wirtschaftlichen Schwierigkeiten wiederfinden, könnte es das buddhistische Kulturerbe noch stärker betonen und damit die Anerkennung der wachsenden christlichen Minderheit in weite Ferne rücken lassen. Wenn sich die wirtschaftliche Lage aber positiv entwickelt, könnte dies die Betonung des buddhistischen Erbes Bhutans abmildern und die Anerkennung der christlichen Gemeinschaft möglich machen. Die neue Regierung, die im Oktober 2018 gewählt wurde, verspricht keine weitreichenden Änderungen, besonders nicht, was Grundrechte und Religionsfreiheit angeht. Das zeigte sich bereits im August 2018, als ein Journalist zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde, weil er Buthans Bekenntnis zur Meinungsfreiheit infrage stellte.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Im 19. Jahrhundert existierte eine kleine römisch-katholische Gemeinde in Bhutan unter der indischen Diözese von Darjeeling, die es auch heute noch gibt. Sie werden zu einem gewissen Grad toleriert, da sie eher unter sich bleiben. Doch auch sie haben keine offizielle Anerkennung und sind Diskriminierungen ausgesetzt, wie alle anderen christlichen Denominationen.

Christen mit anderem religiösen Hintergrund

Christen mit buddhistischem, hinduistischem oder Bön-Hintergrund erleben starken Druck vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarn, zu ihrem jeweiligen alten Glauben zurückzukehren. Sie sind nicht nur der gleichen Diskriminierung ausgesetzt wie alle Christen im Land, sondern müssen zudem mit dem konstanten Druck umgehen, der auf sie ausgeübt wird, damit sie zu dem Glauben ihrer Familie zurückkehren.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie schließt Christen aus evangelikalen und pfingstlichen Gemeinden ein, ferner auch Gemeinschaften wie Brüdergemeinden und „El Shaddai“. Sie sind jedoch nicht anerkannt und können daher von den Behörden unter Druck gesetzt werden. Dies kann sich in Überwachung, Durchsuchungen oder sogar Festnahmen und Inhaftierungen äußern.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.9
Familienleben 11.1
Gesellschaftliches Leben 12.3
Leben im Staat 12.4
Kirchliches Leben 14
Auftreten von Gewalt 0.9

Grafik: Verfolgungsmuster Bhutan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt blieb der Druck auf Christen in Bhutan auf einem sehr hohen Niveau. Der durchschnittliche Wert stieg von 12,1 Punkten im Vorjahr auf 12,5 Punkte an.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Privatleben“, doch auch in den anderen drei Kategorien ist er auf einem sehr hohen Niveau. Der Druck auf christliche Konvertiten ist besonders hoch in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“, während alle Christen Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ausgesetzt sind. Das rührt daher, dass die christliche Minderheit weiterhin im alltäglichen Leben ausgegrenzt und nicht als religiöse Gemeinschaft anerkannt wird.
  • Der Wert für Gewalt gegen Christen sank von 1,1 Punkten auf 0,9 Punkte.

Privatleben

Jeder Glaubenswechsel führt zu Widerstand. Sogenannte „Zwangskonversion“ ist eine Straftat, wobei der Begriff „Zwang“ Interpretationsspielraum bietet. In der Praxis ist der Glaubenswechsel in den meisten Fällen einfach verboten. In Abschnitt 463 (A) des Strafgesetzbuchs wird festgelegt, dass ein Glaubenswechsel aus Nötigung oder anderen Anreizen eine Straftat darstellt. „Nötigung“ und „andere Anreize“ sind dabei jedoch nicht eindeutig definiert. Der Übertritt zu einer anderen Religion wird sowohl von der Familie und dem sozialen Umfeld als auch von religiösen Obrigkeiten und dem Staat strikt abgelehnt. Sogar das bloße Verteilen von Traktaten mit dem Evangelium, ohne darüber zu sprechen oder jemanden in die Kirche einzuladen, kann zu einer Verhaftung führen. Christliche Konvertiten müssen daher sehr vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben, vor allem, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Dann kann es für sie bereits gefährlich sein, zuhause christliche Symbole zu zeigen. Christen treffen sich meist in gemieteten Räumlichkeiten – das kann zu Schwierigkeiten führen, wenn der Hausbesitzer Buddhist ist. Sie tragen oder zeigen zudem sehr selten zuhause christliche Symbole. In ländlichen Gebieten werden Konvertiten, von denen bekannt ist, dass sie dem christlichen Glauben folgen, oft genauestens beobachtet. Im Berichtszeitraum gab es mehrere Fälle, in denen Christen von ihren Familien in Isolation gehalten oder aus dem Haus geworfen wurden.

Familienleben

Im Falle einer Entdeckung ihres neuen Glaubens drohen Konvertiten die Scheidung (wenn sie verheiratet sind) und der Verlust des Erbrechts. Es kann auch vorkommen, dass sie von ihrer eigenen Familie als geisteskrank erklärt werden. Öffentliche Taufen sind illegal und daher nicht durchführbar. Eine christliche Beerdigung zu organisieren, ist ebenfalls sehr schwierig oder oftmals gar unmöglich. Üblicherweise beerdigen Christen ihre verstorbenen Familienmitglieder daher im benachbarten Indien. Vielen Christen wurde aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit die Ausstellung eines elektronischen Personalausweises verwehrt. Dieses Problem betrifft besonders Christen mit buddhistischem Hintergrund. Für den Alltag benötigen alle Bürger eine sogenannte "Unbedenklichkeitsbescheinigung", die von den örtlichen Behörden ausgestellt wird, um zu zeigen, dass die Person keine Probleme im Dorf verursacht hat. Dieses Dokument wird benötigt, um Kredite zu beantragen, Besitz zu registrieren, sich auf Arbeitsplätze zu bewerben und Ausweise zu erneuern. Christen wird manchmal keine Bescheinigung ausgestellt oder es wird ihnen sehr schwergemacht, eine zu erhalten.

Kinder von Christen müssen in der Schule die Lehren des Buddhismus lernen und praktizieren. Sie erleben Druck vonseiten der Lehrer und Mitschüler und erleben häufig Mobbing. Sie werden sogar dazu gezwungen, unter strenger Aufsicht morgens und abends an den täglichen buddhistischen Gebeten und an bestimmten jährlichen Ritualen teilzunehmen. Oft wird ihnen Essen gegeben, das zuvor Götzenbildern geopfert wurde. Jede Schule und jede Universität in Bhutan hat einen buddhistischen Schrein, eine Gebetsmühle und eine Ort zum Gebet. In einem Fall wurde eine christliche Schülerin mehr als ein Jahr lang dazu gezwungen, den Schrein und alle seine Statuen zu säubern und sich vor ihnen zu verneigen.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Konvertiten erfahren starken Druck vonseiten ihrer Familie, Freunden und Nachbarn, die oft damit drohen, sie den lokalen Behörden zu melden, wenn sie ihren christlichen Glauben nicht widerrufen. Traditionell werden in Bhutan Aussaat und Ernte als Dorfgemeinschaft durchgeführt. Christen sind von dieser Praxis allerdings ausgeschlossen und können mit keinerlei Hilfe rechnen. Die anderen Dorfbewohner machen es Christen oft sehr schwer: Wenn sie nicht an religiösen Feierlichkeiten teilnehmen und zu ihnen beitragen, setzen sie sich damit noch größeren Schikanen aus. Um zur Schule zugelassen zu werden, benötigen Kinder ein Empfehlungsschreiben des Dorfoberhauptes oder der lokalen Regierungsbehörde; solch ein Schreiben zu erhalten, ist oft schwierig für Christen. Wenn sie es erhalten, werden ihre Kinder in der Schule diskriminiert. Sie erhalten schlechtere Noten, was ihnen wiederum den Zugang zu höherer Bildung erschwert. In den Schulen muss jeder an buddhistischen Ritualen teilnehmen. Christen werden zudem immer wieder dazu aufgefordert, an traditionellen religiösen Festen in ihrer Gemeinschaft mitzuwirken. Außerdem sind Christen, die ein Geschäft eröffnen wollen, oft von staatlichen Subventionen ausgeschlossen.

Leben im Staat

Die Verfassung schützt den Mahayana-Buddhismus als „spirituelles Erbe“ der Nation. So wird der Buddhismus als Staatsreligion behandelt und alle religiösen Institutionen haben die Pflicht, dieses spirituelle Erbe Bhutans zu fördern. Am 24. Mai 2011 erließ die Regierung einen Gesetzesnachtrag und fügte eine Anti-Konversions-Klausel ins Strafgesetzbuch ein, um Artikel 7(4) der Verfassung des Königreichs Bhutan zu erfüllen. Dieser besagt, dass „ein bhutanischer Staatsbürger das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit“ haben soll. „Niemand soll durch Nötigung oder Anreize dazu gezwungen werden, einem anderen Glauben anzugehören.“ Abschnitt 463 (A) des Strafgesetzbuches (Zusatz) von Bhutan 2011 sagt aus: „Ein Angeklagter ist schuldig des Vergehens, andere zu einem anderen Glauben bewegt zu haben, wenn er sich dabei der Nötigung oder einer anderen Art der Beeinflussung bedient hat, um die Bekehrung zu einem anderen Glauben zu erreichen.“ Abschnitt 463 (B) fügt hinzu: „Das Vergehen, andere zu einem anderen Glauben zu zwingen, wird als Ordnungswidrigkeit behandelt.“ Das kann in Bhutan mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Es ist Christen nicht erlaubt, öffentlich christliche Symbole zu zeigen. Es sind keine christlichen Zivilgesellschaftsorganisationen erlaubt. Christen werden vor Gericht oft zu schweren Strafen verurteilt, auch dann, wenn es kaum Beweise gibt, die die Anklage gegen sie stützen. Die wenigen christlichen Beamten stehen unter starkem Druck, an buddhistischen Riten teilzunehmen und zu Festen beizutragen. Weigern sie sich, werden sie unter Druck gesetzt, zurückzutreten. Wird ein Christ einer „unethischen Konversion“ für schuldig befunden, hat er keine Chance, eine der oben beschriebenen Unbedenklichkeitsbescheinigungen zu erhalten.

Auch in sozialen Medien wird der christliche Glaube verunglimpft. In einem Facebookeintrag vom 25. März 2018 heißt es: „Der christliche Glaube in Bhutan muss mit vereinten patriotischen Kräften zerquetscht werden: Externe Bedrohungen können erkannt und identifiziert werden. Anschließend ist es möglich, entsprechende Wege der Gegenwehr auf Regierungsebene auszuarbeiten. Versuche, unsere Kultur und Religion zu beschädigen, die bereits unsere Gesellschaft infiltriert haben, müssen identifiziert und über soziale Medien bekanntgemacht werden, insbesondere ihre Hochburgen und Stützpunkte für wöchentliche Treffen und ihre heiligen christlichen Tage. Das Heimat- und Kulturministerium, sowie die königliche Polizei müssen aktiv werden, sobald die Privathäuser, die für solche Treffen mit Gebeten und Gesängen wie Kirchen genutzt werden, der Regierung bekanntgemacht worden sind. Der individuelle Glaube darf laut Gesetz ausgelebt werden. Aber er darf nicht durch neue Einrichtungen wie Kirchen oder Moscheen praktiziert werden, die genutzt werden, um zu predigen, zu lehren, Gebete zu sprechen, Messen zu feiern oder Hymnen zu singen. Das war in unserer Geschichte noch nie erlaubt. Jeder Leser, der Wissen von solchen Treffen und Predigern hat, nenne in den Kommentaren bitte folgende Punkte: 1. Name des Ortes. 2. Name der Straße. 3. Hausnummer. 4. Name des Vermieters. 5. Name des Anführers / Priesters. Nennt nicht die Anhänger; diese sollten als unschuldig gelten, da sie nur dem Geld hinterher sind. Wenn wir die Haupttäter erst einmal dingfest gemacht haben, werden sie schon nach und nach zum Glauben der Väter zurückkommen. Wenn du deine Kultur und Religion liebst, werde jetzt aktiv, um das Gesetz unseres Landes zu aktivieren, damit es gegen diese illegalen Treffen und Lehren vorgeht, in welcher Ecke des Landes sie auch sein mögen. Stoppt ihr Wachstum, bevor es zu spät ist. Jetzt oder nie.“

Kirchliches Leben

Das Thema Registrierung bleibt für die Christen in Bhutan das größte Problem. Ohne offizielle Registrierung sind christliche Gemeinden faktisch illegal. Zwar erklärt die Landesregierung, dass Christen sich treffen dürfen, ihre Versammlungen werden jedoch zum Teil von Dorfbewohnern gestört oder ihre Legalität wird auf Dorf- oder Bezirksebene infrage gestellt. Christen, die sich in religiösen Angelegenheiten mit den Behörden in Verbindung setzen, werden regelmäßig diskriminiert. Christliche Gemeinschaften, die sich bei der „Kommission für religiöse Angelegenheiten“ (CRO) registrieren lassen wollen, bekommen zumeist keine Antwort. Bis heute wird keine christliche Gemeinschaft im Land offiziell anerkannt.

Die Regierung hält die Treffen weiterhin auf Privathaushalte beschränkt, um das Wachstum des christlichen Glaubens beschneiden und die Gruppen in Abhängigkeit vom Vermieter zu halten. Manchen Christen ist es gelungen, einen größeren Versammlungsort zu mieten, aber alle laufen Gefahr, entdeckt zu werden, und manche wurden bereits von den Behörden aufgesucht. Es gab Vorfälle, bei denen Christen mit ernsthaften Konsequenzen gedroht wurde, wenn sie sich weiterhin träfen. Dementsprechend treffen sich viele Christen entweder sehr früh am Morgen oder sehr spät abends und lassen dabei die Lichter im Haus aus, um keinen Verdacht zu erregen. Bibeln und anderes christliches Material können nicht in Bhutan produziert werden. Der Import ist nicht erlaubt, außer er geschieht in kleinen Mengen und nur für den privaten Gebrauch.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Bhutan ist nicht sehr gewalttätig. Die Behörden bevorzugen es, weniger stark sichtbare Mittel zu nutzen. Im Berichtszeitraum war jedoch eine Hauskirche aufgrund von Druck durch die Regierung gezwungen, zu schließen. Beispiele dazu im Abschnitt "Zusammenfassung".

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Es sind weiterhin keine Informationen zur geschlechtsspezifischen Verfolgung in Bhutan verfügbar. Wenn männliche Christen jedoch ihre Arbeit verlieren, von der traditionellen Art der Landwirtschaft ausgeschlossen, oder (in seltenen Fällen) verhaftet werden, betrifft dies die gesamte Familie, da Männer üblicherweise die Hauptversorger der Familie sind.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben der christlichen Gemeinschaft ist auch die winzige muslimische Minderheit in Bhutan nicht anerkannt. Hindus (die der nepalesischen Ethnie angehören) genießen zwar eine gewisse Form der Anerkennung, werden aber als Bürger zweiter Klasse behandelt und erleben demnach ebenfalls Diskriminierung.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Die Entscheidung Bhutans, sich während des militärischen Kräftemessens Chinas und Indiens zwischen Juni und August 2017 ruhig zu verhalten und nicht den Anschein zu erwecken, das Land schlage sich auf eine Seite, muss als weise Entscheidung gesehen werden. Das Überleben Bhutans könnte davon abhängen, die Wünsche und Bedürfnisse Chinas und Indiens in Einklang zu bringen. Dies könnte dazu führen, dass die Behörden den ausländischen Beziehungen mehr Beachtung schenken als der Innenpolitik. Die Wahlen des Nationalrats im April 2018 verliefen reibungslos und spiegeln die Tatsache wider, dass es deutlich wichtigere Institutionen im Land gibt als das Parlament.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Religiös motivierten Nationalismus: In einer Situation, in der Bhutan seinen einzigartigen Platz in der Region zeigen muss, ist es sehr wahrscheinlich, dass das Land dies tut, indem es sich auf sein außergewöhnliches religiöses und kulturelles Erbe beruft. Dies gilt auch für die neue Regierung, die im Oktober 2018 gewählt wurde. Mit Blick auf Bürgerrechte deutet die Verurteilung eines Journalisten im August 2018 (siehe Abschnitt „Hintergrund“) ebenfalls nicht auf eine offenere Politik hin.

Schlussfolgerung

Es sieht nicht danach aus, als würde die christliche Gemeinschaft in Bhutan in den kommenden Monaten den Schutz und den Raum bekommen, den sie benötigt. Die Zukunft der christlichen Minderheit wird weiterhin dadurch bestimmt, wie sich der Religiös motivierte Nationalismus, die Haupttriebkraft der Verfolgung in Bhutan, entwickelt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bhutan:

  • Beten Sie für die Christen, die gegen das Anti-Konversationsgesetz verstoßen, indem sie den Buddhismus verlassen. Beten Sie, dass die Anstrengungen zur Verfolgung der Christen in Bhutan, diese letztendlich stärken und näher zusammenrücken lassen.
  • Der Buddhismus ist seit Jahrhunderten das spirituelle Erbe Bhutans, wie auch in der Verfassung verankert. Durch bürokratische Mittel werden Christen abgelehnt und verfolgt. Bitte beten Sie, dass die Christen durch die Kraft des Heiligen Geistes den Griff, mit dem der Buddhismus das Land festhält, lockern.
  • Bitte beten Sie für christliche Konvertiten, die von ihrer Familie, Freunden und Nachbarn stark unter Druck gesetzt werden, ihren Glauben aufzugeben. Beten Sie, dass sie im Angesicht der Verfolgung gestärkt werden. Bitte beten Sie, dass Jesus die Herzen der Menschen in ihrem Umfeld berührt, sodass diese sich für das Evangelium öffnen.

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