Weltverfolgungsindex 2026

Eritrea

Christenverfolgung in Eritrea

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Die Regierung weigert sich, religiöse Gruppen anzuerkennen, die nicht dem sunnitischen Islam, der eritreisch-orthodoxen, katholischen oder lutherischen Kirche angehören. Christen, die zu nicht anerkannten Denominationen gehören, haben ernsthafte Probleme beim Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen, insbesondere zu den vom Staat bereitgestellten Sozialdiensten. Junge Menschen werden zum Militärdienst gezwungen, und Christen haben nicht das Recht, diesen Dienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Wer während des Wehrdienstes bei der Ausübung einer nicht anerkannten Religion entdeckt wird, muss mit strengen Strafen rechnen. Der extreme Druck und das sehr hohe Ausmaß an staatlich sanktionierter Gewalt bringen manche Christen dazu, aus dem Land zu fliehen. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die eritreisch-orthodoxe Kirche (EOK) verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, erfahren von ihren Familien und ihrem Umfeld Verfolgung und Verletzungen ihrer Rechte. Vor allem junge Christen haben nur düstere Entscheidungsoptionen: Entweder sie durchleiden eine langjährige Inhaftierung in extrem feindlicher Umgebung (z. B. in zu Gefängniszellen umgebauten Schiffscontainern) oder sie riskieren die Flucht aus dem Land über gefährliche Schlepperrouten. Diese Routen führen häufig durch Länder wie den Sudan, Ägypten und Libyen und über das tückische Mittelmeer, sie bringen Gefahren wie Tod, Erpressung und Folter mit sich – und sind damit extrem risikoreiche Routen für Christen, die vor den feindlichen Bedingungen in Eritrea fliehen. Weiter erschwert wird die Reise durch die anhaltenden Konflikte in den Transitländern Sudan, Äthiopien und Libyen, wodurch der ohnehin gefährliche Weg noch schwieriger und unsicherer für die Menschen wird, die sich in ihrer verzweifelten Situation auf den Weg machen. Christen stehen also vor einem verheerenden Dilemma: Verfolgung und Zwangsrekrutierung im eigenen Land ertragen oder über Routen fliehen, die von Menschenhandel, Folter und Risiken geprägt sind.

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Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

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2. Hintergrund

Das politische System Eritreas wird von Präsident Isayas Afewerki beherrscht, der seit der De-jure-Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1991 an der Macht ist. Seine Partei, die „People’s Front for Democracy and Justice“ („Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“, PFDJ), ist die einzige politische Kraft im Land. Ihr Programm stützt sich auf den Personenkult um den Präsidenten und gründet sich auf dem „Befreiungskampf“ Eritreas gegen Äthiopien, der von 1961 bis 1991 andauerte. Eritreern wird beigebracht, dass die nationale Identität wichtiger ist als individuelle Rechte und ethnische Zugehörigkeit. Anfang Juli 2018 unterzeichnete Eritrea ein historisches Friedensabkommen mit Äthiopien. Damit wurde das Ende des drei Jahrzehnte währenden Konflikts und eine enge Zusammenarbeit in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Soziales, Kultur und Sicherheit beschlossen.

Menschenrechtsorganisationen halten Eritrea für eines der repressivsten Länder der Welt. Politische Proteste sind nicht erlaubt, und es gibt keine unabhängigen Medien im Land. Diese Einschränkungen der international anerkannten Menschenrechte werden von der Regierung mit der Begründung gerechtfertigt, diese Rechte seien eine existenzielle Bedrohung für die soziale und religiöse Harmonie im Land.

Früher war Eritrea ein föderaler Bestandteil Äthiopiens, was zur Bildung einer eritreischen Befreiungsbewegung führte, die mehrheitlich von Muslimen angeführt wurde. Die meisten eritreisch-orthodoxen Christen unterhielten enge Beziehungen zur äthiopisch-orthodoxen Kirche und sahen die Bewegung der Muslime als gefährlich an. Umgekehrt betrachteten einige islamisch-extremistische Gruppen die orthodoxen Christen als große Bedrohung für das Streben nach Unabhängigkeit. Seit dieser Zeit stehen sich die beiden Seiten mit Misstrauen gegenüber.

Nach Angaben des Berichts zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2023 ist „die Mehrheit der Bevölkerung in den südlichen und zentralen Landesteilen [...] christlich, während die nördlichen Gebiete mehrheitlich von sunnitischen Muslimen bewohnt sind. Die Mehrheit der Tigrinya, der größten ethnischen Gruppe, ist christlich.“ Die Religionsfreiheit in Eritrea ist weiterhin stark eingeschränkt. Nur vier Religionsgemeinschaften sind rechtlich anerkannt: die eritreisch-orthodoxe Kirche, der sunnitische Islam, die römisch-katholische Kirche und die evangelisch-lutherische Kirche. Alle anderen – darunter Pfingstgemeinden, Baptisten und Adventisten – sind verboten. Allein im Jahr 2024 wurden schätzungsweise 350 Christen inhaftiert, oft unter unmenschlichen Bedingungen wie in Schiffscontainern oder unterirdischen Zellen. Seit 2002 werden keine neuen Religionszugehörigkeiten mehr registriert. Razzien in Hauskirchen, erzwungene Glaubensverleugnungen und religiöse Verbote für Inhaftierte sind weiterhin weit verbreitet. Selbst anerkannte Denominationen unterliegen strenger staatlicher Kontrolle: Geistliche werden ernannt und der Kirchenbetrieb überwacht. Der regimekritische Patriarch der EOK, Abune Antonios, wurde 2006 abgesetzt und unter Hausarrest gestellt, wo er 2022 verstarb. Zeugen Jehovas werden ebenfalls extrem verfolgt, bis hin zum Verlust der Staatsbürgerschaft, vor allem aufgrund ihrer Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen. Fluchtwege haben sich verengt, da der Konflikt im Sudan und die Unsicherheit in Libyen anhalten. Die US-Kommission für internationale Religionsfreiheit stuft Eritrea in ihrem Jahresbericht 2025 aufgrund der systematischen und andauernden Verletzungen der Religionsfreiheit erneut als „besonders besorgniserregendes Land“ ein.

WeltanschauungenAnhänger%
Christen1.713.00044,0
Muslime2.093.00053,8
Hindus1.300< 0,1
Anhänger ethnischer Religionen31.3000,8
Bahai1.400< 0,1
Atheisten260< 0,1
Agnostiker49.2001,3

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Die islamische Unterdrückung findet vor allem im Tiefland statt, während sich der konfessionelle Protektionismus auf die Hochebenen im Zentrum von Eritrea konzentriert. Hier begegnen Mitglieder staatlich anerkannter Kirchen evangelikalen oder pfingstkirchlichen Christen oft mit Feindseligkeit: Mitglieder nicht anerkannter Glaubensgemeinschaften können den Behörden gemeldet, vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen oder beschuldigt werden, die nationale Einheit und Tradition zu untergraben.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Konfessioneller Protektionismus

Die EOK hat eine lange Tradition im Land. Sie betrachtet Christen aus anderen Denominationen, besonders Christen der Pfingstbewegung, als ausländisch und fremd. Doch auch orthodoxe Christen erfahren Druck, etwa die Einmischung von außen in innerkirchliche Angelegenheiten; dazu gehören die Überwachung kirchlicher Leiter, Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung durch die Regierung, aber auch durch Muslime.

Diktatorische Paranoia

Seit dem Unabhängigkeitsreferendum von 1993 übt die PFDJ volle Kontrolle über Eritrea aus. Die Partei regiert in einem Einparteiensystem unter der Führung von Präsident Afewerki. Das Regime unternimmt alles, um seine Macht zu erhalten. Regimekritische Christen werden verhaftet, schikaniert und getötet, oft unter dem Vorwand, sie seien „Verbündete des Westens“.

Islamische Unterdrückung

Muslime machen ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung aus. Von ihnen sind nahezu alle Sunniten. In den meisten Gebieten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit sind Christen und insbesondere christliche Konvertiten besonders gefährdet. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem islamischen Glauben. Obwohl extremistische Gruppierungen auf die Gründung eines islamischen Staates drängen, wurde dies bisher verhindert. Eine entscheidende Rolle dabei hat der Totalitarismus der Regierung gespielt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Auf dem Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International zum Jahr 2024 erhielt Eritrea nur 13 Punkte (0 = sehr korrupt und 100 = sehr integer) und belegte damit den Rang 173 von 180 Ländern. Die Korruption betrifft insbesondere das Militär, das viele Aspekte des Lebens im Land kontrolliert. Oftmals werden Christen unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit erpresst, eingeschüchtert oder deren Eigentum beschlagnahmt.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und sich mit anderen Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst Christen der EOK, der anglikanischen Kirche, der evangelisch-lutherischen Kirche sowie der römisch-katholischen Kirche. Diese Christen leben hauptsächlich in den christlich geprägten Gebieten im Zentrum und im Süden des Landes. Sie werden zum einen von islamischer Unterdrückung beeinträchtigt, zum anderen sind sie auch von staatlichen Maßnahmen betroffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Gruppe schließt sowohl Christen ein, die traditionelle Kirchen (insbesondere die EOK) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund. Ersteren widerfährt starke Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung durch die EOK und ihre orthodoxen Familien, zweiteren durch die muslimische Gesellschaft und ihre muslimischen Familien.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe ist der härtesten Verfolgung im Land ausgesetzt. Sie besteht aus Christen evangelikaler, baptistischer und pfingstkirchlicher Gemeinden. Sie werden sowohl von der Regierung als auch von der Gesellschaft allgemein als Verbündete des Westens angesehen. Insbesondere Pfingstgemeinden sind ernsthaftem Druck und Gewalt ausgesetzt. Ihre Rechte werden regelmäßig von Regierungsvertretern und durch die EOK verletzt.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 14.6
Familienleben 14.9
Gesellschaftliches Leben 15.5
Leben im Staat 15.9
Kirchliches Leben 15.9
Auftreten von Gewalt 13.3

Privatleben

Das Recht auf freie Meinungsäußerung in all seinen Formen ist eingeschränkt. Privathäuser von Christen werden zum Ziel von Durchsuchungen. Verhaftungen und Beschlagnahmung von christlichem Material sind die Folgen. Oft wird die staatliche Überwachung so lange fortgesetzt, bis die Behörden geheime Zellgruppen aufdecken, um danach Verhaftungen ganzer Gemeinden vornehmen zu können. Dies betrifft alle Christen, selbst diejenigen aus den offiziell anerkannten Kirchen – also auch Christen aus der EOK sowie aus der lutherischen, anglikanischen und römisch-katholischen Kirche. Der gesamte Alltag wird kontrolliert: Telefongespräche werden überwacht, die Internet-Bandbreite wird gering gehalten, und ein Netz von Bürgern ist damit beauftragt, ihre Nachbarn auszuspionieren.

Familienleben

Die Rechte von Eltern sind eingeschränkt, besonders von christlichen Eltern aus protestantischen Freikirchen. Wer sich gegen die Regierung stellt, riskiert Verhaftung, Folter und die Verweigerung eines rechtsstaatlichen Verfahrens. Die staatliche Propaganda in Schulen und beim Militärtraining für Jugendliche steht oft in direktem Widerspruch zu christlichen Werten. Der Begriff „Pentay“ wird abwertend für Christen benutzt, die nicht der orthodoxen Kirche angehören; Kinder solcher Christen sind häufig beträchtlichem Druck vonseiten ihrer Lehrer und Mitschüler ausgesetzt. Besonders wenn christliche Eltern im Gefängnis sind oder waren, werden üblicherweise deren Kinder stigmatisiert, schikaniert oder sogar angegriffen. Wenn Familienmitglieder sich gezwungen sehen, aus dem Land zu fliehen, lassen sie in der Regel schutzbedürftige Verwandte zurück.

Die Verwicklung Eritreas in den Krieg in Tigray (Äthiopien) hat den Druck auf Familien weiter erhöht. Die Zwangsrekrutierung hat zugenommen, Widerstand dagegen wird nicht geduldet. Zunehmend führt die Regierung nächtliche Razzien in Städten wie Asmara, Keren oder Massawa durch, bei denen junge Menschen, darunter auch Christen, von ihren Wohnhäusern aus in Militärlager verschleppt werden. Familienmitglieder von Jugendlichen, die vor der Rekrutierung fliehen, werden bestraft.

Gesellschaftliches Leben

Es gibt in Eritrea ein Netzwerk von Bürgern (insbesondere Frauen, die früher Freiheitskämpferinnen waren und nun der herrschenden Partei angehören), das damit beauftragt ist, die Aktivitäten ihrer Nachbarn zu überwachen. Diese Informanten berichten den Behörden von jedem, der verdächtigt wird, Treffen von Untergrundkirchen zu beherbergen. Die staatliche Überwachung der Internetnutzung und der Telekommunikation zwingt viele Christen zu äußerster Vorsicht, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen.

Leben im Staat

Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur die vier offiziell anerkannten Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen: der sunnitische Islam, die EOK, die lutherische Kirche und die römisch-katholische Kirche. Der Patriarch der EOK wird von der Regierung ernannt. Jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Lokale Behörden betrachten es als ausreichenden Grund, dass einer christlichen Kirche oder Gemeinde die staatliche Anerkennung verweigert wird, um deren Mitglieder zu verhaften und einzuschüchtern. Zu den Strafen kann die Einweisung in eines der Gefangenenlager gehören, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Wer aus einem solchen Gefängnis entlassen wird, erhält die Anordnung, seinen Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Die Regierung betrachtet die Zivilgesellschaft und politische Parteien als Staatsfeinde.

Kirchliches Leben

Alle Kirchen stehen unter staatlicher Überwachung. Am stärksten werden jedoch die nicht registrierten Kirchen überwacht und in ihren Tätigkeiten behindert. Kirchliche Leiter werden gezielt ins Visier genommen und riskieren Verhaftung, Folter, den Hungertod und Zwangsarbeit. Sogar orthodoxe Kirchen stehen unter dem Druck, nichts zu predigen, was als regierungsfeindliche Botschaft verstanden werden könnte. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter der anerkannten Kirchen ein.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

 

  • Hunderte von Christen sind seit Jahren inhaftiert. Viele werden unter schwierigen Bedingungen in Isolationshaft gehalten, unter anderem in überfüllten Schiffscontainern. Die Gefangenen werden gezwungen, ihrem Glauben abzuschwören. Dabei werden sie gefoltert und körperlich misshandelt. Medizinische Versorgung wird ihnen verweigert.
  • Im Jahr 2025 (während des gesamten Berichtszeitraums) beschlagnahmten Sicherheitskräfte Dutzende von Immobilien, die Christen besaßen. Darunter Privatgebäude, in denen Gottesdienste abgehalten wurden, Schulen, kleine Unternehmen und Gemeindezentren. Die Sicherheitskräfte warfen den Gemeinden vor, „illegal“ zu agieren oder von ausländischen Programmen beeinflusst zu werden. Die staatlich kontrollierten Medien haben unabhängige christliche Gruppen verunglimpft und sie als „Akteure ausländischer Destabilisierung“ gebrandmarkt, um die Beschlagnahmung von Eigentum zu rechtfertigen
  • Am 24. April 2024 führten die Behörden in den Städten Agordat, Barentu und Tesseney in West- und Zentraleritrea koordinierte nächtliche Razzien durch, wobei über 35 Christen in ihren Häusern verhaftet wurden.

 

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

JahrPlatzierungPunktzahl
2026590
2025689
2024489
2023489
2022688

Auf dem Weltverfolgungsindex 2026 liegt die Gesamtwertung für Eritrea bei 90 Punkten. Das ist ein Punkt höher als im Vorjahr. Diese Änderung ist ausschließlich durch einen Anstieg um einen Punkt im Bereich Gewalt bedingt. Trotz der Wiedereingliederung des Landes in die internationale Gemeinschaft und der Aufhebung der UN-Sanktionen sind für die Christen keine spürbaren Verbesserungen in Bezug auf die Religionsfreiheit zu verzeichnen. Durch ihre restriktive Politik und die umfassende Überwachung übt die Regierung extremen Druck auf die christlichen Gemeinden und Gemeinschaften aus, insbesondere im staatlichen und kirchlichen Bereich. Die Sicherheitskräfte führen regelmäßig Razzien durch, bei denen Hunderte von Christen inhaftiert werden. Diejenigen, die vorübergehend freigelassen werden, müssen sich an Auflagen halten; sie müssen sich etwa von ihrem Glauben lossagen und sich regelmäßig bei den Behörden melden. Bei Nichteinhaltung dieser Auflagen droht eine weitere Inhaftierung. Viele Gefangene müssen jahrelang unter harten Bedingungen ausharren, was den repressiven Charakter des Regimes unterstreicht. Darüber hinaus schürt die Regierung ein Klima des Misstrauens, weil sie nicht traditionelle protestantische Gruppen als unpatriotisch diffamiert. Erschwerend kommt hinzu, dass die EOK, die ebenfalls unter der Unterdrückung durch das Regime leidet, das Wachstum protestantischer Kirchen unterdrückt – damit zeigt sich, dass es auch innerhalb der christlichen Gemeinden sowohl Täter als auch Opfer gibt. Eritrea steht weiterhin auf der Liste der „besonders besorgniserregenden Länder“ des US-Außenministeriums, was den langjährigen, gravierenden und systematischen Druck widerspiegelt.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

Christinnen befinden sich in einer Art Zangengriff – unter Druck einerseits von der eritreischen Regierung und andererseits von der Gesellschaft. Christliche Konvertitinnen sind Entführungen innerhalb ihres sozialen Umfelds, Hausarrest, Zwangsheirat, Zwangsscheidung und dem Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder ausgesetzt. In Eritrea müssen Frauen wie Männer Wehrdienst leisten und eine obligatorische militärische Ausbildung absolvieren. Diese Ausbildung erfolgt mitunter im berüchtigten „Militärcamp Sawa“ – und damit in einem stark kontrollierten Umfeld, in dem jedes Verhalten, jede Meinung und jeder Glaube genauestens überprüft werden. Im Militärdienst erleben viele Frauen geschlechtsspezifische Gewalt, genauso wie in den Haftanstalten.

Männer

Wie Frauen unterliegen auch die Männer der Wehrpflicht, welche christliche Männer in ein streng kontrolliertes Umfeld bringt. Angesichts dessen versuchen viele junge Eritreer, aus dem Land zu fliehen. Zu den Arten, wie besonders christliche Männer verfolgt werden, gehören Schläge, Festnahmen und Internierung durch die Regierung. Vor allem die Männer sehen sich zur Flucht aus dem Land gezwungen. Da die meisten Leitungspositionen in den Untergrundkirchen von Männern besetzt sind, führt jede Verhaftung zu einem Leitungsvakuum in den Gemeinden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2023 des US-Außenministeriums besagt: „Die Regierung verbietet nach wie vor alle nicht sunnitischen Praktiken des Islam.“ Außerdem bezieht sich das US-Außenministerium auf einen Bericht zur Religionsfreiheit in Eritrea, der im Dezember 2023 von den Zeugen Jehovas veröffentlicht wurde. Daraus geht hervor, dass die eritreischen Behörden weiterhin 36 Zeugen Jehovas festhielten, darunter 26 Männer und 10 Frauen. Einer der Gefangenen ist der 81-jährige Tesfazion Gebremichael. Im Jahr 2022 wurden Bedenken über Gebremichaels Gesundheitszustand geäußert und seine Freilassung gefordert, 2023 lagen noch keine Informationen über seinen Zustand vor. Außerdem geht aus dem Bericht hervor, dass seit 2011 bis Dezember 2023 vier Zeugen Jehovas im Alter zwischen 62 und 77 Jahren in staatlichem Gewahrsam gestorben sind.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • Beten Sie, dass inhaftierte Christen und ihre Familien spürbar die Gegenwart von Jesus Christus erfahren. Beten Sie, dass Familienmitglieder die Möglichkeit bekommen, die Inhaftierten zu besuchen und sie mit lebensnotwendigen Gütern zu versorgen.
  • Bitten Sie um Weisheit, Urteilskraft und Wagemut für Christen, wenn sie trotz der Gefahr versuchen, sich zu treffen. Beten Sie für solche Treffen um Gottes Schutz.
  • Beten Sie, dass christliche Konvertiten in ihrem Glauben ermutigt und gestärkt werden.
  • Beten Sie, dass die Regierung umdenkt und Christen nicht länger als Staatsfeinde betrachtet.

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