Länderprofil Eritrea

Eritrea

7
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Eritrea
Hauptreligion
Christentum / Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
6
ISO
ER
Karte Eritrea
Christen
2,47
Bevölkerung
5.19
Diktatorische paranoia
Konfessioneller Protektionismus
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.700
Familienleben: 14.900
Gesellschaftliches Leben: 15.800
Leben im Staat: 16.000
Kirchliches Leben: 15.200
Auftreten von Gewalt: 9.400

Länderprofil Eritrea

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 7 / 86 Punkte (WVI 2018: Platz 6 / 86 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Unter der Führung von Präsident Isayas Afewerki übt das autoritäre Regime uneingeschränkte Macht in Eritrea aus. Die Regierung hat Christen verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie sie als „Agenten des Westens“ und damit als eine Bedrohung für den Staat und die Regierung ansieht.

Konfessioneller Protektionismus: Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOC) betrachtet andere christliche Denominationen, inbesondere Pfingstgemeinden, als „gefährliche Neuankömmlinge“.

Islamische Unterdrückung: Besonders gefährdet sind Christen – vor allem ehemalige Muslime – in Regionen des Landes mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit.

Organisiertes Verbrechen und Korruption: Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt; häufig ist auch das Militär in Korruption verwickelt.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Seit 1993 setzt das Regime unter der Führung von Isayas Afewerki alles daran, seine Machtposition aufrechtzuerhalten und geht hart gegen jegliche Opposition vor. Einheimische Muslime zeigen aufgrund der erhöhten Gewaltbereitschaft von militanten Muslimen in der Region extremistische Tendenzen. Christen in mehrheitlich von Muslimen bewohnten Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere, wenn sie muslimischer Herkunft sind. Die EOC hat eine lange Tradition in Eritrea und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden manchmal unter Druck.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Christen werden zwangsweise vom Militär eingezogen. Insbesondere Protestanten habe große Probleme, Sozialleistungen vom Staat zu erhalten. Christen, die nicht den traditionellen Kirchen angehören, werden am stärksten durch die Regierung und die EOC verfolgt. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die EOC verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, werden von ihren Familien und ihrem Umfeld misshandelt. Sicherheitskräfte der Regierung führten viele Durchsuchungen von Häusern durch und verhafteten hunderte Christen. Dieser extreme Druck und die vom Staat gebilligte Gewalt hat einige Christen dazu gebracht, aus dem Land zu fliehen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Sicherheitskräfte der Regierung führten im Berichtszeitraum erneut zahlreiche Hausdurchsuchungen bei Christen und Hauskirchen durch und verhafteten hunderte Christen. Diese werden von dem Regime unter äußerst schlechten Bedingungen festgehalten, einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden. Berichten zufolge wurden im Juli 2018 etwa 30 Christen freigelassen – die beschriebene Praxis setzt sich dennoch fort.
  • Der Druck, den die EOC ausübt, geht zum Teil auf theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen zurück, hat aber auch historische Wurzeln. Die gut organisierte EOC mit ihrer langen Tradition betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Den geistlichen Leitern der EOC gilt Eritrea als Heimat der orthodoxen Kirche; sie meinen, die christliche Tradition des Landes sei durch die orthodoxe Kirche begründet, und neben ihr hätten andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz.
  • Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Manche von ihnen sind noch nach mehr als zehn Jahren im Gefängnis. Einige der Gefängnisse und Gefangenenlager sind Mai Sirwa, Adi Abieto, Keren, Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga, Alla oder befinden sich in den Polizeistationen in der Hauptstadt Asmara. Viele der gefangenen Christen werden gezwungen, stundenlang in kommerziellen Blumenfeldern zu arbeiten. Einige namentlich bekannte Christen, die seit über zehn Jahren inhaftiert sind, heißen: Haile Naigzhi, Leiter der „Eritrea Full Gospel Church“ (inhaftiert seit 2004); Kiflu Gebremeskel, Gründer und Pastor der „Southwest Full Gospel Church“ (seit 2004); Million Gebreselasie, Dr. med. und Pastor der „Massawa Rhema Church“ (seit 2004); Tekleab Menghisteab, Dr. med. und Priester (seit 2004); Gebremedhin Gebregiorsis, Priester (seit November 2004), Kidane Weldou, Pastor der „Full Gospel Church“ (vermisst seit 2005, aber vermutlich inhaftiert) und Abune Antonios, Patriarch der EOC (unter Hausarrest seit 2007). Nach elf Jahren im Gefängnis ohne Anklage wurde Pastor Oqbamichel Haiminot von der „Asmara Word of Life Church“ im Juni 2018 entlassen.

Meldungen und Beiträge zu Eritrea

Nachrichten Nachrichten
Eritreische Christen treffen sich heimlich zum Beten
Eritrea
Am 10. Mai verhafteten Sicherheitskräfte in der eritreischen Hauptstadt Asmara 141 Christen, darunter auch 14 Kinder und Jugendliche.
Nachrichten Nachrichten
Oqbamichel Haiminot (Bildquelle: Release International)
Eritrea
Im ostafrikanischen Eritrea ist Pastor Oqbamichel Haiminot nach elfjähriger Haftzeit entlassen worden. Der Leiter der evangelischen Kale Hiwot Kirche in der Hauptstadt Asmara war im Jahr 2007 verhaftet worden und saß seitdem ohne offizielle Anklage im Gefängnis.
Länderberichte
Staatsfeind Christ - Christen in Eritrea

Staatsfeind Christ - Christen in Eritrea

04:34 Minuten
Eritrea

Das Regime des eritreischen Herrschers Isiaha Afewerki verfolgt Christen auf das Schärfste, weil sie sie als „Agenten des Westens“ und damit als eine Bedrohung für den Staat und die Regierung ansieht.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 86 Punkten belegt Eritrea den 7. Platz auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Punktzahl hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Wie bereits in früheren Berichtszeiträumen führten Sicherheitskräfte der Regierung zahlreiche Razzien gegen Christen durch. Dabei wurden christliche Materialien konfisziert und einige Hauskirchengebäude beschädigt. Hunderte Christen wurden in Gefangenenlager gebracht. Seit mehr als einem Jahrzehnt vegetieren noch immer mehr als zehn christliche Leiter ohne Gerichtsverfahren unter grauenvollen Haftbedingungen dahin. Es wird berichtet, dass es tausende politische Gefangene in Eritrea gibt – unter ihnen befinden sich ebenfalls zahlreiche Christen. Viele hoffen darauf, dass durch die sich bessernde Beziehung zwischen Eritrea und Äthiopien der Druck auf Christen nachlässt und sogar Gefangene entlassen werden könnten. Viele Eritreer nutzten jedoch die Chance, nach Äthiopien zu fliehen, nachdem die Grenzen zwischen den beiden Ländern geöffnet wurden. 

2. Triebkräfte der Verfolgung

Konfessioneller Protektionismus

Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOC) hat eine lange Tradition in Eritrea und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden häufig unter Druck. Dahinter stehen zum einen theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen, zum anderen aber auch ganz pragmatische Überlegungen. Die gut organisierte EOC mit ihrer langen Tradition betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Den geistlichen Leitern der EOC gilt Eritrea als Heimat der orthodoxen Kirche; sie meinen, die christliche Tradition des Landes sei durch die orthodoxe Kirche begründet, und neben ihr hätten andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz. Ein Feldforscher sagt dazu: „Es gibt große Vorbehalte unter orthodoxen Christen, Mitchristen, die einer anderen Denomination angehören, als Christen zu akzeptieren. Diese Vorbehalte manifestieren sich in unterschiedlichen Formen in verschiedenen Teilen des Landes. Während der Grund hierfür zum großen Teil in theologischen Differenzen besteht, spielt die Angst eine Rolle, der prägende Einfluss, welchen die orthodoxe Kirche seit Jahrhunderten auf das Leben der Bürger des Landes hat, könnte verloren gehen.“ Christen, die der EOC angehören, sind jedoch ebenfalls Verfolgung ausgesetzt – von der Regierung und durch Islamische Unterdrückung. 

Diktatorische Paranoia

Seit dem Referendum von 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation. Seither übt die „People’s Front for Democracy and Justice“ (PFDJ) unter der Führung von Präsident Isayas Afewerki uneingeschränkte Macht aus. Das Regime ist ein absolut autoritäres System, das alles tut, um seine Macht zu erhalten: Christen wurden verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als „Agenten des Westens“ und damit als Bedrohung für den Staat und die Regierung gesehen werden. Quellen im Land zufolge bereitet der Präsident seinen Sohn darauf vor, seine Nachfolge anzutreten. Ein Experte für Eritrea sagt: „Nach Jahrzehnten des blutigen Krieges um die Unabhängigkeit, der für zehntausende Tote sowie für tausende Verletzte verantwortlich ist, war das letzte, was die Bevölkerung erwartet hätte, dass die machthabende Partei ein weiteres unterdrückerisches Regime darstellen würde. Dennoch formte die PFDJ entgegen ihrer Versprechungen während des bewaffneten Kampfes ein absolut autoritäres Regime, in dem keine abweichende Meinung geduldet wird. Das wichtigste Ziel der Partei ist, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“ In diesem Kontext verfolgt die Regierung Christen. Einige Analysten glauben, dass sich die eritreische Regierung dafür öffnet, Menschenrechte zu gewähren und eine Demokratie einzuführen. Dieser Glaube beruht jedoch auf einem falschen Verständnis der Natur der eritreischen Regierung. Sie ist trotz der jüngsten Versuche, die Beziehungen mit angrenzenden und westlichen Ländern zu verbessern, nicht bereit, sich im Hinblick auf ihre inneren Angelegenheiten zu verändern.

Islamische Unterdrückung

Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Diese wohnen großteils in den Tiefebenen entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan. Viele von ihnen zeigen eine Tendenz zum Extremismus, zum Teil auch aufgrund der wachsenden Präsenz des militanten Islam in der Region. Christen in diesen Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere, wenn sie muslimischer Herkunft sind. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem islamischen Glauben. Ein Experte stellt fest: „Diese Triebkraft ist in den Hochländern nicht so stark wie in den abgelegenen Teilen des Landes, in denen der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist. Obwohl extremistische Gruppen einen islamischen Staat formen wollen, wurde die Verbreitung solcher Vorstellungen durch die Regierung verhindert, die extremistische Gruppierungen nicht duldet, da sie in ihnen eine Gefährdung ihrer Macht sieht. Trotzdem bedrohen einige solcher Gruppen das christliche Leben, insbesondere derer, die in den Tiefebenen des Landes leben. Christen können ihren Glauben dort nicht frei ausüben und sie haben es nicht einfach, für ihre Kinder dort Schulen zu finden, die von den extremistischen Lehren dieser Gruppen frei sind.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Laut dem im Februar 2018 veröffentlichten Jahresbericht von „Transparency International“ belegt Eritrea Rang 165 von 180 Ländern. Dies betrifft insbesondere das Militär, das viele Bereiche des Lebens in dem Land kontrolliert. Ein Experte sagt: „Die Armee ist der stärkste Zweig der Regierung, und Korruption und der Missbrauch von Macht greifen auf verschiedenen Ebenen um sich. Ein Beispiel ist, dass von Christen Bestechungsgelder verlangt werden, ertappt man sie bei einem Fluchtversuch. Können sie diese Gelder nicht bezahlen, droht ihnen willkürliche Gefangenschaft oder sogar der Tod.“

3. Verfolger

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

Ein Verfolger ist die EOC. Sie ist die älteste christliche Gemeinschaft im Land, und die meisten Christen des Landes gehören ihr an. Die EOC übt einen großen Einfluss auf viele Bereiche des Lebens aus. Das Problem dabei ist, dass die Kirche neue christliche Gemeinden im Land nicht willkommen heißt, insbesondere Pfingstgemeinden. Es ist nicht zu leugnen, dass die Leiter der EOC aktiv versuchen, die Ausbreitung anderer Glaubensgemeinschaften zu verhindern. Auch eritreisch-orthodoxe Familienmitglieder und Dorfvorsteher sind Verfolger, besonders dort, wo es Christen gibt, die zu einer anderen Denomination als der EOC übergetreten sind. 

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Eritrea ist keine Demokratie. Die Regierung des Landes ist dafür bekannt, die Freiheit ihrer Bürger zu unterdrücken. Die stärkste Gruppe von Verfolgern stellen in Eritrea Regierungsbeamte dar. Sie belästigen und verhaften Christen, insbesondere solche, die zu Kirchen gehören, die nicht von der Regierung anerkannt sind. Die herrschende Partei PFDJ ist ein weiterer Verfolger, der hinter vielen Schwierigkeiten für Christen in Eritrea steht.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

In den Tiefebenen des Landes (in östlichen und westlichen Regionen) schüren Imame in Moscheen und Medressen (Koranschulen) zum Teil antichristliche Stimmungen. In diesen Gebieten sind Christen mit muslimischem Hintergrund starker Verfolgung von Familienangehörigen und des sozialen Umfelds ausgesetzt. 

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Regierungsbeamte, insbesondere Sicherheitskräfte, werden für Straftaten nicht zur Verantwortung gezogen und untergraben die Autorität des Gesetzes in Eritrea. Sie fordern häufig Geld von Christen. Die Existenz dieser Netzwerke von Korruption im Militär und in der regierenden Partei macht das Leben für viele Eritreer und insbesondere für Christen sehr schwer. Sie haben niemanden, der für ihre Rechte eintreten würde.

4. Hintergrund

Auch das „Nordkorea Afrikas“ genannt, befindet sich Eritrea unter den schlimmsten Ländern, was Religions- und Pressefreiheit, Rechtsstaatlichkeit und andere Menschenrechte angeht. Seit 2002 ist Eritrea auf dem WVI, seit 2004 unter den ersten 20 und auf dem WVI 2016 nahm es sogar den dritten Platz ein. Auf dem WVI 2017 belegte Eritrea Platz 10 und im vergangenen Jahr Platz 6. Das eritreische Regime ist absolut autoritär und duldet keine nichtregistrierten Organisationen, keine freie Meinungsäußerung und keinen Widerspruch. Kein Ort im ganzen Land kann als sicher bezeichnet werden, wovon die Zahl der Flüchtlinge aus Eritrea in Europa und weltweit zeugt. Der Umstand, dass viele Menschen das Land verlassen, kommt der Regierung sehr gelegen, da die Flüchtenden ansonsten diejenigen sein könnten, die von der Regierung Veränderungen und Reformen einfordern würden; es ist zudem aus finanzieller Sicht von Vorteil für die Regierung, da Eritreer im Ausland eine Auslandssteuer zahlen müssen.

Laut einem Artikel von „Reporter ohne Grenzen“ vom April 2017 befinden sich mindestens elf eritreische Journalisten ohne Anhörung oder Prozess in Haft: „Eritrea missachtet systematisch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Information. Für Journalisten ist es das größte Gefängnis Afrikas.“ Der Präsident des Landes steht auf der Liste der „Feinde der Pressefreiheit“ von Reporter ohne Grenzen. In dem Bericht steht, dass Afewerki „seine politischen Gegner eliminiert hat und seit 2001 alle unabhängigen Journalisten inhaftierte.“ Auf der Rangliste für Pressefreiheit liegt Eritrea seit acht Jahren auf dem vorletzten Platz – noch hinter Somalia, dem Sudan, China und dem Iran und nur noch vor Nordkorea.

Die eritreische Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass im Land ausschließlich die offiziell anerkannten Religionsgruppen arbeiten dürfen: der sunnitische Islam, die EOC, die römisch-katholische und die lutherische Kirche. Für andere christliche Konfessionen ist es sehr schwer, im Land aktiv zu sein; daher tragen sie die Hauptlast der Verfolgung. Die Einführung eines Registrierungssystems 1997 machte eine große Zahl christlicher Gemeinden illegal. Außer den obengenannten, offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften mussten alle übrigen einen Antrag stellen, um registriert zu werden. Nach einiger Zeit wurde ihnen mitgeteilt, dass sie die Voraussetzungen erfüllen – eine Lizenz wurde jedoch nie ausgestellt. Der Versuch der Regierung, alle religiösen Institutionen zu kontrollieren, fand seinen Höhepunkt in der Amtsenthebung des Patriarchen der EOC, der seit 2007 unter Hausarrest steht.

Der Machtmissbrauch seitens der Regierung und die daraus resultierenden Nöte führten zu Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die letztlich 2013 in einem versuchten Staatsstreich gipfelte. Dieser scheiterte jedoch und Präsident Afewerki gab dem Westen und Äthiopien die Schuld für den Putschversuch. Dadurch nahm auch die Verfolgung der Christen stark zu, die von der Regierung als „Agenten des Westens“ bezeichnet wurden. Dieser Vorfall ermöglichte es außerdem Muslimen, sich der Regierung nach dem Motto „Dein Feind ist auch mein Feind“ anzunähern.

Eritrea wird zudem anhaltend beschuldigt, den Aufstieg und die Verbreitung eines extremistischen Islam am Horn von Afrika zu unterstützen, um einen politischen Vorteil daraus zu ziehen. Die Sanktionen der UN gegen Eritrea wegen der Unterstützung islamistischer Kämpfer in der Region – besonders der Aufrüstung von „Al Shabaab“ – zeigen, dass die eritreische Regierung auch ein Komplize der Christenverfolger außerhalb Eritreas ist, indem sie Mittel und Methoden der Verfolgung an extremistische Gruppierungen weitergibt. Zudem pflegt Eritrea enge Verbindungen zur islamischen Regierung des Sudan und steht Staaten wie Katar, dem Iran und Saudi-Arabien, in denen Christen verfolgt werden, in Bezug auf Kultur, Grundsätze und Geografie nahe. Viele Christen verlassen Eritrea über die Nachbarländer Sudan, Äthiopien und Ägypten und werden zu einer leichten Beute für Menschenhändler, vor allem in der Wüste Sinai. Einige von ihnen wurden gefangen genommen und 2015 in Libyen von Anhängern des „Islamischen Staats" (IS) enthauptet. Tausenden gelang jedoch die gefährliche Reise per Boot über das Mittelmeer nach Europa.

Auf internationaler Ebene ist Eritrea eines der beiden afrikanischen Länder, die vom Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika wegen starken Verstoßes gegen die Religionsfreiheit am 22. Dezember 2017 als „Country of Particular Concern“ (besonders besorgniserregendes Land) eingestuft wurden. In der Pressemitteilung vom 4. Januar 2018 berichtet das Außenministerium, es werden „Regierungen genannt, die systematische, permanente und entsetzliche Verstöße gegen die Religionsfreiheit betreiben oder tolerieren.“ Deshalb stellten Robert P. George und Thomas J. Reese von der „US-Kommission für internationale Religionsfreiheit“ (USCIRF) die Frage, ob „Eritreas Akte in puncto Verbrechen gegen die Menschenrechte und Religionsfreiheit einen Verweis an den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag rechtfertigten“. Ein Untersuchungsausschuss des UN-Menschenrechtsausschusses regte ebenfalls an, die eritreische Regierung vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag anzuklagen. Die Regierung vermutet, dass der Bericht des Untersuchungsausschusses nur mit Hilfe von Informanten in Eritrea möglich war.

Der Besuch des neuen äthiopischen Premierministers in Eritrea und die Unterzeichnung eines Friedensvertrags am 9. Juli 2018 waren die größten Überraschungen des Jahrzehnts. Mit dem Friedensvertrag endeten offiziell Jahrzehnte eines diplomatischen und bewaffneten Unfriedens. 1998 war ein zweijähriger Krieg zwischen den beiden Ländern ausgebrochen, in dem mehr als 70.000 Menschen ihr Leben ließen und Familien getrennt wurden. 20 Jahre später nehmen die beiden Länder ihre wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen wieder auf. Die Fluggesellschaft „Ethiopian Airlines“ wird Asmara wieder anfliegen, und Äthiopien den Hafen von Assab erneut nutzen. Diese Nachrichten sind als historisch und vollkommen überraschend zu werten. Allerdings gibt es keinen Hinweis darauf, dass hunderte Christen, die derzeit im Gefängnis sind, davon profitieren und in naher Zukunft entlassen werden.

5. Betroffene Christen

Alle vier im Weltverfolgungsindex erfassten Gruppen von Christen sind in Eritrea vertreten. Die verschiedenen Gruppen sind in unterschiedlichen Ausmaßen und Formen von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und sich mit anderen Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst die EOC, die anglikanische, evangelisch-lutherische sowie römisch-katholische Kirche. Die Christen aus traditionellen Kirchen leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süderitrea. Sie erleiden Verfolgung durch Islamische Unterdrückung und die Regierung.

Christliche Konvertiten

Diese Gruppe schließt sowohl Christen ein, die die traditionellen Kirchen (insbesondere die EOC) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund. Der ersten Kategorie widerfährt starke Verfolgung durch die EOC, der zweiten Kategorie durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe erfährt die stärkste Verfolgung im Land. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden werden als „Agenten des Westens“ angesehen. Pfingstgemeinden werden besonders hart von Regierungsbeamten und der EOC verfolgt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.7
Familienleben 14.9
Gesellschaftliches Leben 15.8
Leben im Staat 16
Kirchliches Leben 15.2
Auftreten von Gewalt 9.4

Grafik: Verfolgungsmuster Eritrea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Eritrea ist extrem hoch (15,3 Punkte) und gegenüber dem WVI 2018 (15,4) nur minimal gesunken.
  • Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck auf Christen nicht auf extrem hohem Niveau wäre. Am stärksten ist der Druck im Bereich „Leben im Staat“ (16,0 Punkte). Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für die Verfolgung von Christen im Land ist.
  • Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ bleibt auf dem sehr hohen Niveau von 9,4 Punkten wie bereits im vergangenen Jahr. Viele Christen müssen aufgrund ihres Glaubens weiter im Gefängnis ausharren.

Privatleben

Die Regierung macht den Alltag für jeden Einzelnen sehr kompliziert und greift stark in das Privatleben ein. Viele Häuser von Christen wurden im Berichtszeitraum Ziel von Durchsuchungen, die zu Verhaftungen und der Beschlagnahmung von christlichem Material führten. Die Einschränkung der Religionsfreiheit gegen Christen geht soweit, dass Beamte Häuser nur aufgrund des Verdachts durchsuchen lassen, der Bewohner gehöre einer der sogenannten „neuen Formen des Christentums“ an. Die regierende Partei strebt danach, den Alltag von Angehörigen der christlichen Minderheiten zu überwachen. Parteikader und Sicherheitskräfte der regierenden PFDJ können Privathäuser ohne richterliche Genehmigung durchsuchen. Das Ziel sind dabei vor allem Christen, die sich im Geheimen zum Gebet treffen. Der private Besitz von christlichen Materialien wie der Bibel, Bibellexika, theologischen Büchern, CDs mit Predigten oder Kleidung mit christlichen Aufdrucken werden von der Partei als Verrat angesehen und führt zu willkürlicher Gefangenschaft für unbestimmte Zeit, ohne dass ein Gericht darüber entscheiden muss.

Familienleben

Für Christen in Eritrea ist auch das Familienleben bedroht. Familien zerfallen, weil Familienmitglieder durch die Regierung verhaftet und verschleppt werden. Manche Familienmitglieder sind gezwungen, aus dem Land zu fliehen und lassen schutzbedürftige Verwandte zurück. Der Konfessionelle Protektionismus führt außerdem zur Verweigerung von Erbschaften und familienbezogenen Rechten für einige Christen. Die Islamische Unterdrückung führt dazu, dass Christen in Regionen, die hauptsächlich von Muslimen dominiert werden, vielfältige Schwierigkeiten erleben. Beispielsweise können Christen muslimischer Herkunft keine öffentliche christliche Heirat durchführen, und im Todesfall werden sie nach muslimischem Ritus begraben. Planen Christen, die der „neuen Religion" folgen (hiermit sind vor allem Christen aus Pfingstgemeinden gemeint), eine Hochzeit, beginnen die Probleme bereits bei der Suche nach einem Veranstaltungsort für die Feier. Die meisten Hallen werden von der Regierung kontrolliert. Weil sie Angst vor Konsequenzen vonseiten der Regierung haben, vermieten Hallenbesitzer nicht an Protestanten; die meisten Besitzer sind jedoch auch aus eigener Überzeugung nicht bereit, ihre Halle für eine protestantische Hochzeitsfeier zur Verfügung zu stellen. Ein anderes Problem ist die Suche nach einem Pastor, der die Trauung durchführt. Es ist zu Vorfällen gekommen, bei denen das Hochzeitspaar, der Pastor und Gäste verhaftet wurden. Pastoren, die nicht der EOC angehören, riskieren ihre Freiheit, wenn sie ein protestantisches Paar trauen. Nach der Hochzeit erkennt das Land die Ehe außerdem nicht an, da nicht registrierte Kirchen nicht die Erlaubnis haben, Hochzeiten durchzuführen.

Gesellschaftliches Leben

Es ist bekannt, dass die Regierung Nachbarn anwirbt, um alle christlichen Aktivitäten im Ort auszuspionieren. Daraus ergeben sich zunehmend eigenartige Allianzen: Im Auftrag der Regierung überwachen beispielsweise Muslime die Aktivitäten protestantischer freikirchlicher Christen in ihrer Region, vor allem jedoch die Missionstätigkeit unter Muslimen. Um ein Geschäft betreiben zu können, müssen Christen einen Nachweis über ihren Militärdienst vorweisen können; außerdem haben Christen keinen Zugang zu weiterführenden Schulen und höherer Bildung, wenn sie nicht für den Militärdienst registriert sind. Aufgrund des stark gemeinschaftsorientierten Lebensstils in Ostafrika, ist es undenkbar, dass der Glaube keinen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben und den Alltag eines Christen hat: Weil sie Angst haben, dass ihre Kinder auch Christen werden könnten, erlaubt der Großteil der muslimischen Familien seinen Kindern nicht, mit Kindern von christlichen Konvertiten zu spielen. Solch eine Ausgrenzung dehnt sich auf Familien und ihre Beziehungen aus. Die Intensität der Drohungen und Hindernisse sind in ländlichen Gegenden höher, denn Toleranz und Akzeptanz sind hier weitaus seltener zu finden als in urbanen Gegenden. In den meisten Fällen offenbaren Christen in ländlichen Gebieten ihren Glaubenswechsel nicht, weil sie Angst vor Diskriminierung haben. In manchen Fällen geht der ausgeübte Druck auf christliche Konvertiten so weit, dass sie dazu gezwungen werden, ihrem neuen Glauben abzuschwören oder die Dorfgemeinschaft zu verlassen. Es gab auch Fälle, in denen christlichen Konvertiten der Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen wie Gesundheitsfürsorge, Trinkwasser und Schulen für die Kinder verwehrt wurde.

Leben im Staat

Wie schon erwähnt, wird Eritrea als das „Nordkorea Afrikas“ bezeichnet und vom Außenministerium der Vereinigten Staaten als „Country of Particular Concern“ (besonders besorgniserregendes Land) eingestuft, unter anderem wegen der extrem eingeschränkten Religionsfreiheit. Aus diesem Grund ist der Wert für den Bereich „Leben im Staat“ von allen Lebensbereichen des Weltverfolgungsindex am höchsten. Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur offiziell anerkannte Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen. Der Patriarch der EOC wird von der Regierung ernannt und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Die Regierung ist dafür bekannt, dass sie Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 aus dem Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, am Wehrdienst teilzunehmen. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen erleben demnach große Schwierigkeiten, wenn sie den Dienst verweigern oder abbrechen.

Der oben beschriebene Druck wird dadurch verstärkt, dass sich der Staat weigert, andere religiöse Gruppen als die vier bisher registrierten (Islam, EOC, lutherische und römisch-katholische Kirche) anzuerkennen. Die Gruppen, welche sich zur Registrierung gemeldet hatten, erhielten einen Erlaubnisstatus. Dieser brachte ihnen zunächst einige Vorteile (zumindest 1997, als die Regierung die Registrierungen anordnete), allerdings wurden diese Vorteile mit der Zeit immer weniger. Diese Verweigerung der Anerkennung wird von lokalen Leitern und der Polizei als Rechtsgrund genutzt, um Christen, die zu nicht registrierten Gemeinschaften gehören, zu belästigen und einzuschüchtern. Es geschieht sehr häufig, dass Parteikader und Polizei solche Bürger verhaften und verhören, die sie verdächtigen, einer nicht registrierten religiösen Gruppe anzugehören. Bestätigt sich der Verdacht, wird er oder sie in den meisten Fällen in eines der Arbeitslager gebracht, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Nach der Entlassung aus einer solchen ungerechtfertigten Haft wird der Person befohlen, ihren Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Versäumt dies die Person, wird sie erneut eingesperrt.

Kirchliches Leben

Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen, ist jedoch nahezu unmöglich. Häufig kommt es zu Razzien bei geheimen Treffen von Christen, was zeigt, dass die Regierung über einen ausgedehnten Geheimdienstapparat verfügt. Christen von nicht offiziell registrierten Gemeinden müssen ständige Beschattung fürchten. Seit der Unabhängigkeit Eritreas konnten Christen aus protestantischen Freikirchen noch nie in Freiheit und ohne das Risiko, verhaftet, eingesperrt oder sogar getötet zu werden, Gottesdienst feiern. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter ein. Beispielsweise steht der eritreisch-orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, seit Mai 2007 unter Hausarrest. Darüber hinaus können religiöse Gruppen keine Dokumente oder andere Materialien drucken oder verteilen, ohne vorher die Erlaubnis der Religionsbehörde erhalten zu haben. Seit 2002 haben die Behörden keiner weiteren Gruppe neben den vier bisher anerkannten religiösen Gruppen die Registrierung zugestanden.

Auftreten von Gewalt

Noch immer sind hunderte Christen inhaftiert. Diese Christen werden von dem Regime unter äußerst schlechten Bedingungen festgehalten, einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden. Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Manche von ihnen sind noch nach mehr als zehn Jahren im Gefängnis.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Christinnen sind enormen Herausforderungen ausgesetzt. Sowohl Christinnen, die die EOC verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben als auch Christinnen mit muslimischem Hintergrund werden immer wieder zwangsverheiratet und dazu gezwungen, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Frauen werden ebenfalls zum verpflichtenden Militärdienst eingezogen, Männer sind davon jedoch noch stärker betroffen.

Männer

Männliche Christen sind in Eritrea vor allem Opfer des verpflichtenden Militärdienstes. Aus diesem Grund versuchen viele junge Eritreer, aus dem Land zu fliehen. Viele hoffen darauf, dass das Friedensabkommen zwischen Eritrea und Äthiopien diese Situation ändern wird. Das Abkommen könnte bedeuten, dass es nicht mehr nötig ist, Eritreer zum Armeedienst zu zwingen, da einer der Hauptgründe, den die Regierung für den verpflichtenden Dienst anführte, der Erzfeind Äthiopien, nun ein Freund des Landes ist. 

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Außer Christen erleben auch Angehörige anderer religiöser Minderheiten Verfolgung. Hier sind beispielsweise Muslime zu nennen, die sich gegen die Regierung stellen, sowie die Zeugen Jehovas. Die Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity Worldwide“ berichtete im April 2018, dass zwei Anhänger der Zeugen Jehovas im Gefängnis gestorben seien.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Seit über einem Vierteljahrhundert wird Eritrea von einem Einparteiensystem regiert. Diese hat die fundamentalen Rechte der Bürger stark beschnitten. Das Regime ist immer noch mächtig genug, um den Bürgern seine strenge Herrschaft aufzuzwingen. Isoliert und von der internationalen Gemeinschaft verurteilt, hat Eritrea auch Sanktionen durch die UN auferlegt bekommen. Die Wirtschaft des Landes ist zusammengebrochen, die Lebensqualität gesunken. Durch das Zusammenspiel von verpflichtendem Wehrdienst, Verfolgung und harten, ökonomischen Bedingungen sahen sich tausende Eritreer gezwungen, aus dem Land zu fliehen. Einige von ihnen sind in den Händen von Menschenhändlern gelandet, etwa in Libyen. 

Ungeachtet des Protestes internationaler Menschenrechtsorganisationen und des Berichtes des UN-Menschenrechtsausschusses über Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Regierung Eritreas, musste sich das Regime bisher noch nicht für seinen umfangreichen Katalog an Menschenrechtsverletzungen verantworten, geschweige denn ernsthafte Konsequenzen auf sich nehmen. Stattdessen sucht das Land nach Wegen, wieder stärkere Beziehungen mit westlichen Ländern zu knüpfen. Der Besuch eines ranghohen US-Diplomaten in der Hauptstadt Asmara ist eine Frucht dieser Bemühungen. Wichtiger ist jedoch, dass das Land seine Beziehungen zu Äthiopien wieder aufgenommen hat.

Der Ausblick für Christen

Christen werden weiterhin unter der Regierung leiden – insbesondere solche Christen, die vom Regime als „Agenten des Westens" angesehen werden. Hunderte Christen, die sich im Gefängnis befinden, werden in naher Zukunft nicht entlassen werden. Um freizukommen werden sie weiterhin Erklärungen unterzeichnen müssen, in denen sie ihrem Glauben entsagen. Das gilt weiterhin für die Mehrheit der Gefangenen, auch wenn im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2019 laut Berichten etwa 30 Christen aus dem Gefängnis entlassen wurden. So wie die Regierung werden auch die EOC und extremistische Muslime auch künftig Christen verfolgen, die einen anderen konfessionellen oder muslimischem Hintergrund haben oder Pfingstgemeinden angehören.

Schlussfolgerung

  • Unterdrückte und verfolgte Eritreer werden weiterhin aus dem Land fliehen. Da Eritrea einen Friedensvertrag mit Äthiopien unterzeichnet hat, könnte Äthiopien in naher Zukunft als Fluchtweg wegfallen.
  • Die eritreische Regierung wird an ihrem autoritären Kurs festhalten. Trotz der positiven Entwicklung zwischen westlichen Ländern und Eritrea wird die Regierung auch künftig Christen aus protestantischen Freikirchen als „Agenten des Westens“ einstufen.
  • Die eritreische Regierung wird weiterhin alle Eritreer dazu zwingen, Wehrpflicht zu leisten und für lange Zeit in der Armee zu dienen, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu achten. Einige Beobachter hoffen, dass sich der Umfang des Wehrdienstes aufgrund des Friedensabkommens zwischen Eritrea und Äthiopien verringern könnte.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritra:

  • 2018 einigte sich Eritrea auf ein Ende der Feindschaft mit Äthiopien. Danken Sie Gott für diese großartige Entwicklung und dass die Öffnung des Landes hin zur internationalen Gemeinschaft zu einer großen Verbesserung der Situation für Christen führt.
  • Trotz der vielversprechenden Entwicklung führen Christen ihre Gottesdienste im Geheimen fort. Hunderte Christen bleiben wegen des Auslebens ihres Glaubens außerhalb der drei anerkannten Kirchen inhaftiert. Es gab sogar neue Festnahmen von Christen. Beten Sie, dass Jesus Christus den Gefangenen körperliche und geistliche Kraft gibt, und dass jeder von ihnen Hoffnung, Mut und Durchhaltevermögen erhält und Gottes Gegenwart in dieser schwierigen Zeit spürt.
  • Beten Sie, dass das Evangelium trotz der Einschränkungen verbreitet und das Wort Gottes in diesen schwierigen Umständen weitergegeben wird, damit viele Menschen erfahren, dass sie die Rettung durch Jesus Christus brauchen. Beten Sie für Einigkeit in der eritreischen Kirche und dass das Misstrauen zwischen den verschiedenen Gruppen beseitigt wird.
  • Eritreische Christen äußern eine große Besorgnis wegen der extremistischen Entwicklung des Islam in ihrem Land. Beten Sie, dass sie den Mut haben, Menschen anderen Glaubens zu erreichen und dass viele zum Glauben an Jesus finden.
  • Beten Sie für Open Doors und die Unterstützung der eritreischen Kirche durch Gebet, Einsatz und praktische Hilfe, um Gott zu verherrlichen und das Reich Gottes in diesem Teil der Welt auszudehnen.

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