Länderprofil Eritrea

Eritrea

6
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Eritrea
Hauptreligion
Christentum / Islam
Platz Vorjahr
7
ISO
ER
Karte Eritrea
Christen
2,49
Bevölkerung
5.31
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.500
Familienleben: 14.900
Gesellschaftliches Leben: 15.900
Leben im Staat: 15.900
Kirchliches Leben: 15.400
Auftreten von Gewalt: 10.900

Länderprofil Eritrea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 6 / 87 Punkte (WVI 2019: Platz 7 / 86 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Junge Christen werden durch die Gesetze des Landes gezwungen, Teil des Militärs zu werden, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu haben. Insbesondere Protestanten habe große Probleme, gemeinschaftlich genutzte Ressourcen zu erhalten, vor allem Sozialleistungen vom Staat. Christen, die nicht den traditionellen Kirchen angehören, werden am stärksten durch die Regierung und die eritreisch-orthodoxe Kirche (EOC) verfolgt. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die EOC verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, werden von ihren Familien und ihrem Umfeld misshandelt. Sicherheitskräfte der Regierung führten viele Durchsuchungen von Häusern durch und verhafteten hunderte Christen. Der extreme Druck und das sehr hohe Niveau an vom Staat ausgehender Gewalt bringt einige Christen dazu, aus dem Land zu fliehen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Hunderte Christen werden von dem Regime unter äußerst schlechten Bedingungen festgehalten; einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden. Berichten zufolge wurden im Juli 2018 etwa 30 Christen freigelassen – die beschriebene Praxis setzt sich dennoch fort. Zwischen Juni und August 2019 wurden mehr als 150 Christen in Keren und Godayef verhaftet. Der Bericht dazu von „Vatican News“ vom 29. August 2019 schreibt: „Die 70 Gefangenen, die im Juni verhaftet wurden, werden im Gefängniskomplex Ashufera festgehalten. ‚Gefängnis‘ bedeutet hier ein System von unterirdischen Tunneln, das die Gefangenen durch Graben noch erweitern müssen.“
  • Der Druck, den die EOC auf Gemeinschaften ausübt, die nicht den traditionellen Kirchen angehören, geht zum Teil auf theologische Unterschiede zwischen den Konfessionen zurück, hat aber auch historische Wurzeln. Die gut organisierte EOC mit ihrer langen Tradition betrachtet andere christliche Denominationen als „Neuankömmlinge“. Den geistlichen Leitern der EOC gilt Eritrea als Heimat der orthodoxen Kirche. Für sie ist die christliche Tradition des Landes durch die orthodoxe Kirche begründet und neben ihr haben andere Denominationen – insbesondere Pfingstkirchen – keinen legitimen Platz.
  • Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Manche von ihnen sind noch nach mehr als zehn Jahren im Gefängnis. Einige der bekannten Gefängnisse und Gefangenenlager sind Mai Sirwa, Adi Abieto, Keren, Assab, Hashferai, Barentu, Mai Idaga und Alla oder sie befinden sich in den Polizeistationen in der Hauptstadt Asmara. Viele der Gefangenen werden gezwungen, überlang in kommerziellen Blumenfeldern zu arbeiten. Einige namentlich bekannte Christen, die seit über zehn Jahren inhaftiert sind, heißen: Haile Naigzhi, Leiter der „Eritrea Full Gospel Church“ (inhaftiert seit 2004); Kiflu Gebremeskel, Gründer und Pastor der „Southwest Full Gospel Church“ (seit 2004); Million Gebreselasie, Dr. med. und Pastor der „Massawa Rhema Church“ (seit 2004); Tekleab Menghisteab, Dr. med. und Priester (seit 2004); Gebremedhin Gebregiorsis, Priester (seit November 2004), Kidane Weldou, Pastor der „Full Gospel Church“ (vermisst seit 2005, aber vermutlich inhaftiert) und Abune Antonios, Patriarch der EOC (unter Hausarrest seit 2007).

Meldungen und Beiträge zu Eritrea

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Am 10. Mai verhafteten Sicherheitskräfte in der eritreischen Hauptstadt Asmara 141 Christen, darunter auch 14 Kinder und Jugendliche.
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Das Regime des eritreischen Herrschers Isiaha Afewerki verfolgt Christen auf das Schärfste, weil sie sie als „Agenten des Westens“ und damit als eine Bedrohung für den Staat und die Regierung ansieht.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 87 Punkten belegt Eritrea Platz 6 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Der Anstieg um einen Punkt gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 ist bedingt durch einen Anstieg im Bereich „Auftreten von Gewalt“ gegen Christen. Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck nicht extrem ist. Am stärksten ist der Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Gesellschaftliches Leben" (je 15,9 Punkte). Dadurch spiegelt sich wider, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für den Druck auf Christen im Land ist.

Obwohl es große Hoffnungen gibt, dass das Friedensabkommen mit Äthiopien und die Wiederöffnung der Grenzen die Menschenrechtssituation im Land verbessert und insbesondere auch Religionsfreiheit gewährleistet wird, bleibt die Situation für viele Christen in Eritrea derzeit unerträglich. Wie in den vorhergehenden Berichtszeiträumen führten Regierungstruppen zahlreiche Razzien gegen Christen durch. Dabei wurden christliche Materialien konfisziert und einige Hauskirchengebäude beschädigt. Hunderte Christen wurden in Gefangenenlager gebracht. Es wird berichtet, dass es tausende politische Gefangene in Eritrea gibt – unter ihnen befinden sich ebenfalls zahlreiche Christen. Viele hoffen darauf, dass durch die sich bessernde Beziehung zwischen Eritrea und Äthiopien der Druck auf Christen nachlässt und sogar Gefangene entlassen werden könnten. Viele Eritreer nutzten jedoch die Chance, nach Äthiopien zu fliehen, nachdem die Grenzen zwischen den beiden Ländern geöffnet wurden. Das weist darauf hin, dass es bisher keine Verbesserungen der Menschenrechte im Land gibt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Konfessioneller Protektionismus

Die eritreisch-orthodoxe Kirche (EOC) hat eine lange Tradition in Eritrea und setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden manchmal unter Druck. Auf sie wird als „Neuankömmlinge“ herabgesehen. Besonders pfingstkirchliche Gemeinschaften werden als nicht legitim angesehen. Ein Feldforscher sagt dazu: „Es gibt große Vorbehalte unter orthodoxen Christen, Mitchristen, die einer anderen Denomination angehören, als Christen zu akzeptieren. Diese Vorbehalte manifestieren sich in unterschiedlichen Formen in verschiedenen Teilen des Landes. Während der Grund hierfür zum großen Teil in theologischen Differenzen besteht, spielt die Angst eine Rolle, der prägende Einfluss, welchen die orthodoxe Kirche seit Jahrhunderten auf das Leben der Bürger des Landes hat, könnte verloren gehen.“ Christen, die der EOC angehören, sind jedoch ebenfalls Verfolgung ausgesetzt – von der Regierung und durch „Islamische Unterdrückung“.

Diktatorische Paranoia

Seit dem Referendum von 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation. Seither übt die „People’s Front for Democracy and Justice“ (PFDJ) unter der Führung von Präsident Isaias Afewerki uneingeschränkte Macht aus. Das Regime ist ein absolut autoritäres System, das alles tut, um seine Macht zu erhalten: Christen wurden verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als „Agenten des Westens“ und damit als Bedrohung für den Staat und die Regierung gesehen werden.

Quellen im Land zufolge bereitet der Präsident seinen Sohn darauf vor, seine Nachfolge anzutreten. Ein Experte für Eritrea sagt: „Nach Jahrzehnten des blutigen Krieges um die Unabhängigkeit, der für zehntausende Tote sowie für tausende Verletzte verantwortlich ist, war das Letzte, was die Bevölkerung erwartet hätte, dass die machthabende Partei ein weiteres unterdrückerisches Regime darstellen würde. Dennoch formte die PFDJ entgegen ihren Versprechungen während des bewaffneten Kampfes ein absolut autoritäres Regime, in dem keine abweichende Meinung geduldet wird. Das wichtigste Ziel der Partei ist, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“ In diesem Kontext verfolgt die Regierung Christen.

Einige Analysten glauben, dass sich die eritreische Regierung dafür öffnet, Menschenrechte zu gewähren und eine Demokratie einzuführen. Diese Ansicht missversteht jedoch die Natur der eritreischen Regierung. Sie hat trotz der jüngsten Versuche, die Beziehungen mit angrenzenden und westlichen Ländern zu verbessern, nicht die geringste Bereitschaft gezeigt, sich im Hinblick auf ihre inneren Angelegenheiten zu verändern.

Islamische Unterdrückung

Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Diese wohnen größtenteils in den Tiefebenen entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan. Viele von ihnen zeigen eine Tendenz zum Extremismus, zum Teil auch aufgrund der wachsenden Präsenz des militanten Islam in der Region. Christen in diesen Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere wenn sie muslimischer Herkunft sind. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer.

Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem islamischen Glauben. Ein Experte stellt fest: „Diese Triebkraft ist in den Hochebenen nicht so stark wie in den abgelegenen Teilen des Landes, in denen der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist. Obwohl extremistische Gruppen einen islamischen Staat formen wollen, wurde die Verbreitung solcher Vorstellungen durch die Regierung verhindert, die extremistische Gruppierungen nicht duldet, da sie in ihnen eine Gefährdung ihrer Macht sieht. Trotzdem bedrohen einige solcher Gruppen das christliche Leben, insbesondere der Christen, die in den Tiefebenen des Landes leben. Christen können ihren Glauben dort nicht frei ausüben und sie haben es nicht einfach, für ihre Kinder Schulen zu finden, die von den extremistischen Lehren dieser Gruppen frei sind.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Laut dem im Februar 2018 veröffentlichten Jahresbericht von „Transparency International“ belegt Eritrea Rang 165 von 180 Ländern. Dies betrifft insbesondere das Militär, das viele Bereiche des Lebens im Land kontrolliert. Ein Experte sagt: „Die Armee ist der stärkste Zweig der Regierung, und Korruption und der Missbrauch von Macht greifen auf verschiedenen Ebenen um sich. Ein Beispiel ist, dass von Christen Bestechungsgelder verlangt werden, ertappt man sie bei einem Fluchtversuch. Können sie diese Gelder nicht bezahlen, droht ihnen willkürliche Gefangenschaft oder sogar der Tod.“

3. Verfolger

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter anderer Kirchen: Die EOC ist die älteste christliche Gemeinschaft im Land, und die meisten Christen des Landes gehören ihr an. Ihre Leiter üben einen großen Einfluss auf viele Bereiche des Lebens aus. Das Problem dabei ist, dass die Kirche neue christliche Gemeinden im Land nicht willkommen heißt, insbesondere Pfingstgemeinden. Leiter der EOC sind dafür bekannt, aktiv zu versuchen, die Ausbreitung anderer christlicher Glaubensgemeinschaften zu verhindern.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Verlässt jemand die EOC, um sich einer anderen Denomination anzuschließen, machen Familienangehörige ihm das Leben schwer. Eine solche Hinwendung zu einer anderen Denomination wird von ihnen als Verrat an den Familienwerten und am Glauben der Vorväter angesehen. Deswegen ist es keine Überraschung, wenn ein Verwandter einen Regierungskontakt informiert, wenn ein Angehöriger sich einer anderen Denomination zugewendet hat.
  • Regierungsbeamte: Einige Regierungsbeamte versuchen, ihren eigenen orthodoxen Glauben zu verteidigen, und verfolgen aus diesem Grund Christen anderer Denominationen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Eritrea ist keine Demokratie. Die Regierung des Landes ist dafür bekannt, die Freiheit ihrer Bürger zu unterdrücken. Regierungsbeamte belästigen und verhaften Christen, insbesondere Christen, deren Denomination nicht von der Regierung anerkannt ist. Ein Experte für das Land hält fest: „Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Eritrea praktisch nur von einem Mann regiert wird. Wegen verschiedener Begebenheiten während der Jahre des bewaffneten Kampfes für die Unabhängigkeit haben der Präsident und die meisten seiner engen Mitarbeiter eine negative Einstellung bezüglich der Rolle der Kirche im Alltag der Eritreer. Es besteht ein starkes Gefühl unter den Anführern des Landes, einschließlich des Präsidenten, dass Kirchen (orthodoxe wie protestantische) ein Hindernis für die neue nationale Identität sind, die die herrschende Gruppe im Land schaffen will. Es muss auch festgehalten werden, dass die Nähe zum Kommunismus der derzeitigen Anführer des Landes ein wichtiger Grund ist, warum sie organisierte religiöse Institutionen ablehnen. Das Ausmaß der Beteiligung von Regierungsbeamten auf verschiedenen Ebenen an Verfolgung variiert von Region zu Region, aber es muss darauf hingewiesen werden, dass alles, was von Kirchen oder ihren Mitgliedern als Bedrohung für die derzeit bestehende absolute Kontrolle angesehen wird, bestraft wird. Die Inhaftierung von Christen, die sich weigern, an der nationalen Militärausbildung an der berüchtigten ‚Sawa Military Academy‘ teilzunehmen, ist ein gutes Beispiel für die Verfolgung von Christen durch Regierungsbeamte auf lokaler und nationaler Ebene.“
  • Politische Parteien: Die herrschende Partei PFDJ ist verantwortlich für viele der Schwierigkeiten, denen sich Christen in Eritrea gegenübersehen. Ein Experte für das Land erklärt: „Die PFDJ ist die einzige legale politische Partei in Eritrea. Der Verfassungsentwurf von 1997 wurde noch immer nicht bestätigt – was die Partei entscheidet, tritt in Abwesenheit von Opposition oder demokratischen Prozessen einfach gesetzlich in Kraft. Als herrschende Partei des Landes war es die Aufgabe der PFDJ, die Rechte von Christen im Land zu respektieren und zu schützen. Doch in der Realität ist genau die Partei, die religiösen Gruppen Schutz gewähren sollte, diejenige, die für Verfolgung verantwortlich ist. Die PFDJ setzt Nötigung, Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen und Morde ein, um Gehorsam sicherzustellen, während sie gleichzeitig versucht, verschiedene Gruppen im Land (einschließlich religiöser Gruppen) gegeneinander auszuspielen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Zumeist geht Verfolgung von islamischen Leitern als Teil der Triebkraft Islamische Unterdrückung aus. Ihr Einfluss auf die Verfolgung von Christen geht oft jedoch Hand in Hand mit den Behörden.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In den Tiefebenen des Landes (in östlichen und westlichen Regionen) schüren Imame in Moscheen und Medressen (Koranschulen) manchmal antichristliche Stimmungen. Sie spielen so eine wichtige Rolle in der Verbreitung einer gegen Christen gerichteten Haltung unter ihren Anhängern, was wiederum zu Verfolgung führt.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen muslimischer Herkunft sind oft in ihrem eigenen Zuhause Verfolgung ausgesetzt. Deshalb verheimlichen sie ihren Glauben häufig und können keine religiösen Materialien besitzen. Da das gesellschaftliche Leben kaum Privatsphäre bietet, hat die erweiterte Familie weitgehende Macht über die Angehörigen.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte, insbesondere Sicherheitskräfte, werden für Straftaten nicht zur Verantwortung gezogen und untergraben die Autorität des Gesetzes in Eritrea. Es ist bekannt, dass sie Christen Geld abpressen.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Existenz von kriminellen und korrupten Netzwerken im Militär und in der Partei macht das Leben für viele Eritreer und insbesondere für Christen sehr schwer. Sie haben niemanden, der für ihre Rechte eintreten würde.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

„Diktatorische Paranoia“ ist im gesamten Land vorhanden. Islamische Unterdrückung jedoch findet sich vor allem in den Tiefebenen, sowohl im Westen als auch im Osten des Landes. Brennpunkte des „Konfessionellen Protektionismus“ sind die Hochebenen.

5. Betroffene Christen

Alle vier im Weltverfolgungsindex erfassten Gruppen von Christen sind in Eritrea vertreten. Die verschiedenen Gruppen sind in unterschiedlichen Ausmaßen und Formen von Verfolgung betroffen.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Druckes sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und sich mit anderen Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst die eritreisch-orthodoxe Kirche, Anglikaner, die evangelisch-lutherische sowie die römisch-katholische Kirche. Die Christen aus traditionellen Kirchen leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süderitrea. Sie erleiden Verfolgung durch Islamische Unterdrückung und die Regierung.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Gruppe schließt sowohl Christen, die traditionelle Kirchen (insbesondere die EOC) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund ein. Der ersten Kategorie widerfährt starke Verfolgung durch die EOC, der zweiten Kategorie durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe erfährt die stärkste Verfolgung im Land. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden werden von der Regierung als „Agenten des Westens“ angesehen. Pfingstgemeinden werden besonders hart von Regierungsbeamten und der EOC verfolgt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 14.5
Familienleben 14.9
Gesellschaftliches Leben 15.9
Leben im Staat 15.9
Kirchliches Leben 15.4
Auftreten von Gewalt 10.9

 

Grafik: Verfolgungsmuster Eritrea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Eritrea ist mit 15,3 Punkten extrem.
  • Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck nicht extrem ist. Am stärksten ist er in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Gesellschaftliches Leben“ (je 15,9 Punkte). Dadurch wird widergespiegelt, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für den Druck auf Christen im Land ist. Es zeigt auch, dass Christen starke Verfolgung durch das soziale Umfeld erleiden, insbesondere durch Konfessionellen Protektionismus.
  • Die Punktzahl für Auftreten von Gewalt ist sehr hoch und von 9,4 Punkten auf 10,9 Punkte gestiegen. Noch immer müssen viele Christen aufgrund ihres Glaubens im Gefängnis ausharren. Von einigen ist nicht bekannt, wo sie sich befinden und ob sie überhaupt noch am Leben sind.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, auch in Internetblogs oder sozialen Medien: Allgemein gesprochen ist die Meinungsfreiheit in Eritrea in allen Formen eingeschränkt. Dem persönlichen Glauben in sozialen Medien Ausdruck zu verleihen, ist riskant und kann zur Verhaftung führen. Auch eine verstärkte Überwachung kann die Folge solcher Posts sein. Die Behörden versuchen so, das Umfeld der Person aufzudecken, um eine Gruppen- oder Massenverhaftung vornehmen zu können. Dies trifft auf alle Christen zu, selbst die aus registrierten Kirchen. Ein Experte sagt dazu: „Die Regierung schränkt die Meinungsfreiheit stark ein – allgemein und bei Christen ganz besonders. Eine Bezeugung des Glaubens wird als Zeichen des Widerstands gewertet.“
  • Für Christen ist es riskant, sich mit anderen Christen zu treffen. Die Einschränkung der Religionsfreiheit gegen Christen geht so weit, dass Beamte Häuser nur aufgrund des Verdachts durchsuchen lassen, der Bewohner gehöre einer der sogenannten „neuen Formen des Christentums“ an. Die regierende Partei strebt danach, den Alltag von Angehörigen der christlichen Minderheiten zu überwachen. Parteikader und Sicherheitskräfte des Landes können Privathäuser ohne richterliche Genehmigung durchsuchen. Das Ziel sind dabei vor allem Christen, die sich im Geheimen treffen, und ihre Gebetsgruppen. Das macht es Christen sehr schwer, sich zum Gebet und Bibelstudium zu treffen.
  • Es ist für Christen gefährlich, auf christliches Radio, Fernsehen oder christliches Material im Internet zuzugreifen: Die Regierung greift stark in das Privatleben einzelner Menschen ein. Viele Häuser von Christen wurden im Berichtszeitraum Ziel von Durchsuchungen, die zu Verhaftungen und der Beschlagnahmung von christlichem Material führten. Das bedeutet, dass es immer riskant ist, christliches Radio oder Fernsehen zu empfangen, da Beamte der Regierung jederzeit an der Tür klopfen könnten oder eine Person überwachen. Ein Experte für das Land beschreibt: „Selbst ohne das sensible Element der Religion werden Medien zensiert und alles, was als Bedrohung der herrschenden Partei angesehen wird, wird beseitigt. Die Regierung hat die absolute Kontrolle darüber, auf welche Medien und Inhalte die Bürger Zugriff haben. Wenn herausgefunden wird, dass ein Christ einen Medienkanal nutzt, der von der Regierung verboten ist, wird diese Person sehr wahrscheinlich verhaftet werden.“
  • Es ist für Christen sogar riskant, allein ihren Glauben auszuüben etwa zu beten, die Bibel zu lesen oder Ähnliches. Der private Besitz von christlichen Materialien wie der Bibel, Bibelkommentaren, CDs mit Predigten oder Kleidung mit christlichen Aufdrucken wird von der Partei als Verrat angesehen und führt zu willkürlicher Gefangenschaft für unbestimmte Zeit, ohne dass ein Gericht darüber entscheiden muss.

Familienleben

  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Es ist sehr schwer für Christen, ihre Kinder gemäß ihrem Glauben aufzuziehen. Ein Experte beschreibt es so: „Das Land ist unter absoluter Kontrolle der herrschenden Partei. Eines der Probleme dieser absoluten Kontrolle ist, dass das Recht von Eltern (insbesondere von Eltern, die nicht den traditionellen Kirchen angehören) beschnitten wird, ihre Kinder so zu erziehen, wie es ihrem Glauben entspricht.“
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an antichristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Durch die Propaganda der Regierung in Schulen werden Schulkinder indoktriniert. Bei der militärischen Ausbildung von Jugendlichen gibt es vieles, was christlichen Werten direkt widerspricht. Auch während der Grundschul- und Sekundarschulbildung werden Kinder indoktriniert. Dies betrifft jedoch nicht ausländische Christen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Dieses Problem hat viele Ebenen. Kinder von Eltern, die als „Pentes“ bekannt sind (ein abwertender Name für Christen aus Pfingstgemeinden), sind häufig beträchtlichem Druck von ihren Lehrern und Mitschülern ausgesetzt. Einige Kinder sind stigmatisiert, besonders, wenn ihre Eltern im Gefängnis sind oder waren. Im Berichtszeitraum wurden auch einige Fälle berichtet, in denen Kinder von evangelikalen Eltern schlecht behandelt wurden.
  • Kinder und Ehepartner von Christen sind langen Zeiten der Trennung von ihren Eltern oder Partnern ausgesetzt, wenn diese aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden: Manche Familienmitglieder sind gezwungen, aus dem Land zu fliehen, und lassen schutzbedürftige Verwandte zurück. Ein Experte für das Land schreibt: „Verschiedene Berichte legen nahe, dass tausende Christen in verschiedenen Gefängnissen und Lagern eingesperrt sind, nur weil sie Christen sind. Und die, die eingesperrt sind oder aus dem Land fliehen müssen, um ihr Leben zu retten, sind nicht die einzigen Opfer: Die Familien und Kinder dieser Häftlinge und Fliehenden sind ebenfalls Opfer, denn sie können keinen Kontakt mit ihren Angehörigen haben.“

Der Konfessionelle Protektionismus führt zur Verweigerung von Erbschaften und anderen familienbezogenen Rechten für einige Christen. Die Islamische Unterdrückung führt dazu, dass Christen in Regionen, die hauptsächlich von Muslimen dominiert werden, vielfältige Schwierigkeiten erleben. Beispielsweise können Christen muslimischer Herkunft keine öffentliche christliche Heirat durchführen und im Todesfall werden sie nach muslimischem Ritus begraben. Planen Christen, die der „neuen Religion“ folgen (hiermit sind vor allem Christen aus Pfingstgemeinden gemeint), eine Hochzeit, beginnen die Probleme bereits bei der Suche nach einem Veranstaltungsort für die Feier. Die meisten Hallen werden von der Regierung kontrolliert. Wird der protestantische Glauben der Eheschließenden nicht verschwiegen, vermieten Hallenbesitzer nicht an Protestanten, weil sie Angst vor Konsequenzen vonseiten der Regierung haben. Die meisten Besitzer sind jedoch auch aus eigener Überzeugung nicht bereit, ihre Halle für eine protestantische Hochzeitsfeier zur Verfügung zu stellen. Ein anderes Problem ist die Suche nach einem Pastor, der die Trauung durchführt. Es ist zu Vorfällen gekommen, bei denen das Hochzeitspaar, der Pastor und Gäste verhaftet wurden. Pastoren, die nicht der EOC angehören, riskieren ihre Freiheit, wenn sie ein protestantisches Paar trauen. Nach der Hochzeit erkennt das Land die Ehe außerdem nicht an, da nicht registrierte Kirchen nicht die Erlaubnis haben, Hochzeiten durchzuführen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert wegen glaubensbezogener Gründe, zum Beispiel weil sie nicht den Vorschriften für Kleidung oder Bärte folgen: Dies betrifft vor allem Christen aus nicht registrierten evangelikalen Gruppen. Ein Experte für das Land betont, dass dieser Druck auftritt, wenn alle Triebkräfte der Verfolgung gemeinsam wirken: „Hierfür sind alle Verfolger verantwortlich. Sowohl die Regierung als auch muslimische und orthodoxe Leiter stellen Christen vor Herausforderungen.“
  • Christen stehen unter Beobachtung durch ihr soziales oder privates Umfeld. Sie werden beispielsweise bei der Polizei angezeigt, beschattet, ihre Telefongespräche werden mitgehört, E-Mails gelesen oder zensiert: Es gibt in Eritrea ein Netzwerk von Bürgern (insbesondere Frauen, die früher Freiheitskämpferinnen waren und nun der herrschenden Partei angehören), das damit beauftragt ist, die Aktivitäten von Nachbarn zu überwachen. Diese Informanten berichten dem zuständigen Beamten von jeder Person oder jedem Haushalt, die oder der verdächtigt wird, geheime Treffen oder Gottesdienste auszurichten. Der Großteil der Verhaftungen im Berichtszeitraum waren ein Ergebnis dieser Berichte.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden. Die Polizei ist dafür bekannt, Christen – besonders evangelikale – dazu zu verpflichten, sich bei ihr zu melden. Die Netzwerke von Informanten, die nach Hauskirchen im Land Ausschau halten, sind sehr effizient. Wenn eine Hauskirche identifiziert wurde, wird eine Razzia durchgeführt, und die Mitglieder der Kirche werden ohne Prozess für Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre in Gewahrsam gehalten.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen. Für protestantische Christen kommt dieser Druck von verschiedenen Seiten. Für nicht registrierte Kirchen kommt er außerdem von der Regierung. Wenn verhaftete Christen freigelassen werden, werden sie gezwungen, ein Formular zu unterschreiben, das ihre Abkehr vom Glauben bestätigt. Konvertiten mit orthodoxem oder muslimischem Hintergrund sind außerdem hohem Druck vonseiten ihres sozialen Umfelds ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen.

Es ist bekannt, dass die Regierung Nachbarn anwirbt, um Informationen über christliche Aktivitäten im Ort zu sammeln. Daraus ergeben sich eigenartige Allianzen: Im Auftrag der Regierung überwachen beispielsweise Muslime die Aktivitäten protestantischer freikirchlicher Christen in ihrer Region, vor allem jedoch die Missionstätigkeit unter Muslimen. Um ein Geschäft betreiben zu können, müssen Christen einen Nachweis über ihren Militärdienst vorweisen können. Außerdem haben Christen keinen Zugang zu weiterführenden Schulen und höherer Bildung, wenn sie nicht für den Militärdienst registriert sind.

Aufgrund des stark gemeinschaftsorientierten Lebensstils in Ostafrika ist es undenkbar, dass der Glaube keine Auswirkungen auf das gesellschaftliche Leben und den Alltag eines Christen hat. Weil sie Angst haben, dass ihre Kinder auch den christlichen Glauben annehmen könnten, erlaubt der Großteil der eritreischen Familien seinen Kindern nicht, mit Kindern von christlichen Konvertiten zu spielen. Die Intensität der Drohungen und Hindernisse ist in ländlichen Gegenden höher, denn Toleranz und Akzeptanz sind hier weitaus seltener zu finden als in urbanen Gegenden. In den meisten Fällen offenbaren Christen in ländlichen Gebieten ihren Glaubenswechsel nicht, weil sie Angst vor Diskriminierung haben. In manchen Fällen geht der ausgeübte Druck auf Christen anderer religiöser Herkunft so weit, dass sie dazu gezwungen werden, ihrem neuen Glauben abzuschwören oder die Dorfgemeinschaft zu verlassen. Es gab auch Fälle, in denen Christen mit anderem religiösem Hintergrund der Zugang zu grundlegenden Bedürfnissen wie Gesundheitsfürsorge, Trinkwasser und Schulen für die Kinder verwehrt wurde.

Leben im Staat

  • Die nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur die vier offiziell anerkannten Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen: der Islam, die EOC, die lutherische und die römisch-katholische Kirche. Der Patriarch der EOC wird von der Regierung ernannt, und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Andere Kirchen, die sich 1997 zur Registrierung gemeldet hatten, als die Regierung diese anordnete, erhielten einen Übereinstimmungsstatus. Dieser brachte ihnen zunächst einige Vorteile. Diese Vorteile wurden mit der Zeit allerdings immer weniger. Diese Verweigerung der Anerkennung wird von lokalen Leitern und der Polizei als Rechtsgrund genutzt, um Christen, die zu nicht registrierten Gemeinschaften gehören, zu belästigen und einzuschüchtern. Es geschieht sehr häufig, dass Parteikader und die Polizei Bürger verhaften und verhören, die sie verdächtigen, einer nicht registrierten religiösen Gruppe anzugehören. Bestätigt sich der Verdacht, wird er oder sie in den meisten Fällen in eines der Gefangenenlager gebracht, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Bei der Entlassung aus einem solchen Gefängnis wird der Person befohlen, ihren Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Bei Verstoß gegen diese Meldeauflagen droht erneute Haft.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden wegen ihrer christlichen Überzeugungen in ihrer Arbeit behindert oder verboten. Eritrea ist eines der wenigen Länder auf der Welt, die eine Zivilgesellschaft und politische Parteien als Staatsfeinde ansehen. Von außen betrachtet gibt es in Eritrea positive Veränderungen, seit der neue äthiopische Premierminister gewählt wurde: Die Beziehung zu dem Nachbarland hat sich verbessert und ein Friedensabkommen wurde unterzeichnet. Für Christen hat sich jedoch nichts verändert. Es gibt keine Umstände, die eine bessere Bewertung auf dem Weltverfolgungsindex nach sich ziehen würden.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt: Sowohl Reisen innerhalb als auch außerhalb des Landes ist für Christen sehr schwierig. Einige Christen müssen sich jeden oder jeden zweiten Tag melden, um zu beweisen, dass sie das Land nicht verlassen haben. Ein Experte für das Land berichtet, dass kein Eritreer unter 40 Jahren sein Dorf oder seine Stadt verlassen darf, wenn er kein Dokument besitzt, das beweist, dass er Militärdienst geleistet hat: „Es gibt Straßensperren, bei denen jeder aussteigen muss und sein Dokument vorzeigen muss. Dies gilt sowohl für öffentliche als auch für private Autos. Hat jemand kein solches Dokument, wird die Person auf der Stelle ins Militärgefängnis gebracht und muss im Anschluss seinen Militärdienst beginnen. Nur wer älter als 40 Jahre ist, benötigt kein Dokument.“ Dies betrifft vor allem Christen, die in anderen Städten oder Dörfern an christlichen Aktivitäten beteiligt sind.
  • Christen werden durch das Gesetz und in der Praxis dazu gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, beispielsweise durch den Militärdienst oder andere Tätigkeiten: Die Regierung ist dafür bekannt, dass sie Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 aus dem Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, am Wehrdienst teilzunehmen. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen erleben demnach große Schwierigkeiten, wenn sie den Dienst verweigern.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht: Alle Kirchen im Land erleben irgendeine Form der Überwachung. Am stärksten werden jedoch die nicht registrierten Kirchen überwacht und in ihren Tätigkeiten behindert. Die Regierung versucht, diese Gruppen zu schwächen, indem sie Leiter einsperrt. Der Fokus liegt dabei besonders auf vollzeitlichen Gemeindeleitern und Bibellehrern. Sie stehen in Gefahr, verhaftet zu werden, worauf Folter, der mögliche Hungertod und harte Zwangsarbeit für unbestimmte Zeit folgen können. Nicht registrierte Kirchen können keine öffentlichen Aktivitäten durchführen wie Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Bibellehre, Gottesdienste, evangelistische Veranstaltungen, Wahlen von Gemeindeleitern, Sonntagsschule, Jugendgruppen, Unterstützung bedürftiger Menschen oder andere soziale Projekte.
  • Christliche Predigten, Unterricht und/oder Publikationen werden überwacht: Sicherheitsbeamte kontrollieren Predigten und Lehre darauf, ob jemand etwas gegen die Regierung sagt. Christliches Material kann ausschließlich von der Bibelgesellschaft gekauft werden und ist streng zensiert. Die Geheimpolizei kommt regelmäßig zu Gottesdiensten der registrierten Kirchen und nimmt Predigten auf, um sicherzustellen, dass sie regierungskonform bleiben. Das betrifft auch Seminare, die auf Grundstücken von registrierten Kirchen durchgeführt werden oder von ihnen ausgerichtet werden. Bevor christliches Material veröffentlicht werden kann, wird es geprüft, um sicherzustellen, dass es nicht dem entgegenspricht, was die Regierung als akzeptabel ansieht.
  • Die Durchführung von Veranstaltungen außerhalb von Kirchen ist schwierig bis unmöglich: Alle Kirchengemeinden müssen sicherstellen, dass sie nicht die öffentliche Ordnung stören. Während der Feiertage können orthodoxe Kirchen Veranstaltungen im Freien organisieren, stehen aber weiter unter Druck, nichts zu predigen, was gegen die Regierung geht. Für nicht registrierte Gemeinden sind solche Veranstaltungen undenkbar.
  • Eine Registrierung zu erhalten, ist schwierig bis unmöglich. Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen, ist jedoch nahezu unmöglich. Seit 2002 haben die Behörden keiner weiteren Gruppe neben den vier bisher anerkannten religiösen Gruppen die Registrierung zugestanden. Christen aus diesen Gemeinden müssen ständig sichergehen, dass sie nicht beschattet werden. Seit der Unabhängigkeit Eritreas konnten Christen aus protestantischen Freikirchen noch nie in Freiheit und ohne das Risiko, verhaftet, eingesperrt oder sogar getötet zu werden, Gottesdienst feiern. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter der registrierten Kirchen ein. Beispielsweise steht der eritreisch-orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, seit Mai 2007 unter Hausarrest.

Auftreten von Gewalt

  • Mindestens zwei Christen starben während des Berichtszeitraums im Gefängnis. Ein Experte schreibt in seinem Bericht: „Beide starben im Gefängnis, nachdem sie viele Jahre dort eingesperrt waren.“ Es muss zudem festgehalten werden, dass die Möglichkeit besteht, dass viele Christen im Gefängnis inzwischen gestorben sein könnten, was aber unmöglich zu erfahren ist, da die Regierung sich weigert, Details über ihren Aufenthaltsort oder ihr Befinden zu veröffentlichen.
  • Verhaftungen sind an der Tagesordnung und hunderte Christen befinden sich im Gefängnis oder in Haftanstalten. Sie werden vom Regime unter äußerst schlechten Bedingungen festgehalten, einige von ihnen in Schiffscontainern, die in der Sonne brütend heiß werden. Tausende Christen wurden in den vergangenen Jahren verhaftet und eingesperrt. Manche von ihnen sind noch nach mehr als zehn Jahren im Gefängnis.
  • Am 12. Juni 2019 wurden 21 Gesundheitseinrichtungen der katholischen Kirche von der Regierung als Vergeltungsmaßnahme geschlossen, nachdem vier Bischöfe am 29. April einen Brief veröffentlicht hatten, in dem sie eine „entschlossene und historische Veränderung“ im Land durch die Einrichtung eines umfassenden Plans zur Wahrheit und Versöhnung forderten. Die Schließung versuchte die Regierung durch ein Gesetz von 1995 zu rechtfertigen, das besagt, dass alle sozialen Institutionen, einschließlich Schulen und Kliniken, vom Staat geführt werden müssen.
  • Wenn Regierungsbeamte christliche Häuser durchsuchen, folgen auf die Durchsuchungen häufig Plünderungen.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Verhaftung durch die Behörden
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Menschenhandel
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christinnen sind zwischen dem steigenden Druck der Regierung und dem üblichen sozialen und häuslichen Druck gefangen, dem sie als Teil einer nicht akzeptierten Minderheit ausgesetzt sind, wenn sie Konvertiten oder evangelikale Christen sind. Frauen müssen in Eritrea verpflichtenden Militärdienst leisten. In dieser streng überwachten Umgebung wird genau geprüft, wie jemand sich verhält und was er glaubt. Weibliche Wehrpflichtige sind meist ohnehin Opfer von verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen. Verhaftete oder eingesperrte Christinnen sind zudem Druck von Gefängniswärtern aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt.

Entführungen und Zwangsehen sind besonders in ländlichen Gegenden immer noch weit verbreitet. Obwohl dies selbst unter Angehörigen der gleichen Religion praktiziert wird, werden Christinnen gezwungen, zum Islam zu konvertieren, wenn sie von einem Muslim entführt und zwangsverheiratet werden. Zudem gibt es keine Gesetzgebung in Eritrea, die sich mit häuslicher Gewalt beschäftigt, sodass Christinnen anderer religiöser Herkunft häufig körperliche Gewalt erleben, Hausarrest erhalten, Drohungen bekommen, der Regierung gemeldet zu werden, das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren und zwangsgeschieden werden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt

Wie auch Frauen sind männliche Christen Opfer des verpflichtenden Militärdienstes, der sie in eine streng beaufsichtigte Umgebung bringt. Aus diesem Grund versuchen viele junge Eritreer, aus dem Land zu fliehen. Viele hoffen darauf, dass das Friedensabkommen zwischen Eritrea und Äthiopien diese Situation ändern wird.

Da die meisten Leitungspositionen in Untergrundgemeinden von Männern besetzt sind, entsteht eine Lücke in der Leiterschaft, wann immer einer von ihnen verhaftet wird. Wenn ein Mann derjenige war, der seine Familie versorgt, bringt seine Verhaftung seine gesamte Familie in Probleme.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Außer Christen erleben auch Angehörige anderer religiöser Minderheiten Verfolgung. Hier sind beispielsweise Muslime zu nennen, die sich gegen die Regierung stellen, sowie die Zeugen Jehovas. Die Menschenrechtsorganisation „Christian Solidarity Worldwide“ berichtete im April 2018, dass zwei Anhänger der Zeugen Jehovas im Gefängnis gestorben seien. 2017 wurden muslimische Lehrer verhaftet, weil sie Schulen führten.

9. Der Ausblick für Christen

Diktatorische Paranoia

  • Ein Experte für das Land hält fest: „Die Regierung Eritreas sieht sich unterschiedlichen Herausforderungen gegenüber. Es gewinnt beispielsweise eine Social-Media-Kampagne an Schwung, die unter dem Titel ‚Genug ist genug‘ politische Veränderungen im Land fordert. Auch eine wachsende Anzahl einflussreicher Künstler und anderer Personen meldet sich zu Wort. Ein Beispiel ist der kürzlich erschienene Protestsong von Korchach, einem der bekanntesten Musiker des Landes, in dem der Sänger in einer Zeile auch die Regierung anspricht: ‚Euer Maß an Bosheit wird inakzeptabel‘.“ Zudem verlassen immer mehr junge Eritreer das Land. Viele haben die Möglichkeit genutzt, die die geöffnete Grenze nach Äthiopien bietet, und sehen nun, wie schlecht es im internationalen Vergleich um die eritreische Wirtschaft bestellt ist.
  • Nach dem Ende der Präsidentschaft von Omar Al Bashir im Sudan gibt es immer lauter werdende Rufe nach ähnlichen Veränderungen in Eritrea. All diese Faktoren setzen Präsident Isaias Afewerki unter Druck. Der Ruf nach Wahrheit und Versöhnung, den die Bischöfe im April 2019 veröffentlichten, wird von der Regierung als klare Forderung nach einer neuen Regierung gesehen.
  • So wie es derzeit aussieht, könnte der Präsident an der Macht bleiben. Berücksichtigt man jedoch, was in der Region passiert (beispielsweise die Massenproteste, welche die repressiven Regierungen im Sudan und Äthiopien ihre Macht gekostet haben), ist es nicht abwegig, größere Probleme für die eritreische Regierung zu erwarten. Dieser Druck auf die Regierung könnte jedoch auch zu einer noch stärkeren Verfolgung von Christen führen, da das Regime Kirchen (und besonders protestantische Freikirchen) als Teil einer Bewegung für Veränderung ansehen könnte.

Konfessioneller Protektionismus

Die EOC ist weiterhin sehr wichtig in Eritrea. Einige konservative Christen sehen Evangelikale als Gefahr für ihren Einfluss in der Gesellschaft. Aus diesem Grund stellen sie sich häufig auf die Seite der Regierung und unterdrücken die Entwicklung der protestantischen Freikirchen. Dieses Problem wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Islamische Unterdrückung

Es gibt zwei mögliche Szenarien, bei denen Islamische Unterdrückung eine stärkere Triebkraft im Land werden könnte. Einerseits könnte dies passieren, sollte das Land ins Chaos stürzen und der Einfluss von Saudis und Katarern im Land steigen. Einige Experten glauben, dass extremistische Muslime sich seit Jahren in Stellung bringen, da sie das Regime als christliche Regierung ansehen. Falls die Regierung also auseinanderfallen sollte und die Armee korrupt und loyal zur Partei bliebe, könnten solche extremistischen Muslime, die sich nicht um Menschenrechte und Religionsfreiheit kümmern, an die Macht kommen. Ein zweites mögliches Szenario ist, dass die Regierung sich dem Druck von Ländern aus dem Nahen Osten beugt, wonach Stimmen im Land bereits rufen. Das würde den Weg öffnen für einen stärkeren Einfluss extremistischer islamischer Lehren und Islamschulen und würde die muslimische Bevölkerung radikalisieren.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die Existenz des organisierten Verbrechens ist mit der Herrschaft des amtierenden Regimes verknüpft. Es ist in die Sicherheitskräfte und das Militär des Landes eingedrungen und wird ein starker Verfolger für Christen bleiben, sollte sich nicht etwas Grundlegendes im Land ändern.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • Die Verfolgung dauert an, weil die Regierung evangelikale Christen weiterhin als Spione ansieht, die das Land ins Chaos stürzen wollen. Die meisten evangelikalen Christen müssen ihren Glauben im Geheimen leben. Beten Sie, dass Jesus seine Kirche trotz dieser Umstände weiter baut.
  • Viele Christen sind für ihren Glauben im Gefängnis. Beten Sie, dass Jesus sie erhält, ihren Glauben stärkt und sie täglich durch seinen Geist ermutigt.
  • Gottesdienste bleiben in Eritrea ein komplexes Thema. Einige Gemeinden entscheiden sich dazu, eine Registrierung zu beantragen, andere gehen in den Untergrund. Einige entscheiden sich dazu, in Eritrea zu bleiben, andere nehmen die Gefahren auf sich und fliehen. Beten Sie für Einheit innerhalb der Kirche in Eritrea und dass Misstrauen beseitigt wird.
  • Eritreische Christen äußern große Besorgnis wegen der extremistischen Entwicklung des Islam in ihrem Land. Beten Sie, dass sie den Mut haben, Menschen zu erreichen, und dass viele zum Glauben an Jesus finden.
  • Beten Sie für Weisheit für die internationale Staatengemeinschaft in ihrem Umgang mit Eritrea aufgrund der Menschenrechtsverletzungen.
  • Christen bitten uns, mit ihnen gemeinsam für ihre Regierung zu beten. Sie beten nicht für eine neue Regierung, sondern für eine Umkehr der jetzigen Regierung.

 

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