Länderprofil Eritrea

Eritrea

6
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Eritrea
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
6
Karte Eritrea
Christen
2,61
Bevölkerung
5.56
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.600
Familienleben: 14.900
Gesellschaftliches Leben: 15.500
Leben im Staat: 15.900
Kirchliches Leben: 15.600
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil Eritrea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 6 / 88 Punkte (WVI 2021: Platz 6 / 88 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Regierung weigert sich, religiöse Gruppen außer dem sunnitischen Islam sowie eritreisch-orthodoxe, katholische und lutherische Kirchen anzuerkennen. Christen, die nichtanerkannten Kirchen angehören (wie etwa nichtlutherischen, anderen protestantischen Kirchen), haben ernsthafte Probleme beim Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen, insbesondere zu den vom Staat bereitgestellten Sozialdiensten. Junge Menschen werden zum Militärdienst gezwungen, und Christen haben nicht das Recht, den Kriegsdienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Wer bei der Ausübung einer nicht anerkannten Religion während des Wehrdienstes erwischt wird, muss mit strengen Strafen rechnen. Der extreme Druck und das sehr hohe Ausmaß an staatlich sanktionierter Gewalt bringt manche Christen dazu, aus dem Land zu fliehen. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOK) verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, erfahren von ihren Familien und ihrem Umfeld Druck und Verfolgung.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Das politische System Eritreas wird von Präsident Isayas Afewerki beherrscht, der seit der De-jure-Unabhängigkeit Eritreas im Jahr 1991 an der Macht ist. Seine Partei, die „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“ (PFDJ), ist die einzige politische Kraft im Land. Ihr Programm stützt sich auf den Personenkult um den Präsidenten und den „Befreiungskampf“ Eritreas gegen Äthiopien, der von 1961 bis 1991 dauerte. Eritreern wird beigebracht, dass die nationale Identität wichtiger ist als individuelle Rechte und ethnische Zugehörigkeit. Menschenrechtsorganisationen halten Eritrea für eines der repressivsten Länder der Welt. Politische Proteste sind nicht erlaubt, und es gibt keine unabhängigen Medien im Land.

Früher war Eritrea ein föderaler Bestandteil Äthiopiens, was zur Bildung einer eritreischen Befreiungsbewegung führte, die mehrheitlich von Muslimen geführt wurde. Die meisten eritreisch-orthodoxen Christen hatten eine enge Beziehung zur Äthiopisch-Orthodoxen Kirche und betrachteten die Bewegung der Muslime als gefährlich. Einige islamisch-extremistische Gruppen betrachteten umgekehrt die orthodoxen Christen als große Bedrohung für das Streben nach Unabhängigkeit. Seit dieser Zeit stehen sich die beiden Seiten mit Misstrauen gegenüber.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

2.611.000

47,0

Muslime

2.855.000

51,4

Hindus

1.000

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

27.200

0,5

Bahai

1.400

0,0

Atheisten

360

0,0

Agnostiker

59.200

1,1

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Viele Christen leben im Hochland Eritreas, während Muslime im Tiefland den größten Teil der Bevölkerung stellen. Islamische Unterdrückung findet sich daher vor allem im Tiefland, sowohl im westlichen als auch im östlichen Teil des Landes. Konfessioneller Protektionismus konzentriert sich auf die Hochebenen im Zentrum von Eritrea.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Konfessioneller Protektionismus

Die EOK hat eine lange Tradition im Land und betrachtet Christen mit anderem Hintergrund, besonders Christen der Pfingstbewegung, als fremd. Doch auch orthodoxe Christen erleben äußeren Druck durch Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung durch die Regierung und islamische Unterdrückung.

Diktatorische Paranoia

Seit dem Unabhängigkeitsreferendum von 1993 übt die PFDJ volle Kontrolle über Eritrea aus, das als Einparteiensystem unter der Führung von Präsident Afewerki regiert wird. Das Regime unternimmt alles, um seine Macht zu erhalten, und hat regimekritische Christenverhaftet, schikaniert und getötet, oft unter dem Vorwand, sie seien „Agenten des Westens“.

Islamische Unterdrückung

Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Von ihnen sind nahezu alle Sunniten. In den meisten Gebieten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit sind Christen und insbesondere christliche Konvertiten besonders gefährdet. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem islamischen Glauben. Extremistische Gruppen üben Druck aus, um einen islamischen Staat zu gründen, und dabei hat der Totalitarismus der Regierung eine wichtige Rolle gespielt, dies zu verhindern.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Laut einem im Februar 2019 veröffentlichten Bericht von Transparency International belegt Eritrea Rang 160 von 180 Ländern. Die Korruption betrifft insbesondere das Militär, das viele Lebensbereiche im Land kontrolliert.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und sich mit anderen Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst Christen der EOK, der Anglikanischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie der Römisch-Katholischen Kirche. Diese Gemeinschaften sind dem Druck der diktatorischen Paranoia nicht entgangen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Gruppe schließt sowohl Christen, die traditionelle Kirchen (insbesondere die EOK) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund ein. Ersteren widerfährt starke Verfolgung durch die EOK, zweiteren durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe gehören Kirchen, die 1997 einen Antrag auf Registrierung gestellt, aber nie eine Antwort erhalten haben, und solche, die sich gegen eine Registrierung entschieden haben. Innerhalb dieser Kirchen genießen regierungskonforme Gemeinden geringfügig mehr Freiheit als solche, die im Untergrund agieren.

Diese Kategorie besteht aus Evangelikalen, Baptisten- und Pfingstgemeinden. Sie werden von der Regierung als „Agenten des Westens“ angesehen. Insbesondere Pfingstgemeinden sind ernsthaftem Druck und Gewalt ausgesetzt. Ihre Rechte werden regelmäßig von Vertretern der Regierung und der EOK verletzt.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.6
Familienleben 14.9
Gesellschaftliches Leben 15.5
Leben im Staat 15.9
Kirchliches Leben 15.6
Auftreten von Gewalt 11.1

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Das Recht auf freie Meinungsäußerung in all seinen Formen ist eingeschränkt. Häuser von Christen werden Ziel von Durchsuchungen, die zu Verhaftungen und der Beschlagnahmung von christlichem Material führen. Oft wird die staatliche Überwachung so lange fortgesetzt, bis die Behörden geheime Zellgruppen aufdecken und danach Verhaftungen ganzer Gemeinden vornehmen können. Dies trifft auf alle Christen zu, selbst auf diejenigen aus registrierten Kirchen. Der gesamte Alltag wird kontrolliert: Telefongespräche werden überwacht, die Bandbreite wird gering gehalten, und ein Netz von Bürgern ist damit beauftragt, ihre Nachbarn auszuspionieren. Beobachter vergleichen das Ausmaß an Überwachung sogar mit dem in Nordkorea.

Familienleben

Die Rechte von Eltern sind eingeschränkt, besonders von christlichen Eltern aus protestantischen Freikirchen. Wer sich gegen die Regierung stellt, riskiert Verhaftung, Folter und die Verweigerung von Rechtsschutz. Die staatliche Propaganda in Schulen und beim Militärtraining für Jugendliche widerspricht oft direkt christlichen Werten. Der Begriff „Pentay“ wird abwertend für Christen benutzt, die nicht der EOK angehören. Kinder von Eltern, die als Pentays bekannt sind, sind häufig beträchtlichem Druck von ihren Lehrern und Mitschülern ausgesetzt. Sie werden häufig stigmatisiert, schikaniert oder sogar angegriffen, besonders wenn ihre Eltern im Gefängnis sind oder waren. Oft sind Familienmitglieder gezwungen, aus dem Land zu fliehen, wobei schutzbedürftige Verwandte zurückbleiben.

Gesellschaftliches Leben

Es gibt in Eritrea ein Netzwerk von Bürgern (insbesondere Frauen, die früher Freiheitskämpferinnen waren und nun der herrschenden Partei angehören), das damit beauftragt ist, die Aktivitäten von Nachbarn zu überwachen. Diese Informanten berichten den Behörden von jedem, der verdächtigt wird, Treffen von Untergrundkirchen auszurichten. Die staatliche Überwachung der Internetnutzung und der Telekommunikation zwingt viele Christen zu äußerster Vorsicht, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen.

Leben im Staat

Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur die vier offiziell anerkannten Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen: der sunnitische Islam, die EOK, die Lutherische Kirche und die Römisch-Katholische Kirche. Der Patriarch der EOK wird von der Regierung ernannt, und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Die Verweigerung der Anerkennung durch den Staat wird von den lokalen Behörden als ausreichender Grund angesehen, um Christen, die nichtregistrierten Gemeinschaften angehören, zu verhaften und einzuschüchtern. Zu den Strafen kann die Einweisung in eines der Gefangenenlager gehören, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Bei der Entlassung aus einem solchen Gefängnis wird der Person befohlen, ihren Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Die Regierung betrachtet eine Zivilgesellschaft und politische Parteien als Staatsfeinde.

Kirchliches Leben

Alle Kirchen stehen unter staatlicher Überwachung. Am stärksten werden jedoch die nichtregistrierten Kirchen überwacht und in ihren Tätigkeiten behindert. Kirchliche Leiter werden gezielt angegriffen und riskieren Verhaftung, Folter, Hunger und Zwangsarbeit. Sogar orthodoxe Kirchen stehen unter Druck, nichts zu predigen, was als regierungsfeindliche Botschaft angesehen werden könnte. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter der registrierten Kirchen ein.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im März 2021 stürmten Soldaten ein Gebetstreffen von 23 Personen, überwiegend Frauen, in Asmara. Weitere 12 Personen wurden in der Stadt Assab bei einem Gebetstreffen in einem Wohnhaus festgenommen.
  • Ende Juli 2021 wurden zwei Pastoren verhaftet und ein dritter wurde in Asmara unter Hausarrest gestellt. Die beiden Pastoren wurden in die strengstens gesicherte zentrale Untersuchungshaftanstalt „Wengel Mermera“ gebracht.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

6

87,52

2021

6

87,76

2020

6

87,47

2019

7

86,04

2018

6

86,24

Der durchschnittliche Druck und die Wertung für Gewalt bleiben im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2021 gleich. Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck auf Christen kein extremes Ausmaß erreicht. Am stärksten ist der Druck in den Bereichen des Lebens im Staat und im Bereich des kirchlichen Lebens. Das zeigt, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für den Druck auf Christen im Land ist.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Christinnen befinden sich im Zangengriff von einerseits der eritreischen Regierung und andererseits der Gesellschaft. Christliche Konvertitinnen sind Entführungen (einschließlich Brautentführungen) innerhalb ihres sozialen Umfelds, Hausarrest, Zwangsheirat, Zwangsscheidung und dem Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder ausgesetzt. Während Frauen in vielen Ländern vom Militärdienst befreit sind, müssen sie in Eritrea eine obligatorische militärische Ausbildung absolvieren und einen nationalen Dienst leisten, entweder in der Armee oder in einer Behörde oder einem Projekt der Regierung. Dabei arbeiten sie für ein geringes Entgelt und werden möglicherweise im berüchtigten „Militärcamp Sawa“ ausgebildet. Es handelt sich dabei um ein stark kontrolliertes Umfeld, in dem jedes Verhalten und jeder Glaube genauestens überprüft werden. Hunderte Frauen erleben auch geschlechtsspezifische Gewalt im Rahmen von Haftanstalten.

Männer: Christliche Männer unterliegen der Wehrpflicht, die sie in ein streng kontrolliertes Umfeld bringt. Infolgedessen versuchen viele junge Eritreer, aus dem Land zu fliehen. Zu den Arten, wie besonders christliche Männer verfolgt werden, gehören Schläge, Verhaftungen, Zwangsarbeit und Tötungen. Da die meisten Leitungspositionen in den Untergrundkirchen von Männern besetzt sind, führt jede Verhaftung zu einem Leitungsvakuum.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2021 befinden sich in Eritrea schätzungsweise 500 bis 1.200 Personen aufgrund ihres Glaubens in Haft. Im Dezember 2020 waren 24 Zeugen Jehovas in Eritrea inhaftiert, darunter einige, die sich seit mehr als 20 Jahren im Gefängnis befinden.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • Beten Sie, dass inhaftierte Christen und ihre Familien durch die Güte und Anwesenheit von Jesus Christus getragen werden.
  • Bitten Sie um Weisheit, Urteilskraft und Wagemut für Christen, wenn sie trotz der Gefahr versuchen sich zu treffen.
  • Beten Sie, dass christliche Konvertiten mit muslimischem oder orthodoxem Hintergrund in ihrem Glauben ermutigt und gestärkt werden.