Länderprofil Eritrea

Eritrea

6
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Eritrea
Hauptreligion
Christentum / Islam
Platz Vorjahr
6
Karte Eritrea
Christen
2,55
Bevölkerung
5.43
Konfessioneller Protektionismus
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.600
Familienleben: 14.900
Gesellschaftliches Leben: 15.900
Leben im Staat: 15.900
Kirchliches Leben: 15.400
Auftreten von Gewalt: 11.100

Länderprofil Eritrea

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 6 / 88 Punkte (WVI 2020: Platz 6 / 87 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Junge Christen werden durch die Gesetze des Landes gezwungen, sich auf unbestimmte Zeit dem Militär anzuschließen, ohne das Recht auf Kriegsdienstverweigerung zu haben. Insbesondere protestantische Christen haben große Probleme, gemeinschaftlich genutzte Ressourcen zu erhalten, vor allem Sozialleistungen vom Staat. Christen, die nicht den traditionellen Kirchen angehören, sind den stärksten Verletzungen ihrer Rechte ausgesetzt, sowohl durch die Regierung als auch durch die Eritreisch-Orthodoxe Kirche (EOK). Die Regierung weigert sich, religiöse Gruppen außer dem Islam sowie den eritreisch-orthodoxen, katholischen und lutherischen Kirchen zu registrieren oder anzuerkennen. Sowohl Christen mit muslimischem Hintergrund als auch Christen, die die EOK verlassen und sich einer protestantischen Freikirche angeschlossen haben, erfahren von ihren Familien und ihrem Umfeld starke Misshandlung. Sicherheitskräfte der Regierung führten im Berichtszeitraum viele Durchsuchungen von Häusern durch und verhafteten hunderte Christen. Der extreme Druck und das sehr hohe Ausmaß an staatlich sanktionierter Gewalt bringt manche Christen dazu, aus dem Land zu fliehen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

88

6

2020

87

6

2019

86

7

2018

86

6

2017

82

10

Der durchschnittliche Druck blieb gegenüber dem Vorjahreswert konstant. Allerdings gab es einen leichten Anstieg im Wert zum Auftreten der Gewalt, was zur Erhöhung des Gesamtwerts um einen Punkt führte. Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck nicht extrem ist. Am stärksten ist der Druck in den Bereichen des Lebens im Staat und im Bereich des gesellschaftlichen Lebens (je 15,9 Punkte). Damit zeigt sich, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für den Druck auf Christen im Land ist. Obwohl es große Hoffnungen gab, dass das Friedensabkommen mit Äthiopien und die Wiederöffnung der Grenzen die Menschenrechtssituation im Land verbessern und insbesondere auch Religionsfreiheit gewährleisten würde, bleibt die Situation für viele Christen in Eritrea auch weiterhin unerträglich. Wie in den vorhergehenden Berichtszeiträumen führten Regierungstruppen zahlreiche Razzien gegen Christen durch. Hunderte Christen wurden in Gefangenenlager gebracht. Es ist außerdem wichtig zu betonen, dass die Regierung die Überwachung durch das soziale Umfeld und die Gemeinschaft dadurch befeuert, dass sie insbesondere Christen protestantischer Freikirchen beschuldigt, Vaterlandsverräter zu sein.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die Regierung verhängt weiterhin autoritäre Restriktionen

Seit über einem Vierteljahrhundert wird Eritrea von einem Einparteiensystem regiert. Unter dieser Herrschaft wurden die Freiheiten und Grundrechte der Bürger beschnitten. Immer noch ist das Regime stark genug, um autoritäre Einschränkungen durchzusetzen. Von der internationalen Gemeinschaft isoliert und verurteilt, war Eritrea unter UN-Sanktionen gestellt worden, worunter das Land sehr litt. Diese Sanktionen wurden schließlich aufgehoben, nachdem das Land einen Friedensvertrag mit Äthiopien unterzeichnet hatte. Die Wirtschaft des Landes ist zusammengebrochen und die Lebensqualität hat sich verschlechtert. Diese schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen, gepaart mit einem Zwang zum Wehrdienst und der Verfolgung im Land, haben Tausende von Eritreern zur Flucht gezwungen. Manche von ihnen sind in den Händen von Menschenhändlern gelandet, etwa in Libyen.

2) Die Regierung versucht, die internationalen Beziehungen wiederherzustellen

Sowohl internationale Menschenrechtsgruppen als auch die UN-Menschenrechtskommission haben gegen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit protestiert, die von der eritreischen Regierung in den vergangenen Jahren begangen wurden. Doch allen Protesten und Berichten zum Trotz hatte die erschreckende Menschenrechtsbilanz bisher keine ernsthaften Konsequenzen für das Regime. Vielmehr versucht das Land, Wege zu finden, um wieder eine starke Beziehung zu westlichen Ländern aufzubauen. Der Besuch eines hochrangigen US-Diplomaten in der Hauptstadt Asmara im April 2018 war ein Beweis für diese Bemühungen. Noch wichtiger ist, dass das Land wieder friedliche Beziehungen zu Äthiopien aufgenommen hat. Der eritreische Präsident hat das Land schon einige Male besucht. Gleichwohl blieben die Grenzen zwischen den beiden Ländern auch im Jahr 2020 weiter geschlossen.

3) Viele Eritreer sind mit dem derzeitigen Regime zutiefst unzufrieden

Eritrea ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Armut und Sicherheit gehören zu den Hauptproblemen. Die Zahl der eritreischen Flüchtlinge in Äthiopien, dem Sudan, Kenia und anderen Ländern zeigt deutlich, dass viele Eritreer mit dem derzeitigen Regime und den Lebensbedingungen im Land zutiefst unzufrieden sind. Was die Außenpolitik und die Entwicklungshilfe betrifft, so wird das eritreische Regime aller Voraussicht nach seine Zusammenarbeit mit China, Iran und den Golfstaaten fortsetzen – und damit versuchen, dem Druck des Westens zu widerstehen, seine Türen für westliche Nichtregierungsorganisationen zu öffnen, einschließlich christlicher Organisationen. Es ist zu vermuten, dass das Regime weiterhin die Menschenrechte der Bürger verletzen und dabei jene Formen des Christentums und des Islam unterdrücken wird, die nicht als einheimisch wahrgenommen werden. Dies geschieht in dem Versuch, inneren Frieden zu fördern, es könnte jedoch muslimischen Gruppen in die Hände spielen, die eine islamisch-extremistische Agenda vorantreiben wollen. Gleichzeitig könnte dies aber ebenso gut sowohl die EOK als auch die protestantischen Freikirchen schwächen und deren Möglichkeiten einschränken, die eritreischen Muslime zu erreichen. Der Bericht der UN-Untersuchungskommission aus dem Jahr 2015 bestätigte, dass das Land „von Angst regiert wird, nicht vom Gesetz“.

Christen, insbesondere diejenigen, die die Regierung als „Agenten des Westens“ betrachtet, werden vermutlich auch in Zukunft leiden. Die hunderte Christen, die immer noch im Gefängnis sitzen, werden vermutlich auf kurze Sicht nicht entlassen werden. Die Freilassung hängt weiterhin davon ab, dass christliche Gefangene Erklärungen unterschreiben, mit denen sie ihrem Glauben widersprechen. Sowohl die Regierung als auch die EOK und extremistische Muslime werden wohl nicht aufhören, Konvertiten zu verfolgen, die den Islam verlassen und sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, genauso wie evangelikale und pfingstlerische Christen. Kurz gesagt:

  • Unterdrückte und verfolgte Eritreer werden aller Voraussicht nach auch weiterhin aus dem Land fliehen, wobei Äthiopien für nicht mehr sehr lange Zeit der Fluchtweg sein wird, da Eritrea einen Friedensvertrag mit Äthiopien unterzeichnet hat.
  • Die eritreische Regierung wird wahrscheinlich ihren autoritären Kurs fortsetzen und Christen aus protestantischen Freikirchen als Agenten des Westens betrachten, trotz der positiven Entwicklung, die sich zwischen Eritrea und westlichen Nationen abzeichnet.
  • Die eritreische Regierung wird vermutlich auch zukünftig alle Eritreer dazu zwingen, sich der nationalen Armee anzuschließen und über längere Zeit Wehrdienst zu leisten, ohne die Rechte der Kriegsdienstverweigerer zu wahren. Einige Beobachter hoffen, dass die Wehrpflicht reduziert werden könnte, nachdem Eritrea den Friedensvertrag mit Äthiopien unterzeichnet hat.

3. Religiöse Situation im Land

Um die heutige religiöse Situation Eritreas zu verstehen, ist ein Blick in die Geschichte notwendig. Der christliche Glaube prägte das Leben der Eritreer über viele Jahrhunderte. Der Islam wurde von den Arabern ab dem 7. Jahrhundert in den Küstengebieten des Roten Meeres eingeführt. Die Errichtung einer Garnison um Massawa durch die Türken im Jahr 1557 machte Eritrea faktisch zu einer Kolonie des Osmanischen Reiches. In den 1860er-Jahren kauften die ägyptischen Herrscher den Türken den Hafen von Massawa ab und machten ihn zum Sitz ihrer Lokalregierung. Im Jahr 1890 beanspruchte Italien Eritrea als Kolonie für sich. Die Anwesenheit von Türken und Ägyptern ließ die Muslime im Küstengebiet sehr mächtig werden. Die Bewohner der Hochebenen (die Christen) gewannen jedoch etwas an Boden, als Eritrea eine italienische Kolonie wurde. Italien wurde im Zweiten Weltkrieg besiegt und Großbritannien übernahm 1941 die Kontrolle über Eritrea.

1952 beschlossen die Vereinten Nationen, eine Föderation von Eritrea mit Äthiopien herzustellen. Die föderale Struktur wurde später vom äthiopischen Kaiser abgeschafft, um Eritrea faktisch zu einem Teil Äthiopiens zu machen (zentralistische Regierungsform) und um Eritrea zu einer seiner Provinzen statt zu einem Bundesstaat zu erklären. Dies führte zur Bildung der eritreischen Befreiungsbewegung. Sie wurde überwiegend von Muslimen aus den Tiefebenen angeführt und erklärte ihre Absicht, eine Republik zu gründen. Da die meisten eritreisch-orthodoxen Christen eine starke Beziehung zur Äthiopisch-Orthodoxen Kirche hatten, betrachteten sie den Schritt der Muslime als gefährlich. Einige der islamisch-extremistischen Gruppen betrachteten umgekehrt die orthodoxen Christen als eine große Bedrohung für die Sache der Unabhängigkeit. Seit dieser Zeit stehen sich die beiden mit Misstrauen gegenüber. Dennoch waren die politischen Anführer der ersten Stunde, die Eritrea zu einer unabhängigen Nation verhalfen, orthodoxe Christen. Diese Anführer wurden später zunehmend feindselig gegenüber Christen anderer Konfessionen und Kirchen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Konfessioneller Protektionismus

Die EOK hat eine lange Tradition in Eritrea. Sie setzt Christen anderer Konfessionen und Gemeinden manchmal unter Druck und betrachtet sie abschätzig als „Neuankömmlinge“. Besonders pfingstkirchliche Gemeinschaften werden als nicht legitim angesehen. Ein Beobachter des Landes sagt dazu: „Es gibt große Vorbehalte unter orthodoxen Christen, Mitchristen, die einer anderen Denomination angehören, als Christen zu akzeptieren. Diese Vorbehalte manifestieren sich in unterschiedlichen Formen in verschiedenen Teilen des Landes. Während der Grund hierfür zum großen Teil in theologischen Differenzen besteht, spielt auch die Angst eine Rolle, der prägende Einfluss, welchen die orthodoxe Kirche seit Jahrhunderten auf das Leben der Bürger des Landes hat, könnte verloren gehen.“ Christen, die der EOK angehören, sind jedoch ebenfalls Verfolgung ausgesetzt – von der Regierung und durch islamische Unterdrückung.

Diktatorische Paranoia

Seit dem Referendum von 1993 ist Eritrea eine unabhängige Nation. Seither übt die „Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit“ (PFDJ) unter der Führung von Präsident Isayas Afewerki uneingeschränkte Macht aus. Das Regime ist ein absolut autoritäres System, das alles tut, um seine Macht zu erhalten: Christen werden verhaftet, angegriffen und getötet, weil sie als „Agenten des Westens“ und damit als Bedrohung für den Staat und die Regierung gesehen werden.

Quellen im Land zufolge bereitet der Präsident seinen Sohn darauf vor, seine Nachfolge anzutreten. Ein Länderexperte meint: „Nach Jahrzehnten des blutigen Krieges um die Unabhängigkeit, der für zehntausende Tote sowie für tausende Verletzte verantwortlich ist, war das Letzte, was die Bevölkerung erwartet hätte, dass die machthabende Partei ein weiteres unterdrückerisches Regime darstellen würde. Dennoch formte die PFDJ entgegen ihrer Versprechungen während des bewaffneten Kampfes ein absolut autoritäres Regime, in dem keine abweichende Meinung geduldet wird. Das wichtigste Ziel der Partei ist, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.“ In diesem Kontext verfolgt die Regierung Christen.

Einige Beobachter glauben, dass sich die eritreische Regierung dafür öffnet, Menschenrechte zu gewähren und eine Demokratie einzuführen, doch diese Ansicht missversteht die Natur der eritreischen Regierung: Sie hat trotz der jüngsten Versuche, die Beziehungen mit angrenzenden Ländern und westlichen Ländern zu verbessern, nicht die geringste Bereitschaft gezeigt, sich im Hinblick auf ihre inneren Angelegenheiten zu verändern.

Islamische Unterdrückung

Ungefähr die Hälfte der eritreischen Bevölkerung besteht aus Muslimen. Diese wohnen großteils in den Tiefebenen entlang der Küste des Roten Meeres und der Grenze zum Sudan. Viele von ihnen zeigen eine Tendenz zum Extremismus, zum Teil auch aufgrund der wachsenden Präsenz des militanten Islam in der Region. Christen in diesen Teilen des Landes sind somit in einer besonders schwierigen Lage, insbesondere wenn sie muslimischer Herkunft sind. Eritreische Muslime verstehen sich zuerst als Muslime, dann als Eritreer. Eine Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verrat an der Gemeinschaft, der Familie und dem islamischen Glauben. Ein Beobachter des Landes erklärt: „Diese Triebkraft ist in den Hochebenen nicht so stark wie in den abgelegenen Teilen des Landes, in denen der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist. Obwohl extremistische Gruppen einen islamischen Staat formen wollen, wurde die Verbreitung solcher Vorstellungen durch die Regierung verhindert, welche extremistische Gruppierungen nicht duldet, da sie in ihnen eine Gefährdung ihrer Macht sieht. Trotzdem bedrohen einige solcher Gruppen das christliche Leben, insbesondere jener Christen, die in den Tiefebenen des Landes leben. Christen können ihren Glauben dort nicht frei ausüben und sie haben es nicht einfach, für ihre Kinder Schulen zu finden, die frei von den extremistischen Lehren dieser Gruppen sind.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Eritrea ist eines der korruptesten Länder der Welt. Laut dem im Februar 2019 veröffentlichten Jahresbericht von „Transparency International“ belegt Eritrea Rang 160 von 180 Ländern. Dies betrifft insbesondere das Militär, das viele Lebensbereiche im Land kontrolliert. Ein Experte für das Land berichtet: „Die Armee ist der stärkste Zweig der Regierung, und Korruption und Machtmissbrauch greifen auf verschiedenen Ebenen um sich. Ein Beispiel ist, dass von Christen Bestechungsgelder verlangt werden, wenn man sie bei einem Fluchtversuch ertappt. Können sie diese Gelder nicht bezahlen, droht ihnen willkürliche Gefangenschaft oder sogar der Tod.“

5. Verfolger

Ausgehend von konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter anderer Kirchen: Die EOK ist die älteste christliche Gemeinschaft im Land und die meisten Christen des Landes gehören ihr an. Ihre Leiter üben einen großen Einfluss auf viele Bereiche des Lebens aus. Das Problem dabei ist, dass die Kirche neue christliche Gemeinden im Land nicht willkommen heißt, insbesondere Pfingstgemeinden. Leiter der EOK sind dafür bekannt, aktiv zu versuchen, die Ausbreitung anderer christlicher Glaubensgemeinschaften zu verhindern.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Verlässt jemand die EOK, um sich einer anderen Denomination anzuschließen, machen Familienangehörige ihm das Leben schwer. Eine solche Hinwendung zu einer anderen Denomination wird von ihnen als Verrat an den Familienwerten und am Glauben der Vorväter angesehen. Deswegen ist es keine Überraschung, wenn ein Verwandter einen Regierungskontakt informiert, dass ein Angehöriger sich einer anderen Denomination zugewandt hat.
  • Regierungsbeamte: Einige Regierungsbeamte versuchen, ihren eigenen orthodoxen Glauben zu verteidigen, und verfolgen aus diesem Grund Christen anderer Denominationen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Eritrea ist keine Demokratie. Die Regierung des Landes ist dafür bekannt, die Freiheit ihrer Bürger zu unterdrücken. Regierungsbeamte belästigen und verhaften Christen, insbesondere Christen, deren Denomination nicht von der Regierung anerkannt ist. Ein Experte für das Land erklärt: „Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass Eritrea praktisch nur von einem Mann regiert wird. Wegen verschiedener Begebenheiten während der Jahre des bewaffneten Unabhängigkeitskampfes haben der Präsident und die meisten seiner engen Mitarbeiter eine negative Einstellung bezüglich der Rolle der Kirche im Alltag der Eritreer. Es besteht ein starkes Gefühl unter den Anführern des Landes, einschließlich des Präsidenten, dass Kirchen (orthodoxe wie protestantische) ein Hindernis für die neue nationale Identität sind, die die herrschende Gruppe im Land schaffen will. Es muss auch festgehalten werden, dass die Nähe der derzeitigen Anführer des Landes zum Kommunismus ein wichtiger Grund ist, warum sie organisierte religiöse Institutionen ablehnen. Das Ausmaß der Beteiligung von Regierungsbeamten auf verschiedenen Ebenen variiert von Region zu Region; aber es muss darauf hingewiesen werden, dass jede Handlung bestraft wird, mit der Kirchen oder ihre Mitglieder die derzeit bestehende absolute Regierungskontrolle scheinbar bedrohen. Die Inhaftierung von Christen, die sich weigern, an der nationalen Militärausbildung an der berüchtigten ‚Sawa Military Academy‘ teilzunehmen, ist ein gutes Beispiel für die Verfolgung von Christen durch Regierungsbeamte auf lokaler und nationaler Ebene.“
  • Politische Parteien: Die herrschende Partei PFDJ ist verantwortlich für viele der Schwierigkeiten, denen sich Christen in Eritrea gegenübersehen. Ein Forscher erklärt: „Die PFDJ ist die einzige legale politische Partei in Eritrea. Der Verfassungsentwurf von 1997 wurde noch immer nicht bestätigt – was die Partei entscheidet, tritt in Abwesenheit von jedweder politischen Opposition oder etwaigen demokratischen Prozessen einfach gesetzlich in Kraft. Als herrschende Partei des Landes sollte es die Aufgabe der PFDJ sein, die Rechte von Christen im Land zu respektieren und zu schützen. Doch in der Realität ist die Partei, die religiösen Gruppen Schutz gewähren sollte, auch genau diejenige, die für Verletzung der Rechte von Christen verantwortlich ist. Die PFDJ setzt Nötigung, Verhaftungen, Folter, Einschüchterungen und Morde ein, um Gehorsam sicherzustellen, während sie gleichzeitig versucht, verschiedene Gruppen im Land (einschließlich religiöser Gruppen) gegeneinander auszuspielen.“
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Zumeist geht Verfolgung von islamischen Anführern als Teil der Triebkraft islamischer Unterdrückung aus. Ihr Einfluss auf die Verletzung der Rechte von Christen geht oft jedoch Hand in Hand mit den Behörden.

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In den Tiefebenen des Landes (in östlichen und westlichen Regionen) schüren Imame in Moscheen und Medressen (Koranschulen) manchmal christenfeindliche Stimmungen. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Verbreitung einer gegen Christen gerichteten Haltung unter ihren Anhängern, was wiederum zu Diskriminierung, Intoleranz und Gewalt gegen Christen geführt hat.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen muslimischer Herkunft sind oft in ihrem eigenen Zuhause schwerem Druck und Gewalt ausgesetzt. Deshalb verheimlichen sie ihren Glauben häufig und können keine religiösen Materialien besitzen. Da das gesellschaftliche Leben normalerweise kaum Privatsphäre bietet, hat die erweiterte Familie weitgehende Macht über die Angehörigen.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte, insbesondere Sicherheitskräfte, werden für Straftaten nicht zur Verantwortung gezogen und untergraben die Autorität des Gesetzes in Eritrea. Es ist bekannt, dass sie Christen Geld abpressen.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Existenz von kriminellen und korrupten Netzwerken im Militär und in der Partei macht das Leben für viele Eritreer und insbesondere für Christen sehr schwer. Sie haben niemanden, der für ihre Rechte eintreten würde.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia ist im gesamten Land vorhanden. Islamische Unterdrückung jedoch findet sich vor allem in den Tiefebenen, sowohl im Westen als auch im Osten des Landes. Brennpunkte des konfessionellen Protektionismus sind die Hochebenen im Zentrum von Eritrea.

7. Betroffene Christen

Alle vier im Weltverfolgungsindex erfassten Gruppen von Christen sind in Eritrea vertreten. Die verschiedenen Gruppen sind in unterschiedlichen Ausmaßen und Formen von Gewalt, Intoleranz und Diskriminierung betroffen.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Aufgrund des von der Regierung ausgeübten Drucks sinkt die Zahl der ausländischen Christen zunehmend. Diese Christen haben Schwierigkeiten, sich im Land frei zu bewegen und sich mit anderen Christen zu treffen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppe ist die größte im Land und umfasst Christen der EOK, der Anglikanischen Kirche, der Evangelisch-Lutherischen Kirche sowie der Römisch-Katholischen Kirche. Die Christen aus traditionellen Kirchen leben hauptsächlich in den überwiegend von Christen bewohnten Gebieten in Zentral- und Süderitrea. Sie sind von islamischer Unterdrückung und auch von staatlichen Maßnahmen betroffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Diese Gruppe schließt sowohl Christen, die traditionelle Kirchen (insbesondere die EOK) verlassen und sich protestantischen Freikirchen angeschlossen haben, als auch Christen mit muslimischem Hintergrund ein. Ersteren widerfährt starke Verfolgung durch die EOK, zweiteren durch ihre muslimischen Familien und die muslimische Gesellschaft.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe erfährt die stärkste Verfolgung im Land. Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden werden von der Regierung als „Agenten des Westens“ angesehen. Insbesondere die Pfingstgemeinden sind ernsthaftem Druck und Gewalt ausgesetzt; ihre Rechte werden regelmäßig von Vertretern der Regierung und der EOK verletzt.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.6
Familienleben 14.9
Gesellschaftliches Leben 15.9
Leben im Staat 15.9
Kirchliches Leben 15.4
Auftreten von Gewalt 11.1

Grafik: Verfolgungsmuster Eritrea

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Eritrea ist mit 15,3 Punkten extrem.
  • Es gibt keinen Lebensbereich, in dem der Druck nicht auf extrem hohem Niveau ist. Am stärksten ist der Druck im Leben im Staat und im Bereich des gesellschaftlichen Lebens (jeweils bei 15,9 Punkten). Darin spiegelt sich wider, dass das Vorgehen der Regierung hauptverantwortlich für den Druck auf Christen im Land ist. Es zeigt auch, dass Christen starke Intoleranz und Diskriminierung durch das soziale Umfeld erleiden, insbesondere durch den konfessionellen Protektionismus.
  • Die Punktzahl für Gewalt ist sehr hoch und von 10,9 Punkten auf 11,1 Punkte gestiegen. Im Weltverfolgungsindex 2019 lag sie bei 9,4 Punkten. Noch immer müssen viele Christen aufgrund ihres Glaubens im Gefängnis ausharren. Von einigen ist nicht bekannt, wo sie sich befinden und ob sie überhaupt noch am Leben sind. Einige Christen wurden im September 2020 freigelassen, aber Hunderte sind immer noch inhaftiert; andere werden Opfer von Menschenhandel oder sind auf dem Meer verschollen, als sie versuchten, nach Europa zu gelangen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Allgemein gesprochen ist die Meinungsfreiheit in Eritrea in allen Formen eingeschränkt. Dem persönlichen Glauben in sozialen Medien Ausdruck zu verleihen, ist riskant und kann zur Verhaftung führen. Auch eine verstärkte Überwachung kann die Folge solcher Posts sein. Die Behörden versuchen so, das Umfeld der betroffenen Person aufzudecken, um eine Gruppen- oder Massenverhaftung vornehmen zu können. Dies trifft auf alle Christen zu, selbst auf diejenigen aus registrierten Kirchen. Ein Experte für das Land erklärt: „Die Regierung schränkt die Meinungsfreiheit stark ein – allgemein und bei Christen ganz besonders. Eine Bezeugung des Glaubens wird als Zeichen des Widerstands gewertet.“

War es riskant für Christen, auf christliche Radiostationen, TV-Sender oder christliches Material im Internet zuzugreifen?

Die Regierung greift stark in das Privatleben einzelner Menschen ein. Viele Häuser von Christen wurden im Berichtszeitraum Ziel von Durchsuchungen, die zu Verhaftungen und der Beschlagnahmung von christlichem Material führten. Das bedeutet, dass es immer riskant ist, christliches Radio oder Fernsehen zu empfangen, da Beamte der Regierung jederzeit an der Tür klopfen oder eine Person überwachen und abhören könnten.

Ein Forscher für das Land erklärt: „Selbst ohne die sensible Angelegenheit von Religion werden Medien zensiert; und alles, was als Bedrohung der herrschenden Partei angesehen wird, wird beseitigt. Die Regierung hat die absolute Kontrolle darüber, auf welche Medien und Inhalte die Bürger Zugriff haben. Wenn herausgefunden wird, dass ein Christ einen Medienkanal nutzt, der von der Regierung verboten ist, wird diese Person sehr wahrscheinlich verhaftet.“

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Die Einschränkung der Religionsfreiheit gegen Christen geht soweit, dass Beamte Häuser nur aufgrund des Verdachts durchsuchen lassen, der Bewohner gehöre einer der sogenannten „neuen Formen des Christentums“ an. Die regierende Partei strebt danach, den Alltag von Angehörigen der christlichen Minderheiten zu überwachen. Parteikader und Sicherheitskräfte des Landes können Privathäuser ohne richterliche Genehmigung durchsuchen. Das Ziel sind dabei vor allem Christen, die sich im Geheimen treffen, und ihre Gebetsgruppen. Daher ist es für Christen schwierig und gefährlich, sich zum Gebet und Bibelstudium zu treffen.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z. B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Der private Besitz von christlichen Materialien wie der Bibel, Bibelkommentaren, CDs mit Predigten oder Kleidung mit christlichen Aufdrucken wird von der Partei als Verrat angesehen und führt zu willkürlicher Inhaftierung für unbestimmte Zeit, ohne dass ein Gericht darüber entscheiden muss.

Familienleben

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Es ist sehr schwer für Christen, ihre Kinder gemäß ihres Glaubens aufzuziehen. Ein Forscher für das Land erklärt: „Das Land ist unter absoluter Kontrolle der herrschenden Partei. Eines der Probleme dieser absoluten Kontrolle ist, dass das Recht von Eltern (insbesondere von Eltern, die nicht den traditionellen Kirchen angehören) beschnitten wird, ihre Kinder so zu erziehen, wie es ihrem Glauben entspricht. Ausgehend von der Verweigerung des Rechts auf rechtlichen Schutz, über eine militärische Zwangsausbildung, die dem eigenen Glauben widerspricht, bis hin zu Verhaftung und Folter aus keinem anderen Grund als dem, Christ zu sein – das sind nur einige der Erscheinungsformen, mit denen sich die Brutalität der herrschenden Gruppe zeigt. Sie illustrieren, wie schwer es für Familien ist, Kinder frei über ihren Glauben zu unterrichten.“

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Durch die Propaganda der Regierung in Schulen werden Schulkinder indoktriniert. Bei der militärischen Ausbildung von Jugendlichen gibt es vieles, was christlichen Werten direkt widerspricht. Auch während der Grundschul- und Sekundarschulbildung werden Kinder indoktriniert. Dies betrifft jedoch nicht ausländische Christen.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Dieses Problem hat viele Ebenen. Kinder von Eltern, die als „Pentes“ bekannt sind (ein abwertender Name für Christen aus Pfingstgemeinden), sind häufig beträchtlichem Druck von ihren Lehrern und Mitschülern ausgesetzt. Einige Kinder werden stigmatisiert, besonders wenn ihre Eltern im Gefängnis sind oder waren. Im Berichtszeitraum wurden auch einige Fälle gemeldet, in denen Kinder evangelikaler Eltern schlecht behandelt wurden.

Haben christliche Ehepartner und/oder Kinder von Christen bedingt durch Verfolgung über einen längeren Zeitraum Trennung erlitten?

Manche Familienmitglieder sind gezwungen, aus dem Land zu fliehen und lassen schutzbedürftige Verwandte zurück. Ein Experte erklärt: „Verschiedene Berichte legen nahe, dass tausende Christen in verschiedenen Gefängnissen und Lagern eingesperrt sind, nur weil sie Christen sind. Und die, die eingesperrt sind oder aus dem Land fliehen müssen, um ihr Leben zu retten, sind nicht die einzigen Opfer: Die Familien und Kinder dieser Häftlinge und Flüchtenden sind ebenfalls Opfer, denn sie können keinen Kontakt mit ihren Angehörigen haben.“

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Dies betrifft vor allem Christen aus nichtregistrierten evangelikalen Gruppen. Sie werden diesbezüglich mit enormen Herausforderungen konfrontiert, vor allem seitens der EOK und der Regierung. Ein Forscher betont, dass dieser Druck auftritt, wenn alle Triebkräfte der Verfolgung gemeinsam wirken: „Hierfür sind alle Verfolger verantwortlich. Sowohl die Regierung als auch muslimische und orthodoxe Leiter stellen Christen vor Herausforderungen.“

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Es gibt in Eritrea ein Netzwerk von Bürgern (insbesondere Frauen, die früher Freiheitskämpferinnen waren und nun der herrschenden Partei angehören), das damit beauftragt ist, die Aktivitäten von Nachbarn zu überwachen. Diese Informantinnen und Informanten berichten dem zuständigen Beamten von jeder Person oder jedem Haushalt, die oder der verdächtigt wird, geheime Treffen oder Gottesdienste auszurichten. Der Großteil der Verhaftungen im Berichtszeitraum waren Ergebnis dieser Berichte. Die Regierung überwacht die Nutzung des Internets und hört Telefonate ab, sodass Christen im Untergrund sehr vorsichtig sein müssen, wenn sie per Telefon oder E-Mail kommunizieren.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Für protestantische Christen kommt dieser Druck von verschiedenen Seiten. Für nichtregistrierte Kirchen kommt er außerdem von der Regierung. Wenn verhaftete Christen freigelassen werden, werden sie gezwungen, ein Formular zu unterschreiben, das ihre Abkehr vom Glauben bestätigt. Konvertiten mit orthodoxem Hintergrund oder Christen muslimischer Herkunft sind außerdem hohem Druck vonseiten ihres sozialen Umfelds ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Die Polizei ist dafür bekannt, Christen – besonders evangelikale – dazu zu verpflichten, sich bei ihr zu melden. Die Netzwerke von Informanten, die nach Hauskirchen im Land Ausschau halten, sind sehr effizient. Wenn eine Hauskirche ausgemacht wurde, wird eine Razzia durchgeführt, und die Mitglieder der Kirche werden ohne Prozess für Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre in Gewahrsam gehalten.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Regierung hat klar zum Ausdruck gebracht, dass nur die vier offiziell anerkannten Religionsgruppen im Land geduldet sind und aktiv sein dürfen: der Islam, die EOK, die Lutherische Kirche und die Römisch-Katholische Kirche. Der Patriarch der EOK wird von der Regierung ernannt, und jeder Widerspruch eines religiösen Oberhauptes kann zu dessen Amtsenthebung und Verhaftung führen, wie es im Jahr 2007 geschah. Andere Kirchen, die sich 1997 zur Registrierung gemeldet hatten, als die Regierung diese anordnete, erhielten einen sogenannten „Übereinstimmungsstatus“. Der brachte ihnen zunächst einige Vorteile – diese wurden mit der Zeit allerdings immer weniger. Eine solche Verweigerung der Anerkennung von staatlicher Seite wird von lokalen Leitern und der Polizei als Rechtsgrund genutzt, um Christen, die zu nichtregistrierten Gemeinschaften gehören, zu belästigen und einzuschüchtern. Es geschieht sehr häufig, dass Parteikader und Polizei Bürger verhaften und verhören, die sie verdächtigen, einer nichtregistrierten religiösen Gruppe anzugehören. Bestätigt sich der Verdacht, wird er oder sie in den meisten Fällen in eines der Gefangenenlager gebracht, die sich in entlegenen Regionen des Landes befinden. Bei der Entlassung aus einem solchen Gefängnis wird der Person befohlen, ihren Glauben zu widerrufen und sich in regelmäßigen Abständen bei der Polizei zu melden. Bei Verstoß gegen diese Meldeauflagen droht erneute Haft.

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

Sowohl Reisen innerhalb als auch außerhalb des Landes ist für Christen sehr schwierig. Einige Christen müssen sich jeden Tag oder jeden zweiten Tag melden, um zu beweisen, dass sie das Land nicht verlassen haben. Ein Forscher berichtet, dass kein Eritreer unter 40 Jahren sein Dorf oder seine Stadt verlassen darf, wenn er nicht ein Dokument besitzt, das beweist, dass er Militärdienst geleistet hat: „Es gibt Straßensperren, bei denen jeder aussteigen und sein Dokument vorzeigen muss. Dies gilt sowohl für öffentliche als auch für private Autos. Hat jemand kein solches Dokument, wird die Person auf der Stelle ins Militärgefängnis gebracht und muss im Anschluss seinen Militärdienst beginnen. Nur wer älter als 40 Jahre ist, benötigt kein Dokument.“ Dies beeinträchtigt vor allem Christen, die in anderen Städten oder Dörfern an christlichen Aktivitäten beteiligt sind.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Eritrea ist eines der wenigen Länder auf der Welt, die eine Zivilgesellschaft und politische Parteien als Staatsfeinde ansehen. Von außen betrachtet gibt es in Eritrea positive Veränderungen, seit der neue äthiopische Premierminister gewählt wurde: Die Beziehung zum Nachbarland hat sich verbessert und ein Friedensabkommen wurde unterzeichnet. Für Christen hat sich jedoch nichts verändert. Es gibt keine Umstände, die eine bessere Bewertung auf dem Weltverfolgungsindex nach sich ziehen würden.

Wurden Christen durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, z. B. beim Militärdienst oder in bestimmten Berufen?

Die Regierung ist dafür bekannt, dass sie Christen zwingt, gegen ihr Gewissen zu handeln. Gemäß Artikel 6 der Bekanntmachung zum Wehrdienst Nr. 82/1995 aus dem Jahr 1995 ist jeder eritreische Staatsbürger zwischen 18 und 50 Jahren verpflichtet, sich zum Wehrdienst zu melden. Die Bekanntmachung lässt keine Ausnahme für Bürger zu, die sich aus religiösen Gründen nicht einschreiben wollen. Religiöse Gruppen sehen sich daher einem hohen Maß an Druck ausgesetzt, wenn sie den Dienst verweigern.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Alle Kirchen im Land erleben irgendeine Form der Überwachung. Am stärksten werden jedoch die nichtregistrierten Kirchen überwacht und in ihren Tätigkeiten behindert. Die Regierung versucht, diese Gruppen zu schwächen, indem sie ihre Leiter inhaftiert. Der Fokus liegt dabei besonders auf vollzeitlichen Gemeindeleitern und Bibellehrern. Sie stehen in Gefahr, verhaftet zu werden, worauf Folter, der mögliche Hungertod und harte Zwangsarbeit für unbestimmte Zeit folgen können. Nichtregistrierte Kirchen können keine öffentlichen Aktivitäten durchführen. Dazu zählen etwa Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen, Bibellehre, Gottesdienste, evangelistische Veranstaltungen, Wahlen von Gemeindeleitern, Sonntagsschulen, Jugendgruppen, Unterstützung bedürftiger Menschen oder andere soziale Projekte.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Sicherheitsbeamte kontrollieren Predigten und Lehre, ob sich jemand gegen die Regierung äußert. Christliches Material kann ausschließlich von der Bibelgesellschaft gekauft werden und ist streng zensiert. Die Geheimpolizei kommt regelmäßig zu Gottesdiensten der registrierten Kirchen und nimmt Predigten auf, um sicherzustellen, dass sie regierungskonform bleiben. Das betrifft auch Seminare, die auf Grundstücken von registrierten Kirchen selbst durchgeführt oder unter deren Schirmherrschaft ausgerichtet werden. Bevor christliches Material veröffentlicht werden kann, wird es geprüft, um sicherzustellen, dass es nicht dem widerspricht, was die Regierung als akzeptabel betrachtet.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Alle Kirchengemeinden müssen sicherstellen, dass sie nicht die öffentliche Ordnung stören. Während der Feiertage können orthodoxe Kirchen Veranstaltungen im Freien organisieren, stehen aber weiter unter Druck, nichts zu predigen, was gegen die Regierung geht. Für nichtregistrierte Gemeinden sind solche Veranstaltungen undenkbar.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Religiöse Gruppen müssen sich in Eritrea entweder registrieren lassen oder ihre Tätigkeit einstellen. Eine offizielle Registrierung zu erlangen, ist jedoch nahezu unmöglich. Seit 2002 haben die Behörden keiner weiteren Gruppe neben den vier bisher anerkannten religiösen Gruppen (EOK, Lutherische Kirche, Römisch-Katholische Kirche, Islam) die Registrierung zugestanden. Häufig kommt es zu Razzien bei den Treffen nichtregistrierter Gemeinden, da die Regierung über einen ausgedehnten Geheimdienstapparat verfügt. Christen aus diesen Gemeinden müssen ständig sichergehen, dass sie nicht beschattet werden. Seit der Unabhängigkeit Eritreas konnten Christen aus protestantischen Freikirchen noch nie in Freiheit Gottesdienst feiern, ohne zu riskieren, verhaftet und eingesperrt oder sogar getötet zu werden. Die Regierung mischt sich zudem in die Ernennung religiöser Leiter der registrierten Kirchen ein. Der eritreisch-orthodoxe Patriarch, Abune Antonios, steht seit Mai 2007 unter Hausarrest. Darüber hinaus können religiöse Gruppen keine Materialien drucken oder verteilen, ohne vorher die Erlaubnis der Religionsbehörde erhalten zu haben.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Es gab Gerüchte, dass einige Christen, die in Schiffscontainern festgehalten wurden, bei der Zwangsarbeit starben. Versuche, die Gerüchte zu bestätigen, waren jedoch nicht erfolgreich.
  • Verhaftungen von Christen: Etwa 930 Christen wurden verhaftet. So wurden Berichten zufolge zwischen April und Juni 2020 in der Hauptstadt Asmara 45 Teilnehmer von christlichen Versammlungen verhaftet. Von den 45 festgenommenen Personen wurden 30 Personen verhaftet, als sie in der letzten Juniwoche an einer Hochzeit eines christlichen Paares in Asmara teilnahmen. Die obige Zahl bezieht sich nur auf Christen, die während des Berichtszeitraums inhaftiert wurden. Hunderte von Eritreern werden ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in verschiedenen Haftanstalten im ganzen Land festgehalten, oft unter entsetzlichen Bedingungen und schon seit Jahren. Viele der Inhaftierten werden aufgrund ihrer politischen Ansichten oder religiösen Überzeugungen festgehalten. Unter den Inhaftierten sind auch Reverend Haile Naizge, Vorsitzender der Full Gospel Church, und Kuflu Gebremeskel, Vorsitzender der Eritreischen Evangelischen Allianz und Mitglied des Exekutivkomitees der Full Gospel Church of Eritrea.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens 27 Kirchen wurden entweder angegriffen, beschlagnahmt oder geschlossen. So wurden beispielsweise Ende 2019 und Anfang 2020 Krankenhäuser und Schulen, die der Eritreisch-Katholischen Kirche gehören, beschlagnahmt.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Mindestens 20 christliche Geschäfte/Häuser in Eritrea wurden angegriffen. Die Umstände sind unterschiedlich. In einigen Fällen waren es Regierungsbeamte, die bei Razzien Häuser evangelikaler Christen plünderten und verwüsteten; in anderen Fällen hatten es ultrakonservative Anhänger der EOK auf das Eigentum von Mitgliedern nicht anerkannter Kirchen abgesehen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit“ des US-Außenministeriums für 2019 meldet, dass auch Muslime und Zeugen Jehovas von der Regierung ins Visier genommen wurden; ihre internationale Reisetätigkeit und Kommunikation wurde kontrolliert. Der Bericht stellte fest, dass „die Regierung erheblichen direkten und indirekten Einfluss auf die Ernennung von Leitern der anerkannten Religionsgemeinschaften ausübte.“ Die Regierung inhaftiert zudem weiterhin 52 Zeugen Jehovas, von denen mehr als die Hälfte bereits seit über 20 Jahren im Gefängnis ist.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Eritrea:

  • Beten Sie für die eritreischen Christen, dass ihr Glaube wächst, ihre Liebe zunimmt und sie auch in Verfolgung und Bedrängnis fest im Glauben bleiben.
  • Beten Sie für Gemeindeleiter und die Christen in Eritrea, dass Sie Weisheit und Gelegenheiten erhalten, ihre Regierung dazu zu bewegen, sich für Religionsfreiheit einzusetzen.
  • Bitten Sie sowohl für die Christen, die wegen ihres Glaubens unter entsetzlichen Bedingungen in Gefängnissen leiden, als auch für ihre Ehefrauen und Kinder um Gottes Versorgung.