Länderprofil Laos

Laos

26
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Laos
Hauptreligion
Buddhismus
Offizielle Staatsform
Sozialistische Republik mit Einparteiensystem
Platz Vorjahr
22
Karte Laos
Christen
0,20
Bevölkerung
7.26
Kommunistische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 12.000
Familienleben: 10.300
Gesellschaftliches Leben: 13.200
Leben im Staat: 13.300
Kirchliches Leben: 14.100
Auftreten von Gewalt: 5.900

Länderprofil Laos

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 26 / 69 Punkte (WVI 2021: Platz 22 / 71 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die kommunistische Regierung hat die Macht fest im Griff, hat aber Schulungsprogramme zur Religionsfreiheit für lokale Behörden eingeführt. Auf der lokalen Ebene treten auch die meisten Probleme auf. Die Behörden überwachen streng alle christlichen Aktivitäten, auch die der registrierten Kirchen. 75 Prozent der Gemeinden der offiziell anerkannten Evangelischen Kirche von Laos (LEC) haben keine festen Gebäude und feiern ihre Gottesdienste in Privathäusern. Diese werden von der Regierung als „illegale Versammlungen“ betrachtet und müssen im Verborgenen abgehalten werden, obwohl die Zugehörigkeit zur LEC einen gewissen Schutz bietet. Christliche Konvertiten werden als Verräter der buddhistisch-animistischen Gemeinschaft angesehen und müssen häufig schwere Menschenrechtsverletzungen durch ihre Familie, ihr soziales Umfeld, nichtchristliche religiöse Leiter und vor allem durch staatliche Behörden auf lokaler Ebene hinnehmen. Sie können aus ihrer Gemeinschaft ausgeschlossen oder sogar inhaftiert werden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Laos ist eine zentralistisch regierte sozialistische Republik, die seit 1975 von der „Laotischen Revolutionären Volkspartei“ (LRVP) regiert wird. Internationale Beobachter bezeichnen die Menschenrechtsbilanz des Landes regelmäßig als außerordentlich schlecht, was auf die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten und die Verfolgung von Minderheiten zurückzuführen ist. Trotz der Wirtschaftsreformen in den 1980er-Jahren ist das Land nach wie vor extrem arm und stark von ausländischer Hilfe abhängig, die in zunehmendem Maße aus China kommt.

Nach Schätzungen der World Christian Database (WCD) von 2020 sind 53,2 Prozent der Bevölkerung Buddhisten, die hauptsächlich der Schule des Theravada angehören. 41,9 Prozent gehören ethnischen Religionen an (Chinesen nicht eingeschlossen), die mit ihrer ethnischen Herkunft oder Stammeszugehörigkeit zusammenhängen. Diese sind den in Thailand praktizierten Religionen ähnlich. Mehrere dieser Volkstraditionen sind in den Buddhismus eingeflossen, so dass sich die oben genannten Zahlen stark überschneiden.

Das Land befindet sich immer noch im festen Griff der kommunistischen LRVP; daher wird Religion von den Behörden als etwas Feindliches angesehen, das kontrolliert werden muss. Während der Buddhismus bis zu einem gewissen Grad als Teil des kulturellen Erbes des Landes akzeptiert wird, gilt der christliche Glaube, vor allem in den Dörfern, als fremd, mit westlichen Werten verbunden und als Feind des Kommunismus.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

203.000

2,8

Buddhisten

3.882.000

53,5

Anhänger ethnischer Religionen

3.023.000

41,6

Agnostiker

60.800

0,8

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Provinzen wie Luang Namtha, Phongsali und Houaphan im Norden des Landes (wo auch die Minderheiten der Hmong und Khmu konzentriert sind) sowie Khammuan, Salavan und Savannakhet im Süden sind traditionell die Orte, an denen die Rechte von Christen von den lokalen Behörden am stärksten missachtet werden.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Kommunistische Unterdrückung, vermischt mit diktatorischer Paranoia

Laos ist eines der fünf letzten marxistisch-leninistischen Länder der Welt. Allerdings wird nur noch in wenigen Provinzen und Dörfern streng an der kommunistischen Ideologie festgehalten. Diese streng kommunistischen Gebiete sind strikt gegen jeden Einfluss, der als ausländisch oder westlich angesehen wird. Dazu gehört auch der christliche Glaube. Lokale Behörden nutzen oft die feindselige Haltung der Gesellschaft gegenüber Christen aus, um Maßnahmen gegen sie zu rechtfertigen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Animismus und andere Stammespraktiken sind im ganzen Land verbreitet, vor allem in ländlichen Gebieten. Sich für den christlichen Glauben von Stammesriten abzuwenden, wird als Verrat an der Identität der Familie und des weiteren sozialen Umfelds betrachtet. Dorfälteste und Familienmitglieder zwingen Christen oft, ihren Glauben aufzugeben, oder sie vertreiben sie aus der Gemeinschaft, um die Schutzgeister des Dorfes nicht zu verärgern.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen verkehren im Allgemeinen nicht mit den laotischen Gemeinden. Zu den ausländischen Gemeinden in Laos gehören christliche Gemeinschaften von Mitarbeitern im diplomatischen Dienst. Diese erfahren zum Beispiel Druck, weil sie dem Überwachungssystem der Polizei ausgesetzt sind.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den traditionellen Kirchen gehören die Römisch-Katholische Kirche, die LEC und die Siebenten-Tags-Adventisten. Obwohl sie von den Behörden offiziell anerkannt sind, werden sie stark überwacht. Im Falle der LEC besteht ein stillschweigendes Einvernehmen darüber, dass die Behörden an der Auswahl von Leitern und der Genehmigung von christlichen Printmaterialien beteiligt sind.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen buddhistischer oder animistischer Herkunft sind dem größten Druck und der größten Gewalt seitens der lokalen Behörden, der Familien und des sozialen Umfelds ausgesetzt. Der Glaubenswechsel wird als potenzielle Bedrohung der staatlichen Autorität angesehen. Als Reaktion darauf geht die Polizei oft schnell und mit harter Hand gegen christliche Gruppen vor, die angeblich ihren Glauben verbreiten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu den Christen aus protestantischen Freikirchen gehören Evangelikale, Pfingstler und Lutheraner. Da die Regierung keine „illegalen“ Versammlungen erlaubt, müssen diese Gruppen sich unter einer der drei von der Regierung anerkannten traditionellen Kirchen registrieren. Nicht registrierte Kirchen müssen sich im Geheimen treffen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12
Familienleben 10.3
Gesellschaftliches Leben 13.2
Leben im Staat 13.3
Kirchliches Leben 14.1
Auftreten von Gewalt 5.9

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christliche Konvertiten müssen ihren Glauben geheim halten. Wenn sie entdeckt werden, drohen die Dorfältesten („pho ban“ oder „nai ban“) und ihre Gehilfen den Christen mit Ausweisung. Viele Laoten glauben, dass sie von „phi“ (Geistern) beschützt werden und fürchten sich davor, die Geister zu beleidigen. Den Christen wird eine Frist gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen und so das Unglück vom Dorf abzuwenden. Sie werden unter Druck gesetzt, und wenn das nicht funktioniert, werden die Christen gewaltsam vertrieben.

Familienleben

Buddhistische Lehren werden als Teil der laotischen Identität betrachtet. Christen stehen unter Anpassungsdruck; Kinder können von der Schule oder dem sozialen Umfeld gezwungen werden, an buddhistischen Tempeldiensten teilzunehmen und die damit verbundenen Rituale zu praktizieren. In streng buddhistischen Gebieten werden Christen ihr ganzes Leben lang diskriminiert, beispielsweise wird ihnen der Zugang zu Bildung und Arbeit verwehrt. Christen werden inhaftiert, weil sie christliche Beerdigungen abhalten. Selbst Kirchen, die zur registrierten LEC gehören, können in den ländlichen, buddhistischen Gebieten nicht offen Taufen durchführen.

Gesellschaftliches Leben

Der Druck des sozialen Umfelds auf Christen ist enorm. In Provinzen wie Luang Namtha, Phongsali und Houaphan im Norden und Savannakhet im Süden werden Christen von den örtlichen Behörden, insbesondere den Dorfältesten, schikaniert, überwacht, verhaftet und vertrieben. Die Polizei verlangt von den Gemeinden, dass sie persönliche Daten wie Fotos, Telefonnummern und Adressen von Geistlichen und Gemeindemitgliedern zur Verfügung stellen, um die staatliche Überwachung zu erleichtern. Christen, die im öffentlichen Dienst (darunter auch das Militär) stehen und deren Glaube entdeckt wird, werden entweder entlassen oder bei Beförderungen übergangen. Die Renten von Christen, die aus dem Staatsdienst ausgeschieden sind, werden gekürzt.

Leben im Staat

Obwohl die laotische Verfassung Religionsfreiheit vorsieht, wird dieses Recht nicht respektiert. Von kommunistischen Regierungsbeamten wird auch Druck ausgeübt, aber die meisten Verstöße gegen die Religionsfreiheit von Christen geschehen auf lokaler Ebene und gehen von Dorfältesten aus. Diesen lokalen Anführern geht es in erster Linie darum, ethnische Praktiken zu bewahren und die kommunistische Bürokratie bis zu einem gewissen Grad aufrechtzuerhalten.

Kirchliches Leben

Viele kirchliche Aktivitäten bedürfen gemäß Verordnung 315 der Genehmigung durch die Regierung. Sowohl geheime als auch uniformierte Polizisten nehmen an den Gottesdiensten teil, zählen die Gottesdienstbesucher und machen sich Notizen zu den Predigten. Die lokalen Behörden in städtischen Gebieten sind gegenüber religiösen Praktiken meist etwas toleranter, in ländlichen Gebieten greifen sie jedoch oft sehr streng durch.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Mai 2021 wurde ein Pastor nach einem Jahr Haft unter der Bedingung freigelassen, dass er nicht mehr predigen würde.
  • Im Januar 2021 wurden 21 christliche Konvertiten wegen ihres neuen Glaubens aus ihren Häusern und Dörfern in der Provinz Salavan vertrieben und durften bisher nicht zurückkehren (Stand: 30.09.2021).

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

26

68,84

2021

22

70,53

2020

20

71,74

2019

19

70,57

2018

20

67,39

Der Rückgang von 1,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2022 gegenüber dem von 2021 ist darauf zurückzuführen, dass weniger Fälle von Gewalt gemeldet wurden (ein Punkt) und die Werte in fast allen Lebensbereichen leicht gesunken sind. Der Rückgang der Punktzahlen könnte mit den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Berichten aufgrund der Covid-19-Beschränkungen zusammenhängen. Die staatlichen Behörden (vor allem auf lokaler Ebene) üben weiterhin Druck auf Christen aus. Christliche Konvertiten sind weiterhin dem Druck von Familie, Freunden und Nachbarn ausgesetzt.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Gewalt gegen Frauen ist kulturell weitgehend akzeptiert. Mädchen können in der Schule diskriminiert und belästigt werden, und christliche Mädchen sind doppelt gefährdet. Christliche Leiterinnen können verhaftet werden. Christinnen können wirtschaftlich und emotional unter der Verfolgung der Männer leiden, insbesondere wenn ihre Ehemänner verhaftet und inhaftiert werden. Vor allem christliche Konvertitinnen erfahren Druck, der sich in Spott, Isolation und der Verweigerung von Gemeinschaftsressourcen (beispielsweise Wasser) innerhalb ihres sozialen Umfelds äußert. Im familiären Umfeld können sie auch geschlagen oder verleugnet werden.

Männer: In der Regel leiten Männer die christlichen Gemeinden. Wegen dieser Position werden sie häufig zur Zielscheibe von Verfolgung. Pastoren sind Angriffen auf Kirchen und Inhaftierung von den Behörden ausgesetzt. Für ihre Freilassung müssen beträchtliche Geldbeträge gezahlt werden und sie berichten von harter und erniedrigender Behandlung während ihrer Inhaftierung. Ein Experte für das Land erklärt: „Die Polizei ist für ihre brutale Behandlung von Gefangenen bekannt [...], einige Gefangene sterben sogar in Polizeigewahrsam.“ Christen werden am Arbeitsplatz verfolgt und diskriminiert, von Positionen in staatlichen Behörden und im Militär ausgeschlossen und verlieren ihren Arbeitsplatz. In den Schulen sind Jungen häufiger körperlichen Schlägen und Schikanen ausgesetzt, christliche Jungen sind doppelt gefährdet.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Buddhisten, die nicht der Hauptströmung der buddhistischen Lehre angehören, haben manchmal Probleme bei der Registrierung von Mönchen. Unter den ethnischen Gemeinschaften sind es die Hmong (oft Animisten oder Christen), die am stärksten von der Regierung unterdrückt werden. Muslime, Hindus und Bahai stellen winzig kleine Minderheiten in Laos dar und werden von den kommunistischen Staatsbehörden unter Druck gesetzt.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Laos:

  • Dass alle inhaftierten Christen körperlich, seelisch und geistlich gestärkt werden und so schnell wie möglich aus der Haft entlassen werden.
  • Dass Christen bei lokalen religiösen Obrigkeiten und Regierungsbeamten zunehmend mehr Gunst finden.
  • Für den Schutz der lokalen Partner von Open Doors und Weisheit beim Dienst an den verfolgten Christen in Laos.