Länderprofil Laos

Laos

20
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Laos
Hauptreligion
Buddhismus
Platz Vorjahr
19
ISO
LA
Karte Laos
Christen
0,23
Bevölkerung
7.06
Kommunistische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.800
Familienleben: 9.900
Gesellschaftliches Leben: 14.100
Leben im Staat: 14.400
Kirchliches Leben: 14.900
Auftreten von Gewalt: 5.600

Länderprofil Laos

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 20 / 72 Punkte (WVI 2019: Platz 19 / 71 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die kommunistischen Behörden überwachen streng alle religiösen Aktivitäten, auch die der registrierten Kirchen. Da alle Treffen den Behörden gemeldet werden müssen, sind Hauskirchen gezwungen, im Geheimen zu agieren, da sie als „illegale Versammlungen“ betrachtet werden. Sogar von den Gemeinden der offiziell anerkannten „Lao Evangelical Church“ (LEC) haben 75% keine festen kirchlichen Strukturen und führen ihre Gottesdienste in Privatwohnungen durch. Christliche Konvertiten tragen die Hauptlast der Verfolgung. Man wirft ihnen vor, sich von der (buddhistisch-animistischen) Gesellschaft zu isolieren. Daher erleben sie Verfolgung vonseiten ihrer eigenen Familie (gemeint ist die erweiterte Familie, da der laotische Haushalt meist aus drei Generationen unter einem Dach besteht) sowie durch lokale Behörden. Beide, Familien und Behörden, hetzen die örtliche Gemeinschaft auf oder bitten örtliche religiöse Führer um Unterstützung.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 wurden mindestens fünf Hauskirchen gezwungen, ihre Treffen einzustellen, nachdem die Behörden dies angeordnet und die Ortsgemeinschaft sie bedroht hatten. Drei Hauskirchen wurden zumindest teilweise zerstört. Mindestens 12 Christen wurden in der Zeit von Weihnachten 2018 verhaftet. Drei US-amerikanische Christen wurden im April 2019 in der Provinz Luang Namtha verhaftet und nach einer Woche des Landes verwiesen, weil sie christliche Materialien verteilt hatten.
  • Das „Gesetz zu Vereinigungen“ (Nr. 238) trat am 1. November 2017 in Kraft und hat seitdem das kirchliche Leben verkompliziert. Als eine direkte Folge verstärkte die Polizei den Druck auf Christen, ihre Treffen einzustellen. Das neue Gesetz schreibt Kirchen zwei Bedingungen vor, um als legal eingestuft werden: Die Kirche muss im Besitz eines registrierten Versammlungsortes für ihren Gottesdienst sein und sie braucht einen registrierten Pastor. Allerdings ist es nahezu unmöglich, diese Vorgaben zu erfüllen. Zunächst ist niemand willens, Land an eine Kirche zu verkaufen. Zweitens bestimmt das neue Gesetz, dass die Errichtung einer Kirche durch den Premierminister genehmigt werden muss. Und drittens kann Land ganz einfach von der Regierung konfisziert werden.
  • Im August 2016 verabschiedete Premierminister Thongloun Sisoulith eine neue Vorschrift: Das Dekret 315 zur Lenkung und zum Schutz religiöser Aktivitäten. Dekret 315 erklärt die Regierung zur finalen Entscheidungsinstanz über die Rechtmäßigkeit religiöser Aktivitäten. Die Regierung veröffentlichte im August 2017 eine Aktualisierung, welche das Leben für Christen auch im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 schwer machte.

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06:04 Minuten
Laos

Besucht man die Gemeinden in Laos, merkt man schnell: Die Religionsfreiheit gilt nicht für alle Menschen in dem südostasiatischen Land. Laotische Christen erfahren Verfolgung von der kommunistischen Regierung und buddhistisch und animistisch geprägten Dorfbewohnern.

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Blickpunkt Buddhismus
Auch wenn der Buddhismus als bunte und friedliche Religion gilt, sind viele Christen in buddhistisch geprägten Ländern starker Verfolgung ausgesetzt. Wir möchten, dass diesen Geschwistern wieder mehr Beachtung zukommt und wollen deswegen ihre Geschichten weitergeben.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 72 Punkten steht Laos auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2020 auf Platz 20.

Der Anstieg um einen Punkt gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 ist bedingt durch einen Anstieg im Bereich Gewalt gegen Christen. Der Druck, den staatliche Behörden auf Christen ausüben und der sehr hohe Druck auf Konvertiten vonseiten der Familie, Freunde, Nachbarn und lokalen Behörden ist auf gleichem Niveau geblieben. Indem Laos hohen Druck auf Christen ausübt, folgt das Land dem Beispiel anderer Länder, die immer noch von kommunistischen Parteien regiert werden – besonders seinem großen Nachbarn, China.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Kommunistische Unterdrückung

Laos ist eines der fünf letzten marxistisch-leninistischen Länder der Welt. Es hält standhaft an seiner kommunistischen Ideologie fest und widersetzt sich folglich jedem Einfluss, der als fremd oder westlich angesehen wird. Um die Kontrolle zu behalten, baut die kommunistische Regierung einen enormen Druck auf die Gesellschaft auf, die kleine christliche Minderheit eingeschlossen. Die Regierung hat eine negative Sicht auf Christen und betrachtet sie als Feinde und Agenten des Auslands. Der christliche Glaube wird als eine westliche Ideologie gesehen, die den Kommunismus in Frage stellt. Die laotische Regierung kontrolliert alle Informationsquellen, inklusive Zeitungen und Radio.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

In den Dörfern der einheimischen Stämme werden animistische und andere Stammesriten befolgt, besonders in den ländlichen Gebieten (die mindestens 60 Prozent des Landes ausmachen). Sich von den Stammesriten abzuwenden, wird als Verrat betrachtet. Dorfälteste und Familienmitglieder in einigen Landesteilen sehen es als notwendig an, Christen des Dorfes zu verweisen, da sie fürchten, dass dieser fremde Glaube die Schutzgeister des Dorfes verärgern könnte. Von lokalen Beamten ist bekannt, dass sie immer wieder Christen zwingen, ihrem Glauben abzuschwören. Dorfälteste stacheln manchmal die örtlichen Behörden an, Christen zu verhaften.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung ist verschwiegen und niemand außerhalb des innersten Zirkels der Regierung scheint zu wissen, was wirklich vor sich geht. Die Kommunistische Partei – wenn auch keine einzelnen Mandatsträger – wird alles tun, was ihr notwendig scheint, um an der Macht zu bleiben. Christen müssen äußerste Vorsicht walten lassen, wenn sie über ihren Glauben reden. Sie müssen immer innerhalb stillschweigend verstandener Grenzen bleiben und es gibt „rote Linien“, welche die Christen nicht überschreiten sollten, um negative Reaktionen vonseiten der Behörden zu vermeiden. Lokale Beamte nutzen oft die feindselige Einstellung der Gesellschaft gegenüber Christen, um eine Überwachung zu rechtfertigen. Häufig gehen lokale Behörden stärker gegen Christen vor als die Behörden auf nationaler Ebene.

Religiös motivierter Nationalismus

Laos ist eines der fünf Länder, die der Theravada-Tradition des Buddhismus folgen, der ältesten der buddhistischen Traditionen. Der buddhistische Glaube ist tief in der Gesellschaft verankert. Nach weithin herrschender Überzeugung sind Laos und der Buddhismus untrennbar miteinander verbunden, und der Buddhismus sollte immer die beherrschende Stellung im Land einnehmen. Das Ziel der lokalen buddhistischen Führer, ihr Land „rein“ zu halten, und das Ziel der kommunistischen Machthaber, die Kontrolle zu behalten, ergänzen einander sehr gut. Beide wollen die Gesellschaft bestimmen und Abweichungen von der Norm verhindern.

Konfessioneller Protektionismus

Die „Lao Evangelical Church“ (LEC) ist die vorherrschende kirchliche Gruppe im Land und hat bis vor kurzem die Ausbreitung anderer Denominationen blockiert. Jetzt, da andere Denominationen ins Land kommen, besonders protestantische, benutzt die Regierung die LEC, um Informationen zu sammeln und hin und wieder, um die anderen Denominationen unter Kontrolle zu halten. Allerdings gab es in jüngster Zeit eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Kirchen.

3. Verfolger

Kommunistische Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Kommunistische Behördenvertreter – größtenteils auf der regionalen und lokalen Ebene – verfolgen Christen, da der christliche Glaube als Störung des dörflichen Friedens angesehen wird.
  • Politische Parteien: Aus der Sicht von Mitgliedern der Kommunistischen Partei, wiederum vor allem auf lokaler Ebene, missachten Christen die Doktrin, dass Religion Opium fürs Volk sei; außerdem betrachten sie das Christentum als schädlichen westlichen Einfluss. Deshalb gehen sie gegen Christen vor.
  • Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Diese Anführer und Leiter befolgen zumindest auf dem Papier die kommunistische Doktrin. Wenn sie also Druck auf Christen ausüben, werden die Behörden sie wahrscheinlich unbehelligt lassen.
  • Christliche Leiter: Einige Christen denken, die staatlich anerkannte LEC habe sich auf einen Kompromiss mit der Kommunistischen Partei eingelassen, weshalb sie kein verlässlicher Partner sei, mit dem man zusammenarbeiten könne. Allerdings hat die LEC immer wieder nichtregistrierte Kirchen und Gemeinden unterstützt und ihnen geholfen. Bisweilen hat sie jedoch ihre Monopolstellung ausgenutzt, etwa in der Ausbildung von Kirchenleitern.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Die eigene (Groß-)Familie: Sehr häufig erleben christliche Konvertiten Verfolgung durch ihre eigene Familie. Die Entscheidung, nicht mehr den üblichen, animistischen Riten zu folgen, hat weitreichende Folgen. Sie verbannt Konvertiten aus der eng verbundenen Gemeinschaft, wie sie vor allem im überwiegend ländlichen Teil von Laos zu finden ist.
  • Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Meist wird Verfolgung gegen Konvertiten von lokalen Anführern ethnischer Gruppen veranlasst, zum Teil auch zusammen mit Dorfältesten. Christen werden als Unruhestifter und als Gefahr für die ganze Gemeinschaft betrachtet. Daher werden sie unter Druck gesetzt, ihren „fremden“ Glauben aufzugeben, und unter Umständen, falls diese Vorgehensweise keinen Erfolg bringt, aus dem Dorf ausgeschlossen.
  • Gewöhnliche Bürger: Der Entschluss eines Konvertiten, die Geister nicht mehr zu verehren, beeinflusst das ganze soziale Umfeld; man glaubt, der Zorn der Geister könnte sich gegen die gesamte Bevölkerung richten. Daher beobachten gewöhnliche Bürger, besonders in den ländlichen Gegenden, die Christen misstrauisch und vertreiben sie teilweise sogar aus ihren Dörfern.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte beteiligen sich oft am gemeinschaftlichen Vorgehen gegen Christen, indem sie Stillschweigen bewahren oder – auf lokaler Ebene – die Verfolgung unterstützen, manchmal sogar entgegen höherer Befehle.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Im Bereich der Triebkraft Diktatorische Paranoia sind die Verfolger praktisch identisch mit denen unter „Kommunistische Unterdrückung“ wie weiter oben beschrieben.

Ausgehend von Religiösem Nationalismus

  • Regierungsbeamte: Während Laos offiziell kommunistisch ist, folgen viele Menschen buddhistischen Ritualen, die oftmals mit animistischen Einflüssen vermischt sind. Falls Bürger nicht ohne eine Religion auskommen können, bevorzugen es Beamte, wenn sie einem einheimischen Glauben anhängen und nicht einem „fremden“ wie dem christlichen Glauben folgen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Wer sich entschließt, den Buddhismus zu verlassen und sich dem christlichen Glauben zuzuwenden, der verlässt den Kreis der Familie und der Gesellschaft im Allgemeinen. Familien unternehmen daher große Anstrengungen, um Konvertiten wieder in den Schoß der Tradition zurückzubringen.
  • Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Christen werden wie bereits erwähnt als Gefahr für den Dorffrieden betrachtet. Daher üben diejenigen, die für die Wahrung des Friedens verantwortlich sind, Druck auf Christen aus, damit sie aufhören, Anstoß zu erregen.
  • Gewöhnliche Bürger: Das soziale Umfeld in ländlichen Gebieten betrachtet jeden, der von der Tradition abweicht, als potenzielle Gefahr, vor allem wenn es um etwas so wichtiges wie Religion geht. Man setzt Konvertiten unter Druck, zu ihrem traditionellen Glauben zurückzukehren.

Ausgehend von Konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter: Es gibt Versuche von Behörden, die Aktivitäten von Hauskirchen mithilfe bestimmter registrierter Kirchen zu überwachen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Provinzen wie Luang Namtha, Phongsaly und Houphan im Norden und Savannakhet im Süden sind für Christen schon seit langem schwierige Orte, da hier die lokalen Behörden fest entschlossen zu sein scheinen, das christliche Zeugnis auszulöschen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Gemeinden vermischen sich nicht mit den lokalen Gemeinden, außer in seltenen Fällen in den Städten. Zu ihnen gehören Gemeinden von Mitarbeitern im diplomatischen Dienst. Sie erleben Druck zum Beispiel durch das Überwachungssystem der Polizei.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören die Römisch-Katholische Kirche, die LEC und die Siebenten-Tags-Adventisten. Obwohl diese Kirchen offiziell von den Behörden anerkannt sind, werden sie überwacht und im Falle der LEC werden sie bei der Auswahl ihrer Leiter und beim Drucken christlicher Literatur eingeschränkt. Teilweise zwingt die Regierung sie dazu, nichtregistrierte Kirchen zu überwachen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten stammen aus einem buddhistischen oder ethnisch-animistischen Hintergrund und erleben die stärkste Verfolgung, sowohl durch lokale Behörden als auch durch Familie, Freunde und Nachbarn. Da jeder Glaubenswechsel ein Indikator dafür ist, dass die Verbreitung des christlichen Glaubens zunimmt, begegnet die Regierung Bekehrungen mit großem Misstrauen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

In Laos gibt es evangelikale, baptistische, lutherische, methodistische sowie Pfingstgemeinden und viele andere Denominationen. Da die Regierung keine „illegalen“ Versammlungen erlaubt, müssen die zuvor genannten Gruppen sich unter einer der drei von der Regierung anerkannten Kirchen registrieren. Gemeinden, die dies nicht tun, müssen sich heimlich treffen. Mitglieder dieser Gemeinden erleben Diskriminierungen auf den unterschiedlichsten Ebenen der Gesellschaft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.8
Familienleben 9.9
Gesellschaftliches Leben 14.1
Leben im Staat 14.4
Kirchliches Leben 14.9
Auftreten von Gewalt 5.6

Grafik: Verfolgungsmuster Laos

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in allen Lebensbereichen ist mit 13,2 Punkten sehr hoch.
  • Der Druck ist in den Bereichen „Kirchliches Leben“, „Gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“ am stärksten (nämlich extrem hoch). Der Druck auf christliche Konvertiten ist besonders intensiv in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ während alle Christen hohem Druck in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ ausgesetzt sind. Dieser Druck resultiert aus dem Bestreben der Behörden, den kommunistischen Werten wieder Geltung zu verschaffen und die Anzahl der Glaubenswechsel kleinzuhalten. Er spiegelt auch die Versuche der Regierung wider, an der Macht zu bleiben und alle Kräfte zu bekämpfen, die als fremd wahrgenommen werden.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ stieg von 4,1 Punkten 2019 auf 5,6 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020, da mehr Berichte über Angriffe und Zerstörung von Kirchen eingegangen sind.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist für Christen riskant, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Jede Diskussion über den Glauben kann als (Zwangs-)Bekehrung interpretiert werden, welche in Laos verboten ist. Vor allem in den Dörfern sind Christen daher sehr zurückhaltend, sich über ihren Glauben zu unterhalten – selbst im Blick auf ihre Familienangehörigen, wenn diese keine Christen sind.
  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Da alle Versammlungen von der Regierung als potenziell gefährlich angesehen werden, muss jedes Treffen von den lokalen Behörden genehmigt werden. Diese versuchen jedoch, derartige Treffen zu verhindern oder erklären sie als illegal. Die meisten Dörfer werden durch einen Dorfvorsteher geleitet („pho ban“ oder „nai ban“). Ihm zur Seite stehen ein oder zwei von den Dorfbewohnern gewählte Assistenten, die alle Aktivitäten im Dorf überwachen und den Frieden bzw. die Kultur wahren sollen. Distrikt- und Provinzvorsteher nutzen manchmal ihre Position aus und bedrohen Christen wegen ihrer christlichen Aktivitäten wie Anbetung, Gebet und Bibellesen mit dem Ausschluss aus dem Dorf. Viele Laoten glauben, dass sie von „phi“ (Geistern) beschützt werden. Die Angst davor, diese Geister zu beleidigen, führt dazu, dass sich Familienmitglieder gegen Christen wenden. Oft hindern sie Christen daran, sich mit anderen Christen zu treffen oder das Haus zu verlassen.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Konvertiten achten sehr genau darauf, keine Aufmerksamkeit auf ihren christlichen Glauben zu lenken, aus Furcht vor Diskriminierung, Überwachung oder Vertreibung. Die meisten Christen in den dörflichen Gebieten können keine christlichen Symbole aufstellen oder -hängen – man würde sie beschuldigen, entweder Unglück zu bringen oder die Geister zu erzürnen; falls sie dies doch tun, droht ihnen Vertreibung.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Besonders für Neubekehrte ist es gefährlich, christliche Materialien aufzubewahren, da diese ihren neugefunden Glauben offenbaren würden. Es ist verboten, eine Bibel zu besitzen, die im Ausland gekauft wurde. Ebenso verboten sind Bibelübersetzungen in Stammessprachen, sofern sie nicht gesetzlich genehmigt oder im Nachbarland Vietnam erworben wurden.

Alle Christen werden streng überwacht und zeitweilig werden die registrierten Kirchen benutzt, um Christen im Auge zu behalten. Die Verbreitung von Gedankengut, welches von der Staatsideologie abweicht oder vermeintlich den nationalen Interessen und der Landeskultur zuwiderläuft, kann den Staat zu harten Maßnahmen veranlassen. Sobald Schriften mit solchem Inhalt von der Familie oder dem sozialen Umfeld entdeckt werden, werden Christen buddhistischer oder animistischer Herkunft bloßgestellt und unter Druck gesetzt, zu widerrufen. Christen mit buddhistischem oder animistischem Hintergrund müssen immer vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben, besonders, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. In entlegenen Gebieten haben die Häuser nur einen Raum und an vielen Orten leben drei Generationen unter einem Dach. Das macht es schwierig, einen Platz zu finden, um die Bibel zu lesen, zu beten oder Gottesdienst zu feiern, ohne bemerkt und unterbrochen zu werden. Falls Christen buddhistischer oder animistischer Herkunft beim Gebet oder ähnlichen Handlungen entdeckt werden, erfahren sie sehr wahrscheinlich körperliche oder verbale Misshandlung oder werden gar aus ihren Häusern vertrieben.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Buddhistische Lehren werden oftmals als Teil der laotischen Kultur betrachtet und sind daher Teil des Lehrplans in den Schulen. In einem Fall mussten christliche Schüler an einem buddhistischen Tempelritual teilnehmen, das sich mit ihrem christlichen Glauben nicht vereinbaren ließ. Kindern aus christlichen Familien wurde sogar wegen ihres Glaubens die Aufnahme in bestimmte Schulen verweigert. Einigen wurde vom Lernen abgeraten, da sie ohnehin keine Aussicht hätten, in Zukunft eine Arbeit zu finden, falls sie Christen blieben.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Taufen können nur unter größtmöglicher Vorsicht durchgeführt werden, vor allem in ländlichen Gebieten. Selbst der LEC bleibt es verwehrt, Taufen offen durchzuführen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Zu dem bereits Erwähnten ist hinzuzufügen, dass Kinder aus christlichen Familien manchmal auch durch Druck zum Abbrechen der Schule gedrängt werden. Aber selbst, wenn sie den Unterricht weiterhin besuchen, sind sie häufig dem Mobbing von Mitschülern ausgesetzt, weil sie als „anders“ gelten.
  • Beerdigungen von Christen wurde verhindert oder zwangsweise nach nichtchristlichen Riten durchgeführt: Beerdigungen im dörflichen Umfeld der Stammesgebiete beinhalten üblicherweise animistische Praktiken. Um nicht die Geister zu erzürnen und dadurch Krankheit und Unfälle über das Dorf zu bringen, müssen die Verstorbenen „auf die richtige Art“ beerdigt werden. Dies gilt auch für Christen. Zudem ist es für Christen buddhistischer Herkunft generell schwierig, sich buddhistischen Praktiken bei den Beerdigungszeremonien zu entziehen.

Christen erleben manchmal, dass ihre Dokumente und persönlichen Unterlagen zur Familie (in Karten- oder Buchform) konfisziert werden. Dadurch wird die Registrierung von Familienereignissen wie Geburten, Hochzeiten oder Todesfälle unmöglich. Immer wieder verweigern Dorfälteste Christen ein Empfehlungsschreiben, das zur Ausstellung eines Familienstammbuches benötigt wird, mit der Begründung, die betreffende Familie sei zum Christentum übergetreten. In einigen Landesteilen werden Hochzeiten von Christen verhindert oder nicht zugelassen. Familien üben Druck auf christliche Konvertiten aus, indem sie mit Ehescheidung oder dem Entzug der Erbrechte (wenn sie verheiratet sind) drohen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen wird der Zugang zu kommunalen Institutionen aufgrund ihres Glaubens verwehrt: Mindestens alle drei Monate finden Versammlungen der kommunalen Gemeinde statt, wovon die Christen systematisch ausgeschlossen werden. Die lokalen Behörden nutzen diese Versammlungen auch, um regelmäßig vor der Gefahr zu warnen, die von Christen ausgeht und um der Ortsgemeinschaft davon abzuraten, die Christen zu unterstützen. Sogar in der Hauptstadt Vientiane werden Christen von derartigen Versammlungen üblicherweise ausgeschlossen.
  • Christen werden am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert: Es gab Fälle, dass Christen auf Grund ihres Glaubens eine Arbeitsstelle verweigert wurde und christliche Geschäftsleute diskriminiert wurden. Die Einstellung von Mitarbeitern geschieht normalerweise auf Empfehlungsbasis und Laoten empfehlen für gewöhnlich jemand aus ihrer eigenen Familie. Auf diese Weise bleiben Christen von den meisten Arbeitsstellen ausgeschlossen. Und falls sie doch eingestellt werden, verbergen sie meist ihren Glauben, aus Angst vor Diskriminierung und Missbrauch. Für den Weltverfolgungsindex 2020 gab es Berichte, wonach christliche Fabrikarbeiter aufgrund ihres christlichen Glaubens entlassen wurden. In einem anderen Fall blieb christlichen Landarbeitern ihr Tageslohn verwehrt, weil dieser vom Dorfältesten einbehalten wurde.
  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Provinzen wie Luang Namtha, Phongsaly und Houphan im Norden und Savannakhet im Süden sind für Christen bereits in der Vergangenheit schwierige Orte gewesen, da hier die lokalen Behörden fest entschlossen zu sein scheinen, das christliche Zeugnis auszulöschen. Der christliche Glaube wird als westlich angesehen, als eine Gefahr für die kommunistische Ideologie und den Staat. Das soziale Umfeld hilft häufig bei der Überwachung christlicher Aktivitäten.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens zu Geldstrafen verurteilt: Lokale Behörden verhängen Geldstrafen gegen Christen für illegale Treffen. In einigen Fällen wurden die Besitztümer von Christen (z. B. Autos und technische Ausrüstung) beschlagnahmt. Christen werden häufig Opfer von Erpressung. Pastoren sehen sich genötigt, zu Weihnachten den Behörden ungefragt Geschenke zu geben, um sich mit ihnen gut zu stellen. Anträge auf jegliche Art von behördlichen Dokumenten können zusätzliche Gebühren für Christen mit sich bringen. Wenn Christen inhaftiert sind, wird erwartet, dass sie vor ihrer Entlassung eine Geldstrafe bezahlen. Das Gleiche gilt, wenn sie konfiszierte Gegenstände zurückerhalten wollen.

Das soziale Umfeld erwartet, dass Christen an buddhistischen und animistischen Zeremonien teilnehmen. Die grundlegende Zeremonie ist ein öffentliches Ereignis, bei dem die Geister herbeigerufen werden; den geehrten Personen werden Wohlergehen, Glück und Gesundheit zugesprochen. Die Zeremonie dient dazu, die Geister zur Rückkehr in ihre Behausung zu bewegen und das Gleichgewicht im Dorf wiederherzustellen. Ein weißer Faden um das Handgelenk soll den Schutz vor Geistern sicherstellen. Die Christen sind bestrebt, sich von derartigen Zeremonien in Zusammenhang mit der Geisterwelt fernzuhalten. Das erzeugt jedoch oft Spannungen im Dorf, da Dorfälteste und Nachbarn von allen Mitgliedern der Dorfgemeinschaft erwarten, dass sie an den Zeremonien teilnehmen. Anderenfalls fürchten sie, von den Geistern verflucht zu werden. Falls die Christen sich also standhaft weigern, den Zeremonien beizuwohnen, wird ein Mönch oder ein geistlicher Leiter beauftragt, sie zu verfluchen.

Christen wirft man vor, Zwiespalt zu säen; sie werden meist als Abweichler von der Norm gesehen. Christliche Familien, die aus ihren Dörfern verbannt wurden, berichten immer wieder von Nachbarn, die auch Christen werden wollten. Wenn ihnen jedoch bewusst wird, welche negativen Konsequenzen der christliche Glaube für ihr Leben in der Gemeinschaft hätte, zögern sie. Kommunistische Führer fürchten die Ausbreitung des christlichen Glaubens und bezeichnen ihn als westliche Ideologie, die die Nation schwächen würde. Diese negative Sicht auf den christlichen Glauben führt dazu, dass Hilfeleistungen verzögert, Drohungen ausgesprochen und Restriktionen durch die Gesellschaft und die örtlichen Behörden auferlegt werden.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Artikel 9 der Verfassung (in der geltenden Fassung von 2003) betont die Pflicht des Staates, alle Religionen zu respektieren und zu schützen, insbesondere Buddhisten und Mönche. Artikel 43 besagt zudem, dass laotische Bürger das Recht und die Freiheit haben, an eine Religion zu glauben oder auch nicht. Dennoch wurde seit der Veröffentlichung des Dekrets 92 im Jahr 2002 diese Regelung der Religionsausübung missbraucht, um die tatsächliche Wahrnehmung der Religionsfreiheit zu erschweren. Das Dekret verlangt eine vorherige Zustimmung der Regierung zu jeder Form religiöser Aktivität. Ohne diese Zustimmung wird jegliche Aktivität als illegal betrachtet. Der Wechsel zu einem neuen Glauben, christliche Verkündigung und kirchliche Aktivitäten erfordern alle die Zustimmung der Regierung. Basierend auf den Erfahrungen von christlichen Leitern erteilt die Regierung diese Zustimmung äußerst selten.             
    Das Dekret 92 wurde im August 2016 durch das Dekret 315 ersetzt, welches die Rolle der Regierung als oberste Entscheidungsinstanz über die Zulässigkeit religiöser Aktivitäten definiert. Im August 2017 veröffentlichte die Regierung schließlich eine Aktualisierung, genannt das „Gesetz für Vereinigungen“, welches am 15. November 2017 in Kraft trat und weitere Restriktionen und Probleme für Christen mit sich brachte. Das neue Gesetz – welches auch für Hilfsorganisationen gilt – schreibt zwei Bedingungen vor, um als legal eingestuft werden: Die Kirche muss im Besitz eines registrierten Versammlungsortes für ihren Gottesdienst sein und sie braucht einen registrierten Pastor. Allerdings ist es nahezu unmöglich, diese Vorgaben zu erfüllen.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Dem vom US-Außenministerium herausgegebenen Bericht zur internationalen Religionsfreiheit für 2018 zufolge gaben „religiöse Gruppen ... an, dass Beamte der Provinzregierung ihre Leiter aufforderten, keine Beschwerden an Ausländer weiterzugeben, im Austausch gegen mehr Religionsfreiheit. Berichten religiöser Gruppen zufolge hat die Zentralregierung ihre Bemühungen fortgesetzt, Personen, die verhaftet, ausgewiesen, bestraft, benachteiligt oder auf andere Weise Opfer von Missbrauch wegen ihrer religiösen Ansichten geworden waren, aus dem Blickfeld internationaler Beobachter zu halten.“ Die öffentliche Äußerung religiöser oder anderer, vom Denken der Regierung abweichenden Ansichten hat einen hohen Preis.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden behindert oder verboten: Es gibt in Laos keine unabhängige Zivilgesellschaft. Die Regierung verbietet alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunistischen Partei. Zivilgesellschaftliche Akteure und Nichtregierungsorganisationen müssen amtlich eingetragen werden und dürfen keine religiöse Basis und kein Glaubensbekenntnis haben.
  • Wer Christen Schaden zufügt, wird bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: In ländlichen Gebieten fungiert der Dorfälteste auch als Richter. Viele Christen finden sich in einer hoffnungslosen Situation wieder: Denn wenn sie Verfolgung erleben und diese bei den Behörden melden, geschieht entweder nichts oder die Verfolgung intensiviert sich noch, was meist dazu führt, dass sie das Dorf verlassen müssen. Beamte, die Christen verfolgen, bleiben häufig unbestraft. Selbst als Diplomaten in Vientiane diese Situation und solche Fälle von Machtmissbrauch bei laotischen Behörden vorbrachten, wurden keine Maßnahmen gegen die Täter ergriffen.

Für den Besuch einer anderen Provinz benötigt man eine Genehmigung des Leiters der eigenen Provinz und der Provinz, die man besuchen möchte. Solch eine Genehmigung für Gemeindetätigkeiten zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Folglich müssen Christen diese Besuche ohne Genehmigungen durchführen, was das Risiko von Geldstrafen, Verhaftung oder Vertreibung mit sich bringt. Die Medien stellen die Christen weiterhin als Überbleibsel der Kolonialzeit und ein Ärgernis für die Geister dar.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder blockiert: Alle kirchlichen Aktivitäten werden überwacht. Die Geheimpolizei besucht Gottesdienste, hält Besucherzahlen fest, verfasst Notizen zu den Predigten und protokolliert die Vorgänge. Gottesdienste in staatlich anerkannten Kirchen werden nur selten behindert, unterbrochen oder blockiert. Der vom US-Außenministerium herausgegebene Bericht zur internationalen Religionsfreiheit für 2018 stellt fest: „Geistliche Amtsträger erklärten, wenngleich Dekret 315 religiöse Rechte zu umreißen half, so erlegte es gleichzeitig Forderungen auf, die viele religiöse Gruppen als lästig, unrealistisch und die Religionsausübung einengend empfanden.“ In städtischen Gebieten ist die Regierung etwas toleranter, was die Religionsausübung betrifft, hat aber in ländlichen Gebieten oft hart durchgegriffen. So griffen lokale Behörden und die Polizei häufig an mehreren Orten in das Recht ein, Gottesdienst zu feiern, und sind gut darüber informiert, welche Gruppen sich wann zum Gebet treffen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Diesbezüglich ist die Regierung sehr vorsichtig und verweigert Genehmigungen für christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden. Eine Antragstellung dazu kann sogar zu Einschüchterungen und Geldstrafen vonseiten der Regierung führen, wenn diese dahinter Evangelisationsversuche vermutet. Der vom US-Außenministerium herausgegebene Bericht zur internationalen Religionsfreiheit für 2018 erklärt: „Mit vorheriger Genehmigung und der Auflage, nicht offen zu evangelisieren, wurde es laotischen und ausländischen Christen das zweite Jahr in Folge von den Regierungsbehörden erlaubt, eine öffentliche, religiöse Open-Air-Musikveranstaltung zu organisieren. Das ‚Vientiane Internationale Gospelmusik Festival‘ fand vom 2. bis 4. November 2018 in einem Einkaufszentrum im Zentrum von Vientiane statt. Es traten einheimische und ausländische Künstler und Musikgruppen auf. Laut Aussagen von LEC-Vertretern wurde den Veranstaltern jedoch von der Regierung mitgeteilt, es sei das letzte Mal gewesen, dass sie eine Zulassung für das Festival bekommen hätten. Die LEC-Vertreter fügten hinzu, das Wort ‚Gospel‘ sei nicht in laotischer Sprache und nur in englischen Materialien verwendet worden.“
  • Christliche Predigten, Unterricht und/oder Publikationen werden überwacht: Behörden überwachen nicht nur die Besucherzahlen, sondern auch die Lehre in den Kirchen. Jede Aussage, die auch nur vage politische Anklänge hat, kann zu Schwierigkeiten für die Kirche führen. Was gedruckte Materialien angeht, kann die Regierung deren Vernichtung anordnen, wenn sie als Bedrohung für die nationale Sicherheit erachtet werden. Örtliche Behörden stürmten mehrfach Kirchen und konfiszierten Bibeln und andere christliche Literatur. Gemeinden müssen detaillierte Berichte übermitteln, um Genehmigungen für ihre Treffen und Gottesdienste zu erhalten.
  • Gemeindeleiter und Pastoren werden häufig Opfer von willkürlichen Verhaftungen, Gewahrsam, Entführungen und teilweise Folter. Die Überwachung ist allgegenwärtig; Pastoren werden vielfach zu den örtlichen Polizeistationen gerufen, nur um dort beschimpft und eingeschüchtert zu werden. Das Problem liegt vor allem bei den Stadtverwaltungen und Regionalregierungen. Diese und lokale Regierungsbeamte nehmen Pastoren und Leiter und deren Familien ins Visier, um sie davon abzuhalten, den christlichen Glauben zu verbreiten.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Materialien zu importieren: Alle christliche Literatur, die veröffentlicht (oder legal importiert) wird, muss sowohl von der Regierung als auch der LEC zugelassen werden. Die Regierung kontrolliert alle schriftlichen Materialien, die in großen Mengen und zu religiösen Zwecken veröffentlich werden. Sie verbietet außerdem den Import und Export von allen nichtzugelassenen gedruckten oder elektronischen religiösen Materialien.

Dorfgemeinschaften hindern Gemeinden oft daran, Gottesdiensträume zu bauen und einzurichten. Von Zeit zu Zeit setzen sie auch Gewalt ein, um die Errichtung einer Kirche zu verhindern. Äußerst umfangreiche Verwaltungsvorgaben müssen erfüllt werden, bevor eine Kirche gebaut werden kann. Dies gilt besonders für die nördlichen Provinzen. In einigen ländlichen Gebieten ist sogar ein lokaler leitender Beamter verpflichtet, an Gottesdiensten teilzunehmen, um die Christen zu überwachen. Selbst von den Gemeinden der offiziell anerkannten LEC verfügen 75% über keine festen kirchlichen Strukturen und führen ihre Gottesdienste laut dem Landesbericht 2017 des US-Außenministeriums in Privatwohnungen durch. Seit Inkrafttreten des Gesetzes für Nichtregierungsorganisationen im Jahr 2014 überwacht die Regierung zunehmend die gemeinnützigen Aktivitäten christlicher Organisationen im Land. Das „Gesetz zu Vereinigungen“, in Kraft seit November 2017, gibt der Regierung mehr Möglichkeiten, Kirchen und besonders ihre Bemühungen, das Umfeld zu erreichen, einzuschränken. Die Überwachung ist allgegenwärtig.

Auftreten von Gewalt

  • Es gab mehrere Fälle, bei denen Christen angegriffen und aus ihren Dörfern und Gemeinschaften vertrieben wurden, weil man ihnen „Evangelisation“ vorwarf.
  • Mindestens 12 Christen wurden um Weihnachten 2018 in Haft genommen. Drei US-amerikanische Christen wurden im April 2019 in der Provinz Luang Namtha verhaftet und nach einer Woche des Landes verwiesen, weil sie christliche Materialien verteilt hatten. Es gab außerdem Berichte, wonach Christen der Hmong-Minderheit verhaftet und festgehalten wurden.
  • Berichten zufolge wurden in den Provinzen Bokeo, Luang Prabang und Luang Namtha Kirchengebäude angegriffen und einige zerstört. Aus Sicherheitsgründen kann keine weitere Auskunft dazu gegeben werden.
  • In einigen Fällen wurden Christen ihre Felder weggenommen, wodurch sie und ihre Familien faktisch von jeder Unterhaltsquelle abgeschnitten wurden.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Regierung
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Obwohl Männer und Frauen in Laos tendenziell in ähnlichem Maß Druck und soziale Ausgrenzung erfahren, sind Frauen in einigen Bereichen besonders gefährdet. Christinnen stehen in der Gefahr geschlagen, vergewaltigt oder sexuell belästigt zu werden. Wenn dies geschieht, werden solche Fälle für gewöhnlich nicht offen verhandelt, vor allem aufgrund der Scham aufseiten der Opfer.

Da Frauen in Laos formell keine Leitungspositionen innehaben, sehen sie sich mit eher verborgenen Formen der Verfolgung konfrontiert, etwa mit sozialer Isolation oder Zwangsheirat, eine immer noch übliche Praxis in laotischen Stammesgruppen. Es wird davon ausgegangen, dass diese Eheschließungen sowohl kulturelle als auch religiöse Motive haben. Konvertitinnen werden gezwungen nichtchristliche Ehepartner zu heiraten, in der Hoffnung, sie würden ihrem christlichen Glauben den Rücken kehren.

In laotische Familien sind Männer üblicherweise die Hauptverdiener, gleichzeitig sind sie am stärksten von Haftstrafen für Christen betroffen. Darunter leiden ihre Frauen sowohl emotional als auch wirtschaftlich. Die Familien müssen für gewöhnlich größere Geldsummen für die Freilassung zahlen, was sie finanziell zusätzlich lähmt. Ohne ihren Ehemann liegt es allein bei der Frau, ihre Familie zu versorgen oder Obdach zu finden, für den Fall, dass der Dorfälteste sie aus dem Dorf vertreibt. Dabei sind Frauen nicht von Verhaftungen ausgenommen. Eine ältere Frau wurde im Dezember 2018 inhaftiert.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikane durch Geldstrafen
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Verhaftung
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt

Leitende Gemeindemitarbeiter, in Laos überwiegend Männer, zählen zu den Hauptzielen der Verfolgung. Pastoren sind besonders gefährdet, wenn Kirchen angegriffen oder Christen inhaftiert werden. Um ihre Freilassung zu erreichen, muss die Familie oder die Gemeinde vielfach beträchtliche Summen bezahlen. Der ökonomische Druck, den diese Bußgelder verursachen, aber auch die Abwesenheit des Pastors, schwächt und ängstigt die Gemeinden. Auch die Familien werden durch diese Verhaftungen in Mitleidenschaft gezogen, da in Laos immer noch vorwiegend die Männer für das Auskommen der Familie sorgen. Gemeindeleiter berichten von rigoroser und entwürdigender Behandlung in Haft.

Christliche Männer sind auch am Arbeitsplatz Verfolgung und ungerechter Behandlung ausgesetzt, wodurch der ökonomische Druck zusätzlich erhöht wird. Arbeitsstellen, beispielsweise in der Regierung oder dem Militär, bleiben ihnen verwehrt, manche verlieren ganz ihren Arbeitsplatz. In der militärischen Ausbildung wird allen Soldaten eingebläut, allein der Kommunistischen Partei gegenüber loyal zu sein und die Feinde der Partei zu hassen. Zu diesen Feinden zählen Gruppen, welche die Kultur und Traditionen in Laos zu ändern drohen – darunter auch der christliche Glaube, der als westliche und unwillkommene Religion betrachtet wird.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Dekret 315, von der laotischen Regierung umgesetzt (siehe „Leben im Staat“), hat nicht nur für Christen Konsequenzen, sondern auch für andere religiöse Gruppen wie Buddhisten oder Animisten. Buddhisten haben teilweise Probleme bei der Registrierung von Mönchen, besonders wenn sie sich außerhalb der regulären Lehre des Buddhismus bewegen. Unter den ethnischen Gemeinschaften sind es die Hmong (welche entweder Christen oder Animisten sind), die von der Regierung am stärksten unter Druck gesetzt werden. Muslime, Hindus und Bahai stellen winzig kleine Minderheiten in dem Land dar. Es gab keine Berichte über die Verfolgung von Anhängern dieser Religionen.

9. Der Ausblick für Christen

Kommunistische Unterdrückung in Verbindung mit Diktatorischer Paranoia

Es werden keine Initiativen geduldet, die nicht durch die kommunistischen Behörden kontrolliert werden können. Dies wird auch in Zukunft weiterhin für die christliche Minderheit gelten und spiegelt die ungebrochene Macht der Kommunistischen Partei in Laos wider. Die Behörden gehen weiterhin rigoros gegen jede als Abweichung oder als anders wahrgenommene Meinung vor, den christlichen Glauben eingeschlossen.

Religiös motivierter Nationalismus

Laos ist eines der wenigen buddhistischen Länder der Welt. Den Glauben zu verlassen bedeutet, die Gemeinschaft zu verlassen und sich zu isolieren. Dies wird sich in den nächsten Jahren nicht ändern.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die Angst vor den Geistern durchdringt und dominiert das Leben der meisten Laoten, besonders in den ländlichen Gegenden. Wer sich weigert sie zu verehren, schließt sich nicht nur selbst aus der Gemeinschaft aus, sondern wird auch beschuldigt, Unheil und die Rache der Geister über die ganze Gemeinschaft zu bringen. Dieser Glaube und die daraus resultierende Verfolgung von christlichen Konvertiten werden sich in absehbarer Zeit nicht ändern.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Laos:

  • Beten Sie um Weisheit für Christen, wie sie vor ihren buddhistischen und/oder animistischen Nachbarn und Familienmitgliedern Zeugnis ablegen können.
  • Beten Sie, dass diese Bemühungen gut aufgenommen werden.
  • Beten Sie, dass die Christen in Laos freien Zugang zu Bibeln erhalten und ihre Kirchen registrieren können.
  • Beten Sie auch dafür, dass christliche Kinder in buddhistischen Schulen nicht diskriminiert werden und sie keine schlechten Noten wegen ihres Glaubens erhalten.
  • Laos ist eines der fünf letzten marxistisch-leninistischen Länder der Welt. Es hält auch standhaft daran fest und widersetzt sich folglich jedem Einfluss, der als fremd oder westlich gesehen wird. Die Kommunistische Partei übt massiven Druck auf die kleine christliche Minderheit aus. Bitte beten Sie um wachsende Offenheit für das Evangelium von Jesus Christus und für eine Ausweitung der Religionsfreiheit.

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