Länderprofil Tunesien

Tunesien

34
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Tunesien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
37
ISO
TN
Karte Tunesien
Christen
0,02
Bevölkerung
11.78
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.000
Familienleben: 12.800
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 10.800
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 5.400

Länderprofil Tunesien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 34 / 64 Punkte (WVI 2019: Platz 37 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Eine Journalistin, die die Situation der tunesischen Christen detailliert untersucht hat, zog folgendes Fazit: „Tunesische Christen werden auf eine Weise diskriminiert und angegriffen, die oft undurchsichtig ist und vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Es beeinträchtigt ihr tägliches Leben. Aufgrund ihrer Identität als Christen leben viele von ihnen in unsicheren Arbeitsverhältnissen, werden von Familie, Freunden und sogar Verlobten verlassen; sie sind Opfer verbaler, psychischer und körperlicher Misshandlungen.“

Aufgrund der oben genannten Faktoren entscheiden sich die meisten tunesischen Christen muslimischer Herkunft dafür, ihren Glauben zu verbergen. Sie können nicht offen Jesus anbeten und ihr Leben als Christen führen. Die Feindseligkeit und der Druck, dem sie von der gesamten Gesellschaft ausgesetzt sind, machen es gefährlich, ihren Glauben mit ihren Familienangehörigen, weiteren Verwandten, Nachbarn, Freunden oder Kollegen zu teilen. Es ist auch schwierig für sie, sich zu treffen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und Gemeinschaft zu haben, da sie von den tunesischen Sicherheitsdiensten überwacht werden und jede mögliche Entdeckung Risiken birgt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Kirchliche Einrichtungen und Gebäude werden überwacht, angeblich aus Sicherheitsgründen, aber auch zum Zweck der Überwachung.
  • Während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2020 wurden einige einheimische Christen festgenommen und wegen ihrer Aktivitäten und dem Besitz christlicher Literatur verhört. Ihnen wurde Missionierung vorgeworfen.
  • Während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2020 mussten mehrere Christen, insbesondere Konvertitinnen, aufgrund des Drucks und der Bedrohung durch ihre Familien innerhalb des Landes umziehen. Es wurde auch berichtet, dass mehrere Christen muslimischer Herkunft körperlich misshandelt und/oder sexuell missbraucht wurden.

Meldungen und Beiträge zu Tunesien

Interview
Interview Nordafrika
Nordafrika
Die Kirche in Nordafrika ist sehr jung. Zwar gab es an der Südküste des Mittelmeers in den ersten Jahrhunderten nach Christus Nachfolger Jesu, doch nach dem Aufstieg des Islam im siebten und achten Jahrhundert verschwand diese Kirche fast vollständig.
Länderberichte
Tunesien: Das habe ich alles von IHM

Tunesien: Das habe ich alles von IHM

07:09 Minuten
Tunesien

Wie die ehemalige Muslima Maria Jesu Versorgung ganz praktisch erlebt.

Anschauen
Gesichter der Verfolgung - TV
Maria aus Tunesien

Geschlagen für Jesus – Maria aus Tunesien

24:29 Minuten
Tunesien

Familie, Freunde, Studium – darum kreist Marias Leben. Muslima zu sein ist für sie selbstverständlich, bis sie Christus kennenlernt und ihn annimmt. Als ihre...

Anschauen

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 64 Punkten belegt Tunesien Platz 34 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Auf dem Weltverfolgungsindex 2019 lag das Land mit 63 Punkten auf Platz 37. Der Hauptgrund für den Anstieg der Punktzahl liegt darin, dass die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt von 3,3 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2019 auf 5,4 beim Weltverfolgungsindex 2020 gestiegen ist, was hauptsächlich auf eine größere Anzahl von christlichen Gebäuden, Wohnhäusern und Geschäften zurückzuführen ist, die angegriffen wurden.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft der Verfolgung wirkt auf unterschiedlichen Ebenen: Innerhalb der Familie erfahren Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben oftmals keinerlei Akzeptanz für ihre Entscheidung zum Glaubenswechsel. Manche Christen muslimischer Herkunft werden von ihren eigenen Familien zu Hause eingesperrt. Auf gesellschaftlicher Ebene verbreiten islamisch-extremistische Militante Angst im ganzen Land. Auf der politischen Ebene sind islamistische Parteien weiterhin einflussreich. Die Verbindungen zwischen einigen islamistischen Bewegungen und dem organisierten Verbrechen sollten nicht unterschätzt werden. Sie sorgen für viel Unruhe in der tunesischen Gesellschaft und tragen dazu bei, dass die ohnehin schon große Angst unter Christen zunimmt.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die Prägung der Gesellschaft durch Stammestraditionen hat besonders Auswirkungen auf Christen muslimischer Herkunft, vor allem außerhalb von Großstädten. Den Islam zu verlassen gilt nicht nur als Verrat an der Religion, sondern auch an der eigenen (Groß-)Familie. Trotzdem ist das Stammesdenken weniger stark ausgeprägt als in Tunesiens Nachbarstaaten, da eine Kampagne der Regierung den Einfluss dieses Denkens bereits in den 1950er- und 60er-Jahren bekämpfte.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Großfamilie: Bei tunesischen Christen mit muslimischem Hintergrund geht die Verfolgung hauptsächlich von ihren eigenen (Groß-)Familien aus. Diese üben Druck auf das zum christlichen Glauben bekehrte Familienmitglied aus, seinen oder ihren neuen Glauben zu widerrufen, oder misshandeln ihn oder sie sogar. Ehepartner werden unter Druck gesetzt, sich von dem Konvertiten scheiden zu lassen, und gemeinsame Kinder werden den Konvertiten weggenommen.
  • Gewöhnliche Bürger: Auch von der Nachbarschaft geht Verfolgung für Christen muslimischer Herkunft aus, vor allem außerhalb der großen Ballungszentren. So schließen Nachbarn Christen muslimischer Herkunft beispielsweise oft von gesellschaftlichen Zusammenkünften aus und können auch dafür verantwortlich sein, wenn Konvertiten ihre Arbeit verlieren.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Die Bedrohung durch Aktivitäten militanter islamischer Gruppen betrifft alle christlichen Gemeinschaften im Land. Extremistische Gruppen (deren Reihen durch Rückkehrer aus den Kriegen in Syrien und dem Irak verstärkt werden) stellen weiterhin eine erhebliche Bedrohung dar.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Obwohl Tunesien international den Ruf einer Erfolgsgeschichte des „Arabischen Frühlings“ genießt, sind extremistische islamische Lehren und Gewaltbereitschaft weit verbreitet.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familienoberhäupter und andere wichtige Familienmitglieder üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, ihren Glauben zu widerrufen.
  • Regierungsbeamte: Auch die Regierung und der Staatsapparat können als Verfolger angesehen werden, da sie Gemeinden von Christen muslimischer Herkunft die Registrierung und offizielle Anerkennung verweigern.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Großfamilie: Auch in Bezug auf Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen geht die Verfolgung am stärksten von den (Groß-)Familien aus. Wie Katia Boissevain in ihrem Buch „Christianity in North Africa and West Asia“ über Tunesien schreibt (S. 47): „Wenn ein Glaubenswechsel mitgeteilt oder entdeckt wird, haben die Familien das Gefühl, betrogen oder verlassen worden zu sein. Auszuscheren und den christlichen Glauben anzunehmen ist nicht nur ein Bruch mit der Gemeinschaft, sondern auch ein Bruch mit dem gesellschaftlichen Lebensrhythmus, der von islamischen Traditionen bestimmt wird. Christ zu werden wird von den anderen als eine Entscheidung interpretiert, die allem entgegensteht, wozu man erzogen wurde.“
  • Gewöhnliche Bürger/nichtchristliche religiöse Leiter: Vor allem in ländlichen Gebieten fördert die Gesellschaft die Aufrechterhaltung von traditionellen Werten und Bräuchen, welche Christen muslimischer Herkunft in Schwierigkeiten bringen, wenn sie sich vom Islam abwenden.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familienoberhäupter und andere wichtige Familienmitglieder üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, zum Islam zurückzukehren, um die Familienehre wiederherzustellen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Christen muslimischer Herkunft haben am meisten Probleme vonseiten ihrer eigenen Familienangehörigen und der Gesellschaft zu fürchten. Dies gilt besonders im Süden des Landes, der eher konservativ geprägt ist. Städtische Gebiete und vor allem die Hauptstadt Tunis selbst bieten den Konvertiten zum christlichen Glauben Möglichkeiten, dem familiären Druck zu entkommen und ihren Glauben in der Anonymität der Großstadt zu leben.

Vor allem in den Grenzgebieten im Süden sind gewalttätige islamische Kämpfer aktiv. Sie nehmen jeden Christen, ob Ausländer oder Staatsbürger, ins Visier, sobald sich die Gelegenheit bietet.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen

Eingewanderte Christen haben relativ viel Freiheit; allerdings wird öffentliche Evangelisation nicht toleriert. Ausländische Christen, die in den wenigen internationalen Kirchen Gottesdienste feiern, haben kaum Probleme.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich verschiedenen Formen der Verfolgung ausgesetzt, z. B. durch ihre Familienmitglieder. Sie (und andere) sind jedoch mehr oder weniger frei, Informationen über den christlichen Glauben zu suchen und zu erhalten, insbesondere solche, die online zugänglich sind.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12
Familienleben 12.8
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 10.8
Kirchliches Leben 12.3
Auftreten von Gewalt 5.4

 

Grafik: Verfolgungsmuster Tunesien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen ist sehr hoch (11,6), aber um 0,2 Punkte niedriger als im Vorjahr.
  • Obwohl alle Lebensbereiche ein sehr hohes Maß an Druck aufweisen, ist die Verfolgung in den Bereichen „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“ am stärksten. Dies spiegelt die Schwierigkeiten wider, mit denen sich Christen muslimischer Herkunft sowohl innerhalb ihrer eigenen Familien als auch im öffentlichen Leben konfrontiert sehen, etwa wenn sie getauft werden wollen oder Kirchen registrieren lassen wollen.
  • Die Wertung für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 3,3 auf nun 5,4 Punkte gestiegen. Der Hauptgrund für diesen Anstieg war eine erhöhte Anzahl von christlichen Gebäuden, Wohnhäusern und Geschäften, die angegriffen wurden.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Der Konversion zum christlichen Glauben wird Widerstand entgegengebracht: Besonders Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien unter Druck gesetzt, sofern ihr Glaubenswechsel dem privaten Umfeld bekannt ist. Allerdings gibt es dabei deutliche Unterschiede zwischen den ländlichen Gebieten und der Hauptstadt Tunis, wo die Situation vergleichsweise besser ist.
  • Es ist für Christen riskant, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu verleihen (auch in Blogs und auf Facebook etc.): Die Tatsache, dass es viele tunesische Christen für sicherer halten, ein Pseudonym zu verwenden, wenn sie christliche Botschaften in sozialen Medien posten, ist ein Hinweis auf den Druck, dem sie ausgesetzt sind.
  • Es ist für Christen riskant, mit Mitgliedern ihrer Kernfamilie über ihren Glauben zu sprechen: Die meisten Christen muslimischer Herkunft (besonders junge Menschen) sehen sich infolge ihrer Bekehrung irgendeiner Art von Widerstand, Ablehnung und/oder schlimmerer Verfolgung ausgesetzt. Besonders für junge Konvertiten ist es riskant, beim Lesen der Bibel gesehen zu werden. Zudem ist es schwierig, einen Ort zu finden, wo sie in Ruhe beten können, ganz zu schweigen davon, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu sprechen.
  • Es ist für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen: Besonders problematisch ist dies außerhalb der Hauptstadt Tunis und anderer städtischer Gebiete. Treffen mit anderen Christen können ungewollte Aufmerksamkeit auf Christen muslimischer Herkunft ziehen und nach deren Entdeckung zu Druck seitens ihrer Familien führen.

Familienleben

  • Christliche Paare werden wegen ihres Glaubens daran gehindert, Kinder zu adoptieren: Nur Muslime können in Tunesien ein Kind adoptieren.
  • Kinder von Christen werden automatisch unter der Staats-/Mehrheitsreligion registriert: Es gibt keine Kategorie für „christliche Tunesier“ bei der Geburtenregistrierung. Die tunesische Verfassung trennt die tunesische Staatsbürgerschaft von der Religionszugehörigkeit, aber tatsächlich wird bei der Registrierung von Ereignissen wie Geburt, Eheschließung, Tod usw. davon ausgegangen, dass alle Tunesier Muslime sind.
  • Kinder aus christlichen Familien werden auf jeder Bildungsstufe dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder am Religionsunterricht der Mehrheitsreligion teilzunehmen: Kinder von Christen muslimischer Herkunft müssen islamischen Unterricht besuchen, wenn sie in die Schule gehen, und sie müssen mit Schikanen rechnen, wenn der Glaube ihrer Eltern bekannt ist.
  • Christliche Ehepartner von Nichtchristen wurden vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, in Scheidungsfällen das Sorgerecht für die Kinder zu beanspruchen: Aufgrund ihres Glaubenswechsels haben mehrere Christen muslimischer Herkunft das Sorgerecht für ihre Kinder verloren.

Die Freiheit christlicher Familien, ihr Familienleben nach christlichen Werten zu gestalten, ist eingeschränkt. Jeder Tunesier wird automatisch als Muslim registriert. Ausländische Christen haben keine Probleme, wenn ihre Kinder ihre ausländische Nationalität behalten. Christen muslimischer Herkunft müssen akzeptieren, in offiziellen Dokumenten als Muslime ausgewiesen zu werden. Wenn sie versuchen, dies zu ändern, erweist sich dieser Versuch als unmöglich und hat Konsequenzen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden aus religiösen Gründen in ihrem täglichen Leben schikaniert, bedroht oder behindert: Obwohl der meiste Druck von der Familie ausgeht, sind Belästigung und soziale Isolation bekannte Folgen des Übertritts vom Islam zum christlichen Glauben.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld überwacht (dazu gehören die Anzeige bei der Polizei, Beschattung, Abhören von Telefonleitungen, Lesen/Zensieren von E-Mails usw.): Überwachung ist üblich und tunesische Christen sind sich darüber im Klaren, dass ihre Nachrichten und Anrufe abgehört werden. Polizeibeamte befragen tunesische Christen regelmäßig über ihre Aktivitäten, und selbst ein einfacher Antrag auf einen neuen Pass kann in einem Verhör enden.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören: Christen muslimischer Herkunft erhalten Drohungen von ihren Familien oder aus ihrem sozialen Umfeld, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt ist. Besonders in ländlichen Gegenden haben junge Christinnen mit muslimischem Hintergrund Angst davor, zur Ehe mit einem Muslim gezwungen zu werden. Es gibt Fälle christlicher Konvertiten, die ihrer Universität verwiesen wurden oder nicht zur Schule gehen können, weil sie von zu Hause vertrieben wurden. Manchmal werden Kunden aufgefordert, nicht in Geschäften einzukaufen, die von Christen geführt werden. Daher ist der vom sozialen Umfeld ausgehende Druck auf tunesische Christen, ihren neuen Glauben zu widerrufen, hoch.
  • Christen werden in öffentlichen oder privaten Arbeitsverhältnissen aus religiösen Gründen diskriminiert: Das Berufsleben ist für die meisten tunesischen Christen ein großer Kampf. Als Konvertiten verlieren sie entweder ihre Arbeit oder werden erst gar nicht eingestellt, weil sie alle sozialen Verbindungen verlieren und niemand mit ihnen zusammenarbeiten will. Tunesische Christen neigen dazu, eine Beschäftigung bei ausländischen Einrichtungen zu suchen, um eine solche Diskriminierung zu vermeiden.

Leben im Staat

  • Die Verfassung (oder ein vergleichbares nationales oder staatliches Gesetz) schränkt die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Die Scharia ist nicht wie in vielen anderen arabischen Ländern die „Hauptquelle der Gesetzgebung“, aber der Islam ist immer noch Staatsreligion und der Staat ist der Hüter der Religion. Das bedeutet, dass andere Religionen (und ihre Anhänger) nicht den gleichen Status wie der Islam und die Muslime haben.
  • Beamte auf lokaler wie nationaler Ebene weigern sich, den Glaubenswechsel einer Person anzuerkennen und dementsprechend im Personalausweis oder staatlichen Personenverzeichnis zu dokumentieren: Ein Religionswechsel wird nicht offiziell anerkannt. Tunesier werden grundsätzlich als Muslime angesehen.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen: Christen versuchen zu vermeiden, unerwünschte Aufmerksamkeit zu erregen, insbesondere von extremistischen Muslimen. Daher zeigen nur anerkannte (ausländische) Kirchen christliche Symbole.
  • Die Berichterstattung in den Medien ist falsch oder voreingenommen gegenüber Christen: Medien (Zeitungen und Fernsehsendungen) verbreiten falsche Informationen über Christen und zeichnen ein falsches Bild von der christlichen Gemeinschaft. Christen werden beschuldigt, sich für Geld zu bekehren – reiche ausländische Christen versprächen armen und daher dafür empfänglichen Tunesiern Reichtum und die Möglichkeit zur Auswanderung in ein westliches Land. Christen werden auch beschuldigt, minderjährige Jugendliche zu beeinflussen, damit sie sich für den christlichen Glauben interessieren.

Im Umgang mit den Behörden sind Christen meist in einer benachteiligten Position. Die Tatsache, dass Konvertiten zum christlichen Glauben vor Gericht wahrscheinlich nicht gleichbehandelt werden (insbesondere in Fällen, die das Familienrecht betreffen), unterstreicht ihre verwundbare Position. Sie sind auch Missbrauch schutzlos ausgesetzt, da ihre Familien in bestimmten Fällen ungestraft gegen sie vorgehen können, besonders in ländlichen Gebieten.

Kirchliches Leben

  • Es ist schwierig, eine Registrierung oder einen Rechtsstatus für eine Kirche zu erhalten: Tunesische Christen muslimischer Herkunft können ihre Gemeinden nicht registrieren lassen. Seit Tunesien im Jahr 1956 die Unabhängigkeit erlangte, wurde keine neue Kirche mehr offiziell registriert. Dies steht in krassem Gegensatz zu dem Gesetz, das den Bau und den Betrieb von Moscheen reguliert. Registrierte Gemeinden können frei agieren, sehen sich aber mit praktischen Problemen konfrontiert, besonders hinsichtlich der Instandhaltung ihrer Immobilien, der Einstellung von Mitarbeitern sowie des Erhalts von Genehmigungen für die Veröffentlichung und Verbreitung christlicher Texte in arabischer Sprache.
  • Es ist für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich gegen Verfolger auszusprechen: Die registrierten Kirchen wollen nicht, dass sich ihre ohnehin schon gefährdeten Beziehungen zur Regierung verschlechtern. Daher ziehen sie es vor, sich mit Äußerungen zu Verletzungen ihrer Religions- und Glaubensfreiheit zurückzuhalten.
  • Die offene Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien wird behindert: Der Verkauf von christlichen Materialien ist nicht verboten und Bibeln können in säkularen Buchhandlungen gekauft werden. Die kostenlose Verteilung von christlichen Materialien wird jedoch als Missionierung angesehen und ist deshalb verboten. In Tunesien gibt es keine christlichen Buchläden.
  • Die Kirchen werden daran gehindert, Christen muslimischer Herkunft offen zu integrieren: Aufgrund des Widerstands in der Gesellschaft sind ausländische Kirchen (wie römisch-katholische Gemeinden) sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, tunesische Christen in ihrer Mitte aufzunehmen.

Obwohl die Verfassung Tunesiens derzeit Religionsfreiheit anerkennt und ein Übertritt vom Islam hin zu einer anderen Religion nicht verboten ist, weicht das Verhalten der Regierungsvertreter in der Praxis oft stark von dieser offiziellen Linie ab.

Auftreten von Gewalt

  • Mehrere Christen wurden Opfer von (körperlicher) Misshandlung, Zwangsverheiratung, Vergewaltigung und sexueller Belästigung. Darüber hinaus mussten mehrere Christen innerhalb des Landes umziehen, weil sie von ihren Familien unter Druck gesetzt worden waren.
  • Einige Christen muslimischer Herkunft wurden festgenommen und über ihre Aktivitäten und wegen des Besitzes christlicher Literatur verhört. Sie wurden beschuldigt, zu missionieren und Kontakte zu ausländischen Organisationen zu pflegen.
  • Mindestens zwei Grundstücke in Kirchenbesitz wurden durch Vandalismus geschädigt.
  • Mehrere Christen muslimischer Herkunft wurden innerhalb ihrer Häuser angegriffen, oft von Familienmitgliedern. In anderen Fällen wurden Ladenbesitzer gezwungen, ihr Geschäft zu schließen, oder ihre Läden wurden demoliert, nachdem das soziale Umfeld entdeckt hatte, dass sie zum christlichen Glauben übergetreten waren.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/ Wohnhaus
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christliche Frauen und Mädchen sind in Tunesien besonders von den folgenden Formen religiöser Verfolgung betroffen: sexueller Belästigung, häuslicher Gewalt, Vertreibung aus der Familie und Zwangsverheiratung. Der Länderbericht des „Bertelsmann Transformation Index“ zu Tunesien von 2018 attestiert (S. 24): „Tunesien kann auf eine Erfolgsgeschichte im Streben nach Gleichstellung der Geschlechter zurückblicken. Doch die Diskriminierung von Frauen hält an. Auf dem ‚Index der Geschlechterungleichheit‘ von 2014 belegt Tunesien Platz 48 unter 188 Ländern.“ Diese Platzierung stellt nichtsdestoweniger eine gewichtige Verbesserung im Vergleich zu anderen Ländern in der Region dar, da „Nachbarländer wie Algerien auf Platz 83, Libyen auf Platz 94 und Marokko auf Platz 126 schlechter abschnitten“.

Trotz Bemühungen um Gleichberechtigung der Geschlechter ist die Kultur in der Praxis weder generell respektvoll gegenüber Frauen noch erkennt sie Frauen als Führungspersönlichkeiten an. Schon kleinen Mädchen werden typischerweise weniger Freiheiten gewährt als Jungen und sie dürfen das Haus nicht einfach verlassen.

Der Großteil der Verfolgung geht für Christinnen in Tunesien von den dominierenden Männern in der Familie aus: Für alleinstehende Frauen wäre das der Vater, der Bruder oder ein anderes Familienmitglied, welches diesen im Rang nachfolgt (etwa ein Onkel); für eine verheiratete Frau wäre das ihr Ehemann oder zuvor sogar ihr Verlobter. Der Glaubenswechsel weg vom Islam ist verboten und Christinnen muslimischer Herkunft riskieren, von ihren Familien und Gemeinschaften geächtet zu werden, körperliche Gewalt zu erleiden oder sogar einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen, wenn ihr neuer Glaube entdeckt wird. Frauen sind im traditionellen familiären Kontext stärker gefährdet, einem Ehrenmord zum Opfer zu fallen, da Männer mehr Freiheit haben, ihre eigene Meinung zu äußern. Das bedeutet, dass Christinnen muslimischer Herkunft ihre neuen religiösen Überzeugungen vor ihrer Familie verbergen müssen. Viele Christinnen, die die einzigen Christen in der Familie sind, haben keine Bibel zu Hause und werden bedroht, falls eine Bibel gefunden wird. Besonders in den ländlichen Gebieten des Landes haben junge Mädchen Angst, zur Heirat gezwungen und – in einigen Fällen – entführt zu werden. Der Druck, einen Muslim zu heiraten, wird hauptsächlich vom kulturellen Umfeld und der Familie ausgeübt.

Darüber hinaus können Christinnen muslimischer Herkunft in ihren eigenen Häusern eingesperrt und vergewaltigt werden, sogar von Familienmitgliedern. Verheiratete Konvertitinnen können zwangsweise geschieden werden und verlieren das Sorgerecht für ihre Kinder. Dies lässt sie schutzlos und verletzlich zurück, da es gesellschaftlich nicht akzeptabel ist, dass Frauen allein leben und unabhängig sind. Wenn eine Mutter zum Glauben an Jesus kommt, hat sie Angst, dass die Kinder (versehentlich) der Großfamilie davon erzählen, die dann den Ehemann unter Druck setzt, sich scheiden zu lassen. Einige christliche Frauen sind aufgrund von Streitigkeiten wegen ihres neuen christlichen Glaubens für längere Zeit von ihren Kindern getrennt worden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Zwangsscheidung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Neubekehrte zum christlichen Glauben – sowohl Männer als auch Frauen – sind bei weitem die gefährdetsten Christen in Tunesien. Männliche Konvertiten zum christlichen Glauben sind Einschüchterung, Schlägen und Morddrohungen ausgesetzt. Sie bringen Schande über ihre Familien, indem sie den Islam verlassen, und werden deshalb häufig geächtet. Unter dem Druck der Familie verlassen muslimische Ehefrauen ihre Männer, die Christen geworden sind, und es kann sein, dass dem Konvertiten das Erbe oder sogar der Zugang zu seinem Besitz verweigert wird. Wie schwer die Gegenreaktionen auf seinen Glaubenswechsel ausfallen, hängt jedoch von seiner sozialen Stellung und seinem gesellschaftlichen Ansehen ab. Während Christen aus ihrem Zuhause vertrieben worden sein mögen, als die Familie zum ersten Mal von ihrer Bekehrung hörte, haben viele erlebt, dass ihre Familien den Glaubenswechsel zu einem späteren Zeitpunkt stillschweigend akzeptieren.

Männliche Konvertiten müssen auch mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes und der Verweigerung des Zugangs zur sozialen Gemeinschaft/sozialen Netzwerken rechnen. Zusätzlich können sie aus religiösen Gründen von der Polizei inhaftiert werden. Wird ein Mann als Christ verfolgt, gerät seine ganze Familie in Gefahr und hat keinen Schutz.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Dem vom US-Außenministerium 2017 herausgegebenen Bericht zur internationalen Religionsfreiheit zufolge berichteten Bahais von Schwierigkeiten, ihren Glauben auszuüben, weil sie nicht offiziell registriert sind und keine eigenen Kultstätten errichten können. Sie hätten in jüngster Vergangenheit jedoch konstruktive Gespräche mit Regierungsbeamten.

Bezüglich jüdischer Gemeinschaften wird ausgeführt: „Die Regierung erlaubt der jüdischen Gemeinde, frei Gottesdienste zu feiern, und bezahlte das Gehalt des Großrabbiners. Außerdem sorgte sie für die Sicherheit von Synagogen und bezuschusste teilweise Kosten für Restaurierung und Instandhaltung. Angestellte der Regierung unterhielten den jüdischen Friedhof in Tunis. Die Regierung erlaubte der jüdischen Gemeinde den Betrieb privater religiöser Schulen und gestattete es jüdischen Kindern, ihren Schultag zwischen öffentlichen und privaten religiösen Schulen aufzuteilen.“

Hinsichtlich der Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten wurden im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 keine Probleme gemeldet; allerdings werden schiitische Muslime in der Regel diskriminiert und Personen des öffentlichen Lebens sprachen sich in der Vergangenheit gegen den schiitischen Islam aus.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Gesellschaft und Kultur, insbesondere in ländlichen Gebieten, sind nach wie vor gegen Christen eingestellt; die politischen Veränderungen seit 2011 hatten darauf bisher keinen Einfluss. Die Verfassung Tunesiens mag als Schritt nach vorn erscheinen, allerdings ist ihre Formulierung allgemein genug gehalten, um restriktive Interpretationen zu ermöglichen. Die Interpretation wird stark von der Art der Regierung, die an der Macht ist, und ihrer Haltung gegenüber religiösen Minderheiten abhängen. Würden die Hardliner mehr Einfluss im Land gewinnen, könnte dies das Leben der Christen sehr viel schwerer machen. Zusätzlich sieht sich Tunesien einer echten Bedrohung durch Instabilität und Konflikte ausgesetzt, die aus der zunehmenden Aktivität militanter islamischer Gruppen im Land resultieren. Die Situation wird noch beunruhigender, da viele tunesische islamische Kämpfer, die an der Seite des IS in Libyen gekämpft haben, nach dem Niedergang des IS in Libyen nach Hause zurückkehren. Falls Gruppen wie Hizb-ut-Tahrir mehr Einfluss in Tunesien gewinnen, wird sich die Situation für Christen im Land wesentlich verschlechtern, was verbunden mit noch stärkerer und gewalttätigerer Verfolgung.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die positiven Entwicklungen in puncto Frauenrechte und die positivere Einstellung gegenüber religiösen Minderheiten unter den gemäßigten Liberalen könnten eine Gegenbewegung konservativerer Teile der Gesellschaft hervorrufen, die ihre traditionellen islamischen Bräuche und Praktiken aufrechterhalten wollen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Tunesien:

  • Beten Sie für die Christen muslimischer Herkunft, die wegen ihres Glaubenswechsels von ihrer Familie verfolgt werden.
  • Beten Sie für die christlichen Gemeinden, dass sie für Christen mit muslimischem Hintergrund ein geistliches Zuhause sein können.
  • Beten Sie, dass Gemeinden Frauen und Mädchen helfen können, die verstoßen wurden, damit diese von den Wunden der Vergangenheit geheilt werden.
  • Beten Sie, dass Pläne von Extremisten, Chaos im Land zu schaffen, vereitelt werden. Beten Sie, dass Jesus die Herzen der Extremisten berührt und sie ihn als ihren Herrn annehmen.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.