Länderprofil Bangladesch

Bangladesch

38
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Bangladesch
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
48
ISO
BD
Karte Bangladesch
Christen
0,89
Bevölkerung
168.07
Islamische Unterdrückung
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 11.100
Familienleben: 9.900
Gesellschaftliches Leben: 12.700
Leben im Staat: 11.100
Kirchliches Leben: 8.900
Auftreten von Gewalt: 9.300

Länderprofil Bangladesch

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 38 / 63 Punkte (WVI 2019: Platz 48 / 58 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Christen muslimischer, hinduistischer oder buddhistischer Herkunft oder Christen mit Hintergrund in einer Stammesreligion erleiden die schwerste Verfolgung in Bangladesch. Sie versammeln sich oft in kleinen Hausgemeinden oder in geheimen Gruppen aus Angst vor Angriffen. Evangelistisch gesinnte Gemeinden, viele von ihnen Pfingstgemeinden, die unter der muslimischen Mehrheit arbeiten, sind Verfolgung ausgesetzt; aber selbst Christen traditioneller Kirchen wie der Römisch-Katholischen Kirche erleben zunehmend Angriffe und Morddrohungen. Christen aus indigenen Volksgruppen wie den Santal sind doppelt verwundbar, da sie sowohl zu einer ethnischen als auch zu einer religiösen Minderheit gehören. Sie leiden unter Landraub und Gewalt. Christen unter den muslimischen Rohingya, die aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, sind ebenfalls Schikanen und starkem Druck ihres sozialen Umfelds ausgesetzt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Es gab keine Morde an Christen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020, aber mehrere Christen – sowohl Mitglieder traditioneller Kirchen als auch Christen anderer religiöser Herkunft – erhielten Morddrohungen.
  • 14 Kirchen oder andere Orte, an denen sich Christen versammeln wurden angegriffen. Im März 2019 beispielsweise wurden eine provisorische Kirche und eine Schule in einem Flüchtlingslager der Rohingya zerstört. Im April 2019 wurde die Kirche „Mohandi Assemblies of God“ im Verwaltungsdistrikt Satkhira niedergebrannt. In der Provinz Chittagong Hill Tracts wurden ebenfalls Kirchen zerstört.
  • Mehrere Christen wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 von der Polizei festgenommen, viele unter dem Vorwurf der „widerrechtlichen Konversion“.

Meldungen und Beiträge zu Bangladesch

Open Doors Gebetshaus
Zwei Frauen aus Bangladesch umarmen sich

Gebet für Christen in Bangladesch

22:38 Minuten
Bangladesch

Konvertiten erleiden die schwerste Verfolgung in Bangladesch. Sie versammeln sich oft heimlich in kleinen Gruppen, aus Angst vor Angriffen. Lasst uns für sie beten!

Anschauen
Persönliche Berichte
Ehepaar bei Seminar für Christen mit muslimischem Hintergrund in Bangladesch
Bangladesch
Am 3. April wurden die Christen Razzaq und Rahima so schwer geschlagen, dass sie für drei Tage ins Krankenhaus mussten. Einen Tag zuvor hatte Rahima sich taufen lassen.
Persönliche Berichte
Ein Dorf in Bangladesch
Bangladesch
Aus Bangladesch haben Mitarbeiter von Open Doors eine dringende Bitte um Gebet für eine christliche Familie weitergegeben. Am 20. Januar wurde sie wegen ihres Glaubens aus ihrem Dorf verjagt. Ihr Haus wurde zerstört und sie müssen sich seitdem verstecken.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 63 Punkten belegt Bangladesch Platz 38 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Dies stellt einen Anstieg von fünf Punkten gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 dar und spiegelt eine Situation wider, die als angespannt und erschreckend für die christliche Minderheit beschrieben werden kann, besonders für Konvertiten. Die Christen unter den Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar werden innerhalb der Lager unter wachsenden Druck gesetzt, sowohl von anderen Flüchtlingen als auch von aufständischen Gruppen wie der „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA).

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Punktzahl ist die verbesserte Berichterstattung aus den Stammesregionen. Der Zugang ist immer noch eingeschränkt, aber im Berichtszeitraum des aktuellen Weltverfolgungsindex wurden mehr Berichte von Christen in dieser Region ausgewertet als im Vorjahr.

Die christliche Minderheit steht immer noch Diskriminierung, Ablehnung und Gewalt gegenüber.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft betrifft alle Christen in Bangladesch. Obwohl das Land gemäß seiner Verfassung sowohl ein säkulares als auch ein islamisches Land ist, wird es immer schwerer vorstellbar, wie dieses duale System in der Praxis funktionieren soll, besonders da die Regierung zunehmend den Forderungen einheimischer islamischer Gruppen, die keine Verbindungen zur Opposition pflegen, nachgibt. Diese Gruppen überwachen die Minderheiten, ganz besonders Christen muslimischer Herkunft. Sie verbreiten Angst und viele von ihnen sind inspiriert durch internationale islamistische Gruppen wie den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS). Obwohl die Behörden und die Regierung derartige Verbindungen weiterhin bestreiten, werden diese weithin als real angesehen, was die Furcht in der Bevölkerung nur noch erhöht. Die Regierung reagierte, indem sie im Oktober 2017 die Kapitel über den Dschihad in Schulbüchern für die Sekundarstufe verbieten ließ.

Neben den islamistischen Gruppen sind es die Familien und das soziale Umfeld der Christen, von denen Verfolgung ausgeht. Besonders in den ländlichen Gegenden überwachen sie Christen muslimischer Herkunft. Dies beeinträchtigt den Alltag dieser Christen momentan mehr, als es die islamisch-extremistischen Gruppen tun. Die unsichere politische Situation im Land wird zusätzlich dadurch verschärft, dass die Regierung islamische Gruppen mit Verbindungen zur Oppositionspartei bekämpft.

Bangladeschs Grenzregion zu Myanmar ist durch den plötzlichen Anstieg der Zahlen von muslimischen Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar instabil geworden – Schätzungen gehen von 770.000 Menschen aus, die nach Bangladesch geflohen sind. Da bereits im Vorfeld etwa 300.000 Rohingya in Bangladesch gelebt hatten, wird ihre Zahl nun auf über eine Million geschätzt. Diese Menschen leben in desolaten Zuständen; dies stellt Bangladesch vor große Herausforderungen, da das Land immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Berichten zufolge ist die ARSA aus Myanmar, die dort Angriffe auf Grenzposten verübt hatte, auch in Flüchtlingslagern in Bangladesch aktiv. Somit könnte die Flüchtlingskrise zu verstärkter islamischer Radikalisierung in Bangladesch führen, was die Nervosität der Regierung noch steigert. Trotz aller Versprechungen ist es wenig wahrscheinlich, dass Myanmar die Flüchtlinge in naher Zukunft zurücknehmen wird, besonders da die Kämpfe im Bundesstaat Rakhaing in Myanmar weitergehen (obwohl die Regierung sich jetzt mehr darauf konzentriert, den Aufstand einer buddhistischen Minderheit zu bekämpfen) und die Diskriminierung und der Kampf gegen die muslimische Minderheit nicht aufgehört hat.

Religiös motivierter Nationalismus

In Bangladesch leben mehr als doppelt so viele Buddhisten wie Christen. Die meisten von ihnen gehören zur indigenen Stammesbevölkerung in der Provinz Chittagong Hill Tracts an der Grenze zu Indien und Myanmar. Unter diesen Volksgruppen sind die Chakma die bekannteste. In den letzten Jahren hat sich eine wachsende Zahl von Chakma dem christlichen Glauben zugewandt. Aus diesem Grund haben buddhistische Leiter und Stammesführer begonnen, verstärkt Druck auf diese christlichen Konvertiten auszuüben. Dies geschieht nicht nur durch die Familie, Freunde und das Umfeld, sondern auch durch extremistische Buddhisten, die Buddhisten und Stammesgruppen vor Ort stärken wollen, dem christlichen Glauben zu „widerstehen“.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Da die Chakma, Tripura und Marma Stammesgruppen sind, vermischen sich die Triebkräfte „Religiös motivierter Nationalismus“ und „Ethnisch begründete Anfeindungen“. Das bedeutet, dass Christen mit Hintergrund in einer Stammesreligion dazu gezwungen werden, althergebrachten Normen und Werten ihrer Gemeinschaft zu folgen, gleichgültig ob diese religiöse Aspekte enthalten oder nicht.

Diktatorische Paranoia

In Bezug auf Politik geht es in Bangladesch wie in einem Familienbetrieb zu und im Moment herrscht ein Machtkampf zwischen zwei Frauen: Premierministerin Scheich Hasina Wajed von der „Awami-Liga“ (AL) machte deutlich, dass sie alles tun wird, um an der Macht zu bleiben; dazu gehört, ihre Rivalin Khaleda Zia von der „Bangladesh National Party“ (BNP) wegen Bestechung zu einer Gefängnisstrafe verurteilen zu lassen. Die Opposition hat sich dazu entschlossen, ein Bündnis einzugehen, mit welchem die Parteichefin der (größtenteils säkularen) BNP ihre Verbindung zu islamistischen Kräften gestärkt und damit begonnen hat, die islamischen Grundlagen des Landes zu betonen.

Letztendlich hat diese Koalition zu keinen greifbaren Ergebnissen in den Wahlen vom Dezember 2018 geführt, und als Ergebnis existiert derzeit in Bangladesch keine nennenswerte parlamentarische Opposition. Obwohl Christen und andere religiöse Minderheiten mehr Freiheit genießen als in vielen anderen islamischen Ländern, können sie ohne Weiteres zu Sündenböcken gemacht werden, insbesondere in der angespannten Situation, in der sich das Land derzeit befindet.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische religiöse Leiter in Bangladesch agieren oft als Verfolger von Christen. Dies tun sie besonders dann, wenn christliche Gemeinschaften als evangelistisch angesehen werden oder Gemeinden offen Christen muslimischer Herkunft willkommen heißen, da dies als Gefahr für die muslimische Mehrheit angesehen wird.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Für Familien ist es oft schwer zu akzeptieren, dass ihre Verwandten – oft Kinder – den Islam verlassen haben, um dem christlichen Glauben zu folgen. In ihren Augen entehrt dies öffentlich und gesellschaftlich die Familie und in vielen Fällen kappen die Familien alle Verbindungen zu konvertierten Angehörigen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Einheimische islamisch-extremistische Gruppen, im Besonderen „Jamaat-ul-Mujahideen Bangladesh“ (JMB), „Jamaat-e-Islami“, „Hefazat-e-Islam“ und „Ahle Sunnat“ nehmen gezielt die christliche Minderheit ins Visier und konzentrieren sich auf Christen muslimischer Herkunft. Ein merklicher Trend ist die Zunahme von Angriffen des IS im Land, die sich hauptsächlich gegen Freidenker und religiöse Minderheiten richten, einschließlich Christen (besonders gegen christliche Leiter und Evangelisten) und christliche Konvertiten.
  • Regierungsbeamte: Beamte sind oft Verfolger im Rahmen der Triebkraft der „Islamischen Unterdrückung“, kombiniert mit der Triebkraft der „Diktatorischen Paranoia“, da diese beiden Triebkräfte der aktuellen Regierung dienen. Besonders in der Provinz Chittagong Hill Tracts gehen Beamte mit Härte gegen Christen vor und behandeln sie beispielsweise bei Landstreitigkeiten ungerecht. Die Armee behandelt ethnische Minderheiten in dieser Region mit großem Argwohn.
  • Gewöhnliche Bürger: Obwohl Vorfälle von Gewalt durch Mobs gegen Christen in den letzten Monaten abgenommen haben, nehmen viele Menschen den Übertritt zum christlichen Glauben als etwas wahr, das sozial unerwünscht ist und den Betroffenen aus der Gesellschaft ausschließt. Daher werden christliche Konvertiten besonders in ländlichen Gegenden geächtet. Mitglieder von ethnischen Minderheiten, viele von ihnen Christen, werden ebenfalls mit Argwohn beobachtet.
  • Politische Parteien: In dem Versuch, ihre Macht zu festigen und wenn möglich auszuweiten, haben die politischen Parteien islamisch-extremistische Gruppen umworben, indem sie Druck auf Christen aufgebaut sowie den besonderen Status des Islam betont haben. Lokale politische Führer sind oft in Landstreitigkeiten involviert, die die christliche Minderheit betreffen. Einige politische Parteien arbeiten mit islamistischen Gruppierungen zusammen, wie beispielsweise mit Jamaat-e-Islami. Darüber hinaus setzt die Oppositionspartei, die BNP, religiöse Minderheiten (einschließlich Christen) unter Druck, da sie als Unterstützer des Lagers der Regierungspartei angesehen werden.

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus und Ethnisch begründeten Anfeindungen

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Buddhistische und hinduistische Führer treiben die Verfolgung von Christen ihres jeweiligen religiösen Hintergrunds voran. Da ihre Gruppen ohnehin eine Minderheit in Bangladesch darstellen, fühlt sich für sie die Abwendung vom buddhistischen und hinduistischen Glauben von Angehörigen ihrer Gruppe wie eine weitere Schwächung an. Daher rufen sie dazu auf, Konvertiten unter erheblichen Druck zu setzen, damit sie ihren neuen Glauben aufgeben.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Was bereits oben über die religiösen Leiter gesagt wurde, gilt umso mehr im Falle der Familie eines christlichen Konvertiten: Diese erachtet die Abwendung vom ursprünglichen Glauben der Familie hin zum christlichen Glauben oft als eine Beschädigung der Familienehre und -würde innerhalb der örtlichen ländlichen Gesellschaft. Daher wird die Familie großen Druck auf Christen ausüben, um sie zurück zu ihrem ursprünglichen Glauben zu bringen, und sie eventuell sogar aus dem Dorf vertreiben, falls alles andere keinen Erfolg zeigt.
  • Gewöhnliche Bürger: Im engen Verbund der Minderheitsgesellschaften in der Provinz Chittagong Hill Tracts unterdrückt nicht nur die Familie christliche Konvertiten; durch religiöse Führer ermuntert, setzen auch Nachbarn und Freunde die Christen unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Der bloße Akt der Hinwendung zum christlichen Glauben wird nämlich als Austritt aus der Gemeinschaft und als Schwächung der ganzen religiösen Gruppe gesehen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: In der Provinz Chittagong Hill Tracts existieren gewaltbereite religiöse Gruppen wie die „Jana Sanghati Samity“. Sie bedrohen regelmäßig Pastoren und Kirchenleiter, die in ihrem Gebiet aktiv sind.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Diejenigen, die sich selbst außerhalb der Gesellschaft positionieren, werden oft von Anführern ethnischer Gruppen unter Druck gesetzt, zurückzukommen und wieder dem Kampf ums Überleben der Minderheit beizutreten. Dazu bedarf es einer gemeinsamen Identität, bei der Religion eine wichtige Rolle spielt.
  • Politische Parteien: Anführer ethnischer Gruppen sind oft gleichzeitig auch politische Führer, und so nutzen sie auch die (Lokal-)Politik, um Druck auf Christen auszuüben.
  • Regierungsbeamte: Neben dem, was bereits unter Islamischer Unterdrückung erwähnt wurde, machen lokale Beamte den Christen das Leben schwer, indem sie aktiv in Landstreitigkeiten eingreifen oder passiv bleiben, wenn es um die Ermittlungen von Angriffen gegen Christen geht. Auf diese Weise entmutigen sie die christliche Minderheit.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption: Kirchen und Häuser von Christen, besonders von Christen, die ethnischen Minderheiten angehören, wurden in der Vergangenheit angegriffen und zerstört. Die Täter sind meist örtliche Schlägertrupps, oft mit guten Verbindungen zu lokalen und manchmal sogar nationalen Politikern und zur Landraub-Mafia.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Wie bereits erwähnt wurde in den letzten Jahren deutlich, dass die Regierung von Premierministerin Scheich Hasina ihre Macht gestärkt hat. Sie geht gegen alle vor, die sie als Bedrohung ansieht. Obwohl Christen größtenteils als Unterstützer der Regierung gelten, stellen sie als Minderheit ein leichtes Ziel dar oder werden als Sündenböcke missbraucht.
  • Politische Parteien: Während die regierende AL alles tut, um an der Macht zu bleiben, tendiert die oppositionelle BNP dazu, die Christen verantwortlich zu machen, da sie diese als verbündet mit der AL und der Regierung ansieht. Zwar handeln die Parteien in diesem angespannten politischen Klima nicht immer selbst gegen Christen, doch tolerieren oder unterstützen sie stillschweigend die mit ihnen verbundenen gewaltbereiten Gruppen oder Bürgerwehren.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Bangladeschs nördliche Provinz Chittagong Hill Tracts mit ihren vielen ethnischen Minderheitengruppen ist ein häufig übersehener Brennpunkt. Die Christenverfolgung geht hier sowohl von der muslimischen Mehrheit als auch der buddhistischen Minderheit aus. In den letzten drei Jahren entwickelte sich ein weiterer Brennpunkt, als Bangladesch Zufluchtsort für mehr als 700.000 muslimische Flüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar wurde. Bangladesch hat Probleme, sich um sie zu kümmern, selbst mit der Unterstützung der internationalen Gemeinschaft. Da Rückführungsversuche fortwährend gescheitert sind, wird das Risiko immer größer, dass Flüchtlinge für eine islamische Radikalisierung empfänglich werden, je länger sie in den Lagern bleiben müssen – was nicht ohne Folgen für Bangladesch bleiben wird. In den Lagern lebt zudem eine kleine Minderheit von Christen muslimischer Herkunft aus den Rohingya, die wachsenden Druck erfahren, ohne dass sie diesem entkommen oder Hilfe erwarten könnten.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Gruppe beinhaltet Botschaftspersonal und ausländische Arbeiter im wichtigen Textilsektor. Sie sind Überwachungen und Drohungen durch islamistische Gruppen ausgesetzt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu traditionellen Kirchen gehören die Römisch-Katholische Kirche und die Anglikanische Kirche von Bangladesch. Sie werden regelmäßig bedroht und überwacht.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Darunter sind Christen mit einer Vielzahl von religiösen Hintergründen zu verstehen, beispielsweise Christen muslimischer, hinduistischer und buddhistischer Herkunft. Sie erleiden die stärkste Verfolgung, nicht zuletzt durch ihre Familien und ihr Umfeld, und kommen aus Angst oft nur in geheimen Treffen zusammen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe beinhaltet evangelikale, baptistische und Pfingstgemeinden. Ein Beispiel dafür sind Gemeinden der „Assemblies of God“, deren Mitglieder sich für Gottesdienste hauptsächlich in Hauskirchen versammeln. Sie werden regelmäßig bedroht und immer wieder gewaltsam attackiert.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 11.1
Familienleben 9.9
Gesellschaftliches Leben 12.7
Leben im Staat 11.1
Kirchliches Leben 8.9
Auftreten von Gewalt 9.3

 

Grafik: Verfolgungsmuster Bangladesch

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Generell hat sich der Druck auf Christen in Bangladesch in allen Lebensbereichen leicht erhöht: Der durchschnittliche Wert von 10,0 Punkten im Vorjahr ist auf 10,7 Punkte für den aktuellen Berichtszeitraum angestiegen. Dies spiegelt den erhöhten Druck auf alle Christen wider, aber ganz besonders auf christliche Konvertiten. Die schwieriger werdende Situation von Christen muslimischer Herkunft unter den Rohingya-Flüchtlingen, die 2017 aus Myanmar geflohen sind, hat zum Anstieg der Punktzahlen beigetragen.
  • Der stärkste Druck herrscht in den Bereichen „Privatleben“ und „Gesellschaftliches Leben“, wo christliche Konvertiten besonders betroffen sind. Generell sind jedoch alle Christen in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ Verfolgung ausgesetzt.
  • Die Punktzahl für Gewalt gegen Christen erhöhte sich von 7,8 Punkten im Vorjahr auf 9,4 Punkte im aktuellen Berichtszeitraum. Es gab zwar keine Morde an Christen, allerdings kam es zu mehr Angriffen auf Kirchen und es gab mehr Berichte über Festnahmen als im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Vor dem Hintergrund des Drucks auf christliche Konvertiten wie auf die Christen, die aktiv von ihrem Glauben weitererzählen, bevorzugen es die meisten christlichen Konvertiten, so unsichtbar wie möglich zu bleiben, um nicht zum Ziel von Angriffen zu werden. Mit dem zunehmenden Einfluss des radikalen Islam versuchen die meisten Christen nicht aufzufallen und vermeiden den Kontakt mit Personen außerhalb ihrer eigenen Gruppe.
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben: Christen anderer religiöser Herkunft leben in Angst und bevorzugen es, ihre Hinwendung zum christlichen Glauben vor ihrer Familie geheim zu halten. Diejenigen, die sich dafür entscheiden, ihren Glauben offenzulegen, werden regelmäßig bedroht und gezwungen, ihre Internet-Blogs und Facebook-Seiten zu löschen. Unter dem Gesetz zur digitalen Sicherheit („Digital Security Act“), das im Oktober 2018 eingeführt wurde, kann Verleumdung, das Verletzen religiöser Gefühle, das Gefährden der öffentlichen Sicherheit und Hetze gegen jegliche Personen oder Organisationen durch die Veröffentlichung oder den Transfer von Material auf Webseiten oder in elektronischer Form mit bis zu vierzehn Jahren Gefängnis bestraft werden.
  • Eine Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt, verboten oder bestraft: Vom rechtlichen Standpunkt gesehen, scheint der Glaubenswechsel sehr einfach zu sein: Das Gesetz sieht vor, dass derjenige, der einen anderen Glauben annehmen möchte, zu einem Anwalt geht und diesem ein schriftliches, unterschriebenes Dokument vorlegt, in dem er oder sie angibt, den Glauben aus persönlichen Gründen, aus freiem Willen und nicht unter Druck gewechselt zu haben. Für jeden Christen, Buddhisten oder Hindu, der zum Islam übertreten will, ist diese Prozedur eine nahezu bloße Formalität. Im Gegensatz dazu ist es für einen Muslim, der den christlichen Glauben annehmen möchte, normal, dass er oder sie auf Gegenwehr des Anwalts stößt, der sich manchmal sogar (entgegen des Gesetzes) weigert, den Glaubenswechsel zu registrieren. Da der Islam die Staats- und Mehrheitsreligion ist, stehen Muslime, die den christlichen Glauben annehmen starkem Druck der Gesellschaft und der Familie gegenüber – zusätzlich zu all diesen rechtlichen Schwierigkeiten.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Christen anderer religiöser Herkunft und Christen aus den Rohingya können keine christlichen Bilder oder Symbole zeigen, da dies zu gefährlich für ihre Sicherheit ist. Ein Pastor wurde schwer zusammengeschlagen, als christliche Bilder in seinem Besitz gefunden wurde. Besonders in ländlichen Gegenden sind Christen vorsichtig und versuchen aus Angst vor Angriffen nicht aufzufallen.

Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, trifft dies auf Christen nur in beschränktem Maß zu. Menschen, die im Verdacht stehen, das Evangelium weiterzugeben, werden mitunter festgenommen und krimineller Vergehen bezichtigt. Christliche Konvertiten werden von allen Seiten überwacht und mit teilweise großem Aufwand daran gehindert, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Das kann so weit gehen, dass Häuser und Straßen versperrt werden. Andere Christen haben dagegen mehr Freiheit in ihrem Privatleben.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an christenfeindlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Die islamische Religionserziehung wird an staatlichen Schulen klar bevorzugt, was nicht nur im Gesetz, sondern auch in der Praxis sichtbar wird, da es viel mehr Optionen für den islamischen Religionsunterricht gibt als für nichtislamischen. In vielen Fällen unterrichten Lehrer den christlichen Glauben schlichtweg nicht, sodass die Eltern dies zu Hause übernehmen müssen. Kinder von Christen muslimischer Herkunft erleben manchmal, dass der Glaubenswechsel ihrer Eltern nicht anerkannt wird und sie am Islamunterricht teilnehmen müssen. In vielen Fällen sind Kinder christlicher Eltern dazu gezwungen, nichtchristliche Inhalte zu lernen und islamische Schulbücher in der Schule zu nutzen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Oft werden Kinder von Christen muslimischer Herkunft von Lehrern und sogar Schuldirektoren beschimpft, die Druck auf die Kinder wie auch auf die Eltern ausüben, zum Islam zurückzukehren. Viele Kinder versuchen daher, die Schule zu meiden, da es schwierig ist, den Druck auszuhalten. Manchmal werden die Kinder bedroht, aber häufiger werden ihnen materielle und andere Vorteile für sie und ihre Familien versprochen, falls sie zum Islam zurückkehren. Weil sich die Mitschüler die Lehrer zum Vorbild nehmen, verspotten diese die christlichen Schüler, was dazu führen kann, dass jene sich weigern, zur Schule zu gehen oder überhaupt das Haus zu verlassen.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Dies ist im Besonderen ein Problem für Christen muslimischer Herkunft. Wenn die Kinder dazu gezwungen werden, am Islamunterricht teilzunehmen und islamische Schulbücher zu benutzen, schränkt dies das Recht der Eltern ein, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben zu erziehen. Doch noch größerer Druck und Einmischung geht häufig von der Großfamilie aus: Onkel, Tanten und Großeltern versuchen, die Bemühungen der Eltern, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben zu erziehen, zu beeinflussen oder zu untergraben.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Es ist bekannt, dass Dorfbewohner Taufen stören und behindern. Manche Gemeindeleiter lehnen es aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen ab, Christen buddhistischer, hinduistischer oder muslimischer Herkunft in den örtlichen Gemeinden zu taufen; diese Christen werden normalerweise in andere Städte oder Regionen geschickt, um sich dort taufen zu lassen.

Sobald entdeckt wird, dass jemand den christlichen Glauben angenommen hat, droht ihm oder ihr – falls verheiratet – die Scheidung und der Verlust des Erbes. Das trifft besonders in ländlichen Gegenden zu. Die Durchführung einer Taufe, einer christlichen Hochzeit oder eines chirstlichen Begräbnisses kann für Christen anderer religiöser Herkunft schwierig oder sogar unmöglich werden. Außerdem werden diese Christen oft von ihren Familien isoliert und können sogar dazu gezwungen werden, ihr Zuhause zu verlassen.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Christen, besonders diejenigen anderer religiöser Herkunft, werden von lokalen Führern wie auch von gewaltbereiten Gruppen und Bürgerwehren überwacht. Es gab Fälle, in denen lokale Imame Demonstrationen gegen Christen organisiert und während des Freitagsgebets die Menge aufwiegelt hatten. Wo christliche Treffen als zu groß oder als evangelistisch angesehen werden, rufen Ortsansässige die Polizei, damit sie die christlichen Leiter verhört.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens verhört oder dazu gezwungen, sich bei der Polizei zu melden: Personen, bei denen man vermutet, dass sie den christlichen Glauben angenommen haben, werden von der Polizei bzw. von Bürgerwehren verhört und bedroht. Zum Beispiel wurden 45 christliche Familien muslimischer Herkunft von einem Mob ortsansässiger Muslime zur Moschee gebracht und zur „Tauba“, der Umkehr zum Islam und der Verleugnung von Christus, gezwungen. Die religiösen Führer der Moschee belegten zudem jede Familie für die Hinwendung zum christlichen Glauben mit einer Strafe von 100 Taka. Die örtliche Polizei ist daran interessiert, den Frieden aufrechtzuerhalten und gibt daher meist den Forderungen der muslimischen Mehrheit nach.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen im Bereich der Bildung: Christen verschiedener Hintergründe werden in der Bildung benachteiligt. Nur wenige Christen bekommen die Gelegenheit, Bachelor- oder Masterkurse an einem College oder einer Universität zu belegen. Obwohl es Regeln der Regierung und sogar Quotenregelungen für benachteiligte Gemeinschaften und Minderheiten gibt, werden Christen nicht von Colleges und Universitäten aufgenommen oder müssen Gebühren bezahlen, obwohl laut Gesetz die Bildung kostenlos sein sollte.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Wegen ihres niedrigen sozialen Status ist es für Christen schwerer, Arbeit zu finden, als für Muslime. Wenn sie es endlich schaffen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, stellen sie fest, dass die Fragen sich weniger um ihre Fähigkeiten als um ihren Glauben drehen. Dies erleben besonders Christen muslimischer Herkunft. Wenn Christen eine Stelle erlangen, werden sie oftmals bei Beförderungen übergangen und ihnen werden Begünstigungen des Arbeitgebers vorenthalten. Obwohl es einige Christen zu hohen Positionen im Land gebracht haben, werden sie durch das Quotensystem des öffentlichen Dienstes, gegen das auch allgemein protestiert wird, benachteiligt.

Christen werden ebenfalls im geschäftlichen Leben diskriminiert. Manche Christen mussten wegen des Drucks der muslimischen Mehrheit und aufgrund von Boykotten ihre Läden oder Geschäfte aufgeben.

Leben im Staat

  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt: Jeder Besucher eines Dorfes in der Provinz Chittagong Hill Tracts muss sich bei den Militärbehörden registrieren. In der Anmeldung muss der Grund des Besuches angegeben werden. Sollte dieser Grund ein religiöser sein, wird der Besuch nicht gestattet. Dies betrifft alle Christen in dieser Region.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden behindert oder verboten: Nichtmuslimische religiöse Einrichtungen bedürfen keiner Registrierung bei der Regierung; allerdings müssen sich Nichtregierungsorganisationen, auch religiöse, beim „NGO Affairs Bureau“ (NGOAB) der Regierung registrieren lassen, wenn sie finanzielle Unterstützung aus dem Ausland für soziale Projekte bekommen. Im November 2017 wies Premierministerin Scheich Hasina die Behörden an, die Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen zu überwachen. Das NGOAB überwacht regelmäßig Aktivitäten von Nichtregierungsorganisationen, die aus dem Ausland finanziert werden. Das Gesetz zur Regulierung von Spenden aus dem Ausland („Foreign Donations Regulation Bill“) hat die Schließung von vielen, besonders von kleinen christlichen Nichtregierungsorganisationen bewirkt und die Arbeit der verbliebenen komplizierter gemacht.
  • Personen, die Christen Schaden zufügen, werden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: In nahezu allen Fällen, bei denen Christen Opfer eines Vorfalls waren, werden die Täter nicht gefunden oder bestraft. Dies ist sogar dann der Fall, wenn es um gewalttätige Angriffe geht. Ein Beispiel hierfür ist die Brandstiftung an dem Haus eines Pastors, die sich im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 ereignete. In anderen Fällen, in denen Christen angegriffen wurden, erlebten sie oft in hohem Maße, dass die Behörden unwillig waren, eine ordnungsgemäße Ermittlung aufzunehmen.
  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, öffentlich religiöse Symbole zu zeigen: Viele christliche Schulen haben das Kreuz und andere christliche Symbole entfernt, um nicht „die Gefühle“ der örtlichen muslimischen Bevölkerung zu verletzen. Kirchen in bestimmten Gegenden vermeiden es ebenfalls, solche Symbole prominent zu zeigen. Auch christliche Konvertiten nutzen bei ihren Versammlungen keine sichtbaren christlichen Symbole.

Bangladesch hat eine säkulare Regierung. Der Säkularismus ist sogar in der Verfassung des Landes verankert, jedoch wird dort gleichzeitig der Islam als Staatsreligion festgeschrieben. Christen erleben regelmäßig Verleumdung, besonders in ländlichen Gegenden. Ein Beispiel ist ein Vorfall aus dem April 2019, als ein Imam eine Fatwa erließ, die besagt: „Wer einen Christen tötet, erhält den gleichen Lohn wie 100 muslimische Märtyrer.“ Solche Aussagen ermutigen die Menschen Christen anzugreifen, besonders Christen muslimischer Herkunft. Die Berichterstattung über Christen in den Medien ist oft einseitig, besonders von islamischen Fernsehsendern. Christen und andere (wie etwa säkulare Blogger) wurden beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben; einige wurden sogar getötet. Es gab auch Fälle, bei denen christliche Konvertiten nicht zum Wehrdienst zugelassen wurden. Andere Christen muslimischer Herkunft hatten mit Problemen zu kämpfen, wenn sie ihre Personaldokumente nach ihrem Glaubenswechsel ändern lassen wollten. Da ihr Name weiterhin muslimisch ist, verweigern Beamte jeglichen Änderungsantrag.

Kirchliches Leben

  • Christliche Predigten, Unterricht und/oder Publikationen werden überwacht: Die Überwachung geschieht normalerweise nicht durch den Staat, sondern durch lokale islamisch-extremistische Gruppen oder durch die Gesellschaft, die teilweise auch die Rechtsprechung selbst in die Hand nimmt und Christen verhört sowie bestraft. Da Christen immer im Verdacht stehen, zu missionieren, ist die Überwachung von Christen und Kirchen weitverbreitet, wobei die Intensität davon abhängt, wie aktiv die Kirchen sind.
  • Kirchen werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: Wie bereits erwähnt, lehnen es viele Pastoren und Gemeindeleiter aus Angst vor Vergeltungsmaßnahmen ab, Christen muslimischer Herkunft zu taufen. Diesen Christen wird geraten, in andere Landesteile zu reisen, um sich dort taufen zu lassen. Aber selbst dann können sie als Christen muslimischer Herkunft nicht einfach in die Kirche aufgenommen werden. Sobald ihr Glaubenswechsel bekannt wird, bekommen sie und die Kirche Probleme.
  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Christen berichten, dass sie besonders in der Provinz Chittagong Hill Tracts und in Gegenden, in denen sie der Evangelisation unter Muslimen, Hindus und Buddhisten verdächtigt werden, überwacht werden. Dort erhalten Bürgerwehren und Behörden anscheinend durch Informanten die Namen und weitere Angaben über alle Mitglieder und Schlüsselpersonen der Kirchen.
  • Pastoren oder andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) erleben wegen ihres Glaubens Schikane: Im Laufe der letzten Jahre sind überall im Land einheimische islamisch-extremistische Gruppen entstanden. Die christliche Minderheit gerät ins Fadenkreuz, da ihr missionarischer Eifer als gefährlich wahrgenommen wird. Ziele für Schikane und Einschüchterung sind Pastoren und Kirchenleiter, besonders wenn sie muslimischer Herkunft sind.

Im Großen und Ganzen ist kirchliches Leben zwar möglich, aber die Einschränkungen wachsen und Berichten zufolge ist es schwieriger geworden, christliche Leiter auszubilden. Diese mussten misstrauischen Dorfbewohnern Details über ihren Aufenthaltsort und die Schulungen geben. Das öffentliche Verteilen von Bibeln wird behindert und in einem Fall wurden drei Pastoren dafür verhaftet. Während die Arbeit unter Jugendlichen nicht verboten ist, wird die Bekehrung von Jugendlichen bestraft und wird allgemein als unethisch betrachtet. Im Berichtszeitraum wurde ein christlicher Pastor deswegen festgenommen; er wurde zwar auf Bewährung freigelassen, muss sich aber vor Gericht dafür verantworten.

Auftreten von Gewalt

  • Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 wurden keine Morde an Christen wegen ihres Glaubens gemeldet.
  • Am 13. November 2018 wurden vier christliche Konvertiten in Jobarpar, nahe der Stadt Barishal, von einer Menschenmenge angegriffen und zusammengeschlagen. Es gab 2019 noch viel andere Angriffe, bei denen besonders, aber nicht ausschließlich Konvertiten ins Visier genommen wurden.
  • Es gibt Berichte von mindestens 27 Christen, die festgehalten oder verhaftet und inhaftiert wurden. Aus Sicherheitsgründen können hierüber keine weiteren Details genannt werden.
  • Vierzehn Kirchen oder andere Orte, an denen sich Christen versammeln wurden angegriffen, größtenteils von Personen aus der Ortsgemeinschaft.
  • An verschiedenen Orten wurden die Häuser von Christen angegriffen; oft von Mitgliedern der Ortsgemeinschaft, manchmal auch von Landräubern. Einige Berichte beziehen sich auf die Distrikte Khagrachhari und Kurigram. Aus Sicherheitsgründen können keine detaillierteren Angaben gemacht werden.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane durch Geldstrafen
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Die Kultur Bangladeschs ist klassenbasiert und patriarchal. Obwohl die politische Führung seit vielen Jahren in den Händen von Frauen liegt, sind Frauen in Bangladesch immer noch besonderen Gefahren und Schwierigkeiten ausgesetzt. Einem Bericht zur „Kinderrechtswoche 2018“ in Dhaka zufolge waren 2017 mehr als die Hälfte der Mädchen unter 18 Jahren verheiratet. Obwohl die Rate von Kinderehen in Bangladesch abgenommen hat, verbleibt der Anteil der Kinderehen einer der höchsten weltweit.

Vor diesem Hintergrund sind Frauen und Mädchen am gefährdetsten für Verfolgung durch ihre engste Familie, die Großfamilie, Freunde, Nachbarn und ihr örtliches Umfeld. Da Frauen und Mädchen größtenteils von Männern abhängig sind, sind sexuelle Übergriffe, Vergewaltigung und Zwangsheirat übliche Formen der religiösen Verfolgung. Die betroffenen Frauen und Mädchen werden nicht nur körperlich, sondern auch psychisch missbraucht.

Frauen und Mädchen stehen zudem in der besonderen Gefahr am Arbeitsplatz und in Schulen diskriminiert zu werden. In zunehmendem Maß gibt es Berichte über Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung, sogar in staatlichen Schulen. Dabei dürfte die Dunkelziffer aufgrund des sozialen Stigmas sogar noch höher liegen.

Der Länderbericht zu Religionsfreiheit („International Religious Freedom Report“) des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2018 stellt für Bangladesch fest, dass die Leiter der Dorfgemeinschaften (oft zusammen mit lokalen religiösen Leitern) trotz langjähriger gegenteiliger Anordnungen der Regierung weiterhin außergerichtliche Fatwas anwenden, um Personen, meist Frauen, für vermeintliche „moralische Übertretungen“ wie Ehebruch und andere verbotene sexuelle Beziehungen zu bestrafen.

Auf der anderen Seite wird es mehr und mehr Frauen möglich, berufstätig zu sein und so Stück für Stück mehr Unabhängigkeit zu erlangen. Darüber hinaus werden – selbst in diesem Land mit seinem sehr komplizierten Eherecht – einige Fortschritte bei der Gewährleistung von mehr Schutz für Frauen aller Religionen erzielt. Muslime, Hindus und Christen haben jeweils eigene Gesetze für Ehe, Trennung und Scheidung.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Falsche Anklagen
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Eine Folge der patriarchalen Kultur Bangladeschs ist es, dass es in einer Familie meist zuerst die Männer sind, die den christlichen Glauben annehmen. Als Familienoberhäupter sind Männer und Jungen oft zuerst der Verfolgung ausgesetzt. Zusätzlich sind christliche Ehepartner von Nichtchristen von der Beanspruchung des Sorgerechts für die Kinder ausgeschlossen, was dazu führt, dass christliche Männer von ihren Kindern getrennt werden.

Männer und Jungen sind mehr als Frauen allen Arten von körperlicher Gewalt, Folter, falschen Anschuldigungen und Verhaftungen aus Glaubensgründen ausgesetzt. Gewalt nimmt viele verschiedene Formen an: Prügel, Morddrohungen, Zerstörung und Konfiszierung von Häusern, Inhaftierung, Trennung, Überwachung und Schikane durch lokale und nationale Beamte.

Männer sind in den meisten Familien die Hauptverdiener. Wenn sie also aufgrund ihres Glaubens ihre Arbeit verlieren oder ihnen als Geschäftseigentümer durch soziale Boykotte ihre Lebensgrundlage entzogen wird, ist die ganze Familie davon betroffen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Alle religiösen Minderheiten werden diskriminiert und erleben Gewalt. Das betrifft islamische Glaubensgemeinschaften wie Schiiten und Ahmadiyya sowie hinduistische und buddhistische Minderheiten. Es gab zum Beispiel – immer noch unbeachtete – Aufrufe, Anhänger der Ahmadiyya zu Nichtmuslimen zu erklären. Nach den sunnitischen Muslimen sind Hindus die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Sie sind von Diskriminierung und Gewalt betroffen; einige hinduistische Frauen und Mädchen sind gewaltsam dazu gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren. Es ist vorgekommen, dass Muslime hinduistischen Familien ihren Grundbesitz genommen haben, was diese Familien zu Flüchtlingen gemacht hat. Angehörige von indigenen Volksgruppen und religiöse Minderheiten sind unverhältnismäßig stark von Gewalt betroffen, die sich aus Landraub und der damit verbundenen Vertreibung ergibt.

Ein Länderexperte erklärt zur Situation der Hindus: „Viele Hindus sind außer Stande, Landbesitz wiederzuerlangen, den sie durch ein Gesetz namens ‚Vested Property Act‘ verloren haben. Obwohl das Gesetz im Jahr 2001 durch die damals regierende Awami-Liga wieder abgeschafft wurde, ergriff die Regierung damals keine konkreten Maßnahmen, unter diesem Gesetz beschlagnahmten Grundbesitz zurückzugeben. Der Vested Property Act war ein Gesetz in Bangladesch aus der ostpakistanischen Zeit, das es der Regierung ermöglichte, Eigentum von Personen zu konfiszieren, die sie als Staatsfeinde betrachtete (hierbei handelte es sich in der Praxis meist um Hindus). Mit diesem Gesetz beschlagnahmte die Regierung so etwa 1,05 Millionen Hektar Land. Fast alle Hindus im Land waren davon betroffen. Nach der Untersuchung eines Professors der Universität von Dhaka verloren seit 2001 fast 200.000 hinduistische Familien etwa 16.400 Hektar Land, trotz der Aufhebung des Gesetzes im gleichen Jahr.“ Als eine Hindu-Aktivistin US-Präsident Donald Trump über die Situation der religiösen Minderheiten aufklärte und während des „Ministerial to Advance Religious Freedom“ im Juli 2019 in Washington von „Verfolgung“ sprach, löste sie zu Hause Empörung aus und wurde beschuldigt, das Bild Bangladeschs zu beschmutzen.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Solange Bangladesch mit einheimischen und aus dem Ausland eingesickerten islamisch-extremistischen Gruppen zu kämpfen hat, wird es die christliche Minderheit im Land weiterhin schwer haben. Besonders Christen muslimischer Herkunft werden leicht zum Ziel von Angriffen werden. Die Tatsache, dass die Regierung einerseits militante islamistische Bewegungen bekämpft und aber gleichzeitig auch islamistische Gruppen umwirbt, lässt die Christen in Bangladesch sorgenvoll in die Zukunft blicken. Ein weiteres Problem ist das Medressen-System: In offiziell registrierten Medressen werden ungefähr zwei Millionen Schüler unterrichtet, wohingegen man vermutet, dass die „privaten“ Medressen von mehr als vier Millionen Schülern besucht werden. Ähnlich wie in Pakistan sind diese Medressen potenzielle Nährböden für Hass und Gewalt. Ein deutlicher Hinweis darauf war der tödliche Angriff auf ein Restaurant in Dhaka im Juli 2016, bei dem neun der Täter Medressen-Schüler waren. Extremistische Muslime nehmen Christen ins Visier, weil sie als Verbündete der Regierung gesehen werden, denn sie ziehen es vor, dass der Säkularismus des Landes, wie er in der Verfassung festgelegt wird, beibehalten wird. Die Politik bedient sich oftmals gewaltsamer Methoden, wobei immer wieder Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen oder sogar getötet werden.

Religiös motivierter Nationalismus

Neben den Christen stellen Hindus und Buddhisten große Minderheiten in Bangladesch dar. In Zeiten des steigenden Drucks auf diese Minderheiten vonseiten der Mehrheitsgesellschaft gewinnt Religion als identitätsstiftender Faktor an Bedeutung. Deshalb werden Christen mit hinduistischem oder buddhistischem Hintergrund auch künftig großen Widerstand vonseiten ihrer Familien, Nachbarn und religiösen Leiter erleben.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Was bereits oben bei Religiös motiviertem Nationalismus gesagt wurde, gilt auch für diese Triebkraft der Verfolgung, da die beiden sich vermischen.

Diktatorische Paranoia

Die Wahlen vom 30. Dezember 2018 ergaben einen überwältigenden Sieg für Scheich Hasinas Partei der AL; in der Geschichte Bangladeschs hat sie damit die längste Amtszeit im Premierministeramt. Die Tatsache, dass die Opposition (ebenso wie internationale Beobachter) die Rechtmäßigkeit der Wahlen anzweifeln, weist auf den Fortbestand der Triebkraft der Diktatorischen Paranoia hin. Als Minderheit finden sich die Christen schnell im Fadenkreuz politischer Machtkämpfe wieder. Der ehemalige oberste Richter des Landes, Surendra Kumar Sinha, berichtet in seiner Autobiographie („A broken dream: Human rights, rule of law and democracy“) davon, dass Agenten des Staatsschutzes Richter beeinflusst und eingeschüchtert hätten, Urteile zugunsten der Regierung zu sprechen – ein weiteres Indiz dafür, wie angespannt die Politik in Bangladesch ist. Gegen ihn läuft nun ein Verfahren wegen angeblicher Korruption und er hat im Juli 2019 politisches Asyl in Kanada beantragt. Unabhängig davon, ob Surendra Kumar Sinhas Anschuldigungen nun der Wahrheit entsprechen oder nicht: Wer von den Machthabern als Bedrohung empfunden wird, wird zur Zielscheibe, egal wie hoch seine Position auch sein mag. Diktatorische Paranoia als Triebkraft der Verfolgung wird auch in Zukunft bestehen bleiben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bangladesch:

  • Bitte beten Sie, dass Gott allen Christen die Stärke gibt, in ihrem Glauben standhaft zu bleiben, besonders Christen anderer religiöser Herkunft, die ihren Glauben im Geheimen leben.
  • Beten Sie für Christen, die ihre Heimatorte verlassen mussten, da sie dem Druck gegenüberstanden, ihren Glauben zu widerrufen. Beten Sie, dass Jesus Christus sich um ihre körperlichen, emotionalen und geistlichen Bedürfnisse kümmert.
  • Beten Sie, dass Christen, die mental und körperlich missbraucht werden, im Glauben gestärkt werden mögen.