Länderprofil Bangladesch

Bangladesch

31
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Bangladesch
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
38
Karte Bangladesch
Christen
0,90
Bevölkerung
169.78
Diktatorische paranoia
Religiös motivierter Nationalismus
Privatleben: 11.500
Familienleben: 10.300
Gesellschaftliches Leben: 13.000
Leben im Staat: 11.300
Kirchliches Leben: 10.100
Auftreten von Gewalt: 10.600

Länderprofil Bangladesch

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 31 / 67 Punkte (WVI 2020: Platz 38 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Christen muslimischer, hinduistischer, buddhistischer oder ethnischer Herkunft erleiden in Bangladesch schwerste Verfolgung. Aus Angst vor Angriffen versammeln sie sich oft in kleinen Hausgemeinden oder in geheimen Gruppen. Evangelistisch tätige Gemeinden – darunter viele Pfingstgemeinden – die unter der muslimischen Mehrheit aktiv sind, erleben Verfolgung. Aber auch traditionelle Kirchen wie die Römisch-Katholische Kirche sind zunehmend mit Angriffen und Morddrohungen konfrontiert. Christen aus indigenen Volksgruppen wie den Santal sind doppelt verwundbar, da sie sowohl zu einer ethnischen als auch zu einer religiösen Minderheit gehören. Sie leiden unter Landraub und Gewalt. Auch die Christen innerhalb der muslimischen Rohingya, die aus Myanmar nach Bangladesch geflohen sind, sind Schikanen und starkem Druck seitens ihrer Gemeinschaft ausgesetzt. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wurden sie zum Ziel eines gewaltsamen Angriffs extremistisch-islamischer Gruppen in den Flüchtlingslagern.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

67

31

2020

63

38

2019

58

48

2018

58

41

2017

63

26

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 hat sich im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 die Wertung nochmals um 3,7 Punkte erhöht. Dieser Anstieg hat drei Ursachen: Ein Drittel rührt von der Zunahme an Gewalt her, weil eine christliche Mutter und ihre Tochter getötet wurden, und Christen unter den Rohingya-Flüchtlingen aus Myanmar innerhalb der Lager sowohl von Mitflüchtlingen als auch von Aufständischen wie der Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) tätlich angegriffen worden sind. Ein weiterer Grund für den Anstieg der Punktzahl ist die verbesserte Berichterstattung aus den Stammesgebieten. Der Zugang dorthin ist zwar weiterhin eingeschränkt, aber im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 konnten mehr Berichte von Christen innerhalb der Gebiete eingeholt werden, was unter anderem zu einem Anstieg von 1,2 Punkten im Bereich des kirchlichen Lebens führte. Alle anderen Bereiche verzeichneten einen leichten Anstieg und trugen zum letzten Drittel des Gesamtanstiegs bei. Die christliche Minderheit im Allgemeinen ist weiterhin mit Diskriminierung, Benachteiligung und Gewalt konfrontiert.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die Parteipolitik hat zu einer Zunahme von diktatorischer Paranoia und islamischer Unterdrückung geführt

Die Awami-Liga festigte ihre Ein-Parteien-Herrschaft nicht zuletzt dadurch, dass sie die Meinungs- und Pressefreiheit einschränkte und massiv gegen jede abweichende Meinung vorging. Ein Beispiel war die Verhaftung eines 15-jährigen Jugendlichen, der Premierministerin Sheikh Hasina in einem Facebook-Beitrag kritisiert hatte. Sie hatte es vor den Wahlen im Dezember 2018 für notwendig erachtet zu erklären: „Jeder, der beleidigende Kommentare gegen den Islam oder gegen den Propheten Muhammad ausspricht, wird nach dem Gesetz verfolgt“ (wobei betont wird, dass die Religion des Landes der Islam ist). Dies war eine belastende Botschaft für die Zukunft der christlichen Minderheit in Bangladesch. Im Oktober 2019 wurden bei Zusammenstößen mit gewalttätigen Demonstranten wegen angeblich gotteslästerlicher Facebook-Beiträge vier Menschen getötet. Daran zeigt sich, dass extreme Ansichten immer noch weit verbreitet sind und die Schwelle zur Gewalt niedrig ist. Da die neue Führung der konservativ-islamischen Hefazat-e-Islam der oppositionellen BNP nahesteht, wäre denkbar, dass sich die Bewegung spaltet. Aber selbst dann wird sie weiterhin eine gewichtige Kraft sein, mit der die Regierung fertig werden muss.

2) Die Folge für die christliche Minderheit ist ein sehr hohes Ausmaß an Verfolgung

Die Verfolgung von Christen in Bangladesch befindet sich auf einem sehr hohen Niveau (sehr hoch wird in der Methodik des Weltverfolgungsindex definiert, wenn ein Land 61-80 Punkte erreicht). Daran ist eine Vielzahl von Akteuren beteiligt, während die Betroffenen hauptsächlich neu bekehrte Christen aus einem anderen religiösen Hintergrund sind. Besonders schwierig ist die Situation für ehemalige Muslime. Seit dem Großangriff auf die Artisan Bakery im Juli 2016 hat die Gruppe „Islamischer Staat“ (IS) über ihre Medienpartner eine Reihe von Anschlägen für sich reklamiert; allerdings hat die Regierung konsequent jegliche IS-Präsenz im Land bestritten. Zu weiteren Anschlägen haben sich örtliche islamistische Gruppen bekannt.

Die Christen leben weiterhin in Angst vor möglichen Anschlägen, obwohl die unmittelbare Bedrohung nach einem harten Durchgreifen der Behörden gegen islamisch-extremistische Gruppen etwas abgenommen hat. Gegen Pastoren werden weiterhin Morddrohungen ausgesprochen, allerdings nicht mehr so häufig wie früher. Zwangsverheiratung, Vergewaltigung, Diskriminierung bei der Verteilung öffentlicher Mittel und Mob-Attacken gegen Christen sind immer öfter zu beobachten. Eine zusätzliche Belastung ist die Situation in den Flüchtlingslagern der Rohingya, in denen extremistische Gruppen entstanden sind.

Die Regierung hat nur wenige Fortschritte bei der Bekämpfung extremistisch-islamischer Gruppen gemacht. Sie verliert nicht nur den Rückhalt in Teilen der Gesellschaft, sondern steht durch den internationalen Zustrom von extremistischen Muslimen auch vor neuen Herausforderungen; dazu zählt unter anderem die Auseinandersetzung mit deren lokalen Anhängern. Solange die Regierungspartei weiterhin alle islamische Militanz mit der Oppositionspartei in Verbindung bringt und gleichzeitig islamisch-extremistische Gruppen umwirbt, um Stimmen zu gewinnen, wird es schwierig sein, eine Lösung zu finden. Die Aussage eines Beobachters von Ende 2019 kann für 2020 wiederholt werden: „Es war ein (weiteres) verlorenes Jahr, was Menschenrechte und Gerechtigkeit betrifft.“ Berichten zufolge nimmt die Regierung nach wie vor Rücksicht auf die Befindlichkeiten von Islamisten, wie etwa das Verbot eines Romans zeigt, der über sexuellen Missbrauch an einer Qawmi-Madrassa berichtet. Im vergangenen Jahr starb der Gründer von Hefazat-e-Islam, Ahmad Shafi, der auch die Qawmi-Madrassa-Bewegung ins Leben gerufen hat. Die Tatsache, dass zu seiner Beerdigung Zehntausende von Anhängern erschienen, ist ein Beleg dafür, dass die extremistische Auslegung des Islam in Bangladesch weit verbreitet ist.

3. Religiöse Situation im Land

Bangladesch ist Heimat von über 150 Millionen Muslimen, die meisten davon Sunniten. Bis vor kurzem gelang es dem Land, sich von der Art von Extremismus fernzuhalten, der andere Teile der Welt und Südasiens geplagt hat. Es gibt jedoch eindeutige Anzeichen dafür, dass sich diese Situation ändert. Die Entscheidung der Regierung im Januar 2017, die Schulbücher im Sinne konservativer islamischer Gruppen anzupassen, ist ein Zeichen in diese Richtung. Dass der Buchstabe „o“ nun durch die Darstellung der „Orna“ (ein Tuch, das zu Beginn der Pubertät getragen wird) eines frommen muslimischen Mädchens erklärt wird, ist nur ein Beispiel für einen schleichenden islamischen Einfluss, der in den Schulbüchern für Erstklässler beginnt. In einem Schulbuch für Sechstklässler wurde ein Reisebericht in den Norden Indiens (ein Nachbarland) durch einen Bericht über den Nil in Ägypten ersetzt. Auch andere Bücher wurden verändert, indem zum Beispiel keine hinduistisch oder christlich klingenden Vornamen mehr verwendet werden. Dieser neue Vorstoß geht jedoch nicht so weit, Gewaltanwendung zu unterstützen: Die Regierung beschloss, Kapitel über den Dschihad in Schulbüchern der Sekundarstufe zu verbieten.

Im Mai 2018 nahm die regierende Awami-League ein Finanzpaket in Höhe von 1 Milliarde USD aus Saudi-Arabien für den Bau von 560 Moscheen im ganzen Land an.

Etwas mehr als neun Prozent der Bevölkerung sind Hindus, und auch sie leiden unter Angriffen extremistischer Muslime. Christen werden als Teil einer winzigen Minderheit ausgegrenzt und sind, wenn sie ethnischen Minderheiten angehören, doppelt bedroht. Christen muslimischer Herkunft geraten schnell unter Druck, entweder von extremistisch-islamischen Gruppen oder der islamischen Kultur in ihrer Nachbarschaft. Sie sind stark von Gewalt betroffen. Die Kirchen und alle Minderheitsreligionen halten sich möglichst aus der Politik heraus, obwohl sie einen wachsenden islamischen Konservatismus und eine Radikalisierung im Lande beobachten. Christen und andere Minderheiten haben mehrere Lobbygruppen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia, vermischt mit islamischer Unterdrückung

Politik ist in Bangladesch ein Familiengeschäft und im Moment ein Konkurrenzkampf zwischen zwei Frauen. Premierministerin Sheikh Hasina von der Awami-Liga machte deutlich, dass sie alles tun wird, um an der Macht zu bleiben. Dazu gehört auch, ihre Rivalin, Khaleda Zia von der Bangladesh National Party (BNP), wegen Korruption verurteilen zu lassen. Die Opposition entschloss sich zur Bildung eines Bündnisses, in dem die Vorsitzende der (überwiegend säkularen) BNP ihre islamischen Bindungen gestärkt hat und nun die islamischen Grundlagen des Landes betont. Letztlich hat aber diese Koalition bei den Wahlen im Dezember 2018 zu keinen nennenswerten Ergebnissen geführt und eine parlamentarische Opposition ist in Bangladesch vorerst so gut wie nicht existent. Obwohl Christen und andere religiöse Minderheiten mehr Freiheit genießen als in vielen anderen muslimischen Ländern, können sie leicht zum Sündenbock gemacht werden. Das trifft besonders in der angespannten Situation zu, in der sich das Land gegenwärtig befindet.

Die islamische Unterdrückung betrifft alle Christen in Bangladesch, obwohl das Land laut Verfassung offiziell sowohl ein säkulares als auch ein islamisches Land ist. Es wird immer schwieriger zu erkennen, wie dieses Dualsystem in der Praxis funktionieren kann. Das liegt unter anderem daran, dass die Regierung mehr und mehr den Forderungen lokaler islamischer Gruppen nachgibt, die nicht mit der Opposition verbunden sind, um sich deren Unterstützung zu sichern. Diese Gruppen überwachen die Minderheiten, ganz besonders die Christen mit muslimischem Hintergrund. Sie verbreiten Angst, und viele von ihnen sind von internationalen islamistischen Gruppen wie dem IS inspiriert, obwohl die Behörden solche Verbindungen weiterhin abstreiten. Ungeachtet der Regierungsrhetorik werden diese Verbindungen weithin als Tatsache wahrgenommen. Familien und Dorfgemeinschaften treten als Verfolger auf und überwachen die Aktivitäten ehemaliger Muslime (vor allem in ländlichen Gebieten), was deren Alltag stärker einschränkt als extremistische Gruppen. Der Umstand, dass die Regierung islamistische Gruppen mit Verbindungen zur Oppositionspartei bekämpft, trägt nicht zur Beruhigung der brisanten politischen Situation bei.

Die Grenzregion zwischen Myanmar und Bangladesch ist nach dem plötzlichen Zustrom von muslimischen Rohingya-Flüchtlingen im Jahr 2017 unruhig geworden. Schätzungen zufolge haben mehr als 700.000 die Grenze von Myanmar aus überquerz. Da bereits im Vorfeld ca. 300.000 Rohingya in Bangladesch lebten, wird ihre Zahl nun auf über eine Million geschätzt. Sie leben in erbärmlichen Verhältnissen mit wenig Hoffnung auf eine baldige Rückkehr und stellen eine große Belastung für Bangladesch dar, das immer noch eines der ärmsten Länder der Welt ist. Die aufständische Gruppe ARSA, die Grenzposten in Myanmar angegriffen hat, ist auch in den Flüchtlingslagern von Bangladesch aktiv. Folglich könnte dieses Flüchtlingsproblem zu einem wachsenden islamischen Extremismus in Bangladesch führen. Die Perspektive eines solchen möglichen „Spillover-Effekts“ verstärkt die Nervosität der Regierung noch zusätzlich. Trotz aller Versprechungen scheint es unwahrscheinlich, dass Myanmar die Flüchtlinge in den nächsten Monaten zurücknimmt; zumal die Kämpfe im Rakhine-Staat in Myanmar weitergehen (auch wenn die Regierungstruppen jetzt mehr mit der Bekämpfung eines buddhistischen Aufstands der ethnischen Minderheit beschäftigt sind) und weder die Diskriminierung noch die Kämpfe gegen die muslimische Minderheit aufgehört haben (siehe Länderprofil Myanmar).

Religiös motivierter Nationalismus – buddhistisch und hinduistisch, gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit und Unterdrückung durch den Clan/Stamm

In Bangladesch gibt es fast doppelt so viele Buddhisten und mehr als zehnmal so viele Hindus wie Christen. Buddhisten sind vor allem unter den indigenen Volksgruppen zu finden, die sich in Chittagong und den Chittagong Hill Tracts an der Grenze zu Indien und Myanmar befinden. Unter diesen Volksgruppen ist das Stammesvolk der Chakma am bekanntesten. In den letzten Jahren haben immer mehr Chakma angefangen, Jesus Christus nachzufolgen. Aus diesem Grund haben buddhistische Leiter und Stammesführer begonnen, verstärkt Druck auf diese neuen Christen auszuüben. Dies geschieht nicht nur durch Familie, Freunde und die Dorfgemeinschaft, sondern auch vonseiten extremistischer Buddhisten. Sie streben damit an, ortsansässige buddhistische und indigene Gruppen im Widerstand gegen den christlichen Glauben zu stärken. In mehrheitlich hinduistischen Ortschaften üben Vorsteher und Familien Druck auf ehemalige Hindus aus, zum Hinduismus zurückzukehren.

Mit den ethnischen Völkern Bangladeschs sind die ethnischen Minderheiten in den Gebieten Chittagong Hill Tracts (Südosten), Sylhet Division (Nordosten), Rajshahi Division (Nordwesten) und Mymensingh District (Nord-Mitte) gemeint. Die ethnischen Minderheiten Bangladeschs haben ihre eigenen kulturellen Traditionen und Sprachen. Da die Chakma, Tripura und Marma Stammesgruppen sind, vermischt sich religiös motivierter Nationalismus mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit und Unterdrückung durch den Clan oder Stamm. Das bedeutet, dass neue christliche Gläubige mit Stammeshintergrund gezwungen sind, den uralten Normen und Werten ihrer Gemeinschaft zu folgen, ob diese nun religiöser Natur sind oder nicht.

5. Verfolger

Verfolger ausgehend von islamischer Unterdrückung, gemischt mit diktatorischer Paranoia

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In Bangladesch sind muslimische Leiter oft die Verfolger von Christen, besonders wenn christliche Gemeinden als evangelistisch gelten oder ehemalige Muslime offen aufnehmen. Dies wird oft als Bedrohung der muslimischen Mehrheit empfunden.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Für Familien ist es häufig schwer zu akzeptieren, dass ihre Verwandten – oft Kinder – den Islam verlassen haben, um Jesus Christus nachzufolgen. In ihren Augen entehrt dies die Familie in der Öffentlichkeit, und deshalb kappen die Familien in vielen Fällen alle Verbindungen zu ehemaligen Muslimen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Ortsansässige extremistisch-islamische Gruppen, insbesondere Jamaatul Mujahedin Bangladesh (JMB), Jamaat-e-Islami, Hefazat-e-Islami und Ahle Sunnat, bekämpfen aktiv die christliche Minderheit und konzentrieren sich auf ehemalige Muslime. Ein spürbarer Trend ist die Zunahme von Anschlägen des IS im Land, die sich vor allem gegen Freidenker und religiöse Minderheiten richten, darunter Christen (insbesondere Leiter und Evangelisten) und ehemalige Muslime. Es bleibt abzuwarten, ob der jüngste Führungswechsel innerhalb der Hefazat-e-Islami zu mehr Gewalt führen oder neue Gruppen hervorbringen wird.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte sind Verfolger ausgehend von islamischer Unterdrückung, oft in Kombination mit diktatorischer Paranoia, da sie im Dienste der amtierenden Regierung stehen. Besonders in den Chittagong Hill Tracts gehen Regierungsbeamte hart gegen Christen vor und behandeln sie ungerecht, zum Beispiel wenn es um Grundstücksangelegenheiten geht. Auch die Armee behandelt ethnische Minderheiten in dieser Region mit großem Argwohn. Wie bereits erwähnt, hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass die Regierung von Premierministerin Sheikh Hasina ihre Macht fest im Griff hat. Wen sie als Bedrohung wahrnimmt, der wird zur Zielscheibe. Dies gilt auch für die Minderheit der Christen, obwohl sie weithin als Unterstützer der Regierung gelten; sie werden immer wieder zu Sündenböcken gemacht.
  • Gewöhnliche Bürger: In den letzten Monaten ist die Zahl der gewaltsamen Übergriffe gegen Christen durch Mobs zurückgegangen – auch aufgrund der COVID-19-Pandemie. Dennoch nehmen normale Bürger die Hinwendung zu Jesus Christus immer noch als etwas wahr, das gesellschaftlich unerwünscht ist und den Betroffenen aus der Gesellschaft ausgrenzt. Deshalb werden Christen mit einer anderen religiösen Herkunft vor allem in ländlichen Gebieten von ihrem Umfeld ausgegrenzt. Auch Angehörige ethnischer Minderheiten, viele von ihnen Christen, werden mit Argwohn beäugt.
  • Politische Parteien: Politischen Parteien haben in dem Bemühen, ihre Macht zu festigen und wenn möglich auszubauen, islamische-extremistische Gruppen umworben. Zu diesem Zweck übten sie Druck auf die Christen aus und betonten den besonderen Status des Islam. Örtliche politische Verantwortliche sind oft in Grundstücksfragen involviert, die die christliche Minderheit betreffen. Einige politische Parteien kooperieren mit extremistischen islamischen Gruppen, z.B. mit Jamaat-e-Islami. Außerdem übt die oppositionelle BNP, obwohl sie geschwächt ist, Druck auf religiöse Minderheiten (einschließlich der Christen) aus, da man sie als dem Lager der Regierungspartei zugehörig betrachtet. In diesem angespannten politischen Klima gehen die Parteien zwar nicht selbst gegen Christen vor, aber sie billigen stillschweigend die Übergriffe gewalttätiger Gruppen oder unterstützen sie sogar dabei.

Verfolger ausgehend von religiös motiviertem Nationalismus (buddhistisch und hinduistisch), gemischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit und Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Buddhistische und hinduistische Religionsführer forcieren die Verfolgung von christlichen Konvertiten, die früher auch zu ihrer religiösen Gruppierung gehörten. Als Angehörige einer religiösen Minderheit in einem zunehmend extremistisch geprägten islamischen Umfeld, empfinden sie die Abkehr von Menschen aus ihrer Gruppe als eine weitere Schwächung. So fordern sie, dass ehemalige Buddhisten oder Hindus unter erheblichen Druck gesetzt werden sollen, damit sie ihren neuen Glauben an Jesus Christus wieder aufgeben
  • Die eigene (Groß-)Familie: Was soeben für Religionsführer festgestellt wurde, gilt in noch stärkerem Maße für die Familie eines Konvertiten. Hier wird die Hinwendung zum christlichen Glauben oft mit der Beschmutzung von Ansehen und Würde der Familie in der jeweiligen Dorfgemeinschaft gleichgesetzt. Daher üben Familien viel Druck auf die neuen Christen aus, um sie zurückzuholen, und vertreiben sie, wenn dies ohne Erfolg bleibt, sogar aus dem Dorf.
  • Gewöhnliche Bürger: In den eingeschworenen Minderheitsgesellschaften der Chittagong Hill Tracts ist es nicht nur die Familie, die Druck auf Christen aus einem anderen religiösen Hintergrund ausübt. Schon der bloße Schritt zur Nachfolge Jesus Christi gilt als Austritt aus der Gesellschaft und als Schwächung der gesamten religiösen Gruppe. Bestärkt durch religiöse Leiter setzen Nachbarn und Freunde diese neuen Christen unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: In den Chittagong Hill Tracts gibt es gewalttätige religiöse Gruppen wie Jana Sanghati Samity (JSS). Sie bedrohen regelmäßig Pastoren und Kirchenleiter, die in ihrem Gebiet aktiv sind.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Oft üben die Leiter der ethnischen Gruppen Druck auf diejenigen aus, die sich von der Gesellschaft abgrenzen, damit sie zurückkommen und sich dem Überlebenskampf der Minderheit wieder anschließen. Eine entscheidende Voraussetzung für diesen Kampf ist die gemeinsame Identität, bei der Religion eine wichtige Rolle spielt.
  • Politische Parteien: Die Leiter der ethnischen Gruppen sind oft auch politische Leiter, also werden sie auch die (lokale) Politik einsetzen, um Druck auf die Christen auszuüben.
  • Regierungsbeamte: Zusätzlich zu den unter islamische Unterdrückung genannten Punkten, machen ortsansässige Regierungsbeamte den Christen das Leben schwer, indem sie sich aktiv in Grundstücksstreitigkeiten einmischen oder untätig bleiben, wenn es um die Untersuchung von Angriffen gegen Christen geht. Die schwächt die christliche Minderheit weiter.
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption: Kirchen und Häuser von Christen, vor allem der ethnischen Minderheiten, wurden angegriffen und zerstört. Dahinter stecken oftmals Kräfte, die mit der Landraub-Mafia in Verbindung stehen. Dies sind in der Regel örtliche Machthaber, oft mit guten Verbindungen zu kommunalen und manchmal sogar zu nationalen Politikern.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die nördliche Region Bangladeschs mit den Chittagong Hill Tracts und ihren vielen ethnischen Minderheiten ist ein oft übersehener Schauplatz von Rechtsverstößen gegen Christen, sowohl durch die muslimische Mehrheit als auch durch die buddhistische Minderheit. In den letzten drei Jahren entwickelte sich ein weiterer Hotspot, als Bangladesch mehr als 700.000 muslimische Flüchtlinge aus dem benachbarten Myanmar aufnahm. Die meisten von ihnen befinden sich im Distrikt Cox Bazar, an der südöstlichen Spitze von Bangladesch. Das Land hat selbst mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft Mühe, sie zu versorgen. Die Rückführungsbemühungen sind immer wieder ins Stocken geraten und je länger die Flüchtlinge in den Lagern bleiben müssen, umso höher ist das Risiko, dass sich einige von ihnen islamistisch radikalisieren und damit auch Bangladesch in Mitleidenschaft ziehen. In den Flüchtlingslagern lebt auch eine winzige Minderheit ehemaliger Muslime der Rohingya. Sie stehen unter zunehmendem Druck, haben aber keine Möglichkeit zu entkommen.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Zu dieser Gruppe gehören Botschaftsangehörige und ausländische Arbeiter der wichtigen Textilbranche. Sie werden beobachtet und von militanten Islamisten bedroht.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu dieser Gruppe gehören die Römisch-Katholische Kirche und die Anglikanische Kirche von Bangladesch. Sie werden häufig bedroht und beobachtet.

Christen anderer religiöser Herkunft

Zu dieser Kategorie gehören Christen mit unterschiedlichem religiösen Hintergrund: Muslime, Hindus, Buddhisten und Stammesangehörige. Sie sind stärkster Verfolgung ausgesetzt, nicht zuletzt durch ihre eigenen Familien und ihr soziales Umfeld. Sie versammeln sich oft heimlich in Gruppen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Gruppe gehören Evangelikale, Baptisten- und Pfingstgemeinden. Ein Beispiel dafür sind die „Assemblies of God“, deren Mitglieder sich für Gottesdienste hauptsächlich in Hauskirchen versammeln. Sie werden häufig bedroht und zuweilen gewaltsam angegriffen.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.5
Familienleben 10.3
Gesellschaftliches Leben 13
Leben im Staat 11.3
Kirchliches Leben 10.1
Auftreten von Gewalt 10.6

Grafik: Verfolgungsmuster Bangladesch

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Druck auf Christen in Bangladesch hat in allen Lebensbereichen zugenommen, so dass der durchschnittliche Druck von 10,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 11,2 Punkte 2021 gestiegen ist. Dies spiegelt den Druck auf alle Christen wider, aber ganz besonders auf Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund. Die zunehmend schwierige Situation der ehemaligen Muslime unter den Rohingya-Flüchtlingen, die 2017 aus Myanmar geflohen sind, hat zu einem Anstieg der Werte im Weltverfolgungsindex 2021 beigetragen (und auch zu einem Anstieg der Werte für Gewalt, da sie Angriffe erlebt haben). Ein weiterer Grund für den Anstieg in allen Bereichen ist, dass mehr Informationen über christliche Konvertiten gewonnen wurde, die aus einer religiösen Minderheit stammen.
  • Der stärkste Druck herrscht im Privatleben und im gesellschaftlichen Leben, wo Christen anderer religiöser Herkunft besonders betroffen sind. Generell sind jedoch alle Christen in den Bereichen Leben im Staat und kirchliches Leben Verfolgung ausgesetzt. Letzteres ist auch der Bereich, in dem der Druck am stärksten zugenommen hat.
  • Das Auftreten von Gewalt gegen Christen stieg von 9,4 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 10,6 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 gab es zwei Morde, außerdem waren die Rohingya-Christen gewalttätigen Angriffen von extremistisch-islamischen Gruppen innerhalb der Flüchtlingslager ausgesetzt.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Christliche Konvertiten leben in Angst und halten ihren Glaubensübertritt vor der Familie oft geheim. Wer sich dafür entscheidet, sich zu seinem neuen Glauben zu bekennen, wird regelmäßig belästigt, schikaniert, bedroht und gezwungen, seine Blogs und Facebook-Profil zu löschen. Nach dem im Oktober 2018 verabschiedeten Gesetz „Digital Security Act“ können Verleumdung, Verletzung religiöser Gefühle, Herbeiführung einer Verschlechterung von Recht und Ordnung und Aufwiegelung gegen eine Person oder Organisation durch Veröffentlichung oder Übermittlung von Inhalten auf Websites oder in elektronischer Form zu einer Freiheitsstrafe von bis zu 14 Jahren führen.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Angesichts des Drucks auf Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund sowie auf diejenigen, die andere aktiv zum christlichen Glauben einladen, ziehen es die meisten Betroffenen vor, so unsichtbar wie möglich zu bleiben. Da extremistische Tendenzen wachsenden Einfluss in ihrem islamischen Umfeld gewinnen, halten sich Christen in der Öffentlichkeit zurück und vermeiden den Kontakt zu Personen außerhalb ihrer eigenen Gruppe. Immer mehr Anhänger der Mehrheitsreligion betrachten den Glaubenswechsel als schwere Sünde, die Strafe verdient, und manche befürworten sogar den Tod.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Artikel 41(1)(a) der Verfassung von Bangladesch schützt das Grundrecht des Bürgers, seine Religion frei zu bekennen, zu praktizieren und zu verbreiten. Die in diesem Artikel garantierte Freiheit ist das Recht des Menschen, jegliche religiösen Ansichten zu vertreten, die seinem individuellen Gewissen zusagen – ohne Einmischung durch irgendeine Person oder Macht, sei sie zivil oder kirchlich. Dies ist in einem freien Staat ebenso grundlegend wie das Recht auf Leben und Freiheit. Aus rechtlicher Sicht scheint der Prozess des Glaubenswechsels also sehr einfach zu sein: Das Gesetz sieht vor, dass der Konvertit zu einem Anwalt geht und ein handschriftlich unterschriebenes Dokument vorlegt, das besagt, dass er oder sie die Religion aus persönlichen Gründen, ohne Druck und aus freiem Willen gewechselt hat. Für jeden Christen, Buddhisten oder Hindu, der Muslim werden möchte, ist diese Prozedur nicht viel mehr als eine Formalität. Im Gegensatz dazu ist es für einen Muslim, der Christ werden will, normal, dem Druck des Anwalts ausgesetzt zu sein, der sich manchmal sogar (rechtswidrig) weigert, den Glaubenswechsel zu erfassen. Da der Islam die Staatsreligion und die Religion der überwiegenden Mehrheit ist, sehen sich ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertieren, zusätzlich zu solchen rechtlichen Fragen einem starken gesellschaftlichen und familiären Druck ausgesetzt.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Besonders für Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund war es sehr riskant, sich mit anderen Christen zu treffen. Erst recht, wenn sie von außerhalb kommen, etwa aus einem anderen Dorf oder der Stadt. Die meisten dieser Christen halten ihren Glauben aus Angst vor ihrem Umfeld und ihrer Familie lieber geheim. Wenn Christen sich mit ihnen treffen, beginnen die Dorfbewohner, Fragen zu stellen und ihre Aktivitäten zu überwachen. Dies gilt nicht nur für ehemalige Muslime, sondern auch für Christen mit buddhistischem oder hinduistischem Hintergrund.

Familienleben

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Das Bildungssystem in Bangladesch gibt jedem Schüler die Möglichkeit, seine eigene Religion zu studieren, sei es Islam, Buddhismus oder der christliche Glaube. Das Fach „Religion“ gehört zu den Pflichtfächern in den zentralen Prüfungen der Grundschule und weiterführender Schulen. Viele christliche Schüler haben jedoch Probleme in der Schule, wenn sie Unterricht in ihrer eigenen Religion anstreben. An staatlichen Schulen herrscht eine Tendenz zu islamischem Religionsunterricht, die sich nicht nur im Gesetz, sondern auch in der Praxis zeigt. Das liegt auch daran, dass es viel mehr Möglichkeiten für islamischen Religionsunterricht gibt als zu nichtislamischem Religionsunterricht. In vielen Fällen unterrichten Lehrer schlicht den christlichen Glauben nicht, so dass die Eltern dies zu Hause übernehmen müssen. In einem Fall im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wurden Christen von den Lehrern verspottet, als sie sich weigerten, an einem anderen Religionsunterricht teilzunehmen. In einem anderen Fall musste eine Christin ihre Prüfung für das Fach Christlicher Glaube außerhalb der Schule ablegen und durfte den Prüfungssaal nicht benutzen. Kinder von Christen anderer religiöser Herkunft erleben manchmal, dass der Glaubenswechsel ihrer Eltern nicht anerkannt wird und sie am Islamunterricht teilnehmen müssen. In vielen Fällen müssen christliche Kinder in der Schule nichtchristliche Lehrinhalte lernen und islamische Schulbücher verwenden.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Kinder von Christen anderer Herkunft werden oft von Lehrern und sogar von den Schulleitern beschimpft, die Druck auf Kinder und Eltern ausüben, zum Islam zurückzukehren. Viele Kinder versuchen daher, die Schule zu meiden, da sie den Druck nur schwer aushalten können. Manchmal werden die Kinder bedroht; oft werden ihnen aber auch materielle und andere Annehmlichkeiten für sie und ihre Familie versprochen, wenn sie zum Islam zurückkehren. Da sie ihre Lehrer als Vorbild sehen, machen sich Mitschüler häufig über christliche Schüler lustig, was so weit gehen kann, dass diese sich weigern, zur Schule zu gehen oder überhaupt das Haus zu verlassen. Für viele Klassen gibt es die Möglichkeit, Stipendien für gute Schüler und Hilfe bei der Finanzierung der Gebühren für bedürftige Schüler und für Schülerinnen zu erhalten. Sehr häufig wurden christliche Kinder jedoch von diesen Angeboten ausgeschlossen. Dafür gibt es hauptsächlich zwei Gründe: Zum einen denken die Behörden, dass die Christen Geld von Ausländern erhalten und zum anderen scheinen sie den christlichen Kindern und vor allem Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund das Leben absichtlich schwer machen zu wollen.

Wurden christliche Taufen behindert?

Für die traditionellen Kirchen ist es normalerweise kein Problem, Taufen durchzuführen, solange sie auf dem Kirchengelände stattfinden und nicht zu viel Aufmerksamkeit erregen. Dorfbewohner sind dafür bekannt, Taufen anderer Kirchen zu stören und zu behindern, und einige Kirchenleiter weigern sich aus Angst vor Repressalien, Christen mit hinduistischem, buddhistischem oder muslimischem Hintergrund in örtlichen Kirchen zu taufen. Solche Christen werden normalerweise in andere Städte oder Gebiete geschickt, um sich dort taufen zu lassen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 gab es Fälle, in denen geplante Taufen abgesagt werden mussten, und in einem Fall musste ein Pastor untertauchen, nachdem ein Mob versucht hatte, eine Taufe zu verhindern und er nur knapp entkam.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Dies ist vor allem ein Problem von christlichen Eltern, die einen anderen religiösen Hintergrund haben. Wenn die Kinder weiterhin den Islamunterricht besuchen und islamische Lehrbücher verwenden müssen, greift dies in die Rechte der Eltern ein, ihre Kinder gemäß ihrem Glauben zu erziehen. Aber häufig sind der Druck und die Einmischung vonseiten der Großfamilie noch stärker. Onkel, Tanten oder Großeltern versuchen, die Bemühungen der Eltern zu beeinflussen und zu durchkreuzen. Auch für Christen mit buddhistischem Hintergrund gibt es Berichte dazu.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Im Allgemeinen sind die Menschen sehr wissbegierig, was die Christen betrifft. Wenn die traditionellen Kirchen Programme innerhalb oder außerhalb der Kirche organisieren, stößt dies bei den Nachbarn auf große Neugier. Sie möchten gerne mehr über den Lebensstil und die Aktivitäten dieser Minderheit erfahren. Dies hat jedoch den Nachteil, dass die Überwachung christlicher Aktivitäten gerade durch die örtliche Bevölkerung stark fördert. Besonders davon betroffen sind Christen mit einem anderen religiösen Hintergrund, die unter genauer Beobachtung durch Ortsvorsteher, Bürgerwehren und gewalttätige Gruppen stehen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wurden christliche Versammlungen von Gruppen dieser Art aufgesucht, die überprüfen, welche Unterlagen verwendet werden, und damit drohen, die Versammlungen zu schließen, und auch verlangen, dass die Anwesenden in Zukunft nicht mehr kommen. Außerdem haben einige Imame während der Freitagsgebete vor Christen gewarnt und die Menge aufgehetzt. Darüber hinaus haben Anwohner in Fällen, in denen christliche Versammlungen als zu groß erachtet oder als Missionierung angesehen wurden, die Polizei eingeschaltet, die die betreffenden christlichen Leiter verhört hat.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Christliche Männer und Frauen werden oft unter Druck gesetzt, ihren Glauben aufzugeben. Islamisten haben es auf bedürftige Familien abgesehen und bieten ihnen Anreize wie Essen, Geld und Bildung für ihre Kinder, wenn sie zum Islam konvertieren. Der Druck, den christlichen Glauben zu widerrufen, ist in ärmeren Gegenden groß. Es gibt auch Berichte über ganze Mobs, die Gruppen von ehemaligen Muslimen, Buddhisten oder Hindus bedrohen und sie zwingen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Artikel 28 (1) der Verfassung von Bangladesch aus dem Jahr 1972 besagt: „Der Staat darf keinen Bürger aus Gründen der Religion, der Rasse, der Kaste, des Geschlechts oder des Geburtsortes diskriminieren“, und Artikel 29 gewährleistet die Chancengleichheit im öffentlichen Dienst, aber die Minderheiten und insbesondere die Christen haben in dieser Hinsicht viele Probleme. Aufgrund ihres geringen sozialen Status ist es für Christen ohnehin schwieriger als für Muslime, Arbeit zu finden. Wenn sie es endlich schaffen, zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, stellen sie häufig fest, dass die Fragen sich weniger um ihre Fähigkeiten, als um ihren Glauben drehen. Dies erleben besonders Christen anderer religiöser Herkunft. Und wenn Christen eine Anstellung finden, werden sie häufig nicht befördert oder sie bekommen keine Zusatzleistungen, die mit dem Job zusammenhängen. Obwohl einige Christen hohe Positionen im Land erreicht haben, werden sie im Allgemeinen durch das Quotensystem im öffentlichen Dienst des Landes benachteiligt.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

In Fällen von (vermutetem) Glaubenswechsel, wurden Christen von der Polizei oder Bürgerwehrgruppen verhört und bedroht. Ehemalige Muslime, Buddhisten oder Hindus werden oft von einer ganzen Gruppe von Menschen über ihren Glauben ausgefragt, die versuchen, sie zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben zu bewegen. Dahinter steht oft die weit verbreitete Vorstellung, dass Menschen wegen finanzieller Anreize den christlichen Glauben annehmen würden. Die örtliche Polizei ist vor allem an der Wahrung des Friedens interessiert und neigt daher dazu, den Forderungen der muslimischen Mehrheit nachgeben.

Leben im Staat

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

Alle Besucher (einschließlich Bürger von Bangladesch), die ein Dorf in den Chittagong Hill Tracts besuchen wollen, müssen sich bei den Militärbehörden anmelden. Bei der Anmeldung müssen sie den Grund ihres Besuches angeben. Wenn es sich um religiöse Zwecke handelt, wird die Genehmigung nicht erteilt. Dies betrifft alle Christen in dieser Region. Das Gleiche trifft auf die Rohingya-Flüchtlingslager zu.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Nichtmuslimische religiöse Organisationen müssen sich nicht bei der Regierung registrieren; alle Nichtregierungsorganisationen (NGOs), einschließlich der religiösen, müssen sich jedoch beim NGO Affairs Bureau der Regierung anmelden, wenn sie ausländische finanzielle Unterstützung für soziale Entwicklungsprojekte erhalten. Im November 2017 wies Premierministerin Sheikh Hasina die Behörden an, die Aktivitäten von NGOs zu überwachen. Das NGO Affairs Bureau überwacht regelmäßig Aktivitäten von aus dem Ausland finanzierten NGOs. Die Foreign Donations (Voluntarily Donations) Regulation Bill hat viele christliche NGOs, vor allem kleinere, de facto geschlossen. Dadurch wurde auch die Arbeit der verbleibenden NGOs erschwert. NGOs, die sich vor allem mit Bürgerrechten und politischen Rechten befassen, werden von den Behörden ständig behindert, unter anderem wird ihnen der Zugang zu Geldern verwehrt. Diesen NGOs wird vom NGO Affairs Bureau (unter dem Amt des Premierministers) von Zeit zu Zeit die Genehmigung für ihre beantragten Projekte verweigert, und sie sind zunehmenden Schikanen und Überwachungen ausgesetzt.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

In fast allen Fällen, bei denen Christen zu Schaden kommen, werden keine Täter gefunden oder bestraft. Das gilt selbst dann, wenn es sich um gewalttätige Angriffe handelt und ein hohes Maß an Unwillen auf Seiten der Behörden besteht, überhaupt ordentliche Ermittlungen einzuleiten. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 gab es einen Vorfall, bei dem ein Mob eine Gruppe von Christen muslimischer Herkunft angriff und sie aufforderte, zu ihrem alten Glauben zurückzukehren. Als sich diese Christen an die Polizei wandten, wurde ihnen gesagt, sie sollten zum Islam zurückkehren, sonst könne die Polizei nichts für sie tun.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

In Bangladesch wird angenommen, dass religiöse Bilder und Symbole – auch Statuen – die Anbetung von Götzen fördern. Viele Missionsschulen haben das Kreuz und andere christliche Symbole entfernt, um die Gefühle der örtlichen Muslime nicht zu verletzen; auch Kirchen in bestimmten Gegenden vermeiden es, diese Symbole sichtbar darzustellen. Christen anderer religiöser Herkunft verwenden in ihren Gemeinden keine sichtbaren christlichen Symbole. Traditionelle Kirchen sind in dieser Hinsicht freier, ebenso wie die Christen, die in städtischen Gebieten leben.

Kirchliches Leben

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Die Überwachung erfolgt in der Regel nicht durch den Staat, sondern durch lokale extremistisch-islamische Gruppen oder die breitere Gesellschaft, die das Gesetz möglicherweise auch selbst in die Hand nehmen, indem sie Christen verhören und bestrafen. Da Christen ständig verdächtigt werden, missionarisch tätig zu sein, ist die Überwachung weit verbreitet, wobei ihre Intensität davon abhängt, wie aktiv die Kirchen sind. Islamisch-extremistische Gruppen (und manchmal auch Nachbarn) rechtfertigen ihr Vorgehen oft mit einer Rede von Premierministerin Hazina, in der sie sagte, dass jeder, der religiöse Gefühle verletze, sich nach dem Gesetz strafbar mache.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Wie bereits erwähnt, lehnen viele Pastoren und Kirchenleiter es aus Angst vor Racheakten ab, Christen muslimischer Herkunft zu taufen. Diesen Personen wird geraten, in andere Teile des Landes zu reisen, um sich taufen zu lassen. Aber selbst dann können sie nicht einfach in die Kirche integriert werden. Sobald ihr Status bekannt ist, drohen ihnen und der Kirche Probleme; im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wurde von Angriffen berichtet.

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Besonders in den Chittagong Hill Tracts und in Gegenden, in denen Gemeinden der Evangelisation unter Muslimen, Hindus und Buddhisten verdächtigt werden, berichten Christen häufig von Überwachung. In diesen Gebieten erhalten die Bürgerwehren und die Behörden offenbar durch Informanten Namen und Angaben zu allen Teilnehmern und wichtigen Leitern der Kirchen. Aufgrund der Maßnahmen, die zur Bekämpfung von COVID-19 verhängt wurden, mussten viele kirchliche Aktivitäten online durchgeführt werden, was in ländlichen Gebieten mit schlechtem oder fehlendem Internetzugang nicht immer möglich war.

Sind Pastoren, christliche Leiter oder deren Familienmitglieder wegen ihres Glaubens in besonderem Maß zum Ziel von Schikanen geworden?

In den letzten Jahren sind im ganzen Land einheimische militante islamische Gruppen gewachsen. Die christliche Minderheit wird oft von solchen Gruppen verfolgt, da ihr missionarischer Eifer als bedrohlich wahrgenommen wird. Pastoren und Kirchenleiter sind die Hauptziele von Schikanen und Einschüchterungen, insbesondere in der Gemeinschaft der Christen anderer religiöser Herkunft; sie sind innerhalb der Kirchengemeinden am sichtbarsten und werden mehr als andere für die „Irreführung“ und Bekehrung der Menschen verantwortlich gemacht.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: 27. Januar 2020: Bei einem Angriff islamischer Kämpfer wurden ein Behelfsgebäude, das als Versammlungsraum für Rohingya-Christen diente, und 25 ihrer Häuser in einem der Flüchtlingslager in Cox`s Bazar zerstört und mehrere Christen verletzt. Am nächsten Tag kehrten die Militanten zurück und entführten mindestens drei Christen, darunter einen Vater und eine Tochter.
    31. Mai 2020: In dem Dorf Savar, nordwestlich von Dhaka, wurde nachts ein Haus mit einer Bombe angegriffen, in dem drei Christen lebten. Das anschließende Feuer verursachte schwere Verbrennungen bei einer 30-jährigen Frau und ihrer fünfjährigen Tochter, die beide einige Tage später im Krankenhaus starben. Der Ehemann überlebte den Angriff, da er in der Nachtschicht in einer Bekleidungsfabrik arbeitete.
  • Angriffe auf Christen: Christen, vor allem Christen anderer religiöser Herkunft, wurden von der Bevölkerung angegriffen. Solche Angriffe werden oft von extremistischen religiösen Gruppen organisiert, die als Mob auftreten. Auch die Familien ehemaliger Muslime, Hindus oder Buddhisten wenden gelegentlich Gewalt an, um sie zur Rückkehr zu ihrem alten Glauben zu bewegen. Im Flüchtlingslager Kutupalong kam es im Januar 2020 zu einem Angriff auf die christliche Minderheit, woraufhin zwölf Christen ins Krankenhaus gebracht werden mussten.
  • Verhaftungen von Christen: Mindestens 56 Christen wurden Berichten zufolge festgesetzt oder verhaftet und inhaftiert. Aus Sicherheitsgründen können hierüber keine weiteren Details genannt werden.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens 90 Kirchen (oder Orte, an denen sich Christen versammeln) wurden angegriffen, hauptsächlich von Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Christliche Häuser wurden an verschiedenen Orten angegriffen, viele von Mitbürgern, einige von Landräubern. Einige Berichte betrafen das Flüchtlingslager Kutupalong. Aus Sicherheitsgründen können jedoch keine detaillierteren Angaben gemacht werden.
  • Verschleppte Christen: Am 27. Januar 2020 wurden ein christlicher Pastor der Rohingya und seine 14-jährige Tochter aus ihrer Behausung in einem Flüchtlingslager entführt. Sein Aufenthaltsort war bei Redaktionsschluss noch immer unbekannt, seine Tochter wurde Berichten zufolge mit einem ARSA-Kämpfer zwangsverheiratet.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der „International Religious Freedom Report 2019“ des US-Außenministeriums verlautet:

„Angehörige religiöser Minderheiten, einschließlich Hindus, Buddhisten und Christen, die manchmal auch zu ethnischen Minderheiten gehörten, gaben an, dass die Regierung nach wie vor unzureichend in der Lage sei, Zwangsräumungen und Landbeschlagnahmungen im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten zu verhindern. Die Regierung stellte weiterhin Sicherheitskräfte an religiösen Stätten, bei Festen und Veranstaltungen ab, die als mögliche Ziele für Gewalt gelten. Im Oktober kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei und Angriffen auf einen Hindu-Tempel als Reaktion auf die Verhaftung von zwei Muslimen in Bhola am 20. Oktober, denen vorgeworfen wurde, das Facebook-Konto eines Hindu-Studenten in erpresserischer Absicht gehackt zu haben. Bei den Zusammenstößen gab es mehr als 100 Verletzte, und die Polizei tötete vier Personen, nach eigenen Angaben in Selbstverteidigung. Im August fand die Polizei nach mehreren Presseberichten die Leiche des buddhistischen Mönchs Amrita Nanda, stellvertretender Leiter des buddhistischen Klosters Gyanaratna, unter einer Eisenbahnbrücke in Comilla, etwa 100 Kilometer von Dhaka entfernt. Medienberichten zufolge wurde Nanda die Kehle durchgeschnitten. Mitglieder der buddhistischen Gemeinde sagten, Nanda sei auf dem Rückweg von Dhaka in seine Heimatstadt gewesen.“

Alle religiösen Minderheiten sind von Diskriminierung und Gewalt bedroht, dazu gehören islamische Minderheiten wie Schiiten und Ahmadis ebenso wie hinduistische und buddhistische Minderheiten. Es wurden – noch ungehörte – Forderungen laut, die Ahmadi-Minderheit zu Nichtmuslimen zu erklären. Die gesellschaftliche Feindseligkeit gegen Ahmadis ist weit verbreitet. Im Juli 2020 gruben extremistische Muslime die Leiche eines drei Tage alten Ahmadi Mädchens auf einem Friedhof in der östlichen Stadt Brahmanbaria aus, weil sie keine Sunnitin war. Nach den sunnitischen Muslimen sind Hindus die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Hindus sind Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt; einige Frauen und Mädchen wurden gezwungen, zum Islam zu konvertieren. In mehreren Fälle haben Muslime das Land von Hindu-Familien beschlagnahmt und diese vertrieben. Indigene Völker und religiöse Minderheiten sind unverhältnismäßig stark von Gewalt infolge von Landraub und der daraus resultierenden Vertreibung betroffen.

Ein Experte für das Land erläuterte die Situation der Hindus im Detail: Viele Hindus haben ihren Landbesitz aufgrund des inzwischen außer Kraft gesetzten Vested Property Act verloren, konnten ihn bislang jedoch nicht wiedererlangen. Obwohl eine Regierung der Awami League das Gesetz im Jahr 2001 aufhob, hat die neue Regierung keine konkreten Maßnahmen ergriffen, um die Beschlagnahmungen von Eigentum, die unter diesem Gesetz stattfanden, rückgängig zu machen. Der Vested Property Act war ein Gesetz aus der Zeit Ostpakistans, das der Regierung erlaubte, „feindliches“ (in der Praxis hinduistisches) Land zu enteignen. Im Rahmen des Gesetzes beschlagnahmte die Regierung etwa 2,6 Millionen Hektar Land, wovon fast alle Hindus im Land betroffen waren. Laut einer Studie eines Professors der Universität Dhaka haben fast 200.000 Hindu-Familien seit 2001 etwa 40.667 Hektar Land verloren, obwohl das Gesetz im selben Jahr aufgehoben wurde. Als eine Hindu-Aktivistin während des Ministertreffens für Religionsfreiheit im Juli 2019 in Washington US-Präsident Donald Trump auf die Situation religiöser Minderheiten ansprach und von „Verfolgung“ sprach, löste sie zu Hause Empörung aus, und man sah in ihr eine Person, die das Ansehen Bangladeschs schädigte.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bangladesch:

  • Beten Sie dafür, dass Christen aus verschiedenen Stämmen und Kulturen geschult und ausgerüstet werden, um ihre Gemeinden zu stärken.
  • Beten Sie für Christen, die bei der Verteilung staatlicher Hilfe im Rahmen der COVID-19-Pandemie diskriminiert werden. Vor allem arme Tagelöhner sind von Einkommensverlust und Hunger bedroht. Beten Sie, dass sie sich körperlich und seelisch erholen können.
  • Beten Sie für die kleine Gruppe von Rohingya-Christen, die in den Flüchtlingslagern in Bangladesch versuchen, Jesus nachzufolgen. Beten Sie um Schutz und die Kraft, unter allen Umständen Jesus nachfolgen zu können.