Länderprofil Bangladesch

Bangladesch

48
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Bangladesch
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Volksrepublik
Platz Vorjahr
41
ISO
BD
Karte Bangladesch
Christen
0,87
Bevölkerung
166.37
Islamische Unterdrückung
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 11.000
Familienleben: 9.100
Gesellschaftliches Leben: 11.600
Leben im Staat: 10.500
Kirchliches Leben: 7.800
Auftreten von Gewalt: 7.800

Länderprofil Bangladesch

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 48 / 58 Punkte (WVI 2018: Platz 41 / 58 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Die Regierung gibt immer häufiger den Forderungen örtlicher islamischer Gruppen nach, die Minderheiten beobachten, insbesondere Christen muslimischer Herkunft. Diese Gruppen erzeugen Ängste und viele von ihnen werden von internationalen islamischen Gruppierungen inspiriert, wie z. B. dem „Islamischen Staat“ (IS).

Religiös motivierter Nationalismus: Die Anzahl der Buddhisten in Bangladesch ist doppelt so hoch wie die Zahl der Christen. Die meisten von ihnen sind Stammesangehörige und leben in den Regionen an der Grenze zu Indien und Myanmar. Christen mit buddhistischem Hintergrund werden unter Druck gesetzt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Stammesangehörige, die sich dem christlichen Glauben zugewendet haben, werden von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, den alten Traditionen und Werten der Gemeinschaft zu folgen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Während die Zahl von Christen muslimischer Herkunft zunimmt, sind diese Konvertiten immer mehr mit Beschränkungen und Schwierigkeiten durch islamistische Gruppen, lokale religiöse Leiter und ihre eigenen Familien konfrontiert. Überall im Land werden „Fatwas“ umgesetzt, besonders in ländlichen Gegenden. Gleichzeitig werden Rufe nach der Einführung des Scharia-Rechts laut, um die Zugehörigkeit zum „Haus des Islam“ nach außen deutlich zu machen. Bisher bleiben diese Rufe ungehört. Beamte von Lokalbehörden legen Christen verschiedenste Hindernisse in den Weg. Die zwischenzeitlich gehäuften Angriffe des IS im Land wurden jedoch durch striktere Kontrollen der Behörden und ein Durchgreifen der Sicherheitsbehörden gegen solche Gruppen eingedämmt.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Christen muslimischer, hinduistischer, buddhistischer oder ethnischer Herkunft erleiden die schwerste Verfolgung in Bangladesch. Sie versammeln sich oft in kleinen Hausgemeinden oder in geheimen Gruppen aus Angst vor Angriffen. Evangelistisch gesinnte Gemeinden, die unter der muslimischen Mehrheit arbeiten – viele von ihnen Pfingstgemeinden – sind Verfolgung ausgesetzt, aber selbst traditionelle Kirchen wie die Römisch-Katholische Kirche erleiden zunehmend Angriffe und Morddrohungen. Christen aus indigenen Volksgruppen wie den Santal sind doppelt verwundbar, da sie sowohl zu einer ethnischen als auch zu einer religiösen Minderheit gehören. Sie leiden unter Landraub und Gewalt. Christen unter den muslimischen Rohingya, die in Bangladesch Zuflucht gesucht haben, sind ebenfalls Schikanen und starkem Druck aus ihrer Gemeinschaft ausgesetzt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Mai 2018 wurde ein christlicher Jugendlicher getötet und im August 2018 wurde berichtet, dass eine junge Katholikin Selbstmord beging, nachdem sie gezwungen wurde, sich vor laufender Kamera auszuziehen. Obwohl der letztgenannte Vorfall nicht als Tötung in die Bewertung für den Weltverfolgungsindex eingeflossen ist, zeigt er doch die Verletzlichkeit von Christen, insbesondere Frauen. Aufgrund verletzter Schamgefühle der Opfer werden solche Fälle häufig nicht bekannt.
  • Sechs Kirchen (oder Orte, an denen sich Christen treffen) wurden angegriffen, beispielsweise die katholische Kirche in Gopalganj am 20. Januar 2018 und eine Kirche in den Chittagong Hill Tracts im September 2018. Bei dem Angriff im September wurden mehrere Christen verletzt.
  • Mindestens elf Christen wurden festgenommen, einer von ihnen musste mehrere Monate im Gefängnis bleiben. Aus Sicherheitsgründen können hierüber keine weiteren Details genannt werden.
  • Christen aus dem Volk der Santal sehen sich weiterhin dem Landraub ausgesetzt und ca. 1.500 Personen sind deshalb zu Binnenflüchtlingen geworden.

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Muslime, die Christen wurden, erleben oft heftige Verfolgung. Ihre dringendste Bitte ist die nach unserem Gebet. Mit der Gebetskampagne „Gefährlicher Glaube“ wollen wir auf ihre Bitte antworten.
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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 58 Punkten steht Bangladesch wie im Vorjahr auf Platz 48 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Situation vor Ort hat sich jedoch geändert. Obwohl die Wertung für Gewalt um mehr als zwei Punkte gesunken ist, bleibt sie dennoch auf einem sehr hohen Niveau. Gleichzeitig ist der Druck in allen Lebensbereichen gestiegen. Darin spiegelt sich vor allem die schwierige Situation der Christen wider, die einen anderen religiösen Hintergrund haben. Besonders sind hier die wenigen Rohingya-Christen zu nennen (Flüchtlinge aus Myanmar, die sich momentan im Land aufhalten). Im Allgemeinen leidet die christliche Minderheit weiterhin unter Diskriminierungen, Vernachlässigung und Gewalt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Diese Triebkraft betrifft alle Christen in Bangladesch, obwohl das Land gemäß seiner Verfassung weiterhin sowohl ein säkulares als auch ein islamisches Land ist. Es wird immer schwerer vorstellbar, wie dieses duale System in der Praxis funktionieren soll, besonders da die Regierung zunehmend den Forderungen einheimischer islamischer Gruppen ohne Verbindungen zur Opposition nachgibt. Diese Gruppen überwachen die Minderheiten, ganz besonders Christen mit muslimischem Hintergrund. Sie verbreiten Angst und viele von ihnen sind inspiriert durch internationale islamistische Gruppen wie den sogenannten „Islamischen Staat“ (IS), obwohl die Behörden derartige Verbindungen weiterhin bestreiten. Allen Aussagen der Regierung zum Trotz werden diese Verbindungen weithin als real angesehen, was die Furcht in der Bevölkerung nur noch erhöht. Die Regierung entschloss sich im Oktober 2017, Kapitel über den Dschihad in Schulbüchern für die Sekundarstufe zu verbieten. Neben den islamischen Gruppen sind es immer noch die Familien und die Menschen im Umfeld der Christen muslimischer Herkunft, von denen die meiste Verfolgung ausgeht. Besonders in ländlichen Gegenden beobachten und überwachen sie alle Aktivitäten christlicher Konvertiten genau. Das schränkt das Alltagsleben dieser Christen wesentlich mehr ein, als dies momentan durch extremistische Gruppen geschieht. Diese unsichere politische Situation wird zusätzlich dadurch verschärft, dass die Regierung islamische Gruppen mit Verbindungen zur Oppositionspartei bekämpft.

Religiös motivierter Nationalismus

In Bangladesch leben mehr als doppelt so viele Buddhisten wie Christen. Die meisten von ihnen gehören zu den einheimischen Bevölkerungsgruppen in den Chittagong Hill Tracts an der Grenze zu Indien und Myanmar. Unter diesen Gruppen ist der Stamm der Chakma der bekannteste. In den letzten Jahren ist eine wachsende Zahl von Chakma Christen geworden. Aus diesem Grund haben buddhistische Leiter und Stammesführer begonnen, verstärkt Druck auf diese christlichen Konvertiten auszuüben. Dies geschieht nicht nur durch die Familie, Freunde und das Umfeld, sondern auch durch extremistische Buddhisten, die lokale Buddhisten und Stammesgruppen stärken wollen, dem christlichen Glauben zu „widerstehen“. Die Region wird durch den anhaltenden Zufluss von muslimischen Rohingya-Flüchtlingen über die Grenze von Myanmar immer instabiler – Schätzungen gehen von 770.000 Menschen aus. Da bereits im Vorfeld ca. 300.000 Rohingya in Bangladesch lebten, wird ihre Zahl nun auf über eine Million geschätzt. Diese Menschen leben in desolaten Zuständen und sind eine große Herausforderung für Bangladesch, da das Land immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt gehört. Es gibt Berichte darüber, dass die Widerstandsgruppe „Arakan Rohingya Salvation Army“ (ARSA), die Angriffe auf Grenzposten in Myanmar verübt hat, in Flüchtlingslagern in Bangladesch aktiv ist. Somit könnte das Flüchtlingsproblem den islamisch-extremistischen Gruppen in Bangladesch weiteren Zulauf bescheren, was die Nervosität der Regierung noch steigert. Trotz aller Versprechen ist es wenig wahrscheinlich, dass die Flüchtlinge in naher Zukunft nach Myanmar zurückkehren werden. Als Konsequenz kündigte Bangladesch im November 2018 an, dass die geplante und vereinbarte Repatriierung im Jahr 2019 beginnen soll, und zwar nach den Wahlen des Landes im Dezember 2018.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Da die Chakma, Tripura und Marma Stammesgruppen sind, vermischt sich „Religiös motivierter Nationalismus“ mit „Ethnisch begründeten Anfeindungen“. Das bedeutet, dass neue Christen in Stammesgebieten dazu gezwungen werden, althergebrachten Normen und Werten ihrer Gemeinschaft zu folgen, gleichgültig ob sie religiöse Aspekte enthalten oder nicht.

Diktatorische Paranoia

In Bezug auf Politik geht es in Bangladesch wie in einen Familienbetrieb zu und im Moment herrscht ein Wettbewerb zwischen zwei Frauen. Premierministerin Sheikh Hasina der Partei „Awami-Liga“ machte deutlich, dass sie alle notwendigen Maßnahmen ergreifen wird, um an der Macht zu bleiben. Dazu gehört, ihre Rivalin Khaleda Zia von der „Bangladesh National Party“ (BNP) wegen Bestechung anzuklagen. Die Opposition hat sich dazu entschlossen, ein Bündnis einzugehen, durch das die Parteichefin der (größtenteils säkularen) BNP ihre Verbindung zu islamischen Kräften gestärkt und damit begonnen hat, die islamischen Grundlagen des Landes zu betonen. Obwohl Christen und andere religiöse Minderheiten mehr Freiheit genießen als in vielen anderen islamischen Ländern, kann man sie ohne weiteres als Sündenböcke nutzen, insbesondere da in Zeiten des Wahlkampfes und der Wahlen die Situation in Bangladesch sehr brisant und von Gewalt geprägt ist.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Muslimische Führungspersönlichkeiten zählen in Bangladesch zu den Hauptakteuren im Bereich der Verfolgung von Christen. Während die Zahl der Christen mit einem muslimischen Hintergrund stetig wächst, nehmen auch die Einschränkungen und Schwierigkeiten durch islamistische Gruppen, lokale religiöse Leiter und die eigenen Familien zu. Extremistische Gruppen fordern die Einführung der Scharia, um zu zeigen, dass das Land zum „Haus des Islam“ gehört. Lokale Beamte schaffen verschiedene Hürden für Christen, besonders für christliche Konvertiten. Ein merklicher Trend ist die Zunahme von Gräueltaten des IS im Land, die sich hauptsächlich gegen Freidenker und religiöse Minderheiten richten, einschließlich Christen (besonders gegen Leiter und Evangelisten) und besonders christliche Konvertiten. Einige politische Parteien arbeiten mit islamistischen Gruppierungen zusammen, wie z. B. mit „Jamaat-e-Islami“. Darüber hinaus setzt die Oppositionspartei, die Bangladesh National Party, religiöse Minderheiten (einschließlich Christen) unter Druck, da sie als Unterstützer der Regierungspartei angesehen werden. Christen muslimischer Herkunft erleben durch die eigene Familie, Nachbarn und Freunde den stärksten Druck.

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus und Ethnisch begründeten Anfeindungen

Buddhistische Leiter und Stammesführer sowie die Familien von christlichen Konvertiten agieren in ihren Regionen ebenfalls als Verfolger, besonders im Norden des Landes. Auch lokale Regierungsbeamte treten als Verfolger auf: Es ist ihr Ziel, alles unter Kontrolle zu halten; deshalb empfinden sie christliche Konvertiten als potenzielle Bedrohung.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die politischen Parteien tun alles, um an der Macht zu bleiben bzw. an die Macht zu kommen. Diesem Ziel wird alles andere untergeordnet. Regierungsbeamte leisten hierbei Unterstützung, sofern sie daraus einen persönlichen Nutzen ziehen können.

4. Hintergrund

In Bangladesch schwelt seit Langem ein politischer Konflikt zwischen der Regierung und der Opposition (und da Politik größtenteils eine Familienangelegenheit ist, auch zwischen den entsprechenden Familien). Dies hält das Land in einem derartigen politischen Schwebezustand, dass die sehr reale Gefahr durch den extremistischen Islam manchmal weniger bedeutsam zu sein scheint. Der tödliche Ernst dieser Lage zeigte sich in einer Mordserie unter religiösen Minderheiten (auch Christen), Säkularisten und politischen Aktivisten im Jahr 2016. Ob diese Morde – wie die Regierung hartnäckig behauptet – nichts mit dem IS zu tun haben und lokalen militanten Gruppen zugeschrieben werden müssen, ist nicht entscheidend. Die größten dieser lokalen Gruppen, „Jamaat-ul-Mujahideen“ (JMB) und das „Ansarullah Bangla Team“ (ABT), haben dem IS die Treue geschworen, und so kann man sagen, dass es dem IS gelungen ist, in Bangladesch Fuß zu fassen.

Die Kämpfe gegen Islamisten haben sich während des Berichtszeitraums fortgesetzt. Bei einem Vorfall am 11. Juni 2018 haben extremistische Muslime einen säkularen Blogger getötet, der extremistische religiöse Gruppen kritisiert hatte. Die Tatsache, dass Gesellschaft und Politik in dieser kritischen Zeit politisch gespalten sind, verstärkt die Probleme, denen Bangladesch gegenübersteht und erschwert das dringend notwendige Vorgehen gegen den militanten Islam.

Besonders problematisch erscheint, dass die Regierung Forderungen von Islamisten immer mehr Raum im Land gibt, höchstwahrscheinlich um Wählerstimmen zu gewinnen. Dies zeigte sich unter anderem in der Entscheidung der Regierung im Januar 2017, die Schulbücher den Wünschen konservativ-islamischer Gruppen anzupassen. Ein Beispiel (unter vielen) für diese Anpassung findet sich in den Büchern der ersten Klasse: Der Buchstabe „o“ wird dort neuerdings mit der Darstellung der „orna“ (ein Schleier, der zu Beginn der Pubertät getragen wird) erklärt. In einem Schulbuch für Sechstklässler wurde ein Reisebericht in den Norden Indiens (eines der Nachbarländer) durch einen Bericht über den Nil in Ägypten ersetzt. Andere Bücher wurden ebenfalls geändert. So werden zum Beispiel keine hinduistisch oder christlich klingenden Vornamen mehr verwendet. Andererseits unterstützen diese Bemühungen keinerlei Gewalt: Die Regierung entschied, Kapitel über den Dschihad in Büchern der weiterführenden Schulen zu verbieten. Im Mai 2018 nahm die Regierungspartei Awami-Liga eine Spende über 1 Milliarde US-Dollar aus Saudi-Arabien entgegen, die für den Bau von 560 Moscheen im ganzen Land vorgesehen ist.

Als Minderheit sind Christen inmitten dieser unsicheren Situation des zunehmenden Islamismus gefangen, da sie sich nicht auf eine der Seiten schlagen. Sie sind von allen Entscheidungen der Regierung ebenso betroffen wie von allen Aktivitäten der islamischen Opposition. Christen gelten als Sympathisanten der Regierung und werden dementsprechend behandelt.

Im Februar 2018 wurden die Chefin der Oppositionspartei, Khaleda Zia, und ihr Sohn aufgrund von Bestechungsanklagen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Es ist bemerkenswert, dass es nach dem Urteil nicht zu großen Demonstrationen oder Aufrufen zum Nationalstreik kam. Im Vergleich zu den letzten Jahren waren die Proteste gegen das Urteil des Gerichts mit nur wenigen Verletzten verhältnismäßig friedlich. Ein ganz anderes Bild zeigte sich jedoch nach einem Vorfall, bei dem zwei Schüler einer High-School von einem nicht lizensierten Bus überfahren wurden und zu Tode kamen. Die Rufe nach Gerechtigkeit aus der Bevölkerung wurden von der Regierung zunächst ignoriert. Dies führte zu tagelangen, immer lautstärkeren Protesten durch Schüler, was die Regierung zu dem Vorwurf in Richtung der Opposition veranlasste, sie versuche, aus den Unruhen Kapital zu schlagen. Ein anderes Anzeichen für die Nervosität der Regierungspartei besteht darin, dass angeblich gegen Tausende von Oppositionsanhängern strafrechtlich ermittelt wird.

Der ehemalige oberste Richter des Landes, Surendra Kumar Sinha, berichtet in „A broken dream: Human rights, rule of law and democracy“ davon, dass Agenten der Staatssicherheit Richter beeinflusst und eingeschüchtert haben, damit sie Urteile zugunsten der Regierung sprechen – ein weiteres Indiz dafür, wie problembehaftet die Politik in Bangladesch ist.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Diese Gruppe umfasst Botschaftsangehörige und ausländische Arbeiter im wichtigen Textilsektor. Sie sind Überwachungen und Drohungen durch islamistische Gruppen ausgesetzt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu dieser Gruppe gehören die Römisch-Katholische Kirche und die Anglikanische Kirche von Bangladesch. Sie werden regelmäßig bedroht und überwacht.

Christliche Konvertiten

Diese Kategorie umfasst Christen muslimischer, hinduistischer und buddhistischer Herkunft. Sie erleiden die stärkste Verfolgung, nicht zuletzt durch ihre Familien und ihr Umfeld, und kommen aus Angst nur in geheimen Treffen zusammen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe beinhaltet evangelikale, baptistische und Pfingstgemeinden. Ein Beispiel dafür sind die „Assemblies of God“, deren Mitglieder sich hauptsächlich in Hauskirchen versammeln, um Gottesdienst zu feiern. Sie werden regelmäßig bedroht und immer wieder gewaltsam attackiert.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11
Familienleben 9.1
Gesellschaftliches Leben 11.6
Leben im Staat 10.5
Kirchliches Leben 7.8
Auftreten von Gewalt 7.8

Grafik: Verfolgungsmuster Bangladesch

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Generell hat sich der Druck auf Christen in Bangladesch in allen Lebensbereichen leicht erhöht: Der durchschnittliche Wert von 9,5 Punkten im Vorjahr ist auf 10,0 Punkte für den aktuellen Berichtszeitraum angestiegen. Dieser Wert spiegelt den zunehmenden Druck auf christliche Konvertiten wider, einschließlich der Rohingya-Flüchtlinge, die im Jahr 2017 aus Myanmar geflohen sind.
  • Der stärkste Druck herrscht im Privatleben und im gesellschaftlichen Leben, wo christliche Konvertiten besonders betroffen sind. Generell sind jedoch alle Christen in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ Verfolgung ausgesetzt.
  • Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ ist die Punktzahl von 10,0 im Vorjahr auf 7,8 gesunken, da es weniger Berichte über Morde und Angriffe auf Kirchen gab.

Privatleben

Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, trifft dies auf Christen nur in beschränktem Maß zu. Am verwundbarsten sind Christen mit anderem religiösen Hintergrund. Wenn sie ihren neuen Glauben offenbaren, ist es für sie nahezu unmöglich, am gleichen Ort weiterzuleben, da ihre Familie, Nachbarn und religiöse Leiter sie massiv unter Druck setzen. Menschen, die im Verdacht stehen, das Evangelium weiterzugeben, werden mitunter festgenommen und krimineller Vergehen bezichtigt – so geschehen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019. Konvertiten werden von allen Seiten überwacht und mit teilweise großem Aufwand daran gehindert, Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Das kann so weit gehen, dass Häuser und Straßen versperrt werden. Der Besitz christlicher Literatur (z. B. einer Bibel) ist ebenfalls riskant. Christen, die aus christlichen Familien stammen, haben allerdings in ihrem Privatleben mehr Freiheiten.

Familienleben

Sobald christliche Konvertiten entdeckt werden, droht den Verheirateten unter ihnen die Scheidung und sie können ihr Erbe verlieren. Das trifft besonders in ländlichen Gegenden zu. Eine Taufe, eine christliche Hochzeit oder ein Begräbnis zu organisieren, kann schwierig bis unmöglich sein. Kinder von Christen, nicht nur von Konvertiten, werden gezwungen, nichtchristliche Lehren zu studieren und die wie oben beschrieben geänderten islamischen Schulbücher in der Schule zu benutzen. Konvertiten werden oft von ihren Familien isoliert und es kann passieren, dass sie gezwungen werden, das Haus zu verlassen.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden auch im geschäftlichen Leben diskriminiert. Manche Christen mussten wegen des Drucks der muslimischen Mehrheit und aufgrund von Boykotten ihre Läden oder andere Geschäfte aufgeben. Kinder von christlichen Konvertiten werden oft von Lehrern und Mitschülern in der Schule diskriminiert. Das kann so weit gehen, dass sie sich weigern, zur Schule zu gehen oder das Haus zu verlassen. Der Druck, ihren christlichen Glauben zu widerrufen, kann so unerträglich hoch werden, dass Konvertiten die Gemeinschaft, in der sie leben, verlassen müssen.

Leben im Staat

Bangladesch hat eine säkulare Regierung und Säkularismus ist sogar in der Verfassung des Landes verankert. Dort wird jedoch gleichzeitig der Islam als Staatsreligion festgeschrieben. Christen erfahren üblicherweise durchweg Diskriminierung, wenn sie mit Behörden zu tun haben, und werden regelmäßig beschimpft, besonders in ländlichen Gegenden. Die Berichterstattung von Medien über Christen ist oft einseitig, besonders von islamischen Fernsehsendern. Christen und andere (wie z. B. säkulare Blogger) wurden beschuldigt, den Islam beleidigt zu haben; einige wurden sogar getötet. Wenn Christen angegriffen wurden, erlebten sie oft in hohem Maße unwillige Behörden, die kaum bereit waren, ordnungsgemäße Ermittlungen aufzunehmen. Christliche Schulen und Einrichtungen werden durch regelmäßige Drohungen von islamistischen Gruppen behindert. Und selbst wenn die Behörden Schutz gewähren, werden die Einrichtungen oft in ihren Aktivitäten eingeschränkt, da sie überwacht werden oder für eine Weile schließen müssen.

Kirchliches Leben

Generell sind Kirchen in der Lage, ein Gemeindeleben zu führen. Dennoch sind sie mit einem wachsenden Maß an Überwachung konfrontiert, sowohl von Behörden als auch von islamischen Gruppen, die sich besonders auf protestantische Freikirchen konzentrieren. Gottesdienste wurden durch beide Gruppen behindert, ebenso durch Anführer ethnischer Gruppen. Die offene Integration von christlichen Konvertiten in Gemeinden ist unmöglich. Auch die Durchführung von Schulungen ist einigen Berichten zufolge schwieriger geworden, da die Teilnehmer an solchen Schulungen misstrauischen Nachbarn Auskunft darüber geben müssen, wo sie gewesen sind und was für eine Art Schulung sie besucht haben. Das offene Verteilen von Bibeln wurde behindert und in einem Fall wurden drei Pastoren dafür verhaftet.

Auftreten von Gewalt

Ein kurzer Überblick und Beispiele für das Auftreten von Gewalt im aktuellen Berichtszeitraum finden sich weiter oben im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Obwohl die politische Führung seit vielen Jahren in den Händen von Politikerinnen liegt, sind Frauen in Bangladesch immer noch besonderen Gefahren und Schwierigkeiten ausgesetzt. Frauen und Mädchen werden am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft und sogar Zuhause diskriminiert. In zunehmendem Maß gibt es Berichte über Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung, sogar in staatlichen Schulen. Dabei dürfte die Dunkelziffer aufgrund des sozialen Stigmas sogar noch höher liegen. Auf der anderen Seite werden immer mehr Frauen dazu ermutigt, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen – so sind zum Beispiel 80 % aller Arbeitnehmer in der wichtigen Bekleidungsbranche Frauen – und dadurch gewinnen Frauen nach und nach eine größere Unabhängigkeit. In Bezug auf das Thema Verfolgung sind Frauen jedoch in einer konservativen (islamischen) Gesellschaft verwundbarer als Männer. Wenn Frauen den christlichen Glauben annehmen, werden sie isoliert und stark unter Druck gesetzt, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Im Blick auf solche Konvertiten werden Frauen und Männer in gleichem Maß sozial geächtet. Dieser Zustand kann über viele Jahre anhalten und am Ende sogar dazu führen, dass sie gezwungen werden, ihr Dorf zu verlassen. Bis jetzt sind Männer in den meisten Familien immer noch die Hauptverdiener. Wenn sie also aufgrund ihres Glaubens ihre Arbeit verlieren oder ihnen als Geschäftseigentümer durch Boykotte der Gesellschaft ihre Lebensgrundlage entzogen wird, ist die ganze Familie davon betroffen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Alle religiösen Minderheiten stehen in der Gefahr, Diskriminierung und Gewalt zu erleben. Das betrifft islamische Glaubensgemeinschaften wie Schiiten und Ahmadiyya sowie hinduistische und buddhistische Minderheiten. Nach den sunnitischen Muslimen sind Hindus die zweitgrößte religiöse Gruppe im Land. Hindus sind von Diskriminierungen, Gräueltaten und Gewalt betroffen; einige Frauen und Mädchen sind gewaltsam dazu gezwungen worden, zum Islam zu konvertieren. Es gibt Fälle, bei denen Muslime hinduistischen Familien ihren Besitz genommen haben und diese somit zu Flüchtlingen wurden. Indigene Menschen und religiöse Minderheiten sind unverhältnismäßig stark von Gewalt betroffen, die sich aus Landraub und der damit verbundenen Vertreibung ergibt.

Viele Hindus waren außer Stande, Landbesitz wiederzuerlangen, den sie durch ein Gesetz namens „Vested Property Act“ verloren hatten. Obwohl das Gesetz im Jahr 2001 durch die damals regierende Partei Awami-Liga wieder abgeschafft wurde, ergriff die Regierung damals keine konkreten Maßnahmen, die Beschlagnahmungen von Eigentum, die während der Gültigkeitsdauer dieses Gesetzes erfolgten, rückgängig zu machen. Der Vested Property Act war ein Gesetz in Bangladesch aus der ostpakistanischen Ära, das es der Regierung ermöglichte, Eigentum von Personen zu konfiszieren, die es als Staatsfeinde betrachtete (hierbei handelte es sich in der Praxis meist um Hindus). Während das Gesetz in Kraft war, beschlagnahmte die Regierung etwa 1,05 Millionen Hektar Land (entspricht ca. 10.500 km2). Fast alle Hindus im Land waren davon betroffen. Nach der Untersuchung eines Professors der Universität von Dhaka verloren seit 2001 fast 200.000 hinduistische Familien etwa 16.400 Hektar Land, trotz der Aufhebung des Gesetzes im gleichen Jahr.

9. Ausblick

Politischer Ausblick

Die Regierung hat bei der Eindämmung islamistischer Gruppen nur begrenzte Fortschritte gemacht. Sie verliert nicht nur die Unterstützung von Teilen der Bevölkerung, sondern muss auch das Einsickern internationaler Islamisten unter Kontrolle bekommen und sich mit deren lokalen Verbündeten auseinandersetzen. Solange die Regierungspartei alle islamischen Gewaltakte der Oppositionspartei zuschreibt und gleichzeitig islamistische Gruppen umwirbt, um Stimmen zu gewinnen, wird eine Lösung schwer zu finden sein.

Mit der Verurteilung der Oppositionsführerin Khaleda Zia und ihres Sohnes und potenziellen Nachfolgers Tarique Rahman, scheint das Land immer stärker auf eine Einparteienherrschaft zuzusteuern – zumal Rahman derzeit in London im Exil lebt. Derartige Vermutungen erhielten zuletzt neue Nahrung durch die überraschende Ankündigung des ehemaligen Justizministers Kamal Hossain im Oktober 2018: Eine Koalition aus 19 Parteien (die später auf 23 Parteien erweitert wurde) trat bei der Wahl am 30. Dezember 2018 gegen die Regierungspartei an. Auch die extremistisch-islamische Partei Jamaat-e-Islami war Mitglied dieser Koalition. Diese Partei ist ein langjähriger Verbündeter der BNP.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Solange Bangladesch mit einheimischen und aus dem Ausland eingesickerten extremistischen islamischen Gruppen zu kämpfen hat, wird die christliche Minderheit weiterhin schwierige Zeiten erleben. Besonders christliche Konvertiten sind verwundbar und werden immer wieder zum Ziel von Angriffen. Die Tatsache, dass die Regierung einerseits militante islamische Bewegungen bekämpft, gleichzeitig aber andere islamistische Gruppen umwirbt, lässt die christlichen Gemeinschaften sorgenvoll in die Zukunft blicken. Zusätzlich steht Bangladesch ernsten Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Medressen-System des Landes bevor. Unabhängig davon, ob die offiziell genannte Zahl dieser Koranschulen von 22.000 stimmt oder die von anderer Seite geschätzte Zahl von 70.000 zutrifft, bleiben die Probleme bestehen. In offiziell registrierten Medressen werden ungefähr zwei Millionen Schüler unterrichtet, wohingegen man vermutet, dass die „privaten“ Medressen von mehr als vier Millionen Schülern besucht werden. Ähnlich wie in Pakistan sind diese Medressen potenzielle Nährböden für Hass und Gewalt. Ein deutlicher Hinweis darauf war der tödliche Angriff auf ein Restaurant in Dhaka vom Juli 2016, bei dem neun der Täter Medressen-Schüler waren. Extremistische Muslime nehmen Christen ins Visier, weil sie als Verbündete der Regierung gesehen werden, denn sie ziehen es vor, dass der Säkularismus des Landes beibehalten wird. Die Politik bedient sich immer wieder gewaltsamer Methoden, wobei immer wieder Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen werden oder sogar getötet werden.

Mit Hinblick auf Religiös motivierten Nationalismus und Ethnisch begründete Anfeindungen: Neben den Christen gibt es in Bangladesch große Minderheitsgruppen von Hindus und Buddhisten. Da der Druck der Mehrheitsgesellschaft auf die Politik zunimmt und dabei Religion als identitätsstiftender Faktor beständig an Bedeutung gewinnt, werden Christen mit hinduistischen oder buddhistischen Hintergrund auch künftig großen Widerstand ihrer Familien, Nachbarn und religiösen Leiter erleben.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Scheich Hasina von der Awami-Liga feierte bei den Wahlen am 30. Dezember 2018 einen Erdrutschsieg. Damit wird die Politikerin zur am längsten regierenden Premierministerin der Geschichte Bangladeschs. Die Opposition und internationale Beobachter zweifelten jedoch an der Gerechtigkeit der Wahlen. Das weist auf ein Fortbestehen der Triebkraft hin. Es könnte sein, dass sich Christen als Minderheit im Fadenkreuz politischer Kämpfe wiederfinden werden.

Schlussfolgerung

Es ist kein gutes Zeichen, dass die alte und neue Premierministerin Sheikh Hasina es für notwendig erachtete, folgende Aussage zu machen: „Jeder, der beleidigende Anmerkungen gegen [den Islam] oder gegen den Propheten Mohammed ausspricht, wird gemäß dem Gesetz verfolgt.“ Damit unterstreicht sie die Stellung des Islam als Staatsreligion. Das ist eine eher entmutigende Nachricht für die Zukunft der christlichen Minderheit in Bangladesch.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Bangladesch

  • Beten Sie, dass Gott allen Christen die Stärke gibt, ihrem Glauben treu zu bleiben. Das gilt besonders den Gläubigen im Untergrund, die viel Standhaftigkeit brauchen, um ihrem Glauben nicht abzuschwören. Beten Sie auch für die Projekte, um Christen in Not zu erreichen und ihnen mit rechtzeitiger Hilfe beizustehen.
  • Beten Sie für die Christen, die ihr Umfeld verlassen mussten, weil der Druck so stark wurde, ihren Glauben aufzugeben. Beten Sie, dass der Herr sich um ihre körperlichen, emotionalen und geistlichen Nöte kümmert.
  • Beten Sie für die Christen, die psychisch und physisch missbraucht wurden, dass Gott ihnen Heilung und einen standhaften Glauben schenkt.

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