Länderprofil Nigeria

Nigeria

12
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Nigeria
Hauptreligion
Christentum / Islam
Platz Vorjahr
12
ISO
NG
Karte Nigeria
Christen
93,79
Bevölkerung
200.96
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 12.200
Familienleben: 11.900
Gesellschaftliches Leben: 13.500
Leben im Staat: 12.800
Kirchliches Leben: 13.000
Auftreten von Gewalt: 16.700

Länderprofil Nigeria

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 12 / 80 Punkte (WVI 2019: Platz 12 / 80 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Für die Christen in Nigeria ergeben die Triebkräfte der Verfolgung eine erdrückende Kombination aus Islamischer Unterdrückung, Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen, Diktatorischer Paranoia sowie Organisiertem Verbrechen und Korruption.

Seit vielen Jahren gibt es in Nigeria einen andauernden Prozess der erzwungenen (oder aufgezwungenen) Islamisierung. Dieser Prozess wird von einigen auch als „Dan-Fodio-Dschihad“ bezeichnet. Bevor sich die britische Kolonialregierung in Nigeria einrichtete, begann Usman Dan Fodio (ein islamisch-extremistischer Gelehrter aus dem Volk der Fulani) im Jahr 1804 einen islamischen Dschihad in Gobir und gründete 1808 das Kalifat von Sokoto. Er versprach, den Islam von der Sahara im Norden bis hin zum Atlantik im Süden mit der Gewalt des Schwertes durchzusetzen. Diese erzwungene Islamisierung bekam 1999 mit der Einführung der Scharia in den nördlichen Bundesstaaten Nigerias einen starken Schub. Seitdem hat sich diese Islamisierung allmählich durch gewaltsame, aber auch gewaltfreie Mittel fortgesetzt.

Unter der Regierung von Präsident Muhammadu Buhari hat diese Entwicklung seit 2015 eine nie dagewesene Dynamik gewonnen. Die Regierung schuf weiteren Spielraum, indem sie eine starre Haltung der Straffreiheit für grausame Gewalttaten zulässt, der viele Nigerianer zum Opfer fallen, zumeist Christen. Die meisten Gewalttaten werden im Norden des Landes verübt. Urheber sind Boko Haram, Splittergruppen des „Islamischen Staats in der Provinz Westafrika“ (ISWAP) und Fulani-Viehhirten. Allerdings breiten sich die Angriffe auch in den Süden aus. Menschen werden ermordet, körperlich verletzt und ihres Eigentums beraubt. Dies bedeutet für Christen oft auch den Verlust von Grundbesitz und folglich ihrer Erwerbsquellen.

Im nördlichen Nigeria, besonders in den Scharia-Staaten, werden Christen diskriminiert und wie Bürger zweiter Klasse behandelt. Christen mit muslimischem Hintergrund erleben zudem die Zurückweisung durch ihre eigenen Familien und den Druck, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Darüber hinaus verfolgt die Regierung unter Präsident Buhari seit 2015 eine Politik, die darauf abzielt, nur Muslime zu ausgewählten wichtigen Ämtern zuzulassen, darunter zu Sicherheitsorganen wie Militär, Luftwaffe, Polizei, Einwanderungsbehörde, Diplomatischer Sicherheitsdienst (DSS), Zoll, Zivilschutz, Strafvollzug usw. Das Gleiche gilt zunehmend auch für die Justiz in Nigeria.

Dieser Prozess der Islamisierung geschieht vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Umweltzerstörung – beides treibt die Fulani-Hirten mit ihrem Vieh Richtung Süden. Die so entstehenden Spannungen zwischen Hirten und Bauern sind ein altbekanntes Thema in der Geschichte der Menschheit, werden jedoch von politischen und religiösen Leitern instrumentalisiert, die Islamisierung voranzutreiben. Insbesondere jetzt, wo christliche Jugendliche beginnen, sich gegen die zunehmend gewalttätigeren Übergriffe von Boko Haram, ISWAP, Fulani-Hirten und Banden zu wehren, werden die Darstellungen verwirrend und unübersichtlich. Die Gefahr der Verschleierung von Verfolgung wird größer. Das wird durch die Einstufung der Vorgänge im Land als „Konflikte zwischen Gemeinschaften“ oder „zivile Unruhen“ weiter verschärft. Es wäre akkurater, in einigen Teilen des Landes von „regionalen ethnischen Säuberungen“ zu sprechen, mit der Absicht, diese auf das ganze Land auszuweiten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 13.02.2019 in Gusau im Bundesstaat Zamfara: Kriminelle entführten und töteten einen anglikanischen Priester aus der Diözese Sokoto, seine Frau und Kinder wurden ebenfalls entführt, ihr Verbleib ist unbekannt.
  • Am 29.04.2019 in Madagali im Bundesstaat Adamawa: Gegen 17.40 Uhr überfielen Boko-Haram-Kämpfer die überwiegend christliche Kuda-Gemeinde in der Madagali Local Government Area (LGA) des Bundesstaates Adamawa. Mehr als 30 Häuser wurden in Brand gesteckt und 23 Menschen ermordet, 20 von ihnen waren Christen. Die Bewohner verließen das Dorf, um in Gulak und anderen verhältnismäßig sichereren Teilen des Staates Adamawa Zuflucht zu suchen.
  • Am 08.05.2019 in der LGA Lau im Bundesstaat Taraba: Ein Konflikt zwischen einem Fulani-Hirten und einem Kona-Bauern war der Auslöser für wochenlange Angriffe und Vergeltungsschläge, die 65 Tote (die meisten davon Christen) und 18 niedergebrannte Dörfer (mit der Zerstörung von 15 Kirchen, zwei Grundschulen und einer Klinik) zur Folge hatten. Die Sicherheitskräfte, die in dem Gebiet eingesetzt waren, griffen nicht ein. Stattdessen wurden im Juni 2019 viele Jugendliche der Kona verhaftet, als sie gegen die Gewalt und wegen der Untätigkeit der Behörden protestierten.
  • Am 28.09.2019 in Riyom im Bundesstaat Plateau: Drei Binnenflüchtlinge (IDPs) wurden von Bewaffneten umgebracht. Ihr Dorf war 2018 von Fulani-Hirten zerstört worden, sie selbst waren in anderen Dörfern untergekommen. Als sie in ihr eigenes Dorf zurückkehren konnten, begannen sie, ihre Häuser wieder aufzubauen. Nachts bewachte deshalb eine Gruppe junger Männer das Dorf und sorgte für die Sicherheit in der Gegend. Drei von ihnen wurden in einem Hinterhalt überfallen.
  • Am 03.10.2019 in Chikun im Bundesstaat Kaduna: Bewaffnete Fulani-Hirten entführten sechs Schulmädchen und zwei Lehrer der von Christen geführten Schule Engravers College Kakau. Die Entführer stürmten das Internat gegen Mitternacht, als die meisten Schüler und Lehrer schliefen. Sie wurden nach der Zahlung von Lösegeld freigelassen. In den letzten Jahren führten bewaffnete Gruppen entlang der Fernstraße zwischen Kaduna und Abuja unzählige Entführungen gegen Lösegeld durch, einige ihrer Opfer töteten sie. Zum ersten Mal war nun eine Schule betroffen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 80 Punkten belegt Nigeria Platz 12 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2020.

Im Vorjahr lag Nigeria ebenfalls mit 80 Punkten auf Platz 12. Der durchschnittliche Druck bleibt bei 12,7 Punkten. Dies spiegelt den sehr hohen Druck auf die Christen wider, die in überwiegend muslimischen Gemeinden im Norden leben. Der Wert für den Bereich „Auftreten von Gewalt“ bleibt bei 16,7 Punkten, was dem Maximalwert entspricht. Die Gewalt gegen Christen, die von Boko Haram, ISWAP und Fulani-Hirten sowie von „nicht näher identifizierten Bewaffneten“ verübt wurde, verursacht großes Leid unter den Christen in den nördlichen und zentralen Teilen des Landes, und breitet sich auch in den Süden aus.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Die Christenverfolgung in Nigeria ist eine Mischung aus vier (sehr) starken Triebkräften der Verfolgung:

  • Islamische Unterdrückung
  • Diktatorische Paranoia
  • Organisiertes Verbrechen und Korruption
  • Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Leitsatz und Ziel dieser Mischung von Triebkräften sind eines: Islamisierung um jeden Preis. In den nördlichen Staaten, in denen die Scharia gilt, werden Christen zunehmend in die Position von ‚Bürgern zweiter Klasse‘ gedrängt. Die Informationen, die (weiter unten im Bericht) zu den fünf Lebensbereichen gegeben werden, beziehen sich auf das, was in den nördlichen Bundesstaaten und in geringerem Maße in den muslimisch dominierten Gebieten in den zentralen Staaten Nigerias geschieht. Anführer traditioneller Gruppen verknüpfen ihr Amt oft damit, dass sie auch als islamische Leiter fungieren.

Der Islamisierungsprozess in Nigeria wird von den drei ethnischen Gruppen der Fulani, Hausa und Kanuri in einer Art Koalition intensiv vorangetrieben. Obwohl sich einige ihrer Mitglieder dem christlichen Glauben zugewandt haben, sind die anderen einer starken Agenda des politischen Islam verhaftet. Ein Experte für das Land stellt fest: „Diejenigen, die heute die politische Kontrolle über Nigeria haben, sind Teil dieser ethnischen Gruppen.“ Auf die Frage nach dem Risiko eines ethnischen Konflikts war die Antwort: „Ich wage zu behaupten, dass die anderen [außerhalb der Koalition] nur zusehen. Wenn die Fulani, Hause und Kanuri zu weit gehen, könnte es zu einem Krieg kommen. Ich fürchte, wenn es so weitergeht wie bisher, entwickelt es sich in diese Richtung, weil sich viele ausgeschlossen fühlen.“

Im Nordosten des Landes nimmt die Gewalt, die im Namen von Boko Haram und ISWAP an Zivilisten und besonders an Christen verübt wird, immer noch stark zu. Dasselbe gilt für Gewalttaten, die von Fulani-Hirten in den zentralen und einigen südlichen Bundesstaaten (wie Edo, Delta, Enugu, Anambra, Ekiti und Osun) verübt wird. Dazu kommen noch Übergriffe nichtidentifizierter Bewaffneter. Ihr Schlachtruf: „Konvertiere oder stirb!“ legt nahe, dass ein Teil von ihnen Zwangsislamisierung unterstützt.

Während sich der Prozess der Islamisierung bis vor kurzem nur auf der Ebene einzelner Bundesstaaten bewegte, scheint er unter Präsident Buhari zunehmend auf nationaler Ebene (Bundesregierung) vorangetrieben zu werden. Dies zeigt sich insbesondere in der Strategie der Regierung bei der Nominierung von Kandidaten für Schlüsselpositionen und in der Art und Weise, wie Straffreiheit zugelassen wird, die hauptsächlich gewalttätige islamische Gruppen sowie Gruppen von Kriminellen begünstigt.

Wenn sich die aktuellen Entwicklungen (die gefährliche Mischung von vier Triebkräften der Verfolgung) im Land so fortsetzen, könnte ein Chaos entstehen, in dem die Unterscheidung der ‚guten‘ und ‚bösen‘ Akteure unmöglich wird. Letztendlich würde aus so einem Chaos ein neues Nigeria entstehen, das einem militanten Islam entspringt und sich entsprechend weiterentwickeln wird.

3. Verfolger

Verfolger ausgehend von Islamischer Unterdrückung, Diktatorischer Paranoia, Ethnisch begründeten Anfeindungen und Organisiertem Verbrechen und Korruption

Regierungsbeamte

Unter der Regierung von Präsident Muhammadu Buhari hat sich die Islamisierung verstärkt. Es scheint, als nutze er seine Machtposition, um Muslime in Schlüsselpositionen im Land einzusetzen und eine Kultur der Straffreiheit zuzulassen (wenn nicht sogar zu fördern). So bleibt die Verfolgung von Christen weitgehend unbemerkt („Verschleierung von Verfolgung“). Die Regierungen der 12 Scharia-Staaten haben diesen Weg bereits eingeschlagen, mit dem Präsidenten als Vorbild könnten sie sich ermutigt fühlen, ihre Staaten weiter zu islamisieren, statt die Grundrechte ihrer christlichen Bürger zu garantieren (Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit).

Beispiele zur Veranschaulichung der genannten Punkte: Die Bundesregierung hat Christen aus einigen Ämtern entfernt oder zwingt sie zum Rücktritt, und ersetzt sie durch muslimische Beamte. Im Bundesstaat Zamfara wurde eine christliche Oberrichterin aus dem Amt gedrängt, anstatt bestätigt zu werden. Gleiches geschah zuvor im Bundesstaat Kano. Dort arbeitet das dominierende Volk der Hausa mit Nachdruck an der Islamisierung der Magurzawa-Minderheit. Dafür werden auch Regierungsgelder verwendet. Die Regierung baut in allen Local Government Areas (LGA) Moscheen, konfisziert jedoch Kircheneigentum und verweigert Baugenehmigungen für Kirchen sowie ihr Recht auf Wiederaufbau der Gebäude, die von Muslimen zerstört wurden. Es geht soweit, dass christliche Soldaten im Kampf gezielt in gefährlichen Gefechtspositionen eingesetzt werden. Ein Experte für das Land gibt an, dass „laut Aussagen der Familien von Hinterbliebenen die im Kampf mit Terroristen getöteten Soldaten und Offiziere zu 75 % Nichtmuslime sind.“

Anführer ethnischer Gruppen

Anführer ethnischer Gruppen treten auf zwei Ebenen als Verfolger in Erscheinung: Zum einen entscheiden sie, ob und wie sie Verfolgung vorantreiben, wenn Mitglieder ihrer Gruppe sich von ihrer eigenen Religion (dem Islam oder einer traditionellen afrikanischen Religion [ATR]) ab- und dem christlichen Glauben zuwenden. Zum anderen entscheiden sie, ob und wie sie Verfolgung zwischen ethnischen Gruppen unterschiedlicher Religionen vorantreiben. In Nigeria spielt beides eine Rolle, insbesondere im Umfeld des Islam. Vor allem im Norden Nigerias ist die Zugehörigkeit zu den überwiegend muslimischen Hausa-Fulani entscheidend für die zurückliegende und aktuelle Christenverfolgung.

In Zeiten, als traditionelle afrikanische Religionen dominierten, war es üblich, dass deren Anhänger Konvertiten verfolgten, die sich von der traditionellen Religion abgewandt und den christlichen Glauben angenommen hatten. Diese Verfolgung hat jedoch allmählich nachgelassen und geht heute hauptsächlich noch von den muslimischen Hausa-Fulani (zusammen mit den Kanuris) aus. Während es im Süden Nigerias ethnische Stammesführer gibt, haben die meisten nördlichen Stämme religiöse Leiter oder Emire. Viele von ihnen folgen einer Agenda der Islamisierung ihrer ethnischen Gruppen und darüber hinaus.

Beispiele zur Veranschaulichung der oben genannten Punkte: Im Bundesstaat Borno lebt eine indigene islamische Volksgruppe, die auf das Kanem-Bornu-Reich zurückgeht; der ethnisch-religiöse Herrscher wird Shehu [Scheich] von Borno betitelt. Der ethnisch-religiöse Anführer der Fulani, die als dschihadistische Gruppe ins Land eindrangen, nennt sich Sultan von Sokoto. Das Sokoto-Kalifat will im Norden Nigerias in 18 Staaten ethnisch basierte Emirate einführen. Im Bundesstaat Kaduna wurden auch christliche Siedlungen im Süden Kadunas in ein Emirat gezwungen. Ein Experte für das Land äußert sich so: „Wir sind Zeugen einer neuen Entwicklung, bei der das Volk von Adara und andere ethnische Gruppen im südlichen Kaduna die Schaffung eines Emirat-Systems in ihren Gebieten ablehnte und die Adara diese Angelegenheit daraufhin vor Gericht brachten.“

Nichtchristliche religiöse Leiter

Viele nichtchristliche, insbesondere muslimische religiöse Leiter haben die Verfolgung von Christen vorangetrieben durch Verbreitung von religiöser Ideologie, von Intoleranz und durch Aufwiegelung.

Gewalttätige religiöse Gruppen

Es gibt mehrere Gruppen, doch im Rahmen des Länderprofils sind die bedeutendsten Boko Haram, ISWAP, Fulani-Hirten und nicht näher identifizierte Bewaffnete (Räuber/Entführer). Die Miyetti Allah Cattle Breeders Association of Nigeria (MACBAN) muss jedoch besonders erwähnt werden. Nicht alle Fulani-Hirten sind gewalttätig. Einige sehen sich sogar als Opfer, weil sie zwar Fulani, jedoch nicht in gewalttätige Angriffe verwickelt sind. Die Aktivitäten von MACBAN haben jedoch durch Verbindungen zu mächtigen Förderern wie dem Präsidenten von Nigeria und dem Sultan von Sokoto in letzter Zeit stark an politischem Gewicht gewonnen. MACBAN bietet den Fulani-Hirten Schutz und Rechtfertigung für ihre Gewalttaten. Der Präsident von Nigeria und der Sultan von Sokoto unterstützen die expansive Agenda der Fulani-Kämpfer anhaltend und stillschweigend.

MACBAN nimmt für sich in Anspruch, die Interessen aller Viehzüchter in ganz Nigeria zu vertreten. In ihrer Zusammensetzung und Ausrichtung sind sie jedoch eindeutig ethnisch geleitet. Es ist wichtig zu wissen, dass viele der Fulani-Hirten nur als Fassade für einflussreiche Leute dienen, denen das Vieh tatsächlich gehört. Dies ist ein weiteres komplexes Thema. Es gibt heutzutage viele Nicht-Fulani und auch christliche Fulani, die in Nigeria viele Kühe besitzen. Diese rechnet MACBAN jedoch nicht zu seinen vertrauenswürdigen Klienten. MACBAN tritt für muslimische Fulani ein, und rechtfertigt dabei auch deren Gewalt gegen Bauern.

Die Bauern unter den Fulani sind unterschiedlich ausgerichtet. Über die gemeinsame ethnische und religiöse Identität hinaus haben nicht alle Verbindungen zu den Fulani-Hirten. Die Hirten sind eher Anhänger von Naturreligionen oder damit vermischten Formen des Islam und von traditioneller Religion. Fulani-Siedler sind meist Muslime, obwohl es auch christliche Fulani gibt.

Viele muslimische Fulani-Siedler arbeiten mit muslimischen Hausa zusammen, um Christen in ihrem Umfeld politisch, sozial und wirtschaftlich zu unterdrücken.

Gewöhnliche Bürger und Mobs

Neben der Feindseligkeit seitens staatlicher und organisierter regierungsunabhängiger Akteure treibt die „Gewalt der Straße“ die Verfolgung an: Dabei kommt es im Norden Nigerias zu Ausschreitungen, bei denen Muslime Christen wegen Bagatellen oder mit der Anschuldigung der Blasphemie angreifen. Dies geschieht meistens im Zusammenhang mit der Triebkraft „Islamische Unterdrückung“. Eine Muslima aus dem Süden, die im Norden aufgewachsen ist, berichtete, Muslime im Norden Nigerias hätten sich bei ihr Geld geliehen und ihr versprochen, es bei den „nächsten Unruhen“ zurückzuzahlen. Diese Anekdote belegt, dass die Angriffe nicht nur spontan geschehen, sondern vorsätzlich angezettelt werden, um ‘Ungläubige’ auszuplündern. Seit Jahrzehnten verlieren Christen durch die wiederkehrende Gewalt Eigentum, Kirchengebäude und ihr Leben.

Die eigene (Groß-)Familie

In Bezug auf Glaubenswechsel vom Islam hin zum christlichen Glauben ist die eigene (Groß-)Familie die größte Bedrohung. Sie erfährt oft als erste davon, und wird (je nach Stellung im sozialen Umfeld) häufig als erste die Familienehre verteidigen. Dies trifft insbesondere in den nördlichen Staaten zu, aber auch im Zentralgürtel in Regionen mit muslimischer Mehrheit. Dort ist der Islam ein allumfassendes Identitätsmerkmal oder die islamische religiöse Identität ist politisch aufgeladen (nicht nur aufgrund der Ereignisse in jenen Staaten, sondern auch zunehmend durch die Entwicklungen auf nationaler Ebene unter der Präsidentschaft von Muhammadu Buhari).

Politische Parteien

Die Trennlinie zwischen den beiden wichtigsten politischen Parteien in Nigeria verläuft entlang der religiösen Unterschiede, wobei nicht die Ideologie, sondern die religiöse Gesinnung ausschlaggebend ist. Die Partei „People's Democratic Party“ (PDP) wird von der nigerianischen Öffentlichkeit als pro-christlich, die „All Progressive Congress“-Partei (APC) als pro-islamisch angesehen. Nigerias derzeitige Regierungspartei (APC) ist tatsächlich ein Bündnis zwischen Muslimen im Norden und im Süden. Dies spiegelt sich in ihrer Handhabung von Regierungsführung und Programmen wider, die an sich pro-islamisch und anti-christlich ausgerichtet sind.

Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens

Als Akteure der Triebkraft „Organisiertes Verbrechen und Korruption“ können Regierungsbeamte auf verschiedenen Ebenen tätig sein, und auch andere führende Personen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft.

Weitere Verfolger sind kriminelle Gruppen (in Nigeria sind diese häufig zugleich religiös-extremistische Gruppen wie Boko Haram, ISWAP, Fulani-Hirten und nicht näher identifizierte Bewaffnete [Räuber/Entführer]). Sie sind nicht immer direkt für die Verfolgung von Christen verantwortlich; manchmal sind sie nur indirekt beteiligt – indem sie etwa zur Eskalation von Chaos beitragen. Dadurch wird die Verfolgung verschleiert, aber die Macht von Zwangsislamisierung verstärkt.

Internationale Organisationen und Botschaften

Diplomatische Auslandsvertretungen können zum Teil als Mitverantwortliche des Kräftespiels der Verfolgungs-Triebkräfte „Islamische Unterdrückung“ und „Diktatorische Paranoia“ betrachtet werden. Ihre Weigerung, Religion als einen wesentlichen Faktor im nigerianischen Konflikt zu berücksichtigen, ist nicht nachvollziehbar.

Einem Länderexperten, der an der Hintergrundrecherche für Nigeria im Berichtzeitraum 2020 beteiligt war, sagte 2018 ein europäischer Botschafter, nachdem er über ein Massaker an Christen durch Fulani-Hirten im Bundesstaat Benue unterrichtet worden war: „Wir dürfen das nicht als religiösen Konflikt bezeichnen.“ Die gleiche Meinung vertraten 2019 US-Entwicklungshelfer. Der gleiche Experte für das Land sagt dazu: „Die West-Mächte treiben die säkulare Intoleranz nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis voran.“ Demselben Experten wurde, nachdem er für ein Projektteam relevante Kontakte zu Personen vor Ort hergestellt hatte, eine Beteiligung an einem von der EU geförderten Projekt zur Bekämpfung von gewalttätigem Extremismus verweigert – weil er Christ ist. Im Jahr 2018 entzog ihm die EU-Delegation die Nominierung für einen Menschenrechtspreis, da er ein Treffen zwischen EU-Menschenrechtsparlamentariern und von Gewalt betroffenen Christen arrangiert hatte, was als „zu christlich“ eingestuft wurde. Dazu sagte er: „Obwohl die EU-Abgeordneten von dem Treffen beeindruckt waren (sie bezeichneten es als das emotionalste Treffen ihrer einwöchigen Reise), war die Delegation nicht glücklich darüber, dass es enthüllte, wie verwässert ihre Berichte über die wahre Situation der Verfolgung in Nigeria waren.”

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

In den zwölf im Norden gelegenen Scharia-Staaten und im Zentralgürtel ist die Verfolgung am stärksten. Auch in einigen südlichen Staaten (u.a. Edo, Delta, Enugu, Anambra, Ekiti und Osun) kam es zu gewalttätigen Übergriffen.

Die Verfolgungssituation in den zwölf Scharia-Staaten lässt sich mit „Unterwerfung unter das Dhimmi-Sein (als Schutzbefohlene der Muslime, wofür sie eine Schutzsteuer entrichten müssen)“ beschreiben, dem klassischen islamischen Konzept der Bürgerschaft zweiter Klasse. Es gibt jedoch einige Unterschiede zwischen den Staaten. Die zwölf Scharia-Staaten im Norden des Landes sind: Bauchi, Borno, Gombe, Jigawa, Kaduna, Kano, Katsina, Kebbi, Niger, Sokoto, Yobe und Zamfara. Der Anteil der christlichen Bevölkerung dort liegt bei 15% (von 76.390.000 Einwohnern sind 11.399.000 Christen). Zusätzlich zu Gewalt erleben Christen Druck in allen Lebensbereichen. Mehr Information dazu gibt es im Abschnitt „Betroffene Lebensbereiche“.

Die Verfolgungssituation in den Bundesstaaten im Zentralgürtel (und zunehmend in einigen südlichen Staaten) weist teilweise Züge einer ethnischen Säuberung auf. Im dem 2015 veröffentlichten Bericht „Nigeria – Ethnic cleansing in the Middle Belt Region“ wird erklärt: „‚Ethnische Säuberung‘ beschreibt die Vertreibung von Rivalen oder derer, die sich in Rasse, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion unterscheiden, aus einem bestimmten Gebiet durch rechtswidrige Methoden. Dazu gehören: Mord, Sachbeschädigung, Folter, willkürliche Festnahmen und Inhaftierung, Einsperren der Zivilbevölkerung in Ghettos, gewaltsame Abschiebung, Vertreibung und Deportation der Zivilbevölkerung, außergerichtliche Hinrichtungen, Vergewaltigungen, willkürliche militärische oder andere organisierte Angriffe oder die Androhung solcher Angriffe auf die Zivilbevölkerung oder sogar Völkermord.“

Die sieben Bundesstaaten in Zentralnigeria sind Adamawa, Benue, Kogi, Kwara, Nassarawa, Plateau und Taraba. Der Anteil der christlichen Bevölkerung liegt bei 50 % (von 29.312.000 Nigerianern sind 14.645.000 Christen). Der Druck auf Christen in den verschiedenen Lebensbereichen spielt auch hier eine bedeutende Rolle (insbesondere in den muslimischen Mehrheitsgebieten), doch die Verfolgung äußert sich vor allem durch die Gewalttaten verschiedener religiös-ideologischer Interessengruppen und krimineller Gruppen.

Als ‚ethnische Säuberung‘ kann man auch die Aktionen von Boko Haram in den nordöstlichen Staaten bezeichnen (im Süden von Borno und im Norden von Adamawa, das an Kamerun grenzt), und neuerdings auch die Aktivitäten von ISWAP (im Norden von Borno in der Nähe zum Tschad), einer Gruppe, die sich im Jahr 2016 von Boko Haram abgespalten hat.

‚Ethnische Säuberungen‘ zwingen eine große Zahl Christen (und auch andere Nigerianer) dazu, in offiziellen und inoffiziellen Flüchtlingslagern zu leben. Dies führt zum Verlust von Familienbesitz und Grundstücken und damit zum Verlust einer guten Zukunft. Verschärft wird diese Situation dadurch, dass die nigerianische Regierung kaum etwas unternimmt, um diesen Binnenflüchtlingen zu helfen und die krisenhafte Situation unvermindert fortbestehen lässt.

In gewisser Weise wird das ganze Land zunehmend zu einem Krisenherd der Verfolgung, wie mehrere Abschnitte dieses Länderprofils aufzeigen. Die Zwangsislamisierung unter Präsident Buhari bekommt einen solchen Auftrieb, dass sich die Frage stellt, wie lange es noch dauern wird, bis sich die Verhältnisse in den nördlichen und zentralen auf die südlichen Bundesstaaten Nigerias übertragen. Die 17 südlichen Bundesstaaten sind: Abia, Akwa Ibom, Anambra, Bayelsa, Cross River, Delta, Ebonyi, Edo, Ekiti, Enugu, Imo, Lagos, Ogun, Ondo, Osun, Oyo und Rivers. Der Anteil der christlichen Bevölkerung liegt bei 71 % (von 93.249.000 Nigerianern sind 65.828.000 Christen). Die Region um die Hauptstadt Abuja weist eine christliche Bevölkerung von 40 % auf.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Nigeria sind nicht von unfreiwilliger Isolation betroffen und werden deshalb für die Bewertung und Analyse im Rahmen der Erstellung des Weltverfolgungsindex nicht als eigenständige Kategorie betrachtet.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören römisch-katholische und protestantische Kirchen wie Anglikaner, Methodisten und Lutheraner.

Wie in verschiedenen Abschnitten dieses Länderprofils erläutert, sehen sich diese Kirchen vor allem in den nördlichen Staaten (und auch im Zentralgürtel) gewalttätigen Angriffen auf ihr Leben und ihren Besitz durch militante Gruppen und Diskriminierung durch die lokalen Behörden ausgesetzt. Im Rahmen der Gewalttaten verschiedener religiös-ideologischer und krimineller Gruppen im Norden und Zentrum des Landes wurde erwartet, die Zahl der Christen würde abnehmen. Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass die christliche Bevölkerung trotz der Gewalt eher wächst.

So hat die Römisch-Katholische Kirche neue Diözesen gegründet, und die Anzahl protestantischer Christen wächst Untersuchungen zufolge schneller als erwartet.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die meisten dieser Christen sind muslimischer Herkunft. Sie erhalten in der Regel Zuflucht an sicheren Orten, da viele um ihr Leben fürchten. Christen muslimischer Herkunft aus dem Norden des Landes (einschließlich der mehrheitlich muslimischen Gebiete der zentralen Region) müssen oft aus ihren Häusern und Staaten fliehen, um ihrer Ermordung und Schikane zu entkommen. Im Süden ist dies weit weniger wahrscheinlich, im Südwesten jedoch geschieht dies in begrenztem Umfang ebenfalls.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale und Pfingstgemeinden machen mittlerweile gut 30 % der nigerianischen Gemeinde aus. Die meisten befinden sich im Süden. In den nördlichen und zentralen Staaten müssen Christen aus evangelikalen und Pfingstgemeinden genauso wie die aus traditionellen Kirchen mit Diskriminierung vonseiten der lokalen Behörden rechnen sowie mit gewaltsamen Angriffen militanter Gruppen auf ihr Leben und ihren Besitz. Ihre und die Situation der Christen aus traditionellen Kirchen ist ähnlich. Einige von ihnen sind sehr evangelistisch und gehen auch an gefährliche Orte, was ihnen meist schwere und gewalttätige Verfolgung einbringt. Ungeachtet dieser Gewalt nimmt die Zahl der evangelikalen und Pfingstgemeinden in Nigeria zu.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12.2
Familienleben 11.9
Gesellschaftliches Leben 13.5
Leben im Staat 12.8
Kirchliches Leben 13
Auftreten von Gewalt 16.7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Nigeria

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Nigeria hat ein sehr hohes Ausmaß und liegt mit 12,7 Punkten auf dem gleichen Wert wie im vergangenen Jahr.
  • Die Wertung übertrifft in allen Lebensbereichen 11 von maximal erreichbaren 16,7 Punkten und zeigt damit ein sehr hohes Maß von Verfolgung. Am stärksten ist der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ (13,4 Punkte).
  • Im Bereich „Auftreten von Gewalt“ erhielt Nigeria wie im Vorjahr die Maximalwertung von 16,7 Punkten.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Der Glaubenswechsel hin zum christlichen Glauben wird abgelehnt, verboten oder auch bestraft: Christen muslimischer Herkunft aus dem Norden des Landes (einschließlich in der zentralen Region Nigerias) müssen oft aus ihren Häusern und Staaten fliehen, um nicht getötet oder schikaniert zu werden. Sie finden in der Regel Hilfe in sogenannten Zufluchtshäusern. Im Süden ist dies weit weniger wahrscheinlich, obwohl es im Südwesten in begrenztem Umfang ebenfalls auftritt.
  • Es ist gefährlich, christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren: Christen muslimischer Herkunft aus dem Norden des Landes (einschließlich in der zentralen Region Nigerias) fürchten, von ihren Familien und dem sozialen Umfeld entdeckt zu werden.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Jegliche öffentliche Identifikation mit dem Christentum ist für Christen muslimischer Herkunft im Norden (und im Zentralgürtel) gefährlich. Für andere Christen kann dies bei Angriffen gefährlich sein. Christen werden häufig an ihrem christlichen Namen erkannt. Der Pass kann dabei häufig über Leben und Tod entscheiden, wie z. B. an Straßensperren, die von gewalttätigen islamischen Gruppen (einschließlich nicht näher identifizierter Bewaffneter) errichtet werden.
  • Es ist für christliche Konvertiten riskant, mit ihrer direkten Familie über ihren Glauben zu reden: Im Norden (und im Zentralgürtel) ist es für Christen muslimischer Herkunft sehr riskant, ihren Glauben ihrer muslimischen Familie mitzuteilen.

Familienleben

  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Das trifft auf die nördlichen Staaten zu (und den Zentralgürtel). Ein Experte für das Land berichtet: „An öffentlichen Schulen, in Büros, Krankenhäusern usw. gibt es eine allgegenwärtige Diskriminierung von Christen, selbst wenn sie nur biblische oder englische Namen tragen.“ Ein anderer Experte drückt es so aus: „In allen Lebensbereichen werden christliche Kinder in den Scharia-Staaten schlecht behandelt. Sie werden in ihrer Heimat als Bürger zweiter Klasse behandelt, um sie zu entmutigen und ihnen das Selbstwertgefühl zu nehmen.“
  • Kinder und Ehepartner von Christen sind langen Zeiten der Trennung von ihren Eltern oder Partnern ausgesetzt, wenn diese aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden: Das geschieht häufig in den nördlichen Staaten (und im Zentralgürtel). Wegen der Gewalt durch Boko Haram, ISWAP, Fulani-Hirten und nicht näher identifizierte Bewaffnete gegen Christen und christliche Gemeinden werden viele Christen von ihren Angehörigen getrennt. Viele verlieren alles, wofür sie gearbeitet haben, und werden gezwungen, ihre Familien in einem Flüchtlingslager oder anderen sicheren Orten unterzubringen. Sie selbst ziehen in Städte oder andere Dörfer, um dort auf Farmen zu arbeiten oder für einfache (schlecht bezahlte) Jobs, um für ihre Familien zu sorgen. Oder sie werden gezwungen, ihre Familien in andere Teile des Landes umzusiedeln, während sie selbst in den risikoreichen Regionen bleiben, um ihren Arbeitsplatz zu behalten. Manchmal werden Eltern entführt oder die Kinder durch Entführung von ihren Eltern getrennt. Leah Sharibu steht stellvertretend für viele Kinder, die über einen längeren Zeitraum von Militanten ihren Eltern entrissen wurden. Doch nicht nur durch Milizen werden im Norden christliche Mädchen entführt, zwangsbekehrt und zwangsverheiratet. Zudem sind auch Fälle bekannt, dass christliche Mädchen im Süden entführt und in den Norden verkauft wurden.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben zu erziehen: Das geschieht besonders häufig in den nördlichen Staaten (und im Zentralgürtel). Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. Erstens ist dies für Christen muslimischer Herkunft sehr schwierig wegen des hohen Risikos, dass ihre Familien ihren neuen Glauben entdecken. Dazu kommt, dass oft die Kinder weggenommen werden oder diese Person fliehen muss und den Kontakt zu den Kindern verliert, wenn bei einem Elternteil die Hinwendung zum christlichen Glauben entdeckt wird. Zweitens nehmen manchmal muslimische Verwandte die Kinder zu sich, um sie im muslimischen Glauben zu erziehen, wenn eine christliche Frau Witwe wird. Dies kann sogar dann geschehen, wenn eine verwitwete Mutter ihre Kinder über mehrere Jahre im christlichen Glauben erzogen hat. Drittens müssen christliche Eltern manchmal ihre christliche Identität vor ihren Kindern verstecken, um Verfolgung zu vermeiden. Viertens müssen viele Eltern ihre Kinder in Flüchtlingscamps großziehen. Leben im Camp auch muslimische Flüchtlinge, kann es christlichen Eltern schwer gemacht werden, ihre Kinder in christlichem Glauben und Werten zu unterrichten.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: In den nördlichen Bundesstaaten (und Teilen des Zentralgürtels) können christliche Kinder gezwungen sein, am Islamunterricht teilzunehmen. In einigen nördlichen Bundesstaaten wird christliche Religion nicht unterrichtet. Die Association of Christian Schools in Nigeria, die Nigerian Christian Graduate Fellowship und die Christian Association of Nigeria haben gemeinsam die Einführung eines landesweiten Lehrplans verhindert, welcher den Unterricht des christlichen Glaubens ausschließen, aber die Fächer Islam und Arabisch verpflichtend machen wollte.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen in Gefahr, entführt und/oder zwangsverheiratet zu werden: Um die Zahl der Christen zu reduzieren und die der Muslime zu erhöhen, haben Entführungen und Zwangsehen von christlichen Mädchen zugenommen, sogar verheiratete Christinnen sind hin und wieder Opfer. Ein Länderexperte sagte, dass Entführungen zum Zwecke der Zwangsverheiratung manchmal mit der aktiven Duldung der Emire geschehen.              
    Entführungen zum Zwecke der Zwangsverheiratung geschehen nicht nur im Nordosten (im Rahmen von Angriffen von Boko Haram oder ISWAP), sondern auch in anderen nördlichen Landesteilen (und im Zentralgürtel) und in einigen südlichen Bundesstaaten, wie etwa bei Überfällen von Fulani-Hirten oder nicht identifizierten Bewaffneten. Speziell Kirchenleiter wurden im aktuellen Berichtszeitraum ins Visier genommen. Kinder von Pastoren werden ebenfalls zum Ziel, um ihre Väter zu demütigen und die christliche Gemeinschaft zu provozieren. Christinnen muslimischer Herkunft stehen besonders in Gefahr, entführt und in eine Ehe gezwungen zu werden.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens im Alltag belästigt, bedroht oder behindert, etwa weil sie die Vorschriften der Mehrheitsreligion für Kleidung oder Bärte nicht einhalten: Das betrifft ein Gebiet über die nördlichen Bundesstaaten hinaus (einschließlich Teile des Zentralgürtels), da sich die Gewalt in die südlichen Bundesstaaten auszuweiten droht. In den überwiegend von Muslimen bewohnten Gebieten werden Christen wegen ihrer Kleidung, Sprache und ihrer Art, Gottesdienst zu feiern, belästigt. Einige sehen Christen als Ungläubige und Bürger zweiter Klasse. Möchten Christinnen in einem überwiegend muslimischen Bundesstaat oder Dorf ein Büro, Krankenhaus, eine Schule etc. aufsuchen, so müssen sie eine bestimmte Kleiderordnung befolgen. Es kann passieren, dass Kinder Steine auf Frauen oder Mädchen werfen; sie können sogar durch die Hisbah (Religionspolizei) verhaftet werden. Selbst Männer können dafür festgenommen werden, einen „unmoralischen Haarschnitt“ zu haben.
  • Christen wird wegen ihres Glaubens der Zugang zu kommunalen Ressourcen erschwert: Solche Behinderungen sind in nördlichen Bundesstaaten (und in Teilen des Zentralgürtels) Teil der Strategie, um Christen zum islamischen Glauben zu nötigen; dann würden sie von den Ressourcen des Landes profitieren. Diese Strategie hat mehrere Elemente: Erstens erreichen Zusatzleistungen der Regierung die christlichen Gemeinschaften nicht in dem Umfang, wie sie sollten. Sie erhalten oft nur einen symbolischen Betrag. In Bundesstaaten mit einem etwa gleichen Bevölkerungsanteil von Muslimen und Christen unterstützt die Regierung die Infrastrukturentwicklung in muslimisch dominierten Gebieten mehr als in christlichen. Einige christliche Kommunen in ländlichen Gebieten haben keinerlei Wasserversorgung, für Wasser sind die Menschen stundenlang unterwegs. Sogar in Städten erhalten christliche Viertel manchmal keine kommunalen Dienste wie etwa Anschluss an sanitäre Einrichtungen. Zweitens gibt es im Norden (und im Zentralgürtel) viele christliche Binnenflüchtlinge. Die nigerianische Notfallbehörde verteilt humanitäre Hilfe jedoch ungerecht und Christen werden oft übergangen. Sind Christen von Notfällen betroffen, reagiert sie langsam. Und wenn sie reagiert, sind die erbrachten Hilfsgüter oder -maßnahmen bei weitem nicht ausreichend. Drittens wird Konvertiten der Besitz von Land, eine in Nigeria sehr wertvolle Ressource, verwehrt.
  • Christen erfahren wegen ihres Glaubens Benachteiligungen auf allen Ebenen im Bereich Bildung: In den nördlichen Staaten (und in Teilen des Zentralgürtels) werden Christen in der Bildung oft benachteiligt. Trägt jemand einen christlichen Namen wie Esther, Grace, David oder Salomon, oder einen Stammesnamen, wird der Zugang zu Bildung sehr erschwert. Christen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten wird in überwiegend muslimischen Gebieten häufig der Zugang zu Schulen verweigert; werden sie zugelassen, erhalten sie oft nicht die gewünschten Kurse.             
    Ein Länderexperte sagte, er habe mit Universitäts- und College-Studenten gesprochen, die sich beschwerten, dass sie nicht das Fach ihrer Wahl studieren können. Sobald ihr Name als christlich eingeordnet wird, werden sie automatisch ausgeschlossen; zum Beispiel bei der Zulassung zu einem Medizinstudium. Christen mussten ihre Namen in muslimische Namen ändern, um zugelassen zu werden. Prüfungsergebnisse und Zertifikate können jahrelang zurückgehalten werden, um Christen zu frustrieren. Ein anderer Analyst stellte den Zusammenhang zwischen Verfolgung und Migration her: „Viele junge Christen sind frustriert, weil sie keine Zulassung zu Universitäten und keine Arbeit erhalten. Sie müssen also außerhalb ihres Landes nach Möglichkeiten für ein besseres Leben suchen.“

Leben im Staat

  • Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, wurden bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen: Ein Länderexperte bestätigte: „Einer der Gründe, warum die Angriffe auf Christen und ihren Besitz ständig zunehmen, ist, dass die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wenn Angreifer verhaftet wurden, wurden sie oft schnell wieder freigelassen.“ Er sieht dies als ein Zeichen dafür, dass die Regierung entweder gleichgültig ist oder diejenigen unterstützt, die Verbrechen gegen Christen begehen. Ein anderer Experte stellte fest, dass die meisten Angreifer von Personen in hohen Regierungspositionen gedeckt werden, was sie unantastbar macht. Wer Christen angreift, wird in der Regel nicht verhaftet.
  • Die Verfassung (oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung) schränkt die Religionsfreiheit ein, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt ist: Laut Verfassung gilt in Nigeria Religionsfreiheit. Abschnitt 10 der Verfassung von 1999 verbietet die Einführung einer Staatsreligion. Nach Abschnitt 15 ist die Diskriminierung aufgrund von Herkunft, Geschlecht, Religion, sozialem Stand, ethnischer oder sprachlicher Zugehörigkeit verboten. Mit der Übernahme des Scharia-Rechtssystems in den nördlichen Bundesstaaten wird die Scharia jedoch über die Verfassung gestellt. Die Anwendung der Scharia wirkt sich negativ auf die Christen aus.
  • Medienberichte über Christen sind inkorrekt oder voreingenommen: Dies ist ein großes Problem in den nördlichen Staaten (und in Teilen des Zentralgürtels), ist aber im ganzen Land anzutreffen. Angriffe auf christliche Gemeinschaften werden oft als „kommunale Zusammenstöße“ gemeldet. Bei Vergeltungsangriffen werden oft Christen als die Initiatoren dargestellt. Die Medienberichterstattung seitens der Regierung und muslimischer Medien verzerrt und verschweigt oft bewusst die Verfolgung und Angriffe auf Christen durch Muslime. Manchmal werden Berichte zuerst von der Regierung gefälscht und dann in den Medien präsentiert.              
    Einem Länderexperten zufolge tragen hinsichtlich systematisch falscher Berichterstattung über die Verfolgung von Christen die westlichen Medien die größte Schuld. Die nigerianische Regierung investiert massiv in Kampagnen zur Beeinflussung der internationalen Medien. Ein anderer Analyst drückt es so aus: „Muslime erzählen über Jahre ihre Version der Vorfälle. Es hat ihnen nie gepasst, Christenverfolgung anzuerkennen, weil sie nicht als die Aggressoren gesehen werden wollen. Tatsächlich stellen sie sich nicht als Aggressoren, sondern als Opfer dar; doch die Tatsachen vor Ort sprechen eine andere Sprache.“
  • Angeklagten Christen wird eine Gleichbehandlung vor Gericht verweigert: Die lokalen Gerichte in den nördlichen Staaten (und in Teilen des Zentralgürtels) tragen zur Unterdrückung von Christen bei. In der Rechtsprechung herrscht eine große Ungleichheit, da die Mehrheit der Richter Muslime sind, die in einem zunehmend radikalisierten islamischen Umfeld leben. Sollte es ein Problem zwischen einem Christen und einem Muslim geben, weiß der Muslim, dass er meistens bevorzugt wird. Christen haben Gefängnisstrafen für Verbrechen verbüßt, für die ein Muslim rasch freigesprochen oder für die er gar nicht erst angeklagt wird. Manchmal werden Christen sogar vor Scharia-Gerichten angeklagt, die gar keine Zuständigkeit für Christen haben. Ihre Beweise zählen nur halb wie die eines Muslims.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Dies geschieht in den nördlichen Staaten (und im Zentralgürtel). Erstens werden die Aktivitäten der Kirchen durch ständige Angriffe und durch die Zerstörung von Kirchengebäuden sowie durch Ermordungen oder Entführungen von Pastoren und Christen gestört. Wenn eine Kirche sich engagiert und dies einigen mächtigen Muslimen missfällt, wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis die Kirche in Brand gesetzt wird. Zweitens werden kirchliche Aktivitäten von Zeit zu Zeit überwacht, verhindert oder erschwert. Kirchliche Aktivitäten werden aufgrund des geringen Maßes an Sicherheit oft nicht durchgeführt. Manchmal kann man den von den Behörden zum Schutz der Christen eingesetzten Sicherheitskräften nicht trauen, sie agieren eventuell selbst als Informanten und/oder bieten keinen Schutz. Drittens wird Christen in mehreren der nördlichen Bundesstaaten der Erwerb von Land für den Bau einer Kirche verwehrt.
  • Kirchen werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: In den nördlichen Bundesstaaten (und in Teilen des Zentralgürtels) könnte die offene Integration von Konvertiten in eine Gemeinde Gewalt gegen die Kirche und ihr Eigentum hervorrufen. Viele der Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben müssen wegen der Gefahr von Angriffen an sichere Orte in anderen Teilen Nigerias gebracht werden.
  • Pastoren und andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) werden aufgrund ihres Glaubens schikaniert: Dies geschieht in den nördlichen und in mehreren südlichen Bundesstaaten (und im Zentralgürtel). Pastoren und ihre Familienangehörigen werden zunehmend Ziel von Angriffen (z.B. Entführung oder Ermordung). Im Jahr 2019 erstellte die Leitung der Christian Association of Nigeria (CAN) Statistiken über Kirchenführer, die entweder entführt, getötet oder angegriffen wurden (insbesondere diejenigen, die sich zur Verfolgungssituation äußerten). Die Forschungsabteilung von Open Doors, World Watch Research (WWR), war bisher nicht in der Lage, eine Kopie dieser Daten zu erhalten.
  • Es ist für Kirchen und christliche Organisationen riskant, sich öffentlich zu Verfolgern zu äußern: In einer Atmosphäre des Chaos, der Straflosigkeit und der zunehmenden Zwangsislamisierung ist es sehr riskant, sich öffentlich gegen die Verfolgung von Christen auszusprechen – vor allem in den Gebieten, in denen offene Gewalt herrscht (z.B. in den nördlichen Staaten einschließlich Teilen des Zentralgürtels und in einigen südlichen Staaten). Wie stark sich der Einzelne für Gerechtigkeit einsetzen kann, hängt vom jeweiligen Bekanntheitsgrad der Person ab. In den am stärksten von Gewalt betroffenen Gebieten haben Menschen mit hohem Bekanntheitsgrad mehr Möglichkeiten als Menschen mit niedrigem Bekanntheitsgrad.

Auftreten von Gewalt

  • Die Gesamtzahl der getöteten Christen in Nigeria ging von 3.731 im Vorjahr auf 1.350 im aktuellen Weltverfolgungsindex 2020 zurück. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Erstens wurden weniger Tötungen von Christen in Nigeria registriert, weil die Fulani-Hirten ihre Taktik geändert haben. Anstatt hauptsächlich Angriffe gegen christliche Anwesen und Kommunen durchzuführen, liegt der Schwerpunkt nun bei Entführungen (gegen Lösegeld) und Tötungen an Straßensperren (das Vorzeigen des Personalausweises kann den Tod bedeuten). Dies ist auch die Strategie anderer bewaffneter Gruppen, von denen viele glauben, dass sie ebenfalls Fulani sind (zumindest ein Teil von ihnen). Zweitens sind die Daten nicht vollständig. In Ländern, in denen Verfolgung inmitten von Chaos und Konflikten geschieht, ist die Erhebung von Daten immer schwierig, doch World Watch Research, die Forschungsabteilung von Open Doors, erlebte bei der Datenerhebung für den aktuellen Berichtszeitraum außergewöhnliche Schwierigkeiten.
  • Die Gesamtzahl der angegriffenen Christen in Nigeria liegt für den WVI 2020 bei 1.804. Im WVI 2019 lag sie bei 21.850. Dieser große Unterschied bedarf einer Erklärung. Im WVI 2020 verwendete WWR die Zahl 1000 als symbolische Zahl für die Anzahl der Christen, die körperlich oder psychisch misshandelt wurden (einschließlich Schläge und Todesdrohungen), da es einfach zu viele waren, um sie zu zählen. Es könnten sehr wohl viele Tausende gewesen sein. Die Anzahl der Frauen und Mädchen, die entführt, vergewaltigt oder anderweitig sexuell belästigt oder zur Heirat mit Nichtchristen gezwungen wurden, wird mit 804 angegeben. Dies ist eine reale Zahl, ist aber als absolutes Minimum zu verstehen. In dem Chaos und den Kämpfen in so vielen Teilen des Landes gibt es immer auch sehr schwerwiegende gewalttätige Übergriffe gegen Frauen und Mädchen. Auch Männer und Jungen sind stark betroffen, aber oft in anderer Weise. (Siehe „Verfolgungssituation für Männer und Frauen“ unten.)
  • Die Zahl der verhafteten Christen betrug 245, im Vorjahr waren es 116. Die Zahlen aus geheimen Gefangenenlagern sind unbekannt.
  • Die Gesamtzahl der angegriffenen christlichen Häuser/Läden wird auf 2.500 geschätzt, gegenüber 29.444 im Vorjahr. Dieser große Unterschied hat verschiedene Ursachen (zusätzlich zu den bereits genannten im Abschnitt davor zu den getöteten Christen mit der ‚symbolischen‘ Zahl 1000):

Im aktuellen Berichtszeitraum wurden allein in den Staaten Kaduna, Taraba, Nasarawa, Benue und Adamawa mehr als 1.500 Häuser von Christen zerstört. Nicht mitgerechnet sind hier Häuser und Grundstücke, die in den Staaten Borno und Yobe zerstört wurden. Die Zerstörungen gehen von zwei Gruppen aus: 1) Fulani-Hirten, die vor allem im Zentralgürtel verheerende Verwüstung anrichten. Im Regierungsbezirk Barkin Ladi im Bundesstaat Plateau sind die Menschen aus vielen Kommunen in Flüchtlingslagern untergebracht. Ihre Häuser sind völlig zerstört, eine Rückkehr ist für sie noch nicht möglich. 2) Boko Haram: Obwohl die Regierung behauptet, die Gruppe sei besiegt, greift Boko Haram noch immer Dörfer in den von Christen besiedelten Regionen im südlichen Borno und im nördlichen Adamawa an. Angriffe der ISWAP tragen zur Gewalt im Norden von Borno bei.

Tausende von christlichen Geschäften und Betrieben wurden geschlossen, und es ist schwierig, dazu Zahlen zu liefern. Besonders betroffen sind Kommunen, die Angriffe von Fulani-Hirten und auch Gewalt durch Boko Haram und ISWAP erfahren haben. Die Angriffe, Beschädigung und Plünderung von christlichem Eigentum geschehen direkt oder indirekt. Direkt: Betriebe werden gezielt ausgesucht und direkt angegriffen. Indirekt: Aufgrund fehlender Sicherheit sind viele Christen gezwungen, ihre Geschäfte oder Betriebe zu schließen. Zahlen dazu liegen nicht vor und machen eine Schätzungen unmöglich, deshalb wird die ‚symbolische’ Zahl 1000 verwendet.

Eine Anmerkung zu Vergeltungsmaßnahmen durch christliche Gruppen

Die Situation in Nigeria ist komplex, unterschiedliche Berichte über die Gewalt können verwirrend sein. Während die Christen auf die Fulani-Aggression hinweisen, sprechen die Fulani oft von Vergeltung für die von Christen gegen sie oder ihr Vieh begangene Gewalt. Auch Christen beanspruchen für sich, ihre Gewalt gegen Fulani-Gemeinschaften seien Akte der Vergeltung.

Im nigerianischen Kontext ergibt es keinen Sinn, Zeit damit zu verbringen, die ursprünglichen Täter zu identifizieren. In den meisten Fällen lösen kleine Vorfälle große Angriffe aus. Ein Beispiel ist der Vorfall am 08.05.2019 in der LGA Lau, Taraba State, über den weiter oben bereits berichtet wurde. Ein Streit zwischen einem Fulani-Hirten und einem Kona-Bauern war Auslöser für wochenlange Angriffe und Vergeltungsschläge, mit 65 Toten (55 davon Christen) und 18 niedergebrannten Dörfern (und dabei der Zerstörung von 15 Kirchen, zwei Grundschulen und einer Klinik). WWR-Quellen berichteten, dass zunächst ein Fulani-Hirte sein Vieh auf dem Grundstück eines Kona-Bauern weiden ließ, und vom Bauern (einem Christen) gefragt wurde, warum das Vieh seine Ernte fresse. Der Fulani-Mann zog darauf seine Waffe, schoss aber versehentlich auf seinen eigenen Bruder und tötete ihn. Danach zog er sich zurück und mobilisierte eine Gruppe von Fulani-Kämpfern, die dieses und mehrere andere Dörfer angriffen und viele Tote hinterließen. Sicherheitskräfte in der Region griffen nicht ein. Allerdings verhafteten sie im Juni 2019 viele Kona-Jugendliche, als Frauen und Jugendliche gegen die schlechte Sicherheitssituation demonstrierten. Kurz gesagt, oft besteht ein großes Ungleichgewicht zwischen dem Auslöser und dem Umfang der Vergeltung. Sehr oft sind christliche Bauern die Opfer.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Erzwungene Einhaltung religiöser Kleidungsvorschriften
  • Wirtschaftliche Schikane durch Geldstrafen
  • Zwangsverheiratung
  • Verführung mit dem Ziel der Zwangskonversion
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Im Nordosten Nigerias und im Zentralgürtel bilden die Angriffe auf christliche Frauen und Mädchen und auch deren Leid – besonders mit Blick auf die geschlechtsspezifische Komponente – eine Kategorie für sich. Boko Haram und ISWAP im Nordosten sowie Fulani-Hirten im Zentralgürtel (und sogar in einigen südlichen Staaten) haben mit ihren Angriffen christliche Gemeinschaften terrorisiert, ihre Frauen entführt und sexuell missbraucht, einige zu Sexsklaven gemacht, einige getötet und trotzdem Lösegeld von den Angehörigen kassiert. Mit dem Ziel, christlich dominierte Gebiete zu entvölkern, wurden zunehmend christliche Mädchen entführt und zwangsverheiratet; auch verheiratete Christinnen zählen zu den Opfern. In extremen Fällen werden jugendliche Mädchen mit Gewalt als Selbstmordattentäterinnen rekrutiert und eingesetzt.

Die Tatsache, dass in einigen Staaten die Ehe von Minderjährigen per Gesetz erlaubt ist sowie kulturelle und religiöse Normen, welche Mädchen vom Schulbesuch abhalten, verstärken dieses Problem noch. Zusätzlich führt die Angst, „einer christlichen Tochter könnte etwas zustoßen“, christliche Eltern dazu, ihre Töchter als eine Art „Schutz“ früh zu verheiraten.

Christliche Schüler in Schulen in vielen nördlichen Staaten sind gezwungen, islamische Schuluniformen zu tragen. Im Bundesstaat Kano müssen alle Mädchen in den Schulen Hosen und Hijab tragen. Die Tatsache, dass es für Mädchen gefährlich ist, zur Schule zu fahren (oder den Unterricht zu besuchen), hat zur Folge, dass ihre Eltern sie bevorzugt zu Hause behalten. Dies führt dazu, dass ungebildete Mädchen im Allgemeinen ihre Rechte nicht kennen. Darüber hinaus schicken Eltern wegen der Entführungen christlicher Mädchen ihre Töchter außerhalb der Scharia-Staaten zur Schule.

Wenn Frauen vergewaltigt werden, fällt es ihren Ehemännern oft schwer, das Trauma zu überwinden; viele Familien sind daran zerbrochen. Wenn Mädchen entführt werden, fällt die ganze Familie in eine tiefe Traurigkeit. Die Männer sehen es als oft als ihr persönliches Versagen, dass sie ihre Kinder nicht schützen konnten. Die Familien bleiben so in der Gemeinschaft mit einem tiefen Trauma und Stigma zurück. Dies kann wiederum zu weiteren Herausforderungen führen, wenn medizinische Versorgung wegen fehlender Ressourcen nicht geleistet werden kann. Ganz allgemein werden Frauen oft als minderwertig gegenüber Männern behandelt, vor allem in ländlichen Regionen, was Misshandlungen Vorschub leistet.

Innerhalb der Hausa-Volksgruppe herrscht die allgemeine Auffassung, dass Frauen nicht außerhalb des Hauses arbeiten und nicht für sich selbst sorgen sollen. Zunehmende Armut kann sie gegenüber dem Druck von Verfolgern noch verletzbarer machen und sie können in ihrem Bemühen zu überleben in vielerlei Probleme geraten. Zusätzlich zu der starken emotionalen und sozialen Belastung bringt Verfolgung so in manchen Gemeinschaften, in denen Witwen die Hauptverdiener der Familien sind, auch wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verhaftung durch die Behörden
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst oder durch Milizen
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Im Nordosten Nigerias greifen Boko Haram und ISWAP christliche Männer und Jungen oft gezielt an, um sie zu töten; im Zentralgürtel (und in einigen südlichen Staaten) geschieht dies durch Fulani-Hirten.

Verschärft wird diese Situation durch die Aktivitäten nicht identifizierter Bewaffneter, zum Beispiel an Straßensperren. Von denen, die solche Angriffe überleben, werden viele entführt und gezwungen, sich militanten Gruppen anzuschließen. Durch gewalttätige Angriffe (auf Dörfer und Kirchen) und Morde soll die gegenwärtige Generation von Männern und Jungen ausgelöscht und darüber hinaus langfristig die Geburtenrate in christlichen Familien abgesenkt werden, weil die Männer fehlen. Zusätzlich stehen Jungen in der Gefahr, als Kindersoldaten rekrutiert werden, und es gibt Berichte, dass regelmäßig Leiter von Kirchen und ihre Mitglieder entführt werden, um Lösegeld zu erpressen.

Solche Angriffe haben eine verheerende Wirkung auf die Kirchen und christliche Familien. Männer sind in der Regel die Hauptverdiener. Die Abwesenheit der Männer oder ihre Arbeitsunfähigkeit setzt die Frauen der Zwangskonversion, Vergewaltigung und schierer Hoffnungslosigkeit aus. Selbst von den Männern, die nicht physisch bedroht sind, sind viele frustriert, da sie keine Zulassung zu Universitäten und keine Arbeit bekommen. Deshalb fühlen sie sich gezwungen, das Land auf der Suche nach besseren Möglichkeiten zu verlassen.

Es gibt eine weitere Dimension in der Strategie, Männer und älteren Jungen zu töten, Mütter und jüngeren Geschwister aber am Leben zu lassen. Die verbliebenen Familien sind sehr gefährdet und ein sichtbarer Beweis für die überwältigende Macht der Täter. Dies zeigt sich besonders darin, dass die Täter nie zur Rechenschaft gezogen werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Geschichte der Verfolgung in Nigeria ist hauptsächlich die Geschichte der Christenverfolgung. Aber es gibt noch weitere, die mit Feindseligkeiten konfrontiert sind.

Nicht alle Fulani sind gewalttätige Kämpfer. Viele von ihnen, vor allem diejenigen, die seit vielen Jahren sesshaft geworden sind und mit ihren christlichen Nachbarn zusammenleben, wollen einfach nur ihr Tagewerk verrichten, werden aber zunehmend mit Gewalt durch Vergeltungsangriffe christlicher Jugendlicher konfrontiert.

Auch die Schiiten (Islamische Bewegung Nigerias) erleben Verfolgung. Sie werden von sunnitischen Gruppen angegriffen. Mitglieder werden getötet und Anführer von der Regierung inhaftiert. Die Regierung versteht ihr Handeln nicht als Verfolgung. Aus ihrer Sicht geht sie gegen eine Gruppe vor, die angeblich versucht, ein Staat innerhalb eines Staates zu sein; und als Bewegung mit eigenen Gesetzen im Land zu operieren.

Auch die (im Judentum verankerte) Separatistenbewegung aus Biafra wird verfolgt.

9. Der Ausblick für Christen

Der Ausblick aus der Perspektive von vier (sehr) starken und miteinander vermischten Triebkräften von Verfolgung: Islamische Unterdrückung, Diktatorische Paranoia, Organisiertes Verbrechen und Korruption und Ethnisch begründete Anfeindungen:

Die vorherrschende Bedrohung für die Kirche in Nigeria ist der allgegenwärtige und immer weiter voranschreitende Prozess der Zwangsislamisierung des Landes. Das ist nicht neu, hat sich aber während der Präsidentschaft von Muhammadu Buhari noch verstärkt. Der abschließende Abschnitt unten folgt einem Frage- und Antwortformat:

In welche Richtung haben sich im Land in den letzten 12 Monaten Veränderungen im Umgang mit Christen und/oder den Kirchen ergeben?

Die Art und Weise, wie Christen gesehen und behandelt werden, hat sich in den letzten 12 Monaten in Nigeria verschlechtert. Dies wird auf zwei Ebenen deutlich: Im Konzept der Regierung hinsichtlich Ernennungen von Staatsbediensteten sowie bei der Zuteilung von Ressourcen und politischem Kapital werden Christen nicht berücksichtigt. Zweitens werden diejenigen, die Christen angreifen und christliche Besitztümer zerstören, nicht aufgehalten und nicht strafrechtlich verfolgt. Noch tragischer wird dies durch die häufige Weigerung, den christlichen Kommunen Sicherheitskräfte zuzuteilen. Werden aber doch Sicherheitskräfte zugeteilt, so sind es zumeist Muslime, die kompromittiert und nicht bereit sind, Christen zu schützen, denn diese sind in ihren Augen Ungläubige.

Laut Analysten ist das Ausmaß der Angst von Christen sehr hoch und wächst schnell. Warum?

Die Angst wächst unter der derzeitigen Regierung rapide. Im Allgemeinen sind die Christen besorgt, dass es eine islamische Agenda zur Beherrschung des Landes gibt und Nigeria zu einem islamischen Staat gemacht werden soll. Die Angst wird noch verstärkt durch die nicht enden wollende, ständig wachsende Bedrohung durch identifizierte und nicht identifizierte Bewaffnete, von denen sich viele offensichtlich für die Ausbreitung des Islam einsetzen. Außerdem steigt die Zahl der Nigerianer, die für den Hadsch nach Saudi-Arabien gehen. Es wird nicht beobachtet, wen sie dort treffen und was sie besprechen. Auch der zunehmende Einfluss des Islam in Regierungskreisen macht die Christen immer mehr zu Bürgern zweiter Klasse. Dies wird durch die Weigerung, den nigerianischen Christen Sicherheit zu garantieren, noch verschlimmert.

Wie würden Sie das Wachstum der Kirche im Land in den letzten 12 Monaten beschreiben?

Generell wächst der christliche Glaube in Nigeria rasch. Erstens gibt es das physische Wachstum und das Vordringen des christlichen Glaubens in Gebiete, die als ausschließlich muslimisch galten. Dies zeigt sich in der Zahl neu gebauter Kirchen, neu eröffneter Ausbildungsstätten, der Ausbildung von mehr Pastoren und der Hinwendung von Kommunen zum christlichen Glauben. Die zweite Ebene des Wachstums ist das wachsende Bewusstsein der Christen, dafür zu sorgen, dass die christliche Identität Teil des politischen Prozesses werden muss, um soziale und politische Maßnahmen zu beeinflussen. Ein dritter Aspekt ist die Art und Weise, wie soziale Medien heute zur Verbreitung des christlichen Glaubens genutzt werden. Das hat enorm zugenommen und Millionen junger Menschen den Weg zum christlichen Glauben eröffnet.

Betrachtet man die Brennpunkte der Gewalt, bedarf dieses Bild einer leichten Korrektur. Gewalt nimmt Einfluss auf den Gottesdienstbesuch. Um ein paar Beispiele zu nennen: Es gibt bestimmte Orte in Jos (Plateau State), wo Kirchengebäude aufgrund der gewalttätigen Feindseligkeit von Muslimen aufgegeben werden mussten. In den Staaten Borno und Yobe gibt es in den großen Städten noch immer eine große Anzahl von Menschen, die in die Kirche gehen, aber in einigen der ländlichen Gebiete ist dies aufgrund der Angriffe von Boko Haram und ISWAP nicht möglich.

Gibt es irgendwelche „Frühwarnsignale“, die darauf hinweisen, dass auf die Kirchen und einzelnen Christen in Nigeria in Zukunft möglicherweise stärkere Verfolgung zukommt?

Ein Experte für das Land erklärt, dass seit Präsident Buhari 2015 an die Macht kam, „die Morde einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Dabei hatte man gedacht, dass der neue Präsident, der als Kandidat für Recht und Ordnung eintrat, die Sache schnell in den Griff kriegen würde.

Das war leider nicht der Fall. Er hat zwar dem Kampf gegen Boko Haram im Nordosten etwas Aufmerksamkeit geschenkt, aber gleichzeitig hat er die Augen vor den Angriffen der Fulani-Hirten im Zentralgürtel verschlossen. Der Präsident hat 2015, 2016, 2017 buchstäblich geschwiegen. Hinzufügt werden muss, dass es ihm gesundheitlich nicht gut ging, so dass nicht viel getan wurde. Als er 2018 sprach, rechtfertigte er die Angriffe damit, dass es sich bei den Angreifern um Fulani von außerhalb des Landes handele, die mit Waffen aus Libyen geflohen seien. Als er bei einer Pressekonferenz vor den Augen der Welt Seite an Seite mit Präsident Trump im Rosengarten des Weißen Hauses stand, sagte Präsident Buhari, dass Fulanis keine AK 47, sondern Stöcke trügen. Das war unglaublich. Und doch töten die Fulani Männer und Frauen in seinem Land mit AK 47.“

Ein anderer Beobachter gab an: „Die Christen kommen zu dem Schluss, dass der Präsident und einige seiner Hauptakteure nicht am Schutz der Christen interessiert sind, sondern an der Verteidigung der Aktionen seiner Fulani-Stammesbrüder.“

Die zunehmende Präsenz gewalttätiger islamischer Gruppen im Land und in Nachbarländern lässt weitere Gefahr für die Zukunft erahnen. Boko Haram, ISWAP, Fulani-Hirten und nicht identifizierte Bewaffnete besitzen Waffen aller Art und in Mengen, die die Frage aufwerfen, woher sie kommen. Länderexperten behaupten, dass es ausländischen Einfluss aus Saudi-Arabien, Katar, Iran und möglicherweise der Türkei gibt, um die Ideologie des extremistischen Islam in Nigeria zu finanzieren und zu fördern.

Eine weiteres Warnzeichen ist, dass der gesamte Sicherheitsapparat in Nigeria unter Präsident Buhari (seit 2015) unter die Kontrolle von Muslimen gebracht wurde. Während dieses Prozesses ignorierte der Präsident den öffentlichen Aufschrei der Bürger wegen der Sicherheitslage, die nach wie vor unberechenbar ist und sich weiter verschlechtert.

Auch der Klimawandel wird Nigeria durch die Ausweitung der Wüstenbildung beeinflussen. Während der Klimawandel und die Umweltzerstörung in Nigeria genutzt wurden, um die Verfolgung von Christen zu verschleiern (mit Verweis auf den Kampf um Weidegründe), werden die anhaltenden Auswirkungen die turbulente Situation im Land weiter erschweren. Es muss eine Lösung gefunden werden.

Wenn sich die derzeitige Situation in unveränderter Weise weiterentwickelt, könnte es zu einem totalen Chaos kommen. Aus der Asche könnte ein neues Nigeria entstehen, aber eines, das auf den bitteren Früchten des gewalttätigen Dschihadismus aufgebaut ist und in dem die nigerianische Kirche extrem geschwächt, wenn nicht sogar völlig zerstört ist. Ein solches Szenario wäre nicht nur für Nigeria, sondern auch für die gesamte Region und darüber hinaus katastrophal. Eine Vorschau darauf, wie das aussehen könnte, präsentierte das kurzlebige Kalifat des Islamischen Staates (IS) in Syrien/Irak.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nigeria:

  • Beten Sie, dass die Kirche dem Druck standhält und auf Herausforderungen in einer Weise antworten kann, die Christus verherrlicht.
  • Bitte beten Sie für die Überlebenden gewaltsamer Übergriffe, besonders diejenigen, die Angehörige verloren haben, um Trost und Versorgung in allen materiellen und geistlichen Bedürfnissen.
  • Beten Sie für entführte Mädchen und Frauen um Gottes Trost, Hilfe und ihre Befreiung. Beten Sie für diejenigen, die befreit wurden oder denen es gelungen ist zu fliehen, dass sie völlig geheilt werden und die Gemeinden ihnen Sicherheit, Akzeptanz und Fürsorge bieten.
  • Christen muslimischer Herkunft erleben Zurückweisung durch ihre Familien und Druck, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Beten Sie um Schutz und dass die Gemeinden ihnen mit Weisheit und Mitgefühl helfen, im Glauben zu wachsen.

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