Länderprofil Pakistan

Pakistan

5
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Pakistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
5
ISO
PK
Karte Pakistan
Christen
4,01
Bevölkerung
204.60
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 14.000
Familienleben: 13.900
Gesellschaftliches Leben: 15.000
Leben im Staat: 14.900
Kirchliches Leben: 13.700
Auftreten von Gewalt: 16.700

Länderprofil Pakistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 5 / 88 Punkte (WVI 2019: Platz 5 / 87 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Im Jahr 1947, dem Jahr der Unabhängigkeit des Landes, wurde die Situation für die christliche Minderheit komplizierter, da Pakistan offiziell ein muslimischer Staat wurde. Traditionelle Kirchen besitzen relativ große Freiheit, Gottesdienste zu feiern. Sie werden jedoch stark überwacht und werden regelmäßig Ziel von gezielten Bombenanschlägen (der letzte große Anschlag geschah am 17. Dezember 2017 in Quetta). Kirchengemeinden, die sich aktiver nach außen engagieren, sowie Mitarbeiter in der Jugendarbeit, sind stärkerer Verfolgung vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt. Alle Christen leiden unter Diskriminierung. Dies wird dadurch sichtbar, dass häufig Berufe, die als niedrig, schmutzig und unwert betrachtet werden, durch die Behörden für Christen „reserviert werden“. Viele Christen sind ohnehin arm und etliche von ihnen sind in Schuldknechtschaft gefangen. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Christen, die der Mittelschicht angehören – dies schützt sie jedoch nicht davor, marginalisiert oder verfolgt zu werden. Die berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten (auch muslimische) ab; gemessen am prozentualen Anteil der Christen an der Gesellschaft sind diese aber am stärksten betroffen. Dies gilt nicht nur für Christen aus den ärmeren Schichten.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Einem Bericht von Morning Star News zufolge tötete im Mai 2019 ein Großgrundbesitzer einen christlichen Arbeiter, weil er es gewagt hatte, für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten. Dieser Fall zeigt den niedrigen sozialen Status, den die meisten Christen haben, und steht exemplarisch für ähnliche Fälle, über die meist nicht berichtet wird.
  • Obwohl es keine großen (Bomben-)Anschläge gegen Kirchengebäude im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 gegeben hat, gab es Dutzende von „alltäglichen Angriffen“ gegen Kirchen und Friedhöfe. Ein Beispiel ist die Schändung des christlichen Friedhofs in Okara am 12. Mai 2019.
  • Die Brüder Qaisar und Amoon Ayub, beides Christen, wurden wegen angeblicher Blasphemie im Jahr 2010 durch einen Bezirksrichter in Lahore am 13. Dezember 2018 zum Tode verurteilt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 88 Punkten belegt Pakistan Platz 5 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Pakistan ist weiterhin eines der Länder, in denen es Christen am schwersten haben. Dies wird durch die unverändert sehr hohen und extrem hohen Werte für den Druck auf Christen in den einzelnen Lebensbereichen bestätigt, die sogar leicht angestiegen sind. Der Wert für „Auftreten von Gewalt“ ist zudem auf dem maximalen Level geblieben. (Nur wenige Länder haben jemals diesen Maximalwert für Gewalt beim Weltverfolgungsindex erreicht.) Obwohl es seit Dezember 2017 keine größeren Angriffe gegen Kirchen oder Versammlungen von Christen gegeben hat, erreicht Pakistan weiterhin den Maximalwert durch Tötungen und Angriffe gegen Kirchengebäude. Die berüchtigten Blasphemiegesetze fordern weiterhin ihre Opfer, und wer nur mit dem Gedanken spielt, sie zu ändern, riskiert sein Leben.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Die Gesellschaft Pakistans islamisiert sich zunehmend und das Land ist Heimat einer Vielzahl islamisch-extremistischer Gruppen. Ein hinzugezogener Experte zählte 65 verschiedene islamistische Gruppierungen von unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichem Einfluss; Tehreek-e-Labbaik (TLP) ist die jüngste in Erscheinung getretene Gruppe davon. Die christliche Gemeinschaft fühlt sich sowohl durch diese Gruppierungen als auch durch die islamische Kultur der pakistanischen Gesellschaft allgemein bedrängt. Es gibt Politiker, Richter und religiöse Leiter, die eine Änderung der berüchtigten Blasphemiegesetze in Erwägung ziehen oder sich sogar politisch dafür einsetzen. Jeder, der solche Versuche startet, wird jedoch öffentlich von denen bedroht, die eine extremistische, auf dem Wahhabismus beruhende Ausrichtung haben. Diese identifizieren sich stark mit den Unterstützern des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) und der Taliban und wollen ein Kalifat errichten, in dem „Ungläubige“ gemäß ihrer Ideologie behandelt werden. Trotz der stärkeren Bekämpfung einiger Gruppen durch das Militär blühen extremistische Gruppierungen auf und werden von verschiedenen politischen Lagern zu Verbündeten gemacht. Ihre Fähigkeit, hunderttausende, meist junge Menschen zu mobilisieren und auf die Straße zu bringen, ist ein politisches Werkzeug, mit dem sich politische Ziele kraftvoll durchsetzen lassen.

Verbotene extremistische Gruppierungen lösen sich zudem nicht einfach in Luft auf. In den meisten Fällen benennen sie sich um, gründen Wohltätigkeitsorganisationen oder beschränken sich auf Onlineaktivitäten. Eine andere Taktik ist, sich für anstehende Wahlen anderen extremistischen Parteien anzuschließen. Diese Gruppierungen umwerben die Bevölkerung mit sozialen Leistungen und versuchen, jungen Menschen die Perspektive zu geben, an der es in Pakistan so sehr fehlt. Der Großteil der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre, fast ein Drittel ist noch nicht 14 Jahre alt. Der Staat sieht sich hier der großen Aufgabe gegenüber, dieser jungen Generation eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen.

Während die Lebenserwartung mit 68,1 Jahren nicht sehr hoch ist, steht die Fruchtbarkeitsrate bei 2,62. Auch wenn sich diese Zahlen langsam verändern, zeigen sie riesige soziale Herausforderungen auf. Wenn die Fruchtbarkeitsrate weiterhin so hoch bleibt, wird Pakistan bis etwa 2030 das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt sein und Indonesien ablösen. Diese gesellschaftlichen Strukturen führen dazu, dass jedes Jahr eine große Anzahl junger Menschen die Schule voller Träume für ihre Zukunft verlässt. Da das Land jedoch nicht einmal allen gut ausgebildeten jungen Menschen die Hoffnung auf einen Arbeitsplatz bieten kann, sind soziale Unruhen absehbar. Dies spielt wiederum den extremistischen islamischen Gruppen in die Hände, die den Jugendlichen ein Gefühl von Wertschätzung vermitteln, das sie so noch nie hatten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption zieht sich in Pakistan durch alle Ebenen der Behörden und der Armee. Die Armee ist eng mit der Wirtschaft des Landes verflochten und tritt in vielen Wirtschaftsbereichen als starker Wettbewerber auf. Sie genießt dabei unlautere Vorteile, wie ein populärer Scherz verdeutlicht: „Jedes Land hat eine Armee, aber hier hat eine Armee ein Land.“ Es ist schwer, an detaillierte Daten zu gelangen, doch Schätzungen zufolge verfügt das Militär über ein Vermögen von etwa zehn Milliarden US-Dollar. Dazu kommen etwa fünf Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Die Absetzung von Präsident Nawaz Sharif und seine Verurteilung zu zehn Jahren Haft durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs aufgrund von Korruption, die durch die Panama-Papiere aufgedeckt wurde, zeigt, dass die Korruption jedoch keinesfalls auf das Militär beschränkt ist.

Unter dem organisierten Verbrechen leiden insbesondere auch Christen, da viele von ihnen arm und schutzlos sind. Dies kommt besonders bei Fällen von Blasphemie zum Tragen, wie sich im März 2018 zeigte, als 20 Verdächtige im Mordfall an einem christlichen Ehepaar freigesprochen wurden. Das Paar war am 4. November 2014 wegen angeblicher Blasphemie ermordet und in einem Ziegelofen verbrannt worden. Schuldknechtschaft ist eine alte Form der Sklaverei und in einigen Teilen Pakistans weitverbreitet, insbesondere in den ländlichen Gegenden. Arbeiter in dieser Lage sind völlig der Willkür des Arbeitgebers ausgeliefert. Da sie wegen horrender Zinsen ihre Schulden nicht zurückzahlen können, gibt es für sie keinen Ausweg. Sie können nicht gerichtlich gegen die Situation vorgehen und bleiben so ohne Schutz oder Hoffnung auf Veränderung.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Pakistan leidet unter der ethnischen Zersplitterung nicht nur der Gesellschaft, sondern auch der Verwaltung des Landes. So werden beispielsweise die Provinz Belutschistan und die Region Sindh traditionell als außerhalb der Reichweite staatlichen Einflusses gesehen. Als Feudalherren herrschende Landbesitzer unterhalten in den ländlichen Regionen von Sindh und Punjab eigene Milizen, Gerichte und Gefängnisse. Korruption ist überall zu finden. All das hat auch Auswirkungen auf die schutzlose christliche Minderheit. Die Rechtsprechung in den föderal verwalteten Stammesgebieten (FATA) ist eingeschränkt – die zurückhaltende Einmischung von Polizei und Gerichten trägt erst recht zur Entfremdung der lokalen Bevölkerung bei.

Diktatorische Paranoia

Die Politik in Pakistan hat schon immer aus einer Mischung aus „Islamischer Unterdrückung“ und „Diktatorischer Paranoia“ bestanden. Jede Regierung musste mit einer Opposition, extremistischen Gruppierungen, einer starken, unabhängigen Armee und Korruptionsvorwürfen kämpfen. In der Folge tut sie alles, was ihr möglich ist, um an der Macht zu bleiben, besonders, da Politik in Pakistan auch Familienpolitik bedeutet: Die Partei PML-N wird von der Familie Sharif geführt (das N im Namen der Partei steht für den ehemaligen Premierminister Nawaz Sharif), die PPP von der Familie Bhutto. Nachdem Premierminister Nawaz Sharif im Juli 2018 aufgrund der Korruptionsvorwürfe zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde, stellte sich sein Bruder als Kandidat zur Verfügung, um seine Rolle zu übernehmen. Nawaz Sharif und seine Tochter wurden nur zwölf Tage vor den Wahlen verhaftet. Imran Khan, der Vorsitzende der Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), der mit keiner der großen Familien verbunden ist, hatte eine Klage gegen den damaligen Premierminister Sharif eingereicht, da durch die zugespielten Panama-Papiere Unregelmäßigkeiten in den privaten finanziellen Angelegenheiten des Premierministers öffentlich wurden. Imran Khans Wahl zum Premierminister im Juli 2018 verheißt nichts Gutes für die Minderheiten des Landes. Khan hat bereits durch viele Äußerungen klargemacht, dass sie ihm nicht wichtig sind.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: In Pakistan ist die Durchsetzung von Recht und Gesetz auf der lokalen wie nationalen Ebene schwach, besonders wenn es um Christen geht. Oft werden leere und falsche Versprechungen gemacht und gerade Christen fühlen sich verwundbar. Als ein Hoffnungsstrahl wird der Freispruch von Asia Bibi im Oktober 2018 durch den Obersten Gerichtshof gesehen, der trotz des Druckes durch islamisch-extremistische Gruppen erfolgte.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen und revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: In Pakistan gewinnen mehrere islamisch-extremistische Gruppierungen an Einfluss und wachsen, da sie von politischen Parteien, dem Militär und der Regierung umworben werden. Einige gründen sogar ihre eigenen Parteien. Besonders die Armee folgt weiterhin einer Politik, bei der sie zwischen „guten“ und „bösen“ Taliban unterscheidet. Diese Strategie wurde inzwischen von der Regierung übernommen. Solange sich dies nicht ändert, werden islamisch-extremistische Gruppen ihren Einfluss ausweiten, nicht zuletzt in dem sie Tausende von Islamschulen betreiben (bei denen der Staat nicht genau weiß, was sie lehren und wie sie finanziert werden). Zunehmend werden pseudo-behördliche „Beratungsgremien“ für den Staat vollständig mit religiösen (islamischen) Gelehrten besetzt, die so die Regierung und die Gesetzgebung beeinflussen und lenken können.
  • Politische Parteien und ideologische Interessensgruppen: Ideologische Interessensverbände, die häufig mit politischen Parteien und islamischen religiösen Gruppen verknüpft sind, üben enormen Druck aus und haben starken Einfluss. Dies zeigte sich auch bei den Wahlen im Juli 2018, obwohl Parteien, die direkt aus islamistischen Gruppen entstanden sind, nicht viele Stimmen bekamen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen mit muslimischem Hintergrund sehen sich vielen Feindseligkeiten ausgesetzt; die größte Gefahr für sie kommt jedoch von ihren eigenen Familien, da der Abfall vom Islam als eine große Schande für Familie und Umfeld angesehen wird.
  • Gewöhnliche Bürger: Islamisch-extremistische Gruppen sind in der Lage, Bürger überall im Land zu mobilisieren, insbesondere die Jugend. Sie ermutigen sie, gegen die Entscheidungen der Regierung zu demonstrieren und stacheln sie dazu an, gegen religiöse Minderheiten, Christen einbegriffen, aktiv zu werden.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Obwohl die meisten Christen und Muslime aus den gleichen Ethnien stammen und die Verfolgung meist in Verbindung mit der religiösen Identität steht, kann die ethnische Herkunft ebenfalls eine Rolle spielen.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Als kleine und schwache Gruppe in der Gesellschaft sind Christen doppelt verletzlich angesichts von „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ und werden leicht zu Opfern. Tausende Christen leben weiterhin in Schuldknechtschaft und sind Ausbeutung ausgesetzt, da sie sehr arm sind, ohne die Perspektive, dass sich ihre Lage jemals ändert. Sie bescheren ihren Dienstherren großen Gewinn. Reiche Großgrundbesitzer arbeiten mit Politikern zusammen und lokale Würdenträger, sowohl aus religiösen als auch aus politischen Kreisen, profitieren stark von diesem System.
  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Organisierte Kriminalität ist häufig direkt mit militanten islamischen Gruppen verbunden und beeinflusst Wahlen sowie politische Prozesse in Pakistan und hat auch Auswirkungen auf das Leben der Christen. Das Haqqani Netzwerk, der IS, Tehrik-i-Taliban Pakistan, Jamaatul Ahrar (TTP-JA), Lashkar-e-Jhangvi und Al Kaida sind (neben anderen) in diesem Kontext zu erwähnen. Das örtliche organisierte Verbrechen stellt ein großes Problem in den urbanen und Stammesgebieten Pakistans dar. In Karachi sind Banden, Erpresser und die Mietmafia Teil derselben kriminellen Landschaft. Diese Organisationen haben zudem ihre politischen Verbindungen und damit auch politische Unterstützung. Massive Korruption, besonders im Rahmen der allgegenwärtigen Patronage, ist in Pakistan weitverbreitet und durchdringt nahezu jedes Segment der Gesellschaft, inklusive der Polizei, den Gerichten und der Politik.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Pakistan hat eine lange Geschichte der Korruption; sie wird teilweise durch die Armee befeuert, hat aber auch mehrere andere Akteure. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2018 belegt Pakistan Platz 117 von 180. Kirchen werden nicht nur für politischen Nutzen angegriffen und unter Druck gesetzt, sondern auch aus finanziellen Motiven. Besonders historische Kirchen besitzen Ländereien in strategischen Regionen wie Stadtzentren, was sie anfällig für Angriffe macht, die Immobilienentwickler mit Hilfe von kriminellen Banden durchführen. Zudem hat die fortgesetzte Zerstörung von Kircheneigentum den Effekt, dass Kirchengemeinden gezwungen sind, Eigentum zu verkaufen, um Reparaturausgaben zu bezahlen.
  • Internationale Organisationen und Botschaften: Im Jahr 2017 berief der damalige Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan ein Treffen der Botschafter islamischer Staaten in Islamabad ein, um das Thema von Blasphemie in sozialen Medien als vereinigte Umma (Gemeinschaft der Muslime) zu diskutieren und anzugehen. Multilaterale Organisationen folgen der diskriminierenden Politik des Landes bei der Einstellung neuer Mitarbeiter.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Wie bereits zuvor erwähnt, war die Politik in Pakistan lange eine Familienangelegenheit, ein Trend, der erst vor Kurzem gebrochen wurde. Dennoch gilt: Wer in Pakistan an der Macht ist, versucht, an ihr festzuhalten, und tut alles, was nötig ist, um genügend Unterstützung dafür zu bekommen. Ein politischer Akteur in dieser Angelegenheit, der jedoch selten offen agiert, ist die Armee. Die Art, in der die Armee bestimmte islamisch-extremistische Gruppen umwirbt, um sie als Werkzeug zu benutzen, führt dazu, dass auch Christen zu Zielen dieser Gruppen werden. Obwohl Angriffe auf Christen nicht Teil der Politik der Armee sind, wird dies als notwendiger Kollateralschaden gesehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen und revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Solange religiöse Führer und Gruppen durch die Regierung, politische Parteien und die Armee hofiert werden, unterstützen sie sie in ihrem Kampf, an der Macht zu bleiben. Wenn sie es als notwendig erachten, gegen die christliche Minderheit vorzugehen oder sie weiterhin zu diskriminieren, dann tun sie es. Christen werden schnell zu Sündenböcken gemacht oder einfach als „Tauschwaren“ im politischen System genutzt.

Ausgehend von ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Regierungsbeamte und politische Parteien, revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Ethnische und religiöse Motive sind untrennbar miteinander verbunden. Daher gilt hier genauso, was zuvor über die Islamische Unterdrückung geschrieben wurde.
  • Anführer ethnischer Gruppen und nichtchristliche religiöse Leiter: Anführer ethnischer Gruppen verlangen kompromisslosen Gehorsam. Jede Abweichung, etwa der Glaubenswechsel, wird als Verrat angesehen. Sie setzen Christen muslimischer Herkunft selbst unter Druck und rufen andere dazu auf, ebenfalls den Druck zu erhöhen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen und ideologische Interessengruppen: Diese Gruppen nutzen jedes ihnen zur Verfügung stehende Mittel, um ihre Agenda durchzusetzen und gegen Minderheiten zu agieren. Wenn ethnische Untertöne bei diesem Ziel helfen, setzen sie sie gerne ein.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Während es in Pakistan viele politische Brennpunkte gibt, sind die besonderen Brennpunkte der Verfolgung von Christen nicht ganz so offensichtlich. Da die mit Abstand meisten Christen in der Provinz Punjab leben, geschehen viele Vorfälle von Verfolgung dort. Daneben ist aber auch die Provinz Sindh berüchtigt dafür, ein Brennpunkt der Schuldknechtschaft zu sein, was ebenfalls viele Christen betrifft.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese kommen zum Beispiel aus der römisch-katholischen und der anglikanischen Kirche. Sie erleben zunehmend Anfeindungen. Es wird schwieriger, Genehmigungen für bestimmte Versammlungen zu erhalten. Sie müssen sich mit einer starken Kontrolle und Überwachung auseinandersetzen.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung. Diese geht sowohl von extremistischen islamischen Gruppierungen aus (von denen die Christen als Verräter angesehen werden) als auch von Familien und Nachbarn, die eine Abwendung vom Islam als Schande für die Familie und das Umfeld betrachten.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden werden stärker überwacht und oft drangsaliert und angegriffen, insbesondere, wenn sie aktiv versuchen, Muslime mit dem Evangelium zu erreichen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14
Familienleben 13.9
Gesellschaftliches Leben 15
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 13.7
Auftreten von Gewalt 16.7

Grafik: Verfolgungsmuster Pakistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt hat der Druck auf Christen in Pakistan ein extremes Ausmaß. Der durchschnittliche Wert stieg auf 14,3 im Weltverfolgungsindex 2020 (von 14,1 im Weltverfolgungsindex 2019).
  • In den Lebensbereichen „Leben im Staat“ (extremer Druck) und „Kirchliches Leben“ (sehr hoher Druck) hat sich die Punktzahl nicht verändert. Dies spiegelt unter anderem wider, dass Christen weiterhin stark unter den Blasphemiegesetzen und den Gesetzen für Nichtregierungsorganisationen des Landes leiden. Der Druck bleibt in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“ auf einem extrem hohen Wert und ist im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ gestiegen. Den stärksten Druck erfahren Christen muslimischer Herkunft. Generell ist es jedoch normal für viele Christen, als Bürger zweiter Klasse betrachtet, vernachlässigt oder angegriffen zu werden. Die Blasphemiegesetze und die islamistischen Gruppen, die sie „verteidigen“, bleiben eine große Bedrohung für alle Christen.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt gegen Christen erreichte erneut das Maximum von 16,7. Dies ist seit dem Weltverfolgungsindex 2016 nun durchgehend der Fall gewesen. Obwohl keine größeren Angriffe auf Kirchen Schlagzeilen gemacht haben, gab es im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 viele weitere kleine Angriffe auf christliche Gemeinschaften, Versammlungen und Einzelpersonen – darunter Entführungen von Frauen, Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen, Zwangsräumungen und Vertreibungen im In- und Ausland.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben mit anderen als mit ihren engsten Familienangehörigen zu sprechen: Viele Christen vermeiden es, mit Muslimen über ihren Glauben zu sprechen, da es gefährliche Konsequenzen haben kann. Während dies besonders für Christen muslimischer Herkunft gilt, ist es durchaus auch für andere Christen relevant, besonders im Angesicht der Blasphemiegesetze. Jegliche solcher Diskussionen können religiös motivierte Anschläge gegen sie, ihre Gemeinschaften und Kirchen nach sich ziehen
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Es wird dann gefährlich, wenn das Geschriebene als ein Angriff oder eine Herausforderung der etablierten Lehren und Werte des Islam gesehen wird. Alle persönlichen Statements – zum Beispiel auf Facebook – können in Fällen der Anklage der Blasphemie benutzt (oder missbraucht) werden.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Während ausländische Christen nahezu jedes Material besitzen können, ist es für pakistanische Christen gefährlich, Material zu besitzen, das über ihren persönlichen Gebrauch hinausgeht, da dieses als Werkzeug angesehen werden kann, den christlichen Glauben gegenüber Muslimen zu bewerben und sie mit dem Evangelium erreichen zu wollen. Bücher, besonders mit apologetischem Inhalt, können als staats- und islamfeindlich deklariert werden und der Besitz dieser Literatur kann bestraft werden. Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr riskant, den Besitz christlichen Materials offen zu zeigen.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Ein christliches Symbol zu zeigen, ist ein visueller Auslöser und kann ein Ausgangspunkt für die alltägliche Diskriminierung sein, die Christen erfahren. Selbst einen christlichen Namen zu haben, kann schon Anlass zur Provokation sein. Zudem erfahren Christen oft die Beschädigung ihres persönlichen Eigentums, wenn sie christliche Symbole, beispielsweise auf ihren Autos, zeigen. Berichte, nach denen Christen auf der Straße, im Verkehr oder auf der Arbeit angespuckt oder aggressiv beleidigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen, sind Zeichen dafür, dass die Situation schwieriger wird.

Christen muslimischer Herkunft müssen hinsichtlich ihres Glaubenslebens immer sehr auf der Hut sein, besonders wenn sie die Einzigen in der Familie sind, die Jesus nachfolgen. Ihre Bibel oder andere Materialien können ihnen leicht von der Familie, Freunden oder Nachbarn weggenommen werden. Eine Art der Bestrafung für Christen muslimischer Herkunft durch die Familie ist Hausarrest. Eine mildere Form der Strafe ist es, sie unter Beobachtung zu stellen. Manche Christen mit muslimischem Hintergrund müssen auch aus Sicherheitsgründen untertauchen.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gezwungen, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: In kleinen Dörfern und abgelegenen Orten werden christliche Familien gezwungen, ihre Kinder zum islamischen Unterricht in eine lokale Medresse zu schicken. Der christliche Unterricht dagegen ist auf den Sonntagsgottesdienst einmal pro Woche beschränkt. Die meisten Kinder fühlen sich bereits früh dazu gedrängt, zum Islam „zurückzukehren“, weswegen die meisten Eltern ihren Kindern verbieten, mit nichtchristlichen Kindern über ihren Glauben zu reden. Christliche Kinder werden in der Schule zur Teilnahme an islamischen Riten und Festen gezwungen. Zudem werden sie beständig dazu aufgefordert, Muslime zu werden. Die Eltern werden oft besucht und dazu angehalten, ihre Kinder zu islamischen Veranstaltungen zu schicken und sie Arabisch lernen zu lassen. Dies wird unter dem Vorwand vorgeschlagen, dass sich dadurch ihre Noten bessern würden. Das verunsichert die Kinder und erhöht die Gefahr einer „unfreiwilligen“ Konversion. Ein detaillierter Bericht darüber, was Kinder und Jugendliche religiöser Minderheiten erleben, wurde durch die pakistanische Menschenrechtskommission im März 2019 veröffentlicht.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: In der Schule ist es christlichen Kindern oft nicht gestattet, die gleichen Wasserspender wie die anderen Kinder zu nutzen, weil sie diese angeblich verunreinigen würden. Mobbing ist an der Tagesordnung. Einige Schulbücher lehren den Hass auf Christen. Selbst in einigen christlichen Einrichtungen wollen manche nichtchristlichen Schüler keine Gemeinschaft mit Christen haben oder mit ihnen essen. Diese Einstellung ist nicht immer rein religiös begründet, sondern hat oft mit einem Kastendenken zu tun, da die Mehrheit der Christen aus einer niedrigen Kaste oder sogar den Unberührbaren stammen. Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums vermerkt auf Seite 20: „Angehörige der religiösen Minderheiten gaben an, dass öffentliche Schulen muslimischen Schülern Bonuspunkte für das Auswendiglernen des Korans gaben, es aber keine analoge Möglichkeit zur Erlangung von Bonuspunkten für Schüler der religiösen Minderheiten gegeben habe.“
  • Christliche Paare werden aufgrund ihres Glaubens daran gehindert, Kinder zu adoptieren oder Pflegekinder aufzunehmen: Generell gibt es in Pakistan keine formelle Adoption. Es gibt kein Gesetz, das die Adoption regelt. Die einzig legale Form ist, jemandes Vormund zu werden, was nicht im eigentlichen Sinne einer Adoption entspricht. Wenn ein Paar ein Kind inoffiziell adoptiert, wird erwartet, dass das Kind der Religion seiner eigentlichen Eltern folgt. Wenn diese unbekannt ist, gilt der Islam als Standard. Christen können nur adoptieren oder Vormund werden, indem sie eine christliche Adoptionseinrichtung nutzen, die überwacht wird, um sicherzustellen, dass sie keine Kinder nichtchristlichen Hintergrunds vermitteln.
  • Eltern wurden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Nicht zuletzt wegen des anhaltenden Druckes durch die Gesellschaft und der Situation, in der sich christliche Kinder selbst in der Schule wiederfinden, ist es schwer, Kinder gemäß dem christlichen Glauben zu erziehen und dem Druck zu widerstehen. Aus Angst vor Anklagen der Blasphemie gehen Eltern sogar so weit, ihren Kindern beizubringen, komplett über ihren Glauben zu schweigen.

Es ist nicht möglich, einen Wechsel zum christlichen Glauben behördlich eintragen zu lassen: Ein Kind wird automatisch als Muslim registriert, wenn der Vater als Muslim eingetragen ist – auch wenn der Vater seinen Glauben in der Realität längst gewechselt hat. Werden Christen mit muslimischem Hintergrund entdeckt, drohen ihnen die erzwungene Scheidung und der Verlust aller Erbansprüche.

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums erklärt auf Seite 8: „Die Regierung sieht die Ehe einer nichtmuslimischen Frau mit einem nichtmuslimischen Ehemann als annulliert an, wenn die Frau zum Islam konvertiert, obwohl sie die Ehe eines nichtmuslimischen Mannes als weiterhin gültig anerkennt, wenn er zum Islam konvertiert. Kinder eines nichtmuslimischen Paares werden als außerehelich angesehen und sind nicht erbberechtigt, wenn ihre Mutter zum Islam konvertiert. Der einzige Weg für den Mann, die Ehe und den Status des Kinder anerkennen zu lassen, ist ebenfalls zum Islam zu konvertieren. Die Kinder eines muslimischen Mannes und einer muslimischen Frau, die beide zu einem anderen Glauben konvertieren, werden als unehelich angesehen und gemäß dem Gesetz kann die Regierung die Kinder in ihre Obhut nehmen.“

Die Durchführung einer Taufe, einer christlichen Hochzeit oder eines Begräbnisses kann schwierig oder sogar unmöglich werden: Christen muslimischer Herkunft werden entweder körperlich angegriffen oder die islamische Gesellschaft und die eigene Familie verfluchen sie mit schwarzer Magie, Zaubertränken, Amuletten und anderen okkulten Praktiken. Entscheidet sich ein Christ mit muslimischem Hintergrund für die Taufe, wird er besonders unter Druck gesetzt, da die Taufe als endgültige Abkehr vom Islam angesehen wird. Auch wenn ein Pakistani mit christlichem Hintergrund getauft wird, sind häufig Schüsse von Hausdächern und aggressive Rufe gegen Christen zu hören. Dies geschieht, obwohl es nicht strafbar für einen pakistanischen Christen ist, getauft zu werden. Die Taufe wird jedoch als sichtbares Zeichen des Wachstums der christlichen Gemeinde gehasst.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen durch ihr soziales oder privates Umfeld unter Beobachtung: Christen werden durch die Regierung und zunehmend auch durch nicht-staatliche Akteure überwacht. Da die Überwachung allgegenwärtig ist und jederzeit mit Angriffen gerechnet werden muss, informieren Christen die staatlichen Behörden (zum Beispiel die Polizei) regelmäßig über ihre Versammlungen. Dies ist ein zweischneidiges Schwert: Es sorgt für Schutz, erhöht aber auch die Überwachung.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Selbst Ausländer haben berichtet, dass sie von lokalen Behörden einbestellt wurden, um zu erklären, warum sie an Jesus Christus glauben, und unter Druck gesetzt wurden, den Islam anzunehmen. Dies gilt umso mehr für pakistanische Christen und Christen muslimischer Herkunft.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: An Arbeitsplätzen ist der Druck auf die christliche Minderheit oftmals so groß, dass viele Christen sich dazu gezwungen sehen, immer wieder ihre Arbeit zu wechseln, um sich einer erzwungenen Konversion zum Islam zu entziehen. Christen werden regelmäßig dazu gezwungen, Hilfsarbeiten wie Fegen oder Wassertragen zu verrichten. Aber selbst der Zugang zu diesen Jobs wird laut neuer Berichte für Christen immer schwieriger, da Reinigungsstellen, Kommunen oder Krankenhäuser zunehmend nur Muslime einstellen.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens belästigt, bedroht oder im Alltagsleben gestört. Christen werden als unrein betrachtet und deshalb wird die gemeinsame Nutzung etwa von Wasserstellen als Verunreinigung der Muslime gewertet. Dies ist ein Erbe des Kastensystems, das vielen Christen in Pakistan weiterhin Schwierigkeiten bereitet. So begann auch der Fall von Asia Bibi. Christen muslimischer Herkunft werden zudem auf viele andere Arten und Weisen diskriminiert.

Viele Krankenhäuser, Apotheken und andere Einrichtungen bieten Fürsorgeprogramme an, die Christen vermehrt verweigert werden. Anderen werden horrende Rechnungen für medizinische Behandlungen gestellt. Diese können sie nicht bezahlen und daher keine Behandlungen erhalten. In Krankenhäusern, die der Regierung gehören, haben Christen keinen Zugang zu kostenlosen Medikamenten, die durch „Zakat“ (islamische Spenden) finanziert werden. Häufig wollen Patienten die Zimmer nicht mit Christen teilen, sodass diese in Fluren oder Gängen warten müssen. Arbeiter in Schuldknechtschaft sind an ihre Arbeitgeber durch Verträge gebunden, die ihnen unbezahlbare und immer weiter wachsende Schulden aufbürden.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Die islamische Republik Pakistans nahm 1973 eine islamische Verfassung und die Scharia, das islamische Recht, als bürgerliches Gesetz an. Der aktuelle Premierminister, Imran Khan, sagte, dass die Regierungsform zu Zeiten Mohammeds als das perfekte Regierungssystem für Pakistan gesehen werden sollte. Ein anderes Beispiel, wie die Menschenrechte eingeschränkt werden, findet sich in Artikel 19 zur Redefreiheit. Dieses Recht kann im „Interesse des Ruhmes des Islam“ eingeschränkt werden, was Raum für subjektive Interpretation lässt.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens beim Kontakt mit Behörden (lokale Verwaltungen, Regierung, Armee, etc.) diskriminiert: Diskriminierungen und Herausforderungen für Christen existieren auf jeder Ebene der Regierung und selbst in säkularen Umgebungen. Dies gilt ebenso für die Armee, obwohl Christen weiterhin in ihr dienen.
  • Christen werden von staatlichen Behörden oder Interessensgruppen beschuldigt, die Mehrheitsreligion zu lästern oder zu beleidigen: Die jüngere Entwicklung der Islamisierung der Gesellschaft begann in den 1980er-Jahren, als General Zia 1986 die berüchtigten Blasphemiegesetze einführte. Schnell wurden diese Gesetze zur schlimmsten Bedrohung für die christliche Minderheit. Einem Pressebericht von 2010 zufolge waren zu diesem Zeitpunkt 801 der 1.031 wegen Blasphemie inhaftierten Personen Muslime (der Großteil dürfte zu muslimischen Minderheiten gehören). Von den weiteren 230 Inhaftierten waren 162 Christen (70,4 %), 15 Sikhs (6,5 %), 28 Buddhisten (12,2 %) und 25 Anhänger anderer Religionen. Somit waren 15,7 % der wegen Blasphemie inhaftierten Personen Christen, obwohl Christen nur etwa 2 % der Bevölkerung ausmachen. Die Blasphemiegesetze sind zudem dafür bekannt, missbraucht zu werden, um persönliche Streitigkeiten auszutragen, sich zu bereichern oder dem Nachbarn etwas heimzuzahlen. Die Tatsache, dass Asia Bibi, das wohl bekannteste Opfer der Blasphemiegesetze, am 31. Oktober 2018 durch das Oberste Gericht freigesprochen wurde, ist zwar ein positives Zeichen. Dennoch wurden weitere Christen der Blasphemie angeklagt; im Dezember 2018 wurden zwei Brüder durch ein erstinstanzliches Gericht sogar zum Tode verurteilt.
  • Christen erleben Einschränkungen in der öffentlichen Meinungsäußerung: Christen legen sich ein hohes Maß an Selbstzensur auf oder ziehen sich aus dem öffentlichen Raum zurück. Christliche Ansichten werden gemeinhin ignoriert, da sie als der islamischen Lehre und als den islamischen Werten widersprechend und somit als inakzeptabel gesehen werden. Zwar gibt es immer noch Menschen, die die Stimme erheben, aber das Beispiel der nationalen Kommission zu Minderheiten und der Unterrepräsentation von Minderheiten in der politischen Arena sind klare Zeichen, wie wenig ihre Meinung geachtet wird. Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums stellt auf den Seiten 23 und 24 fest: „Am Jahresende bleibt der Status der nationalen Kommission zu Minderheiten unklar. Vertreter des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten und interreligiöse Harmonie sagten, dass die Kommission weiter existiere und sich jährlich treffe. Aktivisten der Minderheiten gaben jedoch an, dass die Effektivität der Kommission durch ein Fehlen einer regelmäßigen Budgetzuteilung und eines unabhängigen Vorsitzenden wie auch durch Widerstand seitens des Ministeriums behindert werde. Nichtregierungsorganisationen und Mitglieder der Nationalversammlung gaben mehrere Vorschläge und Gesetzesentwürfe für die Errichtung einer neuen unabhängigen nationalen Kommission für Minderheitenrechte ab, wie vom obersten Gericht 2014 gefordert. Das Ministerium selbst brachte ebenfalls einen Gesetzesentwurf ein, der eine ‚nationale Kommission für interreligiöse Harmonie‘ schaffen sollte, und gab dabei an, dass die Angelegenheiten von Minderheiten seit 2010 an die Provinzen übertragen worden seien. Medienberichten zufolge traf sich ein Unterkomitee des ständigen Komitees zu religiösen Angelegenheiten der Nationalversammlung im April, um die Gesetzesentwürfe zur Schaffung der neuen Kommission zusammenzuführen. Das Ministerium versprach, mit den Parlamentariern zusammenzuarbeiten, um die Gesetzesentwürfe zusammenzuführen. Quellen berichteten, dass diese Arbeit am Ende des Jahres andauerte. Ein ähnlicher Gesetzesentwurf war in der Provinzversammlung von Sindh am Ende des Jahres noch anhängig.“

Kirchliches Leben

  • Kirchengemeinden werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: In den meisten Fällen trauen sich Kirchengemeinden nicht, Aktivitäten außerhalb ihrer Gemeindegelände zu organisieren. Aktivitäten von Kirchen werden regelmäßig überwacht. Die Regierung stellt zwar Sicherheitskräfte für viele Kirchen ab, diese jedoch beobachten auch genau, was in den Gemeinden geschieht und berichten regelmäßig an die Regierung. Es besteht der Verdacht, dass solche Aufklärungsberichte an extremistisch-islamische Organisationen und Kämpfer weitergegeben werden. Es gab in der Vergangenheit Berichte, dass das Sicherheitspersonal gewalttätig wurde und lokale Kirchenleiter angriff. Christliche Kirchen gleichen inzwischen Festungen mit hohen Mauern und schmalen Toren. Obwohl die Regierung Schutz versprochen hat, gab es in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe auf Kirchen mit Dutzenden von Opfern.
  • Kirchengemeinden werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: Da der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben so stark abgelehnt und von Familie, Gesellschaft, Regierung und extremistischen Gruppen bekämpft wird, wäre es höchst gefährlich für eine Kirchengemeinde, Christen muslimischer Herkunft auch nur auf ihrem Gelände zu dulden. Wenn ein Christ muslimischer Herkunft an einem Gottesdienst teilnehmen will, muss dies geschehen, ohne dass jemand weiß, dass er oder sie ein Konvertit ist.
  • Christliche Predigten, Unterricht und/oder Publikationen werden überwacht: Sowohl die Regierung als auch islamisch-extremistische Gruppen überwachen die Lehren der Kirchen auf Inhalte, die als gegen die Regierung oder gegen den Islam wahrgenommen werden. Ein Mittel der Überwachung ist die Bereitstellung von Wachpersonal für Kirchengebäude. Während sie tatsächlich als Wachpersonal arbeiten, sind sie parallel damit beschäftigt, zu lauschen, zu überwachen und zu berichten.
  • Pastoren oder andere christliche Leiter (oder ihre Familienmitglieder) erleben wegen ihres Glaubens Schikane: Kirchenleiter sind die ersten Ziele für Schikane, da sie die sichtbarsten Vertreter der verhassten christlichen Minderheit sind. Dies bedeutet nicht, dass alle angegriffen werden, aber es meint, dass die Verfolger sehr wohl wahrnehmen, dass es der Kirche schadet, wenn einem Leiter Schaden zugefügt wird. Pastoren und Jugendmitarbeiter wurden gewarnt, dass ihre Aktivitäten von Behörden und Gruppen aus der Nachbarschaft überwacht würden.

Kirchen benötigen eine Registrierung und Genehmigung, um mit dem Bau neuer Projekte fortzufahren: Dies ist ein langer Prozess, da Kirchen oft mehr als zehn Jahre warten müssen, um eine Registrierung zu erhalten, und oft entmutigt werden, mit ihren Bauplänen fortzufahren. Bestechungsgelder werden erwartet und es sind Briefe von einflussreichen Mitgliedern des Parlaments und von Regierungsbehörden vonnöten. Auch wenn es kein Gesetz gegen den Bau von Kirchen gibt, wird der Prozess erschwert, um Christen zu entmutigen.

Das Gesetz für Nichtregierungsorganisationen vom 1. Oktober 2015 erlaubt es der Regierung, alle solchen Organisationen zu überwachen und nach Belieben zu schließen. Kirchengemeinden, die nicht als Nichtregierungsorganisation registriert sind, werden als illegal eingestuft und stehen in der Gefahr, geschlossen zu werden. Das Gesetz wurde eigentlich zum Schutz des Landes vor Terrororganisationen eingeführt, die sich als gemeinnützige Organisation ausgeben. Doch nun werden Kirchengemeinden und Terrororganisationen gemeinsam aufgeführt. Im Oktober 2018 wies Pakistans Innenminister 18 Nichtregierungsorganisationen an, das Land zu verlassen und alle Programme innerhalb von 60 Tagen einzustellen. Dies betraf unter anderem auch World Vision und die Catholic Relief Agency. Diese Praxis wurde nicht korrigiert, einige dieser Organisationen bemühen sich um eine erneute Registrierung.

Auch wenn der Druck steigt, wenn Kirchengemeinden Jugendliche erreichen wollen, gab es auf diesem Gebiet keine Fälle von offenen Behinderungen. Abgesehen von der pakistanischen Bibelgesellschaft wird anderen christlichen Organisationen stark vom Besitz einer Druckerpresse abgeraten. Die Arbeit der Bibelgesellschaft wird zudem stark überwacht: Jede Bibel hat eine Seriennummer, die nachverfolgt werden kann. Seit Oktober 2016 haben nur noch zwei von ursprünglichen 13 christlichen TV-Sendern eine Registrierung. Christen machen sich ebenfalls weiter Sorgen über Einschränkungen des Internets, die durch das Gesetz zur Vorbeugung von elektronischen Verbrechen von August 2016 ermöglicht werden, welches das Potential hat, einen der letzten Wege zur Verbreitung der christlichen Botschaft einzuschränken. Außerdem geht die Debatte über ein christliches Familienrecht weiter. Christen wurden dazu ermutigt beziehungsweise genötigt, Scheidungen in mehr Fällen als nur aufgrund von Ehebruch zuzulassen, und das Gesetz wird angepasst, ohne dass christliche Leiter in Pakistan signifikant daran beteiligt sind.

Auftreten von Gewalt

Christen werden in Pakistan als Bürger zweiter Klasse angesehen und Gewalt gegen sie ist oftmals keine großen Schlagzeilen wert, da sie allgegenwärtig ist. Kirchen werden angegriffen, Christen werden festgenommen (beispielsweise aufgrund der berüchtigten Blasphemiegesetze), entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet (insbesondere Mädchen) und aus dem Land vertrieben. Jedes Jahr werden zudem Christen wegen ihres Glaubens getötet. Aus diesem Grund erreichte die Wertung für das Auftreten von Gewalt zum fünften Mal in Folge die maximal erreichbare Punktzahl.

  • Zum Beispiel tötete ein Großgrundbesitzer einem Bericht von Morning Star News zufolge im Mai 2019 einen christlichen Arbeiter, weil er es gewagt hatte, für einen anderen Arbeitgeber zu arbeiten. Dieser Fall zeigt den niedrigen sozialen Status, den die meisten Christen haben, und steht exemplarisch für ähnliche Fälle, von denen meist nicht berichtet wird. Amir Masih wurde am 2. September in Lahore eingesperrt, gefoltert und in Polizeigewahrsam getötet. Tötungen erfolgen über das Land verteilt, mit einem Schwerpunkt in Punjab, wo mehr Christen leben. Täter waren islamisch-extremistische Gruppen, Mobs und die Polizei.
  • Dieses offenkundige Auftreten von Gewalt überdeckt die alltägliche Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen, die häufig entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen werden.
  • Die Brüder Qaisar und Amoon Ayub, beides Christen, wurden wegen angeblicher Blasphemie im Jahr 2010 durch einen Bezirksrichter in Lahore am 13. Dezember 2018 zum Tode verurteilt.
  • Angriffe auf Kirchen finden mit erschreckender Häufigkeit statt, auch wenn die Gebäude dabei nicht immer zerstört werden oder geschlossen werden müssen. Dennoch berichten viele Pastoren von häufiger Brandstiftung, zerbrochenen Fenstern, zerstörter Einrichtung und kleineren Schikanen wie der Abschaltung von Strom oder Wasser für Kirchen. Obwohl es keine großen (Bomben-)Anschläge gegen Kirchengebäude gegeben hat, kommt es häufiger zu regelmäßigen kleineren „Alltagsangriffen“ gegen Kirchen und Friedhöfe.
  • Wird ein Christ der Blasphemie angeklagt, wird häufig sein Zuhause attackiert, sodass die Familie sich verstecken muss.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Falsche Anklagen
  • Zwangsverheiratung
  • Menschenhandel
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Besonders verwundbar sind in Pakistan Mädchen und junge Frauen im Alter von 13-20 Jahren mit christlichem (oder hinduistischem) Hintergrund. Christen berichten, dass ihre Töchter oft entführt, vergewaltigt, zur Ehe mit ihrem Entführer und zum Übertritt zum Islam gezwungen werden. Die Behörden unternehmen nichts dagegen und unterstützen zumeist sogar die muslimischen Familien, die die Mädchen entführt haben. Daher haben viele Eltern solcher Frauen und Mädchen zunehmend das Gefühl, es sei zwecklos, rechtliche Schritte zu unternehmen. Selbst wenn ein Fall vor das Gericht kommt, werden die Mädchen dazu gezwungen auszusagen, sie seien freiwillig konvertiert.

Der Jahresbericht von Human Rights Watch für 2018 schreibt: „Laut einem Bericht der Bewegung für Solidarität und Frieden in Pakistan werden jedes Jahr mindestens 1.000 Mädchen aus christlichen und hinduistischen Gemeinschaften dazu gezwungen, muslimische Männer zu heiraten.“ Wenn eine christliche Familie mutig genug ist, die Entführung und Heirat anzufechten, werden sie oft beschuldigt, das „freiwillig konvertierte“ Mädchen und ihre neue Familie zu belästigen. Die ist besonders bei jungen Christinnen in der Provinz Punjab der Fall. Während Kinderheirat verboten ist, steht das gesetzliche Heiratsalter bei 16 Jahren, und obwohl erzwungene Heirat eine Straftat ist und viele Anzeigen (gemäß einem Bericht von 2015) aufgegeben wurden, bleibt die Strafverfolgung ein Problem. Was zudem Raum für Straffreiheit für Gewalt gegen christliche Frauen schafft, ist die Tatsache, dass der Aussage einer Frau nicht dasselbe Gewicht zugemessen wird wie der eines Mannes.

Zudem gab es Berichte über gezielten Menschenhandel von christlichen Mädchen sowohl in Schuldknechtschaft als auch über einen „Prostitutionsring“, der christliche Mädchen nach China schmuggelte.

Sobald sie verheiratet ist, hat eine Frau nur wenig Schutz gegen jene, die sie dafür bestrafen wollen, ihre selbstgewählte Religion beizubehalten.

Teil einer christlichen Familie zu sein, schützt Frauen ebenfalls nicht davor, Verfolgung zu erfahren. Sie können fälschlicherweise der Blasphemie angeklagt, geschlagen und/oder sexuell belästigt werden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Falsche Anklagen
  • Verhaftung durch die Behörden
  • Menschenhandel
  • Ermordung
  • Sexuelle Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Körperliche Gewalt

Christliche Männer stehen in Pakistan vielen Formen von Gewalt gegenüber. Die Blasphemiegesetze bieten weiterhin den Rahmen für einen Großteil der Verfolgung von christlichen Männern in Pakistan. Es gibt Hunderte von Anklagen von angeblicher Blasphemie gegen sie. Aber viel zu oft haben sie ihre Grundlage in einem unerwünschten Mietverhältnis, einer Arbeitssituation oder sogar einem Kricketspiel. Christliche Männer leben in konstanter Angst vor Blasphemieanschuldigungen, Beschädigung ihres Eigentums, Festnahmen, Haft, Schlägen, Folter und Exekution. Es gibt zudem Berichte, dass christliche Jungen Opfer von sexuellem Missbrauch wurden.

Christliche Männer und Jungen sind dazu gezwungen, Arbeitsplätze anzunehmen, die einen geringen Status haben und als unrein angesehen werden. Sie werden häufig als „Chura“ beleidigt. Das Wort kann mit „schmutzig“ übersetzt werden und wird für Straßenkehrer gebraucht. Obwohl es auch eine christliche Mittelklasse gibt und nicht alle Christen Arbeiten mit niedrigem Status verrichten müssen, sind Diskriminierung und soziale Ungleichheit allgegenwärtig. Islamische Gesetze und Praktiken fördern die Haltung in der Gesellschaft, dass Muslime mehr wert seien. Muslime werden dazu ermutigt, christlichen Männern Beförderungen in wichtige Positionen zu verweigern. Dies kann einen Mangel an Arbeitsplatzoptionen und Diskriminierung nach dem Erlangen einer Arbeitsstelle nach sich ziehen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auch andere religiöse Minderheiten werden Opfer der Blasphemiegesetze und von Angriffen. Die hinduistische Minderheit leidet ebenso wie islamische Minderheiten wie Ahmadis, Schiiten und Sufis, die nicht als wahre Muslime angesehen werden, unter extremistischen Sunniten. Im Februar 2017 wurde beispielsweise ein Sufi-Schrein in der Provinz Sindh angegriffen. 75 Menschen wurden bei dem Angriff ermordet. Im November 2018 kostete ein Angriff nahe eines schiitischen Gebetssaals 33 Leben. Die Verantwortung für beide Angriffe übernahm der sunnitische IS.

Die Ahmadis sind für eine Vielzahl von islamisch-extremistischen Gruppen ebenso ein Ziel, wie die christlichen und hinduistischen Minderheiten. Doch ist die große Herausforderung für die Ahmadis, dass sie sich nicht „Muslime“ nennen dürfen, was sie aber ihrem Verständnis nach sind. In den meisten Kontakten mit der Regierung, vom Schulbesuch bis zur Einstellung durch den Staat, müssen Ahmadis Dokumente unterschreiben, die die Gültigkeit des Propheten Mohammed erklären, was nicht ihrem Glauben entspricht. Angriffe gegen diese Minderheiten geschehen mit einer erschreckenden Häufigkeit. Ein prominentes Beispiel der Diskriminierung der Ahmadi-Minderheit fand im Bereich der Regierung statt. Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2018 des US-Außenministeriums steht (Seite 9): „Die Verfassung verbietet eine Diskriminierung bei der Zulassung zu staatlichen Bildungseinrichtungen auf der Basis von religiöser Zugehörigkeit. Gemäß den Vorschriften sind die einzigen Faktoren, die eine Zulassung für staatliche Schulen beeinflussen, die Noten des Schülers und seine Heimatprovinz; dennoch müssen Christen ihre religiöse Zugehörigkeit auf Anmeldeformularen angeben. Diese Angabe ist auch für private Bildungseinrichtungen nötig, Universitäten eingeschlossen. Schüler, die sich selbst als Muslime identifizieren, müssen schriftlich ihren Glauben bekunden, dass der Prophet Mohammed der letzte Prophet sei. Von Nichtmuslimen wird verlangt, dass der Leiter ihrer lokalen religiösen Gemeinschaft ihre religiöse Zugehörigkeit bestätigt. In dem Gesetz sind keine Vorschriften für Atheisten vorgesehen.“

Wer verdächtigt wird, Atheist zu sein, kann ebenfalls sehr schnell Ziel der Blasphemiegesetze des Landes werden. Dies wurde im April 2017 deutlich, als ein Student in Mardan von einem aufgebrachten Mob gelyncht wurde. In diesem Fall, der in Pakistan für großes Aufsehen sorgte, wurde der Täter im Februar 2018 zum Tode verurteilt.

Ein Bericht, der im August 2019 erschien, zeigte wieder, dass nicht nur christliche Mädchen und Frauen, sondern auch hinduistische Mädchen unter Entführungen und erzwungenen Übertritten zum Islam leiden, weil Behörden und Gerichte kein Interesse zeigen.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Der Wettstreit zwischen den Taliban und dem IS erhöht den Druck auf beide Gruppen, mehr Anhänger für sich zu gewinnen. Ihre Rekrutierungsstrategie verlangt, dass sie sich als näher am Herzen des Islam erweisen müssen als andere Gruppen. In ihrem Bestreben, „islamischer“ zu erscheinen, ist es eine Strategie, „Dhimmis“ (Schutzbefohlene, die als „Ungläubige“ Kopfsteuer zahlen) anzugreifen, die nach der „reinen islamischen Lehre“ als Schwächste gelten.

Dieser Wettbewerb beginnt, auch die Politik zu beeinflussen, sodass Beobachter zu dem Schluss kommen, dass harte Zeiten auf Christen und andere religiöse Minderheiten zukommen. Das Streben nach einer noch stärkeren islamischen Identität heißt für extremistische islamische Gruppierungen auch, Christen stärker zu verfolgen und ihre Rechte und ihren Bewegungsspielraum noch weiter einzuschränken. Die Regierung ist nicht besonders daran interessiert, die Rechte der Minderheiten zu schützen. Dies wiederum passt gut zu der negativen Einstellung größerer Teile der Gesellschaft gegen Christen. Islamische Unterdrückung wird in Pakistan anhaltend stark bleiben.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Christen werden weiterhin diskriminiert und ausgebeutet werden. Die zunehmenden Medienberichte über ihre schlimmen Arbeitsbedingungen und die Diskriminierung durch das Kastensystem werden kaum eine Verbesserung der Lage bewirken.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe wird weiterhin eine große Rolle in der Politik und dem sozialen Gefüge in Pakistan spielen, auch wenn religiöse Motive damit verwoben sind und immer mehr die Oberhand gewinnen.

Diktatorische Paranoia

Obwohl die alten Parteien nicht mehr an der Macht sind und der Einfluss politischer Familien mit der Verurteilung des ehemaligen Premierministers Sharif einen Rückschlag erlitten hat, wird diese Triebkraft der Verfolgung nicht unbedingt schwächer werden. Pakistanische Politiker sind dafür bekannt, sich an die Macht zu klammern und religiöse Minderheiten leiden zu lassen und als Sündenböcke zu missbrauchen. Der derzeitige Premierminister Imran Khan mag sich als keine Ausnahme erweisen, wenn er sich selbst unter dem Druck von Gruppen wie der TLP oder den Oppositionsparteien wiederfinden sollte. In Zukunft wird es besonders interessant zu sehen, ob die Armee (als ein Hauptverfolger innerhalb dieser Triebkraft) weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Pakistan:

  • Pakistan ist eine islamische Republik, und der neuere Prozess der Islamisierung reicht bis in die 1980er-Jahre zurück. Das Land leidet unter der Vielzahl islamisch-extremistischer Gruppen. Bitte beten Sie dafür, dass die neue pakistanische Regierung Gesetze erlässt, die die Christen im Land schützen.
  • Bitte beten Sie für pakistanische Christen muslimischer Herkunft, die die Hauptlast der Verfolgung erleiden. Extremistische islamische Gruppen sehen sie als Abgefallene vom Islam; Familie, Freunde und Nachbarn sehen ihre Abkehr vom Islam als eine Schande für die Gemeinschaft.
  • Hunderte Mädchen und Frauen werden jedes Jahr entführt. Sie werden oft vergewaltigt und mit muslimischen Männern zwangsverheiratet. Das führt meist zu erzwungenen Konversionen zum Islam. Bitte beten Sie für den Schutz von christlichen Frauen und Mädchen in Pakistan.

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