Länderprofil Pakistan

Pakistan

5
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Pakistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
5
ISO
PK
Karte Pakistan
Christen
4,05
Bevölkerung
208.36
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.900
Familienleben: 14.200
Gesellschaftliches Leben: 15.100
Leben im Staat: 14.900
Kirchliches Leben: 13.500
Auftreten von Gewalt: 16.700

Länderprofil Pakistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 5 / 88 Punkte (WVI 2020: Platz 5 / 88 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Im Jahr 1947, dem Jahr der Unabhängigkeit des Landes, wurde die Situation für die christliche Minderheit komplizierter, da Pakistan offiziell ein muslimischer Staat wurde. Traditionelle Kirchen besitzen relativ große Freiheit, Gottesdienste zu feiern. Sie werden jedoch stark überwacht und regelmäßig Ziel von Bombenanschlägen. Der letzte große Anschlag ereignete sich am 17. Dezember 2017 in Quetta. Kirchengemeinden, die sich aktiver nach außen und in der Jugendarbeit engagieren, sind stärkerer Verfolgung vonseiten der Gesellschaft ausgesetzt. Alle Christen leiden unter einer tief in der Gesellschaft verankerten Diskriminierung. Dies wird dadurch sichtbar, dass häufig Berufe, die als niedrig, schmutzig und abwertend betrachtet werden, durch die Behörden für Christen „reserviert werden“, wie etwa durch die Stellenanzeigen deutlich wird. Viele Christen sind ohnehin arm und etliche von ihnen sind in Schuldknechtschaft gefangen. Auf der anderen Seite gibt es auch Christen, die der Mittelschicht angehören – dies schützt sie jedoch nicht davor, marginalisiert oder verfolgt zu werden. Die berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten (auch muslimische Minderheiten) ab; am stärksten wirken sie sich jedoch auf die christliche Minderheit aus. Davon sind nicht nur Christen der ärmeren Schichten betroffen.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

88

5

2020

88

5

2019

87

5

2018

86

5

2017

88

4

Pakistan ist weiterhin eines der Länder, in denen es Christen am schwersten haben. Dies wird durch die unverändert sehr hohen und extrem hohen Werte für den Druck auf Christen in den einzelnen Lebensbereichen bestätigt. Der Wert für Auftreten von Gewalt ist wie seit vielen Jahren auf dem maximalen Level geblieben. (Nur wenige Länder haben jemals diesen Maximalwert für Gewalt auf dem Weltverfolgungsindex erreicht.) Obwohl es seit dem Anschlag von Quetta im Dezember 2017 keinen so großen Angriff gegen Kirchen oder Versammlungen von Christen mehr gegeben hat, erreicht Pakistan den Maximalwert aufgrund von Tötungen und Angriffen gegen Kirchengebäude weiterhin.

Ein besonders schlimmer Angriff eines Mobs gegen Christen ereignete sich im Juni 2020 in Mozang Nawabad in Punjab. Die berüchtigten Blasphemiegesetze fordern ebenfalls weiterhin ihre Opfer und wer nur mit dem Gedanken spielt, sie zu ändern, riskiert sein Leben.

2. Trends und Entwicklungen

1) Die Regierung wagt es nicht, extremistische Gruppen herauszufordern.

Die Regierung unter der Partei „Pakistan Tehreek-e-Insaf“ (PTI) ging zwar aktiv gegen extremistische und gewalttätige Gruppen vor, die gegen den Freispruch der zuvor wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilten Christin Asia Bibi demonstriert hatten und sie daran hindern wollten, das Land zu verlassen. Die Covid-19-Pandemie hat jedoch erneut verdeutlicht, dass dies eine hochgradig außergewöhnliche Tat war und dass das Standardvorgehen im Umgang mit gewalttätigen religiösen Gruppen, die die Macht haben, Millionen Bürger auf die Straßen zu bringen, eine Beschwichtigungspolitik bleibt. Während die Provinzen bereits eigene Lockdowns angekündigt hatten, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, folgte die Zentralregierung erst verspätet und widerstrebend. Und während auf der ganzen Welt religiöse Versammlungen zeitweise gestoppt und online abgehalten wurden, gab die pakistanische Regierung dem Druck der muslimischen Anführer nach und tat nichts, um religiöse Versammlungen zu unterbinden. So wurden die Maßnahmen gegen die Pandemie fast wirkungslos, insbesondere dadurch, dass selbst Großveranstaltungen mit Teilnehmern im bis zu fünfstelligen Bereich nicht verboten wurden. Religiöse Minderheiten sehen zudem eine Kluft zwischen den Worten von Premierminister Khan und seinen Taten, da er weiterhin extremistische muslimische Geistliche in seiner Privatresidenz empfängt.

2017 kündigte die damalige Regierung an, einen stärkeren Fokus auf die Bekämpfung von Blasphemie in sozialen Medien zu legen. So ist es zu einer größeren Zahl an Verhaftungen von Menschen gekommen, denen vorgeworfen wird, etwa auf Facebook Blasphemie begangen zu haben. Dies scheint den Bemühungen der Regierung entgegenzustehen, die den verheerenden Einfluss der Blasphemiegesetze auf religiöse Minderheiten begrenzen wollte. Imran Khan hat die Blasphemiegesetze jedoch öffentlich verteidigt und damit gezeigt, wohin sich das Land in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Obwohl er Bestimmtheit im Kampf gegen eine spezielle extremistische Gruppe gezeigt hat, gibt es unzählige andere, und selbst ein Verbot würde nur dazu führen, dass sie sich neu organisieren, umbenennen und weitermachen würden.

2) Politische Stabilität bleibt ein Wunschtraum.

Das Land erlebte politische Unruhen, als Premierminister Sharif 2017 abgesetzt wurde, noch stärker aber, als islamisch-extremistische Gruppen und Parteien wie „Tehreek-e-Labbaik Pakistan“ (TLP) Blockaden in den Städten errichteten. Obwohl sie nicht gewählt sind, haben sie einen unverhältnismäßig großen Einfluss in Gesellschaft und Politik. Das zeigte sich erneut besonders im November 2020, als die TLP allein durch die Androhung von Straßenblockaden erreichte, dass die Regierung französische Produkte boykottierte und das Parlament dazu veranlasste, binnen drei Monaten über die Ausweisung des französischen Botschafters zu diskutieren.

Die bereits vorher schwierige Situation für die Regierung von Premierminister Khan wurde durch den Ausbruch der Covid-19-Pandemie nur instabiler.

Einige Dinge scheinen sich jedoch nicht zu ändern: Wie der neueste Etatentwurf zeigte, wird die Armee eine Vergrößerung des Budgets um mehr als 11 % erhalten, was den Gesundheitsetat des Landes weiter schrumpfen lässt, selbst wenn die Beiträge der Provinzen mit eingerechnet werden. Damit wird deutlich, dass die Armee in Pakistan das Sagen hat und die wirkliche Macht im Land nicht bei der Regierung liegt. Die Bezeichnung von Osama bin Laden als „Märtyrer“ durch Premierminister Khan in einer im Fernsehen übertragenen Parlamentssitzung im Juni 2020 kann als weiterer Versuch gewertet werden, islamisch-extremistische Gruppen zu beschwichtigen – zu politischer Stabilität führt es jedoch nicht. Ein Beobachter des Landes beschreibt es so: Auch wenn die ‚Minus-Eins‘-Erzählung (die PTI-Regierung ohne Khan) an Zugkraft gewinnt, sieht die Armee momentan keine Alternativen ohne Khan, und die PTI würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zerbrechen. Gleichzeitig fühlt sich Pakistan durch die wachsende wirtschaftliche Abhängigkeit von China gebunden und versucht, alle negativen Berichte zu unterdrücken, selbst wenn sie Menschenhandel mit den Bürgern des eigenen Landes betreffen. Es bleibt abzuwarten, ob die offenen Anschuldigungen der Opposition gegen die Armee, die sie für die gegenwärtige Krise des Landes verantwortlich gemacht hat, für eine Veränderung sorgen oder ob sie nur ein Versuch bleiben, ein scheinbar unantastbares System herauszufordern. Die Chancen scheinen gegen sie zu stehen, da die Regierung weiterhin von den Sicherheitskräften unterstützt wird.

3) Minderheiten kämpfen um angemessene Vertretung

Neben allen Herausforderungen, die mit der fatalen Sicherheitssituation und der politischen Instabilität zusammenhängen, ringen Christen und andere Minderheiten damit, in Politik und Gesellschaft angemessen vertreten zu sein. Die Tatsache, dass die Statistiken zur Religionszugehörigkeit auch drei Jahre nach der letzten Volkszählung noch nicht veröffentlicht wurden, zeigt, wie sensibel diese Zahlen sind. Sie könnten die religiösen Minderheiten in ihrem Kampf für politische Repräsentation stärken. Diese Zahlen sind sehr politisch und selbst die bisher veröffentlichten wurden aus verschiedenen Gründen von Politikern auf nationaler und provinzieller Ebene, der Opposition und religiösen Gruppen stark angezweifelt. Die Neueinrichtung der Nationalen Kommission für Minderheiten sieht zwar auf den ersten Blick nach einem guten Schritt aus – obwohl es sechs Jahre gedauert hat, bis die Regierung dem Urteil des Obersten Gerichts nachgekommen ist – doch Menschenrechtsorganisationen nennen sie einen „Schwindel“. Was das Parlamentarische Komitee zum Schutz von Minderheiten vor erzwungenen Konversionen, das im November 2019 eingerichtet wurde, gegen dieses allgegenwärtige Problem ausrichten kann, bleibt abzuwarten. Der Vorsitzende dieses Komitees erklärte im Oktober 2020, dass er keine Beweise für erzwungene Konversionen von hinduistischen und christlichen Mädchen finden konnte. Das spiegelt die vorherrschende Einstellung wider, die nicht nur in der Politik, sondern auch in der breiteren Gesellschaft zu finden ist.

Eine weitere Entwicklung muss mit einbezogen werden: Der Anteil von Wählern aus religiösen Minderheiten wächst stärker als der Anteil an muslimischen Wählern. Hindus machen die größte Minderheit aus, am stärksten wächst jedoch der Anteil an Wählern aus der christlichen Gemeinschaft.

Diese Gruppe, die die zweitgrößte Minderheit des Landes darstellt, wuchs im Rahmen der Wahlen 2013 um fast ein Drittel auf 1,64 Millionen an. Auch wenn diese Zahlen nur registrierte Wähler umfassen und in keiner Form zu einer wachsenden politischen Repräsentation führen, sind sie dennoch erstaunlich. Der Weg zu einer angemessenen politischen Repräsentation ist noch immer sehr weit.

3. Religiöse Situation im Land

Muslime machen mehr als 96 % der Bevölkerung Pakistans aus. Der allergrößte Teil von ihnen folgt der sunnitischen Tradition des Islam. Weniger als 10 % sind Schiiten, etwa 0,2 % gehören der Ahmadiyya-Gemeinschaft an. Wie sich diese Prozentzahlen zusammensetzen, wird stark debattiert.

2017 wurde eine Volkszählung durchgeführt, die erste seit 19 Jahren. Auch die Religionszugehörigkeit wurde hier erfasst; die detaillierten Ergebnisse wurden jedoch bislang nicht veröffentlicht. Die Regierung hat lediglich eine allgemeine Zahl von 1,59 % Christen im Land veröffentlicht. Die Frage nach der Religionszugehörigkeit ist sehr sensibel und hochpolitisch. Eine Entscheidung, die direkt mit dem Zensus zusammenhängt, ist, ob und wie stark die politische Repräsentation der religiösen Minderheiten auf nationaler und provinzieller Ebene verstärkt werden sollte. Islamisch-extremistische Gruppen stellen sich gegen jede Änderung der gegenwärtigen Situation, so wie sie sich bisher allen Versuchen gewaltsam entgegengestellt haben, eine offene Diskussion über die berüchtigten Blasphemiegesetze des Landes zu starten.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung, vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Die Gesellschaft Pakistans islamisiert sich zunehmend, und das Land ist Heimat einer Vielzahl islamisch-extremistischer Gruppen. Es ist schwierig, den Überblick über all die verschiedenen islamistischen Gruppen zu behalten, die sich in Größe und Einfluss unterscheiden und sich aufteilen, verbinden und neu auftauchen, wie sie es für erforderlich halten. Tehreek-e-Labbaik (TLP) ist die neueste dieser Gruppen, die in der Öffentlichkeit in Erscheinung getreten ist. Die christliche Gemeinschaft fühlt sich immer stärker gefangen zwischen diesen extremistischen Gruppierungen, der islamischen Kultur der pakistanischen Gesellschaft und einer Regierung, die extremistische Gruppen zu beschwichtigen versucht. Es gibt Politiker, Richter und religiöse Leiter, die eine Änderung der berüchtigten Blasphemiegesetze in Erwägung ziehen oder sich sogar politisch dafür einsetzen. Doch jeder, der solche Versuche startet, wird öffentlich von denen bedroht, die eine extremistische, auf dem Wahhabismus beruhende Ausrichtung haben. Diese identifizieren sich stark mit den Unterstützern des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) und den Taliban und wollen ein Kalifat errichten, in dem „Ungläubige“ gemäß ihrer Ideologie behandelt werden.

Trotz einer stärkeren Bekämpfung einiger Gruppen durch das Militär blühen extremistische Gruppierungen auf und werden von verschiedenen politischen Lagern zu Verbündeten gemacht. Ihre Fähigkeit, Hunderttausende, meist junge Menschen zu mobilisieren und auf die Straße zu bringen, ist ein politisches Werkzeug, mit dem sich politische Ziele kraftvoll durchsetzen lassen. Selbst Versuche, minderjährige Mädchen aus religiösen Minderheiten davor zu beschützen, entführt, zwangskonvertiert und verheiratet zu werden, werden behindert; und oftmals glauben insbesondere die unteren Gerichte einfach den Behauptungen der Entführer über das Alter des Opfers und seinen freien Willen.

Verbotene extremistische Gruppierungen lösen sich nicht einfach in Luft auf. In den meisten Fällen benennen sie sich um, gründen Wohltätigkeitsorganisationen oder beschränken sich auf Onlineaktivitäten. Eine andere Taktik ist, sich für anstehende Wahlen anderen extremistischen Parteien anzuschließen. Diese Gruppierungen umwerben die Bevölkerung mit sozialen Leistungen und versuchen, jungen Menschen die Perspektive zu geben, an der es in Pakistan so sehr fehlt. Der Großteil der Bevölkerung ist jünger als 25 Jahre, fast ein Drittel ist noch nicht 14 Jahre alt. Der Staat sieht sich hier der großen Aufgabe gegenüber, dieser jungen Generation eine Perspektive für die Zukunft aufzuzeigen. Dies gilt umso mehr in der Covid-19-Pandemie, die der Wirtschaft stark zugesetzt hat.

Während die Lebenserwartung mit 67,1 Jahren nicht sehr hoch ist, liegt die Geburtenrate bei 2,62. Auch wenn sich diese Zahlen langsam verändern, zeigen sie riesige soziale Herausforderungen auf. Wenn die Geburtenrate weiterhin so hoch bleibt, wird Pakistan bis etwa 2030 Indonesien als das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt ablösen. Diese gesellschaftlichen Strukturen führen dazu, dass jedes Jahr eine große Anzahl junger Menschen die Schule voller Träume für die Zukunft verlässt. Da das Land jedoch nicht einmal allen gut ausgebildeten jungen Menschen die Hoffnung auf einen Arbeitsplatz bieten kann, sind soziale Unruhen absehbar. Dies spielt wiederum den extremistischen islamischen Gruppen in die Hände, die den Jugendlichen ein Gefühl von Wertschätzung vermitteln, das sie so noch nie hatten.

Pakistan leidet unter der ethnischen Zersplitterung nicht nur der Gesellschaft, sondern auch der Verwaltung des Landes. So werden beispielsweise die Provinz Belutschistan und die Region Sindh traditionell als außerhalb der Reichweite staatlichen Einflusses gesehen. Als Feudalherren herrschende Landbesitzer unterhalten in den ländlichen Regionen von Sindh und Punjab eigene Milizen, Gerichte und Gefängnisse. Korruption ist überall zu finden. All das hat auch Auswirkungen auf die schutzlose christliche Minderheit. Überall im Land werden Christen und andere religiöse Minderheiten als unrein angesehen – vor allem aus religiösen Gründen, aber auch, weil sie nicht zu der herrschenden ethnischen Gruppe gehören. Deshalb ist diese Triebkraft eng verbunden mit der islamischen Unterdrückung.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption zieht sich in Pakistan durch alle Ebenen der Behörden und der Armee. Die Armee ist eng mit der Wirtschaft des Landes verflochten und tritt in vielen Wirtschaftsbereichen als starker Wettbewerber auf. Sie genießt dabei unlautere Vorteile, wie ein populärer Scherz verdeutlicht: „Jedes Land hat eine Armee, aber hier hat eine Armee ein Land.“ Es ist schwer, an detaillierte Daten zu gelangen, doch Schätzungen zufolge verfügt das Militär über ein Vermögen von etwa zehn Milliarden US-Dollar. Dazu gehören etwa fünf Millionen Hektar landwirtschaftliche Fläche. Die Absetzung von Präsident Nawaz Sharif und seine Verurteilung zu zehn Jahren Haft durch eine Entscheidung des Obersten Gerichts aufgrund von Korruption, die durch die Panama-Papiere aufgedeckt wurde, zeigt, dass die Korruption jedoch keinesfalls auf das Militär beschränkt ist. Er ist nun einer der Anführer der Opposition und operiert aus London.

Unter dem organisierten Verbrechen leiden insbesondere auch Christen, da viele von ihnen arm und schutzlos sind. Dies kommt besonders bei Fällen von Blasphemie zum Tragen. Schuldknechtschaft ist eine alte Form der Sklaverei und in einigen Teilen Pakistans weitverbreitet, insbesondere in ländlichen Gegenden. Arbeiter in dieser Lage sind völlig der Willkür des Arbeitgebers ausgeliefert. Da sie wegen horrender Zinsen ihre Schulden nicht zurückzahlen können, gibt es für sie keinen Ausweg. Sie können nicht gerichtlich gegen die Situation vorgehen und bleiben so ohne Schutz oder Hoffnung auf Veränderung. Eine andere Form der organisierten Kriminalität sind Fälle von Landraub, bei denen entweder Kirchen oder (vor allem arme) Christen einfach enteignet und von ihrem Land verjagt werden.

Diktatorische Paranoia

Die Politik in Pakistan hat schon immer aus einer Mischung aus islamischer Unterdrückung und diktatorischer Paranoia bestanden. Jede Regierung musste mit einer Opposition, extremistischen Gruppierungen, einer starken, unabhängigen Armee und Korruptionsvorwürfen kämpfen. In der Folge tut sie alles, was ihr möglich ist, um an der Macht zu bleiben, besonders, da Politik in Pakistan auch Familienpolitik bedeutet: Die Partei PML-N wird von der Familie Sharif geführt (das N im Namen der Partei steht für den ehemaligen Premierminister Nawaz Sharif), die PPP wird von der Familie Bhutto geführt. Als Premierminister Nawaz Sharif im Juli 2018 aufgrund der Korruptionsvorwürfe zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wurde, hatte sein Bruder bereits seinen Platz eingenommen und sich als Kandidat zur Verfügung gestellt. Imran Khan, der Vorsitzende der Pakistan Tehreek-e-Insaf (PTI), der mit keiner der großen Familien verbunden ist, hatte eine Klage gegen den damaligen Premierminister Sharif eingereicht, da durch die zugespielten Panama-Papiere Unregelmäßigkeiten in den privaten finanziellen Angelegenheiten des Premierministers öffentlich wurden. Im Juli 2018 wurde Khan so selbst Premierminister. Er hat immer wieder die Notlagen (religiöser) Minderheiten ignoriert und bestimmte extremistische Gruppen umgarnt.

Ein weiterer wichtiger Verfolger ist die Armee, die alles tun wird, um ihre Macht über die Politik und ihren wirtschaftlichen Einfluss zu bewahren. Auch sie hat sich über die Jahre islamisiert, auch wenn nicht klar ist, wie viel davon Teil einer wohlkalkulierten Strategie ist. In jedem Fall können Christen als Minderheit in Pakistan keinen Schutz erwarten – im Gegenteil: Hilft es dabei, politische Ziele zu erreichen, werden Angriffe auf sie gerechtfertigt und straffrei bleiben.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung, vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Regierungsbeamte: In Pakistan ist die Situation von Recht und Gesetz auf der lokalen wie nationalen Ebene schlecht, besonders was Christen betrifft. Oft werden leere und falsche Versprechungen gemacht, und gerade Christen fühlen sich verwundbar. Der Freispruch von Asia Bibi durch den Obersten Gerichtshof trotz Drucks vonseiten islamisch-extremistischer Gruppen wurde als Hoffnungsschimmer gesehen. Doch bedauerlicherweise hat sich die Anzahl von Blasphemie-Fällen nicht verringert. Gerichte erster Instanz erlauben zudem regelmäßig erzwungene Konversionen und Zwangsverheiratungen von minderjährigen Mädchen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen und revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: In Pakistan gewinnen mehrere islamisch-extremistische Gruppierungen unter verschiedenen, teilweise immer wieder neuen Namen an Einfluss und wachsen, da sie von politischen Parteien, dem Militär und der Regierung umworben werden. Einige gründen sogar ihre eigenen Parteien. Die Armee folgt weiterhin einer Politik, bei der sie zwischen „guten“ und „bösen“ Taliban unterscheidet. Diese Strategie wurde von der Regierung übernommen. Solange sich dies nicht ändert, werden islamisch-extremistische Gruppen ihren Einfluss ausweiten, nicht zuletzt indem sie Tausende von Islamschulen betreiben (bei denen der Staat nicht genau weiß, was sie lehren und wie sie finanziert werden). Zunehmend werden quasi-behördliche „Beratungsgremien“ für den Staat komplett mit religiösen (islamischen) Gelehrten besetzt, die so die Regierung und die Gesetzgebung beeinflussen und lenken können.
  • Politische Parteien und ideologische Interessengruppen: Ideologische Interessengruppen, die häufig Verbindungen zu politischen Parteien und islamischen Gruppen besitzen, üben enormen Druck aus und genießen einen weiterhin wachsenden Einfluss. Viele Interessengruppen wurden organisiert und entwickelt, um die Ehre des Islam zu schützen und zu unterstützen. Sie sehen sich selbst als „Beschützer des Glaubens“ – wie auch viele politische Parteien – und sind deswegen bereit, all ihre Energie aufzubringen, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sie als Bedrohung ansehen. Dazu gehören auch die Kirche, säkulare Kräfte und alle Personen oder Organisationen, die Veränderung in der Gesellschaft bewirken wollen oder besseren Schutz für Minderheiten fordern.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen mit muslimischem Hintergrund sind von vielen Seiten Feindseligkeiten ausgesetzt; die größte Gefahr für sie kommt jedoch von ihren eigenen Familien, da der Abfall vom Islam als eine große Schande für Familie und Umfeld angesehen wird. Manchmal ist selbst die Flucht in ein anderes Land nicht Schutz genug für sie.
  • Gewöhnliche Bürger: Islamisch-extremistische Gruppen sind in der Lage, Bürger überall im Land zu mobilisieren, insbesondere die Jugend. Sie ermutigen sie, gegen die Entscheidungen der Regierung zu demonstrieren, und stacheln sie dazu an, gegen religiöse Minderheiten, Christen einbegriffen, aktiv zu werden.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz sind normalerweise mit der religiösen Identität verknüpft, doch Ethnizität kann auch eine Rolle spielen. Obwohl die meisten Christen und Muslime in Pakistan aus den gleichen Ethnien stammen, sehen viele islamische, ethnische Anführer und ihre Unterstützer Christen als „unrein“ und „fremd“ an.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Als kleine und schwache Gruppe in der Gesellschaft leiden Christen doppelt unter organisiertem Verbrechen und Korruption. Tausende Christen leben weiterhin in Schuldknechtschaft und sind Ausbeutung ausgesetzt. Sie haben keine Perspektive, dass dies jemals ein Ende finden könnte. Viele Christen sind anfällig für Ausbeutung, da sie arm sind, und Schuldknechtschaft ist ein Schicksal, das ihren Dienstherren großen Gewinn beschert. Reiche Großgrundbesitzer arbeiten mit Politikern und lokalen Würdenträgern zusammen, sowohl aus religiösen als auch aus politischen Kreisen. Diese profitieren so stark von diesem System. Regierungsbeamte werden außerdem zu Verfolgern im Rahmen dieser Triebkraft, indem sie Landraub unterstützen und vorbehaltlos genehmigen.
  • Revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Organisierte Kriminalität ist häufig direkt mit militanten islamischen Gruppen verbunden und beeinflusst Wahlen sowie politische Prozesse in Pakistan und hat auch Auswirkungen auf das Leben von Christen. Das Haqqani-Netzwerk, der IS, Tehrik-i-Taliban Pakistan, Jamaatul Ahrar (TTP-JA), Lashkar-e-Jhangvi, Lashkar-e-Taiba (LeT), Jaish-e-Mohammed (JeM) und Al Kaida sind (neben anderen) in diesem Kontext zu erwähnen. Das örtliche organisierte Verbrechen stellt ein großes Problem in den urbanen und Stammesgebieten Pakistans dar. In Karachi sind Gangs, Erpresser und die Mafia aktiv. Diese Organisationen haben zudem ihre politischen Verbindungen und damit auch politische Unterstützung. Massive Korruption, besonders im Rahmen von Patron-Klient-Beziehungen, ist in Pakistan weitverbreitet und durchdringt nahezu jedes Segment der Gesellschaft, inklusive der Polizei, den Gerichten und der Politik.
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Pakistan hat eine lange Geschichte der Korruption; sie wird teilweise durch die Armee befeuert, hat aber auch mehrere andere Akteure. Kirchen werden nicht nur für politischen Nutzen angegriffen und unter Druck gesetzt, sondern auch aus finanziellen Motiven. Besonders historische Kirchen besitzen Eigentum in strategischen Gebieten wie Stadtzentren, was sie anfällig für Angriffe macht, die Immobilienentwickler mit Hilfe von kriminellen Banden durchführen. Zudem hat die fortgesetzte Zerstörung von Kircheneigentum den Effekt, dass Kirchen gezwungen sind, Eigentum zu verkaufen, um Reparaturausgaben zu bezahlen. Kriminelle Kartelle zählen auch aufgrund von Menschenhandel zu Verfolgern, beispielsweise, wenn sie christliche Mädchen und junge Frauen nach China verkaufen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter, politische Parteien und normale Bürger: Wie bereits geschildert, leidet Pakistan an einem eng geknüpften Netz der Korruption, in denen sich die Profiteure gegenseitig helfen, während die Schwachen den Preis dafür zahlen. Die Schwächsten sind normale Bürger, besonders Christen, weil sie doppelt verwundbar sind.
  • Internationale Organisationen und Botschaften: Im Jahr 2017 berief der damalige Innenminister Chaudhry Nisar Ali Khan ein Treffen der Botschafter islamischer Staaten in Islamabad ein, um das Thema von Blasphemie in sozialen Medien als vereinigte Umma (Gemeinschaft der Muslime) zu diskutieren und anzugehen. Außerdem ist Pakistan das einzige islamische Land, das Atomenergie besitzt. Deswegen sind andere islamische Nationen bemüht, gute Beziehungen zu den Anführern des Landes aufrechtzuerhalten. Die Islamisierung Pakistans geschah tatsächlich genauso durch externen Einfluss wie durch internen Wunsch. Das erklärt auch, warum die Regierung versucht, sich mit Saudi-Arabien und der Türkei zu verbünden, die miteinander im Widerstreit stehen, aber gerne mit Pakistan zusammenarbeiten wollen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte und politische Parteien: Wie bereits zuvor erwähnt, war die Politik in Pakistan lange eine Familienangelegenheit, ein Trend, der erst vor Kurzem gebrochen wurde. Dennoch gilt: Wer in Pakistan an der Macht ist, versucht, an ihr festzuhalten und tut alles Nötige, um genügend Unterstützung dafür zu bekommen. Ein politischer Akteur in dieser Angelegenheit, der jedoch selten offen agiert, ist die Armee. Die Art, mit der die Armee bestimmte islamisch-extremistische Gruppen umwirbt, um sie als Werkzeug zu benutzen, führt dazu, dass auch Christen zu Zielen dieser Gruppen werden. Obwohl Angriffe auf Christen nicht Teil der Politik der Armee sind, wird dies als notwendiger Kollateralschaden gesehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen und revolutionäre oder paramilitärische Gruppen: Solange religiöse Leiter und Gruppen durch die Regierung, politische Parteien und die Armee hofiert werden, unterstützen sie sie in ihrem Kampf, an der Macht zu bleiben. Wenn sie es als notwendig erachten, gegen die christliche Minderheit vorzugehen – oder sie weiterhin zu diskriminieren – dann werden sie es tun. Christen werden schnell zu Sündenböcken gemacht oder einfach als Druckmittel im politischen System genutzt.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Während es in Pakistan viele politische Brennpunkte gibt, sind die besonderen Brennpunkte der Verfolgung von Christen nicht ganz so offensichtlich. Da die mit Abstand meisten Christen in der Provinz Punjab leben, geschehen viele Vorfälle von Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz dort. Daneben ist aber auch die Provinz Sindh berüchtigt dafür, ein Brennpunkt der Schuldknechtschaft zu sein, die ebenfalls viele Christen betrifft.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden nicht in Isolation gezwungen, aber sie können nicht im ganzen Land Kirchen besuchen, sondern nur in Städten. Sie sind hohem Druck ausgesetzt, aber es gibt nur sehr wenige ausländische Christen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele dieser Kategorie sind die römisch-katholische und die anglikanische Kirche. Als die am stärksten sichtbaren Kirchen, erleben sie zunehmend Anfeindungen. Es wird schwieriger für sie, Genehmigungen für bestimmte Versammlungen zu erhalten. Sie müssen sich mit einer starken Kontrolle und Überwachung auseinandersetzen.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung. Diese geht sowohl von extremistischen islamischen Gruppierungen aus (von denen diese Christen als Verräter angesehen werden) als auch von Familien, Freunden und Nachbarn, die eine Abwendung vom Islam als Schande für die Familie und das Umfeld betrachten. Es gibt auch eine kleine Gemeinschaft von Christen mit hinduistischem Hintergrund.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden werden stärker überwacht und oft drangsaliert und angegriffen, insbesondere, wenn sie aktiv versuchen, Muslime mit dem Evangelium zu erreichen. Der Großteil ihres Wachstums kommt jedoch von Christen, die aus einer traditionellen Kirche in ihre Gemeinden wechseln.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.9
Familienleben 14.2
Gesellschaftliches Leben 15.1
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 13.5
Auftreten von Gewalt 16.7

Grafik: Verfolgungsmuster Pakistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Insgesamt ist der Druck auf Christen in Pakistan auf einem extrem hohen Niveau. Der durchschnittliche Wert ist mit 14,3 Punkten gleich wie im Vorjahr geblieben.
  • Im Bereich Leben im Staat ist der Druck gleich geblieben (auf extrem hohem Niveau), im Bereich des kirchlichen Lebens hat er sich sehr schwach verringert und ist auf sehr hohem Niveau. Dies spiegelt unter anderem wider, dass Christen weiterhin stark unter den Blasphemiegesetzen und der stärker werdenden Kontrolle von Kirchen und Versammlungen leiden. Der Druck bleibt in den Bereichen Privatleben, Familienleben und im gesellschaftlichen Leben auf einem extrem hohen Wert. Den stärksten Druck erfahren Christen muslimischer Herkunft. Christen werden jedoch generell als Bürger zweiter Klasse und als „unrein“ betrachtet. Sie sind Angriffen ausgesetzt und ihre Rechte werden regelmäßig ignoriert. Die Blasphemiegesetze und die islamistischen Gruppen, die sie „verteidigen“, bleiben eine große Bedrohung für alle Christen. Das wird durch die Covid-19-Pandemie verschärft, die die Anstrengungen der Regierung verstärkt, die Kontrolle zu behalten.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt gegen Christen erreichte erneut das Maximum von 16,7. Dies ist seit dem Weltverfolgungsindex 2016 nun durchgehend der Fall gewesen. Obwohl keine größeren Angriffe Schlagzeilen gemacht haben, gab es im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 Morde an Christen, einen größeren Angriff auf eine christliche Gemeinschaft in Punjab und die anhaltenden Entführungen von Frauen und Mädchen, Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen, Zwangsräumungen und Vertreibungen im In- und ins Ausland.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Viele Christen vermeiden es, mit Muslimen über ihren Glauben zu sprechen, da es gefährliche Konsequenzen haben kann. Während dies besonders für Konvertiten gilt, ist es durchaus auch für andere Christen relevant, besonders im Angesicht der Blasphemiegesetze. Jegliche solcher Diskussionen können religiös motivierte Angriffe gegen sie, ihre Gemeinschaften und ihre Kirchen nach sich ziehen.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Es wird dann gefährlich, wenn das Geschriebene als Angriff auf oder Infragestellung der etablierten Lehren und Werte des Islam gesehen wird. Alle persönlichen Statements – zum Beispiel auf Facebook – können in Fällen der Anklage der Blasphemie benutzt (oder missbraucht) werden. Internet und soziale Medien werden sowohl von staatlichen als auch nichtstaatlichen Beobachtern überwacht. Deshalb erlegen sich viele Christen eine Art Selbstzensur auf und vermeiden es, ihren Glauben zu bekunden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Ein christliches Symbol zu zeigen, ist ein visueller Auslöser und kann ein Ausgangspunkt für alltägliche Diskriminierung sein, die Christen erfahren. Diese kann wiederum zu Gewalt führen. Selbst einen christlichen Namen zu haben, kann dafür ausreichen. Er kann verhindern, dass ein Christ in eine mehrheitlich muslimische Nachbarschaft ziehen oder ein Geschäft eröffnen kann. Zudem erfahren Christen oft die Beschädigung ihres persönlichen Eigentums, wenn sie christliche Symbole, beispielsweise auf ihren Autos, zeigen. Berichte, nach denen Christen auf der Straße, im Verkehr oder auf der Arbeit angespuckt oder aggressiv beleidigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen, sind Zeichen dafür, dass die Situation schwieriger wird.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Während ausländische Christen nahezu jedes Material besitzen können, das sie wollen, ist es für pakistanische Christen gefährlich, Material zu besitzen, das über ihren persönlichen Gebrauch hinausgeht, da dieses als Werkzeug angesehen werden kann, den christlichen Glauben gegenüber Muslimen zu bewerben und sie mit dem Evangelium erreichen zu wollen. Bücher, besonders mit apologetischem Inhalt, können als staats- und islamfeindlich deklariert werden, und der Besitz dieser Literatur kann bestraft werden. Für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr riskant, den Besitz christlichen Materials offen zu zeigen.

Familienleben

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In kleinen Dörfern und abgelegenen Orten werden christliche Familien dazu gezwungen, ihre Kinder zum islamischen Unterricht in eine lokale Medresse zu schicken. Der christliche Unterricht dagegen ist auf den Sonntagsgottesdienst ein Mal pro Woche beschränkt. Die meisten Kinder werden bereits früh dazu gedrängt, zum Islam „zurückzukehren“, weswegen die meisten Eltern ihre Kinder dazu erziehen, mit nichtchristlichen Kindern nicht über ihren Glauben zu reden. Christliche Kinder werden in der Schule zur Teilnahme an islamischen Riten und Festen gezwungen. Zudem werden sie beständig dazu aufgefordert, Muslime zu werden. Die Eltern werden oft besucht und dazu angehalten, ihre Kinder zu islamischen Veranstaltungen zu schicken und sie Arabisch lernen zu lassen. Dies wird unter dem Vorwand vorgeschlagen, dass sich dadurch ihre Noten bessern würden. Das verunsichert die Kinder und erhöht die Gefahr einer „unfreiwilligen“ Konversion. Ein detaillierter Bericht darüber, was Kinder und Jugendliche religiöser Minderheiten erleben, wurde durch die pakistanische Menschenrechtskommission im März 2019 veröffentlicht. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 hat die Regierung es zur Pflicht für Schulen gemacht, mehr Scharia-Unterricht in den Lehrplan einzuarbeiten.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

In der Schule ist es christlichen Kindern oft nicht gestattet, dieselben Wasserspender wie die anderen Kinder zu nutzen, weil sie diese angeblich verunreinigen würden. Mobbing ist an der Tagesordnung. Viele christliche Kinder müssen die Toiletten säubern oder die Böden wischen, da Christen weithin als Straßenkehrer wahrgenommen werden. Einige Schulbücher verstärken den Hass auf Christen. Selbst in einigen christlichen Einrichtungen wollen manche nichtchristliche Schüler keine Gemeinschaft mit Christen haben oder mit ihnen essen. Diese Einstellung ist nicht immer rein religiös begründet, sondern hat oft mit einem Kastendenken zu tun, da die Mehrheit der Christen aus einer niedrigen Kaste oder sogar den ehemals „Unberührbaren“ stammen. Wie der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2019 festhält:

„Angehörige der religiösen Minderheiten gaben an, dass öffentliche Schulen muslimischen Schülern Bonuspunkte für das Auswendiglernen des Koran gaben, es aber keine analoge Möglichkeit zur Erlangung von Bonuspunkten für Schüler der religiösen Minderheiten gegeben habe. “

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Generell gibt es in Pakistan keine formelle Adoption. Es gibt kein Gesetz, dass die Adoption regelt, die einzig legale Form ist, jemandes Vormund zu werden, was nicht im eigentlichen Sinne einer Adoption entspricht. Wenn ein Paar ein Kind inoffiziell adoptiert, wird erwartet, dass das Kind der Religion seiner eigentlichen Eltern folgt. Wenn diese unbekannt ist, gilt der Islam als Standard. Christen können Vormund werden, indem sie eine christliche Adoptionseinrichtung nutzen. Diese Einrichtungen werden überwacht, um sicherzustellen, dass sie keine Kinder nichtchristlichen Hintergrunds vermitteln. Die Adoption von christlichen Kindern durch Nichtchristen ist immer noch die Ausnahme, aber sie kommt vor.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Nicht zuletzt wegen des anhaltenden Drucks durch die Gesellschaft und der Situation, in der sich christliche Kinder selbst in der Schule wiederfinden, ist es schwer, Kinder gemäß dem christlichen Glauben zu erziehen und dem ausgeübten Druck zu widerstehen. Aus Angst vor Blasphemieanklagen gehen Eltern sogar so weit, ihren Kindern beizubringen, komplett über ihren Glauben zu schweigen. Trotz dieses Drucks finden viele christliche Eltern mit Hilfe der Kirche und in einem bestimmten Rahmen Wege, ihre Kinder gemäß ihrem Glauben zu erziehen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen werden durch die Regierung und zunehmend auch durch nichtstaatliche Akteure überwacht. Da die Überwachung allgegenwärtig und institutionalisiert ist, informieren Christen die staatlichen Behörden (beispielsweise die Polizei) regelmäßig über ihre Versammlungen, um so Angriffen vorzubeugen. Dies ist ein zweischneidiges Schwert: Es sorgt für Schutz, erhöht aber auch die Überwachung. Es kann Christen zudem anfällig dafür machen, Bestechungsgeld zahlen zu müssen, da davon ausgegangen wird, dass sie Verbindungen in den Westen haben.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Islamistische Gruppierungen haben die Notverpflegung mit Lebensmitteln in der Covid-19-Pandemie dazu genutzt, Christen dazu zu bringen, zum Islam zu konvertieren. Christen, die das islamische Glaubensbekenntnis rezitierten, bekamen Lebensmittel ausgehändigt. Viele junge Christen taten dies. Andere weigerten sich und verhungerten oder begingen Suizid. Videos dieser Konversionen wurden benutzt, um andere Christen zu überzeugen, sich anzuschließen. Vor der Pandemie berichteten selbst Ausländer, dass sie vom lokalen „panchayyat“ (Dorfrat) einbestellt wurden, um zu erklären, warum sie an Jesus Christus glauben, und unter Druck gesetzt wurden, den Islam anzunehmen. Dies gilt umso mehr für pakistanische Christen und Christen muslimischer Herkunft.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Christen werden als unrein betrachtet und deshalb wird die gemeinsame Nutzung etwa von Wasserstellen als Verunreinigung der Muslime gewertet. Dies ist ein Erbe des Kastensystems, das viele Christen in Pakistan weiterhin heimsucht. Christen werden zudem auf viele andere Arten und Weisen diskriminiert. Ein extremes Beispiel ist der Mord an einem Christen durch seinen (zukünftigen) Nachbarn, weil er ein Haus in einer muslimisch geprägten Gegend gekauft hatte. Die Einstellung, die dahintersteht, ist jedoch viel häufiger zu finden und drückt sich in unzähligen diskriminierenden Taten im Alltag aus.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

An Arbeitsplätzen ist der Druck auf die christliche Minderheit oftmals so groß, dass viele Christen sich immer wieder dazu gezwungen sehen, ihre Arbeit zu wechseln, um sich einer erzwungenen Konversion zum Islam zu entziehen. Christen werden regelmäßig dazu gezwungen, Hilfsarbeiten wie Fegen oder Wassertragen zu verrichten. Aber selbst der Zugang zu diesen Jobs wird laut neuer Berichte für Christen immer schwieriger, da Reinigungsfirmen zunehmend nur Muslime einstellen. Die Mehrheit der Christen in Pakistan arbeitet als Tagelöhner und verdient weniger als einen Dollar am Tag. In einer Wirtschaft, die von der Pandemie geprägt ist, stehen sie fast unüberwindbaren Schwierigkeiten gegenüber, finanziell zurechtzukommen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Islamische Republik Pakistan nahm 1973 eine islamische Verfassung und die Scharia, das islamische Recht, als bürgerliches Gesetz an – obwohl Artikel 20 Religions- und Glaubensfreiheit garantiert. Der aktuelle Premierminister, Imran Khan, sagte, dass die Regierungsform zu Zeiten Mohammeds als das perfekte Regierungssystem für Pakistan gesehen werden sollte. Ein anderes Beispiel, wie die Menschenrechte eingeschränkt werden, findet sich in Artikel 19 zur Redefreiheit. Dieses Recht kann im „Interesse des Ruhmes des Islam“ eingeschränkt werden, was Raum für subjektive Interpretation lässt.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Diskriminierungen und Herausforderungen für Christen existieren auf jeder Ebene der Regierung und selbst in säkularen Umgebungen. Dies gilt ebenso für die Armee, das Rechtssystem und Verwaltungsdienstleistungen, obwohl Christen hier weiterhin ebenfalls dienen.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Christen legen sich ein hohes Maß an Selbstzensur auf oder ziehen sich aus dem öffentlichen Raum zurück. Christliche Ansichten werden gemeinhin ignoriert, da sie als der islamischen Lehre und als den islamischen Werten widersprechend oder zumindest hinterfragend und somit als inakzeptabel gesehen werden. Zwar gibt es immer noch Menschen, die die Stimme erheben, aber das Beispiel der Nationalen Kommission zu Minderheiten und die Unterrepräsentation von Minderheiten in der Politik sind klare Zeichen, wie wenig ihre Meinung geachtet wird. Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums 2019 hält fest: „Laut mehreren Menschenrechtsaktivisten zeigt sich die Tatenlosigkeit besonders darin, dass noch immer keine bevollmächtigte Nationale Kommission für Minderheiten etabliert wurde. Beamte des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten und interreligiöse Harmonie und des Ministeriums für Menschenrechte hatten sich dazu bekannt, eine solche Kommission einzurichten, wie vom Obersten Gericht angeordnet. Einige bürgerrechtliche Gruppen schreiben den fehlenden Fortschritt einem Glauben im Ministerium für religiöse Angelegenheiten und interreligiöse Harmonie zu, dass eine solche Kommission nicht nötig sei, da es eine eigene Kommission für interreligiöse Harmonie besitzt.“ Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 wurde die Kommission nach einer Verzögerung von sechs Jahren im Mai 2020 endlich eingesetzt. Ihr gehören auch drei Mitglieder der christlichen Minderheit an. Ihre Aufgaben und ihr Einfluss sind jedoch unklar und ihr vielleicht wichtigstes Feld – junge Mädchen aus religiösen Minderheiten vor Entführungen und Zwangsverheiratungen und Zwangskonversionen zu schützen – wird von vielen Politikern als nicht notwendig angesehen (etwa ein Senator). Allgemein betrachtet wurden Christen daran gehindert, ihre Meinung zu äußern, und wenn sie sie äußern, wird sie zumeist ignoriert.

Wurden Christen der Blasphemie oder der Beleidigung der Mehrheitsreligion beschuldigt, entweder von staatlichen Behörden oder von Interessengruppen?

Die jüngere Entwicklung der Islamisierung der Gesellschaft begann in den 1980er-Jahren, als General Zia 1986 die berüchtigten Blasphemiegesetze einführte. Schnell wurden diese Gesetze zur schlimmsten Bedrohung für die christliche Minderheit. Einem Pressebericht von 2010 zufolge waren zu diesem Zeitpunkt 801 der 1.031 wegen Blasphemie inhaftierten Personen Muslime (der Großteil dürfte zu muslimischen Minderheiten gehören). Von den weiteren 230 Inhaftierten waren 162 Christen (70,4 %), 15 Sikhs (6,5 %), 28 Buddhisten (12,2 %) und 25 Anhänger anderer Religionen. Somit waren 15,7 % der wegen Blasphemie inhaftierten Personen Christen, obwohl Christen nur etwa 2 % der Bevölkerung ausmachen. Die Blasphemiegesetze sind dafür bekannt, missbraucht zu werden, um persönliche Streitigkeiten auszutragen, sich zu bereichern oder dem Nachbarn etwas heimzuzahlen. Die Fälle von Asif Pervaiz und David Masih im Jahr 2020 zeigen, dass die Anschuldigungen und Verurteilungen für angebliche Blasphemie weitergehen. Laut einem Anwalt im Land sind derzeit 25 Christen in 22 Blasphemiefällen beschuldigt, die sich an verschiedenen Punkten im gerichtlichen Prozess befinden. Mitunter gibt es auch Freisprüche, wie im Fall von Sawan Masih. Dieser ereignete sich jedoch erst nach Ende des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2021.

Kirchliches Leben

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen muslimischer Herkunft zu integrieren?

Da der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben so stark abgelehnt und von Familie, Gesellschaft, Regierung und extremistischen Gruppen bekämpft wird, wäre es höchst gefährlich für eine Kirchengemeinde, Christen muslimischer Herkunft auch nur auf ihrem Gelände zu dulden. Wenn ein Christ muslimischer Herkunft an einem Gottesdienst teilnehmen will, muss dies geschehen, ohne dass jemand weiß, dass er oder sie ein Konvertit ist – selbst in der Kirche. Eine weitere Veranschaulichung dieser strengen Sicht ist die Tatsache, dass die „National database registration authority“ (NADRA) keine Möglichkeit bietet, seine religiöse Zugehörigkeit von „Muslim“ zu einer anderen Religion oder keiner Religion zu ändern.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Sowohl die Regierung als auch islamisch-extremistische Gruppen überwachen die Lehren der Kirchen auf Inhalte, die als gegen die Regierung oder gegen den Islam wahrgenommen werden. Ein Mittel der Überwachung ist die Bereitstellung von Wachpersonal für Kirchengebäude. Während sie tatsächlich als Wachpersonal arbeiten, sind sie parallel damit beschäftigt, zu lauschen, zu überwachen und zu berichten. Kirchen überprüfen alle Materialien auf Inhalte, die als gotteslästerlich wahrgenommen werden könnten. Viele Kirchen sind dazu gezwungen, Bücher und andere Literatur nur intern weiterzugeben. Bibeln werden von Kirchen nicht an die Öffentlichkeit weitergegeben. Die Regierung von Punjab verabschiedete im Juli 2020 ein Gesetz, das festlegt, dass alle lokalen, nationalen und internationalen Publikationen überwacht werden und religiöse Bücher und Literatur einfacher verboten werden können.

Sind Pastoren, christliche Leiter oder deren Familienmitglieder wegen ihres Glaubens in besonderem Maß zum Ziel von Schikanen geworden?

Kirchenleiter sind die ersten Ziele für Schikane, da sie die sichtbarsten Vertreter der verhassten christlichen Minderheit sind. Dies bedeutet nicht, dass alle angegriffen werden, aber es meint, dass die Verfolger sehr wohl wahrnehmen, dass es der Kirche schadet, wenn einem Leiter Schaden zugefügt wird. Viele Pastoren und Jugendmitarbeiter wurden gewarnt, dass ihre Aktivitäten von Behörden und Gruppen aus der Nachbarschaft überwacht werden. Sie werden außerdem deshalb zum Ziel, weil sie für Christen die Hoffnung auf Veränderung repräsentieren und oft darin involviert sind, Konflikte mit nichtchristlichen religiösen Leitern zu schlichten, finanzielle Auseinandersetzungen zu beenden, Nothilfe zu leisten und durch pastorale und Gesundheitsfürsorge zu dienen.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Sich für die unterdrückten Minderheiten einzusetzen, ist sehr gefährlich, da es dem Narrativ der Regierung entgegensteht, nach dem sie allen Bürgern Sicherheit und Gerechtigkeit bringt. Es fordert zudem die offene Ungerechtigkeit, Korruption und Angriffe auf wehrlose Christen heraus, die straffrei vonstattengehen können. Ein solches Einsetzen für Christen irritiert nicht nur die Regierung, es verärgert auch Verfolger in der Gesellschaft. Viele christliche Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten wurden zum Schweigen gebracht, andere mussten aus dem Land fliehen und einige sind einfach verschwunden.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Die meisten Kirchen wagen es nicht, Aktivitäten außerhalb ihres sicheren Geländes zu organisieren. Diese werden fast immer als Evangelisation wahrgenommen. Eine Genehmigung für irgendeine Veranstaltung außerhalb des Kirchengebäudes zu erhalten, ist sehr schwierig und mit einem langwierigen Prozess verbunden. Aktivitäten von Kirchen werden regelmäßig überwacht. Die Behörden stellen zwar Sicherheitsleute für viele Kirchen ab, diese jedoch beobachten auch genau, was in den Gemeinden geschieht und berichten den Behörden regelmäßig. Es besteht der Verdacht, dass solche Aufklärungsberichte an islamisch-extremistische Organisationen und Kämpfer weitergegeben werden. Es gab in der Vergangenheit Berichte, dass das Sicherheitspersonal gewalttätig wurde und lokale Kirchenleiter angriff.

Christliche Kirchen gleichen inzwischen Festungen mit hohen Mauern und schmalen Toren. Obwohl die Regierung den Schutz von Kirchen versprochen hat, gab es in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe auf Kirchen mit Dutzenden von Opfern. Der letzte größere Selbstmordanschlag war nun jedoch bereits 2017.

Auftreten von Gewalt

Seit dem Weltverfolgungsindex 2016 hat Pakistan jedes Jahr die Maximalpunktzahl für das Auftreten von Gewalt gegen Christen erreicht. Das mag überraschend wirken, da es seit 2017 keine größeren Anschläge auf Kirchen gab, doch in jedem Berichtszeitraum seitdem gab es sogar mehr Vorfälle als für die Maximalpunktzahl gereicht hätten.

  • Getötete Christen: Über den Mord an Nadeem Joseph, der getötet wurde, weil er ein Haus in einer muslimisch dominierten Nachbarschaft gekauft hatte, wurde weithin berichtet. Es gab jedoch noch mehrere weitere Christen, die getötet wurden. Die Covid-19-Pandemie hat ein viel breiteres Muster mit sich gebracht. Ein Experte für das Land beschreibt es so:
    Dieses Jahr war es sehr schwer, die Zahlen zu erhalten. Darin sind noch nicht die acht Familien enthalten, die laut Berichten Suizid begangen haben, weil sie bei den Lebensmittelverteilungen auf dem Gipfel der Covid-19-Pandemie, als viele Menschen hungerten, ausgeschlossen wurden. Diese Familien kündigten an, dass ihr Suizid den Grund hatte, dass sie von den Verteilungen ausgeschlossen wurden. Auch die schätzungsweise 120 Vorfälle, bei denen Christen auf dem Weg zu Quarantäne-Zentren getötet wurden, weil die Zentren unzureichend ausgestattet waren und Christen als „entbehrlich“ und „Last“ angesehen wurden, sind noch nicht eingeschlossen. In den Zahlen sind auch die mehr als 200 Vorfälle nicht enthalten, bei denen laut den Berichten christliche Krankenschwestern Covid-19-Patienten zugewiesen wurden, sich bei ihnen ansteckten und an den Folgen starben. Eine Krankenschwester berichtet: „Christliche Schwestern werden den ‚Todesstationen‘ zugeteilt, wie wir sie nennen. Wir sind entbehrlich.“
  • Angriffe auf Christen: Offenkundiges Auftreten von Gewalt überdeckt die alltägliche Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen, die häufig entführt, vergewaltigt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen werden. Beispielhaft sollen die Namen von Huma Younus und Maira Shahbaz genannt werden. Nach dem Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2021 kam Arzoo Raja dazu.
  • Verhaftungen von Christen: Christen werden häufiger verhaftet und verurteilt als freigesprochen. Nicht immer geht es dabei um Blasphemievorwürfe, aber die Beispiele im Bereich Leben im Staat zeichnen ein klares Bild.
  • Angriffe auf Kirchen: Angriffe auf Kirchen finden mit erschreckender Häufigkeit statt, auch wenn die Gebäude dabei nicht immer zerstört werden oder geschlossen werden müssen. Dennoch berichten viele Pastoren von häufiger Brandstiftung, zerbrochenen Fenstern, zerstörter Einrichtung und kleineren Schikanen wie der Abschaltung von Strom oder Wasser für Kirchen. Obwohl es keine großen (Bomben-)Anschläge gegen Kirchengebäude gegeben hat, kommt es regelmäßig zu kleineren „Alltagsangriffen“ gegen Kirchen und Friedhöfe.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Wird ein Christ der Blasphemie angeklagt, wird häufig sein Zuhause attackiert, sodass die Familie sich verstecken muss. Am 7. Juni 2020 gab es einen Angriff auf das christliche Dorf Mozang Nawabad, bei dem das gesamte Dorf zerstört wurde und mehr als 100 Christen obdachlos wurden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2019 verlautet:

  • „Die Verfassung legt den Islam als Staatsreligion fest und verlangt, dass alle rechtlichen Bestimmungen mit dem Islam übereinstimmen müssen. Die Verfassung bestimmt: ‚Vorbehaltlich des Gesetzes, der öffentlichen Ordnung und der Sittlichkeit hat jeder Bürger das Recht, seine Religion zu bekennen, auszuüben und zu verbreiten.‘ Sie besagt auch: ‚Wer den Qadiani oder den Lahori angehört (die sich selbst Ahmadiyya nennen), ist kein Muslim.‘ Anführer der Ahmadiyya-Muslime gaben weiterhin an, dass sie von diskriminierenden und mehrdeutigen Gesetzen und Gerichtsurteilen betroffen seien, die ihnen grundlegende Rechte verweigerten, darunter ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von Islamabad aus dem Jahr 2018, das einige Regierungsbehörden nutzten, um Ahmadiyya-Muslimen nationale Ausweise zu verweigern. Über das Jahr benutzten einige Regierungsbeamte und Politiker gegen Ahmadiyya gerichtete Rhetorik und besuchten Veranstaltungen, die laut Ahmadiyya-Muslimen Gewalt gegen ihre Gemeinschaft entfachten.“
  • „Bewaffnete sektenartige Gruppen, die mit Organisationen in Verbindung stehen, die von der Regierung als extremistisch verboten sind, und die Religion zu ihren eigenen Zwecken nutzen, sowie Gruppen, die von den Vereinigten Staaten und anderen Regierungen als terroristische Organisationen bezeichnet werden, führten weiterhin Angriffe gegen schiitische Muslime durch, darunter auch gegen die überwiegend schiitische Hazara-Gemeinschaft. Laut dem South Asia Terrorism Portal (SATP) ging jedoch die Zahl der religiös motivierten Angriffe und Tötungen durch bewaffnete Gruppen im Vergleich zu den Vorjahren zurück, was mit einem anhaltenden allgemeinen Rückgang der Terroranschläge korrespondiert. Am 12. April starben bei einem Bombenanschlag in Quetta, Belutschistan, bei dem schiitische Hazaras ins Visier genommen wurden, 21 Menschen, darunter acht Hazaras. Sowohl Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP), Lashkar-e-Jhangvi (LeJ) als auch der IS beanspruchten den Anschlag für sich. Am 7. Mai griffen Terroristen, die der Hizbul Ahrar, einer Splittergruppe der TTP, angehören, die vor dem Data-Darbar-Schrein in Lahore, dem größten Sufi-Schrein Südasiens, stationierte Polizei an, wobei neun Menschen getötet und 24 verwundet wurden.“
  • „Das ganze Jahr über nahmen bei Angriffen, von denen angenommen wird, dass sie religiös motiviert waren, nicht identifizierte Personen schiitische Muslime ins Visier und töteten sie, darunter ethnische Hazaras, die größtenteils schiitisch sind, und Ahmadiyya-Muslime. Das Verhältnis der Angreifer zu organisierten terroristischen Gruppen war oft unklar.“
  • „Nichtregierungsorganisationen zeigten sich besorgt über die nach ihren Angaben zunehmende Häufigkeit von Versuchen, junge Frauen aus religiösen Minderheitengemeinschaften, insbesondere junge hinduistische und christliche Frauen, zu entführen, zur Heirat und Konversion zu zwingen. Es gab auch weiterhin Berichte über Angriffe auf heilige Stätten, Friedhöfe und religiöse Symbole der hinduistischen, christlichen und Ahmadiyya-Minderheiten.“

Weitergehende Informationen

Die Situation für andere religiöse Minderheiten hat sich nicht verbessert, seit Imran Khan 2018 Premierminister geworden ist. Angriffe, Morde und Blasphemieanschuldigungen gehen unverändert weiter. Human Rights Watch berichtet sogar von einem Anstieg an gezielten Tötungen von Ahmadiyya-Muslimen seit Juli 2020. Im Oktober und November 2020, außerhalb des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2021, wurden außerdem drei Hindu-Tempel angegriffen.

Ahmadiyya-Muslime sind für eine Vielzahl von islamisch-extremistischen Gruppen ebenso ein Ziel wie die christlichen und hinduistischen Minderheiten. Doch ist die große Herausforderung für die Ahmadiyya, dass sie sich nicht „Muslime“ nennen dürfen, was sie aber ihrem Verständnis nach sind. In den meisten Kontakten mit der Regierung, vom Schulbesuch bis zur Einstellung durch den Staat, müssen Ahmadiyya-Muslime Dokumente unterschreiben, welche die Endgültigkeit des Propheten Mohammed erklären, was ihrem Glauben widerspricht. Angriffe gegen diese Minderheiten geschehen mit einer erschreckenden Häufigkeit. Ein prominentes Beispiel der Diskriminierung der Ahmadiyya-Minderheit fand im Bereich der Regierung statt.

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums 2019 hält fest: „Die Verfassung verbietet eine diskriminierende Zulassung zu staatlichen Bildungseinrichtungen aufgrund von religiöser Zugehörigkeit. Gemäß den Vorschriften sind die einzigen Faktoren, die eine Zulassung für staatliche Schulen beeinflussen, die Noten des Schülers und seine Heimatprovinz; dennoch müssen Schüler ihre religiöse Zugehörigkeit auf Anmeldeformularen angeben. Diese Angabe ist auch für private Bildungseinrichtungen nötig, Universitäten eingeschlossen. Schüler, die sich selbst als Muslime identifizieren, müssen schriftlich ihren Glauben bekunden, dass der Prophet Mohammed der letzte Prophet sei. Von Nichtmuslimen wird verlangt, dass der Leiter ihrer lokalen religiösen Gemeinschaft ihre religiöse Zugehörigkeit bestätigt. In dem Gesetz sind keine Vorschriften für Atheisten vorgesehen.“

Nachdem die Behörden und Gerichte kein Interesse gezeigt hatten, hob ein im Juni 2019 von der Menschenrechtskommission (HRCP) veröffentlichter Bericht erneut hervor, dass nicht nur christliche Mädchen und Frauen, sondern auch hinduistische Mädchen und Frauen unter Entführungen und Zwangskonvertierungen leiden. Und während vieles über diese Entführungen, Zwangskonvertierungen und Zwangsehen noch im Dunkeln liegt und aufgedeckt werden muss, wobei die Tatsache, dass pakistanische Gerichte in diesen Fällen oft mitschuldig sind, nicht gerade hilfreich ist, wird immer deutlicher, dass es sich dabei nicht nur um Einzelfälle handelt.

Positiv zu bewerten ist dagegen, dass Pakistan den „Kartarpur-Korridor“ geöffnet hat, und damit den Weg frei macht für Pilger aus Indien zu einer der heiligsten Stätten für die Minderheit der Sikh. Außerdem wurden Bauarbeiter, die im Juli 2020 mutwillig eine historische buddhistische Statue zerstörten, die sie bei Bauarbeiten in Khyber Pakhtunkhwa entdeckten, dafür strafrechtlich verfolgt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Pakistan:

  • Bitte beten Sie, dass die Christen in Pakistan mutig über ihren Glauben reden, trotz ihrer Furcht, dass ihre Worte gegen sie verwendet werden könnten. Beten Sie auch für Weisheit und dass Gott ihnen die richtigen Worte eingibt.
  • In der Vergangenheit wurden oft gerade um die Weihnachts- und Osterzeit Terroranschläge verübt. Bitten Sie um Schutz für die Kirchen in Pakistan.
  • Bitten Sie um Schutz für christliche junge Frauen und Mädchen, vor allem für diejenigen, die entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen wurden. Bitten Sie um Gottes Trost und Stärkung und darum, dass sie auch unter diesen schrecklichen Umständen seine Liebe erfahren.