Länderprofil Pakistan

Pakistan

8
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Pakistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Parlamentarische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
5
Karte Pakistan
Christen
4,08
Bevölkerung
212.11
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.600
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 15.100
Leben im Staat: 14.900
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 16.700

Länderprofil Pakistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 8 / 87 Punkte (WVI 2021: Platz 5 / 88 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Mit der Unabhängigkeit im Jahr 1947 wurde Pakistan offiziell ein muslimischer Staat und die Situation der Christen wurde komplizierter. Traditionelle Kirchen besitzen eine gewisse Freiheit. Sie werden jedoch stark überwacht und wurden in der Vergangenheit Ziel von Bombenanschlägen. Der letzte große Anschlag wurde im Dezember 2017 in Quetta verübt. Kirchengemeinden, die sich aktiver nach außen und in der Jugendarbeit engagieren, sind starker Verfolgung ausgesetzt. Alle Christen leiden unter institutioneller Diskriminierung. Berufe, die als niedrig und schmutzig betrachtet werden, werden von den Behörden für Christen „reserviert“, wie an den Stellenanzeigen deutlich wird. Viele Christen sind arm und können in Schuldknechtschaft geraten. Es gibt jedoch auch Christen, die Anwälte, Lehrer oder Ärzte werden. Die berüchtigten Blasphemiegesetze Pakistans zielen insbesondere auf religiöse Minderheiten ab. Auch muslimische Minderheiten sind davon betroffen. Ein Gesetzentwurf zum Verbot von Zwangsbekehrungen wurde vom Parlament abgelehnt, nachdem Religionsgelehrte ihn als „antiislamisch“ bezeichnet hatten. Punjab ist die Provinz mit den meisten Christen, aber auch mit der stärksten Verfolgung, Intoleranz und Diskriminierung. Mädchen und junge Frauen mit christlichem und hinduistischem Hintergrund werden weiterhin entführt, zwangsverheiratet und dazu gebracht, zum Islam zu konvertieren. Die Gerichte akzeptieren diese Eheschließungen und Glaubenswechsel häufig, und alle politischen Bemühungen, diese Praxis zu ändern oder zumindest einzudämmen, sind gescheitert. In einem Gespräch mit islamischen Gelehrten versprach Premierminister Imran Khan, dass unter seiner Regierung keine Gesetze erlassen würden, die „in direktem Widerspruch zu den Lehren des Islam“ stünden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Pakistan hat lange unter instabilen Regierungen gelitten. Es gab drei längere Phasen der Militärherrschaft, von denen die letzte 2008 endete. Der ehemalige Kricket-Star Imran Khan wurde 2018 Premierminister und hat Schwierigkeiten damit, die Wirtschaft über Wasser zu halten, insbesondere während der Covid-19-Krise. Der Islam beherrscht jeden Aspekt des Lebens in Pakistan. Nach der Verfassung unterliegt das Recht auf freie Meinungsäußerung den Einschränkungen, die notwendig sind, um „den Ruhm des Islam“ zu gewährleisten. Premierminister Khan hat eingeräumt, dass Pakistan offizielle Verbindungen zu militanten islamischen Gruppen unterhält, und ihren Forderungen bereits zweimal nachgegeben hat. Im Jahr 2018 entfernte er ein Mitglied der Ahmadiyya-Minderheit von einem Spitzenposten als Wirtschaftsberater, da die Ahmadiyya von extremistischen sunnitischen Gruppen nicht als Muslime anerkannt werden. Zu einem anderen Anlass versprach Premierminister Khan, „den französischen Botschafter in Pakistan auszuweisen“, um gewalttätige Proteste extremistischer islamischer Gruppen nach der Veröffentlichung der Charlie-Hebdo-Karikaturen in Frankreich zu beschwichtigen. Die Proteste wurden abgebrochen, Khans Versprechen wurde jedoch nicht in die Tat umgesetzt.

Christen sind Opfer von etwa einem Viertel aller Blasphemievorwürfe, obwohl sie weniger als 2 Prozent der Bevölkerung ausmachen. In einigen pakistanischen Bundesstaaten ist Kinderheirat erlaubt, und schätzungsweise 21 Prozent aller Mädchen werden vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Obwohl Zwangsheiraten seit 2011 verboten sind, werden Mädchen, die religiösen Minderheiten angehören, häufig zur Zielscheibe davon. Jedes Jahr werden schätzungsweise 1.000 Ehrenmorde verübt. 96 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, von denen die Mehrheit der sunnitischen Tradition folgt. Schiiten machen weniger als 10 Prozent und Ahmadis etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung aus. Pakistan hat wirtschaftlich zu kämpfen, und 24,3 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Das Land verlässt sich zunehmend auf die Investitionsbereitschaft Chinas im Rahmen seiner Initiative „Neue Seidenstraße“. Kinderarbeit ist weit verbreitet. Viele Christen arbeiten als Tagelöhner (beispielsweise in Ziegelbrennereien), und Christen wurden bei der medizinischen Versorgung und der Nothilfe während der Corona-Pandemie diskriminiert.

Aufgrund der niedrigen Bildungsrate für Mädchen (verschärft durch frühe Heirat, Armut und Druck der Taliban, die der Meinung sind, dass Mädchen keine Bildung erhalten sollten) arbeiten viele Frauen nicht. Geschäftskonkurrenten beschuldigen christliche Männer der Blasphemie, um ihr Geschäft und ihren Ruf zu zerstören. Darüber hinaus üben christliche Männer in der Regel Berufe mit niedrigerem Status aus und werden zum Teil als „Chura“ bezeichnet, ein abfälliges Wort, das für Straßenkehrer oder Abwasserreiniger benutzt wird und „schmutzig“ bedeutet.

Auch wenn sie sich langsam verbessert, hat Pakistan die weltweit zweithöchste Quote von Kindern ohne Schulabschluss. Schulbücher vermitteln ein einseitiges Bild von Minderheiten und sind stark vom extremistischen Islam beeinflusst. Geringe staatliche Investitionen in die Bildung haben zu einer wachsenden Zahl islamischer Koranschulen geführt. Während einige dieser sogenannten Medressen Kernfächer unterrichten, bieten viele lediglich Koranlektüre und Islamunterricht an. Diese Medressen sind weder registriert noch werden sie überwacht. Der Glaubenswechsel vom Islam zu einer anderen Religion ist inakzeptabel. Der Oberste Gerichtshof hat Vorschriften für soziale Medien erlassen, um die Verleumdung von Gerichten, Armee und Regierung zu verhindern.

Während die Regierung gegen bestimmte Dschihadisten vorgeht, arbeitet sie mit anderen zusammen, um ihre Ziele in Nachbarländern zu erreichen. Die Gerichtsbarkeit in den föderal verwalteten Stammesgebieten (FATA) ist begrenzt und separatistische Gruppen verüben Anschläge in Belutschistan. Christen leiden unter dieser instabilen Sicherheitslage und haben keine Möglichkeit, Schutz zu suchen. Pakistan wird als das sechstgefährlichste Land der Welt für Frauen eingestuft. Der ideologisch motivierte sexuelle Missbrauch richtet sich gegen religiöse Minderheiten, um Mädchen sexuell auszubeuten und als „Eroberung“ für die Mehrheitsreligion zu gewinnen.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

4.080.000

1,9

Muslime

204.554.000

96,4

Hindus

2.759.000

1,3

Buddhisten

133.000

0,1

Anhänger ethnischer Religionen

228.000

0,1

Juden

900

0,0

Bahai

106.000

0,0

Atheisten

10.100

0,0

Agnostiker

176.000

0,1

Andere

59.200

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Da die meisten Christen in der Provinz Punjab leben, geschehen viele Vorfälle von Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz dort. Daneben ist aber auch die Provinz Sindh berüchtigt dafür, ein Brennpunkt der Schuldknechtschaft zu sein, die ebenfalls viele Christen betrifft.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung vermischt mit ethnisch-religiöser Feindseligkeit

Pakistan ist Heimat Dutzender islamisch-extremistischer Gruppen. Zunehmend werden beratende Gremien der Regierung vollständig mit islamischen Gelehrten besetzt, die Einfluss auf die Gesetze nehmen. Tausende Medressen werden betrieben, ohne dass die Regierung prüft, wie sie finanziert werden oder was sie lehren. Jeder, der eine Reform der Blasphemiegesetze fordert, wird offen von Extremisten bedroht, die glauben, dass „Ungläubige“ den Tod verdienen. Verbotene extremistische Gruppen lösen sich oft nicht auf, sondern geben sich einen neuen Namen, gehen online oder fusionieren mit einer bestehenden Gruppe. Die kürzliche Übernahme der Regierungsgewalt durch die Taliban im benachbarten Afghanistan hat den Extremisten Auftrieb gegeben, sodass sie zu einem noch stärkeren Faktor in der pakistanischen Politik werden könnten. In der berüchtigten „Roten Moschee“ wurde die Taliban-Flagge gehisst, ohne dass die Behörden etwas dagegen unternehmen konnten.

Pakistan leidet unter ethnischer Zersplitterung. Die Provinz Belutschistan und die Region Sindh werden als außerhalb der Reichweite staatlichen Einflusses gesehen. Religiöse Minderheiten werden als unrein betrachtet – aus religiösen Gründen, aber auch, weil sie nicht zu den herrschenden ethnischen Gruppen gehören.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Korruption ist in der Politik, im Justizwesen und im Militär weitverbreitet. Organisierte Kriminalität ist ein großes Problem in städtischen und Stammesgebieten und steht häufig in Verbindung mit gewaltbereiten islamischen Milizen. In Karachi gehören Gangs, Erpresser und die Mafia zur Landschaft und genießen aufgrund einflussreicher Verbindungen politische Schirmherrschaft. Schuldknechtschaft ist eine alte, aber weitverbreitete Form der Sklaverei, die Tausende Christen in ländlichen Gebieten betrifft. Die Arbeiter sind gefangen, weil sie ihre Kredite aufgrund der hohen Zinssätze nicht zurückzahlen können. Sie haben keine Möglichkeit, gerichtlich gegen die Situation vorzugehen. Reiche Großgrundbesitzer arbeiten mit lokalen Politikern zusammen und profitieren in hohem Maße von diesem System. Auch Landraub findet statt. Kirchen werden enteignet und Christen von ihrem Land vertrieben.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung muss sich mit der Opposition, Korruptionsvorwürfen, immer stärker werdenden extremistischen Gruppen und einer mächtigen, unabhängigen Armee auseinandersetzen (mit der sie auf gutem Fuß stehen muss). So werden Christen zu politischen Spielfiguren. Sie können von der Regierung und der Armee hofiert werden, um an der Macht zu bleiben, oder diskriminiert werden, wenn dies von Vorteil ist. Da die Armee einige extremistische Gruppen zufriedenstellen will, werden Angriffe auf Christen als notwendiger Kollateralschaden betrachtet, obwohl sie nicht zur Politik der Armee gehören.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen werden nicht in Isolation gezwungen, aber sie können nicht im ganzen Land Kirchen besuchen, sondern meist nur in Städten. Sie sind hohem Druck ausgesetzt, aber es gibt nur wenige ausländische Christen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Beispiele dieser Kategorie sind die Römisch-Katholische Kirche und die anglikanische Church of Pakistan. Als die am stärksten sichtbaren Kirchen erleben sie zunehmend Anfeindungen. Es ist schwierig für sie, Genehmigungen für bestimmte Versammlungen zu erhalten. Sie stehen unter strenger Kontrolle und Überwachung. Vor allem in den Städten können Gebäude und Grundstücke, die sich im Besitz der traditionellen Kirchen befinden, von Bauunternehmen und Behörden beschlagnahmt werden.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung. Diese geht sowohl von extremistischen islamischen Gruppierungen aus (von denen Christen muslimischer Herkunft als Verräter angesehen werden) als auch von Familien, Freunden und Nachbarn, die eine Abwendung vom Islam als Schande für die Familie und das Umfeld betrachten. Es gibt auch eine kleine Gemeinschaft von Christen mit hinduistischem Hintergrund.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Evangelikale, Baptisten und Pfingstgemeinden werden stärker überwacht und oft drangsaliert und angegriffen, insbesondere, wenn sie aktiv versuchen, Muslime mit dem Evangelium zu erreichen. Der Großteil ihres Wachstums kommt jedoch von Christen, die aus einer traditionellen Kirche in ihre Gemeinden wechseln.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.6
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 15.1
Leben im Staat 14.9
Kirchliches Leben 13.1
Auftreten von Gewalt 16.7

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christen vermeiden es, mit Muslimen über ihren Glauben zu sprechen, da dies durch die Blasphemiegesetze gefährliche Konsequenzen haben kann. Selbst Facebook-Posts können riskant sein, wenn der Inhalt als Herausforderung für islamische Werte angesehen wird. Für pakistanische Christen ist es gefährlich, christliche Materialien über den unmittelbaren persönlichen Gebrauch hinaus aufzubewahren, da sie verdächtigt werden könnten, Muslime evangelisieren zu wollen. Das Zeigen eines christlichen Symbols oder das Tragen eines christlichen Namens kann zu Diskriminierung oder Vandalismus am Eigentum führen. Berichte, nach denen Christen auf der Straße, im Verkehr oder auf der Arbeit angespuckt oder aggressiv beleidigt wurden, weil sie ein Kreuz trugen, sind Zeichen dafür, dass die Situation schwieriger wird.

Familienleben

In kleinen Städten und abgelegenen Dörfern müssen christliche Kinder den islamischen Unterricht in der örtlichen Medresse besuchen, während der christliche Unterricht auf den Sonntagsgottesdienst beschränkt ist. Christliche Eltern versuchen, ihre Kinder davon abzuhalten, über ihren Glauben zu sprechen, da sie unter Druck gesetzt werden könnten, zum Islam „zurückzukehren“. Die Eltern werden besucht und unter Druck gesetzt, ihre Kinder zu islamischen Veranstaltungen zu schicken und sie Arabisch lernen zu lassen. Dies wird unter dem Vorwand vorgeschlagen, dass sich dadurch ihre Noten bessern würden. Das verunsichert die Kinder und erhöht die Gefahr einer erzwungenen Konversion. In der Schule ist es christlichen Kindern oft nicht gestattet, die gleichen Wasserspender wie die anderen Kinder zu nutzen, weil sie diese angeblich verunreinigen würden. Oft werden sie gemobbt. Viele christliche Kinder müssen die Toiletten säubern oder die Böden wischen, da Christen weithin als Straßenkehrer wahrgenommen werden. Diese Haltung hat ihren Hintergrund auch im Kastendenken, da die Mehrheit der Christen aus einer niedrigeren Kaste stammt. Einige Schulbücher verstärken den Hass auf Christen. Mit dem neuen Lehrplan wird die Islamisierung der Bildung weiter vorangetrieben und den Kindern vermittelt, dass Angehörige anderer Religionen minderwertig sind. Diese Politik schadet christlichen Familien sehr.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden durch die Regierung und zunehmend auch durch nicht staatliche Akteure überwacht. Selbst ausländische Christen werden vom lokalen „Panchayat“ (Dorfrat) einbestellt, um zu erklären, warum sie an Jesus Christus glauben, und teilweise unter Druck gesetzt, den Islam anzunehmen. Islamistische Gruppierungen haben die Notverpflegung mit Lebensmitteln in der Covid-19-Pandemie dazu genutzt, Christen dazu zu bringen, zum Islam zu konvertieren. Christen, die das islamische Glaubensbekenntnis rezitierten, bekamen Lebensmittel ausgehändigt. Viele junge Christen taten dies. Andere weigerten sich und verhungerten oder begingen Suizid. Gleichzeitig wurden christliche Krankenschwestern an vorderster Front in den Infektionsstationen eingeteilt. Am Arbeitsplatz ist der Druck auf Christen oftmals so groß, dass viele Christen sich immer wieder dazu gezwungen sehen, ihre Arbeitsstelle zu wechseln, um sich einer erzwungenen Konversion zum Islam zu entziehen. Christen werden regelmäßig dazu gezwungen, Hilfsarbeiten wie Fegen oder Wassertragen zu verrichten. Ein gutes Beispiel dafür ist die 5-Prozent-Quote, die eingeführt wurde, um Arbeitsplätze für Minderheiten im öffentlichen Sektor zu garantieren. Ende September 2021 waren mehr als 30.000 solcher Stellen für Minderheiten unbesetzt geblieben, was 43 Prozent der zu dem Zeitpunkt insgesamt offenen Stellen im öffentlichen Sektor ausmachte. Christen gelten als unrein. Deshalb glauben viele Muslime, dass es sie verunreinigen würde, wenn sie bestimmte Einrichtungen gemeinsam mit Christen nutzen – dieses Denken ist ein Erbe des Kastensystems.

Leben im Staat

Pakistan hat 1973 eine islamische Verfassung angenommen und die Scharia in sein Zivilgesetzbuch aufgenommen. Der jüngste Islamisierungsprozess begann mit der Einführung der Blasphemiegesetze im Jahr 1986, die Minderheiten besonders betreffen und häufig genutzt werden, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Christen sind in der Politik unterrepräsentiert und ihre Ansichten werden oft ignoriert. Viele Politiker sehen es nicht als notwendig an, Mädchen aus religiösen Minderheiten vor Entführungen und damit einhergehenden Zwangsbekehrungen und -heiraten zu schützen.

Kirchliches Leben

Kirchliche Aktivitäten werden überwacht. Die Behörden stellen Kirchen Sicherheitskräfte, aber diese hören auch zu, berichten und geben Informationen wahrscheinlich sogar an extremistische islamische Gruppen weiter. Obwohl die Regierung den Schutz von Kirchen versprochen hat, gab es in den vergangenen Jahren mehrere Angriffe mit Dutzenden von Opfern. Kirchenleiter sind die wichtigsten Ziele für Schikane, da sie die sichtbarsten Vertreter der christlichen Minderheit sind. Da der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben stark abgelehnt wird, wäre es gefährlich für eine Kirchengemeinde, Christen muslimischer Herkunft offen aufzunehmen. Das Eintreten für unterdrückte Minderheiten wird als Infragestellung der Regierung gesehen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Der Christ Arif Masih wurde am 23. Mai 2021 in Tariqabad entführt und vergiftet, nachdem er versucht hatte, einen Fall von Belästigung gegen seine Schwester anzuzeigen.
  • Die weithin berichteten Fälle der 13-jährigen Arzoo Masih im Oktober 2020, von Neha Pervaiz im November 2020, Farah Shaheen im Dezember 2020, Shakaina Masih im März 2021, Nayab Gill im Juni 2021 und Chashman Masih im Juli 2021 zeigen, dass Entführung und Zwangskonversion ein anhaltendes Problem bleiben.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

8

87,38

2021

5

88,16

2020

5

88,15

2019

5

87,18

2018

5

86,47

Der Druck auf Christen in Pakistan hat ein extremes Ausmaß. Christen, besonders christliche Konvertiten, leiden unter den Blasphemiegesetzen und tief verwurzelter täglicher Diskriminierung. Seit dem Weltverfolgungsindex 2016 beträgt der Wert für Gewalt jedes Jahr die Maximalpunktzahl – obwohl es seit 2017 keinen großen Selbstmordanschlag auf Christen gab.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Christliche Mädchen sind in Pakistan besonders gefährdet. Berichten zufolge werden jedes Jahr Hunderte von ihnen entführt, vergewaltigt, zur „Heirat“ mit ihrem Entführer gezwungen und gewaltsam zum Islam bekehrt. Solche „Ehen“ werden dazu benutzt, die minderjährigen Mädchen von anderen Rechtsmitteln, die ihren Eltern zur Verfügung stehen, fernzuhalten. Dies ist ein weithin genutzter und auf strategische Weise gezielt angewandter Druckpunkt gegen religiöse Minderheiten. Es gibt auch Berichte über gezielten Menschenhandel mit christlichen Mädchen für Zwangsarbeit, bei der sie an ihren Arbeitsplatz gekettet werden, sowie über einen Prostitutionsring, der christliche Mädchen nach China schmuggelt.

Männer: Christliche Männer leben in ständiger Angst vor Blasphemievorwürfen, Zerstörung von Eigentum, Inhaftierung, Schlägen und Hinrichtung. Es gibt auch Berichte über den sexuellen Missbrauch von christlichen Jungen. Christliche Männer sind oft gezwungen, verachtete Jobs anzunehmen, und gelten als unrein. Sie werden oft als „Chura“ bezeichnet, ein abwertendes Wort, das „schmutzig“ bedeutet. Zwar gibt es auch eine christliche Mittelschicht, und nicht alle Christen haben Berufe, die mit niedrigem Ansehen verbunden sind, aber Diskriminierung und soziale Unterlegenheit sind allgegenwärtig. Männer und Jungen können auch in Schuldknechtschaft gefangen sein, typischerweise in Ziegelsteinfabriken.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Religiöse Minderheiten sind extrem gefährdet. Ahmadis werden nicht als Muslime anerkannt. Ihnen werden Ausweise verweigert und sie werden gezwungen, Dokumente zu unterschreiben, in denen die Endgültigkeit des Propheten Mohammed erklärt wird, was ihrem Glauben widerspricht. Sie haben erlebt, wie Regierungsbeamte zu Gewalt gegen ihre Gemeinschaft aufstachelten und wie die Zahl der gezielten Tötungen zunahm. Bewaffnete sektenartige Gruppen führen Angriffe gegen schiitische Muslime durch, darunter auch gegen die Hazara-Gemeinschaft. Das Gesetz enthält keine Bestimmungen für Atheisten. Sie werden mittels der Blasphemiegesetze ins Visier genommen. Hinduistische Frauen sind von Entführungen und Zwangsbekehrungen betroffen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Pakistan:

  • Beten Sie für Christen, die in gefährlichen und gesundheitsschädigenden Jobs arbeiten, dass Jesus Christus sie trotz ihrer Arbeitsbedingungen gesund und sicher erhält.
  • Beten Sie für die Christen, die fälschlich der Blasphemie beschuldigt werden, dass ihre Unschuld erwiesen wird. Beten Sie, dass es nicht mehr zu Verleumdungen und Verhaftungen wegen angeblicher Blasphemie kommt.
  • Beten Sie für die Regierung und die religiösen Anführer von Pakistan. Bitten Sie Jesus darum, die Herzen der Verantwortlichen zu erweichen, sodass sie verschiedenen Religionen erlauben, in Frieden Gottesdienst zu feiern und ihren Glauben in Pakistan zu leben.
  • Beten Sie für die Frauen und Mädchen, die entführt und gezwungen werden, zum Islam zu konvertieren und muslimische Männer zu heiraten. Beten Sie für Heilung von den schweren Traumata.