Länderprofil Turkmenistan

Turkmenistan

23
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Turkmenistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
19
ISO
TM
Karte Vietnam
Christen
0,07
Bevölkerung
5.85
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.600
Familienleben: 10.800
Gesellschaftliches Leben: 13.800
Leben im Staat: 13.300
Kirchliches Leben: 15.100
Auftreten von Gewalt: 1.300

Länderprofil Turkmenistan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 23 / 69 Punkte (WVI 2018: Platz 19 / 68 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Außerhalb staatlich geführter und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Üblicherweise werden Mitglieder protestantischer Gemeinden als Teil einer ausländischen Sekte betrachtet, welche die Regierung stürzen will. Aus diesem Grund sollen diese Gemeinden kontrolliert und beseitigt werden.

Islamische Unterdrückung: Wenn sich einheimische Muslime zu Jesus Christus bekehren, erleben sie Druck und vereinzelt körperliche Gewalt von ihrer Familie, ihren Freunden und der örtlichen Gemeinschaft, die auf diese Weise versuchen, sie zur Rückkehr zu ihrem vorherigen Glauben zu zwingen. Manche werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt und geschlagen und können schließlich sogar von der Gesellschaft ausgestoßen werden.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Es gibt zwei Hauptursachen für die Verfolgung von Christen in Turkmenistan – den Staat und das muslimische Umfeld. Staatliche Verfolgung geht von der Polizei, den Geheimdiensten und örtlichen Behörden aus, die religiöse Aktivitäten überwachen und regelmäßig Gottesdienste aufsuchen. Staatliche Behörden führen häufig Razzien bei nichtregistrierten Gemeinden durch. Die islamisch geprägte Gesellschaft insgesamt macht das Leben für Christen muslimischer Herkunft besonders schwierig.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Es kommt vor, dass sogar die Gottesdienste der Russisch-Orthodoxen und Armenisch-Apostolischen Kirchen überwacht werden. Das Drucken oder die Einfuhr christlicher Schriften ist eingeschränkt. Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl durch den Staat als auch durch Familie, Freunde und Lebensumfeld. Wenn Kirchen nicht registriert sind, sind Christen regelmäßig Polizeirazzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen ausgesetzt.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im April 2018 wurde ein Hauskreistreffen von Christen muslimischer Herkunft gestürmt und alle Anwesenden wurden verhaftet, zur Polizeistation gebracht und für mehrere Stunden verhört. Nach dem Verhör wurden alle wieder freigelassen, aber seitdem stehen die Mitglieder der Gruppe unter strenger Überwachung durch die Polizei.
  • Die Familien von Christen muslimischer Herkunft, die örtliche muslimische Gemeinschaft und die Behörden mischen sich häufig in Kirchenaktivitäten ein und behindern diese.
  • Seit der Einführung des neuen Religionsgesetzes vom 12. April 2016 hat die Kontrolle des kirchlichen Lebens zugenommen.

Meldungen und Beiträge zu Turkmenistan

Open Doors Tage
Pastor Batyr aus Turkmenistan

Pastor Batyr aus Turkmenistan

37:22 Minuten
Turkmenistan
Der turkmenische Pastor Batyr wurde wegen seines Glaubens an Jesus im Gefängnis gefoltert. Er berichtete davon, wie sein Glaube auf die Probe gestellt wurde und wie er erkannte, was Jesus wirklich wichtig ist.
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Interview interview
Batyr aus Turkmenistan
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Batyr kommt aus Turkmenistan, lebt aber heute im Exil. Im Interview erzählte er von neuen Formen der Verfolgungen der turkmenischen Gemeinde, seiner Vision einer Kirche, die das Evangelium weiterträgt und wie er selbst zum Glauben fand.
Weltweiter Gebetstag für verfolgte Christen
Viele Gemeinden und Gruppen in ganz Deutschland haben am 10. November für ihre Geschwister in Nigeria und China gebetet. Unser kostenloses Material für einen Gebetsgottesdienst ist weiterhin verfügbar. Beten Sie mit!
Informationen für den Gemeindebrief Informationen für den Gemeindebrief
Hauskirche in Zentralasien
Turkmenistan
(Open Doors, Kelkheim) – In ganz Turkmenistan gibt es bei 5,5 Mio. Einwohnern gerade einmal 19 registrierte Kirchen. Betrachtet man die Anzahl der immerhin ca. 70.000 Christen im Land, so wird das Dilemma offensichtlich.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 69 Punkten steht Turkmenistan auf Platz 23 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019, im Vergleich zum WVI 2018 entspricht dies einer Steigerung um einen Punkt. Die Christen in Turkmenistan leiden unter einem hohen Maß an Kontrolle durch die autoritäre Regierung, dies trifft sie besonders in den Lebensbereichen „Privatleben“ und „Kirchliches Leben“.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb staatlich geführter und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Mitglieder protestantischer Gemeinden werden regelmäßig als „Extremisten” beschimpft, weil ihre religiösen Aktivitäten außerhalb der staatlich genehmigten Strukturen stattfinden. Protestanten werden oft als Anhänger einer fremden Sekte angesehen, die nur ein Ziel hat: das gegenwärtige politische System auszuspionieren und zu zerstören. Aus dieser Perspektive heraus müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern, wenn erforderlich, auch ausgelöscht werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn sich einheimische muslimische Bürger zu Jesus Christus bekehren, sehen sie sich häufig Druck und vereinzelt körperlicher Gewalt von ihrer Familie, ihren Freunden und der örtlichen Gemeinschaft ausgesetzt, die auf diese Weise versuchen, sie zur Rückkehr zu ihrem vorherigen Glauben zu zwingen. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und eventuell sogar von der Gesellschaft ausgestoßen. Mullahs vor Ort predigen gegen sie und erhöhen somit den Druck. Daher tun diese Christen alles, um ihren Glauben zu verbergen. So werden sie zu sogenannten „geheimen Christen“.

3. Verfolger

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Beamte auf allen Ebenen sind Religion gegenüber sehr feindlich eingestellt. Alle religiösen Aktivitäten werden genauestens überwacht, um festzustellen, ob sie genehmigt sind. Wenn dies nicht der Fall ist, sind Razzien, Festnahme und Beschlagnahmungen in Turkmenistan üblich.
  • Normale Bürger werden religiöse Aktivitäten beobachten und bei den Behörden anzeigen, vor allem auf lokaler Ebene.
  • Nur wenige politische Parteien sind in Turkmenistan zugelassen. Die Regierungspartei, welche die Regierung von Präsident Berdimuhamedow stellt, beteiligt sich per Definition an der Verfolgung von Christen, da der Großteil der Verfolgung durch die Regierung gebilligt wird.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Auf kommunaler Ebene gibt es eine Verbindung zwischen dem Druck durch Beamte und durch Muslime. Oft kennen sich die aktiven Muslime und die Behördenvertreter. Aus diesem Grund ist der Druck auf Christen muslimischer Herkunft auf der Ebene des sozialen Umfelds stärker als auf der staatlichen Ebene, auf der die Beamten behaupten, säkular zu sein.
  • Turkmenische Stammesführer ermutigen mit Unterstützung der Behörden zu allen genannten Formen der Verfolgung. Versammlungen der Mahalla (eine Art Ortschaftsrat) erhielten in vielen Fällen die behördliche Befugnis, im Namen des Staates Christen zu verfolgen, besonders um missionarische Aktivitäten zu unterbinden.
  • Muslimische Geistliche stehen besonders nichtorthodoxen Christen und ganz besonders Christen muslimischer Herkunft offen feindlich gegenüber.
  • Normale Bürger üben auf der Ebene des sozialen Umfelds zusätzlichen Druck auf die Konvertiten aus, zum Islam zurückzukehren. Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, werden auf das Schwerste vom sozialen Umfeld und religiösen Leitern verfolgt.
  • Muslimische Familienmitglieder, besonders auf dem Land, üben großen Druck auf Konvertiten aus. Dazu gehören Drohungen, Schläge, Hausarrest und Ausgrenzung.

4. Hintergrund

Turkmenistan ist ein sich schnell entwickelndes Land, was vor allem durch die großen Vorkommen an Öl und Erdgas möglich wird. Doch hat diese Medaille zwei Seiten: Einerseits erlaubt dies die Investitionen großer Geldsummen, was unter anderem in den Berichten über die Pläne, die Hauptstadt Aschgabat in eine „Marmorstadt“ zu verwandeln, sichtbar wird. Doch die Kehrseite ist die Tatsache, dass das Land immer abhängiger von Öl- und Gasexporten wird und – unter Berücksichtigung der hohen Korruption und Geheimniskrämerei – nur eine kleine Gruppe davon einen Nutzen haben wird. Der starke Preissturz für Öl im Berichtszeitraum des WVI 2018 hat Turkmenistan ernsthaft getroffen.

Turkmenen leben in vielen verschiedenen Ländern, von Turkmenistan, Afghanistan, dem Iran, dem Norden Pakistans, Syrien und dem Irak bis in den Nordkaukasus (in der Region Stawropol). Diese Gruppen stehen miteinander in Kontakt. Sunnitische Muslime aus Turkmenistan sind in den Konflikten islamistischer Milizen im Nahen Osten („Islamischer Staat“ (IS)) und auf dem indischen Subkontinent (Al Kaida) aktiv. Das Regime in Aschgabat fürchtet den Einfluss heimkehrender Dschihadisten und überwacht daher jede religiöse Aktivität.

Turkmenistan gilt als eines der restriktivsten Länder der Welt. Es besteht keinerlei Informations- oder Pressefreiheit. Der Zugang zum Land wird Ausländern extrem erschwert. Um den Präsidenten Berdimuhamedow gibt es einen großen Personenkult. Hinzu kommen ein hohes Maß an Überwachung aller gesellschaftlichen Gruppen (einschließlich Christen) sowie starke Zugangsbeschränkungen zu ausländischen Medien und anderen Informationsquellen. Folglich ist es auch schwierig, Informationen außer Landes zu bringen. Am 12. April 2016 wurde ein neues Religionsgesetz verabschiedet, welches das kirchliche Leben von Christen noch stärker einschränkt. Seither bleibt das Leben für Christen schwierig.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich mit den Einschränkungen durch die Regierung arrangiert und wird daher mehr oder weniger in Ruhe gelassen. Sonntagsgottesdienste mögen zwar überwacht werden, aber sie können ungehindert stattfinden und die Mitglieder können sich versammeln. Das Drucken und Einführen christlicher Literatur ist eingeschränkt.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen in Turkmenistan die Hauptlast der Verfolgung. Außer vom Staat werden sie auch von ihren eigenen Familien, ihren Freunden und ihrem sozialen Umfeld stark unter Druck gesetzt. Der Druck durch das Umfeld ist am schwerwiegendsten, weil er ihr alltägliches Leben bestimmt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Christen muslimischer Herkunft ist diese Gruppe von Christen die am zweitstärksten verfolgte – ganz besonders dann, wenn die Gemeinde nicht registriert ist. Baptisten, Evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.6
Familienleben 10.8
Gesellschaftliches Leben 13.8
Leben im Staat 13.3
Kirchliches Leben 15.1
Auftreten von Gewalt 1.3

Grafik: Verfolgungsmuster Turkmenistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 13,3 im Vorjahr auf 13,5 auf dem WVI 2019. Der Druck erhöhte sich in den Bereichen „Familienleben“, „gesellschaftliches Leben“ und „Leben im Staat“, während er leicht abnahm in den Bereichen „Privatleben“ und „kirchliches Leben“. Dies mag widerspiegeln, dass die Triebkraft „Islamische Unterdrückung“ an Einfluss gewinnt.
  • Extrem hoch sind die Punktzahlen für „kirchliches Leben“ (15,1), „Privatleben“ (14,6) und „gesellschaftliches Leben“ (13,8). Die höchste Wertung im Bereich des „kirchlichen Lebens“ spiegelt die vielen Restriktionen wider, denen Christen vom Staat gegenüberstehen.
  • Die Punktzahl für „Auftreten von Gewalt“ ist sehr gering, sie verringert sich im WVI 2019 von 1,9 auf 1,3. Es wurden nur wenige gewaltsame Zwischenfälle gemeldet.

Privatleben

Ein Religionswechsel führt zu den heftigsten Reaktionen des sozialen und kulturellen Umfelds. Er wird als Beleidigung der Familienehre betrachtet. Auch der Staat und seine Vertreter nehmen das Thema Glaubenswechsel sehr ernst. Nicht nur Christen muslimischer Herkunft sind in diesem Punkt unter Druck, sondern auch Christen, die ihren Glauben aktiv weitergeben. Die Regierung bezahlt für Informationen über christliche Gottesdienste in Privathäusern. Es gab Berichte über Christen, die gezwungen wurden, ihrem Glauben in der Öffentlichkeit abzuschwören. Alle öffentlichen Medien, einschließlich des Internets, sind unter staatlicher Kontrolle. Christen können sie nutzen, jedoch nicht, um ihren Glauben zu verbreiten. Außerdem hat die Regierung die Verwendung von Satellitenschüsseln verboten. Es ist sehr riskant für einen Christen muslimischer Herkunft, über seinen neu gewonnenen Glauben mit Familienmitgliedern oder nichtchristlichen Gästen zu sprechen. Das Ausmaß der Überwachung in Turkmenistan ist enorm hoch und sogar private Treffen von Christen werden regelmäßig überwacht.

Familienleben

Die Religionszugehörigkeit ist in amtlichen Dokumenten wie dem Reisepass oder dem Ausweis nicht vermerkt. Die örtlichen Behörden, in denen meistens Muslime aus der Nachbarschaft arbeiten, können Registrierungen von Hochzeiten, Geburten und Beerdigungen verhindern. Islamische Geistliche in Türkmenabat und Mary erklärten, dass Christen muslimischer Herkunft nicht auf islamischen Friedhöfen beerdigt werden dürften. Taufen von Christen muslimischer Herkunft verursachen ebenfalls soziale Spannungen. In Schulen werden in Zusammenarbeit mit lokalen muslimischen Geistlichen christenfeindliche Unterrichtseinheiten veranstaltet, und alle Schüler sind gezwungen, an Feierlichkeiten zu islamischen Festtagen teilzunehmen. Kinder aus christlichen Familien werden oft von der Gemeinschaft mit anderen Kindern ausgeschlossen. Sie werden in der Schule häufig vor allen Kindern gedemütigt. Wird ein Familienmitglied Christ, üben Familie, Freunde und Gemeinschaft Druck auf den Ehepartner aus, sich scheiden zu lassen. Besonders Christen muslimischer Herkunft droht der Verlust ihres Erbes.

Gesellschaftliches Leben

Berichten zufolge werden Christen Opfer von Bedrohungen, Belästigungen, sexuellen Übergriffen, Inhaftierungen, Razzien der Geheimpolizei und willkürlichen Verhaftungen. Turkmenistan ist eines der repressivsten Regime der ehemaligen Sowjetunion und setzt auf Überwachung und Kontrolle. Christen werden von unterschiedlichen Organisationen des Staates einschließlich der Geheimpolizei dauerhaft beobachtet. Christinnen mit muslimischem Hintergrund, die in konservativ geprägten Regionen leben, laufen Gefahr, entführt und mit einem Muslim zwangsverheiratet zu werden. Viele Christen werden verhöhnt und manchmal von höherer Bildung ausgeschlossen. Aktive Christen stehen in großer Gefahr, ihre Arbeitsstelle zu verlieren. Viele Privathäuser wurden Ziel von Razzien, bei denen die Christen Geldstrafen zahlen mussten, weil sie religiöse Treffen abgehalten hatten – auch dann, wenn dies gar nicht der Fall war. Werden Versammlungen in Turkmenistan gestürmt, was auch bei registrierten Gruppen vorkommt, werden alle Anwesenden verhört; viele werden festgehalten, vielen werden Bußgelder auferlegt und alle gefundenen Materialien werden beschlagnahmt.

Leben im Staat

Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, ist Turkmenistan eines der Länder, in denen die Religionsfreiheit am stärksten verletzt wird. Christen im Land berichten von Festnahmen, Gefängnisaufenthalten, Drohungen und Beleidigungen, Schlägen, Beschlagnahmungen und sexuellen Übergriffen. Alle Aktivitäten religiöser Gruppen stehen unter strenger Kontrolle. In den vergangenen Jahren wurde bekannten Christen die Ausreise am Flughafen verweigert. Viele christliche Gruppen können sich nicht registrieren lassen und selbst registrierte Gruppen stehen unter andauerndem Druck – ihre Mitglieder riskieren täglich Strafverfolgung. Die staatlich kontrollierten Medien bezeichnen die christlichen Kirchen als „Sekten“ und verzerren die Fakten, wenn sie über Christen berichten. Vor Gericht werden Christen unfair behandelt. Die internationale Beobachtung von Gerichtsverhandlungen wird nicht zugelassen, erst recht nicht bei Fällen, die Christen betreffen.

Kirchliches Leben

Das 2003 erlassene Religionsgesetz untersagt Hausgottesdienste und verbietet religiöse Aktivitäten von nichtregistrierten Organisationen. Die Regierung behindert die Registrierung neuer Kirchen. Es werden kaum Registrierungen erteilt, obwohl sich einzelne Gemeinden schon länger als ein Jahrzehnt darum bemühen. Gottesdienste werden weiterhin gestört und Razzien durchgeführt. Arbeit unter Jugendlichen ist verboten. Die Veröffentlichung von christlichen religiösen Materialien ist in Turkmenistan gesetzlich strengstens verboten. Der Import solcher Materialien ist nur einigen registrierten Gruppen, wie der Russisch-Orthodoxen Kirche gestattet, steht aber unter strengster staatlicher Beobachtung. Der Verkauf von christlichen Materialien in der Öffentlichkeit ist verboten. Bei Razzien in Kirchen und Wohnhäusern werden Materialien regelmäßig beschlagnahmt. Der Staat gestattet keine christlichen Organisationen, Institutionen oder Schulen, noch erlaubt er christliche gemeinnützige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Vereinigungen. Da die Behörden die größten Verfolger im Land sind, ist es sehr gefährlich (und nutzlos), sich dagegen auszusprechen.

Auftreten von Gewalt

Es gibt kaum Berichte von gewalttätigen Übergriffen, denn die Christen in Turkmenistan wagen nicht, mit Ausländern über diese Art von Dingen zu reden. Sie haben Angst, man könnte die Informationen zu ihnen zurückverfolgen. Im Berichtszeitraum des WVI 2019 wurden nach den vorliegenden Berichten sieben Christen von der Polizei kurzfristig festgehalten und 25 Christen wurden geschlagen. Zwei Häuser wurden während Hausdurchsuchungen durch die Polizei beschädigt.

Beispiele dazu im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Der Alltag der einheimischen Bewohner Turkmenistans ist von der islamischen Kultur geprägt, in der Frauen eine geringere Position als Männer haben. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, wenn sie verheiratet sind, ihren Männern unterwerfen. Dies macht sie im Verfolgungsfall verletzlicher – sowohl als Christinnen als auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen. Christinnen mit muslimischem Hintergrund sind besonders durch die Verpflichtung betroffen, eine arrangierte Ehe, die noch vor ihrer Bekehrung zu Jesus Christus von den Eltern vereinbart wurde, auch tatsächlich einzugehen. Sie laufen ebenfalls Gefahr, verschleppt, zu Hause eingesperrt, geschlagen, zwangsverheiratet und vergewaltigt zu werden. Christinnen ohne muslimische Herkunft drohen ebenfalls Beschimpfungen, Bedrohungen und Arbeitsverlust.

Männer

Gemeindeleiter sind üblicherweise Männer; sie sind normalerweise auch die Familienoberhäupter und die Hauptverdiener. Wenn ein Christ Verfolgung erfährt – durch Geld- oder Gefängnisstrafe – dann leidet seine ganze Familie mit. Der Verlust der Arbeitsstelle hat Auswirkungen auf die ganze Familie. Wenn ein Mann der Leiter einer Gemeinde ist und Verfolgung erlebt, dann hat das Einfluss auf die gesamte Gemeinde und erzeugt Angst. Ein problematischer Bereich für Männer ist die fehlende Alternative zum Militärdienst. Die nachfolgende Aufzählung betrifft vor allem christliche Männer und Jungen muslimischer Herkunft: Sie können verbale und körperliche Gewalt, Drohungen, Schläge, Verhaftungen, Verhöre, Beschlagnahmungen, Strafgelder, Gefängnisstrafen, Verlust der Arbeit, Diskriminierungen, Vertreibung, Hausarrest, Schmähungen, Scheidung und Enteignung erleben.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Verschiedene Gruppen versuchen bislang vergeblich, einen legalen Status zu erlangen. Viele religiöse Gemeinschaften haben damit aufgehört, einen Antrag auf Anerkennung zu stellen und haben sich entschieden, still und ohne formellen Status weiterzumachen. Es gibt keinen Fokus auf eine spezielle religiöse Gruppierung – alle, Muslime, Christen, Juden, Bahais usw., leiden unter einem hohen Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Beispiele

  • Drei Zeugen Jehovas wurden im Juli 2018 für ein Jahr verhaftet, da sie aus religiösen Gründen den verbindlichen Militärdienst verweigert hatten. Sie gehören zu mindestens fünf Wehrdienstverweigerern im Jahr 2018, alle von ihnen Zeugen Jehovas. Weitere Fälle stehen noch unter Ermittlung des Staatsanwalts.
  • Am 11. Juli 2018 bestätigte das Oberste Gericht in der Hauptstadt Aschgabat die 12-jährige Gefängnisstrafe für fünf Muslime in der Balkan-Region im August 2017, die sich mit anderen getroffen hatten, um die Werke des verstorbenen türkischen islamischen Theologen Said Nursi zu studieren.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Das Regime von Präsident Berdimuhamedow sieht sich keinerlei nennenswerter Opposition gegenüber. Dies bedeutet, dass die politische Stabilität in Turkmenistan sehr hoch ist.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die gegenwärtige Regierung übt einen großes Maß von Kontrolle über das Land aus. Beamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Turkmenistan. Sie haben alle Arten von rechtlichen Restriktionen aufgestellt, überwachen alle religiösen Aktivitäten, stürmen Treffen und verhindern die Verbreitung religiöser Literatur. Die Chancen sind sehr gering, dass sich diese Situation ändert.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Der Islam ist keine Staatsreligion und wird durch die Behörden auf die gleiche Weise behandelt wie die anderen Religionen. Dennoch ist der Islam die traditionelle Religion eines Großteils der Bevölkerung und der muslimische Druck auf Christen in Turkmenistan kommt vom tiefgreifenden Einfluss von Familie, Freunden und sozialem Umfeld auf Konvertiten. Die Chancen stind sehr gering, dass sich diese Situation ändert.

Schlussfolgerung

Bedingt durch die hohe Stabilität der beiden wichtigsten Triebkräfte der Verfolgung in Turkmenistan, wird sich die Kirche im Land darauf vorbereiten müssen, weiterhin unter einem beachtlichen Maß an Überwachung und Druck zu leben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Turkmenistan:

  • Beten Sie bitte für den Schutz der Hauskirchen in Turkmenistan. Geheime Hausgemeinden werden mehr und mehr zum Ziel von Polizei und Behörden. In den meisten Gebieten sind öffentliche Gottesdienste völlig undenkbar. Zudem ist die Weitergabe des Evangeliums eine Straftat.
  • Turkmenistan gilt als eines der restriktivsten Länder der Erde. Nach Usbekistan ist Turkmenistan für religiöse Minderheiten der repressivste zentralasiatische Staat. Bitte beten Sie für größere Freiheiten im Land.
  • Bitte beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die schärfstem Druck ausgesetzt sind, zum Islam zurückzukehren. Christliche Konvertiten tragen die Hauptlast der Verfolgung in Turkmenistan. Beten Sie für ihren Schutz und ihr Durchhaltevermögen.

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