Länderprofil Turkmenistan

Turkmenistan

22
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Turkmenistan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
23
ISO
TM
Karte Vietnam
Christen
0,07
Bevölkerung
5.94
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.500
Familienleben: 11.200
Gesellschaftliches Leben: 13.800
Leben im Staat: 13.300
Kirchliches Leben: 15.700
Auftreten von Gewalt: 1.900

Länderprofil Turkmenistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 22 / 70 Punkte (WVI 2019: Platz 23 / 69 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Selbst in Russisch-Orthodoxen und Armenisch-Apostolischen Kirchen kommt es vor, dass die Sonntagsgottesdienste überwacht werden. Druck und Import christlicher Materialien unterliegen Einschränkungen. Christen mit muslimischem Hintergrund sind am stärksten von der Verfolgung betroffen, die sowohl vom Staat als auch von Familie, Freunden und der Gesellschaft ausgeht. Christen aus nichtregistrierten Gemeinden leiden immer wieder unter Polizeirazzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im November 2018 wurde eine zum christlichen Glauben konvertierte Frau auf die Polizeiwache gerufen, wo sie wegen Besitz christlicher Literatur und Treffen in ihrem Haus verhört wurde. Ihr wurde mit Verhaftung gedroht.
  • Kirchliche Aktivitäten werden oft von den Familien von Konvertiten zum christlichen Glauben, der lokalen muslimischen Bevölkerung und den örtlichen Behörden gestört oder behindert.
  • Seit der Einführung eines neuen Religionsgesetzes am 12. April 2016 wird das kirchliche Leben strenger kontrolliert.

Meldungen und Beiträge zu Turkmenistan

Open Doors Tage
Pastor Batyr aus Turkmenistan

Pastor Batyr aus Turkmenistan

37:22 Minuten
Turkmenistan
Der turkmenische Pastor Batyr wurde wegen seines Glaubens an Jesus im Gefängnis gefoltert. Er berichtete davon, wie sein Glaube auf die Probe gestellt wurde und wie er erkannte, was Jesus wirklich wichtig ist.
Anhören
Interview
Batyr aus Turkmenistan
Turkmenistan
Batyr kommt aus Turkmenistan, lebt aber heute im Exil. Im Interview erzählte er von neuen Formen der Verfolgungen der turkmenischen Gemeinde, seiner Vision einer Kirche, die das Evangelium weiterträgt und wie er selbst zum Glauben fand.
Informationen für den Gemeindebrief
Hauskirche in Zentralasien
Turkmenistan
(Open Doors, Kelkheim) – In ganz Turkmenistan gibt es bei 5,5 Mio. Einwohnern gerade einmal 19 registrierte Kirchen. Betrachtet man die Anzahl der immerhin ca. 70.000 Christen im Land, so wird das Dilemma offensichtlich.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 70 Punkten liegt Turkmenistan auf Platz 22 des Weltverfolgungsindex 2020; im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2019 entspricht dies einem Anstieg um einen Punkt.

Die Christen in Turkmenistan leiden weiterhin unter einem hohen Maß an Kontrolle durch die autoritäre Regierung – dies trifft sie besonders in den Bereichen „Privatleben“ und „Kirchliches Leben“.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Protestanten werden häufig als „Extremisten” gebrandmarkt, weil ihre religiösen Aktivitäten außerhalb der staatlich genehmigten Strukturen stattfinden. Mitglieder protestantischer Gemeinden werden oft als Anhänger einer fremden Sekte angesehen, die nur ein Ziel hat, nämlich das aktuelle politische System auszuspionieren und zu zerstören. Auf Grundlage dieser Sichtweise müssen sie nicht nur kontrolliert, sondern, wenn nötig, sogar ausgelöscht werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn sich einheimische muslimische Bürger zu Jesus Christus bekehren, sehen sie sich häufig Druck und vereinzelt auch körperlicher Gewalt von ihrer Familie, ihren Freunden und der örtlichen Gemeinschaft ausgesetzt, die auf diese Weise versuchen, sie zur Rückkehr zu ihrem vorherigen Glauben zu zwingen. Manche von ihnen werden von ihren Familien für lange Zeit eingesperrt, geschlagen und eventuell sogar von der Gesellschaft ausgestoßen. Mullahs vor Ort predigen gegen sie und erhöhen somit den Druck. Daher tun diese Christen alles, um ihren Glauben zu verbergen, und werden zu sogenannten „secret believers“ (Christen, die ihren Glauben heimlich leben).

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Beamte auf allen Ebenen sind religiösen Gruppen gegenüber sehr feindselig eingestellt. Alle religiösen Aktivitäten werden genau überwacht, um festzustellen, ob sie zulässig sind. Wenn dies nicht der Fall ist, sind Razzien, Festnahmen, Beschlagnahmungen und Geldstrafen üblich.
  • Politische Parteien: Nur wenige politische Parteien sind zugelassen. Die Partei, welche die Regierung von Präsident Berdimuhamedow stellt, beteiligt sich insofern an der Verfolgung von Christen, als ein großer Teil der Verfolgung von der Regierung gebilligt wird.
  • Gewöhnliche Bürger: Vor allem auf lokaler Ebene beobachten Bürger alle religiösen Aktivitäten und erstatten den Behörden Bericht.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Großfamilie: Besonders in ländlichen Regionen üben muslimische Familienmitglieder hohen Druck auf Konvertiten zum christlichen Glauben aus. Dies kann zu Drohungen, Schlägen, Hausarrest oder Ächtung führen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Turkmenische Stammesführer fördern mit Unterstützung der Behörden alle genannten Formen der Verfolgung. Mahalla-Versammlungen (lokale Selbstverwaltung eines Stadtviertels) erhalten in vielen Fällen die behördliche Befugnis, im Namen des Staates Christen zu verfolgen, insbesondere um missionarische Aktivitäten zu unterbinden.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Kleriker sind offen in ihrer Feindseligkeit gegenüber Christen, die nicht der orthodoxen Kirche angehören und insbesondere gegenüber Konvertiten aus dem Islam.
  • Gewöhnliche Bürger: Sie üben auf der gesellschaftlichen Ebene zusätzlichen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, zum Islam zurückzukehren. Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, werden von ihrem sozialen Umfeld und religiösen Leitern massiv verfolgt.
  • Regierungsbeamte: Auf kommunaler Ebene besteht eine Verbindung zwischen der lokalen Regierung und durch den Islam motivierte Verfolgung. Häufig kennen sich entsprechend aktive Muslime und örtliche Beamte gegenseitig. Deshalb ist die Verfolgung von Christen muslimischer Herkunft auf kommunaler Ebene stärker als auf der staatlichen Ebene, wo die Beamten von sich behaupten, säkular zu sein.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Das Ausmaß der Verfolgung durch Regierungsbeamte ist in Turkmenistan landesweit gleich. Der Druck von Familie, Freunden und der Kommune auf Christen muslimischer Herkunft ist außerhalb der städtischen Gebiete stärker.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich mit den Einschränkungen durch die Regierung arrangiert und wird daher mehr oder weniger in Ruhe gelassen. Sonntagsgottesdienste mögen zwar überwacht werden, aber sie können ungehindert stattfinden und die Gemeindemitglieder können sich treffen. Druck und Import christlicher Literatur sind eingeschränkt.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund sind in Turkmenistan am stärksten von Verfolgung betroffen. Außer vom Staat werden sie auch von ihren eigenen Familien, ihren Freunden und der Kommune stark unter Druck gesetzt. Der von der Kommune ausgehende Druck ist am schwerwiegendsten, weil er das alltägliche Leben bestimmt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Nach den Christen muslimischer Herkunft ist diese Gruppe von Christen die am stärksten verfolgte – vor allem wenn die Gemeinde nicht registriert ist. Baptisten, evangelikale und pfingstkirchliche Gruppen leiden unter Razzien, Bedrohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.5
Familienleben 11.2
Gesellschaftliches Leben 13.8
Leben im Staat 13.3
Kirchliches Leben 15.7
Auftreten von Gewalt 1.9

Grafik: Verfolgungsmuster Turkmenistan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch und stieg von 13,5 Punkten im Vorjahr auf 13,7 beim Weltverfolgungsindex 2020. Der Druck erhöhte sich in den Bereichen „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“, während er leicht abnahm in den Bereichen „Privatleben“ und „Leben im Staat“. Der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ blieb gleich.
  • Extrem hoch sind die Wertungen für die Bereiche „Kirchliches Leben“ (15,7), „Privatleben“ (14,5) und „Gesellschaftliches Leben“ (13,8). Die höchste Punktzahl im kirchlichen Leben spiegelt die vielen Restriktionen wider, die Christen vom Staat auferlegt werden.
  • Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist gering. Sie stieg für den Weltverfolgungsindex 2020 von 1,3 auf 1,9 an, doch es wurden weiterhin nur wenige gewaltsame Vorfälle gemeldet.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich, christliche Materialien privat zu besitzen oder aufzubewahren: Im Falle von Christen muslimischer Herkunft geht die Verfolgung von der Familie oder Kommune aus, wenn diese christliche Materialien finden. Christliche Materialien werden als eindeutiger Beweis für eine Bekehrung angesehen. Wenn solche Materialien gefunden werden, werden sie zerstört und der/die Christ/in muslimischer Herkunft wird drangsaliert. Die Regierung fordert strikt, dass alle religiöse Literatur – unabhängig davon, ob sie ins Land eingeführt oder vor Ort gedruckt wird – von den staatlichen Behörden überprüft werden muss. Andernfalls gelten die Materialien als illegal und verboten. Auf der Suche nach illegalen religiösen Materialien führt die Polizei regelmäßig in Häusern und Kirchen Razzien durch. Ein Gemeindeleiter sagte: „Alle elektronischen Geräte, Computer, Mobiltelefone etc. werden beschlagnahmt und auf ihren Inhalt hin überprüft."
  • Für Christen ist es riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Christen muslimischer Herkunft wissen, dass dies unerwünschte Aufmerksamkeit von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld erregt, und auch für Christen aus protestantischen Kirchen ist es riskant, weil sie damit rechnen müssen, dass die muslimische Gemeinschaft ihnen versuchte Evangelisation vorwirft. Christen muslimischer Herkunft und protestantische Christen ziehen auch unerwünschte Aufmerksamkeit von staatlichen Angestellten auf sich, wenn sie offen christliche Symbole tragen.
  • Es ist riskant für Christen, christliche Radio- oder Fernsehsendungen zu hören bzw. zu sehen oder christliche Materialien im Internet abzurufen: Christen muslimischer Herkunft müssen sehr vorsichtig sein, wenn sie dies zu Hause tun. Werden sie entdeckt, sind heftige Reaktionen seitens der anderen Familienmitglieder zu befürchten. Der Zugriff auf ausländische christliche Medien ist für alle Christen in Turkmenistan schwierig. Der Zugang zum Internet erfolgt über staatliche Internetanbieter und wird daher überwacht.
  • Den Glauben zu wechseln ist verboten und strafbar und ruft Widerstand hervor: Eine Konversion zum christlichen Glauben wird als Verrat an der Familie und der Kultur sowie am Islam angesehen. Dies kann auch zu körperlicher Gewalt führen. Offiziell gibt es kein Hindernis für einen Glaubenswechsel, da die Gesetze säkular sind. Die Regierung lehnt jedoch alles ab, was zu Spannungen in der Bevölkerung führen könnte.

Alle Fragen im Bereich „Privatleben“ wurden mit 3 oder mehr Punkten bewertet. Die Christen in Turkmenistan erfahren es als schwierig, Zeiten der Anbetung zu leben, ihren Glauben mitzuteilen und mit anderen über ihren Glauben zu sprechen und andere Christen zu treffen.

Familienleben

  • Eltern werde daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben zu erziehen: Muslimische Angehörige versuchen, die Kinder von Christen muslimischer Herkunft im Islam zu halten und sie nach traditionellen Bräuchen zu erziehen. Es gibt keinen offiziellen Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen; der private Religionsunterricht wird von der Regierung eingeschränkt.
  • Kinder aus christlichen Familien werden dazu gedrängt, islamischen Religionsunterricht oder anti-christlichen Unterricht zu besuchen: Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, Gesellschaft) drängt besonders Kinder von Christen muslimischer Herkunft dazu, den Islamunterricht zu besuchen – manchmal sogar gegen den Willen der Eltern. Die Teilnahme an allen Aktivitäten, die von Schulen oder anderen Bildungseinrichtungen organisiert werden, ist für die Schüler verpflichtend.
  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: Kinder von Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Kirchen sind in der Regel von der Gemeinschaft mit anderen Kindern isoliert. Oft werden sie in den Schulen vor allen anderen Kindern gedemütigt und verleumdet.
  • Christliche Taufen werden verhindert: Für die Familie, Freunde und das weitere soziale Umfeld von Christen muslimischer Herkunft gilt die Taufe als endgültiger Abschied vom Glauben der Väter und stößt deshalb auf Widerstand. Taufen in nicht registrierten Kirchen sind untersagt. Sollte der Staat davon erfahren, führen die Behörden eine Razzia durch, die Christen werden verhört und mit einer Geldstrafe belegt.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden wegen ihres Glaubens in ihrem Alltagsleben schikaniert, bedroht oder behindert: Christen muslimischer Herkunft werden von der Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld (einschließlich des örtlichen Imams) bedroht, um sie zur Aufgabe ihres Glaubens zu bewegen. Lokale muslimische Gemeinschaften schikanieren auch Christen aus protestantischen Kirchen, die sie der Evangelisation beschuldigen. (Nicht registrierte) protestantische Gemeinden werden von den Behörden schikaniert, bedroht, diskriminiert und behindert.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld oder von privaten Gruppen überwacht: Christen muslimischer Herkunft werden von Mitgliedern ihrer Familie und der Kommune überwacht. Auch Christen aus protestantischen Kirchen werden von der muslimischen Gemeinschaft überwacht, da ihnen grundsätzlich unterstellt wird, sie würden evangelisieren. Der Staat überwacht fortwährend alle religiösen Aktivitäten, sogar indem er Spitzel in religiöse Gemeinschaften einschleust.
  • Christen wurden aus religiösen Gründen mit einer Geldstrafe belegt: Die Erhebung von muslimischen Steuern (Dschizya) ist in Turkmenistan nicht erlaubt. Von staatlicher Stelle werden häufig Bußgelder verhängt. Christen werden für eine schier endlose Liste von Vergehen bestraft, wie z. B. illegale Treffen, Besitz von religiöser Literatur, christliche Lieder auf ihren Smartphones, etc.
  • Christen wurden wegen ihres Glaubens verhört oder genötigt, sich bei der örtlichen Polizei zu melden: Christen muslimischer Herkunft, deren neuer Glaube bekannt geworden ist, werden von ihrer Familie und den Menschen in ihrem sozialen Umfeld bedrängt und regelrecht verhört. Der Staat führt regelmäßig Razzien in christlichen Versammlungen durch, auch in denen von registrierten Gruppen. Alle Anwesenden werden verhört, viele verhaftet, viele mit einer Geldstrafe belegt und alle gefundenen Materialien werden beschlagnahmt.

Christen erleben auch Schwierigkeiten beim Zugang zu kommunalen Einrichtungen; sie werden unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören und werden im Berufsleben diskriminiert.

Leben im Staat

  • Staatliche Gesetze schränken die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Das Religionsgesetz (von 2016) enthält viele Einschränkungen der Religionsfreiheit, darunter ein Verbot nicht registrierter religiöser Organisationen (obwohl es für eine Gemeinde praktisch unmöglich ist, eine offizielle Registrierung zu erhalten), ein Verbot des privaten Religionsunterrichts, die Forderung nach der Überprüfung religiöser Literatur durch die Behörden, etc.
  • Christen werden durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln: Der Militärdienst ist obligatorisch und Christen können den Dienst in der Armee nicht aus Gewissensgründen verweigern.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern: Alle Medien werden staatlich kontrolliert und Christen wird der Zugang dazu, ihre Ansichten über die Medien in der Öffentlichkeit mitzuteilen, verweigert. Auch der Internetzugang wird kontrolliert und christliche Meinungsäußerungen werden blockiert. Muslime betrachten christliches Predigen/Evangelisieren als nicht wünschenswert und verhindern es deshalb mit allen verfügbaren Mitteln.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder Parteien werden behindert oder verboten: Der Staat lässt christliche Organisationen oder christliche politische Parteien nicht zu. Die Muslime würden christliche Organisationen außerdem als Versuch betrachten, Menschen zum christlichen Glauben zu bekehren, und ihnen Widerstand entgegenbringen.

Christen in Turkmenistan erleben außerdem immer wieder, dass sie im Kontakt mit Behörden diskriminiert und von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Sie sind voreingenommenen Medien- und Verleumdungskampagnen ausgesetzt, dürfen keine religiösen Symbole zeigen und werden vor Gericht nicht gleichbehandelt; auch die Teilnahme internationaler Beobachter in Prozessen gegen Christen wird behindert.

Kirchliches Leben

  • Eine Registrierung oder einen Rechtsstatus zu erhalten, ist mit Schwierigkeiten verbunden: Im Jahr 2016 wurde ein neues Religionsgesetz eingeführt, das die Anzahl der Mitglieder einer christlichen Gemeinde, die für die Registrierung einer Kirchengemeinde notwendig sind, von 5 auf 50 erhöht hat. Allerdings war es schon vorher praktisch unmöglich, eine Registrierung zu erhalten. Gleichzeitig sind nicht registrierte Kirchen und Hauskreise verboten. Alle registrierten Kirchen mussten bzw. müssen nach dem neuen Gesetz den Prozess der Neuregistrierung durchlaufen. Die Neuregistrierung ist für die vormals registrierten Kirchen alles andere als einfach. Ein großes Hindernis ist der Mangel an Gebäuden. Die Gemeinden müssen einen Nachweis vorlegen, dass sie Räumlichkeiten zum Gottesdienst entweder besitzen oder mieten. Es ist praktisch unmöglich, Räumlichkeiten zur Miete zu finden, zumal die Eigentümer möglicher Gebäude vom Staat davor gewarnt werden, an protestantische Gemeinden zu vermieten. Auch russisch-orthodoxe Gemeinden und andere traditionelle Kirchen müssen bzw. mussten sich neu registrieren lassen.
  • Die Arbeit unter Jugendlichen ist eingeschränkt: Nur registrierten Kirchen sind Angebote für Jugendliche erlaubt – und auch nur dann, wenn sie das schriftliche Einverständnis beider Elternteile der jeweiligen Kinder vorweisen können. Allerdings werden alle Treffen, bei denen Kinder und Jugendliche anwesend sind (insbesondere Sommerlager), regelmäßig kontrolliert und Razzien durchgeführt. Einheimische Muslime bringen christlichen Aktivitäten, die sich an Jugendliche richten, Widerstand entgegen und sind dafür bekannt, dass sie Jugendveranstaltungen und Sommerlager blockieren.
  • Christen werden bei der Ausbildung ihrer eigenen Gemeindeleiter behindert: Offiziell sollte die Ausbildung von Gemeindeleitern in speziellen religiösen Einrichtungen erfolgen, die eine staatliche Lizenz besitzen und die nur von den Behörden überprüfte Bildungsmittel verwenden. Allerdings gibt es in Turkmenistan keine einzige christliche Bildungseinrichtung – nicht einmal die Russisch-Orthodoxe Kirche hat ein Priesterseminar. Die religiöse Ausbildung auf privatem Weg ist ebenfalls verboten.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Materialien zu importieren: Alle importierten religiösen Materialien müssen die offizielle Prüfung durch den Rat für religiöse Angelegenheiten durchlaufen. In den meisten Fällen werden die Artikel beschlagnahmt und vernichtet. Aus diesem Grund versuchen Christen aus protestantischen Kirchen erst gar nicht, gedruckte Materialien nach Turkmenistan hineinzubringen. Muslime melden es den Behörden, wenn sie entdecken, dass Christen religiöse Materialien illegal importieren.

Christen werden zudem bei ihren Aktivitäten, beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden, bei der Organisation von Aktivitäten innerhalb oder außerhalb ihrer Gemeinderäumlichkeiten und bei der Integration von Konvertiten aus dem Islam überwacht, gestört oder behindert. Christliche Materialien werden kontrolliert und beschlagnahmt. Der Druck, der Verkauf und die Verteilung von religiösen Materialien ist verboten.

Auftreten von Gewalt

  • Etwa 30 Christen wurden angegriffen; die meisten von ihnen wurden von (örtlichen) Regierungsbeamten schikaniert (Diktatorische Paranoia).
  • Mindestens 10 Christen wurden im Berichtszeitraum von der Polizei festgenommen.
  • 3 Häuser von Christen wurden angegriffen und beschädigt. Meistens richten sich die Angriffe gegen illegale Treffen in den Häusern von Christen.

Es gibt kaum Berichte von gewalttätigen Übergriffen, denn die Christen in Turkmenistan wagen es nicht, derartige Informationen an Ausländer weiterzugeben (aus Angst, dass man die Informationen zu ihnen zurückverfolgen könnte).

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Zwangsverheiratung
  • (Haus-)Arrest durch Familie
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

Laut einer Umfrage von GWANET, einem von der Asiatischen Entwicklungsbank eingerichteten Netzwerk, das sich unter anderem mit Aspekten der Geschlechtergleichstellung in den zentralasiatischen Ländern befasst, betrachtet nur etwa ein Viertel der Männer und Frauen in Turkmenistan die Stellung von Frauen als gleichwertig mit der von Männern. Die Vorherrschaft der islamischen Kultur weist Frauen eine gegenüber Männern untergeordnete Position zu. Von Frauen wird erwartet, dass sie sich ihren Eltern und, wenn sie verheiratet sind, ihren Männern völlig unterordnen.

Christinnen muslimischer Herkunft, die durch ihre Abkehr vom Islam die bestehende akzeptierte Gesellschaftsordnung in Frage stellen, sind daher besonders gefährdet, Verfolgung zu erfahren. Sie sind Schlägen, Hausarrest, verbaler und körperlicher Misshandlung, Drohungen, Enterbung und Ablehnung ausgesetzt. Zudem können sie Opfer von Entführung, Vergewaltigung und sexueller Belästigung werden. Sexuelle Übergriffe verursachen Schamgefühle bei den Opfern, die sie davon abhalten, Unterstützung zu suchen oder Anzeige zu erstatten. Fälle von Straftaten gegen Frauen kommen nur selten vor turkmenische Gerichte. Entführte Frauen werden – quasi als „Korrekturmaßnahme“ – manchmal mit Muslimen zwangsverheiratet. Christinnen muslimischer Herkunft können durch Entführungen zur Ehe gezwungen werden, allerdings auch aufgrund vorehelicher Vereinbarungen, die beide Familien vor der Bekehrung der Konvertitin bereits miteinander getroffen hatten.

Christliche Frauen werden auch im Berufsleben diskriminiert und verlieren manchmal ihren Arbeitsplatz ganz. Da viele junge Frauen finanziell stark von ihren Eltern abhängig sind, macht der Verlust der Arbeit sie noch abhängiger von ihrem Familienverbund, der wiederum oft selbst eine Quelle der Verfolgung ist.

Der Missbrauch von Frauen wird als Instrument der Verfolgung - gerichtet gegen die Ehemänner und andere Familienmitglieder – genutzt; so soll die gesamte christliche Gemeinschaft unter Druck gesetzt und in der turkmenischen Kirche Angst und Gefühle der Hilflosigkeit gefördert werden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Ausschluss aus der Kommune/Netzwerken
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Diskriminierung/Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Wirtschaftliche Schikane durch Geldstrafen
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Normalerweise haben Männer in Turkmenistan Führungsrollen inne, innerhalb der Familie als Familienoberhäupter und Hauptverdiener sowie innerhalb der Kirche. Wenn sie verfolgt werden, betrifft dies ganze Familien und Gemeinden und verursacht Angst, Aggression und finanzielle Not. Christen haben den Eindruck, dass Staatsbeamte nach jedem nur denkbaren Vorwand suchen, um Bußgelder gegen christliche Männer zu verhängen; zum Beispiel wegen des Abhaltens illegaler Versammlungen, des Besitzes religiöser Literatur oder sogar für das Herunterladen christlicher Lieder. Druck geht auch von dem örtlichen sozialen Umfeld aus; Muslime behindern die Geschäftsaktivitäten von Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Kirchen (die sie als Sekte betrachten), was viele christliche Geschäftsinhaber dazu zwingt, ihren Glauben geheim zu halten.

Gemeindeleiter in Turkmenistan sind in besonderem Maß von Verfolgung betroffen. Muslime sehen sie als Hauptverantwortliche für den Glaubenswechsel ihrer Leute an und greifen diejenigen an, die sie für die aktivsten Evangelisten halten. Für Gemeindeleiter ist es außerdem schwierig, theologische Aus- und Fortbildung zu erhalten. Die Behörden erwarten von Männern in Leitungspositionen ein gewisses Maß an Zusammenarbeit – sie sollen die Behörden über jeden informieren, der radikale oder „extremistische“ Ansichten hat. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Behörden auch darauf Einfluss nehmen, wer eine Leitungsposition übernehmen soll. Religiöse Bildung und religiöse Institutionen sind in Turkmenistan stark eingeschränkt; die Ausbildung kann nur in speziellen, staatlich lizenzierten religiösen Institutionen durchgeführt werden. Solche Einrichtungen gibt es in Turkmenistan jedoch nicht.

Der Militärdienst ist in Turkmenistan nach wie vor obligatorisch und Einwände aus Gewissensgründen sind nicht zulässig, was für christliche Männer ebenfalls zu Verfolgung führen kann. Zudem werden männliche Konvertiten zum christlichen Glauben von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld schikaniert und verhört. Mitunter erleben sie auch Hausarrest, Enterbung, Erniedrigung und Schläge. 

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Bei einigen schiitischen muslimischen Gemeinschaften wurden Anträge auf Registrierung abgelehnt. Für Zeugen Jehovas ist es derzeit unmöglich, einen Rechtsstatus zu erlangen. Viele religiöse Gemeinschaften haben ihre Anträge auf Registrierung eingestellt und beschlossen, still und leise ohne formalen Rechtsstatus zu arbeiten.

Die Regierung konzentriert sich nicht auf eine bestimmte religiöse Gruppe – Muslime, Christen, Juden, Bahais etc. erleben alle ein hohes Maß an staatlicher Überwachung und Unterdrückung.

Beispiele:

  • Am 7. Januar 2019 verurteilte ein Gericht in der Region Lebap im Osten des Landes den 18-jährigen Azamatjan Narkulyev wegen Verweigerung der Wehrpflicht aus Gewissensgründen zur Höchststrafe von zwei Jahren Haft. Er ist einer von 12 Wehrdienstverweigerern aus Gewissensgründen – allesamt Zeugen Jehovas –, von denen bekannt ist, dass sie im Gefängnis sind.
  • Im Jahr 2019 ging ein Muslim in der westlichen Stadt Balkanabad nicht mehr in die Moschee, nachdem er von der Polizei verhört worden war.
  • Am 31. Juli 2019 verurteilte ein Gericht in Aschgabad den 20-jährigen Zeugen Jehovas Azat Ashirov zu zwei Jahren Gefängnis, weil er die Wehrpflicht aus Gewissensgründen verweigert hatte.

9. Der Ausblick für Christen

Im Hinblick auf Diktatorische Paranoia

Die gegenwärtige Regierung übt ein sehr hohes Maß an Kontrolle über das Land aus. Regierungsbeamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen. Sie haben alle nur erdenklichen rechtlichen Einschränkungen verfügt, überwachen alle religiösen Aktivitäten, stürmen Versammlungen und blockieren die Verwendung religiöser Materialien. Die Chancen, dass sich diese Situation ändern wird, sind sehr gering.

Im Hinblick auf Islamische Unterdrückung

Der Islam ist nicht Staatsreligion und wird von den Behörden genauso behandelt wie die anderen Religionen. Dennoch ist der Islam die traditionelle Religion des Großteils der Bevölkerung und der durch Muslime auf Christen ausgeübte Druck im Land kommt vom weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und der Kommune, besonders auf christliche Konvertiten. Da dies eine in der Kultur verankerte Situation ist, sind Änderungen sehr unwahrscheinlich.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Turkmenistan:

  • Bitten Sie um Schutz für die (geheimen) Hauskirchen. Sie geraten mehr und mehr ins Visier von Polizei und Behörden. In den meisten Gebieten sind öffentliche Gottesdienste völlig undenkbar. Zudem ist die Weitergabe des Evangeliums strafbar.
  • Turkmenistan gilt als eines der restriktivsten Länder der Welt. Nach Usbekistan ist es für religiöse Minderheiten der repressivste zentralasiatische Staat. Bitte beten Sie für Freiheit im Land.
  • Bitte beten Sie für Christen muslimischer Herkunft, die schärfstem Druck ausgesetzt sind, zum Islam zurückzukehren. Christliche Konvertiten sind am stärksten von Verfolgung betroffen. Beten Sie für ihren Schutz und Ausdauer.

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