Länderprofil Turkmenistan

Turkmenistan

25
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Turkmenistan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik mit Einparteiensystem
Platz Vorjahr
23
Karte Vietnam
Christen
0,07
Bevölkerung
6.12
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 14.500
Familienleben: 11.300
Gesellschaftliches Leben: 13.600
Leben im Staat: 13.300
Kirchliches Leben: 15.700
Auftreten von Gewalt: 0.600

Länderprofil Turkmenistan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 25 / 69 Punkte (WVI 2021: Platz 23 / 70 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

In den russisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Gemeinden (den traditionellen Kirchen in der Region) werden Sonntagsgottesdienste überwacht. Der Druck oder die Einfuhr von christlichen Schriften ist stark eingeschränkt. Christen muslimischer Herkunft sind die Hauptleidtragenden von Rechtsverletzungen, die sowohl vom Staat als auch von Familie und Gesellschaft begangen werden. In Kirchen, die nicht registriert sind, werden Christen immer wieder Opfer von Polizeirazzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Turkmenistan erlangte 1991 im Zuge des Zusammenbruchs der Sowjetunion seine Unabhängigkeit. Trotz erheblicher Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt es eine hohe Rate von Arbeitslosigkeit und Armut. Turkmenistan ist ein Einparteienstaat mit einem auf Zwangsarbeit ausgerichteten Gefängnisapparat, in dem tausende Menschen unter entsetzlichen Bedingungen inhaftiert sind. Die Regierung ist hinsichtlich der Registrierung religiöser Gruppen sehr strikt. Selbst bereits registrierte Gruppen müssen alle drei Jahre eine Verlängerung ihrer Registrierung beantragen. Außerdem überwacht die Regierung alle ihre Aktivitäten innerhalb der Landesgrenzen. Religiöse Gruppen müssen sämtliche Finanzmittel, insbesondere aus dem Ausland, angeben – sonst drohen hohe Geldstrafen und Verhaftungen ihrer Leiter.

Die Hauptreligion ist der sunnitische Islam, doch es wäre falsch, Turkmenistan als ein muslimisches Land zu bezeichnen. Die meisten Turkmenen folgen eher den Traditionen als den Lehren des Islam. Siebzig Jahre sowjetischer Atheismus haben ihre Spuren hinterlassen, daher ist die Regierung strikt säkular. Laut World Christian Database gibt es neben der Hauptreligion Islam auch eine nennenswerte Minderheit an Agnostikern und Atheisten in Turkmenistan. Sie sind vor allem in der Hauptstadt Aschgabat und anderen Großstädten zu finden. Die kleine christliche Minderheit ist aufgrund vieler Spaltungen und geringer Zusammenarbeit der unterschiedlichen Konfessionen geschwächt, was der Regierung in die Hände spielt.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

67.300

1,1

Muslime

5.920.000

96,8

Buddhisten

790

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

930

0,0

Juden

500

0,0

Bahai

1.200

0,0

Atheisten

23.900

0,4

Agnostiker

102.000

1,7

Andere

700

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Überall im Land kommt es durch Regierungsbeamte zu Rechtsverletzungen gegenüber Christen. Der Druck von Familie und sozialem Umfeld auf christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund ist in ländlichen Gebieten stärker.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Diktatorische Paranoia

Nur staatlich kontrollierte religiöse Institutionen sind erlaubt. Protestanten werden aufgrund ihrer religiösen Aktivitäten außerhalb der staatlich kontrollierten Strukturen häufig als „Extremisten“ gebrandmarkt. Die Regierung sieht in den Protestanten eine Bedrohung des politischen Status quo, die es zu kontrollieren und zu unterdrücken gilt.

Islamische Unterdrückung vermischt mit Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Christliche Konvertiten muslimischer Herkunft sind häufig dem Druck und der körperlichen Gewalt ihrer Familien und der Dorfgemeinschaft ausgesetzt, die versuchen, sie zur Rückkehr zum Islam zu zwingen. Manchen christlichen Konvertiten droht der Hausarrest oder die Verbannung aus ihrer Dorfgemeinschaft. Daher versuchen viele, ihren Glauben geheim zu halten.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche hat sich an die von der Regierung gesetzten Einschränkungen angepasst und wird daher mehr oder weniger in Ruhe gelassen. Ihre Gottesdienste werden zwar überwacht, aber sie können ungehindert durchgeführt werden. Der Druck oder die Einfuhr von christlichen Schriften ist stark eingeschränkt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund erleben Übergriffe des Staates und starken Druck von Familie und sozialem Umfeld.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu den protestantischen Freikirchen gehören baptistische, evangelikale und pfingstkirchliche Gemeinden. Abgesehen von den christlichen Konvertiten erleben diese Gemeinden die stärksten Verletzungen ihrer Rechte aufgrund ihres Glaubens. Dazu zählen Razzien, Drohungen, Verhaftungen und Geldstrafen, insbesondere dann, wenn die Kirchen nicht registriert sind.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 14.5
Familienleben 11.3
Gesellschaftliches Leben 13.6
Leben im Staat 13.3
Kirchliches Leben 15.7
Auftreten von Gewalt 0.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Die Regierung führt eine strenge Kontrolle von Einfuhr und Herstellung religiöser Schriften im Land durch. Es ist gefährlich, privat im Besitz christlicher Schriften zu sein; der Besitz gilt als Beweis für einen Glaubenswechsel, der als Verrat an Familie und Kultur angesehen wird. Familie und soziales Umfeld reagieren auf die Hinwendung zum christlichen Glauben oft mit sozialem Druck, wirtschaftlicher Ausgrenzung oder sogar Gewalt.

Familienleben

Die überwiegend muslimische Gesellschaft übt immensen Druck auf die Kinder von christlichen Konvertiten aus. Insbesondere müssen sie am Islamunterricht in der Moschee teilnehmen, auch gegen den Willen ihrer Eltern. Kinder von christlichen Konvertiten und von Protestanten werden oft aus der Gesellschaft ausgegrenzt, um sie zur Rückkehr zum Islam zu zwingen.

Gesellschaftliches Leben

Christliche Konvertiten werden von der Familie und der Gemeinschaft (darunter auch örtliche islamische Autoritätspersonen) bedroht, um sie dazu zu bringen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Sowohl Mitglieder der Ortsgemeinschaft als auch staatliche Behörden überwachen und schikanieren nicht registrierte Protestanten, die sie der Weitergabe des Evangeliums beschuldigen. Infolgedessen sind Christen Drohungen, Diskriminierung und Einschränkungen ausgesetzt und werden mit Geldstrafen belegt. Die Übergriffe reichen bis hin zu staatlich organisierten Razzien, die in der Regel auf Geheiß lokaler muslimischer Informanten durchgeführt werden.

Leben im Staat

Die Feindseligkeit der turkmenischen Gesellschaft gegenüber Christen wird durch einen großen und ebenso feindseligen Staatsapparat unterstützt, der versucht, der Bevölkerung eine gesellschaftliche und damit auch religiöse Einheitlichkeit aufzuzwingen. Das Religionsgesetz sieht ein Verbot nicht registrierter religiöser Organisationen vor sowie derer formeller oder privater Religionsunterweisung. Das Regime zensiert Christen, kontrolliert die Medien und verbietet Oppositionsparteien.

Kirchliches Leben

Die Erlangung eines Rechtsstatus für nicht registrierte Kirchen ist praktisch unmöglich. Auch registrierte Kirchen müssen sich nach dem Gesetz alle drei Jahre neu registrieren lassen – ein kompliziertes und zeitaufwändiges Verfahren. Kirchen, vor allem protestantische, haben außerdem Schwierigkeiten, Gebäude zu finden, weil Vermieter Christen ablehnen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Quellen berichten, dass mindestens 27 Christen körperlich oder seelisch misshandelt wurden. Die meisten gemeldeten Fälle ereigneten sich im familiären Umfeld, dabei kam es zu Schlägen, Drohungen und Isolation.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

25

68,96

2021

23

70,11

2020

22

70,34

2019

23

68,87

2018

19

68,20

Auf dem Weltverfolgungsindex 2022 liegt Turkmenistan bei 69 Punkten und damit einen Punkt niedriger als auf dem Weltverfolgungsindex 2021. Die Lage ist stabil, mit nur geringfügigen Veränderungen in einigen Bereichen des Drucks und der Gewalt im Land. Der Druck ist in den Bereichen des Privatlebens und des kirchlichen Lebens extrem hoch, was den Einfluss der beiden größten Triebkräfte der Verfolgung in Turkmenistan widerspiegelt: islamische Unterdrückung und diktatorische Paranoia. Muslimische Familien, Freunde und Dorfbewohner üben vor allem auf Christen muslimischer Herkunft Druck aus, während die Regierung den christlichen Kirchen viele Einschränkungen auferlegt.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Der gesetzliche Schutz von Frauen in Turkmenistan ist nach wie vor lückenhaft, auch in Bezug auf häusliche Gewalt und sexuelle Belästigung. In der vorherrschenden islamischen Kultur ist die Frau dem Mann untergeordnet. Christliche Konvertitinnen sind besonders von Schlägen, Hausarrest, Beschimpfungen, Drohungen, Ablehnung, Entführung und Zwangsheirat bedroht. Frauen und Mädchen sind nach wie vor von sexueller Belästigung und Vergewaltigung bedroht, zeigen die Fälle jedoch aufgrund von Brandmarkung und Scham selten an, und den Tätern wird regelmäßig Straffreiheit gewährt. Der Missbrauch von Frauen wird zur Einschüchterung und Bedrohung ihrer Ehemänner, Familien und Kirchen eingesetzt.

Männer: In der Regel übernehmen Männer die Führungsaufgaben in den Familien und Kirchen. Folglich wirkt sich die gegen Männer gerichtete Verfolgung auf ihre Familien und Kirchengemeinden aus und verursacht Angst, Ärger und finanzielle Nöte. Staatlichen Bediensteten ist jeder Vorwand recht, um Christen zu bestrafen, und die Behörden üben Einfluss auf Menschen in Führungspositionen aus. Wer als christlicher Leiter bekannt ist, hat Schwierigkeiten dabei, eine berufliche Aus- und Weiterbildung zu erhalten, und es gibt strenge Auflagen für die religiöse Unterweisung. Beim obligatorischen Militärdienst sind Christen Diskriminierung, Intoleranz und Verfolgung ausgesetzt. Auf gesellschaftlicher Ebene erleben Christen, dass Muslime ihre Geschäftstätigkeiten behindern. Christliche Konvertiten werden darüber hinaus belästigt, verhört, bedroht, diskriminiert, bloßgestellt und geschlagen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Diskriminierung und Verfolgung der Regierung konzentriert sich nicht auf eine bestimmte religiöse Gruppe. Muslime, Christen, Juden, Bahai und andere sind in hohem Maße von staatlicher Überwachung und Unterdrückung betroffen. Besonders hart geht die Regierung gegen Personen vor, die den Militärdienst aus Gewissensgründen verweigern.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Turkmenistan:

  • Beten Sie für Gemeindeleiter, die aufgrund ihres Glaubens verhaftet und inhaftiert wurden. Beten Sie, dass sie in der Lage bleiben, stark zu sein und zurückzukehren, um ihre Gemeinden zu leiten.
  • Bitten Sie Jesus Christus, die Herzen der Regierenden in Turkmenistan zu erreichen und dass sie sich für das Evangelium öffnen. Der Präsident handelt wie ein Diktator und seine Herrschaft reicht bis in jeden Winkel der turkmenischen Gesellschaft.
  • Beten Sie, dass Christen frei auf andere zugehen können und dass ihr Leben die Wahrheit des Evangeliums zeigt.
  • Beten Sie um Schutz für die Partner von Open Doors in der ganzen Region Zentralasiens. Beten Sie, dass durch ihre Arbeit die Christen gestärkt werden.

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