Länderprofil Türkei

Türkei

26
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Türkei
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
31
ISO
TR
Karte Türkei
Christen
0,19
Bevölkerung
81.92
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 12.400
Familienleben: 11.100
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 13.200
Kirchliches Leben: 10.900
Auftreten von Gewalt: 7.200

Länderprofil Türkei

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 26 / 66 Punkte (WVI 2018: Platz 31 / 62 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Alle Christen in der Türkei sind durch fanatischen Nationalismus beeinträchtigt, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund. Die Mischung aus Islam und Nationalismus betrifft auch andere Christen, die überwiegend ethnischen Minderheiten angehören (z.B. Griechen, Armenier, Syrer). Sie werden selten als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Syrische Christen im Südosten stecken zwischen kurdischen Clans, der Regierung und der kurdischen militanten Gruppe PKK fest.

Diktatorische Paranoia: Seit dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 hat die Regierung von Präsident Erdogan ihre Maske der Unterstützung der Demokratie fallen lassen und schränkt nun offen die Freiheit in der gesamten türkischen Gesellschaft ein.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Es herrscht generell die Meinung, dass ein wahrer Türke ein sunnitischer Muslim sein muss. Dieser religiöse Nationalismus hat sich nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 noch weiter verstärkt. Präsident Erdogan hat die Situation genutzt, um seine Macht und Position auszubauen, wobei sein diktatorisches Verhalten nicht zu einer direkten Verfolgung von Christen geführt hat. Stattdessen trägt er indirekt dazu bei, indem er versucht, die Türkei von einem säkularen Staat in einen sunnitisch-muslimischen zu verwandeln und dabei wenig Raum für Minderheiten lässt. Auf lokaler Ebene gibt es starken Widerstand von Familien gegen ehemalige Muslime, die zum Christentum konvertieren, da das Verlassen des Islam als Verrat an der türkischen Identität, dem Islam und der Familie angesehen wird. Diese Art von Unterdrückung wird als „normal“ angesehen. Sie wird kaum gemeldet oder dokumentiert, es sei denn, es kommt zu körperlicher Gewalt.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Der sehr starke religiöse Nationalismus in der Gesellschaft sorgt für starken Druck auf die Christen. Die Regierung wendet sich nicht speziell gegen Christen, aber der Nationalismus in der Gesellschaft lässt den Christen fast keinen Raum, eine andere Botschaft zu verbreiten. Insbesondere jene, die sich vom Islam zu Jesus Christus bekehren, werden in der Gesellschaft abgelehnt, obwohl ein Glaubenswechsel vom Islam zum Christentum nicht gesetzlich verboten ist. Ehemalige Muslime werden von ihren Familien und ihrem Lebensumfeld unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren. Selbst der Wechsel von einer christlichen Konfession zu einer anderen kann problematisch sein. Daher führen Christen manchmal ein Doppelleben und halten ihre Bekehrung geheim. Obwohl ehemalige Muslime ihre Religionszugehörigkeit auf dem Personalausweis legal zum Christentum ändern können, kann dies ein schwieriger und belastender Vorgang sein. Einmal entdeckt, können einem Christen mit muslimischem Hintergrund die Scheidung und der Verlust von Erbrechten drohen.

Die Mischung aus Islam und Nationalismus betrifft auch Christen, die keinen muslimischen Hintergrund haben. Diese gehören meist ethnischen Minderheiten an (z.B. Griechen, Armenier, Syrer). Sie werden selten als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse. Christen bekommen keine Anstellung im öffentlichen Dienst und werden in der privaten Wirtschaft diskriminiert, insbesondere da, wo Arbeitgeber Verbindungen zur Regierung haben. Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es sehr einfach, christliche Bewerber zu benachteiligen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Während des Berichtszeitraums des WVI 2019 wurde mehreren Kirchen die Schließung angedroht und einige wurden geschlossen. Darüber hinaus wurden mehrere Kirchen zerstört und beschädigt. Es gibt auch Berichte eines fehlgeschlagenen Bombenanschlags vom Februar 2018.
  • Im Berichtszeitraum des WVI 2019 wurden mehrere Christen wegen ihres Glaubens schikaniert. In zwei Fällen wurden ehemalige Muslime misshandelt und schwer verletzt. Mehrere ehemalige Muslime wurden durch ihre Familien gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen. Mehrere ausländische Christen mussten das Land verlassen. Ein Fall ereignete sich gerade erst im November 2018.
  • Im Juli 2018 wurde der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson aus dem Staatsgefängnis entlassen (wo er seit Oktober 2016 einsaß), stand aber bis zu seinem vierten Prozess im Oktober 2018 unter Hausarrest. Dann wurde er entlassen und durfte in die USA zurückkehren. Es scheint, dass er zwei Jahre lang als Geisel festgehalten wurde, um den USA politische Zugeständnisse abzunötigen.
  • Im Mai 2018 wurden 55 Besitzurkunden von Kircheneigentum in syrische Verwahrung zurückgegeben. 55 weitere Besitzurkunden verbleiben beim türkischen Staat. Laut Berichten des christlichen Nachrichtendienstes World Watch Monitor vom Juli 2017 wurde das rechtmäßige Eigentum an mindestens 100 alten syrisch-christlichen Besitztümern im Südosten der Türkei in den letzten fünf Jahren beschlagnahmt und in türkischen Staatsbesitz überführt. Zu den von der Regierung beschlagnahmten Gütern gehörten zwei im Betrieb befindliche Klöster und Land des Klosters Mor Gabriel, welches seit dem 4. Jahrhundert besteht.

Meldungen und Beiträge zur Türkei

Nachrichten Nachrichten
Gerichtskomplex in Aliaga, in dem Brunsons Anhörung stattfand
Türkei
Nach 22 Monaten in Haft gibt es Anlass zur Hoffnung, der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson könnte in naher Zukunft freigelassen werden. Eine türkische Delegation ist für Verhandlungen nach Washington gereist.
Nachrichten Nachrichten
Die Kirche Santa Maria in Trabzon (Bildquelle: WWM)
Türkei
(Open Doors, Kelkheim) – Am 4. Februar wurde auf dem Grundstück einer Kirche in der Hafenstadt Trabzon ein Sprengkörper gefunden. Der Anschlag reiht sich ein in eine Folge von Angriffen auf Kirchen im vergangenen Jahr; die Feindseligkeit gegen die Christen im Land hat merklich zugenommen.
Weltverfolgungsindex
Wo hat die Christenverfolgung am stärksten zugenommen?

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03:18 Minuten
Türkei
Kasachstan

Die weltweite Christenverfolgung ist auch in diesem Jahr nicht zurückgegangen – im Gegenteil:...

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1. Position auf der Weltrangliste

Die Türkei belegt im Weltverfolgungsindex 2019 Platz 26 mit 66 Punkten, was einem Anstieg von vier Punkten gegenüber dem WVI 2018 entspricht. Die Türkei ist das einzige Land der Welt, in dem die Hauptreligion, der Islam, vollständig mit einem starken Nationalismus vermischt ist. Seit dem Putschversuch im Juli 2016 befindet sich das Land in einer angespannten Situation. Die scharfe Rhetorik der Regierung hat weniger Spielraum für andere Stimmen gelassen, einschließlich der christlichen. Es gibt mehr Misstrauen gegen Christen, was die Verkündigung des Evangeliums erschwert. Das hat zu einem allgemeinen Anstieg der Punktzahl beigetragen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung / Religiöser Nationalismus

Der starke und oftmals fanatische Nationalismus beeinträchtigt alle Christen in der Türkei. Dem größten Druck sind ehemalige Muslime ausgesetzt. Familie, Freunde und Gemeinschaft üben oft starken Druck auf sie aus, damit sie zum Islam, dem Glauben der Väter, zurückkehren. Allgemein herrscht die Meinung, dass ein wahrer Türke ein Muslim ist. Eine Bekehrung zu Jesus Christus verletzt nicht nur die Familienehre, sondern sie wird als Beleidigung des Türkentums verstanden. Dies kann Gerichtsverfahren und Haftstrafen nach sich ziehen. Die Mischung aus Islam und Nationalismus betrifft auch Christen, die überwiegend ethnischen Minderheiten angehören (z.B. Griechen, Armenier, Syrer). Sie werden kaum als vollwertige Mitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Ethnisch begründete Anfeindungen haben sich im Berichtszeitraum des WVI 2019 im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt weiter verstärkt. Syrische Christen in der südöstlichen Region spüren besonders den Druck des syrischen Bürgerkriegs und sind zwischen den kurdischen Clans, der Regierung und der kurdischen militanten Gruppe PKK gefangen. Die Stammesführer nutzen ihr Gewaltmonopol, um die Syrer aus ihrer Heimat im Südosten zu vertreiben. Dies betrifft jedoch nur die christliche Landbevölkerung. Die meisten Christen in der Türkei leben in Großstädten und sind nicht stark von ethnisch begründeten Anfeindungen betroffen. Darüber hinaus spielen Stammesrecht und -bräuche nach wie vor eine wichtige Rolle, insbesondere in den östlichen Provinzen der Türkei. Christen muslimischer Herkunft droht dort noch härtere Verfolgung, da die Bekehrung zum Christentum nicht nur als Verrat am Islam, sondern auch an der Familie und dem Clan angesehen wird. Nicht zuletzt ist die Geschichte der Türkei von der Betonung auf Volkszugehörigkeit und Religion geprägt. Diese Ausrichtung führte zunächst zu dem Völkermord an Armeniern, Syrern und griechisch-orthodoxen Christen, der vom Ersten Weltkrieg bis in die 1920er-Jahre andauerte und seither die weitere Ausgrenzung von Minderheiten bewirkt hat.

Diktatorische Paranoia

Seit dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 hat die Regierung von Präsident Erdogan ihre Maske der Unterstützung der Demokratie fallen lassen und schränkt unverblümt die Freiheit in der gesamten türkischen Gesellschaft ein.

Die Medien wurden eingeschränkt und alle Formen der Opposition werden verfolgt. Erdogan hat außerdem erklärt, dass „Demokratie und freie Presse unvereinbar sind“, was angesichts der vielen inhaftierten Journalisten nicht verwundert. Obwohl Christen im Moment nicht direkt von der Regierung angegriffen werden, hat das Regime den sunnitischen Islam offen zur religiösen Norm im Land erklärt und damit das Christentum klar ausgegrenzt.

3. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung und religiösem Nationalismus

Regierungsbeamte: Es ist kein Geheimnis, dass Präsident Erdogan die Türkei von einem säkularen zu einem sunnitisch-muslimischen Staat machen will. Bisher wurden die Änderungen nur schrittweise umgesetzt. Einer dieser Schritte war die Verfassungsänderung nach dem Referendum im April 2017, die dem Präsidenten mehr Macht gab und ihm den Weg frei machte, sich bei zwei weiteren Wahlen zu stellen. Bis auf eine kleine Anzahl ausländischer Christen hat die Regierung Christen noch nicht besonders ins Visier genommen. Allerdings gab es Probleme mit kirchlichem Eigentum, insbesondere in der unruhigen südöstlichen Region. Dort schloss und beschlagnahmte die Regierung aus verschiedenen Gründen Kirchengebäude. In einigen Fällen sagte die Regierung, dass dies wegen des reformierten Grundbuchrechts und der Reorganisation der Stadtverwaltung geschehen sei, in anderen Fällen ergriff die Regierung aus Sicherheitsgründen die Kontrolle über die Kirchen. Obwohl es schwierig ist zu beweisen, ob die Regierung absichtlich christliche Gemeinschaften behindert oder nicht, ist ein Experte für das Land überzeugt, dass die Regierung versucht, die bereits geschwächten traditionellen christlichen Gemeinschaften aus der Türkei zu vertreiben.

Großfamilie, nichtchristliche religiöse Leiter und Bürger: Christen muslimischer Herkunft werden von ihren Familien und Gemeinschaften unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren. Einmal entdeckt, kann ein Christ mit muslimischem Hintergrund von Scheidung und dem Verlust von Erbrechten bedroht sein.

Ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen

Anführer ethnischen Gruppen: In den ländlicheren Gebieten werden konservative Normen und Werte von ethnischen Leitern aufrechterhalten. Im Südosten scheint es, dass kurdische Oberhäupter versuchen, die historisch verwurzelte syrische Gemeinschaft aus dem traditionell christlichen Gebiet zu verdrängen. Die kurdische PKK versucht zudem, die Syrer aus nationalistischen Gründen bewusst in ihren Konflikt mit der türkischen Regierung hinein zu ziehen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

Regierungsbeamte: Die Gegenreaktion auf den Putschversuch vom Juli 2016 hat zu einer verstärkten Polarisierung geführt und jeder wurde öffentlich zum Sündenbock gemacht, der (angeblich) die Türkei oder Erdogans Vision für die Türkei nicht unterstützt. Die Tatsache, dass der angebliche Urheber des Putschs, Fethullah Gülen, in Pennsylvania ansässig ist und dass die USA ihn bisher nicht ausgeliefert haben (mangels Beweisen, den besagten Staatsstreich in die Wege geleitet zu haben), hat die Spannungen zwischen der Türkei und den USA verstärkt. Vor allem die Protestanten haben die Verschlechterung der Beziehungen gespürt. Da die USA als christlich angesehen werden, bezeichnet man Christen in der Türkei als Spione des Westens. Hassreden und Drohungen gegen protestantische Kirchen haben zugenommen. Noch hat sich dies nicht in offener Gewalt niedergeschlagen, aber die allgemeine Atmosphäre ist angespannt.

4. Hintergrund

Seit 2002 versucht die Türkei, ihr Selbstverständnis und ihre Außendarstellung neu zu definieren. Das Konzept, ein westlich-säkulares Land zu sein, ist nicht mehr das Leitprinzip. Stattdessen wird der Islam als das Element gesehen, das die türkische Gesellschaft festigt. Die Notwendigkeit, sich an die westliche Welt zu halten, erübrigte sich, nachdem die UdSSR 1991 zusammengebrochen war und sich die Türkei entschieden dem Nahen Osten zuwandte. Ziel der Regierung ist es seither, die Türkei zu einem wichtigen Akteur in der Region und zu einem Vorbild für andere Länder zu machen. Aber regional und international ist die Verwirklichung dieser Ziele in den letzten Jahren ins Stocken geraten.

Im Jahr 2003 wurde Erdogan Premierminister und 2014 zum Präsidenten der Türkei gewählt. Bei den Wahlen im Juni 2015 verlor die AKP ihre absolute Mehrheit im Parlament und Koalitionsverhandlungen scheiterten. Bei den Neuwahlen vom 1. November 2015 gewann die AKP ihre absolute Mehrheit zurück. Am 15. Juli 2016 kam es zu einem Putsch, der jedoch scheiterte, worauf das Regime heftig zurückschlug. Es beschuldigte den islamischen Prediger und ehemaligen Verbündeten Fethullah Gülen (im selbst gewählten Exil in den USA), hinter dem gescheiterten Putsch zu stehen.

Nach dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 veränderte sich die Entwicklung in der Türkei dramatisch. Die Regierung wurde zunehmend diktatorischer und sowohl der Nationalismus als auch die Islamisierung nahmen zu. In den Schulen wurden viele Lehrer wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung entlassen, Schulleiter wurden durch Kollegen ersetzt, die der islamischen AKP-Partei treu sind, und es gibt immer mehr islamische Imam-Hatip-Schulen. Der Kampf gegen die militante kurdische Minderheit verschärfte sich, und die Türkei nahm auf der internationalen Bühne eine viel entschiedenere Haltung ein; sie wurde im benachbarten Syrien und Irak militärisch aktiv (vor allem gegen kurdische Streitkräfte). Aufgrund der neuen strengen Regierungspolitik hat sich die Intoleranz gegenüber all denen, die sich nicht auf die Seite Erdogans stellen, verstärkt. Nichtsunnitische Bürger (einschließlich der kleinen christlichen Minderheit) stehen unter wachsendem Druck, was sich zunehmend in gewaltsamen Vorfällen niederschlägt.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt ausländische Christen im Land, aber sie sind nicht unfreiwillig von anderen christlichen Gemeinschaften isoliert. Da diese ausländischen Christen frei mit anderen christlichen Gemeinschaften in Verbindung treten können, werden sie bei den Analysen zum Weltverfolgungsindex zu den anderen christlichen Gemeinschaften gezählt und nicht als eine separate Kategorie betrachtet.

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören armenisch-apostolisch orthodoxe und griechisch-orthodoxe Kirchen (die einzigen Kirchen, die 1923 im Vertrag von Lausanne „anerkannt“ wurden) sowie die assyrische, syrisch-orthodoxe und syrisch-katholische Kirche, die alle regelmäßig überwacht und von der Regierung kontrolliert und eingeschränkt werden; ihre Mitglieder gelten in vielen offiziellen Angelegenheiten sowie in der Öffentlichkeit als „fremdländisch“. Sie werden kaum als Vollmitglieder der türkischen Gesellschaft angesehen und stoßen auf alle möglichen rechtlichen und bürokratischen Hindernisse. So benötigen zum Beispiel die armenische und griechisch-orthodoxe Kirche die Erlaubnis der türkischen Regierung, neue Kirchenführer auszuwählen.

Es gibt auch ausländische Christen, die traditionellen Kirchen angehören. Es gibt russisch-orthodoxe Christen, die eine Aufenthaltsgenehmigung haben, und auch römisch-katholische Christen, hauptsächlich Einwanderer aus Afrika und den Philippinen. In den letzten Jahren ist ihre Zahl um Zehntausende von christlichen Flüchtlingen gewachsen, die aus Syrien und dem Irak kamen, um dem Krieg in ihren Heimatländern zu entkommen.

Christen muslimischer Herkunft

Sie tragen die Hauptlast der Verfolgung in der Türkei. Der Druck kommt von Familie, Freunden, dem Lebensumfeld und sogar von den lokalen Behörden. Sie gelten als Verräter der türkischen Identität. Neben Christen muslimischer Herkunft, die aus der Türkei stammen, gibt es auch Gemeinschaften von ehemaligen Muslimen, die aus anderen Ländern wie dem Iran stammen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten-, evangelikale und Pfingstgemeinden bestehen meist aus kleinen Gruppen. Für sie ist es schwer, ein Gemeindeleben zu gestalten, und einige können sich nicht leisten, Räumlichkeiten für Gottesdienste zu mieten. Viele von ihnen treffen sich in Privathäusern, was zu Widerstand bei den Nachbarn führen kann.

6. Betroffene Lebensbereiche und Gewalt

Privatleben 12.4
Familienleben 11.1
Gesellschaftliches Leben 10.7
Leben im Staat 13.2
Kirchliches Leben 10.9
Auftreten von Gewalt 7.2

Grafik: Verfolgungsmuster Türkei

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,7) und die Wertung im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2018 (10,7) um einen Punkt gestiegen. Grund für den Anstieg ist, dass der Druck insgesamt zugenommen hat, besonders in den Lebensbereichen „Leben im Staat“, „Gesellschaftliches Leben“ und „Familienleben“. Dies steht in direktem Zusammenhang mit der wachsenden Feindseligkeit gegen Christen (verursacht sowohl durch nationalistische Gefühle als auch durch die Aufregung um den US-Pastor Brunson).
  • Obwohl alle Lebensbereiche sehr hohen Druck aufweisen, ist der Druck in den Bereichen „Privatleben“ und „Leben im Staat“ am größten. Die Punktzahl für das Privatleben zeigt sowohl die Schwierigkeit für ehemalige Muslime, ihren Glauben inmitten ihrer Familienmitglieder offen zu leben, als auch den wachsenden Druck auf alle Christen, vorsichtig zu sein, wie man spricht und mit wem man in einem dem christlichen Glauben gegenüber feindlichen Klima über seinen Glauben sprechen kann. Die sehr hohe Punktzahl für das Leben im Staat zeigt, wie schwierig es für Christen und christliche Organisationen ist, in der Türkei zu arbeiten. Die Medienberichterstattung über Christen ist sehr voreingenommen und Christen erfahren regelmäßig Diskriminierung, wenn sie mit den Behörden zu tun haben.
  • Die Wertung für Gewalt sank von 8,7 im WVI 2018 auf 7,2 im WVI 2019. Im Berichtszeitraum des WVI 2019 wurden keine Morde gemeldet, was den Punkterückgang erklärt.

Privatleben

Die Konversion zum christlichen Glauben ist nicht gesetzlich verboten. Doch ist es wahrscheinlich, dass ein Übertritt vom muslimischen zum christlichen Glauben familiär und gesellschaftlich Auswirkungen hat. Wenn sich auch das Ausmaß und die Art der Unterdrückung je nach Hintergrund der Familie erheblich unterscheiden können, wird die Bekehrung zum Christentum weithin als unannehmbar angesehen. Christen führen manchmal ein Doppelleben und verbergen ihre Bekehrung, was bedeutet, dass sie nur versteckt beten, Bibel lesen und christliche Webseiten besuchen. Diese Art von Unterdrückung wird als „normal“ angesehen und kaum berichtet oder dokumentiert, es sei denn, es kommt zu körperlicher Gewalt. Es gibt auch familiären und kirchlichen Druck auf diejenigen, die von einer traditionellen Kirche zu einer freikirchlichen Gemeinde wechseln. Auch dies wird nicht dokumentiert oder gemeldet. Diejenigen, die ihre christliche Identität verbergen, haben oft zu große Angst, sich mit anderen Christen zu treffen.

Familienleben

Obwohl ehemalige Muslime ihre Religionszugehörigkeit auf dem Personalausweis legal zum Christentum ändern können, kann dies ein schwieriger und aufreibender Prozess sein. Wenn im Ausweis »Muslim« eingetragen ist, sind die Kinder von Christen muslimischer Herkunft verpflichtet, in der Schule Islamkurse zu besuchen. Sofern Konvertiten zum christlichen Glauben nicht die Religionszugehörigkeit in ihren Ausweisen geändert haben, werden ihre Kinder automatisch als sunnitische Muslime registriert. Sobald ihre Konversion zum christlichen Glauben bekannt wird, kann Christen die Scheidung und der Verlust ihrer Erbrechte drohen. Sie können auch Schwierigkeiten bei der Organisation einer christlichen Hochzeit oder Beerdigung haben (wobei die letzten Wünsche eines ehemaligen Muslims nicht respektiert werden und die Beerdigung nach islamischen Riten durchgeführt wird). Anträge auf christliche Friedhöfe wurden in einigen Teilen des Landes abgelehnt. Wo dies geschehen ist, können Christen nur in Bereichen, die allen Nichtmuslimen vorbehalten sind, nach christlichen Riten begraben werden, oder auf einem historisch christlichen Friedhof.

Es ist für Christen fast unmöglich, ein muslimisches Kind zu adoptieren. Kinder von Christen, und insbesondere von Christen muslimischer Herkunft, werden oft schikaniert, entweder wegen der religiösen Intoleranz der Gesellschaft oder aus nationalistischem Eifer. Ehepartner von ehemaligen Muslimen werden gelegentlich unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen.

Gesellschaftliches Leben

Christen muslimischer Herkunft stehen unter starkem Druck ihrer Familie, Freunde und Nachbarn, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Im Schulsystem gibt es verbindlichen Islamunterricht, obwohl nichtmuslimische Kinder sich davon abmelden können. Es gibt jedoch Berichte über Diskriminierung der Kinder, die sich abgemeldet haben, seitens der Gesellschaft und der Lehrer. Christliche Schulkinder werden im Unterricht regelmäßig diskriminiert, sowohl von Lehrern als auch von anderen Schülern. Es gibt Christen, die an türkischen Universitäten studieren, aber es ist ihnen nicht möglich, höhere Positionen oder Professuren auf Universitätsniveau zu erreichen. Christen haben keinen Zugang zu staatlichen Arbeitsstellen und erfahren Diskriminierung in der Privatwirtschaft, insbesondere wenn Arbeitgeber Verbindungen zur Regierung haben. Da die Religionszugehörigkeit auf jedem Personalausweis vermerkt ist, ist es sehr einfach, christliche Bewerber zu diskriminieren. Es besteht zwar die Möglichkeit, das Feld Religionszugehörigkeit leer zu lassen, aber das könnte Verdacht erregen. Christen werden in der Türkei ausgegrenzt und von der Gesellschaft als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Leben im Staat

Die türkische Verfassung ist in ihrer Haltung gegenüber den Rechten religiöser Minderheiten sehr restriktiv. Christen muslimischer Herkunft (insbesondere solche, die im Südosten oder in ländlichen Gebieten Gemeinden leiten) werden von Polizei und Sicherheitskräften wegen ihrer offen christlichen Identität mitunter respektlos behandelt. Christen haben Schwierigkeiten, Genehmigungen für den Bau von Kirchen oder die Registrierung eines Versammlungsorts als Gotteshaus zu erhalten. Der Zugang zu Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst, dem Sicherheitsapparat des Staates und den Ordnungskräften wird den Christen verweigert, ebenso wie die Beförderung in der Armee, trotz Wehrpflicht. Obwohl die eigene Religionszugehörigkeit auf den neuen Personalausweisen nicht mehr sichtbar vermerkt wird, ist sie dennoch auf dem Chip in der Karte registriert. Der Aufstieg des Nationalismus im Land verursachte Probleme für nichtmuslimische Geschäftsleute, da Berichten zufolge Vetternwirtschaft unter der regierenden AKP-Partei weit verbreitet ist. Vor allem die lokalen Medien und Kolumnisten sind gegenüber Christen voreingenommen. Es gibt mehrere Berichte über Intoleranz und Vorurteile gegen Christen. Es bestehen Bedenken hinsichtlich der Unparteilichkeit der Justiz in Gerichtsverfahren, an denen christliche Minderheiten beteiligt sind, insbesondere nachdem die Regierung mehr als 4000 Mitglieder der Justiz wegen angeblicher Verbindungen zur Gülen-Bewegung entlassen hat.

Kirchliches Leben

Es ist nicht möglich, sich als Religionsgemeinschaft neu zu registrieren. Obwohl sich Kirchen als „Verein“ registrieren können, ist dies ebenfalls ein schwieriger Prozess und einige Anträge wurden abgelehnt. Auch die Gründung von Stiftungen zur Unterstützung einer neuen Religionsgemeinschaft ist verboten. Der türkische Geheimdienst (MIT) beobachtet christliche Gruppen und ihre Aktivitäten aufmerksam, obwohl Kirchen auch von den Sicherheitsdiensten während der Gottesdienste (sichtbar) geschützt werden, insbesondere nach Drohungen durch den „Islamischen Staat“ (IS). Es ist sehr schwierig, behördliche Genehmigungen für die Reparatur oder Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten. Viele Kirchengebäude, Seminare oder Schulen, die in der Vergangenheit beschlagnahmt wurden, wurden nicht zurückgegeben.

Die Durchführung von Aktivitäten außerhalb der dafür vorgesehenen kirchlichen Einrichtungen wird allgemein als Missionierung angesehen und daher sowohl von den örtlichen Amtsträgern als auch von der Bevölkerung behindert. Besonders schwierig ist dies nach dem Putsch und dem anschließenden Ausnahmezustand geworden, weil jedes vermeintlich verdächtige Verhalten zu Verhaftungen führen kann. Die offene Integration von ehemaligen Muslimen in bestehende Kirchen wird erschwert, hauptsächlich durch die Gemeinschaft selbst. Leitungswechsel in der griechisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Kirche müssen von der Regierung genehmigt werden, auch wenn es sich dabei um Leiter von Religionsgemeinschaften handelt, die es im Gesetz nicht gibt und deren persönliche Positionen im Gesetz nicht anerkannt sind. Die Ausbildung von christlichen Leitern ist rechtlich unmöglich. Christliche Schriften sind in türkischer Sprache verfügbar, aber ihre Verteilung bleibt heikel, da sie automatisch als Missionierung angesehen wird.

Es ist für Kirchenleiter schwierig, ein Visum zu erhalten. Vielen ausländischen Mitarbeitern religiöser Organisationen wird entweder ein Visum verweigert oder ihre Aufenthaltserlaubnis wird einfach nicht verlängert.

Gewalt

Christen in der Türkei sind regelmäßig mit Gewalt konfrontiert.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Die Bekehrung zu Jesus Christus ist für Frauen wahrscheinlich schwieriger, da sie in einer islamischen Gesellschaft, in der sie eine untergeordnete Stellung einnehmen, stärker von Verfolgung bedroht sind. Muslimische Führer erniedrigen Frauen regelmäßig und wollen sie von allen Formen des öffentlichen Lebens ausschließen. Das gilt insbesondere für Frauen aus Minderheiten und noch mehr in ländlichen Gebieten. Der Druck auf ehemalige Muslimas, einen muslimischen Mann zu heiraten, kann ein instabiles Familienumfeld schaffen. Von Frauen wird erwartet, dass sie ihren Familien mit ihrer Berufswahl, ihren Freundschaften und der Wahl des Ehepartners Ehre erweisen. Christin zu werden oder einen Christen zu heiraten, gilt als Bedrohung dieser Erwartung. Angesichts des derzeitigen Wiederaufblühens des Islam werden Frauen wahrscheinlich wachsendem Druck ausgesetzt sein, die islamischen Erwartungen an Kleidung und Verhalten zu erfüllen.

Männer

Die Verfolgung durch Medien, Polizei, Behörden und das gesellschaftliche Umfeld richtet sich sowohl gegen Männer als auch gegen Frauen. Von Männern wird jedoch erwartet, dass sie Verteidiger des Islam und des Türkentums sind (die in der öffentlichen Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind), so dass die Nichterfüllung dieser Erwartung Druck auf die Männer ausübt, der sie daran hindern kann, jemals in eine Kirche zu gehen. Quellen zufolge werden Männer und Jungen eher von den Behörden verhaftet und misshandelt.

Im Militärdienst befinden sich die Männer in einer Umgebung, in der sie, wenn ihre christliche Konfession in ihrem Ausweis vermerkt ist, von ihren Vorgesetzten mit Argwohn betrachtet und von ihren Altersgenossen tyrannisiert werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Sowohl Regierung als auch Gesellschaft greifen religiöse Gruppen wie Aleviten und Juden und ethnische Gruppen wie die Kurden verbal an. Dieser Trend wird sich voraussichtlich fortsetzen. Die Türkei ist ein Unterstützer von Einrichtungen der Muslimbruderschaft wie der Hamas und ist daher zum Gegner Israels geworden. Der öffentliche Diskurs hat sich infolgedessen von anti-israelisch zu antisemitisch entwickelt. Präsident Erdogan hat diese Haltung sogar gefördert. Dies hat die wenigen verbliebenen Juden in der Türkei selbstverständlich sehr ängstlich gemacht, und einige hundert sind kürzlich nach Israel ausgewandert, so dass die im Land Verbliebenen noch gefährdeter sind. In der Türkei können junge nationalistische Türken auf Hassreden mit gewalttätigen Handlungen reagieren, weil sie denken, dass sie die Zustimmung des Staates und der Öffentlichkeit haben.

Darüber hinaus wurde die Gülen-Bewegung seit dem Putsch 2016 schwer verfolgt. Die Jesiden im Südosten der Türkei stehen vor ähnlichen Problemen wie die syrischen Christen. Nusayri-Flüchtlinge (Alawiten) aus Syrien stehen unter enormem Druck, das Land zu verlassen. Auch die Aleviten werden diskriminiert (offiziell existieren sie nicht als eigene Gruppe und können keine Gotteshäuser betreiben) sowie allgemein die Kurden.

Das US-Außenministerium berichtet in seinem International Religous Freedom Report for Turkey 2017 (S. 6-7): „Die Regierung hat die Rechte nichtmuslimischer Minderheiten weiter eingeschränkt, besonders die, die sie nicht im Lausanner Vertrag von 1923 als geschützt anerkannt hat. Sie bezeichnet das Alevitentum weiterhin als eine heterodoxe muslimische Gruppe und erkennt weiterhin keine alevitischen Gotteshäuser (Cemevis) an. Als Teil einer umfassenderen Schließung per Regierungserlass von Organisationen, die angeblich terroristische Propaganda verbreiten, schloss die Regierung im Januar zwei schiitische Fernsehsender im Besitz von Shia Jaferi. [...] Aleviten äußerten sich besorgt um ihre Sicherheit und sagten, dass die Regierung ihre Forderungen nach religiösen Reformen nicht erfüllt habe. Nichtsunnitische Muslime erhielten nicht den gleichen Schutz wie anerkannte nichtmuslimische Minderheiten, obwohl beide Schwierigkeiten hatten, Gotteshäuser zu betreiben oder zu eröffnen, Land- und andere Eigentumsansprüche anzufechten oder Ausnahmen vom vorgeschriebenen Religionsunterricht zu erhalten. Die Regierung setzte die Ausbildung sunnitischer muslimischer Geistlicher fort, während sie andere religiöse Gruppen daran hinderte, ihre Geistlichen auszubilden, und finanzierte weiterhin den Bau sunnitischer Moscheen, während sie die Grundstücksnutzung anderer religiöser Gruppen einschränkte.“

Im Dezember 2018 entschied das Berufungsgericht, dass die Regierung die Stromkosten für Cemevis (alevitische Gotteshäuser) übernehmen sollte, wie die Regierung es auch für Moscheen tut. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EMRK) hat jedoch 2016 ein ähnliches Urteil gefällt, das von der Regierung ignoriert wurde. Wenn die Regierung diesem Urteil folgt, könnte das den Kirchen die Möglichkeit eröffnen, ebenfalls Gleichbehandlung zu fordern. 

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Die wirtschaftliche Zukunft der Türkei sieht nicht gut aus. Der Wert der türkischen Lira befindet sich in einer Abwärtsspirale, die Jugendarbeitslosigkeit bleibt hoch (±20%) und die instabile politische Situation schreckt Investoren ab. Obwohl das Land seit dem Jahr 2000 ein enormes Wirtschaftswachstum verzeichnet hat, herrscht heute große Unsicherheit über die Zukunft. Der Ausnahmezustand ist offiziell beendet, aber die Sicherheitsdienste setzen die Opposition immer wieder unter Druck. Menschenrechtsorganisationen erklären, dass der Ausnahmezustand mit neuen Gesetzen nun tatsächlich auf Dauer gesichert ist. Gleichzeitig scheint Erdogan die Türkei von Europa, den Vereinigten Staaten und den arabischen Staaten zu isolieren. Der Konflikt mit der kurdischen PKK hat sich verschärft, und das Land ist in den letzten Jahren häufiger Ziel von Angriffen und Bombenattentaten kurdischer und anderer Gruppen geworden.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung/Religiösen Nationalismus: Es ist ein Anstieg von Hassreden in der Presse (oft in der Lokalpresse) zu verzeichnen, die sich gegen Kirchen und ausländische christliche Kirchenmitarbeiter richten. Dies hat dazu geführt, dass Stadtverwaltungen und Kommunalbeamte versuchten, Kirchen zu schließen. Nun, da der Fall des US-Pastors Brunson abgeschlossen ist, könnte sich die Stimmung insgesamt wieder entspannen. Allerdings erfahren christliche Flüchtlinge immer mehr Einschränkungen durch die Behörden und werden mit Abschiebung bedroht. Auch Gewalttaten gegen christliche Flüchtlinge nehmen zu – von Angriffen durch Mobs auf Kirchen bis hin zu Angriffen auf Einzelpersonen. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Situation verbessern wird. Die Islamisierung des Landes dauert an und der Druck auf die christliche Gemeinschaft hat seit dem Putschversuch 2016 massiv zugenommen – und wächst weiter.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Die christliche Bevölkerung ist winzig und macht nur 0,2% der Bevölkerung aus. In Anbetracht der Tatsache, dass noch vor einem Jahrhundert die Christen 20% ausmachten, ist die Angst vor dem totalen Verschwinden nicht unbegründet, insbesondere nicht für die traditionellen christlichen Gemeinschaften. Die allgemeine Atmosphäre gegen Christen ist feindselig, weil das Christentum als etwas Fremdes angesehen wird. Solange „Armenisch“ als Beleidigung benutzt wird, anstatt eine respektierte und legitime Minderheit zu bezeichnen, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Einstellung gegenüber Christen ändern wird.

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die Verhaftung und Inhaftierung von Pastor Andrew Brunson hat dazu geführt, dass viele ausländische Familien das Land verlassen haben und weniger neue Arbeitnehmer erwägen, eine Stelle in der Türkei anzunehmen. Es gibt eine Regierungskampagne, um zu verhindern, dass ausländischen Kirchenmitarbeitern eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird – insbesondere in Ostanatolien und in ländlicheren Provinzen. Die Regierung scheint diese „Beseitigung“ ausländischer Christen dadurch weniger offensichtlich aussehen zu lassen, indem sie beispielsweise verhindert, dass Arbeitnehmer Bankkonten eröffnen – eine Voraussetzung für den Erhalt eines Wohnsitzes. Obwohl Erdogan den Ausnahmezustand im Juli 2018 nach zwei Jahren mit seinen neuen Befugnissen als Präsident in einem Präsidialsystem beendete, braucht er die Notstandsgesetze nicht, um das Land mit eiserner Faust zu kontrollieren.

Schlussfolgerung

Christen scheinen keine direkten Ziele für staatliche Verfolgung zu sein, aber die allgemeine Situation für Christen verschlechtert sich. Die Situation für die traditionellen christlichen Gemeinschaften im Südosten der Türkei ist besonders beunruhigend. Ein Großteil ihres Eigentums wurde in den letzten Jahren von der türkischen Regierung weggenommen, und ihre alte Kultur verschwindet allmählich. Darüber hinaus zeigt die Verhaftung und Anklage von US-Pastor Andrew Brunson, der zwei Jahre lang als politische Geisel festgehalten wurde, deutlich, dass sich die türkische Regierung unter Erdogan zu einem skrupellosen Regime entwickelt hat. Insgesamt müssen Christen vorsichtig handeln, vor allem in der Öffentlichkeit.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Türkei:

  • Die Türkei wird zunehmend islamisiert und die Diskriminierung von Christen und anderen religiösen Minderheiten nimmt zu. Beten sie dafür, dass Gott den Verfolgten hilft, alle Hoffnung und Vertrauen in ihn zu setzen.
  • Beten Sie für ehemalige Muslime, ihren Familien freundlich und weise zu dienen. Sie stehen oft unter dem starken Druck von Familie, Freunden und ihrer Gemeinschaft, zum Islam zurückzukehren.
  • Beten Sie für diejenigen, die als Verräter bezeichnet und behandelt werden, nachdem sie Jesus Christus angenommen haben. Obwohl Konversion nach türkischem Recht nicht verboten ist, hat sie schwerwiegende soziale und familiäre Auswirkungen.

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