Länderprofil Türkei

Türkei

42
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Türkei
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
25
Karte Türkei
Christen
0,17
Bevölkerung
84.52
Islamische Unterdrückung
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 12.600
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 11.400
Leben im Staat: 13.200
Kirchliches Leben: 11.600
Auftreten von Gewalt: 4.600

Länderprofil Türkei

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 42 / 65 Punkte (WVI 2021: Platz 25 / 69 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Die Intoleranz der türkischen Regierung gegenüber religiösen Minderheiten nimmt zu. Ein Zeichen dafür ist die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee im Juli 2020. Einst war sie die wichtigste christliche Kirche, später wurde sie dann ein Museum. Wenn Christen ethnischen Minderheiten angehören, etwa der Minderheit der Griechen, Armenier oder Syrer, so stoßen sie auf unterschiedlichste rechtliche und bürokratische Hindernisse. Der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist nicht illegal, aber Konvertiten werden von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren, was bis zur Androhung von Scheidung und Verlust des Erbrechts gehen kann. Christen aus ethnischen Minderheiten sowie christliche Konvertiten werden von der Gesellschaft diskriminiert. Ausländische Christen, auch solche mit türkischen Ehepartnern und Kindern, werden aus nicht ersichtlichen Gründen aus dem Land verbannt.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Der christliche Glaube hat eine lange Geschichte in der Türkei. Unter Konstantin (römischer Kaiser von 306 bis 337 n. Chr.) wurde die Stadt Byzanz (auch bekannt als Konstantinopel, das heutige Istanbul) zu einem Zentrum des christlichen Glaubens und blieb es für Hunderte von Jahren, bis die osmanischen Türken die Stadt im Jahr 1453 eroberten. Seitdem leben Christen in der Türkei in einem muslimisch geprägten Land.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die griechischen, armenischen und syrischen Minderheiten im neu gegründeten Staat der Türkei stark diskriminiert. Der Druck wuchs in den Jahren bis 1923, als der Vertrag von Lausanne geschlossen wurde. Millionen Christen starben bei Zwangsumsiedlungen. Ein großer Teil der griechischen Minderheit war gezwungen, die Türkei zu verlassen und nach Griechenland zu gehen, was nicht nur die Position der Griechisch-Orthodoxen Kirche, sondern auch das christliche Zeugnis in der Türkei insgesamt schwächte. Bis heute erkennt das türkische Gesetz auf der Grundlage des Lausanner Vertrags nur vier Religionsgemeinschaften an: Den sunnitischen Islam, die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die Armenische Apostolische Kirche und das Judentum.

Obwohl die Türkei seit Atatürks Reformen Anfang des 20. Jahrhunderts offiziell ein säkularer Staat ist, islamisiert sich das Land unter dem nationalistischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, insbesondere seit dem gescheiterten Putschversuch von 2016. So ist beispielsweise die Zahl der religiösen Schulen im Rahmen von Erdogans Bemühungen, eine „fromme Generation“ heranzuziehen, von 450 auf heute mehr als 5.000 gestiegen. Die türkische Verfassung schränkt die Religionsfreiheit zwar technisch nicht ein, fördert aber den türkischen Nationalcharakter und den sunnitischen Islam vor allen anderen Identitäten.

Der Erwerb von Räumlichkeiten zur kirchlichen Nutzung kann sich als schwierig erweisen, da nach türkischem Recht nur bestimmte Gebäude als Kirchen genutzt werden können – und ob die Genehmigung dazu erteilt wird, hängt von der persönlichen Neigung des Bürgermeisters und der Haltung der örtlichen Bevölkerung ab. Nichtmuslime sind stillschweigend von einer Anstellung in der staatlichen Verwaltung und den Sicherheitskräften ausgeschlossen. Nichtmuslime berichten, dass bei der Einberufung zum Militärdienst ihre Religionszugehörigkeit vom Vorgesetzten vermerkt wird und sie sich zudem einer „Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen müssen.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

170.000

0,2

Muslime

83.073.000

98,3

Hindus

790

0,0

Buddhisten

39.300

0,0

Anhänger ethnischer Religionen

12.800

0,0

Juden

15.800

0,0

Bahai

23.300

0,0

Atheisten

57.700

0,1

Agnostiker

972.000

1,2

Andere

149.900

0,2

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Traditionelle christliche Gruppen wie die Armenische Kirche oder die Assyrische Kirche des Ostens stehen im südöstlichen Landesteil hohem Druck und Feindseligkeiten gegenüber. Seit Jahrzehnten sind sie Opfer eines andauernden Konflikts zwischen der türkischen Armee und kurdisch-nationalistischen Gruppen. Die meisten türkischen christlichen Gemeinden gibt es in den westlichen Küstenstädten, einschließlich Istanbul. Diese Städte sind in der Regel gemäßigter und säkularer. Die Gebiete im Landesinneren dagegen sind eher konservativ und islamisch geprägt und gesellschaftlich feindlich gegenüber Christen und christlichen Konvertiten eingestellt.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung / Religiöser Nationalismus

Der starke und oftmals fanatische Nationalismus beeinträchtigt alle ethnischen Minderheiten in der Türkei. Ein Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben wird als Beleidigung der Familie und der Nation angesehen; Konvertiten werden schikaniert und von Familie und Gesellschaft sowie im Geschäftsleben ausgegrenzt. Allgemein herrscht die Meinung, dass ein wahrer Türke ein Muslim ist. Und so wird eine Hinwendung zum christlichen Glauben nicht nur als Verletzung der Familienehre, sondern auch als Beleidigung des Türkentums verstanden. Dies kann Gerichtsverfahren und Haftstrafen nach sich ziehen. Einige christliche Konvertiten werden sogar von extremistischen nationalistischen Islamisten mit Gewalt bedroht. Auch ethnische Minderheiten (wie zum Beispiel Griechen, Armenier und Syrer) werden in ähnlicher Weise gesellschaftlichem Druck und Gewalt ausgesetzt und sehen sich mit rechtlichen Problemen und wirtschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Diese Triebkraft hat sich im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt verstärkt. Syrische Christen in der südöstlichen Türkei leiden besonders unter dem Druck des Bürgerkriegs in Syrien; sie werden von allen Seiten bedrängt – von kurdischen Clans, der Regierung und der militanten „Arbeiterpartei Kurdistans“ (PKK). Stammesführer nutzen ihre Macht, um syrische Christen aus ihrer Heimat in dieser Region zu vertreiben.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Nach wie vor spielen Stammesrecht und -bräuche eine wichtige Rolle, insbesondere in den östlichen Provinzen der Türkei. Dort droht Konvertiten noch härtere Verfolgung, da die Hinwendung zum christlichen Glauben nicht nur als Verrat am Islam, sondern auch an der Familie und dem Clan angesehen wird.

Diktatorische Paranoia

Seit dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 geht die Regierung von Präsident Erdogan hart gegen die Opposition vor, verhält sich zunehmend antidemokratisch und schränkt unverblümt die Freiheit in der gesamten türkischen Gesellschaft ein. Die Medien wurden beschnitten und Journalisten inhaftiert, weil, wie Präsident Erdogan behauptete, „Demokratie und Pressefreiheit unvereinbar seien“.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den traditionellen Gemeinschaften gehören die Armenische Apostolische Kirche und die Griechisch-Orthodoxe Kirche, die einzigen im Lausanner Vertrag von 1923 anerkannten Kirchen, sowie die Assyrische Kirche, die Syrisch-Orthodoxe Kirche und die Syrisch-Katholische Kirche. Diese Kirchen werden regelmäßig überwacht und unterliegen Kontrollen und Beschränkungen durch die Regierung. Ihre Mitglieder werden bei Behördengängen häufig als „Fremde“ betrachtet und stoßen auf rechtliche und bürokratische Hindernisse sowie auf Schikanen durch Polizei und Gesellschaft. So benötigen zum Beispiel die Armenische Kirche und die Griechisch-Orthodoxe Kirche die Erlaubnis der türkischen Regierung, um neue Kirchenleiter bestimmen zu können.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten, die sich dem Islam ab- und dem christlichen Glauben zugewandt haben, tragen in der Türkei die Hauptlast der Verfolgung. Der Druck kommt von der Familie, dem sozialen Umfeld und sogar von lokalen Behörden. Sie gelten als Verräter der türkischen Identität.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu protestantischen Freikirchen gehören Baptisten- und Pfingstgemeinden; auch die Gemeinschaften christlicher Konvertiten gehören dazu. Diese Kirchen und Gemeinden bestehen meist aus kleinen Gruppen. Sie treffen sich in Privatwohnungen, was zu Widerständen in der Nachbarschaft führen kann. Eine neue, wachsende Gruppe von Christen in der Türkei besteht aus christlichen Flüchtlingen aus den Nachbarländern wie Iran. Sie sind in hohem Maße sozialen Anfeindungen ausgesetzt, in erster Linie wegen ihres Flüchtlingsstatus, doch ihr Glaube macht sie in zusätzlicher Weise angreifbar.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.6
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 11.4
Leben im Staat 13.2
Kirchliches Leben 11.6
Auftreten von Gewalt 4.6

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Das öffentliche Bekenntnis zu nichtmuslimischen Glaubensrichtungen kann zu Schikanen führen. Das Zeigen christlicher Symbole ruft Feindseligkeit und körperliche Gewalt hervor. Christen der traditionellen Kirchen sind sozial und wirtschaftlich von der türkischen Gesellschaft ausgeschlossen. Konvertiten, sofern ihr neuer Glauben entdeckt wird, verlieren womöglich ihre Arbeit, sind Belästigungen von Familie und Freunden ausgesetzt oder erhalten Drohungen.

Familienleben

Kinder von christlichen Konvertiten werden oft schikaniert und gemobbt, weil ihre Familien als Verräter des islamischen Glaubens und der Nation angesehen werden. Kinder, deren Eltern entweder Ausländer sind oder einer der traditionellen christlichen Kirchen angehören, werden ebenso als „Feinde der Türkei“ angesehen, da sie als Teil des „christlichen Westens“ betrachtet werden.

Der türkische Lehrplan ist stark vom türkischen Nationalismus geprägt und stellt das Christentum als fremd und feindlich gegenüber der türkischen Gesellschaft dar.

Anträge für eigene christliche Friedhöfe wurden in mehreren Teilen des Landes abgelehnt. Dies ist besonders problematisch, weil dort Christen nur dann nach christlichem Brauch bestattet werden können, wenn dies in Friedhofsbereichen geschieht, die sie mit allen Nichtmuslimen teilen, oder sie auf dem nächstgelegenen traditionellen christlichen Friedhof beerdigt werden, der mitunter mehr als 500 Kilometer entfernt liegen kann.

Gesellschaftliches Leben

Christen haben keinen Zugang zu Arbeitsstellen im öffentlichen Sektor und werden in der Privatwirtschaft diskriminiert. Der Islamunterricht ist obligatorisch – nichtmuslimische Kinder können sich zwar gegen eine Teilnahme entscheiden, müssen aber damit rechnen, dass sie daraufhin von Lehrern und Mitschülern ausgegrenzt und diskriminiert werden. Die Medien sind stark vom nationalistischen Druck vonseiten des Staates beeinflusst und greifen regelmäßig nichtmuslimische Minderheiten an. Christen werden in Zeitungen und Fernsehen immer wieder diskriminiert und zum Sündenbock erklärt, um einerseits Christen und andererseits tolerantere Türken zum Schweigen zu bringen.

Leben im Staat

Für Christen ist der Zugang zu Anstellungen im öffentlichen Sektor stark eingeschränkt und ihre sozialen und wirtschaftlichen Chancen sind erheblich gemindert. In Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuchs heißt es: „Wer die türkische Nation, die Republik oder die Große Nationalversammlung der Türkei öffentlich verunglimpft, wird mit Gefängnis bestraft.“ Dies bedeutet, dass Christen äußerste Vorsicht walten lassen müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit äußern.

Kirchliches Leben

Es ist nicht möglich, sich als Religionsgemeinschaft neu zu registrieren. Obwohl sich Kirchen als „Verein“ eintragen lassen können, ist dies gleichwohl ein komplizierter Prozess und Anträge wurden mitunter abgelehnt. Auch die Gründung von Stiftungen zur Unterstützung einer neuen Religionsgemeinschaft ist verboten.

Genehmigungen für den Bau, die Reparatur oder die Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten ist ein langwieriger und schwieriger Vorgang, der durch die christenfeindliche Haltung im Beamtenapparat noch weiter erschwert wird. Die Ausbildung von christlichen Leitern ist rechtlich unmöglich. Die Ausbildungsstätten der traditionellen Kirchen wurden in den 1970er-Jahren geschlossen und seitdem nicht mehr geöffnet, sodass Schulungen nur noch inoffiziell stattfinden können.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Mai 2021 wurde eine Kirche im Dorf Kovankaya im Südosten der Türkei angegriffen – angeblich von Mitgliedern der türkischen Sicherheitskräfte.
  • Im April 2021 wurde der syrisch-orthodoxe Mönch Pater Sefer Bilecen zu mehr als zwei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er einigen Besuchern Brot und Wasser angeboten hatte; nach Angaben der türkischen Staatsanwaltschaft waren die Besucher Mitglieder der verbotenen kurdischen PKK.
  • Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 verbot die türkische Regierung ausländischen Christen weiterhin die (Wieder-)Einreise ins Land, oft unter Angabe von vagen Sicherheitsgründen. Viele dieser Christen hatten seit Jahren in der Türkei gearbeitet und gelebt.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

42

64,78

2021

25

68,95

2020

36

63,40

2019

26

65,50

2018

31

61,97

Die Gesamtpunktzahl sank im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 um vier Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Der durchschnittliche Druck auf Christen erhöhte sich zwar von 11,9 auf 12,0 Punkte, doch der Wert für das Auftreten von Gewalt sank von 9,3 auf 4,6 Punkte – und so erklärt sich der Rückgang des Gesamtwertes. Im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2021 wurden weniger Kirchengebäude angegriffen und keine Christen getötet. Dies ist wahrscheinlich das Ergebnis der (Lockdown-)Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie, die zu einem erheblichen Rückgang der christlichen Aktivitäten führten und welche die Kirchen aus dem Licht der Öffentlichkeit drängten. Der Islam vermischt sich mit starkem Nationalismus, und die scharfe Rhetorik der Regierung lässt anderen Stimmen, einschließlich der Stimmen der Christen, weniger Raum.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Gleiche Rechte sind nur so stark wie ihre rechtliche Umsetzung. Ist diese schwach, entsteht eine problematische Situation, die zu geschlechtsspezifischer Ungleichheit und einem hohen Maß an häuslicher Gewalt führen kann. Christliche Konvertitinnen sind besonders gefährdet. Dies gilt vor allem in ländlichen Gebieten, da der Glaubenswechsel den Erwartungen an Frauen, ihrer Familie Ehre zu machen, widerspricht. Christinnen sind mit Hausarrest, körperlicher und sexueller Misshandlung sowie Belästigung und Ablehnung konfrontiert. Das veranlasst einige dazu, ihre Heimat zu verlassen und Schutz zu suchen. In einer Ehre- und Schamkultur tragen viele Missbrauchsopfer ihr Trauma allein. Auch im öffentlichen Raum werden Frauen unter Druck gesetzt, etwa durch die Erwartung, islamischen Kleidungs- und Verhaltensidealen zu entsprechen.

Männer: Diskriminierung und Feindseligkeit in den Medien, bei der Polizei, in der Bürokratie und auf kommunaler Ebene betreffen alle Christen; doch Männer stehen unter dem zusätzlichen Druck, der durch miteinander verwobene religiöse und kulturelle Erwartungen auf sie ausgeübt wird. So wird von ihnen erwartet, dass sie den Islam und das Türkentum verteidigen, die in der öffentlichen Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind. Das hindert Männer oft daran, jemals einen Fuß in eine Kirche zu setzen. Christliche Männer und Jungen werden unter Umständen von den Behörden festgenommen, bedroht, verhaftet und misshandelt. Sie müssen mit dem Verlust des Arbeitsplatzes, des Erbes oder der Ablehnung durch die Familie rechnen. Ausländischen Christen droht eine Abschiebung. Außerdem kann es im Umfeld des Wehrdienstes zu Diskriminierung und Belästigung kommen. Die Arbeit sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor ist schwierig.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Sowohl die türkische Regierung als auch die Gesellschaft sind zunehmend feindselig gegenüber religiösen Minderheiten wie Aleviten und Juden oder ethnischen Minderheiten wie Jesiden und Kurden. Im November 2018 entschied das Berufungsgericht, dass die Regierung die Stromkosten für „Cemevis“ (alevitische Gebetshäuser) übernehmen sollte, wie die Regierung es auch für Moscheen tut. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte bereits 2016 ein ähnliches Urteil gefällt, das aber von der Regierung ignoriert wurde.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Türkei:

  • Beten sie für Christen in der Türkei, die an einem Ort leben, arbeiten und anbeten, an dem sie nicht willkommen sind. Beten Sie für die Befreiung von Diskriminierung und ein wachsendes Bewusstsein für Gottes Liebe und Gnade.
  • Bitten Sie Gott, vom Islam konvertierte Christen zu schützen und ihnen Orte zu zeigen, an denen sie ihn frei anbeten können.
  • Bitten Sie Gott, den Dienst von Open Doors unter den Flüchtlingsgemeinschaften in der Türkei zu stärken, insbesondere bei der Unterstützung iranischer Christen. Beten Sie, dass der Dienst Früchte trägt und diese Gemeinschaften mehr Menschen zu Jesus führen.
  • Beten Sie, dass die Regierung der Türkei erkennt, dass türkische Christen Teil ihrer Gesellschaft sind.