Weltverfolgungsindex 2026

Türkei

Christenverfolgung in der Türkei

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2024 – 30. September 2025

1. Überblick

Nationalismus und Islam sind in der Türkei untrennbar miteinander verbunden. Wer kein Muslim ist oder sich sogar vom Islam abgewandt hat, oder wer einen abweichenden Glauben offen praktiziert, wird nicht als loyaler Türke betrachtet. Seit 2019 hat die Regierung begonnen, ausländische (westliche) Christen ins Visier zu nehmen, und hat über 200 von ihnen – auch wenn sie türkische Ehepartner und Kinder haben – des Landes verwiesen.

Die Konversion vom Islam zum christlichen Glauben ist nicht illegal, aber Konvertiten werden von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, zum Islam zurückzukehren, was bis zur Androhung von Scheidung und Verlust des Erbrechts gehen kann. Manche Christen sehen sich daher gezwungen, ein Doppelleben zu führen und ihren Glaubenswechsel zu verbergen. Andere hingegen leben ihren Glauben mutig und offen aus und spiegeln damit die Vielfalt sowohl innerhalb der türkischen Kirche als auch innerhalb der türkischen Gesellschaft wider.

Alle von Verfolgung betroffenen Gruppen von Christen haben nur begrenzten Zugang zu Arbeitsstellen im öffentlichen Sektor und werden in der Privatwirtschaft vor allem dann diskriminiert, wenn die Arbeitgeber Verbindungen zur Regierung unterhalten. Da die Religionszugehörigkeit immer noch in den Personalausweisen vermerkt wird (heutzutage auf einem elektronischen Chip), ist es ein Leichtes, Christen im Bewerbungsprozess zu benachteiligen.

Länderprofil als PDF

Das nachfolgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus den ausführlichen Berichten von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Dieses deutsche Länderprofil finden Sie hier auch als PDF zum Download.

Länderprofil als PDF

2. Hintergrund

Die Türkei ist ein transkontinentales Land, das strategisch günstig hauptsächlich in Anatolien (Westasien) und mit einem kleineren Teil in Südosteuropa liegt. Es ist historisch ein Knotenpunkt zwischen Ost und West und wurde von großen Zivilisationen wie den Griechen, Römern, Byzantinern und Osmanen geprägt. Der christliche Glaube hat in der Türkei eine lange Tradition. Seine Wurzeln liegen im 1. Jahrhundert n. Chr., als Apostel wie Paulus erste Gemeinden in Kleinasien gründeten. Mit der Annahme des christlichen Glaubens durch Kaiser Konstantin und der Gründung von Konstantinopel wurde die Region zu einem wichtigen Zentrum der östlichen Orthodoxie. Nach der osmanischen Eroberung im Jahr 1453 gerieten die Christen unter muslimische Herrschaft und sahen sich einer allmählichen Islamisierung gegenüber. Mehrere Massaker Ende des 19. Jahrhunderts unter Sultan Hamid II und schließlich der Völkermord an den Armeniern (1915–1923) dezimierten die christliche Bevölkerung aus Armeniern, Assyrern und Griechen stark und führten dazu, dass der christliche Glaube zu einer Minderheitsreligion in der modernen Türkei wurde. Nach der türkischen Gesetzgebung, die auf dem Lausanner Vertrag aus dem Jahr 1923 beruht, werden nur vier Religionsgemeinschaften anerkannt: Der sunnitische Islam, die griechisch-orthodoxe Kirche, die armenische apostolische Kirche und das Judentum. Die Religionszugehörigkeit eines Bürgers wird in amtlichen Dokumenten festgehalten. Zwar geschieht dies seit 2017 auf den neuen Personalausweisen nicht mehr in Form eines schriftlichen Eintrags, jedoch wird sie nach wie vor registriert – nämlich elektronisch, auf dem Chip des Personalausweises. Außerdem ist es üblich, dass Regierungsbeamte nach der Religionszugehörigkeit einer Person fragen.

Die türkische Gesetzgebung untersagt die Ausbildung von Pastoren und Geistlichen in privaten Bildungseinrichtungen. Die Ausbildungsstätten der griechisch-orthodoxen Kirche sowie der armenischen apostolischen Kirche wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren geschlossen und seitdem nicht mehr eröffnet. Doch unter den Garantien des Lausanner Vertrags erhalten diese beiden Kirchen vom Bildungsministerium eine Zulassung, um kirchliche Grundschulen weiterzubetreiben. Die katholische und die evangelische Kirche können die katechetische Ausbildung ihrer Kinder in den Räumlichkeiten der Kirche durchführen, verfügen jedoch nicht über offizielle Einrichtungen. Der Erwerb von Räumlichkeiten zur kirchlichen Nutzung kann sich als schwierig erweisen, da nach türkischem Recht nur bestimmte Gebäude als Kirchen genutzt werden können – und ob die Genehmigung dazu erteilt wird, hängt von der persönlichen Neigung des Bürgermeisters und der Haltung der örtlichen Bevölkerung ab. Nichtmuslime sind stillschweigend von einer Anstellung in der staatlichen Verwaltung und den Sicherheitskräften ausgeschlossen. Sie berichten, dass bei der Einberufung zum Militärdienst ihre Religionszugehörigkeit vom Vorgesetzten vermerkt wird und sie sich zudem einer „Sicherheitsüberprüfung“ unterziehen müssen.

Die Türkei ist eine Präsidialrepublik unter der derzeitigen Führung von Recep Tayyip Erdogan. Offiziell ist die Türkei seit Atatürks Reformen Anfang des 20. Jahrhunderts ein säkularer Staat. Doch das Land islamisiert sich unter dem nationalistisch orientierten Präsidenten Erdogan zunehmend, insbesondere seit dem gescheiterten Putschversuch von 2016. Der aktuelle Länderbericht der Hilfsorganisation Middle East Concern stellt fest: „Ein Gründungsprinzip des modernen türkischen Staates ist die Trennung von Staat und Religion. Gleichzeitig kontrolliert der Staat de facto das religiöse Leben und fördert aktiv die hanafitische Rechtsschule des sunnitischen Islam. Dies geschieht im In- und Ausland und das Diyanet (Präsidium für Religionsangelegenheiten) ist dafür der entscheidende staatliche Akteur. Die Verfassung bekräftigt den Grundsatz der Nichtdiskriminierung, auch aufgrund der Religion, und garantiert die freie Ausübung von Gottesdiensten und religiösen Riten, einschließlich der Freiheit von religiösem Zwang – vorausgesetzt, die ausgeübten religiösen Praktiken untergraben nicht die Grundrechte anderer.“ Der Wechsel zum christlichen Glauben ist zwar nicht gesetzlich verboten, gilt jedoch allgemein als nicht hinnehmbar. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass eine Konversion vom Islam zum christlichen Glauben oder von einer christlichen Konfession zur anderen soziale und familiäre Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Nach dem Putschversuch im Juli 2016 nahm die Regierung mehr und mehr autokratische Züge an. Dies gipfelte in weitreichenden Razzien gegen Oppositionspolitiker, darunter die Verhaftung von Ekrem Imamoğlu, dem Bürgermeister von Istanbul und potenziellen Präsidentschaftskandidaten. Sowohl der Nationalismus als auch die Islamisierung nehmen zu. Seit 1984 führt die Türkei einen langwierigen Kampf gegen Separatisten aus der kurdischen Minderheit, insbesondere gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Im Mai 2025 kündigte die PKK nach einem historischen Aufruf ihres inhaftierten Führers Abdullah Öcalan ihre Auflösung und das Ende des bewaffneten Kampfes an, was einen möglichen Wendepunkt hin zu einer politischen Lösung markiert.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

251.000

0,3

Muslime

84.997.000

98,0

Hindus

910

< 0,1

Buddhisten

44.200

< 0,1

Anhänger ethnischer Religionen

14.500

< 0,1

Juden

19.700

< 0,1

Bahai

25.400

< 0,1

Atheisten

91.200

0,1

Agnostiker

1.084.000

1,3

Andere

167.900

0,2

3. Gibt es regionale Unterschiede?

Traditionelle christliche Gruppen wie die armenische Kirche oder die assyrische Kirche sind im Südosten der Türkei hohem Druck und Feindseligkeiten ausgesetzt. Seit Jahrzehnten sind sie Opfer des andauernden Konflikts zwischen der türkischen Armee und kurdisch-nationalistischen Gruppen. Gegenwärtig sind sie anhaltend mit Landraub und Gewalt konfrontiert. Die meisten türkischen christlichen Gemeinden gibt es in den Städten an der Westküste, einschließlich Istanbul. Diese Städte sind in der Regel gemäßigter und säkularer. Die Gebiete im Landesinneren dagegen sind eher konservativ und islamisch geprägt und die dortige Gesellschaft feindlich gegenüber Christen und christlichen Konvertiten eingestellt.

4. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Der starke und oftmals fanatische Nationalismus beeinträchtigt alle ethnischen Minderheiten in der Türkei. Ein Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben wird als Beleidigung der Familie und der Nation angesehen; Konvertiten werden schikaniert und von Familie und Gesellschaft sowie im Geschäftsleben ausgegrenzt. Allgemein herrscht die Meinung, dass ein wahrer Türke ein Muslim ist. Und so wird eine Hinwendung zum christlichen Glauben nicht nur als Verletzung der Familienehre, sondern auch als „Beleidigung des Türkentums“ verstanden. Einige christliche Konvertiten werden sogar von extremistischen nationalistischen Islamisten mit Gewalt bedroht. Auch ethnische Minderheiten (wie zum Beispiel Griechen, Armenier und Assyrer) sind in ähnlicher Weise gesellschaftlichem Druck und Gewalt ausgesetzt und sehen sich mit rechtlichen Problemen und wirtschaftlicher Ausgrenzung konfrontiert.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Diese Triebkraft hat sich im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt verstärkt. Assyrische Christen in der südöstlichen Türkei leiden besonders unter dem Druck der ethnischen Spannungen in der Region; sie werden von allen Seiten bedrängt – von kurdischen Clans, der Regierung und der militanten PKK. Stammesführer nutzen ihre Macht, um assyrische Christen aus ihrer Heimat in der Südosttürkei zu vertreiben.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Nach wie vor spielen Stammesrecht und -bräuche eine wichtige Rolle, insbesondere in den östlichen Provinzen der Türkei. Dort droht Konvertiten noch härtere Verfolgung, da die Hinwendung zum christlichen Glauben nicht nur als Verrat am Islam, sondern auch an der Familie und dem Clan angesehen wird.

Diktatorische Paranoia

Seit dem gescheiterten Putsch vom Juli 2016 geht die Regierung von Präsident Erdogan hart gegen die Opposition vor, verhält sich zunehmend antidemokratisch und schränkt unverblümt die Freiheit in der gesamten türkischen Gesellschaft ein. Die Medien werden eingeschränkt und Journalisten inhaftiert, weil, wie Präsident Erdogan behauptete, „Demokratie und Pressefreiheit unvereinbar sind“.

5. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den traditionellen Kirchen gehören die beiden Kirchen, die als einzige im Lausanner Vertrag von 1923 anerkannt werden: die armenische apostolische Kirche und die griechisch-orthodoxe Kirche. Darüber hinaus zählen zu den traditionellen Kirchen auch die assyrische Kirche, die syrisch-orthodoxe Kirche sowie die syrisch-katholische Kirche. Diese Kirchen unterliegen ständiger Überwachung, Kontrollen und Beschränkungen durch die Regierung. Zwar hat Präsident Erdogan im Oktober 2023 eine neue syrisch-orthodoxe Kirche eingeweiht – seit der Gründung der türkischen Republik die erste Kirche, die mit offizieller Unterstützung der Regierung gebaut wurde. Gleichzeitig aber werden Mitglieder der traditionellen Kirchen in vielen offiziellen Angelegenheiten als „fremd“ betrachtet, sie stoßen auf rechtliche und bürokratische Hindernisse und erfahren Schikanen von Polizisten und sozialem Umfeld. So benötigen beispielsweise die armenische apostolische Kirche und die griechisch-orthodoxe Kirche die Erlaubnis der türkischen Regierung, um eine neue Kirchenleitung wählen zu können.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Die am stärksten verfolgten Christen in der Türkei sind ehemalige Muslime, die sich vom Islam abgewandt und den christlichen Glauben angenommen haben. Der Druck kommt von der Familie, dem sozialen Umfeld und sogar von lokalen Behörden. Christliche Konvertiten gelten als Verräter der türkischen Identität.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu den protestantischen Freikirchen gehören Baptisten- und Pfingstgemeinden. Auch die Gemeinden christlicher Konvertiten zählen dazu. Diese Kirchen und Gemeinden bestehen meist aus kleinen Gruppen. Sie treffen sich in Privatwohnungen, was zu Widerständen in der Nachbarschaft führen kann. Eine neue, wachsende Gruppe von Christen in der Türkei besteht aus Christen, die aus Nachbarländern wie dem Iran geflohen sind. Sie sind in hohem Maße sozialen Anfeindungen ausgesetzt, in erster Linie wegen ihres Flüchtlingsstatus, doch ihr Glaube macht sie in zusätzlicher Weise angreifbar.

6. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben 13
Familienleben 11.7
Gesellschaftliches Leben 11.7
Leben im Staat 13.3
Kirchliches Leben 11.7
Auftreten von Gewalt 6.7

Privatleben

Das öffentliche Bekenntnis zu nicht muslimischen Glaubensrichtungen kann zu Schikanen führen. Das Zeigen oder Tragen christlicher Symbole ruft unter Umständen Feindseligkeit und physische Gewalt hervor. Christen der traditionellen Kirchen werden in sozialer und wirtschaftlicher Sicht von der türkischen Gesellschaft ausgeschlossen. Wenn ihr neuer Glaube bekannt wird, können Christen muslimischer Herkunft ihre Arbeit verlieren, sind Belästigungen von Familie und Freunden ausgesetzt oder erhalten Drohungen.

Familienleben

Kinder von christlichen Konvertiten werden oft schikaniert und gemobbt, weil ihre Familien als Verräter des islamischen Glaubens und der Nation angesehen werden. Kinder, deren Eltern entweder Ausländer sind oder einer der traditionellen christlichen Kirchen angehören, werden ebenso als „Feinde der Türkei“ angesehen, da sie als Teil des „christlichen Westens“ betrachtet werden.

Der türkische Lehrplan ist stark vom türkischen Nationalismus geprägt und stellt den christlichen Glauben als fremd und feindlich gegenüber der türkischen Gesellschaft dar.

Anträge auf eigene christliche Friedhöfe wurden in mehreren Teilen des Landes abgelehnt. Dies ist problematisch, weil in diesen Landesteilen dann Christen nur nach christlichem Brauch bestattet werden können, wenn dies in Friedhofsbereichen geschieht, die sie mit allen Nichtmuslimen teilen. Anderenfalls müssen sie auf dem nächstgelegenen traditionellen christlichen Friedhof beerdigt werden, der mitunter mehr als 500 Kilometer entfernt liegen kann.

Gesellschaftliches Leben

Christen haben kaum Zugang zu Arbeitsstellen im öffentlichen Sektor und werden in der Privatwirtschaft diskriminiert. Der Islamunterricht ist obligatorisch – nicht muslimische Kinder können sich zwar gegen eine Teilnahme entscheiden, müssen aber damit rechnen, dass sie daraufhin von Lehrern und Mitschülern ausgegrenzt und diskriminiert werden. Die Medien stehen unter starkem Einfluss des Staates und unter dessen nationalistischem Druck. Immer wieder werden nicht muslimische Minderheiten in den Medien angegriffen. So werden Christen in Zeitungen und Fernsehen regelmäßig diskriminiert und zum Sündenbock gemacht – einerseits geschieht dies, um Christen zum Schweigen zu bringen, und andererseits, um tolerantere Türken einzuschüchtern.

Leben im Staat

Für Christen ist der Zugang zu Anstellungen im öffentlichen Sektor stark eingeschränkt und ihre sozialen und wirtschaftlichen Chancen sind erheblich gemindert. Artikel 301 des türkischen Strafgesetzbuches besagt Folgendes: „Wer die türkische Nation, die Republik oder die Große Nationalversammlung der Türkei öffentlich verunglimpft, wird mit Gefängnis bestraft“, was bedeutet, dass Christen äußerste Vorsicht walten lassen müssen, wenn sie sich in der Öffentlichkeit äußern.

Kirchliches Leben

Es ist nicht möglich, sich als Religionsgemeinschaft neu zu registrieren. Protestantische Kirchen sind nicht anerkannt. Zwar besteht für Kirchen die Möglichkeit, sich als „religiöse Stiftung“ oder „Verein“ registrieren zu lassen, doch ist das Verfahren langwierig und schwierig, und einige Anträge wurden abgelehnt.

Genehmigungen für den Bau, die Reparatur oder die Renovierung von Kirchengebäuden zu erhalten, ist ein langwieriger und schwieriger Vorgang, der durch die christenfeindliche Haltung im Beamtenapparat noch weiter erschwert wird. Christliche Leiter auf legale Weise auszubilden, ist unmöglich: Die Ausbildungsstätten der traditionellen Kirchen wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren geschlossen und seitdem nicht mehr eröffnet, sodass Schulungen nur noch inoffiziell stattfinden können.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt

Während des Berichtszeitraums wurden mehrere Kirchen angegriffen oder beschädigt. Laut dem Bericht von Stockholm Center for Freedom vom 2. Januar 2025 wurden am 31. Dezember 2024 Schüsse auf die Erlösungskirche im Istanbuler Stadtteil Çekmeköy abgefeuert. Eine weitere Kirche in Samsun wurde durch Steinwürfe verwüstet.

Die türkische Polizei und Behörden sind mehrfach gegen protestantische Kirchen vorgegangen. Im Mai 2025 schloss die Polizei die Räumlichkeiten einer Kirche in Istanbul und behauptete, es lägen Verstöße gegen Vorschriften hinsichtlich der Ausgabe von Erfrischungsgetränken vor, obwohl die Kirche seit fast zwei Jahrzehnten ohne Probleme betrieben worden war. In einem anderen Fall warnte die Polizei potenzielle Vermieter davor, Immobilien an eine Kirche zu vermieten. Eine andere Kirche wurde unter dem Vorwand der Erdbebensicherheit geschlossen, obwohl sie zertifizierte Sicherheitsstandards erfüllte, während benachbarte Gebäude weiter betrieben werden durften. Es wurden mehrere Fälle von Aufwiegelung gegen Christen und Belästigung gemeldet, darunter auch ein Fall, in dem jemand einen Sonntagsgottesdienst gewaltsam gestört hat.

Außerdem verbot die türkische Regierung auch im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2026 ausländischen Christen die (Wieder-)Einreise ins Land, oft unter Angabe von vagen Sicherheitsgründen. Diese Verbote haben viele Familien und kirchliche Beziehungen schwer beeinträchtigt und Lücken in den protestantischen Kirchen hinterlassen.

7. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2026

41

68

2025

45

67

2024

50

64

2023

41

66

2022

42

70

Die Gesamtpunktzahl für die Türkei stieg im Weltverfolgungsindex 2026 um 1,6 Punkte gegenüber dem Vorjahr. Dies ist hauptsächlich auf einen Anstieg der Punktzahl für Gewalt von 5,4 auf 6,7 Punkte zurückzuführen. Eine größere Anzahl von Kirchen wurde angegriffen, beschossen und verwüstet und mehrere Kirchen wurden von den lokalen Behörden oder der Polizei geschlossen. Gleichzeitig erhielten zahlreiche ausländische Christen weiterhin Einreiseverbote oder Auflagen, wodurch sie und ihre Familien faktisch gezwungen wurden, das Land zu verlassen. Insgesamt blieb der Druck auf die Kirche in der Türkei sehr hoch.

8. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen

In der Türkei sind häusliche Gewalt und Femizide nach wie vor weit verbreitet und haben sich noch verschlimmert, seit das Land 2021 aus der Istanbul-Konvention ausgetreten ist. Obwohl einige Konvertitinnen ihren neuen Glauben frei ausleben können, sind andere besonders gefährdet, da eine Konversion als Schande für die Familie angesehen wird. Dies gilt vor allem in ländlichen Gebieten, da der Glaubenswechsel den Erwartungen an Frauen, ihrer Familie Ehre zu machen, widerspricht. Christinnen sind mit Hausarrest, körperlicher und sexueller Misshandlung sowie Belästigung und Ablehnung konfrontiert. Unverheiratete oder finanziell nicht unabhängige Frauen sind den größten Gefahren ausgesetzt. Da in der Türkei eine Ehre- und Schamkultur herrscht, tragen viele Missbrauchsopfer ihr Trauma allein. In manchen Berufen und konservativen Gegenden stehen Frauen unter Druck, sich islamischer Kleidung und Verhaltensweisen anzupassen. Viele junge Konvertitinnen verheimlichen ihren Glauben, um nicht ausgeschlossen oder verstoßen zu werden.

Männer

Alle Christen sind von Diskriminierung und Feindseligkeit auf institutioneller und gesellschaftlicher Ebene betroffen; doch Männer stehen unter dem zusätzlichen Druck, der durch religiöse und damit verwobene kulturelle Erwartungen auf sie ausgeübt wird. So wird von ihnen erwartet, dass sie den Islam und das Türkentum verteidigen, zwei Dinge, die in der öffentlichen Wahrnehmung eng miteinander verbunden sind. Oft hindert das Männer daran, jemals eine Kirche zu betreten. Es kommt vor, dass christliche Männer und Jungen von den Behörden festgenommen, bedroht, verhaftet und misshandelt werden. Sie müssen mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes, dem Verlust ihres Erbes beziehungsweise der Ablehnung durch ihre Familie rechnen. Außerdem kann es im Wehrdienst zu Diskriminierung und Schikanen kommen, wodurch christliche Wehrdienstleistende ihren Glauben in der Regel nicht offen ausleben können. Kirchenleiter erhalten Morddrohungen und werden eingeschüchtert. Die weit verbreitete Diskriminierung sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor untergräbt die Lebensgrundlagen christlicher Familien und gefährdet sie wirtschaftlich.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Die Gülen-Bewegung wird seit dem Putschversuch von 2016 massiv verfolgt. Die Jesiden im Südosten der Türkei stehen vor ähnlichen Problemen wie die assyrischen Christen. Aus Syrien geflüchtete Alawiten fühlen sich enorm unter Druck gesetzt, das Land zu verlassen. Auch die Aleviten werden diskriminiert (sie existieren offiziell nicht als eigene Gruppe und dürfen keine Gotteshäuser betreiben), ebenso wie die Kurden im Allgemeinen.

Das US-Außenministerium schreibt in seinem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2023 über die Türkei: „Die Verfassung sieht nur eine einzige Bezeichnung der Nationalität für alle Bürger vor. Nationale, ethnische oder religiöse Minderheiten finden keine ausdrückliche Berücksichtigung, mit Ausnahme von drei nicht muslimischen Minderheiten: armenische apostolische Christen, Juden und griechisch-orthodoxe Christen. Andere religiöse und ethnische Minderheiten oder Angehörige anderer Staaten durften ihre sprachlichen, religiösen und kulturellen Rechte nicht uneingeschränkt ausüben. Davon betroffen waren Assyrer, Dschafariten, Jesiden, Kurden, Araber, Roma, Tscherkessen und Lasen. [...] Auch Aleviten [...] waren Opfer von Hassreden und Diskriminierung.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für die Türkei:

  • Beten Sie für die Christen um Mut, Weisheit und Schutz als Minderheit in einer Gesellschaft, die sie zunehmend feindlich betrachtet.
  • Beten sie, dass Christen in der Türkei nicht mehr als Bedrohung wahrgenommen werden, sondern dass in der Bevölkerung ein echtes Interesse am christlichen Glauben entsteht.
  • Bitten Sie Jesus, Christen muslimischer Herkunft zu schützen und ihnen Orte zu zeigen, an denen sie ihn frei anbeten können.
  • Beten Sie um Schutz für Christen, die als Flüchtlinge in der Türkei leben, und um Gunst bei den Behörden und der Bevölkerung.
  • Beten Sie, dass die Regierung anerkennt, dass türkische Christen Teil ihrer Gesellschaft sind, und sie entsprechend respektiert und schützt.

Türkei: Informieren und helfen

Eine Mitarbeiterin von Open Doors betet für eine verfolgte Christin

Beten

Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen uns bitten und ist daher essenzieller Teil unseres Dienstes. Erfahren sie hier, wie sie konkret für verfolgte Christen beten können.

Spenden

Spenden

Ohne Ihren Einsatz wäre unser weltweiter Dienst nicht möglich. Ihre finanzielle Unterstützung macht einen Unterschied im Leben verfolgter Christen!