Länderprofil Niger

Niger

50
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Niger
Hauptreligion
Islam
ISO
NE
Karte Niger
Christen
0,06
Bevölkerung
23.18
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 9.400
Familienleben: 9.500
Gesellschaftliches Leben: 13.300
Leben im Staat: 7.200
Kirchliches Leben: 11.100
Auftreten von Gewalt: 9.300

Länderprofil Niger

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 50 / 60 Punkte

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Familien von Christen muslimischer Herkunft üben Druck aus oder wenden Gewalt an, um sie dazu zu bringen, den christlichen Glauben aufzugeben. Andere Christen sind dieser Art von Verfolgung nicht ausgesetzt und können ihren Glauben im Allgemeinen privat relativ frei ausleben. In den Grenzregionen, die unter islamistischer Kontrolle sind, wurden Christen daran gehindert, christliche Hochzeiten zu feiern. In diesen Gebieten müssen aufgrund der Gefahr durch militante Gruppierungen auch Gottesdienste und andere Treffen von Christen sehr vorsichtig durchgeführt werden. Christen werden im öffentlichen Dienst nicht gleichberechtigt behandelt, haben nur selten die Chance, eine Arbeitsstelle in lokalen Behörden zu erhalten, und werden häufig bei Beförderungen übergangen. Gelegentlich wurden Christen auch daran gehindert, sich zu treffen. Der rechtliche Prozess zur Registrierung einer Kirche ist sehr langwierig und schwierig.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im Juni 2019 wurde eine evangelische Kirche von Demonstranten angezündet, die gegen die Inhaftierung eines Imam protestierten.
  • Im Oktober 2019 wurde eine Missionsschule von Dschihadisten verwüstet, die in der Region aktiv sind.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Der Niger ist 2020 neu auf dem Weltverfolgungsindex. Mit einer Wertung von 60 Punkten belegt er Platz 50.

Im vergangenen Jahr wurde der Niger mit 53 Punkten nicht unter den 50 Ländern auf dem Weltverfolgungsindex gelistet. Der Anstieg von sieben Punkten ist größtenteils auf den Druck und die Gewalt zurückzuführen, die von den islamistischen Milizen in der Sahelregion ausgehen. In der Vergangenheit blieb der Niger mehr oder weniger von Angriffen islamisch-extremistischer Gruppierungen verschont und die Kirche war zudem nicht deren primäres Ziel. Doch im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 hat das Land eine Reihe von Angriffen islamistischer Kämpfer erleben müssen und auch Demonstranten zündeten bisweilen Kirchen zur Vergeltung an. Zudem gibt es Konflikte, die sowohl religiöse als auch ethnische Dimensionen haben. Aufgrund der Aktivitäten der islamistischen Milizen hat der nigrische Präsident um internationale militärische Hilfe gebeten. Die unberechenbare Situation im Land ist gefährlich für Christen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Laut „World Christian Database“ besteht die nigrische Bevölkerung zu über 96 Prozent aus Muslimen. Dennoch wird Religion als Privatangelegenheit verstanden und nicht vom Staat politisiert. Staat und Religion werden voneinander getrennt – diese Trennung ist jedoch immer stärker unter Druck. Muslimische Leiter der „Izala“-Bewegung, einer islamisch-extremistischen Gruppe, die ihren Ursprung im Norden Nigerias hat, sind im Niger aktiv und bedrohen die Freiheit von Christen. Andere islamische Interessengruppen wie etwa „Tariqa“ (Arabisch für „Der Weg“ – der sufistische Weg, Allah zu begegnen) sind in bestimmten Teilen des Landes aktiv (beispielsweise in Maradi und der Hauptstadt Niamey). Izala und Tariqa üben Druck auf Angehörige von Minderheitsreligionen sowie auf Muslime aus, die sie als abweichend von ihrer Auslegung des Islam sehen. In der Geschichte des Niger gab es gute Beziehungen zwischen der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung und Angehörigen anderer, sich zahlenmäßig stark in der Minderheit befindenden, Religionen. Trotzdem hat der Kampf des Niger gegen Boko Haram in einigen Regionen Spannungen zwischen den verschiedenen Gruppierungen geschürt und die Sicherheit und Freiheit von Christen im Land ausgehöhlt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Präsident Issoufou hat den Kampf gegen Korruption innerhalb seiner Regierungszeit zu einem seiner wichtigsten Anliegen gemacht. Antikorruptionsmaßnahmen, die auf Regierungsbeamte, ihre Familien und alle politischen Parteien abzielen, sind inzwischen Gesetz. Ebenso wurden Gesetze eingeführt, die Interessenskonflikte bei der Auftragsvergabe bekämpfen sollen. Die Bestechung von Beamten durch private Firmen ist nun offiziell illegal. Korruption bleibt trotzdem besonders im Gerichtswesen ein Problem und Straffreiheit ist weiterhin eine Herausforderung für das Land. Amtsträger, die das Gesetz brechen und sich durch Korruption bereichern, geraten zwar dafür in die Negativschlagzeilen, müssen aber keine dementsprechende Strafverfolgung fürchten. Das beeinträchtigt die Gesellschaft, einschließlich der christlichen Bevölkerung.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Für die meisten Nigrer ist der Islam Teil ihrer ethnischen Identität: Wer Nigrer ist, ist Muslim. Alles andere wird als Verrat betrachtet, weshalb Christen muslimischer Herkunft und andere einheimische Christen Verfolgung erleiden.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Von ihnen geht vermutlich die stärkste Verfolgung für Christen im Niger aus. Islamisch-extremistische Gruppen wie Boko Haram und andere, mit Al Kaida verbundene, Milizen greifen Menschen aus dem Westen an, Institutionen, die mit dem Westen verbunden sind, Touristen, Soldaten und UN-Friedenstruppen. Auch von der Gesellschaft im weiteren Sinne und von Mobs gewöhnlicher Bürger geht Verfolgung für Christen aus. Diese Verfolger haben im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex Christen getötet und Kirchen und christliche Schulen angegriffen. Wahhabiten, eine streng konservative Form des Islam aus Saudi-Arabien, predigen regelmäßig in der Öffentlichkeit und über Massenmedien wie Radio und Fernsehen gegen den christlichen Glauben.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Es gibt in der Sahelregion eine starke Verbindung zwischen „Organisiertem Verbrechen und Korruption“ und „Gewalttätigen religiösen Gruppen“. Von den dadurch entstandenen Netzwerken geht Verfolgung für Christen aus, da sie eine wichtige Rolle dabei spielen, die Aktivitäten von Dschihadisten zu finanzieren und sie es ihnen erleichtern, in der Umgebung ihre Operationen durchzuführen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Dazu gehören Islamisten und militärische Leiter von Boko Haram, Al Kaida und der „Bewegung für Einheit und Dschihad in Westafrika“ (MUJAO). Sie alle bedrohen Christen im Niger, schüchtern sie ein und verfolgen sie.
  • (Groß-)Familie und gewöhnliche Bürger: Angehörige der erweiterten Familie stellen sich gegen Christen, die früher Muslime waren, und verstoßen sie häufig sogar.
  • Regierungsbeamte: Die meisten nigrischen Regierungsbeamten sind Muslime. Einige von ihnen streben politische Programme an, die Christen diskriminieren und sie aus dem öffentlichen Leben ausschließen würden. Präsident Issoufou hat im Wahlkampf vor seiner Wiederwahl im Februar 2016 versprochen, gegen die Ausbreitung extremistischer islamischer Lehren, die Gewalt fördern, vorzugehen. Seine Regierung hat bis jetzt jedoch noch keine konkreten Schritte hierzu unternommen. Ferner haben sich einige Regierungsbeamte an manchen Orten sogar der dschihadistischen Ideologie angeschlossen.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Verschiedene kriminelle Netzwerke operieren im Niger. Gesetzlosigkeit und kriminelle Aktivitäten sind in den großen unbewohnten Gegenden des Landes häufig anzufinden. Einige kriminelle Netzwerke arbeiten mit militanten Gruppen zusammen und verfolgen Christen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamisch-extremistische Gruppen verdienen Geld mit Drogenhandel und Entführungen, um Waffen zu kaufen. So fördern diese Gruppen das organisierte Verbrechen und die Korruption und werden auch auf diesem Wege zu Verfolgern.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Anführer ethnischer Gruppen wie der Fulani versuchen, die historisch gesehen islamische Herkunft ihrer ethnischen Gruppe zu betonen, indem sie sie von Christen säubern. In Tunga in der Region Dosso wird von den Religions- und Stammesführern, die einen enormen Einfluss haben, keine christliche Präsenz geduldet.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Gebiete, in denen Christen am stärksten Verfolgung erleiden, befinden sich außerhalb der großen Städte, besonders außerhalb der Hauptstadt Niamey.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Dazu gehören sowohl protestantische als auch katholische Kirchen, die von amerikanischen Missionaren aufgebaut wurden. Sie gibt es in allen sieben Regionen des Landes: Agadez, Diffa, Dosso, Maradi, Tahoua, Tillabéri, Zinder. Dazu kommt die Hauptstadt Niamey, die den Status einer Region hat. Diese Kirchen leiden unter dem Aufschwung der islamistischen Milizen im Niger und mussten in den vergangenen Jahren Angriffe von bewaffneten Gruppen wie Boko Haram in Diffa, nahe der Grenze zu Nigeria, erleiden.

Pastoren und Kirchenleiter aus den Dörfern dort mussten aus Angst um ihr Leben in größere Städte fliehen. Auch in Tillabéri gab es solche Vorfälle. Gerade in den Regionen nahe Nigeria leben viele traditionelle christliche Gemeinschaften in Angst vor gewalttätigen Angriffen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

In einigen Fällen ist der Druck auf Christen muslimischer Herkunft besonders ausgeprägt, vor allem in den Lebensbereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“. Eltern und Verwandte stellen sich eher gegen den Glaubenswechsel eines Christen muslimischer Herkunft als die Regierung. Extremistische Imame und islamische Lehrer beeinflussen Muslime und bringen sie dazu, Konvertiten anzugreifen und wegzujagen, genauso wie jeden Christen, der mit Konvertiten arbeitet. Außerhalb der größeren Städte und in Gegenden nahe der südlichen Grenze des Landes werden Christen muslimischer Herkunft als Ausgestoßene behandelt und sind teilweise sogar gewalttätigen Angriffen ausgesetzt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Im Niger gibt es Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden sowie mehrere Freikirchen, die aus Nigeria stammen, besonders in Niamey und in Maradi und Zinder. Sie alle sind mehr oder weniger einem ähnlich starken Druck ausgesetzt wie traditionelle Kirchen, stehen aber im Vergleich zu Christen muslimischer Herkunft nicht so sehr unter dem Druck der Gesellschaft.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 9.5
Gesellschaftliches Leben 13.3
Leben im Staat 7.2
Kirchliches Leben 11.1
Auftreten von Gewalt 9.3

Grafik: Verfolgungsmuster Niger

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen im Niger ist mit 10,1 Punkten hoch. Im Vergleich zum Vorjahr ist er um 0,6 Punkte gestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Gesellschaftliches Leben“ (13,3 Punkte), gefolgt vom Bereich „Kirchliches Leben“ (11,2). Das weist darauf hin, dass Christen von ihrem islamisch geprägten Umfeld bedrängt werden, sich dessen Werten anzupassen. Der hohe Wert im Bereich „Kirchliches Leben“ zeigt zudem, dass kirchliche Aktivitäten im Land aufgrund der Gefahr durch militante islamistische Gruppen eingeschränkt sind.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist von 4,8 Punkten auf 9,3 Punkte gestiegen. Das liegt vor allem an der starken Aktivität gewalttätiger islamistischer Gruppen im Land und der umliegenden Sahelregion. Die Präsenz von Dschihadisten im Land steigt weiter an.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist für Christen riskant, allein ihren Glauben auszuüben etwa zu beten, die Bibel zu lesen oder Ähnliches: Dies betrifft Christen muslimischer Herkunft. Familienangehörige und das soziale Umfeld setzen Konvertiten der Verfolgung aus, da ein Glaubenswechsel dämonisiert wird. Andere Christen sind mit dieser Art von Verfolgung nicht konfrontiert und können ihren Glauben im Allgemeinen privat relativ frei ausleben. Christliche Konvertiten tauchen üblicherweise unter, wollen nicht erkannt werden und leben ihren neuen Glauben im Geheimen. Einige entscheiden sich auch dazu, das Land zu verlassen.
  • Es ist gefährlich, christliches Material zu besitzen oder aufzubewahren: Auch dies ist ein Problem für Christen muslimischer Herkunft und ist in den Grenzregionen besonders gefährlich.
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: An Orten, an denen der extremistische Islam schneller zunimmt, müssen Christen sehr vorsichtig sein, wie sie ihrem Glauben Ausdruck verleihen. Das gilt besonders für Christen muslimischer Herkunft.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Dies gilt derzeit für alle Christen im gesamten Land. Besonders gefährlich ist es in Regionen wie Tahoua, Agadez und Zinder. In der Hauptstadt sind nur Christen muslimischer Herkunft betroffen. Durch die stärker werdenden gewalttätigen islamistischen Gruppen wird es gefährlich für Christen, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen, besonders in den Grenzregionen zum Tschad, in der Nähe des Tschadsees. In diesen Regionen ist Sicherheit ein gefährdetes Gut und Christen sind schutzlos.

Familienleben

  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden (erfolgreich oder nicht erfolgreich) von Anderen unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen: Das Drohen mit Scheidung ist eines der stärksten Mittel, um Konvertiten dazu zu bringen, den christlichen Glauben aufzugeben.
  • Christlichen Ehepartnern wird im Falle einer Scheidung das Recht abgesprochen, das Sorgerecht für die Kinder in Anspruch nehmen zu können: Die Großfamilie betrachtet die Kinder von Christen muslimischer Herkunft als Muslime und versucht, das Sorgerecht im Fall einer Scheidung oder eines Todesfalls zu erhalten.
  • Ehemalige Muslime verlieren nach ihrer Hinwendung zum christlichen Glauben ihren Erbschaftsanspruch: Familienmitglieder und Angehörige des sozialen Umfelds versuchen alles, damit ein Konvertit kein Erbe erhält.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Christliche Kinder werden in der Schule oder beim Spielen auf der Straße als Bürger zweiter Klasse angesehen und oft diskriminiert – sie neigen weniger dazu, dem Vorbild ihrer Eltern zu folgen und am christlichen Glauben festzuhalten.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert wegen glaubensbedingter Gründe, zum Beispiel weil sie nicht den Vorschriften für Kleidung oder Bärte entsprechen: Die Feindseligkeit gegen Christen geht stärker von der Gesellschaft aus, etwa von der Großfamilie und Stammesführern, als von der Regierung. Zudem steht die christliche Kirche im Niger unter der Überwachung von Einzelnen und extremistischen Gruppen.
  • Christen stehen in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden: Entführungen kommen in der Sahelregion sehr häufig vor, da sie ein lukratives Geschäft sind. Um nicht die Aufmerksamkeit militanter Gruppierungen auf sich zu ziehen, müssen gemeinschaftliche Treffen von Christen und Gottesdienste in einigen Regionen sehr vorsichtig durchgeführt werden.
  • Christen wird wegen ihres Glaubens der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen erschwert: In vielen Orten werden Christen durch ihr soziales Umfeld ausgegrenzt. In der Region Alambare in Makalondy wird Christen der Zugang zu Trinkwasser und Bildung verweigert. Auch in Tashar Ibrahim, im Norden Maradis, haben christliche Fulanis aufgrund ihres Glaubens keinen Zugang zu Trinkwasser.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Dies betrifft alle Christen, besonders aber Christen muslimischer Herkunft. Extremistische Muslime im Land und der ganzen Sahelregion geben Christen eigentlich nur die Wahl zwischen Konvertieren, Fliehen oder Sterben.

Leben im Staat

  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Weil die Sicherheitslage so besorgniserregend ist, müssen Christen sehr vorsichtig sein, wenn sie reisen. Selbst das Militär ist nicht sicher. Mit dem sogenannten Islamischen Staat (IS) verbundene Kämpfer sind dafür bekannt, Hinterhalte vorzubereiten und nigrische und internationale Soldaten zu töten.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens beim Kontakt mit Behörden (lokale Verwaltungen, Regierung, Armee, etc.) diskriminiert: Muslime werden bei der Besetzung von Arbeitsstellen bevorzugt. Christen werden im öffentlichen Dienst nicht gleichberechtigt behandelt, haben nur selten die Chance, eine Anstellung bei lokalen Behörden zu erhalten, und eine Beförderung wird ihnen häufig verweigert.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden aufgrund ihrer christlichen Überzeugungen in ihrer Arbeit behindert oder verboten: Die nigrische Verfassung und die Gesetze des Landes respektieren Religionsfreiheit in der Theorie. In der Praxis haben christliche Nichtregierungsorganisationen jedoch Schwierigkeiten erlebt. Pluralismus und Zivilgesellschaft sind im Niger quasi unbekannte Konzepte und es gibt keine christlichen zivilgesellschaftlichen Gruppen oder Parteien.
  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen: Islamistische Gruppen machen sich über Christen lustig und starten Hetzkampagnen gegen sie. Dies gilt vor allem für die Anhänger von Boko Haram. Der Einfluss der Gruppe umfasst die Grenzregion zum Tschad und dem Tschadsee. Der christliche Glaube wird im Niger als fremde Religion von Ungläubigen gesehen, islamisch-extremistische Leiter fördern ungehindert Hass und Intoleranz.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Die Sahelregion ist zur Brutstätte für gewalttätige islamisch-extremistische Gruppen geworden. Insbesondere Mali wird von ihnen als Sprungbrett für Angriffe im Niger genutzt. Doch auch Kämpfer von Boko Haram können problemlos die Grenze überqueren und Mitglieder rekrutieren. Christen werden beobachtet und sind Angriffen in Kirchen sowie Entführungen und Überfällen ausgeliefert.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: In vielen Teilen des Landes sind Veranstaltungen im Freien aufgrund der gewalttätigen Gruppen sehr gefährlich.
  • Der Verkauf oder das Bereitstellen von Bibeln oder anderen christlichen Materialien wird verhindert: In Niamey ist es möglich, christliches Material zu verteilen, in vielen anderen Orten rufen solche Aktionen jedoch schnell Angriffe von extremistischen Gruppen hervor.
  • Auf allen Ebenen der Verwaltung ist es schwierig, als Kirche eine Registrierung zu bekommen: Der rechtliche Prozess zur Registrierung einer Kirche ist sehr langwierig und schwierig. Es wird immer schwieriger, Genehmigungen zum Bau neuer Kirchen zu erhalten, oder Land zu kaufen, um dort neue Kirchen oder christliche Schulen zu bauen. Kirchen wird immer geraten, in den Außenbezirken von Städten und Dörfern zu bleiben. Einige Beamte in Behörden sind radikale Muslime, die es Kirchen mit Absicht schwer machen, Genehmigungen zum Bau neuer Gebäude zu erhalten. Außerdem kontrolliert die Regierung alle religiösen Ausdrucksformen, die sie als potenziell gefährlich für die öffentliche Sicherheit oder nationale Einheit sieht.

Auftreten von Gewalt

Für die gewalttätige Verfolgung im Niger sind hauptsächlich militante islamistische Gruppen verantwortlich sowie Einzelpersonen und Teile der Gesellschaft, die von den Lehren extremistischer Imame beeinflusst sind. Militante Kämpfer haben im Berichtszeitraum Kirchen, Pastoren und Christen muslimischer Herkunft angegriffen.

  • Viele Christen wurden im Berichtszeitraum getötet. Da der Zusammenhang dieser Vorfälle jedoch unklar war, wurden für den Weltverfolgungsindex keine Morde an Christen gewertet.
  • Mindestens 130 Christen wurden angegriffen oder entführt. Die Angriffe fanden teilweise während eines Gottesdienstes in einer Kirche statt.
  • Ein Christ wurde im Berichtszeitraum für seinen Glauben anderthalb Monate inhaftiert, jedoch schließlich wieder freigelassen.
  • Mehr als zehn Kirchen wurden angegriffen. Beispielsweise gab es im Mai 2019 einen Angriff auf eine Kirche in Dolbel. Dabei wurde laut Quellen auch ein Priester verwundet.
  • Im Kontext anhaltender dschihadistischer Angriffe wurden mindestens elf Läden und Häuser von Christen ins Visier genommen. Beispielsweise wurde im Oktober 2019 eine Missionsschule von einer Gruppe bewaffneter Männer angegriffen. Von solchen Angriffen auf Missionsschulen sind viele nigrische Kinder betroffen, nicht nur Christen. Ein Priester der „Gesellschaft der Afrikamissionen“ sagte Medien, diese Angriffe würden „heute die Ärmsten im Land treffen und nur bestätigen, wie instabil die Grenzregion zu Burkina Faso ist. Die Zahl der Kinder, die in diesem Land ihres Rechts auf Bildung beraubt werden, geht inzwischen in die Tausende.“

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Zwangsverheiratung
  • Zwangsscheidung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Wie in anderen afrikanischen Ländern mit ähnlicher sozioökonomischer und demografischer Struktur stehen Christinnen in der Gefahr, vergewaltigt zu werden. Im Niger steigt die Gewalt zudem an und laut einem Bericht wurde ein christliches Mädchen in einem Dorf im Westen vergewaltigt. Zudem sind Christinnen davon beeinträchtigt, unter der Scharia zu leben. Laut der Scharia hat eine christliche Frau beispielsweise kein Recht, das Sorgerecht für ihre Kinder im Fall einer Scheidung zu beanspruchen. Das gilt, obwohl der Niger ein säkularer Staat ist. Christliche Elternteile können per Gesetz das Sorgerecht für ihre Kinder beantragen, doch in der Realität werden sie damit scheitern. Viele Christen muslimischer Herkunft verlieren aufgrund ihres Glaubenswechsels jeden Erbanspruch. Sie kennen ihre Rechte nicht, doch wenn sie ihren Fall vor ein Gericht bringen, endet er häufig zu ihrer Zufriedenheit.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Verhaftung durch die Behörden

Christliche Männer können aufgrund ihres Glaubens entlassen werden. Diese und andere Formen von Schikanen aufgrund des Glaubens sind für die christliche Männer und Jungen irritierend, die noch nicht daran gewöhnt sind, ihren Glauben in einer feindseligen Umgebung zu leben. Christen muslimischer Herkunft erleben mit die stärkste Verfolgung; einige von ihnen wurden inhaftiert, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Weigern sie sich, werden sie von Zuhause fortgejagt.

Ein anderes Phänomen hat einen starken negativen Einfluss auf christliche Familien, auch wenn es keine gezielte, religiös motivierte Verfolgung darstellt: Laut der „Child Soldiers Prevention Act List“, die jährlich von den USA herausgegeben wird und sich auf Organisationen wie Human Rights Watch bezieht, sind Jungen im Niger Zwangsrekrutierungen als Kindersoldaten ausgesetzt. Der Niger belegt auf dieser Liste den sechsten Rang. Da das soziale Gefüge im Niger sehr gemeinschaftsorientiert ist, betrifft dies alle Familien einer Ortsgemeinschaft.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Es gibt im Niger auch Zeugen Jehovas und Bahai – insbesondere in den großen urbanen Gegenden. Auch diese Gruppen leben unter der Bedrohung durch Angriffe von islamisch-extremistischen Gruppen und müssen vorsichtig auftreten, um keine unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Mit Blick auf die Vergangenheit und die gegenwärtige Situation ist es keine Übertreibung, davon auszugehen, dass die Verfolgung von Christen durch Islamische Unterdrückung weiter ansteigen wird. Dschihadistische Bewegungen wachsen schnell und die Regierung hat scheinbar nicht die Kraft, gegen sie anzukämpfen. Viele Kirchen scheinen nicht vorbereitet auf stärker werdenden Druck durch einen extremistischen Islam.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Die Existenz des organisierten Verbrechens ist mit der Schwäche der Regierung und der Präsenz dschihadistischer Gruppen im Land verknüpft. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass sich das in naher Zukunft ändern könnte.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Anfeindungen stehen in Verbindung zum Islam. Für viele Nigrer ist ihre Religion sehr stark mit ihrer Ethnie verknüpft. Damit ist es unvereinbar, Nigrer und gleichzeitig Christ zu sein. Auch wenn sich diese Einstellung durch Dialog und Kooperationen ändern könnte, dürfte dies in der nahen Zukunft nicht der Fall sein.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Niger:

  • Beten Sie für zunehmende Bereitschaft der Christen im Niger, der Gefahr des extremer werdenden Islam ins Auge zu sehen und um wachsenden Glauben, mit dem sie Jesus Christus auch unter erschwerten Bedingungen vertrauen und nachfolgen.
  • Beten Sie um Weisheit der Gemeinden in dem verstärkt gewalttätigen Umfeld, dass sie mutige Wege finden, im Niger ein christliches Zeugnis zu sein. Beten Sie um Schutz, insbesondere der Gemeinden in den Grenzregionen.
  • Beten Sie für die Kämpfer und Anführer islamisch-extremistischer Gruppen, dass sie Jesus Christus begegnen und seine Liebe erfahren. Beten Sie auch für Präsident Issoufou, die Regierung und ihr Bemühen, Sicherheit im Land zu gewährleisten.

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