Länderprofil Burkina Faso

Burkina Faso

28
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Burkina Faso
Hauptreligion
Islam
ISO
BF
Karte Burkina Faso
Christen
5,16
Bevölkerung
20.32
Islamische Unterdrückung
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 9.400
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 10.200
Leben im Staat: 9.400
Kirchliches Leben: 11.800
Auftreten von Gewalt: 15.600

Länderprofil Burkina Faso

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 28 / 66 Punkte

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 wurden Christen angegriffen und getötet und Kirchen zerstört. Christen muslimischer Herkunft erleben die stärkste Verfolgung im Land. Ihre eigenen Familien und ihr soziales Umfeld lehnen sie ab und versuchen, sie dazu zu zwingen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Aufgrund solcher Drohungen haben sie Angst, ihren Glauben in der Öffentlichkeit zu bekennen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im April 2019 töteten bewaffnete Angreifer einen protestantischen Pastor und fünf weitere Christen in einer Kirche im Norden des Landes. Die Angreifer kamen auf Motorrädern und eröffneten das Feuer, als die Christen den Sonntagsgottesdienst verließen.
  • Am 12. Mai 2019 wurden ein katholischer Priester und fünf weitere Christen in Dablo getötet. Die Angreifer stürmten zunächst die Kirche während des Sonntagsgottesdienstes und setzten im Anschluss die Kirche und umliegende Gebäude in Brand.
  • Im Juni 2019 gab es einen Angriff auf ein Dorf im Norden Burkina Fasos, bei dem den Menschen, die sich im Freien aufhielten, befohlen wurde, sich auf den Boden zu legen. Die bewaffnete Gruppe prüfte die Nacken der Menschen. Sie fanden vier Männer, die Ketten mit Kreuzen trugen, was darauf hindeutete, dass sie Christen waren, und töteten sie.
  • Im September 2019 wurden ein Christ und vier seiner Söhne in den Dörfern Pissele und Boulkiba von bewaffneten Männern erschossen.

Meldungen und Beiträge zu Burkina Faso

Informationen für den Gemeindebrief
Flüchtlinge in Burkina Faso
Burkina Faso
Die Angriffe muslimischer Extremisten auf Gottesdienste und Dörfer im Norden Burkina Fasos setzen sich fort: Allein im Februar wurden mindestens 27 Christen ermordet. Tausende sind auf der Flucht. Die Christen bitten um Gebet.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 66 Punkten belegt Burkina Faso Platz 28 auf dem Weltverfolgungsindex 2020. Das ist ein Anstieg von 18 Punkten im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2019, als das Land 48 Punkte erreichte und nicht unter die 50 Länder mit der stärksten Christenverfolgung fiel, die im Weltverfolgungsindex aufgeführt werden.

Dieser starke Anstieg von 18 Punkten ist zum Großteil auf die steigende Gewalt im Land zurückzuführen, die wiederum auch den Druck auf Christen hat steigen lassen. Christen wurden gezielt angegriffen und insgesamt wurden mehr als 50 Christen im Berichtszeitraum getötet. Dadurch ist ein Klima der Angst entstanden, in dem viele Christen sich zu sehr fürchten, um an Gottesdiensten teilzunehmen oder ihre Kinder zur Schule zu schicken. Schulen und christliche Nichtregierungsorganisationen werden besonders ins Visier genommen und haben es schwer, im Land tätig zu sein. Einige Menschen, besonders in ländlichen Gegenden, sind zudem konservativer geworden und werden zu Informanten über ihre Nachbarn für die Dschihadisten. Eine Gesellschaft, die in der Vergangenheit sehr tolerant war, ist Menschen anderer Religion gegenüber sehr intolerant geworden. Dazu trägt auch der Fakt bei, dass es ethnische Konflikte gibt, die auch religiöse Dimensionen haben. Das Ergebnis ist, dass Konvertiten und andere Christen extremen Druck erleben. Die Kombination aus all diesen Faktoren hat zu dem derart starken Anstieg der Wertung geführt.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Burkina Faso hat in den vergangenen Jahren mehrere islamistische Angriffe erlebt, vor allem im Norden des Landes und gelegentlich auch in der Hauptstadt Ouagadougou. Diese können als gewalttätige Versuche gesehen werden, das Land zu „islamisieren“. Die militante Gruppe „Ansar al-Islam“ wurde 2016 gegründet und versucht, ihre eigenen Gesetze im Norden des Landes einzuführen – durch gewaltsame und andere Mittel. Auch die Gruppe „Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (übersetzt „Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime“) agiert im Land und hat Verbindungen zu lokalen militanten Gruppen. Derzeit scheinen sie sich jedoch mehr auf den Kampf gegen die französischen Truppen und ihre Verbündeten zu fokussieren. Ihre Prediger beeinflussen die Jugend dahingehend, dass sie die Franzosen und den Verfall der Moral durch westlichen Einfluss für negative Umstände verantwortlich machen. Militante Islamisten haben im Berichtszeitraum Kirchen und einzelne Christen angegriffen und einige Kirchen haben aus Sorge vor weiteren Angriffen ihre Sicherheitsbemühungen verstärkt.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Diese Triebkraft der Verfolgung ist eng verbunden mit „Islamischer Unterdrückung“. Ein Experte für das Land schreibt: „Allgemein sind die ethnischen Gruppen in Burkina Faso tolerant, aber mit dem steigenden Einfluss des Islamismus werden muslimische Leiter verschiedener Stämme zu Verfolgern. Religiöse Leiter traditioneller Religionen werden inzwischen auch zu Verfolgern der Kirche. Drei Kirchen in Bobo-Dioulasso wurden von Anhängern traditioneller Religionen zerstört, nachdem einige Menschen den christlichen Glauben angenommen hatten.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In vielen Ländern der Sahelregion ermöglicht das organisierte Verbrechen Dschihadisten, Menschen anzuwerben, Waffen zu kaufen und allgemein agieren zu können, ohne Strafverfolgung fürchten zu müssen. Ein Experte für das Land weist auf Folgendes hin: „Auch in der Regierung gibt es viel Korruption. Raubüberfälle und Entführungen sind in verschiedenen Regionen des Landes ein Problem. Doch die Regierung tut wenig oder nichts, um solcher Verbrechen Herr zu werden, selbst in der Hauptstadt Ouagadougou.“

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Mehrere islamisch-extremistische Gruppen operieren im Land. Einige von ihnen haben Verbindungen zum „Islamischen Staat“, Al Kaida oder Boko Haram. Diese Gruppen sind für verschiedene Angriffe verantwortlich.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger in Dorfgemeinschaften und Mobs üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus. Aus diesem Grund üben diese christlichen Konvertiten ihren Glauben nicht in der Öffentlichkeit aus.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck vonseiten ihrer Familien, zum Islam zurückzukehren.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In Regionen, in denen die meisten Menschen traditionellen afrikanischen Religionen angehören, agieren Anführer ethnischer Gruppen als Verfolger. Sie stellen sich besonders gegen christliche Gruppen, die aktiv auf Menschen mit anderem Glauben zugehen. Viele Anführer ethnischer Gruppen in muslimisch geprägten Regionen bedrängen ebenfalls Christen, wenn diese an der Hinwendung eines Muslims zum christlichen Glauben beteiligt sind.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In abgelegenen Regionen animieren Prediger aktiv zu Gewalt und verbreiten Hass gegen Christen.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kriminelle Netzwerke stellen eine Umgebung her, in der Dschihadisten aufblühen können, denn diese benötigen Straffreiheit für ihre Taten. So wächst die Rolle des organisierten Verbrechens im Land, was die Anwendung der Gesetze schwächt.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Militante Gruppen haben in der Vergangenheit Gräueltaten an ausländischen Christen begangen und werden dies voraussichtlich weiterhin tun, wenn sich die Gelegenheiten bieten. Im aktuellen Berichtszeitraum haben Angriffe dieser Gruppen eine hohe Zahl an Toten und Vertriebenen gefordert.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Verbrechen dieser Netzwerke reichen von Diebstahl bis zu Entführungen und werden von den verschiedensten Gruppen in verschiedenen Teilen des Landes begangen. Dies wird immer mehr zu einem Problem, besonders da ausländische Hilfsarbeiter ein beliebtes Ziel sind. Es scheint, als habe sich eine Parallelstruktur außerhalb des Staatsapparats entwickelt.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Im Kontext der aktuellen Krise im Land gab es Vorfälle, bei denen ethnische christliche Gruppen von ethnischen muslimischen Gruppen angegriffen wurden.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die nördlichen und östlichen Teile des Landes sind die Brennpunkte für Verfolgung, vor allem außerhalb der größeren Städte.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die römisch-katholische Kirche ist die am stärksten vertretene christliche Denomination im Land. Katholiken sind augrund ihrer großen Zahl im Vergleich zu anderen christlichen Gruppen weniger Verfolgung ausgesetzt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

In diese Kategorie fallen sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch Christen mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion. Auch Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, werden hier erfasst. Christen muslimischer Herkunft erleben durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld die stärkste Verfolgung.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden gibt es vor allem in den größeren Städten des Landes. Sie sind häufiger als traditionelle Kirchen Ziel der Angriffe von militanten Islamisten.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 10.2
Leben im Staat 9.4
Kirchliches Leben 11.8
Auftreten von Gewalt 15.6

Grafik: Verfolgungsmuster Burkina Faso

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist von 8,1 Punkten im Vorjahr auf 10,1 Punkte gestiegen.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich „Kirchliches Leben“, gefolgt vom Bereich „Gesellschaftliches Leben“ – damit wird der Druck auf Kirchen und auf Christen in ihrem sozialen Umfeld aufgrund der Aktivitäten von militanten Islamisten widergespiegelt.
  • Der Wert für Gewalt hat sich im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt und ist von 7,2 Punkten auf 15,6 Punkte angestiegen. Damit wird das extreme Maß an Gewalt ausgedrückt, das Christen in Burkina Faso erleiden.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist ein Risiko für Christen, über ihren Glauben zu sprechen: Christen, insbesondere mit muslimischem Hintergrund, erleben feindselige Reaktionen, wenn sie mit anderen über ihren Glauben reden. In einigen abgelegenen Regionen können Christen nicht einmal zuhause christliches Material haben, da bewaffnete Kämpfer einfach kommen und das Haus durchsuchen könnten. Den Glauben zu wechseln, ist nicht gesetzlich verboten, doch viele Muslime lehnen einen Glaubenswechsel ab und es ist für Christen muslimischer Herkunft riskant, mit Familienangehörigen über ihren neuen Glauben zu sprechen, da sie Angst haben, stigmatisiert und ausgestoßen zu werden.
  • Für Christen ist es gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen: Für Christen muslimischer Herkunft oder mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion ist es häufig gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen. Ihre Familien könnten mit Gewalt darauf reagieren, dass sie mit Menschen eines anderen Glaubens zu tun haben.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Einige Christen muslimischer Herkunft oder mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion vermeiden es, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen, um nicht angegriffen, verspottet oder abgelehnt zu werden.
  • Es ist für Christen riskant, selbst mit ihrer direkten Familie über den Glauben zu reden: In muslimischen Familien verstecken meist sowohl männliche als auch weibliche junge Erwachsene ihre Überlegungen, den christlichen Glauben anzunehmen, weil sie Angst haben, ihre Eltern zu enttäuschen und möglicherweise enterbt zu werden. Entscheidet sich jemand, den christlichen Glauben anzunehmen, vermeidet er es zumeist, mit Angehörigen darüber zu reden.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an nichtchristlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: In einigen Schulen, in denen die Oberlehrer (und teilweise auch die Gründer der Schule) zum großen Teil Muslime sind, werden alle Schüler dazu gedrängt, islamischen Unterricht zu erhalten – auch christliche Kinder. Dies passiert selbst in Ouagadougou, Bobo Dioulasso und anderen Städten. Für Eltern aus protestantischen Freikirchen ist es zudem schwierig, ihre Kinder gemäß ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen. Berichten zufolge haben militante Islamisten Lehrer getötet, die nicht über den Islam gelehrt hatten, und gedroht, weitere Lehrer zu töten, sollte nicht für alle Schüler Islamunterricht eingeführt werden, auch für christliche Schüler.
  • Eltern werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen: Dies ist besonders ernst für Christen anderer religiöser Herkunft. Diese werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen. Christen müssen gut aufpassen, dass sie nicht die Aufmerksamkeit von lokalen Anführern oder Dschihadisten auf sich ziehen, die in vielen Regionen des Landes (und sogar außerhalb des Landes) agieren. Dazu gehört, den Kindern so vom christlichen Glauben zu erzählen, dass sie nicht entlarvt werden.
  • Christen werden aus religiösen Gründen daran gehindert, eine christliche Hochzeit zu feiern: Alle Christen müssen aufpassen, dass sie christliche Hochzeiten oder Feiertage nicht in Regionen feiern, die anfällig für Angriffe von Dschihadisten sind. Deswegen werden christliche Hochzeiten häufig heimlich gefeiert. Viele muslimische Eltern, deren Kinder Christen geworden sind und planen, einen Christen zu heiraten, sind gegen die Ehe, da sie Schande über die Familie bringen würde.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Auch Kinder werden Ziel der Angriffe gegen Christen und erleben Diskriminierung im alltäglichen Leben in den nördlichen, östlichen und westlichen Grenzregionen des Landes.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag belästigt, bedroht oder behindert wegen glaubensbedingter Gründe, zum Beispiel weil sie nicht den Vorschriften für Kleidung oder Bärte entsprechen: In vielen Teilen des Landes (außer in der Hauptstadt, in der es viele Christen gibt) werden Christen regelmäßig Ziel von Angriffen, besonders im Norden des Landes an der Grenze zu Mali. In dieser Region, besonders in der Provinz Soum, die ein Zentrum der islamistischen Aktivitäten zu sein scheint, entführen militante Islamisten Christen, führen Angriffe gegen Sicherheitskräfte durch und verbreiten so immer mehr Angst. Die Bewegung Ansar al-Islam von Malam Ibrahim Dicko agiert von ihrer Basis an der Grenze im Foulsaré-Wald aus, führt Angriffe aus und setzt Lehrer unter Druck, Französisch als Unterrichtssprache durch Arabisch zu ersetzen. Schulen, die keinen Islamunterricht anbieten, sind niedergebrannt worden. Viele Christen sind geflohen; das Rote Kreuz schätzt die Zahl der Flüchtlinge aus Soum (Christen und Muslime) auf mindestens 15.000 Menschen.
  • Christen stehen in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden: Dies geschieht sowohl in muslimischen als auch in animistischen Familien. Auch aufgrund der hohen Armutsrate sind Mädchen häufig Opfer von Kinderehen und Zwangsehen. Entführungen durch militante Islamisten kommen vor allem im Norden des Landes vor. Zwangsehen werden zudem auch als Waffe benutzt, um Christinnen muslimischer Herkunft dazu zu zwingen, zum Islam zurückzukehren.
  • Christen wird wegen ihres Glaubens der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen erschwert: Durch die sich verschlechternde Sicherheitssituation und Angriffe auf soziale Dienste und Einrichtungen, städtische Einrichtungen und religiöse Leiter wurde das Land destabilisiert und soziale Dienste können nicht mehr ohne Probleme zur Verfügung gestellt werden. Sind Christen in der Minderheit, werden sie häufig daran gehindert, gemeinschaftliche Ressourcen zu nutzen.
  • Christen wird der Zugang zu kommunalen Institutionen aufgrund ihres Glaubens verwehrt: In Regionen mit vielen Anhängern traditioneller afrikanischer Religionen wird von Christen erwartet, an kulturellen Praktiken wie Initiationsritualen teilzunehmen. Sie haben kein Recht, an kommunalen Institutionen mitzuwirken, und werden bei der Nutzung gemeinschaftlicher Ressourcen häufig ausgegrenzt. Die Ausgrenzung aus dem sozialen Leben betrifft besonders christliche Konvertiten. Christen muslimischer Herkunft haben in diesem Lebensbereich mehr Probleme als andere Christen.

Leben im Staat

  • Christen, Kirchen oder christliche Organisationen werden daran gehindert, öffentlich religiöse Symbole zu zeigen: Teilweise ist es für Christen gefährlich, in stark muslimisch geprägten Regionen in der Öffentlichkeit christliche Symbole zu zeigen.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Reise- und Bewegungsfreiheit eingeschränkt: Auch wenn die Regierung die Religionsfreiheit anerkennt, werden die meisten Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Freikirchen von muslimischen Beamten diskriminiert.
  • Christen sind Opfer von Hetzkampagnen: Die Regierung kämpft seit Jahren dagegen an. Die Verbreitung von christenfeindlichen Gedanken hat dazu beigetragen, bei einigen Bürgern eine dschihadistische Einstellung zu schaffen, die Christen als Feinde ansieht. Dies geschieht insbesondere im Norden, Osten und Westen des Landes, wo der Islam stark verbreitet ist.
  • Christen werden wegen ihres Glaubens beim Kontakt mit Behörden (lokale Verwaltungen, Regierung, Armee und andere) diskriminiert: Es ist für Kirchen schwer, Bewilligungen zum Kauf von Land oder für andere Angelegenheiten von Behörden zu erhalten.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, ver- bzw. behindert oder gestört: Obwohl das Land offiziell säkular ist und über 25 % der Bevölkerung Christen sind, leben Kirchen in vielen Teilen des Landes in Angst vor unberechenbaren Angriffen und sozialen Einschränkungen. Sie werden von militanten Gruppierungen und lokalen Anführern im Norden, Osten und Westen des Landes genau beobachtet.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Einige evangelistische Aktivitäten in der Öffentlichkeit wurden verboten. Lokale Behörden, die dem christlichen Glauben feindselig gegenüberstehen, tun alles, was in ihrer Macht steht, um solche Aktivitäten von Kirchen in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Christliche Leiter werden zum Ziel von Belästigungen, besonders wenn protestantische Freikirchen nicht unter dem Dach der protestantischen Vereinigung arbeiten.
  • Der Verkauf oder das Bereitstellen von Bibeln oder anderen christlichen Materialien wird verhindert: Der Verkauf oder die Verteilung von Bibeln oder christlichen Materialien wird vom Staat zwar nicht verhindert, aber Christen muslimischer Herkunft oder Christen mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion riskieren dabei ernsthafte Schwierigkeiten. Dies betrifft besonders Christen in Gegenden, in denen militante Gruppen aktiv sind, und könnte zu ihrer Ermordung führen.

Auftreten von Gewalt

  • Mehr als 50 Christen wurden im Berichtszeitraum getötet. Beispiele: Im April 2019 töteten bewaffnete Angreifer einen protestantischen Pastor und fünf weitere Christen in einer Kirche im Norden des Landes. Die Angreifer kamen auf Motorrädern und eröffneten das Feuer, als die Christen den Sonntagsgottesdienst verließen.
  • Am 12. Mai 2019 wurden ein katholischer Priester und fünf weitere Christen in Dablo getötet. Die Angreifer stürmten zunächst die Kirche während des Sonntagsgottesdienstes und setzten im Anschluss die Kirche und umliegende Gebäude in Brand. Im Juni 2019 gab es einen Angriff auf ein Dorf im Norden Burkina Fasos, bei dem gezielt Männer herausgesucht und umgebracht wurden, die Ketten mit Kreuzanhängern trugen. Im September 2019 wurden ein Christ und vier seiner Söhne in den Dörfern Pissele und Boulkiba von bewaffneten Männern erschossen.
  • Mehr als 1.000 Christen wurden im Berichtszeitraum angegriffen und verwundet. Dabei wurden gezielt Christen angegriffen. Die Nichtregierungsorganisation „International Christian Concern“ (ICC) berichtet, dass im Berichtszeitraum des aktuellen Weltverfolgungsindex geschätzt 82 Pastoren und 11.245 Christen durch Gewalt vertrieben wurden. ICC berichtet weiter von zwei Angriffen, bei denen 29 Christen starben: „Die zusammengehörigen Angriffe vom 9. und 10. Juni richteten sich gezielt gegen Christen. Sie folgten direkt auf eine Serie von Angriffen auf Kirchen in dem westafrikanischen Land.“ Diese Angriffe sind systematisch, gut vorbereitet und oft so umgesetzt, dass nur Christen getroffen werden.
  • Mehr als 50 Kirchen wurden im Berichtszeitraum angegriffen. Die meisten Angriffe in Burkina Faso richten sich gegen Kirchen und christliche Treffen. Das geschieht aus zwei Gründen: Einerseits erreichen die Angriffe so eine maximale Wirkung auf die christliche Gemeinde und andererseits ist die Berichterstattung größer als bei Angriffen auf Einzelpersonen.
  • Mindestens 20 christliche Grundstücke und Läden wurden geplündert und zerstört. Dschihadisten im Land greifen gezielt Kirchen und christliche Dörfer an, plündern Grundstücke und zerstören sie oder brennen sie nieder.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Erzwungene Einhaltung von Kleidungsvorschriften
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Verführung mit dem Ziel der Zwangskonversion
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Burkina Faso liegt in einer Region, in der islamistische Gruppierungen einen großen Einfluss besitzen. Die Regierung des Landes ist sehr schwach. Deswegen gibt es immer ein großes Risiko für Mädchen und Frauen, entführt und zwangsverheiratet zu werden. Außerdem sind sie meist gezwungen, der Religion ihrer Familie anzugehören, zumindest bis sie verheiratet sind. Christliche Mädchen werden unter Druck gesetzt (und teilweise gezwungen), zum Islam zu konvertieren, wenn ihr zukünftiger Ehemann Muslim ist. Es ist möglich, dass mit der Radikalisierung der Bevölkerung im Norden des Landes der Wunsch aufkommt, Familien von Kämpfern zu formen, womit sich der Druck auf Mädchen erhöhen würde, sich solchen Plänen zur Verfügung zu stellen.

Obwohl Burkina Faso die UN-Frauenrechtskonvention unterzeichnet hat und sich dazu verpflichtet hat, Kinderheirat und Zwangsheirat bis 2030 zu beenden, werden 52 % der Mädchen im Land vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. In vielen Gegenden gibt es ein sehr geringes Verständnis von Frauenrechten und viele Menschen empfinden den sexuellen Missbrauch einer Frau als normal. Mädchen und Frauen, die missbraucht wurden, denken wiederum, dass sie Schande auf die Familie gebracht haben. Das Gefühl der Wertlosigkeit kann die ganze Familie geistlich schwächen, wenn es nicht angesprochen wird.

Eine der Strategien von extremistischen Muslimen ist es, christliche Mädchen zu heiraten. Im Berichtszeitraum wurde die Tochter eines Pastors entführt und an einen muslimischen Mann in Ouagadougou verheiratet. In anderen Situationen werden Mädchen systematisch verführt, um anschließend zwangskonvertiert zu werden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Vertreibung aus Stadt oder Land
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt

Militante islamistische Gruppen in der Sahelregion rekrutieren ihre Mitglieder häufig aus Ländern wie Niger und Burkina Faso. Christliche Männer und Jungen können ein Ziel davon werden. Außerdem werden viele gegen ihren Willen dazu gezwungen, Koranschulen zu besuchen, und werden von ihren Betreuern ausgenutzt.

Es ist möglich, dass mit der Radikalisierung von immer mehr Menschen im Norden des Landes deren Familienmitglieder wie etwa Brüder oder Onkel von ihnen unter Druck gesetzt werden, sich ebenfalls den Islamisten anzuschließen. In Konfliktregionen sind Männer Opfer von körperlichen Angriffen von militanten Islamisten. Werden christliche Männer und Jungen für ihren Glauben aus ihren Häusern und Dörfern vertrieben, leidet darunter auch die gesamte Familie. Außerdem bekommen diese Männer und Jungen dadurch oft keine ausreichende Bildung, was sie daran hindert, sich voll in die Gesellschaft und Wirtschaft zu integrieren.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

In Burkina Faso nimmt die islamische Radikalisierung zu. Die Grenzgebiete des Landes stehen unter dem Einfluss militanter Islamisten und Moscheen und Koranschulen lehren extremistische Formen des sunnitischen Islam. Davon werden selbst Sufis bedroht. In diesen Regionen gibt es keinen Platz für religiöse Minderheiten. Es wurde sogar berichtet, dass Lehrer an Schulen bedroht wurden, Koranstunden zu halten oder sie hätten mit Konsequenzen zu rechnen. Das macht das Leben auch für moderate Muslime schwer. Im Oktober 2019 gab es einen bewaffneten Angriff auf eine Moschee in Salmossi in der nördlich gelegenen Provinz Oudalan.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Das Land verliert die religiöse Toleranz, die es in seiner Geschichte ausgezeichnet hat. Christen leben aufgrund des Wiederauflebens der Angriffe militanter Islamisten in einigen Teilen des Landes in Angst vor Entführungen und Angriffen. Christen wissen, dass sie ein potenzielles Ziel für islamistische Gruppen sind, und ihre Angst zeigt sich an den verstärkten Sicherheitsvorkehrungen in Kirchen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In Ermangelung von Rechtsstaatlichkeit und Ordnung nimmt die organisierte Kriminalität zu. Dies ist auch das wichtigste Mittel für islamistische Kämpfer, um Waffen über die Grenzen zu schmuggeln und im Land aktiv zu bleiben.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Früher haben die ethnischen Gruppen in Burkina Faso einander toleriert. Die ständige Aufhetzung durch Dschihadisten hat jedoch eine Situation geschaffen, in der einige ethnische Gruppen angefangen haben, Christen ins Visier zu nehmen. Das wird sich weiter fortsetzen, sollten keine Initiativen geschaffen werden, um die Situation zu entschärfen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Burkina Faso:

  • In Burkina Faso nimmt die islamistische Radikalisierung zu. Beten Sie, dass Jesus dieser Entwicklung Einhalt gebietet und dass stattdessen viele Menschen ihn als ihren Retter erkennen und annehmen.
  • Beten Sie, dass die Regierung in Burkina Faso Rechtsstaatlichkeit durchsetzt, damit das organisierte Verbrechen nicht weiter florieren kann und damit Gewalttaten bestraft werden.
  • Beten Sie für die Mädchen und jungen Frauen, die Opfer von sexueller Gewalt geworden sind. Beten wir, dass Jesus ihnen in ihrem Leid begegnet, ihre seelischen Wunden heilt und die Scham von ihnen nimmt.