Länderprofil Burkina Faso

Burkina Faso

32
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Burkina Faso
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
32
Karte Burkina Faso
Christen
5,09
Bevölkerung
21.50
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 9.400
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 12.000
Leben im Staat: 9.600
Kirchliches Leben: 12.100
Auftreten von Gewalt: 14.800

Länderprofil Burkina Faso

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 32 / 68 Punkte (WVI 2021: Platz 32 / 67 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christen werden von Dschihadisten gezielt angegriffen und getötet, Kirchen werden zerstört. Ehemalige Muslime werden am stärksten von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld angegriffen, von denen sie verstoßen werden und die sie zwingen, ihrem christlichen Glauben abzuschwören. Angesichts solcher Drohungen haben Christen Angst, ihren Glauben öffentlich zu bekennen. Hunderte von Kirchen sind wegen der Aktivitäten islamisch-extremistischer Gruppen geschlossen worden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Nach Jahren politischer Unruhen und einer Militärdiktatur befindet sich Burkina Faso im Übergang zur Demokratie. Nach 27 Jahren an der Macht wurde Präsident Blaise Compaoré 2014 durch einen Aufstand aus dem Amt gedrängt. Im Jahr 2015 kam es zu einem Militärputsch, doch die Verantwortlichen einigten sich darauf, die Regierungsgewalt durch Wahlen an eine zivile Regierung zu übergeben. Seitdem haben sich die politische Freiheit und die Situation der Menschenrechte stark verbessert. Burkina Faso ist nach wie vor eines der am schwächsten entwickelten Länder der Welt. Fast 80 Prozent der Menschen betreiben Landwirtschaft für den Eigenbedarf, um so ihr Überleben zu sichern.

Die Christen haben einen großen Beitrag zur Stabilisierung des Landes und zur Erlangung der Unabhängigkeit geleistet, aber sie sind auch Zielscheibe von islamisch-extremistischen Gruppen geworden, die in der Sahelzone immer mehr an Einfluss gewinnen. Zu den islamisch-extremistischen Gruppen, die in Burkina Faso agieren, gehören „Dschamaat Nusrat al-Islam wal Muslimin“ (JNIM), „Islamischer Staat in der Provinz Westafrika“ (ISWAP), „Islamischer Staat Großsahara“ (ISGS), „al-Qaida im Islamischen Maghreb“ (AQIM), „Ansar ul-Islam“, „al-Murabitun“, „Ansar al-Din“ und „Boko Haram“.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

5.093.000

23,7

Muslime

12.037.000

56,0

Anhänger ethnischer Religionen

4.242.000

19,7

Bahai

4.300

0,0

Atheisten

750

0,0

Agnostiker

120.000

0,6

Andere

850

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

In den nördlichen und östlichen Teilen des Landes, vor allem außerhalb der großen Städte, sind Christen am stärksten von Druck und Gewalt betroffen. Aber auch im westlichen Landesteil erfahren Christen Druck von ethnisch-religiösen Gruppen. Die Regierung ist dabei, die Kontrolle über Gebiete jenseits der großen Städte zu verlieren, was es den Dschihadisten erleichtert, die ländlichen Gebiete in vielen Teilen des Landes erfolgreich zu kontrollieren.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Burkina Faso hat in den letzten Jahren mehrere islamistische Anschläge erlebt, insbesondere im Norden und gelegentlich in der Hauptstadt. Die 2016 gegründete islamisch-extremistische Gruppe Ansar ul-Islam hat seitdem versucht, ihre Gesetze im Norden mit und ohne Gewalt durchzusetzen, und JNIM unterhält Verbindungen zu lokalen militanten Gruppen. Ihre Prediger bringen junge Menschen dazu, ihre schlechten Lebensumstände der früheren französischen Kolonialmacht und der Verderbnis der Sitten durch den Westen anzulasten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In vielen Ländern der Sahelzone ermöglicht die organisierte Korruption in der Staatsführung den Dschihadisten, Mitglieder zu rekrutieren, Waffen zu kaufen und ungestraft zu agieren. Zu ihren Verbrechen gehören unter anderem Entführungen und Diebstähle, die von verschiedenen Gruppen in verschiedenen Teilen des Landes begangen werden. Besonders betroffen sind ausländische Mitarbeiter von Hilfsorganisationen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Diese Triebkraft der Verfolgung ist häufig mit der Triebkraft der islamischen Unterdrückung vermischt, da ethnisch motivierte Gewalt sowohl den Glauben als auch die ethnische Zugehörigkeit betrifft. Es hat Fälle von Übergriffen muslimischer Volksgruppen auf christliche Volksgruppen gegeben.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Römisch-Katholische Kirche ist die am stärksten vertretene christliche Konfession im Land. Die Mehrzahl der politischen Führungskräfte des Landes waren Katholiken. Katholiken werden aufgrund ihrer großen Anzahl im Vergleich zu anderen christlichen Gruppen weniger stark bedroht.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten haben ihren Hintergrund entweder im Islam oder in einer afrikanischen Religion. Zu den christlichen Konvertiten zählen aber auch Christen, die ihre Konfession gewechselt haben. Christen muslimischer Herkunft sind dem größten Druck durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld ausgesetzt.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptistengemeinden, evangelikale Gemeinden und Pfingstgemeinden sind vor allem in den Großstädten zu finden, und sie werden häufiger von extremistisch-islamischen Gruppen angegriffen als Christen aus traditionellen Kirchen. Islamische Unterdrückung verstärkt die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, da islamisch-extremistische Angriffe den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 12
Leben im Staat 9.6
Kirchliches Leben 12.1
Auftreten von Gewalt 14.8

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Christen, insbesondere Konvertiten aus dem Islam, erleben feindselige Reaktionen, wenn sie mit anderen über ihren Glauben reden. In einigen abgelegenen Gebieten müssen Christen darauf achten, dass sie keine christliche Literatur zu Hause haben, da Islamisten bei ihnen auftauchen und ihre Häuser durchsuchen können. Die Hinwendung zum christlichen Glauben ist zwar nicht gesetzlich verboten, wird aber von Muslimen in bestimmten Gebieten abgelehnt und kann zur Ächtung des Konvertiten führen.

Familienleben

An einigen Schulen, die überwiegend von Muslimen geleitet werden oder gegründet wurden, werden christliche Schüler dazu gedrängt, am islamischen Unterricht teilzunehmen. Dies wurde unter anderem aus Städten wie Bobo-Dioulasso, aber auch aus der Hauptstadt Ouagadougou berichtet. Außerdem gibt es Berichte, dass Mitglieder islamisch-extremistischer Gruppen Lehrer ermordet haben, die nicht den Islam lehrten. Christliche Konvertiten können zudem ihr Erbrecht verlieren. Außerdem müssen Christen darauf achten, in Gebieten, die für Angriffe von Dschihadisten bekannt sind, keine christlichen Hochzeiten oder andere christlichen Feste zu feiern.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden vor allem in der nördlichen Region, die an Mali grenzt, angegriffen. Die Provinz Soum scheint das Epizentrum islamisch-extremistischer Aktivitäten zu sein. Dort wurden Christen entführt und Sicherheitskräfte angegriffen. Die Gruppe Ansar ul-Islam hat Anschläge verübt und Lehrkräfte eingeschüchtert, damit sie die Unterrichtssprache in den Schulen von Französisch auf Arabisch umstellen. Schulen, die keinen Islamunterricht anbieten, sind niedergebrannt worden. Viele Christen sind geflohen. Zwangsheirat wird auch als Waffe eingesetzt, um Konvertitinnen zur Rückkehr zum Islam zu zwingen. Sind Christen in der Minderheit, werden sie häufig daran gehindert, gemeinschaftliche Ressourcen zu nutzen.

Leben im Staat

Kirchen haben Schwierigkeiten, von den Behörden Genehmigungen zum Beispiel für den Erwerb von Grundstücken zu erhalten. Die Verbreitung antichristlicher Äußerungen hat eine Mentalität entstehen lassen, die Christen als Feinde betrachtet. In den nördlichen, östlichen und westlichen Teilen des Landes, wo der Islam stark vertreten ist und die extremistische Ideologie Fuß gefasst hat, werden die Christen zunehmend als Feinde betrachtet.

Kirchliches Leben

Obwohl das Land offiziell säkular ist und Christen über 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, leben viele Kirchen im Norden, Osten und Westen des Landes in Angst vor Angriffen und werden von militanten islamistischen Gruppen sowie Ortsvorstehern genau beobachtet. In vielen überwiegend muslimischen Gebieten ist die kirchliche Arbeit unter Jugendlichen sehr eingeschränkt. Verkauf oder Verteilung von Bibeln und christlichen Schriften werden vom Staat zwar nicht untersagt, doch riskieren christliche Konvertiten aus afrikanischen Religionen oder dem Islam ernsthafte Schwierigkeiten, wenn sie sich daran beteiligen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Mai 2021 griffen bewaffnete Männer, bei denen es sich vermutlich um Dschihadisten handelte, eine Taufveranstaltung in der Provinz Oudalan an und töteten 15 Menschen.
  • Im Januar 2021 wurde ein römisch-katholischer Priester nur wenige Tage nach seiner Entführung durch militante Islamisten in Toumousseni (20 km von Banfora entfernt) tot aufgefunden.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

32

67,65

2021

32

66,64

2020

28

66,09

2019

61

47,60

2018

-

-

Der Anstieg um zwei Punkte ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Druck auf die Christen im ganzen Land zugenommen hat. Die Dschihadisten breiten sich aus. Viele Kirchen und christliche Organisationen, die soziale Einrichtungen wie Schulen betreiben, wurden geschlossen. In den Bereichen des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens erfahren Christen extremen Druck.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die Zentralregierung ist schwach. Islamistische Gruppen haben in den Gebieten fernab der Hauptstadt, insbesondere im Osten des Landes, großen Einfluss. In diesem Zusammenhang ist die Gefahr von Entführungen durch Angehörige islamisch-extremistischer Gruppen groß. Christinnen können zur Heirat gezwungen, als Arbeiterinnen missbraucht und unter starken Druck gesetzt werden, zum Islam zu konvertieren. Sexuelle Gewalt ist ein gängiges Mittel, um christliche Gemeinschaften anzugreifen. Vor allem die Töchter von christlichen Leitern sind Zielscheibe von Vergewaltigungen und Entführungen. Christinnen muslimischer oder afrikanisch-religiöser Herkunft werden zusätzlich unter Druck gesetzt, beispielsweise durch Zwangsheirat, Verweigerung von Schulbildung, Vertreibung aus der Familie, Morddrohungen und Hausarrest.

Männer: Militante islamistische Gruppen, die in der Sahelzone agieren, rekrutieren ihre Mitglieder oft gewaltsam in Ländern wie Burkina Faso. Christliche Männer und Jungen werden zwangsrekrutiert und körperlich angegriffen. Die Entführung und Ermordung christlicher Männer verursacht Angst und Traumatisierung in den christlichen Gemeinschaften und führt zu einer wirtschaftlichen Schwächung, da üblicherweise Männer die Familien ernähren. Zahlreiche Männer und Jungen fliehen aus den betroffenen Gebieten in sicherere Gebiete des Landes, in Nachbarländer oder sogar ins Ausland. Christen muslimischer Herkunft sehen sich mit weiteren Problemen konfrontiert: Die Hinwendung zu Jesus Christus wird von einigen Familien als Verrat angesehen, was zu Verstoßung und Verweigerung des Erbes führt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Islam wird immer extremistischer. In bestimmten Moscheen und Koranschulen werden extremistische Versionen des sunnitischen Islam gelehrt, so dass selbst Sufis in Gefahr sind. Der immer extremistischere Islam macht aber auch gemäßigteren Sunniten das Leben schwer: Im Oktober 2019 gab es einen bewaffneten Angriff auf eine Moschee im Dorf Salmossi in der nördlichen Provinz Oudalan.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Burkina Faso:

  • Um Weisheit für die Regierung und ihre internationalen Partner bei dem Versuch, Frieden und Sicherheit in Burkina Faso wiederherzustellen.
  • Dass Jesus Christus den traumatisierten Christen Heilung und Trost bringt.
  • Für den Schutz der lokalen Partner von Open Doors beim Reisen in gefährliche Regionen, und um Gottes Segen für die Planung und Logistik.

Burkina Faso: Informieren und helfen

Meldungen

Aktuelle Meldungen zu Burkina Faso

Lesen Sie hier aktuelle Nachrichten und persönliche Berichte verfolgter Christen aus den Ländern des Weltverfolgungsindex, und abonnieren Sie unsere kostenlosen Formate.

Beten

Beten

Gebet ist das Erste, um das verfolgte Christen uns bitten und ist daher essenzieller Teil unseres Dienstes. Erfahren sie hier, wie sie konkret für verfolgte Christen beten können.

Spenden

Spenden

Ohne Ihren Einsatz wäre unser weltweiter Dienst nicht möglich. Ihre finanzielle Unterstützung macht einen Unterschied im Leben verfolgter Christen!