Länderprofil Burkina Faso

Burkina Faso

32
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Burkina Faso
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
28
Karte Burkina Faso
Christen
4,97
Bevölkerung
20.90
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Privatleben: 9.400
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 12.000
Leben im Staat: 9.400
Kirchliches Leben: 11.800
Auftreten von Gewalt: 14.300

Länderprofil Burkina Faso

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 32 / 67 Punkte (WVI 2020: Platz 28 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2021 wurden Christen angegriffen und getötet, und Kirchen wurden zerstört. Christen muslimischer Herkunft erleben die stärkste Verfolgung im Land. Ihre eigenen Familien und ihr soziales Umfeld lehnen sie ab und versuchen, sie dazu zu zwingen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Aufgrund solcher Drohungen haben sie Angst, ihren Glauben öffentlich zu praktizieren. Hunderte von Kirchen wurden aufgrund von dschihadistischen Aktivitäten geschlossen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

67

32

2020

66

28

2019

48

61

2018

-

-

2017

-

-

Wenngleich der Wert für das Auftreten von Gewalt leicht zurückging, ist er aber immer noch als „extrem hoch“ einzuordnen. Die Gesamtwertung stieg um einen Punkt – dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Druck im Bereich des gesellschaftlichen Lebens um fast zwei Punkte zugenommen hat. Der Grund dafür ist die Zunahme der dschihadistischen Aktivitäten im Land. Die gezielte Tötung von Christen hat ein Klima der Angst geschaffen, in dem sich viele Christen zu sehr fürchten, um an Gottesdiensten teilzunehmen oder ihre Kinder zur Schule zu schicken. Schulen und christliche Nichtregierungsorganisationen werden besonders ins Visier genommen und haben es schwer, im Land tätig zu sein. Einige Menschen, besonders in ländlichen Gegenden, werden zudem intoleranter und zu Informanten über ihre Nachbarn für die Dschihadisten. Eine Gesellschaft, die in der Vergangenheit sehr tolerant war, ist Nichtmuslimen gegenüber nun sehr intolerant geworden. Dazu trägt auch die Tatsache bei, dass es im Land ethnische Konflikte gibt, die auch eine religiöse Dimension haben. Das Ergebnis ist, dass christliche Konvertiten und andere Christen hohen Druck erleben.

2. Trends und Entwicklungen

1) Es gibt Fortschritte im Demokratieprozess

Burkina Faso hat seit dem Sturz der Diktatur von Blaise Compaoré große Sprünge in Richtung Demokratie gemacht. Der Wahlprozess ist offener und glaubwürdiger geworden, und die Regierung hat außerdem zahlreiche Maßnahmen zur Verbesserung der Menschenrechte ergriffen. Trotz extremer Armut, Korruption und islamischer Militanz versucht das Land, Fortschritte bei der Förderung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu machen. Diese Entwicklung könnte möglicherweise umgekehrt werden – die Auswirkungen von der Coronakrise und die dadurch geschaffenen Möglichkeiten für die Dschihadisten könnten die Erfolge zunichtemachen. Außerdem könnte der Putsch in Mali ein destabilisierender Faktor für Burkina Faso und die Region sein.

2) Die Ausbreitung des militanten Islam ist auf dem Vormarsch

Burkina Faso verliert die religiöse Toleranz, die es in seiner früheren Geschichte praktiziert hat. Nun findet eine Radikalisierung der islamischen Bevölkerung statt. Die jüngste Ausbreitung der islamischen Militanz in der Sahelzone bedroht den fortschreitenden Demokratieprozess. Islamisch-extremistische Gruppen wie „Al Kaida im Maghreb“ und Boko Haram sind eindeutig auf dem Vormarsch. Obwohl die Regierung verschiedene Vorsichtsmaßnahmen ergreift, um die Ausbreitung solcher Gruppen zu verhindern, wird sie auch nach Lösungen an der Basis suchen müssen, um den wachsenden islamistischen Einfluss in der Gesellschaft zu bekämpfen, der sich oft gegen Christen richtet. Es gab zudem Zusammenstöße zwischen Ortsgemeinschaften, die teilweise zum Tod und zur Vertreibung von Zivilisten geführt haben. Dass die Regierung aktuell mit der Covid-19-Pandemie beschäftigt ist, haben die Dschihadisten schnell ausgenutzt.

Die Regierung von Burkina Faso muss die Sicherheit des Landes erhöhen, indem sie den Kampf gegen islamische Milizen in der Region aufnimmt; und sie muss ein toleranteres Umfeld aktiv fördern, in dem verschiedene religiöse Traditionen ohne größere Spannungen nebeneinander leben können. Es ist zu hoffen, dass mit der Wiederwahl von Präsident Roch Marc Kaboré im November 2020 die Fortschritte bei der Demokratisierung und die politische Stabilität gestärkt werden.

3. Religiöse Situation im Land

Burkina Faso ist ein mehrheitlich muslimisches Land in der Sahelzone Afrikas. Die nördlichen und östlichen Landesteile sind vor allem muslimisch geprägt, während christliche Gemeinden sich in den zentralen und südlichen Teilen verdichten und Anhänger einheimischer traditioneller afrikanischer Religionen vor allem im Süden leben. Geschichtlich betrachtet lebten die verschiedenen religiösen Gruppen im Land harmonisch zusammen.

Die Verfassung aus dem Jahr 2012 garantiert die Religionsfreiheit und das Prinzip der Trennung von Kirche und Staat. Die Regierung verlangt von allen religiösen Gruppen, dass sie sich beim „Ministère de l'Administration territoriale et la Sécurité“ (übersetzt: Ministerium für territoriale Verwaltung und Sicherheit) registrieren lassen, um im Land tätig sein zu können. Außerdem finanziert die Regierung keine religiösen Schulen, die somit unabhängig arbeiten. Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2020 hatte es jedoch Kampagnen zur Verbreitung christenfeindlicher Ansichten gegeben, die von militanten Islamisten propagiert wurden.

Nach Schätzungen der „World Christian Database“ (WCD) folgten im Jahr 2020 über 20 Prozent der Bevölkerung traditionellen afrikanischen Religionen. Auch viele Christen und Muslime im Land vermischen ihren Glauben mit verschiedenen traditionell geprägten Überzeugungen und Praktiken. Zum Beispiel halten einige Christen weiterhin an der Polygamie fest. Allerdings ist die Zahl der Anhänger traditioneller Religionen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Burkina Faso hat in den vergangenen Jahren mehrere islamistische Angriffe erlebt, vor allem im Norden des Landes und gelegentlich auch in der Hauptstadt Ouagadougou. Diese können als gewalttätige Versuche gesehen werden, das Land zu „islamisieren“. Die militante Gruppe „Ansar ul Islam“ wurde 2016 unter der Führung von Ibrahim Malam Dicko gegründet und versucht, ihre eigenen Gesetze im Norden des Landes einzuführen – unter anderem mit gewaltsamen Mitteln. Auch die Gruppe „Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ (übersetzt „Gruppe für die Unterstützung des Islam und der Muslime“) agiert im Land und hat Verbindungen zu lokalen militanten Gruppen. Derzeit scheinen sie sich jedoch mehr auf den Kampf gegen die französischen Truppen und ihre Verbündeten zu fokussieren. Ihre Prediger beeinflussen die Jugendlichen, sodass diese die Franzosen und den moralischen Verfall durch westlichen Einfluss für ihre schlechten Lebensumstände verantwortlich machen. Islamisch-extremistische Gruppierungen haben Kirchen und einzelne Christen angegriffen, und einige Kirchen haben aus Sorge vor weiteren Angriffen ihre Sicherheitsbemühungen verstärkt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In vielen Ländern der Sahelregion wird es Dschihadisten durch das organisierte Verbrechen ermöglicht, Rekruten anzuwerben, Waffen zu kaufen und ohne Furcht vor Strafverfolgung agieren zu können. Ein Experte für das Land weist auf Folgendes hin: „In der Regierung gibt es viel Korruption. Raubüberfälle und Entführungen sind in verschiedenen Regionen des Landes ein Problem. Doch die Regierung tut wenig oder nichts, um solcher Verbrechen Herr zu werden, selbst in der Hauptstadt Ouagadougou.“

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Diese Triebkraft der Verfolgung ist eng verbunden mit der islamischen Unterdrückung. Es hat ethnisch begründete Gewalt gegeben, bei der sowohl der Glaube als auch die ethnische Zugehörigkeit eine Rolle gespielt haben. Ein Experte für das Land schreibt: „Allgemein sind die ethnischen Gruppen in Burkina Faso tolerant, aber mit dem steigenden Einfluss des Islamismus werden muslimische Leiter verschiedener Stämme zu Verfolgern, genauso wie religiöse Leiter traditioneller Religionen inzwischen auch zu Verfolgern der Kirche werden. Die teilweise Überschneidung von Religion und ethnischer Zugehörigkeit ist eine für einige Christen tödliche Kombination.“

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Mehrere islamisch-extremistische Gruppen operieren im Land. Einige von ihnen haben Verbindungen zum sogenannten „Islamischen Staat“ (IS), Al Kaida oder Boko Haram. Diese Gruppen sind für verschiedene Angriffe verantwortlich.
  • Gewöhnliche Bürger: Gewöhnliche Bürger in Dorfgemeinschaften und Mobs üben Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus. Aus diesem Grund üben diese christlichen Konvertiten ihren Glauben nicht in der Öffentlichkeit aus.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck vonseiten ihrer Familien, zum Islam zurückzukehren.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In abgelegenen Regionen haben Prediger aktiv zu Gewalt gegen Christen aufgerufen und Hass gegen Christen verbreitet.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Kriminelle Netzwerke schaffen ein Umfeld, in dem Dschihadisten aufblühen können, da diese in der Lage sein müssen, in Straffreiheit zu handeln. So wächst die Rolle des organisierten Verbrechens im Land, was die Anwendung der Gesetze schwächt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: In Regionen, in denen die meisten Menschen traditionellen afrikanischen Religionen angehören, agieren Anführer ethnischer Gruppen als Verfolger. Sie stellen sich besonders gegen christliche Gruppen, die aktiv auf Menschen mit anderem Glauben zugehen. Viele Anführer ethnischer Gruppen in muslimisch geprägten Regionen bedrängen ebenfalls Christen, wenn diese an der Hinwendung eines Muslims zum christlichen Glauben beteiligt sind.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Militante Gruppen haben in der Vergangenheit Gräueltaten an ausländischen Christen begangen und werden dies voraussichtlich weiterhin tun, wenn sich Gelegenheiten bieten. Angriffe dieser Gruppen haben eine hohe Zahl an Toten und Vertriebenen gefordert.
  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Die Verbrechen dieser Netzwerke reichen von Diebstahl bis zu Entführungen und werden von den verschiedensten Gruppen in verschiedenen Landesteilen begangen. Dies wird immer mehr zu einem Problem, besonders da ausländische Hilfsarbeiter ein beliebtes Ziel sind. Es scheint, als hätte sich eine Parallelstruktur außerhalb des Staatsapparats entwickelt.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Anführer ethnischer Gruppen: Im Kontext der aktuellen Krise im Land gab es Vorfälle, bei denen ethnische christliche Gruppen von ethnischen muslimischen Gruppen angegriffen wurden.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die nördlichen und östlichen Teile des Landes sind die Brennpunkte, wo Christen den höchsten Druck und die meiste Gewalt erfahren, vor allem außerhalb der größeren Städte. Im westlichen Landesteil setzen ethnisch-religiöse Gruppen die Christen unter Druck.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die Römisch-Katholische Kirche ist die am stärksten vertretene christliche Denomination im Land. Die meisten politischen Anführer des Landes, einschließlich Staatsoberhäupter, waren Katholiken. Katholiken sind aufgrund ihrer großen Zahl im Vergleich zu anderen christlichen Gruppen weniger Verfolgung ausgesetzt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

In diese Kategorie fallen sowohl Christen muslimischer Herkunft als auch Christen mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion. Auch Christen, die zu einer anderen Denomination übergetreten sind, werden hier erfasst. Christen muslimischer Herkunft erleben durch ihre Familien und ihr soziales Umfeld die stärkste Verfolgung.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptisten, Evangelikale und Pfingstgemeinden gibt es vor allem in den größeren Städten des Landes. Sie sind häufiger als traditionelle Kirchen Ziel der Angriffe von Islamisten.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 12
Leben im Staat 9.4
Kirchliches Leben 11.8
Auftreten von Gewalt 14.3

Grafik: Verfolgungsmuster Burkina Faso

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck liegt bei 10,5 Punkten und ist damit gleich hoch wie im Weltverfolgungsindex 2020.
  • Am stärksten ist der Druck im Bereich des gesellschaftlichen Lebens (12,0 Punkte), gefolgt vom Bereich des kirchlichen Lebens (11,8 Punkte) – darin spiegelt sich der Druck auf Kirchen und Christen in ihrem sozialen Umfeld aufgrund der Aktivitäten von Islamisten.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt hat ein extremes Ausmaß, sinkt aber leicht von 15,6 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 14,3 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Christen, insbesondere mit muslimischem Hintergrund, erleben feindselige Reaktionen, wenn sie mit anderen über ihren Glauben reden. In einigen abgelegenen Regionen können Christen nicht einmal christliches Material zu Hause aufbewahren, da islamistische Kämpfer einfach kommen und das Haus durchsuchen könnten. Den Glauben zu wechseln, ist nicht gesetzlich verboten, doch viele Muslime lehnen einen Glaubenswechsel ab; und es ist für Christen muslimischer Herkunft riskant, mit Familienangehörigen über ihren Glauben zu sprechen, da sie Angst haben, stigmatisiert und ausgestoßen zu werden.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Einige Christen muslimischer Herkunft oder mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion vermeiden es, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen, um nicht verspottet, abgelehnt oder angegriffen zu werden.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

In muslimischen Familien verbergen junge Erwachsene meist ihre Überlegungen, den christlichen Glauben anzunehmen, weil sie Angst haben, ihre Eltern zu enttäuschen und möglicherweise enterbt zu werden. Entscheidet sich jemand, den christlichen Glauben anzunehmen, vermeidet er es zumeist, mit Angehörigen darüber zu reden.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Für Christen muslimischer Herkunft oder mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion ist es sehr häufig gefährlich, sich mit anderen Christen zu treffen. Ihre Familien könnten mit Gewalt darauf reagieren, dass sie mit Menschen eines anderen Glaubens zu tun haben.

Familienleben

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Alle Christen müssen aufpassen, dass sie christliche Hochzeiten oder Feiertage nicht in Regionen begehen, die anfällig für Angriffe von Dschihadisten sind. Deswegen werden christliche Hochzeiten häufig heimlich gefeiert. Viele muslimische Eltern, deren Kinder Christen geworden sind und planen, einen anderen Christen zu heiraten, sind gegen deren Ehe, da sie Schande über die Familie bringen würde.

Wurden Eltern daran gehindert, ihre Kinder nach ihrem christlichen Glauben zu erziehen?

Dies ist besonders ernst für Christen anderer religiöser Herkunft. Sie werden daran gehindert, ihre Kinder gemäß ihrem christlichen Glauben aufzuziehen. Christliche Konvertiten können zudem ihre Erbrechte verlieren. Christen müssen gut aufpassen, dass sie nicht die Aufmerksamkeit von lokalen Anführern oder Dschihadisten auf sich ziehen, die in vielen Regionen des Landes (und sogar außerhalb des Landes) agieren. Dazu gehört, den Kindern so vom christlichen Glauben zu erzählen, dass sie nicht entlarvt werden.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

In einigen Schulen, in denen die Gründer oder Schulleiter überwiegend Muslime sind, werden alle Schüler dazu gedrängt, islamischen Unterricht zu erhalten – auch die christlichen Kinder. Dies passiert selbst in Ouagadougou, Bobo-Dioulasso und anderen Städten. Für Eltern aus protestantischen Freikirchen ist es zudem schwierig, ihre Kinder gemäß ihren religiösen Überzeugungen zu erziehen. Berichten zufolge haben Islamisten Lehrer getötet, die nicht den Islam gelehrt hatten, und gedroht, weitere Lehrer zu töten, sollte der Islamunterricht nicht für alle Schüler eingeführt werden, einschließlich christlicher Schüler.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

In den nördlichen, östlichen und westlichen Grenzregionen des Landes werden Christen oft in vielen Aspekten ihres Lebens diskriminiert. Auch Kinder werden Ziel dieser Diskriminierungen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

In vielen Teilen des Landes (außer in der Hauptstadt, in der es viele Christen gibt) werden Christen immer wieder Ziel von Angriffen, besonders im Norden des Landes an der Grenze zu Mali. In dieser Region, besonders in der Provinz Soum, die das Epizentrum der islamistischen Aktivitäten zu sein scheint, entführen Islamisten Christen, führen Angriffe gegen Sicherheitskräfte durch und verbreiten so immer mehr Angst. Die Bewegung Ansar ul Islam operiert von ihren Stützpunkten im Foulsaré-Wald entlang der Landesgrenze aus; diese Gruppe verübte Angriffe und setzte Lehrer unter Druck, Französisch als Unterrichtssprache durch Arabisch zu ersetzen. Schulen, die keinen Islamunterricht anbieten, sind niedergebrannt worden. Viele Christen sind geflohen.

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

Dies geschieht sowohl in muslimischen Familien als auch in solchen, die einer traditionellen afrikanischen Religion folgen. Auch aufgrund der hohen Armutsrate sind Mädchen häufig Opfer von Kinder- und Zwangsehen. Entführungen durch Islamisten kommen vor allem im Norden des Landes vor. Zwangsehen werden zudem auch als Waffe benutzt, um Christinnen muslimischer Herkunft dazu zu zwingen, zum Islam zurückzukehren.

Wurden Christen wegen ihres Glaubens daran gehindert, öffentliche Ressourcen zu nutzen (z. B. sauberes Trinkwasser)?

Durch die sich verschlechternde Sicherheitssituation und Angriffe auf soziale Dienste und Einrichtungen, städtische Einrichtungen und religiöse Leiter wurde das Land destabilisiert. Soziale Dienste und Bildung können nicht mehr ohne Probleme zur Verfügung gestellt werden. Sind Christen in der Minderheit, werden sie häufig daran gehindert, gemeinschaftliche Ressourcen zu nutzen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen daran gehindert, am öffentlichen Leben, Foren usw. teilzunehmen?

In Regionen mit vielen Anhängern traditioneller afrikanischer Religionen wird von Christen erwartet, an kulturellen Praktiken wie Initiationsritualen und Beschneidungszeremonien teilzunehmen. Sie haben kein Recht, in kommunalen Institutionen mitzuwirken, und werden bei der Nutzung gemeinschaftlicher Ressourcen häufig ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung aus dem sozialen Leben betrifft besonders christliche Konvertiten. Christen muslimischer Herkunft haben in diesem Bereich des gesellschaftlichen Lebens mehr Probleme als andere Christen.

Leben im Staat

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Teilweise ist es für Christen gefährlich, in stark muslimisch geprägten Regionen in der Öffentlichkeit christliche Symbole zu zeigen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

Auch wenn die Regierung die Religionsfreiheit anerkennt, werden die meisten Christen muslimischer Herkunft und Christen aus protestantischen Freikirchen von muslimischen Beamten diskriminiert.

Sind Christen bei der Zusammenarbeit mit den Behörden (Gemeindeverwaltung, Regierung, Armee usw.) aus religiösen Gründen diskriminiert worden?

Es ist für Kirchen schwer, Bewilligungen zum Kauf von Land oder Genehmigungen für andere Angelegenheiten von den Verwaltungsbehörden zu erhalten.

Sind Christen zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden geworden?

Die Regierung kämpft seit Jahren dagegen an. Die Verbreitung von christenfeindlichen Ansichten hat dazu beigetragen, bei einigen Bürgern eine dschihadistische Denkweise zu schaffen, die Christen als Feinde betrachtet. Dies geschieht insbesondere im Norden, Osten und Westen des Landes, wo der Islam stark verbreitet ist.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Obwohl das Land offiziell säkular ist und über 25 Prozent der Bevölkerung Christen sind, leben Kirchen in vielen Landesteilen in Angst vor unberechenbaren Angriffen und sozialen Restriktionen. Sie werden von militanten Gruppierungen und lokalen Anführern im Norden, Osten und Westen des Landes genau beobachtet.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Einige evangelistische Aktivitäten in der Öffentlichkeit wurden verboten. Lokale Behörden, die dem christlichen Glauben feindselig gegenüberstehen, tun alles, was in ihrer Macht steht, um solche Aktivitäten von Kirchen in der Öffentlichkeit zu unterbinden. Christliche Leiter werden zum Ziel von Belästigungen, besonders wenn protestantische Freikirchen nicht unter dem Dach der protestantischen Vereinigung arbeiten.

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

In vielen überwiegend muslimischen Gemeinschaften, vor allem in ländlichen Gebieten, ist die kirchliche Arbeit unter den Jugendlichen stark eingeschränkt. Diese Gemeinschaften sehen einen christlichen Einfluss auf die Jugend als Bedrohung ihrer Lebensweise; das kann zu zusätzlicher Verfolgung führen.

Ist der offene Verkauf oder die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien behindert worden?

Der Verkauf oder die Verteilung von Bibeln oder christlichen Materialien wird vom Staat zwar nicht verhindert, aber Christen muslimischer Herkunft oder Christen mit Hintergrund in einer traditionellen afrikanischen Religion riskieren dabei ernsthafte Schwierigkeiten. Dies betrifft besonders Christen in Gegenden, in denen militante Gruppen aktiv sind, und könnte zu ihrer Ermordung führen.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Mindestens 38 Christen wurden getötet. Am 17. Februar 2020 töteten Bewaffnete 24 Personen bei einem protestantischen Gottesdienst in der Region Yagha, einschließlich des Pastors. Außerdem brannten sie die Kirche nieder. Im Dezember 2019 wurden 14 Menschen bei einem Angriff auf eine protestantische Kirche während des Sonntagsgottesdienstes im Osten des Landes getötet.
  • Verhaftungen von Christen: Keine.
  • Angriffe auf Kirchen: Mindestens drei Kirchen wurden von Dschihadisten angegriffen. Zum Beispiel haben Dschihadisten bei zwei Gelegenheiten Kirchen angegriffen, wobei sie mehr als 38 Menschen töteten.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Mehr als zwanzig christliche Häuser und Geschäfte wurden angegriffen oder zerstört. Dies hat dazu geführt, dass viele Christen ihre Häuser verlassen haben und nun in Lagern für Binnenflüchtlinge Schutz suchen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

In Burkina Faso nimmt die islamische Extremisierung zu. Die Grenzgebiete des Landes stehen unter dem Einfluss militanter Islamisten, und Moscheen und Koranschulen lehren extremistische Formen des sunnitischen Islam. Davon werden selbst Sufis bedroht. In diesen Regionen gibt es keinen Platz für religiöse Minderheiten. Es wurde sogar berichtet, dass Lehrer an Schulen gezwungen wurden, Koranstunden zu halten oder, so hat man ihnen gedroht, sie hätten mit Konsequenzen zu rechnen. Das erschwert das Leben auch für moderate Muslime. Im Oktober 2019 gab es einen bewaffneten Angriff auf eine Moschee im Dorf Salmossi in der nördlich gelegenen Provinz Oudalan.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Burkina Faso:

  • Beten Sie für Gottes Versorgung der vertriebenen Christen in Burkina Faso. Beten Sie, dass sie nicht von Angst beherrscht werden, sondern den Frieden erfahren, den nur der Herr durch seinen Geist geben kann.
  • Von einem Pastor in Burkina Faso: „Beten Sie für Burkina Faso, damit der Friede Gottes im Land herrscht und unsere Leute wieder in ihre Dörfer zurückkehren und ihren täglichen Aktivitäten nachgehen können. Beten Sie auch für unsere Pastoren, die vertrieben wurden, dass Gott sie ausrüstet und ihnen seine Worte der Hoffnung auf die Lippen legt, wenn sie ihren Gemeinden dienen.“
  • Christen sind mit zunehmender Feindseligkeit konfrontiert. Beten Sie um Gnade, dass sie fest im Glauben bleiben. Viele Menschen, darunter auch Christen, sind durch die Verschlechterung der Sicherheitslage und die Vertreibung, die sie erlitten haben, schwer traumatisiert worden. Bitte beten Sie, dass der Herr in ihrem Leben wirkt und ihnen Heilung und Trost gibt.
  • Danken Sie Gott für die Bemühungen der Gemeinde, die Bedürfnisse der Mitchristen zu decken.
  • Beten Sie um Versorgung der Binnenvertriebenen. Beten Sie, dass die Regierung Weisheit erhält und Verantwortung für die Aufgabe übernimmt, in den betroffenen Gebieten Ordnung zu schaffen.