Länderprofil Mali

Mali

28
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Mali
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
29
Karte Mali
Christen
0,47
Bevölkerung
20.28
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Privatleben: 9.400
Familienleben: 8.200
Gesellschaftliches Leben: 12.700
Leben im Staat: 10.300
Kirchliches Leben: 11.500
Auftreten von Gewalt: 15.400

Länderprofil Mali

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 28 / 67 Punkte (WVI 2020: Platz 29 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Als islamisch-extremistische Gruppen 2012 den Norden des Landes unter ihre Kontrolle brachten, wurden Kirchen niedergebrannt und Christen waren gezwungen zu fliehen. Diese Vertreibung damals wirkt sich heute immer noch auf die Christen aus, die ihre Häuser verloren haben und deren Kirchen zerstört wurden. Obwohl einige Christen und Gemeinden unter Polizeischutz in den Norden zurückgekehrt sind, leben sie weiter mit der Gefahr, von Islamisten angegriffen zu werden. Das Evangelium weiterzugeben ist im Norden besonders riskant – es könnte zu Angriffen durch extremistische Muslime führen. Auch christliche Missionare, die in Mali tätig sind, leben unter der permanenten Bedrohung, entführt zu werden; tatsächlich wurden einige von Dschihadisten gekidnappt. Christen mit muslimischem Hintergrund droht Gewalt (vor allem im Norden) und Druck von ihren Verwandten und Familienmitgliedern, sollte ihre Hinwendung zum christlichen Glauben entdeckt werden. Der Norden des Landes ist auch für Nichtregierungsorganisationen unsicher.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

67

28

2020

66

29

2019

68

24

2018

59

37

2017

59

32

Die um einen Punkt gestiegene Wertung im Weltverfolgungsindex 2021 ist auf den Anstieg von Gewalt zurückzuführen. Die Situation ist mittlerweile jedoch so komplex, dass es schwierig ist, klar zwischen religiös und ethnisch begründeter Gewalt zu unterscheiden. Der Druck im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben bleibt sehr hoch, da Dschihadisten das Sicherheitsdefizit ausnutzen, das dadurch ausgelöst wurde, dass sich die Regierung momentan auf die Bekämpfung der Covid-19-Pandemie und ihre Folgen konzentriert.

2. Trends und Entwicklungen

1) Der militante Islam ist eine der wesentlichen Herausforderungen

Die stärkste Entwicklung in Mali ist der wachsende Einfluss des militanten Islam und des Wahhabismus. Es wird lange dauern, bis es im Norden von Mali wieder christliche Gemeinschaften geben wird. Islamische Kämpfer sind trotz des 2015 unterzeichneten Friedensabkommens weiterhin in Mali aktiv und werden auch in den kommenden Jahren eine Bedrohung darstellen. Das Friedensabkommen ist sehr instabil, und sowohl die Regierung als auch die UN-Friedenstruppen sind immer noch nicht in der Lage, die Regierungsgewalt in einigen Teilen des Landes durchzusetzen. Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen das Land in den letzten fünf Jahren konfrontiert war, konnte es 2018 eine relativ friedliche und erfolgreiche Präsidentschaftswahl abhalten.

2) Die Gesetzlosigkeit schwappt aus den Nachbarländern nach Mali über

Die Gesetzlosigkeit in den Nachbarländern hat Mali stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach dem Sturz von al-Gaddafi in Libyen wurde die Region von Rebellengruppen überschwemmt und Mali zahlte mit einem Bürgerkrieg und einem Putsch den höchsten Preis. So berichtete „BBC News“ am 22. März 2012: „Die Probleme begannen, als hunderte malische Kämpfer, die zur Verteidigung des verstorbenen libyschen Führers Muammar al-Gaddafi gekämpft hatten, Ende letzten Jahres mit ihren Waffen nach Hause flohen und sich zur mächtigsten Tuareg-geführten Rebellengruppe zusammenschlossen, die die Region je gesehen hat – der ‚Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad‘.“ Die Region ist immer noch in Aufruhr und die Covid-19-Krise verschlimmert das Problem nur noch; dies alles schwappt aus den Nachbarländern nach Mali über.

3) Die Serie von Regierungskrisen geht weiter

Im letzten Jahrzehnt hat Mali eine Reihe von Regierungskrisen erlebt. Ein Land, das einst als Inbegriff der afrikanischen Demokratie gepriesen wurde, wurde von einem Putsch heimgesucht und eine militante dschihadistische Gruppe kontrolliert den größten Teil des Landes. Die anhaltenden Proteste, die den Rücktritt des Staatschefs Ibrahim Boubacar Keïta forderten, führten im August 2020 zu einem weiteren Militärputsch. Während die Putschisten versprochen haben, einen achtzehnmonatigen Übergang zu einer zivilen Regierung zu beaufsichtigen, behalten sie einen starken Einfluss, der alles andere als demokratisch ist.

3. Religiöse Situation im Land

Mali ist, wie für andere westafrikanische Staaten üblich, seit Jahrhunderten vom Islam (in einer überwiegend gemäßigten Form) geprägt. Das Land verfügt über ein konstitutionell säkulares politisches System, in dem religiöse politische Parteien verboten sind. Abgesehen vom nördlichen Teil des Landes, wo die christliche Minderheit schon immer von der muslimischen Mehrheit diskriminiert wurde, genossen die Christen in der malischen Gesellschaft früher ein bedeutendes Maß an Freiheit. Auch die Anwesenheit ausländischer christlicher Missionare war möglich. Die Muslime Malis standen in dem Ruf, anderen religiösen Überzeugungen gemäßigt und tolerant zu begegnen. Auch Christen muslimischer Herkunft genossen in der Kolonialzeit ein hohes Maß an Toleranz. Diese Toleranz verblasste jedoch im Laufe der Zeit, und es ist heute höchst gefährlich, als Christ muslimischer Herkunft bekannt zu sein. Sowohl die malischen Christen (die Mehrheit ist römisch-katholisch) als auch die Muslime vermischen ihren Glauben oft mit dem traditionellen animistischen Glauben, weil es im Land eine bedeutende Präsenz von Anhängern traditioneller afrikanischer animistischer Religionen gibt. Auch wenn die meisten malischen Christen im Süden des Landes leben, sind sie durch die Bedrohung von islamisch-extremistischen Aktivitäten im Norden zunehmend unter Druck geraten.

Laut Schätzungen von der „World Christian Database“ aus dem Jahr 2020 sind 88,7 Prozent der Bevölkerung Muslime; die meisten davon sind Anhänger des malikitischen sunnitischen Islam, einer vom Sufismus beeinflussten Rechtsschule. Diese Art von Islam ist moderat und tolerant gegenüber anderen Glaubensrichtungen. Im Norden Malis, vor allem unter den arabischen und Tuareg-Stämmen, ist der Einfluss extremistischerer Auslegungen des Islam in den letzten Jahren gewachsen. Sie haben wenig Respekt vor religiösen Praktiken, die von den Sufis beeinflusst sind. Das zeigt die Zerstörung von Sufi-Schreinen aus dem 13. Jahrhundert in Timbuktu, als islamisch-extremistische Gruppen die Stadt im Jahr 2012 unter ihre Kontrolle brachten.

Die Situation in Mali änderte sich schlagartig im April 2012, als die Gründung des unabhängigen Staates Azawad im Norden Malis ausgerufen wurde. Die Islamisten, die mehrheitlich den Wahhabiten zuzuordnen sind, errichteten im Norden bald ein islamisches Staatssystem mit einem strengen Scharia-Regime. Die meisten Christen flohen noch bevor die Islamisten die Macht übernahmen. Unterdessen zerstörten diese Kirchen und andere christliche Gebäude. Auch im Süden Malis ist die christliche Gemeinde negativ von der zunehmenden Sichtbarkeit verschiedener wahhabitischer Gruppen betroffen. Obwohl die Rebellen und die Regierung im Jahr 2015 ein Friedensabkommen geschlossen haben und internationale Friedenstruppen eingesetzt wurden, hat sich die islamische Extremisierung in der malischen Gesellschaft fortgesetzt.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Mali wird seit Jahrhunderten vom Islam (in einer meist gemäßigten Form) dominiert. Doch im April 2012 setzten Islamisten (überwiegend Wahhabiten) im Norden ein strenges Scharia-Regime ein und zerstörten Kirchen und andere christliche Gebäude. Auch im Süden Malis ist die christliche Gemeinde mit einem zunehmenden Einfluss wahhabitischer Gruppen konfrontiert, was zu einer islamischen Extremisierung und Feindseligkeit gegenüber Christen führt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Das Land liegt in der Sahel-Region Westafrikas, wo es riesige Wüsten- und Trockengebiete gibt, die schwer zu kontrollieren sind. Kriminelle Banden nutzen dies als Gelegenheit, ihre Aktivitäten zum Transport von Drogen nach Westeuropa auszuweiten. Die meisten kriminellen Organisationen haben sich mit islamisch-extremistischen Gruppen verbündet und verfolgen Christen. Die ehemaligen Tuareg-Rebellen sind nun im Grunde zu Kriminellen geworden.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Obwohl die Mehrheit der malischen Bevölkerung Muslime ist, vermischen sie ihren islamischen Glauben mit verschiedenen Formen von Hexenkult und Zauberei. Die gegenwärtige wahhabitische Bewegung versucht, den Islam von solchen traditionellen Praktiken zu „reinigen“. Auch viele malische Christen verbinden Stammespraktiken mit dem christlichen Glauben. Die meisten Stammes- oder ethnischen Anführer in den abgelegenen Teilen des Landes stehen Muslimen oder Christen, die sich solchen Praktiken widersetzen, feindselig gegenüber; in einigen Fällen ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Stammesführern und Christen gekommen.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Die größte Gruppe von Verfolgern ausgehend von islamischer Unterdrückung in Mali sind islamisch-extremistische Gruppen wie „al Kaida im Maghreb“ (AQIM). Diese Gruppen sind vor allem im Norden des Landes aktiv, verüben aber auch in südlichen Regionen Anschläge und Entführungen. Von der extremistischen und intoleranten Lehre des Wahhabismus beeinflusste Teile der Bevölkerung gehören ebenfalls zu den Verfolgern von Christen. Sie haben es besonders auf Christen mit muslimischem Hintergrund abgesehen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In einigen Gebieten, in denen Dschihadisten aktiv sind, lehren muslimische Anführer das gleiche extremistische Gedankengut. Diese religiösen Leiter bieten den Dschihadisten eine Plattform, um in der Gesellschaft stark präsent zu sein.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Die islamische Unterdrückung in Mali ist auch ethnisch motiviert, und die Anführer der Tuareg und von Fulani-Gruppen zählen ebenfalls zu den Verfolgern. Arabische Gruppen und Fulani-Hirten bekämpfen jede Ausbreitung des christlichen Glaubens in Mali. Ein Experte für das Land erklärt: „Indigene ethnische Bevölkerungsgruppen, die einer christlichen Minderheit angehören, haben sich über die Verfolgung durch Fulani- und Tuareg-Hirten beschwert, denen sie vorwerfen, ihre Farmen und Lebensgrundlagen zu zerstören, Lebensmittellager zu plündern, sie zu verletzen und zu töten und ihre Häuser niederzubrennen.“
  • Gewöhnliche Bürger: Die Gesellschaft im Allgemeinen sieht den christlichen Glauben nicht positiv. Dies gilt insbesondere für den Glauben von Christen muslimischer Herkunft.
  • Die eigene Familie: Hier ist es von Familie zu Familie unterschiedlich. Es ist jedoch üblich, dass Mitglieder der Großfamilie gegen solche Familienmitglieder Druck ausüben und Gewalt anwenden, die sich entscheiden, Jesus Christus nachzufolgen (oder allgemein den Islam zu verlassen).
  • Kartelle oder Netzwerke des organisierten Verbrechens: Dadurch haben die Dschihadisten die Mittel und Methoden, ihre Existenz zu sichern. Über diese Triebkraft der Verfolgung finanzieren sie ihr Geschäft.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Es gibt mehrere kriminelle Organisationen, die in Mali aktiv sind. Die geografischen Gegebenheiten des Landes mit der weitläufigen Wüste und den Trockenzonen haben die Ausbreitung dieser Organisationen begünstigt. Diese kriminellen Netzwerke sind mit islamisch-extremistischen Gruppen wie AQIM verbündet und sie verfolgen Christen. Korrupte Regierungsbeamte, die bei Übergriffen auf Christen wegsehen, tragen ebenfalls zur Verfolgung von Christen bei.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Islamisch-extremistische Gruppen wie AQIM sind vor allem im nördlichen Teil des Landes aktiv. Diese Dschihadisten haben kriminelle Netzwerke aufgebaut oder sich bereits bestehenden angeschlossen. Durch diese Syndikate können sie Waffen kaufen, Entführungen begehen und agieren, ohne Strafverfolgung fürchten zu müssen.

Ausgehend von ethnisch-religiöser Feindseligkeit

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die meisten Anführer ethnischer Gruppen, wie etwa die Stammesführer der Tuareg, sind an der Verfolgung von Christen beteiligt. Traditionelle animistische Stammesführer im Süden stehen den Christen ebenfalls feindlich gegenüber und versuchen, die Ausbreitung des christlichen Glaubens zu verhindern. Sie haben es besonders auf christliche Gruppen abgesehen, die versuchen, Elemente des traditionellen afrikanischen Glaubens vom christlichen Glauben zu lösen.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die meisten Schwierigkeiten wegen ihres Glaubens erfahren Christen in den Gebieten, wo Dschihadisten und Fulani-Hirten aktiv sind: im Norden und im Nordosten des Landes. Auch im Süden gibt es bis zu einem gewissen Grad kleinere Gebiete mit starker Verfolgung.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Von den weniger als drei Prozent der Malier, die Christen sind, gehören die meisten zu traditionellen christlichen Kirchen. Dazu gehören römisch-katholische Kirchen und eine erhebliche Anzahl unterschiedlicher protestantischer Gemeinden. Die Christen, die im Süden des Landes leben, haben im Vergleich zu denen im Norden verhältnismäßig viel Religionsfreiheit. Die Schwere und Intensität der Bedrohung durch Angriffe auf Christen ist im Norden wesentlich höher, doch auch im Süden sind Christen der Gefahr von Angriffen und Entführungen ausgesetzt.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen muslimischer Herkunft sind vor allem unter den ethnischen Gruppen der Bozo und der Dogon zu finden, aber es gibt auch Christen muslimischer Herkunft, die anderswo im Land leben. Neben der Bedrohung durch Islamisten, der die meisten malischen Christen ausgesetzt sind, sind es die Christen muslimischer Herkunft, die zusätzlich in unterschiedlich starkem Maß von ihren Familienmitgliedern, Verwandten und Nachbarn unter Druck gesetzt werden, den christlichen Glauben aufzugeben.

Christen aus protestantischen Freikirchen

In Mali gibt es eine kleine Anzahl charismatischer und pfingstkirchlicher Gemeinden, die hauptsächlich im südlichen Teil des Landes zu finden sind. Wegen ihrer Art, Gottesdienst zu feiern, und weil sie häufig aktiv das Evangelium weitergeben, ziehen diese Gemeinschaften leicht den Zorn und die Feindseligkeit der Gesellschaft auf sich.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 8.2
Gesellschaftliches Leben 12.7
Leben im Staat 10.3
Kirchliches Leben 11.5
Auftreten von Gewalt 15.4

Grafik: Verfolgungsmuster Mali

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Mali ist mit 10,4 Punkten genauso hoch wie im Weltverfolgungsindex 2020.
  • Alle Lebensbereiche weisen ein hohes oder sehr hohes Ausmaß an Druck auf. Am stärksten ist der Druck im gesellschaftlichen Leben (12,7 Punkte), gefolgt vom kirchlichen Leben und dem Leben im Staat.
  • Das Ausmaß der Gewalt gegen Christen ist mit einem Wert von 15,4 Punkten im Weltverfolgungsindex 2021 extrem hoch; im Weltverfolgungsindex 2020 lag der Wert noch bei 13,7 Punkten.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Christen muslimischer Herkunft haben im Vergleich zu anderen Christen in diesem Bereich die meisten Schwierigkeiten. Die Familie und das soziale Umfeld üben Druck auf sie aus, den Glauben an Jesus Christus zu widerrufen.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Im Norden Malis werden auch Christen, die keinen muslimischen Hintergrund haben, auf verschiedene Art und Weise im Alltag eingeschränkt. Sie stehen immer mehr in Gefahr, angegriffen zu werden, selbst wenn sie ihren Glauben nur im Privaten offen zum Ausdruck bringen. Ein Experte für das Land berichtete, dass der Hass auf Christen besonders in Dobara und Bodwall zunimmt. Dort wurden bereits in der Vergangenheit katholische Kirchen angegriffen.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Im Norden Malis ist es für Christen sehr riskant, christliche Motive und Symbole zur Schau zu stellen. Im Süden wurde den Christen Land für den Bau neuer Kirchen verweigert und sie bekamen keine Erlaubnis, Räumlichkeiten für Gottesdienste zu mieten. Dies war vor allem in Gegenden der Fall, in denen Christen Bilder und Symbole wie das Kreuz oder religiöse Statuen offen zur Schau gestellt hatten.

War es für Christen riskant, ihren Glauben im persönlichen Rahmen zu praktizieren (z. B. Gebet, Lesen der Bibel etc.)?

Im nördlichen Teil des Landes stehen die Christen vor massiven Problemen bei der Durchführung jeglicher Art von Gottesdienst. Insbesondere Christen muslimischer Herkunft können ihren christlichen Glauben aufgrund der gängigen Lebensverhältnisse nicht offen äußern oder im Privaten praktizieren; jede Abweichung von islamischen Riten wird schnell entdeckt und führt zu Verfolgung.

Familienleben

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Dies ist eher eine Sicherheitsfrage als ein formales Verbot. Im nördlichen Teil des Landes würde eine offene Äußerung des christlichen Glaubens in Form einer christlichen Hochzeit bedeuten, sich den Dschihadisten der Region auszuliefern.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Angesichts der anhaltenden Krise des Landes werden Christen in Schulen, in der Öffentlichkeit und bei anderen gesellschaftlichen Zusammenkünften zur Zielscheibe. Kinder von Christen sind oft die Hauptleidtragenden von Schikanen und Mobbing: Vor allem im Norden Malis werden Kinder von Christen als Bürger zweiter Klasse behandelt und oft als „Ungläubige“ bezeichnet.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Lehrer wurden eingeschüchtert und Kinder wurden zur Teilnahme am Koranunterricht gezwungen. In vielen Teilen Malis haben islamistische Kämpfer zu unterbinden versucht, dass Französisch als Hauptunterrichtssprache verwendet wird – sie wollten es durch Arabisch ersetzen. Sie forderten außerdem, dass diese Schulen, von denen viele von christlichen Organisationen betrieben werden, in islamische Schulen umgewandelt werden.

Haben christliche Ehepartner und/oder Kinder von Christen bedingt durch Verfolgung über einen längeren Zeitraum Trennung erlitten?

Muslimische Familien tolerieren keinen Glaubenswechsel eines Angehörigen, auch nicht eines angeheirateten. Aus Gründen der Familienehre könnte ein Familienmitglied, das den Islam verlässt, die ganze Familie in die Gefahr bringen, von der Gesellschaft geächtet zu werden. Besonders in der nördlichen Region ist es wahrscheinlich, dass die Großfamilie eines jeden Christen mit muslimischem Hintergrund Druck ausübt, um ihn oder sie zur Abkehr vom christlichen Glauben zu bewegen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Das Ausmaß hängt davon ab, wo man wohnt: Der Norden ist am stärksten betroffen, aber auch in Zentralmali nehmen die Schikanen zu: Obwohl die Regierung religiöse Propaganda verbietet, werden Radiobeiträge und Predigten in Moscheen in ihrer Ablehnung des christlichen Glaubens und seiner Ausübung zunehmend extremistisch. In Zentralmali werden Dorfgemeinschaften unter Druck gesetzt, die Scharia zu übernehmen, obwohl dies gegen das staatliche Recht verstößt. Obwohl Christen in Orten wie der Hauptstadt Bamako insgesamt viel freier sind, berichten auch sie von Diskriminierung.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

In einigen Gebieten (besonders im Norden) überwachen islamische Gruppen Kirchen und Christen. Lokale Bürger und Ortsvorsteher möchten gerne wissen, wo christliche Gruppen möglicherweise die Gründung neuer Kirchen oder den Bau von Schulen und Krankenhäusern planen. Außerdem wollen sie über Glaubenswechsel unterrichtet werden.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Ein Experte für das Land berichtet: „Die Christen in Mali werden ständig bedroht, damit sie ihren Glauben widerrufen. Solche Drohungen entstehen vor dem Hintergrund eines nationalen Narratives, das die Christen als Anhänger der falschen Religion ansieht. Fehlende Toleranz, Respekt und Rücksicht auf christliche Überzeugungen machen Christen das Leben schwer. Auch hier gilt, dass die Regierung in ihrer Politik dem Islam wohlwollender gegenübersteht.“

Waren Christen von Entführung und/oder Zwangsheirat bedroht?

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Christen gegen Lösegeldforderungen entführt und einige befinden sich vermutlich immer noch in Gefangenschaft. Aufgrund der Zunahme des extremistischen Islam und fehlender Sicherheit ist die Zahl der Zwangsverheiratung von christlichen Mädchen mit muslimischen Männern in vielen Gebieten hoch.

Leben im Staat

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Im anhaltenden Konflikt sehen sich Christen schweren Repressalien ausgesetzt, wenn sie öffentlich islamistische Aktivitäten und die Gräueltaten der Kämpfer kritisieren.

Sind christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

In Mali gibt es keine einzige politische Partei, die auf der Grundlage des christlichen Glaubens gegründet wurde. Die wenigen christlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen werden unter dem Verdacht, aktiv die Abkehr vom Islam zu fördern, streng überwacht.

Wurden Christen durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, z. B. beim Militärdienst oder in bestimmten Berufen?

Recht häufig werden Christen unter Druck gesetzt, zum Islam zu konvertieren und in bestimmten beruflichen Tätigkeiten gegen ihr Gewissen zu handeln. Dieser Druck herrscht vor allem in der malischen Armee und anderen Sicherheitsbehörden sowie im öffentlichen Gesundheitswesen oder Bankensektor.

Wurden Christen aus religiösen Gründen am Reisen gehindert?

Dies ist eines der schwierigsten Probleme, mit denen Christen im Land konfrontiert sind; es ist nicht ein Gesetz, das Reisen behindert, sondern die Gefahr. Vor allem Missionare brauchen ein hohes Maß an Sicherheitsmaßnahmen, wenn sie in den Norden reisen. Das Reisen ist hier sehr gefährlich. So wurde beispielsweise eine Schweizer Missionarin, die 2016 im Norden Malis entführt wurde, im September 2020 hingerichtet.

Kirchliches Leben

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Die Christen im Norden haben große Probleme, ihre Gotteshäuser zu reparieren oder solche zu bauen. Im Mai 2018 etwa wurde eine Gruppe christlicher Flüchtender angegriffen, als sie eine provisorische Kirche in einem Flüchtlingscamp nahe der Grenze zum Niger errichten wollten.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

In Teilen des Landes, wo es sehr gefährlich ist, sich als Christ zu bekennen oder das Evangelium weiterzugeben, werden Aktivitäten im Freien durch mangelnde Sicherheit verhindert.

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Im Norden werden Christen und Kirchen von islamistischen Gruppen überwacht. Westliche Nichtregierungsorganisationen und sogar UN-Friedenstruppen werden der „Evangelisierung“ beschuldigt, weil Kontakt mit der westlichen Kultur gleichgesetzt wird mit Kontakt zum christlichen Glauben. Im Rest des Landes benötigen die Kirchen eine Erlaubnis der Regierung, um Aktivitäten im Freien, wie z. B. Aktivitäten zur Weitergabe des Evangeliums, durchzuführen. In vielen Gegenden ist dies aber kein Problem und es kann beispielsweise der Jesus-Film öffentlich und ungehindert gezeigt werden.

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Islamistische Gruppen kontrollieren oft christliche Lehren und christliche Materialien. Dies geschieht auch in den Schulen, die von islamistischen Kämpfern aufgesucht werden, in denen sie dann Lehrer einschüchtern, damit sie nichts unterrichten, was mit dem christlichen Glauben oder mit Säkularismus zu tun hat. Die Regierung ist auch bestrebt, jegliche „Hassrede“ aufzudecken, die an Schulen und in Kirchen vorkommen soll.

Auftreten von Gewalt

Mali ist eines der am stärksten betroffenen Länder, wenn es um dschihadistische Aktivitäten geht. Christen bezahlten im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 einen hohen Preis für ihren Glauben:

  • Getötete Christen: Mindestens 33 Christen wurden getötet. Beispiele: Im September 2020 wurde eine Schweizer Missionarin, die 2016 entführt wurde, getötet. Bei Angriffen auf christliche Dörfer im Juli 2020 wurden ebenfalls dutzende Christen getötet.
  • Verhaftungen von Christen: Keine.
  • Angriffe auf Kirchen: Oft werden Kirchen angegriffen – mindestens zehn im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021. Als die Covid-19-Krise die Regierung zwang, ihre Prioritäten zu ändern, konnten die Dschihadisten ihre Angriffe intensivieren.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Mindestens 110. Die Angriffe waren so häufig, dass viele Christen gezwungen waren, umzusiedeln, einige von ihnen in Lager für Binnenvertriebene.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen zählen in Mali auch Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen zu den religiösen Minderheiten. Obwohl solche Glaubensrichtungen historisch gesehen mit dem Islam koexistierten, wurde dieses Nebeneinander mit dem Aufkommen militanterer und intoleranterer Versionen des Islam in Mali ernsthaft in Frage gestellt. Die Dschihadisten veranstalteten sogar Massenvorträge für die Bevölkerung. Die Nichtregierungsorganisation „Freedom House“ berichtete 2019 in ihrem jährlichen Bericht „Freedom in the World“, der die Freiheiten und Rechte der Menschen in allen Staaten der Erde untersucht: „Islamistische bewaffnete Gruppen haben Berichten zufolge Zivilisten gezwungen, an Vorträgen in Moscheen teilzunehmen, bei denen sie für ihre Auslegung des Islam warben und die Bewohner vom Kontakt zur Regierung und den UN- und französischen Friedenstruppen abhalten wollten. Es gab eine Reihe von Berichten über bewaffnete Angriffe auf Moscheen sowie über Verhaftungen und Morde, die dort verübt wurden.“ Für diese militanten Islamisten sind Muslime, die nicht ihrer strengen Auslegung des Islam folgen, keine richtigen Muslime.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mali:

  • Viele Gebiete sind nach wie vor instabil, und die Menschen, die Jesus nachfolgen möchten, sind in Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. Beten Sie für die Christen, die immer noch versuchen, ihre Häuser, Kirchen und ihr Leben wieder aufzubauen, nachdem sie 2012 fliehen mussten.
  • Beten Sie für die Übergangsregierung, die Mitte 2020 die Macht im Land übernommen hat. Beten Sie, dass sie sich für Religionsfreiheit für Menschen aller Glaubensrichtungen einsetzt und in der Lage ist, Mali gut aus der COVID-19-Krise zu führen.
  • Beten Sie für die Gruppen islamischer Extremisten, die sich gegen die Christen in Mali wenden. Beten Sie, dass Gott ihre Herzen erweicht und sie die Herrlichkeit seines Evangeliums und seiner Gnade wahrnehmen.
  • Beten Sie für die malischen Christen, die erschöpft sind von einem Leben unter ständiger Bedrohung, Diskriminierung und Verfolgung. Beten Sie, dass der Heilige Geist sie stärkt, leitet und ihren Glauben neu entfacht.