Länderprofil Mali

Mali

24
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Mali
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Semipräsidialrepublik
Platz Vorjahr
28
Karte Mali
Christen
0,48
Bevölkerung
20.89
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Privatleben: 9.400
Familienleben: 8.200
Gesellschaftliches Leben: 13.900
Leben im Staat: 10.300
Kirchliches Leben: 12.800
Auftreten von Gewalt: 15.000

Länderpofil Mali

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 24 / 70 Punkte (WVI 2021: Platz 28 / 67 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Im Jahr 2012 haben islamisch-extremistische Gruppen die Kontrolle über den Norden von Mali übernommen. In diesen Wirren wurden mehrheitlich christliche Dörfer angegriffen und Kirchen zerstört, sodass viele Christen in die Flucht getrieben wurden. Noch immer sind Christen von den Auswirkungen dieser Vertreibung betroffen, da sie ihre Heimatdörfer, Häuser und Gotteshäuser verloren haben. Auch wenn einige Christen unter Polizeischutz in ihre Häuser zurückgekehrt sind, ist die Bedrohung durch islamisch-extremistische Gruppen weiterhin groß; Christen, die das Evangelium weitergeben, laufen Gefahr, Opfer von Gewalt und Entführung zu werden. Wenn der neue Glaube von christlichen Konvertiten muslimischer Herkunft aufgedeckt wird, werden sie von ihren Angehörigen und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt und manchmal auch mit Gewalt genötigt, ihren neuen Glauben wieder aufzugeben.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Mali verabschiedete 1992 eine neue Verfassung, die für einen erfolgreichen Übergang zu einer demokratischen Regierung stehen sollte. Das Land galt unter den afrikanischen Staaten als vorbildlich beim Schutz der bürgerlichen Freiheiten. Im Jahr 2012 verbündeten sich jedoch Tuareg-Rebellen, die bereits seit mehreren Jahren im Norden aktiv waren, mit islamisch-extremistischen Gruppen, zu denen auch ausländische Kämpfer aus Algerien zählten. Zusammen haben sie mehrere Städte erobert. Die Zivilregierung wurde schließlich durch einen Militärputsch abgesetzt, doch mit Hilfe ausländischer Armeen konnte die malische Regierung den Vormarsch der Rebellen zurückdrängen und einen Großteil des zuvor verlorenen Territoriums zurückerobern. Am 24. Mai 2021 übernahm jedoch die malische Armee unter der Führung von Vizepräsident Assimi Goita erneut die Macht. Trotz der Sanktionen der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ und der „Afrikanischen Union“ wurde Goita am 7. Juni 2021 als Interimspräsident vereidigt.

In Mali herrscht seit Jahrhunderten der (meist gemäßigte) Islam vor. Lange Zeit war das Land von Toleranz geprägt, allerdings ist es inzwischen sehr gefährlich geworden, ein Konvertit muslimischer Herkunft zu sein. Sowohl malische Christen traditioneller Kirchen, die Mehrheit ist römisch-katholisch, als auch Muslime verbinden ihren Glauben oft mit einheimischen ethnischen Religionen.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

476.000

2,3

Muslime

18.571.000

88,9

Anhänger ethnischer Religionen

1.820.000

8,7

Bahai

1.200

0,0

Atheisten

1.300

0,0

Agnostiker

22.800

0,1

Andere

820

0,0

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten malischen Christen leben zwar im Süden des Landes, aber durch die Bedrohung der zunehmenden islamisch-extremistischen Aktivitäten im Norden und Nordosten des Landes geraten auch sie vermehrt unter Druck. Im Berichtszeitraum zum aktuellen Weltverfolgungindex haben Dschihadisten Gebiete in Zentralmali überrollt. Diese Instabilität hat große negative Auswirkungen für Christen.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Im Jahr 2012 wurde der gemäßigte Islam in Mali abgelöst. Islamisten, die stark vom Wahhabismus und von globalen Trends der islamischen Extremisierung und Politisierung beeinflusst sind, führten im Norden ein strenges Scharia-Regime ein. Sie zerstörten Kirchen und griffen Christen an. Auch die Christen im Süden Malis werden zunehmend von wahhabitischen Gruppen unter Druck gesetzt.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Das Land liegt in der Sahelzone Westafrikas und umfasst riesige Wüstengebiete, die für die Sicherheitsbehörden schwer zu kontrollieren sind. Kriminelle Banden nutzen dies als Gelegenheit, um Drogen nach Westeuropa zu schmuggeln. Ein Großteil der Banden hat sich mit islamistischen Gruppen verbündet und verfolgt nun auch Christen. Viele frühere Tuareg-Rebellen, die den Sieg der Regierung und ihrer Verbündeten überlebt haben, sind heute kriminelle Akteure, die auf den illegalen Handel mit Waffen, Drogen und Menschen ausgerichtet sind.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit

Obwohl die meisten Menschen in Mali Muslime sind, vermischt sich ihr Glaube oft mit ethnisch-religiösen Stammespraktiken. In den abgelegenen Teilen des Landes sind die meisten Stammes- oder ethnischen Führer feindselig gegenüber Muslimen oder Christen, die sich solchen Praktiken widersetzen. Das kann zu Zusammenstößen zwischen Stammesführern und Muslimen oder Christen führen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen können ihrem Glauben zwar mit großer Freiheit Ausdruck verleihen, sie sind jedoch ein leichtes Ziel für Entführungen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Weniger als drei Prozent der malischen Bevölkerung sind Christen. Die meisten von ihnen gehören traditionellen Kirchen wie der Römisch-Katholischen Kirche an. Diejenigen von ihnen, die im Süden des Landes leben, haben im Vergleich zu den Christen im Norden relativ viel Religionsfreiheit, aber die Gefahr von Gewalt und Entführungen durch islamisch-extremistische Gruppen hat auch für sie im Berichtszeitraum zugenommen.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Konvertiten muslimischer Herkunft gibt es vor allem unter den Volksgruppen der Bozo und der Dogon. Zusätzlich zur Bedrohung durch islamisch-extremistische Gruppen, unter denen die meisten Christen in Mali leiden, werden Konvertiten in unterschiedlichem Maße auch noch von ihren Familien und ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, dem christlichen Glauben abzuschwören.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Dazu gehören charismatische und pfingstkirchliche Gemeinden, die vor allem im Süden Malis zu finden sind. Aufgrund ihrer Art des Gottesdienstes und ihrer Aktivitäten zur Weitergabe des Evangeliums ziehen solche Gemeinden häufig die Feindschaft der Gesellschaft auf sich.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.4
Familienleben 8.2
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 10.3
Kirchliches Leben 12.8
Auftreten von Gewalt 15

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Im Vergleich zu anderen Christen in Mali erfahren Christen muslimischer Herkunft die größten Schwierigkeiten in ihrem Privatleben, da sie von Familienangehörigen und Menschen aus ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihren Glauben zu widerrufen. Allerdings müssen im Norden des Landes auch alle anderen Christen mit Schikanen und gewalttätigen Übergriffen rechnen, sollte ihr Glaube allgemein bekannt werden.

Familienleben

Der anhaltende militärische Konflikt in Mali hat die Ausübung des christlichen Glaubens zu einem Risiko gemacht. Anders als in vielen Ländern mit muslimischer Mehrheit ist der christliche Glaube nicht per Gesetz verboten oder eingeschränkt, aber mit der Ausübung eines anderen Glaubens als des wahhabitischen Islam geht das Risiko gewaltsamer Repressalien von islamistischen Gruppen einher. Im Norden des Landes wurden Lehrkräfte eingeschüchtert und Kinder gezwungen, am Koranunterricht teilzunehmen; die islamistischen Gruppen forderten außerdem, dass Schulen, von denen viele von christlichen Organisationen betrieben werden, in Koranschulen umgewandelt werden. Muslimische Familien dulden die Abwendung eines Familienmitglieds vom Islam aus Gründen der Familienehre nicht und üben häufig Druck auf einen christlichen Konvertiten aus, damit er seinen christlichen Glauben aufgibt.

Gesellschaftliches Leben

Feindseligkeit und Gewalt sind zwar im Norden am schlimmsten, aber sie nehmen überall zu. Obwohl die Behörden Versuche unternommen haben, feindselige religiöse Propaganda zu verbieten, wird in den Moscheen immer entschiedener gegen Christen gepredigt. Der Druck auf die Bevölkerung in Zentralmali wächst, sich der Scharia unterzuordnen, obwohl diese in direktem Widerspruch zum säkularen Staatsgesetz steht. In Regionen, die unter der Kontrolle islamistischer Gruppen stehen, werden Kirchen abgerissen und es wird jeder überwacht, der im Verdacht steht, Christ zu sein. Christen sind der Gefahr von Entführung, Vergewaltigung, Zwangsheirat und Mord ausgesetzt.

Leben im Staat

Mali ist offiziell ein säkularer Staat, der die Religionsfreiheit respektiert. Die islamisch-extremistischen Kämpfer im Norden lehnen jedoch dieses Konzept und die damit verbundene Freiheit ab. Da es nahezu keine politische und soziale Interessensvertretung für Christen in der Gesellschaft gibt, werden sie häufig unter Druck gesetzt, zum Islam zu konvertieren. Dieser Druck ist vor allem in der malischen Armee, den Sicherheitsbehörden sowie im Gesundheits- und Bankensektor zu spüren. In Mali zu reisen ist als Christ, insbesondere als Missionar, extrem gefährlich geworden, nachdem sich in den letzten Jahren mehrfach Entführungen und Morde ereignet haben.

Kirchliches Leben

Christen, die versuchten, in den Norden zurückzukehren und beschädigte Kirchen zu reparieren, wurden schikaniert und angegriffen. Außerdem wurden christliche Binnengeflüchtete unter Androhung von Gewalt daran gehindert, Behelfskirchen zu bauen. Oft wird der Kontakt zu westlichen Nichtregierungsorganisationen, UN-Friedenstruppen oder verbündeten ausländischen Streitkräften von islamistischen Gruppen als „Evangelisierung“ ausgelegt. Unter diesem Vorwand greifen Ortsvorsteher und aufständische Gruppen wehrlose christliche Bevölkerungsgruppen oder deren Eigentum an.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Oktober 2020 töteten Entführer der militanten islamistischen Gruppe „Dschamaat Nusrat al-Islam wal-Muslimin“ die Schweizer Geisel Béatrice Stöckli, eine christliche Missionarin, die seit 2016 gefangen gehalten worden war.
  • Im Oktober 2021 wurde eine katholische Nonne aus Kolumbien, Schwester Gloria Cecilia Argoti, freigelassen. Sie war am 7. Februar 2017 in Karangasso, in der Nähe von Koutiala, entführt worden.
  • In Gebieten, die eher von Islamisten als von der malischen Regierung kontrolliert werden, wird Christen der Zugang zu Ressourcen verwehrt. Sie bekommen keinen Zugang zu Wasser und Land, um ihre eigenen Feldfrüchte anzubauen.
  • In Zentralmali wurden zwischen November 2020 und Ende März 2021 sieben Christen von Islamisten entführt. Diejenigen, die freigelassen wurden, berichten, dass ihre Entführer sie dazu bringen wollten, ihren Glauben aufzugeben, und sie deshalb zwangen, auf Arabisch zu sprechen und islamische Gebete zu rezitieren.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

24

69,53

2021

28

67,45

2020

29

65,65

2019

24

67,55

2018

37

59,06

Malis Anstieg von drei Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2022 im Vergleich zum Vorjahr ist auf den insgesamt gestiegenen Druck zurückzuführen. Dschihadistische Gruppen sind auf dem Vormarsch und nach mehreren Putschen verschlechtert sich die allgemeine Lage im Land rapide.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Ein Wiederaufflammen der Angriffe durch islamisch-extremistische Gruppen bedroht Christinnen mit Entführung und Zwangsheirat. Das betrifft zwar nicht nur christliche Frauen, ist aber gängige Taktik islamisch-extremistischer Gruppen, um den Islam zu verbreiten, und deshalb eine weithin gefürchtete Bedrohung. Christinnen, insbesondere muslimischer Herkunft, stehen in der Gefahr, belästigt, bedroht, sexuell missbraucht, körperlich misshandelt und sogar ermordet zu werden. Alleinstehende christliche Konvertitinnen werden zwangsverheiratet, und verheiratete Konvertitinnen werden zwangsgeschieden und verlieren möglicherweise ihre Kinder. Die Vertreibung aus dem Elternhaus bedeutet für eine Christin eine erhöhte Schutzlosigkeit, weil sie damit den Rückhalt und die Hilfe ihrer Familie verliert. Im Allgemeinen müssen Frauen sich an die islamische Kleiderordnung halten.

Männer: Während die Angriffe islamisch-extremistischer Gruppen in ganz Mali unvermindert andauern, sind vor allem christliche Männer aufgrund ihres Glaubens Morddrohungen und gewalttätigen, körperlichen Angriffen ausgesetzt. Für Männer in ländlichen oder abgelegenen Gebieten besteht die Gefahr, dass sie von gewalttätigen Gruppen, häufig Dschihadisten, entführt, getötet und zwangsrekrutiert werden. Mit gezielten Angriffen auf Häuser und Geschäfte von Christen werden deren Familien in die Armut getrieben und die christliche Gemeinschaft geschwächt. Christen, insbesondere Konvertiten, werden durch soziale Ausgrenzung oder eingeschränkten Zugang zu Arbeit oder Bildung unter Druck gesetzt. Verheiratete Konvertiten werden unter Umständen zwangsweise von ihren Frauen geschieden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen sind auch Anhänger ethnischer Religionen eine religiöse Minderheit in Mali. Obwohl diese Glaubensrichtungen seit jeher mit dem Islam koexistierten, bedroht der Vormarsch islamischer Extremisten diese Koexistenz.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mali:

  • Bitten Sie für Stabilität und für eine Normalisierung des Lebens in Mali, was entscheidend ist für die Verdrängung der extremistischen Gruppen und die Rückkehr des Friedens.
  • Beten Sie für vertriebene Christen aus nördlichen Teilen Malis, die versuchen, ihr Leben in einer neuen Umgebung von vorne zu beginnen, nachdem sie alles verloren haben. Bitten Sie Jesus Christus darum, sie zu trösten und ihnen durch andere Christen praktische Hilfe zuteilwerden zu lassen.
  • Beten Sie für die islamischen Extremisten, die sich gegen die Christen in Mali wenden. Beten Sie, dass Gott ihre Herzen erweicht und sie die Herrlichkeit seines Evangeliums und seiner Gnade wahrnehmen.
  • Beten Sie für die malischen Christen, die erschöpft sind von einem Leben unter ständiger Bedrohung, Diskriminierung und Verfolgung. Beten Sie, dass der Heilige Geist sie stärkt, leitet und ihren Glauben neu entfacht.
  • Beten Sie um Weisheit, Kraft und Gottes Leitung für die lokalen Partner von Open Doors, die Christen aufsuchen und diejenigen betreuen, die Hilfe, Trauma-Seelsorge, Bibeln und Schulungen zum Umgang mit Verfolgung benötigen.