Länderprofil Mali

Mali

29
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Mali
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
24
ISO
ML
Karte Mali
Christen
0,46
Bevölkerung
19.69
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 9.200
Familienleben: 8.200
Gesellschaftliches Leben: 12.800
Leben im Staat: 10.000
Kirchliches Leben: 11.700
Auftreten von Gewalt: 13.700

Länderprofil Mali

Kurze Zusammenfassung

Im Jahr 2012 brachten islamisch-extremistische Gruppen weite Teile des Nordens von Mali unter ihre Kontrolle, dabei brannten sie Kirchen nieder und zwangen Christen zur Flucht. Die Auswirkungen der Vertreibung sowie der Verlust ihrer Häuser und Kirchen beeinträchtigen die Christen noch heute. Obwohl einige Christen und Gemeinden in den Norden zurückgekehrt sind und Polizeischutz erhalten, leben sie doch mit der ständigen Bedrohung von Angriffen durch militante Islamisten. Evangelistische Aktivitäten sind im Norden besonders riskant, sie können zu Angriffen extremistischer Muslime führen. Christliche Missionare in Mali leben in ständiger Gefahr, von Dschihadisten entführt zu werden, was bereits mehrmals geschehen ist. Christen muslimischer Herkunft droht Gewalt (besonders im Norden) sowie Druck von Familie und Verwandten, wenn ihr Glaubenswechsel entdeckt wird. Im Norden ist es auch für Nichtregierungsorganisationen nicht sicher.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

Islamistische Milizen führten zahlreiche Angriffe gegen Christen aus. Hierbei ist wichtig festzuhalten, dass über die meisten Angriffe auf Christen nicht spezifisch berichtet wurde. Entweder wurde ihr Glaube nicht erwähnt, weil die ethnische Komponente der Zusammenstöße hervorgehoben wurde, oder weil Medien Konflikte bewusst als rein ethnische oder als allgemeine Sicherheitsprobleme darstellen wollten, um gezielte Angriffe auf Christen zu verschleiern.

CBN News berichtete über einen Fall vom Juni 2019: „Bewaffnete muslimische Fulani-Kämpfer fielen in ein christlich geprägtes Dorf in Sobame Da ein und töteten Männer, Frauen und Kinder.“ Es wird davon ausgegangen, dass die meisten Opfer Christen waren.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 66 Punkten belegt Mali Platz 29 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Im vergangenen Jahr belegte das westafrikanische Land mit 68 Punkten Platz 24. Der Rückgang in der Wertung ist auf einen niedrigeren Wert im Bereich Gewalt zurückzuführen. Das bedeutet jedoch nicht, dass es weniger gegen Christen gerichtete Gewalt gab. Vielmehr ist die Situation komplexer geworden und damit eine Unterscheidung zwischen eindeutig religiös motivierter Gewalt und Gewalt aufgrund ethnischer Unterschiede schwieriger.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Mali wurde, wie auch für andere westafrikanische Länder typisch, über Jahrhunderte von einem Islam zumeist gemäßigter Ausprägung dominiert und hatte ein säkulares politisches System, das religiöse Parteien verbot. Abgesehen vom nördlichen Teil des Landes, der schon immer problematisch für Christen war, genossen diese in der malischen Gesellschaft relativ große Freiheit. Auch ausländische christliche Missionare konnten in Mali arbeiten. Die Situation veränderte sich, als im April 2012 der unabhängige Staat Azawad im Norden Malis ausgerufen wurde. Die zumeist wahhabitisch geprägten Islamisten führten sehr bald im Norden das System eines islamischen Staates mit strenger Durchsetzung der Scharia ein. Die meisten Christen flohen aus dem Gebiet, bevor es von den Islamisten eingenommen wurde. Während der Besetzung zerstörten diese Kirchen und andere Gebäude von Christen. Auch die Kirche im Süden Malis war von der zunehmenden Präsenz verschiedener wahhabitischer Gruppierungen betroffen. Obwohl Rebellen und die Regierung einen Friedensvertrag unterzeichnet haben und auch internationale Friedenstruppen vor Ort sind, hat der Druck auf Christen aufgrund der islamischen Radikalisierung der malischen Bevölkerung zugenommen; es kam zu gewaltsamen Angriffen auf Kirchen und Christen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Das Land befindet sich in der Sahelzone Westafrikas, wo eine große Wüste und Trockengebiete die Kontrolle der Region erschweren. Kriminelle Banden nutzen dies als Gelegenheit, ihre Aktivitäten auszuweiten und Drogen nach Westeuropa zu transportieren. Die meisten kriminellen Organisationen sind Bündnisse mit islamisch-extremistischen Gruppen eingegangen und verfolgen Christen. Auch die ehemaligen Rebellentruppen der Tuareg haben sich zu kriminellen Gruppen entwickelt.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Der Großteil der malischen Bevölkerung folgt zwar dem Islam, jedoch werden verschiedene Formen von Zauberei mit dem Islam vermischt. Die wahhabitische Bewegung versucht, den Islam von solchen traditionellen Praktiken zu „reinigen“. Auch bei malischen Christen ist die Vermischung dieser Stammesbräuche mit ihrem Glauben verbreitet. Die meisten Stammes- oder ethnischen Anführer in den abgelegenen Teilen des Landes stehen Muslimen und Christen, die solche Praktiken ablehnen, feindselig gegenüber. Aus diesem Grund hat es bereits Zusammenstöße zwischen Stammesführern und Christen gegeben.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Am stärksten wird die „Islamische Unterdrückung“ von militanten islamistischen Gruppen wie „Al Kaida im Maghreb“ (AQIM) vorangetrieben. Sie sind vor allem im nördlichen Teil des Landes aktiv, aber auch in südlichen Regionen für Angriffe und Entführungen verantwortlich. Auch Teile der Bevölkerung wurden von den extremistischen und intoleranten Lehren des Wahhabismus beeinflusst und treiben die Verfolgung von Christen voran, insbesondere wenn diese einen muslimischen Hintergrund haben.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: In manchen Gegenden, in denen Dschihadisten aktiv sind, verbreiten auch muslimische religiöse Lehrer extremistische Meinungen. Diese religiösen Leiter geben Dschihadisten eine Plattform für eine starke Präsenz in der Gesellschaft.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Islamische Unterdrückung ist in Mali auch ethnisch motiviert. So zählen die Stammesführer der Tuareg und Fulani sowie „arabische“ Anführer zu den Verfolgern. Araber und Fulani stellen sich gegen jede Ausbreitung des christlichen Glaubens in Mali. Ein Experte für das Land sagt dazu: „Einheimische ethnische Gruppen mit christlichen Minderheiten beklagen Verfolgung durch Fulani- und Tuareg-Hirten. Sie legen ihnen zur Last, ihre Höfe und Lebensgrundlagen zu zerstören, ihre Lebensmittelgeschäfte zu plündern sowie Menschen zu verstümmeln, zu töten und ihre Häuser niederzubrennen.“
  • Bürger aus der Gesellschaft: Die Gesellschaft hat kein positives Bild von Christen. Dies gilt besonders für Christen muslimischer Herkunft.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Dies ist von Familie zu Familie unterschiedlich. Es kommt jedoch häufig vor, dass entfernte Verwandte andere Familienangehörige verfolgen, wenn sie den christlichen Glauben annehmen (oder den Islam in anderer Form verlassen).

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Es gibt mehrere in Mali aktive kriminelle Organisationen. Die geografischen Gegebenheiten des Landes mit der weitläufigen Wüste und den Trockengebieten haben die Ausbreitung dieser Organisationen begünstigt. Sie sind mit extremistischen Gruppierungen wie AQIM verbündet und verfolgen Christen. Korrupte Regierungsbeamte tragen ebenfalls zur Verfolgung bei, indem sie Angriffe auf Christen ignorieren.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Militante islamistische Gruppen wie AQIM sind vor allem im Norden des Landes aktiv. Diese Dschihadisten haben kriminelle Netzwerke aufgebaut oder sich bestehenden angeschlossen. Mittels dieser Netzwerke können sie Waffen kaufen, Entführungen durchführen und sich der Strafverfolgung entziehen.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Die meisten Anführer ethnischer Gruppen, wie etwa die Stammesführer der Tuareg, sind an der Verfolgung von Christen beteiligt. Auch Anführer von traditionell animistischen Stämmen im Süden sind Christen gegenüber feindselig eingestellt und versuchen, eine Ausbreitung des christlichen Glaubens zu verhindern. Sie haben vor allem jene Gruppen im Visier, die traditionelle afrikanische Glaubensvorstellungen aus dem christlichen Glauben entfernen wollen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Brennpunkte der Verfolgung befinden sich im Norden und Nordosten des Landes, in denen Dschihadisten und Fulani-Hirten aktiv sind. Auch im Süden gibt es stellenweise kleine Gebiete mit starker Verfolgung.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Die knapp 5 % Christen in der malischen Bevölkerung gehören größtenteils traditionellen Kirchen an. Dazu gehören römisch-katholische und zahlreiche verschiedene protestantische Kirchen. Christen in den südlichen Landesteilen erfreuen sich, verglichen mit dem Norden, einer relativen Glaubensfreiheit. Die Schwere und Intensität der Bedrohung durch Angriffe auf Christen ist im Norden wesentlich höher, doch auch im Süden sind Christen der Gefahr durch Angriffe und Entführungen ausgesetzt.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Vor allem unter den Volksgruppen der Bozo und Dogon gibt es Christen mit muslimischem Hintergrund, doch auch in anderen Teilen des Landes leben christliche Konvertiten. Zusätzlich zur Gefahr, die von islamistischen Kämpfern ausgeht und alle Christen im Land betrifft, werden sie durch ihre Familien, Verwandten und Nachbarn unterschiedlich stark unter Druck gesetzt, ihrem christlichen Glauben abzuschwören.

Christen aus protestantischen Freikirchen

In Mali gibt es überwiegend im Süden eine kleine Anzahl charismatischer und pfingstlicher Gemeinden. Wegen ihrer Art, Gottesdienst zu feiern, und ihrem größeren Engagement in Evangelisation ziehen diese Gemeinschaften eher den Zorn und die Feindseligkeit der Gesellschaft auf sich.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 9.2
Familienleben 8.2
Gesellschaftliches Leben 12.8
Leben im Staat 10
Kirchliches Leben 11.7
Auftreten von Gewalt 13.7

Grafik: Verfolgungsmuster Mali

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen in Mali hat ein hohes Ausmaß und weist mit 10,4 Punkten den gleichen Wert auf wie im vergangenen Jahr.
  • Alle Lebensbereiche weisen ein hohes oder sehr hohes Ausmaß an Druck auf. Am stärksten ist der Druck im gesellschaftlichen Leben (12,8 Punkte), gefolgt vom kirchlichen Leben und dem Leben im Staat.
  • Die Wertung für Gewalt ist von 15,4 Punkten auf 13,7 Punkte gesunken, hat aber immer noch extremes Ausmaß.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben, darunter auch der Übertritt zu einer anderen christlichen Denomination, wird stark abgelehnt, verboten oder auch bestraft: Christen muslimischer Herkunft erleben verglichen mit anderen Christen in diesem Lebensbereich die größten Herausforderungen. Familienmitglieder und soziales Umfeld üben Druck aus, den christlichen Glauben aufzugeben.
  • Es ist für Christen riskant, ihren Glauben privat zu leben (z. B. Gebet, Bibellesen, etc.): Christen im Norden des Landes haben große Schwierigkeiten, ihren Glauben überhaupt – sei es privat oder öffentlich – zu praktizieren. Aufgrund des engen Zusammenlebens in einem Haushalt wird jede Abweichung von islamischen Riten leicht entdeckt und führt zu Verfolgung.
  • Es ist gefährlich für Christen, ihren persönlichen Glauben in schriftlicher Form mitzuteilen, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Im Norden Malis werden auch Christen, die keinen muslimischen Hintergrund haben, in ihrem täglichen Leben stark behindert. Sie sind zunehmend der Gefahr von Angriffen ausgesetzt, selbst wenn sie ihren Glauben nur auf privater Ebene mitteilen. Ein Experte für das Land berichtet, dass der Hass auf Christen besonders in Dobara und Bodwall zunimmt, wo es im September 2018 zu Angriffen auf katholische Kirchen kam.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Im Norden des Landes ist das sehr riskant. Im Süden wurde Christen Land für den Bau neuer Kirchengebäude verwehrt sowie Genehmigungen verweigert, um Gebäude für Gottesdienste zu mieten. In Gegenden, in denen Christen offen Bilder und Symbole wie Kreuze oder Statuen zeigen, tritt dies stärker auf.

Familienleben

  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens daran gehindert, eine christliche Hochzeit zu feiern: Dabei stehen nicht Verbote, sondern Sicherheitsbedenken im Vordergrund. Im Norden würde so eine Feier die Aufmerksamkeit von Dschihadisten auf sich ziehen.
  • Wegen des christlichen Glaubens ihrer Eltern werden Kinder diskriminiert oder schikaniert: Im Kontext der anhaltenden Krise im Land stehen Christen an Schulen, öffentlichen Orten und bei gesellschaftlichen Treffen im Visier. Kinder von Christen müssen dabei häufig die Hauptlast der Belästigungen und des Mobbings tragen: Besonders im Norden wird Kindern das Gefühl gegeben, Bürger zweiter Klasse zu sein und sie werden häufig als „Ungläubige“ bezeichnet.
  • Kinder christlicher Eltern werden dazu gedrängt, an christenfeindlichem Unterricht oder dem allgemeinen Religionsunterricht teilzunehmen: Lehrer wurden eingeschüchtert und Kinder dazu gezwungen, am Koranunterricht teilzunehmen. Ein Experte für das Land berichtet: „In vielen Teilen Malis versuchen die islamistischen Kämpfer durchzusetzen, dass an Schulen nicht mehr auf Französisch gelehrt wird, sondern auf Arabisch. Sie verlangen, dass diese Schulen, von denen viele von christlichen Organisationen geführt werden, in islamische Schulen umgewandelt werden.“
  • Ehepartner von Christen muslimischer Herkunft werden (mit und ohne Erfolg) unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen: Muslimische Familien tolerieren den Glaubenswechsel eines Familienmitglieds nicht, auch nicht bei angeheirateten Partnern. Gemäß ihrem Verständnis von Familienehre könnte die Hinwendung eines Familienmitglieds zum christlichen Glauben zur Ausgrenzung der gesamten Großfamilie aus der Gemeinschaft führen. Besonders im Norden des Landes werden Angehörige der Großfamilie einen Christen muslimischer Herkunft sehr wahrscheinlich unter Druck setzen, seinen Glauben wieder aufzugeben.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden im Alltag wegen ihres Glaubens belästigt, bedroht oder behindert (weil sie den religiösen Vorschriften für Kleidung oder Bärte nicht folgen): Dies tritt von Region zu Region unterschiedlich stark auf. Im Norden ist es am schlimmsten, doch auch in den zentralen Teilen Malis nehmen die Belästigungen zu. Die Regierung hat zwar religiöse Propaganda verboten, doch im Radio und bei Predigten in Moscheen nimmt der Widerstand gegen christliche Gebräuche und den christlichen Glauben immer extremistischere Züge an. Kommunen in den zentralen Regionen Malis werden unter Druck gesetzt, die Scharia einzuführen, obwohl das dem Gesetz widerspricht. Auch wenn Christen an Orten wie der Hauptstadt Bamako mehr Freiheiten haben, berichten auch sie von Diskriminierung.
  • Christen werden durch ihr gesellschaftliches Umfeld oder private Gruppen überwacht. Dazu gehören Anzeigen bei der Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonaten, das Lesen und die Zensur von E-Mails: In einigen Gegenden (besonders im Norden) überwachen islamische Gruppen Kirchengemeinden und auch einzelne Christen. Bürger und Anführer dieser Gruppen wollen erfahren, wo christliche Gemeinschaften planen, neue Kirchen, Schulen und Krankenhäuser zu bauen. Außerdem wollen sie in Erfahrung bringen, wer den Glauben gewechselt (den Islam verlassen) hat.
  • Christen stehen in Gefahr, entführt und zwangsverheiratet zu werden: In den vergangenen Jahren wurden mehrere Christen für Lösegeld entführt. Von einigen wird angenommen, dass sie sich immer noch in Gefangenschaft befinden. Wegen der zunehmenden Ausbreitung des extremistischen Islam und mangelnder Sicherheit wird in vielen Gebieten eine hohe Anzahl an christlichen Mädchen mit muslimischen Männern zwangsverheiratet.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Ein Experte für das Land berichtet: „Christen in Mali werden ständig bedroht, sie sollten ihren Glauben aufgeben. Dazu wird im ganzen Land das Narrativ gepflegt, Christen würden der falschen Religion angehören. Ihr Leben ist schwer, da sie weder Toleranz noch Achtung und Rücksicht auf ihre christlichen Überzeugungen erleben. Die Regierung ist grundsätzlich dem Islam zugeneigt.“

Leben im Staat

  • Christen werden durch das Gesetz oder in der Praxis dazu gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, beispielsweise durch den Militärdienst oder im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit: Christen werden häufig dazu gedrängt, zum Islam zu konvertieren oder im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit gegen ihr Gewissen zu handeln. Dieser Druck herrscht besonders in der malischen Armee und in anderen Sicherheitsdiensten sowie im öffentlichen Gesundheitswesen, im Bankensektor und einigen anderen Dienstleistungsbereichen.
  • Christen werden aufgrund ihres Glaubens in der Bewegungs- und Reisefreiheit eingeschränkt: Dies ist eine der größten Herausforderungen für Christen im Land. Sie werden nicht durch das Gesetz am Reisen gehindert, sondern durch die Gefahr, die von islamistischen Gruppen ausgeht. Besonders Missionare müssen enorm vorsichtig sein, wenn sie in den Norden Malis reisen. So wurden im Mai 2018 mindestens 17 Christen – darunter auch ältere Menschen – durch Kämpfer getötet, die dem „Islamischen Staat“ (IS) nahestehen. Die Christen aus Tindinbawen und Taylalene in der Region Ménaka wurden bei lebendigem Leib in ihren Häusern verbrannt, während sie sich für eine Reise vorbereiteten.
  • Christen werden in der öffentlichen Meinungsäußerung eingeschränkt: Im Kontext der andauernden Konflikte erfahren Christen schwere Vergeltungsschläge, wenn sie sich öffentlich zu islamistischen Aktivitäten und den Gräueltaten der Milizen äußern.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden aufgrund ihrer christlichen Überzeugungen in ihrer Arbeit behindert oder verboten: Es gibt in Mali keine politische Partei, die auf der Basis des christlichen Glaubens gegründet wurde. Die wenigen christlichen Nichtregierungsorganisationen, die es gibt, werden genauestens überwacht, da sie verdächtigt werden, aktiv den Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben zu fördern. Eine christliche Gruppe unter ständiger Beobachtung ist die „Christian Evangelical Church“ in Niamakoro, einem Vorort von Bamako, wo Muslime von Medikamenten und Behandlungen durch medizinisches Personal verschiedener US-Kirchen profitiert haben.

Christen im Norden des Landes fühlen sich durch den anhaltenden Einfluss islamistischer Gruppen bedroht und zeigen christliche Symbole aus Furcht nicht öffentlich. Regierungsbeamte sympathisieren im Norden stellenweise mit dem extremistischen Islam und gehen nicht gegen Täter vor, die zur Gewalt gegen Christen anstacheln. Dabei sind Christen muslimischer Herkunft am stärksten betroffen und werden von den Behörden ungerecht behandelt, obwohl es laut Gesetz Muslimen nicht verboten ist, den Glauben zu wechseln.

Kirchliches Leben

  • Kirchliche Aktivitäten werden überwacht, behindert, gestört oder blockiert: Im Norden werden Christen und Kirchen von islamistischen Gruppen überwacht und westliche Nichtregierungsorganisationen und selbst UN-Friedenswächter werden der „Missionierung“ beschuldigt, weil Kontakt mit der westlichen Kultur mit der Verbreitung des christlichen Glaubens gleichgesetzt wird. Im Rest des Landes benötigen Kirchen die Erlaubnis der Regierung, um Aktivitäten im Freien, wie evangelistische Veranstaltungen, durchzuführen. In vielen Gegenden ist dies jedoch möglich und es kann beispielsweise der Jesus-Film gezeigt werden.
  • Christliche Gemeinschaften werden daran gehindert, Kirchen zu bauen oder zu renovieren oder ihre historischen Versammlungs- und Kultstätten zurückzufordern, die ihnen früher genommen worden sind: Christen im Norden haben große Probleme, wenn sie Kirchen bauen oder reparieren wollen. Im Mai 2018 etwa wurde eine Gruppe christlicher Flüchtlinge aus dem Niger angegriffen, als sie eine provisorische Kirche in einem Flüchtlingscamp nahe der Grenze zum Niger errichten wollten.
  • Organisation christlicher Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden ist eingeschränkt: In Teilen des Landes, in denen es gefährlich ist, sich als Christ zu bekennen oder zu evangelisieren, können aufgrund fehlender Sicherheit keine Veranstaltungen im Freien durchgeführt werden.
  • Christliche Predigten, Publikationen und/oder christlicher Unterricht werden überwacht: Islamistische Gruppen überwachen häufig christliches Lehrmaterial und Lehrinhalte. So besuchen Kämpfer der Milizen Schulen und schüchtern Lehrer ein, sie sollten nichts lehren, was mit dem christlichen Glauben oder Säkularismus zu tun habe. Auch die Regierung ist bestrebt, jede angebliche „Hassrede“ aus Schulen und Kirchen zu verbannen.

Das Kirchenleben im südlichen Teil des Landes ist stabiler, die muslimische Gemeinschaft ist Christen gegenüber toleranter eingestellt. Da jedoch in jüngster Zeit wahhabitische Lehren auch Muslime im Süden erreichen, nimmt die Toleranz ab. Im Norden dagegen ist die Teilnahme am kirchlichen Leben gefährlich, da verschiedene islamisch-extremistische Gruppierungen den Alltag der Gesellschaft kontrollieren. Die meisten Christen im Norden feiern keine öffentlichen Gottesdienste.

Auftreten von Gewalt

  • Islamistische Kämpfer greifen weiterhin Sicherheitskräfte und Christen im Land an. Christliche Dörfer wurden angegriffen und zerstört. Dabei waren die Angriffe manchmal sowohl religiös als auch ethnisch motiviert.
  • Laut einem Experten für das Land „wurden mit den zunehmenden Angriffen in Mopti und anderen Regionen Kirchen und von Kirchen betriebene Schulen niedergebrannt. Hunderte Schulen, einschließlich christlich geführter, mussten 2019 geschlossen werden.“
  • Mindestens zehn Häuser und vier Geschäfte von Christen wurden zerstört. Unbestätigte Berichte geben deutlich höhere Zahlen an.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Erzwungene Einhaltung von Kleidungsvorschriften
  • Körperliche Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Christen muslimischer Herkunft sind in Mali die verletzlichste Gruppe Christen. Unter ihnen wiederum sind Christinnen besonders gefährdet durch sexuellen Missbrauch, Zwangsscheidungen und – fast schon systematisch – Zwangsehen. Dies gilt besonders für den Norden. Obwohl die nationale Gesetzgebung Mädchen und Frauen im Allgemeinen schützt, sind sie aufgrund traditioneller und kultureller Praktiken sowie geschlechtsspezifischer Normen besonders gefährdet.

Christliche Mädchen zu entführen und zur Ehe mit einem Muslim zu zwingen, ist eine von islamischen Milizen häufig angewandte Taktik zur Verbreitung des Islam. Christliche Frauen leben in einem Umfeld geprägt von islamischer Kultur und erzwungenen Kleidervorschriften. Sie erfahren gesellschaftliche Ablehnung und wenn sie verfolgt werden, erleben ihre Kinder die Auswirkungen der Verfolgung. Wenn Eltern voneinander getrennt werden, der Vater getötet wird oder der Lebensunterhalt verloren geht, sehen manche christliche Mädchen die Prostitution als einzige Möglichkeit des Überlebens. Auch Witwen sind diesbezüglich sehr gefährdet.

Aufgrund dieser Situation sind einige Christinnen traumatisiert und verlieren jedes Vertrauen in den Schutz durch die Behörden. Auch ihr Glaube kann dabei Schaden nehmen.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung von Erbschaft und Besitz
  • Diskriminierung/Schikane im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs- und Geschäftsleben sowie beim Zugang zum Arbeitsmarkt
  • Zwangsscheidung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst oder durch Milizen
  • Gewalt – Ermordung
  • Körperliche Gewalt

Christliche Männer und Jungen in Mali sind aufgrund ihres Glaubens vor allem Gewalt und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Gezielte Angriffe auf die Häuser und Geschäfte von Christen sollen ihre Familien in die Armut treiben, sie Hunger und anderen Nöten aussetzen. Diese fatale Situation für Christen wird noch verstärkt durch die Verweigerung von Erbrechten, gesellschaftlichen Ausschluss oder die Verhinderung von Zugang zu verantwortungsvollen Positionen oder Stipendien.

Die weitverbreitete und vorherrschende Armut in einem der ärmsten Länder Afrikas kann viele Menschen, besonders Männer und Jungen, der Zwangsrekrutierung islamisch-extremistischer Gruppen schutzlos ausliefern. Wer in ländlichen und entlegenen Gebieten lebt, ist besonders gefährdet für die Zwangsrekrutierung durch gewalttätige Gruppen.

Im Norden des Landes sind junge christliche Männer oft Opfer von Entführung, Zwangsbekehrung sowie von Zwangsrekrutierung durch Milizen. Dies hat eine zerstörerische Auswirkung auf ihre Familien und christlichen Freunde; Traumata sind häufig die Folge. Um sie zu beschützen, werden einige von ihren Eltern getrennt und in sicherere Gegenden gebracht – was jedoch wiederum andere Herausforderungen mit sich bringt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen sind auch Anhänger einheimischer traditioneller Religionen religiöse Minderheiten in Mali. Auch wenn diese Glaubensvorstellungen historisch neben dem Islam existiert haben, wurden Animisten mit dem Aufstieg eines militanteren und intoleranteren Islam im Norden des Landes zum Ziel gewalttätiger Angriffe. Mit dem Aufstieg militanter Islamisten in der Sahelregion ist keine andere religiöse Gruppe außerhalb ihrer Interpretation des Islam sicher vor Verfolgung.

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Christen in Mali leiden unter dem Chaos und der Instabilität im Land, die von gewalttätigen islamistischen Gruppen hervorgerufen werden. Islamistische Milizen wollen jegliche christliche Präsenz im nördlichen Teil Malis auslöschen. Die Wiederherstellung von Recht und Gesetz sowie Autorität der Regierungsbehörden im Norden sind Voraussetzung für die Verbesserung der Lage der Christen.

Im Berichtszeitraum für den Weltverfolgungsindex 2020 intensivierten die Dschihadisten ihre Angriffe noch einmal und machten das Land unsicher für Christen – sogar in Bamako. Auch die Gewalt auf kommunaler Ebene nahm zu. Internationale Friedenstruppen kämpfen darum, die Gewalt einzudämmen, doch es gibt keine Anzeichen dafür, dass sie die Situation schnell unter Kontrolle bekommen werden. Die Präsenz internationaler Soldaten wird von den islamistischen Milizen zur Rechtfertigung für eigene Rekrutierung genutzt. Nach derzeitigem Stand wird Islamische Unterdrückung Christen im Land und in der Region weiterhin und noch auf Jahre hinaus beeinträchtigen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Ethnische Zugehörigkeit, Religion und Politik greifen bisweilen ineinander. Dschihadisten und religiöse Leiter nutzen sowohl Volkszugehörigkeit als auch Religion (Islam), um ihre Unterstützer zu beeinflussen und zu kontrollieren. Aufgrund ethnischer Konflikte gibt es auch auf kommunaler Ebene gegen Christen gerichtete Gewalt. Diese Situation wird wahrscheinlich andauern.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Islamistische Milizen im Land sichern ihr Überleben durch kriminelle Netzwerke und Entführungen mit Lösegeldforderungen, durch die sie Einkommen generieren. Es gibt zudem Berichte, dass islamistische Kämpfer am Drogenschmuggel beteiligt sind und Verbindungen zu Kartellen in Lateinamerika besitzen. Aufgrund fehlender Rechtstaatlichkeit wird sich diese Situation höchstwahrscheinlich nicht ändern.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mali:

  • Danken Sie dem Herrn, dass es in Mali Christen gibt. Danken Sie ihm, dass die Regierung Religionsfreiheit gewährt und nicht versucht, sie einzuschränken.
  • Die Instabilität in Mali setzt sich fort und beeinträchtigt die gesamte Region. Beten Sie, dass Frieden im Land wiederhergestellt wird. Bitten Sie um Weisheit für die Regierung und hohes Verantwortungsbewusstsein der internationalen Gemeinschaft in ihrer Zusammenarbeit zur Wiederherstellung von Frieden.
  • Christen sind von Islamischer Unterdrückung betroffen. Evangelistische Aktionen sind im Norden besonders riskant und können zu Angriffen extremistischer Muslime führen. Christliche Missionare in Mali leben in ständiger Gefahr, entführt zu werden; einige von ihnen wurden bereits von Dschihadisten entführt. Beten Sie für Gnade und Mut für die Kirche in Mali.
  • In Partnerschaft mit lokalen Kirchen unterstützt Open Doors verfolgte Christen in Mali durch die Bereitstellung von Bibeln, durch Schulungen für Pastoren und Christen in verschiedenen Bereichen des christlichen Lebens und Dienstes sowie durch Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte. Bitten Sie um Gottes Weisheit und Schutz für die Mitarbeiter.

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