Länderprofil Mali

Mali

24
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Mali
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
37
ISO
ML
Karte Mali
Christen
0,43
Bevölkerung
19.11
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 11.400
Familienleben: 10.100
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 9.200
Kirchliches Leben: 9.900
Auftreten von Gewalt: 15.400

Länderprofil Mali

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 24 / 68 Punkte (WVI 2018: Platz 37 / 59 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Im April 2012 etablierten wahhabitische Kämpfer ein islamisches Staatssystem mit strenger Durchsetzung der Scharia im Norden des Landes. Die meisten Christen flohen, doch sind auch Kirchen im südlichen Teil Malis von der verstärkten Sichtbarkeit verschiedener wahhabitischer Gruppen betroffen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Obwohl die Menschen in Mali traditionell einer eher gemäßigten Form des Islam folgen, hat in den letzten Jahren besonders im Norden des Landes eine Version des gewaltbereiten und intoleranten Islam an Einfluss gewonnen. Das hat zu einer intensiven Verfolgung von Christen geführt. Militante islamistische Gruppen nahmen 2012 mit Unterstützung von Al Kaida nahestehenden, ausländischen Dschihadisten weite Teile des Nordens ein. Obwohl diese Gruppen aus den meisten Gebieten wieder verdrängt wurden, ist ihr Einfluss noch immer zu spüren. Zum einen haben sie die dort lebende muslimische Bevölkerung radikalisiert, zum anderen stellt ihr fortwährender Aufstand eine Bedrohung für die Christen im Land dar.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Als islamisch-extremistische Gruppen 2012 weite Teile des Nordens Malis unter ihre Kontrolle brachten, brannten sie Kirchen nieder und zwangen Christen zur Flucht. Die Auswirkungen der Vertreibung sowie der Verlust ihrer Häuser und Kirchen beeinträchtigen die Christen noch heute. Obwohl einige Christen und Gemeinden in den Norden zurückgekehrt sind und Polizeischutz erhalten, leben sie doch mit der ständigen Bedrohung von Angriffen durch militante Islamisten. Evangelistische Aktionen im Norden sind besonders riskant und können Angriffe extremistischer Muslime auslösen. Christliche Missionare in Mali leben ebenfalls in ständiger Gefahr, Opfer von Geiselnahmen zu werden; einige von ihnen wurden bereits durch Dschihadisten entführt. Christen mit muslimischem Hintergrund droht Gewalt (besonders im Norden) und Druck durch die Familie und Verwandte, wenn ihr Glaubenswechsel entdeckt wird.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Christen stehen in der Gefahr, entführt zu werden. Ein amerikanischer Missionar, der im Oktober 2016 entführt wurde, war während des gesamten Berichtszeitraums immer noch in der Gewalt militanter Islamisten. Eine kolumbianische Nonne wurde im Februar 2017 aus einem Gesundheitszentrum in Karangasso entführt und ebenfalls bisher nicht wieder freigelassen.
  • Christen in Mali leben unter der konstanten Gefahr, die von islamistischen Milizen ausgeht, welche auch die Friedenstruppen der UN beziehungsweise aus Frankreich angreifen. Ein malischer Christ aus dem Zentrum des Landes beispielsweise versteckt sich nach Todesdrohungen einer extremistischen islamischen Gruppe im April 2017 immer noch.
  • Laut dem Generalsekretär der Bischofskonferenz Malis wurden während des Berichtszeitraums mindestens drei Kirchen des Bistums Mopti im nördlichen Teil des Landes von islamistischen Milizen angegriffen. Die Kämpfer hielten die Christen davon ab, sich zum Gottesdienst zu versammeln und zerstörten Mobiliar, Bilder, Kreuze und Statuen. Im Dorf Dobara wurden selbige auf dem Grundstück der Kirche verbrannt. In Bodwal wurden Christen von bewaffneten Männern aus der Kirche vertrieben und bedroht, sie würden getötet, beteten sie erneut in der Kirche.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 68 Punkten belegt Mali Platz 24 auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Im vergangenen Jahr hatte Mali 59 Punkte. Der Punktezuwachs liegt hauptsächlich an einer gestiegenen Anzahl von gewalttätigen Vorfällen gegen Christen. Die meisten von ihnen wurden in den Massenmedien nicht berichtet. Dazu kommt ein steigender Druck auf Christen, selbst in der Hauptstadt Bamako.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Mali war lange Zeit ein typisch westafrikanisches Land, das vom Islam in einer zumeist gemäßigten Form dominiert wurde, und einem säkularen politischen System folgte, das religiöse Parteien verbot. Abgesehen vom nördlichen Teil des Landes, der schon immer problematisch für Christen war, genossen diese in der malischen Gesellschaft immer eine recht große Freiheit. Auch ausländische christliche Missionare konnten in Mali arbeiten. Die Situation veränderte sich, als im April 2012 der unabhängige Staat Azawad im Norden Malis ausgerufen wurde. Die Islamisten, die größtenteils Wahhabiten sind, führten sehr bald im Norden das System eines islamischen Staates mit strenger Durchsetzung der Scharia ein. Die meisten Christen flohen aus dem Gebiet, bevor es von den Islamisten eingenommen wurde. Während der Besetzung zerstörten diese Kirchen und andere Gebäude von Christen. Die Kirche im Süden Malis wurde ebenfalls negativ durch die stärker werdende Präsenz verschiedener wahhabitischer Gruppierungen beeinflusst. Obwohl Rebellen und Regierung einen Friedensvertrag unterzeichnet haben und auch internationale Friedenstruppen vor Ort sind, wird die Tendenz zur islamischen Radikalisierung in der malischen Bevölkerung wahrscheinlich anhalten – das erhöht den Druck auf die Christen, führt aber auch zu gewaltsamen Angriffen auf Kirchen und Christen.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Das Land befindet sich in der Sahelzone Westafrikas, wo es eine weitläufige Wüste und Trockengebiete schwer machen, das Gebiet zu kontrollieren. Kriminelle Banden nutzen dies als Gelegenheit, ihre Aktivitäten auszuweiten und Drogen nach Westeuropa zu transportieren. Die meisten kriminellen Organisationen sind Bündnisse mit extremistischen islamischen Gruppen eingegangen und verfolgen Christen. Auch die ehemaligen Rebellentruppen der Tuareg haben sich zu kriminellen Gruppen entwickelt.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Obwohl der Großteil der malischen Bevölkerung muslimisch ist, ist ihr islamischer Glaube häufig mit verschiedenen Formen von Zauberei vermischt. Die wahhabitische Bewegung versucht, den Islam von solchen traditionellen Praktiken zu „reinigen“. Auch viele malische Christen vermischen diese Praktiken mit ihrem christlichen Glauben. Die meisten Stammes- oder ethnischen Anführer in den abgelegenen Teilen des Landes stehen den Muslimen und Christen feindselig gegenüber, die solche Praktiken ablehnen. Aus diesem Grund hat es in einigen Fällen Zusammenstöße zwischen Stammesführern und Christen gegeben.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die stärksten durch die Triebkraft Islamische Unterdrückung motivierten Verfolger in Mali sind militante islamistische Gruppen wie „Al Kaida im Maghreb“ (AQIM), die vor allem im nördlichen Teil des Landes aktiv sind, aber auch in den südlichen Regionen für Angriffe und Entführungen verantwortlich sind. Teile der Bevölkerung wurden von den extremistischen und intoleranten Lehren des Wahhabismus beeinflusst und sind daher auch zu Verfolgern geworden. Dies betrifft vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund. Allgemein ausgedrückt sind extremistisch-islamische Bewegungen und Lehrer die stärksten Verfolger in Mali, und aufgrund ihrer Bündnisse mit solchen Bewegungen können auch die Rebellen, die im Norden tätig sind, als Verfolger bezeichnet werden.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Es gibt mehrere kriminelle Organisationen, die in Mali aktiv sind. Die geografischen Gegebenheiten des Landes mit der weitläufigen Wüste und den Trockenzonen haben die Ausbreitung dieser Organisationen begünstigt. Diese kriminellen Organisationen sind mit extremistischen Gruppierungen wie AQIM verbündet und verfolgen Christen. Korrupte Regierungsbeamte tragen ebenfalls zur Verfolgung bei, indem sie Angriffe auf Christen ignorieren.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Die meisten Anführer ethnischer Gruppen, wie die Stammesführer der Tuareg, sind an der Verfolgung von Christen beteiligt. Auch Anführer von traditionell animistischen Stämmen im Süden sind dem christlichen Glauben gegenüber feindselig eingestellt und versuchen, eine Ausbreitung dieses Glaubens zu verhindern. Sie haben vor allem christliche Gruppen im Visier, die versuchen, den christlichen Glauben klar von traditionellen afrikanischen Glaubensvorstellungen zu trennen.

4. Hintergrund

Mali ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt, es hat jedoch auch reiche Vorkommen an Gold und Mineralien. Das Land ist stark auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen, beispielsweise von der Weltbank und weiteren internationalen Geldgebern. Frankreich ist der wichtigste Wirtschaftspartner des Landes.

Nach der islamistischen Machtübernahme im Norden Malis im April 2012 und den folgenden, Anfang 2013 von Frankreich angeführten, Anstrengungen, die Souveränität der Regierung über das gesamte Land wiederherzustellen, ist die Situation der bürgerlichen Freiheiten und politischen Rechte weder im Norden noch im Süden des Landes wieder auf dem Stand wie vor 2012. Die Behörden Malis unterzeichneten am 18. Juni 2013 einen Vertrag mit den Tuareg-Rebellen, um die nördlich gelegene Stadt Kidal wieder der malischen Verwaltung und Armee zu unterstellen. Sie war bis dahin von Milizen der „Nationalen Bewegung für die Befreiung von Azawad“ (MNLA) kontrolliert worden. Allerdings war dies kein umfassender Friedensvertrag, der zur Beendigung der Rebellion geführt hätte. Seit Mai 2013 sind die Regionen im Norden wieder unter Kontrolle der Regierung, ausgenommen die nordöstlichste Region Kidal.

Der Konflikt zwischen der Regierung und militanten Oppositionskräften ist nicht neu. Unter ihnen stellt die MNLA die größte Bedrohung für Malis Regierung dar. Sie repräsentiert die seit 2011 für die Unabhängigkeit kämpfenden Milizen der Tuareg, deren Vermächtnis bis 1916 zurückreicht. Seit damals gab es mindestens fünf Aufstände der Tuareg im Norden Malis, sowohl unter französischer Herrschaft als auch nach der Unabhängigkeit Malis im Jahr 1960. Ziel der Aufstände war immer ein von der Regierung in der Hauptstadt Bamako unabhängiger Staat namens „Azawad“ im Norden Malis. Im Juni 2015 stimmten die Tuareg-Rebellen der Azawad-Bewegung einem Friedensvertrag mit der Regierung zu. Die Sicherheitslage in Mali ist jedoch weiterhin brüchig und militante islamische Gruppen führen weiterhin Angriffe aus.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Sie gehören römisch-katholischen und zahlreichen verschiedenen protestantischen Kirchen an. Von den knapp fünf Prozent der Malier, die Christen sind, gehört die Mehrheit diesen traditionellen Kirchen an. Christen in den südlichen Landesteilen erfreuen sich, verglichen mit dem Norden, einer relativen Glaubensfreiheit. Die Schwere und Intensität der Bedrohung durch Angriffe auf Christen ist im Norden wesentlich höher, doch auch im Süden sind Christen Angriffen und Entführungen ausgesetzt.

Christen muslimischer Herkunft

Vor allem unter den Volksgruppen der Bozo und Dogon gibt es Christen mit muslimischem Hintergrund, doch auch in anderen Teilen des Landes leben christliche Konvertiten. Zusätzlich zur Gefahr, die von islamischen Kämpfern ausgeht, werden sie durch ihre Familien, Verwandten und Nachbarn unter Druck gesetzt, ihrem christlichen Glauben abzuschwören.

Christen aus protestantischen Freikirchen

In Mali gibt es eine kleine Anzahl von charismatischen und pfingstlichen Gemeinden, die überwiegend im Süden des Landes zu finden sind. Wegen ihrer Art, Gottesdienst zu feiern, und ihrem größeren Engagement in Evangelisation, ziehen diese Gemeinschaften eher den Zorn und die Feindseligkeit der Gesellschaft auf sich.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.4
Familienleben 10.1
Gesellschaftliches Leben 11.5
Leben im Staat 9.2
Kirchliches Leben 9.9
Auftreten von Gewalt 15.4

Grafik: Verfolgungsmuster Mali

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • In allen Lebensbereichen beträgt der Druck auf Christen ein hohes oder sehr hohes Maß. Kein Lebensbereich erreichte weniger als 9 Punkte. Der durchschnittliche Druck auf Christen in Mali liegt bei 10,4 Punkten. 2018 hatte der Wert 9,9 Punkte betragen.
  • Der Druck ist am stärksten in den Bereichen „Gesellschaftliches Leben“ (11,5 Punkte) und „Privatleben“ (11,4).
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt gegen Christen ist extrem hoch und stieg von 9,6 Punkten im vergangenen Jahr auf 15,4 Punkte an.

Privatleben

Christen muslimischer Herkunft erleben im Vergleich zu anderen Christen in diesem Lebensbereich die größten Herausforderungen. Sie können ihren christlichen Glauben weder öffentlich noch privat praktizieren. Aufgrund der üblichen Wohnungssituation würde jede Abweichung von islamischen Riten leicht entdeckt werden und zu Verfolgung führen. Im Norden Malis werden auch Christen, die keinen muslimischen Hintergrund haben, in ihrem alltäglichen Leben stark behindert und stehen immer mehr in Gefahr, Angriffe zu erleben, selbst wenn sie im privaten Kontext beten.

Familienleben

Besonders im Norden des Landes ist es wahrscheinlich, dass Angehörige der Großfamilie einen Christen muslimischer Herkunft unter Druck setzen, seinen Glauben wieder aufzugeben. Aufgrund des Konzepts der Familienehre befürchtet die Familie, dass die Hinwendung eines Familienmitglieds zum christlichen Glauben zur Ausgrenzung der gesamten Großfamilie aus der Gemeinschaft führen könnte.

Gesellschaftliches Leben

Wegen des Einflusses islamistischer Gruppen nehmen vor allem im Norden des Landes Christen aus Sorge um ihre Sicherheit deutlich weniger am öffentlichen Leben teil als in der Vergangenheit. Obwohl die islamisch-extremistischen Gruppen zurückgedrängt wurden, gibt es sie weiterhin und die Angst vor einem neuen Aufstand bleibt bestehen. Auch die Muslime vor Ort sind oft von ihren extremistischen Ideen beeinflusst und wollen nicht, dass die Christen zurückkehren. Häuser und Grundstücke von Christen wurden in ihrer Abwesenheit vielfach von anderen in Besitz genommen.

Leben im Staat

Christen im Norden des Landes fühlen sich durch den anhaltenden Einfluss islamistischer Gruppen bedroht und zeigen christliche Symbole aus Furcht nicht öffentlich. Regierungsbeamte sympathisieren im Norden teilweise mit dem extremistischen Islam und gehen nicht gegen Täter vor, die Christen angreifen. Christen muslimischer Herkunft sind die Gruppe von Christen, die am stärksten betroffen ist. Obwohl es nicht verboten ist, als Muslim seinen Glauben zu wechseln, behandeln muslimische Behörden sie nicht gerecht.

Kirchliches Leben

Das Kirchenleben ist im südlichen Teil des Landes stabiler, wo die muslimische Gemeinschaft Christen toleranter gegenübersteht. Dass in jüngster Zeit allerdings wahhabitische Lehren auch Muslime im Süden erreichen, bewirkt eine Abkehr von dieser Toleranz. Im Norden ist kirchliches Leben gefährlicher, da dort verschiedene islamisch-extremistische Gruppierungen den Alltag der Gesellschaft kontrollieren. Die meisten Christen, die im Norden leben, feiern keine öffentlichen Gottesdienste.

Auftreten von Gewalt

Das Ausmaß an Gewalt gegen Christen ist im Berichtszeitraum signifikant angestiegen: Es gab Berichte von getöteten Christen, Angriffen auf Kirchen, Entführungen mit Lösegeldforderungen und Vergewaltigungen. Beispiele für das Auftreten von Gewalt gegen Christen finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Viele christliche Mädchen und Frauen wurden Opfer von sexueller Gewalt, Zwangsehen sowie Verheiratungen von Minderjährigen. Der Zugang zu moderner Erziehung wird ihnen verwehrt. Dies gilt besonders für den Norden Malis. Obwohl die nationale Gesetzgebung Mädchen und Frauen generell schützt, sind sie durch traditionelle und kulturelle Praktiken und Normen besonders gefährdet, etwa in Form von Verheiratungen Minderjähriger, Zwangsehen, Polygamie und Beschneidung der weiblichen Genitalien. Diese Praktiken wirken traumatisierend auch auf Christinnen, die so das Vertrauen in die Obrigkeit des Landes verlieren; zuweilen steht dadurch auch ihr Glaube in Gefahr.

Männer

Junge Männer werden Opfer von Entführungen, Zwangsbekehrungen sowie von Zwangsrekrutierung durch Milizen im Norden des Landes. Dies hat eine zerstörerische Auswirkung auf ihre Familien und christlichen Freunde; Traumata sind häufig die Folge.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Neben Christen gibt es auch Anhänger einheimischer traditioneller Glaubenssysteme als religiöse Minderheiten in Mali. Auch wenn diese Glaubensvorstellungen historisch neben dem Islam existiert haben, wurden Animisten mit dem Aufstieg eines militanteren und intoleranteren Islam im Norden des Landes auch zum Opfer gewalttätiger Angriffe.

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Mali hat hauptsächlich mit dem wachsenden Einfluss eines militanten Islam und des Wahhabismus zu kämpfen. Es wird lange dauern, bis sich christliche Gemeinschaften im Norden des Landes wieder etablieren können. Ungeachtet des 2015 unterzeichneten Friedensabkommens sind militante Islamisten nach wie vor im Land aktiv und werden auch künftig eine Bedrohung darstellen. Der Friedensvertrag ist fragil und die Regierung und die Friedenstruppen der UN sind noch immer nicht in der Lage, die Autorität der Regierung in einigen Teilen des Landes wiederaufzurichten. Trotz aller Herausforderungen der vergangenen fünf Jahre konnte 2018 eine relativ friedliche und erfolgreiche Präsidentschaftswahl abgehalten werden.

Der Ausblick für Christen

Christen in Mali leiden unter dem Chaos und der Instabilität im Land. Islamische Milizen bemühen sich, jegliche christliche Präsenz im nördlichen Teil Malis zu eliminieren. Die Wiederherstellung von Recht, Ordnung und Autorität der Regierungsbehörden im Norden sind eine notwendige Voraussetzung für die Verbesserung der Situation für die Christen. Das Land ist für Christen nicht sicher, selbst in der Hauptstadt Bamako. Zusammengefasst bleibt Mali ein sehr gefährlicher Ort für Christen.

Schlussfolgerung

Da Mali in einer Region liegt, die als Brutstätte für Dschihadisten bekannt ist, kann die Situation im Land nicht isoliert betrachtet werden – sie ist Teil des Anwachsens eines gewaltbereiten Islam und Wahhabismus in der gesamten Region. Deshalb ist die weitere Entwicklung der politischen Lage und Sicherheitssituation in der gesamten Region entscheidend für die Zukunft Malis. Selbst wenn es der Regierung von Mali und anderen Staaten der Region gelingen sollte, bewaffnete islamische Gruppierungen wie AQIM zu zerschlagen, so bleibt doch die Radikalisierung der Jugend und von Teilen der Bevölkerung ein schwer zu bewältigendes Problem. Dies wird für die Christen auf Jahre hinaus ein feindseliges Umfeld schaffen. Auch wenn das Land es im Juli/August 2018 erfolgreich geschafft hat, Präsidentschaftswahlen abzuhalten, ist es noch ein weiter Weg bis zu dem Mali, das einst als „Musterbeispiel für afrikanische Demokratie“ galt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Mali:

  • Die größte Herausforderung für Christen in Mali ist weiterhin die Präsenz extremistisch-islamischer Gruppen in der Region und im Land. Sie verbreiten Angst und Unsicherheit unter Christen. Beten Sie, dass Gott unseren Brüdern und Schwestern in Mali Stärke, Mut, Hoffnung und Durchhaltevermögen schenkt. Beten Sie, dass der Wille Gottes in Mali geschieht und der Herr sich in diesem Land verherrlicht.
  • Beten Sie für die neue Regierung, die 2018 gewählt wurde, damit sie Weisheit hat, ihr Land recht zu regieren. Beten Sie, dass sich die Mitglieder der Regierung mit guten Beratern umgeben und sich auf die wichtigsten Herausforderungen für das Land konzentrieren.
  • Laut einem kürzlich veröffentlichten UN-Bericht stellen die bewaffneten Gruppen, die 2015 einen Friedensvertrag mit der malischen Regierung abgeschlossen haben, weiterhin eine Gefahr für die Umsetzung desselben dar. Der UN-Bericht stellt einen Zusammenhang dieser Gruppen zu terroristischen Aktivitäten, Drogenschmuggel und Menschenhandel her. Inzwischen berichtet die Nachrichtenagentur IRIN, dass die Unsicherheit in Zentralmali zunimmt – ein Landesteil, der nicht Gegenstand des ursprünglichen Friedensvertrags war. Mit Al Kaida verbundene militante Islamisten, deren Aktivitäten einst auf den Norden begrenzt waren, haben seit 2015 ihre Präsenz in die Region ausgeweitet und rekrutieren viele Fulani-Hirten. Damit befeuern sie das Misstrauen anderer ethnischer Gruppen. Deshalb sind „Selbstverteidigungs-Milizen“ gegründet worden. Kämpfe zwischen bewaffneten Gruppen haben sich in den vergangenen Monaten intensiviert und hunderte Tote, tausende Vertriebene und zahlreiche abgebrannte Dörfer zurückgelassen. „Mali und die internationale Gemeinschaft sind durch die clevere Strategie der Islamisten überholt worden“, sagte Corinne Dufka, die Koordinatorin für Westafrika bei Human Rights Watch. „Es ist besonders auffallend, wie sie es geschafft haben, die lokalen Missstände, die schwache Präsenz des Staates und die tiefsitzenden ethnischen Spannungen auszunutzen, um ihren Einflussbereich zu erweitern.“ Beten Sie für Frieden in Mali und um Weisheit für die Regierung dabei, die Ausbreitung extremistischer Islamisten aufzuhalten.
  • Beten Sie für Mitarbeiter von Open Doors, welche die Kirche der Region durch Seminare zur Vorbereitung auf Verfolgung, Unterstützung von Christen muslimischer Herkunft, Jüngerschaftskurse, Leiterschaftskurse und Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekte unterstützen.

Alle Felder müssen ausgefüllt werden. Die E-Mail wird über Ihr E-Mail-Programm verschickt.