Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

41
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
35
Karte Kasachstan
Christen
4,85
Bevölkerung
18.78
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.200
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 11.000
Leben im Staat: 12.500
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 2.400

Länderprofil Kasachstan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 41 / 64 Punkte (WVI 2020: Platz 35 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die Religionsfreiheit wird bereits durch Gesetze aus dem September 2011 beschnitten, und die Regierung in Kasachstan arbeitet beständig daran, noch mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Dies äußert sich in einer Zunahme der Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch islamische Extremisten als Vorwand, um immer mehr Freiheiten einzuschränken. Mitglieder der Russisch-Orthodoxen Kirche erfahren vonseiten der Regierung die wenigsten Schwierigkeiten, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakt mit der ethnisch kasachischen Bevölkerung aufzunehmen. Einheimische Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

64

41

2020

64

35

2019

63

34

2018

63

28

2017

56

43

Mit 64 Punkten erzielt Kasachstan die gleiche Punktzahl wie im Vorjahr 2020. An der Verfolgungssituation für Christen hat sich so gut wie nichts geändert. Am stärksten ist der Druck in den Bereichen des Privat- und kirchlichen Lebens. Dies sind Hinweise auf die beiden dominierenden Triebkräfte der Verfolgung in Kasachstan: Islamische Unterdrückung im Privatleben und diktatorische Paranoia im Bereich des kirchlichen Lebens. Muslimische Familien, Freunde und Dorfbewohner üben vor allem auf Christen muslimischer Herkunft Druck aus, während die Regierung den christlichen Kirchen viele Einschränkungen auferlegt.

2. Trends und Entwicklungen

1) Der Wechsel des Präsidenten hat wenig an der Führung des Landes geändert

Als Präsident Nasarbajew im März 2019 abrupt seinen Rücktritt ankündigte, hatte er nicht die Absicht, von der politischen Bühne zu verschwinden. Er übergab seine öffentlichen Aufgaben an seinen auserwählten Kandidaten (der dann im Juni 2019 gewählt wurde), aber hinter den Kulissen übte Nasarbajew weiterhin seinen Einfluss aus. Seitdem sind in Kasachstan keine größeren Veränderungen eingetreten, mit einer Ausnahme – der Absetzung von Nasarbajews Tochter als Sprecherin des Senats.

2) Die Situation der Christen hat sich seit 2011 verschlechtert

Seit der Verabschiedung eines neuen Religionsgesetzes im Oktober 2011 sind die Christen einem intensiven Druck ausgesetzt. Im Januar 2019 wurden jedoch geplante zusätzliche Einschränkungen auf Eis gelegt. Es ist noch zu früh, um daraus zu schließen, dass sich die Situation für Christen in Kasachstan verbessert hat.

3. Religiöse Situation im Land

Der Islam ist die Hauptreligion in Kasachstan (überwiegend sunnitisch). Es wäre jedoch falsch, Kasachstan als ein muslimisches Land zu bezeichnen. 70 Jahre Atheismus während der Sowjetzeit haben einen tiefen Einfluss hinterlassen. Die Regierung, Erbe der atheistischen Sowjets, bleibt streng säkular und versucht, den Islam unter Kontrolle zu halten, während die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung lediglich islamischen Traditionen und nicht den strengen muslimischen Lehren folgt. Nichtsdestoweniger glauben viele Kasachen: Ein Kasache zu sein, bedeutet Muslim zu sein. Infolgedessen erfahren ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben annehmen, viel Druck von Familie, Freunden und ihrem sozialen Umfeld. Dieser Druck ist auf dem Lande viel stärker als in den Großstädten. Christliche Konvertiten werden von ihrer eigenen Verwandtschaft unterdrückt, manchmal auch körperlich misshandelt, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Manchmal geschieht dies auch vonseiten der örtlichen Polizei.

Kasachstan hat die mit Abstand am meisten Christen in Zentralasien. Der Grund dafür ist nicht, dass Kasachen in großer Zahl zum christlichen Glauben konvertiert sind, sondern liegt der großen russischen Minderheit in den nördlichen Provinzen des Landes. Folglich gehören mehr als 90 % aller Christen in Kasachstan der Russisch-Orthodoxen Kirche an. Im Gegensatz zu anderen Ländern in Zentralasien hat Kasachstan keine Massenauswanderung von ethnischen Russen erlebt.

Obwohl das Regime viele Beschränkungen für die Produktion, den Import und den Vertrieb von religiösem Material auferlegt hat, bedeutet die sehr lange und offene Grenze zu Russland, dass der Zugang weniger problematisch ist als in andere zentralasiatische Länder.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Religiöse Aktivitäten außerhalb staatlicher und staatlich kontrollierter Institutionen sind nicht erlaubt. Der Druck der Behörden hat seit 2015 zugenommen und Razzien und Verhaftungen wurden fortgesetzt. Besonders Mitglieder der protestantischen Kirchen werden ins Visier genommen, da sie als fremder Einfluss betrachtet werden, der darauf abzielt, das aktuelle politische System zu zerstören. Daher müssen sie streng kontrolliert werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn einheimische muslimische Bürger sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft in der Regel starken Druck und vereinzelt auch körperliche Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und erhöhen so den Druck auf sie. Daher setzen die meisten Christen muslimischer Herkunft alles daran, ihren Glauben zu verbergen. So werden sie zu sogenannten „heimlichen Christen“.

5. Verfolger

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung unterdrückt alle religiösen Aktivitäten, die nicht staatlicher Kontrolle unterliegen. Mitglieder protestantischer Kirchen wurden mit Geldstrafen belegt und verhaftet; und in ihren Kirchen wurden Razzien durchgeführt. Seit Jahren wird einigen christlichen Gruppen die Registrierung verweigert, jedoch ist es nicht registrierten Kirchen verboten, Versammlungen abzuhalten. Dies führt dazu, dass sie sich im Geheimen treffen und dass während ihrer Gottesdienste Razzien stattfinden. Religiöse Literatur muss von der Regierung genehmigt werden. Nicht genehmigte Treffen religiöser Art können zu Geldstrafen, Verhaftungen und Verhören führen.
  • Politische Parteien: Die Regierungspartei treibt die Christenverfolgung voran, indem die Verfolgung zum großen Teil von der Regierung zugelassen wird.
  • Gewöhnliche Bürger: 71 % der Bewohner Kasachstans sind muslimischen Glaubens. Sie protestieren gegen Konversionen zum christlichen Glauben und melden den Behörden vor Ort christliche Aktivitäten.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte vor Ort haben Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft; das beeinflusst ihr Verhalten gegenüber Christen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Leiter kasachischer Gruppen betrachten eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Angriff auf die kasachische Identität; die Behörden unterstützen diese Sichtweise.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Geistliche äußern offen ihre Feindseligkeit gegenüber Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören, und besonders gegen Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben.
  • Gewöhnliche Bürger: In ländlichen Gebieten sind die meisten Menschen Muslime. Sie lehnen die Hinwendung zu einem anderen Glauben ab und haben eine negative Einstellung gegenüber christlichen Aktivitäten.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Der Druck aus dem muslimischen Umfeld auf Christen muslimischer Herkunft ist außerhalb der Großstädte größer.

7. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen, von denen die Russisch-Orthodoxe Kirche mit Abstand die größte Gruppe darstellt, sind nicht daran beteiligt, Kasachen das Evangelium weiterzugeben. Da das kasachische Regime sie nicht als Gefahr einstuft, können sie weitgehend ungestört agieren. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie gegen die Russisch-Orthodoxe Kirche vorgeht. Die Vorkommnisse im Osten der Ukraine dienen als warnendes Beispiel.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in Kasachstan. Abgesehen von Beeinträchtigungen seitens des Staates werden sie auch von Familie, Freunden und Gesellschaft unter starken Druck gesetzt, was für sie bei Weitem das Schlimmere ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen (beispielsweise Baptisten, evangelikale Christen und Pfingstgemeinden) erleben eine stärker werdende Verfolgung. Vor allem die nicht registrierten Gruppen, die aktiv das Evangelium verbreiten, sind betroffen; doch alle Christen aus dieser Kategorie leiden unter Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.2
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 11
Leben im Staat 12.5
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 2.4

Grafik: Verfolgungsmuster Kasachstan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist mit 12,3 Punkten sehr hoch, sank jedoch gegenüber dem Vorjahr im Weltverfolgungsindex 2020 (12,4) um 0,1 Punkte. In den Bereichen gesellschaftliches Leben und kirchliches Leben ist der größte Rückgang zu verzeichnen.
  • Im Bereich kirchliches Leben ist der Druck extrem und in allen anderen Bereichen sehr hoch. Nach dem kirchlichen Leben ist der Druck am höchsten in den Bereichen Privatleben und Leben im Staat. Dies deutet darauf hin, dass der Druck auf Christen in Kasachstan im Wesentlichen zwei Hauptquellen hat: Im Privatleben ist es die islamische Unterdrückung und in den Bereichen Leben im Staat und kirchliches Leben sind die Gründe für den Druck diktatorische Paranoia.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist niedrig und im Vergleich zum Vorjahr von 1,7 auf nun 2,4 Punkte gestiegen. So wie in allen anderen Ländern Zentralasiens gibt es nur wenige Berichte über gewaltsame Zwischenfälle.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Der Besitz christlicher Materialien wird als eindeutiger Beweis für eine Hinwendung zum christlichen Glauben gewertet. Für Christen in ländlichen Gegenden resultiert die Entdeckung christlicher Materialien in Verfolgung durch die eigene Familie und die örtliche Gemeinschaft. Die Regierung Kasachstans unterscheidet zwischen genehmigten und nicht genehmigten Materialien sowie zwischen registrierten und nicht registrierten Christen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche scheint in dieser Hinsicht keine Probleme zu haben.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Die Hinwendung von Menschen zum christlichen Glauben löst in Kasachstan oft heftige Reaktionen von Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld aus. Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird als Verrat an der Familie und der Kultur sowie dem Islam gesehen. Dies kann zu körperlicher Gewalt führen. Hiervon sind nur Christen mit muslimischer Herkunft in ländlichen Gegenden betroffen. Offiziell gibt es keine Hinderungsgründe für eine Hinwendung zum christlichen Glauben – das Rechtswesen ist säkular. Allerdings ist die Regierung besorgt, dass die Konversion zum christlichen Glauben von Menschen mit muslimischem Hintergrund zu Spannungen unter der Bevölkerung führen könnte.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Christen muslimischer Herkunft in ländlichen Gegenden haben in dieser Hinsicht Schwierigkeiten. Wenn sie ihren Glauben oder christliche Symbole öffentlich zeigen, reagieren ihre Familien, Freunde und das Umfeld vor Ort negativ. Jeder Christ, der nicht der orthodoxen Kirche angehört, aber christliche Symbole trägt, zieht zudem die Aufmerksamkeit des Staates auf sich.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

In ländlichen Gegenden vermeiden Christen mit muslimischem Hintergrund Gespräche über ihren neuen Glauben mit Menschen aus ihrem sozialen Umfeld, da solche Gespräche als eine Form der Evangelisation angesehen werden könnten. Christen aus protestantischen Freikirchen könnten auch schnell von den staatlichen Behörden beschuldigt werden, Evangelisation zu betreiben.

Familienleben

Wurden christliche Taufen behindert?

Die Taufe wird als letzter Schritt der Abkehr vom Glauben der Väter angesehen, als endgültiges Zeichen der Hinwendung zum christlichen Glauben. Die Familie, Freunde und das soziale Umfeld lehnen das ab. Auch der Staat betrachtet Taufen mit Feindseligkeit, denn sie werden automatisch mit Evangelisation und Konversion zum christlichen Glauben in Verbindung gebracht.

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegeeltern aufzunehmen?

Muslimische Familien und Gemeinschaften blockieren die bürokratischen Abläufe für Adoptions- oder Pflegefamilien, wenn bekannt ist, dass es sich um Christen handelt. Die Adoption von kasachischen Kindern ist für christliche Familien verboten.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, soziales Umfeld) übt insbesondere Druck auf Kinder von Christen muslimischer Herkunft aus. Sie werden dazu gedrängt, Islamunterricht zu besuchen – manchmal auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Eltern. In regelmäßigen Abständen verwenden Schulen und Institutionen staatliche Gelder für die Organisation von öffentlichen Veranstaltungen zur Bekämpfung von „Sekten“. Dort wird negative Propaganda über religiöse Minderheiten einschließlich evangelikaler Gemeinden verbreitet. Offiziell ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings wird jeder Bürger nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Christliche Kinder werden diskriminiert und muslimische Kinder werden daran gehindert, engen Kontakt mit ihnen zu haben. Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden als Außenseiter angesehen und aufgrund dessen oftmals von muslimischen Gleichaltrigen belästigt oder diskriminiert.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen mit muslimischem Hintergrund werden von ihren Familien und den Menschen aus ihrer Umgebung beobachtet. Die Behörden vor Ort überwachen die nicht registrierten christlichen Kirchen.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Drohungen sind weit verbreitet. Christen mit muslimischem Hintergrund werden von Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld (einschließlich des Imams vor Ort) bedroht. Nicht registrierte christliche Gruppen werden regelmäßig von lokalen Staatsbeamten bedroht.

Wurden Christen aus religiösen Gründen mit Geldstrafen belegt (z. B. Dschizya-Steuer, Gemeindesteuer, Schutzgeld)?

Dies geschieht häufig und landesweit. Aufgrund illegaler religiöser Aktivitäten, wie z. B. der Teilnahme am Gottesdienst einer nicht registrierten Kirche, dem Verteilen christlicher Literatur oder Gesprächen über ihren Glauben, werden Christen mit Geldstrafen belegt. Am stärksten betroffen sind Christen muslimischer Herkunft und nicht registrierte Kirchen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Im Umfeld bekannte Christen mit muslimischem Hintergrund werden schikaniert und streng von ihren Familien und dem sozialen Umfeld befragt. Wenn während eines Treffens eine Razzia stattfindet, werden die anwesenden Personen befragt und erhalten eine Geldstrafe, manchmal werden sie auch festgenommen. Alle Materialien, die vor Ort gefunden werden, werden konfisziert. Wenn Christen einmal im Polizeibericht aufgetaucht sind, müssen sie sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Ein Zusatzartikel zur bestehenden Verfassung erkennt zwei religiöse Organisationen an, bei denen nicht vorgeschrieben ist, dass sie sich nochmals registrieren lassen müssen: Zum einen das vom Staat unterstützte „Muslim Board“ und damit verbundene religiöse Gemeinschaften, und zum anderen die Russisch-Orthodoxe Kirche als kultureller Vertreter der Russischen Föderation. Andere religiöse Organisationen und Gemeinschaften müssen sich wiederholt registrieren lassen. Die Prozedur zur Registrierung ist kompliziert und schränkt die Möglichkeiten, auf einer offiziellen Grundlage zu arbeiten, für nicht traditionelle religiöse Organisationen ein. Der Islam hat keine Auswirkungen auf die Gesetzgebung in Kasachstan. Die Rolle der muslimischen Gemeinschaft reicht nicht bis auf diese Ebene

Wurden Christen durch das Gesetz oder in der Praxis gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln, z. B. beim Militärdienst oder in bestimmten Berufen?

Der Militärdienst ist verpflichtend und Christen, die aus religiösen Gründen keinen Dienst an der Waffe leisten wollen, werden trotzdem gezwungen, der Armee beizutreten.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Gemäß der Gesetzgebung, die das religiöse Leben regelt, ist es verboten, ohne offizielle Autorisierung religiöse Ansichten in der Öffentlichkeit zu äußern. In der Praxis wird eine solche offizielle Genehmigung nur an vom Staat unterstützte religiöse Organisationen vergeben.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

In Kasachstan gibt es keine christlichen politischen Parteien. Es gibt keine christlichen zivilgesellschaftlichen Organisationen, da sie unter die Kategorie „religiös“ fallen würden (Kasachstan ist ein säkularer Staat). Es gibt Wohltätigkeitsorganisationen und Rehabilitationszentren, die von Christen geleitet werden, aber Muslime betrachten solche Aktivitäten als eine Form der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit und widersetzen sich ihnen oft.

Kirchliches Leben

Wurde veröffentlichtes Predigt- und/oder Lehrmaterial überwacht?

Die Religionsgesetze sind sehr strikt in Bezug auf Literatur, denn die Verteilung von Literatur darf nur in registrierten Kirchengebäuden, in anerkannten religiösen Bildungseinrichtungen oder an ausdrücklich vom Staat festgesetzten Orten erfolgen. Im Dezember 2016 unterschrieb Präsident Nasarbajew Gesetzesänderungen hinsichtlich neuer Rechtsvorschriften gegen Terrorismus. Diese betreffen die Produktion und Verteilung von religiöser Literatur und ordnen die verpflichtende Zensur aller religiösen Literatur an, die in Kasachstan hergestellt oder verteilt wird. Momentan stehen im Parlament weitere einschränkende Änderungen zur Diskussion. Muslime betrachten die meisten christlichen Materialien als Hilfsmittel zur Evangelisation.

Wurden Kirchen bei der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Leitung von Schulen oder karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Verbänden behindert?

Nach dem Gesetz dürfen Organisationen, Einrichtungen oder Schulen nicht auf religiöser Grundlage agieren. Die muslimische Gemeinschaft sieht jegliche soziale Arbeit von Christen als Missionierung und blockiert diese.

Wurden Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert, christliche Materialien zu drucken oder Druckmaschinen zu besitzen?

Das Religionsgesetz schränkt das Drucken und Verteilen von religiöser Literatur ein. Seit Januar 2017 traten im Zusammenhang mit dem Gesetz gegen terroristische Aktivitäten weitere Einschränkungen in Kraft.

War es für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, sich verbal gegen Anstifter von Verfolgung zur Wehr zu setzen?

Wenn die Anstifter der Verfolgung Repräsentanten des Staates sind – gleich auf welcher Ebene –, ist es gefährlich, sich gegen sie auszusprechen, denn sie können mehr oder weniger straffrei agieren. Da das Rechtswesen in Kasachstan nicht unabhängig ist, führen Beschwerden stets zu Geldstrafen oder Festnahmen. Auch Äußerungen gegen Verfolgung, die von traditionellen Muslimen in ländlichen Gegenden ausgeht, sind riskant und vergeblich.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Beschlagnahmte Kirchen: Im Februar 2020 gab es zwei Beschlagnahmungen von Kirchengebäuden in Nur-Sultan: die „Grace Presbyterian Church“ und die „Agape Pentecostal Church“.
  • Verhaftungen von Christen: Zehn Christen wurden überwiegend wegen Verteilung christlicher Literatur oder der Leitung von Versammlungen während der Covid-19-Beschränkungsmaßnahmen inhaftiert.
  • Christen wurden gezwungen, das Land zu verlassen: Drei Pastoren der „New Life Church“ wurden in Abwesenheit zu 4–5 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein kasachisches Gericht hat die Berufung am 1. November 2019 abgelehnt, womit das Urteil am 11. November 2019 in Kraft trat. Die Pastoren leben derzeit in den USA, wohin sie fliehen mussten, um einer Festnahme zu entgehen. Eine Rückkehr nach Kasachstan ist ausgeschlossen, da dies zu einer sofortigen Inhaftierung führen würde.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit für 2019, erstellt im Auftrag des US-Außenministeriums, heißt es:

  • „Die Verfassung definiert Kasachstan als einen säkularen Staat und gewährt Religionsfreiheit. Das Komitee für religiöse Angelegenheiten (CRA), Teil des Ministeriums für Information und soziale Entwicklung (MISD), ist für religiöse Fragen zuständig. Lokalen und internationalen Beobachtern zufolge ordneten die Behörden weiterhin Beschränkungen und zusätzliche Kontrollen an gegen das, was die Regierung als ‚nicht traditionelle‘ religiöse Gruppen betrachtet, einschließlich der Muslime, die eine andere Version des Islam als die offiziell anerkannte hanafitische Rechtsschule des sunnitischen Islam praktizieren.“
  • „Im August verurteilte ein Gericht in Almaty zehn Muslime wegen Propaganda von Terrorismus und Anstiftung zum Unfrieden zu Haftstrafen zwischen fünfeinhalb und acht Jahren. Mehrere Anhänger von Hizb ut-Tahrir standen vor Gericht, weil sie sich an Aktivitäten der Organisation beteiligt hatten, die im Land verboten ist.“

Der Fokus der kasachischen Regierung auf nicht traditionelle Gruppen bedeutet, dass alle Religionen gleichermaßen ins Visier genommen werden. Kasachstan hat die Zeugen Jehovas nicht verboten.

Weitere Beispiele, über die die christliche Menschenrechtsorganisation Forum 18 berichtete:

  • „Nachdem die Berufung gegen die Verurteilung des sunnitischen Muslims Zhuldyzbek Taurbekov am 9. April [2020] abgelehnt wurde, verbüßen bekanntermaßen 24 Personen Haftstrafen von bis zu acht Jahren, weil sie ihr Recht auf Religions- oder Glaubensfreiheit wahrgenommen haben (eine der Personen steht bereits zum zweiten Mal deswegen vor Gericht). Alle von ihnen sind sunnitische Muslime. Darüber hinaus ist bekannt, dass weitere 6 Personen Haftstrafen mit eingeschränkter Freiheit verbüßen, weil sie ihr Recht auf Religions- oder Glaubensfreiheit ausgeübt haben. Alle bis auf einen sind sunnitische Muslime.“
  • „Im Jahr 2020 ordneten die Gerichte die Vernichtung einer muslimischen und 196 christlicher Publikationen an. Die Eigentümer wurden zu einer Geldstrafe von je einem durchschnittlichen Monatslohn verurteilt. Die Bestrafung einer Person für den Import eines religiösen Buches (‚Ausgewählte Hadithe‘) für den persönlichen Gebrauch ist ein ‚klarer Verstoß‘ des Gerichts, so ein Rechtsexperte. ‚Normalerweise beseitigt die Polizei die Bücher, indem sie sie in einen Ofen steckt, aber ich kann nicht sagen, ob sie das Buch bereits zerstört haben‘, sagte der Richter gegenüber Forum 18.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan:

  • Beten Sie für die Christen und besonders die Gemeindeleiter in Kasachstan, die das Misstrauen der Regierung und die Einmischung in ihr Leben und ihren Glauben ertragen müssen. Beten Sie, dass sie ungehindert ihre Gottesdienste feiern können, und dass die inhaftierten Gemeindeleiter freigelassen werden.
  • Beten Sie um Schutz für Christen mit muslimischem Hintergrund, die oft Unterdrückung und Diskriminierung durch ihre Familie, Freunde und ihr soziales Umfeld erleben.
  • Im Land herrscht seit Jahrzehnten eine Ein-Parteien-Regierung mit starken Kontrollmechanismen. Beten Sie, dass Gott die Herzen der Staatsführer berührt, dass sie das Evangelium verstehen und erkennen, dass von den Christen keine Gefahr für den Staat ausgeht.