Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

35
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
34
ISO
KZ
Karte Kasachstan
Christen
4,84
Bevölkerung
18.59
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.200
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 10.700
Leben im Staat: 12.400
Kirchliches Leben: 14.000
Auftreten von Gewalt: 1.700

Länderprofil Kasachstan

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 35 / 64 Punkte (WVI 2019: Platz 34 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Die Religionsfreiheit wird bereits durch Gesetze aus dem September 2011 beschnitten, und die Regierung in Kasachstan arbeitet beständig daran, noch mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Dies äußert sich in einer Zunahme der Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch islamische Extremisten als Vorwand, um immer mehr Freiheiten einzuschränken. Mitglieder der Russisch-Orthodoxen Kirche erfahren vonseiten der Regierung die wenigsten Schwierigkeiten, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakt mit der ethnisch kasachischen Bevölkerung aufzunehmen. Christen muslimischer Herkunft (vor allem Kasachen und Angehörige anderer muslimisch geprägter Völker) tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Im April 2019 wurde eine Gruppe von Christen an einem Flughafen in Kasachstan festgenommen, weil sie beschuldigt wurden, christliche Literatur ins Land schmuggeln zu wollen. Sie wurden auf ein Polizeirevier gebracht, dort befragt und mit einer Geldstrafe belegt, nachdem die staatliche Religionsbehörde das Material so eingestuft hatte, dass es keine terroristische Prägung habe. Hätte die staatliche Religionsbehörde das Material als terroristisch eingestuft, hätten die Christen mit Gefängnisstrafen rechnen müssen.
  • Ende Juli 2019 wurde Pastor Maximov zu fünf Jahren und seine Frau zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Auch Pastor Sergei Zaikin wurde zu vier Jahren Gefängnisstrafe verurteilt. Die drei leben inzwischen in den USA, weshalb die Verurteilung in Abwesenheit erfolgte. Ihr gesamter Besitz wurde beschlagnahmt.
  • Am 29. April 2019 erhielt eine US-amerikanische Staatsbürgerin eine Ausweisungsverfügung, nachdem die Einwanderungsbehörde ihr vorgeworfen hatte, irreführende Informationen zu verbreiten. Ihr wurde die zeitlich unbeschränkte Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung entzogen.

Meldungen und Beiträge zu Kasachstan

Schreibaktion für Kinder in Zentralasien
In Zentralasien haben es Kinder aus christlichen Familien besonders schwer. Bei dieser ungewöhnlichen Aktion können Kinder aus Deutschland ihre Geschwister in Zentralasien persönlich ermutigen – indem sie ihnen ein gemaltes Bild schicken.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 64 Punkten steht Kasachstan auf Platz 35 des Weltverfolgungsindex 2020.

Im Vorjahr belegte Kasachstan mit 63 Punkten Platz 34 des Weltverfolgungsindex. Es gibt einen leichten Anstieg des Drucks in den Bereichen „Familienleben“, „Gesellschaftliches Leben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“. Dies ist ein Zeichen, dass sich die Situation der Christen in Kasachstan verschlechtert hat.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der staatlich geleiteten und vom Regime kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Seit dem Jahr 2015 hat sich der Druck der Behörden verstärkt, und es gab weiterhin Razzien bei Veranstaltungen sowie Befragungen und Festnahmen von Christen. Besonders Mitglieder protestantischer Kirchen werden zum Ziel, da sie als ausländischer Einfluss betrachtet werden, mit dem Ziel, das gegenwärtige politische System zu zerstören. Diese Sichtweise erklärt, warum sie streng kontrolliert werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn Kasachen oder Angehörige anderer muslimisch geprägter Völker sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft in der Regel starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und üben so zusätzlichen Druck auf sie aus. Dies alles führt dazu, dass Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben möglichst geheim halten.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung unterdrückt alle religiösen Aktivitäten, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Mitglieder protestantischer Kirchen wurden mit Geldstrafen belegt, verhaftet und in ihren Kirchen wurden Razzien durchgeführt. Seit Jahren wird einigen christlichen Gruppen die Registrierung verweigert, jedoch ist es nichtregistrierten Kirchen verboten, Versammlungen abzuhalten. Dies führt dazu, dass sie sich im Geheimen treffen und dass während ihrer Gottesdienste Razzien stattfinden. Religiöse Literatur muss von der Regierung genehmigt werden. Nicht genehmigte Treffen religiöser Art können zu Geldstrafen, Verhaftungen und Verhören führen.
  • Politische Parteien: Die Regierungspartei treibt die Christenverfolgung voran, indem die Verfolgung zum großen Teil von der Regierung zugelassen wird.
  • Gewöhnliche Bürger: 71 Prozent der Bewohner Kasachstans sind muslimischen Glaubens. Sie protestieren gegen Konversionen zum christlichen Glauben und melden den Behörden vor Ort christliche Aktivitäten.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Die eigene Großfamilie: Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren.
  • Regierungsbeamte: Regierungsbeamte vor Ort haben Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft, das beeinflusst ihr Verhalten gegenüber Christen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Leiter kasachischer Gruppen betrachten eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Angriff auf die kasachische Identität; die Behörden unterstützen diese Sichtweise.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Geistliche äußern offen ihre Feindseligkeit gegenüber Christen, die nicht der Russisch-Orthodoxen Kirche angehören und besonders gegen Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben.
  • Gewöhnliche Bürger: Auf lokaler Ebene sind die meisten Bürger Muslime. Sie lehnen die Hinwendung zu einem anderen Glauben ab und haben eine negative Einstellung gegenüber christlichen Aktivitäten.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Es gibt in Kasachstan keine regionalen Brennpunkte der Verfolgung von Christen, jedoch ist der Druck auf Christen mit muslimischer Herkunft außerhalb der großen Städte stärker.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen, von denen die Russisch-Orthodoxe Kirche mit Abstand die größte Gruppe darstellt, sind nicht an Missionsaktivitäten unter Kasachen beteiligt. Da das kasachische Regime sie nicht als Gefahr einstuft, können sie weitgehend ungestört agieren. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie gegen die Russisch-Orthodoxe Kirche vorgeht. Die Vorkommnisse im Osten der Ukraine dienen als warnendes Beispiel.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in Kasachstan. Abgesehen von Beeinträchtigungen seitens des Staates werden sie auch von Familie, Freunden und Gesellschaft unter starken Druck gesetzt, was für sie bei weitem das Schlimmere ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen (beispielsweise Baptisten, evangelikale Christen und Pfingstgemeinden) erleben eine stärker werdende Verfolgung. Vor allem die nichtregistrierten Gruppen, die aktiv das Evangelium verbreiten, sind betroffen; doch alle Christen aus dieser Kategorie leiden unter Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 13.2
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 10.7
Leben im Staat 12.4
Kirchliches Leben 14
Auftreten von Gewalt 1.7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Kasachstan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen erreicht ein sehr hohes Maß (12,4 Punkte) und ist im Vergleich zum Wert auf dem Weltverfolgungsindex 2019 (12,0) angestiegen. Der Anstieg betrifft besonders die Lebensbereiche „Familienleben“, „Gesellschaftliches Leben“, „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“.
  • In allen Lebensbereichen ist der Druck sehr hoch. Die höchste Wertung findet sich im Bereich „Kirchliches Leben“. Danach folgen die Bereiche „Privatleben“ und „Leben im Staat“. Dies deutet darauf hin, dass der Druck auf Christen in Kasachstan hauptsächlich zwei Hauptquellen hat: Im Privatleben ist es die „Islamische Unterdrückung“ und in den Bereichen „Leben im Staat“ und „Kirchliches Leben“ sind die Gründe für den Druck „Diktatorische Paranoia“.
  • Die Punktzahl für „Auftreten von Gewalt“ ist niedrig; sie sank von 3,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2019 auf 1,7 Punkte im Weltverfolgungsindex 2020. So wie in allen anderen Ländern Zentralasiens gibt es nur wenige Berichte über gewaltsame Zwischenfälle.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist gefährlich, als Privatperson christliche Materialien zu besitzen: Der Besitz christlicher Materialien wird als eindeutiger Beweis für eine Hinwendung zum christlichen Glauben gewertet. Für Christen in ländlichen Gegenden resultiert die Entdeckung christlicher Materialien in Verfolgung durch die eigene Familie und die örtliche Gemeinschaft. Die Regierung Kasachstans unterscheidet zwischen genehmigten und nicht genehmigten Materialien sowie zwischen registrierten und nichtregistrierten Christen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche scheint in dieser Hinsicht keine Probleme zu haben.
  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben wird abgelehnt, verboten oder unter Strafe gestellt: Die Hinwendung von Menschen zum christlichen Glauben löst in Kasachstan oft heftige Reaktionen von Familie, Freunden und der Gemeinde vor Ort aus. Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, wird ihnen das als Verrat an Familie, Kultur und Islam vorgeworfen, und sie erfahren starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Hiervon sind nur Christen mit muslimischer Herkunft in ländlichen Gegenden betroffen. Offiziell gibt es keine Hinderungsgründe für eine Hinwendung zum christlichen Glauben – das Rechtswesen ist säkular. Allerdings ist die Regierung besorgt, dass die Konversion zum christlichen Glauben von Menschen mit muslimischem Hintergrund zu Spannungen unter der Bevölkerung führen könnte.
  • Es ist riskant für Christen, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Christen mit muslimischer Herkunft in ländlichen Gegenden haben in dieser Hinsicht Schwierigkeiten. Wenn sie ihren Glauben oder christliche Symbole öffentlich zeigen, reagieren ihre Familien, Freunde und die Gemeinschaft vor Ort negativ. Jeder Christ, der christliche Symbole trägt oder zeigt, lenkt die Aufmerksamkeit der muslimischen Umwelt auf sich. Jeder Christ, der nicht der orthodoxen Kirche angehört, aber christliche Symbole trägt, zieht zudem die Aufmerksamkeit des Staates auf sich.
  • Es ist für Christen gefährlich, mit anderen Menschen über ihren Glauben zu sprechen: In ländlichen Gegenden vermeiden Christen mit muslimischem Hintergrund Gespräche über ihren neuen Glauben mit Menschen aus ihrem sozialem Umfeld, da solche Gespräche als eine Form der Evangelisation angesehen werden könnten. Christen aus protestantischen Freikirchen könnten auch schnell von den staatlichen Behörden beschuldigt werden, Evangelisation zu betreiben.

Christen in Kasachstan erleben Schwierigkeiten, wenn sie ihren Glauben offenbaren, über ihren Glauben mit der Familie sprechen oder sich mit anderen Christen treffen. Dies deutet darauf hin, dass das Leben für Christen mit muslimischer Herkunft im Privatleben besonders schwierig ist.

Familienleben

  • Kinder christlicher Eltern werden bedrängt, an christenfeindlichen Unterweisungen teilzunehmen: Das muslimische Umfeld (Familie, Freunde, soziales Umfeld) übt insbesondere Druck auf Kinder protestantischer Christen aus. Sie werden dazu gedrängt, Islamunterricht zu besuchen – manchmal auch gegen den ausdrücklichen Wunsch der Eltern. In regelmäßigen Abständen verwenden Schulen und Institutionen staatliche Gelder für die Organisation von öffentlichen Veranstaltungen zur Bekämpfung von „Sekten“. Dort wird negative Propaganda über religiöse Minderheiten einschließlich evangelikaler Gemeinden verbreitet. Offiziell ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings wird jeder Bürger nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert.
  • Christliche Taufen werden verhindert: Die Taufe wird als letzter Schritt zum Abschied vom Glauben der Väter angesehen, als endgültiges Zeichen zur Hinwendung zum christlichen Glauben. Deshalb versuchen Familien, Freunde und das soziale Umfeld, Taufen zu verhindern. Auch der Staat betrachtet Taufen mit Feindseligkeit, denn sie werden automatisch mit Evangelisation und Hinwendung zum christlichen Glauben in Verbindung gebracht.
  • Christliche Paare werden an der Adoption oder der Aufnahme von Pflegekindern gehindert: Muslimische Familien und Gemeinschaften blockieren die bürokratischen Abläufe für Adoptions- oder Pflegefamilien, wenn bekannt ist, dass es sich um Christen handelt. Die Adoption von kasachischen Kindern ist für christliche Familien verboten.
  • Kinder von Christen werden belästigt oder diskriminiert: Christliche Kinder werden diskriminiert und muslimische Kinder werden daran gehindert, engen Kontakt mit ihnen zu haben. Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden als Außenseiter angesehen und aufgrund dessen oftmals von muslimischen Gleichaltrigen belästigt oder diskriminiert.

Gesellschaftliches Leben

  • In ihrem Alltagsleben werden Christen schikaniert, bedroht oder behindert: Drohungen sind weit verbreitet. Christen mit muslimischem Hintergrund werden von Familie, Freunden und dem sozialen Umfeld (einschließlich des Imams vor Ort) bedroht. Nichtregistrierte christliche Gruppen werden regelmäßig von lokalen Staatsbeamten bedroht.
  • Christen werden von ihrem sozialem Umfeld oder privaten Gruppen beobachtet: Christen mit muslimischem Hintergrund werden von ihren Familien und den Menschen aus ihrer Umgebung beobachtet. Die Behörden vor Ort überwachen die nichtregistrierten christlichen Kirchen.
  • Christen werden aus Gründen, die mit ihrem Glauben zusammenhängen, mit Geldstrafen belegt: Dies geschieht häufig und landesweit. Aufgrund illegaler religiöser Aktivitäten, wie z.B. der Teilnahme am Gottesdienst einer nichtregistrierten Kirche, dem Verteilen christlicher Literatur oder Gesprächen über ihren Glauben, werden Christen mit Geldstrafen belegt. Am stärksten betroffen sind Christen muslimischer Herkunft und nichtregistrierte Kirchen.
  • Christen werden verhört oder aus Gründen, die mit ihrem Glauben zusammenhängen, gezwungen, bei der örtlichen Polizei Bericht zu erstatten: Im Umfeld bekannte Christen mit muslimischem Hintergrund werden schikaniert und streng von ihren Familien und dem sozialem Umfeld befragt. Wenn während eines Treffens eine Razzia stattfindet, werden die anwesenden Personen befragt und erhalten eine Geldstrafe, manchmal werden sie auch festgenommen. Alle Materialien, die vor Ort gefunden werden, werden konfisziert. Wenn Christen einmal im Polizeibericht aufgetaucht sind, müssen sie sich regelmäßig bei der Polizei melden.

Leben im Staat

  • Die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) schränken die Religionsfreiheit, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist, ein: Ein Zusatzartikel zur bestehenden Verfassung erkennt zwei religiöse Organisationen an, bei denen nicht vorgeschrieben ist, dass sie sich nochmals registrieren lassen müssen: Zum einen die vom Staat unterstützte Organisation „Muslim Board“ und damit verbundene religiöse Gemeinschaften, und zum anderen die Russisch-Orthodoxe Kirche als kultureller Vertreter der Russischen Föderation. Andere religiöse Organisationen und Gemeinschaften müssen sich neu registrieren lassen. Die Prozedur zur Registrierung ist kompliziert und schränkt die Möglichkeiten, auf einer offiziellen Grundlage zu arbeiten, für nichttraditionelle religiöse Organisationen ein. Der Islam hat keine Auswirkungen auf die Gesetzgebung in Kasachstan. Die Rolle der muslimischen Gemeinschaft reicht nicht bis auf diese Ebene.
  • Christen werden per Gesetz oder in der Praxis dazu gezwungen, gegen ihr Gewissen zu handeln: Der Militärdienst ist verpflichtend und Christen, die aus religiösen Gründen keinen Dienst an der Waffe leisten wollen, werden trotzdem gezwungen, der Armee beizutreten.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit auszusprechen: Gemäß der Gesetzgebung, die das religiöse Leben regelt, ist es verboten, ohne offizielle Autorisierung religiöse Ansichten in der Öffentlichkeit zu äußern. In der Praxis wird eine solche offizielle Genehmigung nur an vom Staat unterstützte religiöse Organisationen vergeben.
  • Christen sind von Diffamierungskampagnen oder Hassreden betroffen: Gelegentlich gibt es von Seiten der Medien (sowohl von staatlichen als auch von privaten Sendern) negative Berichterstattung über Christen. Die muslimische Mehrheit hegt eine feinselige Haltung gegenüber dem christlichen Glauben. Christen mit muslimischem Hintergrund und Protestanten, die evangelisieren, sind von Hassreden durch Muslime betroffen.

Kirchliches Leben

  • Kirchen werden daran gehindert, Schulen, karitative, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Organisationen, Institutionen und Verbindungen zu gründen: Nach dem Gesetz dürfen Organisationen, Einrichtungen oder Schulen nicht auf religiöser Grundlage agieren. Die muslimische Gemeinschaft sieht jegliche soziale Arbeit von Christen als Missionierung und blockiert diese.
  • Es ist für Kirchen oder christliche Organisationen riskant, ihre Stimme gegen die Verfolger zu erheben: Wenn die Anstifter der Verfolgung Repräsentanten des Staates sind – gleich auf welcher Ebene – ist es gefährlich, sich gegen sie auszusprechen, denn sie können mehr oder weniger straffrei agieren. Da das Rechtswesen in Kasachstan nicht unabhängig ist, führen Beschwerden stets zu Geldstrafen oder Festnahmen. Auch Äußerungen gegen Verfolgung, die von traditionellen Muslimen in ländlichen Gegenden ausgeht, sind riskant und vergeblich.
  • Christliche Lehrtätigkeiten, Predigten und/oder veröffentlichte Materialien werden überwacht: Die Religionsgesetze sind sehr strikt in Bezug auf Literatur, denn die Verteilung von Literatur darf nur in registrierten Kirchengebäuden, in anerkannten religiösen Bildungseinrichtungen oder an ausdrücklich vom Staat festgesetzten Orten erfolgen. Im Dezember 2016 unterschrieb Präsident Nasarbajew Gesetzesänderungen hinsichtlich neuer Rechtsvorschriften gegen Terrorismus. Diese betreffen die Produktion und Verteilung von religiöser Literatur und ordnen die verpflichtende Zensur aller religiösen Literatur an, die in Kasachstan hergestellt oder verteilt wird. Momentan stehen im Parlament weitere einschränkende Änderungen zur Diskussion. Muslime betrachten die meisten christlichen Materialien als Hilfsmittel zur Evangelisation.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Materialien zu drucken oder Druckerpressen zu besitzen: Die Religionsgesetze schränken das Drucken und Verteilen von religiöser Literatur ein. Seit Januar 2017 traten im Zusammenhang mit dem Gesetz gegen terroristische Aktivitäten weitere Einschränkungen in Kraft. Registrierte Organisationen, die religiöse Literatur herstellen, müssen diese zwingend zensieren lassen. Nichtregistrierten Organisationen ist es verboten, religiöse Materialien zu drucken und zu verteilen. Momentan stehen im Parlament weitere einschränkende Gesetzesänderungen zur Diskussion.

Christen in Kasachstan erfahren auch Schwierigkeiten bei Registrierungen, bei der Organisation von Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden, bei der Integration von Christen mit muslimischer Herkunft und beim Importieren, Verteilen oder Verkaufen und der Nutzung von Medien.

Auftreten von Gewalt

  • Zwei gehörlose christliche Frauen wurden geschlagen.
  • Mindestens 19 Christen wurden inhaftiert. Unter ihnen eine Gruppe von Christen, die im April 2019 an einem Flughafen in Kasachstan festgehalten wurde, und zwei Pastoren sowie die Ehefrau eines Pastors, die im Juli 2019 inhaftiert wurden.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Körperliche Gewalt

Obwohl das Rechtswesen in Kasachstan Männern und Frauen gleiche Rechte zugesteht, lehnen Traditionalisten die Idee der Gleichberechtigung der Geschlechter nach wie vor ab. Ein Bericht des zuständigen UN-Komittees (Committee on the Elimination of Discrimination against Women – CEDAW) vom 11. November 2019 hebt Kasachstans Fortschritt in Bezug auf die Senkung der Müttersterblichkeit und die Verbesserung des Zugangs von Mädchen zu Bildung hervor. Allerdings wird in dem Bericht auch erwähnt, dass es keine effektiven Maßnahmen gegen die geschlechtsspezifische Gewalt gegenüber Frauen gibt. Zudem herrschen nach wie vor Polygamie sowie Kinderehen, Zwangsverheiratungen und Brautraub vor. Die traditionellen islamischen und kulturellen Praktiken, die Frauen im Vergleich zu Männern eine untergeordnete Position zuweisen, werden als Hauptgrund dafür angesehen, dass Frauen und Mädchen, die sich dem christlichen Glauben zuwenden, verwundbarer für Verfolgung sind.

Frauen, die zum christlichen Glauben konvertieren, stehen in größerer Gefahr, körperliche und verbale Übergriffe sowie Belästigungen, Drohungen und Hausarrest zu erfahren. Eine Christin muslimischer Herkunft kann von ihrer Familie unter Hausarrest gestellt werden, da das Bekanntwerden ihres Glaubenswechsels in der Familie in den Augen des muslimischen Umfeldes eine große Schande für die Gesamtfamilie bedeuten würde. Diese Art der Verfolgung betrifft besonders Frauen mit muslimischem Hintergrund, dies könnte aber auch anderen Christinnen, die mit nichtchristlichen Männern verheiratet sind, passieren.

Zwangsverheiratungen mit muslimischen Männern sind nicht unüblich und stehen manchmal auch im Zusammenhang mit Verschleppungen von Frauen. Auch Ehegatten und Kinder von Christen mit muslimischer Herkunft in ländlichen Gegenden erleben den Druck, den ihre Familien auf sie ausüben. Einige Christinnen empfinden den Druck als so stark, dass sie sich gezwungen fühlen, ihr Zuhause zu verlassen und sich zu verstecken. Frauen haben fast keine Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, meistens sind sie nicht ausgebildet, die Arbeitslosenrate im Land ist hoch, und es gibt keine Unterstützung durch die staatlichen Behörden.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung des Zugangs zu christlichen Materialien
  • Beschlagnahme von Erbschaft oder Besitz
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Wirtschaftliche Schikanierung durch Geldstrafen
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Zwangsrekrutierung zum Militärdienst
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

In der Regel haben Männer im öffentlichen Leben Positionen mit höherer Verantwortung als Frauen. Die religiöse Verfolgung, von der christliche Männer betroffen sind, spiegelt sich in dieser soziokulturellen Struktur wider. Christliche Jungen und Männer erfahren körperliche und verbale Übergriffe sowie Anschuldigungen, Drohungen, Diskriminierung, Hausarrest und Ablehnung durch die Familie sowie den Verlust ihres Erbes.

Die vom Staat ausgehende Verfolgung beinhaltet Verhöre, Geldstrafen, Festnahmen und Inhaftierungen. Wenn ein christliches Treffen von einer Razzia betroffen ist, haben die Leiter (in der Regel Männer) die Hauptlast zu tragen. Weiterhin bedeutet der verpflichtende Militärdienst für junge Männer in einem stark kontrollierten Umfeld in einem Land mit muslimischer Mehrheit ein besonders hohes Risiko für Verfolgung. Abgesehen davon werden Christen, die aus religiösen Gründen den Dienst an der Waffe verweigern würden, dazu gezwungen, den Militärdienst anzutreten.

In Kasachstan sind normalerweise Männer die Leiter von Kirchen; ebenso das Familienoberhaupt und Hauptverdiener der Familie. Wenn ein christlicher Mann von Verfolgung betroffen ist und zum Beispiel eine Geldstrafe erhält oder inhaftiert wird, leidet darunter seine ganze Familie. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes und des Einkommens betrifft immer die gesamte Familie. Das Bestreiten des Lebensunterhalts ist für christliche Geschäftsmänner kompliziert, denn sie sind direkt davon betroffen, Bestechungsgelder zahlen zu müssen, die üblicherweise von Protestanten verlangt werden, wenn sie ein Geschäft betreiben. Hiervon sind insbesondere christliche Männer mit muslimischem Hintergrund in ländlichen Gegenden betroffen. Aus diesem Grund halten manchmal Geschäftsinhaber ihren christlichen Glauben geheim. Es gibt Berichte, die nahelegen, dass protestantische Christen von dieser Art der Verfolgung betroffen sind, jedoch nicht Christen, die der orthodoxen Kirche angehören. Auf jeden Fall sind es besonders Christen mit muslimischer Herkunft, die durch die lokalen Behörden und das soziale Umfeld im Geschäftsleben unter Druck gesetzt werden.

Aufgrund ihres christlichen Glaubens riskieren besonders Christen mit muslimischem Hintergrund und Kirchenleiter den Verlust ihrer Arbeitsstelle. Wenn ein Mann Leiter einer Kirche ist, hat seine Verfolgung ebenfalls Auswirkungen auf die Kirche und verursacht unter den Mitgliedern Angst.

Männer, die zum christlichen Glauben konvertieren, riskieren auch Verfolgung durch ihre eigene Familie. Junge Männer, die noch Studenten sind und finanzielle Unterstützung benötigen, setzen durch ihren Glaubenswechsel den Verlust der Unterstützung durch die Familie aufs Spiel. Im diesem Zusammenhang erschwert eine neuerliche Regelung nun das Reisen für junge männliche Christen mit muslimischem Hintergrund, die eine christliche Ausbildung wünschen. Dieses neue Gesetz schränkt die Möglichkeiten für Bürger Kasachstans ins Ausland zu reisen, um in christlichen Einrichtungen zu studieren, stark ein. Da Männer mehr reisen als Frauen, sind Männer hiervon stärker betroffen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Gemäß Forum 18, einer norwegischen Menschenrechtsorganisation, die sich für Religionsfreiheit einsetzt, wurden im Jahr 2017 von den kasachischen Behörden Verwaltungsklagen gegen 279 Personen, religiöse Gemeinschaften, Hilfsorganisationen und Unternehmen eingereicht. Gründe dafür waren die Teilnahme an Gottesdiensten, das Anbieten oder Importieren religiöser Literatur oder Bilder, Gespräche über den Glauben oder Glaubensunterweisung, die Bereitstellung von religiösen Inhalten im Internet, das Beten in nicht gebilligter Art und Weise in Moscheen, die Mitnahme von Kindern zu religiösen Veranstaltungen, unzulängliche Sicherheitsmaßnahmen in Gotteshäusern oder Gebetstätten oder die Nichtbezahlung vorheriger Geldstrafen. Die Strafen beinhalteten Geldstrafen, Freiheitsstrafen, Verbote religiöser Tätigkeiten, Abschiebungen und Beschlagnahmung religiöser Literatur. Die Regierung verurteilte 23 Personen aufgrund der Ausübung ihrer Religion. Von diesen Personen waren 20 sunnitische Muslime, zwei Zeugen Jehovas, und eine Person Baptist.

Beispiele:

  • Ein 28-jähriger Einwohner aus Balkhash ist seit dem Jahre 2015 der 73. bekannte Muslim, der verurteilt und bestraft wurde, da er angeblich Mitglied der muslimischen Missionsbewegung Tabligh Jamaat ist. Das Gericht in Balkhash verurteilte Abilai Bokbasarov am 9. Januar 2019 zu drei Jahren Gefängnis und untersagte ihm für weitere fünf Jahre (nach seiner Freilassung) das Recht auf freie Ausübung seiner Religion.
  • Im April 2019 berichtete Forum 18 darüber, dass 18 sunnitische Muslime aus religiösen Gründen im Gefängnis seien. Weiterhin ist bekannt, dass weitere zehn sunnitische Muslime aus religiösen Gründen Freiheitsstrafen abbüßen.
  • Am 2. Juli 2019 wies das Landgericht Aktobe die eingelegte Berufung von Bolat Isabayev gegen eine Geldstrafe von drei Wochenlöhnen aufgrund des Leitens einer Versammlung der Zeugen Jehovas ab. Am 19. April (Karfreitag) hatte die Polizei eine Razzia bei einem Treffen in Kandyagash durchgeführt – angeblich, nachdem sich Nachbarn darüber beschwert hatten.

9. Der Ausblick für Christen

Diktatorische Paranoia

Die gegenwärtige Regierung übt ein hohes Maß an Überwachung im Land aus. Regierungsbeamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Kasachstan. Sie legen ihnen alle Arten gesetzlicher Beschränkungen auf, kontrollieren alle religiösen Tätigkeiten, stürmen Versammlungen und blockieren die Verbreitung religiöser Materialien. Dies wird sich vermutlich auch nicht in unmittelbarer Zukunft ändern.

Islamische Unterdrückung

Der Islam ist nicht die Staatsreligion, allerdings ist er die traditionelle Religion eines Großteils der Bevölkerung. Muslime werden auf die gleiche Art behandelt wie andere Religionszugehörige. Der Druck von Muslimen auf Christen in Kasachstan wird nicht von extremistischen muslimischen Gruppen ausgeübt, sondern er resultiert vielmehr aus dem weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und der Gesellschaft. Chancen, dass sich dies bald ändern wird, sind praktisch nicht vorhanden.

Aufgrund der sehr hohen Beständigkeit der zwei Haupttriebkräfte der Verfolgung in Kasachstan wird die Kirche weiterhin unter einem beträchtlichen Ausmaß von Druck und Überwachung leben müssen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan:

  • Beten Sie für Christen in Kasachstan und für die Leiter der christlichen Kirchen, besonders für Pastoren, die Kirchen im Untergrund leiten und Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben. Beten Sie für ihre Sicherheit angesichts stärker werdender Einschränkungen und Kontrolle durch den Staat. Beten Sie für Weisheit für Pastoren und Leiter, die Veranstaltungen organisieren.
  • Beten Sie für Christen, die geschlagen und inhaftiert wurden, weil sie den Islam verlassen haben und nun Jesus Christus nachfolgen.
  • Beten Sie für Mitarbeiter in den Behörden, die den christlichen Glauben unterdrücken oder auslöschen wollen.

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