Länderprofil Kasachstan

Kasachstan

34
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Kasachstan
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
28
ISO
KZ
Karte Kasachstan
Christen
4,58
Bevölkerung
18.40
Diktatorische paranoia
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 13.200
Familienleben: 10.800
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 13.500
Auftreten von Gewalt: 3.100

Länderprofil Kasachstan

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 34 / 63 Punkte (WVI 2018: Platz 28 / 63 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Diktatorische Paranoia: Außerhalb der staatlich geleiteten und vom Regime kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Es ist üblich, Mitglieder protestantischer Kirchen als Angehörige einer fremdartigen Sekte zu betrachten, welche die Regierung stürzen will. Aus dieser Sicht müssen sie kontrolliert oder sogar ausgemerzt werden.

Islamische Unterdrückung: Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die beiden bedeutendsten Verfolger von Christen in Kasachstan sind der Staat und die muslimische Umgebung. Die Verfolgung durch den Staat zeigt sich in Form von Überwachung religiöser Aktivitäten sowie dem Beobachten von Gottesdiensten durch Polizei, Geheimdienste und lokale Behörden. In regelmäßigen Abständen finden in nichtregistrierten Kirchen Razzien durch staatliche Behörden statt. Die allgemein vorherrschende islamische Kultur erschwert insbesondere das Leben von Christen mit muslimischem Hintergrund.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die Religionsfreiheit wird bereits durch Gesetze aus dem September 2011 beschnitten und die Regierung in Kasachstan arbeitet beständig daran, mehr Kontrolle über die gesamte Gesellschaft zu erlangen. Dies äußert sich in einer Zunahme der Überwachung, Razzien bei Veranstaltungen und Festnahmen von Christen. Die Regierung nutzt die Bedrohung durch den extremistischen Islam als Vorwand, um immer mehr Freiheiten einzuschränken. Mitglieder der russisch-orthodoxen Kirche erfahren vonseiten der Regierung die wenigsten Schwierigkeiten, da sie normalerweise nicht versuchen, Kontakt mit der ethnisch kasachischen Bevölkerung aufzunehmen. Christen muslimischer Herkunft (vor allem Kasachen und Angehörige anderer muslimisch geprägter Völker) tragen die Hauptlast der Verfolgung sowohl vonseiten des Staates als auch durch Familie, Freunde und die Gesellschaft. Manche Christen werden von ihren Familien für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am Sonntag, den 25. Februar 2018, unterbrachen Beamte des staatlichen Geheimdienstes Kasachstans einen Gottesdienst und verhafteten den Pastor, seine Frau und die Leiter der Kirche. Letztere wurden in Gefängniszellen gebracht und drei Stunden lang befragt, bevor sie wieder gehen durften. Dem Pastor wurde „religiöser Extremismus“ vorgeworfen und es wurden über hundert Kilogramm christliche Bücher und Bibeln in seiner Wohnung beschlagnahmt.
  • Anfang April 2018 wurde das Auto eines Christen (und Pastors) mit muslimischem Hintergrund nachts gestohlen und zerstört.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 63 Punkten steht Kasachstan auf Platz 34 des Weltverfolgungsindex (WVI) 2019. Die Gesamtpunktzahl ist im Vergleich zum Vorjahr 2018 gleichgeblieben. Obwohl die Punktzahl im Bereich Gewalt niedriger ist, bleibt der Druck auf die Christen in allen Lebensbereichen hoch beziehungsweise sehr hoch, besonders in den Bereichen „Privatleben“ und „Kirchliches Leben“.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Diktatorische Paranoia

Außerhalb der staatlich geleiteten und vom Regime kontrollierten Institutionen sind keine religiösen Aktivitäten erlaubt. Seit dem Jahr 2015 hat sich der Druck der Behörden verstärkt und es gab weiterhin Razzien bei Veranstaltungen sowie Befragungen und Festnahmen von Christen während des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2019. Besonders Mitglieder protestantischer Kirchen werden angegriffen, da sie als ausländischer Einfluss betrachtet werden, mit dem Ziel, das gegenwärtige politische System zu zerstören. Diese Sichtweise erklärt, warum sie streng kontrolliert werden.

Islamische Unterdrückung

Wenn Kasachen oder Angehörige anderer muslimisch geprägter Völker sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft in der Regel starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren. Manche Christen werden für längere Zeit eingesperrt und geschlagen. Es kommt auch vor, dass sie aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Lokale Mullahs wenden sich in ihren Predigten gegen diese Christen und üben so zusätzlichen Druck auf sie aus. Dies alles führt dazu, dass Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben möglichst geheim halten.

3. Verfolger

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die Regierung unterdrückt alle religiösen Aktivitäten, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Mitglieder protestantischer Kirchen wurden mit Geldstrafen belegt, verhaftet und in ihren Kirchen wurden Razzien durchgeführt. Seit Jahren wird einigen christlichen Gruppen die Registrierung verweigert, jedoch ist es nichtregistrierten Kirchen verboten, Versammlungen abzuhalten. Dies führt dazu, dass sie sich im Geheimen treffen und dass während ihrer Gottesdienste Razzien stattfinden. Religiöse Literatur muss von der Regierung genehmigt werden. Nicht genehmigte Treffen religiöser Art können zu Geldstrafen, Verhaftungen und Verhören führen.
  • Gewöhnliche Bürger: Die meisten Bürger Kasachstans sind muslimischen Glaubens. Gegen Glaubenswechsel zum christlichen Glauben begehren sie auf und melden den Behörden vor Ort christliche Aktivitäten.
  • Die Regierungspartei von Präsident Nasarbajew treibt ebenfalls die Christenverfolgung voran, indem die Verfolgung zum großen Teil von der Regierung zugelassen wird.

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte vor Ort haben Verbindungen zur muslimischen Gemeinschaft, das beeinflusst ihr Verhalten gegenüber Christen.
  • Kasachische Führungspersönlichkeiten betrachten eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Angriff auf die kasachische Identität; die Behörden unterstützen diese Sichtweise.
  • Muslimische Geistliche äußern offen ihre Feindseligkeit gegenüber Christen, die nicht der russisch-orthodoxen Kirche angehören und besonders gegen Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben.
  • Auf lokaler Ebene sind die meisten Bürger Muslime. Sie lehnen die Hinwendung zu einem anderen Glauben ab und haben eine negative Einstellung gegenüber christlichen Aktivitäten.
  • Wenn muslimische Kasachen sich dem Glauben an Jesus Christus zuwenden, erfahren sie vonseiten ihrer Familie, Freunde und Nachbarschaft starken Druck bis hin zu körperlicher Gewalt. Damit sollen sie gezwungen werden, zu ihrem früheren Glauben zurückzukehren.

4. Hintergrund

Präsident Nasarbajew altert zusehends (er wurde am 6. Juli 1940 geboren). Bislang ist unklar, wer seine Nachfolge antreten wird. Vermutlich wird der künftige Präsident einen ähnlichen Hintergrund wie Nasarbajew haben, so dass keine große Veränderung zu erwarten ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die große russische Minderheit im Norden des Landes. Laut der Volkszählung aus dem Jahre 2009 sind 23,7 Prozent der Gesamtbevölkerung Kasachstans russischer Herkunft. Diese Tatsache bereitet dem Regime ebenfalls einige Kopfschmerzen angesichts der machtbewussten Politik der russischen Regierung unter Präsident Putin. Die Geschehnisse auf der Krim und in der Ostukraine zeigen, dass die Sorgen Kasachstans nicht unbegründet sind.

Eine kleine, aber wachsende Gruppe islamischer Extremisten, die in der Vergangenheit kleinere Bombenanschläge verübt hat, verstärkt die Sorgen des Landes zusätzlich. Behördenangaben zufolge kämpfen im Ausland mindestens 300 kasachische Dschihadisten an der Seite des „Islamischen Staates“ (IS). Inoffizielle Quellen sprechen von deutlich höheren Zahlen. Das Regime nutzt diese Informationen und übertreibt sogar die Gefahren, um die zunehmende Kontrolle der Gesellschaft und weitere Einschränkungen von Freiheiten zu rechtfertigen.

5. Betroffene Christen

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gruppen, von denen die russisch-orthodoxe Kirche mit Abstand die größte Gruppe darstellt, sind nicht an Missionsaktivitäten unter Kasachen beteiligt. Da das kasachische Regime sie nicht als Gefahr einstuft, können sie weitgehend ungestört agieren. Darüber hinaus hat die Regierung Kasachstans kein Interesse daran, Russland zu provozieren, indem sie gegen die russisch-orthodoxe Kirche vorgeht. Die Vorkommnisse im Osten der Ukraine dienen als warnendes Beispiel.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund tragen die Hauptlast der Verfolgung in Kasachstan. Abgesehen von Beeinträchtigungen seitens des Staates werden sie auch von Familie, Freunden und Gesellschaft unter starken Druck gesetzt, was für sie bei weitem das Schlimmere ist.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Besonders Mitglieder protestantischer Freikirchen (beispielsweise Baptisten, evangelikale Christen und Pfingstgemeinden) erleben eine stärker werdende Verfolgung. Vor allem die nichtregistrierten Gruppen, die aktiv das Evangelium verbreiten, sind betroffen; doch alle Christen aus dieser Kategorie leiden unter Razzien, Drohungen, Inhaftierungen und Geldstrafen durch die Behörden.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.2
Familienleben 10.8
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 12.2
Kirchliches Leben 13.5
Auftreten von Gewalt 3.1

Grafik: Verfolgungsmuster Kasachstan

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen beträgt ein sehr hohes Maß (12,0 Punkte) und ist im Vergleich zum Wert auf dem Weltverfolgungsindex 2018 (11,8) leicht angestiegen. Der Anstieg betrifft nahezu alle Lebensbereiche.
  • In allen Lebensbereichen ist der Druck hoch bzw. sehr hoch. Die höchsten Wertungen finden sich in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Privatleben“.
  • Die Punktzahl für Gewalt ist immer noch recht hoch, obwohl sie von 3,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2018 auf 3,1 Punkte gesunken ist. So wie in allen anderen Ländern Zentralasiens gibt es nur wenige Berichte über gewaltsame Zwischenfälle.

Privatleben

Die Hinwendung von Menschen zum christlichen Glauben löst in Kasachstan oft heftige Reaktionen aus. Christen mit muslimischem Hintergrund vermeiden, ihren Glauben oder christliche Symbole öffentlich zu zeigen, um keine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Der Staat ist außerordentlich empfindlich, was die Ausbreitung „nichttraditioneller“ Religionen ohne staatliche Anerkennung angeht. Protestantische Christen sind das Hauptziel der staatlichen Überwachung und Durchsuchungen. Die Beschlagnahmung christlicher Materialien und Bücher sowie Geldstrafen für christliche Aktivitäten sind nicht unüblich. Wenn Christen muslimischer Herkunft in ihrem Verwandtenkreis oder sozialen Umfeld Glaubensthemen ansprechen, entstehen dadurch fast immer Konflikte. Da sie von der Gemeinschaft genau beobachtet werden, ist es für Christen muslimischer Herkunft schwierig, sich mit anderen Christen zu treffen. Sie laufen Gefahr, von ihrer Familie zu Hause eingesperrt zu werden. Damit sollen sie dazu gezwungen werden, ihren neuen Glauben zu widerrufen. Der kasachische Geheimdienst (KNB) überwacht alle Christen, die nicht der russisch-orthodoxen Kirche angehören.

Familienleben

Ein äußerst wichtiger Schritt für kasachische Christen muslimischer Herkunft ist die Taufe, die sehr häufig zu Konflikten mit muslimischen Verwandten führt. Auf islamischen Friedhöfen ist zwar die Beerdigung von Christen erlaubt, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Bestattung nach islamischen Riten abgehalten wird. Die Religionsfreiheit im Land wird immer weiter eingeschränkt und die Überwachung durch Sicherheitskräfte nimmt immer stärker zu. Für protestantische Christen wurde die Situation besonders durch ein Gesetz aus dem Jahr 2011 erschwert, das Aktivitäten von staatlich nicht anerkannten religiösen Gruppen einschränkt. Kinder protestantischer Christen werden aufgrund des christlichen Glaubens ihrer Eltern oftmals belästigt oder diskriminiert. Schulen und Institutionen verwenden staatliche Gelder für die Organisation von Propagandaveranstaltungen zur Bekämpfung von „Sekten“, was evangelikale Gemeinden einschließt. Angeblich ist die Teilnahme an diesen Veranstaltungen freiwillig, allerdings wird jeder Bürger nachdrücklich zur Teilnahme aufgefordert. Wenn Christen mit muslimischem Hintergrund sich weigern, ihren neuen Glauben zu widerrufen, kann es passieren, dass die Familien versuchen, eine Scheidung zu erzwingen oder ihnen das Sorgerecht für die Kinder zu entziehen. Es gab Gerichtsverfahren, bei denen christlichen Konvertiten das Erbrecht entzogen wurde.

Gesellschaftliches Leben

In ländlichen Gegenden überwacht die örtliche Gemeinschaft bekannte Christen muslimischer Herkunft; in lokalen Institutionen werden nur Muslime akzeptiert. Damit sie zum „Glauben ihrer Väter“ zurückkehren, wird zeitweise immenser Druck auf Christen mit muslimischem Hintergrund ausgeübt. Es kommt vor, dass christliche Kinder und Jugendliche in der Schule Beleidigungen und Propaganda ausgesetzt sind; bislang wurde jedoch niemand allein aufgrund seines christlichen Glaubens von einer Schule verwiesen. Während es bei einfachen Schulabschlüssen im Allgemeinen keine Probleme gibt, kann es für aktive Christen schwierig sein, Zugang zu beruflicher Bildung oder höheren Bildungswegen zu erlangen. Auch unter staatlichen Angestellten werden Christen verstärkt diskriminiert, was vor allem ethnische Kasachen betrifft. So kann es beispielsweise passieren, dass Lehrern gekündigt wird, wenn sie eine protestantische Kirche besuchen. Solche Vorfälle sind bei Exekutivorganen an der Tagesordnung. Im Januar 2015 wurden Änderungen des Strafgesetzbuches wirksam, durch die neue Bußgelder und Strafen eingeführt wurden, welche unter anderem Strafen bis zu sechs Jahren Gefängnis beinhalten.

Leben im Staat

Die Regierung macht durch ihre Praxis deutlich, dass sie den Islam für die kasachische Bevölkerung und den orthodoxen Glauben für die Slawen als richtig betrachtet und alle anderen Glaubensrichtungen für überflüssig hält. Obwohl die Religionsfreiheit durch die Verfassung geschützt ist, wird dieser Schutz faktisch nur den Religionen und religiösen Gruppen gewährt, die durch das Gesetz von 2011 als „traditionell“ anerkannt werden. Zu diesen Gruppen gehören Sunniten der hanafitischen Schule, die russisch-orthodoxe Kirche, die römisch-katholische Kirche, Lutheraner und Juden. Protestantische Freikirchen gehören nicht dazu und laufen Gefahr, verfolgt zu werden, wenn sie öffentliche Aktivitäten im Zusammenhang mit ihrem Glauben durchführen. Durch das Gesetz von 2011 ist es kleineren religiösen Gruppen deutlich erschwert worden, sich registrieren zu lassen. Die kasachischen Medien sind Christen gegenüber generell negativ eingestellt. Es gab einige Veröffentlichungen, die speziell gegen protestantische Freikirchen und Christen muslimischer Herkunft gerichtet waren. Protestantischen Christen wurde vorgeworfen, sie seien keine Kasachen und ihr Glaube sei sowohl anti-islamisch als auch anti-christlich. Infolgedessen beschuldigten Vertreter der religiösen und ethnischen Gemeinschaften, denen die christlichen Konvertiten früher angehört hatten, ihre ehemaligen Weggefährten der Blasphemie.

Kirchliches Leben

Zur Registrierung einer religiösen Vereinigung sind fünfzig Mitglieder mit kasachischer Staatsangehörigkeit erforderlich. Nichtregistrierte Kirchen sind streng verboten. Zusätzlich gibt es spezielle Anforderungen für kirchliche Gebäude und das Land, auf dem sie gebaut werden. In der Vergangenheit wurden die Gottesdienste oder Versammlungen von Christen protestantischer Freikirchen häufig gestört und sie mussten Bußgelder zahlen, da ihre Gotteshäuser nicht offiziell vom Staat anerkannt waren. Gerichte interpretieren alle Arten von religiösen Tätigkeiten als illegale Missionstätigkeit, sobald sie außerhalb eines registrierten kirchlichen Gebäudes stattfinden. Das Gesetz verlangt von registrierten Kirchen, das Einverständnis beider Elternteile von Kindern unter 18 Jahren vorzulegen, damit diese an kirchlichen Veranstaltungen teilnehmen dürfen. Das Drucken, Importieren, Verteilen und Verkaufen aller religiösen Materialien bedarf einer Erlaubnis des Staatlichen Religionsausschusses. Eine solche Erlaubnis können nur registrierte Kirchen beantragen. Nach dem Gesetz dürfen Organisationen, Einrichtungen oder Schulen nicht auf religiöser Grundlage agieren. Religiösen Gruppen ist es generell untersagt, gemeinnützige, humanitäre, medizinische, soziale oder kulturelle Einrichtungen beziehungsweise Vereine zu gründen.

Auftreten von Gewalt

Während des Berichtszeitraums für den Weltverfolgungsindex 2019 wurden drei Kirchen beschädigt. Mehr als zehn Christen wurden während Razzien in Kirchen schikaniert. Mindestens zehn Christen wurden festgenommen. Beispiele finden Sie weiter oben in der Zusammenfassung.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

In Kasachstan ist die islamische Kultur Grundlage für das alltägliche Leben der einheimischen Bevölkerung, und diese weist Frauen im Vergleich zu Männern eine untergeordnete Position zu. Von Frauen wird die totale Unterordnung gegenüber ihren Eltern oder, wenn sie verheiratet sind, gegenüber ihren Männern erwartet. Das macht sie angreifbarer für Verfolgung – als Christinnen, aber auch als Frauen, die die bestehende Ordnung in Frage stellen. Konvertitinnen, die den christlichen Glauben annehmen, stehen in größerer Gefahr, körperliche und verbale Übergriffe sowie Belästigungen, Drohungen, Hausarrest, Diskriminierung und Ablehnung durch die Familie oder das muslimische Umfeld zu erfahren, als andere Christinnen. Bei Christen nichtmuslimischer Herkunft gibt es in der Verfolgung keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern.

Männer

In Kasachstan sind normalerweise Männer die Leiter von Kirchen; ebenso sind sie in den meisten Fällen das Familienoberhaupt und Hauptverdiener für die Familienmitglieder. Wenn ein christlicher Mann von Verfolgung betroffen ist und zum Beispiel eine Geldstrafe erhält oder inhaftiert wird, leidet darunter seine ganze Familie. Auch der Verlust des Arbeitsplatzes und des Einkommens betrifft immer die gesamte Familie. Wenn ein christlicher Mann Leiter einer Kirche ist, hat seine Verfolgung ebenfalls Auswirkungen auf die Kirche und verursacht Angst. Der verpflichtende Militärdienst für junge Männer bedeutet ein besonders hohes Risiko für Verfolgung. Das Risiko für körperliche und verbale Übergriffe sowie Belästigungen, Drohungen, Diskriminierung und Ablehnung durch die Familie und das muslimische Umfeld ist für christliche Jungen und Männer mit muslimischem Hintergrund höher als für andere christliche Männer.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Gemäß Forum 18, einer norwegischen Menschenrechtsorganisation, die sich für Religionsfreiheit einsetzt, wurden im Jahr 2017 von den kasachischen Behörden Verwaltungsklagen gegen 279 Personen, religiöse Gemeinschaften, Hilfsorganisationen und Unternehmen eingereicht. Gründe dafür waren die Teilnahme an Gottesdiensten, das Anbieten oder Importieren religiöser Literatur oder Bilder, Gespräche über den Glauben oder Glaubensunterweisung, die Bereitstellung von religiösen Inhalten im Internet, das Beten in nicht gebilligter Art und Weise in Moscheen, die Mitnahme von Kindern zu religiösen Veranstaltungen, unzulängliche Sicherheitsmaßnahmen in Gotteshäusern oder Gebetstätten oder die Nichtbezahlung vorheriger Geldstrafen. Von diesen Angeklagten erhielten 259 Strafen in Form von Geldstrafen, Freiheitsstrafen, Verbote religiöser Tätigkeiten, Abschiebungen und Beschlagnahmung religiöser Literatur. Dem „International Religious Freedom Report“ des US-Außenministeriums zufolge verurteilte die Regierung 23 Personen aufgrund der Ausübung ihrer Religion. Von diesen Personen waren 20 sunnitische Muslime, zwei Zeugen Jehovas, und eine Person Baptist.

Forum 18 berichtet auch über folgende Beispiele für Verfolgung anderer religiöser Gruppen:

  • Ein 61-jähriger Zeuge Jehovas, der an Krebs leidet, muss in Pavlodar, einer Stadt im Norden des Landes, eine fünfjährige Gefängnisstrafe aufgrund einer Anklage wegen „Extremismus“ verbüßen. Bereits zwei Gremien der Vereinten Nationen haben seine Freilassung verlangt, aber Kasachstans Behörden haben diese Aufrufe ignoriert.
  • Im März 2018 verurteilte ein Gericht in Kasachstans Süden in der Region Almaty einen Muslim zu einer einjährigen Haftstrafe. Er wurde angeklagt, da er Mitglied der verbotenen islamischen missionarischen Bewegung „Tablighi Jamaat“ ist.
  • Am 20. Februar 2018 verurteilte ein Gericht im Bezirk Karkaraly in der Region Karaganda den Muslim Dastan Abdrachmanow zu einer Geldstrafe, weil er Jugendlichen in seinem Heimatdorf Borlybulak Islamunterricht erteilt hatte.

9. Ausblick

Politischer Ausblick

Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der derzeitige kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew plant, in naher Zukunft zurückzutreten und keine Hinweise, dass Vorbereitungen für einen Nachfolger getroffen werden.

Ausblick für Christen

  • Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Die gegenwärtige Regierung übt ein hohes Maß an Überwachung im Land aus. Regierungsbeamte auf allen Ebenen sind die stärksten Verfolger von Christen in Kasachstan. Sie legen ihnen alle Arten gesetzlicher Beschränkungen auf, kontrollieren alle religiösen Tätigkeiten, stürmen Versammlungen und blockieren die Verbreitung religiöser Materialien. Dies wird sich vermutlich auch nicht in unmittelbarer Zukunft ändern.
  • Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Der Islam ist nicht die Staatsreligion. Er ist die traditionelle Religion eines Großteils der Bevölkerung. Muslime werden auf die gleiche Art behandelt wie andere Religionszugehörige. Der Druck von Muslimen auf Christen in Kasachstan wird nicht von extremistischen muslimischen Gruppen ausgeübt, sondern er resultiert vielmehr aus dem weitreichenden Einfluss von Familie, Freunden und der Gesellschaft. Chancen, dass sich dies bald ändern wird, sind praktisch nicht vorhanden.

Schlussfolgerung

Aufgrund der sehr hohen Beständigkeit der zwei Haupttriebkräfte der Verfolgung in Kasachstan, wird sich die Kirche in diesem Land darauf gefasst machen müssen, unter einem beträchtlichen und fortwährenden Ausmaß von Druck und Überwachung leben zu müssen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kasachstan

  • Beten Sie für Christen in Kasachstan und für die Leiter der christlichen Kirchen, besonders für Pastoren, die christliche Kirchen im Untergrund leiten und Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben. Beten sie für ihre Sicherheit angesichts stärker werdender Einschränkungen und Kontrolle durch den Staat. Beten Sie für Weisheit für Pastoren und Leiter, die Veranstaltungen organisieren.
  • Beten Sie für Christen, die geschlagen und inhaftiert wurden, weil sie den Islam verlassen haben und nun Jesus Christus nachfolgen.
  • Beten Sie für Mitarbeiter in den Behörden, die den christlichen Glauben unterdrücken oder auslöschen wollen.

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