Länderprofil Iran

Iran

8
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Iran
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
9
Karte Iran
Christen
0,80
Bevölkerung
83.59
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 14.500
Familienleben: 14.500
Gesellschaftliches Leben: 13.900
Leben im Staat: 15.700
Kirchliches Leben: 16.500
Auftreten von Gewalt: 10.600

Länderprofil Iran

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 8 / 86 Punkte (WVI 2020: Platz 9 / 85 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, tragen die Hauptlast der Verstöße gegen die Religionsfreiheit, die durch die Regierung und in einem geringeren Ausmaß durch ihre Familien und die Gesellschaft begangen werden. In diesen Christen muslimischer Herkunft sieht die Regierung einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung Irans zu untergraben. Leiter von Gruppen solcher christlichen Konvertiten werden verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Die traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen sind zwar durch den Staat anerkannt und geschützt, ihre Mitglieder werden aber als Bürger zweiter Klasse behandelt. Ihnen ist der Kontakt mit (farsisprachigen) Christen muslimischer Herkunft verboten, ihre Gottesdienste dürfen diese Konvertiten nicht besuchen.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

86

8

2020

85

9

2019

85

9

2018

85

10

2017

85

8

Der leichte Anstieg der Punktzahl auf dem Weltverfolgungsindex 2021 ist vor allem in einem Anstieg des Drucks in den Bereichen des Privatlebens und Familienlebens begründet. Die staatliche Überwachung nimmt zu, da Iran sich immer mehr zu einem totalitären Staat entwickelt – das führt dazu, dass die Behörden das tägliche Leben immer strenger kontrollieren. Die Wertung in allen Lebensbereichen ist extrem hoch.

2. Trends und Entwicklungen

1) Interner Kampf um das Atomabkommen

Das Atomabkommen, das Mitte 2015 mit sechs Weltmächten abgeschlossen wurde, ist für Iran nach wie vor bedeutsam, auch wenn sich die USA daraus zurückgezogen haben. Welche langfristigen Konsequenzen dieses Abkommen haben wird, hängt im hohen Maße von den verschiedenen Akteuren innerhalb des iranischen politischen Spektrums ab. Konservative Kräfte (wie etwa die Revolutionsgarde, eine einflussreiche Militär- und Sicherheitsorganisation, die mit dem Schutz des Regimes betraut ist), auch „Prinzipalisten“ genannt, unterstützen das Abkommen nicht. Die Führung Irans fürchtet um ihre Stellung, und dass die Werte der Islamischen Revolution von 1979 verletzt werden könnten. Es ist wahrscheinlich, dass sie versuchen wird, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, indem sie alle Versuche zu sozialen und politischen Reformen blockiert. Der Rückzug der USA aus dem Abkommen hilft ihr dabei, die gemäßigten Kräfte des Landes und Präsident Rohani zu rügen, das Abkommen mit dem Erzfeind überhaupt abgeschlossen zu haben. In gewisser Weise kann man sagen, dass das Atomabkommen den innenpolitischen Machtkampf weiter eskalieren ließ. Dabei hat der Rückzug der USA die gemäßigten Kräfte in eine Zwickmühle gebracht.

2) Sanktionen und der neue Präsident der USA

Die (wirtschaftliche) Zukunft Irans hängt in hohem Maße von der Politik der USA ab. Die erneute Verhängung von US-Sanktionen hat die iranische Wirtschaft schwer getroffen. Es ist unwahrscheinlich, dass die bisherige Politik einer maximalen Druckausübung unter dem neu gewählten Präsidenten Joe Biden fortgesetzt wird. Wahrscheinlich werden sich die Beziehungen zwischen den USA und Iran eher entspannen, und es könnte sein, dass die USA sogar wieder dem Atomabkommen beitritt. Dies könnte Irans Isolation beenden und das Wirtschaftswachstum fördern. Nichtsdestotrotz wird das Verhältnis zwischen den USA und Iran mehr oder weniger feindselig geprägt sein, da die mit den USA verbündeten Golfstaaten weiterhin erbitterte Feinde des iranischen Regimes sind, und es ist anzunehmen, dass die USA den Einfluss Irans in der Region einzudämmen versuchen.

3) Unterdrückung aller Andersdenkenden, einschließlich Christen

Das harte Vorgehen gegen Medien sowie Menschenrechts- und politische Aktivisten ist eine weitere Art und Weise, um klarzustellen, dass das Atomabkommen nicht dem Ende der Werte der Revolution gleichkommt. Die Unterdrückung von Iranern mit doppelter Staatsangehörigkeit und Dissidenten (einschließlich religiöser Minderheiten) hat bereits zugenommen. Diese Personengruppen werden als Bedrohung der islamischen Identität der Republik betrachtet – wer eine doppelte Staatsbürgerschaft besitzt, weil er Verbindungen zu ausländischen Kreisen und Unternehmen hat, und wer zu einer religiösen Minderheit gehört oder Andersdenkender ist, wegen seiner politischen oder religiösen Überzeugungen. Diese Unterdrückung zeigt sich in der gestiegenen Zahl der Verhaftungen, aber auch in den Verleumdungskampagnen gegen religiöse Minderheiten, insbesondere gegen Christen mit muslimischem Hintergrund und Bahais. Je mehr es der breiten Öffentlichkeit durch den technologischen Fortschritt möglich wird, mit dem Rest der Welt zu interagieren, desto mehr werden religiöse Minderheiten wie Bahais oder Christen staatlich überwacht; dabei achten die Behörden besonders darauf, ob sie Kontakt zu Glaubensgeschwistern im Westen aufnehmen. Berichten zufolge stehen christliche farsisprachige Medien bereits unter strenger Beobachtung.

3. Religiöse Situation im Land

Iran ist die Heimat einer reichen Vielfalt religiöser und ethnischer Gruppen mit einer langen Geschichte in der Region. Die meisten Iraner folgen dem schiitischen Islam dschafaritischer Prägung (die Dschafariya ist eine schiitische Rechtsschule). Dies ist die offizielle Staatsreligion. Eine bedeutsame Minderheit von zehn Prozent folgt jedoch dem sunnitischen Islam.

Das Interesse am christlichen Glauben und anderen nichtislamischen Religionen ist in Iran ungebrochen. Die Gesellschaft ist überwiegend vom Islam enttäuscht – so berichten iranische Christen von einer Zunahme des Agnostizismus und davon, dass immer mehr Menschen vor allem in urbanen Gebieten dem Islam nur noch nominell angehören. Ein Nichtmuslim in Iran zu sein, bringt eine Vielzahl von Einschränkungen und Diskriminierungen im privaten und öffentlichen Leben mit sich. Religiöse und politische Anführer in Iran sprechen sich weiterhin gegen den christlichen Glauben aus. Die konservativen Kräfte und Hardliner behalten in inneren Angelegenheiten ihre fast absolute Macht. Das wirkt sich auf die Menschenrechte aus. Es sollte daher nicht überraschen, dass Christen in Iran auf verschiedene Weise unterdrückt werden.

Der iranische Geheimdienst überwacht zusammen mit der Revolutionsgarde sehr genau alle Aktivitäten von Christen und anderen religiösen Minderheiten. Sie sind es, die Razzien durchführen, wenn in Privathäusern christliche Treffen stattfinden, die dabei Teilnehmer festnehmen und persönliches Eigentum beschlagnahmen. Die Verhafteten werden strengen und oft gewaltsamen Verhören ausgesetzt.

Der christliche Glaube gilt als verwerflicher westlicher Einfluss und als ständige Bedrohung der islamischen Identität der Republik. Dies gilt umso mehr, als die Zahl der Christen in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat – vor allem die Zahl der Christen mit muslimischem Hintergrund. Angeblich haben sogar Kinder politischer und geistlicher Leiter den Islam verlassen, um sich dem christlichen Glauben zuzuwenden. Da praktisch alle Gottesdienste in der Landessprache Farsi (Persisch) verboten sind, treffen sich die meisten Christen muslimischer Herkunft in informellen Hauskirchenversammlungen, oder sie informieren sich über Satellitenfernsehen und Internetseiten über den christlichen Glauben.

Konvertiten bilden die größte Gruppe von Christen im Land. Zudem gibt es auch im Ausland viele Iraner, die sich dem Islam ab- und dem christlichen Glauben zuwenden. Die zweitgrößte Gruppe sind die armenischen und assyrischen Christen. Ihre Kirchen sind zwar durch den Staat anerkannt und geschützt, ihre Mitglieder werden jedoch als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Neben Christen werden auch die Rechte anderer religiöser Minderheiten wie Juden, Bahais, Zoroastrier, Sufis (Derwische) und sunnitische Muslime verletzt. Christentum, Judentum und Zoroastrismus sind in der Verfassung anerkannt; gleichzeitig sind Religionen, die in der Verfassung nicht anerkannt sind, wie zum Beispiel die Bahais, besonders von Rechtsverletzungen betroffen. Jüngsten Berichten zufolge aber werden Konvertiten, die sich dem Islam ab- und dem christlichen Glauben zugewandt haben, schlechter behandelt als nichtanerkannte religiöse Minderheiten.

Das islamische Recht schreibt vor, eine Frau habe in der Öffentlichkeit die islamischen Kleidungsvorschriften einzuhalten: Sie muss ein Kopftuch („Hidschab“) und einen langen Mantel („Manteau“) tragen oder sich mit einem großen Tuch um Kopf und Körper verhüllen („Tschador“, wie es für Regierungsfunktionen vorgeschrieben ist). Verstöße gegen diese Vorschriften werden mit Prügeln und Geldstrafen geahndet. Im islamischen Umfeld sehen sich Christen muslimischer Herkunft mit extremer Feindseligkeit konfrontiert. Christliche Konvertitinnen werden als „fehlgeleitet“ angesehen. Dagegen werden Männer als Führungspersonen betrachtet, die eigentlich den islamischen Glauben vertreten sollten – und die mit ihrem Glaubenswechsel absichtlich die falsche Wahl getroffen haben. Ihre Strafe ist folglich härter. Viele von ihnen sehen sich gezwungen, aus dem Land zu fliehen und in westliche Länder auszuwandern. Dies destabilisiert die Kirche und beraubt sie reifer männlicher Leiterpersönlichkeiten und Vorbilder.

Berichte anderer Quellen:

  • Zum Stand der Religionsfreiheit stellt der „Bericht zur Gedankenfreiheit“ („Freedom of Thought Report“) fest: „In der Verfassung ist der Islam (dschafaritischer Prägung) als Staatsreligion festgeschrieben. Artikel 12 und 13 unterteilen die Bürger der Islamischen Republik Iran in vier religiöse Kategorien: Muslime, Zoroastrier, Juden und Christen. Nichtgläubige werden faktisch außen vorgelassen. Sie sind von bestimmten gesetzlichen Rechten oder Schutzmaßnahmen ausgeschlossen. Iraner müssen sich zu einer dieser vier offiziell anerkannten Religionen bekennen, um eine Reihe von gesetzlichen Rechten geltend machen zu können, zum Beispiel, um sich für die allgemeine Prüfung zum Eintritt in eine Universität im Iran bewerben zu können. Dabei klassifizieren die Behörden die Yaresan als schiitische Muslime, die den Sufismus praktizieren, obwohl die Yaresan ihren Glauben als eigenständig bezeichnen. Ebenso sehen sich die Sabäer-Mandäer nicht als Christen, doch die Regierung ordnet sie der christlichen Kategorie zu.”
  • Interessanterweise ergab eine im Jahr 2020 durchgeführte Umfrage mit dem Titel „Die Einstellung der Iraner zur Religion“, dass nur 32,2 Prozent der Iraner sich als schiitische Muslime sehen, während 22,2 Prozent sich mit keiner Religion oder Weltanschauung identifizieren. Laut dieser Umfrage gaben 1,5 Prozent der Befragten an, Christ zu sein.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Der schiitische Islam ist die offizielle Staatsreligion. Alle Gesetze müssen mit der offiziellen Auslegung der Scharia übereinstimmen. Die Verfassung verbietet dem Parlament, Gesetze zu verabschieden, die dem Islam widersprechen. Weiterhin heißt es in der Verfassung, dass ihre Vorschriften bezüglich der „islamischen Natur“ des politischen Systems und des Rechtswesens, sowie bezüglich der Festlegung des schiitischen Islam dschafaritischer Prägung als Staatsreligion nicht geändert werden dürfen. Um die islamischen Bestimmungen zu schützen und die Vereinbarkeit der vom Parlament verabschiedeten Gesetze mit dem Islam zu gewährleisten, muss ein Wächterrat, der aus schiitischen Rechtsgelehrten und Geistlichen besteht, alle Gesetzesentwürfe prüfen und genehmigen. Der Wächterrat prüft auch alle Kandidaten für die höchsten öffentlichen Ämter wie die Präsidentschaft und das Parlament. Dies erklärt, warum selbst die Reformer innerhalb der Regierung konservativ sind, und warum Christen und andere religiöse Minderheiten von hohen Ämtern und anderen einflussreichen Positionen im System ausgeschlossen werden.

Nach Ansicht der Regierung, und in geringerem Maße auch der allgemeinen Gesellschaft, sind ethnische Perser per Definition Muslime. Daher gelten persische Christen als Abtrünnige. Das macht fast alle christlichen Aktivitäten illegal, vor allem, wenn sie in Farsi stattfinden: Evangelisation, biblischer Unterricht, die Herausgabe christlicher Bücher oder Verkündigung in Farsi. Allerdings ist die iranische Gesellschaft viel weniger fanatisch als ihre Führung. Dies ist zum Teil auf den weit verbreiteten Einfluss des gemäßigteren und mystischen Sufismus zurückzuführen sowie auf den Stolz des iranischen Volkes auf die vorislamische persische Kultur.

Diktatorische Paranoia

Der unbedingte Wille zum Machterhalt geht mit islamischer Unterdrückung einher. Das islamische Regime ist vor allem bestrebt, die Werte der Islamischen Revolution von 1979 zu bewahren. Der christliche Glaube gilt als verwerflicher westlicher Einfluss und als ständige Bedrohung der islamischen Identität der Republik. Nur die traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen werden vom Regime als christlich angesehen, obwohl auch ihre Mitglieder als Bürger zweiter Klasse behandelt werden. Jede andere Form des christlichen Glaubens wird als gefährlicher westlicher Einfluss behandelt, was erklärt, warum viele Christen, vor allem Christen muslimischer Herkunft, wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ verurteilt werden.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Inhaftierten Christen, besonders Christen mit muslimischem Hintergrund, wird manchmal eine Entlassung gegen Kaution angeboten. Dabei geht es oft um hohe Geldbeträge, die Berichten zufolge zwischen 2.000 und 200.000 US-Dollar liegen. Die betroffenen Christen oder deren Familien müssen für diese Beträge ihre Häuser oder Geschäfte mit Hypotheken belasten. Kommt die Person auf Kaution frei, ist oftmals unklar, wie lange ihr Besitz einbehalten wird – eine Unsicherheit, die Christen zum Schweigen bringen kann, da sie den Verlust ihres Familienbesitzes fürchten müssen. Das iranische Regime drängt Christen, die in ihrer Hauskirche aktiv sind und für ihr Engagement dort oder bei evangelistischen Aktivitäten verhaftet wurden, das Land zu verlassen und damit ihre Kaution aufzugeben. Teilweise geht dies auch mit Drohungen einher.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Iran hat eine Schamkultur, insbesondere in ländlichen Gebieten. Dazu kommt, dass Iran eine multikulturelle Bevölkerung hat, wobei einige ethnische Gruppen starke Gruppenidentitäten wahren. Das iranische Regime übt Druck auf alle nichtschiitischen Gruppen und sogar auf einige (schiitische) Sufi-Gruppen aus. Das kann zu einem erhöhten Druck auch auf Christen muslimischer Herkunft führen.

Konfessioneller Protektionismus

Auch wenn der Einfluss dieser Triebkraft der Verfolgung als gering eingestuft wird, bedürfen die zugrundeliegenden Probleme weiterer Ausführung. In den Medien und auf internationaler Ebene unterstreichen die iranischen Behörden gerne die Präsenz von Vertretern der armenischen und assyrischen Kirche, um einen Eindruck religiöser Toleranz im Land zu vermitteln. Kirchenvertreter äußern sich öffentlich zu „der Freiheit, die alle Christen genießen“, auch wenn in Wirklichkeit nur ein kleiner Teil der Christen ein sehr begrenztes Maß an Freiheit besitzt. Derartige Aussagen werden oft benutzt, um anderen christlichen Konfessionen die Legitimität abzusprechen – vor allem protestantischen Christen muslimischer Herkunft, die sich den staatlichen Einschränkungen nicht beugen und ihre Religionsfreiheit in stärkerem Maße ausüben wollen.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Sie sind für die vielen Verhaftungen und Verurteilungen von Christen, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, verantwortlich. Alle christlichen Gruppen werden durch die Geheimdienste streng überwacht, selbst die offiziell anerkannten traditionellen armenischen und assyrischen Kirchen. Durch diese enge Überwachung und die Verhaftungen derer, die das Evangelium weitergeben, übt die Regierung Druck aus, um sicherzustellen, dass Christen nicht unter Muslimen missionieren.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Muslimische Geistliche rufen manchmal zu Gewalt gegen Minderheiten auf.
  • Politische Parteien: Die islamischen Rechten (die Prinzipalisten) dominieren das Parlament und den Wächterrat, der sein Veto gegen jedes vom Parlament verabschiedete Gesetz einlegen kann. Solange der rechte Flügel Iran als islamisches Land für schiitische Muslime betrachtet, das von westlichen (christlichen) Ländern und deren Kultur bedroht ist, werden Christen, insbesondere Christen mit muslimischem Hintergrund, verfolgt werden.
  • Paramilitärische Gruppen: Die Prinzipalisten stärken ihre Unterstützerbasis durch die Freiwilligen-Miliz der Revolutionsgarde, genannt „Basidsch“. Dies ist eine fanatische paramilitärische Gruppierung der Rechten, die für ihre Loyalität zum Obersten Religionsführer bekannt ist. Die Miliz verfügt über Büros und Stützpunkte im ganzen Land. Sie sichert die Unterstützung für die Prinzipalisten. Wenn sie dazu aufgefordert wird, übt sie Gewalt gegen alle Feinde des Staates aus, Christen inbegriffen.
  • Die Gesellschaft / die eigene (Groß-)Familie: Obwohl die iranische Gesellschaft viel gemäßigter ist als ihre Führung, üben religiöse Familien oft Druck auf Angehörige aus, die vom Islam zum christlichen Glauben konvertiert sind.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Diktatorische Paranoia und islamische Unterdrückung lassen sich in Iran nicht klar trennen. Andere Ideologien und Religionen zu verdrängen, hilft den führenden iranischen Geistlichen, ihre Macht zu erhalten. Ihr Ziel ist es, ein nach den Regeln des schiitischen Islam regiertes Land zu schaffen. Laut dem Länderbericht zu Iran im „Bertelsmann Transformation Index 2018“ wird Iran de facto von „einigen einflussreichen Geistlichen und ihren Familienangehörigen gesteuert, die Monopole auf lukrative Wirtschaftsbereiche, insbesondere den Import bestimmter Waren, halten“. In diesem Bericht heißt es auch, dass „der Privatsektor nur etwa 20 Prozent der Gesamtwirtschaft ausmacht“, womit die große Rolle des Staates und die enormen wirtschaftlichen Interessen der Machthaber aufgezeigt werden.

Ausgehend von organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Regierungsbeamte: Die Regierung nutzt Kautionszahlungen, um verurteilte Christen verarmen zu lassen, und drängt sie so dazu, das Land zu verlassen. Berichten zufolge nutzen einige Beamte das System aus, um sich selbst zu bereichern.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Anführer ethnischer Gruppen: Je nach Ethnie können Anführer ethnischer Gruppen eine wichtige Rolle dabei spielen, die Feindseligkeit gegenüber Christen muslimischer Herkunft zu fördern.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Familienmitglieder fühlen sich manchmal dazu veranlasst, die Ehre ihrer Familie, ihres Clans oder Stammes zu schützen, wenn ein anderes Familienmitglied den christlichen Glauben annimmt. Dies kann insbesondere der Fall sein, wenn weibliche Familienmitglieder einen Glaubenswechsel vollziehen.

Ausgehend von konfessionellem Protektionismus

  • Christliche Leiter anderer Kirchen / Anführer ethnischer Gruppen: Die armenischen und assyrischen Christen verfügen über drei Repräsentanten im iranischen Parlament. Sie tendieren dazu, Iran als ein freies Land darzustellen, in dem Minderheiten die gleichen Rechte haben wie alle anderen Bürger. Sie gehen sogar so weit, die iranische Regierung und die Sicherheitsbehörden zu loben, sie würden andere ethnisch-christliche Minderheiten im Ausland schützen, obwohl Christen im eigenen Land zu langen Haftstrafen verurteilt werden. Jedoch ist dies wahrscheinlich der einzige Weg, um als ethnisch-christliche Minderheit inmitten des Drucks der Regierung zu überleben.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die von der Regierung ausgeübte Kontrolle ist in städtischen Gegenden am höchsten. Ländliche Gebiete werden weniger stark überwacht. In der Anonymität der Städte haben Christen jedoch mehr Freiheiten, Treffen und Aktivitäten zu organisieren als in ländlichen Gebieten, in denen die soziale Kontrolle stärker ist.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Zu dieser Gruppe gehören ausländische Christen und Arbeitsmigranten aus Asien (zum Beispiel von den Philippinen oder Südkorea) und dem Westen, darunter viele Angehörige der katholischen, lutherischen oder presbyterianischen Kirche. Einige der wenigen ausländischen Gemeinden mussten schließen, nachdem einheimische Christen muslimischer Herkunft an den Gemeindeversammlungen teilgenommen hatten. Gemeinsame jährliche Gebetstreffen zwischen Kirchenleitern verschiedener Konfessionen wurden in der Vergangenheit ebenfalls abgesagt, weil der Druck vonseiten des iranischen Sicherheitsapparates zu hoch war.

Christen aus traditionellen Kirchen

Volksgruppen wie die Armenier oder Assyrer sind traditionell mehrheitlich Christen; sie leben als Minderheiten im Land, sind aber relativ frei in der Ausübung ihres Glaubens und dürfen Angehörigen ihres eigenen Volkes in ihrer jeweiligen Muttersprache predigen. Es ist ihnen jedoch verboten, (farsisprachige) Menschen muslimischer Herkunft miteinzubeziehen oder sie an den armenischen und assyrischen Gottesdiensten teilnehmen zu lassen. Obwohl sie offiziell anerkannt und gesetzlich geschützt sind, werden sie als Bürger zweiter Klasse behandelt. Zudem riskieren sie Freiheitsentzug, körperliche Misshandlungen, Schikanen und Diskriminierung, wenn sie sich an Muslime wenden.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Ehemalige Muslime, die den christlichen Glauben angenommen haben, machen die größte Gruppe von Christen in Iran aus. Sie tragen die Hauptlast der Verfolgung, die von der Regierung ausgeht und in einem geringeren Ausmaß von ihren (Groß-)Familien und der Gesellschaft. Im Gegensatz zu den traditionellen Kirchen betrachtet die Regierung sie als einen Versuch westlicher Länder, den Islam und die islamische Regierung Irans zu untergraben. Die Taufe wird als öffentliches Zeichen der Abwendung vom Islam gesehen. Sie ist deshalb verboten. Außerdem werden die meisten Kinder von Christen muslimischer Herkunft automatisch als Muslime registriert. Besonders die Leiter von Gruppen von Christen muslimischer Herkunft werden verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen „Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu langen Haftstrafen verurteilt. Ähnliche Strafanzeigen erhielten seit 2014 jedoch vermehrt auch einfache Mitglieder von Hauskirchen, die keine Leitungsfunktion innerhalb der Gruppen ausüben. Aufgrund dieses hohen Drucks müssen Christen muslimischer Herkunft sehr vorsichtig sein. Viele von ihnen leben ihren Glauben isoliert, ohne Gemeinschaft mit anderen Christen zu haben. Es gibt jedoch auch eine wachsende Gemeinschaft iranischer Christen muslimischer Herkunft weltweit, da viele von ihnen im Laufe der Jahre aus dem Land geflohen und andere Iraner im Ausland ebenfalls Christen geworden sind.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Eine weitere Gruppe von Christen besteht aus Evangelikalen, Baptisten und Mitgliedern von Pfingstgemeinden. Zwar ist es schwierig, klar zwischen ihnen und den Gemeinschaften von Christen muslimischer Herkunft zu trennen, doch haben die Christen protestantischer Freikirchen oft einen armenischen, assyrischen, jüdischen oder zoroastrischen Hintergrund; andere sind Kinder oder Enkel von Christen muslimischer Herkunft. Sie sind der gleichen schweren Verfolgung durch die Regierung ausgesetzt und werden von der Gesellschaft diskriminiert, insbesondere, wenn sie sich bei evangelistischen Aktivitäten oder in Hauskirchen engagieren.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 14.5
Familienleben 14.5
Gesellschaftliches Leben 13.9
Leben im Staat 15.7
Kirchliches Leben 16.5
Auftreten von Gewalt 10.6

 

Grafik: Verfolgungsmuster Iran

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen hat weiterhin das gleiche extrem hohe Ausmaß wie im Weltverfolgungsindex 2020 (15,0 Punkte). Die iranische Regierung übt in großem Umfang Druck auf Christen aus.
  • Auch wenn der Druck in allen Lebensbereichen ein extremes Ausmaß hat — die höchste Stufe erreicht er im kirchlichen Leben und im Leben im Staat. Darin spiegelt sich, dass der Druck hauptsächlich von der Regierung ausgeht. Das gesamte kirchliche Leben ist stark eingeschränkt. Das betrifft auch das kirchliche Leben der offiziell anerkannten armenischen und assyrischen Christen, die das Evangelium nicht weitersagen und in ihren Gottesdiensten kein Farsi sprechen dürfen.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist von 10,4 Punkten im Vorjahr auf 10,6 Punkte gestiegen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Der iranische Geheimdienst sucht in den sozialen Netzwerken nach Äußerungen, die mit dem christlichen Glauben zu tun haben, und sammelt diese als belastende Beweise für Inhaftierungen. Einige Kirchenleiter wurden bei Verhören mit ihren privaten Nachrichten und Posts im Internet konfrontiert. Dies betrifft zwar vor allem Christen muslimischer Herkunft, doch auch für Christen aus traditionellen Kirchen und protestantischen Freikirchen ist es riskant, sich im Internet über ihren christlichen Glauben zu äußern, da dies als Missionierungsversuch interpretiert werden könnte – insbesondere, wenn diese Äußerungen auf Farsi geschrieben sind.

War es gefährlich, privat christliche Materialien zu besitzen oder aufzubewahren?

Für alle Christen kann es gefährlich sein, christliche Literatur in Farsi zu besitzen – besonders in größerer Anzahl, da dies darauf hindeutet, dass sie zur Weitergabe an muslimische Iraner gedacht ist. Christen aus traditionellen Kirchen dürfen christliche Literatur in ihrer Muttersprache (Armenisch oder Assyrisch) besitzen.

War es riskant für Christen, auf christliche Radiostationen, TV-Sender oder christliches Material im Internet zuzugreifen?

Der Zugriff auf christliche Inhalte im Internet ist gefährlich, da alle Medien sehr stark überwacht werden. Die Behörden kontrollieren christliche Programme und Internetseiten, um Christen muslimischer Herkunft aufzuspüren.

War es für Christen riskant, sich mit anderen Christen zu treffen?

Besonders Christen muslimischer Herkunft riskieren entdeckt zu werden, wenn sie sich mit anderen Christen treffen. Doch auch für ausländische Christen ist es riskant, sich mit iranischen Christen zu treffen – besonders mit Christen muslimischer Herkunft – da der Geheimdienst jede Bewegung von Ausländern im Land genau beobachtet. Iranische Christen, die Kontakt zu ausländischen Christen haben, werden als Sicherheitsbedrohung angesehen.

Familienleben

Sind christliche Paare aufgrund ihres Glaubens daran gehindert worden, Kinder zu adoptieren oder sie als Pflegekinder aufzunehmen?

Für Christen ist es unmöglich, ein muslimisches Kind zu adoptieren. Armenische und assyrische Paare dürfen nur Kinder aus ihrer eigenen Volksgruppe adoptieren und das auch nur, wenn sie den Adoptionsantrag bei einem armenischen oder assyrischen Waisenhaus stellen. Wollen sie jedoch ein Kind aus einem staatlichen Waisenhaus adoptieren, wird ihr Antrag abgelehnt.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Die Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch als Muslime registriert. Sie müssen das iranische Bildungssystem absolvieren, welches auf dem Islam basiert und nach der Revolution 1979 noch einmal stärker islamisiert wurde. Einige Christen muslimischer Herkunft haben bereits versucht, dagegen Einspruch zu erheben, was aber nur dazu geführt hat, dass sie vor Gericht gestellt und ihre Kinder bedroht wurden. Aus Angst vor noch mehr Verfolgung versuchen viele Christen deshalb erst gar nicht, rechtlich gegen diese Regelung vorzugehen.

Darüber hinaus werden die Kinder von armenischen oder assyrischen Christen gezwungen, in der Grundschule am Koran- und Islamunterricht teilzunehmen. Fächer wie „Geschichte des Islam“ oder „Lehren des Korans“ sowie Arabisch sind Pflichtkurse für alle Oberstufenschüler, unabhängig von ihrer jeweiligen Religionszugehörigkeit. Bei der Bewerbung an einer Universität muss die Religionszugehörigkeit angeben werden. Gibt eine Person muslimischer Herkunft an, dass sie Christ ist, wird sie nicht an der Universität aufgenommen. Somit ist es praktisch unmöglich für Christen muslimischer Herkunft zu studieren – es sei denn, sie sagen bei der Bewerbung die Unwahrheit bezüglich ihres Glaubens.

Haben christliche Ehepartner und/oder Kinder von Christen bedingt durch Verfolgung über einen längeren Zeitraum Trennung erlitten?

Kirchenleiter und zunehmend auch immer mehr Gemeindemitglieder werden oft zu langen Gefängnisstrafen verurteilt, was ihre Familie häufig negativ belastet. Kinder sind durch die Abwesenheit eines Elternteils manchmal stark traumatisiert. In einigen Fällen führten Gefängnisstrafen auch dazu, dass ein nichtchristlicher Ehepartner die Scheidung einreichte, weil der Druck auf ihn zu groß wurde. Solche Umstände verursachen großes emotionales Leid für die Familien.

Haben Christen ihre Erbrechte aufgrund ihrer Bekehrung zum Christentum oder (wenn die Person bereits Christ war) zu einer anderen Form des christlichen Glaubens verloren?

Das iranische Zivilrecht enthält einige diskriminierende Gesetze – zum Beispiel das Erbschaftsrecht. Laut Artikel 881 des Zivilgesetzbuchs kann jemand, der kein Muslim ist, beispielsweise nicht von einem Muslim erben. Auch wenn ein Nichtmuslim stirbt und nur ein einziger seiner Erben Muslim ist, fällt diesem der gesamte Nachlass zu – zuungunsten der anderen nichtmuslimischen Erben. Diese Regelung gilt unabhängig von Verwandtschaftsgrad oder Beziehung des muslimischen Erben mit dem Verstorbenen. Dieses Gesetz benachteiligt so nicht nur religiöse Minderheiten, sondern führt auch dazu, dass Menschen aus materiellen Gründen zum Islam konvertieren.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Alle der oben genannten Gruppen von iranischen Christen werden überwacht. Der iranische Geheimdienst nutzt hochentwickelte Überwachungstechnologien. Wenn eine Person verdächtigt wird, eine Hauskirche zu leiten oder an evangelistischen Aktivitäten teilzunehmen, wird diese Person beschattet und häufig auf vielfältige Art und Weise belästigt. Diese Überwachung reicht weit über die Grenzen Irans hinaus. Es gibt zuverlässige Berichte über iranische Spitzel in westlichen Ländern, die dem iranischen Geheimdienst Informationen über christliche Aktivitäten zukommen lassen.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Christen, besonders wenn sie verdächtigt werden, das Evangelium weiterzugeben, werden häufig zu Verhören vorgeladen – einige wurden unzählige Male verhört. Das Ziel dieser Verhöre ist es, Christen einzuschüchtern, ohne sie vor Gericht zu stellen oder inhaftieren zu müssen. Je nach Schwere der Anschuldigungen und den vorhandenen „Beweisen“ kann es jedoch auch dazu kommen, dass Christen nach diesen Verhören eingesperrt und strafrechtlich angeklagt werden.

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

In Iran ist es für Frauen Pflicht, den Kopf zu bedecken und den Hidschab zu tragen. Christen müssen feinfühlig ausloten, wie sie sich verhalten, damit sie von ihrem sozialen Umfeld keine Probleme bekommen. Der Druck auf Christen ist während islamischer Feiertage, im Ramadan oder dann, wenn christliche Feste mit schiitischen Trauertagen zusammenfallen, besonders intensiv. Vor allem Christen muslimischer Herkunft werden, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt ist, dann teilweise täglich schikaniert, beispielsweise von ihren Nachbarn, Vorgesetzten oder Kollegen.

Wurden Christen beim Betreiben ihres Geschäfts aus religiösen Gründen behindert (z.B. Zugang zu Krediten, Subventionen, Regierungsverträgen, Kundenboykotte)?

Mehr als 60 Prozent des Wirtschaftssektors werden direkt von der iranischen Regierung kontrolliert. Klientelpolitik und Vetternwirtschaft sind sehr weit verbreitet. Christen aus traditionellen Kirchen, wie armenische und assyrische Christen, werden im Geschäftsleben diskriminiert. Den anderen Christen in Iran ist es gar nicht möglich, Handel zu treiben.

Leben im Staat

Wurden Christen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, oder wurde ihre Beförderung aus religiösen Gründen behindert?

Hohe Positionen in der Gesellschaft oder Regierung werden nur an schiitische Muslime vergeben; Minderheiten werden in Iran stark benachteiligt. Alle Christen sind von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen, mit Ausnahme von drei Sitzen im Parlament, die für Christen der armenischen und assyrischen ethnischen Minderheit reserviert sind.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Es gibt keine Meinungsfreiheit in Iran, und Kritik an der Regierung kann schwerwiegende Folgen haben. Armenische und assyrische Christen müssen sehr vorsichtig sein, dass sie nicht die Regierung kritisieren oder Dinge äußern, die als Versuch der Missionierung interpretiert werden könnten. Wo sich iranische Christen schon im Privaten sehr vorsichtig verhalten müssen, gilt dies umso mehr für die öffentliche Meinungsäußerung, insbesondere für Christen muslimischer Herkunft.

War die Berichterstattung in den Medien falsch oder voreingenommen gegenüber Christen?

Die staatlichen iranischen Medien werden strikt überwacht und dürfen keine abweichenden Meinungen oder Ansichten veröffentlichen. Immer wieder sprechen sich Regierungsbeamte gegen Christen aus, wobei sie typischerweise „Zionismus“ und Hauskirchen anführen. Diese Äußerungen rufen Wellen von Hassreden gegen Christen hervor. Christenfeindliche Rhetorik von Imamen und von der Regierung multimedial verbreitete Hetze und Hassreden gegen iranische Christen, vor allem gegen Protestanten, erreichten während des Berichtszeitraums zum Weltverfolgungsindex 2021 weiterhin ein hohes Ausmaß.

Wurden Personen, die Christen Schaden zugefügt haben, bewusst von der Strafverfolgung ausgenommen?

Regierungsbeamte setzen bei Verhaftungen und Verhören von Christen oft Gewalt ein. (Sexuelle) Belästigung ist weit verbreitet und auch wenn solche Handlungen nach iranischem Recht unter Strafe stehen, wird nicht dagegen vorgegangen. Dazu kommt, dass Verbrechen straffrei bleiben, die an Christen muslimischer Herkunft von ihrer eigenen Familie begangen werden.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Viele, wenn nicht alle, öffentlichen Gottesdienste werden geheimdienstlich überwacht. Armenische und assyrische Christen werden zwar überwacht, jedoch nicht davon abgehalten, ihre Gottesdienste zu besuchen, solange sie sie in ihrer eigenen Muttersprache abhalten und keine Christen muslimischer Herkunft teilnehmen lassen. Die Regierung hat ihre Anstrengungen weiter verstärkt, farsisprachige Christen aus dem Land zu vertreiben. In den letzten Jahren wurden viele Kirchen geschlossen, enteignet oder dazu gezwungen, Gottesdienste in Farsi aufzugeben. Auch wurden die Kirchenleiter oft verhaftet. Offiziell gibt es nahezu keine farsisprachigen Kirchen mehr im Land. Die strenge Überwachung von Hauskirchen löst bei deren Mitgliedern zunehmend Furcht aus.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Allen Kirchen ist es verboten, ethnische Perser regelmäßig an ihren Aktivitäten teilnehmen zu lassen. Diese Maßnahme war Teil eines von 2008 bis 2010 eingeführten Sicherheitsprogramms. Kirchen wurden vom Geheimdienst besucht und Kirchenleiter von Regierungsbeamten vorgeladen. Sie mussten eine Liste der Gottesdienstbesucher vorlegen und ihnen wurde verboten, ethnische Perser an ihren Gottesdiensten teilnehmen zu lassen. Außerdem wurden Gottesdienste auf Farsi verboten. Kirchenleiter, die sich weigerten, diese Regelungen zu befolgen, wurden unter großen Druck gesetzt und dazu gezwungen, das Land zu verlassen. Die Regelungen gelten noch immer. Inzwischen halten sich alle der übriggebliebenen Kirchen an diese Regelungen und wissen, dass sie keine Christen muslimischer Herkunft aufnehmen dürfen.

Wurden die Christen bei der Ausbildung ihrer eigenen religiösen Leiter behindert?

Den armenischen, assyrischen, katholischen und anglikanischen Kirchen in Iran ist es möglich, Geistliche einzusetzen, die im Ausland ausgebildet wurden. Protestantische Freikirchen und Hauskirchen müssen ihre Leiter jedoch selbst ausbilden. Nachdem Kirchenleiter zum Ziel von Gefängnisstrafen oder erzwungener Emigration wurden, entstand ein Mangel an erfahrenen christlichen Lehrern im Land. Diese Unterdrückung und Einmischung vonseiten des Staats behindert das Wachstum und die geistliche Reife der christlichen Gemeinschaft in Iran, auch wenn christliche Medien und Internetseiten versuchen, auf diese Not zu reagieren.

Wurden Kirchen bei der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Leitung von Schulen oder karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Verbänden behindert?

Ausländische Kirchen, die Schulen, Krankenhäuser und andere soziale oder humanitäre Einrichtungen gegründet hatten, wurden nach der Islamischen Revolution 1979 dazu gezwungen, diese der islamischen Regierung zu überlassen. Seitdem ist es ihnen verboten, Einrichtungen dieser Art zu gründen oder zu führen. Diese Regelung gilt seit den 1990er-Jahren auch für protestantische Freikirchen. Die einzigen verbliebenen kirchlichen Einrichtungen und Vereine dieser Art gehören zu den armenischen und assyrischen Kirchen. Sie werden sogar von der Regierung subventioniert. Die Leiter von armenischen und assyrischen Schulen sind jedoch in den meisten Fällen Muslime.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Getötete Christen: Die physische Eliminierung von Christen will und kann sich die pragmatische Regierung Irans politisch nicht leisten. Deshalb setzt sie auf langsame, schleichende und leise Beseitigung von Christen.
  • Verhaftungen von Christen: Die Zahl der verhafteten Christen im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 ist im Gegensatz zum Vorjahr gesunken. Es gab keine breitangelegte Verhaftungswelle, auch wenn es im Juni 2020 eine Razzia gab. Der Rückgang der Zahl der Verhaftungen ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die iranischen Sicherheitsdienste Ende 2019 alle Hände voll zu tun hatten, die Proteste im Land zum Schweigen zu bringen. Darauf folgte die Coronakrise, welche die Regierung auf andere Weise beschäftigte. Allerdings wurden im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 mehr Christen zu Gefängnisstrafen verurteilt als im Vorjahr.
  • Angriffe auf Christen: Viele Christen werden bei Verhören geschlagen, (sexuell) belästigt oder massiv unter Druck gesetzt – beispielsweise durch Einzelhaft, Schlafentzug, Verhöre über lange Zeiträume hinweg, Androhung von Gewalt gegen Familienmitglieder (unter anderem Vergewaltigung) oder Morddrohungen gegen sie selbst oder gegen ihre Familie.
  • Angriffe auf Kirchen: Hauskirchen wurden vom Geheimdienst durchsucht und christliche Grabstätten wurden aus Glaubensgründen vorsätzlich beschädigt.
  • Angriffe auf Häuser und Geschäfte von Christen: Zahlreiche inhaftierte Christen müssen Hypotheken aufnehmen, um die hohen Kautionszahlungen für ihre Entlassung aufbringen zu können. Weil sie befürchten, dass ein Gerichtsurteil zu einer langen Gefängnisstrafe führt, fliehen viele iranische Christen nach ihrer vorläufigen Entlassung aus dem Land, wobei sie ihre Kaution – und somit häufig auch ihren Grundbesitz – verlieren. Bei Hausdurchsuchungen wurden Häuser von Christen beschädigt.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Auch Bahais, Sunniten, Sufis (Derwische) und andere religiöse Minderheiten werden in Iran verfolgt. Seit vielen Jahren wurde kein Christ mehr vom Regime getötet, wahrscheinlich aus Angst vor den daraus resultierenden Folgen auf internationaler Ebene. Jedoch wurden viele Regimekritiker aus anderen Gruppen hingerichtet – vor allem unter dem Vorwurf des Terrorismus (anstelle von „Apostasie“). Auch ethnische Minderheiten wie Kurden, Belutschen und iranische Araber werden von der Regierung verdächtigt und diskriminiert.

Der „Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019“ des US-Außenministeriums stellt fest:

  • „Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen, berichten weiterhin über die unverhältnismäßig hohe Zahl von Hinrichtungen sunnitischer Gefangener, insbesondere von Kurden, Belutschen und Arabern.”
  • „Die Regierung schließt Bahais von einer Anstellung im öffentlichen Dienst und von der Teilnahme am staatlichen Rentensystem aus. Bahais erhalten möglicherweise keine Entschädigung für Verletzungen oder Verbrechen, die gegen sie oder ihr Eigentum begangen wurden. Sie dürfen kein Eigentum erben. Eine religiöse Fatwa (verbindliche Rechtsauskunft) des Obersten Religionsführers bestärkt die Bürger darin, jeden Umgang mit den Bahais zu vermeiden. “
  • „Aktivisten und Nichtregierungsorganisationen berichten, dass Aktivisten und Gemeinschaftsleiter der Yaresan weiterhin Verhaftungen und Verschleppungen ausgesetzt sind, weil sie ein Bewusstsein für die Praktiken der Regierung beziehungsweise für die Diskriminierung der Yaresan gefördert haben.“

Andere Beispiele:

  • Im September 2020 wurden acht Bahais zu insgesamt elf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie wurden unter Anklage gestellt wegen „der Mitgliedschaft in einer illegalen Bahai-Organisation, die eine Gefahr für die nationale Sicherheit darstellt“.
  • Im Juli 2020 wurde vom „Nationalen Widerstandsrat des Iran“ berichtet, dass es allein im Juni 2020 mindestens 141 Verletzungen der Rechte religiöser Minderheiten gegeben hat.
  • Im Juli 2020 wurden zwei Kurden wegen „Feindschaft gegen Gott“ hingerichtet, nachdem sie unter Folter gestanden hatten.
  • Und im Oktober 2019 wurden drei junge Bahais unter dem Vorwurf, gegen die nationale Sicherheit zu handeln, zu insgesamt zwanzig Jahren Haft verurteilt.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Iran:

  • Beten Sie für isolierte Christen, die keine anderen Christen kennen und auf das Internet angewiesen sind, um mehr über Jesus Christus zu lernen.
  • Bitte beten Sie für Christen im Gefängnis. Die Haftbedingungen sind sehr schlecht und die Pandemie hat die Situation noch verschlimmert.
  • Beten Sie für diejenigen, die sich innerhalb und außerhalb des Landes für die Rechte der Christen im Iran einsetzen, dass sie Gehör finden und dass Gott sie schützt.