Länderprofil Saudi-Arabien

Saudi-Arabien

15
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Saudi-Arabien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Königreich
Platz Vorjahr
12
ISO
SA
Karte Saudi-Arabien
Christen
1,42
Bevölkerung
33.55
Islamische Unterdrückung
Ethnisch begründete Anfeindungen
Diktatorische paranoia
Privatleben: 15.100
Familienleben: 13.600
Gesellschaftliches Leben: 14.000
Leben im Staat: 15.300
Kirchliches Leben: 16.500
Auftreten von Gewalt: 2.400

Länderprofil Saudi-Arabien

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 15 / 77 Punkte (WVI 2018: Platz 12 / 79 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Das Wüstenkönigreich wird durch die Lehre des Wahhabismus bestimmt, einer puristischen und strengen Auslegung des Islam. Andere Religionen dürfen ihren Glauben nicht öffentlich praktizieren. Die Hinwendung zu einer anderen Religion als dem Islam kann mit dem Tod bestraft werden, sollte der Konvertit seine Bekehrung nicht widerrufen.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Das soziale Umfeld übt Druck aus, um die Einhaltung indigener Bräuche durchzusetzen. „Ethnisch begründete Anfeindungen“ stehen im Falle Saudi-Arabiens in deutlicher Verbindung zum Islam. Davon sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen.

Diktatorische Paranoia: Die saudische Monarchie hat die absolute Macht und Autorität im Land. So kann der Monarch jedes Gesetz, das er wünscht, umsetzen, solange es mit der Scharia und dem Koran übereinstimmt. Es wurden Änderungen eingeführt, welche die im Land lebenden ausländischen Arbeitskräfte im Allgemeinen und damit auch ausländische Christen im Speziellen betreffen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Die folgenden Personengruppen sind in mittlerem, hohem oder sehr hohem Maß an der Verfolgung von Christen in Saudi-Arabien beteiligt: Regierungsbeamte (lokal bis national), Anführer ethnischer Gruppen, nichtchristliche religiöse Leiter (lokal bis national), gewöhnliche Bürger und (Groß‑)Familien. Christen mit muslimischem Hintergrund leiden am meisten unter Verfolgung durch ihre (Groß‑)Familien, was auch Morddrohungen, Ehrenmorde und dauerhaften Hausarrest miteinschließen kann. Regierungsbeamte schaffen und erhalten ein strikt islamisches System. In diesem werden Christen als Menschen zweiter Klasse behandelt; christliche Kirchen oder Anbetungsstätten anderer nichtislamischer Religionen sind verboten. Islamische Führer versuchen auch, allen Menschen, die nach Saudi-Arabien kommen, strenge islamische Gesetze aufzuerlegen, Christen eingeschlossen. Islamische Leiter bereiten außerdem Christen muslimischer Herkunft Probleme, die noch immer als Muslime gelten, sowie schlecht bezahlten, ausländischen christlichen Arbeitern, die ständig unter Druck gesetzt werden, zum Islam zu konvertieren – besonders betroffen sind hier diejenigen, die isoliert von anderen Christen leben, weil sie in saudischen Privathäusern arbeiten. Schließlich geht auch von gewöhnlichen Bürgern Druck vor allem auf Christen muslimischer Herkunft aus, da die Gesellschaft im Allgemeinen gegen alles negativ eingestellt ist, was als im Widerspruch zum Islam stehend erachtet wird.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Die meisten Christen in Saudi-Arabien leben und arbeiten nur vorübergehend im Land. Der Großteil der ausländischen Christen stammt aus Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen wie Indien, den Philippinen und afrikanischen Ländern, doch manche kommen auch aus der westlichen Welt. Die asiatischen und afrikanischen Arbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt, aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig auch verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt – dabei kann außerdem ihr christlicher Glaube eine Rolle spielen. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben mit Muslimen zu teilen, extrem eingeschränkt, da Verhaftung und Ausweisung drohen. Die wenigen saudischen Christen muslimischer Herkunft stehen jedoch unter noch stärkerem Druck. Dennoch ist die kleine Zahl dieser Christen gewachsen; außerdem werden sie immer mutiger darin, ihren Glauben weiterzugeben, etwa im Internet oder in christlichen Satelliten-Fernsehprogrammen. Solche öffentlichen Äußerungen haben jedoch schwerwiegende Konsequenzen von saudischen Familien und Behörden nach sich gezogen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Viele Christen muslimischer Herkunft stehen unter enormem Druck vonseiten ihrer Familien und haben Angst vor gewalttätigen Reaktionen, sollte ihr christlicher Glaube bekannt werden. Christen muslimischer Herkunft stehen in der großen Gefahr, wegen Apostasie (Abfall vom Islam) zum Tode verurteilt zu werden. Aus den vergangenen Jahren ist jedoch kein Fall einer Hinrichtung aus diesem Grund bekannt. Die Gefahr einer außergerichtlichen Hinrichtung ist dagegen realer, da die Familie durch einen Mord versuchen könnte, ihre Ehre wiederherzustellen.
  • Vergewaltigungen und sexuelle Belästigung bleiben ein gewaltiges Problem in Saudi-Arabien; Christinnen, die als Hauspersonal arbeiten, sind besonders gefährdet.
  • Sowohl einheimische als auch ausländische Christen riskieren, aufgrund ihres Glaubens verhaftet, körperlich misshandelt und ernsthaft bedroht zu werden. Wegen ihres Glaubens oder wegen Aktivitäten, die mit ihrem Glauben zu tun hatten, wurden einige Christen laut Berichten gezwungen, das Land zu verlassen.
  • Einige Christen wurden verhaftet und kurzzeitig festgehalten, manche von ihnen bei einer Razzia während eines Gottesdienstes.
  • Eine saudische Christin wurde im Rahmen einer Art „Korrekturmaßnahme“ zwangsverheiratet.

Aus Sicherheitsgründen können hier keine weiteren Details genannt werden.

Meldungen und Beiträge zu Saudi-Arabien

Persönliche Berichte Persönliche Berichte
Symbolbild
Saudi-Arabien
„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.“ Jamila* kann das ganze Gewicht dieser alten Worte Jesu an seine Jünger gut ermessen. Die biblischen Berichte über den Mann aus Nazareth faszinierten die 20-jährige Frau aus Saudi-Arabien.
Nachrichten Nachrichten
Weihnachtsdekoration bei einem geheimen Treffen von Christen in Saudi-Arabien
Saudi-Arabien
(Open Doors, Kelkheim) – Weihnachten feiern im streng islamischen Saudi-Arabien – offiziell ist das unmöglich. Doch finden im Land lebende Christen dennoch Wege, dieses für sie und Christen weltweit so wichtige Fest zu begehen
Nachrichten Nachrichten
Saudi-Arabien
Saudi-Arabien
(Open Doors, Kelkheim) – Am 14. November empfingen der saudi-arabische König Salman bin Abdulaziz sowie Thronfolger Mohammad bin Salman das Oberhaupt der maronitischen Kirche im Libanon, Bechara Boutros Rai.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 77 Punkten nimmt Saudi-Arabien Rang 15 auf dem Weltverfolgungsindex (WVI) 2019 ein. Das ist ein Rückgang um zwei Punkte gegenüber dem WVI 2018. Dieser Rückgang erklärt sich vor allem durch eine Abnahme gewalttätiger Übergriffe auf Christen. So wurden beispielsweise weniger Christen festgenommen und gezwungen, das Land zu verlassen. Die Gesamtwertung des Drucks auf Christen bleibt aber mehr oder weniger konstant extrem hoch in Saudi-Arabien – einem der wenigen Länder auf der Welt, in denen Kirchengebäude verboten sind.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Das Wüstenkönigreich wird vom Wahhabismus bestimmt. Es kontrolliert die heiligen islamischen Städte Mekka und Medina. Der Koran und die Sunna (wörtlich: „Traditionen“) sind in Saudi-Arabien zur Verfassung erklärt worden und werden von religiösen Führern nach der strengen Lehrrichtung der Hanbaliten interpretiert. Saudi-Arabiens Rechtssystem gründet auf der islamischen Rechtsprechung, der Scharia. Auf dieser Rechtsgrundlage darf nur der offiziell anerkannte wahhabitische Islam öffentlich praktiziert werden; andere Religionen offen auszuüben, ist verboten. Alle saudischen Bürger gelten als Muslime; ausländische Anhänger anderer Religionen dürfen ihren Glauben nur im privaten Rahmen ausüben. Auf Apostasie, den Abfall vom Islam, steht weiterhin die Todesstrafe, auch wenn für die letzten Jahre keine Beispiele von gerichtlich angeordneten Hinrichtungen aus diesem Grund bekannt sind.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Typisch für diese Triebkraft ist, dass sie dazu führt, dass Druck ausgeübt wird, um den fortwährenden Einfluss jahrhundertealter traditioneller Bräuche von Stämmen oder ethnischen Volksgruppen in Gemeinschaften und Haushalten durchzusetzen. „Ethnisch begründete Anfeindungen“ stehen im Falle Saudi-Arabiens in deutlicher Verbindung zum Islam. Davon sind vor allem Christen muslimischer Herkunft betroffen.

Diktatorische Paranoia

Die saudische Monarchie hat die absolute Macht und Autorität im Land. So kann der Monarch jedes von ihm gewünschte Gesetz umsetzen, solange es mit der Scharia und dem Koran übereinstimmt. In einem unerwarteten Schritt beförderte König Salman seinen Sohn im Juni 2017 zum Kronprinzen. Nach Ansicht von Beobachtern unternahm er diesen Schritt, um die Vorherrschaft seiner Familie im Königshaus zu bewahren und nicht aufgrund einer gezielten Vision für das Land. Ein Hauptziel der Herrscher, vor allem des Königs und des Kronprinzen, ist es, den Status quo zu erhalten, indem sie ihre eigene Macht behaupten und sorgfältig jegliche Strömungen kontrollieren, die als regimekritisch angesehen werden können oder religiöse und soziale Spannungen entfachen könnten. In diesem Zusammenhang stehen die Herrscher des Landes dem christlichen Glauben kritisch gegenüber, vor allem saudischen Christen muslimischer Herkunft, die den Ruf des Landes als Hüter der heiligsten Stätten des Islam gefährden. Die beiden obersten Autoritäten des Landes haben viele Veränderungen vorgenommen, von denen in Saudi-Arabien lebende Ausländer im Allgemeinen betroffen sind. Darunter sind zwar auch Christen, doch die Änderungen zielten nicht speziell auf sie ab. Ein Beispiel dafür ist die Erhöhung der Visagebühren für alle Angehörigen von in Saudi-Arabien lebenden Ausländern.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Dazu zählen Regierungsbeamte, Stammesführer, nichtchristliche religiöse Leiter, gewalttätige religiöse Gruppen, gewöhnliche Bürger und Familien.

Saudi-Arabien möchte als Verteidiger des Islam gesehen werden, als Land mit einer hundertprozentig muslimischen Bürgerschaft. Verfolgung gilt jedem, der dieses Bild schädigt. Wichtige Quellen der Verfolgung sind hochgradig repressive Gesetze, die die Religionsfreiheit einschränken und von staatlichen Behörden aufrechterhalten und umgesetzt werden. Allerdings bleibt der Staat oft verhältnismäßig passiv und verlässt sich auf den noch stärkeren gesellschaftlichen Druck, um sicherzustellen, dass Christen und andere religiöse Minderheiten in Schach gehalten werden. Dies gilt für ausländische Christen: Für die vielen Gruppen, die sich regelmäßig in privaten Räumlichkeiten zum Gottesdienst treffen, geht die größte Gefahr von Nachbarn und dem sozialen Umfeld aus – die staatlichen Behörden schalten sich normalerweise nur dann ein, wenn das soziale Umfeld dies verlangt. Was Christen muslimischer Herkunft betrifft (vor allem wenn sie Saudis sind), können die Behörden zwar ihnen gegenüber hart durchgreifen und tun dies auch, aber in der Praxis oft nur auf Veranlassung von Angehörigen der Familie oder des sozialen Umfelds hin. Die Religionspolizei war früher dafür zuständig, die Einhaltung religiöser Regeln durchzusetzen. Sie bestrafte jeden, der sich nicht an die Kleiderordnungen hielt (etwa Männer in Shorts oder Frauen mit nicht ausreichend bedecktem Haar), und übte Druck auf diejenigen aus, die sich während der Gebetszeiten außerhalb der Moschee aufhielten. In den letzten zwei Jahren hat sich die Macht der Religionspolizei jedoch deutlich verringert. Weitere Verfolger sind Stammesführer, welche den Islam als Teil ihrer jahrhundertealten Stammesnormen durchsetzen. Und schließlich gibt es auch unabhängige Gruppen, die weder vor den Stämmen noch der Regierung Respekt haben, und versuchen, die Gesellschaft zu radikalisieren. Diese zumeist sunnitischen Gruppen charakterisieren sich durch eine starke Gruppenkultur; sie versuchen, schiitische Muslime und Ausländer zu bekehren, und beeinflussen die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Wenn eine solche Gruppe von christlichen Konvertiten hört, wird sie alles Erdenkliche tun, um diese Christen zu verfolgen.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

Zum Teil ist die Verfolgung durch Stammesführer, Regierungsbeamte, nichtchristliche religiöse Leiter, gewöhnliche Bürger und die Familie auch auf Ethnisch begründete Anfeindungen zurückzuführen, vermischt mit „Islamischer Unterdrückung“.

Jeder Stamm geht auf eigene Weise mit Abweichungen um. Wenn der christliche Glaube eines Stammesangehörigen öffentlich wird, dürfen andere Stammesmitglieder auf alle Mittel zurückgreifen, um eine Rückkehr zum Islam zu erzwingen. Die Regierung wird sich normalerweise nicht in solche Glaubensfragen einmischen, es sei denn, die Stammesführer gäben ihre Zustimmung. Verfolgung geht zudem auch von religiösen Leitern wie Imamen oder anderen hochrangigen Persönlichkeiten des sozialen Umfeldes aus, etwa von Universitätsprofessoren oder Ärzten, die es als ihre Aufgabe betrachten, die Gesellschaft von schlechten Einflüssen freizuhalten. Dies ist ähnlich wie in einem Stammessystem und funktioniert vor allem dort, wo der Stamm nicht so einflussreich ist, zum Beispiel in Städten.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die Triebkraft „Diktatorische Paranoia“ führt zu Verfolgung durch Regierungsbeamte.

Die saudischen Herrscher, insbesondere der König und der Kronprinz, setzen alles daran, den Status quo zu erhalten, indem sie ihre eigene Macht behaupten und sorgfältig jegliche Strömungen kontrollieren, die als regimekritisch angesehen werden können oder soziale Spannungen entfachen könnten. Besonders saudische Christen muslimischer Herkunft entehren den stolzen Ruf des Landes als Hüter der beiden heiligen Moscheen, daher wird die Existenz dieser Christen geleugnet. Staatsbeamte gehen oft als Reaktion auf das Ersuchen von Familienangehörigen oder des sozialen Umfelds gegen Christen vor. Die saudische Regierung bekämpft islamische Militanz von staatlicher Seite, da diese zur Bedrohung für die Herrschaft der Königsfamilie werden könnte. Jedoch unterstützen Privatspender aus Saudi-Arabien militante sunnitisch-islamische Gruppierungen und sind infolgedessen eine der treibenden Kräfte in bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt, beispielsweise in Syrien und im Irak.

4. Hintergrund

Saudi-Arabien hat sich zu einem der größten Erdöl-Exporteure der Welt entwickelt. Das hat eine große Zahl ausländischer Arbeitskräfte ins Land gelockt, darunter auch Christen. Der wirtschaftliche Erfolg schuf eine wechselseitige ökonomische Abhängigkeit mit dem Westen und führte zu soliden politischen und militärischen Beziehungen – so dürfen etwa eine Reihe von US-Militärstützpunkten weiterhin im Land operieren und im Mai 2017 wurde ein umfangreiches Waffengeschäft zwischen Saudi-Arabien und den USA unterzeichnet. Seit 2015 führt Saudi-Arabien die militärische Intervention im Bürgerkrieg im Jemen an, angeblich um eine Stabilisierung der jemenitischen Regierung bemüht. Doch angesichts der saudi-arabischen Luftangriffe auf Flughäfen, Häfen, Krankenhäuser, Schulen und Beerdigungsfeiern, welche zusammengenommen zur aktuell größten humanitären Katastrophe der Welt geführt haben, ist es wahrscheinlicher, dass Saudi-Arabien versucht, mit allen Mitteln zu verhindern, dass sein südlicher Nachbar unter schiitische Kontrolle gerät.

Um seine Abhängigkeit von der Erdölindustrie zu verringern, versucht das Königreich, seine Wirtschaft zu diversifizieren und mehr Arbeitsplätze für Saudis zu schaffen, wie es Kronprinz Mohammed bin Salman in seinem Reformplan „Vision 2030“ dargelegt hat. Dieses Strategiepapier, das im April 2016 veröffentlicht wurde, unterstreicht auch deutlich die stolze islamische Identität des Landes und die Führungsrolle des saudischen Königreichs in der islamischen Welt. Saudi-Arabien durchläuft einen erheblichen gesellschaftlichen Wandel. Das Internet spielt bei dieser Entwicklung eine wichtige Rolle, was auch zu größeren Möglichkeiten für christliche Online-Dienste führen könnte. Allerdings dürfte diese Entwicklung auch mit einer stärkeren Überwachung des Internets in Saudi-Arabien einhergehen. In einem weiteren Versuch, die enttäuschende Wirtschaftsleistung und die Kriegskosten im Jemen zu kompensieren, hat Saudi-Arabien die Visagebühren für Ehepartner und Kinder ausländischer Arbeitskräfte erhöht. Für viele schlechtbezahlte christliche Gastarbeiter wird dies zu teuer – sie verlassen das Land. Etliche Kirchenleiter berichten, dass 20 bis 25 Prozent ihrer Gemeindemitglieder dem Land bereits den Rücken gekehrt haben. Dies wird sich negativ auf die christliche Gemeinschaft im Land auswirken und zu einem Mangel sowohl an Gemeindeleitern als auch an Gemeindemitgliedern führen. Andererseits scheint die Zahl der Christen mit muslimischem oder hinduistischem Hintergrund zu steigen. Sie wiegt jedoch nicht die Zahl der Christen auf, die das Land verlassen.

Unter dem wachsenden Einfluss von Internet, sozialen Medien und Satellitenfernsehen hat sich die Jugendkultur Saudi-Arabiens grundlegend verändert. So wächst die Kluft zwischen der großen jüngeren Generation und dem alternden Monarchen ständig. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jünger als 30 Jahre alt und sehnt sich (insbesondere junge Frauen) nach mehr Freiheit, ohne von der Religionspolizei eingeschränkt zu sein. Gesellschaftliche Reformen des jungen Kronprinzen, der 2017 ernannt wurde, sind in dieser Hinsicht ein Schritt nach vorn. Er erlaubte Unterhaltung wie Kino und Konzerte und Frauen das Autofahren, außerdem schränkte er die Befugnisse der Religionspolizei ein. Es gibt ein erhebliches Maß an Jugendarbeitslosigkeit, welche zum Teil auf das schwache Bildungssystem des Landes und eine unterentwickelte Arbeitsethik zurückzuführen ist. Diese Faktoren haben zu weitverbreiteter gesellschaftlicher Unzufriedenheit geführt, die junge Menschen dazu bringen kann, sich einem extremistischen Islam zuzuwenden. Die Lage wird zusätzlich durch die deutliche Spaltung der Gesellschaft zwischen einer reichen Elite und der in Armut lebenden Bevölkerungsmehrheit verschärft. Auf der anderen Seite ist die gesellschaftliche Unzufriedenheit nichts Neues; in der Vergangenheit wurde die Bevölkerung durch hohe finanzielle Zuwendungen beschwichtigt, etwa für die Wohnungsbaufinanzierung. Seit mindestens zwanzig Jahren herrscht soziale Unzufriedenheit im Land (die sich zum Beispiel auch im zivilen Ungehorsam von Frauen gezeigt hat, die illegal selbst Auto gefahren sind). Darüber hinaus hat die Internetrevolution auch die islamischen Geistlichen erreicht: Mehrere Imame haben eigene Twitter-Profile und zahlreiche Follower. Die Zahl der Christen muslimischer und anderer religiöser Herkunft wächst ebenso wie ihr Mut, ihren neuen Glauben mit anderen zu teilen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die meisten Christen, die in Saudi-Arabien leben, sind Ausländer, die nur zeitweise im Land leben und arbeiten. Dabei handelt es sich sowohl um Christen aus Ländern der westlichen Welt und des Nahen Ostens als auch aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wie Indien, den Philippinen oder afrikanischen Ländern. Die asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt; aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig auch verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt und stehen unter ständigem Druck, zum Islam zu konvertieren. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben mit Muslimen zu teilen, extrem eingeschränkt, da Verhaftung und Ausweisung drohen.

Christen muslimischer Herkunft

Christliche Konvertiten haben größtenteils einen muslimischen Hintergrund. Es gibt nur wenige saudische Christen muslimischer Herkunft im Land und meist müssen sie ihren Glauben strengstens geheim halten. Viele von ihnen sind durch christliches Satellitenfernsehen zum Glauben gekommen oder nachdem Jesus Christus sich ihnen in Träumen und Visionen offenbart hatte – in manchen Fällen, während sie sich auf der islamischen Pilgerreise nach Mekka befanden, dem sogenannten Hadsch. Außerdem trägt das Internet dazu bei, dass Einheimische einen Zugang zu christlichem Material erhalten – dieser Zugang ist allerdings beschränkt, da die Nutzung des Internets in Saudi-Arabien von den Behörden streng reglementiert wird. Dennoch ist die kleine Zahl der saudi-arabischen Christen gewachsen und sie sind mutiger geworden und teilen ihren Glauben mit anderen über das Internet oder christliche (Satelliten-)Fernsehprogramme. Ein solches öffentliches Zeugnis hat aber häufig zu ernsthaften Konsequenzen vonseiten ihrer Familien oder der Behörden geführt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.1
Familienleben 13.6
Gesellschaftliches Leben 14
Leben im Staat 15.3
Kirchliches Leben 16.5
Auftreten von Gewalt 2.4

Grafik: Verfolgungsmuster Saudi-Arabien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der Durchschnittswert für den Druck auf Christen bleibt mit 14,9 Punkten extrem hoch, wie im vergangenen Jahr.
  • Die Wertungen für alle Lebensbereiche sind extrem hoch – mit Ausnahme des Bereichs „Familienleben“, in dem der Druck als sehr hoch, wenn auch an der Grenze zu extrem hoch, eingestuft wird. In diesen Bereich ist die Punktzahl am niedrigsten, weil ausländische Christen im Familienleben kaum oder zumindest weniger Druck erleben, als einheimische Christen muslimischer Herkunft. Der Grund dafür ist, dass die Familien der christlichen Migranten oft nicht mit ihnen in Saudi-Arabien leben.
  • Der höchste Druck wird in den Bereichen „Kirchliches Leben“, „Leben im Staat“ und „Privatleben“ ausgeübt, was typisch für eine Situation ist, bei der Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt und mit Diktatorischer Paranoia verknüpft ist.
  • Die Verfolgung, die von Islamischer Unterdrückung, vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen, ausgeht, ist vor allem in den Bereichen „Privatleben“, „Familienleben“ und „Gesellschaftliches Leben“ präsent. Besonders Christen mit muslimischem Hintergrund sind davon betroffen, die Verfolgung durch ihr soziales Umfeld erfahren.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ sank von 4,1 Punkten 2018 auf 2,4 Punkte für den aktuellen Berichtszeitraum, da weniger Berichte von gewalttätigen Übergriffen registriert wurden.

Privatleben

Christen mit muslimischem Hintergrund können ihren Glauben nicht offen praktizieren. Jeder Hinweis auf ihren neuen Glauben gegenüber den Menschen in ihrem Umfeld kann ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen. Viele ausländische Christen haben im Verhältnis mehr Freiheit, ihren Glauben privat zu leben, solange sie nicht mit Muslimen über das Evangelium sprechen. Christen aus Asien und Afrika müssen sich vorsichtig verhalten; ob und wie stark sie verfolgt werden, hängt von der Haltung und der Religion anderer schlecht bezahlter Arbeiter ab, die mit ihnen in den gleichen Arbeiterunterkünften untergebracht sind. Besonders angreifbar sind Christinnen, die als Hausangestellte in saudischen Haushalten leben und arbeiten – sie können keinen Kontakt mit anderen Christen haben und sind ständigen Misshandlungen und Druck ausgesetzt, zum Islam zu konvertieren.

Familienleben

Alle Saudis werden als Muslime betrachtet. Für eine muslimische Familie ist es eine große Schande, wenn einer ihrer Angehörigen den Islam verlässt. Für Konvertiten zum christlichen Glauben besteht höchste Gefahr, einem Ehrenmord oder anderer physischer Gewalt zum Opfer zu fallen, wenn ihre Familien oder ihr soziales Umfeld ihren Glauben entdecken. Einige sind deshalb aus dem Land geflüchtet. Christliche Hochzeiten können in Saudi-Arabien nicht öffentlich gefeiert werden; Christen mit muslimischem Hintergrund müssen nach islamischem Ritus heiraten. Sie können ihre Kinder nicht amtlich als Christen registrieren lassen oder ihnen offenkundig christliche Namen geben. In der Schule sind Kinder von Christen muslimischer Herkunft gezwungen, am Islamunterricht teilzunehmen. Im Falle einer Scheidung, in Fragen des Sorgerechts und bei Erbschaften werden Christen muslimischer Herkunft häufig benachteiligt.

Gesellschaftliches Leben

Alle Christen werden durch alle möglichen Formen von Diskriminierung mehr oder weniger unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören. Christliche Konvertiten werden an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert und schikaniert, wenn bekannt ist, dass sie Christen sind. Ein großer Teil der saudischen Gesellschaft hat Vorbehalte gegenüber Anhängern anderer Religionen. Gastarbeiter aus Afrika und Asien, einschließlich Christen, werden durch ihre Arbeitgeber verbal angefeindet, körperlich misshandelt und manchmal sexuell missbraucht. Internationalen Schulen ist es verboten, nichtmuslimische Feiertage wie Weihnachten oder Neujahr zu begehen, sie haben allerdings längere Ferien über die Weihnachtstage. Schulen, die das Verbot missachten, riskieren den Verlust ihrer Lizenz.

Leben im Staat

Religionsfreiheit ist weder in der Verfassung des Königreichs noch in anderen grundlegenden Gesetzen vorgesehen. Das Rechtssystem basiert auf der Scharia; die Abkehr vom Islam zu einer anderen Religion kann mit dem Tod bestraft werden. Muslime haben mehr Rechte als Anhänger anderer Religionen. Besonders Christen muslimischer Herkunft erleben starken Druck im Umgang mit den Behörden, wenn ihr neuer Glaube bekannt ist. Ausländische Christen bekommen große Probleme in diesem Lebensbereich, wenn sie unter Muslimen missionieren; Verhaftung und Ausweisung können die Folge sein.

Kirchliches Leben

In Saudi-Arabien gibt es keine Kirchengebäude; christliche Gottesdienste finden an geheimen Orten statt. Obwohl die Regierung das Recht von Nichtmuslimen anerkennt, ihren Glauben im privaten Bereich zu leben, respektiert die Religionspolizei (Muttawa) dieses Recht oft nicht. Die Möglichkeiten zum Abhalten christlicher Gottesdienste sind durch die strikte Trennung der Geschlechter stark eingeschränkt, die es Männern und Frauen aus verschiedenen Familien verbietet, gemeinsam im selben Raum Gottesdienste zu feiern. Tun sie es dennoch, riskieren sie Verhaftung, Leibesvisitationen mit Todesdrohungen, Gefängnis, Auspeitschung, Ausweisung und Folter. Der rechtliche Status privater Religionsausübung bleibt unklar, da es hierzu kein formell festgeschriebenes Recht gibt; er wird hauptsächlich aus offiziellen Verlautbarungen in den Medien abgeleitet. Das Bezeugen des christlichen Glaubens gegenüber Muslimen, biblische Schulungen sowie die Herausgabe und der Import von Bibeln (und anderen christlichen Materialien) in arabischer Sprache sind illegal.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2019 gab es weniger Berichte über gewalttätige Übergriffe auf Christen als im Vorjahr. Dies führte zu einer niedrigeren Punktzahl in diesem Bereich. Grundsätzlich verhalten sich Christen äußerst vorsichtig, um ernsthafte Folgen zu vermeiden. Dadurch bleibt der Wert für das Auftreten von Gewalt relativ niedrig.

Viele Christen muslimischer Herkunft stehen unter enormem Druck vonseiten ihrer Familien und haben Angst vor gewalttätigen Reaktionen, sollte ihr christlicher Glaube bekannt werden. Sie stehen in der großen Gefahr, wegen Apostasie (Abfall vom Islam) zum Tode verurteilt zu werden, auch wenn aus den vergangenen Jahren kein Fall einer Hinrichtung aus diesem Grund bekannt ist. Das Risiko einer außergerichtlichen Hinrichtung kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, da die Familie durch einen Mord versuchen könnte, ihre Ehre wiederherzustellen. Wie in den vergangenen Jahren bleiben Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen ein enormes Problem in Saudi-Arabien. Christliche Arbeitsmigranten aus Asien und Afrika, vor allem weibliches Hauspersonal in saudischen Haushalten, sind in dieser Hinsicht besonders gefährdet. Laut Experten leiden „abertausende“ Hausangestellte unter körperlichem und sexuellem Missbrauch. Christen, sowohl Saudis als auch Ausländer, riskieren, aufgrund ihres Glaubens inhaftiert, körperlich misshandelt und ernsthaft bedroht zu werden. Einige Christen wurden laut Berichten dazu gezwungen, aufgrund ihres Glaubens oder wegen Aktivitäten, die mit ihrem Glauben im Zusammenhang standen, das Land zu verlassen. Andere wurden verhaftet und kurzzeitig festgehalten, manche von ihnen bei einer Razzia während eines Gottesdienstes. Außerdem wurde eine saudische Christin im Rahmen des Versuchs einer „Korrekturmaßnahme“ zwangsverheiratet.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Für saudische Christen und andere Christen mit muslimischem Hintergrund geht Verfolgung am häufigsten von der Familie und dem sozialen Umfeld aus – dies bekommen üblicherweise Frauen und Mädchen am stärksten zu spüren (gefolgt von jüngeren und danach älteren Männern), entsprechend dem generellen Status und Grad der Freiheit innerhalb der saudisch-islamischen Kultur.

Frauen

In einem Land, in dem alle Bürger als Muslime gelten, sind Christinnen mit muslimischem Hintergrund besonders verwundbar. Wenn ihre Bekehrung bekannt wird, riskieren sie Gewalt, Hausarrest und Zwangsverheiratung. In der strikt islamischen Gesellschaft Saudi-Arabiens werden Frauen streng überwacht. Sie müssen den Ruf der Familie wahren – jedes unerwünschte Verhalten kann der Ehre ihrer Familie schaden, was als todeswürdige Sünde angesehen wird. Das Verlassen des Islam ist eines der größten Verbrechen, die ein Muslim begehen kann. Das Rechtssystem Saudi-Arabiens basiert auf der Scharia; auf Apostasie (Abfall vom Islam) steht die Todesstrafe. Ist eine Christin muslimischer Herkunft verheiratet, riskiert sie die Scheidung und den Verlust des Sorgerechts für ihre Kinder. Das bedeutet zudem den Verlust des sozialen Sicherheitsnetzes und von Schutz. In Anbetracht dessen ist es nicht verwunderlich, dass die meisten christlichen Konvertitinnen entweder heimliche Christinnen sind oder schließlich das Land zu ihrer eigenen Sicherheit verlassen.

Es ist bekannt, dass asiatische und afrikanische Arbeiterinnen häufig unter körperlichem und sexuellem Missbrauch vonseiten ihrer Arbeitgeber leiden. Christen und andere nichtmuslimische Arbeiter sind in dieser Hinsicht zusätzlich gefährdet. Unter ihnen sind Frauen noch stärker von Missbrauch bedroht. Dies hängt stark mit der untergeordneten Stellung der Frau in der saudischen Gesellschaft zusammen sowie mit dem ungeschützten Status von Frauen, die auf sich selbst gestellt sind (etwa, wenn sie außerhalb ihres Hauses arbeiten). Saudische Frauen dürfen nicht ohne Begleitung eines männlichen Verwandten ihr Zuhause verlassen.

Männer

Abweichungen vom als normal geltenden Verhalten werden schnell bemerkt und männliche Konvertiten zum christlichen Glauben erfahren Druck von der Familie und der Gesellschaft. Zudem sind Männer in der saudischen Gesellschaft üblicherweise die Ernährer der Familie – wenn also ein männlicher Christ festgehalten, inhaftiert oder von der Verwandtschaft unter Hausarrest gestellt wird, kann dies unter Umständen gravierende wirtschaftliche Folgen für seine Familie haben. Männer und Jungen sind besonders folgenden Arten von Verfolgung ausgesetzt: öffentlicher Bloßstellung, Isolation, körperlicher Misshandlung und Verlust jedweder Hilfe und des Zugangs zum Gemeinschaftsleben. Es werden völlige Rehabilitierung und sogar materielle Belohnungen in Aussicht gestellt, um christliche Konvertiten zur Rückkehr zum Islam zu bewegen. Solche Angebote werden nur so lange gemacht, bis die Familie einsieht, dass der christliche Konvertit seine Meinung nicht ändern wird. Ab diesem Punkt ist die Gefahr, getötet zu werden, für die meisten männlichen Konvertiten sehr real.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Eine größere religiöse Minderheit, die in Saudi-Arabien mit Diskriminierung und Verfolgung konfrontiert ist, sind schiitische Muslime, die vor allem in der östlichen Provinz ansässig sind. Von saudischen Herrschern während des größten Teils der Landesgeschichte bis heute als Ketzer angesehen, erleben Schiiten Diskriminierung im Justizsystem, im Bildungswesen, hinsichtlich Anstellungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst und bei Regierungsämtern sowie bei religiösen Aktivitäten. Schiiten streben nach mehr politischer Partizipation und mehr religiöser Toleranz. Doch nach den konfessionellen Spannungen in der Region, einschließlich des Krieges gegen die vom Iran unterstützten Rebellen im Jemen, schwindet die Hoffnung der Schiiten auf Toleranz und Pluralismus. Schiitische Geistliche und Aktivisten, die sich für die Gleichbehandlung schiitischer Muslime einsetzen, riskieren Verhaftung und sogar Hinrichtung unter dem Vorwurf, sich der Regierung widersetzt zu haben.

Der britische Online-Nachrichtendienst „Middle East Eye“ berichtete beispielsweise: „In einem Bericht von 2017 sprach Amnesty International (zusammen mit Human Rights Watch) davon, dass in den letzten Jahren eine Zunahme von Todesurteilen gegen politisch Andersdenkende in Saudi-Arabien, einschließlich gegen Angehörige der schiitischen muslimischen Minderheit, zu verzeichnen gewesen sei. Die Organisationen gaben an, es seien derzeit mindestens 38 Mitglieder der saudischen Schiiten-Gemeinschaft, die insgesamt zehn bis fünfzehn Prozent der Landesbevölkerung ausmacht, zum Tode verurteilt.“

9. Ausblick

Die politische Perspektive

In ihrer jährlichen Prognose geht die „Economist Intelligence Unit“ davon aus, dass „die zurückbleibenden wirtschaftlichen und geschäftlichen Folgen der diplomatischen Probleme zwischen Saudi-Arabien und westlichen Regierungen aufgrund des Mordes an einem saudischen Journalisten in der Türkei von kurzer Dauer sein werden. Die Innenpolitik wird auch künftig in den Händen des Kronprinzen Mohammed bin Salman sein, der die Öffnung der Wirtschaft für ausländische Investoren weiter vorantreiben wird, auch wenn die politischen Rechte stark eingeschränkt bleiben. Das Wirtschaftswachstum sollte bis zum Jahr 2023 anhalten, befördert durch einen allgemeinen Anstieg der Ölpreise.“

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Diktatorische Paranoia: Kronprinz Mohammed bin Salman hat einige gesellschaftliche Restriktionen gelockert, welche vor allem die Jugend des Landes betreffen. So wurden zum ersten Mal seit 35 Jahren Kinos geöffnet und Frauen dürfen seit Juni 2018 selbst Auto fahren. Dieser scheinbare Wechsel weg von den traditionellen Wurzeln und hin zu einer jüngeren und toleranteren Führung des Landes, ist möglicherweise ein Versuch, die große Zahl saudischer Jugendlicher ernst zu nehmen, die sich nach mehr Freiheit sehnen. Zudem wurde die Macht der Religionspolizei verringert. Überdies verkündigte der Kronprinz im Oktober 2017, das Königreich müsse zu einem „moderaten Islam zurückkehren, der allen Religionen und der ganzen Welt gegenüber offen ist“. Er empfing und besuchte Vertreter des Vatikans sowie der koptischen, anglikanischen und evangelischen Kirchen – Indikatoren für eine größere Offenheit gegenüber einem direkten interreligiösen Engagement. Auch wenn ausländische Christen, die in Saudi-Arabien arbeiten, darauf hoffen, dass dies letztendlich zu mehr Toleranz gegenüber anderen Religionen führen wird, haben die Gespräche noch nicht zu einer wesentlichen Verbesserung in der Behandlung ausländischer Christen geführt und auch nicht die Absicht zu erkennen gegeben, die Religionsfreiheit einheimischer Christen zu erweitern. Kommentatoren warnen davor, diese Reformen seien größtenteils „kosmetischer Natur“. Immerhin war es auch der Kronprinz, der den Krieg im Jemen begann, der zur derzeit größten humanitären Krise der Welt geführt hat (und auch zu einer Zunahme der Christenverfolgung im Jemen). Zudem zeigt der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Kanada im August 2018, nachdem das kanadische Außenministerium Bedenken hinsichtlich der Wahrung der Menschenrechte geäußert hatte, die Entschlossenheit des saudi-arabischen Regimes, weiterhin seine Agenda ohne Einmischung von außen durchzusetzen.

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung, vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen: Die Pläne der „Vision 2030“ wurden durch die Forderungen der Jugend beeinflusst, durch die Notwendigkeit, sich von der Ölabhängigkeit zu lösen, sowie durch die Verschiebung regionaler und globaler Bündnisse. Die Pläne sind zwar nicht neu, doch wenn Mohammed bin Salman sie umsetzen kann, könnten signifikante Veränderungen in der Gesellschaft bevorstehen, die zu mehr Offenheit und einer Bewegung hin zu einer moderateren Form des Islam führen. Soziale und wirtschaftliche Reformen dürften anhaltende Auswirkungen haben, insbesondere wenn sie von den vielen Jugendlichen und vom technologischen Fortschritt getragen werden, da Saudis zu den weltweit aktivsten Nutzern sozialer Medien gehören. Nichtsdestoweniger ist der ultra-konservative Islam in Saudi-Arabien immer noch sehr lebendig und aktiv und wird keine allzu umfassenden gesellschaftlichen Veränderungen zulassen. Reformen könnten sogar zu einer Polarisierung der Gesellschaft führen, was in einer Zunahme der Verfolgung von Minderheiten, einschließlich Christen, durch ultra-konservative Kräfte wie islamische Leiter und Stammesführer resultieren könnte. In diesem Sinn prognostiziert die Forschungsgruppe „Fitch Solutions“ in ihrem im vierten Quartal 2018 erschienenen Länderrisikobericht für Saudi-Arabien ein erhöhtes Risiko, dass konservative Kräfte versuchen könnten, angesichts fortschreitender Reformen die Oberhand wiederzuerlangen.

Schlussfolgerung

Die allgemeine Erwartung ist, dass einige Teile der saudi-arabischen Gesellschaft künftig größere Freiheit empfinden werden, Toleranz gegenüber Nichtmuslimen zu zeigen. Hingegen werden die schwerwiegenden religiösen Einschränkungen, die typisch sind für Verfolgung durch Islamische Unterdrückung, vermischt mit Ethnisch begründeten Anfeindungen, auch im Jahr 2019 weiterhin zu massivem Druck auf religiöse Minderheiten, einschließlich Christen, führen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Saudi-Arabien:

  • Beten Sie für isolierte Christen in ganz Saudi-Arabien, die keine Gemeinschaft mit anderen Christen haben können und oft unter enormem Druck vonseiten der Familie und der Gesellschaft stehen, ihren Glauben zu widerrufen, oder in ständiger Angst leben, ihr Glaube könnte entdeckt werden. Sie brauchen Gemeinschaft, Begleitung in der Jüngerschaft und ein Gefühl der Zugehörigkeit.
  • Beten Sie, dass saudische Christen Wege finden, das Evangelium mit den Mitgliedern ihrer Familie zu teilen. Und beten Sie für die Familienmitglieder, dass sie nach der Wahrheit suchen und nicht mit Zorn reagieren.
  • Das Wüstenkönigreich wird durch die Lehre des Wahhabismus bestimmt, einer puristischen und strengen Auslegung des Islam. Andere Religionen dürfen nicht öffentlich praktiziert werden. Der Übertritt zu einem anderen Glauben kann mit dem Tod bestraft werden. Bitte beten Sie, dass muslimische Saudis Jesus kennenlernen.

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