Länderprofil Saudi-Arabien

Saudi-Arabien

14
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Saudi-Arabien
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
13
Karte Saudi-Arabien
Christen
1,20
Bevölkerung
34.71
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 15.100
Familienleben: 14.100
Gesellschaftliches Leben: 14.400
Leben im Staat: 15.800
Kirchliches Leben: 16.600
Auftreten von Gewalt: 2.200

Länderprofil Saudi-Arabien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 14 / 78 Punkte (WVI 2020: Platz 13 / 79 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Die meisten Christen in Saudi-Arabien leben und arbeiten nur vorübergehend im Land. Der Großteil der ausländischen Christen stammt aus Ländern mit niedrigen oder mittleren Einkommen wie Indien, den Philippinen und afrikanischen Ländern – wobei manche jedoch auch aus der westlichen Welt kommen. Die asiatischen und afrikanischen Arbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt, sondern aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig auch verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt, wobei auch ihr christlicher Glaube eine Rolle spielen kann. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben mit Muslimen zu teilen, extrem eingeschränkt, da ihnen Verhaftung und Ausweisung drohen.

Die wenigen saudischen Christen muslimischer Herkunft stehen jedoch unter noch stärkerem Druck, besonders durch ihre Familien. Auch ausländische Muslime, die zum christlichen Glauben konvertieren, sehen sich einer starken Verfolgung ausgesetzt, die wahrscheinlich ähnlich hoch ist wie in ihrem Heimatland. Aufgrund des extrem hohen Drucks schweigen ausländische Christen über ihren Glauben, und die meisten ausländischen und saudischen Christen muslimischer Herkunft sind gezwungen, ihren Glauben im Geheimen zu leben. Dennoch wächst die kleine Zahl der saudi-arabischen Christen. Außerdem werden sie immer mutiger darin, ihren Glauben weiterzugeben, etwa im Internet oder in christlichen Satelliten-Fernsehprogrammen. Ein solches öffentliches Zeugnis hat aber häufig zu ernsthaften Konsequenzen vonseiten ihrer Familien oder der Behörden geführt.

 

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

78

14

2020

79

13

2019

77

15

2018

79

12

2017

76

14

Saudi-Arabien fällt im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2020 um einen Punkt (und damit um einen Platz). Dies ist zum Teil auf eine etwas geringere Zahl gemeldeter Gewalttaten gegen Christen zurückzuführen und zum Teil auf die Tatsache, dass aufgrund neuer Informationen einige Bewertungsanpassungen vorgenommen wurden. In Saudi-Arabien (15,2 Punkte), einem der wenigen Länder der Welt, in dem Kirchenbauten noch immer verboten sind, blieb der Durchschnittswert für Druck auf einem extremen Niveau. Die Punktzahl für Gewalt ist mit nur 2,2 Punkten niedrig.

2. Trends und Entwicklungen

1) Saudi-Arabien versucht, seine Wirtschaft zu diversifizieren

In nur wenigen Jahrzehnten entwickelte sich Saudi-Arabien zu einem der größten Erdölexporteure weltweit. Das saudische Königreich ist sehr stark von der Erdölindustrie abhängig und versucht, seine Wirtschaft zu diversifizieren und mehr Arbeitsplätze für Saudis zu schaffen, wie in seinem ehrgeizigen Plan für sozioökonomische Reformen mit dem Titel „Saudi Vision 2030“ dargelegt. Dieses Strategiedokument unterstreicht auch deutlich die stolze islamische Identität des saudischen Königreichs und seinen Anspruch auf eine führende Rolle in der muslimischen Welt. Generell versucht das Land, sein globales Image neu zu gestalten und will den Tourismus ankurbeln.

2) Der Islam wird öffentlich weniger durchgesetzt

Im Einklang mit dem oben erwähnten Trend hat Kronprinz Mohammed Bin Salman seinen Wunsch geäußert, das Königreich zu einer „gemäßigteren“ Form des Islam zurückzuführen, indem er Reformen einführte, wie z. B. Frauen das Autofahren zu erlauben und bestimmte Formen der Unterhaltung zuzulassen. Mit der Beschneidung der Befugnisse der Religionspolizei gibt es im Vergleich zu früheren Jahren weniger öffentliche Durchsetzung des Islam, was zu relativ mehr Freiheit sowohl für Ausländer als auch für saudische Bürger geführt hat. Beobachtern in Saudi-Arabien zufolge haben diese Freiheiten dazu geführt, dass sich die Menschen freier fühlen, andere Ideen, Ideologien und Glaubensrichtungen zu erkunden. Allerdings stehen sie immer noch sehr stark unter dem Einfluss der Werte und Überzeugungen ihres Stammes und ihrer Gemeinschaft.

3) Saudi-Arabien durchläuft einen erheblichen gesellschaftlichen Wandel.

Das Internet spielt eine wichtige Rolle bei dem rasanten gesellschaftlichen Wandel, der derzeit stattfindet. Dies führt auch zu erweiterten Möglichkeiten christlicher Online-Dienste. Die Internetgeschwindigkeit hat zugenommen, was zu einer hohen Nutzung der sozialen Medien führt. Aus diesem Grund suchen mehr Saudis online nach glaubensbezogenem Material. Diese größeren Freiheiten können jedoch auch einen anderen Kontext für Druck bieten, da einzelne „Eiferer“ in den sozialen Medien darauf reagieren können und auch die Regierung sie überwachen kann.

Das Land will sowohl den Tourismus ankurbeln als auch seinen Einfluss auf den weltweiten Islam aufrechterhalten. Obwohl es einige positive Schritte gegeben hat, ist es zu früh, um anzunehmen, dass dies zu einer breiteren Akzeptanz verschiedener Religionen führen wird. Die sozialen Veränderungen könnten sehr wohl auf ernsthaften Widerstand aus konservativen Kreisen stoßen.

3. Religiöse Situation im Land

Das Wüstenkönigreich kontrolliert die islamischen heiligen Städte Mekka und Medina (der traditionelle Geburts- und Begräbnisort von Mohammed, dem Hauptpropheten des Islam) und ist geprägt vom Wahhabismus, einer puristischen und strengen Auslegung des Islam. Andere Religionen dürfen nicht offen praktiziert werden. Es existiert eine schiitische Minderheit von acht Prozent, sie leidet unter Diskriminierung. In Saudi-Arabien gibt es mehr als 1,2 Millionen Christen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um saudi-arabische Staatsbürger, sondern meist um Asiaten, die vorübergehend im Land arbeiten. Es gibt auch Christen aus anderen Teilen der Welt. In Saudi-Arabien sind keine offiziellen Kirchen irgendeiner christlichen Konfession erlaubt. Die kleine Zahl der saudi-arabischen Christen trifft sich im Verborgenen, aber eine größere Zahl hat keine christliche Gemeinschaft, an der sie teilnehmen kann. Bei einigen ist dies auf Angst zurückzuführen, aber bei anderen liegt es daran, dass sie nicht wissen, dass es neben den Ausländern noch andere Christen gibt (mit denen es aus Sicherheitsgründen nicht klug wäre, sich zu vermischen).

Saudi-Arabien finanziert über die islamische Missionsorganisation „Muslimische Weltliga“ mit Sitz in Mekka missionarische Bemühungen über die eigenen Grenzen hinaus. Islamische Bekehrungsliteratur und Missionare werden ins Ausland geschickt, und der Bau von wahhabitischen Moscheen in den verschiedensten Ländern wird mit Öldollars finanziert. Außerdem fördert das Land akademische Einrichtungen unter der Bedingung, dass auch Zentren für islamische Studien gebaut werden. Neben zahlreichen Koranexemplaren werden jedes Jahr auch große Mengen an Literatur, die den Hass gegen Nichtmuslime propagiert, ins Ausland verschickt, zum Beispiel in Länder in Afrika, Südostasien und Westeuropa.

Religiöser Hass gegen Anhänger anderer Religionen als dem sunnitischen Islam findet sich trotz versprochener Reformen immer noch in saudischen Schulbüchern. Eine umfassende Überprüfung der saudischen Schulbücher seit 2016 durch das „Institute for Monitoring Peace and Cultural Education in School Textbooks”, zeigt jedoch, dass einige Fortschritte gemacht wurden: „Die Feindseligkeit gegenüber Christen hat sich in mancher Hinsicht abgeschwächt. Verweise auf das Christentum als koloniale Macht und als „eine ungültige und pervertierte Religion“ wurden aus dem neuesten saudischen Lehrplan entfernt. Im Gegensatz zu früheren Lehrplänen wird der von Muslimen verübte Terrorismus ausdrücklich und scharf kritisiert.“ Doch nicht alles ist gut: In den neuesten Schulbüchern werden Nichtmuslime (einschließlich Christen und Juden) „immer noch dämonisiert, als Ungläubige und Feinde des Islam und aller Muslime bezeichnet“, und schiitische Muslime werden in ähnlicher Weise verurteilt.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Das Wüstenkönigreich ist vom Wahhabismus geprägt und kontrolliert die für Muslime heiligen Städte Mekka und Medina. Der Koran und die Sunna (wörtlich: „Traditionen“) sind in Saudi-Arabien zur Verfassung erklärt worden und werden von religiösen Leitern nach der strengen Lehrrichtung der Hanbaliten interpretiert. Saudi-Arabiens Rechtssystem gründet auf der islamischen Rechtsprechung, der Scharia. Auf dieser Rechtsgrundlage darf nur der offiziell anerkannte wahhabitische Islam öffentlich praktiziert werden; andere Religionen offen auszuüben, ist verboten. Alle saudischen Bürger gelten als Muslime; ausländische Anhänger anderer Religionen dürfen ihren Glauben nur im privaten Rahmen ausüben. Auf Apostasie, dem Abfall vom Islam, steht weiterhin die Todesstrafe, auch wenn für die letzten Jahre keine Beispiele von gerichtlich angeordneten Hinrichtungen aus diesem Grund bekannt sind.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm, vermischt mit islamischer Unterdrückung

Obwohl Saudi-Arabien behauptet, eine moderne Nation zu sein, gibt es im ganzen Land immer noch eine sehr starke Unterdrückung durch Clans. Die jahrhundertealten Normen und Werte aus ihrem traditionellen Glaubenssystem haben nach wie vor einen großen Einfluss auf die Menschen, die in diesem Land leben. Es gibt starke Stammes- und Clan-Vorurteile, die sich auf Eheschließungen, Beschäftigung, die Frage, wo man ein Haus mieten oder kaufen kann, und verschiedene andere soziale Situationen auswirken. Clans können anhand des letzten Nachnamens identifiziert werden. Wenn also der Nachname einer Person einen niedrigeren Stamm oder Clan widerspiegelt, könnte ihr eine Anstellung verweigert oder eine weniger begehrte Position gegeben werden. Diejenigen Saudis, die keine Stammeszugehörigkeit haben, werden von denen, die eine traditionelle Stammesmentalität aufrechterhalten, verachtet. Die Unterdrückung durch Clans ist eindeutig mit dem Islam vermischt und betrifft besonders Christen muslimischer Herkunft. Diejenigen in eher traditionellen Stämmen haben es schwerer, aus diesen Normen auszubrechen. Saudische Christen, die von ihrer Familie verleugnet werden, werden auch von ihrem Stamm und ihrer Gemeinschaft ausgestoßen.

Diktatorische Paranoia

Die saudische Monarchie hat die absolute Macht und Autorität im Land. So kann der Monarch jedes von ihm gewünschte Gesetz implementieren, solange es mit der Scharia und dem Koran übereinstimmt. In einem unerwarteten Schritt beförderte König Salman seinen Sohn im Juni 2017 zum Kronprinzen. Nach Ansicht von Beobachtern unternahm er diesen Schritt, um die monarchische Vorherrschaft der Familie zu bewahren und nicht aufgrund einer genauer definierten Vision für das Land. Ein Hauptziel der Herrscher, vor allem des Königs und des Kronprinzen, ist es, den Status quo zu erhalten, indem sie ihre eigene Macht behaupten und sorgfältig jegliche Strömungen kontrollieren, die als regimekritisch angesehen werden können oder religiöse und soziale Spannungen entfachen könnten. Die beiden obersten Autoritäten des Landes haben viele Veränderungen vorgenommen, von denen in Saudi-Arabien lebende Ausländer im Allgemeinen betroffen sind. Darunter sind zwar auch Christen, doch die Änderungen zielten nicht speziell auf sie ab. Ein Beispiel dafür ist die Erhöhung der Visagebühren für alle Angehörigen von in Saudi-Arabien lebenden Ausländern, die dazu führt, dass mehr ausländische Christen das Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen, was die christliche Präsenz und die Möglichkeiten, ein Zeugnis für den christlichen Glauben zu sein, verkleinert.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Regierungsbeamte: Saudi-Arabien möchte als Verteidiger des Islam gesehen werden, als Land mit einer hundertprozentig muslimischen Bürgerschaft. Verfolgung gilt jedem, der dieses Bild schädigt. Wichtige Quellen der Verfolgung sind hochgradig repressive Gesetze, die die Religionsfreiheit einschränken und von staatlichen Behörden aufrechterhalten und umgesetzt werden. Allerdings bleibt der Staat oft verhältnismäßig passiv und verlässt sich auf den noch stärkeren gesellschaftlichen Druck, um sicherzustellen, dass Christen und andere religiöse Minderheiten in Schach gehalten werden. Dies betrifft:
    1. Ausländische Christen (für die vielen Gruppen, die sich regelmäßig zu privaten Gottesdiensten versammeln, geht die Hauptbedrohung von Nachbarn und weiteren Gemeinschaften aus – staatliche Stellen würden typischerweise nur als Reaktion auf Forderungen der Gemeinschaft eingreifen); und
    2. Konvertiten zum christlichen Glauben (insbesondere saudische Staatsangehörige). Bei ihnen können die Behörden strenge Maßnahmen ergreifen und tun dies auch, aber in der Praxis geschieht dies oft nur auf Veranlassung von Familienmitgliedern oder des sozialen Umfelds hin.

Die Religionspolizei war früher dafür zuständig, die Einhaltung religiöser Regeln durchzusetzen. Sie bestrafte jeden, der sich nicht an die Kleiderordnungen hielt (etwa Männer in Shorts oder Frauen mit nicht ausreichend bedecktem Haar), und übte Druck auf diejenigen aus, die sich während der Gebetszeiten außerhalb der Moschee aufhielten. In den letzten Jahren hat sich die Macht der Religionspolizei jedoch deutlich verringert.

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Oft sind dies prominente Führungspersönlichkeiten oder Personen mit hohem Ansehen in ihrem sozialen Umfeld wie Imame, Universitätsprofessoren oder Ärzte, die es als ihre Aufgabe betrachten, die Gesellschaft von schlechten Einflüssen freizuhalten. In gewisser Weise funktioniert dies wie ein Stammessystem in einer Gemeinschaft, in der der tatsächliche Stammeseinfluss gering ist (z.B. in den Städten). Die Angst vor feindlichen Äußerungen oder Handlungen islamischer Leiter trägt dazu bei, dass sich Christen muslimischer Herkunft zu großer Vorsicht gezwungen sehen. Obwohl nicht viele Fälle bekannt sind, in denen religiöse Leiter im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 spezifische Verfolgung angezettelt haben, tragen sie aufgrund des hohen Grades an Feindseligkeit (insbesondere gegenüber Konvertiten) und ihres erheblichen Maßes an Autorität und Einfluss erheblich zum Druck auf die Christen bei. Zum Beispiel beeinflussen diese Leiter ihre Zuhörerschaft immer wieder mit einem Aufruf zur radikalen Einhaltung der wahhabitischen Regeln, einschließlich des Aufrufs, Druck auf jeden auszuüben, der die Lehren dieser strengen Form des Islam missachtet.
  • Gewöhnliche Bürger: Generell gibt es in der Gesellschaft eine ausgeprägte antichristliche (und gegen alles nichtislamische gerichtete) Haltung. Obwohl die Gesellschaft im weiteren Sinne keine große direkte Bedrohung darstellt, kann sie oft ein Auslöser für staatliche oder familiäre Interventionen sein. Wenn sich Nachbarn beispielsweise darüber beschweren, dass ausländische Christen bei ihren Treffen übermäßigen Lärm verursachen oder rücksichtslos parken, könnten sich die Behörden gezwungen sehen, Maßnahmen zu ergreifen. Desgleichen ist es wahrscheinlich, dass wenn Arbeitskollegen oder Nachbarn auf Grund eines möglichen Glaubensübertritts zum christlichen Glauben Verdacht schöpfen, sie die Familie des Konvertiten informieren, die dann schwerwiegende Maßnahmen ergreifen könnte. Diese Bedrohung durch die Gesellschaft gilt gleichermaßen im Kontext des Internets und der sozialen Medien.
  • Die eigene Familie: Es ist eine große Schande, wenn ein Familienmitglied Christ wird, und diese Schande muss aus der Familie ausgemerzt werden. Ehrenmorde sind in Saudi-Arabien immer noch erlaubt und ein Familienmitglied kann getötet werden, um die Ehre der Familie zu schützen oder wiederherzustellen. Feindseligkeit vonseiten der Familie und Gesellschaft (beziehungsweise die Angst davor) ist eine der bedeutendsten Arten, wie saudische Christen bedrängt werden. (Dies betrifft vor allem saudische Christen muslimischer Herkunft, da die meisten ausländischen Konvertiten ihre Familien nicht bei sich haben werden. Das Ausmaß der Verfolgung, dem letztere von der Gesellschaft im Allgemeinen ausgesetzt sind, ist jedoch vergleichbar mit dem, welches saudische Christen erfahren). Die Geschichte der dokumentierten Verfolgung saudischer Christen durch Familienmitglieder umfasst (ist aber nicht beschränkt auf) Tod, versuchte Hinrichtung durch Stromschlag, Inhaftierung, Schläge, Verhaftungen, Hausarrest, Einsperren in ihr Zimmer, verbale Beschimpfungen, Einfrieren von Bankkonten, Beschlagnahmung von Pässen, Zwangsscheidung, Zwangsverheiratung, Verlust der elterlichen Rechte, Verbrennen von Autos und gegen Familienmitglieder gerichtete Drohungen.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammesführer setzen den Islam als Teil ihrer jahrhundertealten Werte des Stammes durch. Stammes- und Familienoberhäupter sind eine Quelle der Verfolgung für Christen, da diese Oberhäupter jedes Mittel einsetzen, um die Ehre ihres Stammes zu erhalten. Jeder Stamm geht auf eigene Art mit Abweichungen um. Wenn die Konversion eines ihrer Mitglieder öffentlich wird, sind sie in der Regel bereit, große Anstrengungen zu unternehmen, um ihn oder sie zum angestammten Glauben des Stammes (Islam) zurückzubringen. Dazu gehört die erzwungene Entlassung eines Konvertiten aus dem Arbeitsleben, Scheidung, Rückkehr aus einem Auslandsstudium, Zwangsheirat etc. Bestimmte Stämme tragen zur Bildung des „Komitees für die Förderung der Tugend und die Verhinderung des Lasters“ (CPVPV – oder einfach „islamische Religionspolizei“) bei. Diese Stämme sind stolz darauf, die obersten CPVPV-Beamten oder die örtlichen Imame über Personen zu informieren, die von den islamischen Praktiken abweichen, und insbesondere jeden zu melden, der im Verdacht steht, zum christlichen Glauben zu konvertieren. Obwohl die CPVPV einen Teil ihrer Regierungsautorität verloren hat, fürchten sich die Saudis generell vor einer solchen Anzeige.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Hier handelt es sich um unabhängige Gruppen, die keinen Respekt vor Stämmen oder der Regierung haben und versuchen, die Gesellschaft zu radikalisieren, wie z.B. die Gruppe des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS). Al Kaida ist im Jemen aktiv und es wird angenommen, dass sie auch in Saudi-Arabien eine Bedrohung darstellen. Diese zumeist sunnitischen Gruppen charakterisieren sich durch eine starke Gruppenkultur; sie versuchen, schiitische Muslime und Ausländer zu bekehren und beeinflussen die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Umfeld. Wenn lokale Gruppen von christlichen Konvertiten hören, werden sie alles Erdenkliche tun, um diese Christen zu verfolgen. Vor allem saudische Christen wissen, dass diese Gruppen, wenn sie gegen einen „Abtrünnigen“ vorgehen, dies wahrscheinlich ungestraft tun könnten. Im Allgemeinen ist die Regierung recht erfolgreich darin, terroristische und gewalttätige religiöse Gruppen in Schach zu halten, die eine Gefahr für die Herrscher und die nationale Stabilität darstellen. Es gibt also keine ständige Bedrohung durch gewalttätige religiöse Gruppen. Allerdings gibt es Unsicherheiten und Unklarheiten in den saudischen Beziehungen zu einigen religiösen Gruppen, die Gewalttaten in der Region verübt haben. Obwohl die Aktivitäten solcher Gruppen höchstwahrscheinlich eingeschränkt sind, bedeutet das hohe Maß an Feindseligkeit solcher Gruppen (insbesondere) gegenüber Konvertiten und ausländischen Christen, dass sie immer noch eine Bedrohung für das christliche Leben darstellen.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm, vermischt mit islamischer Unterdrückung

  • Anführer ethnischer Gruppen: Jeder Stamm geht auf eigene Art mit Abweichungen um. Wenn der christliche Glaube eines Stammesangehörigen öffentlich wird, greifen Stammesmitglieder auf alle erdenklichen Mittel zurück, um eine Rückkehr zum Islam zu erzwingen.
  • Die eigene Familie: Das Verlassen des Islam ist eine große Verletzung der Familien- und Stammesehre und wird ziemlich sicher zu gewalttätigen Reaktionen der direkten oder erweiterten Familie eines Konvertiten führen.
  • Regierungsbeamte: Die Regierungsbehörden ziehen es normalerweise vor, sich nicht in Glaubensfragen einzumischen, aber sie werden es tun, wenn die Stammesführer dem zustimmen. Außerdem werden sie wahrscheinlich nicht eingreifen, wenn Stammesführer gewalttätig gegen eines ihrer Mitglieder agieren, das zum christlichen Glauben übergetreten ist.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Religiöse oder örtliche Anführer sehen es als ihre Verantwortung, ihre Gemeinschaft von christlichen und anderen unerwünschten Einflüssen frei zu halten. Dies ist ähnlich wie in einem Stammessystem und funktioniert vor allem dort, wo der Stamm nicht so einflussreich ist, zum Beispiel in Städten.
  • Gewöhnliche Bürger: In der Stammesgesellschaft ist es gefährlich, gegen traditionelle Meinungen und Lebensweisen zu verstoßen. Es gibt die ständige Bedrohung durch das erweiterte Umfeld, dass sie die Familie eines „Abtrünnigen“ informieren werden, sollten sie von seiner Hinwendung zum christlichen Glauben erfahren.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die saudischen Herrscher, insbesondere der König und der Kronprinz, setzen ihr Möglichstes daran, den Status quo zu erhalten, indem sie ihre eigene Macht behaupten und sorgfältig jegliche Strömungen kontrollieren, die als regimekritisch angesehen werden oder soziale Spannungen entfachen könnten. Besonders saudische Christen muslimischer Herkunft entehren den stolzen Ruf des Landes als Hüter der beiden heiligen Moscheen, daher wird die Existenz dieser Christen geleugnet. Staatsbeamte handeln oft gegen Christen als Reaktion auf die Bitte von Familienmitgliedern oder Menschen aus dem sozialen Umfeld.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Das Verfolgungsniveau in Saudi-Arabien ist im Allgemeinen landesweit gleich, obwohl die soziale Kontrolle in ländlichen Gebieten wahrscheinlich höher ist. Eine mögliche Ausnahme sind Wohnkomplexe westlicher Ausländer, bei denen es weniger Kontrolle und Druck gibt, sich an strenge islamische Normen zu halten.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die meisten Christen, die in Saudi-Arabien leben, sind Ausländer, die nur zeitweise im Land leben und arbeiten. Dabei handelt es sich um Christen sowohl aus Ländern der westlichen Welt als auch aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen wie Indien, den Philippinen oder aus afrikanischen Ländern. Die asiatischen und afrikanischen Gastarbeiter werden nicht nur ausgebeutet und schlecht bezahlt; aufgrund ihrer ethnischen Herkunft und ihres geringen sozialen Status sind sie regelmäßig auch verbaler und körperlicher Gewalt ausgesetzt und stehen unter ständigem Druck, zum Islam zu konvertieren. Die meisten ausländischen Christen sind römisch-katholisch. Die Reisemöglichkeiten für katholische und orthodoxe Priester sind begrenzt, was für katholische und orthodoxe Christen problematisch ist, da ihre religiösen Traditionen den regelmäßigen Empfang der Sakramente durch einen Priester erfordern. Ausländische Christen sind in ihren Möglichkeiten, sich zum Gottesdienst zu versammeln und ihren Glauben mit Muslimen zu teilen, extrem eingeschränkt, da Verhaftung und Ausweisung drohen. Kirchengebäude sind gesetzlich nicht erlaubt, aber größere christliche Gottesdienste werden Berichten zufolge regelmäßig ohne wesentliche Einmischung von Regierungsbeamten oder der Religionspolizei abgehalten.

Christen anderer religiöser Herkunft

Konvertiten haben hauptsächlich einen muslimischen Hintergrund und sind vor allem unter arabischen Migranten zu finden. Häufig sind sie enttäuscht über die Radikalisierung der islamischen Gesellschaft. Wenn diese im Ausland lebenden Konvertiten früher als Muslime bekannt waren und Teil von Kleinstgemeinschaften ihres Heimatlandes sind, sind sie in der Regel der gleichen Verfolgung ausgesetzt, wie in ihrem Heimatland. Deshalb leben die meisten als geheime Christen, um den Verlust des Arbeitsplatzes und körperlichen oder geistigen Missbrauch zu vermeiden.

Es gibt nur wenige saudische Christen muslimischer Herkunft im Land, und im Allgemeinen müssen sie ihren Glauben strengstens geheim halten. Viele von ihnen sind durch christliches Satellitenfernsehen zum Glauben gekommen oder nachdem Jesus Christus sich ihnen in Träumen und Visionen offenbart hat, manchmal während sie sich auf der islamischen Pilgerreise nach Mekka, der sogenannten Hadsch, befanden. Außerdem trägt das Internet dazu bei, dass Einheimische einen Zugang zu christlichem Material erhalten – auch wenn dieser Zugang stark eingeschränkt ist, da die Nutzung des Internets in Saudi-Arabien von den Behörden streng kontrolliert wird. Dennoch ist die kleine Zahl der saudi-arabischen Christen gewachsen, und sie sind mutiger geworden, und einige teilen ihren Glauben mit anderen über das Internet oder christliche (Satelliten-)Fernsehprogramme. Ein solches öffentliches Zeugnis hat aber häufig zu ernsthaften Konsequenzen vonseiten ihrer Familien oder der Behörden geführt.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 15.1
Familienleben 14.1
Gesellschaftliches Leben 14.4
Leben im Staat 15.8
Kirchliches Leben 16.6
Auftreten von Gewalt 2.2

Grafik: Verfolgungsmuster Saudi-Arabien

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen bleibt auf einem extremen Niveau (15,2 Punkte) und hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert,
  • Die Wertung in allen Lebensbereichen ist extrem hoch. Der höchste Druck wird in den Bereichen kirchliches Leben, Leben im Staat und Privatleben ausgeübt, was typisch für eine Situation ist, bei der islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung darstellt und mit diktatorischer Paranoia verknüpft ist.
  • Die Verfolgung, die von islamischer Unterdrückung, vermischt mit ethnisch begründeten Anfeindungen, ausgeht, ist vor allem in den Bereichen Privatleben, Familienleben und gesellschaftliches Leben präsent. Besonders Christen muslimischer Herkunft sind davon betroffen, die Verfolgung durch ihr soziales Umfeld erfahren.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 auf nun 2,2 Punkte gesunken.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Es kann für alle Christen riskant sein, über ihren Glauben in sozialen Medien zu schreiben, da dies als Evangelisieren von Staatsangehörigen wahrgenommen werden kann, was für nichtsunnitische islamische Glaubensrichtungen verboten ist. Für ausländische Christen könnte dies Konsequenzen für ihre Arbeitssituation haben. Die Auswirkungen dürften für Christen muslimischer Herkunft besonders schwerwiegend sein, da dies ein Beweis für ihren Abfall vom Islam wäre.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Es kommt einer Provokation gleich, christliche Bilder und Symbole in der Öffentlichkeit zu zeigen. Westliche Christen aus dem Ausland vermeiden dies, da es zu Ärger bei den Einheimischen und/oder Ausweisung führen kann. Für saudische oder andere Christen muslimischer Herkunft käme die Zurschaustellung christlicher Symbole einem Eingeständnis von Apostasie gleich und könnte so heftige Reaktionen von Staat, Gemeinde und Familie auslösen.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Da die Hauptquelle des Drucks auf Christen muslimischer Herkunft von ihrer Familie und ihrem sozialen Umfeld ausgeht, üben die meisten von ihnen extreme Vorsicht, wenn sie Glaubensthemen mit anderen besprechen, inklusive mit der erweiterten Familie oder Mitgliedern des sozialen Umfeldes. Es ist der Druck aus der erweiterten Familie, der zu Gewalttaten durch jemanden aus der Familie führt. Die einzige Ausnahme ist, wenn Freunde Christen sind, aber auch dann würden sie solche Gespräche an einem geheimen Ort führen. Ausländer müssen sich davor hüten, so wahrgenommen zu werden, als sei es ihr Ziel, Muslime zu evangelisieren.

Wurden Christen von anderen Familienmitgliedern oder gleich gesinnten Christen isoliert (beispielsweise durch Hausarrest?)

Für saudische Konvertiten ist dies eine erhebliche Bedrohung, wenn ihr Glaube bekannt wird. Ächtung oder Isolation von Familienmitgliedern ist Routine (und stellt angesichts der Akzeptanz von mehr Gewalt eine vergleichsweise milde Reaktion dar). Die Isolierung von anderen Christen ist oft effektiv selbst auferlegt, weil man zögert, ob sie vertrauenswürdig sind, und wegen der Angst vor den Konsequenzen, wenn breitere Kreise vom neuen Glauben eines Konvertiten erfahren. Auch christliche Hausmädchen und ausländische Arbeiter in – lokal so genannten – „Arbeitslagern“ sind aufgrund der Arbeitsbedingungen oft von der Gemeinschaft mit anderen Christen isoliert.

Familienleben

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Es gibt keinen Spielraum für die Formalisierung einer nichtislamischen Ehe in Saudi-Arabien, und es ist keine öffentliche nichtislamische Religionsausübung erlaubt. Jede christliche Hochzeitszeremonie innerhalb Saudi-Arabiens müsste daher privat durchgeführt werden, und die Ehe könnte nicht offiziell bei den saudischen Behörden registriert werden. Christen muslimischer Herkunft müssen nach islamischen Riten heiraten und Christen, die Muslime heiraten wollen, müssen zum Islam konvertieren.

Wurden christliche Taufen behindert?

Saudische Christen oder andere Christen muslimischer Herkunft können nicht offen getauft werden. Wenn eine Taufe den Behörden oder innerhalb des sozialen Umfeldes bekannt wird, sind die Auswirkungen schwerwiegend, da die Taufe ein klarer Beweis für den Abfall vom Islam ist. Die öffentliche Taufe eines ausländischen Christen würde gegen das Verbot der öffentlichen Ausübung der nichtislamischen Religion verstoßen und würde voraussichtlich zur raschen Abschiebung der betroffenen Ausländer führen.

Wurden Beerdigungen von Christen behindert oder unter Zwang anhand nichtchristlicher Riten durchgeführt?

Generell gibt es keinen Spielraum für nichtislamische Bestattungen, da dies eine nichtislamische Religionsausübung beinhalten würde, die im wahhabitischen Königreich verboten ist. Jeder saudische oder andere Christ muslimischer Herkunft würde beim Tod als Muslim betrachtet und nach islamischen Riten bestattet werden. Bei ausländischen Christen werden die Leichen nach dem Tod in der Regel in ihr Heimatland zurückgeführt. Für Ausnahmefälle und Notfälle gibt es eine inoffizielle nichtmuslimische Bestattungseinrichtung, die der Öffentlichkeit verborgen bleibt.

Wurden christliche Ehepartner von Nichtchristen in Scheidungsfällen vom Recht oder der Möglichkeit ausgeschlossen, das Sorgerecht für die Kinder zu beantragen?

In Saudi-Arabien gehört das Sorgerecht für die Kinder nicht den Eltern, sondern der Großfamilie und dem Stamm. Ein saudischer Christ (wenn er in der Familie oder im Stamm als Christ bekannt ist) würde aus dem Leben der Kinder ausgeschlossen werden. Im Falle einer Scheidung würde einem saudischen Christen das Sorgerecht für die Kinder nicht zugesprochen werden. Eingewanderte Christinnen, die Saudis heiraten (christliche Männer dürfen keine saudischen Frauen heiraten), haben nach saudischem Recht keinen Anspruch auf das Sorgerecht für die Kinder mit der Begründung, dass die Kinder eine muslimische Erziehung erhalten sollen.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Christen muslimischer Herkunft sind bedroht, sobald ihr Glaube bekannt wird. Der Islam ist im täglichen Leben sehr präsent und dies führt zu verschiedenen Einschränkungen. Frauen müssen eine Abaya (traditionelles islamisches Kleidungsstück, eine Art Überkleid) und eine Kopfbedeckung tragen. Christen und alle anderen Ausländer folgen dieser Kleiderordnung, wie sie der Islam verlangt, um Belästigungen oder Einschränkungen zu vermeiden. Dies ist zwar nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, aber immer noch die übliche Praxis. Frauen können nun eine Vielzahl von Farben für ihr Abaya wählen. Die saudische Kleiderordnung für Männer wird auch an saudischen Schulen und Gebetsstätten durchgesetzt.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Die Überwachung von Konvertiten, deren christlicher Glaube bekannt geworden ist, ist sehr verbreitet und wird vor allem von der örtlichen Gemeinschaft durchgeführt. Auswanderer werden von der Gesellschaft vor allem in Bezug auf die Einhaltung sozialer Normen überwacht. Arbeitgeber und andere Personen, die derselben ethnischen/nationalen Gruppe angehören, überwachen Migranten, was die Harmonie in der Gemeinschaft und die gegenseitige Unterstützung für das Leben in der saudischen Kultur sicherstellen soll. Telefongespräche, E-Mails und soziale Medien werden überwacht.

Wurden Christen aus religiösen Gründen daran gehindert, am öffentlichen Leben, Foren usw. teilzunehmen?

Es gibt absolut keinen Raum für eine offen christliche (oder andere nichtmuslimische) Form der Repräsentation. Es gibt keine nichtislamischen kommunalen Einrichtungen in Saudi-Arabien. Im Prinzip könnte dieser Druck auch auf einen Christen muslimischer Herkunft ausgeübt werden, obwohl es in der Praxis sehr unwahrscheinlich wäre, dass ein Konvertit versuchen würde, sich aktiv in kommunalen Einrichtungen zu engagieren, wenn sein Glaube bekannt wäre, da dies Schwierigkeiten mit sich bringen würde.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Wenn der neue Glaube eines christlichen Konvertiten aus dem Islam bekannt ist, wird er oder sie sehr wahrscheinlich seinen oder ihren Job verlieren. Bei Ausländern muss ihr Glaube als Teil des Bewerbungsverfahrens erfasst werden, und jede Erwähnung des christlichen Glaubens kann dazu führen, dass sie nicht eingestellt werden. Christen, die ihren Glauben aktiv in einer Weise leben, die andere Menschen betrifft, können ihren Arbeitsplatz verlieren.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Die Religionsfreiheit ist im saudischen Recht weder geschützt noch vorgesehen. Das Grundsystem des Konsultativrates verankert den Islam als Staatsreligion und die Scharia als Grundlage für die Gesetzgebung. Der Koran und die Sunna (Traditionen) gelten als Verfassung Saudi-Arabiens. Nur der wahhabitische Islam darf öffentlich praktiziert werden. Schiitische Moscheen sind zwar erlaubt, aber in der Praxis stark eingeschränkt. Alle saudischen Staatsbürger werden vom Staat zu Muslimen erklärt.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Blasphemie, Verleumdung von Religionen und nichtislamische Mission sind verboten, ebenso wie jede öffentliche Form nichtislamischer Anbetung. Öffentlich kritische Meinungen zu äußern, ist kaum möglich, und ausländische Christen laufen dabei Gefahr, ihren Arbeitsvertrag zu verlieren oder ausgewiesen zu werden. Die meisten Christen (sowohl saudische als auch ausländische) achten sehr darauf, Provokationen zu vermeiden. Sie üben eine vorsorgliche „Selbstzensur“ aus und vermeiden insbesondere jede direkte Predigt oder Kritik am Islam.

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

In Saudi-Arabien gibt es keine politischen Parteien. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich Christen (und insbesondere diejenigen mit muslimischem Hintergrund) um die Gründung einer Nichtregierungsorganisation oder Partei mit einer offen christlichen Identität bewerben, da sie wissen, dass eine solche Organisation zwangsläufig behindert werden würde.

Sind Christen, Kirchen oder christliche Organisationen daran gehindert worden, religiöse Symbole öffentlich zu zeigen?

Saudi-Arabien erlaubt keine öffentliche Zurschaustellung nichtislamischer Religionen, wie z.B. christliche Symbole. Zum Beispiel erlauben die Unternehmen keine Weihnachtsfeiern, und Weihnachtsschmuck wird an der Grenze beschlagnahmt. Logos von Unternehmen werden auch auf nichtmuslimische religiöse Bilder geprüft.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Das Verbot jeglicher öffentlicher Form nichtislamischer Gottesdienste stellt für die Kirchen eine ständige Behinderung dar. Von den Tausenden von informellen Zusammenkünften für Ausländer, die sich an privaten Orten treffen, gibt es Hinweise auf eine routinemäßige Überwachung durch die Behörden, auch wenn die meisten diskret handeln, um nicht auf ihre Aktivitäten aufmerksam zu machen. Die Möglichkeiten zum Abhalten christlicher Gottesdienste sind durch die strikte Trennung der Geschlechter stark eingeschränkt, die es Männern und Frauen aus verschiedenen Familien verbietet, gemeinsam im selben Raum Gottesdienste zu feiern. Der rechtliche Status privater Religionsausübung bleibt unklar, da es hierzu kein formell festgeschriebenes Recht gibt; er wird hauptsächlich aus offiziellen Verlautbarungen in den Medien abgeleitet. Regelmäßige Zusammenkünfte von saudischen Christen sind aus Angst vor Überwachung nicht möglich.

Wurden christliche Gemeinden beim Bau oder der Renovierung von Kirchengebäuden oder bei der Zurückforderung bzw. erneuten Nutzung historischer religiöser Gebäude und Gotteshäusern behindert, die ihnen früher genommen wurden?

Christliche Gemeinschaften wurden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren oder historisch-religiöse Stätten zu beanspruchen, die ihnen früher genommen wurden.

Wurden die Kirchen daran gehindert, christliches Material aus dem Ausland zu importieren?

Die Einfuhr von nichtislamischen religiösen Materialien in arabischer Sprache nach Saudi-Arabien ist verboten.

Sind Kirchen, christliche Organisationen, Institutionen oder Gruppen daran gehindert worden, Massenmedien zur Präsentation ihres Glaubens zu nutzen (z.B. über lokales oder nationales Radio, via Fernsehen, Internet, soziale Medien, Mobiltelefone)?

Die öffentliche Äußerung einer anderen Religion als des Islam ist verboten. Christliche Organisationen sind nicht erlaubt. Die Medien, einschließlich des Internets, werden routinemäßig auf politisches, pornographisches und religiöses Material hin untersucht, das als anstößig oder gegen den Islam gerichtet angesehen wird.

Auftreten von Gewalt

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 waren die Meldungen über antichristliche Gewalt mit denen des Weltverfolgungsindex 2020 vergleichbar, was zu der gleichen Gesamtpunktzahl für Gewalt führte. Grundsätzlich verhalten sich Christen äußerst vorsichtig, um ernsthafte Folgen zu vermeiden. Dadurch bleibt der Wert für das Auftreten von Gewalt relativ niedrig.

  • Angriffe auf Christen: In Saudi-Arabien leben mehr als 1,2 Millionen ausländische Christen, von denen eine große Zahl als Hausangestellte beschäftigt sind. Wie in den vergangenen Jahren bleiben Vergewaltigungen und sexuelle Belästigungen ein enormes Problem in Saudi-Arabien. Asiatische und afrikanische Christen, vor allem Hausmädchen, die in saudischen Häusern arbeiten, sind sehr verletzlich und werden oft schlecht behandelt, u.a. aus negativen Motiven gegenüber Ethnie und Glauben. Überprüfbare Statistiken sind aufgrund des gesellschaftlichen Tabus und des Mangels an Rechtsschutz/Gerechtigkeit kaum vorhanden.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2019 besagt auf den Seiten 90-96:

Eine größere religiöse Minderheit, die in Saudi-Arabien mit Diskriminierung und Verfolgung konfrontiert ist, sind schiitische Muslime, die vor allem in der östlichen Provinz ansässig sind. Von saudischen Herrschern während des größten Teils der Landesgeschichte bis heute als Ketzer angesehen, erleben Schiiten Diskriminierung im Justizsystem, im Bildungswesen, hinsichtlich Anstellungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst und bei Regierungsämtern sowie bei religiösen Aktivitäten. Schiiten streben nach mehr politischer Partizipation und mehr religiöser Toleranz. Doch nach den konfessionellen Spannungen in der Region, einschließlich des Krieges gegen die vom Iran unterstützten Rebellen im Jemen, schwindet die Hoffnung der Schiiten auf Toleranz und Pluralismus.

Schiitische Geistliche und Aktivisten, die sich für die Gleichbehandlung schiitischer Muslime einsetzen, riskieren Verhaftung und sogar Hinrichtung unter dem Vorwurf, sich der Regierung widersetzt zu haben. Beispiele:

  • „Im April 2019 exekutierte Saudi-Arabien 37 Menschen, davon 32 schiitische Muslime, unter anderem wegen ‚Provokation konfessioneller Unruhen‘, ‚Verbreitung von Chaos‘ und ‚Störung der Sicherheit‘. Zu den Enthaupteten gehörten der prominente schiitische Geistliche Scheich Mohammed al-Atiya, der angeklagt wurde, „das schiitische Bekenntnis zu verbreiten“, und Abdulkareem al-Hawaj, ein schiitischer Muslim, der festgenommen wurde, nachdem er im Alter von 16 Jahren an einem Protest teilgenommen hatte“.
  • „Am 13. November 2019 gaben Menschenrechtsgruppen bekannt, dass Hussein al-Ribh, ein 38-jähriger schiitischer Aktivist, der seit 2017 in Haft war, im Gefängnis von Dammam gestorben ist. Einige schiitische Aktivisten außerhalb des Landes gaben an, dass die Behörden al-Ribh gefoltert hatten, während er inhaftiert war.“
  • „Im April 2019 hat die Regierung 37 Bürger wegen ‚Terrorismusverbrechen‘ hingerichtet; die größte Massenhinrichtung seit 2016. Nach Angaben von Human Rights Watch (HRW) gehörten mindestens 33 der 37 Personen der schiitischen Minderheit des Landes an und wurden nach angeblich unfairen Verfahren wegen verschiedener angeblicher Verbrechen, darunter auch protestbezogener Vergehen, verurteilt.“
  • „Im August starb Scheich Saleh Abdulaziz al-Dhamiri aufgrund eines Herzleidens, während er in Einzelhaft im Tarafia-Gefängnis festgehalten wurde.“
  • „Die Behörden nahmen Thumar al-Marzouqi, Mohammed al-Sadiq und Bader al-Ibrahim, drei schiitische Muslime, die in der Vergangenheit über die Diskriminierung von schiitischen Muslimen geschrieben haben, im April 2019 ohne offizielle Anklage in Haft; sie blieben am Jahresende in Haft.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Saudi-Arabien:

  • Beten Sie, dass der Herr weiterhin das Internet dazu benutzt, Christen zu stärken und zu vereinen und die saudische Gemeinde wachsen zu lassen.
  • Beten Sie, dass sich Jesus sowohl Christen als auch Nichtchristen in Träumen und Visionen offenbart.
  • Beten Sie für den Schutz aller Christen in Saudi-Arabien und um Weisheit und Urteilsvermögen auf ihrem Weg, Jesus nachzufolgen und von ihm zu erzählen.