Länderprofil Oman

Oman

36
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge OIman
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Absolute Monarchie
Platz Vorjahr
44
Karte Oman
Christen
0,19
Bevölkerung
5.27
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.800
Familienleben: 14.000
Gesellschaftliches Leben: 10.300
Leben im Staat: 13.200
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 1.500

Länderprofil Oman

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 36 / 66 Punkte (WVI 2021: Platz 44 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christen muslimischer Herkunft werden von Familie und Gesellschaft dazu gedrängt, ihren Glauben zu widerrufen. Sie können von ihrer Arbeit und aus ihrem Zuhause vertrieben werden und haben mit Problemen wegen des Sorgerechts für die Kinder und des Erbes zu kämpfen. Ausländische christliche Konvertiten sind einem ähnlichen Druck ausgesetzt wie in ihren Heimatländern, da sie häufig in ihren eigenen nationalen oder ethnischen Gemeinschaften leben. Ausländische Gemeinden werden toleriert, aber ihre Einrichtungen werden begrenzt und christliche Versammlungen werden überwacht, um zum einen politische Äußerungen zu erfassen und zum anderen festzustellen, ob omanische Staatsangehörige daran teilnehmen. Alle religiösen Organisationen müssen von den Behörden genehmigt werden.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Das Land wird von einem Monarchen regiert (seit Januar 2020 von Sultan Haitham ibn Tariq) und als autoritär eingestuft. Sultan Haithams Vorgänger werden die Abschaffung der Sklaverei, der Aufbau von Beziehungen zu den USA, die wirtschaftliche Stabilität und Wahlreformen zugeschrieben.

Der Islam ist Staatsreligion und bildet die Grundlage der Gesetzgebung. Blasphemie gegen abrahamitische Religionen wird streng geahndet. Das Ministerium für Stiftungen und islamische Angelegenheiten reguliert und überwacht alle religiösen Aktivitäten, einschließlich der islamischen. Religiöse Leiter müssen registriert sein und in Moscheen dürfen nur genehmigte Predigten gehalten werden. Für die Veröffentlichung oder Verteilung von religiösem Material ist eine vorherige Genehmigung erforderlich. Nichtmuslimische Gottesdienste sind nur in offiziell dafür vorgesehenen Räumlichkeiten erlaubt.

Die meisten Omanis praktizieren eine im Oman einzigartige Form des Islam, den Ibadismus. Dieser wird als „gemäßigter Konservatismus“ bezeichnet, also eine Mischung aus Strenge und Toleranz. Experten zufolge halten Ibaditen nichts von Gewalt gegen Menschen, die den Islam verlassen. Sie neigen dazu, Christen zu tolerieren, was dazu geführt hat, dass der Oman international als ein Modell für Toleranz und Diplomatie dargestellt wird. Dennoch bleibt der Druck auf omanische Christen muslimischer Herkunft (und auf ausländische Christen, die aktiv das Evangelium weitergeben) sehr hoch. Bei den meisten Christen handelt es sich um Ausländer, die vor allem in städtischen Gebieten leben und von den Philippinen, aus Indien und aus westlichen Ländern stammen.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

190.000

3,6

Muslime

4.760.000

90,3

Hindus

252.000

4,8

Buddhisten

26.600

0,5

Anhänger ethnischer Religionen

630

0,0

Bahai

11.800

0,2

Atheisten

230

0,0

Agnostiker

7.400

0,1

Andere

21.560

0,4

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die omanische Gesellschaft folgt immer noch einem ausgeprägten Stammessystem. Die soziale und familiäre Kontrolle und damit der Druck ist im Allgemeinen in ländlichen Gebieten höher, während städtische Gebiete den Konvertiten die Möglichkeit bieten, ein anonymeres Leben zu führen.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Christen mit omanisch-muslimischem Hintergrund werden am stärksten von ihrer Familie unter Druck gesetzt, denn die Hinwendung zum christlichen Glauben gilt als Verletzung der Familienehre. Diese Christen werden in der Regel von ihrer Familie vertrieben. Bei Christen muslimischer Herkunft, die aus anderen Ländern stammen (etwa aus Pakistan oder der Levante), kommt es oft auf die Reaktion ihres sozialen Umfelds im Oman an. Solange sie keine Unruhe stiften, haben sie von der omanischen Regierung wenig zu befürchten. Jedoch können ihre omanischen Arbeitgeber sie entlassen, was eine Abschiebung zur Folge hätte, wenn sie keine andere Arbeit finden. Der Glaubenswechsel wird von der Regierung nicht anerkannt. Omanische christliche Konvertiten werden von Beamten verhört und aufgefordert, nicht mehr an Treffen teilzunehmen. Außerdem haben sie mit rechtlichen Problemen zu kämpfen und ihnen wird gedroht, dass sie ihre Arbeit und ihr Zuhause verlieren. Missionierung ist gesetzlich verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordentliches Verfahren des Landes verwiesen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

Stammeswerte werden mit islamischen Werten vermischt; Omani zu sein bedeutet, Muslim zu sein. Die Abkehr vom Glauben wird als eine Schande für die Familie und die Gesellschaft betrachtet. Christliche Konvertiten laufen Gefahr, ausgegrenzt oder massiv unter Druck gesetzt zu werden, zum Islam zurückzukehren.

Diktatorische Paranoia

Der Oman hat eine autoritäre Regierung, die abweichende Meinungen unter Strafe stellt und die Medien einschüchtert. Soziale Medien und Telefone können überwacht werden, um jegliche Kritik an der Regierung zu unterdrücken.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Es gibt mehrere ausländische Gemeinden (darunter römisch-katholische, orientalisch-orthodoxe und protestantische), die sich hauptsächlich in städtischen Gebieten wie Maskat und Sohar im Norden, und Salala im Süden befinden. Ihre Einrichtungen sind eingeschränkt, um Staatsangehörigen keinen Anstoß zu geben.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, von ihrer Familie und der Gesellschaft isoliert und unter Druck gesetzt zu werden, ihrem Glauben abzuschwören. Sie können auch das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, da das Gesetz einem Vater, der den Islam verlässt, verbietet, die elterlichen Rechte an seinen Kindern zu behalten.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.8
Familienleben 14
Gesellschaftliches Leben 10.3
Leben im Staat 13.2
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 1.5

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Ausländische Christen, die öffentlich über den christlichen Glauben sprechen, können der Missionierung beschuldigt werden, was zur Abschiebung führen kann. Der Oman ist eines der wenigen Länder mit dem Islam als Staatsreligion, in denen der Glaubenswechsel kein Verbrechen ist, falls er nicht öffentlich gemacht wird. Angesichts der Stammeskultur wird ein Christ muslimischer Herkunft jedoch geächtet und verliert jede soziale Sicherheit, die normalerweise die Familie bietet.

Familienleben

Alle Kinder, die von omanischen Eltern geboren werden, einschließlich der von christlichen Konvertiten, gelten als Muslime. Nichtmuslimische Kinder können nicht vom vorgeschriebenen Islamunterricht an staatlichen Schulen befreit werden. Ein konvertierter Ehemann verliert bei einer Scheidung sein Sorgerecht (bei einer konvertierten Ehefrau wäre das nicht anders, aber Frauen haben im Allgemeinen kein Sorgerecht).

Gesellschaftliches Leben

Christen, insbesondere christliche Konvertiten und Ausländer, die im Verdacht stehen, das Evangelium weiterzugeben, werden von der Regierung und ihrem sozialen Umfeld überwacht. Die Sicherheitsdienste werden von „verdächtigen Umständen“ in Kenntnis gesetzt. Sie können von der Polizei verhört werden. In einer Stammesgesellschaft wie dem Oman wird eine Arbeitsstelle oft über (familiäre) Beziehungen vermittelt. Ist die Hinwendung eines Omani zu Jesus Christus bekannt, wird er oder sie keine Arbeit finden. Christliche Arbeitsmigranten können diskriminiert werden. Ihr christlicher Glaube macht sie in dieser Hinsicht besonders verletzlich, obwohl auch Rassismus oft eine negative Rolle spielt.

Leben im Staat

Die Verfassung des Oman garantiert in Artikel 28 die „Freiheit zur Ausübung religiöser Riten“ nur unter der Bedingung, dass sie „nicht ... den Sitten widersprechen“. Daher gibt es keine Freiheit, den christlichen Glauben anzunehmen. Christen versuchen, nicht politisch aktiv zu werden, um keine feindselige Reaktion der Regierung zu provozieren. Es sind nur christliche Organisationen mit einem klaren Nutzen für die omanische Gesellschaft, wie beispielsweise Krankenhäuser, willkommen.

Kirchliches Leben

Die Kirchen üben Selbstzensur und achten darauf, keine öffentlichen Veranstaltungen zu organisieren oder große Mengen an christlichem Material zu drucken, was als Missionierungsversuch interpretiert werden könnte. Die Regierung würde wahrscheinlich gegen jede Kirche vorgehen, die christliche Konvertiten integriert. Veröffentlichung, Import und Verbreitung von religiösem Material sind stark reguliert. Kirchen dürfen keine eigenen Kanäle für den Import von Bibeln mehr nutzen.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Mindestens ein omanischer Christ muslimischer Herkunft wurde von seinen Familienangehörigen schwer verfolgt, und mehrere andere christliche Konvertiten wurden von den Behörden zu ihrem Glauben und ihren Aktivitäten verhört.
  • Der Druck auf die ausländische christliche Gemeinschaft wegen angeblicher Missionierung nahm unter dem neuen Sultan weiter zu, so dass sich mehrere Familien unter Druck gesetzt fühlten, das Land zu verlassen.
  • Vorfälle, bei denen christliche Arbeitsmigranten ins Visier genommen werden, werden wahrscheinlich nicht gemeldet, weil niemand ein Interesse daran hat, Einzelheiten zu veröffentlichen. Das Opfer möchte seinen Arbeitsplatz behalten und andere Akteure (wie die Regierung) sind nicht daran interessiert, solche Vorfälle zu dokumentieren. Es ist schwer zu erkennen, ob eine Misshandlung auf den christlichen Glauben eines Arbeitnehmers zurückzuführen ist. Es werden schätzungsweise Tausende von ausländischen Christen misshandelt. Einem Bericht von Amnesty International zufolge („All Work No Pay“, 2019) leiden Tausende von Gastarbeitern, trotz Versprechungen zur Verbesserung der Bedingungen, immer noch unter Arbeitsmissständen. In einem früheren Bericht („My Sleep Is My Break“, 2014) hat Amnesty International Praktiken des (sexuellen) Missbrauchs von weiblichen Gastarbeitern, von denen viele Christinnen sind, aufgezeigt.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

36

66,06

2021

44

63,47

2020

42

62,05

2019

44

59,24

2018

46

57,22

Der Anstieg des Oman um drei Punkte vom Weltverfolgungsindex 2021 zum Weltverfolgungsindex 2022 ist auf den steigenden Druck in allen Bereichen des Lebens zurückzuführen. Christen, insbesondere Christen muslimischer Herkunft, gerieten verstärkt unter Druck, nachdem die omanische Regierung die Überwachung von Christen verschärft hatte. Die Punktzahl in der Kategorie Gewalt hat auch deshalb zugenommen, weil mehrere Christen gezwungen waren, das Land zu verlassen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In der konservativen Gesellschaft des Oman, in der Väter, Ehemänner und männliche Vormünder ihr Leben maßgeblich bestimmen, befinden sich Frauen in einer schwachen Position. Frauen haben in der Gesellschaft kein Mitspracherecht, daher wird von ihnen auch nicht erwartet, dass sie eine eigene religiöse Meinung haben. Für Frauen ist es äußerst schwierig, den christlichen Glauben anzunehmen, da sie mit Hausarrest rechnen müssen und von anderen Christen isoliert werden. Unverheiratete christliche Konvertitinnen können auch unter Druck gesetzt werden, einen Muslim zu heiraten, um sie zu zwingen, zum Islam zurückzukehren. Hausmädchen, von denen viele christliche Arbeitsmigrantinnen sind, werden sexuell missbraucht und wie Sklaven behandelt.

Männer: Für muslimische Männer ist es im Oman sehr schwierig, den christlichen Glauben anzunehmen. Christen muslimischer Herkunft riskieren die soziale Ächtung durch ihre Familien und das soziale Umfeld. Sie werden wahrscheinlich den finanziellen Rückhalt ihrer Familien und die notwendigen Verbindungen verlieren, um in der netzwerkbasierten Gesellschaft des Oman einen Arbeitsplatz zu finden oder zu behalten. Dies wirkt sich auf abhängige Familienmitglieder aus, da Männer traditionell die Ernährer der Familie sind. Wenn ein christlicher Konvertit verheiratet ist, wird er das Sorgerecht für seine Kinder verlieren und möglicherweise geschieden werden. Außerdem können Christen muslimischer Herkunft aus ihrem Zuhause vertrieben werden, was sie in eine äußerst schwierige Lage bringt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Hindus, Buddhisten und nichtibadische Muslime können ihren Glauben relativ frei ausüben. Andere Minderheiten haben Schwierigkeiten, sich bei der Regierung zu registrieren, da die Verfahren nicht klar sind. Moscheen dürfen keine nicht lizenzierten Imame predigen lassen, und lizenzierte Imame müssen sich an die von der Regierung genehmigten Predigten halten. Die Regierung führte diese Maßnahmen ein, um zu verhindern, dass politische Unzufriedenheit in den Moscheen zum Ausdruck kommt.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für den Oman:

  • Sehr viele Christen in Oman kommen aus anderen Ländern und arbeiten als Gastarbeiter. Beten Sie für diese Gläubigen, dass sie eine Glaubensgemeinschaft finden und wissen, dass sie nicht allein sind.
  • Bitten Sie Gott, die Herzen des Sultans und der anderen Führungspersonen von Oman zu verändern. Wir wissen, dass Gott alles tun kann – er kann auch das mächtige Regierungsoberhaupt Omans mit der Hoffnung des Evangeliums erreichen.
  • Wenn ein omanischer Muslim zu Jesus Christus findet, kann es ihn oder sie alles kosten. Bitten Sie Gott, diese christlichen Konvertiten zu segnen, sie zu bewahren und andere Christen zu ihnen zu führen, die ihnen helfen, im Glauben zu wachsen.