Länderprofil Nepal

Nepal

32
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Nepal
Hauptreligion
Hinduismus
Platz Vorjahr
32
ISO
NP
Karte Nepal
Christen
1,28
Bevölkerung
29.94
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.400
Familienleben: 10.800
Gesellschaftliches Leben: 9.900
Leben im Staat: 12.100
Kirchliches Leben: 12.200
Auftreten von Gewalt: 7.000

Länderprofil Nepal

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 32 / 64 Punkte (WVI 2019: Platz 32 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Christen hinduistischer Herkunft (Konvertiten) werden am stärksten unter Druck gesetzt, da sie als „Abweichler“ vom traditionellen Glauben angesehen werden. Konvertiten zum christlichen Glauben (und Mitglieder protestantischer Kirchen) erfahren Druck von der Familie, von Freunden, der Gemeinde und den örtlichen Behörden. Die römisch-katholischen Kirchen sowie Gemeinden, in denen Ausländer zusammenkommen, haben am wenigsten Probleme. Von Zeit zu Zeit nutzen Hindu-Extremisten die anhaltende politische Instabilität aus, indem sie Christen angreifen. Meist kommen sie ungestraft davon. Es gibt Berichte über Angriffe auf Kirchen sowie über Christen, die geschlagen, verhaftet und zu Haftstrafen verurteilt wurden. Es wurde auch von Christen berichtet, die aufgrund von Drohungen aus ihren Häusern und Dörfern fliehen mussten. Auf nationaler Ebene gibt es zudem einige gesetzliche Einschränkungen.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Am 4. November 2018 wurden in Nepal vier christliche Frauen, darunter zwei Japanerinnen, unter dem Vorwurf verhaftet, Dalits und Nomaden ohne Land mit Gewalt zum Christentum zu bekehren. Nach Angaben einiger Einwohner versuchten sie, von Tür zu Tür zu gehen und zu missionieren. Deshalb wurden sie verfolgt und ihre Aktivitäten gefilmt. Die Filme wurden dann der Polizei übergeben, die ihre Verhaftung vornahm.
  • Am 15. März 2019 wurde Pastor Dhruk Kumar von einer Gruppe unbekannter Männer entführt, die sich ihm auf Motorrädern genähert hatten. Er wurde an einen abgelegenen Ort im Dschungel gebracht und zusammengeschlagen.
  • Ein 73-jähriger Christ, Cho Yusang, wurde am 6. August 2019 aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er zwei Wochen inhaftiert gewesen war, weil er angeblich nepalesische Einheimische gewaltsam bekehrte. Er wurde am 23. Juli 2019 verhaftet und zahlte Wochen später eine Kaution von 1.300 USD (150.000 nepalesischen Rupien). Er wurde auch wegen Missbrauchs seines Visums verhaftet, da er sich mit einem Geschäftsvisum im Land aufhielt.

Meldungen und Beiträge zu Nepal

Nachrichten Nachrichten
Hinduistischer Tempel in Nepal
Nepal
Gut ein Jahr nach dem Beschluss ist am 17. August ein neues Gesetz in Kraft getreten, dass den Übertritt zu einer anderen Religion kriminalisiert. Die nepalesischen Christen befürchten, dass das Gesetz gegen sie verwendet werden könnte.
Gesichter der Verfolgung - TV
Dambar aus Nepal – Gesichter der Verfolgung

Dambar aus Nepal – Gesichter der Verfolgung

23:55 Minuten
Nepal

Vom Hindu-Priester zum Missionar: Treu verrichtet Dambar in seinem Dorf Rituale für die Götter – seine Suche nach Sinn bleibt jedoch unerfüllt. Aber dann wird er durch ein Wunder Christ und sein Umfeld greift ihn an.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 64 Punkten belegt Nepal im Weltverfolgungsindex 2020 Rang 32.

Dies ist der gleiche Punktestand und Rang wie im Weltverfolgungsindex 2019. Die Verfolgung geht hauptsächlich von extremistischen Hindus aus, wobei ethnische Spannungen den Druck im Hintergrund verstärken. Auch die Zahl der gewalttätigen Zwischenfälle lag auf dem gleichen Niveau wie im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Die Christenverfolgung in Nepal geht hauptsächlich von hindu-extremistischen Gruppen aus, die Nepal wieder zu einem hinduistischen Staat machen wollen. Diese hindu-extremistischen Gruppen haben enge Verbindungen zu „Hindutva“-Gruppen im benachbarten Indien. Früher ging von der Regierung keine Verfolgung aus, aber 2015 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, welche die Religionsfreiheit einschränkt. Am 8. August 2017 verabschiedete das nepalesische Parlament zudem ein Anti-Bekehrungs-Gesetz, das am 16. Oktober 2017 vom Präsidenten unterzeichnet wurde: ein weiterer Hinweis, dass sich die Situation der Christen verschlechtert.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Anführer ethnischer Gruppen, vor allem in den nördlichen Regionen und dem äußersten Süden Nepals, zeigen immer wieder religiöse Intoleranz. Es gab auch Fälle, in denen hindu-extremistische Gruppen Christen angriffen, weil sie ihnen vorwarfen, eine Religion zu verbreiten, die nicht nach Nepal gehöre. Dies führte zu mehreren Vorfällen, die sich gegen christliche Evangelisten, Pastoren oder neu gegründete Gemeinden richteten. In den meisten Fällen ist dies mit „Religiös motiviertem Nationalismus“ verbunden.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Führer versuchen auf jeder Ebene (Kommune, Provinz und Staat), andere Religionen zu beeinflussen und einzuschränken. Als Folge davon ist das Ausmaß von Gewalt in Nepal in den letzten Jahren angestiegen.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen hinduistischer Herkunft stehen oft unter großem Druck von ihren Familien, zum traditionellen Glauben zurückzukehren.
  • Regierungsbeamte: Verfolgung durch Regierungsbeamte findet weniger auf nationaler Ebene, sondern auf lokaler (und vielleicht auch auf Provinzebene) statt. Dort haben Regierungsbeamte Verbindungen zur hinduistischen Gemeinschaft. Sie können die Religionsfreiheit einschränken, was zur Verhaftung und Schikanierung von Christen führen kann.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Besonders im Norden und im äußersten Süden Nepals zeigen Anführer ethnischer Gruppen immer wieder Intoleranz gegenüber anderen Religionen. Dies hat zu mehreren Vorfällen geführt, bei denen christliche Evangelisten, Pastoren oder neugegründete christliche Gemeinden Verfolgung erfuhren.
  • Gewöhnliche Bürger: Besonders auf der lokalen Ebene üben Hindus Druck auf Bekehrte und andere Christen aus.
  • Politische Parteien: Es gibt mindestens zwei hinduistische politische Parteien im nationalen Parlament, die befürworten, Nepal wieder zu einer Hindu-Nation zu machen.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen: Besonders im Norden und im äußersten Süden Nepals zeigen diese Anführer immer wieder religiöse Intoleranz. Dies hat zu mehreren Vorfällen geführt, die darauf abzielten, christliche Evangelisten, Pastoren oder neu gegründete Gemeinden zu verfolgen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es gibt mehrere hindu-nationalistische Gruppen und Parteien, die durch die Taktik ihrer Gesinnungsgenossen in Indien beeinflusst werden. Ihre Aktivitäten und ihr Einfluss nehmen zu.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Es gibt in Nepal keine spezifischen Brennpunkte von Christenverfolgung, aber der Druck auf Christen hinduistischer Herkunft ist auf dem Land stärker als in den Städten.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen

Ausländische Christen in Nepal halten überwiegend ihre eigenen, isolierten Versammlungen ab. Sie sind kaum darin aktiv, das Evangelium zu verkünden. Diese Kirchen wurden in der Vergangenheit weniger durch Hindu-Nationalismus beeinträchtigt, aber wenn die neue Verfassung des Landes umgesetzt wird, werden sie Einschränkungen erfahren, zum Beispiel im Dienst unter Nichtchristen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die bei Weitem größte und wichtigste von ihnen ist die römisch-katholische Kirche sowie einige wenige orthodoxe Gemeinden. Sie neigen dazu, nicht evangelistisch aktiv zu sein. Daher sind diese Gemeinschaften kaum Anfeindungen durch extremistische Hindus ausgesetzt.

Christen hinduistischer Herkunft

Christen mit hinduistischem Hintergrund sind die größte Gruppe von Christen in Nepal und ihre Zahl ist über die Jahre hinweg spektakulär gewachsen. Sie sehen sich der größten Verfolgung aller Christen in Nepal ausgesetzt, wobei viel Druck von lokalen Regierungsbeamten, Hindupriestern, ihren eigenen Familien und ihrem sozialen Umfeld ausgeht.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gemeinden sind meist konfessionell unabhängig. Christen hinduistischer Herkunft besuchen in der Regel Gemeinden, die zu dieser Kategorie gehören. Da solche Gemeinden auch am aktivsten in der Evangelisation sind, erleben sie ein hohes Maß an Verfolgung.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 12.4
Familienleben 10.8
Gesellschaftliches Leben 9.9
Leben im Staat 12.1
Kirchliches Leben 12.2
Auftreten von Gewalt 7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Nepal

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch. Mit 11,5 Punkten ist er gegenüber dem Vorjahr (11,4 Punkte) leicht gestiegen.
  • In allen Lebensbereichen ist der Druck sehr hoch, außer im gesellschaftlichen Leben, wo die Wertung knapp unter dem Schwellenwert für sehr hohen Druck liegt. Der Druck ist im Privatleben am höchsten, was die Tatsache widerspiegelt, dass die hinduistische Umgebung besonders christliche Konvertiten auf vielerlei Weise einschränkt.
  • Der Wert für Gewalt bleibt sehr hoch und erreicht die gleiche Punktzahl (7,0) wie im Weltverfolgungsindex 2019.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form zu offenbaren: In den Augen von Hindu-Extremisten ist das Bekennen des christlichen Glaubens gleichbedeutend mit Missionierung. Diese wird mitunter mit Gewalt unterbunden. Anfangs war dies auf Familienverbände auf dem Land beschränkt, aber durch die sozialen Medien ist das Problem inzwischen in ganz Nepal verbreitet. Früher wurden nur Christen hinduistischer Herkunft in dieser Hinsicht angegriffen, inzwischen wird gegen glaubensbezogene Aussagen und Posts von allen Christen vorgegangen. Die sozialen Medien spielen eine große Rolle bei dem steigenden Druck auf Christen.
  • Der Glaubenswechsel wird bekämpft, verboten oder strafbar gemacht: In Nepal wächst die Abneigung der Hindus gegen Evangelisation. Unter dem Einfluss von Hindu-Extremisten in Indien werden Hindus in Nepal immer gewalttätiger gegen Christen hinduistischer Herkunft und evangelistisch tätige Christen. Aufgrund dieser wachsenden Abneigung wurde die Verfassung Nepals 2015 angepasst, wobei Artikel 26 Mission per Gesetz faktisch verbietet.
  • Es ist gefährlich, christliche Materialien privat zu besitzen oder aufzubewahren: Familie, Freunde und das soziale Umfeld reagieren inzwischen heftiger, wenn sie feststellen, dass ein Christ religiöses Material besitzt. Zunächst geschah dies vor allem auf dem Land und betraf vor allem Christen hinduistischer Herkunft, aber in den letzten Jahren sind in dieser Hinsicht immer mehr Vorfälle bekannt geworden. Inzwischen sind auch andere Christen in ganz Nepal betroffen, da diese Materialien von Hindu-Extremisten meist als Missionsmaterial angesehen werden. Die einzigen Christen, die kaum betroffen sind, sind die aus dem Ausland.
  • Es ist für Christen riskant, mit ihrer Kernfamilie über ihren Glauben zu sprechen: Früher war dieses Problem auf Christen hinduistischer Herkunft beschränkt. Wenn nur ein Mitglied der Familie den christlichen Glauben annimmt, während die anderen ihren ursprünglichen Glauben behalten, kann dies zu allerlei Konfrontationen und Konflikten führen. Die meisten Christen hinduistischer Herkunft, ziehen es vor – wenn sie fern von ihren Familien leben – ihren Verwandten nichts von ihrem Glauben zu erzählen, aus Angst, sie zu verärgern. Da die Abneigung unter den Hindus gegen alle Christen in Nepal in den letzten Jahren zugenommen hat, ist es auch für die anderen Christen im ganzen Land riskant geworden, über ihren Glauben zu reden und ihn zu leben. Einzig die Christen aus dem Ausland scheinen nicht betroffen zu sein.

Familienleben

  • Beerdigungen von Christen werden behindert oder mit nichtchristlichen Riten durchgeführt: Entsprechend der hinduistischen und buddhistischen Tradition in Nepal werden Verstorbene eingeäschert. Es gibt keine gemeinsamen Begräbnisstätten, so dass Christen nur an einigen wenigen, im Privatbesitz befindlichen Orten begraben werden können, aber selbst hier ist mit Widerstand der Lokalbevölkerung zu rechnen. Einige Familien reisten nach Indien, um die Bestattung von Katholiken, die in Nepal gestorben waren, durchzuführen.
  • Christliche Taufen werden behindert: Die Taufe gilt als das letzte Zeichen dafür, dass man den Hinduismus verlassen hat, um den christlichen Glauben anzunehmen. Viele Christen sind sich bewusst, dass Taufen zu starken Reaktionen in der Familie und dem sozialen Umfeld führen können, und lassen sich entweder gar nicht oder aber heimlich taufen. Der Druck auf die Christen ist so stark gewachsen, dass die Taufgottesdienste in den Gemeinden im Geheimen stattfinden.
  • Christliche Kinder werden unter Druck gesetzt, christenfeindlichen Unterricht oder hinduistischen Religionsunterricht zu besuchen: Auch wenn das Land nun offiziell säkular ist, sind hinduistische Praktiken und Bräuche tief im Bildungssystem verankert. Kinder nichthinduistischer Glaubensrichtungen nehmen routinemäßig an hinduistischen Bräuchen im Rahmen von Schulaktivitäten teil. So werden zum Beispiel die täglichen Gebete in den Schulen an Saraswati gerichtet, eine hinduistische Göttin des Lernens. Der Lehrplan beinhaltet hinduistische Feste und kulturelle Praktiken. Es gibt keinen Druck, an diesen Aktivitäten teilzunehmen, und es gibt auch keine Regierungsagenda, die darauf abzielt, durch diese Aktivitäten ein Hindu-Monopol zu errichten. Die Allgegenwärtigkeit der Mehrheitsreligion oder -kultur im täglichen Leben und die Unfähigkeit der Schulen, eine integrative Sichtweise zu entwickeln, kann jedoch dazu führen, dass sich Kinder aus religiösen Minderheiten als Außenseiter fühlen.
  • Christliche Paare werden daran gehindert, Kinder zu adoptieren oder sich als Pflegeeltern zur Verfügung zu stellen: Christliche Familien – ob sie Kinder adoptieren oder sich als Pflegeeltern zur Verfügung stellen – werden der Zwangsbekehrung beschuldigt, wenn sie ihnen biblische Geschichten und christliche Gebete beibrachten. Es wurde berichtet, dass eine christliche Sozialarbeiterin verhaftet wurde, die Kinder in einem Pflegeheim betreute.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld oder privaten Gruppen überwacht: Alle christlichen Aktivitäten auf kommunaler Ebene werden überwacht – meistens durch Mitglieder der Ortsgemeinde, aber manchmal sind auch hinduistische oder buddhistische Extremisten in dieser Hinsicht aktiv. Sogar lokale Regierungsbeamte überwachen kirchliche Aktivitäten und schicken Polizisten in Kirchen, um Informationen zu sammeln.
  • Christen werden im Alltag aus religiösen Gründen schikaniert, bedroht oder behindert: Innerhalb ihres sozialen Umfelds werden Christen (insbesondere Konvertiten) oft von ihrer Familie oder Menschen aus ihrem Umfeld bedroht. Christliche Hausversammlungen werden regelmäßig gestört und behindert. Einzelne Christen werden oft emotional belästigt, weil sie sich nicht an die Tradition und die Rituale halten.
  • Christen werden verhört oder aus religiösen Gründen gezwungen, sich bei der örtlichen Polizei zu melden: Die örtliche Polizei und Gemeinderäte zwingen Christen oft dazu, für Befragungen in ihre Büros zu kommen. Sie werden gebeten, über ihre kirchlichen Aktivitäten zu berichten.
  • Christen werden daran gehindert, an kommunalen Einrichtungen, Foren oder Ähnlichem teilzunehmen: In ländlichen Gegenden verhindern Hindus die Teilnahme von Christen an kommunalen und anderen öffentlichen Foren. Dies kann als eine Form der Ausgrenzung von Christen aus der lokalen Gesellschaft angesehen werden.

Leben im Staat

  • Die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) schränkt die Religionsfreiheit ein, wie sie in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formuliert ist: Nepal ist ein säkularer Staat und seine Verfassung garantiert Religionsfreiheit, was bedeutet, dass die Menschen ihre Religion und Kultur frei ausüben können. Der Wechsel von einer Religion zu einer anderen ist jedoch verboten. Das neue Strafgesetzbuch Nepals, das im August 2017 in Kraft getreten ist, verbietet auch religiöses Verhalten, das die öffentliche Ordnung stört oder gegen die öffentliche Moral verstößt. Während es also generell positiv ist, dass die Verfassung die freie Religionsausübung garantiert, besteht die Möglichkeit, dass diese neuen Bestimmungen dazu genutzt werden, gezielt Mitglieder von Minderheitengruppen zu bestrafen.
  • Die Berichterstattung in den Medien ist unkorrekt oder voreingenommen gegenüber Christen: Die meisten nationalen Medien in Nepal sind gegen Christen voreingenommen. Es gibt jedoch keine offenkundige Medienpropaganda und anders als in einigen anderen Ländern wird auch auf das Schüren von Hass und Paranoia gegen Christen verzichtet. Es gibt jedoch die Tendenz, evangelikale Gruppen so darzustellen, als würden sie unschuldige Dorfbewohner mit Geld und falschen Versprechungen ködern. Mission wird in einem sehr negativen Licht dargestellt. Eine solche ungünstige Darstellung trägt dazu bei, Christen zu stereotypisieren und eine negative Haltung ihnen gegenüber hervorzurufen. (Solche negativen Darstellungen haben auch in den internationalen Medien Einzug gehalten. Zwar mögen einige solcher Geschichten auf Fakten beruhen, aber eine solche selektive Berichterstattung vermittelt ein stark verzerrtes Bild).
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden in ihrer Arbeit behindert: Christliche Nichtregierungsorganisationen werden von den lokalen Behörden schikaniert, die oft behaupten, sie würden auf unethische Weise evangelisieren. Außerdem wurden neue Regelungen für Nichtregierungsorganisationen eingeführt. Danach benötigen sie für jedes Projekt, das sie durchführen, eine Genehmigung. Lokale Behörden werden verpflichtet, alle Projekte zu verbieten, die den Anschein erwecken, dass sie auf Missionierung abzielen. Beispielsweise sind christliche Organisationen gezwungen worden, vor der Antragstellung biblische oder christliche Wörter und Formulierungen aus ihren Unterlagen zu entfernen. Denjenigen, die dazu nicht bereit waren, wurde die Registrierung verweigert.

Christen sind Verleumdungskampagnen oder Hassreden ausgesetzt: Christliche Sozialarbeiter werden oft beschuldigt, durch ihre Arbeit in unethischer Weise zu missionieren. Auch Pastoren werden in Hassreden ins Visier genommen, weil sie christliche Aktivitäten durchführen, die als Versuche angesehen werden, auf unethische Weise zu missionieren.

Für Christen in Nepal ist es außerdem schwierig, ihre Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern, da sie der Blasphemie beschuldigt werden könnten.

Kirchliches Leben

  • Es ist schwierig, eine Registrierung oder eine rechtliche Anerkennung zu erhalten: Rechtlich sind Kirchen in Nepal nicht anerkannt. Kirchliches Eigentum wird unter dem Namen von Privatpersonen oder Nichtregierungsorganisationen registriert. Es gibt keine Bestimmungen für die Registrierung von Kirchen.
  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren: In den letzten Jahren hat die zunehmend feindselige hinduistische Umgebung viele Kirchen und Gruppen daran gehindert, Aktivitäten unter freiem Himmel zu organisieren, was vor einigen Jahren noch möglich war. In der aktuellen Situation empfiehlt die Polizei den Kirchen, aus Sicherheitsgründen keine Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren.
  • Kirchen werden an der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Durchführung von Schulen oder karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Vereinen gehindert: Christliche Nichtregierungsorganisationen und andere soziale Einrichtungen sind stark eingeschränkt worden. Der Druck konzentriert sich besonders auf die karitative Arbeit, da immer der Verdacht besteht, dass aktiv evangelisiert wird. Es gibt Beispiele von Organisationen, die aufgefordert wurden, christliche Begriffe aus ihren Dokumenten zu entfernen, einschließlich der Vorworte, in denen angegeben wird, von welchen christlichen Gemeinschaften die betreffende Wohltätigkeitsorganisation ursprünglich gegründet wurde.
  • Kirchen werden daran gehindert, Christen hinduistischer Herkunft offen zu integrieren: Evangelisation ist strengstens verboten. Die Integration von Christen hinduistischer Herkunft in eine Kirchengemeinde ist daher ebenfalls verboten. Neben diesem rechtlichen Aspekt gibt es auch familiären und gemeinschaftlichen Druck gegen Konvertiten und die Kirchengemeinden, die sie aufnehmen.

Christen in Nepal stoßen außerdem auf Schwierigkeiten, weil der Import und/oder der Verkauf von christlichen Materialien sowie Kontakte zur weltweiten Kirche überwacht werden.

Auftreten von Gewalt

  • Eine ältere Christin hinduistischer Herkunft wurde in Sindhupalchok ermordet. Sie hatte in ihrem Dorf offen evangelisiert und wurde von allen abgelehnt. Ihre Familienmitglieder hatten sie bedroht.
  • Es sind zwölf Fälle bekannt, in denen Christen angegriffen wurden. Die meisten Angriffe wurden von extremistischen Hindus durchgeführt.
  • Mindestens elf Christen wurden verhaftet, vier wurden nach einem Gerichtsverfahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
  • Sechs Gebäude einer Kirche in Daunne im Distrikt Nawalparasi wurden von der Polizei und der Forstverwaltung zerstört oder geschlossen. Das Grundstück gehört seit Mai 2019 technisch gesehen der Forstbehörde. Mindestens eine Schule wurde ebenfalls angegriffen.
  • In mindestens zwei Häusern wurden Razzien durchgeführt.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung der Staatsbürgerschaft
  • Verweigerung von Nahrungsmitteln/Wasser
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Zwangsverheiratung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Inhaftierung durch die Behörden
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Sexuelle Gewalt

Die meisten christlichen Frauen und Mädchen hinduistischer Herkunft haben sich zum christlichen Glauben bekehrt, nachdem sie in ihrem eigenen Leben oder dem eines engen Familienmitglieds Heilung oder Wunder erlebt hatten. Es ist jedoch gefährlich für sie, ihren Glauben zu offenbaren, deshalb nehmen sie unauffällig oder heimlich an den Gottesdiensten teil.

Wenn ihre Bekehrung bekannt wird, werden sie von ihrem Umfeld diskriminiert, sozial geächtet und von Familienmitgliedern zusammengeschlagen. Von ihrer Kernfamilie werden Christinnen mitunter eingesperrt. Zusätzlich zur Isolation werden oft ihre grundlegenden Bedürfnisse missachtet; beispielsweise wird ihnen die Schulbildung vorenthalten oder der Zugang zum Besitz ihrer Eltern verweigert. Außerdem werden sie grundlegender Menschenrechte wie der Staatsbürgerschaft beraubt. Auf emotionale und psychische Misshandlung folgt körperliche Gewalt: In der Anfangsphase werden sie von den unmittelbaren Familienmitgliedern (Ehemann, Schwiegereltern, Eltern) emotional misshandelt. Nach und nach folgen die seelische und körperliche Misshandlung, bis die Mädchen und Frauen schließlich zu Ausgestoßenen werden und somit ihren gesellschaftlichen Schutz verlieren. In sehr seltenen Fällen trifft die Familie Vereinbarungen, um das Mädchen mit einem nichtchristlichen Mann zu verheiraten. Es sind Fälle bekannt, in denen die Familie Morddrohungen ausgesprochen hat.

In der zutiefst patriarchalischen Gesellschaft Nepals sind Frauen und Mädchen kaum in der Lage, ihre Rechte in Anspruch zu nehmen, und sie haben auch nur begrenzte Möglichkeiten, sich zu bilden oder ein größeres soziales Umfeld aufzubauen, da sie meist innerhalb der Grenzen ihres Zuhauses eingeschränkt und in hohem Maß mit Hausarbeiten und Kindererziehung beschäftigt sind. Wenn christliche Frauen verfolgt werden, leidet die Familie, in erster Linie ihre Kinder. Wenn der Ehemann kein Christ ist und ihren Glauben nicht unterstützt, ist es unwahrscheinlich, dass die Frau Kenntnis von ihren rechtlichen Möglichkeiten erhält, um sich selbst und ihre Kinder zu verteidigen.

In einigen ländlichen Gebieten werden Christen sozial boykottiert und dürfen die Ressourcen der Gemeinschaft nicht nutzen. In einem Fall verweigerten die Buddhisten, die nach einem Erdbeben in einem Vertriebenenlager lebten, den Christen im Lager das Recht, dasselbe Versorgungssystem für Wasser zu nutzen. So mussten zwei getrennte Versorgungssysteme installiert werden. Da Frauen gemeinschaftliche Ressourcen häufiger nutzen als Männer, betrifft diese Verweigerung von Ressourcen sie stärker.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung der Staatsbürgerschaft
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Wirtschaftliche Schikanierung im Berufs-/Geschäftsleben
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt/Gemeinde
  • Körperliche Gewalt
  • Psychische Gewalt
  • Verbale Gewalt

Christliche Männer und Jungen, die sich erst kürzlich zum christlichen Glauben bekehrt haben, sind besonders anfällig für körperliche und seelische Misshandlungen durch Familie und Gesellschaft sowie Ausschluss aus der Gemeinschaft. Oft wird ihnen der Zugang zum Familienbesitz durch unmittelbare Familienangehörige verweigert. Außerdem werden ihnen gesetzliche Grundrechte wie das Recht auf eine Geburtsurkunde oder Staatsbürgerschaft durch Mitarbeiter der Kommunalverwaltungen verweigert. Darüber hinaus werden bekannte Konvertiten an öffentlichen Orten wie Märkten sowie am Arbeitsplatz schikaniert.

Nach nepalesischem Recht können Bürger nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugung von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen werden. Christen im öffentlichen Dienst, insbesondere in den Streitkräften, beklagen jedoch, dass ihnen in der Praxis eine Beförderung aufgrund ihres Glaubens verweigert werde.

In ländlichen Gebieten wird berichtet, dass Hindus Christen daran hinderten, an kommunalen und anderen öffentlichen Foren teilzunehmen. In der nepalesischen Armee, in Regierungspositionen und bei der Polizei werden Christen gezwungen, hinduistische Götter anzubeten und hinduistische Feste zu feiern. Dazu gehört das Essen von Speisen, die hinduistischen Gottheiten als Opfer dargeboten werden, oder das Auftragen von Zinnoberpulver auf Kopf und Gesicht während der hinduistischen Feste. Christliche Männer wandern gewöhnlich in neue Städte oder Gebiete aus, um neu anfangen zu können und wirtschaftliche Entbehrungen zu vermeiden.

Pastoren und Leiter von unabhängigen lokalen Gemeinden sind die Hauptziele von religiös begründeter Schikane. Hinduistische Extremisten konzentrieren ihre Angriffe auf Gemeindeleiter, erstens als warnendes Beispiel für andere Christen in der Gegend, und weil sie zweitens als Hauptakteure hinter der zunehmenden Zahl von christlichen Bekehrungen angesehen werden. Im März 2019 wurde ein solcher Pastor von einer Gruppe unbekannter Männer entführt und an einem abgelegenen Ort im Dschungel schwer verprügelt.

Wenn Männer und Jungen schwer geschlagen und sozial geächtet werden, haben sie weniger Möglichkeiten, ihre Familie wirtschaftlich zu unterstützen. Die meisten Männer und älteren Jungen sind die Hauptverdiener der Familie, so dass diese Form der Diskriminierung dazu führt, dass die ganze Familie sowohl mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten als auch mit sozialer Unsicherheit konfrontiert ist.

8. Verfolgung anderer religiöser Minderheiten

Angehörige aller Religionen außer dem Hinduismus erleben zu einem gewissen Grad Verfolgung – etwa Buddhisten, Muslime, Bahai, Zeugen Jehovas und Sikhs. Alle diese Gruppen haben sich zusammengeschlossen, um in einer Bewegung namens „Dharmik Chautari“ für Religionsfreiheit zu werben. Aber es gibt auch Diskriminierungen gegenüber Hindus der niedrigen Kasten.

9. Der Ausblick für Christen

Religiös motivierter Nationalismus

Der Druck durch diejenigen, die das Rad der Geschichte zurückdrehen und Nepal wieder zu einem hinduistischen Land machen wollen, wächst. Unter der derzeitigen Regierung trat bereits ein Anti-Bekehrungs-Gesetz in Kraft. In den letzten zwei Jahren haben extremistische Hindus ihre Aktivitäten gegen Nichthindus verstärkt – auch mit der Unterstützung von extremistischen Hindu-Bewegungen aus Indien. Es ist zu erwarten, dass diese ihre Aktivitäten in Nepal noch verstärken. Der Einfluss dieser Triebkraft der Verfolgung wird daher wachsen.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Es ist zu erwarten, dass die ethnischen Spannungen in Nepal (eng verbunden mit Religiös motiviertem Nationalismus) weiterhin die nationale Politik beeinflussen werden.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nepal:

  • - Beten Sie um Schutz und Toleranz für neue Gläubige, wenn Mitglieder der eigenen Familie sich gegen sie wenden und sie aus dem Haus der Familie hinauswerfen.
  • - Oft ist ein Mann oder eine Frau der einzige Nachfolger Jesu in der Familie, was dazu führt, dass sie ihren Glauben lieber im Geheimen leben. Beten Sie, dass sie Sicherheit in der Gemeinschaft anderer Christen finden.
  • - Nepal wird immer mehr von Indien beeinflusst und Hindu-Extremisten gewinnen an Einfluss. Beten Sie für den Schutz der Gläubigen, die allein wegen der Weitergabe des Evangeliums verhaftet werden. Beten Sie, dass Anwälte sich bereit erklären, sie zu verteidigen, und um Gunst bei den Richtern.

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