Länderprofil Nepal

Nepal

48
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Nepal
Hauptreligion
Hinduismus
Offizielle Staatsform
Demokratische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
34
Karte Nepal
Christen
1,34
Bevölkerung
30.58
Religiös motivierter Nationalismus
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 12.400
Familienleben: 9.800
Gesellschaftliches Leben: 9.900
Leben im Staat: 13.600
Kirchliches Leben: 12.700
Auftreten von Gewalt: 5.200

Länderprofil Nepal

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 48 / 64 Punkte (WVI 2021: Platz 34 / 66 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christen hinduistischer Herkunft stehen unter dem größten Druck von Familie und Gesellschaft, da ihnen vorgeworfen wird, vom Glauben ihrer Vorfahren abzuweichen. Hin und wieder nutzen extremistische Hindus die anhaltende politische Instabilität, um Christen anzugreifen – meistens ungestraft. Es gab Berichte von Angriffen auf Kirchen sowie von Christen, die geschlagen, verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Auch fliehen Christen aufgrund von Drohungen aus ihren Häusern und Dörfern. Auf nationaler Ebene gibt es einige rechtliche Beschränkungen, die Christen daran hindern, ihren Glauben frei zu praktizieren.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Im Jahr 2008 wurde Nepal von einer Monarchie zu einer föderalen Republik. Seitdem gab es viel Streit zwischen den politischen Parteien. Obwohl das Land offiziell säkular ist, schränkt die Verfassung von 2015 die Freiheit zur Missionierung und Konversion ein und stellt sie unter Strafe. Das Strafgesetzbuch von 2017 verbietet auch religiöses Verhalten, das die öffentliche Ordnung stört oder gegen die öffentliche Moral verstößt.

Der Hinduismus ist die vorherrschende Religion in Nepal. Daneben gibt es auch überwiegend buddhistische Ethnien. Ein Überbleibsel der Zeiten, in denen der Hinduismus die Staatsreligion war, ist das Kastensystem. Eine stark marginalisierte Gruppe, die heute als „Dalits“ bekannt ist, wird immer noch als „unberührbar“ ausgegrenzt. Viele Christen in Nepal haben einen Dalit-Hintergrund.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

1.341.000

4,4

Muslime

1.320.000

4,3

Hindus

20.095.000

65,7

Buddhisten

3.719.000

12,2

Anhänger ethnischer Religionen

3.941.000

12,9

Bahai

5.100

0,0

Atheisten

16.200

0,1

Agnostiker

92.000

0,3

Andere

48.100

0,2

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Der Druck auf christliche Konvertiten ist auf dem Land stärker als in städtischen Gebieten.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Religiös motivierter Nationalismus – Hinduismus

Die Verfolgung von Christen in Nepal geht hauptsächlich von extremistischen hinduistischen Gruppen aus. Diese Gruppen sind von der Hindutva-Bewegung in Indien beeinflusst und wollen Nepal wieder in einen Hindu-Staat verwandeln. Es gibt mindestens zwei hinduistische Parteien im Parlament, die befürworten, Nepal wieder zu einer Hindu-Nation zu machen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm vermischt mit religiös motiviertem Nationalismus – Hinduismus

In den meisten Fällen vermischt sich die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm mit religiös motiviertem Nationalismus. Wenn sich christliche Konvertiten aus extremistischen Hindu-Familien zu ihrem Glauben bekennen, sind Druck und Gewalt sowie die Vertreibung aus dem Haus eine wahrscheinliche Reaktion. Außerdem dürfen sie keinen Besitz erben. Hinduistische Stammesführer, insbesondere im Norden und im äußersten Süden Nepals, sind gegenüber Christen intolerant.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländischen Missionaren ist die Einreise nach Nepal zu religiösen Zwecken nicht gestattet. Wenn ausländische Besucher bei evangelistischen Aktivitäten ertappt werden, werden sie sofort in ihr jeweiliges Land zurückgeschickt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Etablierte christliche Gemeinschaften sind in der Regel nicht an evangelistischen Aktivitäten beteiligt und sehen sich daher selten den Anfeindungen extremistischer Hindus ausgesetzt, die sich jeder Aktivität entgegenstellen, welche Menschen zum Glaubenswechsel führen könnte.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen hinduistischer Herkunft sind die größte Gruppe der Christen in Nepal und ihre Anzahl ist in den letzten Jahren weiterhin gewachsen. Von allen christlichen Gruppen werden die Rechte von Konvertiten am häufigsten verletzt, wobei der Druck von lokalen Regierungsbeamten, Hindu-Priestern, Familien und dem sozialen Umfeld ausgeht.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe besteht hauptsächlich aus unabhängigen Kirchen. Konvertiten aus dem Hinduismus gehen in der Regel zu solchen Kirchen. Da diese aktiv das Evangelium weitergeben, sind sie Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.4
Familienleben 9.8
Gesellschaftliches Leben 9.9
Leben im Staat 13.6
Kirchliches Leben 12.7
Auftreten von Gewalt 5.2

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Jeder, der außerhalb seiner unmittelbaren Familie über den christlichen Glauben spricht oder in den sozialen Medien darüber berichtet, gilt als Evangelist. Die Reaktion ist in solchen Fällen Widerstand durch das soziale Umfeld, manchmal mit Gewalt. Viele Konvertiten halten ihren christlichen Glauben deshalb geheim.

Familienleben

Die hinduistische und buddhistische Tradition in Nepal ist es, Menschen einzuäschern, wenn sie sterben. Es gibt keine gemeinsamen Begräbnisstätten, so dass Christen nur an sehr wenigen Orten in Privatbesitz begraben werden können. Selbst ein Begräbnis dort könnte bei den Einheimischen auf Widerstand stoßen. Einige Kinder christlicher Eltern sind mit Schwierigkeiten oder Schikanen konfrontiert. Sie werden von Freunden, deren Eltern ihnen gesagt haben, dass sie sich nicht mit christlichen Kindern treffen sollen, vom gemeinsamen Spielen ausgeschlossen.

Gesellschaftliches Leben

Christen (insbesondere christliche Konvertiten) werden oft von ihrer Familie oder ihrem sozialen Umfeld bedroht. Alle ihre Aktivitäten werden vom Umfeld und den lokalen Behörden überwacht, und christliche Hausversammlungen werden regelmäßig gestört und behindert. Die örtliche Polizei und die Stadtverwaltungen zwingen Christen oft, zu Befragungen in ihre Büros zu kommen.

Leben im Staat

Religiöse Missionierung ist verboten, obwohl Nepal ein säkularer Staat ist. Es ist verboten, über seinen Glauben in einer Weise zu sprechen, die den Glauben oder die Überzeugung einer Kaste oder ethnischen Gruppe untergraben könnte. Das Strafgesetzbuch von 2017 verbietet auch religiöses Verhalten, das die öffentliche Ordnung stört oder gegen die öffentliche Moral verstößt. Es gibt in den Medien eine Tendenz, evangelikale Gruppen so darzustellen, dass sie Geld und falsche Versprechungen verwenden, um unschuldige Dorfbewohner in die Irre zu führen. Der Glaubenswechsel wird in einem sehr negativen Licht dargestellt. Christliche Nichtregierungsorganisationen sind Schikanen seitens der lokalen Behörden ausgesetzt, die oft behaupten, dass die Nichtregierungsorganisationen an Zwangsbekehrungen beteiligt sind.

Kirchliches Leben

Seit der Verabschiedung der Anti-Bekehrungs-Gesetze hat die Überwachung christlicher Aktivitäten durch lokale Räte und Hindus aus dem sozialen Umfeld zugenommen. Es gibt keine rechtliche Anerkennung von Kirchen in Nepal. Kircheneigentum wird unter dem Namen von Privatpersonen oder Nichtregierungsorganisationen registriert. Die Polizei empfiehlt den Kirchen, aus Sicherheitsgründen keine Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren. Christliche Nichtregierungsorganisationen und andere soziale Einrichtungen unterliegen starken Einschränkungen. Der Druck konzentriert sich besonders auf die karitative Arbeit, da immer der Verdacht besteht, dass Missionierungsaktivitäten stattfinden. Es gibt Beispiele von Organisationen, die aufgefordert wurden, christliche Bezüge in ihren Dokumenten zu entfernen, einschließlich Vorworten, die angeben, welche christlichen Gemeinschaften die Wohltätigkeitsorganisation ursprünglich gegründet haben.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Am 20. Januar 2021 haben die nepalesischen Behörden die Rupantaran Khristiya Kirche abgerissen. Die Kirche wurde 2013 dank der großzügigen Spende einer Familie, die das Gebäude für die Nutzung durch Christen zur Verfügung stellte, in einem Slumviertel errichtet.
  • Im Juli 2021 zwangen Dorfbewohner einen aus dem Hinduismus konvertierten Christen, sein Dorf zu verlassen, nachdem er sich geweigert hatte, die hinduistischen Beerdigungsrituale für seinen Vater zu befolgen.
  • Die Behörden in Kaski haben am 27. September 2021 vier Koreaner unter dem Vorwurf der Evangelisation festgenommen. Die Koreaner hatten jahrelang Waisenkindern und armen Kindern finanzielle Unterstützung und kostenlosen Unterricht gewährt. Einheimische meldeten der Polizei fälschlicherweise, sie würden versuchen, Kinder zu bekehren.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

48

63,60

2021

34

65,76

2020

32

64,40

2019

32

64,20

2018

25

63,76

Im Weltverfolgungsindex 2022 ist die Punktzahl von Nepal 64 Punkte, zwei Punkte weniger als im Weltverfolgungsindex 2021. Der größte Druck kommt von extremistischen Hindus und ist im Privatleben, Leben im Staat und kirchlichen Leben am höchsten. Die Gewalt gegen Christen durch extremistische Hindus dauert weiter an: Kirchen wurden beschädigt und Christen wurden verhaftet, körperlich belästigt und gezwungen, ihre Häuser zu verlassen.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In der Verfassung ist Religionsfreiheit verankert, doch es gibt in Nepal auch Gesetze gegen Bekehrung und Blasphemie, und es ist für christliche Konvertiten gefährlich, ihren Glauben zu offenbaren. Weibliche Konvertiten riskieren Diskriminierung, soziale Ächtung, Scheidung, Hausarrest und Gewalt. Sie können der Erfüllung ihrer Grundbedürfnisse, ihrer Bildungsunterstützung, ihres Familienbesitzes und ihrer grundlegenden gesetzlichen Rechte beraubt werden. Auf emotionalen und psychischen Druck folgt allmählich körperliche Gewalt, und gelegentlich arrangieren die Familien Zwangsehen oder werfen ihre Töchter aus dem Haus. In der patriarchalischen Gesellschaft sind Frauen und Mädchen weniger in der Lage, ihre Rechte wahrzunehmen, und stehen ständig in der Gefahr, belästigt zu werden.

Männer: Vor Kurzem Konvertierte sind besonders anfällig für physische und psychische Folter durch Familie und Gesellschaft; sie fühlen sich als Ausgestoßene. Oft wird ihnen der Zugang zu angestammtem Eigentum oder zu grundlegenden Rechten verwehrt, und sie sind Opfer falscher Anschuldigungen und Beschuldigungen. In der Arbeitswelt kann es vorkommen, dass ihnen Beförderungen verweigert werden und sie gezwungen werden, hinduistische Götter zu verehren und hinduistische Feste zu feiern. Wenn sie geschlagen und geächtet werden, sind die Möglichkeiten eines Mannes, seine Familie zu ernähren, erschöpft, und viele entscheiden sich dafür auszuwandern. Gemeindeleiter sind oft das Hauptziel von Schikanen, insbesondere durch extremistische Hindus.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2020 zufolge erkennt das nepalesische Gesetz nur buddhistische Klöster offiziell an. Alle anderen religiösen Gruppen müssen sich als Nichtregierungsorganisationen registrieren lassen, um Eigentum zu besitzen oder legal zu arbeiten. In den letzten Jahren hat die Polizei fünf Zeugen Jehovas wegen Missionierung verhaftet und zwei von ihnen schließlich abgeschoben. Muslimische Gruppen sagten, sie hätten weiterhin Schwierigkeiten, Land für Bestattungen zu kaufen oder zu nutzen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nepal:

  • Viele nepalesische Christen sind Konvertiten und müssen wegen ihrer Abwendung vom Hinduismus die Ablehnung ihrer Familien ertragen. Beten Sie, dass die Christen gestärkt und ermutigt werden und sich ihrer globalen Familie in Christus bewusst werden.
  • Beten Sie für Nepals Regierung. Politische Instabilität macht das Leben von Christen unsicher, und die jüngsten Anti-Bekehrungs-Gesetze machen es noch schwieriger, Jesus nachzufolgen. Beten Sie, dass Gott die Herzen der nepalesischen Politiker berührt und sie wahre Religionsfreiheit im Land gewährleisten.
  • Die Arbeit von Open Doors in Nepal ist eine Hilfe für viele Menschen. Bitten Sie Gott, diesen Dienst zu segnen und sein Volk beim Ausleben des Evangeliums in Nepal „für jedes Gute Werk“ (2. Timotheus 3,17) auszurüsten.