Länderprofil Nepal

Nepal

32
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Nepal
Hauptreligion
Hinduismus
Offizielle Staatsform
Demokratische Bundesrepublik
Platz Vorjahr
25
ISO
NP
Karte Nepal
Christen
1,23
Bevölkerung
29.62
Religiös motivierter Nationalismus
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 12.400
Familienleben: 11.400
Gesellschaftliches Leben: 10.600
Leben im Staat: 10.900
Kirchliches Leben: 11.900
Auftreten von Gewalt: 7.000

Länderprofil Nepal

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 32 / 64 Punkte (WVI 2018: Platz 25 / 64 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Religiös motivierter Nationalismus: Extremistische Hindus streben eine Rückkehr zu einer hinduistischen Nation an. 2015 wurde eine neue Verfassung verabschiedet, die die Religionsfreiheit einschränkt. Am 8. August 2017 verabschiedete das nepalesische Parlament ein Antibekehrungsgesetz.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Es gibt Versuche, Christen Normen und Werte ethnischer Gruppen (z. B. die Familienehre) aufzuzwingen.

Von wem geht die Verfolgung aus?

Christen erfahren Verfolgung durch extremistische Hindus auf verschiedene Weise: Lokale und nationale Behörden erlegen ihnen rechtliche und andere Beschränkungen auf, lokale Hindu-Priester und extremistisch-hinduistische Bewegungen verüben gewalttätige Angriffe auf Christen, das lokale soziale Umfeld schafft häufig eine feindliche Umgebung im Dorf.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Christen hinduistischer Herkunft stehen unter dem größten Druck, da ihnen vorgeworfen wird, vom Glauben ihrer Vorfahren abzuweichen. Konvertiten (und protestantische Kirchen) stehen dem Druck von Familien, Freunden, dem sozialen Umfeld und den Behörden gegenüber. Römisch-katholische Kirchen und Kirchen, in denen sich Ausländer versammeln, erleben die wenigsten Schwierigkeiten. Hin und wieder nutzen extremistische Hindus die anhaltende politische Instabilität, um Christen anzugreifen – meistens ungestraft. Es gab Berichte von Angriffen auf Kirchen sowie von Christen, die geschlagen, verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Zudem mussten einige Christen ihre Häuser und Dörfer fluchtartig verlassen, da sie bedroht wurden. Des Weiteren gibt es einige rechtliche Einschränkungen auf der nationalen Ebene.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Laut Berichten wurde die katholische St.-Josephs-Kirche in Kohalpur in Banke in der Nacht des 5. Mai 2018 durch Unbekannte in Brand gesteckt.
  • Am 7. Juni 2018 wurde der 63-jährige Pastor Govinda Prasad Dhakal wegen angeblicher „regelmäßiger Vergewaltigung einer Minderjährigen“, die er und seine Frau 2016 adoptiert hatten, verurteilt. Er wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, obwohl die Klägerin, die Mutter der mittlerweile Zwölfjährigen, vor dem Gericht gestand, dass sie den Vergewaltigungsvorwurf aus Ärger über die Weigerung des Pastors erfunden hatte, die Schulgebühren des Mädchens weiter zu bezahlen, nachdem er sie in die Obhut der Mutter zurückgebracht hatte. Die Behörden hatten Pastor Dhakal am 12. Dezember 2017 verhaftet, basierend auf der ursprünglichen Aussage der Mutter.
  • Am 19. Juli 2018 wurden der Sekretär der „Föderation Nationaler Christen in Nepal“ (FNCN) und der Pastor Sagar Baiju von einer sieben Personen umfassenden Gruppe angegriffen. Sie wurden zusammengeschlagen und die Gruppe drohte ihnen an, Pastor Baijus Kirche niederzubrennen und ihn zu ermorden.

Meldungen und Beiträge zu Nepal

Nachrichten Nachrichten
Hinduistischer Tempel in Nepal
Nepal
Gut ein Jahr nach dem Beschluss ist am 17. August ein neues Gesetz in Kraft getreten, dass den Übertritt zu einer anderen Religion kriminalisiert. Die nepalesischen Christen befürchten, dass das Gesetz gegen sie verwendet werden könnte.
Gesichter der Verfolgung - TV
Dambar aus Nepal – Gesichter der Verfolgung

Dambar aus Nepal – Gesichter der Verfolgung

23:55 Minuten
Nepal

Vom Hindu-Priester zum Missionar: Treu verrichtet Dambar in seinem Dorf Rituale für die Götter – seine Suche nach Sinn bleibt jedoch unerfüllt. Aber dann wird er durch ein Wunder Christ und sein Umfeld greift ihn an.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 64 Punkten belegt Nepal den 32. Platz auf dem Weltverfolgungsindex 2019. Die Punktzahl ist die gleiche wie auf dem Weltverfolgungsindex 2018, als das Land Platz 25 belegte. Die Verfolgung geht zumeist von extremistischen Hindus aus, wobei im Hintergrund auch ethnische Spannungen zum Druck beitragen. Zudem gab es im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 eine Zunahme von gewalttätigen Übergriffen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Der Großteil der Verfolgung von Christen in Nepal geht von extremistischen Hindugruppen aus, die Nepal wieder in einen hinduistischen Staat verwandeln wollen. Diese Gruppierungen haben enge Verbindungen zu Hindutva-Gruppen im benachbarten Indien. Die Verfolgung ging bisher nicht von der Regierung aus, aber seit 2015 gilt eine neue Verfassung, welche die Religionsfreiheit einschränkt. Am 8. August 2017 verabschiedete das nepalesische Parlament zudem ein Antibekehrungsgesetz, das am 16. Oktober 2017 vom Präsidenten unterzeichnet wurde – ein weiteres Zeichen einer sich verschlechternden Situation für Christen.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Von Zeit zu Zeit gibt es Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen in Nepal. Meist ist dies mit Religiös motiviertem Nationalismus verbunden.

3. Verfolger

Ausgehend von Religiös motiviertem Nationalismus

  • Nicht so sehr auf der staatlichen Ebene, aber auf der lokalen Ebene (und vielleicht auch auf der Provinzebene) haben Regierungsbeamte Verbindungen zur Hindugemeinschaft. Sie können die Religionsfreiheit einschränken, was zur Verhaftung und Belästigung von Christen führen kann.
  • Anführer ethnischer Gruppen, besonders in den nördlichen und den extrem südlichen Regionen Nepals, zeigen religiöse Intoleranz. Dies führte zu mehreren Vorfällen, die darauf abzielten, christliche Evangelisten, Pastoren und neu gegründete Gemeinden zu verfolgen.
  • Hinduistische Leiter versuchen auf allen Ebenen (lokal, provinziell und national), Einfluss auszuüben und andere Religionen einzuschränken. Als eine Folge davon hat die Gewalt in Nepal in den letzten Jahren zugenommen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es gibt mehrere extremistische Hindugruppen und -parteien, die durch die Taktiken ihrer Kollegen in Indien beeinflusst werden. Ihre Aktivitäten und ihr Einfluss nehmen zu.
  • Gewöhnliche Bürger: Besonders auf der lokalen Ebene üben Hindus Druck auf Christen hinduistischer Herkunft und andere Christen aus.
  • (Groß-)Familie: Christen hinduistischer Herkunft stehen oft unter enormem Druck vonseiten ihrer eigenen Familien, zum Glauben ihrer Vorfahren zurückzukehren.
  • Politische Parteien: Es gibt mindestens zwei hinduistische Parteien im Parlament, die befürworten, Nepal wieder zu einer Hindu-Nation zu machen.

Ausgehend von Ethnisch begründeten Anfeindungen

  • Anführer ethnischer Gruppen, besonders in den nördlichen und den extrem südlichen Regionen Nepals, zeigen religiöse Intoleranz. Dies führte zu mehreren Vorfällen, die darauf abzielten, christliche Evangelisten, Pastoren und neu gegründete Gemeinden zu verfolgen.
  • Es gibt mehrere extremistische Hindugruppen und -parteien, die durch die Taktiken ihrer Kollegen in Indien beeinflusst werden. In ihren Augen ist der christliche Glaube eine Religion, die in Nepal nicht existieren sollte.

4. Hintergrund

Der christliche Glaube breitet sich in Nepal aus, seitdem die Regierung im Jahr 2008 die Form einer säkularen Demokratie annahm. Der Trend setzt sich anscheinend weiter fort, angetrieben durch Naturkatastrophen und gesellschaftlichen Veränderungen. Bis zum Ende der absoluten Monarchie im Jahr 2008 war es christlichen Missionaren verboten, das Land zu betreten, aber nun beheimatet es mehr als 8.000 christliche Kirchen und über eine Million Christen hinduistischer Herkunft. Minderheiten wie die Dalits und die Kirats wurden vom christlichen Glauben angezogen. Der „Föderation Nationaler Christen in Nepal“ zufolge machen die Dalits 60 % aller Christen im Land aus.

Die politische Landschaft Nepals war der christlichen Minderheit in Nepal sehr hilfreich. Zunächst schwanden die Befürchtungen, dass die neue Verfassung Nepals das Land offiziell wieder zu einem hinduistischen Staat machen würde, als sie im September 2015 veröffentlicht wurde. Zweitens entdecken viele politische Parteien das große Potential der Christen (einer stark wachsenden Gemeinschaft in Nepal) für ihre eigene Stellung. Im Mai 2017 wurden Christen als Repräsentanten einiger lokaler Einheiten in der ersten Phase der lokalen Wahlen ausgewählt, die zum ersten Mal in Nepals Geschichte abgehalten wurden.

Ein Überbleibsel der Zeiten, in denen der Hinduismus die Staatsreligion war, ist das Kastensystem – eine jahrhundertealte hierarchische Einteilung der Gesellschaft. Es kann bis zu einem gewissen Grad mit dem Klassensystem Europas vor ungefähr 700 Jahren verglichen werden. Jeder Mensch wird in eine spezifische Kaste geboren und kann niemals aus dieser Kaste entkommen. Gemäß der „varna“-Tradition gibt es vier Kasten (Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras) und eine Anzahl von Gruppen, die heute als Dalits bekannt sind, die historisch aus dem varna-System ausgeschlossen waren und immer noch als Unberührbare geächtet sind. Viele Christen in Nepal sind ursprünglich Dalits, auf die beim christlichen Glauben besonders die Annahme, die sie von ihren Mitchristen erfahren, Anziehungskraft ausübt. Die meisten Christen in Nepal gehören zu den niederen sozialen Schichten und haben geringe Einkommen.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Nepal halten überwiegend ihre eigenen, isolierten Versammlungen ab. Sie sind kaum darin aktiv, das Evangelium zu verkünden. Diese Kirchen wurden in der Vergangenheit weniger durch Hindu-Nationalismus beeinträchtigt, aber wenn die neue Verfassung des Landes umgesetzt wird, werden sie Einschränkungen erfahren.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die bei weitem größte und wichtigste traditionelle Kirche ist die Römisch-Katholische Kirche; dazu kommen einige wenige orthodoxe Gemeinschaften. Sie sind tendenziell mehr nach innen gerichtet und führen keine evangelistischen Aktivitäten durch. Daher werden diese Gemeinschaften auch selten von extremistischen Hindus angefeindet.

Christen hinduistischer Herkunft

Christen hinduistischer Herkunft sind die größte Gruppe der Christen in Nepal und ihre Anzahl ist in den letzten Jahren weiterhin stark gewachsen. Sie stehen von allen Christen in Nepal der stärksten Verfolgung gegenüber, wobei viel Druck von lokalen Regierungsbeamten, Hindu-Priestern, der eigenen Familie und dem sozialen Umfeld ausgeht.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gruppe besteht meist aus unabhängigen Kirchen. Christen hinduistischer Herkunft gehen normalerweise in Kirchen dieser Kategorie. Da diese Gemeinden auch die aktivsten im Bereich der Evangelisation sind, erleben sie ein hohes Maß an Verfolgung.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.4
Familienleben 11.4
Gesellschaftliches Leben 10.6
Leben im Staat 10.9
Kirchliches Leben 11.9
Auftreten von Gewalt 7

Grafik: Verfolgungsmuster Nepal

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,4 Punkte), nahm jedoch im Vergleich zum Vorjahr (11,8) leicht ab.
  • In allen Lebensbereichen ist der Druck sehr hoch, außer im gesellschaftlichen Leben, wo die Wertung knapp unter dem Schwellenwert für sehr hohen Druck steht. Der Druck ist im Privatleben am höchsten, was die Tatsache widerspiegelt, dass die hinduistische Umgebung besonders christliche Konvertiten auf vielerlei Weise einschränkt.
  • Die Punktzahl für Gewalt ist sehr hoch und von 4,6 Punkten auf 7,0 Punkte gestiegen. Die Gewalt hat zugenommen, wie Berichte von Angriffen auf Kirchen zeigen sowie von Christen, die geschlagen, verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Zudem mussten einige Christen ihre Häuser und Dörfer fluchtartig verlassen, da sie bedroht wurden.

Privatleben

Christen hinduistischer Herkunft müssen jederzeit vorsichtig sein, wie sie ihren Glauben leben, besonders dann, wenn sie die einzigen Christen in ihrer Familie sind. Anfeindungen durch die Familie und das soziale Umfeld machen es gefährlich, christliches Material zu besitzen, besonders in abgelegenen Gebieten. Wenn christliche Konvertiten in streng hinduistischen Familien leben, müssen Bibeln und andere christliche Literatur sorgfältig versteckt werden und können nur mit äußerster Vorsicht gelesen werden. Es gibt starken Widerstand dagegen, dass der christliche Glaube an Familie und Freunde weitergegeben wird. Der christliche Glaube wird als eine fremde Religion angesehen, der besonders für Angehörige der niedrigen Kasten attraktiv sei. Menschen, deren Glaubenswechsel bekannt ist, werden oft streng überwacht und es gab Berichte, dass Jugendliche, die während ihres Studiums in Kathmandu den christlichen Glauben angenommen hatten, von ihren Familien in ihre Heimatdörfer zurückgerufen wurden.

Familienleben

Eine Taufe zu organisieren, ist deutlich riskanter geworden, da Christen, die an ihr teilnehmen, gemäß der neuen Verfassung der Mission beschuldigt werden. Beim Feiern christlicher Hochzeiten besteht die Gefahr, dass sie abgebrochen werden. Hochzeiten von Christen hinduistischer Herkunft stoßen regelmäßig auf Widerstand vonseiten der Familien der Konvertiten, da eine christliche Hochzeit den neuen Glauben des Konvertiten stärken könnte. Christliche Begräbnisse sind unmöglich, da den Kirchen keine Friedhöfe zugestanden werden. Daher sind Christen gezwungen, ihre Toten entweder heimlich zu beerdigen oder sie zu verbrennen. Christen hinduistischer Herkunft stehen Anfeindungen gegenüber, wenn sie versuchen, ihre Kinder im christlichen Glauben zu erziehen. Die Feindseligkeit geht oft von ihrem eigenen nichtchristlichen Ehepartner und auch Familienmitgliedern aus. Kinder von Christen, nicht nur von Konvertiten, sind dazu gezwungen, nichtchristliche Inhalte zu lernen, und werden von anderen Kindern gemobbt. Christen mit hinduistischem Hintergrund können von ihren Familien isoliert werden und Berichte aus dem Westen Nepals zeigen, dass sie zum Teil gezwungen werden, das Haus der Familie zu verlassen.

Gesellschaftliches Leben

Seit 2017 stellt sich die nepalesische Gesellschaft mehr und mehr gegen Christen. Christen werden mit Abscheu angesehen, daher werden sie in ihrem Alltag bedroht und behindert. Besonders in ländlichen Gegenden stehen Christen hinduistischer Herkunft dem starken Druck von Familie, Freunden und Nachbarn gegenüber, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Dies wird oft durch einen intensiven sozialen Boykott begleitet, der sowohl das Privat- als auch das geschäftliche Leben beeinträchtigt. Kinder von christlichen Konvertiten müssen oft Diskriminierungen von Lehrern und Mitschülern ertragen, besonders wenn sie sich weigern, an der Puja teilzunehmen, der Anbetung hinduistischer Götter und Göttinnen.

Leben im Staat

Die neue Verfassung besagt in Teil III zu den fundamentalen Rechten im Abschnitt zu Religion: „5. Religion: Jeder Bürger darf, unter Berücksichtigung der gegenwärtigen Traditionen, seine Religion ausüben und bekennen, so wie sie aus der Vorzeit überliefert ist, solange keine Person dazu verleitet wird, seine Religionszugehörigkeit zu ändern.“ Es gibt immer noch Pläne, die Religionszugehörigkeit auf dem neuen Personalausweis einzutragen, aber die Regierung musste sich zunächst um andere, wichtigere Themen kümmern. Die Medien stellen die Anwesenheit und das fortdauernde Wachstum des Christentums regelmäßig als ein Ergebnis von Bestechungen durch Ausländer dar. Christen sind regelmäßig Opfer von Schmierkampagnen, und extremistische Hindugruppen verbreiten falsche Informationen und steigern so das Misstrauen der Gesellschaft gegenüber Christen. Täter von Angriffen gegen Christen kamen regelmäßig ungestraft davon, während Christen, die fälschlicherweise Verbrechen beschuldigt wurden, kein faires Gerichtsverfahren erhielten.

Kirchliches Leben

Es gibt keine rechtliche Anerkennung von Kirchen. Grundstücke von Kirchen sind nur auf Namen von Privatpersonen registriert. Es gibt kein Verfahren, um Kirchen zu registrieren. Gemäß Berichten von Einheimischen aus unterschiedlichen Quellen versprach die Regierung nach dem Erdbeben vom April 2015, dass sie helfen würde, Tempel, Moscheen und buddhistische Schreine wieder aufzubauen, aber nahm Kirchen davon aus, was die Vorbehalte gegenüber dem christlichen Glauben zeigt. Versammlungen und Gottesdienste wurden gestört, zum Beispiel im Distrikt Dhading. Aktivitäten von Kirchen werden zunehmend beobachtet, um zu prüfen, ob Kirchen Menschen zum Glaubensübertritt bewegen und ob daher Behörden und/oder extremistische Gruppen gegen sie vorgehen können. Der Bericht eines kanadischen Satiremagazins im Jahr 2015, dass der „Gideonbund“ Bibeln anstatt Nothilfe nach Nepal verschiffen würde, wurde von extremistischen Hindugruppen sowohl in Indien als auch in Nepal ernst genommen, was zeigt, dass es zunehmend riskanter wird, Bibeln und andere christliche Materialien zu verteilen.

Auftreten von Gewalt

Die Verfolgung in Nepal nimmt zu, da Hindu-Nationalisten ihren Druck auf Andersgläubige erhöhen. Das Ausmaß der Gewalt ist zwar deutlich geringer als in Indien, aber sie hat seit dem Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2017 deutlich zugenommen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 wurde beispielsweise gemeldet, dass 74 Christen schwer geschlagen und sieben Kirchen bei Angriffen beschädigt wurden. Am 6. Juli 2018 wurde ein christliches Ehepaar offiziell von Nepal aus in ihre Heimatländer Philippinen und Indonesien deportiert.

Weitere Beispiele finden sich im Abschnitt „Zusammenfassung“.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Nepal ist eine patriarchalische Gesellschaft, in der Mädchen weniger Chancen haben. Sie haben kaum Zugang zu Bildung und zur weiteren Gesellschaft, da sie innerhalb der Grenzen ihres Zuhauses bleiben müssen und von ihnen erwartet wird, dass sie sich um die große Anzahl an Haushaltspflichten kümmern. Diejenigen, die Christen werden, haben meist Heilungen und Wunder in ihrem eigenen Leben oder der engsten Familie erlebt. Christliche Frauen und Mädchen sind körperlicher Gewalt ausgesetzt, doch zunächst werden sie meist durch ihre direkten Familienmitglieder emotional unter Druck gesetzt (z. B. Ehemänner, Schwiegereltern, Eltern). Der körperliche Missbrauch beginnt allmählich, bis sie schließlich von der Familie und dem sozialen Umfeld als Ausgestoßene betrachtet werden. Dies macht sie verwundbar und häufig zu Opfern sexueller Unterdrückung.

Männer

Die meisten christlichen Männer haben leiden körperlich, psychisch und auf der gesellschaftlichen Ebene, da sie zumeist von Familie und Gesellschaft verstoßen werden. Zudem werden ihnen durch Familienmitglieder und dörflichen Behörden das Erbe und sogar grundlegende Menschenrechte wie z. B. das Bürgerrecht vorenthalten. Christliche Männer ziehen meist in andere Städte oder Regionen und leben für die erste Phase ihres Lebens in Verfolgung unter einer neuen Identität und in Armut.

In vielen Fällen sind christliche Männer und Jungen die Versorger der Familie. Wenn sie Verfolgung erlebt haben, leidet ihre Familie oft durch das reduzierte Einkommen, da Männer und Jungen schwer geschlagen und sozial ausgegrenzt werden. Oft nimmt die örtliche Polizei die männlichen Christen mit, um sie lange und intensiv zu verhören. Daher steht die gesamte Familie wirtschaftlichen und sozialen Problemen gegenüber, wenn Männer und Jungen so für ihren Glauben leiden müssen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Angehörige aller Religionen außer dem Hinduismus erleben zu einem gewissen Grad Verfolgung – z. B. Buddhisten, Muslime, Bahai, Zeugen Jehovas und Sikhs. Alle diese Gruppen haben sich zusammengeschlossen, um in einer Bewegung namens „Dharmik Chautari“ für Religionsfreiheit zu werben. Aber es gibt auch Diskriminierungen gegenüber Hindus der niedrigen Kasten.

Beispiele:

  • Im Mai 2018 erhielt die „Asian Human Rights Commission“ (AHRC) Informationen von der „Terai Human Rights Defenders Alliance“ (THRDA), dass 50 Dalit-Haushalte davon abgehalten wurden, den lokalen Shiva-Tempel in Jhawani in Bara zu betreten, obwohl sie mit Geldspenden und ihrer Arbeitskraft zu seinem Bau beigetragen hatten.
  • Wie die „Kathmandu Post“ berichtete, brachte die Lokalregierung der Provinz 2 im Oktober 2018 einen Gesetzesentwurf ein, der die ausländische Förderung von Medressen (Koranschulen) offiziell möglich und sichtbar macht. Einige hinduistische Politiker sehen darin einen Widerspruch zur Verfassung und einen Weg, die muslimische Radikalisierung zu fördern, mit massiven Auswirkungen auf die nationale Sicherheit.

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Es ist zu erwarten, dass das Maß der politischen Instabilität erhalten bleibt. Die Regierung von Premierminister Khadga Prasad Oli regiert das Land, seitdem sie am 15. Februar 2018 an die Macht kam. Unter dieser Regierung trat das Antibekehrungsgesetz in Kraft.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Religiös motivierten Nationalismus: Der Druck, die Geschichte zurückzudrehen und Nepal wieder zu einem hinduistischen Land zu machen, wächst. Unter der derzeitigen Regierung trat bereits ein Antibekehrungsgesetz in Kraft. In den letzten zwei Jahren haben extremistische Hindus ihre Aktivitäten gegen Nichthindus verstärkt – auch mit der Unterstützung von extremistischen Hindubewegungen aus Indien. Es ist zu erwarten, dass sie ihre Aktivitäten in Nepal noch erweitern. Der Einfluss dieser Triebkraft der Verfolgung wird daher wachsen.

Mit Hinblick auf Ethnisch begründete Anfeindungen: Es ist zu erwarten, dass die ethnischen Spannungen in Nepal (eng verbunden mit Religiös motiviertem Nationalismus) weiterhin die nationale Politik beeinflussen werden.

Schlussfolgerung

Unter den gegebenen Umständen sind extremistische Hindus in der Lage gewesen, ihre Angriffe gegen Nichthindus ungestraft durchzuführen und auszuweiten. Bis jetzt hat die Regierung Nepals fast nichts unternommen, um sie aufzuhalten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Christen einer wachsenden Unterdrückung entgegensehen müssen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nepal:

  • Beten Sie um Schutz für Christen hinduistischer Herkunft und um Toleranz ihnen gegenüber – oftmals wenden sich ihre eigenen Familien gegen sie und jagen sie aus dem Haus.
  • Viele Christen sind die Einzigen in ihrer Familie, die Jesus nachfolgen. Deshalb versuchen sie, ihren Glauben geheim zu halten. Beten Sie, dass sie Sicherheit in der Gemeinschaft mit anderen Christen finden.
  • Beten Sie um Bewahrung der Christen, die inhaftiert wurden, weil sie das Evangelium weitergegeben haben. Beten Sie für Anwälte, die sich bereit erklären, diese Christen zu verteidigen, und um Barmherzigkeit vonseiten der Richter, falls die Fälle vor Gericht kommen.

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