Länderprofil Nepal

Nepal

34
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Nepal
Hauptreligion
Hinduismus
Platz Vorjahr
32
ISO
NP
Karte Nepal
Christen
1,29
Bevölkerung
30.26
Religiös motivierter Nationalismus
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Privatleben: 12.400
Familienleben: 9.700
Gesellschaftliches Leben: 9.900
Leben im Staat: 13.000
Kirchliches Leben: 12.300
Auftreten von Gewalt: 8.500

Länderprofil Nepal

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 34 / 66 Punkte (WVI 2020: Platz 32 / 64 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Christen hinduistischer Herkunft stehen unter dem größten Druck, da ihnen vorgeworfen wird, vom Glauben ihrer Vorfahren abzuweichen. Konvertiten (und Mitglieder protestantischer Kirchen) stehen dem Druck von Familie, Freunden, dem sozialen Umfeld und den Behörden gegenüber. Römisch-katholische Kirchengemeinden und Kirchen, in denen sich Ausländer versammeln, erleben die wenigsten Schwierigkeiten. Hin und wieder nutzen extremistische Hindus die anhaltende politische Instabilität, um Christen anzugreifen – meistens ungestraft. Es gab Berichte von Angriffen auf Kirchen sowie von Christen, die geschlagen, verhaftet und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Zudem mussten einige Christen ihre Häuser und Dörfer fluchtartig verlassen, da sie bedroht wurden. Es gibt zudem einige rechtliche Einschränkungen auf der nationalen Ebene.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

66

34

2020

64

32

2019

64

32

2018

64

25

2017

53

-

Die Punktzahl Nepals von 66 Punkten auf dem Weltverfolgungsindex 2021 – zwei Punkte mehr als im Weltverfolgungsindex 2020 – zeigt, dass sich die Situation der Christen verschlechtert hat. Der größte Druck kommt von extremistischen Hindus und ist im privaten, staatlichen und kirchlichen Bereich am höchsten. Das Auftreten von Gewalt extremistischer Hindus gegen Christen nahm ebenfalls zu, wobei eine große Anzahl von Kirchen beschädigt, Christen verhaftet, körperlich bedrängt und gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen.

2. Trends und Entwicklungen

1) Der christliche Glaube ist schnell gewachsen

Nepal ist ein armes Land, eingekeilt zwischen Indien und China, und seine Politik ist tief gespalten. Trotz aller Probleme macht Nepal jedoch langsam Fortschritte; die Wirtschaft verbessert sich und die hohe Armut wird nach und nach reduziert. Der christliche Glaube wächst schnell, was extremistische Hindus beunruhigt, da die meisten Konvertiten zum christlichen Glauben einen hinduistischen Hintergrund haben.

2) Extremistische Hindus konnten ungestraft Nichthindus angreifen

Verglichen mit dem Nachbarland Indien ist die Zahl der gemeldeten gewalttätigen Vorfälle gegen Christen in Nepal relativ gering, aber sie nimmt zu. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 gab es Drohungen, Verhaftungen und körperliche Belästigungen. Kirchen und Häuser von Christen wurden beschädigt und ausländische Christen wurden vertrieben. Unter den gegebenen Umständen sind extremistische Hindus in der Lage, ihre Angriffe gegen Nichthindus ungestraft fortzusetzen und auszuweiten. Bis jetzt hat die Regierung Nepals fast nichts unternommen, um sie aufzuhalten. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Christen mit zunehmender Unterdrückung konfrontiert sein werden.

3) Die politische Situation ist weiterhin instabil

Es wird erwartet, dass der Grad der politischen Instabilität weiter anhält. Die Regierung von Premierminister Khadga Prasad Oli regiert das Land, seit sie am 15. Februar 2018 an die Macht kam. Unter dieser Regierung trat das Antibekehrungsgesetz in Kraft. Im Jahr 2020 zeichnete sich eine Spaltung innerhalb der Kommunistischen Partei ab.

3. Religiöse Situation im Land

Der Hinduismus ist die vorherrschende Religion in Nepal, und es gibt überwiegend buddhistische ethnische Gruppen. Ein Überbleibsel der Zeiten, in denen der Hinduismus die Staatsreligion war, ist das Kastensystem – eine jahrhundertealte hierarchische Einteilung der Gesellschaft. Gemäß der „Varna“-Tradition gibt es vier Kasten (Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras) und eine Anzahl von Gruppen, die heute als Dalits bekannt sind, die historisch aus dem „Varna“-System ausgeschlossen waren und immer noch als Unberührbare geächtet sind. Viele Christen in Nepal sind ehemalige Dalits. Die meisten Christen in Nepal gehören zu den niederen sozialen Schichten und haben geringe Einkommen.

Seit Jahrhunderten werden die Dalits sozial und wirtschaftlich ausgebeutet, und viele haben sich in den letzten Jahren zum christlichen Glauben hingezogen gefühlt. Kampagnen zur Rekonversion (wie die Ghar-Wapsi-Bewegung in Indien) waren nicht besonders erfolgreich, und so finden Hindu-Extremisten – die darauf abzielen, Nepal zu einer Hindu-Nation zu machen – andere Wege, um Druck auf Christen auszuüben.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Religiös motivierter Nationalismus

Der Großteil der Verfolgung von Christen in Nepal geht von extremistischen Hindugruppen aus, die Nepal wieder in einen hinduistischen Staat verwandeln wollen. Diese Gruppierungen haben enge Verbindungen zu Hindutva-Gruppen im benachbarten Indien. Die Verfolgung ging bisher nicht von der Regierung aus, aber seit 2015 gilt eine neue Verfassung, welche die Religionsfreiheit einschränkt. Am 8. August 2017 verabschiedete das nepalesische Parlament zudem ein Anti-Bekehrungsgesetz, das am 16. Oktober 2017 vom Präsidenten unterzeichnet wurde – ein weiteres Zeichen einer sich verschlechternden Situation für Christen.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Im Kontext Nepals sind die meisten Christen hinduistischer Herkunft. So ist es für einzelne Christen, die aus einer extremistischen Hindu-Familie oder -Gemeinschaft stammen, äußerst schwierig, den christlichen Glauben zu praktizieren. Wenn ein Konvertit aus einer extremistischen Hindu-Familie dabei ertappt wird, dass er den christlichen Glauben praktiziert, wird er wahrscheinlich mit Druck und Gewalt konfrontiert und aus seinem Haus vertrieben. Außerdem dürfen sie keinen Besitz erben. In den meisten Fällen wird die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm mit religiösem Nationalismus vermischt.

5. Verfolger

Ausgehend von religiös motiviertem Nationalismus

  • Regierungsbeamte: Verfolgung durch Regierungsbeamte findet weniger auf nationaler Ebene, sondern auf lokaler (und vielleicht auch auf Provinzebene) statt. Dort haben Regierungsbeamte Verbindungen zur hinduistischen Gemeinschaft. Sie können die Religionsfreiheit einschränken, was zur Verhaftung und Schikanierung von Christen führen kann.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Hinduistische Anführer versuchen auf allen Ebenen (lokal, provinziell und national), Einfluss auszuüben und andere Religionen einzuschränken. Als eine Folge davon hat die Gewalt in Nepal in den letzten Jahren zugenommen.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es gibt mehrere extremistische Hindugruppen und -parteien, die durch die Taktiken von Gleichgesinnten in Indien beeinflusst werden. Ihre Aktivitäten und ihr Einfluss nehmen zu.
  •  Die eigene (Groß-)Familie: Christen hinduistischer Herkunft stehen oft unter enormem Druck vonseiten ihrer eigenen Familien, zum Glauben ihrer Vorfahren zurückzukehren.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Besonders in den nördlichen und extrem südlichen Regionen Nepals haben diese Anführer religiöse Intoleranz an den Tag gelegt. Dies führte zu mehreren Vorfällen, die darauf abzielten, christliche Evangelisten, Pastoren und neu gegründete Gemeinden zu verfolgen.
  •  Gewöhnliche Bürger: Besonders auf lokaler Ebene üben Hindus Druck auf Christen hinduistischer Herkunft und andere Christen aus.
  • Politische Parteien: Es gibt mindestens zwei hinduistische Parteien im Parlament, die befürworten, Nepal wieder zu einer Hindu-Nation zu machen.

Ausgehend von der Unterdrückung durch den Clan/Stamm, oft vermischt mit religiös motiviertem Nationalismus

  • Anführer ethnischer Gruppen: Anführer ethnischer hinduistischer Gruppen, besonders in den nördlichen und den extrem südlichen Regionen Nepals, zeigen religiöse Intoleranz. Dies führte zu mehreren Vorfällen, die darauf abzielten, christliche Evangelisten, Pastoren und neu gegründete Gemeinden zu verfolgen. Dies ist stark mit religiös motiviertem Nationalismus verbunden.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es gibt mehrere extremistische Hindugruppen und -parteien, die durch die Taktiken ihrer Kollegen in Indien beeinflusst werden. In ihren Augen ist der christliche Glaube eine Religion, die in Nepal nicht existieren sollte.
  • Die eigene (Groß-)Familie: Christen hinduistischer Herkunft stehen oft unter enormem Druck vonseiten ihrer eigenen Familien, zum Glauben ihrer Vorfahren zurückzukehren.
  • Regierungsbeamte: Lokale Regierungsvertreter (auf Ortsebene) stellen sich gegen christliche Aktivitäten in ihren Gebieten.
  • Gewöhnliche Bürger: Auf lokaler Ebene üben Hindus Druck auf Christen hinduistischer Herkunft und andere Christen aus.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Es gibt keine Verfolgungsbrennpunkte von Christen in Nepal, aber der Druck auf christliche Konvertiten ist auf dem Land stärker als in den städtischen Gebieten.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Nepal halten überwiegend ihre eigenen, isolierten Versammlungen ab. Sie sind kaum darin aktiv, das Evangelium zu verbreiten. Die nepalesische Verfassung hat Schwierigkeiten für ausländische Christen geschaffen. Es ist ausländischen Missionaren nicht erlaubt, zu religiösen Zwecken nach Nepal einzureisen. Wenn ausländische Besucher bei evangelistischen Aktivitäten ertappt werden, werden sie sofort in ihr jeweiliges Land zurückgeschickt.

Christen aus traditionellen Kirchen

Die bei weitem größte und wichtigste traditionelle Kirche ist die Römisch-Katholische Kirche; dazu kommen einige wenige orthodoxe Gemeinschaften. Sie neigen dazu, sich nicht an evangelistischen Aktivitäten zu beteiligen. Daher werden diese Gemeinschaften auch selten von extremistischen Hindus angefeindet.

Christen anderer religiöser Herkunft

Christen hinduistischer Herkunft sind die größte Gruppe der Christen in Nepal, und ihre Anzahl ist in den letzten Jahren weiterhin stark gestiegen. Sie sind von allen Christen in Nepal mit der stärksten Verfolgung konfrontiert, wobei viel Druck von lokalen Regierungsbeamten, Hindu-Priestern, der eigenen Familie und dem sozialen Umfeld ausgeht.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Gemeinden sind meist konfessionell unabhängig. Christen hinduistischer Herkunft besuchen in der Regel Gemeinden, die zu dieser Kategorie gehören. Da solche Gemeinden auch am aktivsten in der Evangelisation sind, erleben sie ein hohes Maß an Verfolgung.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.4
Familienleben 9.7
Gesellschaftliches Leben 9.9
Leben im Staat 13
Kirchliches Leben 12.3
Auftreten von Gewalt 8.5

Grafik: Verfolgungsmuster Nepal

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist sehr hoch (11,4 Punkte), leicht niedriger als im Weltverfolgungsindex 2020 (11,5 Punkte). Die Unterdrückung von Christen (insbesondere hinduistischer Herkunft) durch Hindus ist auf allen Ebenen der Gesellschaft zu spüren, von der persönlichen bis hin zur staatlichen und kirchlichen Ebene. Christen erfahren ständigen Widerstand gegen ihren Glaubenswechsel und Taufen. Die Anti-Konversions-Gesetzgebung ist seit 2017 in Kraft.
  • Die drei Lebensbereiche mit den höchsten Punktzahlen sind Leben im Staat, Privatleben und kirchliches Leben. Dies sind die Bereiche, in denen der Druck durch Hindus am deutlichsten sichtbar wird. Der Druck im Bereich Familienleben sank um 1,2 Punkte und der Druck im gesellschaftlichen Leben blieb auf dem gleichen Niveau wie im vorherigen Berichtszeitraum.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist von 7,0 Punkten auf 8,5 Punkte gestiegen. Hinduistische Gewalt gegen Christen führte dazu, dass Kirchen beschädigt, Christen verhaftet, körperlich bedrängt und gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden vier der jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Sich zum christlichen Glauben zu bekennen kommt in den Augen von hinduistischen Extremisten Evangelisation gleich. Dagegen wird vorgegangen, manchmal auch heftig. Zunächst war dies auf die Familien auf dem Land beschränkt, aber heute haben die sozialen Medien das Thema in alle Winkel Nepals getragen.

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Über den christlichen Glauben außerhalb der eigenen Familie zu sprechen, wird allgemein von Hindus als eine Form der Evangelisation angesehen. Mitglieder der Großfamilie, Freunde und die Gemeinschaft werden sich gegen Christen stellen, die dies tun; daher müssen sie sehr vorsichtig sein.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

Die Abneigung der Hindus gegen den Glaubenswechsel zum christlichen Glauben wächst in Nepal. Unter dem Einfluss der extremistischen Hindus in Indien werden die Hindus in Nepal immer gewalttätiger gegen Konvertiten und alle Christen, die in der Evangelisation aktiv sind. Aufgrund dieser wachsenden Abneigung wurde die Verfassung Nepals 2015 mit Artikel 26 angepasst, der den Glaubenswechsel per Gesetz verbietet.

War es für Christen riskant, mit ihren engsten Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden?

Wenn nur ein Mitglied einer Familie zum christlichen Glauben wechselt, während andere ihren ursprünglichen Glauben beibehalten, kann das zu allen möglichen Konfrontationen und Konflikten führen. Die meisten christlichen Konvertiten, die nicht in der Nähe ihrer Familien leben, ziehen es vor, dieser nichts von ihrem Glauben zu erzählen, aus Angst, sie zu beleidigen.

Familienleben

Wurden Beerdigungen von Christen behindert oder unter Zwang anhand nichtchristlicher Riten durchgeführt?

Die hinduistische und buddhistische Tradition in Nepal ist es, Menschen einzuäschern, wenn sie verstorben sind. Es gibt keine gemeinsamen Begräbnisstätten, so dass die einzigen Orte, an denen Christen begraben werden können, einige wenige private Grundstücke sind – aber selbst dann wird es Widerstand von Einheimischen geben. Einige Familien reisten nach Indien, um Beerdigungen von Katholiken durchzuführen, die in Nepal gestorben waren.

Wurden christliche Taufen behindert?

Die Taufe gilt als das endgültige Zeichen dafür, den Hinduismus für den christlichen Glauben aufgegeben zu haben. Viele Christen sind sich bewusst, dass Taufen zu starken Reaktionen der Familie und des Umfeldes führen können, und sie werden sich entweder nicht taufen lassen oder dies heimlich tun. Der Druck auf die Christen ist so groß geworden, dass Taufgottesdienste im Geheimen in Kirchen abgehalten werden.

Wurden christliche Kinder unter Druck gesetzt, auf irgendeiner Bildungsebene an antichristlichem oder an die Mehrheitsreligion propagierendem Unterricht teilzunehmen?

Auch wenn das Land nun offiziell säkular ist, sind hinduistische Praktiken und Bräuche tief in das Bildungssystem eingebettet. Kinder nichthinduistischer Glaubensrichtungen werden routinemäßig an hinduistischen Bräuchen als Teil der Schulaktivitäten teilnehmen. Zum Beispiel werden die täglichen Gebete in den Schulen zur hinduistischen Göttin des Lernens, Saraswati, rezitiert. Der Lehrplan der Schule lehrt über hinduistische Feste und kulturelle Praktiken. Es gibt keinen Druck, an diesen Aktivitäten teilzunehmen, und es gibt keine Regierungsagenda als solche, durch diese Aktivitäten ein hinduistisches Monopol zu etablieren. Die allgegenwärtige Präsenz einer Mehrheitsreligion oder Kultur im Alltag und die Unfähigkeit der Schulen, eine integrative Haltung zu entwickeln, kann jedoch dazu führen, dass sich Kinder aus religiösen Minderheiten entfremdet fühlen.

Sind Kinder von Christen wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert worden?

Manche Kinder christlicher Eltern haben Schwierigkeiten oder werden von ihren Freunden schikaniert. Andere Kinder, deren Eltern ihnen gesagt haben, dass sie nicht mit christlichen Kindern verkehren sollen, weigern sich, mit christlichen Kindern zu spielen. Verwandte und Nachbarn können sie ebenfalls diskriminieren, indem sie ihnen nicht so viel Zuneigung entgegenbringen, wie sie es taten, bevor die Familie christlich wurde.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen im Alltag aus religiösen Gründen belästigt, bedroht oder behindert (z. B. weil sie sich nicht an durch die Mehrheitsreligion oder die Tradition vorgeschriebene Kleiderordnungen usw. halten)?

Vom sozialen Umfeld werden Christen (insbesondere christliche Konvertiten) oft von ihrer Familie oder Mitgliedern der Gemeinschaft bedroht. Christliche Hausversammlungen werden regelmäßig gestört und behindert. Einzelne Christen werden oft schikaniert, weil sie die hinduistischen Traditionen und Rituale nicht befolgen.

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Alle christlichen Aktivitäten werden durch das soziale Umfeld überwacht. Meistens geschieht dies durch Mitglieder der Gemeinschaft, aber manchmal sind auch hinduistische oder buddhistische Extremisten in dieser Hinsicht aktiv. Sogar lokale Regierungsbeamte überwachen kirchliche Aktivitäten, wobei die Polizei in die Kirchen geschickt wird, um Informationen zu sammeln.

Wurden Christen aus religiösen Gründen verhört oder gezwungen, sich bei der örtlichen Bürgerwehr/Polizei zu melden?

Die örtliche Polizei und die Stadtverwaltungen zwingen Christen oft, zu Befragungen in ihre Büros zu kommen. Sie werden gebeten, über ihre kirchlichen Aktivitäten zu berichten.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Christen im Staatsdienst und vor allem im Militär werden diskriminiert. Christen in öffentlichen Ämtern haben im Allgemeinen keine faire Chancen in ihrem Beruf, geschweige denn auf eine Beförderung. Auch private, nichtchristliche Organisationen diskriminieren Christen bei der Einstellung und Beförderung. Stattdessen erhalten weniger qualifizierte Hindus (oder Menschen einer anderen Religion) die sich bietenden Chancen.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Nepal ist ein säkularer Staat und die Verfassung garantiert Religionsfreiheit, was bedeutet, dass die Menschen ihre Religion und Kultur frei ausüben können. Der Übertritt von einer Religion zur anderen ist jedoch verboten. Das neue Strafgesetzbuch von Nepal, das im August 2017 in Kraft getreten ist, verbietet religiöses Verhalten, das die öffentliche Ordnung stört oder gegen die öffentliche Moral verstößt. Während das Gesetz also im Allgemeinen positiv ist, besteht die Möglichkeit, dass diese neuen Bestimmungen dazu verwendet werden können, Mitglieder von Minderheitengruppen ins Visier zu nehmen und zu bestrafen.

War die Berichterstattung in den Medien falsch oder voreingenommen gegenüber Christen?

Die meisten nationalen Medien in Nepal sind voreingenommen gegen Christen. Es gibt jedoch keine eklatante Medienpropaganda oder das Aufpeitschen von Hass und Paranoia gegen Christen wie in einigen anderen Ländern. Es gibt allerdings eine Tendenz, evangelikale Gruppen so darzustellen, dass sie Geld und falsche Versprechungen verwenden, um unschuldige Dorfbewohner in die Irre zu führen. Ein Glaubenswechsel wird in einem sehr negativen Licht dargestellt. Eine solche unvorteilhafte Darstellung trägt dazu bei, Christen einseitig darzustellen und eine negative Einstellung ihnen gegenüber hervorzurufen. (Diese negativen Darstellungen haben auch ihren Weg in die internationalen Medien gefunden. Solche Einzelgeschichten mögen zwar auf Fakten beruhen, aber eine so selektive Berichterstattung vermittelt ein stark verzerrtes Bild.)

Sind christliche Organisationen der Zivilgesellschaft oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Christliche Nichtregierungsorganisationen sind Schikanen seitens der lokalen Behörden ausgesetzt, die oft behaupten, dass diese an Zwangsbekehrungen beteiligt seien. Außerdem wurden neue Vorschriften für Nichtregierungsorganisationen eingeführt. Nach diesen Vorschriften benötigen sie für jedes Projekt, das sie durchführen, eine Genehmigung. Die lokalen Behörden werden aufgefordert, alle Projekte zu verbieten, die den Anschein erwecken, dass sie Missionscharakter haben könnten. Zum Beispiel wurden christliche Organisationen gezwungen, alle biblischen oder christlichen Wörter aus ihren Unterlagen zu entfernen, bevor sie sich bewerben. Diejenigen, die dies nicht taten, erhielten keine Registrierung.

Sind Christen zum Gegenstand von Hetzkampagnen oder Hassreden geworden?

Christlichen Sozialarbeitern wird oft vorgeworfen, durch ihre Arbeit eine unethische Bekehrung herbeizuführen. Auch Pastoren werden in Hassreden ins Visier genommen, weil sie christliche Aktivitäten durchführen, die als Versuche angesehen werden, Menschen zu bekehren.

Kirchliches Leben

Wurden kirchliche Aktivitäten überwacht, behindert, gestört oder blockiert?

Die Überwachung der christlichen Aktivitäten erfolgt meist durch lokale Räte und durch hinduistische Mitglieder des sozialen Umfeldes und extremistische Hindus. Seit der Verabschiedung der Anti-Bekehrungsgesetze hat die Überwachung christlicher Aktivitäten zugenommen. Die Aktivitäten aller Arten von Kirchen, christlich geführten Unternehmen und Organisationen werden nun offiziell vom Staat und inoffiziell von hinduistischen Extremistengruppen überwacht. Die örtliche Polizei wird aktiv, um Christen zu verhören, nachdem sie von Nachbarn alarmiert wurde.

War es für Kirchen schwierig, von behördlichen Stellen eine Registrierung oder einen offiziellen Status zu erhalten?

Es gibt keine rechtliche Anerkennung von Kirchen in Nepal. Kircheneigentum wird unter dem Namen von Privatpersonen oder Nichtregierungsorganisationen registriert. Es gibt kein Verfahren, um Kirchen zu registrieren.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

In den letzten Jahren hat das zunehmend feindselige hinduistische Umfeld viele Kirchen und Gruppen daran gehindert, Aktivitäten unter freiem Himmel zu organisieren, die noch vor einigen Jahren möglich waren. Die Polizei empfiehlt den Kirchen aus Sicherheitsgründen, keine Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren.

Wurden Kirchen bei der Gründung, Verwaltung, Instandhaltung und Leitung von Schulen oder karitativen, humanitären, medizinischen, sozialen oder kulturellen Organisationen, Einrichtungen und Verbänden behindert?

Christlichen Nichtregierungsorganisationen und anderen sozialen Einrichtungen wurden starke Einschränkungen auferlegt. Der Druck konzentriert sich besonders auf Wohltätigkeitsarbeit, da immer der Verdacht besteht, dass Missionierungsaktivitäten stattfinden. Es gibt Beispiele von Organisationen, die aufgefordert wurden, christliche Bezüge in ihren Dokumenten zu entfernen, einschließlich Vorworten, die angeben, welche christlichen Gemeinschaften die Wohltätigkeitsorganisation ursprünglich gegründet haben.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Angriffe auf Kirchen und religiöse Besitztümer: Mindestens zehn.
  • Festgenommene Christen: Mindestens 17.
  • Verurteilte Christen: Zwei.
  • Sexuell belästigte Christen: Eine Christin wurde von ihrem Schwiegervater unter Druck gesetzt, mit ihm eine sexuelle Beziehungen zu haben.
  • Zur Heirat gezwungene Christen: Eine Christin wurde von ihren Eltern gezwungen, einen Hindu zu heiraten.
  • Angriffe auf Christen: Es gab 60 Fälle von körperlicher Misshandlung (einschließlich Todesdrohungen).
  • Beschädigung von Häusern und/oder Eigentum von Christen: Zwei.
  • Beschädigung von Geschäften/Betrieben: Zwei.
  • Christen, die aus ihrem Zuhause vertrieben wurden: Es wurden 16 Vorfälle festgestellt, bei denen Menschen gezwungen wurden, ihre Häuser oder Dörfer zu verlassen. Dies ist ein bemerkenswerter Anstieg im Vergleich zum vorherigen Weltverfolgungsindex, als keine Fälle gemeldet wurden.
  • Christen wurden gezwungen, das Land zu verlassen: Ein Pastor aus dem Distrikt Chitwan musste sich verstecken und für eine Zeit nach Afrika auswandern, weil er sich in einem Interview gegen hinduistische Götter ausgesprochen hatte.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Der Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums stellt fest:

  • Die Verfassung sieht das Recht vor, die eigene Religion zu bekennen und auszuüben. Das Gesetz sieht keine Registrierung oder offizielle Anerkennung von religiösen Organisationen als religiöse Institutionen vor, mit Ausnahme von buddhistischen Klöstern. Alle anderen religiösen Gruppen müssen sich als Nichtregierungsorganisationen oder gemeinnützige Organisationen registrieren lassen, um Eigentum zu besitzen oder legal zu arbeiten.
  • Die Polizei verhaftete im Laufe des Jahres 2019 fünf Zeugen Jehovas wegen Missionierung, schob schließlich zwei ab und ließ zwei gegen Kaution frei, welche am Jahresende noch auf ihren Prozess warteten.
  • Muslimische Gruppen sagten, sie hätten weiterhin Schwierigkeiten, Land für Bestattungen zu kaufen oder zu nutzen.
  • Im September 2019 löste die Polizei einen Zusammenstoß zwischen schiitischen Muslimen, die das Muharram-Fest feierten, und örtlichen Hindus in Rajpur auf.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Nepal:

  • Bitten Sie um Weisheit und Mut für die nepalesischen Christen, um trotz aller Risiken das Evangelium weiterzugeben.
  • Beten Sie für die christlichen Frauen in Nepal, die Verfolgung durch ihre Familienmitglieder erleiden. Viele werden geschlagen, bedroht, dürfen nicht in die Kirche gehen, werden abgelehnt und allein gelassen. Bitte beten Sie, dass diese Frauen mit Gottes Kraft weiterhin stark in ihrem Glauben bleiben und Gott durch sie ihre ganze Familie dazu bringt, die rettende Gnade Jesu Christi kennenzulernen.
  • Beten Sie für die Gläubigen, die in sehr abgelegenen Dörfern leben. Für unsere Partner vor Ort ist es schwierig, mit ihnen Kontakt aufzunehmen, und wenn sie unter Verfolgung leiden, gibt es kaum Möglichkeiten, sie schnell zu erreichen. Beten Sie für die Christen in diesen Dörfern, dass Gott sie stärkt und sich ihrer Bedürfnisse annimmt.