Länderprofil Indonesien

Indonesien

28
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Indonesien
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Präsidialrepublik
Platz Vorjahr
47
Karte Indonesien
Christen
33,62
Bevölkerung
274.85
Islamische Unterdrückung
Privatleben: 11.300
Familienleben: 11.500
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 11.000
Kirchliches Leben: 9.600
Auftreten von Gewalt: 13.500

Länderprofil Indonesien

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 28 / 68 Punkte (WVI 2021: Platz 47 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund erleben häufig Druck, etwa Isolation und Beschimpfungen und sehr vereinzelt auch Gewalt durch ihre Familien. In Brennpunkten wie Jawa Barat oder Aceh üben islamisch-extremistische Gruppen einen starken Einfluss auf die lokale Politik aus. Sobald angenommen wird, eine Gemeinde sei missionarisch aktiv, wird diese zur Zielscheibe. In einigen Regionen haben protestantische Freikirchen und sogar einige katholische Gruppen Schwierigkeiten, Genehmigungen für den Bau von Kirchen zu erhalten – sie werden von den örtlichen Behörden vielfach ignoriert. Im Berichtszeitraum flammte die Gewalt gegen Christen wieder auf. Es gab zwei Anschläge in Sulawesi Tengah sowie einen Bombenanschlag auf die Kathedrale in Makassar.

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Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Indonesien ist das viertbevölkerungsreichste Land der Welt und die größte Volkswirtschaft in Südostasien. Es besteht aus mehr als 17.000 Inseln und ist eine der größten Demokratien der Welt. Der gemäßigte Islam wird zunehmend in Frage gestellt, weil die Gesellschaft sich einer konservativen Form des Islam zuwendet. Bei den Wahlen 2019 nominierte Präsident Joko Widodo den konservativen islamischen Geistlichen Ma'ruf Amin zu seinem Vizepräsidenten. Damit stellte er sich Vorwürfen entgegen, die seine religiöse Glaubwürdigkeit in Frage gestellt hatten. In der Provinz Aceh gilt die Scharia, und mehrere andere Provinzen haben auf der Scharia basierende Verordnungen eingeführt. Ein weiteres Beispiel für die sich verändernde Haltung in Indonesien ist ein Streit, der über das obligatorische Tragen islamischer Kleidung – insbesondere in Schulen –  entbrannt war.

Während der christliche Glaube eine wichtige Religion im Osten Indonesiens darstellt, ist der Islam in den westlichen und zentralen Teilen des Landes stark vertreten, besonders auf Java, der bevölkerungsreichsten Insel. An Palmsonntag, dem 28. März 2021, zündete ein frisch verheiratetes Ehepaar während eines Gottesdienstes in der Kathedrale von Makassar zwei Bomben, wobei 20 Menschen verletzt wurden, und die beiden Attentäter starben. Die Ermordung und Enthauptung von Christen in Sulawesi trug zu einem allgemeinen Gefühl der Unsicherheit bei, obwohl die Behörden ermittelt und eingegriffen haben und die indonesischen Sicherheitskräfte die Tötung von Ali Kalora bestätigten, des Anführers der Gruppe „Ostindonesische Mudschaheddin“ (MIT), die für die Anschläge verantwortlich war. Indonesien hat beschlossen, die Rückkehr von Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS) und ihren Familienangehörigen aus Syrien und dem Irak zu verbieten. Viele von ihnen hält das jedoch nicht davon ab, einen Weg zurück zu den tausenden Inseln zu finden.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

33.620.000

12,2

Muslime

218.640.000

79,5

Hindus

4.382.000

1,6

Anhänger ethnischer Religionen

5.784.000

2,1

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die meisten Rechtsverletzungen auf Christen finden in Aceh statt, der einzigen Provinz, in der die Scharia gilt. Dort wurden im Oktober 2015 in großem Stil Kirchen geschlossen, und der Bau neuer Kirchen ist fast unmöglich. In Aceh sind Christen muslimischer Herkunft dem stärksten Druck ausgesetzt. Weitere Regionen, in denen es Übergriffe auf Christen gibt, sind Sumatera Barat, Banten, Jawa Barat sowie Jawa Timur und Jawa Tengah. In jüngster Zeit war die Gewalt in der Provinz Sulawesi Tengah am größten, wo im Berichtszeitraum bei zwei Angriffen der islamisch-extremistischen Gruppe MIT acht Christen getötet wurden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Angriffe nun aufhören, nachdem die Sicherheitskräfte den Tod des MIT-Anführers im September 2021 bestätigt haben.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Indonesien hat die größte muslimische Bevölkerung der Welt. Obwohl die Verfassung Religionsfreiheit garantiert, gelten in verschiedenen Regionen islamische Verordnungen, darunter Gesetze der Scharia in der Provinz Aceh. Obwohl einige islamisch-extremistische Gruppen verboten wurden, üben diese weiterhin erheblichen Einfluss aus und tauchen oft unter anderen Namen wieder auf. Aus Saudi-Arabien fließt Geld zu Bildungszwecken nach Indonesien, mit der Folge, dass die wahhabitische Ideologie ins Land gebracht wird. In Moscheen und den Medien schüren extremistische islamische Leiter durch ihre Predigten Hass gegen Christen und andere religiöse Minderheiten. Manche von ihnen fungierten in der Vergangenheit sogar als Drahtzieher von Anschlägen. Mehrere konservative muslimische Parteien wie die „Gerechtigkeits- und Wohlfahrtspartei“ (PKS) sind für das Ziel bekannt, die Gründung einer rein islamischen Nation vorantreiben zu wollen.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Zu den traditionellen Kirchen gehören die Römisch-Katholische Kirche und Kirchen, die in Verbindung mit verschiedenen Ethnien stehen, wie die Batak Christian Protestant Church. Diese Kirchen werden überwacht und wenn ihre Zahl wächst, erleben sie Widerstand. In ärmeren Regionen wie der Provinz Papua, Nusa Tenggara Timur oder den Mentawai-Inseln sind die traditionellen Kirchen aggressiven Versuchen der Islamisierung ausgesetzt, besonders unter Kindern.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christliche Konvertiten mit muslimischem Hintergrund werden streng überwacht und unter Druck gesetzt, ihren neuen Glauben aufzugeben. Ähnlich verhält es sich auf der überwiegend hinduistischen Insel Bali: Wenn ein Hindu Christ wird, erlebt er starken Druck durch seine Familie und sein soziales Umfeld.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Baptistische und pfingstkirchliche Christen werden von ihrem sozialen Umfeld und islamisch-extremistischen Gruppen angegriffen, wenn sie das Evangelium verkündigen. Nachbarn versuchen vielfach, den Bau neuer Kirchen zu verhindern, und die Behörden können die Erteilung von Genehmigungen verzögern.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.3
Familienleben 11.5
Gesellschaftliches Leben 11.5
Leben im Staat 11
Kirchliches Leben 9.6
Auftreten von Gewalt 13.5

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Sechs Glaubensrichtungen sind in Indonesien offiziell anerkannt (Islam, Katholizismus, Protestantismus, Hinduismus, Buddhismus und Konfuzianismus). Eine Konversion zu einer anderen Religion ist zwar gesetzlich erlaubt, die Familien lehnen aber eine Abwendung etwa vom Islam oder Hinduismus strikt ab. Konvertiten werden womöglich aus ihrem Zuhause verstoßen oder verlieren das Sorgerecht für ihre Kinder. In Brennpunktgebieten wie Aceh, Jawa Timur, Jawa Barat, Banten und Sumatra Barat müssen Christen sehr vorsichtig sein, wenn sie über ihren Glauben reden – dies könnte als Provokation aufgefasst werden, die Ärger und starken Druck auf Konvertiten, zum muslimischen (oder hinduistischen) Glauben zurückzukehren, nach sich zieht.

Familienleben

Basierend auf Gesetz Nr. 23 aus dem Jahr 2002 müssen Ehepartner, die ein Kind adoptieren, derselben Religion angehören wie die biologischen Eltern des Kindes. Wenn die Religion der biologischen Eltern unbekannt ist, wird die regionale Mehrheitsreligion als Festlegungsgrundlage verwendet. Die Regierung verpflichtet Schulen, christliche Lehrer für Religionsunterricht zur Verfügung zu stellen. In einigen Provinzen haben die Schulen jedoch Schwierigkeiten, christliche Lehrer zu finden, sodass christliche Kinder den Islamunterricht besuchen müssen. Viele christliche Kinder werden wegen ihres Glaubens in der Schule schikaniert. Manchmal werden sie „kafir“ (Ungläubige) genannt. Muslimische Eltern verbieten ihren Kindern oft, mit christlichen Kindern zu spielen.

Gesellschaftliches Leben

In Provinzen wie Aceh, Sumatra Barat, Jawa Barat, Jawa Timur, Nusa Tenggara Barat und Gorontalo ist die Zahl der Christen, die an angesehenen staatlichen Universitäten studieren dürfen, sehr begrenzt. Die meisten Stipendien werden an muslimische Studierende vergeben. Christen werden unter Umständen gesellschaftlich ausgegrenzt und schikaniert, weil sie als unrein gelten, zum Beispiel weil sie Schweinefleisch essen. Es gibt einen wachsenden Trend zu ausschließlich muslimischen Nachbarschaften (den sogenannten „Scharia-Wohnkomplexen“). Für viele Christen ist es schwierig (oder unmöglich), befördert zu werden, und Schüler erhalten im Religionsunterricht mitunter schlechtere Noten, sodass sie die Mindestanforderungen für den öffentlichen Dienst nicht erfüllen.

Leben im Staat

Christen werden immer vorsichtiger, wenn es darum geht, ihre religiösen Ansichten öffentlich zu äußern, da Äußerungen, die als gegen den Islam gerichtet wahrgenommen werden, zu einer Anklage wegen Blasphemie führen können. In vielen Predigten in Moscheen oder Online-Hetzkampagnen werden Christen verleumdet. In der Verfassung werden zwar sechs Glaubensrichtungen anerkannt, die gleichberechtigt behandelt werden sollten, in der Praxis ist dies jedoch oft nicht der Fall. Der „Präsidialerlass über religiöse Harmonie, die Förderung von Foren für religiöse Harmonie und den Bau von Gotteshäusern“ erschwert es Kirchen und Gemeinden, Baugenehmigungen zu erhalten.

Kirchliches Leben

Kirchen haben Probleme bei der Registrierung von Kirchengemeinden und beim Bau von Kirchengebäuden. Laut einem Ministerialerlass von 2006 kann der Gemeindebetrieb nur unter bestimmten Bedingungen laufen: Eine Gemeinde muss mindestens 90 Mitglieder haben, sie muss die Zustimmung von 60 Nachbarn erhalten, die einem anderen Glauben angehören, und sie benötigt die Zustimmung sowohl des Verwaltungschefs der Provinz als auch des „Interreligiösen Forums zur Harmonie“. Selbst wenn eine Genehmigung erteilt wird, behindern unter Umständen extremistische Gruppen den Zugang zur Kirche.

Im Jahr 2020 sprach sich Präsident Joko Widodo gegen die Schwierigkeiten aus, die Gläubige von Minderheitenreligionen beim Bau von Gotteshäusern haben. Der Präsident hatte angekündigt, dass religiöse Minderheiten nicht diskriminiert werden dürften, und es bestand die Hoffnung, dass der Präsidialerlass geändert oder aufgehoben werden würde. Bislang ist jedoch nichts dergleichen geschehen.

Ein Beispiel ist die Kirche GKI Yasmin in Bogo, West-Java, die alle Anforderungen des Erlasses erfüllte, wie in einem Urteil aus dem Jahr 2009 bestätigt wurde. Aufgrund von Schikanen durch die Nachbarschaft und verschiedene Behörden konnte das geplante Kirchengebäude jedoch bis heute nicht fertiggestellt werden. Der Rechtsstreit um die Gültigkeit des Urteils dauert an.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Mai 2021 wurden in Sulawesi Tengah vier Bauern von Kämpfern der Gruppe MIT getötet. Eines der Opfer wurde enthauptet.
  • Im März 2021 wurde an Palmsonntag ein Selbstmordanschlag auf die katholische Kathedrale von Makassar verübt. Dabei wurden mindestens 20 Menschen verletzt und die Angreifer getötet.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

28

68,35

2021

47

63,09

2020

49

59,79

2019

30

64,56

2018

38

58,90

Der Anstieg der Punktzahl Indonesiens um 5,3 Punkte vom Vorjahr zum Weltverfolgungsindex 2022 ist auf den Anstieg der Punktzahl für Auftreten von Gewalt um 5,7 Punkte zurückzuführen. Dies liegt vor allem an den beiden tödlichen Angriffen auf Christen in Sulawesi im November 2020 und Mai 2021. Während sich die meisten Werte für die fünf Lebensbereiche nicht verändert haben, führten die von den MIT-Kämpfern begangenen Morde und der Bombenanschlag auf die Kathedrale in Makassar zu einem starken Anstieg des Gewaltwertes. Dutzende extremistische Muslime wurden während des Berichtszeitraums von den Behörden festgenommen, mehrere Anschläge vereitelt und der Anführer von MIT im September 2021 von Sicherheitskräften getötet.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die indonesische Regierung hat das anhaltende Problem der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zwar erkannt, doch herrschen nach wie vor patriarchalische Geschlechternormen, Kinderehen und eine hohe Müttersterblichkeitsrate vor. Für die Opfer ist es oft schwierig, Vorfälle zu melden und Gerechtigkeit zu erhalten. Christlichen Frauen wird mit Scheidung gedroht, was den Verlust der körperlichen und wirtschaftlichen Sicherheit zur Folge hätte. Viele christliche Konvertitinnen mit muslimischem Hintergrund entscheiden sich dafür, ihren neuen Glauben geheim zu halten, der oft gewalttätige Reaktionen hervorruft, wenn er entdeckt wird. Gelegentlich werden alleinstehende christliche Konvertitinnen zur Heirat gedrängt. Christliche Frauen werden auch durch erzwungene Bekleidungsvorschriften marginalisiert und häufig gedrängt, einen Hidschab zu tragen.

Männer: In Indonesien werden sowohl weibliche als auch männliche Christen Opfer von Übergriffen. Bei Männern ist dies jedoch weniger in privaten Lebensbereichen der Fall. Stattdessen wird berichtet, dass prominente männliche Persönlichkeiten wie christliche Pastoren und Aktivisten zur Hauptzielscheibe öffentlicher religiöser Diskriminierung werden. Sie können angeklagt werden und müssen sich vor Gericht verantworten, weil sie beispielsweise „zu religiösem Hass aufgestachelt“ haben sollen.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Minderheitengruppen, die nicht zu den sechs anerkannten Glaubensrichtungen gehören, berichteten über Probleme bei der Angabe ihrer Religion auf Personalausweisen. Im Bemühen um Kontrolle unterstützte die Regierung eine Smartphone-App namens „Smart Pakem“. Diese ermöglichte den Bürgern, Anzeige wegen Ketzerei oder Blasphemie gegen Einzelpersonen und Gruppen zu erstatten, die (nach Ansicht der Regierung) inoffizielle oder unorthodoxe religiöse Praktiken ausüben. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen kritisierten diese App, da sie befürchteten, sie könnte Toleranz und Religionsfreiheit untergraben. Inzwischen wurde die App aus dem Google Play Store und dem Apple Store entfernt. Muslimische Minderheiten wie Ahmadiyya und Schiiten sind Opfer von Übergriffen und werden sowohl von den Behörden als auch von extremistischen sunnitischen Gruppen beobachtet. Auch die hinduistische Minderheit wird marginalisiert.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Indonesien:

  • Für Gottes Trost und Heilung für alle, die von den jüngsten Übergriffen auf Christen betroffen sind, bei denen acht Gläubige getötet wurden.
  • Dass Christen in einer Gesellschaft, die einen zunehmend streng islamischen Charakter annimmt, weise und mutig Jesus nachfolgen.
  • Dass der Einfluss extremistischer islamischer Gruppen ausgelöscht wird; bitten Sie Jesus Christus, sich denjenigen zu offenbaren, die sich ihm widersetzen.