Länderprofil Kenia

Kenia

44
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Kenia
Hauptreligion
Christentum
Platz Vorjahr
40
ISO
KE
Karte Kenia
Christen
42,82
Bevölkerung
52.22
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 11.700
Familienleben: 10.500
Gesellschaftliches Leben: 10.900
Leben im Staat: 8.300
Kirchliches Leben: 10.900
Auftreten von Gewalt: 9.100

Länderprofil Kenia

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 44 / 61 Punkte (WVI 2019: Platz 40 / 61 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

In Kenia sind alle Kategorien von Christen von Verfolgung betroffen. Besonders Christen mit muslimischem Hintergrund im Nordosten und in den Küstenregionen leben unter ständiger Gefahr von Angriffen, auch von ihren engsten Verwandten. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurden Christen angegriffen und zur Flucht aus ihren Dörfern gezwungen. Es wurde berichtet, dass Al Shabaab die lokale Bevölkerung infiltriert hat, um die Aktivitäten der Christen in diesen Gebieten zu überwachen. Aber auch organisiertes Verbrechen und Korruption sind ein ernstes Problem. Korrupte Beamte ergreifen keine Maßnahmen gegen jene, die Christen verfolgen, was wiederum weitere Verfolgungshandlungen nach sich zieht.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • In einigen Teilen des Nordostens und der Küstenregionen werden Christen oft ausgegrenzt und ihnen wird der Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen verwehrt.
  • Am 19. Januar 2019 wurde ein Christ muslimischer Herkunft von muslimischen Polizisten am Stadtrand von Nairobi geschlagen und anschließend verhaftet, nachdem er sich geweigert hatte, dem christlichen Glauben abzuschwören.
  • Am 17. Mai 2019 wurden vier Kirchen in Kiamaiko, Nairobi, von einem muslimischen Mob angegriffen. Eine muslimische Gruppe hielt am 16. Mai 2019 eine Debatte unter freiem Himmel ab und einige Einheimische aus dem Umfeld beschwerten sich über den Lärm und die große Menschenmenge, die sich gebildet hatte, und riefen die Polizei. Die Polizei kam, beschlagnahmte die Tonanlage der Gruppe und zerstreute die Menge. Die lokale somalisch-muslimische Bevölkerung versammelte sich dann zu einem Mob und zerstörte am folgenden Tag einen Großteil des Eigentums von vier Kirchen: der Kingdom Gospel for All Nations Ministry Church, der Evangelical Victory Church International, der End Time Army Church und der Kale Heywot Church. Bewaffnet mit Steinen, Macheten und Benzin zerstörten sie alles, von den Stühlen bis zur Tonanlage. Mehrere Christen wurden dabei verletzt.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 61 Punkten liegt Kenia auf dem Weltverfolgungsindex 2020 auf Platz 44.

Kenia hatte auf dem Weltverfolgungsindex 2019 ebenfalls 61 Punkte und belegte damit Platz 40. Die Christenverfolgung in Kenia beträgt ein sehr hohes Maß und ist in den letzten drei Berichtszeiträumen mehr oder weniger konstant geblieben.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Auch wenn Kenia ein mehrheitlich christliches Land ist (ca. 82 % der Bevölkerung sind Christen), ist die „Islamische Unterdrückung“ die Haupttriebkraft der Verfolgung. Schätzungsweise 7,9 % der kenianischen Bevölkerung sind laut der World Christian Database (WCD) Muslime, von denen die Mehrheit Sunniten sind. Die muslimische Bevölkerung lebt im Nordosten und in den Küstengebieten Kenias, hat sich aber auch in anderen Teilen des Landes ausgebreitet und begonnen, auf die empfundene Benachteiligung in der kenianischen Gesellschaft zu reagieren. Inspiriert von extremistischen islamischen Einflüssen, die von Somalia ausgehen, folgen muslimische Politiker, die muslimisch dominierte Wahlkreise in Kenia repräsentieren, einer Agenda, die Kirche aus ihren Wahlkreisen zu eliminieren.

Auch der Nordosten des Landes ist stark von Islamischer Unterdrückung betroffen. Extremistische Muslime, die in Kenia leben, sowie Militante, die die Grenze von Somalia aus überqueren, verfolgen Christen massiv und waren in den letzten Jahren für die Ermordung von Hunderten von Christen verantwortlich.

Um die Herausforderung zu verdeutlichen, vor der die Christen im Nordosten und an der Küste stehen, berichtet ein Experte für das Land: „Die östlichen Bezirke an der Küste sind aus historischen Gründen seit langer Zeit unter starkem islamischen Einfluss – hier sind Muslime zuerst gelandet (lange vor den christlichen Missionaren in Kenia), wie generell entlang der Ostküste Afrikas. Zu den Bezirken, in denen mittlere bis sehr schwere durch diese Triebkraft der Verfolgung [Islamische Unterdrückung] motivierte Übergriffe verübt werden, gehören Mandera, Wajir, Garissa, Lamu, Kilifi und Kwale.“

Auch wenn das Problem der Islamischen Unterdrückung und der islamischen Militanz in Kenia eine neuere Entwicklung darstellt, so hat es doch bereits seit den 1990er-Jahren zugenommen. Im Jahr 1992 wurde die Islamische Partei Kenias (IPK) gegründet, aber 1994 wurde ihr die Zulassung verweigert. In einem Bericht vom Juli 2019 heißt es: „Das Verbot der IPK führte zu einer Phase des Protests und politischen Unruhen, gefolgt von einer Zersplitterung des islamistischen Aktivismus an der Küste. Neue islamistische Vereinigungen und Organisationen wuchsen, einige versuchten, den neuen politischen Raum für Aktivismus zu nutzen, während andere sich statt an eine offizielle politische Plattform an Moscheen, inoffizielle Gruppierungen und Medien wandten, um militantere, populistische Botschaften zu verbreiten.“

Organisiertes Verbrechen und Korruption

In Kenia ist Korruption weit verbreitet und betrifft sowohl das öffentliche als auch das Privatleben. Laut Korruptionsindex von Transparency International von 2019 rangiert Kenia auf Platz 144 von 180 Ländern, also auf Platz 36 der Liste der korruptesten Länder. Die Korruption in Kenia führt zu einer unzureichenden Bestrafung von Verfolgern. Viele Institutionen, darunter Parlament, Justiz und insbesondere die Exekutive, sind betroffen. Dies wiederum beeinträchtigt den Zugang der christlichen Gemeinschaften zur Justiz und zum Schutz durch die Polizei, wenn dies erforderlich ist. Berichte deuten auch darauf hin, dass es Al Shabaab gelang, tödliche Angriffe durchzuführen, indem die Gruppe Bestechungsgelder an Sicherheitsbeamte für die Einfuhr von Waffen und Munition zahlte. In diesem Zusammenhang muss die Verfolgung von Christen gesehen werden. Korrupte Beamte ergreifen keine Maßnahmen gegen diejenigen, die Christen verfolgen, was wiederum weitere Verfolgungshandlungen begünstigt.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Die islamisch-militante Gruppe Al Shabaab ist der Hauptakteur der Verfolgung in Kenia. Die Gruppe stammt aus Somalia; ihr Hauptziel ist die Errichtung eines islamischen Staates in Somalia. Ihre Anwesenheit in Kenia resultiert aus einem Vergeltungsschlag gegen die bewaffnete Intervention Kenias – Kenia stellte Truppen für die Afrikanische Union zur Unterdrückung des Aufstands in Somalia bereit. Die Gruppe führt Selbstmordattentate und andere gewaltsame Aktionen gegen alle durch, die sie als Feinde des Islam betrachtet. Die Gruppe soll Verbindungen zu militanten Gruppen in Algerien und Nigeria haben.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die Lehrer an den Medressen und Moscheen sind dafür bekannt, dass sie eine subtile Botschaft des Hasses gegenüber Christen verbreiten. Ein Experte für das Land erklärte: „Von islamischen Führungspersonen geht hauptsächlich Verfolgung aus. Sie haben das Ausmaß der Verfolgung geschürt, besonders gegen Christen muslimischer Herkunft. Dies zeigt sich in verschiedenen Fällen, in denen sie gezielt Konvertiten zum christlichen Glauben gezwungen haben, ihrem Glauben abzuschwören, und dann mit dem Tod gedroht haben, wenn dies nicht geschah. Das ist in den Küstengebieten und im nordöstlichen Teil Kenias weit verbreitet.“
  • Gewöhnliche Bürger: In muslimisch dominierten Gebieten werden die Christen von den Einheimischen als Ausländer und sogar als Eindringlinge angesehen. Ein Experte für das Land stellte fest: „Bürger aus der breiteren Gesellschaft und in Gebieten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit wie dem Nordosten Kenias und in den Küstenregionen des Landes sind Quellen der Verfolgung von Christen, hauptsächlich durch die Triebkraft Islamische Unterdrückung. Davon sind in diesen Gebieten besonders Christen muslimischer Herkunft betroffen, die der extremen Gefahr von Tod oder Körperverletzung ausgesetzt sind, da sie ständig von Personen aus ihrem eigenen sozialen Umfeld bedroht werden. Andere Christen in diesen Gebieten sind ebenfalls gefährdet, Ziel dieser Angriffe zu werden, da sich die Rhetorik von der Minderwertigkeit und Eliminierung von Christen, die von den gewalttätigen religiösen Gruppen wie Al Shabaab verbreitet wird, auf die breitere Bevölkerung in diesen Gebieten übertragen hat.“
  • Familienmitglieder: Den Islam zu verlassen, wird als eine Bedrohung für Familie, Gemeinschaft und Klan/ethnische Gruppe angesehen. Ein Experte für das Land erklärte: „Die Großfamilie ist eine Quelle der Verfolgung für Christen in Kenia, dies gilt besonders für christliche Konvertiten aus einer mehrheitlich muslimischen Familie. Sogar Familienmitglieder sind bereit, Gewalt gegen ihre Angehörigen auszuüben.“  

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

  • Netzwerke des organisierten Verbrechens: Das Auftreten von organisierter Korruption im Land hat die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit erschwert, so dass Christen, wenn sie Opfer von Verfolgung werden, nur begrenzte Möglichkeiten haben, sich zu wehren.
  • Regierungsbeamte: Beamte werden bestochen, um gegen die Interessen der Christen zu handeln. Dies geschieht besonders im Bereich der Strafverfolgung, wo gegen Christen erfundene Anklagen erhoben werden, nur weil sie Christen sind. Beamte verschließen auch die Augen vor den Aktivitäten der Verfolger, was dann weitere Verfolgungshandlungen begünstigt.
  • Gewalttätige religiöse Gruppen: Es gibt Anzeichen dafür, dass Al Shabaab die tödlichen Anschläge an der Universität von Garissa im April 2015 durch die Zahlung von Bestechungsgeldern an Sicherheitsbeamte für die Einfuhr von Waffen und Munition durchführen konnte. Darüber hinaus gibt es Berichte, dass Al Shabaab und seine Unterstützer im Nordosten Einnahmen für Aktionen erzielen, indem sie hohe Bestechungsgelder an Beamte zahlen, um den illegalen Handel über den Hafen von Kismayo zu ermöglichen.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Die Christen, die im und um den Nordosten des Landes leben, müssen mit der Angst leben, dass sie jederzeit angegriffen werden können. Brennpunkte für Angriffe von Al Shabaab sind Mombasa, Mandera, Garissa, Wajir, Lamu und Tana River. In diesen Gebieten gibt es viele ortsansässige Informanten, die bei der Organisation von Angriffen auf Kirchen und Christen helfen. Daher haben viele Christen beschlossen, aus diesen Gebieten in die Mitte des Landes umzuziehen.

5. Betroffene Christen

Alle Arten von christlichen Gruppen im Land werden verfolgt, auch wenn das Ausmaß der Verfolgung davon abhängt, wo sie leben und welchen christlichen Gruppen sie angehören.

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Ausländische Christen in Kenia sind nicht von unfreiwilliger Isolation betroffen und werden deshalb für die Bewertung und Analyse im Rahmen der Erstellung des Weltverfolgungsindex nicht als eigenständige Kategorie betrachtet.

Christen aus traditionellen Kirchen

Kirchen dieser Kategorie sind in vielen Teilen des Landes zu finden. Die Art und Intensität der Verfolgung, der sie ausgesetzt sind, variieren von Region zu Region. In islamisch dominierten Gebieten ist die vorherrschende Triebkraft der Verfolgung Islamische Unterdrückung und die Intensität der Verfolgung ist sehr hoch.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund finden sich hauptsächlich in den muslimisch dominierten Gebieten im Nordosten und entlang der Küste (einschließlich Mombasa). Im Allgemeinen sind diese Christen einer anderen Verfolgungsdynamik ausgesetzt als Christen ohne muslimischen Hintergrund. Sie sehen sich intensivem Druck durch Familie und Freunde ausgesetzt und können, wenn sie von Gruppen wie Al Shabaab entdeckt werden, auch getötet werden. Christen muslimischer Herkunft werden auch von Mobs oder kleineren Gruppen aus den lokalen islamischen Gemeinschaften ins Visier genommen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören Gruppen wie Baptisten, Evangelikale, Pfingstgemeinden und charismatische Gemeinden. Sie sind im ganzen Land zu finden. Christen aus protestantischen Freikirchen leben ihren christlichen Glauben am aktivsten und sind daher starker Verfolgung ausgesetzt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.7
Familienleben 10.5
Gesellschaftliches Leben 10.9
Leben im Staat 8.3
Kirchliches Leben 10.9
Auftreten von Gewalt 9.1

Grafik: Verfolgungsmuster Kenia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Kenia bleibt mit 10,5 Punkten hoch und hat sich von 10,4 Punkten beim Weltverfolgungsindex 2019 leicht erhöht.
  • Mit Ausnahme des Bereichs „Leben im Staat“ gibt es keinen Lebensbereich, in dem der Druck auf die Christen weniger als 10 Punkte beträgt. Im Bereich „Privatleben“ ist er am höchsten (11,7), was den sehr hohen Druck auf die Christen muslimischer Herkunft in der nordöstlichen Region reflektiert. Am zweitstärksten ist der Druck in den Bereichen „Kirchliches Leben“ und „Gesellschaftliches Leben“ (jeweils 10,9). Dies ist ein Hinweis darauf, dass das kirchliche und gesellschaftliche Leben im Nordosten aufgrund von Drohungen von Al Shabaab und deren Anhängern sehr schwierig ist.
  •  Die Punktzahl für das Auftreten von Gewalt ist sehr hoch und von 8,3 im Weltverfolgungsindex 2019 auf 9,1 Punkte gestiegen.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

Im Kontext der Islamischen Unterdrückung stehen vor allem (wenn auch nicht ausschließlich) Christen muslimischer Herkunft in ihrem Privatleben unter Druck.

  • Es ist für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu äußern (auch in Blogs und Facebook etc.): In muslimisch dominierten Gebieten führt es zu schwerwiegenden Gegenreaktionen, wenn Christen muslimischer Herkunft über Glaubensfragen reden. Ein Experte für das Land verglich die Situation anderer christlicher Gruppen mit der von Konvertiten zum christlichen Glauben: „Es ist für Christen im Allgemeinen nicht riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu offenbaren, da die Mehrheit der christlichen Bevölkerung sich in öffentlichen Foren frei äußert. Für Christen muslimischer Herkunft in muslimischen Mehrheitsgebieten ist es jedoch riskant, ihren Glauben zu offenbaren, aus Angst vor Gegenreaktionen ihrer ehemaligen Leiter und Mitglieder ihrer Gemeinschaft.“
  • Es ist riskant für Christen, über ihren Glauben mit unmittelbaren Familienmitgliedern zu sprechen: Wie ein Experte für das Land feststellte: „Es ist im Allgemeinen nicht riskant für Christen, mit unmittelbaren Familienmitgliedern über ihren Glauben zu sprechen, jedoch besteht ein Risiko in Gebieten mit extremistisch-muslimischem Einfluss, und das gilt besonders für Christen muslimischer Herkunft. Christliche Konvertiten sind sehr gefährdet, wenn sie mit ihren muslimischen Familienmitgliedern über ihren Glauben sprechen.“
  • Einer Konversion wird Widerstand entgegengebracht: In den überwiegend muslimischen Nordost- und Küstenregionen Kenias besteht für Christen muslimischer Herkunft die Gefahr tödlicher Angriffe, wenn sie ihren Glaubenswechsel offenbaren. Diese Angriffe können von Familienmitgliedern oder von Teilen der lokalen Bevölkerung durchgeführt werden. Ein Experte für das Land stellte fest: „Der Wechsel zum christlichen Glauben wird von den muslimischen Anführern und der gesamten muslimischen Bevölkerung im Nordosten Kenias und in den Küstengebieten massiv bekämpft. Christen muslimischer Herkunft sind in großer Gefahr, entweder getötet oder verprügelt zu werden. Es gibt Berichte über ehemalige Muslime, die zum christlichen Glauben konvertiert sind, die verprügelt wurden oder Morddrohungen erhalten haben und gezwungen wurden, aus ihren Häusern zu fliehen, wo sie in Gefahr waren. Dies wird in hohem Maße durch die Anwesenheit von Al Shabaab in diesen Gebieten befeuert, wo die Gruppe mit ihrer Propaganda gegen die Christen versucht, die Unterstützung der muslimischen Bevölkerung zu gewinnen.“
  • Es ist gefährlich, christliche Materialien privat zu besitzen oder aufzubewahren: Für Christen muslimischer Herkunft ist der Besitz von christlichen Materialien sehr riskant. Für andere Christen ist der Besitz von christlichen Materialien in einigen Gebieten riskant, weil Al-Shabaab-Kämpfer manchmal von Haus zu Haus gehen, um Christen zu finden.

Familienleben

Dies ist ein weiterer Lebensbereich, in dem vor allem Christen muslimischer Herkunft vor gravierenden Problemen stehen.

  • Kinder von Christen werden wegen des Glaubens ihrer Eltern schikaniert oder diskriminiert: In muslimisch dominierten Gebieten sind christliche Kinder mit Schikanen, Mobbing und anderen Formen der Verfolgung konfrontiert. In Schulen werden sie oft dazu gezwungen, sich wie muslimische Schüler zu kleiden. Dieses Problem hat in christlichen Familien Ängste ausgelöst.
  • Christliche Ehepartner und/oder Kinder von Christen sind aufgrund von Umständen, die mit Verfolgung zusammenhängen, über längere Zeiträume hinweg getrennt: Christen muslimischer Herkunft wird oft der Kontakt zu ihren Kindern verweigert, um sie zur Rückkehr zum Islam zu drängen. Ein Experte für das Land stellte fest: „Christliche Familien, am meisten die von Christen muslimischer Herkunft, sind gezwungen, sich aus Sicherheitsgründen von Familienmitgliedern zu trennen. Eine dieser Familien ist die von Abu-Bakr, eine vierköpfige, ehemals muslimische Familie (eine Ehefrau und zwei Kinder im Alter von vier und fünf Jahren), die sich im November 2018 zum christlichen Glauben bekehrte. Als die örtliche Moschee von ihrem Glaubenswechsel erfuhr, wurde das Leben der vier bedroht und sie waren gezwungen zu fliehen, zogen von einem christlichen Haus zum anderen und mussten ihr gemietetes Haus und das zwei Hektar große Land zurücklassen, auf dem sie Feldfrüchte angebaut hatten. Unterwegs war die Familie gezwungen, ihre Kinder zu ihrer Sicherheit bei ‚Guten Samaritern‘ zu lassen.“
  • Christen haben durch ihre Konversion zum christlichen Glauben ihr Erbrecht verloren: Dies ist ein weiterer Bereich, in dem Christen Schwierigkeiten haben. Christen muslimischer Herkunft werden aus der Gemeinschaft ausgestoßen und verlieren den Erbteil, der ihnen rechtlich zusteht. Ein Experte für das Land stellte fest: „Christen, besonders diejenigen, die im Nordosten und an der Küste Kenias wohnen, wo der Islam vorherrscht, haben durch ihre Konversion zum christlichen Glauben ihr Erbrecht verloren. Einige mussten sogar von ihrem Land fliehen, weil ihre Sicherheit bedroht war, auch dies war ein Erbschaftsverlust. Christen muslimischer Herkunft wurden auch von Familienangehörigen enterbt.“              
    Da der Großteil der Erbschaftsfragen von den Ältesten der Gemeinschaft gelöst wird, gibt es keine Verhandlungen für diejenigen, die den Islam verlassen. Dies wird als eine Warnung für andere angesehen, die vielleicht erwägen, den Islam zu verlassen und einer anderen Religion, zum Beispiel dem christlichen Glauben, zu folgen.

Gesellschaftliches Leben

Christen, die im Nordosten und in den Küstenregionen leben, leiden unter großem Druck. In letzter Zeit besteht ernsthafte Besorgnis darüber, dass Al Shabaab die lokale Bevölkerung infiltriert, was es den islamischen Extremisten leicht macht, christliche Familien zu identifizieren.

  • Christen werden aus Glaubensgründen in ihrem täglichen Leben schikaniert, bedroht oder behindert: In Gebieten, in denen mehrheitlich Muslime leben, stehen die Christen vor vielen Herausforderungen: Beispielsweise ist es allgemein üblich, dass das Weideland oder Trinkwasser gemeinschaftlich genutzt wird, doch in Gebieten, in denen die muslimische Bevölkerung in der Mehrheit ist, haben Christen diesbezüglich Probleme. Verfolger in dieser Hinsicht sind zumeist Mitglieder der Kern- oder Großfamilie (im Fall von Konvertiten), aber auch nichtchristliche religiöse Leiter und Leiter ethnischer Gruppen.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld überwacht: Einige Beobachter glauben, dass Al-Shabaab-Informanten in den lokalen Gemeinschaften jede einzelne christliche Bewegung überwachen. Wie ein Experte für das Land feststellte: „Christen mit muslimischem Hintergrund werden entweder von nahen Familienangehörigen oder von ihrem sozialen Umfeld überwacht. Dies ist auf den Einfluss von Al Shabaab zurückzuführen, deren eines von vielen Zielen die Ausrottung des Christentums ist. Sie haben die Bevölkerung indoktriniert zu glauben, dass das Christentum böse sei und ausgerottet werden müsse, um eine breite Unterstützung in der Bevölkerung zu gewinnen. Die Christen werden in ihren täglichen Bewegungen beobachtet, was unter den Christen muslimischer Herkunft in den nordöstlichen Gebieten Kenias Angst auslöst.“
  • Christen stehen unter der Bedrohung von Entführung und/oder Zwangsheirat: Im Nordosten und an der Küste droht den Christen die Entführung durch Al Shabaab. Auch ein italienischer Entwicklungshelfer wurde im November 2018 entführt.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzuschwören: Für Christen muslimischer Herkunft ist dieses Problem sehr schwerwiegend. Jeder bekannte Konvertit zum christlichen Glauben wird unter Druck gesetzt, dem christlichen Glauben abzuschwören oder den Folgen ins Auge zu sehen, die bis hin zu Angriffen von Mobs und Ermordung reichen können.

Leben im Staat

Der Druck im Bereich „Leben im Staat“ gilt allen Kategorien von Christen gleichermaßen. Verfolger sind Regierungsbeamte, politische Parteien muslimischer Prägung und religiöse Leiter in Verbindung mit ihrer Anhängerschaft (d. h. islamisch-extremistische Bewegungen, denen sich gewöhnliche Bürger anschließen). Die Rolle von Organisiertem Verbrechen und Korruption zeigt sich auch in diesem Lebensbereich. Die in den letzten sieben Jahren unternommenen Schritte zur Dezentralisierung wirken sich auch auf die Christen aus. Viele muslimische Politiker betrachten Christen als für ihre politischen Zwecke unwichtig.

  • Christen werden beim Umgang mit Behörden (Kommunalverwaltung, Regierung, Armee etc.) aus Glaubensgründen diskriminiert: Korruption, Ethnie und Religionszugehörigkeit spielen im Umgang mit den Behörden eine wichtige Rolle. Im Nordosten und in den Küstengebieten spielt die Religion eine Schlüsselrolle, und Christen in diesen Gebieten werden auf vielen Ebenen diskriminiert.
  • Christen werden daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern: Auch wenn die Religions- und Meinungsfreiheit auf nationaler Ebene respektiert wird, ist dieses Thema auf Bezirksebene problematisch. Ein Experte für das Land berichtete: „Eine Befragte sagte: ‚Es ist nur der gesunde Menschenverstand. Man spricht nicht über Religion oder über die Kirche in der Nähe von Muslimen, wenn man sicher sein will. Das lernt man sehr schnell, wenn man an die Küste kommt. Es ist eines der ersten Dinge, die einem die Leute sagen. Aber sie dürfen über Mohammed sprechen und so weiter. Man lebt damit.‘ Das war eine NGO-Mitarbeiterin, die von ihren Erfahrungen in Mombasa sowie den Bezirken Kwale, Tana River und Lamu sprach.“
  • Christen werden aus Glaubensgründen am Reisen gehindert: Christen, die im Nordosten sowie in den Bezirken Tana River und Lamu reisen, sind weiterhin der ständigen Bedrohung durch Angriffe ausgesetzt. Bei früheren Angriffen wurden Christen von Muslimen getrennt und hingerichtet. Dies hat die Reisemöglichkeiten für Christen stark eingeschränkt, besonders für diejenigen, die evangelisieren.
  • Christen werden aus Glaubensgründen von öffentlichen Ämtern ausgeschlossen oder ihre Beförderung wird behindert: Beförderung, Wahlen und andere Privilegien und Vergünstigungen gehen in Kenia Hand in Hand mit der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit. In Gebieten, die von einer muslimischen Bevölkerung dominiert werden, ist es für Christen schwieriger, eine Arbeitsstelle zu bekommen, befördert oder in ein öffentliches Amt gewählt zu werden. Ein Experte für das Land stellte fest: „Christen oder diejenigen, die nicht als einheimisch/muslimisch gelten, können in diesen Regionen nicht gewählt werden; jeder, der es versucht, wird automatisch disqualifiziert, diffamiert und verfolgt, weil er nicht die ‚richtige‘ Religion hat und nicht vom ‚richtigen‘ Stamm ist. Die Muslime in diesen Gebieten lassen sich nicht von jemandem leiten, den sie als ‚Kafir‘ betrachten.“

Kirchliches Leben

Der Druck in diesem Bereich hängt mit den Auswirkungen der Gewalt zusammen, die von islamischen Kämpfern in der Region ausgeübt wird. Die gezielte Gewalt hat ein Klima der Angst unter den Christen geschaffen. Infolgedessen ist der Bau einer Kirche oder die Versammlung zu Aktivitäten in einer Kirche an einigen Orten gefährlich geworden. Der kombinierte Einfluss von Islamischer Unterdrückung und Organisiertem Verbrechen und Korruption hat das kirchliche Leben komplizierter gemacht als in den vergangenen Jahren. Korruption hat die Behörden in ihrer Pflicht behindert, alle Bürger zu schützen; in den meisten Fällen, in denen es zu Gewalttätigkeiten gegen Christen kam, wurden von der Polizei keine ordnungsgemäßen Ermittlungen durchgeführt.

  • Die Aktivitäten von Kirchen werden überwacht, gestört, be- oder verhindert: Im Nordosten und an der Küste ist dieses Problem schon seit Jahren wahrnehmbar, aber es hat sich nun durch die Infiltration durch Al Shabaab noch verschärft. Viele Christen vermeiden es aus Angst vor Angriffen, in die Kirche zu gehen, und es gibt wenig Vertrauen in die Regierung, dass diese für Schutz sorgt. Daher ist es üblich, dass die Gemeinden in der Region, die früher sonntags Hunderte von Besuchern hatten, nun nur noch wenige Zusammenkünfte haben. Ein Experte für das Land stellte fest: „In dem Maße, in dem fast alle Kirchen in Kenia aufgrund der anhaltenden Terroranschlagsdrohungen nun einen bewaffneten Sicherheitsdienst treffen müssen, ist dies eine Behinderung ihrer Aktivitäten. In einigen Gegenden, insbesondere im muslimisch dominierten Wajir, Marsabit, Mandera, Garissa und Lamu, können die Kirchen keine Abendgottesdienste abhalten, und in vielen Fällen wird ihnen die Genehmigung für Evangelisationsveranstaltungen unter freiem Himmel verweigert. Muslime haben keine vergleichbaren Einschränkungen und können ihre religiösen Aktivitäten frei ausüben.“
  • Die christlichen Gemeinden werden daran gehindert, Kirchengebäude zu bauen oder zu renovieren: Im Nordosten und an der Küste renovieren die Christen keine Kirchen und bauen auch keine neuen, vor allem wegen der Bedrohung durch Angriffe lokaler Extremisten und Al Shabaab.
  • Die Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren: Jede Form der Versammlung außerhalb der Kirchen wird im Nordosten und an der Küste wahrscheinlich zu Angriffen führen, besonders in Wajir, Mandera und Lamu.
  • Bibeln und andere christliche Materialien offen zu verkaufen oder zu verteilen wird behindert: In Gebieten, die von der muslimischen Bevölkerung dominiert werden, ist es wahrscheinlich, dass solche Aktivitäten Angriffe eines lokalen Mobs provozieren. Die Namen der beteiligten Christen können an Al Shabaab und ihre Unterstützer weitergegeben werden. Ein Experte für das Land stellte fest: „Bibeln und andere christliche Materialien in den Bezirken Garissa, Wajir und Lamu offen zu verkaufen oder zu verteilen, wird die falsche Art von Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Es ist nicht offiziell verboten oder unterbunden worden, aber die Gewalt von Al Shabaab hat die Christen abgeschreckt.“

Auftreten von Gewalt

  • Die Christen in Kenia leiden unter der enormen Verfolgung durch Al Shabaab und ihre Unterstützer. Viele Christen wurden getötet, als Al Shabaab im Januar 2019 ein Hotel in Nairobi angriff. Im Nordosten und in der Küstenregion wurden Christen zeitweise mit Steinen beworfen oder mit Messern attackiert. Ein Experte für das Land stellte zum Beispiel fest: „Ein 48-jähriger verheirateter Mann mit fünf Kindern wurde von einer Gruppe Muslime erstochen, die von einer Beerdigung kamen.“
  • Angriffe auf Christen sind in Kenia alltäglich geworden. Dies ist seit mindestens acht Jahren der Fall. Nach Angaben der International Crisis Group (ICG) vom April 2019 hat Al Shabaab von 2011–2018 über 247 Angriffe in Kenia durchgeführt, hauptsächlich im Nordosten und an der Küste des Landes.             
    Der ICG-Bericht fügt außerdem hinzu, dass die Angriffe die gesamte Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen haben: „Seit 2015 hat Al Shabaab mehr als hundert kleine Angriffe im Nordosten verübt, bei denen Dutzende von Soldaten und Polizisten getötet wurden, meist durch Bomben am Straßenrand. Diese Angriffe waren auch für die Zivilbevölkerung verheerend, insbesondere für nichtmuslimische Fachkräfte, die aus anderen Teilen Kenias in den Nordosten entsandt wurden. Eine Reihe von Al-Shabaab-Angriffen auf diese Fachkräfte, die einen erheblichen Teil der Arbeitskräfte ausmachen, hat Hunderte von Lehrern, Krankenschwestern, Verwaltungsangestellten und Bauarbeitern zur Flucht aus der Region getrieben. Die Abwanderung so vieler ausgebildeter Fachkräfte aus einem verarmten Teil Kenias hat die sozioökonomischen Probleme vertieft und die Errungenschaften der letzten zwei Jahrzehnte zunichte gemacht.“             
    Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurden über 30 Christen angegriffen, von denen mehr als zehn getötet wurden. Es ist auch erwähnenswert, dass der Angriff auf das DusitD2-Hotel ein Angriff auf Christen war, wie Al Shabaab selbst erklärte. Im Mai 2019 wurden viele Christen verletzt, als sie von muslimischen Jugendlichen angegriffen wurden.
  • Kirchen werden in Kenia oft angegriffen, besonders im Nordosten und in den Küstenregionen. Es werden Steine auf Kirchen geworfen, dabei wurden oft Fenster zerbrochen und Zäune zerstört. Selbst in Nairobi können Christen und ihre Kirchen ins Visier genommen werden. Die Kingdom Gospel for All Nations Ministry Church, die Evangelical Victory Church International, die End Time Army Church und die Kale Heywot Church sind allesamt Beispiele für Kirchen, die von einem Mob angegriffen und schwer beschädigt wurden.
  • Im Laufe der Jahre wurden immer wieder christliche Besitztümer in Nairobi, Mombasa und im Nordosten ins Visier genommen. Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 wurden in den an Somalia angrenzenden Bezirken mindestens zwei christliche Geschäfte von einem Mob angegriffen.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Entführung
  • Ausschluss aus der Gemeinschaft
  • Verweigerung gemeinschaftlich genutzter Ressourcen
  • Verweigerung des Sorgerechts für Kinder
  • Verweigerung von Nahrungsmitteln/Wasser
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Verweigerte/eingeschränkte Gesundheitsversorgung
  • Diskriminierung/Schikanierung im Bildungsbereich
  • Zwangsscheidung
  • Zwangsverheiratung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • (Haus-)Arrest durch die Familie
  • Ermordung
  • Sexuelle Gewalt
  • Verbale Gewalt

In den mehrheitlich muslimischen Regionen Kenias werden Christinnen in vielfältiger Weise verfolgt. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert ist, sind durch die kulturellen Praktiken einiger Stämme (wie Begräbnisriten, Genitalverstümmelung, frühe Heirat und Polygamie) christliche Frauen einem größeren Risiko der Verfolgung ausgesetzt, wenn sie sich diesen Praktiken widersetzen.

In den nördlichen Regionen sind christliche Frauen und Mädchen vermehrt mit Beschimpfungen und sozialer Ablehnung konfrontiert. Darüber hinaus berichten Christinnen, dass sie aufpassen müssen, dass ihnen nicht Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft auflauern und sie vergewaltigen. Christliche Lehrerinnen in muslimisch dominierten Gebieten klagten über ständige sexuelle Belästigung durch männliche muslimische Schüler und andere muslimische Männer in der Gesellschaft. Zudem sind sie mit dem Tod bedroht, wenn sie von Al Shabaab gefunden werden.

Frauen und Mädchen, die sich aus einem muslimischen Hintergrund Jesus Christus zuwenden, riskieren, dass sie zur Scheidung bzw. zu einer Heirat gezwungen werden und ihnen gegebenenfalls das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wird. Die negativen Auswirkungen sind jedoch geringer, wenn das Einkommens- und Bildungsniveau der Frau hoch genug ist.

Unter extremen Umständen wurden nordkenianische Frauen von Al-Shabaab-Kämpfern entführt und zwangsweise zu Sexsklavinnen oder Ehefrauen gemacht. Berichten zufolge werden diesen Frauen Verhütungsmittel verabreicht, damit sie wiederholt gruppenvergewaltigt werden können, ohne schwanger zu werden; nur diejenigen, die zum Islam konvertieren und Befehlshaber heiraten, dürfen Kinder bekommen.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Verweigerung gemeinschaftlich genutzter Ressourcen
  • Beschlagnahme von Erbschaft und Besitz
  • Ermordung
  • Körperliche Gewalt

Christliche Jungen und Männer vor allem im Nordosten sind am stärksten gefährdet, durch extremistische Muslime und Al Shabaab körperlich angegriffen und getötet zu werden. So kam es in der Vergangenheit zu gezielten Angriffen auf Christen in Dörfern, bei denen ausschließlich Männer getötet wurden. Darüber hinaus leiden auch Männer und Jungen, die sich den negativen kulturellen Praktiken einiger Stämme (wie Begräbnisriten, weibliche Genitalverstümmelung, früher Heirat und Polygamie) widersetzen, in unterschiedlichem Maße unter Verfolgung. Ihre Familien werden in der Bevölkerung nicht akzeptiert, da sie als „verflucht“ oder „nicht echte Männer“ (wenn sie sich für die Beschneidung im Krankenhaus entscheiden) angesehen werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Berichte über die Verfolgung anderer religiöser Gruppen im Land liegen nicht vor. Einige Analysten vermuten, dass Al Shabaab alle Gruppen außer sunnitischen Muslimen im Visier hat, ihr Hauptziel sind jedoch Christen.

Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2017 heißt es: „Muslimische Minderheitengruppen, insbesondere solche somalischer Abstammung, wurden Berichten zufolge weiterhin von Nichtmuslimen schikaniert. [...] Nach Angaben religiöser Leiter reagierten einige muslimische Jugendliche auf angebliche Misshandlungen durch nichtmuslimische Polizisten (die aus anderen Regionen kamen), indem sie die Besitztümer lokaler Christen verwüsteten.“ Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2020 gibt es keine Hinweise, dass sich diese Praktiken geändert haben.

9. Der Ausblick für Christen

Kenia hat bedeutende politische, strukturelle und wirtschaftliche Reformen erlebt, die im letzten Jahrzehnt weitgehend zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum, sozialer Entwicklung und politischen Errungenschaften geführt haben. Zu den wichtigsten Herausforderungen für die Entwicklung gehören jedoch nach wie vor Armut, Ungleichheit und die Anfälligkeit der Wirtschaft für interne und externe Erschütterungen.

Das Land ist immer noch anfällig für Sicherheitsbedrohungen, solange die kenianischen Streitkräfte in den Konflikt in Somalia verwickelt bleiben, da Al Shabaab Kenia hauptsächlich als Vergeltung für sein Engagement in Somalia angreift.

Islamische Unterdrückung

Dies ist seit vielen Jahren die Haupttriebkraft der Verfolgung in Kenia. Die Bedrohung durch Al Shabaab hat dem Land im Allgemeinen und den Christen im Besonderen permanent schwerwiegende Probleme bereitet. Regelmäßig kommt es zu Morden, Entführungen und Angriffen auf Kirchen, insbesondere in den Küstengebieten und im Nordosten des Landes. Solange Al Shabaab nicht besiegt wird, wird diese militante Gruppe wahrscheinlich weiterhin junge kenianische Muslime in ihre Reihen rekrutieren. Darüber hinaus wird die Verfolgung weitergehen, die von Familienmitgliedern und dem sozialen Umfeld ausgeht (ungeachtet dessen, was mit Al Shabaab geschehen würde), denn in den muslimisch dominierten Gebieten sind Religion und ethnische Identität miteinander verflochten.

Organisiertes Verbrechen und Korruption

Als eine der korruptesten Nationen weltweit (Rang 144 von 180 Ländern) toleriert Kenias politische Kultur Korruption auf allen Ebenen. Diese Toleranz hat einige Analysten sogar zu der Annahme veranlasst, dass dieser Zustand Al Shabaab geholfen hat, einige der tödlichen Angriffe im Land durchzuführen. Es gab sogar einen von der kenianischen Armee zurückgewiesenen Bericht, der diese beschuldigte, einen Teil des Erlöses aus illegalem Zucker- und Holzkohlehandel in Somalia einzustreichen, der den Großteil der Finanzierung der Terrorgruppe Al Shabaab ausmacht, welche die Armee eigentlich bekämpfen soll. Die Korruption auf der Ebene der lokalen Behörden wird vor allem für Kirchen eine Herausforderung bleiben.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kenia:

  • In den überwiegend muslimischen Gebieten im Nordosten und an der Küste Kenias nutzen politische Gruppen die Unzufriedenheit der Menschen mit der Regierung, um Extremismus zu verbreiten, mit direkten und indirekten Folgen für die Kirche. Beten Sie um Weisheit und Sorgfalt der Regierung im Umgang mit den Missständen und dass es ihr gelingt, die Menschen in Kenia zu vereinen.
  • Al Shabaab hat Christen getötet, Kirchen zerstört und Christen zur Flucht gezwungen. Beten Sie um Gottes Schutz für seine Gemeinde in dieser Region.
  • Die christliche Gemeinde in Kenia hat nur begrenzte Kapazitäten, um Christen muslimischer Herkunft zu begleiten. Beten Sie um Weisheit und mehr Mitarbeiter für diesen Dienst.
  • Beten Sie für Seminare zum Umgang mit Verfolgung, dass diese die Christen in ihrem Glauben an Jesus stärken und ihnen helfen, in biblischem Sinne auf Bedrohung und Angriffe wegen ihres Glaubens zu reagieren.
  • Viele Christen haben bei gezielten Angriffen schwere Traumata erlitten. Beten wir um Heilung und für Programme zur Traumabegleitung.
  • Beten Sie um Schutz und Mut für Christen mit muslimischem Hintergrund, die hauptsächlich in den muslimisch dominierten Gebieten im Nordosten und entlang der Küste leben. Im Allgemeinen sind diese Konvertiten einem starken Druck ausgesetzt, ihren Glauben zu widerrufen.

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