Länderprofil Kenia

Kenia

40
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Kenia
Hauptreligion
Christentum
Offizielle Staatsform
Republik
Platz Vorjahr
32
ISO
KE
Karte Kenia
Christen
41,65
Bevölkerung
50.95
Islamische Unterdrückung
Organisiertes Verbrechen und Korruption
Privatleben: 11.700
Familienleben: 10.600
Gesellschaftliches Leben: 10.100
Leben im Staat: 8.300
Kirchliches Leben: 11.500
Auftreten von Gewalt: 8.300

Länderprofil Kenia

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 40 / 61 Punkte (WVI 2018: Platz 32 / 62 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Islamische Unterdrückung: Inspiriert von islamisch-extremistischen Einflüssen aus Somalia, streben eine Reihe von Politikern aus mehrheitlich muslimischen Gebieten die Verdrängung aller Kirchen aus ihren Wahlkreisen an. Al Shabaab führt Selbstmordattentate und andere gewaltsame Aktionen gegen diejenigen durch, die sie als Feinde des Islam wahrnehmen. Die Gruppe soll Verbindungen zu anderen militanten Gruppen wie Al Kaida in Algerien und Boko Haram in Nigeria haben. Die Angriffe der Gruppe auf Kenia gelten als strategisches Bemühen, Zuspruch für ihre Bewegung zu gewinnen. Davon ist besonders der nordöstliche Teil des Landes betroffen.

Organisierte Korruption und Kriminalität: In Kenia grassiert die Korruption. Diejenigen, die gegen Christen agieren, genießen oft Straffreiheit, was wiederum weitere Verfolgung fördert. Im Jahr 2017 stand Kenia auf Platz 143 des weltweiten Korruptionsindex (CPI).

Von wem geht Verfolgung aus?

Die Verfolgung in Kenia hat verschiedene Ursachen:

Der dominante Akteur in dieser Hinsicht ist die islamische militante Gruppe Al Shabaab. Diese Gruppe ist zwar in Somalia ansässig, hat aber zahlreiche Angriffe auf Christen im mehrheitlich christlichen Kenia durchgeführt. Die muslimische Minderheit (deutlich unter 10 % der Gesamtbevölkerung) lebt hauptsächlich im Nordosten und an der Küste Kenias, und genau in diesem Gebiet wurden die meisten Angriffe durchgeführt. Viele Christen in den genannten Regionen sind von dort geflohen und an andere Orte umgezogen.

Einige der Stammesführer, insbesondere im Nordosten des Landes, zeigen eine christenfeindliche Einstellung, gerade auch dort, wo sich Islam und Stammesdenken miteinander verbinden.

Die Anstrengungen der Regierung, den Säkularismus durchzusetzen, bringt für die Kirchen und einzelne Christen große Herausforderungen mit sich: Sie werden aufgefordert Dinge zu tun, die ihrem Glauben widersprechen.

Korruption ist in Kenia weit verbreitet. Insbesondere korrumpierte Beamte verschließen die Augen vor den Aktivitäten von Verfolgern.

Wie äußert sich die Verfolgung?

In Kenia sind alle christlichen Gemeinschaften von Verfolgung betroffen. Vor allem Christen mit muslimischem Hintergrund im Nordosten und an der Küste leben unter ständiger Bedrohung durch Angriffe, auch von ihren engsten Angehörigen. Im Berichtszeitraum des WVI 2019 wurden Christen angegriffen und zur Flucht aus ihren Dörfern gezwungen. Es wurde berichtet, dass Al Shabaab die lokale Bevölkerung infiltriert hat, um die Aktivitäten der Christen in diesen Gebieten zu überwachen. Aber auch Organisiertes Verbrechen und Korruption sind ein ernstes Problem. Korrumpierte Beamte ergreifen keine Maßnahmen gegen diejenigen, die Christen verfolgen, und das wiederum fördert weitere Verfolgung.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • In einigen Teilen des Nordostens und der Küstenregionen werden Christen oft geächtet und vom Zugang zu gemeinschaftlich genutzten Ressourcen ausgeschlossen.
  • Am 16. Februar 2018 wurden drei christliche Mitarbeiter in der Nacht vermutlich von Al-Shabaab-Kämpfern in einer Grundschule in Kenia ermordet, 100 Meilen von der somalischen Grenze entfernt.
  • Am 4. Mai 2018 wurden in Mandera vier Christen von Al-Shabaab-Kämpfern in dem Steinbruch, in dem sie arbeiteten, brutal ermordet.

Meldungen und Beiträge zu Kenia

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Im Gespräch mit Frederick
Kenia
Im April 2015 überlebte Fred nur knapp den Anschlag auf die Universität von Garissa. Letzte Woche hat er uns besucht und von der heutigen Situation und Gottes Auftrag für ihn berichtet.
Nachrichten Nachrichten
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(Open Doors, Kelkheim) – Am 6. September um 1.30 Uhr morgens überfiel eine Gruppe von etwa 30 schwerbewaffneten Männern in Militärkleidung eine Siedlung nahe dem Dorf Hindi in West-Lamu.
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Kenia: Ermordet weil sie an Jesus festhielten
Kenia
(Open Doors, Kelkheim) – Am vergangenen Freitag, dem 18. August, kam es in der ostkenianischen Küstenprovinz Lamu zu einem tödlichen Überfall auf Christen. Die vier Männer hatten sich geweigert, das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada) zu rezitieren.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Kenia belegt mit 61 Punkten Platz 40 auf dem WVI 2019; das entspricht einem Rückgang um einen Punkt gegenüber dem WVI 2018. Die Verfolgung von Christen in Kenia beträgt nach wie vor ein sehr hohes Maß. Der Hauptgrund für den Rückgang der Punktzahl war eine geringere Wertung im Bereich Auftreten von Gewalt, bedingt durch einen leichten Rückgang der Anzahl der Angriffe von Al Shabaab und deren Unterstützern.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Obwohl Kenia ein mehrheitlich christliches Land ist (etwa 81,7 % der Bevölkerung sind Christen), ist Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung. Die World Christian Database schätzt den muslimischen Anteil an der kenianischen Bevölkerung auf 7,9 %; die Mehrheit von ihnen sind Sunniten. Die muslimische Bevölkerung lebt hauptsächlich im Nordosten und an der Küste Kenias, hat sich aber auch in anderen Teilen des Landes ausgebreitet und begonnen, auf die von ihnen wahrgenommene Benachteiligung in der kenianischen Gesellschaft zu reagieren. Inspiriert von islamisch-extremistischen Einflüssen aus Somalia, streben eine Reihe von Politikern aus mehrheitlich muslimischen Gebieten die Verdrängung aller Kirchen aus ihren Wahlkreisen an. Auch der nordöstliche Teil des Landes ist stark von der islamischen Unterdrückung betroffen. Extremistische Muslime, die in Kenia leben, und Militante, die die Grenze von Somalia kommend überschreiten, verfolgen Christen schwer und haben in den letzten Jahren Hunderte von Christen allein wegen ihres Glaubens ermordet. Um die Herausforderung für Christen im Nordosten und an der Küste zu unterstreichen, berichtete ein Experte für das Land: „Die östlichen Bezirke an der Küste standen historisch betrachtet lange Zeit unter starkem islamischem Einfluss – hier sind Muslime zuerst gelandet (lange vor den christlichen Missionaren in Kenia), wie generell entlang der Ostküste Afrikas. Zu den Bezirken, in denen mittlere bis sehr schwere durch diese Triebkraft motivierte Übergriffe verübt werden, gehören Mandera, Wajir, Garissa, Lamu, Kilifi und Kwale.“

Organisierte Korruption und Kriminalität

In Kenia ist Korruption weit verbreitet und betrifft sowohl das öffentliche als auch das private Leben. Nach dem Korruptionsindex von Transparency International vom Februar 2018 rangiert Kenia auf Platz 143 von 180 Ländern auf der Liste der korruptesten Länder. Das Vorhandensein von Korruption in Kenia führt zu einer unzureichenden Bestrafung von Verfolgern. Viele Institutionen, darunter das Parlament, die Justiz und insbesondere die Exekutive, sind betroffen. Dies wiederum wirkt sich auf den Zugang der christlichen Gemeinschaften zu Recht und Schutz durch die Polizei aus, wenn dies erforderlich ist. Es gibt lokale Berichte, die darauf hindeuten, dass Al Shabaab die tödlichen Angriffe auf die Garissa University im April 2014 durchführen konnte, weil Bestechungsgelder an Sicherheitsbeamte für das Einschmuggeln von Waffen und Munition gezahlt wurden. Darüber hinaus gibt es in der nordöstlichen Region Berichte über Al Shabaab und ihre Anhänger, die ein Vermögen verdienen, indem sie große Geldsummen an Beamte zahlen, um ungestört Zucker und andere Waren über den Hafen von Kismayo importieren zu können. In diesem Zusammenhang ist die Verfolgung von Christen zu sehen. Korrumpierte Beamte ergreifen keine Maßnahmen gegen diejenigen, die Christen verfolgen, und das wiederum fördert weitere Verfolgung.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Die extremistisch-militante Gruppe Al Shabaab ist der Hauptakteur der Verfolgung in Kenia. Die Gruppe stammt aus Somalia; ihr Hauptziel ist die Gründung eines islamischen Staates in ihrem Heimatland. Ihre Präsenz in Kenia begann mit einem Vergeltungsschlag als Reaktion auf die bewaffnete Intervention Kenias in Somalia. Dabei hatten kenianische Soldanten in den Reihen der Friedenstruppen der Afrikanischen Union gekämpft, um den Aufstand in Somalia zu unterdrücken. Al Shabaab verübt Selbstmordattentate und andere gewaltsame Aktionen gegen alle, die sie als Feinde des Islam einordnet. Die Gruppe soll Verbindungen zu militanten Gruppen in Algerien und Nigeria haben.
Auch muslimische Leiter von Familien und Kommunen gehören zu den Verfolgern; insbesondere in Bezug auf Konvertiten aus dem Islam. Weitere Verfolger sind bis zu einem gewissen Grad Regierungsbeamte und einige ethnische Leiter.

Ausgehend von Organisiertem Verbrechen und Korruption

Die hohe Verbreitung der organisierten Korruption im Land hat auch die Wahrung der Rechtsstaatlichkeit erschwert. In diesem Zusammenhang werden Christen Opfer von Verfolgung und haben nur begrenzte Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren. Zu den Verfolgern gehören gewalttätige Gruppen, kriminelle Kartelle und Regierungsbeamte.

4. Hintergrund

Die Analyse der Situation in Kenia wäre unvollständig, ohne die Präsidentschaftswahlen 2017 und die Rolle des Obersten Gerichtshofs in Kenia zu erwähnen. Kenias Oberster Gerichtshof hat die Präsidentschaftswahlen im August 2017 für ungültig erklärt, eine Wahl, die von internationalen Beobachtern für „ziemlich frei und fair“ erklärt wurde, darunter vom ehemaligen US-Außenminister John Kerry. Das Gericht entschied, dass die Durchführung der Wahl nicht den in der Verfassung festgelegten Standards genügt habe. Während der Vorbereitung auf die neuen Wahlen entstand ein Sicherheitsvakuum, das Al Shabaab ausnutzte und Nichtmuslime in den Grenzgebieten zu Somalia enthauptete.

Die Verfolgung in Kenia aufgrund islamischer Unterdrückung weist teilweise Züge von ethnischen Säuberungen auf. Hinzu kommen weitere Faktoren, die für das Verständnis der Verfolgungsdynamik im Hintergrund der kenianischen Gesellschaft relevant sind. Zunächst einmal hat Kenia eine sehr komplexe ethnische Zusammensetzung, die im politischen Alltag des Landes immer eine Rolle spielt. Zweitens ist Kenia ein Land mit einer christlichen Mehrheit und einem deutlich kleineren muslimischen Bevölkerungsanteil. Diese muslimische Minderheit ist in vielen Bereichen des Landes politisch aktiv und mächtig geworden. Darüber hinaus leidet Kenia unter periodischen Ausbrüchen gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Ethnien und Stämmen. Dies hat oft eine politische Dimension; die gewalttätigen Folgen der Wahlen in den Jahren 2007-2008 (von denen allgemein angenommen wurde, dass sie manipuliert waren) sind dafür ein gutes Beispiel.

Ein weiterer Faktor für das Verständnis der aktuellen Verfolgungsdynamik in Kenia ist die Rolle der Religion. Bis vor kurzem existierten in Kenia keine interreligiösen Konflikte. Christen und Muslime schienen in relativem Frieden zusammenzuleben. Das hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Vor allem der Nordosten und die Küstenregionen sind zu Brennpunkten extremistisch-islamischer Aktivitäten geworden, was ein wesentlicher Faktor für religiöse Gewalt ist. Kenia hat eine lange Grenze zu Somalia und wird von der dortigen instabilen Sicherheitslage beeinflusst. Darüber hinaus führen kenianische Streitkräfte Kämpfe in Somalia. Eine große Zahl von Flüchtlingen aus verschiedenen Nachbarländern, darunter Somalia, findet derzeit Zuflucht in Kenia. Im Kontext der islamischen Unterdrückung ist die militante Gruppe Al Shabaab die größte Bedrohung und treibt die Verfolgung in Kenia voran. Die Gruppe konzentriert ihre Angriffe besonders auf die Gebiete von Mombasa, Mandera, Garissa, Wajir, Lamu und Tana River. Andere Bedrohungen, die zur Verfolgung von Christen führen, sind extremistische muslimische Gemeinschaften, die durch den Einfluss von Al Shabaab indoktriniert sind. Diese greifen besonders Konvertiten aus dem Islam an.

Kenia führte 2010 ein Referendum durch, bei dem eine neue Verfassung mit einer neuen Regierungsstruktur verabschiedet wurde. Im vergangenen Jahr hat die Regierung auch die Umsetzung ihres Programms des Säkularismus intensiviert, das die Freiheit der Christen einschränkt. In diesem Zusammenhang entwickelt die Regierung Richtlinien und setzt sie um, auch wenn einige davon im Widerspruch zu christlichen Überzeugungen stehen. Beispiele sind neue Schulcurricula, die Gender-Themen enthalten, wie auch andere Richtlinien, die die Kirchen zur Anpassung an andere Standpunkte zwingen. Wichtig ist auch das Ausmaß der Korruption in Kenia. Die Korruption in öffentlichen Einrichtungen ist weit verbreitet und schwächt den Schutz der Bürger ernsthaft. Nicht zuletzt wurde der Mombasa Republican Council (MRC, eine Gruppe, die auf die Abspaltung des Nordostens und der Küstenregion hinarbeitet) von den kenianischen Behörden mit terroristischen Gruppen wie Al Shabaab in Verbindung gebracht. Zahlreiche Kirchen wurden im Laufe der Jahre in der Küstenregion zerstört, und viele Christen wurden gezwungen, das Gebiet zu verlassen.

5. Betroffene Christen

Alle christlichen Gemeinschaften im Land sind mit Verfolgung konfrontiert, auch wenn das Ausmaß der Verfolgung davon abhängt, wo sie leben und zu welchen christlichen Gruppen sie gehören. So ist beispielsweise im Nordosten und in den Küstenregionen das Ausmaß der Verfolgung so stark, dass einige Christen ihren Glauben mit dem Leben bezahlen müssen.

Christen aus traditionellen Kirchen

Kirchen dieser Kategorie gibt es in vielen Teilen des Landes. Die Art und Intensität der Verfolgung, der sie ausgesetzt sind, variieren von Region zu Region. In islamisch dominierten Gebieten ist die vorherrschende Triebkraft der Verfolgung Islamische Unterdrückung und die Intensität ist sehr hoch.

Christen muslimischer Herkunft

Christen mit muslimischem Hintergrund sind hauptsächlich in muslimisch dominierten Gebieten im Nordosten und an der Küste (einschließlich Mombasa) anzutreffen. Im Allgemeinen erleben Konvertiten eine andere Verfolgungsdynamik als Christen ohne muslimischen Hintergrund. Sie stehen unter starkem Druck durch Familie und Freunde, und wenn sie von Gruppen wie Al Shabaab entdeckt werden, droht ihnen die Ermordung. Christliche Konvertiten werden auch von Mobs oder kleineren Gruppen aus den lokalen islamischen Gemeinschaften ins Visier genommen.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese Kategorie umfasst baptistische, evangelische, pfingstliche und charismatische Gemeinden. Sie sind im ganzen Land zu finden. Diese Gruppe praktiziert ihren christlichen Glauben am aktivsten und ist daher schweren Formen der Verfolgung ausgesetzt.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 11.7
Familienleben 10.6
Gesellschaftliches Leben 10.1
Leben im Staat 8.3
Kirchliches Leben 11.5
Auftreten von Gewalt 8.3

Grafik: Verfolgungsmuster Kenia

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen in Kenia bleibt hoch. Die Wertung sinkt von 10,5 Punkten im WVI 2018 auf 10,4 im WVI 2019.
  • Der Druck auf Christen liegt in allen Lebensbereichen, außer im Bereich „Leben im Staat“, über 10 Punkten und ist am höchsten (11,7) im Bereich „Privatleben“, was den sehr hohen Druck auf die Konvertiten im Nordosten widerspiegelt. Danach folgt „Kirchliches Leben“ (11,5), ein Hinweis darauf, dass das kirchliche Leben im Nordosten aufgrund von Drohungen von Al Shabaab und ihren Anhängern sehr schwierig ist.
  • Der Wert für Gewalt ist nach wie vor sehr hoch, sank aber von 9,4 Punkten im WVI 2018 auf 8,3 im WVI 2019.

Privatleben

Im Kontext der Islamischen Unterdrückung stehen Christen mit muslimischem Hintergrund vor allem, aber nicht ausschließlich, in ihrem Privatleben unter Druck. So besteht beispielsweise im überwiegend muslimischen Nordostosten und in den Küstenregionen Kenias für Konvertiten die Gefahr tödlicher Angriffe, wenn sie ihre Bekehrung öffentlich machen. Diese Angriffe werden häufig von Familienmitgliedern oder von Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft verübt.

Familienleben

Dies ist ein weiterer Lebensbereich, in dem Konvertiten mit ernsthaften Problemen konfrontiert sind. Die Verweigerung von Land für Bestattungen, Zwangsehen und Schikanen gegen Kinder aus christlichen Familien sind einige der häufigsten Formen des Drucks. Christliche Konvertiten laufen Gefahr, ihr Erbrecht zu verlieren und von ihren Familien verstoßen werden. Frauen mit muslimischem Hintergrund stehen vor großen Herausforderungen, wenn sie heiraten und eine Familie gründen möchten. Es drohen Zwangsheirat und sogar Vergewaltigung.

Gesellschaftliches Leben

Christen im Nordosten und in den Küstenregionen Kenias stehen unter hohem Druck, und in letzter Zeit mehren sich Bedenken, dass Al Shabaab die lokale Bevölkerung infiltriert. Dadurch würde es für Al-Shabaab-Mitglieder leicht, christliche Häuser zu identifizieren. In diesen Gebieten werden sehr häufig Weideflächen und Trinkwasser gemeinsam genutzt. Diese Teilhabe wird Christen in mehrheitlich muslimischen Gebieten jedoch besonders erschwert. Verfolgung geschieht zumeist durch Mitglieder der Familie oder Großfamilie (im Fall von Konvertiten), aber auch durch nichtchristliche religiöse Leiter und Leiter ethnischer Gruppen.

Leben im Staat

Christen aller Kategorien erfahren auf der nationalen Ebene den gleichen Druck. Verfolger sind Regierungsbeamte, politische Parteien muslimischer Prägung und religiöse Leiter im Zusammenspiel mit ihrer Anhängerschaft (d.h. islamistische Bewegungen, denen sich gewöhnliche Bürger anschließen). Die Rolle des organisierten Verbrechens und der Korruption zeigt sich auch in diesem Lebensbereich. Die in den letzten sieben Jahren unternommenen Schritte zur Dezentralisierung wirken sich auch auf die Christen aus. Muslimische Politiker betrachten Christen als für ihre politischen Zwecke unwichtig.

Kirchliches Leben

Der Druck in diesem Bereich ist eng verknüpft mit den Auswirkungen der Gewalt, die islamische Kämpfer in der Region verüben. Diese gezielte Gewalt hat ein Klima der Angst unter den Christen geschaffen. Infolgedessen sind der Bau einer Kirche oder Versammlungen für Aktivitäten in einer Kirche an einigen Orten gefährlich geworden. Das Zusammenwirken von Islamischer Unterdrückung mit Organisiertem Verbrechen und Korruption hat das Kirchenleben komplizierter gemacht als in den Vorjahren. Die Korruption hat die Behörden in ihrer Pflicht, alle Bürger zu schützen, behindert; in den meisten Fällen gewaltsamer Übergriffe gegen Christen wurden keine ordnungsgemäßen Ermittlungen durch die Polizei durchgeführt.

Auftreten von Gewalt

Die Gewalt gegen Christen ist nach wie vor sehr hoch, obwohl es im Vergleich zum WVI 2018 weniger Angriffe von Al Shabaab auf Christen und Unternehmen von Christen gab. Beispiele sind in der Zusammenfassung oben aufgeführt.

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Laut einem Experten für das Land sind „Christliche Mädchen und Frauen in [muslimisch dominierten] Regionen häufiger mit verbaler Gewalt und sozialer Ablehnung konfrontiert. Sie sind auch gezwungen, sehr vorsichtig zu sein, um nicht von Muslimen überfallen und vergewaltigt zu werden. Lehrerinnen in muslimisch dominierten Gebieten beschwerten sich über die ungezügelte sexuelle Belästigung durch ihre muslimischen Schüler und muslimische Männer in der Gesellschaft. Sie sind aber auch in Lebensgefahr, wenn sie von Al Shabaab gefunden werden.“ Ein anderer Experte wies auf bekannt gewordene Berichte hin, denen zufolge Frauen „in Al-Shabaab-Lager im Boni-Wald oder in Somalia gelockt oder entführt und dort als Sexsklaven festgehalten wurden. Sie wurden gezwungen, der Miliz als Ehefrauen oder auch nur als ‚Gebärerinnen der nächsten Generation von Kämpfern‘ zu dienen“.

Männer

Jungen und Männer im Nordosten Kenias und in der Region Lamu sind am stärksten gefährdet, durch Al-Shabaab-Milizen getötet zu werden. So kam es in der Vergangenheit zu gezielten Angriffen auf Christen in Dörfern, bei denen ausschließlich Männer getötet wurden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Berichte über die Verfolgung anderer religiöser Gruppen im Land liegen nicht vor. Einige Analysten vermuten, dass Al Shabaab alle Gruppen außer sunnitischen Muslimen im Visier hat, ihr Hauptziel sind jedoch Christen. Im Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums für 2017 heißt es: „Muslimische Minderheitengruppen, insbesondere solche somalischer Abstammung, wurden Berichten zufolge weiterhin von Nichtmuslimen schikaniert. .... Nach Angaben von Religionsführern reagierten einige muslimische Jugendliche auf angebliche Misshandlungen durch nichtmuslimische Polizisten, die aus anderen Regionen kamen, indem sie die Besitztümer lokaler Christen zerstörten.“

9. Ausblick

Die politische Perspektive

Die kenianische Politik ist voller Dramatik, Unvorhersehbarkeit und Verrat. Gewinner sind oft diejenigen, die es schaffen, die größeren ethnischen Gruppen zu vereinen. In der Nachwahl 2007/8 stand William Ruto, der zu den Kalenjin gehört, auf der Seite von Raila Odinga von den Luo. Im Laufe des Jahres 2013 und danach wechselte Ruto jedoch die Seiten und wurde Vizepräsident für Uhuru Kenyatta von den Kukuyu. Jetzt gibt es Berichte, dass Ruto vom Präsidenten kaltgestellt wird. Diese Vermutung wurde durch eine offizielle Vereinbarung sowie eine gemeinsame Pressekonferenz von Kenyatta und Odinga im Jahr 2018 verstärkt. Sollte Ruto aus dem Amt gedrängt werden, stünde Kenia in den kommenden zwei Jahren eine weitere Runde politischer Auseinandersetzungen mit vergifteter politischer Rhetorik bevor. Im Moment scheint das Land jedoch stabil zu sein, obwohl es nicht in der Lage ist, seine Grenze zu Somalia zu kontrollieren, durch die Al-Shabaab-Kämpfer eindringen und Christen angreifen.

Der Ausblick für Christen

Im Berichtszeitraum des WVI 2019 war Al Shabaab weiterhin aktiv. Es besteht wenig Hoffnung, dass Kenias Regierung die Sicherheit der kenianischen Christen gewährleisten kann. Dies hängt stark mit der institutionalisierten Korruption im Land und der unverändert dramatischen Situation in Somalia zusammen. Ermittlungen wegen Gewalt gegen Christen wurden von der Polizei nicht ordnungsgemäß durchgeführt. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass Christen aufgrund der überwältigenden christlichen Mehrheit in der Bevölkerung politisch und wirtschaftlich dominant bleiben.

Schlussfolgerung

  • Das Ausmaß der Verfolgung in Kenia wird wahrscheinlich auf dem derzeitigen Niveau bleiben – es sei denn, Al Shabaab wird besiegt. Vorerst wird Al Shabaab wahrscheinlich weiterhin junge kenianische Muslime rekrutieren (es sei denn, dies würde durch die Entwicklung einer kohärenten Strategie eingedämmt).
  • Die Tatsache, dass einige Fälle von Korruption auf hoher Ebene aufgedeckt wurden und es bei Führungskräften eine Bereitschaft zur Transparenz gibt, führt zu einer geringen Verbesserung der Korruptionsrate. Dies könnte ausländische Organisationen ermutigen, Hilfe für eine große Zahl von Gemeinschaften bereitzustellen, die von Armut betroffenen sind (die Korruption hat auch das Vertrauen der Geber untereinander beeinträchtigt).
  • Sollte es zu politischen Spannungen im Land kommen, könnte Al Shabaab diese Gelegenheit nutzen, um Angriffe zu starten.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kenia:

  • In den überwiegend muslimischen Gebieten im Nordosten und an der Küste Kenias hat Al Shabaab Christen getötet, Kirchen zerstört und Christen gezwungen, aus ihren Häusern zu fliehen. Beten wir um Gottes Schutz für seine Gemeinde in dieser Region. Beten wir auch um Weisheit und Sorgfalt beim Schutz der Bürger vor Angriffen durch Extremisten.
  • Christen muslimischer Herkunft sind hauptsächlich in muslimisch dominierten Gebieten im Nordosten und an der Küste (einschließlich Mombasa) anzutreffen. Sie stehen unter starkem Druck seitens ihrer Familie und Freunde und müssen befürchten, dass Gruppen wie Al Shabaab sie entdecken und töten. Beten wir um Gottes Schutz und Mut für sie. Beten wir, dass die Regierung die Weisheit hat, das Volk in Gerechtigkeit zu regieren.
  • Beten wir für diejenigen, die das Evangelium in muslimisch dominierten Regionen verkündigen, dass Gott sie stärkt und ihnen Angst und Entmutigung nimmt, damit sie ihrem Auftrag treu bleiben.
  • Beten wir für Gottes Weisheit und Schutz für die Mitarbeiter von Open Doors. Sie dienen den Kirchen, um sie für den Umgang mit dem Islam und ehemaligen Muslimen, die Jüngerschaft brauchen, zu stärken. Sie unterstützen Gemeinden und lokale Gemeinschaften in Verfolgungssituationen, helfen mit Trauma-Seelsorge und leiten Christen in Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekten an.

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