Länderprofil Kuweit

Kuwait

49
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Kuwait
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Konstitutionelle Monarchie
Platz Vorjahr
48
Karte Kuweit
Christen
0,52
Bevölkerung
4.36
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.500
Familienleben: 13.700
Gesellschaftliches Leben: 9.800
Leben im Staat: 12.300
Kirchliches Leben: 13.100
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Kuwait

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 49 / 64 Punkte (WVI 2021: Platz 48 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Ausländische Christen können ihren Gottesdienst relativ frei feiern. Allerdings ist die Anzahl der Räumlichkeiten, für die eine gottesdienstliche Nutzung genehmigt ist, sehr begrenzt, was zu Spannungen zwischen christlichen Gruppen führen kann. Es ist extrem schwierig, weitere Grundstücke zu erhalten. Evangelisation ist streng verboten und führt zur Ausweisung aus dem Land. Christen mit muslimischem Hintergrund werden sowohl von der Familie als auch von der Gemeinschaft unter Druck gesetzt, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Sie riskieren Diskriminierung, Belästigung, polizeiliche Überwachung und Einschüchterung durch extremistische Gruppen. Außerdem wird der Übertritt vom Islam zu einem anderen Glauben nicht offiziell anerkannt und kann zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen führen. Ausländische Konvertiten, die sich in Kuwait dem christlichen Glauben zugewandt haben, erleben ähnlichen Druck wie in ihren Heimatländern, da sie oft mit anderen Gastarbeitern ihrer Ethnie oder Nation zusammenleben. Es gibt allerdings kaum Berichte über Christen, die wegen ihres Glaubens getötet, inhaftiert oder zu Schaden gekommen sind.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Kuwait ist eine konstitutionelle Monarchie und war das erste arabische Land in der Golfregion, das ein gewähltes Parlament hatte. Das Land versucht, auf internationaler Ebene eine neutrale Position einzunehmen und schneidet bei den bürgerlichen Freiheitsrechten und der Pressefreiheit besser ab als seine Nachbarländer. Abweichende und oppositionelle politische Meinungen werden jedoch unterdrückt, und die Rechte von Gastarbeitern sind ernsthaft eingeschränkt.

In der Verfassung sind der Islam als Staatsreligion und das islamische Recht als Hauptquelle der Gesetzgebung verankert. Die Verfassung garantiert jedoch auch die Freiheit der Religionsausübung, solange sie nicht gegen „die öffentliche Ordnung oder die guten Sitten verstößt“. 70 Prozent der Kuwaiter sind Sunniten, aber es gibt eine bedeutende schiitische Minderheit. Die meisten Christen sind Ausländer. Es gibt auch eine kleine Anzahl an christlichen Konvertiten aus dem Islam, von denen etwa 290 einheimische kuwaitische Christen sind.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

520.000

11,9

Muslime

3.612 000

82,8

Hindus

164.000

3,8

Agnostiker

35.000

0,8

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Kuwait ist ein sehr kleines Land. Die Risiken, mit denen Christen – und vor allem Konvertiten vom Islam zum christlichen Glauben – rechnen müssen, hängt davon ab, in welchem sozialen Umfeld und nicht an welchem Ort sie leben.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Die Gesellschaft ist im Allgemeinen konservativ. In der Vergangenheit waren die Kuwaiter tolerant gegenüber Nichtmuslimen, doch dies hat sich aufgrund des wachsenden Einflusses extremistischer islamischer Gruppen, die keine Christen im Land haben wollen, zu ändern begonnen. Es ist bekannt, dass kuwaitische Staatsbürger im Irak und in Syrien für den „Islamischen Staat“ (IS) gekämpft haben. Gesellschaft und Regierung setzen konservative islamische Gebräuche und Regeln in der Öffentlichkeit durch, indem sie beispielsweise öffentliche Kleidervorschriften vorschreiben, den Alkoholkonsum verbieten und gegen jegliche Kritik am Islam vorgehen.

Unterdrückung durch den Clan oder Stamm

In Kuwait ist der Islam Teil der Stammeskultur. Anfeindungen betreffen besonders Christen mit muslimischem Hintergrund, denn die Abkehr vom Islam wird nicht nur als religiöser Verrat, sondern auch als Untreue gegenüber Familie und Stamm angesehen. Familien können christliche Konvertiten verstoßen oder starken sozialen Druck ausüben, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen.

Diktatorische Paranoia

Obwohl das Land eines der stärksten Parlamente der Region hat, diktiert die regierende sunnitische Königsfamilie immer noch den Alltag. Die Regierung ist in vielerlei Hinsicht sehr restriktiv. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass es ein sehr kompliziertes und langwieriges Verfahren ist, eine Kirche registrieren zu lassen. Auch lässt die Regierung keine Kritik an staatlichen Angelegenheiten zu. (2016 wurden zwei regierungskritische Abgeordnete und ihre Verbündeten zu Haftstrafen verurteilt.) Ausländer, die sich gegen die Regierung aussprechen, werden häufig ausgewiesen, und Journalisten, deren Berichte das Staatsoberhaupt kritisieren, werden häufig strafrechtlich verfolgt.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die Mehrheit der Christen in Kuwait sind ausländische christliche Arbeitsmigranten. Es gibt sieben offiziell anerkannte christliche Kirchen: die Nationale Evangelische Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, die Griechisch-Katholische (Melkitische) Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Armenisch-Orthodoxe Kirche, die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Anglikanische Kirche. Christen dieser Kirchen können ihre Gottesdienste ohne Einmischung der Regierung abhalten, sofern sie die Nachbarn nicht stören oder keine Gesetze bezüglich Evangelisation übertreten.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft werden von ihrer Familie, ihrem sozialen Umfeld, extremistischen Muslimen und den Behörden unter Druck gesetzt. Dies umfasst Diskriminierung, Belästigung, polizeiliche Überwachung und Einschüchterung. Der Übertritt vom Islam zu einem anderen Glauben wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt häufig zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.5
Familienleben 13.7
Gesellschaftliches Leben 9.8
Leben im Staat 12.3
Kirchliches Leben 13.1
Auftreten von Gewalt 1.1

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Obwohl der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben gesetzlich nicht verboten ist, wird nur der Übertritt zum Islam offiziell anerkannt. Kuwait ist eine konservative und stammesorientierte Gesellschaft: Ein Glaubenswechsel wird als Verrat am Islam, am Stamm und an den Familienwerten betrachtet und heftig bekämpft. Ausländische Christen können der Missionierung beschuldigt werden, wenn sie mit Muslimen über ihren Glauben sprechen. Diese Beschuldigung führt häufig zur Ausweisung. Tragen ausländische Christen ein Kreuz (als Schmuck), kann dies zu negativen Bemerkungen oder anderen Belästigungen führen, besonders wenn sie in einem kuwaitischen Haushalt arbeiten (z. B. als Hausangestellte).

Familienleben

Alle Kinder, die von Kuwaitern geboren werden, gelten als Muslime – auch dann, wenn sich ihre Eltern dem christlichen Glauben zugewandt haben. Eine kuwaitische Christin mit muslimischem Hintergrund darf rechtlich nur einen Mann heiraten, der ebenfalls als Muslim geboren wurde. Christen muslimischer Herkunft erhalten oft kein Erbe von ihren verstorbenen Eltern, da sie durch ihre Abwendung vom Islam Schande auf die Familie gebracht haben.

Gesellschaftliches Leben

Christen werden nicht nur von der Regierung, sondern auch von der Gesellschaft überwacht, und die Menschen informieren die Behörden, wenn sie von Aktivitäten wie Evangelisationen erfahren. Bekanntgewordene christliche, kuwaitische Konvertiten werden diskriminiert und haben große Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden. Christliche Gastarbeiter können am Arbeitsplatz Diskriminierung erfahren. Ihr christlicher Glaube macht sie besonders angreifbar, aber auch Rassismus spielt oft eine große Rolle.

Leben im Staat

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion und ein Übertritt vom Islam zu einem anderen Glauben kann aufgrund der Apostasiebestimmungen im islamischen Recht nicht anerkannt werden. Nur christliche Organisationen mit einem klaren Nutzen für die kuwaitische Gesellschaft, wie z. B. ein Krankenhausbetreiber, dürfen tätig sein.

Kirchliches Leben

Die Regierung hat nichtmuslimischen Missionaren die Arbeit in dem Land verboten. Offen christliche Konvertiten in Kirchengemeinden aufzunehmen oder kirchliche Aktivitäten zu organisieren, die sich an muslimische Jugendliche richten, würde als deutliches Zeichen für Evangelisation gewertet werden. Der Verkauf von christlichem Material ist nur auf dem Kirchengelände erlaubt. In den vergangenen Jahren hat die Verteilung von christlichen Schriften durch einen ausländischen Christen zu dessen Ausweisung geführt.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

Aufgrund der Lockdownmaßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie gingen christliche Aktivitäten deutlich zurück. Infolgedessen wurden weniger gewalttätige Vorfälle gemeldet. Im Allgemeinen suchen die meisten kuwaitischen christlichen Konvertiten nach ihrem Glaubenswechsel Zuflucht außerhalb des Landes, was darauf hinweist, dass sie in ihrer Heimat unter sehr hohem Druck stehen.

Gewalttätige Vorfälle gegen Christen werden nur selten gemeldet. Vorfälle, bei denen christliche Gastarbeiter ins Visier genommen werden, werden wahrscheinlich nicht gemeldet, weil niemand ein Interesse daran hat, Einzelheiten zu veröffentlichen. Das Opfer möchte seinen Arbeitsplatz behalten, und andere sind nicht daran interessiert, solche Vorfälle aufzuzeichnen. Zweitens ist es schwierig zu erkennen, ob eine Misshandlung nur auf den christlichen Glauben eines Gastarbeiters zurückzuführen ist oder nicht.

Es ist jedoch anzunehmen, dass Tausende von ausländischen Christen misshandelt werden, und dass dies während der Covid-19-Pandemie noch zugenommen hat. Dem Bericht „All Work, No Pay“ von Amnesty International aus dem Jahr 2019 zufolge leiden tausende Arbeitsmigranten weiterhin unter Misshandlungen bei der Arbeit, allen Versprechungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen zum Trotz. In einem früheren Bericht („My Sleep Is My Break“, 2014) hat Amnesty International auf sexuellen Missbrauch von Arbeitsmigrantinnen, von denen viele Christinnen sind, hingewiesen.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

49

63,57

2021

48

63,07

2020

43

61,89

2019

43

59,76

2018

34

61,17

Kuwaits Anstieg um einen Punkt im Vergleich zum Weltverfolgungsindex 2021 ist auf einen leichten Anstieg des Drucks in den Bereichen Privatleben und Familienleben zurückzuführen. Während ausländische Christen ihren Glauben relativ frei praktizieren können, sind christliche Konvertiten aus dem Islam am stärksten von Verfolgung betroffen, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch von der örtlichen Gemeinschaft heftig angefeindet werden.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: In einem Land, in dem die Zahl der ausländischen Bevölkerung höher ist als die der einheimischen, ist die Misshandlung ausländischer Hausmädchen, von denen viele Christinnen sind, ein großes Problem. Sexueller Missbrauch ist weit verbreitet, und Covid-19 hat den häuslichen Missbrauch verstärkt. Einheimische Christinnen mit muslimischem Hintergrund werden von ihren Familien stark unter Druck gesetzt, ihren neuen Glauben aufzugeben. Sie riskieren Hausarrest, sexuelle Belästigung, Scheidung und Zwangsheirat mit einem Muslim. Ihnen wird auch der Ehrenmord angedroht. Frauen mit muslimischem Hintergrund ist es rechtlich nicht möglich, Nichtmuslime zu heiraten. Dies macht es schwierig, eine Familie nach christlichen Werten zu gründen.

Männer: Für die wenigen christlichen, kuwaitischen Konvertiten geht der meiste Druck von der Familie und dem sozialen Umfeld aus. Am stärksten wird dies von Frauen und Mädchen empfunden, gefolgt von jüngeren, und dann von älteren Männern. Dies zeigt den höheren Status von (älteren) Männern und ihr höheres Maß an Freiheit innerhalb der Gesellschaft. Männer, die sich zum christlichen Glauben hinwenden, riskieren, von ihrer Familie abgelehnt zu werden und gleichzeitig Respekt und finanzielle Unterstützung zu verlieren. Dies führt häufig dazu, dass männliche Christen mit muslimischem Hintergrund gezwungen sind, das Elternhaus zu verlassen, was zu Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche führt und ihre Heiratsaussichten stark einschränkt. Vor allem christliche Männer sind am Arbeitsplatz Diskriminierungen ausgesetzt.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Religiöse Minderheiten (wie die schiitische Gemeinschaft) werden diskriminiert und müssen vorsichtig agieren. Religiöse Gruppen wie Hindus, Buddhisten und Sikhs können ihren Glauben relativ frei im Privaten praktizieren, es fehlt ihnen jedoch an Gottesdiensträumen, und sie müssen darauf achten, dass sie ihre Nachbarn nicht stören und sie keine Werbung für Veranstaltungen machen. Konservative Regierungsmitglieder betrachten alle religiösen Aktivitäten von Nichtmuslimen mit Misstrauen und opponieren dagegen auf allen Ebenen. In den letzten Jahren wurden Menschenrechtsaktivisten und andere wegen „der Verbreitung von Atheismus und Säkularismus” verurteilt.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kuwait:

  • Für den Schutz der Christen in Kuwait.
  • Für ein Ende des sexuellen Missbrauchs von Gastarbeitern. Bitten Sie Jesus Christus, all diejenigen zu heilen, die dies durchleben mussten.
  • Für Weisheit und Mut bei den Christen, um anderen von Jesus zu erzählen.