Länderprofil Kuweit

Kuwait

43
Weltverfolgungsindex
2020
Flagge Kuwait
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
43
ISO
KW
Karte Kuweit
Christen
0,51
Bevölkerung
4.25
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.200
Familienleben: 13.100
Gesellschaftliches Leben: 9.900
Leben im Staat: 11.500
Kirchliches Leben: 13.400
Auftreten von Gewalt: 0.700

Länderprofil Kuwait

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 43 / 62 Punkte (WVI 2019: Platz 43 / 60 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. November 2018 – 31. Oktober 2019

Zusammenfassung

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten können sich relativ frei zu Gottesdiensten versammeln. Allerdings sind die vorhandenen Räumlichkeiten, die als Orte für gottesdienstliche Versammlungen registriert sind, im Verhältnis zur Anzahl der Gottesdienstbesucher sehr klein, was zu Spannungen zwischen den einzelnen christlichen Gruppen führen kann. Es ist äußerst schwierig, Räumlichkeiten für eine christliche Versammlung zu erhalten.

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch vom sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihrem christlichen Glauben abzusagen. Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von gewalttätigen Gruppen auf verschiedene Arten eingeschüchtert zu werden. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt meist zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Standes und Besitzes. Ausländische Muslime, die zum christlichen Glauben konvertieren, sind ähnlichem Druck ausgesetzt wie in ihren Heimatländern, da sie häufig in ihren eigenen nationalen oder ethnischen Gemeinschaften leben. Abgesehen davon gibt es verschwindend wenige Berichte darüber, dass Christen wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Mehrere Christen mussten innerhalb des Landes umziehen, weil sie von der Gesellschaft unter Druck gesetzt worden waren.
  • Missbrauch ausländischer (Haus-) Angestellter ist ein weitverbreitetes Phänomen. Der Fall einer philippinischen Hausangestellten, die im Februar 2018 tot in einer Gefriertruhe aufgefunden wurde, ist dabei nur die Spitze des Eisberges. Angesichts der hohen Anzahl von Christen unter den Arbeitsmigranten ist davon auszugehen, dass die zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch bei Hausangestellten nicht nur mit ihrem ethnischen Hintergrund, sondern auch mit ihrem Glauben zu tun haben. Mit anderen Worten: Es ist wahrscheinlich, dass ihr christlicher Glaube (sie gelten als Ungläubige) zu ihrer Gefährdung beiträgt.
  • Die Regierung gibt islamischen Religionsunterricht für alle Schüler in staatlichen und privaten Schulen vor. Christlicher Unterricht ist in öffentlichen Sekundarschulen verboten – selbst wenn die Schüler anerkannten christlichen Gruppen angehören.
  • Laut aktuellem Jahresbericht 2017/18 der Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ „haben die Behörden das Recht auf Meinungsfreiheit weiterhin übermäßig eingeschränkt. Sie verfolgen und inhaftieren Regierungskritiker und Onlineaktivisten aufgrund von Äußerungen, die mittels strafrechtlicher Bestimmungen kriminalisiert wurden; sie seien beleidigend gegen den Emir oder für die Beziehung zu Nachbarstaaten schädlich gewesen.“ Das zeigt, in welch restriktivem Umfeld die Christen in Kuwait leben müssen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit einer Wertung von 62 Punkten belegt Kuwait Platz 43 auf dem Weltverfolgungsindex 2020.

Die Punktzahl für Kuwait ist um zwei Punkte gegenüber dem Weltverfolgungsindex 2019 angestiegen, das Land bleibt aber auf Rang 43. Der Anstieg der Punktzahl ist vor allem auf den Zugang zu neuen Quellen sowie auf die Tatsache zurückzuführen, dass mehrere Länderexperten zu der Frage konsultiert wurden: Wie groß ist der Druck, dem die Christen in Kuwait im Vergleich zu den benachbarten Golfstaaten ausgesetzt sind? Dies führte zu einer leicht höheren Punktzahl für den Druck in einigen Lebensbereichen. Der Druck bleibt auf einem sehr hohen Niveau, wobei die Christen muslimischer Herkunft die Hauptlast der Verfolgung tragen, da sie sich dem Widerstand sowohl von Familienmitgliedern als auch von der lokalen Gemeinschaft ausgesetzt sehen.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Wie in vielen Ländern der Region ist „Islamische Unterdrückung” die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen in Kuwait. Sie wirkt sowohl auf nationaler wie auch auf lokaler gesellschaftlicher Ebene. Die gesamte Region befindet sich in einer unsicheren Lage. Gleichzeitig wird die Gesellschaft zunehmend konservativer. Vor dem Hintergrund dieser Situation entsprechen Gesetze und Verfassung dem konservativen Charakter der kuwaitischen Gesellschaft.

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion, und das islamische Recht (Scharia) ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Die Regierung schreibt für alle Schüler die Teilnahme am islamischen Religionsunterricht vor, sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen. Christlicher Unterricht ist in öffentlichen Sekundarschulen verboten – selbst wenn die Schüler anerkannten christlichen Gruppen angehören. In der Vergangenheit waren viele Kuwaitis gegenüber nichtmuslimischen Einwohnern tolerant eingestellt; aufgrund des wachsenden Einflusses extremistischer Muslime, die keine Christen im Land tolerieren wollen, hat sich dies jedoch merklich geändert. Auch wenn der „Islamische Staat“ (IS) militärisch geschwächt worden ist, wirkt sein Einfluss weiter fort und ist unter der beachtlichen Zahl sunnitischer Extremisten auf nennenswerte Resonanz gestoßen. Kuwaitische Bürger haben im Irak und in Syrien für den IS gekämpft.

Christen muslimischer Herkunft, besonders solche kuwaitischer Herkunft, sind dem größten Druck ausgesetzt. Für die Konvertiten aus Pakistan oder der Levante (z.B. Jordanien, Libanon, den Palästinensergebieten, Syrien u.a.) hängt viel von der Reaktion der sie umgebenden Gemeinschaft in Kuwait ab. Solange sie keine Unruhe stiften, haben sie von der kuwaitischen Regierung weniger zu befürchten – auch wenn ihre kuwaitischen Arbeitgeber sich dazu entschließen könnten, ihren Arbeitsvertrag zu beenden; dies wiederum könnte zu einer Abschiebung führen, wenn sie keine andere Arbeit finden. Innerhalb dieser ausländischen Gemeinschaften hängen die Folgen für die Konvertiten mehr von den kulturellen Normen des Heimatlandes als von den kulturellen Praktiken Kuwaits ab. Für in Kuwait lebende Ausländer ist die Hinwendung zum christlichen Glauben manchmal leichter als in ihrem Heimatland, weil Familie und Verwandte oft weit entfernt sind und damit der soziale Druck schwächer ist.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung Kuwaits ist in vieler Hinsicht sehr restriktiv. So ist zum Beispiel die Registrierung einer Kirche eine äußerst komplizierte und langwierige Prozedur. Hinter den meisten Einschränkungen durch die Regierung steht die Triebkraft der „Diktatorischen Paranoia”. Der Regent des Landes lässt keinerlei Bedrohung seiner Macht zu. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit sind eingeschränkt. Obwohl das Land eines der stärksten Parlamente in der Region hat, wird das tägliche Leben immer noch durch die herrschende königliche sunnitische Familie bestimmt. (Im Jahr 2016 wurden zwei ehemalige Parlamentsmitglieder, die der Regierung und ihren Verbündeten kritisch gegenüberstanden, zu Gefängnisstrafen verurteilt.)

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Typisch für diese Triebkraft der Verfolgung sind Situationen, in denen jahrhundertealte Normen und Werte, die sich in einem Stammeskontext herausgebildet haben (beispielsweise die Familienehre), auch Christen aufgezwungen werden. In Kuwait verbinden sich „Ethnisch begründete Anfeindungen“ zweifelsfrei mit dem Islam. Das betrifft im Besonderen kuwaitische Konvertiten, also Christen muslimischer Herkunft, da sie starke familiäre Bindungen haben. Den Islam zu verlassen, gilt nicht nur als Verrat an der Religion, sondern zugleich an der Familie und am Stamm. Ein solcher Schritt gilt als Respektlosigkeit gegenüber den eigenen Vorvätern und ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Im Allgemeinen üben Familien starken sozialen Druck auf ehemalige Muslime aus, damit sie zum Islam zurückkehren, die Region verlassen oder den neuen Glauben geheim halten. In vielen Fällen entfremden sich christliche Konvertiten durch ihren neuen Glauben von ihren Familien.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Offenkundig sind stark vertretene islamische Überzeugungen mit Fragen der Familienehre vermischt. Beide liefern triftige Gründe, Familienmitglieder ins Visier zu nehmen, die den christlichen Glauben annehmen. Als Muslim den christlichen Glauben anzunehmen, ist in Kuwait gesellschaftlich inakzeptabel. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird durch Familienmitglieder höchstwahrscheinlich aus dem Haus vertrieben – den Glaubenswechsel sieht man nicht nur als Angriff auf den Islam, sondern auch auf die Familienehre.
  • Regierungsbeamte: Zwar gibt es keine strafrechtliche Sanktion für einen Glaubenswechsel, aber er ist gesellschaftlich inakzeptabel. Ein Glaubenswechsel weg vom Islam wird offiziell nicht anerkannt. Einige kuwaitische Christen (zumeist Christen muslimischer Herkunft) wurden von Regierungsbeamten verhört, angewiesen, sich nicht mehr zu treffen, und damit bedroht, ihre Arbeit und ihr Zuhause zu verlieren. Ein Glaubenswechsel wird wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Personenstandsangelegenheiten führen. Zum Beispiel werden Väter, die den Islam verlassen, aller Wahrscheinlichkeit nach das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. Ausländische Christen müssen ihren Glauben vorsichtig leben, da die Regierung gegen jeden Christen vorgeht, der den Versuch unternimmt, öffentlich über den christlichen Glauben zu sprechen; Evangelisation ist illegal und wird nach dem Gesetz bestraft. Ausländische Christen wurden verhört und angewiesen, nicht über ihren Glauben zu sprechen, oder sie würden riskieren, ihre Visa zu verlieren. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordentliche Verfahren des Landes verwiesen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die Angst vor feindseligen Äußerungen oder Handlungen islamischer Leiter trägt dazu bei, dass sich Christen muslimischer Herkunft zu großer Vorsicht gezwungen sehen.
  • Allgemeine Gesellschaft: Die konservative islamische Gesellschaft ist der größte Verfolger von Christen in Kuwait. Arbeitnehmer sind an ihre Arbeitgeber gebunden und somit wehrlos gegenüber den Forderungen ihrer Chefs. Diese können ausländische Christen leicht diskriminieren, demütigen oder missbrauchen, insbesondere die armen und nicht gut ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem Diskriminierungen und Misshandlungen durch muslimische Gastarbeiter ausgesetzt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen unablässig dafür, dass der Islam innerhalb ihres Stammes oder ihrer Großfamilie respektiert wird. Sie üben Druck auf die Familienmitglieder aus, um sicherzustellen, dass Konvertiten ihren Glauben widerrufen.
  • Politische Parteien: Kuwait unterhält eines der stärksten Parlamente des Nahen Ostens. Einige der gewählten Politiker sind strenge Islamisten und ermutigen die Regierung unverblümt dazu, gegen Christen, insbesondere Konvertiten, vorzugehen.

Auch wenn sich das Land offen und modern geben will, hat diese strikte Interpretation des Islam die Gesellschaft fest im Griff. Gesellschaft und Regierung setzen konservative islamische Bräuche in der Öffentlichkeit durch, z.B. mittels Durchsetzung öffentlicher Kleidungsvorschriften, Verbot des Alkoholkonsums, Einschränkung der Meinungsfreiheit (d.h. der Kritik am Islam) sowie Einschränkung, andere Religionen nur im privaten Rahmen zu praktizieren.

Ausgehend von Ethnisch oder traditionell begründeten Anfeindungen

  • Die eigene (Groß-)Familie: Auf den Abfall vom Glauben steht im Islam die Todesstrafe. Zugleich haben alte Normen wie der Schutz der Familienehre nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt. Der Übertritt vom Islam zum christlichen Glauben ist Verrat an allem, wofür eine konservative muslimische Familie steht und bringt Schande über den Familiennamen. Wer als Muslim dennoch den christlichen Glauben annimmt, riskiert, von der Familie ausgestoßen oder sogar getötet zu werden, weil er Schande über sie gebracht hat.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammes- und Familienoberhäupter werden sicherstellen, dass die Ehre ihrer Gruppe nicht durch ein Mitglied „beschmutzt" wird, das vom Islam zum christlichen Glauben wechselt, weil dies als große Schande empfunden wird.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung verstärkt den Einfluss der ethnischen Anfeindungen, indem sie sich für die Aufrechterhaltung des Status quo in der Gesellschaft und ihrer kulturellen Praktiken einsetzt. Die Regierung wird einen Konvertiten nicht vor der eigenen Familie schützen, sondern jede Bestrafung als „Familienangelegenheit" betrachten.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Lokale Imame werden die Einhaltung kultureller Normen, die mit islamischen Prinzipien verflochten sind, fördern.
  • Allgemeine Gesellschaft: Dem Stammessystem wird innerhalb der kuwaitischen Gesellschaft anhaltend ein weit verbreiteter Einfluss beigemessen, und die soziale Stellung von Stamm und Familie ist für Kuwaitis immens wichtig. Folglich besteht sozialer Druck, die gesellschaftlichen Normen aufrechtzuerhalten, um den guten Namen des Stammes und der Familie nicht zu beschämen.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die kuwaitische Regierung lässt keine Kritik an den staatlichen Angelegenheiten zu, auch nicht an der Art und Weise, wie sie religiöse Angelegenheiten regelt. Das Land ist gut überwacht, und die Sicherheitskräfte beobachten Aktivitäten im Land sehr genau. Ausländer, die sich gegen die Regierung aussprechen, werden höchstwahrscheinlich abgeschoben. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ berichtete 2019: „Journalisten und Social-Media-Nutzer, die den Emir oder Saudi-Arabien beleidigt haben sollen, werden oft strafrechtlich verfolgt, und die Regierung unternimmt weiterhin Anstrengungen, um Kritik an ihren Handlungen und ihrer Politik zu unterdrücken.“

Trotz ihrer restriktiven Politik geht der Hauptdruck auf die Christen nicht in erster Linie von der Regierung aus. Christen müssen vielmehr Mitglieder der konservativen kuwaitischen Gesellschaft fürchten. Es gibt im Land eine deutliche Trennung zwischen Kuwaitis (die per definitionem Muslime sind) und den vielen Arbeitsmigranten – umso mehr, wenn letztere Christen sind. Dementsprechend sind Christen angesichts der bereits bestehenden Diskriminierung und Schikane seitens der Gesellschaft häufig aus Sicherheitsgründen sehr zurückhaltend.

4. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Kuwait ist ein sehr kleines Land mit der Hauptstadt (Kuwait-Stadt), die das Zentrum aller Aktivitäten bildet. Die Risiken, denen Christen ausgesetzt sind – insbesondere Christen muslimischer Herkunft – hängen eher von der Art der Gemeinschaft ab, zu der die Christen gehören, als von der geografischen Region, in der sie leben. Kuwaitische Christen muslimischer Herkunft sind den höchsten Risiken ausgesetzt, da Kuwaitis konservativ und die Familienbande stark ausgeprägt sind. Westliche Christen können meistens frei ihren Glauben leben, solange sie nicht missionieren. Nichtwestliche Christen mit geringerer Qualifikation sind eher mit Diskriminierung und Missbrauch konfrontiert, insbesondere weibliche Hausangestellte. Viele davon kommen von den Philippinen. Unklar ist, inwieweit ihr nicht-muslimischer Glaube ihre Verletzlichkeit im Falle von Missbrauch erhöht.

5. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Von der Gesamtzahl der Christen in Kuwait sind die meisten ausländische Arbeiter. Sie haben gewisse Freiheiten, Gottesdienste zu feiern. Allerdings sind die Räumlichkeiten, die für gottesdienstliche Versammlungen zur Verfügung stehen, zu klein für die Anzahl der Gottesdienstbesucher. Eigene Räumlichkeiten für Gottesdienstzwecke stehen zum Kauf kaum zur Verfügung.

Laut Seite vier des Berichts des US-Außenministeriums über die internationale Religionsfreiheit für 2018 gibt es sieben offiziell anerkannte christliche Kirchen: Die Nationale Evangelische Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, die Griechisch-Katholische (Melkitische) Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Armenisch-Orthodoxe Kirche, die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Anglikanische Kirche. Einige religiöse Gruppen können Gottesdienste ohne Regierungsinterventionen abhalten, solange sie nicht die Nachbarn stören oder Gesetze bezüglich des Versammlungsrechts und der Evangelisation verletzen. Die Regierung duldet, dass solche Gruppen in gemieteten Villen, Privathäusern oder Einrichtungen genehmigter Kirchen arbeiten.

Christen aus traditionellen Kirchen

Es gibt eine kleine Anzahl von einheimischen kuwaitischen Christen, die im Land leben. Berichten zufolge gibt es 12 christliche Familien und eine Gesamtzahl von 250 Christen. Diese werden nicht als separate Kategorie für die Bewertung in der Weltverfolgungsindex-Analyse aufgeführt; sie sind in der oben genannten Kategorie für ausländische Christen enthalten.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft stehen vielen bedrohlichen Herausforderungen gegenüber. Die Hauptverfolger dieser Gruppe sind die eigene Familie, Mitglieder der örtlichen Kommune, extremistische Muslime und – zu einem geringeren Anteil – die Behörden. Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von gewalttätigen Gruppen auf verschiedene Arten eingeschüchtert zu werden. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Standes und des Besitzes.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 13.2
Familienleben 13.1
Gesellschaftliches Leben 9.9
Leben im Staat 11.5
Kirchliches Leben 13.4
Auftreten von Gewalt 0.7

 

Grafik: Verfolgungsmuster Kuwait

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen bleibt weiterhin auf einem sehr hohen Niveau (12,2 Punkte), angestiegen von 11,7 im Weltverfolgungsindex 2019. (Dieser Punktezuwachs ist vor allem auf neue Berichte und eine Neubewertung der Situation im Land im Vergleich zu den benachbarten Golfstaaten zurückzuführen.)
  • Obwohl Christen in allen Lebensbereichen hohem oder sehr hohem Druck ausgesetzt sind, ist der Druck in den Bereichen „Privatleben", „Familienleben“ und „Kirchliches Leben“ am größten. Dies spiegelt zum einen die schwierige Situation für Christen muslimischer Herkunft wider, die einem sehr hohen Druck ihrer (Groß-)Familie ausgesetzt sind und weder eine offizielle christliche Ehe eingehen noch ein christliches Begräbnis haben können. Zum anderen ist es sowohl für Konvertiten als auch für ausländische Christen schwierig, kirchliches Leben zu gestalten. Missionstätigkeiten und die Integration von Christen muslimischer Herkunft sind gesellschaftlich inakzeptabel.
  • Der Wert für das „Auftreten von Gewalt“ ist im Vergleich zum Vorjahr von 1,5 auf nun 0,7 Punkte gesunken. Der Rückgang der Punktzahl ist vor allem darauf zurückzuführen, dass weniger Gewaltmeldungen registriert wurden.

Zu jedem der Lebensbereiche sind im Folgenden jeweils ausgewählte Teilaspekte genannt, die im betreffenden Lebensbereich für die Christen zu den gravierendsten Schwierigkeiten gehören.

Privatleben

  • Es ist riskant für Christen, außerhalb ihres engsten Familienkreises über ihren Glauben zu sprechen: Kuwaitische Konvertiten gehen die höchsten Risiken ein, während nichtkuwaitische Konvertiten abhängig von den jeweiligen Normen ihrer eigenen Gemeinschaft sind. Ausländische Christen können der Missionierung beschuldigt werden, wenn sie mit Muslimen über ihren Glauben sprechen – was wiederum zur Abschiebung führt.
  • Die Hinwendung zum christlichen Glauben, darunter auch der Übertritt zu einer anderen christlichen Denomination, wird unmissverständlich abgelehnt, verboten oder auch bestraft: In einer äußerst konservativen Gesellschaft, die das Verlassen des Islam als Verrat an den Familienwerten betrachtet, ist eine Hinwendung zum christlichen Glauben grundsätzlich schwierig. Obwohl das Gesetz den Glaubenswechsel formell nicht verbietet, legen sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung denjenigen, die konvertieren möchten, Steine in den Weg. So werden sie etwa kein offizielles Dokument erhalten, in dem ihr neuer Glaube eingetragen ist.
  • Es ist für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen: Christen muslimischer Herkunft können kein christliches Symbol tragen, da es zur Entdeckung ihres Glaubens führen kann. Ausländische Christen sind hiermit manchmal vorsichtig, da das öffentliche Zeigen eines Kreuzes zu negativen Bemerkungen oder anderen Arten von Belästigungen führen kann, besonders wenn sie in einem kuwaitischen Haushalt arbeiten (z.B. als Hausangestellte).
  • Es ist gefährlich für Christen, ihrem Glauben in schriftlicher Form persönlich Ausdruck zu geben, etwa in Internetblogs oder auf Facebook: Christen muslimischer Herkunft sind am stärksten gefährdet, da die Veröffentlichung von Posts, die mit dem Glauben zusammenhängen, zur Entdeckung ihrer Konversion führen könnte. Genauso wenig können ausländischen Christen offen den Islam kritisieren oder Mission betreiben.

Darüber hinaus wird sämtliche (religiöse) Literatur verboten, die als beleidigend gegenüber dem Islam erachtet wird. Für Konvertiten zum christlichen Glauben, die mit ihren Familien zusammenleben, sei es die Kernfamilie oder die erweiterte Familie, ist es schwierig zu beten oder christliche Gegenstände zu besitzen – sie müssen darauf achten, dass solche Materialien nicht entdeckt werden.

Familienleben

  • Kinder von Christen muslimischer Herkunft werden automatisch unter der Mehrheitsreligion registriert. Sämtliche Kinder, die in kuwaitischen Familien geboren werden, gelten als Muslime. Dieser Grundsatz gilt auch für die Kinder kuwaitischer Konvertiten.
  • Christen können aus religiösen Gründen keine christliche Hochzeit feiern: Eine kuwaitische Christin mit muslimischer Herkunft darf per Gesetz nur einen Mann heiraten, der ebenfalls als Muslim geboren wurde; ein Mann hätte zwar die Freiheit, eine Nichtmuslima zu heiraten – doch in beiden Fällen gelten islamische Verfahren. Daher wäre eine kirchliche Eheschließung zwischen einem Christen und einem kuwaitischen Konvertiten undenkbar.
  • Christliche Taufen werden be- oder verhindert: Taufen müssen sehr diskret durchgeführt werden, da öffentliche Taufen schwere Beschimpfungen und Belästigungen sowohl vonseiten der Familie als auch des gesellschaftlichen Umfeldes nach sich ziehen können.

Besonders für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr herausfordernd, als christliche Familie zu leben. Den Familien von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten werden im Land viele Einschränkungen auferlegt; sie müssen in der Öffentlichkeit sehr vorsichtig agieren. Es ist für sie schwierig und sogar gefährlich, über ihren Glauben zu sprechen, da jegliche missionarische Tätigkeit streng verboten ist. Christen muslimischer Herkunft tragen in Bezug auf das familiäre Leben die Hauptlast der Verfolgung. Verstorbene Konvertiten werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen beigesetzt, ausländische Christen haben hier nur sehr begrenzte Möglichkeiten. Das Gesetz schränkt auch die Heirat ein – eine muslimische Frau darf keinen nicht-muslimischen Mann heiraten, es sei denn, er konvertiert zum Islam. Diese Gesetze haben bedeutende Auswirkungen auf Fragen des Sorgerechts und des Erbrechts.

Gesellschaftliches Leben

  • Christen stehen in ihrem sozialen oder privaten Umfeld unter Beobachtung. Sie werden beispielsweise bei der Polizei angezeigt, beschattet, ihre Telefongespräche werden mitgehört, E-Mails gelesen oder zensiert: Christen werden im Allgemeinen nicht nur von der Regierung, sondern auch von der Gesellschaft überwacht, die die Sicherheitsdienste informiert, wenn „verdächtige Umstände" vorliegen. Besonders Ausländer, die der Evangelisation verdächtigt werden, werden von den Sicherheitsdiensten verfolgt.
  • Christen werden unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsereignissen teilzunehmen: Während des Fastenmonats Ramadan fällt es Christen schwer, mit der von der Regierung und der Gemeinde auferlegten De-facto-Forderung zum Fasten zurechtzukommen. Außerdem müssen Christen muslimischer Herkunft an sämtlichen islamischen religiösen Zeremonien teilnehmen, um ihren neuen Glauben geheim zu halten.
  • Christen werden von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt, ihrem Glauben abzusagen: Christen muslimischer Herkunft werden ständig unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen, auch im sozialen Umfeld. Offensichtlich Bekehrte werden geächtet, verlieren wahrscheinlich ihre Arbeitsstelle und werden nicht mehr als Teil der Gemeinschaft gesehen.
  • Christen werden in der Erwerbstätigkeit, sei es im privaten oder öffentlichen Sektor, aufgrund ihres Glaubens diskriminiert: Kuwaitis, deren Glaubenswechsel bekannt würde, würden definitiv diskriminiert und hätten große Schwierigkeiten, eine Beschäftigung zu finden. Es ist eine Tatsache, dass christliche Arbeiter aus dem Ausland auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert werden. Ihr christlicher Glaube bietet hier eine große Angriffsfläche, obwohl Rassismus oft auch eine sehr negative Rolle spielt.

In kuwaitischen Kommunen werden Christen als Fremde und Ungläubige angesehen und oft direkt oder indirekt von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Auch im Bildungsbereich sind Christen herausgefordert: Die Regierung schreibt für alle Schüler die Teilnahme am islamischen Religionsunterricht vor, sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen (sofern sie einen oder mehrere muslimische Schüler haben). Gleichzeitig verbietet das Gesetz jedoch Religionsunterricht an öffentlichen Schulen für andere Glaubensrichtungen als dem Islam.

Leben im Staat

  • Die Verfassung oder eine vergleichbare nationale Gesetzgebung schränkt die Religionsfreiheit gemäß Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ein: Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion. Die Religionsfreiheit, wie sie in der Verfassung verankert ist, entspricht nicht den internationalen Standards: Sie konzentriert sich allein auf die Beachtung religiöser Riten, die nicht im Widerspruch zu kuwaitischen Sitten und damit dem Islam stehen, siehe Artikel 35. Daher garantiert die Verfassung nicht die Freiheit, vom Islam zum christlichen Glauben zu konvertieren.
  • Christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien werden aufgrund ihrer christlichen Überzeugungen in ihrer Arbeit behindert oder verboten: Nur christliche Organisationen mit einem klaren Nutzen für die kuwaitische Gesellschaft, wie z.B. Betreiber von Krankenhäusern, werden willkommen geheißen. Es ist unmöglich, eine christliche Organisation mit der Absicht der Missionierung zu gründen, und Organisationen mit einem klaren christlichen Profil werden unablässig verdächtigt und bekämpft.
  • Beamte auf lokaler und nationaler Ebene weigern sich, den Glaubenswechsel einer Person anzuerkennen und dementsprechend im Personalausweis oder staatlichen Personenverzeichnis zu dokumentieren: Kein Christ muslimischer Herkunft würde einen Antrag auf offizielle Anerkennung seines Glaubenswechsels stellen, weil er weiß, dass ihm dies nicht gewährt werden kann (aufgrund von Apostasie-Bestimmungen des islamischen Rechts), und weil ein solcher Antrag ihn den Behörden aussetzen und somit extrem gefährden würde.
  • Christen werden in der öffentlichen Meinungsäußerung behindert: Jeder Christ wird unauffällig leben, um Druck aus dem Weg zu gehen. Kritik an der kuwaitischen Regierung oder am Islam ist unmöglich und würde wahrscheinlich zu einer Abschiebung von ausländischen Migranten führen. So kann zum Beispiel über soziale Gerechtigkeit aus christlicher Perspektive nur mit großer Vorsicht gesprochen werden.

Es gibt Gesetze gegen Missionierung, die von der Regierung entsprechend durchgesetzt werden. Die Regierung folgt dem Kurs, den sunnitischen Islam zu fördern, indem sie sunnitische Moscheen und Imame sowie sunnitische Ausbildung und Lehre finanziert. Auch wenn Kuwait demokratische Wahlen abhält, ist es undenkbar, dass ein Nichtmuslim sich um ein öffentliches Amt bewerben könnte. Verschiedene extremistische Gruppen sowie streng konservative Parlamentsmitglieder wollen jeden nichtmuslimischen Einfluss im Land unterbinden – wie etwa Weihnachtsfeiern ausländischer Christen.

Kirchliches Leben

  • Kirchen werden daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb von Kirchengebäuden zu organisieren: Da das Abhalten öffentlicher christlicher Aktivitäten oft als Missionierung interpretiert wird, wird es den Kirchen nicht erlaubt, diese zu organisieren. Die meisten Kirchen betreiben in dieser Hinsicht Selbstzensur, um Probleme mit der Regierung oder der Gesellschaft zu vermeiden. Viele Gemeinden müssen sich in Häusern versammeln, da es an Kirchenraum fehlt, und sie sorgen dafür, dass sie nicht auffallen.
  • Die Arbeit mit Jugendlichen wurde besonders eingeschränkt: Es ist möglich, Aktivitäten für christliche Jugendliche zu organisieren. Zugleich ist es undenkbar, Aktivitäten zu organisieren, die sich an muslimische Jugendliche richten, da diese als Missionierung interpretiert werden.
  • Kirchen werden davon abgehalten, Christen muslimischer Herkunft öffentlich aufzunehmen: Die Regierung verbietet Missionaren, im Land zu arbeiten und ihren Glauben an Muslime weiterzugeben. Die offene Integration von Christen muslimischer Herkunft in die kirchlichen Gemeinschaften würde als ein klares Zeichen für Missionierung angesehen werden.
  • Der Verkauf oder das Bereitstellen von Bibeln oder anderen christlichen Materialien wird verhindert: Der Verkauf von christlichen Materialien ist nur an Verkaufsstellen innerhalb eines Kirchengeländes erlaubt. Die kostenlose Verteilung von christlichen Materialien ist außerhalb der kirchlichen Einrichtungen nicht erlaubt, da dies als ein Akt der Missionierung angesehen würde. In der Praxis lassen die meisten Christen äußerste Vorsicht bei der Verteilung christlicher Materialien walten und betreiben effektiv Selbstzensur. In den vergangenen Jahren hat die Verteilung von christlichem Material zu einer Abschiebung des ausländischen „Übeltäters" geführt.

Das kirchliche Leben in Kuwait ist eingeschränkt. Wer zum Beispiel ein Stück Land kaufen möchte, um dort eine Kirche zu errichten, muss ein Bürger Kuwaits sein. Für Christen muslimischer Herkunft wäre es sehr gefährlich, ein Stück Land zum Bau einer Kirche zu kaufen, da ihr Glaubenswechsel dadurch öffentlich bekannt werden würde. Gemeinden, die eine Baugenehmigung für eine Kirche beantragten, mussten meist Jahre darauf warten. Ein Experte für Kuwait konstatiert: „Die meisten der anerkannten christlichen Kirchen sehen ihre Gebäude als unzureichend für ihre Gemeinden an; gleichzeitig haben sie erhebliche Probleme, amtliche Baugenehmigungen der städtischen Behörden für ein neues Gebäude zu bekommen. Die städtischen Behörden haben in einigen Fällen religiöse Versammlungen in Privatgebäuden unterbunden und Vermieter unter Druck gesetzt, die Räumlichkeiten an nicht registrierte Kirchengemeinden vermietet hatten.“ Neben den Schwierigkeiten, kirchliche Räumlichkeiten zu erhalten, ist die Veröffentlichung von religiösem Material auf die eigene Kirchengemeinde beschränkt. Die Regierung gestattet Kirchen, religiöse Materialien zu importieren, doch nur unter der Bedingung, dass deren Inhalt den Islam nicht beleidigt. Christliche Zeichen und Symbole dürfen nicht von außen sichtbar an Kirchengebäuden angebracht werden.

Auftreten von Gewalt

In Kuwait, wie auch in anderen Golfstaaten, kommt es nur selten zu gewaltsamen Übergriffen gegen Christen. Die Regierung braucht dieses Mittel gegen Christen nicht, da der gesellschaftliche Druck sehr hoch ist, und die Christen Selbstzensur üben. Es ist nicht einfach, gesicherte Berichte über „Auftreten von Gewalt“ aus dem Land zu erhalten.

Es ist weithin bekannt, dass vor allem weibliche Hausangestellte leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. Es sind jedoch kaum Statistiken verfügbar, denn keine der involvierten Personen, Organisationen und Staaten hat ein Interesse daran, die Realität abzubilden: Kuwait braucht die Hausangestellten, will aber aufgrund der Schamkultur keinen schlechten Ruf riskieren. Die Heimatländer der Hausangestellten brauchen das Geld, das von den tausenden Arbeitsmigranten aus den Golfstaaten kommt und wollen ihre ökonomischen Interessen nicht gefährden (obwohl der philippinische Präsident Duterte eine temporäre Reisesperre nach Kuwait verhängt hatte, nachdem die Leiche einer philippinischen Hausangestellten in einer Gefriertruhe entdeckt worden war).

Die Arbeitgeber missbrauchter Hausangestellter sind entweder die Täter, oder sie haben kein wahres Interesse am Wohlergehen ihrer Angestellten. Die betroffenen Hausangestellten schämen sich häufig aufgrund des Missbrauchs und wollen nicht als „beschmutzt" angesehen werden, sowohl in Kuwait als auch von ihrer Familie in ihrer Heimat. Zudem versorgen viele ihre Familien mit dringend benötigtem Einkommen. Die philippinischen Familien sind stolz auf die Arbeit ihrer Familienmitglieder in Kuwait, und die Hausangestellten wollen ihre Familien nicht enttäuschen.

Wie bereits erwähnt, ist es sehr schwer, Statistiken und Beweise für sexuellen Missbrauch zu erhalten. Es ist außerdem schwer nachvollziehbar, ob der sexuelle Missbrauch aufgrund der Religion des Opfers geschieht.

7. Verfolgungssituation für Männer und Frauen

Wie Frauen Verfolgung erfahren:

  • Zwangsscheidung
  • Erzwungene Flucht aus Stadt oder Land
  • Sexuelle Gewalt

Christliche Frauen sind insgesamt gefährdeter als Männer, da Frauen in Kuwait generell ein niedrigeres Ansehen genießen als Männer. Obwohl es relativ wenige kuwaitische Christen gibt, sind viele der ausländischen Hausangestellten in Kuwait Christen. Dies ist von Bedeutung in einem Land, in dem die ausländische Bevölkerung die einheimische Bevölkerung übertrifft. Laut den kuwaitischen Delegierten, die 2017 an einer CEDAW-Überprüfung teilnahmen, ist die Misshandlung von Wanderarbeitern, einschließlich des sexuellen Missbrauchs, ein großes Problem. Statistiken zu diesem Thema sind rar, da die Arbeitgeber der misshandelten Hausangestellten oder die Täter kein Interesse daran haben, die Probleme zu melden. Die Hausangestellten selbst schämen sich oft wegen des Missbrauchs und wollen nicht als „unrein" innerhalb ihrer Gesellschaft in Kuwait oder von ihrer Heimatfamilie gesehen werden.

Obwohl es keinen Beweis dafür gibt, behaupten einige Länderexperten, dass die nahezu ausschließlich weiblichen, nichtmuslimischen Arbeitsmigranten in größerer Gefahr stehen, Opfer eines solchen Missbrauchs zu werden, als Muslimas. Es ist bekannt, dass innerhalb der islamischen Kultur viele auf Nichtmuslime (und selbst auf andere islamische Strömungen) herabsehen. Die islamische Doktrin über „dasjenige, was die rechte Hand besitzt" stärkt die Einstellung, dass christliche Hausangestellte für alles verfügbar sind, was man mit ihnen tun möchte. Nach Angaben des „Tahirih Justice Center“ ist häusliche Gewalt, insbesondere gegenüber Frauen, in Kuwait weit verbreitet. Häusliche Gewalt wird als Familienangelegenheit betrachtet; es gibt keine spezifischen Gesetze dazu, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Behörden dagegen vorgehen. Außerdem ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr eingeschränkt, und Frauen dürfen ihren Ehepartner oft nicht selbst wählen.

Kuwaitische Christinnen muslimischer Herkunft stehen unter starkem familiären Druck, ihren neuen Glauben abzulehnen, was einige dazu veranlasst, auszuwandern. Das vielleicht schwierigste Gesetz für christliche Konvertiten, die hoffen, eine eigene christliche Familie zu gründen, ist, dass Frauen mit muslimischem Hintergrund gesetzlich daran gehindert werden, einen Nichtmuslim zu heiraten.

Wie Männer Verfolgung erfahren:

  • Wirtschaftliche Schikane im Berufs- und Geschäftsleben
  • Zwangsscheidung
  • Vertreibung aus Wohnung/Wohnhaus

In Kuwait befürchten Männer, die zum christlichen Glauben konvertieren, die Ablehnung ihrer unmittelbaren und erweiterten Familien und die Auswirkungen, die dies auf ihren Lebensunterhalt hat. Männliche Christen muslimischer Herkunft werden häufig von ihren Familien verstoßen, womit sie den Respekt und die (finanzielle) Unterstützung ihrer Familien verlieren. Oft bedeutet dies, dass christliche Männer oder Jungen gezwungen sind, das Haus der Familie zu verlassen. Ohne Unterstützung durch die Familie ist es für Männer schwierig, eine Arbeit zu finden oder zu behalten, und eine Heirat wird fast unmöglich. Christliche Männer sind vor allem im Arbeitsleben Diskriminierung und Feindseligkeiten ausgesetzt. Verheiratete Muslime, die zum christlichen Glauben gewechselt sind, werden von ihren Ehepartnern geschieden. Die Isolierung durch den Glaubenswechsel wird dadurch verstärkt, dass Christen muslimischer Herkunft bei der Bildung tragfähiger kirchlicher Gruppen Steine in den Weg gelegt werden.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nicht nur Christen sind der Unterdrückung durch die Regierung ausgesetzt, auch andere Minderheiten wie Schiiten werden diskriminiert und müssen sich vorsichtig verhalten. Obwohl die große schiitische Gemeinde in Kuwait traditionell eine höhere Akzeptanz genießt als in anderen Ländern der Region, haben die Einschränkungen der Religionsfreiheit auch für sie zugenommen. Dies lässt sich vor allem auf die politisch veränderten Beziehungen zwischen Kuwait und Saudi-Arabien beziehungsweise dem Iran zurückführen.

Religiöse Gruppen wie Hindus, Buddhisten und Sikhs können ihren Glauben im privaten Umfeld relativ frei praktizieren; ihnen fehlen jedoch oft Versammlungs- und Gebetsräume. Konservative Gruppen im Parlament beäugen alle nichtmuslimischen religiösen Aktivitäten mit Argwohn und opponieren regelmäßig gegen sie.

Laut „International Religious Freedom Report 2018“ des US-Außenministeriums auf Seite 10 gaben Mitglieder nichtabrahamitischer Religionen und nichtregistrierter Gemeinden an, dass sie „ihre Religion privat ausüben konnten, aber mit Belästigungen und möglicher Strafverfolgung konfrontiert wurden, wenn sie ihre Nachbarn störten oder gegen das Versammlungsrecht und Missionsverbot verstießen. Sie ... vermeiden den Konflikt mit den Behörden, indem sie nicht missionieren und die Regierung oder andere Glaubensrichtungen nicht verunglimpfen. ... sie machten keine öffentliche Werbung für religiöse Veranstaltungen oder Versammlungen, um zu vermeiden, dass ihre Organisationen sowohl von der Öffentlichkeit als auch von den Regierungsbehörden unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. ... Fast einheitlich in diesen Gemeinschaften sagten die Mitglieder, es fehle ihnen an ausreichenden religiösen Einrichtungen und religiösen Leitern oder Klerikern, um Gebete zu leiten, Geburten und Eheschließungen zu segnen und angemessene Beerdigungsrituale durchzuführen."

9. Der Ausblick für Christen

Islamische Unterdrückung

Falls die Behörden sich etwa aus politischen Erwägungen gezwungen sehen, sich gegenüber dem Iran abzugrenzen und Saudi-Arabien anzunähern, könnten sunnitische Konservative größeren politischen Einfluss gewinnen – möglicherweise mit der Folge, dass das politische Klima für Christen (und ausländische Kirchen) rauer und feindseliger werden könnte. Darüber hinaus hat der IS zwar aus militärischer Sicht eine schwere Niederlage erlitten, doch weiterhin Einfluss. Der Aufstieg des sunnitischen Extremismus hat nicht nur die Christen in der Region, sondern auch die einzelnen Staatsoberhäupter und die internationale Gemeinschaft vor Probleme gestellt. Länder mit sunnitischer Bevölkerungsmehrheit, einschließlich Kuwait, wachen sorgfältig darüber, dass extremistische militante Gruppen keine Netzwerke in ihrem Land aufbauen.

Diktatorische Paranoia

Die kuwaitische Regierung wird auch in Zukunft alles daransetzen, jede abweichende Meinung auszulöschen und öffentliche Unruhen zu vermeiden.

Ethnisch oder traditionell begründete Anfeindungen

Obwohl Urbanisierung, Modernisierung und die Bedeutung des Internets die junge Generation massiv beeinflussen, werden voraussichtlich auch die Stammesstrukturen weiterhin großen Einfluss behalten. Die Globalisierung könnte das Stammesdenken noch weiter stärken, da sich Kuwaitis dadurch diese Entwicklung bedroht sehen und versuchen könnten, ihre Identität umso mehr zu schützen. In dieser Atmosphäre wird der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ein heikles Thema bleiben.

10. Gebetsanliegen:

Bitte beten Sie für Kuwait:

  • Kuwait erregte in den vergangenen Jahren international Aufmerksamkeit wegen der schlechten Behandlung asiatischer Arbeitsmigranten, insbesondere philippinischer Kindermädchen und Hausangestellter. Viele von ihnen sind Christen und kommen aus armen Verhältnissen. Beten Sie um Gerechtigkeit in dieser Situation. Beten Sie um besonderen Segen für Christen in Kuwait, die sich um missbrauchte Hausangestellte kümmern. Beten Sie um Heilung.
  • Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion, und das islamische Recht (Scharia) ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Beten Sie, dass das Land sich in Richtung wahrer Religionsfreiheit bewegt.
  • Beten Sie, dass Christen mit muslimischem Hintergrund ihre Familienangehörigen mit der Liebe Gottes erreichen. Beten Sie, dass Christen ihren Glauben mutig und mit Weisheit an die Menschen in ihrem Umfeld weitergeben.
  • In der Gesellschaft werden Christen als Fremde und Ungläubige angesehen. Sie werden von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Beten Sie, dass die christlichen Gemeinden nicht entmutigt werden, sondern ihrem muslimischen Umfeld weiterhin die Liebe Jesu zeigen.

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