Länderprofil Kuweit

Kuwait

48
Weltverfolgungsindex
2021
Flagge Kuwait
Hauptreligion
Islam
Platz Vorjahr
43
Karte Kuweit
Christen
0,51
Bevölkerung
4.30
Islamische Unterdrückung
Unterdrückung durch den Clan/Stamm
Diktatorische paranoia
Privatleben: 13.200
Familienleben: 13.500
Gesellschaftliches Leben: 9.900
Leben im Staat: 12.200
Kirchliches Leben: 13.200
Auftreten von Gewalt: 1.100

Länderprofil Kuwait

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 48 / 63 Punkte (WVI 2020: Platz 43 / 62 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2019 – 30. September 2020

Vollständiges Länderprofil

Dieses Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Country Dossier mit weiteren Hintergrundinformationen finden Sie hier.

Kurze Zusammenfassung

Ausländische Christen können relativ frei und ungezwungen Gottesdienst feiern. Allerdings sind die vorhandenen Orte, die für Gottesdienste registriert sind, für die Anzahl der versammelten Menschen sehr begrenzt, was zu Spannungen zwischen den verschiedenen christlichen Gruppen führen kann. Es ist extrem schwierig, ein Grundstück zu bekommen, auf dem man sich zum Gottesdienst treffen kann. Darüber hinaus ist jegliche Weitergabe des Evangeliums strengstens verboten und führt zur Ausweisung aus dem Land.

Einheimische Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Sie riskieren Diskriminierung, Belästigung, Überwachung ihrer Aktivitäten durch die Polizei und alle Arten von Einschüchterungen durch Bürgerwehren. Außerdem wird der Übertritt vom Islam zu einem anderen Glauben nicht offiziell anerkannt und kann zu rechtlichen Problemen in Personenstands- und Eigentumsfragen führen. Ausländische ehemalige Muslime, die nun Jesus Christus nachfolgen, erleben einen ähnlichen Druck wie in ihren Heimatländern, da sie häufig weiterhin in ihrer eigenen nationalen oder ethnischen Gemeinschaft leben. Trotzdem gibt es kaum Berichte über Christen, die wegen ihres Glaubens getötet, inhaftiert oder anderweitig zu Schaden gekommen sind.

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1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Jahr

Punktzahl

Platzierung

2021

63

48

2020

62

43

2019

60

43

2018

61

34

2017

57

38

Der Anstieg um einen Punkt im Weltverfolgungsindex 2021 ist vor allem auf einen leichten Anstieg des durchschnittlichen Drucks zurückzuführen, der von 12,2 auf 12,4 Punkte stieg. Der Druck bleibt auf einem sehr hohen Niveau, wobei Christen muslimischer Herkunft die Hauptlast der Verfolgung tragen, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch von ihrem sozialen Umfeld angefeindet werden.

2. Trends und Entwicklungen

1) Obwohl die kuwaitische Gesellschaft islamisch-konservativ ist, gibt es liberale Einflüsse

Die konservative Ausrichtung der Gesellschaft hat ein Umfeld geschaffen, das Christen gegenüber grundsätzlich feindlich eingestellt ist. Die Regierung wird dies wahrscheinlich weiterhin zulassen, um die extremistischen islamischen Gruppen in der Gesellschaft zu beschwichtigen. Es gibt jedoch auch einen wachsenden Einfluss liberalerer junger Menschen, vor allem durch die große Zahl von Kuwaitern, die im Ausland studiert haben. Dies ist ermutigend für die ausländischen christlichen Glaubensgemeinschaften, die hoffen, dass die Akzeptanz sich fortsetzen und verstärken wird – aber es ist noch ein langer Weg, bis das Recht, den Glauben zu wechseln, gewährt oder respektiert wird. Christen muslimischer Herkunft werden weiterhin unter Druck stehen.

2) Ausländische christliche Arbeiter werden wahrscheinlich weiterhin in das Land kommen, ungeachtet des bestehenden Drucks

Solange das Land seine Offenheit zur Weltwirtschaft beibehält, werden weiterhin christliche Arbeitskräfte in das Land kommen. Trotz der regionalen Unruhen (wie der Katar-Krise und dem anhaltenden Bürgerkrieg im Jemen) war Kuwait im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 politisch stabil und es gab keinen signifikanten Anstieg der Verfolgung. Die Angst unter den Christen (insbesondere Christen muslimischer Herkunft) wird jedoch anhalten, da das allgemeine Umfeld grundsätzlich feindselig eingestellt ist. Die ohnehin konservative Gesellschaft könnte noch konservativer werden, sollten junge, liberale Kräfte noch erhört werden und auswandern. Es sieht so aus, als würde die Regierung nichts dagegen tun, solange ihre Autorität von extremistischen islamischen Gruppen nicht offen in Frage gestellt wird. Dies wird christliche Arbeitskräfte aus dem Ausland jedoch wohl nicht davon abhalten, weiterhin auf der Suche nach Arbeit ins Land zu kommen.

3. Religiöse Situation im Land

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2019 des US-Außenministeriums sind die meisten der 1,4 Millionen Kuwaiter Sunniten (70 %). Eine bedeutende Mehrheit (30 %) gehört jedoch dem schiitischen Islam an, was die sunnitische Regierung Kuwaits in ihrem Umgang mit Iran vorsichtig sein lässt. Neben einer kleinen Anzahl kuwaitischer Christen muslimischer Herkunft gibt es in Kuwait auch eine kleine Gemeinschaft traditioneller, einheimischer Christen (ca. 290 Personen). Insgesamt kommt die Mehrheit der Christen jedoch aus dem Ausland.

Die christliche Hilfsorganisation „Middle East Concern“ berichtet:

  • „Die ausländischen Christen genießen in Kuwait eine vergleichsweise große Freiheit, vorausgesetzt, dass ihre Aktivitäten auf ausgewiesene Gelände beschränkt sind und dass sie insbesondere den Umgang mit Muslimen vermeiden, der als Bekehrungsversuch ausgelegt werden könnte. Die meisten Kirchen finden ihre derzeitigen Einrichtungen unzureichend, und die Kirchengebäude sind typischerweise an den Gottesdiensttagen überfüllt, da sie versuchen, mehrere Gemeinden mit verschiedenen Nationalitäten und Sprachen unterzubringen. Die in den letzten Jahren gestellten Anträge auf zusätzliche Gebäude oder Grundstücke wurden abgelehnt. Einige Kirchen sind angesichts der begrenzten Anzahl von Visa, die für Geistliche und Mitarbeiter zur Verfügung stehen, unzufrieden.“
  • „Die kleine Zahl der einheimischen kuwaitischen Christen mit christlichem Hintergrund genießt im Allgemeinen ein gutes Ansehen in der Gesellschaft. Im Jahr 2018 schlug ein parlamentarischer Ausschuss eine Gesetzesänderung vor, die es Nichtmuslimen ermöglichen sollte, die kuwaitische Staatsbürgerschaft zu erhalten, aber dieser Vorschlag wurde nicht weiter verfolgt.“
  • „Kuwaitische Staatsangehörige oder andere Muslime, die den Islam verlassen wollen, sind in der Regel einem starken Druck von Familie und Gesellschaft ausgesetzt. In extremen Fällen können diejenigen, die den Islam verlassen, gewalttätigen Reaktionen von Familienmitgliedern ausgesetzt sein. Diejenigen, die als Abtrünnige betrachtet werden, können nach den Bestimmungen zur Diffamierung auch mit Gefängnisstrafen und nach den Personenstandsgesetzen, die von Scharia-Gerichten überwacht werden, mit Sanktionen wie Zwangsscheidung und Entzug des Sorgerechts für die Kinder rechnen.“

Der Bericht zur Gedankenfreiheit von „Humanist International“ (aktualisiert am 30. November 2020) stuft Kuwait als Land mit „schweren Verstößen“ ein und stellt fest, dass die Verfassung Religions- und Glaubensfreiheit einschränkt:

  • „Die Verfassung garantiert die Freiheit der Religionsausübung, legt jedoch fest, dass diese Ausübung nicht gegen die öffentliche Ordnung oder die Sitten verstoßen darf und im Einklang mit den bestehenden Bräuchen erfolgen muss (Artikel 35). Die Regierung erkennt keine Bahai-, Buddhisten-, Hindu- oder Sikh-Gruppen an, die nicht in das islamische Prinzip der Glaubensrichtungen Abrahams (ahl el-kitab: Muslime, Juden, Christen) einbezogen sind. Sie verwehrte auch mehreren christlichen Gruppen die Anerkennung. Eine staatliche Anerkennung dauert oft Jahre bis zur Bewilligung und ist nicht transparent.“
  • „In den letzten Jahren wurden Menschenrechtsaktivisten und andere wegen der Verbreitung von Atheismus und Säkularismus verurteilt.“

Obwohl Kuwait einige der wichtigsten Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen akzeptiert hat (beispielsweise den Pakt über bürgerliche und politische Rechte und den Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte), stoßen nichtislamische Religionen auf großen Widerstand. Im Jahr 2012 kündigte ein Parlamentsabgeordneter einen Gesetzentwurf an, der den Bau von nichtislamischen Gebetsstätten stoppen soll. Der Gesetzentwurf wurde nicht verabschiedet, aber Kirchen müssen dennoch vorsichtig agieren. Die Weitergabe des Evangeliums an Muslime ist sowohl illegal als auch gesellschaftlich inakzeptabel. Um dies zu vermeiden, üben sich die Kirchen in Selbstzensur. Kritik am Islam oder am Propheten Mohammed führt zu öffentlicher Strafverfolgung; selbst die Andeutung, die kuwaitische Verfassung sollte in Staatsangelegenheiten Vorrang vor dem Koran haben, kann zu Anklagen und öffentlichem Hass führen.

4. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Wie in vielen Ländern der Region ist islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen in Kuwait. Sie ist sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene stark vertreten. Die gesamte Region befindet sich in einer unbeständigen Situation; die Gesellschaft ist allgemein sehr konservativ geworden – in diesem Kontext ist auch die Situation in Kuwait zu sehen, wo die Gesetze und die Verfassung ebenfalls den konservativen Charakter der Gesellschaft bestätigen. Gemäß der Verfassung ist der Islam Staatsreligion und das islamische Recht (Scharia) eine wichtige Quelle für die Gesetzgebung. Die Regierung schreibt islamischen Religionsunterricht für alle Schüler an staatlichen und privaten Schulen vor. Das Unterrichten des christlichen Glaubens in staatlichen weiterführenden Schulen ist verboten, selbst für offiziell anerkannte christliche Gruppen. In der Vergangenheit war eine beträchtliche Anzahl von Kuwaitis tolerant gegenüber nichtmuslimischen Einwohnern; dies hat sich jedoch aufgrund des wachsenden Einflusses extremistischer islamischer Gruppen, die keine Christen im Land sehen wollen, zu ändern begonnen. Auch wenn der „Islamische Staat“ (IS) militärisch geschwächt wurde, ist sein Einfluss immer noch vorhanden und findet bei einer beträchtlichen Anzahl von sunnitischen Extremisten großen Anklang. Es ist bekannt, dass kuwaitische Staatsbürger im Irak und in Syrien für den IS gekämpft haben.

Christen muslimischer Herkunft, insbesondere Personen mit kuwaitischem Hintergrund, sind dem Druck am stärksten ausgesetzt. Für Christen muslimischer Herkunft, die aus Pakistan oder den Levante-Ländern (wie unter anderem Jordanien, Libanon, den Palästinensergebieten und Syrien) stammen, hängt viel von der Reaktion innerhalb ihres Lebensumfelds in Kuwait ab. Solange sie keine Unruhe stiften, haben sie weniger von der kuwaitischen Regierung zu befürchten, ihre kuwaitischen Arbeitgeber könnten jedoch ihren Arbeitsvertrag beenden. Dies könnte, wenn sie keine andere Arbeit finden, zur Ausweisung führen. Innerhalb dieser Gemeinschaften ausländischer Arbeitskräfte hängen die Konsequenzen für Christen muslimischer Herkunft mehr von den kulturellen Normen ihres Heimatlandes ab als von den kulturellen Praktiken Kuwaits. Für ausländische Arbeitskräfte ist die Hinwendung zum christlichen Glauben manchmal leichter als in ihrem Heimatland, weil Familie und Verwandte oft weit entfernt sind und der soziale Druck weniger stark ist.

Unterdrückung durch den Clan/Stamm

Typisch für diese Triebkraft der Verfolgung sind Situationen, in denen uralte, in einem Stammeskontext geprägte Normen und Werte (wie die Familienehre) Christen aufgezwungen werden. Im Fall von Kuwait ist die Unterdrückung durch den Clan oder Stamm eindeutig mit dem Islam vermischt. Dies betrifft vor allem Christen muslimischer Herkunft, insbesondere kuwaitische Christen, weil sie starke familiäre Bindungen haben. Die Abkehr vom Islam wird nicht nur als religiöser Verrat angesehen, sondern auch als Verrat an Familie und Stamm. Christen muslimischer Herkunft gelten als respektlos gegenüber ihren eigenen Vätern und Großvätern, eine Illoyalität, die gesellschaftlich nicht hinnehmbar ist. Im Allgemeinen üben Familien starken sozialen Druck auf ehemalige Muslime aus, damit sie zum Islam zurückkehren, die Region verlassen oder den neuen Glauben geheim halten. In vielen Fällen entfremden sich christliche Konvertiten durch ihren neuen Glauben von ihren Familien.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung von Kuwait ist in vielerlei Hinsicht restriktiv. Die Registrierung einer Kirche ist beispielsweise ein sehr kompliziertes und langwieriges Verfahren. Diktatorische Paranoia steckt hinter den meisten staatlichen Einschränkungen, da der Herrscher des Landes nicht will, dass seine Vormachtstellung in irgendeiner Weise bedroht wird. Auch die Meinungs-, Presse- und Vereinigungsfreiheit sind eingeschränkt. Obwohl das Land eines der stärksten Parlamente der Region hat, diktiert die regierende sunnitische Königsfamilie immer noch den Alltag. 2016 wurden zwei ehemalige Abgeordnete, die sich kritisch über die Regierung und ihre Verbündeten äußerten, zu Haftstrafen verurteilt.

5. Verfolger

Ausgehend von islamischer Unterdrückung

  • Die eigene (Groß-)Familie: Obwohl eindeutig mit Fragen der Familienehre vermischt, sind stark vertretene islamische Überzeugungen ein wesentlicher Grund für Familien, Familienmitglieder ins Visier zu nehmen, die den christlichen Glauben annehmen. Der Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist in Kuwait gesellschaftlich nicht akzeptiert. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird höchstwahrscheinlich durch Familienmitglieder aus dem Haus vertrieben, da diese den Glaubenswechsel nicht nur als Angriff auf den Islam, sondern auch auf die Familienehre betrachten.
  • Regierungsbeamte: Auch wenn es keine strafrechtliche Sanktion für einen Glaubenswechsel gibt, ist er gesellschaftlich inakzeptabel und ein Glaubenswechsel weg vom Islam wird offiziell nicht anerkannt. Einige kuwaitische Christen (zumeist Christen muslimischer Herkunft) wurden von Regierungsbeamten verhört, sie wurden angewiesen, sich nicht mehr zu treffen und ihnen wurde gedroht, dass sie ihre Arbeit und ihr Zuhause verlieren würden. Ein Glaubenswechsel wird wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Personenstandsangelegenheiten führen. Zum Beispiel können Väter, die den Islam verlassen, das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren. Ausländische Christen müssen ihren Glauben vorsichtig praktizieren, da die Regierung gegen jeden Christen vorgehen wird, der den Versuch unternimmt, öffentlich über den christlichen Glauben zu sprechen. Evangelisation ist illegal und wird nach dem Gesetz bestraft. Ausländische Arbeitskräfte, die Jesus Christus nachfolgen, wurden verhört und angewiesen, nicht über ihren Glauben zu sprechen, da sie sonst Gefahr liefen, ihr Visum zu verlieren. Es wurden zwar keine Christen offiziell wegen Missionierung belangt, aber einige wurden in den vergangenen Jahren ohne ordnungsgemäßes Verfahren des Landes verwiesen.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Die Angst vor feindseligen Äußerungen oder Handlungen islamischer Leiter trägt dazu bei, dass sich Christen muslimischer Herkunft zu großer Vorsicht gezwungen sehen.
  • Gewöhnliche Bürger: Die konservative islamische Gesellschaft ist ein wichtiger Verfolger von Christen in Kuwait. Arbeitnehmer sind vertraglich an ihre Arbeitgeber gebunden und damit den Forderungen ihrer Arbeitgeber schutzlos ausgeliefert. Letztere können ausländische Arbeitskräfte mit christlichem Glauben leicht diskriminieren, demütigen oder misshandeln, insbesondere die armen und schlecht ausgebildeten Arbeiter aus Südostasien und Nordafrika. Christliche Gastarbeiter sind außerdem ein manchen Fällen Diskriminierungen und Misshandlungen durch muslimische Gastarbeiter ausgesetzt.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Familien- und Stammesoberhäupter sorgen dafür, dass der Islam innerhalb ihres Stammes oder ihrer Großfamilie respektiert wird. Sie setzen Familienmitglieder unter Druck, um dafür zu sorgen, dass Christen muslimischer Herkunft ihren Glauben widerrufen.
  • Politische Parteien: Kuwait hat eines der stärksten Parlamente des Nahen Ostens. Einige der gewählten Politiker sind Hardliner-Islamisten und ermutigen die Regierung offen dazu, gegen Christen, insbesondere Christen muslimischer Herkunft, vorzugehen.

Während das Land versucht, offen und modern zu sein, wird die Gesellschaft weiterhin von einer strengen Auslegung des Islam beherrscht. Gesellschaft und Regierung setzen konservative islamische Bräuche in der Öffentlichkeit durch, beispielsweise öffentliche Kleidervorschriften, Verbot von Alkoholkonsum, Einschränkung der Meinungsfreiheit (nämlich Kritik am Islam). Es gibt Einschränkungen, andere Religionen nur im privaten Bereich zu praktizieren.

Ausgehend von Unterdrückung durch den Clan/Stamm

  • Die eigene (Groß-)Familie: Obwohl klar ist, dass die islamische Strafe für Glaubensabfall – die Todesstrafe – ein zentrales Element bei den Ursachen für die Verfolgung eines konvertierten Familienmitglieds ist, kann dies nicht unabhängig vom Konzept der „Familienehre“ betrachtet werden. Alte Normen wie der Schutz der Familienehre sind noch immer intakt. Der Wechsel vom Islam zum christlichen Glauben ist der Verrat an allem, wofür eine konservative muslimische Familie steht, und das bringt Schande über den Familiennamen. Christen muslimischer Herkunft laufen Gefahr, von ihren Familien geächtet zu werden und könnten sogar getötet werden, weil sie ihren Familien Schande bereiten.
  • Anführer ethnischer Gruppen: Stammes- und Familienoberhäupter achten darauf, dass die Ehre ihrer Gemeinschaft nicht durch ein Mitglied „beschmutzt“ wird, das den Islam für den christlichen Glauben verlässt, was als große Schande empfunden wird.
  • Regierungsbeamte: Die Regierung verstärkt den Einfluss der Unterdrückung durch den Clan oder Stamm, indem sie sich für die Aufrechterhaltung des Status quo in der Gesellschaft und ihrer kulturellen Praktiken einsetzt. Die Regierung wird einen Christen muslimischer Herkunft nicht vor der eigenen Familie schützen, sondern betrachtet jede Bestrafung als „Familienangelegenheit“.
  • Nichtchristliche religiöse Leiter: Ortsansässige Imame fördern die Aufrechterhaltung kultureller Normen, die mit islamischen Prinzipien verflochten sind.
  • Gewöhnliche Bürger: Das Stammessystem ist in der kuwaitischen Gesellschaft immer noch weit verbreitet, und die soziale Stellung des Stammes und der Familie ist den Kuwaitern sehr wichtig. Es besteht also ein sozialer Druck, die gesellschaftlichen Normen aufrechtzuerhalten, um den guten Namen des Stammes und der Familie nicht zu beschämen.

Ausgehend von diktatorischer Paranoia

  • Regierungsbeamte: Die kuwaitische Regierung erlaubt keine Kritik an staatlichen Angelegenheiten, auch nicht an der Art und Weise, wie sie religiöse Angelegenheiten regelt. Das Land ist polizeilich gut überwacht und die Sicherheitskräfte beobachten die Aktivitäten im Land genau. Ausländer, die sich gegen die Regierung aussprechen, werden höchstwahrscheinlich deportiert. Der Bericht „Freedom in the World 2020“ von Freedom House stellt fest, dass Journalisten und Nutzer sozialer Medien, deren Artikel den Emir oder die Regierung beleidigen, oft mit Strafverfolgung rechnen müssen und die Regierung weiterhin Kritik an der Politik unterdrückt.

Trotz ihrer einschränkenden Politik geht der starke Druck auf Christen nicht in erster Linie von der Regierung aus. Christen haben am meisten von Mitgliedern der konservativen Gesellschaft Kuwaits zu befürchten. Es gibt eine klare Trennung im Land zwischen Kuwaitern, die per Definition Muslime sind, und den vielen ausländischen Arbeitskräften, umso mehr, wenn letztere Christen sind. Infolgedessen üben sich Christen aufgrund des bereits bestehenden Missbrauchs und der Diskriminierung durch die Gesellschaft häufig aus Sicherheitsgründen in Zurückhaltung.

6. Regionale Brennpunkte der Verfolgung

Kuwait ist ein sehr kleines Land, in dem die Hauptstadt Kuwait-Stadt das Zentrum aller Aktivitäten ist. Die Risiken, denen Christen ausgesetzt sind – insbesondere Christen muslimischer Herkunft – hängen eher von der Art der Gemeinschaft ab, der Christen angehören, als von dem geografischen Gebiet, in dem sie leben. Für einheimische Christen muslimischer Herkunft ist das Risiko am höchsten, da die Kuwaiter konservativ sind und eine enge familiäre Bindung haben. Christliche Arbeitskräfte, die aus einem nichtwestlichen Land stammen und über geringere Qualifikationen verfügen, werden eher diskriminiert und misshandelt, insbesondere weibliche Hausangestellte. Viele von ihnen kommen von den Philippinen. Es wird viel debattiert, inwieweit ihr nichtmuslimischer Glaube ihr Risiko, misshandelt zu werden, erhöht.

7. Betroffene Christen

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Die meisten Christen in Kuwait sind ausländische Arbeitskräfte. Sie haben gewisse Freiheiten, Gottesdienste zu feiern. Die vorhandenen Räumlichkeiten sind jedoch sehr klein für die Anzahl der Menschen, die sich dort versammeln. Es ist äußerst schwierig, Räumlichkeiten für Gottesdienste zu erhalten.

Laut dem Bericht zur internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2019 gibt es sieben offiziell anerkannte christliche Kirchen: Die Nationale Evangelische Kirche, die Römisch-Katholische Kirche, die Griechisch-Katholische (Malikitische) Kirche, die Koptisch-Orthodoxe Kirche, die Armenisch-Orthodoxe Kirche, die Griechisch-Orthodoxe Kirche und die Anglikanische Kirche. Einige religiöse Gruppen können Gottesdienste ohne Einmischung der Regierung abhalten, sofern sie die Nachbarn nicht stören oder keine Gesetze bezüglich Versammlung und Evangelisation verletzen. Die Regierung erlaubt solchen Gruppen, sich in gemieteten Villen, Privathäusern oder in den Einrichtungen von lizenzierten Kirchen zu versammeln.

Christen aus traditionellen Kirchen

Es gibt eine kleine Anzahl von traditionellen, einheimischen kuwaitischen Christen, die im Land leben. Berichten zufolge gibt es zwölf christliche Familien und insgesamt weniger als 300 Christen. Diese existieren nicht als eigene Kategorie für die Wertung in der Analyse des Weltverfolgungsindex; sie sind in der Kategorie für ausländische Arbeitskräfte enthalten.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Christen muslimischer Herkunft stehen in vielerlei Hinsicht vor erheblichen Herausforderungen. Die größten Verfolger sind Familie, Menschen aus dem sozialen Umfeld, extremistische Muslime und, in geringerem Maße, die Behörden. Sie laufen Gefahr, diskriminiert, belästigt, polizeilich überwacht und auf alle möglichen Arten eingeschüchtert zu werden. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Standes und Besitzes.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Diese existieren nicht als separate Kategorie für die Bewertung in der Analyse des Weltverfolgungsindex; sie sind in der Kategorie für ausländische Arbeitskräfte enthalten.

8. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

 

Privatleben 13.2
Familienleben 13.5
Gesellschaftliches Leben 9.9
Leben im Staat 12.2
Kirchliches Leben 13.2
Auftreten von Gewalt 1.1

 

Grafik: Verfolgungsmuster Kuwait

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf die Christen ist auf einem sehr hohen Niveau (12,4 Punkte) und von 12,2 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 angestiegen.
  • Obwohl alle Lebensbereiche einen hohen oder sehr hohen Druck aufweisen, ist der Druck in den Bereichen Privatleben, Familienleben und kirchliches Leben am größten. Dies spiegelt zum einen die schwierige Situation für Christen muslimischer Herkunft wider, die einem sehr hohen Druck seitens ihrer (Groß-)Familie ausgesetzt sind und weder eine offizielle christliche Trauung noch eine christliche Beerdigung ausrichten können. Zum anderen ist das kirchliche Leben sowohl für Christen muslimischer Herkunft als auch für ausländische Christen schwierig, da die Weitergabe des Evangeliums und die Integration von Christen mit muslimischem Hintergrund in Gemeinden gesellschaftlich inakzeptabel sind.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt stieg von 0,7 Punkten im Weltverfolgungsindex 2020 auf 1,1 Punkte im Weltverfolgungsindex 2021 an. Grund dafür ist eine Neubewertung der Situation von Hausangestellten.

Zu jedem untersuchten Lebensbereich sind im Folgenden die jeweils am höchsten bewerteten Fragen des Fragebogens, der zur Erstellung des Weltverfolgungsindex ausgefüllt wird, sowie Erkenntnisse aus deren Beantwortung angeführt. Den vollständigen Fragebogen finden Sie unter: www.opendoors.de/methodik

Privatleben

War es für Christen riskant, mit Familienmitgliedern über ihren Glauben zu reden, die nicht zum engsten Kreis gehören (erweiterte Familie, andere)?

Das Risiko ist bei einheimischen Christen muslimischer Herkunft am höchsten; bei nichtkuwaitischen christlichen Konvertiten hängt das Ausmaß des Risikos von den spezifischen Normen der eigenen Gemeinschaft der Arbeitsmigranten ab. Ausländische Christen können der Missionierung beschuldigt werden, wenn sie mit Muslimen über ihren Glauben sprechen, was zur Ausweisung führt.

Wurde ein Wechsel der Religion (auch der Wechsel der Denomination innerhalb des Christentums) abgelehnt, verboten oder mit einer Strafe belegt?

In einer sehr konservativen und stammesorientierten Gesellschaft, die das Verlassen des Islam als Verrat an den Familienwerten betrachtet, bringt der Wechsel zum christlichen Glauben immer Schwierigkeiten mit sich. Infolgedessen legen sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung Menschen, die den Glauben an Jesus Christus annehmen, Hürden in den Weg, auch wenn das Gesetz den Glaubenswechsel nicht offiziell verbietet. Sie bekommen zum Beispiel kein offizielles Dokument, auf dem ihr neuer Glaube vermerkt ist.

War es für Christen riskant, ihren Glauben in schriftlicher Form persönlich zu bekunden (auch auf Blogs oder Facebook etc.)?

Christen muslimischer Herkunft sind dem höchsten Risiko ausgesetzt, da das Veröffentlichen von Beiträgen über ihren Glauben dazu führen könnte, dass ihr Glaubenswechsel entdeckt wird. Allerdings können auch ausländische Christen nicht offen das Evangelium weitergeben oder den Islam kritisieren.

War es für Christen riskant, christliche Bilder oder Symbole zu zeigen?

Christen muslimischer Herkunft können keine christlichen Symbole tragen, da dies zu einer Entdeckung ihres Glaubens führen könnte. Ausländische Christen sind manchmal vorsichtig, da das öffentliche Zeigen eines Kreuzes zu negativen Bemerkungen oder anderen Belästigungen führen kann, besonders wenn sie in einem kuwaitischen Haushalt arbeiten (etwa als Hausangestellte).

Familienleben

Sind Kinder von Christen automatisch unter der Staats- oder Mehrheitsreligion registriert worden?

Alle Kinder, die von Kuwaitern geboren werden, gelten als Muslime. Dieser Grundsatz gilt auch für die Kinder kuwaitischer Christen muslimischer Herkunft.

Sind Christen aus religiösen Gründen daran gehindert worden, eine christliche Hochzeit zu feiern?

Eine kuwaitische Christin mit muslimischem Hintergrund darf laut Gesetz nur einen ebenfalls muslimisch geborenen Mann heiraten, während ein Mann die Freiheit hätte, eine Nichtmuslima zu heiraten – in beiden Fällen gelten aber islamische Verfahren. Daher wäre es unmöglich, die Ehe zwischen einem Christen und einem kuwaitischen Christen muslimischer Herkunft in einer Kirche zu schließen.

Wurden christliche Taufen behindert?

Taufen von Christen muslimischer Herkunft müssen diskret durchgeführt werden, da eine offene Taufe schwere Beschimpfungen und Schikanen von Familienmitgliedern und der Öffentlichkeit nach sich ziehen kann.

Gesellschaftliches Leben

Wurden Christen von ihren lokalen Gemeinschaften oder von privaten Gruppen überwacht (dazu gehören auch Meldungen an die Polizei, Beschattung, das Abhören von Telefonleitungen, das Lesen/Zensieren von E-Mails usw.)?

Christen werden im Allgemeinen nicht nur von der Regierung überwacht, sondern auch von der Gesellschaft, die die Sicherheitsdienste informiert, wenn sie Kenntnis von „verdächtigen Vorgängen“ hat. Insbesondere ausländische Arbeitskräfte, die im Verdacht stehen, das Evangelium weiterzugeben, werden von den Sicherheitsdiensten verfolgt.

Wurden Christen unter Druck gesetzt, an nichtchristlichen religiösen Zeremonien oder Gemeinschaftsveranstaltungen teilzunehmen?

Während des Fastenmonats Ramadan kämpfen Christen mit der von der Regierung und dem sozialen Umfeld de facto auferlegten Fastenpflicht. Darüber hinaus müssen Christen muslimischer Herkunft an allen islamischen religiösen Zeremonien teilnehmen, um ihren neuen Glauben geheim zu halten.

Wurden Christen von ihrem Umfeld unter Druck gesetzt, ihren Glauben zu widerrufen?

Es gibt immer Druck auf Christen muslimischer Herkunft, dem christlichen Glauben abzuschwören, auch im sozialen Umfeld. Christen muslimischer Herkunft werden geächtet, verlieren wahrscheinlich ihren Job und werden nicht mehr als Teil der örtlichen Gemeinschaft angesehen, wenn ihr Glaubenswechsel bekannt wird.

Wurden Christen am Arbeitsplatz im öffentlichen oder privaten Bereich aus religiösen Gründen diskriminiert?

Kuwaitische Christen muslimischer Herkunft würden definitiv diskriminiert werden und hätten große Schwierigkeiten, eine Anstellung zu finden, wenn ihr Glaube gekannt werden würde. Es ist eine anerkannte Tatsache, dass christliche Gastarbeiter Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren können. Ihr christlicher Glaube ist in dieser Hinsicht eine zusätzliche Angriffsfläche, obwohl auch Rassismus oft eine sehr negative Rolle spielt.

Leben im Staat

Schränkt die Verfassung (oder vergleichbare nationale oder staatliche Gesetze) die Religionsfreiheit, basierend auf der Formulierung in Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, ein?

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion. Die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit entspricht nicht ganz internationalen Standards, da sie sich lediglich auf die Durchführung religiöser Riten konzentriert, die nicht mit der kuwaitischen (also islamischen) Sittenordnung in Konflikt geraten dürfen – siehe Artikel 35. Die Verfassung garantiert also nicht die Freiheit, vom Islam zum christlichen Glauben überzutreten.

Sind christliche zivilgesellschaftliche Organisationen oder politische Parteien aufgrund ihrer christlichen Überzeugung in ihrer Arbeit behindert oder verboten worden?

Nur christliche Organisationen mit einem klaren Nutzen für die kuwaitische Gesellschaft, wie beispielsweise Krankenhäuser, werden begrüßt. Es ist unmöglich, eine christliche Organisation mit der Absicht zu gründen, das Evangelium weiterzugeben. Organisationen mit einem klaren christlichen Profil werden unter ständigem Misstrauen stehen und bekämpft werden.

Haben sich Beamte auf irgendeiner Ebene geweigert, den Glaubenswechsel einer Person in den Systemen der Regierungsverwaltung, in Ausweisen usw. offiziell anzuerkennen?

Kein Christ muslimischer Herkunft würde einen Antrag auf offizielle Anerkennung seines Glaubenswechsels stellen, weil er weiß, dass ihm dies nicht gewährt werden kann (aufgrund der Vorschriften des islamischen Rechts zur Abkehr vom Glauben). Ein solcher Antrag würde sie den Behörden preisgeben und damit extrem gefährlich sein.

Wurden Christen daran gehindert, ihre Ansichten oder Meinungen in der Öffentlichkeit zu äußern?

Alle Christen versuchen, sich unauffällig zu verhalten, um Druck zu entgehen. Kritik an der kuwaitischen Regierung oder am Islam ist nicht möglich und führt bei ausländischen Arbeitskräften wahrscheinlich zur Ausweisung. So kann zum Beispiel ein Gespräch über soziale Gerechtigkeit aus christlicher Perspektive nur mit großer Feinfühligkeit geführt werden.

Kirchliches Leben

Wurde die Arbeit mit Jugendlichen gezielt eingeschränkt?

Es ist möglich, Aktivitäten für christliche Jugendliche zu organisieren, aber es ist unmöglich, Aktivitäten zu organisieren, die sich an muslimische Jugendliche richten, da diese als Missionierung interpretiert werden würden.

Wurden Kirchen daran gehindert, Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten) offen zu integrieren?

Die Regierung hat nichtmuslimischen Missionaren verboten, im Land zu arbeiten und das Evangelium an Muslime weiterzugeben. Die offene Integration von Christen muslimischer Herkunft in Kirchengemeinden würde als deutliches Zeichen für Missionierung gewertet werden.

Ist der offene Verkauf oder die Verteilung von Bibeln und anderen christlichen Materialien behindert worden?

Der Verkauf von christlichen Schriften ist nur an Verkaufsstellen auf dem Kirchengelände erlaubt. Das kostenlose Verteilen von christlichen Schriften ist außerhalb des Kirchengeländes nicht erlaubt, da dies als Missionierung angesehen werden würde. In der Praxis würden die meisten Christen bei der Verbreitung von christlichen Schriften extreme Vorsicht walten lassen und im Endeffekt Selbstzensur üben. In den vergangenen Jahren hat die Verteilung von christlichen Schriften zur Ausweisung des betroffenen ausländischen „Schuldigen“ geführt.

Wurden Kirchen daran gehindert, christliche Aktivitäten außerhalb der Kirchengebäude zu organisieren?

Da die Durchführung öffentlicher christlicher Aktivitäten oft als Evangelisation ausgelegt wird, ist es den Kirchen nicht erlaubt, diese zu organisieren. Die meisten Kirchen betreiben in dieser Hinsicht Selbstzensur, um Probleme mit der Regierung oder der Gesellschaft zu vermeiden. Viele Gemeinden müssen sich in Häusern versammeln, da es an Kirchenräumen mangelt; aber diese Gemeinden achten darauf, sich unauffällig zu verhalten.

Auftreten von Gewalt

Für den Berichtszeitraum zum Weltverfolgungsindex 2021 gilt Folgendes:

  • Angriffe auf Christen: Es ist weithin bekannt, dass weibliche Hausangestellte leicht Opfer von (sexuellem) Missbrauch werden können. Allerdings gibt es kaum Statistiken, da fast alle beteiligten Personen, Organisationen und Staaten kein Interesse daran haben, die Realität abzubilden: Kuwait braucht die Hausangestellten für die Arbeit in den Haushalten, hat aber eine Schamkultur und will keinen schlechten Ruf haben. Auch die Heimatländer der Hausmädchen brauchen das Geld, das von den Tausenden von Migranten, die in den Golfstaaten arbeiten, hereinkommt, und wollen ihre wirtschaftlichen Interessen nicht aufs Spiel setzen. Allerdings hat der philippinische Präsident Duterte ein vorübergehendes Reiseverbot nach Kuwait verhängt, nachdem im Februar 2018 die Leiche eines philippinischen Hausmädchens in der Gefriertruhe eines kuwaitischen Hauses gefunden wurde.
    Die Arbeitgeber der missbrauchten Hausangestellten sind entweder selbst die Täter oder haben kein wahres Interesse an ihrem Wohlergehen. Die Hausmädchen selbst schämen sich oft wegen des Missbrauchs und wollen nicht als „schmutzig“ angesehen werden, weder in Kuwait selbst noch von ihrer Familie zu Hause. Zudem versorgen viele ihre Familien im Heimatland mit dringend benötigtem Einkommen. Die heimischen Familien sind stolz auf die Arbeit in Kuwait, und das Hausmädchen will ihre Familie nicht enttäuschen. Daher ist es sehr schwer, Statistiken und Beweise für sexuellen Missbrauch zu erhalten. Es ist zudem schwierig, zu beweisen, ob der sexuelle Missbrauch aufgrund der Religion des Opfers geschieht.
    Angesichts der hohen Zahl christlicher Gastarbeiter im Land gehen konservative Schätzungen dennoch davon aus, dass im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2021 mindestens zehn christliche Hausangestellte wegen ihres Glaubens (sexuell) missbraucht wurden.
  • Christen, die gezwungen wurden, das Land zu verlassen: Mindestens eine Christin muslimischer Herkunft ist aus Angst vor Verfolgung durch Familie, Gesellschaft und Regierung aus dem Land geflohen.

9. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nicht nur Christen müssen sich der manchmal unterdrückenden Hand der Regierung stellen, auch andere Minderheiten (wie die schiitische Gemeinschaft) erleben Diskriminierung und müssen sich vorsichtig verhalten. Obwohl die große schiitische Gemeinde in Kuwait traditionell eine höhere Akzeptanz genießt als in anderen Ländern der Region, haben die Einschränkungen der Religionsfreiheit auch für sie zugenommen. Dies lässt sich vor allem auf die politisch veränderten Beziehungen zwischen Kuwait und Saudi-Arabien beziehungsweise Iran zurückführen. Allerdings war diese Entwicklung bisher nicht sehr ausgeprägt, da Kuwait versucht, auf internationaler Ebene ein neutrales Profil zu wahren.

Religiöse Gruppen wie Hindus, Buddhisten und Sikhs können ihren Glauben relativ frei im Privaten praktizieren, es fehlt ihnen jedoch an Gottesdiensträumen. Konservative Gruppen im Parlament betrachten alle nichtmuslimischen religiösen Aktivitäten mit Misstrauen und stellen sich regelmäßig dagegen.

Laut dem Bericht zu internationalen Religionsfreiheit des US-Außenministeriums von 2019:

„Mitglieder von nichtabrahamitischen Glaubensgemeinschaften und nichtregistrierten Kirchen erklärten weiterhin, dass sie frei seien, ihre Religion privat zu praktizieren, aber mit Schikanen und potenzieller Strafverfolgung rechnen müssten, wenn sie ihre Nachbarn störten oder gegen Gesetze bezüglich Versammlungen und Missionierung verstießen. Sie (…) vermeiden Konflikte mit Behörden, indem sie weder evangelisieren noch die Regierung oder andere Glaubensrichtungen verunglimpfen. (…) Sie kündigten religiöse Veranstaltungen oder Versammlungen nicht öffentlich an, um zu vermeiden, dass ihre Organisationen unerwünschte Aufmerksamkeit sowohl von der Öffentlichkeit als auch von Regierungsbehörden auf sich zogen. (…) In diesen Gemeinschaften gaben die Mitglieder fast einheitlich an, dass es ihnen an ausreichenden religiösen Einrichtungen und religiösen Leitern oder Geistlichen fehle, um Gebete zu leiten, Geburten und Eheschließungen zu segnen und angemessene Begräbnisrituale durchzuführen.“

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kuwait:

  • Beten Sie für die vielen ausländischen Christen und christlichen Arbeitsmigranten, die in Kuwait leben. Bitten Sie Gott, dass er diesen Gläubigen Gemeinschaft und neue Hoffnung schenkt.
  • Beten Sie für die Regierung von Kuwait, dass sie Christen – besonders Christen mit muslimischem Hintergrund – mehr Freiheit gibt, sich zu treffen, zu beten und ihren Glauben frei zu bekennen.
  • Kuwaitische Christen, die einen muslimischen Hintergrund haben, werden manchmal von den Behörden inhaftiert und verhört. Sie können ernsthaften Gefahren ausgesetzt sein, wenn sie weiterhin ihren Glauben praktizieren und sich mit anderen Gläubigen treffen. Bitten Sie Gott, ihnen Mut und Ausdauer zu geben, um stark in Christus zu bleiben.