Länderprofil Kuweit

Kuwait

43
Weltverfolgungsindex
2019
Flagge Kuwait
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Emirat
Platz Vorjahr
34
ISO
KW
Karte Kuweit
Christen
0,44
Bevölkerung
4.20
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch begründete Anfeindungen
Privatleben: 13.200
Familienleben: 12.200
Gesellschaftliches Leben: 10.100
Leben im Staat: 10.500
Kirchliches Leben: 12.200
Auftreten von Gewalt: 1.500

Länderprofil Kuwait

Berichtszeitraum: 1. November 2017 – 31. Oktober 2018

Zusammenfassung

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 43 / 60 Punkte (WVI 2018: Platz 34 / 61 Punkte)

Welche Triebkräfte sind für die Verfolgung verantwortlich?

Der Islam ist Staatsreligion und die Scharia eine wichtige Quelle der Rechtsprechung. Die Regierung schreibt für alle Schüler die Teilnahme am islamischen Religionsunterricht vor, sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen. Christlicher Unterricht ist in öffentlichen Sekundarschulen verboten – auch für rechtlich anerkannte christliche Gruppen. Viele Kuwaitis sind für den "Islamischen Staat" (IS) im Ausland in den Kampf gezogen.

Diktatorische Paranoia: Die sunnitische Herrscherfamilie diktiert alle Bereiche des täglichen Lebens. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit sind eingeschränkt.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Islamische Traditionen, Normen und Werte, die sich in einem Stammeskontext herausgebildet haben, gelten auch für Christen, beispielsweise die Familienehre. Das betrifft im besonderen Christen mit einem muslimischen Hintergrund (Konvertiten).

Von wem geht die Verfolgung aus?

Christen erleben Verfolgung auf allen Ebenen der Gesellschaft: Die Regierung, das soziale Umfeld und besonders die eigene Familie können für Christen gefährlich sein, insbesondere für Christen muslimischer Herkunft. Die Gesellschaft Kuwaits ist konservativen islamischen Werten verpflichtet. Diese werden von ihr willig befolgt, aber auch durchgesetzt, sowohl von der Bevölkerung, islamisch-extremistischen Gruppen als auch von der Regierung, die sich den Forderungen der Extremisten beugt, so lange ihr Machtstatus nicht bedroht ist.

Wie äußert sich die Verfolgung?

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten haben relative Freiheit, sich zu Gottesdiensten zu versammeln. Allerdings sind die vorhandenen Räumlichkeiten, die als Orte für gottesdienstliche Versammlungen registriert sind, im Verhältnis zur Anzahl der Gottesdienstbesucher sehr klein. Laut einer anonymen Quelle kommt es sogar zu Konflikten zwischen verschiedenen christlichen Gruppen über die Nutzung der überfrequentierten Kirchengebäude. Es ist äußerst schwierig, Räumlichkeiten für eine christliche Versammlung zu erhalten.

Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung, da sie sowohl von Familienmitgliedern als auch vom weiteren sozialen Umfeld unter Druck gesetzt werden, ihrem christlichen Glauben abzusagen. Sie stehen in der Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von Bürgerwehren auf verschiedene Arten eingeschüchtert zu werden. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Standes und Besitzes. Dennoch gibt es sehr selten Berichte, dass Christen wegen ihres Glaubens verhaftet, verletzt oder getötet wurden.

Beispiele aus dem aktuellen Berichtszeitraum

  • Mehrere Christen mussten innerhalb des Landes umziehen, weil sie von der Gesellschaft unter Druck gesetzt worden waren.
  • Missbrauch ausländischer (weiblicher) Hausangestellter ist ein weitverbreitetes Phänomen. Der Fall eines philippinischen Hausmädchens, das im Februar 2018 tot in einer Gefriertruhe aufgefunden wurden, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs. Angesichts der hohen Anzahl von Christen unter den Arbeitsmigranten, ist davon auszugehen, dass die zahlreichen Fälle von sexuellem Missbrauch bei Hausangestellten nicht nur mit ihrem ethnischen Hintergrund, sondern auch mit ihrem Glauben zu tun haben. Mit anderen Worten: Es ist wahrscheinlich, dass ihr christlicher Glaube (sie gelten als Ungläubige) zu ihrer Gefährdung beiträgt.
  • Die Regierung verlangt islamischen Religionsunterricht für alle Schüler in staatlichen und privaten Schulen. Christlicher Unterricht ist in öffentlichen Sekundarschulen verboten – selbst wenn die Schüler anerkannten christlichen Gruppen angehören.
  • Laut dem Jahresbericht 2017/18 der Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" "haben die Behörden das Recht auf Meinungsfreiheit weiterhin übermäßig eingeschränkt. Sie verfolgen und inhaftieren Regierungskritiker und Onlineaktivisten aufgrund von Äußerungen, die mittels strafrechtlicher Bestimmungen kriminalisiert wurden; sie seien beleidigend gegen den Emir oder für die Beziehung zu Nachbarstaaten schädlich gewesen." Das gibt einen Hinweis darauf, in welch einem restriktiven Umfeld die Christen in Kuwait leben müssen.

1. Position auf dem Weltverfolgungsindex

Mit 69 Punkten steht Kuwait auf Platz 43 des Weltverfolgungsindex 2019. Das entspricht einem Rückgang um einen Punkt im Vergleich zum Vorjahr. Der Druck bleibt auf einem sehr hohen Niveau, wobei Christen muslimischer Herkunft am stärksten betroffen sind; sie erleben Verfolgung sowohl von der Familie als auch von der örtlichen Kommune.

2. Triebkräfte der Verfolgung

Islamische Unterdrückung

Wie in vielen Ländern der Region ist Islamische Unterdrückung die Haupttriebkraft der Verfolgung von Christen in Kuwait. Sie wirkt sowohl auf nationaler wie auch auf lokaler gesellschaftlicher Ebene. Angesichts der sehr unsicheren Lage in der gesamten Region ist die Gesellschaft generell sehr konservativ geworden. Vor diesem Hintergrund ist auch die Situation in Kuwait zu verstehen: Die Gesetze und die Verfassung bestätigen den konservativen Charakter der kuwaitischen Gesellschaft. Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion und das islamische Recht (Scharia) ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Die Regierung schreibt für alle Schüler die Teilnahme am islamischen Religionsunterricht vor, sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen. Christlicher Unterricht in öffentlichen Sekundarschulen ist verboten – auch für rechtlich anerkannte christliche Gruppen. In der Vergangenheit waren viele Kuwaitis gegenüber nichtmuslimischen Einwohnern tolerant eingestellt; aufgrund des wachsenden Einflusses extremistischer Muslime, die keine Christen im Land haben wollen, hat sich dies jedoch merklich geändert. Auch wenn der „Islamische Staat“ (IS) weitgehend besiegt ist, wirkt sein Einfluss weiter fort und ist unter der beachtlichen Zahl sunnitischer Extremisten auf nennenswerte Resonanz gestoßen. Einige kuwaitische Bürger haben im Irak und in Syrien an der Seite des IS gekämpft.

Diktatorische Paranoia

Die Regierung Kuwaits ist in vieler Hinsicht sehr restriktiv. Obwohl das Land eines der stärksten Parlamente in der Region hat, wird das tägliche Leben immer noch durch die herrschende königliche sunnitische Familie bestimmt. Im Jahr 2016 wurden zwei ehemalige Parlamentsmitglieder, die der Regierung und ihren Verbündeten kritisch gegenüberstanden, zu Gefängnisstrafen verurteilt. Hinter den meisten Einschränkungen durch die Regierung steht die Triebkraft der Diktatorischen Paranoia. Der Regent des Landes lässt keinerlei Bedrohung seiner Macht zu. Meinungsfreiheit, Pressefreiheit und Versammlungsfreiheit sind eingeschränkt. Eine Kirche registrieren zu lassen, ist eine sehr komplizierte und langwierige Prozedur. Nicht nur Christen sind der Unterdrückung durch die Regierung ausgesetzt, auch andere Minderheiten wie Schiiten werden diskriminiert und müssen sich vorsichtig verhalten.

Ethnisch begründete Anfeindungen

Typisch für diese Triebkraft der Verfolgung sind Situationen, in denen jahrhundertealte Normen und Werte, die sich in einem Stammeskontext herausgebildet haben (beispielsweise die Familienehre), Christen aufgezwungen werden. In Kuwait verbinden sich „Ethnisch begründete Anfeindungen“ mit dem Islam. Das betrifft im Besonderen kuwaitische Konvertiten, also Christen muslimischer Herkunft, da sie starke familiäre Bindungen haben. Den Islam zu verlassen, gilt nicht nur als Verrat an der Religion, sondern auch an der Familie und am Stamm. Ein solcher Schritt gilt als Respektlosigkeit gegenüber den eigenen Vorvätern und ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Generell üben Familien starken sozialen Druck auf Christen muslimischer Herkunft aus, um sie zur Rückkehr zum Islam zu bewegen oder dass sie nicht über ihren neuen Glauben sprechen. In vielen Fällen entfremden sich christliche Konvertiten durch ihren neuen Glauben von ihren Familien.

3. Verfolger

Ausgehend von Islamischer Unterdrückung

Trotz ihrer strengen Herrschaft ist nicht in erster Linie die Regierung für den starken Druck auf Christen verantwortlich. Die haben vor allem Teile der konservativen kuwaitischen Gesellschaft zu fürchten. Es gibt im Land eine deutliche Trennung zwischen Kuwaitis (die per definitionem Muslime sind) und den vielen Arbeitsmigranten, umso mehr, wenn letztere Christen sind. Dementsprechend sind Christen angesichts der bereits bestehenden Diskriminierung und Schikane seitens der Gesellschaft häufig aus Sicherheitsgründen sehr zurückhaltend.

Ausländische christliche Arbeiter müssen sich vorsichtig verhalten, doch Christen muslimischer Herkunft tragen die Hauptlast der Verfolgung. Es gibt zwar keine strafrechtliche Sanktion für einen Glaubenswechsel, er ist aber gesellschaftlich inakzeptabel. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Standes und Besitzes. Wer sich dem christlichen Glauben zuwendet, wird durch Familienmitglieder höchstwahrscheinlich aus dem Haus vertrieben, da diese den Glaubenswechsel nicht nur als Angriff auf den Islam, sondern auch auf die Familienehre betrachten.

Ausgehend von Diktatorischer Paranoia

Die kuwaitische Regierung duldet keine Kritik, vor allem nicht von (ausländischen) Christen. Die US-amerikanische Menschenrechtsorganisation „Freedom House“ berichtet: „Journalisten und Social-Media-Nutzer, die den Emir oder Saudi-Arabien beleidigt haben sollen, werden oft strafrechtlich verfolgt, und die Regierung unternimmt weiterhin Anstrengungen, um Kritik an ihren Handlungen und ihrer Politik zu ersticken.“

Das Land ist gut überwacht und die Sicherheitskräfte beobachten alle Aktivitäten im Land sehr genau. Ausländische Christen, die etwas gegen die Regierung sagen, müssen mit ihrer Ausweisung rechnen.

Ausgehend von ethnisch begründeten Anfeindungen

Das Stammessystem hat in Kuwait weitreichenden Einfluss. Konvertiten, die den Islam verlassen und sich dem christlichen Glauben zugewandt haben, werden als illoyal gegenüber ihrem Stamm und ihrer Familie gesehen. Mitglieder der (Groß-)Familie setzen sie unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen, oder verhängen sogar Strafen, weil die Familienehre beschädigt wurde.

4. Hintergrund

Kuwait ist einer der Golfstaaten mit engen Verbindungen zum Westen. Obwohl Kuwait eines der kleinsten Länder im Nahen Osten ist, hat es eine starke, auf Ölexport basierende Wirtschaft und ist eines der reichsten Länder der arabischen Welt. Von den ungefähr vier Millionen Einwohnern sind mehr als die Hälfte Einwanderer. Kuwait ist eine konstitutionelle Monarchie, deren Staatsoberhaupt der Emir der al-Sabah-Familie ist. Es war das erste arabische Land am Golf mit einem gewählten Parlament.

Die Gesellschaft Kuwaits ist konservativ. Das islamische Recht (Scharia) umfasst ein breites Spektrum von Regeln für das persönliche, familiäre und gesellschaftliche Leben. Obwohl Kuwait einige der wichtigsten Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen unterzeichnet hat, ist die Verfassung in Bezug auf die Religionsfreiheit voller Widersprüche. Einerseits gewährt sie Religionsfreiheit, gleichzeitig hält sie jedoch fest, dass die Inanspruchnahme der Religionsfreiheit nicht gegen bestehende Bräuche, die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Moral verstoßen darf.

In den letzten Jahren hat der IS ein feindliches Umfeld für religiöse Minderheiten in der Region geschaffen. Einige Kuwaitis haben sich der Gruppe angeschlossen. Der IS hat zwar in Syrien und im Irak Gebietsverluste erlitten, allerdings ist ihm gelungen, die Jugend und andere zu radikalisieren – eine Situation, die noch Jahre Auswirkung zeigen wird.

5. Betroffene Christen

Zwei der vier im Weltverfolgungsindex definierten Kategorien von Christen sind in Kuwait präsent:

Ausländische Christen und Arbeitsmigranten

Den größten Teil der in Kuwait lebenden Christen machen Ausländer und Arbeitsmigranten aus. Sie haben gewisse Freiheiten, Gottesdienste zu feiern. Allerdings sind die bestehenden Gottesdiensträume für die Anzahl der sich dort versammelnden Christen zu klein. Es ist äußerst schwierig, Grundstücke für Gottesdiensträume zu erhalten.

Laut dem "International Religious Freedom Report" des US-amerikanischen Außenministeriums zu Kuwait gibt es sieben offiziell anerkannte christliche Kirchen: Die Nationale Evangelische, die Römisch-Katholische, die Griechisch-Katholische, die Koptisch-Orthodoxe, die Armenisch-Orthodoxe, die Griechisch-Orthodoxe und die Anglikanische. Einige religiöse Gemeinschaften ohne offiziell registriertem Gottesdienstraum gaben an, dass sie ohne Einmischung der Regierung Gottesdienste durchführen konnten, vorausgesetzt, dass sie ihre Nachbarn nicht störten und keine Gesetze in Bezug auf Versammlung und Missionierung verletzten. Die Regierung gestattet solchen Gruppen, in gemieteten Villen, Privathäusern oder Einrichtungen genehmigter Kirchen zu arbeiten.

Christen muslimischer Herkunft (Konvertiten)

Diese Christen stehen vielen bedrohlichen Herausforderungen gegenüber. Die Hauptverfolger dieser Gruppe sind die eigene Familie, Mitglieder der örtlichen Kommune, extremistische Muslime und zu einem geringeren Anteil die Behörden. Christen muslimischer Herkunft stehen in der Gefahr, diskriminiert, belästigt, von der Polizei überwacht und von gewalttätigen Gruppen auf verschiedene Arten eingeschüchtert zu werden. Eine Abkehr vom Islam wird zudem nicht offiziell anerkannt und führt sehr wahrscheinlich zu rechtlichen Problemen in Belangen des persönlichen Status und Besitzes.

6. Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 13.2
Familienleben 12.2
Gesellschaftliches Leben 10.1
Leben im Staat 10.5
Kirchliches Leben 12.2
Auftreten von Gewalt 1.5

Grafik: Verfolgungsmuster Kuwait

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die WVI-Platzierung. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Das Verfolgungsmuster zeigt:

  • Der durchschnittliche Druck auf Christen ist auf einem sehr hohen Niveau (11,7 Punkte), nahm jedoch gegenüber dem Vorjahr (12,2 Punkte) etwas ab. Diese leichte Verbesserung ist vor allem auf Berichte von geringerem Druck zurückzuführen, dem Konvertiten ausgesetzt sind, die keine Kuwaitis sind.
  • Auch wenn alle Lebensbereiche ein sehr hohes Niveau von Druck aufweisen, ist der Druck am stärksten in den Bereichen „Privatleben“ und „Familienleben“. Darin spiegelt sich zum einen die schwierige Situation von Christen muslimischer Herkunft wider, die sehr starken Druck vonseiten der (Groß-)Familie erleben und beispielsweise keine christlichen Hochzeiten oder Beerdigungen feiern können. Zum anderen ist es sowohl für solche Konvertiten als auch für ausländische Christen schwierig, kirchliches Leben zu gestalten. Missionstätigkeiten und die Integration von Christen muslimischer Herkunft sind gesellschaftlich nicht akzeptiert.
  • Der Wert für das Auftreten von Gewalt ist im Vergleich zum Vorjahr von 0,4 auf nun 1,5 Punkte gestiegen. Dieser Anstieg spiegelt Übergriffe auf (weibliches) Hauspersonal wider.

Privatleben

In einer sehr konservativen Gesellschaft, die das Verlassen des Islam als Verrat an den Familienwerten betrachtet, ist eine Hinwendung zum christlichen Glauben immer schwierig. Obwohl das Gesetz den Glaubenswechsel formell nicht verbietet, legen sowohl die Gesellschaft als auch die Regierung denjenigen, die konvertieren möchten, Steine in den Weg. Zum Beispiel können sie kein offizielles Dokument erhalten, in dem ihr neuer Glaube eingetragen ist. Daneben wird sämtliche (religiöse) Literatur verboten, die als beleidigend gegenüber dem Islam erachtet wird. Für Konvertiten zum christlichen Glauben, die mit ihren Familien zusammenleben, sei es die Kernfamilie oder die erweiterte Familie, ist es schwierig, zu beten oder christliche Materialien zu besitzen – sie müssen darauf achten, dass solche Materialien nicht entdeckt werden.

Familienleben

Besonders für Christen muslimischer Herkunft ist es sehr herausfordernd, als christliche Familie zu leben. Die im Land vorherrschenden Umstände erlegen auch den Familien von ausländischen Christen und Arbeitsmigranten Einschränkungen auf; sie müssen in der Öffentlichkeit sehr vorsichtig agieren. Es ist für sie schwierig und sogar gefährlich, über ihren Glauben zu sprechen, da dies als Missionstätigkeit gesehen werden kann, was streng verboten ist. Christen muslimischer Herkunft tragen in Bezug auf das familiäre Leben die Hauptlast der Verfolgung. Verstorbene Christen mit muslimischem Hintergrund werden oft nach islamischem Ritus auf muslimischen Friedhöfen begraben; es gibt nur sehr wenige Begräbnisstätten für Ausländer. Taufen müssen sehr diskret durchgeführt werden, da öffentliche Taufen schwere Beschimpfungen und Belästigungen sowohl vonseiten der Familie als auch des gesellschaftlichen Umfelds nach sich ziehen können. Das Gesetz schränkt auch ein, wer wen heiraten darf – eine Muslima darf keinen Nichtmuslimen heiraten, es sei denn er konvertiert zum Islam. Diese Gesetze haben bedeutende Auswirkungen auf Fragen des Sorgerechts und des Erbrechts: Christen muslimischer Herkunft erhalten oft überhaupt keinen Anteil am Erbe ihrer verstorbenen Eltern, da ihre Abkehr vom Islam der Familie Schande gebracht hat.

Gesellschaftliches Leben

In kuwaitischen Kommunen werden Christen als Fremde und Ungläubige angesehen und oft direkt oder indirekt von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Während des Ramadan spüren sie die überdeutliche Erwartung von Regierung und Gesellschaft, am Fasten teilzunehmen. Christen muslimischer Herkunft stehen beständig unter Druck, ihren Glauben zu widerrufen. Auch im Bildungsbereich sind Christen herausgefordert: Die Regierung schreibt für alle Schüler die Teilnahme am islamischen Religionsunterricht vor, sowohl in staatlichen als auch in privaten Schulen (sofern sie einen oder mehrere muslimische Schüler haben). Gleichzeitig verbietet das Gesetz jedoch Religionsunterricht für andere Glaubensrichtungen als den Islam.

Leben im Staat

Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion. Die Religionsfreiheit, wie sie in der Verfassung verankert ist, entspricht nicht den internationalen Standards: Sie konzentriert sich lediglich auf die Beachtung religiöser Riten, die nicht im Widerspruch zu kuwaitischen Sitten und damit dem Islam stehen. Es gibt Gesetze gegen Missionierung, die von der Regierung auch durchgesetzt werden. Davon abgesehen folgt die Regierung dem Kurs, den sunnitischen Islam zu fördern, indem sie sunnitische Moscheen und Imame sowie sunnitische Ausbildung und Lehre finanziert. Auch wenn Kuwait demokratische Wahlen abhält, ist es undenkbar, dass ein Nichtmuslim sich um ein öffentliches Amt bewerben könnte. Verschiedene extremistische Gruppen sowie streng konservative Parlamentsmitglieder möchten jeden nichtmuslimischen Einfluss, wie etwa Weihnachtsfeiern ausländischer Christen, aus dem Land tilgen.

Kirchliches Leben

Das kirchliche Leben ist in Kuwait sehr eingeschränkt. Wer zum Beispiel ein Stück Land kaufen möchte, um dort eine Kirche zu errichten, muss ein Bürger Kuwaits sein. Für Christen muslimischer Herkunft wäre es sehr gefährlich, ein Stück Land zum Bau einer Kirche zu kaufen, da ihr Glaubenswechsel dadurch öffentlich bekannt werden würde. Gemeinden, die eine Baugenehmigung für eine Kirche beantragten, mussten meist Jahre darauf warten. Ein Experte für das Land bemerkt: „Die meisten der anerkannten christlichen Kirchen sehen ihre Gebäude als unzureichend für ihre Gemeinden an; gleichzeitig haben sie erhebliche Probleme, amtliche Baugenehmigungen der städtischen Behörden für ein neues Gebäude zu bekommen. Die städtischen Behörden haben in einigen Fällen religiöse Versammlungen in Privatgebäuden unterbunden und Vermieter unter Druck gesetzt, die Räumlichkeiten an nicht registrierte Kirchengemeinden vermietet hatten.“ Die Regierung gestattet Kirchen, religiöse Materialien zu importieren, doch nur unter der Bedingung, dass deren Inhalt den Islam nicht beleidigt. Christliche Zeichen und Symbole dürfen nicht von außen sichtbar an Kirchengebäuden angebracht werden. Die Regierung verbietet Missionaren, im Land zu arbeiten und Christen, ihren Glauben an Muslime weiterzugeben.

Auftreten von Gewalt

In Kuwait, wie auch in anderen Golfstaaten, kommt es nur selten zu gewaltsamen Übergriffen gegen Christen. Die Regierung braucht gar nicht gegen Christen vorzugehen, da der gesellschaftliche Druck sehr hoch ist und die Christen Selbstzensur üben. Es ist nicht einfach, gesicherte Berichte über Gewalt aus dem Land zu erhalten. Jedoch berücksichtigt Open Doors auch die schwierige Situation der Arbeitsmigranten, die in niedrigqualifizierten Berufen tätig sind. Laut "Amnesty International" sind diese Arbeiter „weiterhin mit Ausbeutung und Missbrauch im Rahmen des offiziellen ‚Kafala‘-Systems der Bürgschaft konfrontiert.“ Open Doors befürchtet, dass christliche Arbeitsmigranten zusätzlich wegen ihres Glaubens, Frauen noch einmal mehr, gefährdet sind, diskriminiert zu werden.

Beispiele für das Auftreten von Gewalt gegen Christen finden sich im Abschnitt "Zusammenfassung".

7. Verfolgungssituation für Frauen und Männer

Frauen

Nach Angaben des „Tahirih Justice Center“ ist häusliche Gewalt, insbesondere gegenüber Frauen, in Kuwait weit verbreitet. Häusliche Gewalt wird als Familienangelegenheit betrachtet; es gibt keine spezifischen Gesetze dazu, und es ist höchst unwahrscheinlich, dass die Behörden dagegen vorgehen. Außerdem ist die Rolle der Frau in der Gesellschaft sehr eingeschränkt und Frauen dürfen ihren Ehepartner oft nicht selbst wählen. Man sich leicht vorzustellen, welche Gefahren christlichen weiblichen Hausangestellten in einer solchen Atmosphäre drohen. Im März 2017 wurde ein schockierendes Video veröffentlicht, in dem ein äthiopisches Hausmädchen aus dem Fenster fällt; die Frau, die sie filmt, versucht nicht, sie zu retten. Die Misshandlung von Arbeitsmigranten, einschließlich deren sexuellen Missbrauch, muss daher mit größter Aufmerksamkeit weiter beobachtet werden. Obwohl dies nicht in erster Linie ein religiöses Problem ist, sehen Beobachter, dass die nahezu ausschließlich weiblichen, nichtmuslimischen Arbeitsmigranten in größerer Gefahr stehen, Opfer eines solchen Missbrauchs zu werden, als Muslimas.

Christliche Frauen sind insgesamt gefährdeter als Männer, da Männer generell gegenüber Frauen bevorzugt behandelt werden. Stammesstrukturen beeinflussen, wie stark Konvertiten die Verfolgung zu spüren bekommen. Auch da sind Frauen und Mädchen stärker betroffen als Männer. Kulturell bedingte Abstufungen von Status und Freiheit sorgen dafür, dass junge und ältere Männer weniger gefährdet sind. Laut Gesetz können Christinnen muslimischer Herkunft keinen Nichtmuslim heiraten.

Männer

Männer sind besonders an ihrem Arbeitsplatz Diskriminierung und Feindseligkeiten ausgesetzt. Arbeitsmigranten sind durch das "Kafala" genannte System der Bürgschaft an ihre Arbeitgeber gebunden, das sowohl Männer als auch Frauen in die Gefahr bringt, regelrecht versklavt zu werden.

Männliche Christen muslimischer Herkunft werden häufig von ihren Familien verstoßen, womit sie Respekt und die (finanzielle) Unterstützung ihrer Familien verlieren. Ohne letztere ist es schwer, eine Arbeitsstelle zu finden oder zu behalten, und die Möglichkeit einer Ehe rückt in schier unerreichbare Ferne. Verheiratete Christen muslimischer Herkunft müssen damit rechnen, dass ihre Ehefrauen sich scheiden lassen und sie das Sorgerecht für ihre Kinder und jeglichen Anspruch auf ihr Erbe verlieren.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Nicht nur Christen sind der Unterdrückung durch die Regierung ausgesetzt, auch andere Minderheiten wie Schiiten werden diskriminiert und müssen sich vorsichtig verhalten. Obwohl die große schiitische Gemeinde in Kuwait traditionell eine höhere Akzeptanz genießt als in anderen Ländern der Region, haben die Einschränkungen der Religionsfreiheit auch für sie zugenommen. Dies lässt sich vor allem auf die politisch veränderten Beziehungen zwischen Kuwait und Saudi-Arabien beziehungsweise dem Iran zurückführen.

Religiöse Gruppen wie Hindus, Buddhisten und Sikhs sind relativ frei, ihren Glauben im privaten Umfeld zu praktizieren; ihnen fehlen jedoch oft Versammlungs- und Gebetsräume. Konservative Gruppen im Parlament beäugen alle nicht-muslimischen religiösen Aktivitäten mit Argwohn und beziehen regelmäßig gegen sie Stellung.

Laut "International Religious Freedom Report 2017" des US-Außenministeriums "gaben Mitglieder nicht-abrahamitischer Religionen an, dass sie ihre Religion privat ausüben konnten, aber mit Belästigungen und möglicher Strafverfolgung konfrontiert wurden, wenn sie ihren Glauben öffentlich praktizierten. Diese ausländischen Anhänger nicht-abrahamitischer Religionen konnten keine eigenen Gotteshäuser haben, nicht in Kuwait heiraten und blieben der Scharia unterworfen, wenn Familienstreitigkeiten vor Gericht gebracht wurden. Die meisten Mitglieder dieser religiösen Gemeinschaften gaben an, dass sie ihren Glauben unter sich praktizieren konnten, aber auch, dass sie eine diskrete Form der Selbstzensur übten, um Konflikte mit Behörden zu vermeiden. In vielen Fällen gaben sie an, dass sie gruppeninterne Streitigkeiten unter sich lösten, statt gerichtliche Schritte einzuleiten, durch die sie dann der Scharia ausgesetzt wären."

9. Ausblick

Der politische Ausblick

Die Zukunft Kuwaits ist, wie die anderer Golfstaaten, untrennbar mit der politischen Situation in der Region verbunden – der Nahe Osten und die Golfregion aber bleiben unberechenbar.

Der Ausblick für Christen

Mit Hinblick auf Islamische Unterdrückung: Falls die Behörden sich etwa aus politischen Erwägungen gezwungen sehen, sich gegenüber dem Iran abzugrenzen und Saudi-Arabien anzunähern, könnten sunnitische Konservative größeren politischen Einfluss gewinnen – möglicherweise mit der Folge, dass das politische Klima für Christen (einschließlich ausländischer) rauer und feindseliger werden könnte. Hinzu kommt der weiterhin bestehende Einfluss des IS, auch wenn er aus militärischer Sicht vor einer Niederlage steht. Der Aufstieg des sunnitischen Extremismus hat nicht nur die Christen in der Region, sondern auch die einzelnen Staatsoberhäupter und die internationale Gemeinschaft vor Probleme gestellt. Länder mit sunnitischer Bevölkerungsmehrheit, einschließlich Kuwait, wachen sorgfältig darüber, dass solche extremistischen militanten Gruppen nicht ihre Netzwerke in ihrem Land aufbauen.

Diktatorische Paranoia: Die kuwaitische Regierung wird auch in Zukunft alles daransetzen, jede abweichende Meinung auszurotten und öffentliche Unruhen zu vermeiden.

Ethnisch begründete Anfeindungen: Obwohl Urbanisierung, Modernisierung und die Bedeutung des Internets die junge Generation massiv beeinflussen, werden voraussichtlich auch die Stammesstrukturen weiterhin ihren Einfluss behalten. Die Globalisierung könnte sogar das Stammesdenken weiter stärken, da sich Kuwaitis dadurch bedroht sehen und versuchen könnten, ihre Identität umso mehr zu schützen. In dieser Atmosphäre wird der Glaubenswechsel vom Islam zum christlichen Glauben ein heikles Thema bleiben.

Zusammenfassung

Solange Kuwait seine Offenheit für die Weltwirtschaft bewahrt, werden ungeachtet des bestehenden Drucks voraussichtlich weiterhin christliche Arbeiter in das Land kommen. Trotz der Unruhen in der Region, wie der Katar-Krise und des anhaltenden Bürgerkriegs im Jemen, war Kuwait im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2019 politisch stabil und es gab keinen massiven Anstieg der Verfolgung. Die Angst unter Christen, vor allem unter Christen muslimischer Herkunft, wird jedoch bleiben, da sie weiterhin einem feindseligen Umfeld ausgesetzt sind. Die Gesellschaft wird wahrscheinlich noch konservativer werden; und solange die Regierung ihre Macht nicht bedroht sieht, wird sie vermutlich zulassen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Ihr Ziel wird sein, die islamisch-extremistischen Gruppen in der Gesellschaft zu beschwichtigen. Christliche Arbeitsmigranten werden dennoch auch weiterhin auf Arbeitssuche ins Land kommen.

10. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Kuwait:

  • Kuwait erregte im vergangenen Jahr international Aufmerksamkeit wegen der schlechten Behandlung asiatischer Arbeitsmigranten, insbesondere philippinischer Kindermädchen und Hausangestellter. Viele von ihnen sind Christen und kommen aus armen Verhältnissen. Beten Sie um Gerechtigkeit in dieser Situation. Beten Sie um besonderen Segen für Christen in Kuwait, die sich um missbrauchte Hausangestellte kümmern. Beten Sie um Heilung.
  • Laut Verfassung ist der Islam Staatsreligion, und das islamische Recht (Scharia) ist eine wichtige Quelle der Gesetzgebung. Beten Sie, dass das Land sich in Richtung wahrer Religionsfreiheit bewegt.
  • Beten Sie, dass Christen mit muslimischem Hintergrund ihre Familienangehörigen mit der Liebe Gottes erreichen. Beten Sie, dass Christen ihren Glauben mutig und mit Weisheit an die Menschen in ihrem Umfeld weitergeben.
  • In der Gesellschaft werden Christen als Fremde und Ungläubige angesehen. Sie werden von gemeinschaftlichen Aktivitäten ausgeschlossen. Beten Sie, dass die christlichen Gemeinden nicht entmutigt werden, sondern ihrem muslimischen Umfeld weiterhin die Liebe Jesu zeigen.

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