Länderprofil Malaysia

Malaysia

50
Weltverfolgungsindex
2022
Flagge Malaysia
Hauptreligion
Islam
Offizielle Staatsform
Konstitutionelle Wahlmonarchie
Platz Vorjahr
46
Karte Malaysia
Christen
3,03
Bevölkerung
33.29
Islamische Unterdrückung
Diktatorische paranoia
Ethnisch-religiöse Feindseligkeit
Privatleben: 12.500
Familienleben: 14.300
Gesellschaftliches Leben: 11.500
Leben im Staat: 11.600
Kirchliches Leben: 10.200
Auftreten von Gewalt: 3.300

Länderprofil Malaysia

Position auf dem Weltverfolgungsindex

Platz 50 / 63 Punkte (WVI 2021: Platz 46 / 63 Punkte)

Berichtszeitraum: 1. Oktober 2020 – 30. September 2021

Überblick

Diejenigen, die den Islam verlassen, einschließlich derjenigen, die Christen werden, sind Druck und Gewalt ausgesetzt, da von jedem ethnischen Malaien erwartet wird, dass er Muslim ist. Der Austritt aus dem Islam verstößt nicht nur gegen die Verfassung, sondern auch gegen Vorstellungen von Familie und Gesellschaft. Römische Katholiken, Methodisten und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werden von den Behörden überwacht. Protestantische Freikirchen sind jedoch häufiger Zielscheibe von Übergriffen, da sie in der Regel aktiver über ihren Glauben sprechen.

Länderprofil als PDF

Das folgende Länderprofil ist ein übersetzter Auszug aus dem Country Dossier von World Watch Research, der Forschungsabteilung von Open Doors. Das vollständige Dossier auf Englisch sowie das gekürzte Länderprofil auf Deutsch (beides als PDF) finden Sie hier zum Download.

Country Dossier als PDF

Länderprofil als PDF

1. Hintergrund

Malaysia wird von einer Koalition regiert, die sich aus der „United Malays National Organisation“ (UMNO) und der Hardliner-Partei „Pan-Malaysian Islamic Party“ (PAS) zusammensetzt. Außerdem gibt es einen Vorsitz der Regentenkonferenz , der alle fünf Jahre unter neun regionalen Sultanen rotiert, die in Fragen, die den Islam betreffen, ein Vetorecht haben. Extremistische islamische Stimmen werden immer lauter. Die PAS im Bundesstaat Kelantan kündigte an, dass sie versuchen werde, die traditionelle Volkszeremonie und Tanz „Main Puteri“ mit der Scharia in Einklang zu bringen, und ein PAS-Abgeordneter bezeichnete die Bibel öffentlich als „ein verzerrtes Buch“ und weigerte sich, seine Aussage zurückzunehmen oder sich zu entschuldigen. Die PAS (die in Koalition mit der UMNO regiert) war eine der wenigen Regierungsstellen weltweit, die den Taliban zur „Befreiung“ und Herrschaft in Afghanistan gratulierten. Obwohl das Motto der Regierung „Ein Malaysia“ lautet, wird die uralte Praxis der Diskriminierung nichtmalaiischer ethnischer Minderheiten unvermindert fortgesetzt, indem die „Bumiputra“ („Menschen des Bodens“ – die malaiische Bevölkerung) in öffentlichen Ämtern und bei den Streitkräften bevorzugt werden.

Die malaysische Verfassung definiert den „Malaien“ als einen Anhänger des Islam. Immer wieder warnen muslimisch-malaiische Organisationen und Politiker vor einer angeblichen Christianisierung. Malaysias Rechtssystem und seine politischen Institutionen sind stark vom Islam geprägt. Alle Kinder in staatlichen Schulen müssen am Islamunterricht teilnehmen, und an der Universität gibt es ein Pflichtfach für alle Studenten mit der Bezeichnung „Islamische und asiatische Zivilisation“, das von vielen als ein Instrument der Regierung zur weiteren Förderung der Islamisierung angesehen wird.

Weltanschauungen

Anhänger

%

Christen

3.028.000

9,1

Muslime

18.739.000

56,3

Hindus

2.098.000

6,3

Buddhisten

1.783.000

5,4

Anhänger ethnischer Religionen

1.104.000

3,3

Juden

100

0,0

Bahai

76.000

0,2

Atheisten

39.300

0,1

Agnostiker

131.000

0,4

Andere

6.290.400

18,9

2. Gibt es regionale Unterschiede?

Die Situation ist im ganzen Land die gleiche. Die islamische Missionsarbeit unter Christen – vor allem unter den Bumiputra – konzentriert sich jedoch auf Ostmalaysia. Mit Hilfe der vielen zugewanderten Muslime ist die Religionszugehörigkeit im Bundesstaat Sabah schon seit einigen Jahren nicht mehr mehrheitlich christlich, und Sarawak ist nur noch auf dem Papier ein christlicher Mehrheitsstaat.

3. Was sind die stärksten Triebkräfte der Verfolgung?

Islamische Unterdrückung

Malaysia war als liberales und tolerantes islamisches Land bekannt, aber dieser Ruf hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Die Regierung hat versucht, die Scharia im Bundesstaat Kelantan einzuführen. In Sorgerechtsangelegenheiten zwischen Nichtmuslimen entscheiden Zivilgerichte häufig zugunsten der Mutter des Kindes, weshalb Väter manchmal zum Islam übertreten. Dann wird die Klage vor einem Scharia-Gericht verhandelt und das Sorgerecht dem muslimischen Vater zugesprochen. Die Polizei zieht es vor, die Entscheidungen der Scharia-Gerichte umzusetzen, da dies weniger Probleme verursacht. Die Verfassung verbietet Malaien den Wechsel zu anderen Religionen und schränkt die Verbreitung nichtmuslimischer Religionen ein. Christliche Konvertiten stehen in der Gefahr, Gewalt zu erfahren und von ihren Familien unter Druck gesetzt zu werden, ihren Glauben zu verleugnen, da eine Hinwendung zum christlichen Glauben als Schande angesehen wird.

Diktatorische Paranoia

Beide Parteien der Regierungskoalition, UMNO und PAS, treten für die Vorherrschaft der malaiischen Muslime und deren bevorzugte Behandlung ein. Die UMNO ist dafür bekannt, dass sie die religiösen und rassistischen Karten spielt, um an der Macht zu bleiben.

Ethnisch-religiöse Feindseligkeit vermischt mit islamischer Unterdrückung

Politik und Gesellschaft sind stark von einem ethnischen Impuls zur Erhaltung und einem Gefühl der Überlegenheit der malaiischen Volksgruppe geprägt. Obwohl dies eindeutig mit religiösen Motiven vermischt ist und von diesen dominiert wird, da ja jeder Malaie ein Muslim sein muss, muss dieser Sachbestand erwähnt werden, da dieser sich eindeutig in der islamisch-missionarischen „Dakwah“-Bewegung niederschlägt, die aggressiv in verarmten einheimischen Gemeinschaften in Ostmalaysia mit lukrativen Anreizen und Vorteilen aktiv ist.

Eine vollständige Übersicht aller im Land wirksamen Triebkräfte finden Sie im ungekürzten, englischen Länderprofil.

4. Welche Christen sind von Verfolgung betroffen?

Christen aus traditionellen Kirchen

Diese Gemeinschaften bestehen aus römisch-katholischen, anglikanischen und methodistischen Christen, die zwar diskriminiert werden, aber weniger als Konvertiten oder nichttraditionelle Gemeinschaften.

Christen anderer religiöser Herkunft (Konvertiten)

Per Gesetz steht auf Apostasie die Todesstrafe. Dies wurde jedoch bisher noch nie in die Tat umgesetzt. In einigen Regionen können christliche Konvertiten muslimischer Herkunft sich treffen. Sie alle stoßen jedoch in unterschiedlichem Maße auf den Widerstand der Familie, der Gesellschaft und der Behörden.

Christen aus protestantischen Freikirchen

Zu dieser Kategorie gehören Baptisten und Pfingstgemeinden. Sie sind oft mit Überwachung, Diskriminierung, Einschüchterung und Belästigung konfrontiert.

5. Wie erfahren Christen Druck und Gewalt?

Betroffene Lebensbereiche und Auftreten von Gewalt

Privatleben 12.5
Familienleben 14.3
Gesellschaftliches Leben 11.5
Leben im Staat 11.6
Kirchliches Leben 10.2
Auftreten von Gewalt 3.3

Die Summe der Wertungen aller sechs Bereiche (die maximale Punktzahl beträgt jeweils 16,7) ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Platzierung auf dem Weltverfolgungsindex. Das Verfolgungsmuster zeigt das Ausmaß von Druck und Gewalt, welche durch das Zusammenwirken der Triebkräfte hervorgerufen werden.

Privatleben

Nach dem Gesetz dürfen sich malaiische Muslime in keinem Staat außer in Sarawak vom Islam abwenden, um einen anderen Glauben anzunehmen. Aber selbst dort ist der Prozess langwierig und schwierig. Die PAS fordert, dass die per Gesetz vorgeschriebene Todesstrafe für Apostasie auch in die Tat umgesetzt wird, war aber bisher mit ihren Bemühungen nicht erfolgreich. Wer vom Islam zum christlichen Glauben konvertiert, kann bestraft oder in ein islamisches „Läuterungszentrum“ geschickt werden, wo Insassen unter Druck gesetzt werden, zum Islam zurückzukehren. Es gibt einen Leitfaden der Fatwa-Abteilung, der besagt, dass Weihnachtsbäume und -schmuck nicht verwendet werden sollten, wenn ein Muslim eine Weihnachtsveranstaltung besuchen möchte. Außerdem verbietet er Muslimen die Teilnahme an Weihnachtsfeiern, bei denen „Reden oder Gesten des Lobpreis der nichtmuslimischen Religion“ stattfinden.

Familienleben

Kinder von Paaren, bei denen ein Elternteil Muslim ist, werden automatisch als Muslime registriert und benötigen für einen offiziellen Glaubenswechsel die Zustimmung beider Elternteile. Das Bildungswesen ist auf eine malaiische und islamische Weltanschauung ausgerichtet, wodurch Minderheiten diskriminiert werden. Alle muslimischen Kinder müssen den Islamunterricht in den Schulen besuchen, und Kinder von Konvertiten können schikaniert, diskriminiert und unter Druck gesetzt werden, zum Islam überzutreten. Christliche Kinder werden häufig von Gleichaltrigen in der Schule und darüber hinaus mit herabsetzenden und erniedrigenden Worten gemobbt, die oft mit rassistischen Begriffen verbunden sind.

Gesellschaftliches Leben

An den öffentlichen Universitäten gilt immer noch das Quotensystem, bei dem Bumiputra-Studenten (Malaien und Indigene) einen höheren Anteil haben, während für Nicht-Bumiputra-Studenten weniger Plätze zur Verfügung stehen. Artikel 153 der Verfassung erlaubt ein Quotensystem für den Eintritt in den öffentlichen Dienst. Daher werden im öffentlichen Sektor Malaien bevorzugt und ethnische und religiöse Minderheiten nicht akzeptiert. Folglich bewerben sich ethnische und religiöse Minderheiten nur selten auf diese Stellen.

Leben im Staat

Die Verfassung verbietet den Anhängern anderer Religionen, ihren Glauben mit malaiischen Muslimen zu teilen. Für ethnische Malaien ist es praktisch unmöglich, auf legalem Wege zum christlichen Glauben zu konvertieren, da die Verfassung dies verbietet und sie der Apostasie angeklagt werden können. Unternehmen, die sich nicht in malaiischem Besitz befinden, müssen mindestens einen Malaien als Vorstandsmitglied haben. Christen werden in den regierungseigenen Medien häufig verleumdet. Das prominenteste Beispiel war ein verleumderisches Video gegen den Erzbischof Julian Leow von Kuala Lumpur, das im Mai 2021 auf Facebook veröffentlicht wurde. Darin wurde er beschuldigt, einen angeblichen 25-Jahres-Plan zu verfolgen, um die muslimische Mehrheit langsam zu vertreiben. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Malaysia ein E-Book mit dem Titel „Exposing the Christian Agenda“ („Entlarvung der christlichen Agenda“) veröffentlicht.

Kirchliches Leben

Für Kirchen ist es sehr riskant, malaiische Konvertiten zu integrieren, vor allem in Westmalaysia, und so treffen diese sich im Geheimen. Gemeindeleiter sind natürliche Zielscheiben für Anfeindungen seitens religiöser oder ethnischer Gruppen, vor allem, wenn ihre Kirchen als evangelistisch tätig wahrgenommen werden. Die Entführung von Pastor Raymond Koh am helllichten Tag im Februar 2017 hat die christliche Gemeinschaft erschüttert. Sein Aufenthaltsort ist nach wie vor unbekannt, und die Täter sind noch nicht gefunden worden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Sondereinheit der Polizei beteiligt war.

Im März 2021 entschied der Oberste Gerichtshof, dass das Verbot der Verwendung des Wortes „Allah“ für Nichtmuslime verfassungswidrig ist. Die damalige Regierung erklärte, gegen dieses Urteil Berufung einzulegen, so dass immer noch Unsicherheit über die Verwendung des Wortes „Allah“ für „Gott“ besteht.

Im Berichtszeitraum des Weltverfolgungsindex 2022 gab ein stellvertretender Minister bekannt, dass die Bundesregierung vier neue Gesetze zur Stärkung der Scharia in Malaysia ausgearbeitet hat. Dazu gehörte auch ein Gesetz zur Kontrolle der Entwicklung nichtmuslimischer Religionen. Obwohl der Justizminister erklärte, dass im endgültigen Entwurf kein derartiger Vorschlag enthalten sei, zeigten sich Kirchen und Angehörige anderer religiöser Minderheiten alarmiert und gaben an, ein solches Gesetz widerspreche den verfassungsgemäßen Bestimmungen Malaysias. Auch wenn der Entwurf diesmal nicht angenommen wurde, ist dies ein Zeichen dafür, dass die religiösen Minderheiten in Malaysia mit wachsendem organisiertem Widerstand und Einschränkungen konfrontiert sind.

Beispiele für Auftreten von Gewalt

  • Im Mai 2021 wurde der Erzbischof von Kuala Lumpur, Julian Leow, in einem manipulierten Facebook-Video, das sich im Internet verbreitete, beschuldigt, einen angeblichen 25-Jahres-Plan zur langsamen Ausrottung der muslimischen Mehrheit zu verfolgen. Zuvor hatte er die Situation, in der sich die christliche Gemeinschaft befindet, mit der Analogie des „kochenden Frosches“ beschrieben.
  • Im April 2021 wurde der christliche Abgeordnete Steven Sim der „Christianisierung“ beschuldigt, als er den Menschen in seinem Wahlkreis, die mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu kämpfen hatten, Unterstützung zukommen ließ.

6. Entwicklung in den letzten 5 Jahren

Jahr

Platzierung

Punktzahl

2022

50

63,45

2021

46

63,25

2020

40

62,48

2019

42

59,83

2018

23

65,30

Die Punktzahl im Weltverfolgungsindex 2022 ist mit einem Anstieg von nur 0,2 Punkten fast gleichgeblieben wie im Weltverfolgungsindex 2021. Der Wert für Auftreten von Gewalt stieg um weitere 0,9 Punkte, blieb aber „ziemlich hoch“.

7. Sind Frauen und Männer unterschiedlich von Verfolgung betroffen?

Frauen: Die gesetzlichen Rechte der Frauen werden durch Bestimmungen untergraben, die Ausnahmen für die Scharia vorsehen. Frauen, die vom Islam zum christlichen Glauben konvertieren, sind der Gefahr sexueller Gewalt und/oder einer Zwangsheirat mit einem Muslim ausgesetzt. Es wurde von „Liebesfallen“ berichtet, in denen muslimische Männer christliche Frauen umwerben, um sie zu heiraten und sie zum Übertritt zum Islam zu bewegen. Manchmal werden christliche Frauen zwangsverheiratet, um den finanziellen Unterhalt der Familie zu sichern. Die Covid-19-Krise hat Berichten zufolge zu einem Anstieg der häuslichen Gewalt geführt, wovon wahrscheinlich auch Christinnen in solchen Ehen betroffen waren.

Männer: Nach einer Zeit der politischen Instabilität ist die neue Regierung für die malaysischen Christen ein Grund zur Sorge. Die Regierung hatte sich verpflichtet, die UN-Erklärung zur Beseitigung von Intoleranz und Diskriminierung aus Gründen der Religion oder der Weltanschauung zu unterzeichnen, doch extrem konservative muslimische Gruppen lehnen dies strikt ab, da sie befürchten, dass dies die Apostasie und die Evangelisierung unter Muslimen fördern könnte. Männer und Jungen sind häufig das Ziel solcher Gruppen. Die Verfolgung christlicher Männer erfolgt in der Regel in Form von Schikanen durch Selbstjustiz oder durch die Überwachung durch religiöse Autoritäten.

8. Verfolgung anderer religiöser Gruppen

Schiiten werden weiterhin als Bedrohung angesehen, da sie vom sunnitischen Islam abweichen. Hindus, Anhänger traditioneller chinesischer Religionen und Buddhisten sind wie Christen von der Vorzugsbehandlung der Regierung gegenüber ethnischen Malaien betroffen.

9. Gebetsanliegen

Bitte beten Sie für Malaysia:

  • Beten Sie mit den Menschen in Malaysia, die sich trotz der Risiken entscheiden, Jesus nachzufolgen. Bitten Sie Gott, ihnen die geistliche Nahrung zu geben, die sie brauchen.
  • Die Politik in Malaysia hat sich weit von der Religionsfreiheit und Sicherheit für christliche Konvertiten entfernt. Beten Sie um Religionsfreiheit und eine gerechtere Anwendung von Gesetzen und Prinzipien.
  • Bitten Sie Jesus Christus, den Partnern von Open Doors kreative Möglichkeiten aufzuzeigen, um trotz Einschränkungen Gottes Wort und andere glaubensstärkende Materialien zur Verfügung stellen zu können.