Weltverfolgungsindex 2026

Wesentliche Entwicklungen

Die Verfolgung hat sich weltweit gegenüber dem Vorjahr weiter leicht verschärft.

Weltweit sind mehr als 388 Millionen Christen wegen ihres Glaubens intensiver Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. In den 50 Ländern des Weltverfolgungsindex gilt dies sogar in einem sehr hohen bis extremen Maß. Davon betroffen sind 315 Millionen der dort lebenden Christen.

Lesen Sie hier ausgewählte wesentliche Entwicklungen zum aktuellen Weltverfolgungsindex, laden Sie die Informationen dazu als PDF herunter oder schauen Sie ein Video zum Thema.

Christen in Syrien stärker unter Druck als je zuvor

Eine Welle der Gewalt bringt das Land zurück unter die ersten zehn Länder des Weltverfolgungsindex; die christliche Bevölkerung nimmt weiter ab.

Die Situation der Christen in Syrien (Platz 6) ist aktuell schlechter als jemals zuvor. Das führt zur höchsten Punktzahl (90), die das Land je auf dem Weltverfolgungsindex innehatte. Syrien ist der einzige Neuzugang unter den ersten zehn Ländern der Rangliste. Der Hauptgrund dafür war ein starker Anstieg im Bereich Gewalt* um 9 Punkte von 7 im Vorjahr auf 16,1. (Die maximal mögliche Punktzahl beträgt 16,7.) Zu der wiederauflebenden Gewalt gehörten Angriffe auf Kirchen und eine Zunahme der Zahl der getöteten Christen.

Im Juni 2025 wurden bei einem Selbstmordanschlag während eines Gottesdienstes in der griechisch-orthodoxen Mar-Elias-Kirche in Damaskus 22 Christen getötet, 63 verletzt und das historische Kirchengebäude schwer beschädigt. Die syrische Regierung machte eine IS-Zelle für den Anschlag verantwortlich.

Während des aktuellen Berichtszeitraums (1. Oktober 2024 bis 30. September 2025) hat Open Doors den gewaltsamen Tod von 27 syrischen Christen aufgrund ihres Glaubens verifizieren können. Die tatsächliche Zahl liegt wahrscheinlich höher. In den zwölf Monaten zuvor lag die Gesamtzahl bei null. Diese Entwicklung, zusammen mit einer Zunahme der Angriffe auf Kirchen und der Zwangsschließung christlicher Schulen, erklärt den starken Anstieg der Wertung im Bereich Gewalt. Der Anstieg der Gesamtwertung um 12 Punkte gehört zu den größten jemals dokumentierten Zuwächsen innerhalb eines Jahres.

Gewalt ist jedoch nur eine von mehreren Ursachen für die verschlechterte Lage der Christen in Syrien. Die Übergangsverfassung vom März 2025 zentralisiert die Macht beim Präsidenten und legt die islamische Rechtsprechung als Hauptquelle der Gesetzgebung fest. In dieser noch frühen Phase nach Assad bleibt die politische Macht jedoch fragmentiert. Der weit verbreitete Mangel an öffentlicher Ordnung lässt extremistischen und militanten Akteuren Raum, Christen ins Visier zu nehmen. Die Folge ist neben einer Zunahme der Gewalt auch verstärkter Druck in anderen Lebensbereichen*. Mit Lautsprechern ausgestattete Fahrzeuge fahren durch die christlichen Viertel von Damaskus und fordern die Bewohner auf, zum Islam zu konvertieren.

An Kirchen wurden Flugblätter angebracht, in denen von den Christen die Bekehrung zum Islam oder die Zahlung der islamischen Kopfsteuer („Dschizya“) gefordert wird. Unterdessen wird das Bildungswesen gemäß der islamischen Ideologie reformiert, wobei die vorislamische Geschichte eliminiert, historisch bedeutsame Frauen aus dem Lehrplan entfernt und Koranauslegungen integriert werden. Darin werden beispielsweise Juden und Christen als „die Verdammten und Verirrten“ beschrieben.

 

*Informationen zur Methodik hinter dem Weltverfolgungsindex finden Sie unter https://www.opendoors.de/methodik

Die christliche Bevölkerung im Nahen Osten schwindet

Open Doors schätzt, dass in Syrien heute noch etwa 300.000 Christen leben – Hunderttausende weniger als vor zehn Jahren. Durch das Schrumpfen ihres Anteils an der Bevölkerung sind sie stärker gefährdet. In Gebieten, in denen es keine staatliche Sicherheit gibt, finden viele Syrer einen gewissen Schutz aufgrund ihrer Stammeszugehörigkeiten. Für einheimische christliche Familien, die in der Regel keinen Stämmen angehören, ist dies keine Option. Gleiches gilt auch für die meisten Konvertiten, da ihre Clans ihnen höchstwahrscheinlich nicht zu Hilfe kommen würden, sobald ihr christlicher Glaube bekannt würde. Im ganzen Land gilt die Konversion vom Islam zum Christentum im Zusammenhang mit dem Islam als Verrat, was heftigen Widerstand seitens der Familien und lokalen Führer auslöst.

Wie viele Christen genau in den Ländern des Nahen Ostens verblieben sind, lässt sich nur schwer sagen. Das gilt nicht nur für die vom Bürgerkrieg gebeutelten Länder Syrien (6) und Irak (18), sondern für die gesamte Levante einschließlich Israels, des Westjordanlandes und Jordaniens (49) – ganz zu schweigen vom Gazastreifen. Was bleibt, sind Augenzeugenberichte, Aussagen von Kirchenleitern und anderen Christen, die in der Region verblieben sind, sowie Informationen, die Open Doors von vertrauenswürdigen Partnern erhalten hat. Alle berichten von einer erheblichen Abwanderung von Christen.

Subsahara-Afrika: Gewalt nimmt weiter zu

Gewalt gegen Christen nimmt zu; schwache Regierungen lassen Christen in gesetzlosen Gebieten schutzlos zurück.

Während die Lage der Christen im Nahen Osten Anlass zu großer Sorge bietet, zeigt sich angesichts der schieren Anzahl verfolgter Christen in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara eine noch größere Dimension der Verfolgung. 14 Länder in der Region stehen aktuell auf dem Weltverfolgungsindex; dort leben mehr als 721 Millionen Menschen. In den meisten dieser Länder verschlechtert sich die Lage der Christen seit Jahren. Hauptgrund dafür ist eine Zunahme der Gewalt.

Die folgende Beobachtung verdeutlicht dies: Nur drei Länder auf dem Weltverfolgungsindex 2026 weisen die maximale Punktzahl im Bereich Gewalt auf (16,7). Alle drei liegen südlich der Sahara: Sudan (4), Nigeria (7) und Mali (15).

Die Untersuchungen zum Weltverfolgungsindex weisen auf einige Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern der Region hin. Dazu gehören ein geschwächter Staat, versagende oder nur eingeschränkt funktionierende Institutionen und bedingt dadurch fehlende Rechtsstaatlichkeit. Dadurch stehen Christen oft keine Rechtsmittel zur Verfügung, um sich gegen das erlittene Unrecht zur Wehr zu setzen. Gleichzeitig schaffen diese Bedingungen ein Vakuum, das häufig vor allem von bewaffneten islamistischen Milizen ausgenutzt wird.

Instabilität und Aufstände verschärfen Verfolgung

Von den 14 Ländern südlich der Sahara, die auf dem Weltverfolgungsindex 2026 stehen, haben fünf in den letzten fünf Jahren einen Umsturz erlebt. Zwei haben ihre Verfassungen außer Kraft gesetzt, darunter Niger (26), wo das Militär 2023 die Regierung gestürzt hat. Ein drittes Land, Eritrea (5), das seit seiner Gründung von demselben totalitären Regime regiert wird, hat eine vor 28 Jahren entworfene Verfassung nicht umgesetzt.

Im Sudan (4), in der Demokratischen Republik Kongo (29), Somalia (2), der Zentralafrikanischen Republik (22) und Mosambik (39) toben bewaffnete Konflikte.

Sudanesische Christen geraten zwischen die Fronten und werden sowohl von der Armee als auch von den oppositionellen Rapid Support Forces (RSF) angegriffen. Für sie spielt es kaum eine Rolle, wer die Oberhand hat. In den zwei Jahren, in denen die RSF die Hauptstadt Khartum besetzt hielt, zerstörte sie unter anderem die Gereif West Bible School, die Sudan Presbyterian Evangelical Church, die anglikanische Kathedrale von Khartum und die Evangelical Church in Omdurman. Kurz nachdem die sudanesischen Streitkräfte die RSF im März 2025 zur Freude vieler Einwohner aus der Hauptstadt vertrieben hatten, rissen sie im Juli einen Komplex einer Pfingstkirche ab. In Khartum und darüber hinaus wurden Hunderte von Kirchen beschädigt, religiöse Versammlungen gestört und christliche Leiter inhaftiert.

Die Demokratische Republik Kongo (DR Kongo) hat mehr als fünf Jahrzehnte lang Konflikte erlebt, an denen mehr als 120 Milizen und bewaffnete Gruppen beteiligt waren. Dennoch tauchte das zu 95 Prozent christliche Land erstmals 2021 auf dem Weltverfolgungsindex auf. Ein wichtiger Grund dafür ist das Aufkommen der regierungsfeindlichen Allied Democratic Forces, die seit 2018 mit der Terrormiliz Islamischer Staat verbunden sind und christliche Gemeinschaften im Osten der DR Kongo, insbesondere in Nord-Kivu, Ituri und Teilen von Süd-Kivu, ins Visier nehmen.

In Somalia nutzt die wiedererstarkte al-Shabaab, eine mit al-Qaida verbündete Gruppe, die Zersplitterung und die Spannungen zwischen der Zentralregierung und den Regionalstaaten aus.

Ein Friedensabkommen zwischen 14 bewaffneten Gruppen in der Zentralafrikanischen Republik aus dem Jahr 2019 scheiterte innerhalb kürzester Zeit. Seitdem haben sich die militanten Fraktionen die Kontrolle über das Land aufgeteilt, wo die Zentralregierung außerhalb der Hauptstadt Bangui nur wenig Einfluss hat. Unter den Rebellengruppen sind auch solche, die sich dem Ruf nach einem islamischen Staat angeschlossen haben.

Seit fast einem Jahrzehnt leidet die Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks unter einer gewalttätigen Rebellion islamistischer Aufständischer. Die wichtigste von ihnen ist die mit dem Islamischen Staat verbundene al-Sunnah wa Jama’ah, auch bekannt als Islamischer Staat Mosambik, die sich ausdrücklich gegen christliche Gemeinschaften richtet.

Schwache Regierungen, verbreitete Gesetzlosigkeit

Das Versagen oder gar der Zusammenbruch staatlicher Autorität hat dazu geführt, dass Kriminalität und dschihadistische Gewalt oftmals Hand in Hand gehen. Kriminelle machen Jagd auf Christen und versorgen islamistische militante Gruppen in vielen Fällen mit Geldern, die diese für die Umsetzung ihrer gewaltsamen Agenda verwenden. In sechs der 14 Verfolgungsländer südlich der Sahara gelten islamische Unterdrückung sowie organisiertes Verbrechen und Korruption als Hauptursachen für die Verfolgung von Christen. In vier weiteren Ländern stehen islamische Unterdrückung sowie organisiertes Verbrechen und Korruption an erster bzw. dritter Stelle der Ursachen für Verfolgung*.

Unabhängig davon, ob Kriminelle und Dschihadisten aus eigenen Motiven handeln oder sich gegenseitig unterstützen, haben sie eines gemeinsam: die Gewissheit, dass sie seitens der Regierung höchstwahrscheinlich keine Konsequenzen zu befürchten haben.

Nigeria (7) war als bevölkerungsreichstes Land Afrikas und Heimat der größten christlichen Bevölkerung des Kontinents schon immer auf dem Weltverfolgungsindex vertreten. Seit 2021 gehört es zu den ersten zehn Ländern der Liste. Dort hat das Ausmaß der Verfolgung mit 89 Punkten einen neuen Höchststand erreicht. Das betrifft auch die Zahl der ermordeten Christen: Von den 4.849 Christen, die aufgrund ihrer christlichen Identität während des aktuellen Berichtszeitraums weltweit getötet wurden, waren 3.490 Nigerianer – gegenüber 3.100 im Vorjahr. Die Angreifer sind in der Regel islamistische militante Gruppierungen – sowohl länger existierende wie Boko Haram als auch relativ junge wie Lakurawa oder Mahmuda; hinzukommen, gerade im Mittelgürtel des Landes, extremistische Muslime der ethnischen Gruppe der Fulani.

Der nigerianische Präsident Bola Tinubu hatte zu Beginn seines dritten Amtsjahres Mitte 2025 erklärt, entschlossen gegen die herrschende Gewalt im Land vorzugehen – bislang ohne Erfolg. Etwa 3,4 Millionen Nigerianer sind nach wie vor Binnenvertriebene. Christen in Lagern im Nordosten berichten von Diskriminierung bei der Verteilung von Hilfsgütern.

Trotz eines Friedensabkommens aus dem Jahr 2022, das den zweijährigen Bürgerkrieg in Äthiopien (36) offiziell beendete, sind die Ursachen des Konflikts nach wie vor ungelöst. Der Waffenstillstand hat keine dauerhafte Normalisierung gebracht, in den Regionen Amhara und Oromia hat sich die Gewalt sogar verschärft. Im aktuellen Berichtszeitraum brandschatzten, zerstörten oder plünderten bewaffnete Gruppen dort mindestens 25 Kirchen. Gläubige wurden angegriffen, Gegenstände religiöser Natur zerstört und ganze Gemeinden zerstreut. Christen wurden beschuldigt, sich geweigert zu haben, die Militanten zu unterstützen.

Der radikale Islam gewinnt in dem mehrheitlich christlichen Land zunehmend an Einfluss. In mehrheitlich muslimischen Regionen wie Somali und Teilen von Oromia leiden christliche Konvertiten unter Angriffen durch aufgebrachte Menschenmengen, das Niederbrennen von Kirchen und systematischer Diskriminierung.

In Burkina Faso (16) kommen alle Faktoren in besonders ausgeprägter Form zusammen: Instabilität, Zusammenbruch der staatlichen Ordnung, Aufkommen dschihadistischer Aufstände und Kriminalität. Die Regierung wurde 2022 zweimal gestürzt, und seitdem ist die Verfassung außer Kraft gesetzt.

Im Norden und Osten des Landes ist die staatliche Autorität zusammengebrochen – dort, wo dschihadistische Gruppen wie Jama’at Nasr al-Islam wal Muslimin und der Islamische Staat in der Großregion Sahara ungehindert operieren: Sie brennen Kirchen nieder, töten Geistliche und setzen strenge islamische Gesetze durch. Zehn Prozent der Bevölkerung des Landes sind auf der Flucht. Im Bericht Gewalt liegt Burkina Faso nahe am Höchstwert.

 

*Informationen zur Methodik hinter dem Weltverfolgungsindex finden Sie unter https://www.opendoors.de/methodik

In die Isolation getrieben

Überwachung und strenge Regulierung spalten christliche Gemeinschaften und treiben Kirchen in den Untergrund.

Neben den offensichtlichen Formen von Verfolgung zeigt der Weltverfolgungsindex 2026 aber auch subtilere Entwicklungen auf: Eine Kirche, die weniger durch Gewalt als vielmehr durch Druck in anderen Bereichen des christlichen Lebens* in die Isolation getrieben wird. Ein Beispiel dafür ist Algerien (20).

Auf den ersten Blick blieb die Situation der dort lebenden Christen gleich – die Gesamtpunktzahl liegt mit 77 Punkten auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Dennoch gibt es wesentliche Veränderungen. Die erste ist ein Rückgang der Punktzahl für Gewalt. In den vergangenen Jahren hatte sich die Schließung von Kirchen in diesem Bereich maßgeblich ausgewirkt. Allerdings sind mittlerweile alle protestantischen Kirchen in Algerien geschlossen. Das Ergebnis: ein Rückgang der Gewaltpunktzahl und eine protestantische Kirche, die in den Untergrund getrieben wurde. Parallel dazu hat sich die Lage in anderen Bereichen des christlichen Lebens verschlechtert, insbesondere in den Bereichen gesellschaftliches Leben und Leben im Staat*.

In jüngster Zeit hat sich der staatliche Druck auf protestantische Christen in Algerien verstärkt – besonders im Blick auf die Online-Aktivitäten der Kirche. So schlossen Behörden im Dezember 2024 eine christliche Facebook-Gruppe mit mehr als 50.000 Followern. Darüber hinaus stellten die Behörden sicher, dass zuvor geschlossene Kirchen geschlossen blieben und die Gemeinden ihre sonstigen Aktivitäten einstellen mussten. Infolgedessen haben alle 47 Kirchen, die zur Protestantischen Kirche Algeriens gehören, ihre Aktivitäten eingestellt, ebenso wie andere unabhängige Kirchen. Nach Einschätzung von Open Doors haben mehr als 75 Prozent der algerischen Christen ihre Verbindung zur Gemeinde verloren. Wer dennoch an heimlichen Treffen in Privathäusern oder Geschäftsräumen teilnimmt, riskiert damit bei Entdeckung eine Gefängnisstrafe.

Westlich von Algerien in Mauretanien (21) und östlich davon in Tunesien (31) sind ähnliche Dynamiken am Werk, wenn auch in etwas geringerer Intensität. Obwohl die Gewalt in Mauretanien zunimmt, sind es vor allem die Verschlechterungen in den fünf Bereichen des christlichen Lebens in diesem Land, die für den Anstieg der Punktzahl um 2 Punkte im Jahr 2026 verantwortlich sind. Mit der Rückkehr Tunesiens unter eine autoritäre Regierung im Jahr 2021 haben die Sicherheitsdienste die Überwachung der Christen intensiviert. Im aktuellen Berichtszeitraum wurden erstmals mehrere ausländische Christen verhaftet und ihre Wohnungen durchsucht. Dabei verknüpften Behörden ihre Kampagne gegen illegal eingereiste christliche Migranten aus Subsahara-Afrika zunehmend mit Anklagen gegen ausländische Christen, indem sie diesen „Menschenhandel“ vorwarfen.

Weit von Nordafrika entfernt zeigt sich der Trend zur Isolation der Christen auch in China (17), obwohl es sich um ein ganz anderes Land handelt, in dem ganz andere Bedingungen herrschen. Chinas Punktzahl auf dem Weltverfolgungsindex stieg 2026 auf einen Rekordwert von 79 Punkten. Auch hier war nicht der Faktor Gewalt entscheidend, sondern der Punktanstieg im Bereich Leben im Staat*. Im September 2025 veröffentlichte die Regierung „Vorschriften zum Online-Verhalten von Geistlichen“. Diese Liste mit 18 Regeln verlangt unter anderem von religiösen Leitern, die Kommunistische Partei Chinas zu unterstützen, „Religionen zur Anpassung an die sozialistische Gesellschaft anzuleiten“ und Predigten nur auf lizenzierten Websites zu veröffentlichen. Gleichzeitig wird die Verwendung „religiöser Themen und Inhalte, um Aufmerksamkeit zu erregen“, ebenso verboten wie die Weitergabe von Glaubensinhalten an Jugendliche. Außerdem verboten werden das Sammeln von Spenden, die Nutzung von Live-Videos in Social-Media-Apps, Bibel-Apps, die Verteilung religiöser Publikationen sowie das Sprechen über „Heilung“. Derartige Vorschriften, die streng und einheitlich umgesetzt werden, machen es für Kirchen immer schwieriger, sich der offiziellen kommunistischen Ideologie zu entziehen.

Ein kurzer Blick über die 50 Länder des Weltverfolgungsindex hinaus zeigt, dass auch Vietnam (55) in dieses Muster passt. Seine Gesamtpunktzahl sank im Jahr 2026, was ausschließlich auf einen Rückgang der Punktzahl im Bereich Gewalt zurückzuführen ist. Gleichzeitig stiegen die Punktzahlen in den Bereichen Privatleben, Leben im Staat und kirchliches Leben in Vietnam.

 

*Informationen zur Methodik hinter dem Weltverfolgungsindex finden Sie unter https://www.opendoors.de/methodik

Positive Neuigkeiten

In Bangladesch (33) herrschte im letzten Berichtszeitraum relative Ruhe, nachdem die Unruhen im August 2024 zum Sturz des Premierministers geführt hatten. Die Unruhen hatten auch die christliche Minderheit erheblich betroffen. Mit der generellen Beruhigung der Lage ging auch ein Rückgang der Gewalt gegen Christen einher: von 16,1 Punkten um 20 Prozent auf 12,8. Der Chef der Übergangsregierung, Muhammad Yunus, gab eine Reihe öffentlicher Erklärungen zur Bedeutung der Religionsfreiheit ab. Ob sich dieser Trend nach der bevorstehenden Wahl im Februar 2026 fortsetzt, wird auch davon abhängen, wie stark islamistische Kräfte an Einfluss gewinnen.

Während sich die Lage der Christen in Mexiko (30) und Kolumbien (47) nicht verbessert hat, gibt es jedoch auch von dort Positives zu berichten. In den Medien, der Zivilgesellschaft und bei einigen staatlichen Akteuren wächst das Bewusstsein für die besonderen Risiken, denen religiöse Leiter vonseiten organisierter Kriminalität und bewaffneter Gruppen ausgesetzt sind – besonders in den von ihnen beherrschten Gebieten. Die Gefährdung der Christen ist in der Öffentlichkeit stärker sichtbar geworden.

In Nicaragua (32) und Kuba (24), wo der Druck hauptsächlich von staatlichen Stellen ausgeht, haben sich die internationale Beobachtung von Verletzungen der Religionsfreiheit und das Eintreten für die betroffenen Kirchen und religiösen Führer deutlich intensiviert. In allen vier Ländern zeigen die Kirchen eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit und Kreativität bei der Anpassung ihrer Seelsorge und Gemeindearbeit; trotz eines sehr restriktiven Umfelds dienen sie an vielen Orten weiterhin gefährdeten Bevölkerungsgruppen.

Video: 3 Entwicklungen auf einen Blick