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Bangladesch: Verhängnisvoller Hausunterricht

Dorfbewohner durch Gerücht aufgestachelt - Engagierter Christ gibt nicht auf

(Open Doors) - Niemals hatte Rashid seine Frau in Gefahr bringen wollen. Und doch entlud sich der Zorn von Dorfbewohnern auch gegen die 30-jährige Tara. Der Auslöser war wie so oft ein Gerücht.

Rashid ist 40 Jahre alt. Die Familie lebt in einem abgelegenen Dorf im Distrikt Kushtia im Westen von Bangladesch. Das Geld zum Leben verdient er als Trockenfischhändler. Rashid und Tara Begum haben zwei Kinder: Shakkhor ist zehn Jahre alt, Tuhin ist sieben. Während seines Studiums las Rashid viele Male das Injil (Arabisch: Neues Testament), hatte christliche Freunde und beständig wuchs seine Neugier auf den Glauben der Christen. Am 1. November 2011 - das Datum weiß er noch genau - legte der Muslim schließlich sein Leben in Jesu Hand und wurde Christ.

Schule im eigenen Haus

Bangladesch: Rashid und Tara Begum nach dem Überfall/Open DoorsIm Januar lernten Mitarbeiter von Open Doors Rashid kennen. Er nahm an einer unserer mehrtägigen Schulungen für Lehrer teil, die Analphabeten lesen und schreiben beibringen wollen. Voller Enthusiasmus und mit einem Stapel von Lehrmaterialien kehrte er in sein Dorf zurück, um dort Christen zu unterrichten. Sie sollten eines Tages selbst in der Bibel lesen können. Gleich am nächsten Tag startete er in seinem Haus die 1. Klasse. Weil Bildung neue Perspektiven öffnet, wollten auch einige muslimische Dorfbewohner an Rashids Hausunterricht teilnehmen. Der Lehrer hieß sie willkommen und gab auch ihnen die Lehrbücher. Der Unterricht begann. (Foto: Rashid und Tara/Open Doors)

Folgenschweres Gerücht

Doch schon nach wenigen Tagen kursierte ein Gerücht im Dorf: Rashid wolle Muslime bekehren, hieß es. Denn die Schulmaterialien enthielten Bibelverse -schließlich war der Unterricht für Christen ausgelegt. Das Gerücht verfehlte seine Wirkung nicht. In der Nacht des 29. Januars tauchte eine Gruppe muslimischer Frauen bei der Familie auf. Rashid war auswärts unterwegs. Nur Tara und die Kinder waren daheim. Es kam zum Streit. "Plötzlich schlugen sie mich, als wäre ich ein Tier. Ich habe geschrien, dann wurde ich ohnmächtig", erinnert sich Tara. Die Kinder standen dabei und schrien vor Angst um die Mutter. Erst im Krankenhaus kam sie wieder zu sich.

Nicht aufgeben

"Unsere Nachbarn drohten uns noch heftigere Schläge an, um Dorfbewohner vor uns zu schützen", sagte Rashid. "Ich habe keine Angst um mein Leben, aber um das meiner Kinder und um Tara." Zwar gab es zwei Tage nach dem Angriff ein "Versöhnungstreffen" zwischen Dorfbewohnern und Rashid. Doch als bekannt wurde, dass er ein Konvertit ist, verließen die meisten das Treffen. Tara drängte darauf, den Angriff anzuzeigen, doch Rashid zögerte. Er will weitere Spannungen vermeiden. "Ich bete inständig, dass Gott uns hilft, unser Kreuz zu tragen. Denn ich glaube daran, dass der Druck abklingen wird und sich die Menschen öffnen werden." Noch ist die Stimmung gereizt. Den Unterricht hat Rashid gestoppt. Vorerst. Er sucht nun nach einem Ort, an dem Christen sicher und gefahrlos lesen und schreiben lernen können.

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Was der Familie von Rashid widerfahren ist, ist durchaus symptomatisch für den Umgang mit Christen muslimischer Herkunft in Bangladesch. Die Mehrheit der Einwohner sind Muslime. Häufig stehen Christen unter Generalverdacht, Muslime durch verlockende Angebote zum Glaubenswechsel "bekehren" zu wollen. Wenngleich die Verfassung Religionsfreiheit festschreibt, werden religiöse und auch ethnische Minderheiten diskriminiert, schikaniert und in manchen Fällen harsch verfolgt. Vorfälle dieser Art finden in lokalen oder landesweiten Medien kaum Beachtung. Bangladesch belegt Platz 49 auf dem Weltverfolgungsindex.

Bangladesch: ein Frau lernt schreiben/Open Doors ProjektOpen Doors in Bangladesch

Seit vielen Jahren unterstützen wir mit einer Reihe von Projekten Christen in Bangladesch. Neben weltweiten Gebetsaufrufen rüstet Open Doors mit biblischen Schulungen und Seminaren Christen muslimischer Herkunft aus, darunter Pastoren und Gemeindeleiter, damit sie trotz Verfolgung ihren Glauben leben können und gestärkt sind, Gemeinden entsprechend anzuleiten. Zudem ist Open Doors an der Produktion und Verteilung christlicher Literatur in lokalen Dialekten – zum Beispiel biblische Kindergeschichten - beteiligt und hilft Familien in Notsituationen.

Gebetsanliegen:

Beten Sie für Rashid und Tara und ermutigen Sie sie in einer schweren Zeit.

  • Danken Sie, dass die beiden an ihrem Glauben mutig und standhaft festhalten.
  • Beten Sie für Tara und die Kinder, dass sie den Überfall gut verarbeiten. Für die Behandlung im Krankenhaus und Medikamente kam Open Doors auf.
  • Beten Sie um Schutz und Bewahrung für die Familie. Möge Rashid bald mit dem Unterricht fortfahren können.

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